1844 / 123 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

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é j 5, Mai bis Ende Juni 1845 stattzufinden habe, und S p ft, N Jndustrie= Ausstellungen von 5 zu 5 Jahren daß in j Di ind zwei Instructionen bei fortzuseßen seien. Dieser Anordnung sind z j Mag

egeben über die allgemeinen materiellen Regeln bei der lusführung dieser Ausstellungen, dann über die Einrichtung und den Wirkungs= freis der zur Leitung und Beurtheilung derselben bestimmten Organe. Als eine unmittelbare Staats - Anstalt nunmehr sanc- tionirt, werden diese Ausstellungen în den zu diesem Be- hufe erweiterten Lokalitäten des wiener polytechnischen Jnsti- tuts und unter der Leitung des wiener Regierungs - Präsidiums der Provinz Nieder-Oesterreich stattfinden; alle Kosten der Ausstellung, mit Ausnahme der für die Ein= und Rücksendung der Gewerbs- Produkte, werden aus Staatsmitteln bestritten; eben so werden die Anträge zur Anerkennung und Auszeichnung der bei den Ausstellern wahrzunehmenden reellen Verdienste um die vaterländische Jnudustrie von der obersten Finanz - Behörde an Se. Majestät erstattet werden, Als Grundlage dieser Anträge werden die Berichte der Beurtheilungs- Comités dienen, welhe von der Regierung neben dem Comité zur materiellen Leitung der Ausstellung bestellt werden. Die Mitglieder dieser Comités werden von der Behörde berufen aus tehnish gebil- deten und im Fache der Judustrie bewanderten Staats-Beamten, aus Mitgliedern des Gewerbs-=, Fabriken- und Handelsstandes, der gewerb= reichsten Provinzen der Monarchie, dann aus den Abgeordneten der Gewerbe-Vereine. Auch sind die geeigneten Vorsichten getroffen, um durch diese Ausstellungen ein getreues Bild des Zustandes, Umfanges und der Fortschritte der gesammten österreichischen Industrie zu: erlan- gen. Um übrigens aus der Art und Weise, wie seit einer langen Reihe von Jahren derlei Ausstellungen in Frankreich ausgeführt wer- den, die nüßlihsten Erfahrungen zu sammeln, is der Regierungs-Rath Professor Reither in Wien bereits vor einigen Wochen zu der bevor- stehenden französischen Judustrie-Ausstellung nach Paris gesendet wor- den, um den ganzen Verlauf derselben kennen zu lernen und darüber einen umfassenden Bericht zu erstatten. Von Seiten des böhmischen Fabriköstandes wird, wie vor 2 Jahren zur allgemeinen deutschen In=- dustrie-Ausstellung nah Mainz, so auch zu den bevorstehenden in Pa- ris und Berlin Dr. Kreußberg von hier gesendet werden.

Russland und Polen.

St. Petersburg, 25. April. Se. Majestät der Kaiser ha- ben dem Mitregenten von Kurhessen, Prinzen Friedrih Wilhelm, Königl. Hoheit, den St. Andreas-Orden verlichen. i ;

Der Herzog von Leuchtenberg i vorgestern von seiner Reise nach Stockholm wieder hier eingetroffen und der Prinz Alexander von Hes= sen - Darmstadt, General - Major bei der 1sten leichten Garde - Ka=- vallerie-Division, am Tage vorher von Deutschland angekommen.

Frankreic<.

Pairs-Kammer. Sigungen vom 24. und 25. April, Unter den Gegnern des Geseß-Entwurfs über den Sekundär-Unter= richt, die denselben, im Gegensaß zu Herrn Cousin, nicht deshalb an= greisen, weil. er den Forderungen des Klerus zu viel einräume, \son= dern vielmehr, weil ex zu Gunsten der Universität zu viel Bedingun- gen und Ausschließungen aufstelle, ging besonders Graf Beugnot auf die einzelnen Bestimmungen näher ein, wie er venn au<h eine Reihe von Amendements ankündigte. Was zuvörder} die Unterrichts= freiheit überhaupt betrisst, so sprach sich der Redner hierüber solgen-

dermaßen aus: n i „Is das Necht, zu unterrichten, an und für sich , seiner Natur nach, gefährlich für die Gesellschaft? Diese Frage is zuerst zu entscheiden, Man hat gesagt, dies Recht bestehe nur in der Einbildung und sei in den seit 1789 promulgirten Erklärungen der Nechte nirgends verzeichnet. Jh gebe dies zu, aber es findet hierbei cine Begriffs - Verwirrung statt. Nicht um das Necht, zu unterrichten, handelt es fich cigentlih, sondern um die Be- fugniß des Familienvaters. Dieser nämlich hat das Necht, den Unterricht, den er für seine Kinder passend hält, frei zu wählen; er hat das Recht, sich unbéhindert an denjenigen Lehrer zu wenden, der sein Vertrauen besigtz das ist das natürlihe und geseßmäßige Necht, welches man uns abstreiten will, und das wir vertheidigen. Ein Vorurtheil hat hier großen Eindru> auf die Gemüther gemacht, Man sagt: Für wen fordert man die Unterrichts- freiheit? Für die Geistlichkeit, Und wohin will man uns bringen? Jn cinen Zustand, wie er in Belgien herrscht. Meine Herren, wenn man si< einbildet,. daß die französische Geistlichkeit in ihrer jeßi- gen Konstituirung mit der belgischen verglihen werden könne, so verkennt man eine wichtige Thatsache: die, daß die Lage des katholischen Klerus in Frankreich in keinem anderen Lande Europas 1hres gleichen hat. Der Klerus ín Frankreich kann die Zahl seiner Mitglieder niht nah Wunsch und Bedürfniß vermehren; die Verordnung von 1828 hat, indem sie die Zahl der kleinen Seminare beschränkte, natürlich hierdur<h auch die Zahl der großen beschränkt. Wenn einige Bischöfe cine ganz unbedingte und unbeschränkte Unterrichtsfreiheit verlangt haben, so gestehe ih gern, daß das ein Jrrthum is, doch darf dieser Jrrthuni nicht der Masse der Geistlichkeit s<huldgegeben werden, Jch räume Bedingungen und Präventiv-Maßregeln ein, die dazu geeignet sind, die Sittlichkeit und Fähigkeit der um das Lehramt sich bewerbenden Personen zu erweisenz ih räume die Ueberwachung des Staats- und RNepressiv - Maßregeln ein ; aber ich behaupte, daß, wenn alle dicse vorläufige Bedingungen erfüllt sind, vollständige Freiheit unter ihrer Herrschaft stattfinden muß und vollkommene Unparteilichkeit von Seiten des Staatsz sonst wäre die Konkurrenz eine bloße Täuschung, kein wirklicher Ernst.“

Zur näheren Prüfung des Entwurfs übergehend, stellt der Red- ner den Grundsaß auf, daß Jedermann, dessen Sittlichkeit und Fä= higkeit bekannt seien, das Recht habe, Unterricht zu- ertheilen, Die Schwierigkeit besteht nur darin, das Verfahren zu ermitteln, wie man sih die Gewißheit von Jemandes Sittlichkeit und Fähigkeit verschas- fen fönne., Graf Beugnot ist der Meinung, daß ein Zeugniß des Arrondissements-Comité’s hinteihen müsse, um die Sittlichkeit zu be= glaubigen, so wie ein Universitäts = Diplom genügen müsse, um die Fähigkeit zu beweisen, ohne daß es einer neuen Prüfung vor einer besónberén Examinations-Konmission bedlirfte, Gegen den Einwand, daß der mit einem Diplom versehene Aspirant zu der Zeit, wo er Lehrer werden wolle, das schon wieder vergessen haben fönnte, wo- durch er früher den akademishen Grad erworben, führt der Redner an, man würde auf diese Weise den Lehramts - Kandidaten in eine ganz besondere Lage verseßen, die z. B. sür die Advokaten nicht be- stehe. Er citirt den Fall, daß ein Rechts = Licentiat in einem Alter von 5) bis 60 Jahren als Advokat N zu werden verlangen könne, ohne daß der Präsident eines Königl. Gerichtshofes ihn Ras gen dürfe, ob er au<h die Jurisprudenz no<h im Gedächt-= niß habe, Hierauf kam der Redner auf die Zusammen- lus _der mit der Verleihung akademischer Grade beauftrag- ten Fafultäts - Comités zu \prehen. Er kann niht einsehen, warum es nicht wohl angehen sollte, den drei Universitäts-Professo- xen eines sol<hen Comités drei Orts-Notabeln beizugesellen und dem

efan oder ältesten Professor den Vorsitz de geben. Der Redner

tadelte uh die Bedingung, die das neue eseß den an Privat-Jn- Une be üftigten Lehtérn auferlegt, einen akademishen Grad zu * _Z reiche hin, meint er, daß dér Vorsteher einer Privat-

Anstalt selbs Bürgschaften für “alo: cli a n für seine Fähigkeit und Sittlichkeit habe Forberléve Siy nin sein mülsser, p T Sa cbavdieen 4 er- forderl n herheit zu gewähren, und es müsse ihm dann freistehen, < seine Lehrer nah Gutdünken zu wählen; es werde sein eigenes nteresse sein, | a Gehülfen zu haben, ann sprah der Reduer

ber die zur Erlangung des ureats erforderlichen Kenntnisse,

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deren Programm ihm mit den Anforderungen der Zeit niht mehr im Einklange zu stehen schien und das er in ein rihtigeres Verhältniß zu Frankreihs Sitten, äußeren Beziehungen, zu dem Zustande sei=- nes Handels und seiner Judustrie geseßt zu sehen wünschte. Die Bedingung von Studien=-Zeugnissen bei der Bewerbung um diesen akade- mischen Grad hielt er für eine unpassende Maßregel, denn es sei un=- vernünftig, von Jemand, der si< über den Besiß von Kenntnissen ausweisen wolle, zu verlangen, daß er sagen müsse, woher er diese Kenntnisse habe. Um die Nothwendigkeit von Studien-Zeugnissen zu beweisen, führe man zwei Gründe an: erstens das Bestehen zweier Colléges in Belgien, an denen die jungen Franzosen ihre Studien machen und dann bei den Fakultäten Frankreihs si< um akademische Grade bewerben fönnten, wenn man jene Bedingung aufheben wollte; der zweite Grund sci das Bestehen der kleinen Seminare. Die beiden auswärtigen Colléges aber fönnten feinen ernstlihen Einwand bilden, denn sie enthielten faum 4—500 Zöglinge und meistentheils cinheimishe; kaum daß einige junge Franzosen von der Nordgränze diese Anstalten besuchten; wenn nun aber auch cinige von diesen einen akademischen Grad in Frankreich erhielten, st würde dies so viel nicht auf si<h haben. Eine ernstere Sache sei das Bestehen der kleinen Seminare, eine sehr ernste, weil alle Gemüther darauf hingerichtet seien und das Geseß niht wolle, daß der öffentliche Unterricht den Händen einer religiösen Corporation anvertraut werde. Dics nun veranlaßte den Redner, etwas näher auf den betreffenden Punkt ein- zugehen, nämli auf die als Bedingung für das Lehramt geforderte Erklärung, daß man -niht zu einem vom Geseß nicht zugelassenen religiösen Orden gehöre.

„Erstens“, sagte Graf Beugnot in dieser Beziehung, „is zu bemerken,

daß ein solher Eid weder in dem im Jahre 1836, noch in dem im Jahre 1841 vorgelegten Gese - Entwurf verlangt wurde, Der Berichterstatter der Kommission, welche den Gesez-Entwurf von 1836 zu prüfen hatte, erklärte sogar: „,„Wir haben hier mit Congregationen nichts zu schaffen, wir haben es mit Jndividuen zu thun. Auch würde der Cid illusorisch sein, denn eine Lüge wäre genügend, um die Vorschrift des Gesches zu umgehen,“ Wie fömmt es nun, daß in den Gemüthern eine so plögliche und bedeutende Veränderung vorgegangen , und daß das, was man jet vorschlägt, gerade das Gegentheil von dem is, was man früher der Deputirten-Kammer vor- {lug ? Was hat sich denn Neues seitdem zzgetragen ? Nichts, meine Herren ; man weiß nichts anzuführen, Vergebens habe ih in der Auseinanvderseßung der Motive und in dem Kommissionsberiht nach neuen Thatsachen gesucht, welche die in früheren Jahren angegebenen peremtorischen Gründe und von dem damaligen Berichterstatter, Herrn St. Marc Girardin, ausgesprochenen weisen, sinnvollen und politischen Worte hätten modisiziren fönnen, Wir sind allerdings eine lebhafte, bewegte, enthusiastische, aber im Grunde doch eine sehr verständige und vernünftige Nation. Wie is es also wohl möglich, daß Jemand glauben konnte, Frankreich hege nach einer Revolution, die nichts aufreht stehen lassen, noch Furcht vor geistlichen Orden, vor Mönchen und Klosterbrüdern?2 Jch glaube, meine Herren, daß ein solcher Gedanke nur aus den Streitigkeiten entstehen konnte, die sich kürzlich zwischen Uni- versität und Klerus erhoben, und daß man eben diesen Streitigkeiten die neue, von uns bekämpste Bestimmung zuzuschreiben hat, Jch erinnere mich eines Wortes , das Napoleon im Jahre 1802 sprach. (17 Ni<ht der Fanatismus“ “’, sagte er, „, sondern der Atheismus ist in unseren Tagen zu fürchten.“ Jch will der Zeit, in der wir leben, nicht die Unbill authun, den leyten Theil dieses Gedankens auf sie anzuwenden; ich will vielmehr sagen, daß der Fanatiemus vielleicht die Krankheit des jeßigen Jahrhunderts is, Jch fürchte nämlih, daß weise und aufgeklärte Männer, die der Universität angehören, deren Vertheidigung mit viel zu viel Eifer unternommen haben. Man hat die Ursachen der Unterdrückung des Jesuiten - Ordens zu erklären gesucht, aber Herr Cousin allcin hat ven richtigen Grund angegeben: die Jesuiten unterlagen im Jahre 1763, weil sie kein Lebensprinzip mehr in sich hatten z sie brachten nichts Großes, nihts Schönes mehr hervor, weder an Werken, noch an Menschen z es fehlte ihnen an Allem. Und glauben Sie, daß dieser Orden jemals wie- der aufleben könne? (Bewegung in verschiedenem Sinne.) Man lege also der Unterrichtöfreiheit niht aus c<imärisher Furht unnühe Hindernisse in den Weg. Nein, ih wiederhole es, weder in Frankrcich noch sonstwo wer- den die Jesuiten je wieder aufleben. (Neue Bewegung.) Sie mögen im- merhin einige Anstalten in Frankreich errichten, aber den religiös-politischen Einfluß, den sie cinst besaßen, werden sie nie wiedererlangen. Jm Jahre 1814 lebten wir no<h mchr als heutzutage unter dem Eindruck der Jesuiten- furht, und wissen Sie, wie viel geistliche Schulen es damals in Frankreich gab? Es bestanden 126 autorisirte geistliche Schulen und 53 nicht autorisirte, zusammen 4179 geistlihe Unterrichts - An- stalten. Sie werden si< des Kreuzzugs erinnern, den wir damals gegen die Jesuiten unternahmen, und siehe da, es gab nur 8 von Jesuiten geleitete Schulen, nicht mehr, Jm Jahre 1828 waren unsere Verfolgungen gegen etwas ganz Anderes gerichtet, als gegen die Jesuiten, sie zielten ge- gen eine ultrareligiöse, ultratheokratishe Tendenz. Lassen Sie uns ausrich- tig sein: in diesem religiösen Orden verfolgt man nichts als ein Wort, einen Namen, den Namen Jesuiten; und da es nirgends Jesuiten gicbt, so i es ein sehr geschi>tes Manöver von Seiten der Universität, die Je- suiten vorzuschieben, um sih vor der Konkurrenz der Seminare zu retten. Das isst das Wort des Räthsels: was die Universität fürchtet, ist die Kon- furrenz der Geistlichkeit; die Jesuiten machen ihr wenig“ Sorge, sehr viel aber die Seminare, Die Ausübung enes geseßmäßigen Rechts von einem Eide abhängig machen, heißt, uns în das sechzehnte Jahrhundert, in die Tage der Neligionskriege zurückverseßen. Woher kömmt diese s<hwere Ver- lezung eines jener Grundsäge der ewigen Gerechtigkeit, welche unserer con- stitutionellen Ordnung, ja noh mehr, unserer Gesehgebung zur Grundlage dienen, nämlich, daß die Neligions-Meinungen dem Civilgesey fremd blei- ben müssen, Woher hat also die Universität diesen Eid entlehnt? Jn einer aus der loustituirenden Versammlung hervorgegangenen seltsamen Bestim- mung, Diese Versammlung hat zwei Fehler begangen, und das is wenig, wenn man bedenkt, wieviel Neuerungen sie vorzunehmen hatte. Sie hat die Königliche Gewalt auf zu s<hwahen Grundlagen konstituirt, und in ihrer bürgerlichen Konstituirung des Klerus dem Gewissen den Krieg er- flärt. Bis zu der Civilstellung also, welche die konstituirende Versammlung dem Klerus gab, muß man zurückgehen, um cine dem Jhnen gemachten Vorschlage ähnliche Bestimmung aufzufinden. Wie aber wollen Sie diesen Eid erlangen? Die Derdrdy ungen von 1820 sind nicht in Vollzug ge- treten, die Bemlihungen des Großsiegelbewahrers waren vergeblich, er fonnte von den Lehrern der kleinen Seminare die Erklärung nicht erlangen, daß sie zu keinem unerlaubten Orden gehörten.

Herr Martin du Nord: Jch bitte um Verzeihung, dic Verordnungen von 1828 sind vollzogen, die Erklärung, von welcher Sie sprechen, is ge- fordert und erlangt worden,

Graf Beugnot: Auch für die kleinen Seminare zu Paris?

Der Großsiegelbewahrer: Allerdings.

Graf Beugnot: Jch glaubte dies nicht. Aber, meine Herren, wenn man nun diesen Eid trügerisch leistet? Sie kennen die Maxime: Gegen das Recht giebt es kein Necht, Diese Marxime is gefährlich, aber es liegt im Grunde doch etwas Wahres und Nichtiges darin. Wenn nun Jemand mit dieser Maxime und dem Artikel der Charte, der Unterrichtsfreiheit bewilligt, sih waffnet und cinen Eid s{wört, der nicht aufrichtig is, welches Negres- sionsmittel haben Sie dagegen? Wollen Sie die Anstalt schließen? Dazu ertheilt Jhnen Jhr Gesey keine Autorisation, Sie schen also, daß die Ausführung unmöglich ist,

Die Rede des Herrn Guizot handelte, wie hon erwähnt, nicht sowöhl von der Freiheit des Unterrichts und den sih bekämpfenden Ansprüchen der Universität und des Klerus, als von der Meinung, welche die Regierung über die klerikalishe Bewegung hegt, und von dem Verfahren, welches p bei den Schritten der Geistlichkeit in die- ser Angelegenheit zu beobachten gedenkt. Nach den von dem Minister abgegebenen Erklärungen hält die Staatsgewalt die unvermuthete und von vielen Seiten her genährte Aufregung zwar für bedeutend, aber nicht für gefährlich ; sie erwartet, daß dieselbe si<, wenn man Geduld übe, von selbst wieder legen werde z sie will nur im äußersten, faum befürchteten Nothfall einschreiten, Herr Guizot dankte zunächst

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der Kommission, die über den Geseß- Entwurf zur Organisation des Sekundär - Unterrichts zu berichten hatte, für den besonnenen Gleich= muth, der aus ihrer Arbeit hervorleuchte.

„Die Komnmission“, sagte der Redner, „„widerstand der Versuchung, Partei zu nehmen in der leidenschaftlichen Debatte, die sih zwischen den großen Staats - Körperschaften, dem Klerus, der Magistratur, der Verwal- tung, der Universität, erhoben hat; eine solhe Enthaltsamkeit ist selten in unseren Tagen, wo bei der geringsten Berührung irgend eines Theiles des Sozialgebäudes sogleich Hunderte von Händen sich geschäftig zeigen, das Ganze umzuformen und zu erschüttern; wo das leiseste Lüften, vom au- ßersten Horizont her wehend, augenbli>klih aufgefangen, unterhalten und zum Sturm umgewandelt wird. Jch selbst aber kann diese Zurückhaltung nicht nachahmen; ih fühle mih gedrungen, laut und unumwunden zu ver- fünden , was die Regierung von der politischen Lage hält, welche den Ge- scß- Entwurf umgiebt und ihn beherrschen möchte; offen will ich erflären, welche Absichten das Kabinet hegt, wie es seine Pflichten begreift, und welche Maßregeln ihm die räthlichsten dünken, Die Nothwendigkeit, einen Entschluß zu fassen, is um so dringender, als das eingetretene Verhältniß ein ganz neues und unerwartetes is. Noch vor kurzem stand die Regierung mit dem Kle- rus auf dem besten Fußz die Geistlichkeit gewann täglich in ihrer äußeren Stellung, wie in ihrem Einfluß auf die Gemüther; zwischen ihr und den öffentlichen Gewalten herrschte Frieden und einträhtige Gesinnung, Was ist Ursache, daß dieser ruhige- Zustand plöylich zu hestigem Kampse umge- schlagen is? Haben Staat und Kirche, Regierung und Klerus, sich in ihren gegenseitigen Berührnngen und Tendenzen geändert? Aus welchen Grün den? Jn Folge welcher Ereignisse? Nichts der Art, was diese Verände- rung erklären fönnte, is vorgekommen, Die Regierung hält so sehr als je die Neligion und ihre Dicner in Ehrenz sie erfenut in dem Religion®- Glauben eín Fa der Ordnung und des Gehorsams; sie wciß, daß nur die Neligion den Massen innere Negel und moralishe thigung auflegen fann. Haben sih etwa die Gesinnungen des Klerus geändert? Jch glaube es nicht. Jch bin heute so überzeugt, wie ich es vor Jahren war, daß die große Mehrheit des Klerus auf nichts Anderes denkt, als wie sie am besten ihren religiösen und moralischen Beruf erfül len magz daß sie ihre Stellung und Mission in der gegenwärtigen Gesell- schaft aufrichtig angenommen hat. Auch vertraut die Regierung mit dei festesten Zuversicht den Absichten und Jdeen der Mehrheit des Klerus. Nichts hat sich geändert in den Verhältnissen zwischen der Staatsgewalt und der Kirche, und doh muß zugestanden werden, daß Unfrieden einge- treten ist; wo mag der Anlaß dazu zu sinden seins Eine Frage ist n Anregung gekommen, die {hon lange über der Gesellschast schwebte : die Frage vom freien Unterricht. Diese Frage is es, die den Klerus in eine große Bewegung gebracht hat, nicht so groß, als es scheint, denn viele Mitglieder des Klerus haben sich fern gehalten vom Streit, aber doch immer groß genug. Es sei mir vergönnt, zu untersuchen, ob alle Geist- liche, die an der Bewegung theilgenommen, die gleichen Motive dazu hatten, Unter den Geistlichen dieser Kategorie giebt es Judividuen, die aufrichtig überzeugt sind, daß die von Laien geleitete Erziehung gefähilih sei für die fatholische Religion und daß cs in ihrer Pflicht liege, dagegen anzukämpfen. Dies is die wahrhaft religiöse Opposition, Wir werden gleich sehen, daß sie in Jrrthum befangen is; aber ih erkenne, daß sie es auf- richtig meint mit ihrem Widerstand. Andere Geistliche unterhalten, ohne si< in die Politik zu mischen und unter die Fahne irgend einer Regierung, irgend einer Dynastie, zu treten, sür Rechnung der Kirche selbst gewisse Ansichten, die ih kein Bedenken trage , als verstete Bestrebungen nah Wiedererlangung einer Stufe oon Macht zu bezeichnen, die sich mit der Lage der Gesellschaft, wie sie geworden ist, nicht verträgt. Eine solche Stimmung verbirgt sich in der Agitation, die laut geworden ist. Dies i was ich die kirhlihe Opposition nenne. Jch sage nicht , daß in dieser Be- wegung auch reine Politik ist; ich sage nicht, daß es Geistliche geben i welche si< zu politishen Factionen haltenz ih werde mich wohl hüten, DIES zu sagen; aber Niemand kann leugnen, _daß cine politische Faction große Anstrengungen macht, um einen Theil der französischen Geistlich- feit für ihre Sache zu gewinnen und unter ihre Fahnen zu zie- hen, um si<h aus diesen Klerikern Werkzeuge für ihre Pläne zu bilden, Diese Faction is es, die sich der Frage vom öffentlichen Unterricht bemäch- tigt hat, um einen Theil des Klerus aufzuregen. Bei so verschiedenen, an Bedeutung so ungleichen Ansichten, die im Schoße des französisben Klerus laut geworden, was is geschehen? Die Geistlichen sind in die Arecna her- abgestiegen und haben si<h unserer neuen Freiheiten bedient; mittelst der Preßfreiheit, der Nedefreiheit, der Petitionsfreiheit, haben sie ihrer Sache den Sicg zu erringen gesucht. Jch will nicht danach fragen, ob dieses Treiben schicklich, wür- dig, dem JÎnteresse der Religion und des Klerus entsprehend war. Man hat sich eines Rechts bedient; ich bin weit entfernt, dieses Necht dem Kle- rus streitig zu machen; der Klerus hat sih desselben, man erlaube mir, es zu sagen, bedient, wie es Personen thun mochten, für welche die Uebung eines solchen Rechts etwas Ungewöhnliches, etwas Neues, etwas Berau- schendes hat. Während si< so cin Theil des Klerus mit lebhafter Ueber- eiferung und în mertlicher Erhizung aller Waffen bediente, die unsere Jn- stitutionen darbieten, blieb der andere, nah meinem Dafürhalten zahlreicherc Theil der Geistlichkeit, der Theil, welcher die ganze Bewegung beklagt, in tiefem Schweigen versunken, Es is ein großes Uebel unserer Zeit, daß sich die gemäßigten Meinungen kleinmüthig und furchtsam verhalten gegen- über den extremen Meinungen, Es mag sich um den Staat handeln oder um den Klerus, sobald extreme Mcinungen laut werden, ergreift Furcht die Gemäßigten z ihr ängstliches Schweigen ist ein Nachtheil, dessen Gewicht wir bei der vorliegen- den Frage tragen, wie wir es anderwärts getragen haben, So stcht diese Angelegenheit; so sicht die Regierung sie an, ohne Ucbertreibung, ohne Ungunst, im Geist aufrichtiger Versöhnlichkeit, Was hat die Regierung den verschiedenen Tendenzen gegenüber zu thun? Sie muß si< bemühen, die religiöse Opposition, die in der von Laien geleiteten Erziehung cine Ge- fahr für die katholische Religion sieht, von ihrem Jrrthum zu überzeugen ; sie muß Unwahrheiten, Verleumdungen, Vorurtheile, Ungerechtigkeiten zu belämpfen suchen, Jch besorge nicht, daß der Theil des Klerus, der zur religiösen Opposition gehört, den Laienunterricht der Universität nach einigen individuellen Verirrungen beurtheilen wird, Betrachtet man den Geist der Universität im Ganzen, so is gar nicht zu verkennen , daß ein moralisch- religiöses Streben bei ihr vorherrscht, ‘“

Es folgt nun cine Darlegung, wie der Klerus < sehr wohl mit der Universität vertragen könne, der Staat aber gleicherweise vom Klerus und von der Universität wichtige Dienste bei der Lenkung der Gemüther zu erwarten berechtigt sei; den großen Zwe> zu erreichen, bedürfe es des einträchtigen Zusammenwirkens der beiden einflußrei- hen Körperschaften; dabei wird zugegeben, daß eiuzelne Reformen ín den Universitäts-Einrichtungen nöthig seien, und versprochen, daß man darauf ernstlich Bedacht nehmen werde. Zur Erörterung der Frage übergehend, was die Regierung gegenüber der etwas ehrsüchtigen kirchlichen Opposition zu thun habe, äußert sich Herr Guizot, wie folgt :

„Uns liegt ob, im Namen der Gesellschaft und des Landcs die Fun- damental - Jnteressen der Zeit zu vertheidigen : Gedankenfreiheit und Ge- wissensfreiheitz mit diesen Freiheiten haben wir alle anderen errungen. Freiheit des Gedanken - Ausdrucks und Freiheit des Gewissens, sle wurden nicht, der Welt zu Gute, durch religiösen Einfluß erobert; Gedankenfreiheit und Gewissensfreiheit sind im Namen der bürgerlichen Gesellschast in die Welt eingeführt worden; durh Jdeen der Laien, durh Anstrengungen der Laien, wurden diese unschäßbaren Güter erworbenz sie allein vermögen sie zu erhalten, wie sie allein im Stande waren, sie zu erobern, Man hat mit einem unpassenden Ausdru> gesagt: Der Staat is Atheist. Das ist unwahrz aber der Staat ist Laie und soll es blei- ben, zum Heil aller Freiheiten, die wir errungen haben. Unabhän- igkeit und Oberherrlichkeit des Staats, das erste Prinzip unseres öffentlichen Rechts, ungeschwächt aufreht zu halten, ist unsere Aufgabez sie zu erfüllen, die Säcularisation der Staatsgewalt, den Laien-Charakter des Staats, zu behaupten, müssen wir alle unsere Justitutionen , alle unsere Freiheiten, be- wahren und auch die Juli-Monarchie, als deren sicherste Verbürgung, in feiner Weise antasten lassen. Wir werden gelassen und ruhig bleiben, uns nicht erzürnen und überreizen 5 der Klerus mag klu- gen oder unklugen, shi>li<en oder Ne Gebrauch machen von unseren Freihcitenz der Lärm soll uns nicht stören; wir wissen, er is nicht der Maßstab des Uebels; wir werden uns auf keine Polemik einlassen; Mangel an dieser Vorsicht hat in früheren Zeiten die Regierungen oft auf Jrrivege gebrachtz wix werden unsere Pflicht als Regierung thun, nicht

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mehr , niht weniger; wir werden Ordnung halten und alle Freiheiten shühen, die wohlbenußten, wie die mißbrauchten, Sollten wir in den Fall fommen , Verirrungen rügen zu müssen, so wird es mit großer Mäßigung und Toleranz geschehen ; wir wissen, daß man bei Verirrungen des religiösen Gedankens mit no< mehr Zurückhaltung verfahren muß, als bei Verirrun- gen des Laiengedankens, wie wir deren tägli<h mit unershöpfter Geduld zu ertragen wissen; wir werden auch feine Ungeduld zeigen und etwa darauf ausgehen, die Bewegung durch rasche und entschiedene Mittel zu unter- drücken; solcherlei Mittel würden das Ucbel, statt es zu heilen, nur ver- \{limmern; Pflicht und Klugheit fordern, daß wir nicht nur feine Freiheit verfolgen, sondern selbs nicht einen Augenbli> Miene machen, als dächten wir darauf, es zu thun; wir wollen so verfahren, daß sih Niemand rühmen fann, der Märtyrer seiner Ueberzeugung geworden zu sein.“

(Fortseßung folgt.)

Deputirten-Kammer. Sibßung vom 26. April. Nach dem gestern erwähnten Vortrage des Herrn von Tocqueville, der die gesammten. Debatten über die Gefängniß-=Reform übersichtli<h zusam- menfaßte, \{hritt die Kammer zur Diskussion der einzelnen Artikel des betreffenden Geseß-Entwurfes und votirte noch in dieser Sibung die beiden ersten derselben, die übrigens nur ein administratives und reglementarisches Jnteresse haben: der erstere besagt, daß die Ge- fängnisse unter der Leitung des Ministers des Junern stehen sollen, der zweite orduet die Zusammenseßung der bei jedem Gefängniß be= stehenden Beaufsichtigungs-Kommissionen.

Paris, 27. April. Nach einem Beschlusse des Köuigs wird der Contre-Admiral Hamelin, der an die Stelle des Contre-Admirals Dupetit-Thouars ernannte Befehlshaber der französischen Marine

Station in Ocaníen, seine Flagge auf der Fregatte „Virginic““ auf

pflanzen.

Die Gazette du Languedoc berihtet von Verhaftungen, die zu Toulouse stattgefunden, und die mit der Entde>ung einer Militair-Vershwörung im Zusammenhange ständen,

__ Aus Rive-de-Gier wird gemeidet, daß die Grubenleute allmälig wieder an die Arbeit gehen, |

0 Paris, 27. April. Ju der heutigen Sibung der Pairs- Kammer zog der Präsident, Baron Pasquier, zuerst durhs Loos die große Deputation, welche am 1. Mai die Glückwünsche der Pairs- Kammer dem Könige zu seinem Namenstage darbringen soll. Dann wurde die Diskussion über das Geseß, den Sekundär = Unterricht betreffend, fortgeseßt. Der Marquis von Gabriac las zuerst den Schluß der Rede, die er gestern niht hatte vollenden können, Der edle Pair verwirft die Zulassungs = Jury, die ihm nicht hinreihende Garantieen der Unabhängigkeit darzubieten scheint. Auch erhebt er si< dagegen, daß man ein S über gemachte Studien verlange, da die be- standene Prüfung für das Bakkalagureat, seiner Ansicht nah, hinrei- chend is, Er unterzieht dann die Hauptbeweggründe einer Prüfung, die in dem Kommissions =- Berichte auseinandergesebt sind, geht auf deren Erörterung ein und sucht sie zu bekämpfen. Er \ließt seine Rede mit der Erklärung, daß er gegen das Geseh votiren werde, weil es eine Beeinträchtigung der Freiheit enthalte. Herr Lebrun dagegen, der nach ihm das Wort ergriff, is mit allen Bestimmungen des Gesehes einverstanden. Dasselbe heilige, nah seiner Ucberzeu- gung, das Prinzip, das 1830 aufgestellt und von den drei Staatsgewalten anerkannt worden sei. Dieses Geseß sei gewisser- maßen ein zweites Befestigungsgesel, Das erste habe den Schuß der materiellen Juteressen, den der Monarchie und der Justitutionen des Landes bezwedt; dieses aber sei eine moralische Sicherheitswache, gleihsam ein Wall, bestimmt zum Schuße der Juli-Monarchie, Ant- wortend auf einen Vorwurf des Grafen von Montalembert, stellt der Redner in Abrede, daß der Religions-Unterricht in den Colléges ver nachlässigt werde; er führt insbesondere das Collége Louis le Grand an, wo die Zöglinge eine möglichst religiöse Erziehung erhalten. Der Redner geht nun weiter der Reihe nach die verschiedenen Einwürfe durch, welche die Widersacher des Geseßes gegen dasselbe vorgebracht hatten, und widerlegt sie, Das Geseß, sagt er, verwirklihe eine Verheißung der Charte, es proklamire die Freiheit, aber eine durch präventive und repressive Bestimmungen begränzte Freiheit, denn die Charte habe bei Proklamirung der Freiheit keinesweges die Anarchie proklamiren wollen. (Die Sibung dauert fort.)

Jn der Deputirten-Kammer legte der Minister der öffent-= lihen Arbeiten zuerst zwei Geseß=Entwiirfe, betreffend die Polizei des Fuhrwesens und die Polizei der Eisenbahnen, vor. Die Tagesordnung brachte Berichterstattung über Petitionen. Herr Allard erstattet Be- richt über mehrere, zuerst über eine des Capitains de Vernon zu Paris, der die Revision des Gesehes vom 19. Mai 1834 in Betreff des Offizierstandes und dessen Stellung verlangtz und in Anbetracht, daß die von diesem Geseß vorgeschriebenen Formalitäten in Bezug auf ihn nicht erfüllt worden seien, verlangt er, vor einen neuen Untersu- chungs-Rath gestellt zu werden. Die Kommission beantragt, darüber zur Tagesordnung zu schreiten, Herr von Courtais: Er habe ernste Bemerkungen über diese Petition zu machenz er bedaure, daß der Herr Kriegs=Minister niht auf seiner Bank sei, Der Handels -= Minister: Der Herr Kriegs-Minister Conseils=Präsident is in der Pairs=Kammer zurückgehalten dur die dort eben shwebende wichtige Diskussion. Herr vou Courtgis: Daun verlange ih die Vertagung der Diskussion über die vorliegende Petition. Die Kammer beschließt diese, Herr Allard in seiner Berichterstattung fortfahrend: Offiziere en re- sorme und Cinwohner von einigen Departements verlangen, daß die Lage der ehemaligen Offiziere en reforme verbessert werde, und daß die im Jahre 1839 als Unterstüßung für sie ausgeworfene Summe den Titel Reformgehalt erhalte. Die Kommisslon beantragt die Tages - Ord nung, Herr von Beaumont (von der Somme) aber Verweisung der Petition an den Kriegs - Minister. Der Handels-Minister rechtfertigt die vorgeschlagene Tages- Ordnung, die aber von dem Obersten Lespinasse und dem General Subervie bekämpft wird, Diese beiden schließen sl{< vielmehr dem Antrage des Herrn von Beau- mont (von der Somme) an, Der Kriegs-Minister, der inzwi- hen angekommen war: Die Kammer habe si< großmüthig gegen die Offiziere gezeigt und nacheinander eine jährliche Summe von 150,000 Fr, unter dem Titel von Unterstüßungen bewilligt, Man wolle, daß sie noch eine Summe von 50,000 Fr. hinzufüge. Er mache dazu zwar feinen Vorschlag, nichtsdestoweniger, wenn die Kammer dieselbe bewilligte, so würde er eine gute Verwendung derselben für die Offiziere finden. Die Kammer beschließt die Verweisung der beiden vorgenannten Petitionen an den Kriegs-Minister. Der Handels-Minister bemerkt, daß man, da der Herr Kriegs-Minister uun zugegen, auf die erste Petition zurü>- fommen fönnte. (Zustimmung.) Herr Allard verliest von neuem seinen Bericht mit Antrag auf Tagesordnung. Herr von Courtais bekämpft diese und glaubt, die Militair - Gesebgebung sei in Betreff dieses Offiziers nicht respektirt worden, Er verlangt Verweisung der Petition an den Kriegs-Minister, bis ein neues Geseß über die Stel- lung der Offiziere zu Stande komme. Der Kriegs-Minister findet das Geseß von 1834 zureichend und keinen Grund, es zu än=- dern. Kraft desselben sei ein Untersuchungs - Rath gebildet worden, der erklärt habe, daß der Bittsteller niht mehr in den Cadres der Armee bleiben könne. Die Verweisung der Petition an den Kriegs- Minister wäre daher zwe>los, da derselbe ihr keine Folge geben fönnez Herr Ledru-Rollin will die Thatsachen nicht erörtern,

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obglei<h die ehrenwerthesten Zeugnisse zu Gunsten des Capitains Vernon vorgebraht worden seien. Aber das Geseß von 1834 biete den Offizieren keinesweges alle Bürgschaften, Graf Daru, Mitglied des Untersuhungs-Rathes sagt, der Offizier Vernon ser sehr wohl- wollend von demselben behandelt worden. Er stimme für Tagesord- nung (Ruf zur Abstimmung); man schreitet endlich, nahdem noch Herr von Schauburg, Herr von Courtais und Herr Allard ge- sprohen, zur Tagesordnung. Herr Felix Real kündigt auf Mon-< tag Vorlesung seines - Berichts über die Wahl des Herr Charles Laffitte an.

A Paris, 27. April. Nach einem ziemli< rauhen Winter= wetter, das vom Oktober beinahe ununterbrochen bis zum Ende des März gedauert hat, is mit Anfang diescs Monats eine ganz unge= wöhnli<h warme Frühlings - Temperatur cingetreten, die bei dem hei- tersten Himmel bis auf den heutigen Tag angehalten und die außer- ordentlihsten Wirkungen auf die Vegetation hervorgebracht hat. Die meisten Bäume stehen seit aht Tagen in ihrer vollkommen ausgebil= deten Blätterpraht und an warmen Waldstellen sind sogar die Eichen hon grün geworden. Die Fruchtbäume haben zum großen Theile bereits ausgeblüht, und das Getraide steht in der ganzen Umgebung von Paris schon in Achren, eine Erscheinung, die für den Aprilmonat etwas Unerhörtes is. Da die Nächte bisher immer ziemlich kühl waren, so hat die Pflanzenwelt durch die seit vier Wochen andauernde Sounenhiße wenig oder gar nicht“ gelitten, und die Garten - sowohl als die Feld - Aerndte verspriht eine äußerst ergiebige zu werden. Hoffentlich wird au<h der Wein diesmal besser gerathen, als dies im vorigen Jahre der Fall gewesen ist, wo Qualität und Quantität so unbefriedigend waren, daß ein bedeutendes Steigen der Weinpreise eingetreten ift. s

Grossbritanien und Irland.

Oberhaus. Sibßung vom 26. April, Die gestern bereits mitgetheilte Erflärung des Grafen Ripon, Präsidenten des indischen Kontroll - Amtes, über die Abberufung des Lord Ellenborough von seinem Posten als General-Gouverneur von Ostindien rief heute bald zu Anfang der Sihung eine Anfrage des Lord Normanby hervor, welcher die leßten Eroberungen in Judien am nächsten Monate zur Sprache zu bringen beabsichtigte, aber davon abstehen wollte, wenn das so eben vernommene Gerücht von der Abberufung des General- Gouverneurs Grund habe. Lord Ripon beschränkte s{< darauf, kurz zu erwiedern, daß der Hof der Direktoren der ostindishen Com- pagnie von der ihm geseßlih zustehenden Befugniß, jeden sei ner Diener abzusehen, Gebrauh gemacht und den General-Gouver= neur aus seiner Stellung entfernt habe. Auf die Frage, ob die Handlung der Direktoren die Billigung und Bestätigung der Regierung habe, antwortete Lord Ripon verneinend. Lord Brougham founte niht umhin, seine Verwunderung darüber aus= zusprechen, daß die Direktoren ohne Zuthun der Regierung den Ge- neral = Gouverneur abseßen könnten; es sei unbegreiflih, wie das Parlament ein Geseß habe geben können, das eine solche Autorität den Direktoren beilege, und wie man dasselbe jeßt no<h fortbestehen lassen könne, da doch jede sonstige Handlung der Direktoren, sogar jede ihrer Depeschen, von dem Kontroll - Amte bestätigt und unter- zeichnet werden müßte. Die wichtigste aller Maßregeln, von welcher die ganze Wohlfahrt der indis<hen Besißungen abhänge, überlasse man den Direktoren. Etwas so Absurdes, \o Widersprechendes habe er in feiner Regierungs - Verfassung der Welt gefunden, und er müsse glauben, daß bei der Abfassung des Geseßes (1834) ein Versehen stattgefunden habe, das dem Parlamente entgangen sei, Der Marquis von Lansdowne widersprah dem Lord, ohne sich auf die Erörterung der Befugniß der Direktoren weiter einzulassen, und behauptete, daß das Parlament diesen Punkt schr ausführlich erörtert habe. Lord Brougham konnte indeß nicht überzeugt wer= den und blieb bei seiner Ausiht. Als Lord Normanby ihm be- merkflih machte, daß der Hof der Direktoren eine der beiden Gewäl- ten repräsentire, welche die Beseßung der Aemter in Ostindien ver= fügen, antwortete er zurüdweisend, daß dies keinesweges die Berech- tigung in sich schließe, die Beamten zu entseßen, eben so wenig als der Beschluß eines Hauses hinreicht, ein Geseß außer Kraft zu seben. Die weitere Erörterung ward hier abgebrochen.

Das Haus vertagte si<h nah der zweiten Lesung der „Guts- herrn- und Pachter=Bill‘“, welche die Anlage von Kapitalien der Lehz= teren auf die Landes-Kulturx erleichtern soll,

Unterhaus. Sißung vom 26, April. Die Erklärung Sir R. Peel's, daß Lord Ellenborough von seinem Posten abbe= rufen worden sei, veranlaßte die Frage des Herrn Macaulgy :

Herr Macaulay: Jch frage den schr ehrenwerthen Baronet an der Spiye der Negierung, ob es wahr i}, daß der Hof der Direktoren der ost- le Compagnie Lord Ellenborough von der Negierung Judiens abge- rufen hat,

Sir R. Peel: Die Regierung hat am leßten Mittwoch (24sten) von dem Hofe der Direktoren die Mittheilung erhalten, daß dersclbe von der ihm geseßlich zustehenden Befugniß Gebrauch gemacht habe, den Ge- neral-Gouverneur Jundiens nach seinem Belieben abzurufen, (Lauter Bei- fall auf den Oppositionsbänken.)

Herr Macaulay: Unter diesen Umständen werde ih nicht, meiner früheren Anzeige zufolge, in der nächsten Woche die Besißznahme Gwaliors hier im Hause zur Sprache bringen, sondern meinen Antrag bis dahin aus- seßen, wo Lord Ellenborough nah England zurückgekehrt sein und seine Vertheidigung selbst wird übernehmen köunen,

Die Haupt-Verhandlungen des Hauses betrafen heute noch immer die persönlichen Angelegenheiten der in der Streitsahe des Herrn Ferrand verwi>elten Mitglieder. Herr Ro ebu>, der bekanntlich die ganze Sache angeregt hat, las zuerst einen ihm von dem „jungen Tory‘, Herrn Smythe, zugesandten Brief vor, worin dieser für ge- wisse in der leßten Debatte gegen ihn ausgesprochene ehrenrührige Worte Genugthuung verlangt. Herr Smythe suchte seine Hand- lungsweise dur das Benehmen des Herrn Rocbu>k zu recht-

fertigen, Sir Robert Peel indeß veranlaßte Beide, si< vor dem Hause zu verpflihten, der Sache keine weiteren Folgen zu geben. Herr Ferrand wurde hierauf von dem Sprecher

aufgefordert, si< zu rechtfertigen, Er erklärt, daß er das Haus als ein fkompetentes Tribunal in dieser Ehrensache nicht anerkennen könne, weil er seine Beschuldigungen gegen Sir James Graham und Herrn Hogg außerhalb desselben ausgesprochen habe ; er protestirt im Namen des ganzen englischen Volks gegen das Ehren- gericht, welhes das Unterhaus in dieser Sache sich anmaßen wolle. Sir James Graham erklärt dagegen nohmals die Beschuldigungen für unbegründet und verleumderish und verlangt, das Haus möge ihn nah gründlicher Untersuhung der Sache entweder für suldig erkennen oder freispre<en. Der Sprecher heißt Herrn Ferrand, das Haus während der Debatte zu verlassen; derselbe kommt dem Befehle na< und Sir James Graham und Herr Hogg folgen ihm, Sir R. Peel resumirte nunmehr die ganze Angelegenheit und bean- tragte in Uebereinstimmung mit dem Wunsche Six James Graham's zwei Resolutionen, 1) daß die Beschuldigungen des Herrn Ferrand unbegründet und verleumderish sind, 2) daß dieselben die Ehre der beiden angegriffenen Mitglieder des Hauses niht im geringsten be- fle>en, Ein Amendement des Herrn Fren<, die Sache auf sich be- ruhen zu lassen, fand keine Unterstüßung, und die ganze ärgerliche

Angelegenheit war mit der Annahme jener Resolutionen beseitigt. Die Times moquirt si< darüber, daß man beschlossen habe, Etwas nicht zu thun.

Der Tagesordnung gemäß, wollte das Haus si<h zum General= Comité für Berathung der Fabrik-Bill konstituiren, als Herr Dun-= combe beantragte, diese Bill zur gründlicheren Prüfung einem Spe= zial-Comité zu überweisen. Herr Ward unterstüßte den Antrag, der von Sir James Graham als nur Zeitverlust erzeugend lebhast befämpft wurde, Der Ansicht des Ministers zufolge, is die Entschei= dung schon jeßt ganz außer Zweifel, und es bedarf keiner ferneren Sichtung der Argumente. Höhere Preise der Judustrie - Erzeugnisse, meinte er, lassen si< wenigstens unter den gegenwärtigen Umständen niht erwarten, wenn daher die Zahl der Arbeits=- stunden, und somit au< die Production, beschränkt werde, sei Verlust unvermeidlih, und dieser Verlust könne nur, entweder den Erwerb der Fabrikanten selbst oder den Arbeitslohn der Fabrik= Arbeiter treffen. Viele radikale Mitglieder erklärten si<h für die be- antragte Untersuchung in dem Spezial-Comité, als dem besten Mittel Alle, auch die Fabrif-Arbeiter selbst, über ihr wahres Junteresse in der Sache aufzuklären, Die Majorität des Hauses aber fand den Auf=- {ub unnöthig und der Antrag des Herrn Duncombe wurde mit 145 gegen 42 Stimmen verworfen, worauf si< das Haus zum Ge= neral-Comité fonstituirte und auf die Berathung der einzelnen Artikel der Bill einging.

Jn unserem Berichte über die Sißung des Hauses vom 23. April (Vergl. Allg. Preuß. Ztg. Nr. 120) sind die Angaben des Dr, Bowring über die Stipulationen eines zwischen den Ver= einigten Staaten und dem deutschen Zoll-Vereine muthmaßlich abge- \{lossenen Handelsvertrags nah dem diesmal unvollständigen Berichte der Times und einigen unrichtigen Notizen der Korrespondenz der Hamburger Börsenhalle fals<h berihtet worden. Die heute uns zugegangenen londoner Blätter, nameyntli<h der Standard vom 24sten, geben über die Anfrage des Dr, Bowring ausführlichere Mittheilungen, und wir halten es für nöthig, zum richtigen Verständ= niß der Antwort des Premier-Ministers, die Frage des Dr, Bowring hier ihrem richtigen Jnhalte nah zu wiederholen. Nach dem Stau- dard sagte Dr. Bowring:

„Er hätte erfahren, daß am 23, März zu Berlin zwischen dem preu- ßishen Minister, als dem Repräsentanten des deutschen Zoll-Vereins, und dem Minister der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika ein Vertrag ab- geschlossen worden wäre, welcher zwischen diesen beiden Ländern sogenannte Vorzugs-Zölle feststellte,. Man habe ihm namentlich gesagt, daß der amc- rifanische Tabak in Deutschland für 4 Rthlr. zugelassen werden sollte, wäh- rend Taback aus anderen Ländern 57 Rthlr. entrichten müßte; ferner wür- den die deutschen Staaten den Zoll für Neis nicht erhöhen, und die ame- rifanis<he Baumwolle gänzlich zollfrei zulassen. Für diese von dem deutschen Zoll-Verein cingeräumten Vortheile versprächen die Vereinigten Staaten, die Einfuhr von Kurzwaaren und Spiegelglas mit nibt mehr als 15 pCt., die deutschen Strumpfwaaren nicht höher als mit 20 pCt, und verschiedene an- derc Artikel nicht höher als mit 10 pCt. zu belasten, Da alle diese Zölle niedriger wären, als diejenigen, welche für britische Artikel beständen, so frage er (Dr, Bowring), ob der Minister Kenntniß von einem solchen Ver- trage habe, und ob er zum Schuße der britischen Interessen Etwas veran- lassen werde ?

Der Minister gab hierauf die bereits mitgetheilte Antwort.

London, 26. April, Der bekannte Dr. Wolff is auf seiner Reise ach Buchara am 12, Februar in Teheran angekommen und von dem Schach von Persien , dem er in seinem geistlihen Ornate von dem britischen Ge= \schäftsträger, Oberst Sheil, vorgestellt wurde, mit vieler Auszeichnung aufgenommen worden. Jn Teheran traf er mit einem kürzlich dort angekommenen Gesandten des Chan von Buchara zusammen, der die Hinrichtung des Obersten Stoddart und des Hauptmann Conolly auf das bestimmteste in Abrede stellte; dessenungeachtet scheint über das Schicksal derselben nihts Gewisses haben in Erfahrung gebracht wer= den können. Dr. Wolff wollte am 14. Februar mit einer ihm vom Schach zugetheilten Eskorte seine Reise fortseßen und hat versprochen, von Buchara zu schreiben, falls er Stoddart und Conolly no< am Leben finde, anderenfalls aber erst, wenn er auf der Rückkehr wieder die Gränzen von Buchara erreicht hat.

Uiederlande.

s“, Nus dem Haag, 26. April. Seit meinem leßten Schrei- ben is die Frage in Betreff der Differenzial - Zölle, welche Belgien durch seine Kammern sanctioniren lassen will, deutlicher und bestimm- ter hervorgetreten. Der Handelsstand von Antwerpen scheint in die= ser wichtigen Angelegenheit, zum Nachtheil der vornämlih gewerbtrei= benden Provinzen, an der Spitze zu stehen und si< wenig um die Repressalien zu kümmern, die Holland nothwendig dagegen ergreifen wird, Man bemerkt in dieser Beziehung in Belgien drei bestimmt geschiedene Meinungen: erstlih diejenigen, welche si< wenig um die Repressalien Hollands kümmern; dahin gehören der große Handels=- stand, die Rheder und Eigenthümer von Schiffen; sodann diejenigen welche an diese Repressalien nicht glauben, weil sie dieselben für un- nüß halten, und endlich diejenigen, welche sich davor fürchten , weil ihre materiellen Jnteressen dadur gefährdet werden.

Wie dem auch sei, es is gewiß, daß Holland gesonnen ist Gleiches mit Gleihem zu vergeltenz; in Betreff der National-Jnter= essen findet Philanthropie keine Anwendung; zuerst muß man an das eigene Land denken, und Thatsachen gegenüber, die dasselbe mit einem bedeutenden Nachtheile bedrohen, darf man nicht unthätig bleiben. Jndem Belgien durh Annahme des Systems der Differen- zial - Zölle auf der einen Seite einen geringen Gewinn erlangt, fügt es seinen Fabriken und seiner Judustrie einen großen Schaden zu, der für Holland weit weniger groß ist; und Holland muß den Staatsmännern des Nachbarlandes , die den beklagenswerthen Plan entworfen, durch seine Repressalien bald die Augen öffnen. Es ist eine erwiesene Thatsache, daß Belgien weit mehr Hollands bedarf, während dieses, streng genommen, Belgien sehr wohl entbehren kann, obwohl beides nicht buchstäblich zu nehmen is; beide Völker müssen in kommerzieller Hinsicht verbunden bleiben und \si<h weselseitig schüßen, Dies ist auh der Wunsch aller Unparteiischen und Unei=« gennüßigen. Man glaube ja nicht, daß Holland mit der Anwendung von Repressalien droht; es wünscht vielmehr, dieser traurigen Noth= wendigkeit überhoben zu sein, und in diesem Falle, wie in mehreren anderen, fällt das daraus entstehende Uebel viel mehr auf den An- greifenden zurü, als auf den, der sih vertheidigt.

An diese Frage knüpft si<h übrigens eine andere. Es ist unbe-= streitbar, daß Holland das Recht besißt, Repressalien zu ergreifen ; hat aber Belgien irgend ein Reht zu der Maßregel, die es beab= sichtigt? Und würden nicht die Verträge, die es nah den allgemeinen Wünschen der großen Mächte abgeschlossen hat, dur< Bestimmungen, die dem Geiste und vielleiht au<h dem Buchstaben eben jener Ver= träge entgegen sind, verleßt werden? Das scheinen diejenigen nicht zu bedenken, die, indem sie den unbestimmten und unpolitischen Klagen leichtsinnigerweise Gehör geben, nicht befürchten, Animo U hervor- zurufen, die zur Schlichtung der Frage eine dritte Person nöthig machen würden, * ;

Italien.

Nom, 20, April, (A. Z,) Durch ein vom Staats-S Kardinal Lambruschini unterm 16ten d, veröffentlichtes