1844 / 120 p. 4 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

uige Treiben der revolutionairen Partei für den Augen-= gebracht sei. e

von Rothschild is vor einigeu Tagen nah Neapel zu- rüdgekehrt, nachdem er eine Anleihe von beiläufig 200,000 Scudi mit dem Schaße abgeschlossen. Man sagt, die Uebereinkuuft laute dahin, daß dieses Anlehen, falls die Regierung später weiteres Geld vonnötheu haben sollte, bis zur Summe von 2,000,000 Scudi aus-=

gedehnt werden fönne.

Neapel, 13. April. (A. Z.,) Der König hat mehrere Trup= pen-Kolonnen in die Provinzen abgeschi>t, welche einen beruhigenden Einfluß auf die Bewohner ausüben und zugleich militairishe Uebun-= gen vornehmen sollen. Die \{<weizer Garnison ist jedo< in Neapel zurüdgeblieben. Von Unruhen hört man gar wemg mehr. Die Be- wohner der Jnsel Lipari, von Hunger und Noth getrieben, kamen vor einiger Zeit nah Sicilien hinüber und forderten von der Regierungs- Behörde in Patti Brod und Lebensmittel, welche Bitte ihnen auch, bevor es zu Exzessen kam, gewährt wurde. Man is überall schr gespannt auf die Mittel, welche die Regierung ergreifen wird, dem furchtbaren Elend Einhalt zu thun, dessen Quelle wahrlich nicht in der Beschaf- fenheit des Bodens, nicht in der Arbeitssheu der Bewohner, sondern hauptsächli<h in dem mangelnden Geldumlauf gesuht werden muß. Die Königliche Familie hat bereits überall hin gespendet, doch war Alles bisher unzureichend.

Der Kronprinz von Württemberg hat die s{öne Villa des Principe von Ottajano, welche ihm auf die freundlihste und uneigen= nüßigste Weise zur Verfügung gestellt worden war, verlassen und s< auf den Weg na<h Stuttgart begeben.

Bei den Unruhen von Cosenza wurde allerdings von einem Notar, der gleih darauf im Kampfe gefallen, eine Tricolor - Fahne geshwungen und mancher damit in Verbindung stehende Wunsch sehr laut geäußertz denno trug der ganze Aufruhr keine politische Farbe, sondern ging von nothleidenden Menschen aus, unter welche fi ein paar exaltirte Köpfe mengten.

T Rel

Konstantinopel, 10. April. (Journ. de Const.) Der erste Dolmetsh des Kaiserlichen Divans, Fuad Efendi, welcher bereits früher als Geschäftsträger der Pforte in London fungirte, is zum außerordentlichen Gesandten am spanischen Hofe mit dem Auftrage ernannt worden, der Königin Jsabella 11, zu ihrem Regierungs-An- tritte Glü zu wünschen.

Saadulla Pascha, welcher kürzli<h in Bagdad den Oberbefehl über die Truppen führte, is zum Gouverneur der Dardanellen, an die Stelle des in den Disponibilitätsstand verseßten Agrif Pascha, ernannt worden.

Der Divisions - General Bekir Pascha, welcher zur Zerstreuung der albanesishen Banden abgegangen war, is den 27. März nach Adrianopel zurückgekehrt, nachdem er die vershiedenen Corps von Auf= rührern auseinander gesprengt, etwa 60 derselben gefangen genom-= men und in Ketten geshmiedet nah der Hauptstadt abgeschi>kt hatte.

Berichte aus Beirut vom 3. April melden, daß die Unruhen zu Latakia ihrem Ende nahe waren. Die europäischen Familien, welche aus Besorgniß vor neuen Unbilden si<h nah der Jusel Ruad (Tortosa) begeben hatten, weilten bis zum 24, März auf den dasclbst ankernden Kriegs\chissen, und man glaubte bei Abgang des Berichtes

in Beirut, daß sie um jene Zeit bereits wieder in Latakia angekommen wären, nachdem die hingesendeten Truppen = Corys {hon jene Stadt erreicht hatten. Die in Beirut wohnenden Europäer waren, sowohl durch die exemplarische Genugthuung, welhe von Seiten der Pforte gewährt worden, als auh durch die Nachricht, daß die in Syrien gewesenen albanesishen Truppen entlassen worden sind, vollständig wieder beruhigt. Die Ankunft des Oberbefehlshabers der Truppen Arabiens, Namik Pascha, in Beirut hatte unter den Türken in leb= terer Gegend die Besorguiß erwe>t, daß auch dort die Miilitair= Conscription wieder ins Leben gerufen werden möge.

Zur Beseitigung der in den Bezirken des Libanons entstehenden Schwierigkeiten, wo Christen und Drusen unter einander wohnen, ist von Seiten der Pforte die Bildung eines Divans angeordnet worden, dem die Entscheidung der streitigen Fragen unter dem Vorsiße Sr. Excellenz des Gouverneurs Essaad Pascha obliegen soll.

reichs das unsin bli> zur Ruhe Baron C.

724

Aegpptenu.

Alexandrien, 26. März. (Oest. Lloyd.) Mehmed Ali, dessen Gesundheit wieder hergestellt ist, beschäftigt sich vorzüglich mit dem Ordnen der Finanzen des Landes. Man glaubt, er werde den verdienstvollen Scheriff-Pasha zum Minister dieses wichtigen Verwal- tungszweiges ernenuen, Jbrahim Pascha unterstüßt nah Kräften die Finanzpläne seines Vaters. Während der von ihm kürzlih überstan- denen {weren Krankheit hatte si<h sowohl unter der christlichen, als der muselmännischen Bevölkerung eine große Theilnahme für ihn gezeigt. Nachrichten aus Adoa zufolge, wird der Handel Abyssiniens dur die Erpressungen und das eigenmähtige Verfahren des Gouverneurs Rustan Aga von Massaua sehr beeinträchtigt. Von dem Pascha von Dschidda abhängig, ist Rustan, gleih dem Gouverneur von Sugakim, nur zur Erhebung des im Traktat von Konstantinopel im Jahre 1838 festgeseßten Ein - und Ausfuhr =- Zolls ermächtigt , während er die Waaren dergestalt besteuert, daß die Kaufleute si<h mehrmals genö- thigt sahen, dieselben ganz im Stiche zu lassen, um den übertrieben hohen Zoll nicht zu tragen, und die dagegen bei Osman Pascha in Dschidda erhobenen Beschwerden blieben unbeachtet, Diese Uebergriffe und mehrere andere verübte Ungerechtigkeiten erbitterten einige abys= sinishe Häuptlinge so sehr, daß sie den Entschluß faßten, die Waffen gegen tie .Osmanlis zu ergreifen und sie von ihren Küsten zu vertrei= ben. Es ist indeß dem Prinzen Ubieh von Adoa gelungen, die Kriegs= lust seiner Vasallen im Zaume zu halten und die Ruhe is} bisher nicht gestört worden. Man giebt auh der Hoffnung Raum, die Pforte werde endlich energis< gegen Osman Pascha auftreten, welcher die Jagden auf die abyssinishen Christen nicht hindert , die dann als

Sflaven verkauft und zur Annahme des Jslam gezwungen werden. Das am 18ten d. M. hier angekommene englis<he Dampfboot brachte 140 Passagiere mit, die si<h bereits über Suez nah Ostindien begeben haben. Zum Transport ihrer Cffeften , nebst dem Brief- Felleisen, den Zeitungs- und Waarenkisten wurden fast eben \o viele Kameele verwendet, wie bei der Karavane, welhe am 20. März die von Mekka zurü>gekehrten Pilger nach Kahira brachte.

Das französische Budget von 1845.

A Paris, 23. April, Die ordentlichen Einnahmen für das nächste Finanz - Jahr sind nah den ministeriellen Anschlägen auf 1,276,925,231 Fr. berehnet, wozu denn noch cin Theil des durch das Geseß vom 25. Juni 1841 autorisirten Aulehns mit 62,431,344 Fr. fommt, so daß das gesammte Einnahme =- Budget für 1845 sih auf 1,339,356,578 Fr. beläuft,

Die ordentlichen Einnahmen sind in dem Budget auf die folgen-

Hauptsäte zurückgeführt :

A E ia eli ire Gei id diee AULOSG/L00 Ir,

Einregistrirungs-Steuer, Stempel und Ertrag

der Stgats-Domainen ........- L U de

Ertrag der Staats - Waldungen und der

Staats -Fischereien..

Eingangs = Zölle und

Indirekte Steuern .…..--«

Ertrag der Posten

Universitäts= Abgaben... eee aer ee er

Verschiedene Einkünfte aus den Kolouieen und

aus den Departements - Kassen...

Verschiedene andere Einnahmen

Im Ganzen

Die Staats = Ausgaben dagegen sind auf veranschlagt. Davon kommen auf: die Verzinsung der öffentlichen Schuld „.......-- die Civilliste und die beiden Kammern das Justiz-Ministerium das mit dem Justiz-Ministerium vereinigte De=

partement des Kultus e das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten das Ministerium des öffentlichen Unterrichts …. das Ministerium des Junern das Ministerium des A>erbaues und des Handels das Ministerium der öffentlichen Arbeiten das Kriegs-Ministerium Us das Marine=-Ministerium

255,622,950

35,023,500 211,918,000 266,976,000

49,266,000

1,150,000

23,773,615 18,609,000 T270,925,231 |

1,372,538,141

307,120,651 14,745,000 20,744,325

37,641,994 8,694,391 17,109,633 102,047,756 13,978,545 59,174,100 296,183,846 112,681,280

7,377,312 Fr.

das Finanz-Ministerium 147,692,191 »

Regie-Kosten und Kosten der Steuer - Erhebung . Rückzahlungen (der für Rehnung der Gemeinden erhobenen Steuern), Ausfuhr-Prämien u. st. w. Befestigungs-Arbeiten Eisenbahn-Bantlent „.. ¿-eccevbe cdecie lbe éperes 34,000,000 » Im Ganzen... 4,372,538,141 Fr. Der Unterschied zwishen Ausgabe und Einnahme beträgt dem- nah, troß einer Anleihe von 62,431,344 Fr. und troß einer ver- muthlihen Vermehrung der ordentlichen Einnahmen um 31 Millioneu, nicht weniger als 33,181,566 Fr. Rechnet man diese Summe zu den Ausfällen, welche die leßten vier Jahre ergeben haben, so stellt sich für den Zeitraum von 1840 ein Gesammt-Defizit von 360 Millionen heraus, in denen jedo die mittelst Anleihe aufgebrachten Kosten der Befestigung von Paris mit 140 Millionen nicht mitbegriffen sind. Wenn man von jenen 360 Millionen den Betrag der vorräthigen Zinsen des Tilgungs -Fouds mit 210 Millionen abzieht, der seiner eigentlihen Bestimmung ganz entfremdet is, um die Lücken der lau- fenden Budgets einigermaßen zu de>en, so bleibt für 1845 als Re= sultat der fünf leßten Finauzjahre no<h immer cin Defizit von 150 Millionen, der Ertrag der in diesem Zeitraume abgeschlossenen Anleihe auch diesmal nicht einbegriffen.

66,355,770 »

62,43 l ,3 14 »

Handels- und Börsen -Uachrichten.

Hamburg, 26. April. (B. H.) Das Geschäft in Getraide war seit vorigem Freitag hier am Playe sehr unbedeutend. Von Weizen sind während dieser Zeit nur 120 bis 200 Last gekauft worden, wovon der größte Theil nah Frankreich verschift wurde, Die Preise haben sih nicht behaup- ten fónnen, und man mußte zuleßt einige Thaler billiger verkaufen, nament- lich die Mittel- und geringeren Sorten. Jn Roggen hielt die Flaue an, und der Umsaß darin war schr beschränkt. Jn Auction wurde gestern ver= kauft: 122pfd. holländ. schwerer dänischer Roggen zu 68 a 685 Nthlr, Cour, p. Last. Gerste wenig gefordert, und die Preise konnten zuleyt sich nicht bebauvten. Von Hafer blieben die feinen, geruchfreien Sorten preishaltend und gut verkäuflich; geringe Waare schwer zu lassen, Erbscn fanden wenig Kauflust, und nur für kleine Particen konnten die vorigen Preise bedungen werden. Für Bohnen war kein Begehr und man konnte diesclben zu un- veränderten Preisen kaufen, Wicken s{hwer zu begeben. Von Rappsaamen sind zu 2 a 3 Rihlr, billigeren Preisen cinige Particen gekauft worden, Leinsaamen wird auf vorige Notirungen gehalten. Weizcumehl is dazu willig zu haben. Schiffsbrod fand Abnehmer zu den Preisen wie ín voriger Woche, Für Rappkuchen fordert man die Notirungen wie vor aht Tagen; doch wird dazu nur wenig gekauft, Mit Leinkuchen blicb es flau und Preise wcichend. : L : Jn Getraide ab auswärts ist der Handel fortwährend ungewöhnlich stille, Weizen war zu den bisherigen Forderungen dafür nicht zu lassen und muß 3 a 4 Rihlr. niedriger notirt werden, Roggen flau und etwas billiger zu haben, Gerste wurde ein paar Thaler billiger verkauft, und den- noch waren kaum einzelne Käufer dafür, Jn Hafer ging nichts um, und man konnte zu den leßten Notirungen willig kaufen. Für Erbsen hat man die vorigen Preise verlangt. Bohnen und Wien flau und ohne Umsaßk. Rappsaamen war nur zu billigeren Preisen zu lassen, ungeachtet mehrseitig Klagen darüber eingegangen sind, daß schon viele Saamenselder umgepflügt werden mußten. Leinsaamen wird auf leßte Notirungen gehalten, Lein- fuchen flau, und waren dafür die Preise der vorigen Woche nicht zu bedin- gen, Auch Rappkuchen müssen ctwas billiger notirt werden,

London, 22. April. (B. H.) Am heutigen Markte befand sich eine mäßige Zufuhr von englischem Weizen; man bedang für die besten Par- tieen die Preise der vorigen Woche, Für fremde verzollte Waare gab es schr wenig Frage. Von Geschäften f, a, B. und in Bond verlautete nichts ; circa 1200 Qrs. werden na<h Bordeaux verschifft. Mit Gerste bleibt es außerordentlich flau, und englische sowohl wie fremde ist 1 a 2 Sh. p. Qr. im Werthe gefallen. Erbsen und Bohnen stellten sich wie in voriger Woche, Die Zufuhr von Hafer war gut, aber der Begehr reichte kaum hin, die lez-

ten Preise aufrecht zu halten,

Turin, 13, April, Der immer lebhafter werdende Handels-Veikehr Genua's hatte seit lange das Bedürfniß ciner Eskompt- und Depositenbank in jener blühenden Hasfenstadt fühlbar gemacht. Auf die Bitten der dorti- gen Handels-Kammer hat der König die Errichtung einer solchen Bank jegzt erlaubt. Das Privilegium is auf kie Dauer von 20 Jahren ertheilt. Das Geschäfts - Kapital soll 4 Millionen Lirc in 4000 Actien zu 1000 Lire

betragen, ———“ S

Bekanntmachungen.

hierselbst in dem technischen Büreau der Gesell[chaft (Ascanischer Pla Nr. 7), so wic in Breslau im Büreau des Herrn Bau - Jusyektor

Allgemeiner Anzei

ger.

aufzubringen, mithin

jahr vom 1. Oftober 1843 bis 31, März 1844 für je- des hundert Thaler Beitragsquote Zehn Neugroschen

empfiehlt Schwerdtmann, Leipziger Str, Nr, 35, die vielfach angewandt und bewährt gefundene Lackmasse. Der Centner dieser Gummi -Lackmasse kostet incl, Faß

11850]

Von dem Königl. preuß. Land- und Stadtgericht zu Kottbus werden der verschollene Johann Gottfried Fli>e , geboren zu Kottbus den 6. Oktober 1809, wel- her im Herbst 1830 von Beilin als s1udiosus medi- cinae über Magdeburg nach Afrika gegangen, dort bei der Königl. französishen Armee in der ersten Kompag- nie des ersten Bataillons der Fremden-Legion als Fü- silier wahrscheinlih unter dem angenommenen Namen Henri Nothe eingetreten und dann verstorben is, indem ein Jndividuum dieses Namens laut Attests des fran- zösischen Kriegs-Ministerii vom 11, Dezember 1832 im Militair-Hospital von Babazum am 25. Oktober dessel- ben Jahres mit Tode abgegangen sein soll, oder dessen etwanige Erben oder Erbnehmer öffentlich vorgeladen, sich binnen Neun Monaten, spätestens aber in dem auf

den 1. Mai 1845, Vormittas 10 Uhr,

vor dem Herrn Land - und Stadtgerichtes-Rath Spie- gelberg im Königl, Land- und Stadtgerichte hier anbe- raumten Termine oder in dessen 1, Büreau-Abtheilung \chriftlih oder persönlich zu melden, widrigenfalls der Johann Gottfried Flicke für todt erklärt und sein Ver- mögen den sich legitimirenden nächsten Verwandten ausgeantwortet werden wird.

Kottbus, den 20, Oktober 1843.

Nieder -Schlesisch - Märkische Eisenbahn. Schienen- lieferung.

Zur Anlage des ersten

Gleises der Nicder-Schle-

sisch - Märkischen Eisen-

bahn soll die Lieferung

j D S auaie Roi

Ei E 3,763 englische Tons

gegeben wetden in fünf Loose getheilt, in Entreprise e Lieferungs - Bedingungen mit N i

Ablieferungsorte, der Licferwngszeit unt, Qu der

so wie der Submissi on ¡und Quantitäten,

Manger, in Stettin bei den Herren Goltdammer und Schleich, und in Hamburg bei dem Herrn J. Mertens eingesehen und gegen Erlegung von 10 Sgr. Abschris- ten dieser Stücke in Empfang genommen werden. Submissionen für die Lieferung eines oder mehrerer

Loose müssen versiegelt mit der Aufschrift „Schie- nenlieferungs-Offerte“ vor dem 14,

Juni c. bei uns (Leipziger Straße Nr, 61) eingereicht werden.

Da an diesem Tage die Submissionen eröffnet wer- den und event. der Zuschlag ertheilt wird, so können später eingehende Submissionen nicht berücksichtigt werden.

Die sich Meldenden bleiben Sechs Wochen nach dem 14, Juni c. an ihre Offerten gebunden, Berlin, den 26. April 1844,

Die Direction der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn- Gesellschaft,

[365] Belanntmamymultg, den Leipziger Wollmarkt betreffend. Der diesjährige Leipziger Wollmarkt nimmt den 14, Juni seinen Anfang und endigt mit dem 17, Juni. Leipzig, den 18. März 1844, Der Rath der Stadt Leipzig. Dr, Grof f

[550] Der me>lenburgishe Wollmarkt zu Güstrow wird zu- folge Großherzoglicher Bestimmung in diesem Jahre am 26., 27. und 28, Juni gehalten. Die Wolle wird schon vor Anfang des Marktes gelagert sein, so daß die Käufer sogleich den Vorrath übersehen können. Güstrow, den 19, April 1844, Bürgermeister und Rath,

[547] Bekanntmachung. Für Feuershäden und Verwaltungskosten sind von den Mitglicdern der unterzeichneten Bauk auf das Halb-

für 100 Thaler Versicherungssumme in Klasse 1. 4 Ngr. 6% Pf. in Klasse [V. 6 Ngr. 65 Pf. » O o V8 3:

Y » 111, 5 » _—_— » » Leipzig, den 20. April 1814, der Mobiliar - Brandversicherungs - Bank

sür Deutschland.

Nent-Amtmann Brunner. Professor Pohl, Dr. Schulße. Eduard Poll, Haupt -Nendant,

Dampf - Packetfahrt

M der St. Petersburg-Lübecker Dampf-

E cl) ie zwischen Cronstadt, Travc- münde und Swinemünde.

Dic drei privilegirten schönen und großen Dampf- hie der St. Petersburg - Lübe>er Dampsfschifffahrts- Gesellschast : „Nicolai 1.““, Capt, G, B. Bos, „Alexan- dra‘, Capt, H. H. Schütt, und „Nadlesnick“/, Capt, C, N. Heitmann, werden in diesem Jahre eine regel- mäßige Communication zwischen Cronstadt und Trave- münde, von welchen beiden Häfen an jedem Sonnabend ein Dampfschiff abgehen wird, so wie zwischen Cron- stadt und Swinemünde, von welchen beiden Häfen ab- we<sclnd cin um den andern Sonnabend ein Schiff abgehen wird, unterhalten. ;

Bon Travemünde geht das erste Dampfschiff am 4, Mai,

das leßte Dampfschiff am 9. November,

Von Swinemünde geht das erste Dampfschiff am

25. Mai, das leßte Dampfschiff am 28, September,

Abfahrt von Travemünde um 3 Uhr Nachmittags.

» » Swinemünde » 6 » »

Anmeldungen geschehen in den Comtoiren der Dampf- chi|ahrts-Gesellschaft zu Lüb e> und Stettin.

T_F> Die Preise der Passage u. st. w. sind im Com- toir der Herren H. F. Fet\s<how & Sohn in Berlin, Klosterstraße Nr. 87, zu erfahren.

[443 b]

Für Dornsche Bedachung,

um folhe gegen Durchdringen der Nässe zu schügen,

» 3 »

Y110%»

D O3 » » »

_— »”»

Dircction

Thlr, und kann man mit 1 Centner 800 C]Fuß be- streichen. Gedruckte Anweisung gratis,

[445 b]

Donnerstag, den 2. Mai, Abends 7 Uhr, im Jagors chen Saale, Linden 23, wird der Akustiker Friedr. Kau f- mann aus Dresden cine musikalische Soirée auf dem von ilm erfundenen Saiten-Instrument Harmoni- chord und mit den gleichfalls von ihm erfundenen u, yerfertigten Musikkunstwerken Symphonion, Chor daulodion Salpingion etc. zu geben die Ehre haben.

Mad. Crelinger u.Fräul. Marx werden die Güte haben, den Konzertgeber mit ihren Talenten zu unterstützen. 1) Ouvertire zur Stummen v. Portici v, Auber. Symphonion. Fanfare mit Doppeltönen auf e. Trom P EL C Trom pet- Automat,

2) Choral und Canto religioso, auf dem Saiten-Instrument: Harmonichord, vor getragen von Friedr. Kaufmann.

3) Walleluja aus dem Oratorium Messias Händel, Salpi ngion,

1) Lied von Mendelssohn-Bartholdy. mit Begleitung des Harmonichord, vorge- tragen von Fräulein Marx.

5) Champagner- Aric aus: Don Juan von Mo- zart. Chordaulodion.

6) Des Kindes Zuversicht, Ged. v. gCsPF. V. Mad. Crelinger, mit freier Fant. a, d. Harmonichord begleit. v. Fr. Kaufmann.

7) Potpourri, für sämmtliche TInstrumente,

8) Duett aus: Don Juan (Laci darem la mano etc.) Symphonion.

9) Lied von Ne Gesangstück mit Begleitung des Harmonichord, vorgetr. v. Fräul. Marx.

10) Variationen f. d.Flötev.Fürstenau üb. cin The- 11)

von

Gesangstück

Saphir,

ma a, Mozart's Zauberslöte. Symphonion. Ouvertüre und Orgie aus der Oper: Die Hugenotten von Meyerbeer. Harmonichord, Chordaulodion und Symphonion.

Eintrittskarten à 41 Thlr. sind in der Ilöbl. Schle - singerschen Buch- und Musikhandlung, 34 Lin- den, und Abends an der Kasse zu haben.

729

S

Iujhalt Ventse Bundesstaateu, Bavern. München. Abschicd für den Gc von Mittelfrankcu, von Schwaben und Neuburg. , L h, Paris, Kommissions-Bericht über den Sekundär - Unter- M KL Sen q 7 A s, (Die Correctionshäuser für junge Leute “- S - \” ) i Hecfâ i ‘wesens dardites gen des Gesch - Entwurfs in Betreff des Gefänguiß- Großbritanien und Irland. London. Schweden und Norwegen, schen Christiania „„Nongsberg, Dänemark, Kopenhagen. Bau ci Fri chiff ! S U t. h agen, Bau cines Kriegs-Dampfschiffs genehmigt. Jealien, Bon der italienischen Gränze. Diplomatisch Schrülte E 11glauds in Betreff der irländischen Katholiken. Bereinigte Staaten von Nord-Amerika. Schrciben aus New- Jork. (Herr Calhoun und scin politisches Glaubensbekcnutniß ; Texas s die Oregonfragez die Modification des Tarifs.) C ifeubahnuen. Vom badishenMittel-RNhein, Eröffnung der Bahn arte Karlsruhe bis Oos, Turin. Eisenbahnen. : Haudels: uud Börsen-Nachrichten, Königsberg. Marktbericht.

Ausland.

Deutsche Bundesstaaten. f Bayern, Müncheu, 22. April. (N. K) Der Abschied für den Landrath von Mittelfranken enthält in Bezug auf verschie= dene Wünsche und Anträge desselbeu folgende Allerhöchste Entschließungeu : rotte E gere<tem Mißfallen haben Wir die in dem besonderen Proto E A Ss von Mittelfranken enthaltene Bitte vernommen, daß Becutadi N mit wohlwollender und den guten Willen chrender ZA O ung künftighin Uns vorgelegt werden möchten, da dieselbe nicht A Le Oas ungegründete Behauptung, sondern auch cínc ahndungs- A L Ves Mißtraueus enthält, die in der bisherigen, stets ns chmung des Staats-Rathes stattgefundenen gründlichen und wohl- ollenden Behandlung der Wünsche und Anträge aller Landräthe des Kö-

ngreichs ihre beste Widerlegung findet. Jm Uebrigen erwiedern Wir auf 1) Was der Land-

is N e Anträge des Landraths, was folgt : ar In jeinem besonderen Protokolle zur Rechtfertigung früherer Angaben bu, verurt Zustände des Kreises angeführt d, “rant Uns Ai are bierbe u von Unserer Regierung von Mittelfranken über mceh- der Eri er vezügliche Gegenstände berichteten Verhältnisse nur zu er Siinnerung Anlaß geben, wie es in der Stellung des Landratbs liege vor der Ausnahme ähnlicher Beschwerden in sei v E ae, gebotene Vèlegimbelt Gie Ceuta ae an e MDotone die ih daz Be s E A urch enehmen mit der Kreisstelle sich eine genaue u A ahren thatsächlichen Verhältnisse zu verschaffen, nicht unbe- 5. Sau 9 “ban T A e den Es vom E S Î á L: E, L. Be (ov C und Behörden der inneren Verwaltung wiederholt Zu etra it s B lichen Vollzug der von Uns gegen Ucberlastung Maerte iteribanen mil Distristsumlagen erlassenen Anordnungen psflichtmäßig sich augelegen sein zu lassen, Wenn übrigens einzelnen Bezirken die Wohlthat wohlgeordne- ter Postverbindungen, und zwar feinesweges immer zum Vortheile der Post- Kasse, auf den bestehenden Bezirksstraßen zugewendet, so is daraus ein A spruch auf Entbindung von der geseßlid) Ber ens 10e Ditae biefer Suas i geseßlichen Verpflichtung zur Unterhaltung teser Straßen durch die Aufnahme derselben in die Klasse der Staats- Straßen nicht abzuleiten. 3) Es is bisher hon na< Möglichkeit dafür Sorge getragen worden, daß an den lateinischen oder Reftorats- Schulen unbeschadet der Erreichung des wissenschaftlichen Zwcckes für die studirende Jugend auch die für den Bürgerstand erforderlichen Lehrgegen- stände thunlichste Beachtung erhalten, und es is ín dieser Beziehung nament- lich den lateiuishen Schulen zu Hersbru>, Neustadt an der Aisch, Nördlin- gen und Oettingen cine angemessene Einrichtung gegeben worden. Wir wollen, daß auch in Zukunft, mit Rücksicht auf die bestehenden besonderen Orisverhältuisse und die vorhandenen Mittel, hierauf geeigneter Bedacht ge- nommen werde. 4) Das Edikt vom 10. Juni 1813 über die Verhältnisse der jüdischen Glaubensgenossen im Königreich bezeichnet in den $$. 32 und 33 die Theilnahme, und beziehungsweise Verpflichtung dex Judenkinder gleich jenen Unserer übrigen Unterthanen zum öffentlichen Schulbesuche, so- wie dic Vorausseßungen, unter welchen den Juden die Errichtung eigener Schulen gestattet is, Da die übrigens wwohlgemeinten Anträge des Landraths mit diesen geschlichen Bestimmungen im Widerspruch stehen, jo vermögen Wir denselben schon aus diescm Grunde eine Berücksichtigung nicht zuzuwenden, 6) Wir haben hinsichtlich der Polizeistunde in den Städten und Märkten dritter Klasse, so wie hinsichtlich der zunächst dem Burgfrieden einer Stadt liegenden Gemeinden und Wirthschaften, dann in Bezug auf die Tanz- Unterhaltungen in geschlossenen Gesellschaften, die mit den Nücksichten auf öffentliche Ordnung und auf das Gemeinde- und Familienwohl vereinbaren Modificationen bereits eintreten lassen, und erwarten mit um so mehr Ver- irguen cinen pünftlichen und allseitigen Vollzug dieser Bestimmungen, als dieselben lediglich auf dic früher desfalls bestandenen Normen sich gründen, und im Hinubli> auf die früher vielfah von Unseren weltlichen und geist- lien Behörden hierüber erstatteten Anträge, so wie die in den Versamms- lungen der Stände des Reichs und der Landräthe geäußerten Wünsche er- lassen worden sind, Dem Landrathe können Wir dabei nicht unbemerlt lassen, daß die von ihm behauptete frühere Uebung, wäre sie wirklich bestan- den, nur von einer strafbaren gänzlichen Außerachtlassung der durch die Königl, preußischen Verordnungen vom 1. September 1802 und 8, Juli 1803, dann durch die Verordnung vom 21. Januar 1809 gegebenen Vorschriften zeugen würde, Y Mehreren anderen in dem besonderen Protokolle des Landrathes weiter angeregten Beschwerden und Bemerkungen konnten, theils im Hin- blick darauf, daß dieselben dem geseßlichen Wirkungskreise des Landrathes ganz sremd sind, theils wegen unterlassener Begründung durch nähere An- führung von Thatsachen, cine Berücksichtigung nicht zugewendet werden. Ju- dem Wir dem Landrathe von Mittelsranke1

1 gegenwärtigen Abschied ertheilen, bleiben Wir demselben mit Unserer Königlichen Huld und Guade zugethan. München, den 2, April 1844,“

Frankrei,

París, 23. April, Unter allen Bestimmungen des neuen Ge scß-Entwurfs über den Sekundär Unterricht wird bekanntlich von kle- rifalisher Seite feine so heftig bekämpft, als die, daß die Personen, welche si< dem Jugend -Unterricht widmen wollen, wenn sie um die Autorisation dazu nachsuchen, auch ferner, wie bisher, die Versicherung geben - müssen, daß sie keinem verbotenen geistlihen Orden angehören. Mit dieser Klausel erklärt sich auch der vom Herzog von Broglie ver- faßte Kommissions - Bericht einverstanden, indem derselbe hierüber Folgendes sagt: So ige Die Brrorduung n E: o L sreibs gun H Lt ) qm 4, Oktober 1828 an kein Lehrer weder 1n Ten er Uni- L la lan Schulen, noch in den geisilihen Seminarien zugelassen werden solle, der uicht schriftli crklärt habe, feiner in Frankreich nicht ge- nehmigten Congregation anzugehören. Diese Verordnung, zu einer Zeit erlassen, wo cin König regierte, dessen Eifer für die Interessen der Religion nicht zweifelhaft war, is nie zurückgenommen worden, Zst es räthlich, sie in Vergessenheit gerathen zu lassen und die allgemeinen Gesebe, durch welche nicht erlaubte Corporationen untersagt sind, die besonderen Geseße, wonach

cs in Frankrcich keine Mönchs - Orden mchr geben soll, außer Kraft zu er- tlärcn? Wir glauben cs nicht, Diese Gesche bestehen; die Gerichtshöfe haben schon oft danach entschieden ; sicht man die Betonung vom 16. Juni 1828 für unverträglich mit dem Geist der Charte von N an, so mag man ihre N Ange auf n S Zus nachsuchen; man wende si< an den König, die Kammern, A and; Frankreich wird seine Wünsche zu erfennen geben; den öffentlichen Gewal- ten steht die Entscheidung zu z bis dahin aber ist Niemand befugt, sich jenen Bestimmungen, die Gesezcsfraft erlangt haben, zu entzichen, Es fragt sich

übrigens, ob der Augenblik zu einer Aenderung gut gewählt wäre, Sollen

Chrisi Vermischtes, hristiania, Post - Verbindung zwi- und Gothenburg. Prägung von Eilbergeld in

onen auftreten, deren Charakter, Regel, Statu-

wir zulassen, daß Corporati N / zulass Äer láne der Negicrung unbekannt sind? Soll die-

ten, Verpflichtungen und P sen Corporationen erlaubt Kampfe der Partcicn Theil 2 | Recht die Erziehung der Jugend in Anspruch zu nehmen ? stauration nicht zugelassen hat, sollte die Juli - Regierung : den? Die allergewöhnlichste Klugheit wird diese Fragen verncinend beantworten, Zwar wird in gar viclen Petitionen behauptet, eine Erklärung, wie die Verordnung vom, 16. Juni 1828 sie crheische , laufe den Vorschriften der katholischen Religion zuwider ; cs liege in dem Wesen diescr Neligion, daß auserwählte Seelen nah absoluter Vollkommenheit streben und sich ganz der Gottheit hingeben sollen; Losreißung vom Jrdischen werde in Congregationen zu erreichen gesucht; darum fei cs religionswidrig, sie als gemeinschädlich zu verdrängen, Wer so urtheilt, vergißt ganz, daß die geforderte Declaration das beschauliche Leben Nicmanden verbictet, son-

zu nehmen, unter Berufung auf cin göttliches Was die Ne- cs dul-

dern uur zum Zwe>k hat, die Functionen eines Erziehers dencn zu unter- |

sagen, die aus eigener Wahl Verpflichtungen übernommen haben, welche der Staat nicht fenn. Es würde wenig Zeit und nicht viel Ueberlegung gekostet haben, die unbedingte Freiheit des Unterrichts anzuerkennen und Jedem zu überlassen, sie nah Gutdünken zu mißbrauchen. Mit nicht größerem Aufwand von Mühe und Geist hätten

Beilage zur Allgemeinen Preußischen Zeitung.

sein, cinen Staat im Staate zu bilden, an dem |

| jeder Menschenfreund theilen. | jungen Corrections-Gefangenen befolgt werden soll, sagt der Geseb=

wir auch die aus dem Kaiserreich herstammende Organisation des Unter- |

richts unter trügerischer Bemäntelung beibehalten fönnen. Verständige und wohlmeinende Männer hatten andere Pflichten zu erfüllen. Wir haben uns bemüht, Alles, was in dem aus Napolcon's Zeit herrührenden System an Elementen der Weisheit und Stärke, an Vorschristen, geschöpst aus Ver- nunft und Erfahrung, zu findeu i, in Uebereinstimmung zu bringen mit den Anorduungen der Charte und den neucn Bedürfnissen der bürgerlichen

Gesellschaft, Um dazu zu gelangen, mußten wir in den Mechanismus des öffentlichen Unterrichts cindringen, so zu sagen die cinzelnen Theile der Maschinerie auseinandernehmen, das Spiel der Triebfcdern be- obachten und sorgfältig zusehen, wie es anzufangen sei, unseren Zes zu erreichen, ohne dem „verwickelten Organismus zu schaden. Man wird uns beschuldigen, wir hätten die Freihcit des Unterrichts viel zu strengen Bedingungen unterworfen. Wir geben die Thatsache zu, ohne den Vorwurf als gerecht anzuerkennen. Wird das Geseß, so wie es von uns modifizirt ist, angenommen, so wírd die Freiheit des Unterrichts, um Wur- zel zu schlagen , allerdings no< manche Hindernisse und Schwierigkeiten zu besiegen habenz es gereicht ihr aber zur Ehre und zum Heil, daß es sich so verhält, Jede Freiheit, die so zu sagen im Sturme gewonnen wird, artet gar bald ín Unordnung aus und zerstört sich dann selbs. Was ist nicht Alles gegen die Gesehe gesagt worden, welche in Frankreich die Mißbräuche der Preßfreiheit, zum Theil wenigstens, hemmen! Und do< würdcu wir ohne diese dem Uebermaß der Preß - Ausschweifsungen vorbeugenden Gesehe längst schon keine Freiheit der Presse mehr haben,“

p 4 Paris, 24. April. Unter allen Theilen und Bestimmungen des der Deputirten - Kammer vorliegenden Geseß - Entwurfs über die Reform der Gefängnisse sind vorzüglich jene, welche die sogenannten

jeunes détenus Q Leute, welche ihrer moralischen Besserung we= gen eine bestimmte Anzahl von Jahren in den Correctionshäusern eingesperrt gehalten werden) betreffen, am wenigsten bis jeßt von der Presse beachtet und besprochen worden. Erst wenn die Debatte über die einzelnen Artikel an die Reihe kömmt, wird wohl auch dieser Punkt in der Kammer einer ernstlihen Beachtung gewürdigt werden. Diese jungen Leute bestehen aus Personen des einen wie des anderen Ge= \hlehts, die zu Correctionsstrafen verurtheilt worden siud kraft der Artikel 67 und 68 des Strafgescßbuches, aus den Kindern, die nach Vorschrift des Artikels 66 desselben Gesebbuches cingesperrt wurden, und gus denen, welche die väterlihe Gewalt der Correction unter- wirst, Herr von Tocqueville hat in seinem Berichte mit Recht ge= sagt, daß der junge Gefangene in deu Augen des Gesehes weit we- niger ein Verurtheilter, als cin armes Kind sei, für welches der Staat die Aufgabe übernehme, es wieder auf den Weg des Gu= ten, von dem es vielleicht, ja man darf wohl sagen meistentheils, ohne cigene Schuld abgekommen ist, zurückzuführen, Von diesem Gedanken geleitet, haben Personen, von wahrer christliher Liebe durhdrungen und angetrieben, wahre Wohlthäter der Menschheit, vor nicht langer Zeit die A>erbau-Kolonie von Mettray gegründet, nach deren Muster dann erst ganz neuerlih auch, unter dem besonderen Schuße der höch sten Personen, cine andere Kolonie für Waisenkinder auf dem herr= lichen Landgute Petit-Bourg ins Leben gerufen worden is. Jn meh- reren Häusern, wo dergleichen junge Leute ihrer Besserung wegen sich befinden, wird über ihre Erziehung und tüchtige Heranbildung in gei- stiger, sittlicher und religiöser Beziehung mit einer eben so gewissen- haften und erleuchteten, als dankeswerthen Sorgfalt gewacht. Vor= züglih “sind in dieser Beziehung das Haus de la Roguette hier und das Gefangenhaus für junge Leute zu Rouen zu nennen, Jh selbst hatte Gelegenheit, mi< von der treff= lihen, vollflommen ihrem edlen Zwed>e entsprehenden Leitung und ganzen Einrichtung dieser beiden Häuser zu überzeugen, und ich bin sicher, daß Niemand, der die dort erzielten Resultate mit eigenen Augen zu sehen bekömmt, diese Häuser ohne die tiefste Rührung ver- lassen wird. Das Gefängniß vou Skt, Lazare hier in Paris ist vor= zugsweise für die Besserung junger Personen weiblihen Geschlechts beftivinik Dort findet namentlich die Wohlthätigkeit, die uners{<böpf- lihe Güte edler Frauen einen weiten Spielraum, unter denen vot= zugsweise Frau vou Lamartine, Frau von Lasteyrie und Frau von Lafayette, alle Drei Gattinnen bekannter Deputirten, zu nennen siud. Allein das Wirken dieser vom wahrhaften Geiste christlicher Menschen- liebe geleiteten Frauen wird bis jeßt noch häufig dur die unbeug- same Strenge des bestehenden Geseßes unmöglich gemacht oder we- nigstens sehr gehemmt, gerade da, wo cs manchmal am meisten Noth thâte. Zahlreihe arme kleine Savoyarden und auch Deutsche (diese Lehteren besonders häufig aus der Gegend von Bußh-= bah und Gießen in der Provinz Oberhessen des Großherzog- thums Hessen - Darmstadt), die von thren herzlosen Aeltern zum Betteln gezwungen werden und so bis hierher und noch weiter sich herumtrieben, Knaben oder Mädchen, die sl< cines ersten Fehltritts schuldig gemacht haben, der, hätten sie bereits das 16te Jahr zu- rüdgelegt gehabt, nur mit einem Monat Gesänguiß bestraft. worden wäre, müssen bis zu ihrem 2lsten Jahre in einem Correctionshause bleiben. Tagtäglich kommen solche Fälle von Verurtheilungen vor den Zuchtpolizeigerichten von Paris vor, aber die Verwaltung kann nichts

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für diese unglücklichen jungen Leute thun, das Geseb, wie es jeßt besteht, hindert sie, den Wohlthätern derselben die Ermächtigung zu ertheilen, sie ohne Zuziehung der Gerichts - Behörde in die Lehre zu geben. Und doch wurden viele von diesen jungen Leuten nur wegen Verbrechen oder Vergehen eingesperrt, welche vor dem Richterstuhle der Vernunft wie vor dem des Gesebßes in Rücksicht auf das Alter der Schuldigen mancherlei Entschuldigung zulassen, Die Mehrzahl der Betheiligten wurden von den Tribunalen auch wirkli< für nicht schuldig erklärt; dieselben wagten aber nit, sie ihren Familien zu- rückzugeben, und beraubten sle daher der Freiheit für mehrere Jahre, manchmal, wie es scheint, gänzlih vergessend, daß aus diesen Kin- dern cines Tages Männer werden: gegen ein \{limmes Uebel hat man also cin beklagenswerthes Heilmittel angewendet. Der vorlie- gende Geseß-Entwurf sucht nun diesem Mie abzuhelfen, indem er eine Neuerung enthält, wonah der Verwaltung die Vollmacht

ertheilt werden soll, dergleichen junge Leute provisorisch zu entlassen |

Dienstag den 30" April Abends.

und in die Lehre zur Erlernung eines nüßlihen Gewerbes geben zu lassen, ohne feruer gehalten zu sein, vorher die gerihtlihe Behörde darum anzugehen. Die Kommission der Kammer spriht au< den

Wunsch aus, daß mau das Emporkommen der Patronats=-Gesellschaf-

teu auf alle Weise befördern möge. Diesen Wunsch muß sicherlich Ueber das Regime, welches für die Entwurf nichts, indeß hat die Verwaltung vortrefflihe Muster vor Augen, welche sie nur in allen derartigen Anstalten nahzuahmen braucht, um das für die Humanität, den Staat und die zunächst be=

| theiligten jungen Leute selbst erwünschte Ergebniß zu erzielen.

Grossbritanien und Irland.

London, 24. April, Die Reduction der 32 proc. Annuitäten nah dem Plane des Kanzlers der Schaßkammer is so gut wie be- endet, Am 20sten sind die Listen abgeschlossen, in welche diejenigen eingeschrieben sind, welche ihre Zustimmung zu der Maßregel geben, so fern dieselbe die Annuitäten von 1818 betrifft; und es hat sih ge- zeigt, daß die Dissentirenden eine Summe von nur 40,000 Pfd. Sk dieser Annuitäten repräsentiren. Die dissentirenden Junhaber anderer 37 proc, Annuitäten besißen für etwa 60,000 Pfd. St. dieser Stos, daß die ganze Operation mit einer Auszahlung von 100,000 Pfd. t, oder höchstens 120,000 Pfd. St. abgemacht werden wird.

Die United Service Gazette zeigt an, daß 10,000 Außen= Pensionaire des Collegs von Chelsea, deren Alter 58 Jahre nicht über= steigen darf, am 25. April gemustert werden sollen, um sodann als Ergänzungs - Miliz ciuregistrirt und später, so oft es zur Erhaltung der öffentlihen Ruhe nöthig erschciut, in ihren verschiedenen Bezirken aufgeboten zu werden, Dies Hülfs-Corps der Polizei soll künftig jedes Jahr acht Tage exerziren, während welcher jeder Mann täglich 2 Sh. Extrasold bezicht, welcher si<h auf 2; Sh. erhöht, wenn die Pensio= naire zum wirfli<hen Dienste berufen werden.

Der Vice-Admiral Sir Jahleel Brenton is vorgestern im 74sten Jahre in Leamington Spa gestorben. Er war einer der tapfersten Sec-Offiziere der britischen Flotte und hatte si<h während des lehten Krieges besonders im Mittelländischen Meere als Capitain vielfach ausgezeichnet.

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Schweden und Vorwegen.

Christiania, 19. April. Königl, Resolution vom Aten d. zu= folge, soll vorerst für Rechnung der Staats-Kasse eine fahrende Post zwischen Christiania und Gothenburg errichtet werden, um von jeder dieser beiden Städte einmal jede vierte Woche in den Monaten Januar, Februar und März abzugehen, und soll dieselbe in Verbin- bung gebracht werden mit den Diligencen, welche resp. zwishen Go= S und Stockholm und zwischen Gothenburg und Helsingborg ahren.

In Kongsberg werden aus allen Krästen Silber=Species gemünzk.

Dänemark.

Kopenhagen , 24. April. (Alt. M.) Unterm 7. Februar haben Se. Majestät ver König die Zeichnung zu einem Dampfschiff von 160 Pferdekrast genehmigt, welches mit 2 sih drehenden 60pfün= digen Bomben = Kanonen und 4 Stücken 18pfündigen 13 Kalibers= Kanonen armirt und bei dessen Bau so viel als möglich Rücksicht

| darauf genommen werden soll, daß die Kohlenkasten Kohlen zu acht- maligem Gebrauche fassen können, Die Räderkasten werden sür Ret- tungsfahrzeuge eingerichtet. Zugleich is befohlen worden, daß, da das Schiff in Friedenszeiten zur Paketfahrt verwandt werden soll, auf dem Verde>e cine Kajüte angelegt und unter dem Verde> Ein- rihtungen zur Benußung der Passagiere getroffen werden sollen, doch so, daß das Schiff mit Leichtigkeit zum Kriegsgebrauh verändert wer= den fann, und endlich, daß die Maschinerie zu diesem Schiffe aus den doppelten Cylinder - Maschinen der euglishen Fabrikanten Maudsley bestehen soll, Mit dem Bau dieses Dampfschiffes soll sofort der An= fang gemacht werden und derselbe so schnell fortschreiten, daß es zur Paketfahrt zwischen Kopenhagen und Stettin am 1, April 1845 be- nut werden kann. Italie

Vou der italienischen Gränze, 15. April, (A. Z.) Eng- laud bemüht sih sehr, das Aufhören der Verstimmung und Aufregung des irländisch-katholischen Klerus zu bewirken. Nach der Versicherung gutunterrichteter Männer wünscht das Kabinet von dem Papste ein apostolisches Mahnschreiben an die katholishen Jrländer zu erhalten. Der vor kurzem in Rom anwesende Lord Ashburton soll sih im Jn= teresse dieser wichtigen Angelegenheit dort orientirt haben. Um ihr jedoeh mehr und gewichtvollere Bürgschaft zu gewinnen, und weil Großbritanien beim heiligen Stuhle keinen diplomatishen Repräsen= tanten hält, is, so heißt es, Se. Durchlaucht der Fürst Metternich um seine cinflußreihe Juterzession bei Sr. Heiligkeit ersu<ht worden. Daß Englands Zusage strenger Neutralität in den Angelegenheiten der Romagna nicht ohne Hinblick quf sein hier erwähntes Znteresse geschehen, is außer Zweifel. Man scheint sich in England zu guter Stunde darauf besonnen zu haben, daß cine solche päpstlihe Ermahnung es war, welche unberehenbar viel dazu beitrug, die Revolutionsstürme in Polen nah dem Jahre 1831 zu beschwichtigen,

Vereinigte Staatcu von Uord=- Amerika.

O New-York, 3. April. Herr Calhoun is endlich auf sei= nem Posten zu Washington, jedoch vorläufig allein ohne seine Familie, angekommen und hatte kurz dangch eine über zwei Stunden dauernde Konferenz mit dem Präsidenten Herrn Tyler. Schon einige Tage vor dessen Aukunst hatte der als Organ des Präsidenten geltende Madisonian die Angaben der Blätter widerlegt, welche gesagt hatten, Herr Calhoun habe dem Präsidenten gewisse Bedingungen gestellt, bevor er das ihm angeboteuc Portefeuille angenommen habe. Das offizielle Blatt erklärt, es sei keine Bedingung gestellt worden, noch werde eine gestellt werden. Jndeß würde man es nur natürlich finden, daß bcide Staatsmänner sich erst mit einauder über ihre An= sichten, über das zu erstrebende Ziel und die zu wählenden Mittel dazu verständigten, bevor sic die Allianz mit einander eingingen. Bei seiner Durchreise zu Charleston hat Herr Calhoun einen aus= gezeichnet ehrenvollen Empfang gefunden. Eine Ehren - Eskorte von hundert Bürgern hatte si< an der Eisenbahn - Station aufgestellt, und der Attorney-General, Herr Bailey, begrüßte ihn bei seiner Ankunft, im Namen der Stadt ihn willkommen heißend, mit einer Anrede, wel<e Herr Calhoun dankend erwiederte. Auch bei seiner Wiederabreise von Charleston wurde er in langem, feierlihen Zuge bis an das Dampfschiff von den Bürgern geleitet. Ein öffentliches großes Bankett, welches ihm diese veranstalten wollten, lehnte er in einem veröffentlihten Schreiben aus dem Grunde ab, weil er sobald als möglih auf seinen Posten einzutreffen wünsche. Jun jenem Schreiben kommt aber auch folgende höchst bemerkenswerthe Stelle vor :

„Es is wohl bekannt, daß ih dcr Advokat des Friedens bin, des Frie- dens mit Allen, und insbesondere mit jenem großen Lande, von welchem wir abstammen, und auf dessen Ruhm wir stolz sein können, Es giebt