1844 / 90 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

2c. Wir finden Uns bewogen, im von Gottes Gaben 2 Abschiede vom 25. August 1843 : 33 ‘über die Anträge der Stände des Reiches auf Vorlage Abschnitt 1V. $. bücher gegebenen Entschließung zu verordnen, wie folgt : allgemeiner Ce ht au Vorlegung einer allgemeinen Civil - und Straf- Art, 1. Jn für Unser ganzes Königreich soll, jedoch unbeschadet der in Ge d ben Kreise bestchenden eigenthümlichen Jnstitutionen, 1) cin bür- dem d Gesepbuch 2) ein Geseßbuh über das Verfahren in bürgerlichen e eiti feiten, 3) cin Gesezbuch über das Strafre<ht und das Verfahren i e ace und 4) ein Handels - Geseßbuch bearbeitet, und zu die- n Ende eine Gesez-Kommission bestellt werden. Art. l. Jedes einzelne Geseybuch foll seinen eigenen Bearbeiter erhalten, der Verein der Redak- torcn dieser Gesezbücher aber unter einem eigenen, mit der Leitung des anzen Geschäftes von Uns betraut werdenden Vorstande die Gescß-Kom- mission bilden, und die gemeinschaftliche Berathung der Geseh - Entwürfe pflegen. Art. 111. Zu Mitgliedern der Gesey - Kommission bestimmen Wir dermalen, und auf so lange Wir nicht anders verfügen , nachbenannte Be- amten: I. als Vorstand der Kommission, den Appellationsgerichts-Präsi- denten, Freiherrn von der Be>e, in Freysing; 11, zu Redaktoren der Geseßbücher: a) für das bürgerlihe Geseßbuh, den Professor des Civilrechts Dr. Arndts, in München, b) für das Geseßbuch über das Verfahren in bürgerlichen Rechtöstreitigfkeiten , den Professor und Hofrath von Bayer, c) für das Strafreht und den Strafprozeß, den Ober - Appellationsgerichts - Rath Dr. Ningelmann und d) für das Handelsgeseßbuh, den Ober- Appellationsgerichts - Rath Kleinschrod. Art, 1V. Der Wirkungékreis dieser Kommission is auf die Bearbeitung und Berathung der im Art. 1. dieser Verordnung genannten Geseßbücher beschränkt, und Wir werden derselben die näheren Bestimmungen hierüber in einer besonderen Junstruction zugehen lassen, Art, V. Die Gesch-Kom- mission ist Unserem Justiz - Ministerium untergeordnet, an welches sie alle Berichte, Anfragen und sonstige Vorlagen zu bringen, und dur<h welchs sie Unsere Entschließungen und Aufträge zu erhalten hat. Sie is eine be rathende Stelle und steht nur mit Unserem Justiz-Ministerium und außerdem mít keiner anderen Behörde oder Stelle in unmittelbarer Bezichung. Art, VI, Dic Kommission hat ihren Siß in Unserer Haupt- und Nesidenzstadt München, und es soll derselben das erforderliche Hilfs- und Kanzlei - Per- sonal beigegeben werden, worüber von dem Kommissions - Vorstand die ge- eigneten Anträge und Vorschläge vorzulegen sind. Art. VIl. Wir erwarten mit Zuversicht von den bewährten Kenntnissen und Gesinnungen sämmt- licher Kommissions-Mitglieder, daß sie die ihnen übertragene, für das Wohl Unserer geliebten Unterthanen so überaus wichtige Aufgabe zu Unserer Zu- friedenheit lösen, und hierdur< dem in sie geseßten besonderen Vertrauen entsprehen, was Wir sodann nah dem Maße der geleisteten Dienste mit gebührender Belohnung anzuerkennen vorhaben, München, den 10, März 1844,“

„Ludwi Nachgange Unser

Württemberg. Stuttgart, 22. März. (D. A. Z.) Vor einigen Tagen hatte ih Gelegenheit, mih mit eigenen Augen von den Festungs - Arbeiten in Ulm zu überzeugen. Dieselben schreiten äußerst ras< vorwärts und werden sogar durch die schr strenge Wit- terung nicht unterbrochen. Bereits is der ganze Michelsberg, wo die Haupt-Redouten und Vorwerke zu stehen kommen, umgewühlt und zu Schanzen erhöht, der westlihe Wallgraben so weit ausgetieft, daß man vor dem Erdwalle das benachbarte Dorf Söflingen nicht mehr erbli>en kann, Mit Schmerzen sehen die Ulmer, daß B die schönsten Zierden ihrer Stadt, die wundervolle Aussicht und ihre Promenaden, in furzem verlieren und einbastillirt werden; mit no<h größerem Schmerze sehen sie auf jener Westseite die vor 15 Jahren angelegten großen und weit berühmten Spargelbeete untergehen. Demnächst wird auch der seit- wärts zwischen Söslingen und dem Michelsberge stehende Bergwald ausgerodet werden. Mehr als tausend Tagelöhner sind mit den Erd= arbeiten beschäftigt; sie übernehmen partieenweise eine Anzahl Ruthen im Afford, wodur<h Jeder der Aufseher des Anderen wird, weil die fleine Gesellschaft dabei interessirt is, daß jedes Mitglied seine Schul- digkeit thut und Alle zu rechter Zeit fertig werden. Der preußische Major von Prittwiß leitet den Bau mit unermüdlicher Betriebsamkeit und bewundernswerther Jntelligenz. Ju der That is es keine geringe Aufgabe, diesen Ameisenhaufen von Arbeitern, welche allen Gegenden Deutschlands und den verschiedensten Menschenarten angehören, zu beaufsihtigen und im Zaume zu halten.

Hannover. Hannover, 25. März. (H. C.) Jn Berük- sichtigung der vermehrten Kalamität, worin der enklavirte braun= {hweigishe Fleen Bodenburg dur<h das neueste Brandunglück ge= rathen, sind, höheren Anordnungen zufolge, den diesseitigen Steuer= Kontroll-Beamten geeignete Weisungen zugegangen, wona<h während der nächsten Zeit der dortige gewöhnliche tägliche Gränzvetkehr mit weit weniger Aufmerksamkeit beobachtet werden wird,

Hannover, 26. März, (H. Z) Jn den Sibungen der beiden Kammern, die am 22sten gehalten wurden, kam kein Gegen- stand von allgemeinerer Bedeutung zur Erörterung, da beide si<h vor= zugsweise mit der Prüfung der Vollmachten beschäftigten. Ju der ersten Kammer ging ein Schreiben vom Königlichen Kabinet ein, wo- nah Se. Majestät der König den Herrn Landschafts - Direktor von Hodenberg zum Präsidenten erster Kammer ausgewählt und er=- nannt hat,

Baden. Karlsruhe, 22. März. (Bad. Bl.) Jn der gestrigen, der 43sten Sißung der Kammer der Abgeordneten wurde die Berathung über den Zoll-Tarif fortgeseßt. Abg. Posselt sprach sich, übereinstimmend mit Bassermann, dahin aus, das rohe Eisen solle t nicht besteuert werden. Er führt an, daß die Erzeugung des ‘isens den Holzverbrauch unverhältnißmäßig vermehre und die Preise des Holzes künstlich steigere, daß Eisen immer no< als Rohstoff zu betrachten und sowohl dem Feldbau als den Gewerben unentbehrlich sei, Diese Ansicht wird von Anderen unterstüßt und bemerkt, daß die

wegungen, nicht so häufig anwenden möge, um gute Laune auszudrücken, H ie Orandi verdient alles Lob, da er uns den Dottore Dulcamara, dessen Kuren in der ganzen Welt und in noch einigen Gegenden („E i portenti infiniti son noti in tutto il mondo .., e in altri sti“) be- rühmt sind, durch seine Darstellung in der That verwirklihte, Wenn die- ser Sänger sons wohl, nah unseren Begriffen von komischer Auffassung, die Farben etwas zu stark aufzutragen \hcint, so war solches in dieser | ganz an seinem Play, die er mit südlicher Lebendigkeit so durch- ührte, daß er der ganzen Vorstellung Humor und Geist einhauchte, Jn dem ecbtkomischen Ductt mit Adina zu Anfang des zweiten Akts, der „Bar- carole a due voci“ zwischen der Gondolierin Nina und dem Senator Tre- denti (Dreizak), war seine Mitwirkung die cines übersprudelnden italieni- {hen Buffos. Auch Sgr. Capitini bestrebte sh, obwohl vom Husten Cut aus der Rolle des Belcore (den der Dichter gleich beim Ausftreten v viel von Paris, Mars und Venus \hwayen läßt, als hätte dieser Ser- ani Ramler's Mythologie studirt) etwas zu schaffen, was ihm auch zum behan wohl gelang. Das Orchester hielt sich brav, und es war zu vérfennen, pi cs, entschiedencs Eingreifen aller Mitwirkenden nicht Direktor ves us dafür durch zweimgligen Heroorruf belohnt wurden. Der er bas Mögli ents bewies seine A Gg vot dem Publikum, und wic beitte wieverin due A Geo per Glanz zu verschaffen, auch tínelli, die von derk ‘verta en neite Decorationen dur< Prof. Mar- legten hatte malen lasen ennen Talent desselben abermals Proben ab- um u H rend die Sedaultn aben pie lischen Nebelbilder gezeigt, welche fortwäh-

ublifunis anregen und befrievigen í Märchen und Visionen vón ver Fatà Morgana- v irage "esen, is in

den Döblerschen ichtspiegelüngen Ge Wirklichkeit geworden, Lig

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Regalität, welche das Staats-Ministerium dem Graben des Bohnerzes zuerkannt habe, zu großer Beeinträchtigung der Güterbesiber zum Vortheil der Standesherren gereiche, worauf ein Antrag aufFreigebung des Grabens der Bohnerze gestellt wird. Weizel bemerkt, die Ansprüche der Standes=- herrschaft Fürstenberg auf Bohnerzgraben seien von der höchsten Staats= Behörde und von dem höchsten Gerichtshof anerkannt worden. Alle Gründe für einheimishe Eisen-Production, sogar für den Fall eines Krieges, werden von verschiedenen Rednern mit Eifer vorgetragen und von Anderen bekämpft, und am Ende wurde beschlössen: 1) die Regierung zu ersuchen, dahin zu wirken, daß der Ausgangszoll auf Roheisen aufgehoben werde; 2) Sander's Antrag auf 525 Kr. Eingangs-Zoll vom rohen Eisen zu verwerfen; 3) den Antrag der Kommission auf Roheisen 35 Kr. und Stabeisen 525 Kr. anzunehmen. Leinwand: Goll beantragt, die Linnengewebe mit 8, das Garn mit 4 Rthlru, beim Eingang zu verzollen. Knitt el bringt statistische Notizen, um für höheren Zollschuß zu sprechen, aus Reden's Handels-Geographie. Goll's Antrag wird verworfen; der Antrag der Kommission aber, sich fortwährend mit Nachdru> bei den übrigen Zoll- Vereinsstaaten für einen ent- sprehenden Schuß der Linnen-Jndustrie zu verwenden, angenommen. Zudker: Bassermann beantragt, sih dahin auszusprechen, daß der jeßige Zollsaß auf Zu>er au<h nah Ablauf der Vertrags=Periode fortbestehen möge. Der Antrag wird angenommen. Stein-= fohlen: Der Regierungs-Commissair erklärt, die Regierung sei ermächtigt, den Eingangs = Zoll zu ermäßigen oder ganz aufzu= heben; sie habe nur eine Kontroll - Gebühr von 1 Kr. beibehalten. Es wird beschlossen, die Regierung zu ersuchen, die Einfuhr von Steinkohlen ganz freizugeben. Wollenwaaren: Der Kom- missions- Antrag lautet: „Alle aus Wolle und Baumwolle oder Leinen gemishte Waaren mit dem Zollsaß von 87 Fl. 30 Kr. pro Ctur. zu belegen. Sander will, daß nicht blos solche Zeuge als brochirte Zeuge mit dem höheren Zoll belegt werden sollen, die zwei Einschlagfaden haben, sondern alle gemusterten Zeuge. Regie= rungs = Commissair Re genauer bemerkt, die Konferenz habe diesen Gegenstand berathen, aber das, was Sander verlange, zurückgewiesen, Der Kommissions - Antrag wird mit dem Zusaß angenommen, daß auch ungewalkte Wollenwaren mit gleichem Zoll belegt werden sollen, Gelegentli<h wird die Besorgniß geäußert, daß dur< die Meßkonti englische Waaren eingeshmuggelt werden, indem man statt derselben inländische Erzeugnisse hinausschi>e, zumal bei einer Lagerung in Privat - Magazinen. Regierungs - Commissair Regenauer: Es

sei solchen Mißbräuchen nachgeforsht, aber uur wenige seien aufgefunden worden, Es wird beschlossen, den Wunsch in das Protokoll niederzulegen, daß solchem Mißbrauh möglichst

gesteuert werde. Ein fernerer Antrag, die Regierung wolle dahin wirken, daß die einfachen und dublirten wollenen Garne ebenfalls mit einem entsprehenden Eingangs - Zoll belegt werden, wird ange= nommen. Bassermann spricht den Wunsch aus, man möge si im Verein über ein gemeinsames Maß und Gewicht für den Verkehr

verstehen, Abg. Martin spricht für ein allgemeines Handels= und Wechselrecht. Reg.-Commissair Regenauer: Der erste Gegen-

stand sei bei der Konferenz besprochen worden; mehrere Vereinsstaa- ten hätten bereits das Zoll-Gewicht au<h im Verkehr eingeführt, und er habe die Hoffnung, daß die anderen Staaten nah und nah dem Beispiel folgen werden, Der leßtere Gegenstand gehe nicht die Zoll- Konserxcnz an,

Kurhessen. Kassel, 26. März. (K. A. Z.) Jun der gestrigen Sihung dexr Stände-Versammlung theilte der Herr Prä= sident mit, Herr von Buttlar U. habe ihm seinen Austritt aus der Versammlung mit dem Bemerken angezeigt, daß durch das Ableben seines Vollmachtgebers, des Herrn Grafen von Solms -Rödelheim Erlaucht, die Vollmacht zu dessen Vertretung erloschen sei. Der Herr Präsident bemerkte weiter, daß sih das Bedenken über die Le= gitimation des Herrn Erbmarschalls von Riedesel erledige, da der= selbe den Huldigungs = Eid geleistet und Bescheinigung darüber vor= gelegt habe. Die Zulassung wurde beschlossen, worauf der Herr Erb- marschall in die Versammlung trat und von dem Herrn Präsidenten beeidigt wurde. Der Herr Landtags -= Kommissar legte den Ent- wurf des Landtags = Abschiedes zur ständischen Zustimmung mit dem Hinzufügen vor, daß Se. Hoheit der Kurprinz und Mitregent den Schluß des Landtages zum 3ten k. M. zu bestimmen geruht haben. Der Entwurf ward dem Rechtspflege - Aus\huß überwiesen. Herr Giesler berichtete no< über eine Eingabe, worauf die Sitzung ge= {lossen wurde.

Der den Ständen mitgetheilte Entwurf des Landtags=Abschieds ist folgenden Jnhalts :

„Von Gottes Gnaden Wir Friedrih Wilhelm, Kurprinz und Mitre- gent 2c. habcn u. \, w, $,4., Es sind während des dermaligen Landtags, unter der verfassungsmäßigen Mitwirkung der auf den 28. November 1842 einberusenen dermaligen Stände-Versammlung, nachfolgende Geseße von Uns crlassen worden: 1) vom 9, März 1843, das Aufsuchen von Wag renbestellungen dur< Handels-Reisende betreffend; 2) vom 16. März 1843, die Remission der Sache hinsichtlih der bei dem Civil - Senate des Ober- Appellationsgerichts cingeführten Berufungen betreffend; 3) vom 16. März 1843, die Bestrafung des Absazes von Branntwein unter 20 Maß Sci- tens der Branntweinbrenner betreffend ; 4) vom 29, März 1843, betreffend eine Erweiterung des $. 18 des NRekrutirungsgeseßes vom 25, Oftober 18343 5) vom 30. März 1843, über die Aushebung der im Falle einer Mobilmachung des Bundes - Kontingents 2c, erforderlichen Pferde 2c.3 6) vom 6, April 1843, über die Negalität der Stein- und Braunkohlen; 7) vom 21, Juni 1843, das Finanz-Gejeß, die fünfte Finanz-Periode von 41843 bis 1845 betreffend ; 8) vom 21. Juni 1843, die Besteuerung des inländischen Weins betreffend ; 9) vom 22. Juni 1843, die Straßenbau-Polizei betreffend ; 10) vom 2, Juli 1843, die prozessualischen Nestitutionen betrefendz 11) vom

Neapel, 6, März. (A, Z.) Es is au<h dem Auslande nicht vnbekannt, ein wie reger Cifer in den leyten Jahren in Jtalien für die historischen Studicn erwacht ist, angeregt zum großen Theile durch die deutshe Publication der Monumenta Germaniae von Perß. Man hat cingeschen, daß man, seit Muratori seine große Sammlung herausgab, stehen geblieben is, und daß jene Sammlung selbst an zahllosen Fehlern und Mängeln leidet, Schon 1834 begann man daher in Turin, die piec- montesischen Urkunden aus den Archiven des Landes hervorzusuchen und herauszugeben; in Florenz kommt das Archivio storico unter Leitung einer Anzahl bedeutender Gelehrten heraus. Jn Rom bildete si<h ein Verein junger strebender Männer, mit der Absicht, die Muratorische Sammlung n neuer Gestalt, ergänzt und vervollständigt und nach sorgfältiger BVergleichunc der Original - Urkunden, neu herauszugeben, Der Plan dieses Vereins if vielleicht zu ausgedehnt, und für den Augenblick dürfte sogar eine neue Ausgabe des Muktatori, die von Florenz her verheißewm wird, ihm ein be- deutendes Hinderniß werden, obwohl dieses leytere Unternehmen Eines Mannes wenig mehr, als den galten Mutatori, hier und da vielleicht mit verbesserten Lesarten, liefern möchte, j

__ Neapel war bis jet zurü>geblieben, wenn auch einzelne Werke, wie die Geschichte Siciliens um die Zeit der berühmten sicilishen Vesper von Amati, den dafür die Verbannung traf, und die Geschichte von Monte- cassino Zeugniß ablegten, daß einzelne Männer mit Eifer sich auch dort historischen Studien hingaben, Der Reichthum der neapolitanischen und sicilianischen Archive fonute no< wenig benußt werden. Erst jeht ist in Ne- apel ein Verein Tee Mitgliedér zusammengetreten, um derselben ans Licht zu fördern, sein Programm liegt uns vor, und dié Wichtigkeit des Unternehmens is so oß, das wir uns nicht enthalten können, auszugsweise Einiges aus demselben mitzutheilen, Die Absicht ist demnach, die Do-

kumente der Geschichte Neapels und Siciliens vom Jahr 568, der Ankunft

4. Juli 1843, über die Anlegung von Eiscnbahnen und die dazu ersor- derlibe Abtretung von Grundeigenthum 2c.; 12) vom 6. Juli 1843, über die Bestrafung unrichtiger Angaben in Betreff der Größe des mit Taba bepflanzien Landes; 13) vom 20, Juli 1843, die Beschränkung des

Haltens von Feldtauben betreffend; 14) vom 23, November 1843, die Verhütung der Forstfrevel betreffend; 15) vom 28, Dezember 1843, die Besteuerung der Fabrication des Runkelrübenzu>ers be-

treffend. $. 2. Unsere höchsten Entschließungen hinsichtlih der den getreuen Landständen zur Berathung mitgetheilten Entwürfe zu Ge- bus 1) die religiöse Erzichung der Kinder aus gemischten Ehen be- treffend ; 2) über die Trennung der Schulverbände, die Schulpflichtigkeit und die Schulversäumnißstrafen, so wie über die Gehülfen und Pensionirung der Schullehrer, bleiben vorbehalten. $, 3, Unsere höchste Sanction der Ge- sch-Entwürfe: 1) Zusäge zu dem Geseße vom 30, Oktober 1834, über die Abtretung zu öffentlichen Zwecken enthaltend z 2) die Abstellung mehrerer in der Strafrechtspflege wahrgenommenen Mängel betreffend; 3) die in Folge der veränderten Münz-Eintheilung erforderliche anderweite Festseßung der durch den $.4 des Gesehes vom 24, Juni 1840 bestimmten Brennholzpreise betreffend z 4) die Landes-Kredit-Kasse betreffend ; 5) die Beziehung des Pfarrei-Einkommens nach Erledigung der Pfarreien betreffend; 6) die Gültigkeit der vor dem Jahre 1831 in die standesherrlich isenburgschen Gebietstheile, das Fürstenthum Hanau und das Großherzogthum Fulda erlassenen Steuer - Ausschreiben betressend ; 7) über die Besteuerung des Grundeigenthums, hat in den darüber abge- gebenen landständishen Erklärungen Hindernisse gefunden, $. 4. Auf Unseren höchsten Befehl sind den getreuen Landständen, in Gemäßheit des 8. 152 der Verfassungs-Urkunde, Nachweisungen über die Verwendung des Einkommens Unscrer Staats - Kasse von den Jahren 1831 bis 1839, und vo:läufige Uebersichten über die Einnahmen und Ausgaben der Jahre 1840 und 1841, so wie genaue Nachweisungen über die im $. 142 der Ver- fassungs - Urkunde vorbehaltenen, im Laufe der Jahre 1840 und 1841 ein- getretenen Veränderungen und Verwendungcn des Staats - Vermö- gens, auch cine, das Jahr 1841 umfassende, Uebersicht des Standes der Haupt-Nestenkasse mitgetheilt worden. $. 5. Das zur Berichtigung mceh- rerer außerordentlicher, durh das Finanz-Geseß nicht vorgesehener Ausga- ben mit Zustimmung der Landstände aufgenommene Anlehen von 150,000 Rthlrn, wird thunlichst bald aus den sich ergebenden Ueberschüssen und Er- sparnissen abgetragen werden. $. 6, Zur Ausführung einer Eisenbahn von Kassel über Marburg bis zur Landesgränze bei Sichertshausen soll das ausgeseßte Anlehen von 6 Mill. Rthlr, bis zum Betrage von 2 Mill. Nthlr. im Laufe dieser Finanz - Periode, so weit es erforderlich sein sollte, aufgenom- men werden. $. 7. Die Wünsche und Anträge der getreuen Landstände wegen 1) Erlaß eines Wildschadens-Gescßes, 2) Vorlage eines Geseß-Ent- wurfes zur Erweiterung des $, 66 der Gemcinde-Ordnung vom 23. Ofkto- ber 1834, 3) Ucbernahme, beziehungsweise Herstellung mehrerer Wegestrecken, 4) Revision der die Landesfredit-Kasse betreffenden Gesetze, 5) Erlaß eines Gesetzes über Auseinandersezung der Lehens-, Meier - und anderen guts herrlichen Verhältnisse haben Wir zur geeigneten Höchsten Entschließung entgegengenommen, Urkundlich u, |. w,“

Nassau. Wiesbaden, 25. März. (F. J.) Gestern wur-= den hier die Häuser - Verzierungen fortgeseßt und dürften heute ihr Ende erreichen, Jm großen Saale des Hotels „zu den vier Jahreszeiten“ erhielt gestern Vormittag die Fahne des hiesigen Schüßen-Corps ihre Einweihung. Dieses aus etwa 160 Mann mit 16 Offizieren be- stehende Corps besißt eine re<t hübsche Blehmusik und erscheint sei nem der Eintracht und dem Frieden gewidmeten Dienste vollkommen gewachsen. Während der Nachmittagsstunden ertönte zu wiederho! tenmalen in den Straßen der Stadt Harmonie -Musikz dieselbe galt den von allen Richtungen ankommenden fremden Sängern, welchen eine Deputation des hiesigen Männer =- Gesangs - Vereins mit Musik und fliegender Fahue entgegenging, um sie zur Stadt zu geleiten. Heute halten die fremden und einheimishen Sänger Generalprobe, Der heutige Tag wird zur näheren Junstruirung aller derjenigen verwendet werden, welche bei dem morgen, Nachmittags 3 Uhr, stattfindenden Einzuge der höchsten Herrschaften mitzuwirken haben.

Freie Städte, X Frankfurt a. M., 26. März. Se. Durchlaucht der Herzog und Jhre Kaiserl. Hoheit die Frau Herzogin von Nassau trafen gestern um 6 Uhr hier ein und stiegen ohnè alle Empfangs= Feierlichkeiten, da diese verbeten waren, im „Römischen Kaiser“ ab. Das erlauchte Paar wurde daselbst dur< die Anwesenheit Jhrer Königlichen Hoheiten der verwittweten Frau Herzogin von Nassau und des Prinzen Friedrich von Württemberg angenehm überrascht. Die Hoffnung, das hohe Paar werde im Theater erscheinen, ging nicht in Erfüllung. Heute Mittag um 12 Uhr seßten Se. Durchlaucht und Jhre Kaiserliche Hoheit die Reise fort und wurden an der eine Stunde von hier entferuten Landesgränze von den höheren Stagts- Beamten, den Gemeinde-Beamten der nahen Orte, der Schuljugend u, st. w, ehrfur<tsvoll begrüßt. Ein Bataillon Jnfanterie war da- selbs aufgestellt, Leider war das Wetter heute regneris< und wohl dadurch glitt ein verheiratheter Zimmermann heute Morgen von dem nassen Diehl des einen Thurmes der Ehrenpforte, als er eine Fahne befestigen wollte, fiel dur<h die dünne Verschalung auf die Chaussee und blieb gleih todt. Auf die versammelte Menschenmenge machte das unglü>lihe Ereigniß den shmerzlihsten Eindru>,

Oesterreichische Monarchie.

© Wien, 23. März. Obwohl es in unserer Stadt nicht an mancherlei, aus früheren Zeiten herrührenden, mitunter großartigen Veranstaltungen für allgemeine Zwecke fehlt, so is do<h oft die Be= merfung gemacht und als rihtig erkannt worden, daß wir nicht gleichen Schritt hielten mit jenen in neuerer Zeit in anderen großen Städten getrofenen Veranstaltungen, welhe den Forderungen der Gegenwart entsprechend, theils die materielle Lage gewisser Klassen der Bevölkerung verbessern oder im Allgemeinen die Annehmlichkeit des Lebens der Bewohner der Residenz erhöhen könnten. Die Größe des städtischen Kommunal-Vermögens und die verschiedenen städtischen

der Longobarden in Jtalien, bis zum Jahr 1734, der Anfunst König Karl's

von Bourbon in Neapel, herausgegeben. Die Arbeiten werden nach 10 Se- rien getheilt, deren jede wieder in zahlreiche Unterabtheilungen zerfällt, Die Serien bestimmen sich folgender Gestalt: 1) Neapolitanische Dokumente, von 568 bis 1016, 2) Sicilianische Dokumente, von 568 bis 1016. 3) Do- kumente von Neapel und Sicilien, von 1016 bis 1282, in welcher Zeit heide Länder unter Normannen, Deutschen und Karl von Anjou, aber ver- eint waren, 4) Dokumente Neapels, unter den Anjous, von 1282 bis zuni Tode Johanna's 11. im Jahr 1435. 5) Sicilianische Urkunden, von 1282 bis zur Vereinigung Siciliens mit Neapel unter Alphons 1. 6) Ukunden Si- ciliens und Neapels, unter Alphons 1, 7) Aragonesisce Urfunden Neapels, bis zu Ferdinand dem Katholischen im Jahr 1501, 8) Sicilianische Urkunden bis zu demselben König. 9) u. 10) Neapolitanische und sicilianische Urkunden, unter den Vice-Königen bis 1734. Für den ersten Zeitraum sind besonders die Geseke des longobardishen Reiches wichtig, und mit deren Herausgabe, nach den in La Cava und Monte Cassino aufbewahrten Handschriften wird der An- fang gemacht werden, Die lateinischen Urfunden von Amalfi, Gaëta, Neapel, die griechischen Urkunden aller jener Gegenden werden sich daran anschließen. Jeder solchen Unter - Abtheilung einer Serie is cin besonderer Commissair vorgeseßt, welcher unter den Mitarbeitern sich diejenigen aus- wählt, welche geneigt sind, ihn in seinen speziellen Untersuchungen zu unter- stüßen, Da sh unter den Theilnehmern die ausgezeichnetsten Männer des Neiches beider Sicilien befinden und die Unterstüßung der Regierung dem Unternehmen wenigstens insofern nicht fehlt, als sie ihm ihre Archive öffnet, läßt si< hoffen, daß dasselbe der historischen Wissenschaft nicht unerheb- lihen Nuzen bringen werde, h

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Abgaben, wel<he von den Bewohnern neben den allgemeinen Steuern entrihtet werden, gewähren nur die Mittel, für die eigentli<h noth= wendigen Bedürfnisse des städtishen Gemeindelebens zu sorgen, können aber bei den ohnehin hon vorhandenen großen Anforderungen an die Vermögenskräfte der meisten Bewohner nicht noh weiter ausgedehnt wer- den für Zwe>ke und Einrichtungen, die nicht auf einem gerade nothwen- digen Bedürfnisse beruhen oder deren Ausführung einer günstigeren zZZeit vorbehalten werden kann, Die Ungewißheit aber, ob die Zu- funft manchem jeßt als einladend erscheinenden Unternehmen weniger Schwierigkeiten entgegenstellen würde, hat es unserem Bürgermeister, Herrn Czapfa, als wünschenswerth ersheinen lassen, die Begründung eines für gemeinnüßige Zwe>e der erwähnten Art augenbli>lih ver= wendbaren Fonds zu bewirken. Derselbe hat daher einen öffentlichen Aufruf erlassen, zur Erlangung von freiwilligen Beiträgen für die Bildung eines Fonds, welcher einzig und allein die Bestimmung haben soll, nah Verfügung des Magistrats gemeinnüßige Unternehmungen im Interesse der Stadtgemeinde und der Residenz - Bewohner theils selbst auszuführen, theils na<h Maß der Zulänglichkeit zu unter= stüßen und zu fördern. Wir wünschen diesem Versuche den besten Erfolg.

1p Prag, 24. März. Die öffentlichen neuesten Verzeichnisse über |

die Beiträge für die Veranstaltungen zu unserem Universitäts-=Jubi= läum, gewähren jeßt etwas bessere Hoffnungen auf das Zustande- Fommen, wenigstens jener Summen, die zur würdigen Ausführung des Monumentes Kaiser Karl’s IV, nothwendig sein werden, Der mit der Ausführung beauftragte Professor Hähnel in Dresden hatte vor kurzem ein kleines Modell des ganzen Monumentes ausgestellt, welches auf eine Höhe von 30 Fuß berechnet ist; die Statue des Kaisers sell 12 Fuß, und die 4 Figuren am Sodel, die 4 Fakultäten darstellend, Lebensgröße erhalten. An den E>en des von Pfeilern getragenen Piedestals werden 4 kleine Statuetten angebracht, hervorragende Zeit- genossen des Gründers der prager Hochschule bildend. Nach dem allgeméinen Urtheile der Sachverständigen über das Modell, soll Professor Hähnel als Bildhauer die Jdee des Monu- ments sehr glü>li<h getroffen haben; dagegen ist die architekto- nische Anordnung des Piedestals in seinen Details und im Verhält= nisse zu der Nähe und dem reinen Baustyle des gothishen Brücken- thurmes keinesweges als vollkommen befriedigend erfannt worden. Die dagegen von einem anerkannt tüchtig gebildeten Architekten erho- benen Bemerkungen werden ohne Zweifel die verdiente Beachtung sinden , und eine den Anforderungen der Kunst und des guten Ge-= \{<mad>s befriedigende Lösung gewähren. |

Auch die Statuen auf unserer großen Brücke sollen renovirt und wo nöthig ergänzt werdenz bei dem großen Werthe, den die meisten derselben haben, verdient der von Fremden und Einheimischen oft geaußerte Wunsch Berücksichtigung, daß die wenigen zu dem Ganzen nicht passenden Statuen durch neue und bessere erseßt werden möchten,

JDLranrei h.

Paris, 24. März. Die Denkschrift, welche der Erzbischof von Lyon, Kardinal von Bonald, und die Bischöfe von Autun , Langres, St. Claude, Grenoble und Dijon schon unterm 15. Februar an den Justiz- und Kultus =- Minister gerichtet haben, die aber jeßt erst zur Oeffentlichkeit gebraht worden is, hat im Wesentlichen folgenden Inhalt :

„Die Bischöfe der Diözese von Lyon wenden sich an die Regierung, um ein Recht geltend zu machen, das sie, in der Kirche, von Gott haben, und das Sie, Herr Minister, ihnen, im Staat, laut und feierlich vor den Siell- vertrctern der Nation am 25. Januar d. J. anerkannt haben. Sie erach- ten es für Pflicht, ihren Schmerz auszudrücken und, falls es nöthig sein sollte, ihre Verwahrungen niederzulegen in Bezug auf einen Gesez-Entwurf, den sie einmüthig als bedrückend für ihr Gewissen, belcidigend für die Ne

ligion und zerstörend für den Glauben anschen. Der am 2. Fe- bruar an die Pairs - Kammer gelangte Geseß - Entwurf is be- drücfend für die Gewissen, weil er Entstehung, Erhaltung, Ueber- wachung jeder Unterrichts - Anstalt von der Universität abhängig macht, somit den Familien - Vätern das heilige Recht benimmt, gemeinsam zur Erziehung ihrex Kinder ein Institut zu wählen,

wie es ihnen zusagen könnte, als frei von einem Einfluß, den sie ver- \{<mähen, und sie zwingt, sich in einer so wichtigen Angelegenheit einer pri- vilegirten Corporation zu unterwerfen, die ein Gegenstand der Antipathie und des Méíßtrauens für sie ist, Der Gesez-Entwurf is beleidigend für die Religion, weil 1) die ihm vorangehende Darlegung der Motive nicht zwei- feln läßt, daß es berechnet is, die Wirksamkeit des Klerus zu lähmen, gleichsam als wäre der französische Klerus, obschon seine Verdienste hervor- gehoben werden, als ein Feind des Gemeinwesens zu betrachten; weil 2) vorgeschlagen wird, den Bestimmungen der Verordnungen vom 16, Juni 1828, welhe den Rechten der Kirche und dem öffentlichen Recht des Landes zuwiderlaufen, Geseßeskraft zu geben; weil 3) durch die Forderung, die Lehrer der Schul-Anstalten sollten im Voraus erklären, daß sie keiner religiösen Congregation angehören, in das unverleßliche Ge- bict des Gewissens gewaltsam eingebrochen und das, was unsere heilige Religion und die Schriften des Bundes als ein Mittel, zur Vollkommen- heit zu gelangen, betrachten, gleih einem Verbrechen bestraft werden soll, Der Gesey-Entwurf is zerstörend für den Glauben, weil er darauf ausgeht, einen auf Zweifelsucht gebauten Unterricht in den Schulen vorherrschen zu lassen. Man hat es gesagt, und wir geben es zu: im System der Freiheit in Meinungen und Kulten kann der Staat unmöglich gleichförmige, wandel- lose, sichere Lehren haben, wie alle wahren Katholiken fie für die Erziehung ihrer Kinder fordern, Jndem durch ein Geseh das Privilegium und Monopol des Unterrichts einer Corporation zugewiesen wird, die wesentlich ohne Glaubenssäge ist; indem dieser Corporation das ausschließliche Recht ertheilt wird, das Programm aller Prüfungen zu entwerfen und selbst die Privat - Erziehungs - Anstalten zu autorisiren, zu überwachen und zu lenken; räumt man augenscheinli<h dem Zweifel den Vorrang ein vor dem Glauben und bringt in den öffentlichen Unterricht die zügellosen Ausschweifungen jener gottlosen Svsteme, welche dem Gläubigen Seufzer abnöthigen und den Táädel des Episkopats hervorrufen, Daß sh dieser Tadel öffentlich kundgegeben hat, war der Regierung peinlich ; allein was in dieser Bezie- hung geschehen is, lag in der geseßmäßigen Befugniß des Klerus, die Mißbilligung würde sih noh viel lauter und einmüthiger aussprechen, wenn der Geseh - Entwurf, gegen welchen wir protestiren, die Genchwigung, der legislativen Gewalten erlangen sollte, Die Bischöfe, Vertheidiger der reinen Lehre, würden dann, zu ihrem großen Bedauern, genöthigt sein, alle Anstrengungen aufzubieten und alle Mittel anzuwenden, um wenigstens die Herrschaft des Jrrthums zu vermindern, Drängte man sie in solcher Weise aufs Acußerste, wer könnte es ihnen verdenken, wenn sie einem geradezu gegen die Kirche gerichteten Svstem jede geistlihe Mitwirkung versagten ? Wir bitten Sie, Heir Minister, si< überzeugt zu halten, daß es katholischen Bischöfen {wer gefallen i, ihren Bemerkungen eine so

strenge Form zu gebenz Sie werden inzwischen weniger davon über- rasht sein, wenn Sie so gefällig sein wollen, si< zu erinnern, daß die Bischöfe ähnlihe Wünsche und gleiche Vorstellungen s<on

zum öfteren an die Regierung gerichtet haben, während der Geseß-Entwurf, gegen den wir uns verwahren, den unverwerslichen Beweis liefert, daß man feine Rücksicht darauf genommen hat, Jhnen, Herr Minister, kömmt es zut, einem Konflift, der nicht ausbleiben würde und dessen Folgen nicht abzu- sehen wären, so viel an Jhnen liegt, vorzubeugen. Jm Interesse des Frice- dens, wie in dem des Glaubens und der Sitten, verlangen wir zunächst

ausdrü>lih, daß der Geseß - Entwurf zurü>genommen werde, als nur geeignet, einen endlosen Krieg zu entzünden und Unheil aller Art herbeizuführen, Wäre es uns vergönnt, unsere Blicke über

den gegenwärtigen Zeitmoment hinaus zu erheben, so würden wir für Frankreich die wahre Freiheit des Unterrichts fordern, nämlich die allen Staats-Angehörigen einzuräumende Befugniß, untér der einfachen Ober- aufsicht der Regierung Schulen zu haben, ganz unabhängig von denen der

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Universität, die, weil sie in ihren Lehr-Anstalten mit jenen wettcifern sollte, nicht auch zugleich das Richteramt úber sie ausüben tönnte. Um zu cinem so wünschenswerthen und so nothwendigen Ergebniß zu kommen , re<nen wir auf die erleuchtete Einsicht des Königs, dem wir unsere Vorstellung zur Kenntniß zu bringen Sie ersuchen.“ j

So eben is auch {hon wieder eine neue Protestation gegen das Universitäts - Monopol erschienen ; der Bischof von Chalons, von wel- chem sie ausgeht, hat diesmal die France zu jeinem Organe ge- wählt. A } : Dem Univers zufolge, hat der Kultus-Minister, eben so wie an den Erzbischof von Paris, au<h an den Erzbischof von Rheims und seine Suffragan-Bischöfe einen Verweis wegen der Denkschrift gerichtet, welche diese Prälaten ihrerseits dem Könige in Gemeinschaft übersandt haben. „Judeß“, bemerft jenes Blatt, „hat der Minister diesmal seine Klage nicht öffentlich vorgebracht, wie in dem Falle mit dem Erzbishof von Paris. Die Antwort wird wahrscheinlich nicht lange ausbleiben. Wir wissen nicht, ob Herr Martin du Nord die Erzbischöfe von Lyon und Tours mit demselben ministeriellen Ta- del behelligt hat; aber das ist gewiß, daß ihm mehrere Bischöfe ihren Beitritt zu der Denkschrift der Bischöfe der pariser Diözese er= flärt haben, So viel wir wissen, haben bis jeßt alle Meiropolitane, bis guf drei, entweder eigene Vorstellungen an die Regieeung einge= sandt oder ihre Uebereinstimmung mit der Erklärung ihrer Amtsbrüs= der ausgesprochen,“

m Paris, 24. März. Iten Büreau der Kammer die Proposition des Herrn Chapuys de Monuntlaville, über die Abschaffung des Zeitungsstempels, sehr in Schuß genommen. Seine Rede kfann man folgenderweise zusammenfassen. Die Motion des Herrn Chapuys hat eine finanzielle und cine poli= tische Bedeutung. Jun ersterer Rücksicht reduzirt si< die vorgeschla- gene Maßregel auf einen Verlust von 27 Millionen an den Fisfal- Einnahmen. Herr von Lamartine glaubt, und zwar nicht ohne Grund, daß dieser Verlust schr leiht dur< die Vermehrung der Post-Einuahmen wird gede>t werden können, weil die Abschaffung der Stempel-Tarxe der Tagespresse einen neuen Aufschwung geben würde, da die meisten Journale um die Hälfte des bisherigen Abonnements =- Preises würden geliefert werden fönnen. Doch würden solche Finanz= Nachtheile, selbst wenn sie unvermeidlih wären, durch politische Vortheile mehr als aufge= wogen werden, Die heutigen Journale sind entweder Organe der Parteien oder der Regierung. Die ersteren müssen, um zu existiren, zu den Annoncen und zu allerhand Speculationen, wie zu interessanten Feuilletons u. st, w., ihre Zuflucht nehmen. Die Organe der Regie- rung leben meistens nur von der Subvention. Ein wahres unpar= teiishes Journal giebt es niht. Warum? Weil die Fiskal-Lasten zu sehr dem Gedeihen unabhängiger Journale im Wege stehen. Die Proposition des Herrn Chapuys -= Montlaville will dem dringenden Bedürfnisse entsprechen, eine von allen Kotterieen und jedem Partei- geiste sich fernhaltende Presse einzuführen. Nicht nur die Opposition, sondern auch die konservative oder Regierungspartei, hat das höchste Interesse daran, wie cs die Erfahrung von 1840 nur zu sehr be-= währt hat. Nach dem Falle des Kabinets vom 15, April sah sich die wahre konservative Partei der Gefahr ausgeseßt, kein Organ unter der Presse mehr zu besißen.

Beim ersten Blicke könnte man vielleicht befürchten, daß die Ab= \chaffflfung der Stempel - Taxe, welche die Proposition Chapuys de Mounutlaville vorschlägt, eine Menge gefährlicher Journale hervorrufen fönnnte. Herr von Lamartine theilt nicht diese Ansicht, denn die Regierung behält no< immer als höchst wirksame Waffe dagegen die September =-Geseße in Händen. Der Géraut jedes neuen Blattes muß, wie bisher, eine Caution erlegen, welche für die Regierung eine mächtige Garantie bildet. Wenn man ferner bedenft, daß, fraft der September - Geseße, die Regierung gegen gefährlihe Journale eine zehnjährige Kerkerstrafe, 100,000 Fr. Gelduße, das gänzliche Verbot des Journals und die Deportation des Géranten u. st. w. anwenden fann, so muß man erkennen, daß sie Mittel genug besibt, solchen Blättern bald ein Ende zu machen. Dazu kommt das in leßter Zeit aufgestellte Prinzip der moralischen Komplizität, nach wel= hem der Drucker als Mitschuldiger des Géranten erscheinen kann, Dies is mehr als hinreichend, um den Druern bei der Gründung eines neuen Journals Vorsicht einzuschärfen. Endlich hat die Regie- rung die Möglichkeit in Händen, den Journalen der Opposition die Konkurrenz mit den Regierungs-Blättern in den Departements so zu erschweren, daß erstere faum sich halten fönnen und früher oder später eingehen müssen. Man begreift mithin leiht, daß die Besorgnisse, welche das Kabinet wegen der Abschaffung der Stempel - Taxe zu Gunsten der Journale hegen könnte, niht ernster Natur sein dürften.

In Folge dieser Rede sollen si< im 9ten Büreau von 45 De- putirten, die an der Diskussion Theil nahmen, 40 zu Gunsten der Motion des Herrn Chapuys erklärt haben.

Grossbritanien und Irland.

London, 23. März. Alle ministeriellen Blätter der Hauptstadt reden dem Vorschlage Lord Ashley's das Wort. Die Times, welche bis= her sich das Ansehen gegeben hat, als zweifelte sie gar niht an dem Er folge desselben, betrachtet es sogar als ein Unglück, daß die Sache der Gerechtigkeit und der Humanität nicht gesiegt habe und daß die Königin von thren Ministern verhindert worden sei, selbst einen Vorschlag dieser Art machen zu lassenz dieselbe werde so der Segnungen beraubt, welche Weiber und Kinder künftig auf das Haupt ihres Wohlthäters herabflehen. Alle Drohungen, die man von Manchester her vernimmt, und worauf auh Sir James Graham heute in seiner Rede anspielt, daß nâm- lich mehrere der reihsten Fabrikanten ihre Fabriken schließen und ihre Kapitalien ins Ausland tragen würden, behandeln diese Blätter als eitle Mährchen mit Hohn. Man muß in diesem Beitritte der Tory= Blätter zu Lord Ashley's Vorschlage allein ein Partei- Jnteresse er- feunen, das seinen Grund in der Aussicht auf einen stärkeren Wider= stand gegen die Bestrebungen der Anti =corn-law =-league hat, sobald der Zwiespalt zwischen den Brodherren und Arbeitern größer gewor=

den. Cs scheint, als frohlo>ten die Organe der Tory - Partei über einen solheu in Aussicht stehenden Zwiespalt, wenn es heißt, die Fabrikanten würden alle den Arbeitêlohn herabseben,

die Arbeiter würden alsdann wahrscheinlih aussterben, und es würde zu einem langwierigen Streite lommen, dessen Folgen nicht abzusehen seien. Der Standard versichert sogar, nicht so sehr die Humanität als das unmittelbare Juteresse der Gutsherren und Pächter erfordern es, daß die Arbeitszeit beschränkt würde; denn in diesem Falle wür= den die Fabrikanten ihre Arbeiter immer gleihmäßig beschäftigen müssen, und diese würden dann beständig Mittel haben, Landes-Pro- dukte zu fonsumiren, was bei dem bestehenden Systeme nicht der Fall sei. So macht das Partei-Juteresse die Opposition der eigenen Au- hänger des Ministeriums gegen den Vorschlag erklärlih.

Graf Lonsdale, einer der reisten Pairs des Reichs, und nächst dem Herzoge von Rutland der älteste Ritter des Hosenband - Ordens, ist am 19ten gestorben,

Die Eigenthümer des Sto>s der Bank von England hielten gestern ihre halbjährige General - Versammlung, in welher nah dem Antrage des Gouverneurs die Dividende für das am 5. April ablau= fende halbe Jahr zu 35 pCt. festgeseßt wurde. Der gegenwärtige Stand des reinen Vermögens der Bank wurde zu 3,159,966 Pfd,

Herr von Lamartine hat gestern im |

angegeben, wobei der Werth sämmtlicher Gebäude niht mitgere<nct ist. Ueber die erwarteten Verändernngen na< Ablauf des Privile= giums der Bank, dessen Erneuerung in den nächsten Monaten das Parlament beschäftigen wird, konnte der Gouverneur für jeßt no< feine Auskunft geben.

Aus China sind kürzli, wie der Globe berichtet, 300 Flaschen Que>silber eingeführt worden, was deshalb wichtig is, weil dieser Einfuhr = Artikel, wenn die Qualität si als gut herausstellt und die Masse dieses Metalls in China bedeutend ist, große Bedeutung ge= winnen und dem bisherigen spanis<hen Quecfsilber-Monopol, das jetzt durch das Haus Rothschild ausgebeutet wird, eine Konkurrenz entge= genstellen fann, die wahrscheinlih ein Heruntergehen des Preises her-= beiführen und dadur< auf den Bergbau höchst vortheilhaft einwirken würde. Der Rothschildsche Agent fordert jeßt 47 Sh. für das Pfund spanischen Quesilbers; das chinesische is zu 3 Sh. 5 Pce. angebo= ten worden.

C London, 21. März. Die Minister beharren bei ihrem Widerstande “gegen das Amendement Lord Ashley's zur Faktörei-Bill. Was sie und Alle, denen der britishe Handel für die Erhaltung der Nationalgröße unentbehrlih erscheint, am meisten beunruhigt, besteht darin, daß fie in der vorgeshlagenen Beschränkung der Arbeitszeit in den Fabriken nur den Anfang weiterer Beschränkungen erbli>en müssen. Man spricht hon auf manchen Seiten, daß man mit aller Sicherheit die Zeit auf $8 Stunden herabseßen könne, und Fielden, der selbst Fabrikant ist, sagte dics sogar im Unterhause. Aber auch auf ande= ren Gebieten erwe>t die Opposition gegen die Regierung in dieser Sache derselben stärkeren Widerstand. Alle diejenigen, welche (gleich= viel aus welchen Beweggründen) jeßt als die Beschüßer der Fabrik= Arbeiter auftreten, geben gewissermaßen si< als die Beschüßer aller Arbeiter kund, und sind als solche verpflichtet, au< das neue Armen= wesen auf einen anderen Fuß zu seßen. Oastler arbeitet mit uner= müdlihem Eifer für die Zehnstunden - Vill, sowie gegen jenes Gesebß fort. Die Gutsbesißer gerathen hierbei in eine doppelte Verlegenheit, denn wie ihnen auf der einen Seite erklärt wird, daß das jeßige Armengeseß nicht zugleih mit dem Korngeseß behauptet werden könne, so wird ihnen auch vielfach zugerufen: daß, wenn das Fabrikwesen durch die beabsichtigte Beschränkung leiden sollte, sie selbs zu Grunde gehen müßten, wenn sie demselben nicht durch freie Getraide-Einfuhr Erleichterung gewährten, Welch eine Aufgabe für cin Ministerium, bei all diesen gegen einander tobenden Jnteressen und Leidenschaften die Waage zu halten.

Ein protestantisches Blatt in Jrland hat so eben einen angeb= lihen Brief von London bekannt gemacht, wonach Peel an den Lord=- Lieutenant geschrieben, daß er künftig keinen Geistlichen befördern solle, welcher nicht die Regierungs-Schulen in seinem Sprengel unterstüßte, und daß er lieber die höheren Kirchen-Aemter an englische Geistliche vergeben, als ferner die Opposition der irländischen Geistlichkeit billi= gen wolle, Diesem wird zwar vom Standard widersprohen. Da jedoch die Regierung beschlossen hat, jenes Schulwesen in Jrlaud auf= recht zu erhalten und sogar auszudehnen, so muß sie etwas der Art thun, wenn die von ihr unterstützten Schulen nicht aus\chließlih in die Hände von Katholiken und Dessenters fallen sollen. Aber damit würde sie sich wieder einen neuen Shwarm von Feinden zuziehen E die irländische protestantische Kirche {hon jeßt wenig gewogen cheint. Ä:

0 10A,

Brüssel, 25. März. Der Politique, das Organ des Herrn Nothomb, sagt heute, es werde versichert, daß Herr Dechamps, der Minister der öffentlichen Bauten, der bekanntlih dem Könige schon seine Entlassung eingereiht haben soll, heute Abend beim Beginn der Verhandlungen über die Prüfungs-Kommissionen in der Repräsentan= ten - Kammer versöhnende Erklärungen über seine Stellung zum Ka= binet abgeben würde. :

Schweden und Vorwegen.

__ Christiania, 19. März. Das Königliche Schreiben, welches die Anzeige von dem Ableben des Königs Karl Johann enthält, lau- tet folgendermaßen : i

„Herr Reichs - Statthalter Lövenskjold! Unter der tiefsten i Mich in Folge der Krankheit Meines höchstgeliebten Herrn Walters ris war es Mir Pflicht, dur<h Herrn Staats - Minister Due Jhnen und den übrigen Mitgliedern der norwegishen Regierung fortlaufende Nachrichten von dem Gange der Krankheit mittheilen zu lassen. i

„Die Vorsehung hat in ihrer unerforschlichen Weisheit Mir und den Meinen das schwere Kreuz auferlegt, Zeugen des stufenwcisen Hinschwin- dens Sr, Majestät Unseres geliebten Vaters zu sein. Unsere mitunter be- lebte Hoffnung, daß die starke Natur die Krankheit besiegen würde, is ver- nichtet, und mit blutendem Herzen theile Jh Jhnen die für uns Alle so traurige Nachricht mit, daß die Vorsehung heute das thatenreiche Leben Sr. Majestät beschlossen und seine Schmerzen geendet hat. Sie, Herx Rcichs-Statthalter, so wie die übrigen Mitglieder des norwegischen Stagts- Rathes, kannten Meines edlen und hochgesinnten Vaters Liebe für das nor- wegische Volk und sein unablässiges Bestreben und seine Thätigkeit für des= sen Nuhm und Glück. Jn einer besseren Welt wird er den Lohn für das was er gethan, ärndten, und segnend wird sein Geist die Länder und Völ: ker Norwegens und Schwedens umschweben. Fricde sei darum mit seinem Staube und Segen über sein Gedächtniß !“

Es ist cin tröstender Gedanke für Mich, zu wissen, daß zwei treue Völ-

ker Meine und Meiner Familie tiefe Trauer theilen, und daß sie mit Mir den

Hingang des milden Wohlthäters unser Aller beweinen. Möge die allgütige Vorsehung auch Meine Bemühungen für euer Glück und Wohlergehen seg- nen, wie sie mit Glü>k und Gedeihen Sr. Majestät lange und segensreiche Negierung frönte! Jch zähle mit Zuversicht auf Jhre und der übrigen Mit= glieder des Staatsraths aufgetlärten Beistand zur Erreichung dieses Ziels und verbleibe mit aller Königlichen Huld Jhr woblgewogener Oscar Stockholms Schloß, den 8. März 1844, L

Die zum Protokoll des norwegischen Staatsraths gegebene Kö= niglihe Erklärung vom 8, März in Betreff des Königs=-Titels lautet :

„Auf den im Jahre 1818 in einer unterthänigen Adresse des Storthings ausgesprochenen Wunsch, die Königliche Titulatur möge dahin geändert wer- den, daß auf norwegischen Münzen und in Dokumenten, die Norwegens jn- nere Verwaltung allein betrefen, Norwegen vor Schweden genannt würde erfolgte die gnädigste Resolution vom 26, Oktober desselben Jahres, worin als Hauptgrund, weshalb Se. Majestät der hochselige König Karl Johann damals nicht Veranlassung fand, den leßten Theil des gedachten Wunschés zu erfüllen, angegeben war, daß Höchstderselbe sih {hon längere Zeit der bisher üblichen Titulatur bedient habe, und es daher nicht gecignet finde in dieser Beziehung eine Aenderung vorzunehmen; dagegen wurde der Wunsch des Storthings in Betreff der Münze später erfüllt.

,„„Da Sr. Majestät dem Könige jener Umstand kein Hinderniß für die Annahme einer anderen Títulatur in den Weg legt, und da Sie finden daß Norwegen vermöge seiner Stellung in der Union einen Anspruch auf eine solche Aenderung habe, so befiehlt Se. Majestät, daß die in beiliegen- der gnädigster Bekanntmachung über Jhre Thronbesteigung gebrauchte Ti=- tulatur für die Zukunft in allen von Sr. Majestät selbst oder von dér nor= wegiscben Regierung in Sr, Majestät hohem Namen auszufertigenden Do- fumenten, welche allein die inneren Angelegenheiten Norwegens betreffen befolgt werden soll,“ ; 2

Dem Vernehmen hat Se. Majestät der König befohlen, daß das Unions-Comité mit seinem iebt Jahre alten Vorschlage in Betreff der Unions -Flagge einkoihnmen solle. Als der König dem Vorsißenden des Comités von shwedishèr Seite, Herrn von Haris mansdorf, seitien Willen in dieser Beziehung eröffnete und dieser die