1844 / 68 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

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S d in nq nicht zu Stande gekommen un A

r einberufene Stände-Bersanmme, 4 beweglichen Gründen s Ee. rFsamfkeit gerei E Verweisung auf die durch $. 81 der Verfassi 1g x Herzogl. Durchlaucht M cóherrliche Befugniß die vördersanste Due M rüntete Lo ciner neuen Stände - Versammlung angeor net,

Wablen zu! Le E: hat demgemäß uns angewiesen, díe Wahlen bhe Landed-= 79, Abgeordneten der hiesigen Bürger-

» r den ändischen z e b ti ten der Wahlmänne, fer leiten. Wir laden daher die wahlberechtigte smáäßíg zu lei schaft verfassung

C welchen dieselben aus den 9 Distrikten sich Bürger e die Tage, R und persönlichen Erscheinen vor uns vor, zu stellen

nfktli 1, Sn ° s der 1) ber wahlfähigen Bürger ihres respektiven Distriktes vier t : J

um aus indischen Abgeordneten zu wählen, Jm Raihhaus- Wahlmänner des N iten, sobald sie vollendet sein werden, öffentlich

Vorsaal werd 1 Wähler is aufgefordert, Einsicht voi ihnen zu E , Jeder Wähler 1k ausgesc L É angeslage? t Bemerkungen zu ihrer Vervollständigung und Berich- E illg auf dem Polizei-Büreau anzumelden.

figun 7. Februar 1844, Koburg, s Moisrat s Herzoglichen Nesidenzstadt, Beratner,“ Am 25sten d. fand hier im Residenzschloß, und zwar im Riesen- saal, eine so großartige Feierlichkeit statt, wie man sie zuvor nie ge- sehen. Der junge Herzog, nebst seiner durchlauchtigen Gemahlin, émpfingen die sämmtlichen Deputationen aller Dikasterien, des Ma- istrats und einer Anzahl von mehr als 1000 Bürgern, an welche fich die Deputationen mehrerer Vereine angeschlossen hatten, ferner die Beamten und Schulzen sämmtlicher Aemter zur Kondolenz über den Verlust des höchstseligen, so allgemein rèctiy Herzogs und um die Glückwünsche zum erfolgten Negierungs-Antritt entgegenzunehmen. Se. Herzogl. Durchlaucht unterhielt si<h mit vielen Deputirten „auf das Huldreichste, und für alle dabei gegenwärtig Gewesene wird dieser Tag unvergeßlih bleiben.

Freie Städte. Hamburg, 5. Aas: (B: H) Die gestern Morgen von Kuxhaven abgegangenen Dampfschiffe trafen Nachmittags bei Âltona ein und dur<brahen so weit wie “mögli<h die Eisde>e, do gaben gegen 5 Uhr vier derselben die Arbeit auf, nur „Wm. Darley““, Capt. Draper, nicht; so oft das Cis seine Fahrt hemmte, wi< er nur zurü>, um dur erneutea Anlguf dasselbe weiter zu zer- trümmern. Ehe das jedo<h no< gelang, kam „Hamburg“, Capt. Brown, in voller Fahrt heran, benußte die von „Wm. Darley““ ge= brohene Furche und drang weiter vor, wobei das Manöver der Be- sabung, dem Schiffe cine shwankende Bewegung zu geben, si sehr wifsam zeigte. Den vereinten Anstrengungen beider Schiffe gelang es jebt, die Eisde>e bei Altona zu sprengen, und so erreichten beide fast zugleich, do<h „Hamburg““ zuerst, den hiesigen Hafen. Das Eis ist nunmehr dadurch völlig ins Treiben gekommen, und das Fahr= wasser i} hier ziemli rein.

Oesterreichische Monarchie.

Mailand, 25. Febr. (Gazz. di Milano.) Am 16ten wurde die Urne mit dem Herzen der verstorbenen Erzherzogin Marie Karoline Auguste, Tochter Sr. Kaiserl. Hoheit des Vice-Königs, mit allen bei sol<hen Gelegenheiten üblichen Feierlichfeiten in der Kirche S. Fedele neben dem Sarge des Erzherzogs Maximilian, Bruders der Verstorbenen, beigesebt.

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gewesen, habe dieser dur sein Verfahren sie von neuem aufgeregt, Aus einer Phantasie - Flagge habe er cine wichtige Angelegenheit gemacht, wäh- rend diese Flagge das Protektorat nicht im geringsten beeinträchtigte, Einer schwachen Frau gegenüber habe derselbe mit unbegreifliher Strenge und Härte gehandelt, die übel bera:hen gewesen scin möge, die aber durch einen Akt der Schwäche ihre Souverainetät nicht verlieren konnte. Er finde das Verfahren des Admirals theils getwvaltthätig, theils unklug. Man solle die Kammer nicht durch Diskussionen über die National-Ehre, National-Würde und National-Flagge erhißen, sondern falt und ruhig dic Thatsachen erörtern und ab wägen. Statt in unnüße Details, in Nebensachen sich zu verlieren, welce ohne Vortheil die ganze Politik des Landes ändern lönnten, sei es weiser, klüger, politischer, das gute Einvernehmen mit England aufrecht zu erhalten, (Lä1m, unterbrochen von dem Rufe: Ja! Ja!) „Durch euer Verfahren “, schloß der Redner, opfert ihr die große Politik eurer Eitelkeit und Selbstliebe. ‘“ (Beifall.) :

__ Herr Mermillod suchte den Admiral Dupetit - Thouars zu entschul- digen gegen die Angriffe des vorigen Neduers auf denselben, die er be- dauerte. Er sei überzeugt, sagte er, daß der Admiral nur aus Nothwen- digkeit so gehandelt habe. Die Regierung habe vielleicht allzu schnell ihn gerichtet; man hätte zuvor ihn hören sollen, ehe man ihn verurtheilte.

Marschall Sebastiani, der darauf das Wort nahm, sprach so leise, daß cs schwer war, ihn zu hören. Er fand ebenfalls, daß man nicht so leihthin zur Absezung der Königin Pomareh hätte schreiten dürfen,

Herr Avllies erklärte sich dagegen für überzeugt, daß die französische Flagge insultirt worden,

Herr von Gasparín, der si< sodann erhob, hielt eine sehr energi- sche Nede gegen diejenige Politik überhaupt, welche aus leeren Ehrgeiz fortwährend nach auswärtigen Vergrößerungen strebe, Schon das Protek torat Frankreichs über Otaheiti mißbilligte er, no< mehr die Besißnahnme der Jusel. (Eine nähere Mittheilung von Stellen aus dem interessanten Vortrage diescs Redners befindet sich ín der unten folgenden Korrespondenz aus Paris.)

Nach diescm Nedner hatte Herr Guizot das Wort, der sih im We- sentlichen folgendermaßen vernehmen ließ: „M. H, Die Frage nahm am Schlusse der gestrigen Sißung ein ganz anderes Ansehen an, als sie zu Anfang gchabt; deun die Einwendungen richteten sich ni<t mehr blos gegen die Form und Zeit des von der Regierung gefaßten Beschlusses, sondern

man war sehr eifrig bemüht, zu beweisen, daß wir das Verfahren des Ad- mirals Dupetit-Thouars hätten gutheißen müssen. Einige Mitglieder scheinen

Frankreich.

Deputirten-Kammer. Sihung vom 1. März, Eine ungeheure Menge von Neugierigen hatte heute {hon seit früher Mor- genstunde alle Aunkinüe zu der Kammer förmlich belagert, und als die Thüren endlich geöffnet wurden, waren in wenigen Augenblicken die Galerieen und Tribünen buchstäblich überfüllt. Auch die diplomatischen Tribünen waren wieder außergewöhnlih zahlrei<h beseßt und die De= putirten in selten geseheuer Vollzähligkeit anweseud. Beide Theile, Ministerielle und Opposition, begriffen, daß es heute einen ernsten, entscheidenden Kampf galt, in welhem ihre beiderseitigen Kräfte mit- einander si< messen sollten, Die Sibung wurde um 17 Uhr eröffnet,

Herr Ducos verlangte, seinen gestern gestellten Antrag entwi>eln zu dürfen, Er sagte, der Minister der auswärtigen Angelegenheiten habe am Schlusse der gestrigen Sigung angekündigt, daß er no< cine Menge Dinge zu sagen habe. (Lärm, Murren.)

Herr Guizot widerspricht dieser Behauptung als unrichtig.

Herr Ducos verlangt nun, daß die Kammer ihm erlauben möge, die Worte des Ministers nah dem Moniteur ihr vorlesen zu dürfen, Der Redner liest die Stelle, aber es steht darin nichts von den angeblich vielen Dingen, die no<h beizufügen wären, (Eine Stimme aus dem Centrum: Das is etwas ganz Anderes. )

Herr Ducos! Er habe feinen absoluten Siun an seine Worte knüpfen wollen, Wenn der Herr Minister ctwas fagen wolle, möge er die Tribüne besteigen,

Herr Guizot: Er habe gestern sogleich den Vorschlag des Herrn Ducos zu bekämpfen verlangt, Er habe eine neue Diskussion cines neuen An- trags gewollt, und darauf seien seine Worte zu bezichen, Jn die motivirte Tagesordnung des Herrn Ducos habe er natilih nicht cinwilligen können, ohne sie zu bekämpfen, Herr Ducos möge sie entwickeln, dann weide man sie bekämpfen, (Beifall im Centrum.)

_ Herr Ducos: Er behalte sich deren Entwickelung vor für den Augen- bli>, der ihm geeignet scheine, (Heiterkeit im Centrum.) Er stüge dieselbe auf das, was von den Herrn Dusaure und Billault gestern auf der Tri- büne gesagt woiden,

Herr d'Angeville: Er habe erwartet, Herr Ducos werde heute sei- nen Antrag entwi>eln, ( Beistimmung.) Da er dies nicht thue, wolle er die Ansichten der beiden Redner bckämpfen , auf die {h Herr Ducos stüße, Herr d'Angeville tadelte nun das Verfahren des Admirals Dupetit-Thouars, Gerade in dem Augenblicke, wo alle Schwierigleiten des Protektorats gelöst

der Meinung zu sein, der Admiral sei durch eine Verletzung des -bestehcnden Vertrages zu seinem Verfahren berechtigt gewesen, während Andere behanp- ten, er habe überhaupt durchaus so handeln müssen, um Frankreichs Ehre zu behaupten. Eine Verleßung des Vertrags kann ih nirgends finden, denn die Königin Pomareh weigerte sich zu feiner Zeit, ihn auszuführen. Sie erklärte sich im Gegentheil bereit, ihn zu erfüllen, wenn sie auch gleichzeitig die Klage verlauten licß, daß sie ihn niht aus ganz freier Bewegung, sondern nur aus Furcht unterzeichnet habe. Jhre Be- weggründe aber haben wir nicht zu untersuchen, noch sie darüber zur Nechen- schaft zu ziehen; für uns reicht es hin, daß sie den Vertrag unterzeichnet hat und ihn erfüllt. Der Vertrag is auch von keiner anderen Seite her verlegt worden. Jch habe allerdings gesagt, es seien der Königin üble Rathschläge ertheilt worden, aber ih muß hier durchaus eine Unterscheidung machen, die man bis jeßt nicht genug hervorgehoben hat, Man hat im All- gemeinen von England gesprochen, als ob England zu diesem oder jenem Benehmen angetrieben hätte. Dies, meine Herren, is eine ungehörige Art sih auszudrücken, Englische Unterthanen handelten allerdings so, nicht aber die englische Negierung, denn diese hat gerade das Gegentheil gethan, Sie erklärte stets, daßsie in unser Protektorat sich nicht einmischen werde, und sie hat ihre Agen- ten in diesem Sinne instruirt. (Hört!) Sie war zwar nicht im Stande, allen Umtrieben ein Ziel zu seßen, aber sie that, was sie kounte, und ich habe hinreichende Erfahrung von der Ehrenhaftigkeit der englischen Negic- rung, um zu wissen, daß sie ohne Herausforderung von unserer Seite einem von ihr selb} gebilligten Zustand der Dinge kein Hinderniß in den Weg legen wird. Jch habe dies feste Vertrauen, und bín überzeugt, daß es nicht getäuscht werden wird, Der Vertrag is also weder von Seiten der Köni- gin Pomareh, noch von Seiten Englands verleßt, sondern er besteht noc<z in voller Kraft für alle dabei Betheiligte. Der Admiral hatte also kein Necht, von dem Wortlaute des Traktats abzuweichen. Er mochte die viel- besprochene Flagge herunterreißen und die Protektorats -Flagge an ihre Stelle seßen, aber er mußte die Königin im Besiß ihres Gebietes lassen, (Murren auf der linken Seite.) Man hat im Laufe dieser Debatte sehr viel von National - Ehre, von der Ehre unserer Flagge und von der Pflicht der Regierung gesprochen, ihre braven Seeleute zu unterstüyen, die sich, 4000 Meilen von ihrer Heimat entfernt, dem Dienste unserer großen National-Juteressen widmen. Jch kenne kein beklagenswertheres Schauspiel, meine Herren, als wenn man große und wichtige Gedanken dem J

Jrrthum dienen läßt. (Hört!) Auch wir fühlen eben so stark, wie unsere Gegner, das Hochherzige in jenem

Gedanken, Auch wir wollen, daß der Schuß des Landes unsere Seeleute überall hinbegleite, Aber gicbt es nicht no< einen anderen Gesichtspunkt für die Frage? Wäh- rend unsere Seeleute auf unseren Schiffen das Vaterland in cine weite Ferne tragen, bleibt da nicht hier das große Vaterland zurü? Sind bei ihrem Benchmen, bei ihren Handlungen nicht allgemeine Jnteressen betheiligt? Sind hier nicht 35 Millionen Franzosen, auf die eine einzige Handlung jenes Seemannes, der 4000 Meilen weit von seinem Lande auf den Wogen treibt, einen entscheidenden Einfluß ausüben kann? Kann er nicht in einem einzigen Augenbli>k, durch eíne einzige Handlung auf das Geschi> des Laudes, auf Fricden und Krieg, auf Wohl und Wehe dieser 35 Millionen entscheidend einwirken? Und wollen Sie die Negie- rung, die an Alles densen muf, diese wichiige Scite der Frage in Betracht zu ziehen, verhindern; soll sie von ihren Seeleuten nicht vollkommene Be- folgung der ihnen eitheilten Befehle verlangen dürfen? (Nuf zur Lin- fen: Sie haben ihnen ja keine ertheilt!) Was die Ehre Frankreichs be- trifft, so besteht sie besonders in treuer Eifüllung der in Bezug auf Ver- träge gegebenen Versprechungen, Unserer Flagge aber is hier kein Schimpf zugefügt worden, denn, noch einmal sei es gesagt, die Protektorats- slagge hat auf der Jusel fortwährend gewehtz sie ist niemals herunterge- nommen gewesen. Jch komme nun auf die Frage über den englischen und französischen Einfluß in der Südsee, Jun dieser Beziehung glaube ich,

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daß der mächtigste Einfluß, welcher jeßt in Oceanien wirkt, von der aus

| Europa dabin gebrachten Religion ausgeht, Jh meine nit blos den pro- testantischen, sondern auch den fkatholishen Glauben, der bereits auf mehre- ren Punkten jenes Archipels begründet is, Wir haben den englischeu Mis- sionairen zu Otaheiti Schuß und Sicherheit versprochen, und wir haben unser Wort gehalten. Wir sind nicht die einzige Macht, die einen solchen Schuß ausübt, Jn Neu-Seeland giebt es fatholisde Pricster und einen Bischof an ihrer Spiße; über 20,000 der Eingebornen sind bekehrt und die Engländer beschüßen die katholische Religion dort cben so wie wir die protestantische zu Otaheiti. Glauben Sie, daß es eine leite Sache ist, diese beiden Neligionen neben einander iîn Wirksamkeit zu erhalten? Glau- ben Sie nicht, daß schr leit ein Krieg daraus eutstehen fönnte, wenn man nicht sehr vorsichtig zu Werke ginge? Es is ohne Zweifel ein erha- benes Schauspiel, diese beiden Religionen im \ympathetischen Einklange neben einander wirken zu sehen. Aber es is auch cin gefährlihes Schau- spiel, welches nur unter der Bedingung fortdauern kaun, daß es durch die Eintracht der großen Negierungen, von denen die Missionaire ausgehen, beshügt wird. Wollen Sie, m. H., daß der jegige Zustand der Dinge fortdauere, so bemühen Sie sich, die Eintracht zwischcn den beiden Regierungen zu erhalten und lassen Sie niht dur< den unbe- sonnenen Schritt eines Mannes, wie muthig und patriotish der- selbe au sein möge, und ih will die Verdienste des Admirals Dupetit- Thouars keinesweges bestreiten, lassen Sie nicht dadurch ein solches Werk zerstören. Jch komme nun zu dem Antrage des Herrn Ducos. Wir verlangen keine förmlihe und unbedingte Billigung unserer Handlungsweise von der Kammer; wir haben auf unsere eigene Verantwortlichkeit hin ge- hantelt, und wir legen der Kammer hier unsere Beweggründe dar. Es ist dies eist der Anfang einer Handlung; die Zukunft wird zeigen, ob wir

Necht gethan. Man verlangt von Jhnen, daß Sie auf indi:ekte und, ent- schuldigen Sie den Ausdru>, auf heuchlerische Weise tadeln sollen, was wir gethan, (Murren auf der linken Scite.) Jch wiederhole, wir verlangen keine Billigung. Möge Herr Ducos die Motion zu seinem Vorschlage ent- wickeln, aber ih und meine Kollegen, wir betrachten denselben als einen iín- direkten und verste>ten Tadel und können ihn nicht annehmen, Wir be- g:eifen unsere Verantwortlichkeit im vollsten Umfange, und sobald wir von der Kammer eine von jenen Manifestationen erhalten, die cine Verwaltung cuifräften müssen, werden wir aufhören, dieselbe auszuüben. (Beifall)

Herr Ducos: Die Kammer wird das Gefühl würdigen, welhes mich unter dem Borwurf, als hätte ih eine heuchlerische Maßregel vorgeschla- gen, das Wort zu nehmen veranlaßt, Jn einer solchen Sprache is mehr Heuchelei, als in meinem Verfahren. Es ist mehr als Heuchelei in einer sol<hen Sprachez es liegt Furcht darin, und darin erscheint der Minister der auswärtigen Angelegenheiten in vollkommener Uebereinstimmung mit den übrigen Handlungen seines Lebens, (Murren: Zahlreiche Stíim- men: Zur Ordnung!) Jch würde gewiß sehr empfindlich \ein gegen die- sen Nuf: zur Ordnung, aber wer unter Ihnen möchte sich wohl durch den Vorwurf der Heuchelei weniger beleidigt fühlen, als durh den von mir dem Minister gemachten Vorwurf? N

Der Präsident; Der Ausdru>, dessen Sie sich bedienten, is nicht parlamentarisch, 2

Herr Gustav von Beaumont, Der Minister war es, der st< un- parlamentarish äußerte. L

Der Präsident: Hätte ih die Aeußerung des Herrn Ministers so verstanden, als ob sie eine persönliche Beziehung haben sollte, so würde ich ihm dasselbe, wie Herrn Ducos, bemerklich gemacht haben. (Murren und Lärm, Herr Durand von Romorantin ruft dem Präsidenten zu, er verstehe es nicht, die Ordnung aufre<t zu erhalten.) Nachdem ich Herrn Ducos eine Bemerkung gemacht habe, die ich. für gere<t halte, bleibt mir nur noch übrig, den Wunsch auszudrücen, daß man sich von allen Seiten der erbitternden Ausdrücke enthalten möge, i ,

Herr Ducos: Jch bedauere, was vorgefallen, aber möge die Ver- antwortlichkeit Den treffen , der es veranlaßt hat, Was nun meinen Antrag betrifst , so sind ohne Zweifel die dem Admiral Dupetit- Thouars und dem Capitain Bruat von der Regierung zugefertigten Jnstructionen unvollstän- dig gewesen, und haben nicht jeden außerordentlichen Fall vorgesehen, der si ereignen konnte. Die Unterscheidung zwischen der an Frankreich abge- tretenen äußeren Souverainetät und der der Königin Pomareh gelassenen inneren Souverainetät, konnte wohl ernstlihe Verwickelung erwar- ten lassen, und do<h wurdcn keine Jnstructionen auf sol<he Fälle hin ertheilt, Andererseits wird zugegeben, daß noch kein ausführlicher Be- riht über die Vorgänge zu Otaheiti eingesandt sci, und doch hat man es schon für angemessen erachtet, das Verfahren der Regierungs - Agenten zu desavouiren, Wollte die Kammer unter solchen Umständen die Sache so hingehen lassen, so würde sie dadurch stillshweigend billigen, was die Ne- gierung gethan, das Verfahren des Admirals Dupetit-Thouars aber verur- theilen, Jn Ermangelung von Dokumenten fordere ih daher die Kammer auf, mit ihrem Urtheil no< zurückzuhalten, nicht zu billigen, was sie nicht fennt, und folglih meinen Vorschlag anzunehmen,

Nachdem hierauf no< Herr Thiers si<h mit dem, was seine greunde, die Herren Billault und Dufaure, am Abend vorher gesagt, einverstanden erklärt, einen angebli<h von einem Franzosen des otahei= tischen Geschwaders geschriebenen Brief über die englischen Umtriebe auf Otaheiti verlesen und, um zu zeigen wie bedenkli<h es sei, muth= volle Handlungen entfernter Befehlshaber zu desavouiren, auf die Beispiele von Navarin und Ancona hingewiesen hatte, wo dies, troß der Angelegenheit dieser Ereignisse, do<h von Seiten der betheiligten Regierungen nicht geschehen sei, wurde endlih über den Ducosschen Antrag zur Abstimmung geschritten, und zwar auf Verlaugen von 20 Mitgliedern, zur Abstimmung durch Kugelwahl, Das Resultat war

Zahl der Stimmenden 420,

Absolute Majorität .… 211.

Weiße Kugeln... 187.

Schwarze Kugeln. .…. 233. Der Antrag is also mit einer Majorität von 46 Stimmen ver- worfen,

Paris, 2, März. Alle Gesandten der fremden Mächte haben Couriere mit dem Bericht über das gestrige Votum der Kammer an ihre Höfe abgefertigt; auh der Telegraph war heute nah allen Rich=

Wer mödhte ihm die Scene nachspielen, wo er, auf seine Hosentasche klopfend, zu Fels sagt: „Und nachher sollen Sie mein Herz kennen lernen“', und die, Ln er mit den Worten: „Jh bin geadelt““, den Kreis der Umstehenden aurObridt und triumphirend in den Vordergrund schreitet! Schon seine der pihaliung hat hier etwas so Bezeichnendes und Unnachahmbares , daß S Ausbruch des Jubels unter den erfreuten Zuschauern erklärlich is. Herr Cn wuide in diesem Stück zweimal gerufen uud durch die Geschwister Gin s agn und die Herren Gern, Crüsemannu, Schneider und T R Maltade bestens unterstüyt, y E ab Herr Döring, zum zweiten Mal während seines Gast- f de Y as Krumm in dem Kohebueschen Lustspiel „Der gerade fum län C e, Der Plaitheiten dieses Stücks ist das deutsche Publi- drei Männern llg, und es wäre Zeit, daß die Frau Krebs sammt ihren 0) artm französischen Trompeter und ihrem Kandidaten sich zur e, R ränzt schon so an das Verworfene, daß ein Schau- Ó erlig bringen kann, ihn in den Abgränzungen eines feineren wiserag Halten. Auch Herr Döring licß aus dem Elias Krumm ea Burschen hervorbli>en. Unser Gast sprach in dieser Mea und fonnte nur mit Opposition gerufen werden. E das Vergnügen, in einem auf Allerhöchsten vralt’ gug gecanstalteten Konzert das bekannte waere d find nen zu hören. Herr Theodor Moralt Diverlissements von Gallav, daß er den fer- E werden müsse und seinem Instrument, zu

ling@näthte“ \ d Umgebungen die monddurchblißten Früh- leder veistehez und eben \o gebören, wahrhaft \eelenvolle ind L eine von ihm q komvonitte ernten wir in Herrn eter Moralt, der

nen, der sich überall mit tasie spielte , einen fehr wad>eren Geiger

sept war, se es eidelio" der reisende Croduziren darf, Obwohl das i va Ï "” er ul eude a e sept war, so gaben alle Anwesenden ite Sin beider ber münde ed

Kapelle angehörenden Künstlern lebhafte Zeichen der Anerkennung, welche Dlle, Hähnel in gleihem Maße für den anmuthigen und gewandten

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Vortrag einer Arie von Mercadaute fand, u,

Berliner Quartett - Soiree.

“In der am ien d, M. stattgehabten sc<sten und lezten Quartett- Soiree der Herren Zimmermann, Ron neburger u. , w, kam zuerst cin Quartett von Fesca aus U-moll zur Ausführung, Friedrich Ernst Fesca, 1789 geboren, starb 1826 als Konzertmeister in Karlsruhe. Er war ein ausgezeichneter Violin-Virtuos, und unter seinen Compositionen befinden sich sehr werthvolle Sachen, wie z. B, sein „Vater Unser“, das als ein äußerst gediegenes, ausdru>svolles Musikstüc genannt zu werden ver- dient, Seine Violin-Quartette, meistentheils sehr düster gehalten, befunden zwar wenig Phantasie und Eigenthümlichleit, indem sie fast ganz in Spohr's Weise moduliren und sich immer ohne Gegensay in etwas monotoner Ma- mer fortspinnen, sind aber sons schr melodiereih, und, obgleich fkeines- weges leicht auszuführen, doch besondeis für den esten Violinisten recht dankbar, Herr Zimmermann trug mit seinen braven Mitspielern das in Rede stehende Quartett aus H-moll, für welches im Allgemeinen die oben gemachten Bemerkungen ebenfalls gelten, in jeder Beziehung gelun- gen ‘vor, Außer diesem Fescaschen Quarteit wurden diesmal noch zwei Quintette von Mozart und Beethoven exekutirt, Von den fünf Mozartschen Original - Quintetten war es das berühmte aus G-moll, das uns diesmal zu Gehör gebraht wurde. Wenngleich Mozart in der Oper das Höchste leistete, so tragen doch bei ihm auch alle anderen Compositions - Gattungen das Gepräge künstlerischer Vollendung. Welche Erfindung, welch unerschöpflicher Reichthum der edelsten, großartigsten Ge- danken tritt uns z. B. in diesem Quintett entgegen, Eine wahre Welt von

lebendigen musikalischen Gedanken , jeder für sih \pre<end interessant, ist

hier zu einem s{hónen Ganzen innig verflohten, alle Glieder eines Kör-

pers und \{<öne Glieder eines \{<önen Körpers, Aus Beethoveun's reicher Jnstrumental-Schaßgrube wurde uns das große C-dur-Quintett mit dem unübertrefflich schönen Adagio und dem flüchtig bewegten Finale ge- spendet und erfreute sich eben so wie das Mozartsche G-moll-Quintett einer verständigen, geistvollen Auffassung, wie überhaupt einer durcweg muster- haften Ausführung Seitens der fünf vortrefflich eingespielten Künstler,

Berlin. Ju der Februar -Sizung des deutschen Vereins für Heil- wissenschaft wurden zunächst die Namen derjenigen bekannt gemacht, die im laufenden Monate \si< dur< Einzahlung des statutenmäßigen jährlichen Beitrages von Vier Thalern zu Mitgliedern des Vereins konstituirt hatten,

* Sodann wurde die von Mitgliedern der chirurgischen Section entworfene

Preisfrage, die Verderbniß der Zähne betreffend, in Berathung gezogen, die Cauatdd öffentlich aufgestellt werden wird, Es entspann si< in Folge die- ser Frage eine physiologishe Verhandlung über die Zähne, an weer die Herren Casper, Gurlt, Link, Müller und Troschel Theil nahmen,

in. Gestern Abend brachten sämmtliche Mitglieder des Män- T ; m s a Ehren - Direktor, Franz Lißt, der von Weimar hier angefommen war, mit Hinzuziehung der Regiments-Musik, ein solennes Ständchen, in welchem Lißt's ungarischer Sturm-Marsch und Galopp nicht fehlten. Herr Lißt is zwar heute früh nah Stettin abgereist, wird jedoch am Sonnabend zur Stiftungsfeier seiner Akademie für Männergesang wie- der hier eintreffen.

tungen hin in Bewegung, um Guizot's neuen Sieg den Departements zu verkünden. Das Resultat der Abstimmung über den Ducosschen Antrag scheint die Oppositionsblätter etwas überrasht zu habenz sie lassen nun thren Aerger zum Theil an der Kammer selbs aus, wel- her sie Unterthänigkeit gegen Herrn Guizot und Gleichgültigkeit gegen die Ehre der Nation vorwerfen. National und Commerce schlagen vor, eine Subscription zu veranstalten, um dem Admiral Dupetit-Thouars einen Ehren-Degen zu überreichen, und zwar wollen sie den Beitrag nur auf einen halben Franken für jedèn Subsfriben- ten festgestellt sehen, um die Sache ganz populair zu machen.

Die Büreaus der Deputirten- Kammer haben gestern die Kom- mission zur Prüfung des Bricquevilles<hen Vorschlages wegen Bei- seßung der sterblichen Ueberreste des General Bertrand neben denen Napoleon's ernannt, Es wurden nur wenig Einwendungen dagegen erhoben, die si<h darauf stüßten, daß das Geseß von 1840 vorschreibe, Napoleon solle allein im Dom der Juvaliden ruhen,

uo Paris, 2. März. Die heutige Sißung der Deputirten- Kammer beganu um 2 Uhr und war der Erörterung der verschiede- nen Petitionen, die Befestigungen von Paris betreffend, gewidmet, Herr Lherbette sprach zuerst gegen die Befestigungen. Er sagte, die Kammer habe dur< Vertagung der Debatte über diese Frage gezeigt, wel<he Wichtigkeit sie derselben beilege. Er wolle sich feine Wiederholungen gestatten, sondern nur die ungeseßlihe Ausdehnung zeigen, die man dem Geseße von 1841 gegeben. Die Petitionen ver= langten die Garantieen, auf welhe die Kammer niemals verzichtet habe, Er wolle seiner Aufgabe als beständiger Gegner der Befesti- gungen auch diesmal getreu bleiben. Jm Jahre 1841 hätten die Vertheidiger der detaschirten Forts die fortlaufende Ringmauer als eine Thorheit betrachtet, während im Gegentheile die Vertheidiger der Ringmauer die detaschirten Forts als eine Gefahr für die Frei- heit angesehen. Wie sonach aus der Verbindung einer Thorheit mit ciner Drohung eine nationale Bürgschaft entstehen solle, sei \{<wer zu begreifen, (Gelächter. ) Durch die Befestigungen würde die Armee demoralisirt, die nun, statt den Feind au der Gränze zurü>- zuweisen, eine Stüße hinter den Mauern von Paris suchen werde. Der Redner untersuchte dann tehnis<h die Arbeiten der verschiedenen Forts und sah überall Geseß- Verleßungen und Gefahren für die Hauptstadt, gegen die keine Bürgschaften beständen. Der Artikel 7 des Gesebes von 1841 sage zwar, die Fortificationen könnten nicht ohne ein spezielles Geseß bewaffnet werden. Was helfe aber ein Geseß, was fönnten die Kammern selbst thun, wenn die Forts einmal fertig wären und 100,000 Maun die Hauptstadt umgäben, Er ver= langte daher Ueberweisung der Petitionen an das Ministerium, mit Ausnahme derjenigen, welche die Zerstörung der bereits angefangenen oder vollendeten Arbeiten, oder Revision des Gesebes, oder Suspen= sion der Kredite verlangen, (Gelächter.) Marquis von Chabaud- Latour nimmt das Wort, um Herrn Lherbette zu widerlegen. Selbst bei den Arbeiten beschäftigt, ist er ganz kompetent dazu, Die Sizßung dauert fort.

A Paris, 1. März. Es hat seine volle Richtigkeit mit der von einem der gestrigen Abendblätter gegebenen Nachricht, daß der Admiral Dupetit -Thouars nicht abberufen is}, sondern daß ihm nur seine bisherigen diplomatishen Vollmachten genommen, und auf den Capitain Bruat übertragen sind. Jndem die Regierung dem Admiral Dupetit-Thouars den Oberbefehl über die französische Station in der Südsee läßt, will sie offenbar den Charakter der Maßregel so viel als möglih mildern, dur<h welche sie die Abseßung der Königin Po- mareh rüd>gängig gemacht hat, Aber, wie leiht vorauszusehen war, weiß die Opposition der Regierung durchaus keinen Dank für die ge- gen die Person des Admirals Dupetit-Thouars bewiesene Schonung, Der National affektirt sogar eine Erschwerung des von dem Mini= sterium Guizot begangenen Verbrehens darin zu sehen, Der Triumph Englands““, sagte er, „würde nicht vollständig gewesen sein, wenn- nicht die nämlichen edlen Hände, welche die Fahne Frankreichs auf Otaheiti aufgepflanzt haben , gezwungen würden, dieselbe wieder einzuziehen, Der Admiral Dupetit - Thouars soll persönlich für das Verbrehen büßen, das er si< persönli<h zu Scul- den fommen lassen, Er is mitten in den Südsee - Ländern als Sieger aufgetreten, und dafür soll er jeßt als Besiegter erschei-

I

nen. Auf der anderen Seite hat das Ministerium die Wirkung vor-

. ausgesehen, welhe die Rückkehr des Herrn Dupetit - Thouars nach

Frankreich jedenfalls hervorbringen würde, und es hat den Triumph= zug des edlen Admirals verhindern wollen. Die Entehrung oder die Verbannung, das is heutzutage der Lohn, der die Männer erwartet, deren Stolz sih weigert, die französische Flagge vor dem britischen Uebermuthe zu streichen,“ Wir haben diese Worte des National angeführt, um an einem re<t grellen Beispiele zu zeigen, wie wenig die systematishe Opposition si<h vor den albernsten Uebertreibungen, ja selbst vor dem handgreiflihsten Widersinne scheut, wenn es sih um die Beurtheilung von Maßregeln der Regierung handelt, Es ver- steht sich von selbs, daß der National selbst niht ein Wort von seiner eigenen boshaften Deutung der fraglichen Regierungs = Hand= lung glaubt, aber er darf doch hoffen, unter seinen Lesern den einen oder den anderen zu finden, auf den sol<he gehässigen Verläum- dungen den gewünschten Eindru>k machen, und damit is denn jene Taktik, die Lüge, vollkommen gerechtfertigt.

Die gestrigen Verhandlungen der Deputirten - Kammer haben feinem unbefangenen Kopfe den leisesten Zweifel darüber gelassen, daß die Abseßung der Königin Pomareh ein durchaus nicht zu verant- wortender Bruch des Vertrages vom 9, September 1842 war, und daß das Kabinet der Tuilerieen in Pflicht und Ehren niht umhin fonnte, der Beherrscherin von Otaheiti die Gewalt zurü>zugeben, welche ihr dur< den Schußz-Vertrag gewährleistet is, Nur über die Formen, in welchen die Regierung in dieser Angelegenheit verfabren ist, könnten vielleicht einige, wenn auch ungewründete, doch wenigstens nicht ganz unehrlihe Bedenken erhoben werden. Denen, welche dem Ministerium vorwarfen, daß es nicht rasch genug gehandelt, daß es sich selbst dem schwersten Berdachte preisgegeben habe, indem es die im britishen Parlamente erhobenen Reclamationen abgewartet, hat Herr Guizot, mit eben so viel Würde als s{<lagender Kraft die ver= diente Abfertigung gegeben.

Auffallen muß es indessen immerhin, daß der Admiral Dupetit- Thouars seiner Anzeige von der Abseßung der Königin Pomareh eigentlih gar feinen Bericht über den Hergang der Ereignisse beige- geben hat. Eine solhe Versäumniß, und das gänzliche Verkennen des Geistes des Vertrages vom 9. September 1842, welches ih in verschiedenen Briefen des Admirals Dupetit-Thouars an die Königin Pomareh ausspricht, scheinen übrigens zur Genüge zu beweisen , daß die Wahl dieses Mannes zum politishen Agenten der französischen Regierung iy der Südsee keinesweges eine glü>lihe gewesen,

A París, 2, März. Wenn die gestrige Rede des Herrn Guizot eine ausgezeihnete staatsmännische Leistung is, \o verdient der Vortrag des Herrn von Gasparin unter allen während der Verhandlungen über Otaheiti gehaltenen Reden deu Preis des philo- sophischen Geistes und des unbestehlihen Rechtsinnes. Einige der beredtesten Stellen des Vortrages des Herrn Gasparin werden hier am rechte Orte sein. Er begann mit folgenden Worten :

,Zch bin heute no< eben so überzeugt wie vor einem Jahre, daß

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unsere Niederlassung in der Südsee eine Gewalithat des Starken gegen den Schwachen is, Jch habe zu viel Nationalstolz und zu viel Liebe für mein Vaterland, als daß ih mich über eine Handlung freuen könnte, in der ich eine Ungercchtigkeit sehe, eine Ungerectigkeit, die nicht einmal dur< Gefahr und dur< Kühnheit entschuldigt wird, und die dur die Berufung auf ähnliche Ungerechtigkeiten, die von anderen Nationen begangen sind, in meinen Augen nimmermehr gemildert werden kann.

Diese kühne Erklärung, die erste dieser Art, welche in der fran- zösischen Kammer abgelegt is, wurde wit stills<weigender Mißbilli- gung aufgenommen. i

„Man spricht von National - Ehre“, fuhr der Redner weiterhin fort, „ih für meine Person glaube, daß die National-Ehre bei jeder Unterschrift zum Pfande geseßt is, die im Namen der Nation gegeben wird. Die Po- litif aber, welhe si< dem Ministerium gegenüberstellt, und die an seine Stelle treten möchte, würde keine solhe Rücsihten nehmen. Vor einigen Jahren, meine Herren, wurde auf dieser Nednerbühne eine Depesche vorge- lesen, in welcher ein französisher Minister einem französishen Gesandten vorschrieb, einen von Frankreich unterzeichneten Vertrag nicht zu vollziehen, Ich hoffte, dieser Skandal würde der leyte seiner Art sein. (Unterbrechung von der Linken.) Ja, dieser Skandal! Man sollte ein solches Verfahren wenigstens nicht zum System machen. Die Politik, welche dem gegenwärti- gen Kabinet nachfolgen will, wird also im Punkte der National-Ehre nicht sehr schwierig sein, denn sie fängt damit an, daß sie verlangt, man solle den Namen Frankreichs und den französishen Ruhm in der Südsee durch den Wort- bruch Franfreichs verherrlichen. (Heftiges Murren auf den Bänken der Opposi- tion,) Jene Politik wird sich von jedem Admiral oder Korporal ans Schlepptau nchmen lassen, wel<hem es einfällt, Händel anzufangen oder übertriebene Ansprüche zu erheben. Jn der That hat die fragliche Politik von vorn her- ein das Necbt des ersten Besten anerkannt, ganz Frankreih für seine per- fönlihen Handlungen verantwortlich zu machen, Diese Politik wird ohne Zweifel erklären, daß sie den Frieden will, aber sie wird nichtsdestoweniger unaufhörlih daran arbeiten, den Frieden bloßzustellen. Sie wird gewisse Bündnisse anerkennen, aber nur unter der Bedingung, ihre Verbündeten foriwährend anzugreifen, ihre Jnteressen unaufhörlich zu beleidigen oder zu bedrohen, ihnen beständig unredlihe Gesinnungen unterzuschieben und so den Krieg vorzubereiten, während sie vom Frieden spricht.“

Die Hinweisungen der Opposition auf die Nebenbuhlerschaft Englands, so wie die Folgerungen, welhe man aus derselben zu ziehen gewohnt is, wurden von Herrn Gasparin mit wenigen s<la- genden Säßen beseitigt.

„D spreche es laut aus“, sagte er, „es gicbt keine Thorheit, zu der man uns nicht bewegen kann, wenn wir uns durch solche Argumente be- stimmen lassen, Es giebt feinen Mißgriff, zu dem man uns nicht verleiten fann, wenn es genügt, sih auf die wahre oder angeblihe Abneigung eines Nachbarlandes zu berufen, um uns zu diesem oder jenem Entschlusse zu bringen. Diese Art des Naisonnements hat leider schon zu viel Wirksam- feit auf uns ausgeübt, Man .hat gesagt: „England is cifersüchtig auf eure Niederlassung in Algerien“, und wir haben uns auf der Stelle mit Wuth an Afrika festgeklammert, und ih fürchte, daß wir daselbst einen Theil unserer Kräste und der Freiheit unserer Bewegungen für die Zukunft eingebüßt haben, Jeyt sagt man: „England will nicht, daß die Kolonial- Unternehmungen Frankreichs sich vervielfältigen“, und wir denken an nichts mehr als an Kolonicen, Gestern roaren es die Marquesas, heute ist es Otaheiti, morgen wird es Madagaskar sein und übermorgen vielleicht St. Domingo, um uns vollends zu ershöpfen. Deshalb billige ih den Ent- {luß des Kabinets, solche ruinirende und unsinnige Unternehmungen zu entmuthigen,““

Die Rede des Herrn Gasparin blieb in der Kammer unbeant= wortet, und auch die heutigen Zeitungen gehen, der Mehrzahl nach, entweder mit gänzlichem Stillschweigen oder mit einigen \pöttischen Bemerkungen an derselben vorüber. Die Zeit, wo man die Gedan= ken des Herrn Gasparin verstehen und ihnen Gerechtigkeit widerfah= ren lassen wird, scheint no< weit entfernt für Frankreich. Heutzutage betrachtet und behandelt man solche Ansichten im günstigen Falle als die Träume eines Schwärmers, der Welt und Leben seinen Jdene aufopfern möchte, die zu unschädlih seien, als daß es der Mühe lohnen sollte, sie zu bekämpfen und ihre Nichtigkeit zu beweisen.

Grossbritanien und Irland.

Oberhaus. Sitzung vom 1. März. Lord Brougham veranlaßte den Minister der auswärtigen Angelegenheiten heute aber=- mals zu einer Erklärung über die otaheitishen Angelegenheiten, indem er die Vorlegung der zwischen der Regierung und den dortigen briti- {hen Missionairen gepflogenen Korrespondenz beantragte. Der Lord wollte wissen, welhe Behandlung dieselben von Seiten des französi- {hen Gouvernements erfahren hätten. Lord Aberdeen: „Es freut mich, hier erklären zu fönnen, daß das Versprechen der französischen Regierung, die britischen Missionaire auf Otaheiti in der Ausübung ihrer Functionen nicht zu stören, in keiner Weise verleßt worden ist, und daß bis jeßt uns no< ni<ts einen Grund zur Klage gegeben hat, Jch habe gegen die Vorlegung der verlangten Papiere, soweit dies thunlich is, nichts einzuwenden, Zugleich will ih diese Gelegenheit benußen, um über einen anderen Punkt mich noch aus- zusprehen, Ew. Herrlichkeiten wissen, was der franzóösis<e Admiral kürzlich in jenen Gewässern ausgeführt hat. Seine Handlungen hat die französische Regierung desavouirt, und ih halte es für re<t, hier zu erklären, daß diese Mißbilligung ein durchaus freiwilliger Akt der französischen Regierung gewesen i. Fh habe nit ein einziges Wort dieserhalb an den Gesandten Jhrer Majestät in Paris geschrie- ben, und derselbe hat gleichfalls feine Vorstellung jener Re- gierung gemaht, denn i< war vom ersten Augenbli>e an überzeugt, daß die französishe Regierung nur das thun würde, was sie ihrer Ehre und Würde s\<{uldig ist. Nichtsdesto- weniger werden die französis<hen Minister, obschon ih diese ausdrü>li<he Erklärung abgebe, do< der Nachgiebigkeit gegen die Vor- stellungen Englands angeklagt werden, und die Kriegspartei in Frank= reih wird diese unvernünftige Besibnahme zum Gegenstande ihres Angriffs gegen die Regierung machen, Jn derselben Weise werden auch bei uns die Freunde und Verbündeten jener Kriegspartei über das, was geschehen oder was nicht geschehen ist, Vorwürfe gegen die diesseitige Regierung wegen ihrer Nachgiebigkeit gegen rankreich machen, Jch wünsche nur, daß in Frankreich diese Kriegspartei so wenig geachtet würde, wie sie es glücklicherweise bei uns ist,“

Die Sihung wurde bald vertagt wegen Mangels an Geschäften.

Unterhaus, 1. März. Das Haus war in Begriff, sih auf den Antrag des Admiralitäts-Secretairs, Herrn H erbert, zum Comité für Geldbewilligungen zu konstituiren, als Herr Duncombe, radi- fales Mitglied, wiederum auf den irländischen Stgats-Prozeß zurü>- fam, und die Namen so wie die Höhe der Besoldung der von der Regierung angestellten Berichterstatter wissen wollte, welche die Vor= fälle bei den Repeal-Versammlungen, behufs der Belastungszeugnisse aufgezeihnet hatten. Er erklärte sih unzufrieden mit dem Benehmen eines Reporters, welcher mit der liberalen Presse in England in Verbindung gestanden und deshalb leiht zu den Versammlungen Zu- tritt erhalten hätte, da man in ihm keinen Kronzeugen erbli>t habe ; er tadelte ebenso den Morning Herald, der die Berichte seines Repor- ters der Regierung mitgetheilt habe; die Regierung habe dem General- Prokurator und er glaube, au< dem Oberrichter so wie der Jury dafür gedankt, daß ste O’Connell's Verurtheilung bewirkt hätten z es wäre eine Verurtheilung, welche keine guten Folgen haben könntez 2c. 2c. Der Minister des Junern, Sir J. Graham, verwies den Antrag- steller seine Absicht, das Haus an der Berathung über die nöthigen Geldbewilligungen hindern zu wollen, und machte dem Hause bemerk=

dulden dürfe, während die nothwendigsten Geseß- Entwürfe, wie die Fabri - Bill, das Armengeseß und andere der wichtigsten Maß=

regeln hintenangeseßt würden. Er wäre bereit, die ganze Verantwortlichkeit für die Beschäftigung der Berichterstatter auf

sich zu nehmen und alle Rechnungen ihrer Besoldung aber niht ihre Namen vorzulegen. Niemand wäre als Spion angestellt worden, denn die Regierung suhte ganz einfa<h genaue Berichte dar=- über zu erhalten, was öffentli< vorging. Der Minister erklärte so- dann, daß weder dem benannten Journale no< einem anderen eine Geldvergütung für die Mittheilung der Berichte bewilligt worden wäre, und daß, wenn man denn in jeßigen Zeiten feinen großen Verbrecher, ohne öffentlihen Tadel zu erfahren, zur Verantwortung ziehen fönnte, er diesem Tadel in der Erfüllung seiner Pflicht zu troben bereit sei. Möge nun auch die Opposition mit den ge=- rihtlih Verfolgten gemeinschaftlihe Sahe gemacht haben, er (der Minister) appellire an den gesunden Sinn der Majo- rität des Hauses, Diese Anspielung des Ministers auf das neu geschlossene Bündniß der Whigs mit O’Connell veranlaßte Lord Russell zu einer Entgegnung. Derselbe rehtfertigte gegen den ra- difalen Antragsteller den Weg, welchen die Regierung bei der Anstel- lung ihrer Reporters eingeschlagen hat, Ein so angestellter Bericht=

lich, daß es eine solche Zeitvershwendung mit unnüßzem Gerede nicht

Erstatter sei fein Spion; denn er bätte sich nicht in die geheimen Versammlungen derjenigen gedrängt, gegen welche er zeugen wollte, was allein einen Spion charakterisirte. Was die Andeutung des Ministers auf das Bündniß der Whigs mit O'Connell betreffe, so wäre für eine solhe Anschuldigung kein Grund vorhanden, sie würde ihn indeß nicht abschre>en, auch ferner zu behaupten, daß O'Connell?s Verurtheilung einer hinlänglichen Rechtsgrundlage entbehre, und daß, wenn eine solche Untersuchung in England stattgefunden hätte, eine andere An- flage von dem Richter und ein anderes Verdikt von der Jury ausge gangen wäre. Er werde übrigens niemals aufhören, für das irlän- dische Volk diejenige Gleichheit der Rechte und Privilegien zu er=- kämpfen, welche demselben von Rechtswegen zukömmt.

Herr Duncombe erneuerte hierauf seine Angriffe gegen die Regierung und gab si< mit der Vertheidigung des Ministers nicht znfrieden, Die Abstimmung erfolgte und der Antrag wurde mit 144 gegen 73 Stimmen verworfen.

Herr Sharman Crawford widerseßte si<h hierauf abermals der Konstituirung des Hauses zum Comité für Geldbewilligung, be= vor nicht der Zustand der Vertretung des Landes untersuht worden wäre, Kein Mitglied von der ministeriellen Seite hielt es für nöthig, gegen den Antrag ¡u sprechen, der mit sehr großer Majorität ver- worfen wurde.

___ Etne große Anzahl von Positionen des Marine-Budgets wurden hierauf auf den Antrag des Herrn Herbert angenommen und die Sißung vertagt.

London, 2. März. Die Times veröffentlicht kin Dokument über den ersten Angriff der französishen Flotte auf Otaheiti, welches unter den der französischen Deputirten-Kammer vorgelegten Akten- stücken sich nicht findet. Es i} ein Schreiben des britishen Commo- dore Trup Nicolas an den französishen Admiral Dupetit- Thouars vom 4. Juni v, J., als der Vertrag, welcher Frankreih das Pro= teftorat überträgt, zwar {hon abgeschlossen , aber noch nicht ratifizirt und von England anerkannt worden war. Der Commodore er= flärt in derber \eemännischer Weise das ganze Verfahren der Franzosen für völkerrechtêwidrig, indem dieselben unter Leitung ihres Konsuls Moorenhout, eines von tiefem Haß gegen Eng= land beseelten Mannes, die Königin zur Einwilligung in den Ver= trag genöthigt und die Unterzeichnung der Proclamation, dur< welce den Otaheitiern der Abschluß des Vertrags verkündet wurde, durch Androhung eines Bombardements und durch persönliche Drohungen zu einer Zeit, da die Königin stündlich ibre Niederkunft erwartete, erzwungen hätten. Ein solches Verfahren erweist der alte Commodore durh eine Menge von Citaten aus Puffendorf, Grotius, Vattel und auderen berühmten Publizisten als völkerre<têwidrig und das Resul= tat als ungültig, Als die Ursache der Handlungsweise der Franzosen wird alleiín der Haß des französishen Konsuls angegeben, welcher ges sagt haben soll, daß es nicht seine Schuld sei, wenn Frankrei und England nicht in einen Krieg verwi>elt werden sollten.

Das neue Linienschiff „Albion“ von 90 Kanonen hat Befehl era halten, nah Lissabon abzusegeln und zum Schube der britischen Jn= teressen während des jeßigen unruhigen Zustandes von Portugal im Tajo zu bleiben,

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Nom, 21. Febr, (A. Z.) Se. Königl. Hoheit der Groß- herzog von Me>lenburg-Schwerin und Se. Durchlaucht der Erbprinz von Lippe wurden nebst ihrem Gefolge heut Vormitta dur<h den Königlich preußischen Minister-Residenten am römischen Hose Herrn von Buch, im Vatikan vorgestellt und vom Papste in einer feierlichen Audienz empfangen. Wie Personen, die bei dem Empfange zugegen waren, versichern, hat der Papst in einer fast einstündigen Unterhal=

| tung die beiden erlauchten deutshen Fürsten dur< die seltensten Be=

weise von Leutseligkeit , zeichnet.

Heute Vormittag reiste Se. Königl. Hoheit der Kronprinz von Württemberg nebst Gefolge nah einem Aufenthalt von sechs Wochen von hier nah Neapel ab. Gestern stattete derselbe Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzen Heinrich von Preußen seinen Abschiedsbesuch ab. Herr Hadländer, Secretair des Kronprinzen, bekannt durch seine Reise

Aufmerksamkeit und Freundlichkeit ausge=

in den Orient und einige humoristishe Schriften, scheint Notizen zu einer Bereicherung der Touristen-Literatur zu sammeln.

Pan

©ò Madrid, 25. Febr. Lord Clarendon behauptete in der Sibung des Oberhauses vom 12ten, an die Stelle der Verfassung und des Thrones wäre in Spanien ein militairischer Despotismus der shre>lihsten Art getreten, der die Gefühle der Nation verlete, und deren Widerstand gegen die ihr auferlegte Unterdrü>kung und Tyrannei hervorrufe. Die französische und englische Presse erschöpft sih in derselben Beschuldigung, während die spanische Nation selbst durch die Bereitwilligkeit, mit der sie sih den zur Verhütung einer anar= chishen Reaction getroffenen Maßregeln unterwirft, die Grundlosig= feit solcher Anklagen hinlänglih darthut. Die Reaction, welche der edle Lord voraussagt, und deren Eintreten allerdings den Wünschen der ewigen Feinde der Ruhe dieses Landes entsprechen dürfte, würde jeßt in vollem Werke sein, wenn es Olo=- zaga verstattet worden wäre, die Pläne auszuführen, mit denen er, als sie no< unreif waren, hervortrat. Eine Nation, wie die spanische, die si< seit zehn Jahren in den Waffen geübt hat, um ihre Selbst- ständigkeit zu erringen, beugt sih niht gegen ihren Willen vor der Laune eines Generals, selbst wenn ines 80,000 Bajonette zur Verfügung stehen. Die Nation scheint zur Besinuung, zum Bewußtsein ihrer eigentlichen Bedürfnisse gelangt zu sein. Die Voraussa= gung Lord Clarendon’s mag si< bestätigen. Dem Pöbel und den Feinden der Ruhe Europa's mag es gelingen, Spanien abermals in den Abgrund der Anarchie zu versenken. Die Geschichte bietet aber wohl kaum ein Beispiel dar, daß die Herrschaft des Pöbels die Ge- * stalt einer wirklichen Regierung angenommen habe, und auf diese ver-