1844 / 108 p. 3 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

j „Lieutenant von Cumberland nicht, seinem Wunsche gemäß, es ues ‘dei Sohne des Verstorbenen übertragen habe. Bei der Gelegenheit wird auch wieder davon gesprochen, daß Sir James Graham den Lord Ellenborough in Ostindien abzulösen bestimmt sei.

Nach dem Morning Chronicle is der bisherige General-An- walt, Sir Frederick Pollock, bereits zu dem durch Lord Abinger's Tod erledigten Amte eines Ober-Richters des Schah - Kammergerichts er= nannt worden. / L M

Als eine günstige Folge der Finanz-Maßregeln der jeßigen Re- gierung, namentlih der Beseitigung des mehrjährigen Defizits ver= mittelst der Einkommen - Steuer wird der in der That auffallende

Stand der 3proc. Consols angesehen, welche seit 1749 zum ersten- mal wieder pari stehen. Damals betrug aber die Schuld des Staa- tes nur den zehnten Theil der jeßigen Summe (78 Millionen). Der Cours dieses Papiers is um mehr als das Doppelte seit den

Kriegsjahren von 1798 gestiegen, troß dem, daß die Schuld seitdem

bedeutend sich vermehrt hat (1793 betrug die Staatsschuld 271,113,051

Pfd., gegenwärtig zwischen 800 bis 1000 Millionen Pfd.)

Man ‘hat Nachrichten von dem Missionair Dr. Wolf bis zum

6. Februar aus Teheran erhalten, worin derselbe über das Schicksal

der britischen Offiziere in Bochara Näheres mittheilt. Derselbe

shreibt: „Der Gesandte von Bochara hat erklärt, er glaube nicht, daß Oberst Stoddart und Capitain Conolly ermordet worden seien,

Er sei vielmehr überzeugt, daß sie noch in Gefangenschaft gehalten

werden, Oberst Stoddart's Bediente versicherte mich, es hätten zum

öfteren verschiedene Personen mehrere Fahre in Bochara im Gefäng- niß geshmachtet, so daß selbst die Einwohner der Stadt an ihren

Tod geglaubt, bis sie plözlih wieder zum Vorschein gekommen seien.

So viel ist gewiß, daß in Bochara Niemand um ihre Hinrichtung

weiß, undFih bin entschlossen, meine Reise nah dieser Stadt unver=

weilt fortzuseßen,“

Del E

Brüssel, 13. April. Die paclamenia lie Kommission, welche den Zustand der belgischen Judustrie zu untersuchen hatte, sagt in ihrem Bericht : „Die meisten Zweige unserer Jndustrie sind in einem gedrückten Zustande. Die Ursache dieser Lage wird dem ungenügen- den Zoll - Tarif zugeschrieben, der unseren Jndustriellen nicht einmal den Genuß des nationalen Marktes sichert, Diesem Uebelstande könnte leiht abgeholfen werden, wenn man die Stimme unserer Fabrikanten hören wollte, die doch feine übertriebenen Forderungen stellen, Jn der That, von dem französischen Tarif ist gar keine Redez sie ver- langen kaum den preußischen Tarif, dessen Mäßigkeit doch bekannt is. Jn Betreff einiger sehr wihtigen Zweige würden sie sich sogar mit dem derzeitigen belgishen Tarif begnügen, wenn nur der Schleich= handel genügend niedergehalten werden könnte und man bei uns, nah dem Beispiel Frankreihs, Preußens und Englands, den patrio- tischen Muth hätte, sich einige Beschränkungen aufzuerlegen, indem man die Präventiv- und Repressiv-Maßregeln, welche jene drei gro- ßen Nationen anwenden, auch bei uns unter die Geseße aufnähme.““

Nach dem neuen provisorischen Geseß über die Ernennung der Universitäts - Prüfungs = Juries, wie dieselbe von den Kammern be- {lossen worden is, besteht jede Jury aus sieben Mitgliedern, wovon die Regierung drei und jede Kammer zwei ernennt, Die Ersaßmänner werden in demselben Verhältniß ernannt. Die von der Kammer be= zeichneten Titulgr-Mitglieder werden jedes Jahr der Wahl durch das

Loos unterworfen. Auf diese Weise wird je einer von den zwei Mitgliedern gewählt. Die ausscheidenden Mitglieder der Jurics kön= neu nur A Verlauf eines Jahres wieder gewählt werden. Jede Kammer kann jeder Anstalt nur ein Mitglied entnehmen. Jede Jury fann nur zwei Mitglieder derselben Anstalt in sih aufnehmen. Eine besondere Jury hat für die philosophishe und philologische Fakultät die Prüfung der Kandidaten und der Doktoranden zu besorgen. Was die medizinische und juristische Fakultät betrifft, so werden denselben zwei JZuríes beigegeben, die eine, um die Kandidaten zu prüfen, die audere, um die Doktorwürde zu verleihen. Diese Bestimmungen sind nur auf ‘vier Jahre gültig. Die Vollmacht der 1843 ernannten Juries wird bis zur ersten Session 1844 verlängert. S chweiz.

Chur, 9. April. (O. P. A. Z.) Der hiesige Bischof hat am 20. Mârz an das Volk von Nidwalden einen Hirtenbrief erlassen, sowohl zu „dessen Beruhigung über die lebtstattgesundenen Vorgänge, als auch zur Anstistung, Le dem betretenen Pfade fortzuwandeln,““ Er spricht in demselben seine große Freude darüber aus, „daß der hohe Stand Unterwalden nid dem Wald in geseßliher Versammlung am 4. Dezember 1843 beschlossen habe, mit dem hohen katholischen Vororte Luzern und den übrigen alten Stäuden gemeinschaftliche Sache zu machen und auf erlaubten und geseßlichen Wegen dahin mitzuwir= fen, daß die dur die bewußten Vorgänge verleßten und gefährdeten Garantieen und Jnteressen der katholischen Religion und ihrer Jnsti- tutionen wieder zurückgefordert, gerettet und gesichert würden.“

Am 5. April wurde von mehreren Männern im Austrage der Gemeinde Felsberg der Felsenbruch in Augenschein genommen. Es ergab si, daß der zweite derjenigen Dräthe, die im leßten Herbst zur Beobachtung der Felsenbewegung gespannt worden waren, eben- falls zerrissen war (den anderen fand man schon früher entzwei)z au aus den anderen Zeichen ergab sih die traurige Wahrnehmung, daß die Hauptmasse seit cirka 10 Wochen abermals um 25 Zoll ab= wärts gewichen is, Daß die Katastrophe in rascher Entwickelung sich befindet , beweisen au die fortwährenden Ablösungen vom Fuße des zerklüfteten Felsens, so wie im Junern des Bruches. Dieser Tage rollten wieder einzelne Felösstücke bis in die zwischen dem Dorf und dem Fuß des Calanda's befindliche Ebene. Jn Folge dieser bedroh- lihen Anzeichen haben sich am 8. April 140 Felsberger neuerdings für Uebersiedelung auf churer Boden ausgesprochen, falls für sie auch nur einigermaßen annehmbare Bedingungen festgestellt würden.

Portugal.

__A Lissabon, 3. April. Das Königliche Dekret wegen Ver-= längerung der Suspension der constitutionellen Bürgschaften erschien im Diario do Governo vom 29, März und lautet wie folgt :

Da die Frist für die Suspension der individuellen Garantieen, dekretirt dur das Gese vom leyten 6, Februar und hinausgerüt durch ein ande- res Geseh vom 22sten desselben Monats auf dem Punkte steht, abzulaufen, und im Uebrigen die Beweggründe, die zu dieser Suspension Anlaß gaben, noch vorhanden sind, so habe Jh, Gebrauch machend von den Befugnissen, die Mir durch den Paragraph 34 des Artikels 145 der constitutionellen Charte der Monarchie verlichen sind, und nach Anhörung Meines Staats- Raths beschlossen, was folgt:

Ar t, 1, Alle individuellen Garantieen sind im ganzen Königreiche bis un kommenden 23, April suspendirt, und die Regierung is ermächtigt, die astung von i Ag voti ohne vorgängig erwiesene Schuld vorzunehmen. ai liths 2, Die Journale oder anderen periodischen Schriften, gedruckt schen ea Mt, sind während desselben Zeitraums verboten, Die literari-

Regierung fiat allese gd Lde and die Diarios der Kammern und ejer BVersügun 8genommen, Gegeben im Palaste Necessidades, 28 Mär. 1844 idi Gez, , die , Dieses Wotgen ass Unterschriften sämulicjer Mini er.) a Rathe berathen und e am Tage vor seinem Erscheinen im Staats= on allen Anwesenden ein immig gutgeheißen

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worden. Man bemerkte aber, daß der Patriar rzbi n Lissabon, welchem der Vorrang vor den Vbriten mee Din Staats-Raths zukömmt, bei der Berathung nicht erschienen war. Jh habe Jhnen schon neuerlich bemerkt, daß dieser Prälat seit einiger Zeit vom Hofe sowohl, als von den Berathungen des Staats-Raths sih fern hält. Man sagt zwar, ein körperliches Leiden halte denselben zu Hause zurück; indeß weiß man nun aus guter Quelle, daß in der That Meinungs - Differenzen zwischen ihm und dem Ministerium, besonders dem Minister des Jnnern in Betreff einiger von diesem veranlaßten Maßregeln der wahre Grund seines Fernbleibens sind. Namentlich hatte die Verordnung, wonach die Regierung ermächtigt is, Personen, die verdächtig werden, den Jusurgenten Unterstüßung oder Zuflucht zu gewähren, ohne Weiteres nah den überseeischen Besißungen de- portiren zu lassen, von seiner Seite Widerstand gefunden. Jn der leßten Versammlung des Staats = Rathes, der er beiwohnte, wurde diese Verordnung berathen, und da war der Prälat das einzige Mit- glied, welches Opposition dagegen erhob. Darüber kam es zwischen ihm und dem Minister des Junern zu einer heftigen Debatte, bei der von beiden Seiten, wie es scheint, bittere Aeußerungen fielen, dur welhe der hochbetagte Prälat si verleßt fühlte, weshalb er nun der ferneren Theilnahme an den Berathungen des Staats =Rathes bis auf Weiteres sih zu enthalten gedenkt.

Nach Mittheilungen, denen ih alle Ursache habe, vollkommenen Glauben beizumessen, betragen die sämmtlichen nun zur Belagerung von Almeida versammelten Streitkräfte nicht über 3000 Mann, aber auch jene des Grafen Bomfim im Plabe nicht über 1000, die aber aus der Umgegend noch immer mit Lebensmitteln versehen werden. Doch sind in den leßten Tagen einige für den Plaß bestimmte Convois von den belagernden Truppen aufgefangen worden, Das zweitägige Feuer am 30sten und {sten gegen den Plaß soll die Rebellen so ziemlih entmuthigt haben, da sie dasselbe niht beantworten können und die Ueberlegenheit ihrer Gegner wohl einsehen. Vou Guerillas= Banden hört man nichts weiter,

Zwischen dem Diario do Governo und einigen englischen Blättern hat \ich eine bittere wenigstens von Seiten des Diario bittere -— Polemik aus Anlaß der Mittheilungen der Korrespondenten jener Blätter über die portugiesischen Zustände entsponnen, Am 29sten hat das Diario einen heftigen Artikel gegen jene Korrespon= denten gebracht, die es beschuldigt, Spekulanten mit portugiesischen Staats =- Papieren zu sein und ihre Berichte an die londoner Blätter nur deshalb so ungünstig für die Sache der Regierung abzufassen, um die portugiesishen Fonds an der Börse zu London herabzudrücken, Dies sei ihnen auch cinige Male schon gelungen, und sie suchten dann aus dem nothwendig nachher wieder eintretenden Steigen dieser Pa- piere ihren Gewiun zu ziehen. Das Diario hat insofern nicht Un= recht, wenn es behauptet, daß die Korrespondenten der englischen Blätter häufig Ucbertreibungen und Entstellungen sich zu s{chulden fommen lassen: aber das Diario ist andererseits auch nicht ganz von dem Vorwurfe freizusprechen, die Thatsachen manchmal zu verschweigen oder in einem anderen Lichte darzustellen, als sie wirklih erscheinen.

Griechenland.

O München, 11. April, Die Deutschen, welche die Ueber= fahrt von Athen nah Triest auf dem griechischen Kriegsfahrzeug „„Athene““ gemacht, sind nunmehr, mit Ausnahme einzelner Kranken, hier eingetroffe-n. Viele konnten den Weg von Triest hierher zu Fuß zurücklegen, Andere, denen es dazu an der nöthigen Kraft gebrach, eben so die Frauen und Kinder, wurden auf Wagen und unter geeig= netster Fürsorge hierher befördert. Die Ueberfahrt war für Alle cine Zeit großer Entbehrungen. Was nah ihrer Ausschiffung zur Be-= friedigung ihrer dringendsten Bedürfnisse hat geschehen können, ist nach dem einstimmigen ‘Sestäñduisse dieser Leute wirklich geschehen. Alles im ersten Augenblicke zu thun oder auch den Wünschen eines Jeden zu entsprechen, ist wohl unter keinerlei Umständen möglich, am wenigsten aber unter denen, die?in diesem Falle gegeben waren, So mußten denn viele nicht unbillige Klagen erst hier beshwihtigt wer= den, und den gerechten Schmerz der Armen über die totale Täuschung aller ihrer Hoffnungen kann wohl erst die Zeit heilen, Die ganze Zahl der seit etwa 8 Tagen hier eingetroffeneu Deutschen, die jedoch mit nur wenigen Ausnahmen ihre Heimat in Bayern haben, mag sich auf hundert belaufen. :

Außer diesen, welche die interessantesten griehischen Neuigkeiten erst hier erfahren konnten, sind aber auch einige Personen hier au- gekommen, welche Athen erst am 26. März verlassen haben, Man hört von denselben jedoch nur sehr Weniges, was geeignet wäre, den hon erwähnten brieflihen Mittheilungen ergänzend zur Seite zu stehen. Jm hohen Grade war man in Athen darauf gespannt, wie sich König Otto über die Beschlüsse aussprechen werde, welhe von der National - Versammlung über abermalige Schenkungen an Ländereien für die Männer aus den Befreiungszeiten gefaßt wordeu sind und noch in Aussicht stehen. Jeder ¿or00:x0; 1g scheint bedacht wer= den zu sollen, und Mancher mag wohl Neigung dazu tragen, durch Besiß an Grund und Boden es den reichen Kolokotronis in der Mo- rea oder den Mauromichalis und Pirakis in der Maina gleihzubringen. Aber geeigneter dürfte es sein, wenn statt der Schenkungen an Län= dereien nah dem dringenden Vorschlag mehrerer Abgeordneter ein zweckmäßiges Verpachtungs- und Verkaufs-System angenommen würde, so daß in den Pacht - und Kaufs-Verträgen stets die Bestimmungen über die Zeit, binnen welcher der Pächter oder Käufer gewisse Bo- denstrecken fultivirt haben muß, den ersten Rang einnehmen müßten,

Die Stürme, welche während der leßten Woche geherrscht, hat- ten an den Küsten von Morea und auf verschiedenen Juseln große Verwüstungen angerichtet.

Vereinigte Staaten von Uord- Amerika.

____ New-York, 24. März. Die Debatte über die Oregon-Frage im Senate ist beendet; Herrn Semple's Antrag, den Präsidenten zu ermächtigen, daß er die Uebereinkunft, Twonah das Oregon=Gebiet von Unterthanen Englands und Nord=-Amerika's gemeinschaftlih be- seßt wird, für erloschen erkläre, is mit 28 Stimmen gegen 18 ver- worfen worden, und man erwartet in dem Repräsentantenhause ein gleiches Resultat, wenn auh ers nah vielem Hin=- und Herreden, (Engl. Bl.)

Yandels- und Börsen - Uachrichten.

__ Verlin, 17, April, Jm Allgemeinen war das Geschäft heute nur in einigen Effekten belangreih und zwar fanden starke Umsäße in Bergisch- Märkischen und Bayerischen statt. Alle übrigen Effekten preishaltend mit Ausnahme von Kiel-Altonaer, die eine Reaction erlitten,

_4 Leipzig, 15. April, Das heutige Geschäft war ziemli belang- reich und zwar vorzugsweise in sächsischen Eisenbahn-Actien, „Leipzig-Dresdener erfuhren einen nicht unbedeutenden Aufschwung z. selbige waren bis 145 % p. Cassa sehr gefragt und war 146 % p. Zahl[- tag (9. Maÿ für Posten zu bedingen, Es zeigen sih für diese Actien fortwährend sehr wenige Verkäufer und kommen nur-dann und wann kleine fis am Markt, Die Besiyer dieser industriellen Papiere sind meistens ächsische Privatleute, welche für diese Bahn die günstigste Meinung hegen. Gegenwärtig sind die Direktoren der Leipzig - Dresdener Bahn in Dresden anwesend, um mit der sächsischen Regierung wegen Uebernahme des Baues

der Sächsisch - Böhmischen Bahn zu unterhandeln. Der Leipzig- Dresdener Compagnie is nämlich bereits früber, bezüglih des Baues diejer Anschluß- bahn, von der Regierung ein Vorzugsrecht eingeräumt, und sollen den Di- reftoren, wie man heute hier versicherte, von der Staats-Behörde bedeutende Vergünstigungen zugestanden sein.

SäGsish-Bayerisch e Eisenbahn-Actien haben sich von ihrem letz- ten Falle sehr nell erholt und schlossen heute 4085 Geld p. Cassa, 109 p. ultimo d. M, Bedeutende Blanco-Verschlüsse, welche p. Zahltag statt- gefunden haben sollen, und deren Deckung noch zu bewerkstelligen sein AOETE dürften leiht noch im Laufe d. M. eine rapide Steigerung dieser Papiere zur Folge haben, E Sächsisch - Schlesische waren bis 118% y. Zahltag bezahlt. £8 findet in diesem Papier jedo ein unbedeutender Verkehr statt, da nur noch wenig davon am hiesigen Markte vorhanden ist.

Für lie fbr parsrSeipdlger Eisenbahn-Actien herrscht fort- während cine sehr günstige Meinung, selbige s{lossen, troß zahlreicher An- gebote, 19547 Geld pr. Cassa, und waren auf Zeit zu“ verhältnißmäßig A ries sehr begehrt. E iz

In Berlin - Anhalter Actien dienen der hiesigen i dortigen Course als Normz zu 158% pr. ult. d, M Sts t diesem Papier um. : î

Kiel-Altona 1305 pr, Zahltag und auf spätere Posten verhältniß- mäßig mehr bezahlt,

n Oesterreichishen Actien, bis auf einige Umsäße in Wien- Gloggnizer, heute kein Geschäft.

__% Leipzig, 16. April. Bei nicht ganz unbeträchtlichem Geschäft erfuhren die meisten Effekten heute nur geringfügige Cours-Veränderung. Berlin-Anhalter waren sehr begehrt und wurde bis 159 % pr, Zahliag dafür bewilligt. Dagegen zeigte sich große Verkaufslust in Kiel-Alto- naer Eisenbahn-Actien, Die Besißer dieser seit einigen Wochen um 20% gestiegenen Papiere möchten mit Gewinn realisiren, es finden sich aber zu den jeßigen Coursen nur noch wenig Käufer für diese Actien.

Paris, 12. April. An der Börse fanden heute ansehnliche Geschäfte sowohl in französischen Renten, wie in Eisenbahn-Actien, statt, Fast alle diese Effelten erfuhren einen ansehnlichen Aufschwung.

2, Amsterdam , 13, April. Während dieser Woche wurden die Ausbietungen von holländischen Staatspapieren wicder häufiger, da außer den Verkäufen, welche mehrere Spekulanten, die cin ferneres Steigen der Preise nicht erwarten, fortseßten, das Bedürfniß an Kapital zur ersten Einzahlung in die 3proc. Anleihe, viele Nealisirungen zur Folge hatte, wodurch bei ge- ringer Kauflust die Course allmälig zum Weichen kamen. FJutegrale, welche vorigen Sonnabend bis 607- % gestiegen waren, gingen bis 60% her- unter, wurden jedoch gestern bei etwas angenehmerer Stimmung mit 605 % be- zahltz 5proc. wirkliche Schuld fiel von 1005 auf 100%; ostindische von 100% auf 992 %3 alte Syndikat-Obligationen von 98% auf 977 %. Auch die neue 3proc. Schuld, welche vorerst noch auf Lieferung 2 Monat nach deren Ausgabe verhandelt wird, theilte die allgemeine Flauheit und ging von 765 auf 75% % herunter. Nicht minder die Actien der Handels - Gesellschaft, die von 1483 auf 1473, % gewichen, sich gestern indeß wieder bis 148; % er- holten, Russische Staatspapiere wurden durch Gerüchte von anderweitiger Emittirung von 4proc. Schuld sehr gedrüct, alte Obligationen Hope fielen bei eifrigem Ausbieten von 107 auf 106 %, doch sticgen sie zuleßt wieder bis 106% %z 4proc, Certififate bei Hope gingen von 917 auf 907%, ohne sich wieder zu heben ; 5proc, Wiener Metalliques blieben nahe genug den vorigen Cours behauptend. Mit Ardoin-Obligationen und Coupons war es flauer z erstere fielen auf 21%, leßtere auf 307%, Sämmtliche Süd-Amerikanische Obligationen waren am Schluß der Woche etwas billiger zu haben. Von Eisenbahn-Actien waren die rheinischen in so ‘eifriger Frage, daß dafür ein- mal bis 104 % angelegt worden is, gestern konnte man aber wieder zu 1027 % ankommen z Haarlem - Rotterdamer Actien sind dagegen erst zu 95 und zuleßt zu 955 % verkauft, Die Frage nah Geld war diese Woche lebhaft, weshalb der Zins-Cours auf 4 a 5 % gestiegen ist.

Am Getraidemarkte ist der Preis von Weizen etwas niedriger gehalten, wodurch einige Partieen abgenommen wurden. Der Umsay in Roggen blieb träge. Gestern zahlte man: für 132pfd, jährigen weißbunten polnischen Weizen 315 Fl., 128—130pfd. bunten dito 295—300 Fl,, 126pfd. alten dito 295 Fl., 128pfd, alten weißbunten 310 Fl.,, 129pfd. alten bunten dito 305 Fl, für 119—123pfd, preußischen Noggen 170—180 Fl. Diese Woche für 118pfd. arhangel Roggen 170 Fl. Gerste wurde zur Versendung gekauft und holte unverzollte 108pfd. pommersche 130 Fl. 88psd. feiner Hafer galt 100 Fl., 84pfd. dier 94 Fl,, 70pfd. Futterhafer 75 Fl.

Auswärtige Börsen. 5% A m erd g, 13, April, Niederl, wiekl. Sch. 615. 6% do. 1007, 0 Span, 1. 39% do. OTs Palt, Preuss,. Pr. Sch. —. Pol. —. Oesterr. 1093. 4% Russ. Hope 907. A ntwerp en, 12. April. Zins]. —. Neue Avl. 215. Frankfurta. M., 13, April. 5% Met. 1135 G. Bank- Actien 2069, p. ult, 2011. Bayr. Bank-Actien 704 G. Hope 90%. Stiegl. 90. Iut. 59%. Poln. 300 Fl. 94 G. do. 500 Fl. 99%, do. 200 Fl. 32 6. Hamburg, 15. April. Bank-Actien 1680. Engl, Russ. 1137. Londo n, 12. April. Cous, 3% 100%, Bel. 104. Neue Aal. 26%. Pas- sìve 0%. Ausg. Sch. 155. 25% ol. 614. 5% do. 100%, Neue Port. 467, Engl. Russ. 117. Bras. 807. Chili 102. Columb. —. Mex. 395%. Peru 30, 22 E aris, 12. April. 5% Rente fin cour. 123, 50. 3% Rente fin cour. $3. 69, 5% Neapl, au compt. 102.30. 5% Span. Rente 359k. Pass, 63.

Ausg. —. ZinsI. —,

Meteorologische Beobachtungen.

1844, 16, April.

Nach einmaliger Beobachtung.

Abends 10 Uhr.

Morgens 6 Uhr.

Nachmittags 2 Ubr.

Lustdruck ..,. 339 82” Par.!339 90" Par./340,31” Par. | Quellwärme 6,8° R, Luftwärme .….|-+ 595,6° R. |+ 12,0° R. + 9,4° R. | Flusswärme 4,5° R. Thaupunkt ... -+- 3:87 R. |4- 41° R. + 5,7° R.| Bodenwärme 29° R. Dunstsättigung 83 pi. 53 pCt. 75 pCt. Ausdünstung 0,011 Rb, Wetter trüb. heiter. trüb. Niederschlag 0. W. WwW. W. Wüärmewechsel -+13

Wolkeuzug. tv W. —— -+ 7,5° R,

Tuzermittel +-390,04 Pala f5.9,0%A; «þ 44. (10 p06 w.

Königliche Schauspiele.

Donnerstag, 18. April. Der Plahregen als Ehe - Prokurator, dramatisirte Auckdote in 2 Abth., von E. Raupach. Hierauf: Robert und Bertrand, pantomimisches Ballet in 2 Abth,, von Hoguet,

Königsstädtisches Theater.

Donnerstag, 18 April. Gast-Vorstellung des Kinder-Ballets des Herrn Price, in 3 Abtheilungen. Dazu: Der Wirrwarr, Lustspiel in 5 Akten, von Koßebue, :

Freitag, 19. April, Des Schauspielers lebte Rolle, (Mad. Hellwig, Königl. sächsische Hof-Schauspielerin : Nettchen, als Gastrolle.) Dazu : Gast- Vorstellung des Kinder=Ballets des Herrn Price,

Sonnabend, 20. April. (Italienische Opern-Vorstellung.) Zum erstenmale: L’Ingano felice. Opera in 41 Ati Musîca del Maecstro Rossini. (Die neue Decoration is vom Decorationsmaler Martinelli.) Hierauf: Vierte Kunst-Vorstellung des Herrn B, Bosco in der ägyptischen Magie, Mit Ausnahme der unsichtbaren Kugeln sind die heutigen 12 Productionen sämmtlih neu und noch in keiner der vorhergegangenen Vorstellungen gezeigt worden. Zum Schluß: Der Bär und der Bassa, Komische Scene.

Verantwortlicher Nedacteur Dr. J. W. Zinkeisen,

Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober - Hofbuchdruckerei, Beilage

Inhalt. Griechenland. Schreiben aus Athen, (Der angenommene Entwurf des Wahlgeseßes.)

Syrien, Die Christen des Libanon sollen den Druscn-Häuptlingen unter- worfen werden.

Blik auf den gegenwärtigen Stand des Handels mit China,

Nusland. E

Griechenland.

2 Athen, 26. März. Der nah zweimaliger Bearbeitung endlih fast ohne Veränderung angenommene Entwurf des Wahl= Gesebes lautet wie folgt :

1ssttes Kapitel. Von der Zahl der Deputirten.

Art, 1, Jn jeder nach dem Wirkungskreise der verschiedenen Eparchial- Näthe ver.inigten Provinz wird eine entsprechende Zahl Deputirte nach fol- gendem Grundsaße gewählt: Eparchieen mit einer Bevölkerung bis 12,000 Seelen wählen einen Deputirten, mit mehr als 12,000 bis 24,000 zwei, von 24,000 bis 36,000 drei und mit mehr als 36,000 vier.

Art, 2. Die Jnunseln Hydra und Spezia, so wie die in Griechenland befindlichen Jysarioten, wählen ihre Deputirten im Einklange mit dem Dekret der National - Versammlung vom 31, Januar l. J., nämlich Hydra 3, Spezia 2 und die Jpfarioten 2. Die Gemeinden Kranidi und Hermione bilden vereint einen Wahl-Distrikt nah den Bestimmungen des Art, 1 hin- sihtlih der Bevölkerung.

Art 3, Die nah dem Beschlusse der National - Versammlung vom 3, Jauuar l. J. Eingewanderien wählen ihre eigenen Deputirten, so bald sie sich wirklich niedergelassen und eine eigene Gemeinde, Stadt oder Epar- chie von 3000 Seelen bilden.

Die Bestimmungen des 1sten Artikels treten in Kraft, so bald die Zahl der sich Nicderzulassenden 3000 Seelen übersteigt.

2tes Kapitel, Von der Wahlfähigkeit.

Art, 4, Die Deputirten werden von den stimmberechtigten Bürgern unmittelbar erwählt.

Art, 5, Das Stimmrecht gebührt allen innerhalb des E gebornen Griechen und denen, welche das Bürgerrecht nach den bestehenden Geseßen erworben haben, nah zurückgelegtem 25sten Lebensjahre und im Besiß von Eigenthum ín der Eparchie, wo sie ihren Aufenthalt als Bürger haben, oder nachdem sie dort 25 Jahre lang irgend ein Geschäft oder un- abbangiges Handwerk getrieben. Ausgenommen sind 1) diejenigen, welche wegen Verbrechen in Untersuchung sind z 2) diejenigen, welhe in Folge ge- richtliher Sentenz provisorish oder für immer des Stimmrechtes für ver- lustig erklärt wurden; 3) diejenigen, welche von der freien Verfügung über ihr Eigenthum ausgeschlossen sind.

Z3tes Kapitel. Von den Wahllisten,

Art, 6, Gleich nah Veröffentlihung des gegenwärtigen Gesehes ha- ben die Demarchen mit Hülfe ihrer Gemeinde - Ässessoren und der Priester ihrer Distrikte eine Liste der Stimmfähigen anzufertigen.

Art, 7, Diese Liste enthält 1) die laufende Nummer, 2) den Vor- und Zunamen der Eingeschricbenen , 3) sein Alter, 4) oh er Eingebornerx, oder seit wann er in einem Demos anwesend is, 5) ob er Eigenthum be- sizt, 6) sein Geschäft oder Handwerk, 7) ob er der freien Verfügung über sein Eigenthum oder des Stimmrechts verlustig ist, :

Diese Listen bleiben unveränderlich, werden aber jährlich am 1, April nach den Bestimmungen dieses Gesetzes revidirt. :

Art, 8. Diese Liste wird in dem Nathhause jeder Gemeinde spätestens 25 Tage nach der Veröffentlichung des gegenwärtigen Gesetzes ausgelegtz jeder Unterbezirk erhält betreffende Auszügez in späteren Jahren aber am 15, April.

Diese Bekanntmachung wird durch die Unterschrift des Demarchen U Für etwaige Neclamatiouen wird eine Frist von 10 Tagen ge- tattet.

Art, 9, Jeder Stimm- und Wahlfähige kann entweder mündlich oder schriftlich gegen die ausgelegte Liste Einspruch thun, hinsichtlih Aus- lassungen Solcher, welche die gehörigen Eigenschaften haben, oder auch hinsichtlih der Aufnahme Solcher, die den Bestimmungen nicht entsprechen. Er muß aber seine Einwendung mit den nöthigen Beweisen unterstüßen.

Art. 10, Die Klagen werden vor einer Kommission von 5 Mit- gliedern geführt, bestehend aus dem Präsidenten des Gemeinde - Naths nebst 4 Mitgliedern desselben von dem Rathe selbst ernannt und in Ge- genwart des Demarchen. Sie werden in ein eigenes Protokoll eingetragen, welches von den Mitgliedern der Kommission und dem Kläger unterschrie- ben wird,

Art. 11, Am 11ten Tage von der Bekanntmachung des im Art, 8 bestimmten Programms wird das Protokoll der Klagen in der Demarchie ausgehängt. Zugleich werden durch neue Akte die Betheiligten aufgefordert, si binnen 5 Tagen mit ihren Gegenvorstellungen zu melden, welche nach den Bestimmungen des vorhergehenden Artikels erfolgen. :

Art, 12, Deu Tag nach Ablauf des in dem leßten Artifel festgescz!en Termins zieht der Gemeinde-Rath in Gegenwart des Demarchen durchs Loos funfzehn von den in der Liste entl altenen unbestrittenen Namen, Diese bilden eine Jury, welche über die Zulassung und Rechtfertigung der Klagen entscheidet.

Art, 13, Die durchs Loos Gezogenen weiden von dem Demarchen sogleih davon in Keuntniß geseßt, und müssen binnen drei Tagen in der Hauptstadt der Gemeinde zusammenkommen. Sie legen den für die Ge- \{wornen vorgeschriebenen Eid ab, und richten unwiderruflich die Klagen, indem sie von den Protokollen der Einsprüche und Gegenvorstellungen, so wie aller anderen betreffenden Papiere Einsicht nehmen, Dieses Gericht fann nicht länger als acht Tage dauern. L

Art, 14. Die durchs Loos gezogenen 15 Namen werden in cine Vase gelegt, aus denen fünf von dem Präsidenten des Gemeinde-Raths gezogen werden, und jeder interessirte Theil kann fünf ausschließen. Die Beschlüsse müssen mit Gründen motivirt und dem betreffenden Protokoll beigefügt

verden, E Art, 15. Nach diesen Beschlüssen vollendet der Demarch seine Liste binnen 3 Tagen na der Bekanntmachung, und sie bleibt im Nathhause ausgehängt, : h

4tes Kapitel, Von den Wahl-Versammlungen.

Art, 16, Der Gouverneur, sobald er durch den Demarchen von der beendigten Nevisiou der Listen unterrichtet is, bestimmt den Tag, den Ort und die Dauer der Wahlen. Diese leßte kann aber nicht länger als 8 Tage sein. Der Gouverneur schick nah jeder Gemeinde ein versiegeltes Wahl- fästchen.

i Art, 47, Die Demarchen sind gehalten, am zweiten Tage nah Em- pfang des Aufrufs des Gouverneurs den Juhalt desselben gehörig bekannt zu machen. k / R

Art. 18, Das Abstimmen geschieht unter Aussicht einer Kommission, bestehend aus drei Mitgliedern, von dem Gemeinderathe gewählt, Der âl- teste führt den Vorsiz, Diese Kommission ernennt den Secretair.

Art, 19, Die Wahlen geschehen mittelst Stimmzettel, welhe von dem Präsidenten ausgetheilt werden. Jeder Stimmfähige schreibt auf dem Zettel entweder eigenhändig oder durch einen seiner Vertrauten so viele Namen auf, wie die Eparchie Deputirte zu wählen hat, und wirft ihn selbst in das Kästchen, indem sein Name ins Protokoll eingetragen wird.

Art, 20. Jede Bemerkung oder Klage der Stimmhabenden wird in das Protokoll eingetragen, so wie die Entscheidung der Kommission mit einigen Worten motivirt, Jn leßter Jnstanz entscheidet darüber die De- putirten-Kammer.

Art, 21, Jeder stimmt in feiner eigenen Gemeinde. Hat Jemand das Recht, in zwei Gemeinden zu stimmen, kann er eine wählen, muß aber beiden die nöthige Anzeige machen, in welcher er seine Stimme geben wird, vor Abschluß der Wahl-Kataloge. Niemand aber kann in zwei Gemeinden stimmen oder sich vertreten lassen.

Art, 22, Das Wahlkästhen wird noch von der Kommission versie- gelt, so wie von den Wählern, die es verlangen. Es wid von der Kom- mission untex ihrex eigenen Verantwortlichkeit aufbewahrt,

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Beilage zur Allgemeinen Preußischen Zeitung.

Art. 23. Nach Verlauf des festgeseßten Wahl-Termins weiden sämmt- lihe Wahlkästhen nebst den Protokollen nach dem Rathhause der Hauptstadt der Eparchie befördert, wo sie entsiegelt und geöffnet und die Stimmen in Gegenwart sämmtlicher Kommissionen öffentlich gezählt werden,

Art. 24, Nach Bekanntmachung des Nesultats werden die Protokolle dem Gouverneur übergeben, der sie an das Ministerium des Junern beför- dert, und von diesem gelangen sie in die Deputirten - Kammer. Der Gou- verneur veröffentlicht das Resultat der Wahlen und theilt den Gewählten die Nachricht mit. E i E

Art, 25, Ju den vereinten Distristen Kranidi und Hermione geschieht die Verkündigung in der Hauptstadt des ersteren Demos, Die Phanarioten werden fürs erste ihre Wahlen in Hermopolis (Syra) vornehmen.

Art. 26, Die Deputirten werden in der Regel nah absoluter Stimmenmehrheit erwählt; in deren Ermangelung aber dur relative Mehrheit, Bei Stimmengleichheit entscheidet das Loos,

5tes Kapitel. Von den Eigenschaften der Deputirten.

Art. 27, Um Deputirter zu werden, muß man 1) die im Ait. 63 der Constitution bestimmten Eigenschaften haben; 2) nicht in die Ausnahmen des 7ten Artikels kommen; 3) Autochthon des freien Griechenlands scin; oder 4) zu den Kriegsmännern gehören, welche bis Ende 1827 in Guiechenland geblieben sind, oder von denen, welche an den Schlacdbten bis 1829 theil- nahmen; 5) oder 12 auf einanderfolgende Jahre in Griecheuland gewesen sein, vou denen man 5 in einer Eparchie gelebt haben, in einem Demos eingeschrieben sein und dort unbeweglihes Eigenthum im Werthe von ivenigstens 15,000 Drachmen besißen muß,

Wenn eine Eparchie einen einzigen Deputirten oder drei erwählt, müssen dieser eine oder zwei von dreien Eingeborne der Eparchie oder von den daselbst 12 Jahre ausäßigen Freiheitskämpfern mit unbeweglichem Cigen- thum sein. Wenn eine gerade Zohl gewählt wird, können die Hälste der Deputirten Autochthonen einer anderen Eparchie des Königreichs sein.

Art. 28, Administrative, Finanz -, juridishe und Militair - Beamte können Eparchieen nicht vertreten, wo sie ihre Amtspflicht ausüben, Im Allgemeinen kann keinem Staatsdiener die Erlaubniß verweigert werden, zur Zeit der Wahlen nah seiner eigenen Eparchie zu rcisen, Festsißende Staatsschuldner können zur Zeit der Wahlen, wenn sie es verlangen, zur Ausübung ihres Stimmrechts ihre Freiheit erhalten,

Allgemeine Dispositionen.

Art, 29, Ju Fall des Ablebens, der Verabschiedung oder des Ver lustes der verlangten Gratificationen eines Deputirten findet binnen zwei Monaten eine neue Wahl statt, Die Kammer allein hat das Recht, den Abschied cines Deputirten anzunehmen. /

Besondere Dispositionen,

Art, 30, Die Professoren der Otto - Universität, die Gymnasiarchen und die höheren Lehrer des polytechnischen Justitutes, der Militairschule und anderer organisirten Bildungs - Anstalten der {chönen Künste wählen ihren eigenen Deputirten.

Art. 31, Sämmtliche Obenerwähnten versammeln \sich auf Ein- ladung des Gouverneurs der Hauptstadt des Königreichs in dem Uni- versitäts-Gebäude zur Zeit der allgemeinen Wahlen, Präsident der Ver- sammlung is der Rektor, und der Secretair der Universität führt das Pro- tokoll. Die Wahl geschieht mittelst Stimmzetteln, Der als Deputirte Er- wählte muß 1) die im Art, 63 der Constitution vorgeschriebenen Qualifica-

tioncn besißen, 2) ein ordentlicher Professor sein und sein Amt wenigstens ein Jahr bekleidet haben, Ausgenommen sind die in obigen Kategorieen befindlichen Geistlichen, welhe nur das Stimmreeht haben.

Art, 32, Die oben Angeführten können bei anderen Wahlen nicht stimmen,

Schlußbestimmungen. : 158

Bei allen Wahl-Dokumenten ist Stempelpapier nicht nöthig. Die Geistlichen haben weder Stimm- noch Wahlrecht. Jede Wahl gegen tie Bestimmung dieses Gesezes is null

Urt. :33.

Art. 34.

Art. 35. und nichtig.

Art, 36, Das gegenwärtige Gese is nicht unabänderlich,

C

Der Univers enthält Folgendes: „Am 29, gebruar ließ der Pascha von Beirut die Konsuln der 5 Großmächte zu sich kom-= men und erklärte ihnen, er habe von Konstantinopel Befehle des Jn= halts erhalten, daß die Christen fortan in allen Theilen des Libanons, wo die Drusen und Christen unter einander lebten, den Drusen-Häupt-= lingen unterworfen sein sollten. (Zu bemerken is, daß die Christen in den Dörfern zahlreicher sind, als die Drusen.) Der französische und österreichishe Konsul forderten den Pascha auf, jene Befehle vorzuzeigen, worauf er entgegnete, daß er Niemanden für sein Ver= halten verantwortlich sei, daß er handeln könne, wie er wolle und daß er sie nur habe von seinen nunmehrigen Akten in Kenntniß seben wollen, Sodann befahl er allen Christen, die Autorität des Kaima- fan und der anderen Drusen - Häuptlinge unmittelbar anzuerkennen. Allein diese konnten dem Befehle keine Folge leisten, und unter allen denjenigen, welhe mit den syrischen Verhältnissen genau bekannt sind, herrscht in diesem Punkt nur eine Ansicht. Kann es der Pforte Ernst darum sein , die Beshüßung der Bischöfe, Kirchen, Klöster 2c. den natürlichen und erbitterten Feinden der christlihen. Religion anzu= vertrauen? Können sih die Maroniten in die Abhängigkeit von je= nen Leuten fügen, welche ihre Häuser, Kirchen und Klöster geplündert und in Asche gelegt, ihre Brüder, Kinder und Weiber ermordet ha= ben? Hieße dies uicht, die Heerde der Obhut des Wolfes anver- trauen? Der Pascha blieb jedoch taub gegen alle Vorstellungen.

Er erklärte, daß Jeder, der nicht sogleich gehorhte, auf die Galeere |

geschickt werden solle und führte seine Drohung alsbald aus, indem er zwei Christen, welche als Dolmetscher der allgemeinen Beschwerde aufzutreten wagten, in das Gefängniß werfen ließ.“

Blick auf den gegenwärtigen Staud des Handels mit Chiua.

m Paris, 10, April, Jch erhalte Mittheilung von einem höchst interessanten Bericht, welchen der Kommandant der französischen Station in China dem Minister des Seewesens mit der leßten Post aus Judien eingesendet hat, und welcher über die politisch - kfommer= zielle Lage des himmlishen Reiches mehrere wichtige Aufschlüsse enthält. : Es liegt außer allem Zweifel, beginnt der Bericht des Komman= danten der französischen Station, daß der Kaiser von China vor kur= zem der britischen Regierung den Antrag machte, der vollständigen Ausbezahlung von 21 Millionen Piaster (113 Millionen Fr.) si un= terziehen zu wollen, wenn die Engländer die beiden Häfen von Tschusan und Kulangsu sogleih räumen möchten. Aber Sir Henry Pottinger bestand auf dem Wortlaut des Friedens - Vertrages, und sicherte dadurch der britishen Judustrie einen ungeheueren Waaren - Ab= saß während drei voller Jahre. Diese zwei Häfen sind nicht weit von Ningpo , einem der fünf Seestapelpläße, welhe dem auswärtigen Handel eröffnet wurden, entfernt; nun ist aber Ningpo der einzige Hafen, aus welchen die chinesishen Yonken nah Japan absegeln. Jn Folge eines zwischen China und Japan abgeschlossenen Handels - Vertrages , dürfen jährlih 12 chinesishe Younken im Hafen von Nangasaki landenz alle übrigen japanischen Häfen sind den Chinesen verschlossen. Während des Jahres 1843 sind indessen 16 chinesische Yonken meistens mit briti= \hen Manufakturen, wie Tücher, Seidenstoffe, Baumwollenwaaren in Nangasaki eingelaufen, Zum großen Erstaunen und zum Ver= drusse der Holländer haben die japanischen Obrigkeiten die 16 cine= {hen Yonken einlgufen lassen, ohne über deren Zahl sich zu beschweren.

Donnerstag den 18!" April.

Man darf mit Grund annehmen, daß die Engländer bei diesem ersten glücklihen Versuche nicht stehen bleiben, sondern si bestreben werden, ihren Marktplaß in Japan immer mehr, wenn auch indirekter= weise, uämlich von China aus, auszudehnen. Bereits hat die briti= {e Regierung eine hydrographishe Erforschungsreise längs der Küsten des japanischen Reiches angeordnet, Der Kommandant Belcher von der Korvette „Somarang““ wird die hydrographischen Ar=- beiten leiten, Man versichert jedo, daß die Holländer, die Gefahr, welche ihnen von Seiten der britischen Handels - Konkurrenz droht, ahnend, si thätigst verwenden, um die japanischen Obrigkeitew zur Einschränkung des auswärtigen Handels von Japan mit China zu bewegen. Dem sei jedo wie ihm wolle, die Engländer besiven bereits in den chinesischen Meeren die wichtigsten Vortheile. Die Abtretung der Jusel Hong-Kong, welche eine bequeme, gegen die heftigsten Stürme gesicherte Rhede enthält, erlaubt den Briten, ein mächtiges Centrum für den, den Kauffahrern und Handelsleuten ihrer Nation zu gewäh- renden Schub, dort zu errihten, Gegenüber von Hong-Kong und am anderen Eade der Rhede in einer Entfernung von 8 bis 9 Kilo= meter, befindet sich die Stadt Cow-low, deren Einwohnerzahl 150,000 Seelen übersteigt. Die Engländer werden dort ihre Waa- ren, und mitunter auh ihr Opium sehr vortheilhaft abseben. Denn zu feiner anderen Epoche war der Opiumhandel in China thätiger, als gerade jeßt. Es vergeht kein Tag, wo nicht Goëletten und an- dere leihte Fahrzeuge von 100—120 Tonnen aus Macao, mit Opium beladen, nach der südlichen Küste von China abgehen, Der Preis einer Kiste Opium vom Gewichte eines Picul (62? Kilogr.) beträgt zwischen 750 und 800 Piaster oder 4050 bis 4320 Franken. Kaum is ein solches Fahr- zeug am Orte seiner Bestimmung angelangt, so begeben si die Chi- nesen am Bord desselben, jeder uimmt eine Kiste Opium und läßt seinen Sack mit Piastern zurück, und im Laufe einer einzigen Nacht ist die ganze Schiffsladung erschöpft. Während der drei ahre, wo der Kricg dauerte, hat der Opium-Handel nicht einen Augenblick auf- gehört, auf die so eben erwähnte Art betrieben zu werden, und man führt mehrere kolossale Reichthümer an, die auf diese Art in der furzen Frist von einigen Spekulanten zusammengebraht worden sind.

Die Amerikaner haben ihrerseits begonnen, dem britischen Dpium- Handel Konkurrenz zu machen. Sie brachten das Opium aus der Türkei und verkauften es etwa 100 Piaster die Kiste billiger als die Engländer, welche ihr Opium gus Judien holen. Obwohl das tür- fishe Opium dem indishen an Güte nachsteht, so verkauften dennoch die Amerikaner bedeutende Vorräthe des ersteren, so, daß die Regierung vou Bengalen sich veranlaßt fand, das Opium der Prä- sidentschaft allen Schiffen jeglicher Nation zu verkaufen, wäh- rend sonst dasselbe nur den britischen Schiffen abgetreten wurde. Die Regierung von Bengalen befürchtete, daß sie sonst bei der Kon- kurrenz der Amerifauer ihre Vorräthe niht ganz abseben fönnte. Ja, in leßter Zeit haben sogar die Franzosen es versucht, an dem Opiumhandel Theil zu nehmen. Man führt ein französisches Handels- haus an, welches bei diesem Verkehre große Summen gewonnen ha- ben Foll, ; ter den gegenwärtigen Umständen i} es schwer zu bestimmen, welche Richtung der französishe Handel in China verfolgen soll. Vom Jahre 1816 bis zum heutigen Tage kommen jährlich nur zwei bis drei französische Handelsschiffe nah Macao oder Canton. Es ist zu verwundern, daß die französishen Tuch-Fabrikanten nicht gehörig den ihnen nicht unbekgnuten Umstand beherzigen wollen, daß die in Frankreich fabrizirten Tücher wenigstens um ein Decimeter zu s{chmal sind, um daß die Chinesen daraus ihre Kleidungsstücke schnei= den fönuten, welhe nah chinesisher Sitte aus einem einzigen Stüe ohne Zusäße gemacht werden. Die Folgè davon is, daß die Eng= länder den Tuchhandel sih ausschließend zugeeignet haben. Nur die Russen führen von der nordischen Gränze herein Tücher nah China, ohne darum den Engläudern die Konkurrenz gefährlih zu machen.

Die Engländer führen jährlich aus Bengalen nah China eine un= geheure Menge von Baumwolle ein, die sich auf 130-—140,000 Bal-= len belaufen mag. Eben so werden aus Judien Kamlotzeuge und Baunwollenstofe und aus England Seidenwaaren eingeführt, welche die Chinesen, die eine seltene Nachahmungsgabe besißen, ziemli ge- shickt hon nachzumachen pflegen. Nach den Engländern treiben die Nord-Amerikaner den meisten Handel nit China, wo sie Baumwolle, Leder, Häute und Mehl abseßen, Auch werden aus Nord - Amerika bedeutende Quantitäten von Piastern (silberne Thaler) eingeführt, wo- mit die Chinesen ihre Waaren sremden Kaufleuten zu bezahlen pfle- gen. Die Eiuführung der Piaster giebt zu einer lebhaften Agiotage Anlaß. Die Eröffnung der fünf hinesishen Häfen zu Gunsten des auswärtigen Handels wird, man muß es hoffen, den französischen Handel mit dem himmlishen Reiche heben, wozu jedoch vou Sei= ten der französishen Fabrifanten und Rheder mehr Thätigkeit und Ausdauer nothwendig erscheint. Eben so muß die französische Judustrie überhaupt s{ch mehr angelegen sein lassen, dem Geschmadcke und den Sitten der Chinesen nachzukommen, welche nichts weniger als die Veränderung lieben.

Französische Schiffe könneu während ihrer Fahrt nach China Manilla oder Batavia berühren und * ihrer Ladung dort abseben und dafür Reis laden, welcher Handels-Artikel in Manilla sehr niedrig zu stehen kommt und jederzeit in Macao vortheilhaft und \{chnell ver= kauft wird, Französishe Weine in Kisten, die niht in Batavia oder Manilla an den Mann gebraht wären, fangen an, in Macao und sogar in Canton vortheilhaft abgeseßt zu werden,

Die Uhren-Jndustrie verspricht in China einen guten Marktplaß zu finden, Ein Handelshaus aus London alloin macht jährlih um mehr als 800,000 Piaster (4,320,000 Fr.) Geschäfte in diesem Zweige in Canton. Es bezieht das Uhrwerk aus Genf und läßt dann in London nah chinesischen Zeichnungen die dazu passenden Uhrenkasten verfertigen, welhe das Eigene haben, daß über dem Zifferblatte eine Art Stild sih erhebt, worauf die Chinesen, welche die Uhr kaufen, ihren Namen eingraben lassen, Es is dies die Landessitte, Taschen- Uhren werden noch zahlreicher abgeseßt, da jeder nur einigermaßen wohlhabende Chinese wenigstens zwei Saluhren bei sih trägt.

In Betreff der Rückreise der Kauffahrer aus China muß man niht übersehen, daß wenige inesishe Waaren mit Vortheil nah Frankrei versendet werden können. Diese beschränken sich auf fol= gende Artikel: rohe Seide, Spezereiwaaren, Porzellan, Indigo (wel= her an Güte dem indishen nachsteht), Lackwaaren und Thee. - Doch sind die heutigen cinesishen Porzellanwaaren niht mehr so {ön als vor Jahren, selbst die niht von Nanking, die sehr theuer zu stehen fommen, so daß man für denselben Preis in Sèvres weit bessere und \{chönere Fabrikate haben kann.

Der Waaren - Verkehr während des verflossenen Jahres 1843 war in Macao sehr lebhaft. Man rechnet 3 Mill. Stü long- cloth (weißer Calicot), welhe dort abgeseßt wurden, wovon etwa ein Drittel amerikanischen Ursprungs, welche den britischen long-cloth eine höchst gefährliche Konkurrenz machen, weil sie stärker und besser fabrizirt sind und dabei im Preise niedriger stehen,

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