1844 / 139 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

ti Bauten in Hamburg bestimmten, sowohl L anb t rchitektonisch verzierten, als unbearbeiteten Sand= und anderen gemeinen Bruch- und Mauersteine gänzlich vom Elbzoll befreit sein e gén von der Magdeburger Zeitung mitgetheilten Privatschreiben aus Dresden vom 15. d. ist deu Königlich sächsischen Behörden mittelst Ministerial - Reffkripts eröffnet worden, daß sie in ihren Schreiben die Herzöge von Sachsen und Anhalt auch fernerhin „Durchlaucht“ zu tituliren haben.

Anhalt-Cöthen. Cöthen, 15. Mai. Am {18ten d: steht uns ein höchst e:freulihes Fest bevor, denn es is der Tag, wo vor 25 Jahren, am 18. Mai 1819, unser Herzog Heinrich sich mit der Tochter des Fürsten Heinrih XLIV. von Reuß = Köstriß vermählte. Damals war Höchstderselbe kurz vorher durch Cession seines Bru-= ders, des Herzogs Ferdinand von Anuhalt-Cöthen, in den Besiß des Fürstenthums Pleß gekommen, von wo er erst am 24, März 1834, dem Todestage des Leßhteren, zur Succession in die hiesige Haupt- linie gelangte. Möge uns der Himmel unser hohes Fürstenpaar noch lange erhalten.

Freie Städte. XX Frankfurt a. M., 15. Mai. Troß aller entgegensprehenden Gerüchte is doch gewiß, daß Se. Majestät der Kaiser Nikolaus in diesem Sommer Deutschland besucht und namentlich au nach Böhmen kommen werde,

Se. Durchlaucht der Fürst von Mcetternih wird Anfangs Juli Karlsbad, später den Johannisberg besuchen.

Jn der heutigen Sihung unserer gesetzgebenden Versammlung wurde von Seiten des Senats die Ratification des zwischen dem deutshen Zoll = Verein und Nord = Amerika abgeschlossenen Handels-= Traktats nachgesucht.

Dem Beispiele anderer deutschen Staaten folgend, wird unser Linien -=Bataillon nun mit Perkussionsschlössern versehen, und es ist cin deôsfallsiger Vortrag an die gesebgebende Versammlung gelangt.

Die seitherige s{chvöne Witterung hat schon einige Bewegung in die nahen Bäder gebracht, und Main-Dampfschisssahrt und Taunus- Eisenbahn erfreuen sich starker Frequenz. Die Dampfboot -Flotille des Main if nun so ziemlih vollzählig, der Wasserstand immer noch hoch. Allerdings wird dadurch der Aufang des Baues der Main= Brücke für die Main = Neckar = Eisenbahn verzögert. Die Erdarbeiten dieser Eisenbahn gehen nun etwas rascher voran, Alle übrigen uns berührenden Eisenbahn-Projekte ruhen noch.

Frankreich.

Paris, 13, Mai. Es is bekanntlih im Lauf der Debatten über das neue Unterrichtsgeseß in der Pairs-Kammer mehrmals von den Verhandlungen die Nede gewesen, welche im Jahre 1828 zwischen Karl X. und seinen damaligen Ministern über die gegen die Jesuiten gerichteten Ordonnanzen stattgefunden. Die erste dieser beiden, vom Grafen Portalis, als Großsiegelbewahrer im Martignacschen Ministe= rium, gegengezeihneten Verorduungen erklärte, daß aht Sekundär- \chulen die geseßlihe Zahl der aufzunehmenden Zöglinge überschritten hätten und außerdem von Personen geleitet würden, die zu einer in Frankreih dur kein Geseß ermächtigten religiösen Congregation ge= hörten. Diese aht Schulen sollten, vom 1, Oftober an, unter die Ober - Aufsicht der Universität gestellt werden, auch von da an Nie- mand, gehöre er zur Direction oder zum Unterrichts - Personale,

befugt sein, in einer von der Universität abhängenden Anstalt oder in einer geistlihen Sefundär-Schule zu verbleiben, wenn erx nicht die \chriftlihe Versicherung ausgestellt, daß er keiner in Frankreih unge-

seblihen religiösen Congregation angehöre. Die zweite Ordonnanz, welche der Bischof von Beauvais, Herr von Feutrier, damaliger Unterrihts-Minuister, gegengezeihnet hatte, beschränkte die Zahl der geistlihen Sekundär -= Schulen nah einer dem Könige binnen drei Monaten vorzulegenden Tabelle; jedenfalls sollte die Gesammtzahl der Zöglinge in denselben nicht 20,000 übersteigen. Die Zahl der Schulen und die Bezeichnung der Gemeinden, in denen sie zu beste- hen hätten, blieb dem Könige anhcimgestellt, der zuvor die Ansichten der Erzbischöfe und Bischöfe vernahm, auch das Gutachten des Kultus= Ministers einholen würde. Keinem Fremden, der das vierzehnte Lebens=- jahr überschritten, wurde die Aufnahme in diese Schulen gestattet ; alle seit zwei Jahren aufgenommene Zöglinge sollten eine geistliche Kleidung tragenz jede Austheilung von Doltor=- oder Magister-Diplomen vor empfangenen höheren Weihen wurde untersagt, Die Vorsteher und Direktoren der Schulen sollten fortan von den Erzbischöfen oder Bischöfen mit Zustimmung dês Königs ernannt und die Namen aller hon bestehenden Schul - Oberen dem Könige zur Genehmigung vor- gelegt werden. Diejenigen Sekundär-Schulen, in welchen diese Bestim- mungen nicht vollzogen würden, sollteu unter die Gewalt der Univer= sität zurückkommen. jedes zu 150 Fr., in den Sekundär - Schuleu geschaffen, deren Ver= theilung unter die einzelnen Diözesen der König sich vorbehielt, Jn einer der leßten Sißungen der Pairs = Kammer hatte nun Graf Montalembert behauptet, Karl X. habe diese Ver- ordnungen nur mit Widerwillen unterzeichnet ; sie seien dem Könige von tem Martignacshen Ministerium, welches seiner= seits wieder dem Drängen der Kammern nachgegeben, gewisser= maßen abgezwungen worden, und der König habe zuleßt nur unter der Bedingung eines von den Kammern zu erlangenden Zuschusses zu den Dotationen der geistlihen Sekundär-Schulen, eben der oben be= sagten 8000 neuen Stipendien in die Ordonnanzen gewilligt, Die Gegenerklärungen des Grafen Portalis in der Pairs - Kammer sind {hon mitgetheilt. Diesen widersprah aber Graf Montalembert von neuem, indem er sich dabei auf die Autorität des Herrn von Frayssi= nous, Bischofs von Hermopolis, berief, der vor dem Erlaß jener Ordonnanzen aus dem Martignacschen Ministerium ausgeschieden war. Jebt tritt nun auch der Bischof von Chalons auf, um diese Ausicht von der damaligen Lage der Dinge zu unterstüßen und zu versichern, daß Karl X. die Verordnungen von 1828, um einer politischen Noth= wendigkeit des Augenblicks zu genügen, wider Willen, jedo nicht gegen sein Gewissen unterzeichnet habe. Der Bischof schreibt nämlich aus Chalons vom 30, April an die Quotidienne:

„Alle, welche behaupten, daß König Karl X, die der Geistlichkeit so feindlichen Verordnungen vom Monat Juni 1828, deren Folgen schon da- mals o leicht vorauszusehen waren, ganz aus freiem Willen erlassen habe, muß ih schr um Verzeihung bitten. Jch kann eine Thatsache mittheilen, welche zum Beweis dienen wird, daß jener liebenswürdige, weise und tief religióse Fürst mit großem Bedauern und Widerstreben sich zu dicsem Aeúßersten genöthigt Cb, eine so shwere Last uns aufzulegen, Der König fam auf seiner Reise nach dem Elsaß durch Chalons. Am folgenden Tage, ehe er abreiste, wurde uns die Ehre zu Theil, ihm unsere hohachtungs- vollen Hulvigungen darzubringen, Der Kardinal von Latil und ih wur- den ihm vorgestellt, Wir waren allein mit Sr. Majestät. Auf ein Zeichen, welches er uns mit der Hand gab, folgien wir ihm noch einmal in den

Präsektursaal zurück , den er son verlassen hatte, und dort sagte E L Cs Angesicht zu Angesicht mit einer Minie voll Güte und

nem Ton der Stimme, die ih niemals vergessen werde: „„,, Nun, meine Herren Bischöfe, Sie müssen sich schon ein wenig “fügsam zeigen si eiwas in die Umstände chiden, Wenn man thut, was ch gesag abe, so werde ih die ganze Hand öffnen, (er öffnete sie wirklich und dete diese Gebehrde mit dem Orrs en Ton); sollte man hin- gegen Widerstand leisten und Schwierigkeiten machen, so werde ich dic Hand

E D E R T E CON R E S B T.

Endlich wurden noch 8000 neue Stipendien, cin

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eiwas schließen‘‘‘/, und er {loß in der That den Daumen an den Zeige- finger, aber so sanft, daß man wohl sehen konnte, er werde sie nicht zu fest zusammendrücken, und es sci ein Vater, der hier sprehe. Diese wenigen Worte wurden, wie Alles, was er sagte, auf die liebenswürdigste Weise ge- sprochen. Welcher Unterschied zwischen diesen zwei Fingern Karls X. und der eisernen Hand, welche man jeßt auf uns fallen lassen will, der Hand des « . . des . .…. u. st. w.! Ja, großer Gott, welcher Unterschied! Kann man nun wohl nach diesem fleinen und sehr kurzen Gespräh noch glauben, daß der König nicht mit Bedauern von scinen Ordonnanzen ge- sprochen und nicht avliden hätte, wohin sie uns führen müßten? Nicht als Gebieter, nit als befehlender König sprach er damals zu uns, sondern ih möchte fast sagen, wie Jemand, der sich entschuldigt, der ein wenig ver- legen is, wie eín Vater, den es shmerzt, zärtlich geliebte Kinder betrüben zu müssen, Wir verbeugten uns, ehe wir uns zurüzogen, chrerbietig vor ihm, aber ohue ihm zu antworten, Trefflicher, ewigen Andenkens würdiger Fürst, für den noch jeßt die Herzen aller echten Franzosen schlagen, dessen edlen Blick, groß müthige Gesinnungen, Güte und Huld wir nicmals ver- gessen werden, ja, ih zweifle nicht, daß dies dein Gedanke war!“

Es begegnet den Oppositionsblättern zuweilen, daß sie in ihrem Eifer gegen die bestehende Verwaltung, wenn sie die Kammern mit derselben einverstanden sehen, ganz eigenthümliche uud naive Bekenut= nisse über das Repräsentativ - System und seine Wirkungen ablegen. So sagt heute der Courrier français: „Wahrlich, geliebte Le= ser, wenngleih es sich weder von Otaheiti, noch von der Wahl zu Louviers, noch von Eisenbahnen handelt, so mögt Jhr doch für sehr ernst nehmen, was im Schoße unscrer Kammern vorgeht. Jm Pa= last Luxembourg handelt es sich um cin Geseß über den Sekundär= Unterricht, im Palast Bourbon um ein Geseß über die Gefänguisse ; niemals hatte die gescßgebende Gewalt sich gleichzeitig mit zwei wichtigeren Fragen zu beschäftigen, und niemals vielleicht verhielt sich die öffentlihe Meinung gleihgültiger gegen die parlamentarischen Debatten. Eine traurige, beklagenswerthe Gleich-= gültigkeit!! Man bedenke, durch das eine der beiden Gesebe soll eine jugendliche Generation gebildet werden, um mit Ehren ihre Laufbahn anzutreten; das andere soll über den Auswurf der Gesellschaft eut= scheiden und ihn moralisch bessern. Nun können wir aber nicht anders als unser höchstes Mitleid aussprechen, mit Hinsicht auf die vier Mit= glieder der gesceßgebenden Gewalt, welche paarweise die Verautwort= lichkeit für die Lösung einer jeden dieser beiden großen Aufgaben tragen. Jm Luxembourg ist das Schicksal der Jugend den Herren Cousin und Villemain überliefert, welche tie Erfahrungen des klassi= schen Unterrichts und der Universitäts-Philosophie als Grundlage für die Bildung derselben fortbestehen lassen wollen. Jm Palast Bourbon ist das Loos des Verbrechens den Hâänden der Herren vou Tocquevbille und Beaumont übergeben, welche sich beeilen, es den Versuchen ihrer transatlantishen Philan= thropie und einer Zellenbesserung zu unterwerfen. Die Herren Cousin und Villemain sind die Peunsylvanier des öffentlihen Unter= richts, die Herren von Tocqueville und Beaumont die Klassiker der Philantropie, die Universitätsmänner des Gefängnisscs. Vou beiden Seiten dieselbe Unwissenheit über die menschliche Natur, dieselbe Un- fenntnisßz der Mittel zu ihrer Entwickelung, derselbe Fanatismus der Doftrinen, Es if ein trauriges Schauspiel, welches die engherzige und blinde Ohnmacht zweier Mächte unserer modernen Civilisation, der Philosophie und der Philautropie, jedem ernsten Denker gegen= wärtig giebt, Das Ministerium will seine beiden Gesebe, so wie sie sind, und man wird sie ihm selbst so bewilligen. Die Kammer hat das Prinzip des Gefängnißgeseßes angenommen und glaubt doch nicht daran, Was thut das? Herr Duchatel will sein Geseß. Er schickt die beiden Oppositions-Mitglieder, Herr von Tocqueville und von Beau= mont, unter ihre Freunde ab, und sie bringen ihm Stimmen zurück, die sie für ihn gesammelt. Jhr Armen! Jhr glaubt etwas zu gründen, aber es wird nihts Dauerhaftes und Lebendiges aus Euren Händen hervorgehen. Jhr werdet kein Werk hinterlassen, weil der erfinderishe Geist und der bauende Arm Euch fehlt,“

Der Moniteur erklärt heute die gestrige Angabe des Univers mit Hinsicht auf die Zurückweisung der beiden bischöflichen Denkschrif= ten aus den Divzesen Avignon und Bourges für unrichtig, Die Denkschriften sind beide vom Justiz= und Kultus-Minister geöffnet und gelesen worden, und der Minister hat sie mit dem beigefügten Bemerken, daß sie in ihrer Kollektivform der Pairs = Kammer nicht vorgelegt werden könnten, an die Einsender zurückgeschickt.

Bei Gelegenheit des Königlichen Namensfestes sind 2500 neue Ritter der Ehrenlegion ernannt worden.

Der Courrier français sagt, man versichere in den gewöhn- Jch gut unterrichteten politischen Salons, daß der Graf von Reuß

rim), der häufige Konferenzen mit der Königin Christine hat, nüch= ens mit sehr ausgedehnten Vollmachten nah Frankreih kommen verde, um hier über eine sehr wihtige Angelegenheit zu unterhan-- dein, Die Unterhandlung, womit er beauftragt ist, soll die Verzicht= eistung des Don Carlos auf den Thron von Spanien und die Ab= \hließung der Heirath der Königin Jsabella mit dem Prinzen von

: Asturien betreffen.

Aus einer durch die Seine - Präfektur angefertigten Uebersicht ergiebt sich, daß die Zahl der seit Anfang dieses Monats visirten Pässe sih auf mehr als 300,000 beläuft. Die Judustrie-Ausstellung

hat diese Masse von Fremden herbeigezogen.

0 Paris, 13, Maí, Ju der Pairs-Kammer wurde die Dis= fussiou des Geseßes über den Sekundär-Unterricht wieder aufgenom- men. Der Herzog von Broglie erstattet Bericht über die Beschlüsse der Kommission über die $$, 3 und 4 des Art, 15, die an sie zu= rücverwiesen worden waren, um neu abgefaßt zu werden, Die neue Fassung des $. 3 wird ohne Diskussion angenommen, Ueber die des F. 4 erhebt sich eine Diskussion. Herr Pelet de la Lozère schlägt ein Amendement vor, wonah die maîtres de pensions von der Nothwendigkeit entbunden werden sollen, den Grad eines Bakkalgureus zu besien, Der Herzog von Broglie und der Minister des öffentlihen Unterrichts bekämpfen dieses Amendement, das von den Herren Pelet de la Lozère, Cousin, Montalivet und Lebrun vertheidigt wird, GrafCholet schlägt ein Unter-Amende= went vor, das keine Unterstüßung findet. Der Präsident läßt übec das Amendement abstimmen, zwei Abstimmungen werden nach einander für zweifelhaft erklärt; es wird zu einer dritten Abstimmung durch Ausstehen und Sißenbleiben geschritten. Das Büreau erklärt das Amendement mit einer Majorität von 3 bis 4 Stimmen für ange= nommen. (Aufregung und Reclamationen.) Herr Cousin erklärt, er habe für das Amendement votirt; aber eben im Interesse des Amendements selbst dürfe die Abstimmung nicht zweifelhaft sein. Er glaube, die Kammer solle zur geheimen Abstimmung darüber schreiten, (Rufe : Nein! Nein! Ja! Ja!) Der Graf Molé eilt der Tribüne zu, die “Stille kehrt wieder. Er erklärt, er habe gegen das Amende= ment votirt, aber dessenungeachtet bitte er die Kammer, die Enktschei= dung des Büreau's îm Juteresse der künftigen Beschlüsse aufrecht zu halten. Was würde die Folge sein, wenn man künftig in allen Fällen des Unterschieds von einigen Stimmen zum Sfkrutin schreiten wollte? Das hieße, alle Uebungen und Gebräuche der Kammer über den Haufen werfen. (Allgemeiner Beifall.) Der Präsident erklärt das Amendement für angenommen. Die Sizung dauert fort.

Jn der Deputirten-Kammer wurde heute zuerst der zweite Theil des Art. 22, der jeßt zum Art, 23 wird: „Jeder Gefangene (détenû) wird in einem hinreihend geräumigen, gesunden und lufti-

gen Orte eingesperrt“, angenommen. Ueber den Art. 24 entspann sih eine längere Debatte, da Herr Gustave de Beaumont den= selben abkürzen, blos auf die beiden ersten Paragraphen tesselben be- \hränken wollte, wona die Arbeit für alle Verurtheilten Verpflich- tung is, wenn sie niht durch das Urtheil ausdrücklih davon entbun= den werden, oder krast des Art, 20 des Strafgeseßbuchs verurtheilt sind, Herr Gustave de Beaumont will Beibehaltung dieser Be= stimmungen, und daß erklärt werde, daß die zur Zwangsarbeit Ver= urtheilten zu den mühsanmsten Arbeiten verwendet werden, und daß der ganze Ertrag ihrer Arbeit dem Staat gehöre. Herr Emil von Girardin s{lägt eine andere Redaction des Artikels vor, die ver= worfen wird, Die Herren Bechard, de Ressignac und der Mi-= nister des Jnnern sprehen noch. Endlich wird der Artikel auf Antrag des Herrn Lestiboudois an die Kommission zurückverwie- sen. Der Art. 25 wird mit einem von dem Minister des Jn-= nern vorgeschlagenen Zusaße angenommen. Art, 26, wonach ein Geistlicher cines nit fatholishen Kultus dem Dienste des Hauses beigeordnet werden soll, wenn das Bedürfniß es erheischt, wird mit dem vorangeschickten Zusaße angenommen, daß dem Dienste jedes Ge= fängnißes ein oder mehrere Aumoniers beigeordnet werden sollen. Die Kammer gelangt bis zu Art, 32, Die Sißung dauert fort.

A Paris, 13. Mai. Die pariser Zeitungen führen über den gegenwärtigen Zustand der Dinge auf Haiti eine höchst unterhaltende Sprache. Es handelt sich für die Mehrzahl derselben um nicht mehr und nicht weniger, als die Benußung der inneren Wirren der Neger- Republik zur Wiederherstellung der französischen Oberherrlichkeit über Haiti. Die hiesigen Blätter widersprechen freilich den allerdings höchst unwahrscheinlihen Angaben der englischen, daß Frankreich bei den blutigen Bewegungen im Schoße des Negerstaates die Hand 1m Spiele habe, aber sie geben zu gleicher Zeit ganz deutlich zu ver- stehen, wie unendlich leid es ihnen thut, nicht an die bisherige Ein=- mishung der französischen Politik in jene Händel glauben zu können. Hören wir statt aller anderen die gemäßigte, die konservative Presse:

„Es if überflüssig, zu sagen, daß Frankreich nicht bei den unaufhör- lien Ausständen betheiligt is, welche unsere ehemalige Kolonie erschöpfen, seitdem dieselbe, in Folge englischer Umtriebe, das ruhmvolle Schupverhält- niß (la gloricuse tutelle) abgeschüttelt hat, wodurch sie zu einer so wun- derbaren Blüthe gebracht war, Aber die gegenwärtige Bewegung, wenn sie wirklich die Bedeutung hat, welche die englischen Zeitungen ihr beilegen, regt in der That eine sehr inhalishwere Frage an, über welche man sich flar werden muß. Wenn die chemalige Kolonie St. Domingo wieder in den Genuß der Vortheile eintreten will, welche ihr durch ihre frühere Ver- bindung mit Frankreich gesichert wurden, und deren Verlust für sie von einem halben Jahrhundert der bürgerlichen Erschütterungen begleitet gewesen ist, so fann feine europäische Macht sih der Nückkehr dieses verlorenen Sohnes widerseßen. Wollte sich dagegen die haitische Nepublik, im Be- wußtsein ihrer Unfähigkeit, die Ordnung in ihrem Schoße aufrecht zu erhal- ten, unter den Schuß einer dritten Macht, und namentlih Englands, st Ie len, so hâtte Frankreich das Necht und die Pflicht, sih dem zu widerseßen.“

Jedermann wird mit der Presse darüber einverstanden sein, daß cine freiwillige Wiederunterwerfung Haiti's unter das französische Scepter, wenn man si dieselbe überhaupt als möglich denkt, keine rechtmäßige Einrede von Seiten der übrigen europäischen Staaten begründen würde. Mit welhem Fug aber wollte Frankreih Ein sprache gegen die etwanige Unterwerfung Haiti?s unter die englische Herrschast erheben? Steht Haiti in irgend einem staatsrechtlichen Verhältnisse zu Frankreich, welches dem leßteren ein Recht der Bevor mundung seiner Beschlüsse oder cin Veto gegen dieselben einräumt? Keinesweges, Oder stüßt die Presse jenen im Namen Frankreichs erhobenen Anspruch auf die Geldverpflichtungen, welche Haiti ver= tragsmäßig gegen Frankrei übernommen hat? Aber die aus diesen finanziellen Verhältnissen herzulêiteuden Verbindlichkeiten würden natür= lih auf England übergehen, wenn dies die Oberherrlichkeit über Haiti übernähme, und Frankreih würde also dabei, weit entfernt, seinen Schuldner zu verlieren, einen Bürgen von unzweifelhafter Solvenz zu demselben hinzugewinnen,

Die Natur des Rechtes der Protestation, welches die Presse in dem bezeihneten Falle für Frankreich anspricht, ist daher ein Räthsel, aber sie is bei weitem nicht die größte Unbegreiflihkeit des angezo- genen Artikels. Was mag sich die Presse z. B. wohl bei den Worten „ruhmvolles Schubßverhältniß““ gedacht haben, die sie auf den ehemaligen Zustand von St, Domingo anwendet? Es is wahr, St. Domingo war unter der französischen Herrschaft blühender als heut zutage, das heißt, es brachte unter der Peitsche der Sklaventreiber mehr Zucker und Kaffee hervor, als jeßt. Wir begreifen, daß der damalige Zustand der Dinge auf Haiti für die Kolonisten ein sehr behaglicher und bequemer war, wir begreifen, daß das Aufhören dieses Zustandes von dem Standpunkte derselben Kolonisten aus angesehen, als ein Verlust, als ein Rückschritt erscheint; aber unerklärlih is es uns, wie man den Muth haben kann, das damalige Verhältniß von St, Domingo, insoweit es die {warze Bevölkerung der Jusel betraf, ein „rühmliches“ zu nennen. Oder meint die Presse etwa, daß die 500,000 Schwarzen, welche damals für einige Tausend weißer Familien arbeiteten, sch sehr geshmeichelt fühlen mußten dur die Ehre, die Sklaven französischer Kolonisten zu sein, welche mit dem Ertrage des blutigen Shweißes der Neger den Luxus von Millionairs bestreiten konnten? Meint die Presse, daß die domingoschen ckla- ven des vorigen Jahrhunderts in dem Glanze und der Ueppigkeit ihrer Herren ihren Stolz finden mußten, und daß sie sch durch das Verschwinden aller jener Pracht vou ihrer Jusel gedemüthigt fühlen sollen? Die Zumuthung wäre etwas stark, aber sie ist doch nicht unglaublih, Spricht doch die Presse im Verlaufe ihres Artikels mit ausdrücklihen Worten von „dem Wiedereintreten der Haitier m den Genuß der Vortheile, welche St. Domingo Mar seine chemalige Verbindung mit Frankreich gesichert wurden." Difhe Vortheile sind in der That so unermeßlih, daß man si wundern R Brn nicht längst eine Deputation des haitischen Freistaates in T0010: Fg ist, um Frankreich im Nothfall fußfällig um 4 Wiedereinführung des slalus quo vom vorigen Jahrhundert anzuflehen. Berstäud-

Aber es scheint den Haittiern leider an allem rihtigen erstän = niß ihres eigenen Vortheils zu fehlen, und es ist bis jeßt nur Bag, Aussicht vorhanden, daß ste endlich einsehen werden, wie unendlich besser ihre Lage war, als fie noch das beneidenswerthe Glü hatten, mit ihren Brüdern auf Guadeloupe und Martinique die französische Sklaverei zu theilen. Diese Bemerkung entgeht der Presfe nicht, und sie rechnet deshalb nicht stark darauf, daß die Haitier freiwillig in das „ruhmvolle Schußverhältniß“ zu Frankreich und in den Senuß der Vortheile, deren sie ehemals dur ihre Verbindung mit Frankreich genossen““, zurüdzukehren geneigt seien. Jn der peinlichen Ueberzeu- gung , daß die Haitier ihr wahres Juteresse gänzlich verkennen, ent= schließt si denn die Presse dazu, das Negervolk im Noth falle mit Gewalt wieder glülih zu machen. Judem sie diesen Zweck ius Auge faßt, macht die Presse die unerwartete Entdeckung, „daß der ehemals französische Theil von St. Domingo noch immer von Rechts wegen Frankreich angehört“, so daß es nur auf die Wahl des gün- stigen Augenblickes zur Geltendmachung dieser Souveraiuitätsrechte aufommt. Will maun versuchen , dieser dreisten Behauptung die Be- rufung auf den Traktat von 1838 entgegenzustellen, durch welchen Frankreich die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit Haiti's ohne Be- dingung und ohne Vorbehalt anerkannt hat, so antwortet die Presse darauf rund hergus, daß jener Vertrag null und nichtig sei,

Die Traktate von 1838, sagt die Presse, binden Frankrei nicht, weil sie ohne besondere Vollmacht S Fie e 'Bestäriquen der E benden Gewalt abgeschlossen sind. Die unbedingte Anerfennung der Selbst- ständigkeit Haiti's war der Sache nach die Abtreiung eines Theils des Staatsgebiets, Nun wird aber in unserer Zeit Niemand behaupten , daß ein Theil des Staatsgebiets, wäre es auch nur eine Kolonie, durch eine einfache Handlung der vollziehenden Gewalt abgetreten werden fönne.““ So zerstört denn also die Presse mit einem kühnen Federstriche einen Staatsvertrag, welcher sechs Jahre lang in unangefochtener Rechtskraft bestauden hat, und gegen dessen Gültigkeit bisher fein Mensch den allermindesten Zweifel erhoben hat! Es bedarf nicht der Bemerkung, daß hierin der vollständigste Beweis liegt, daß das ge= nannte Biatt, troß seiner bekannten Rolle eines Organs der konser= vativen Meinungen, auch diesmal feinesweges im Geiste und Sinne der Regierung spriht, welche es ankflagt, 1838 ihre rechtmäßigen Befugnisse überschritten zu haben. i:

Grossbritanien und Irland.

London, 13. Mai. Wir finden in dem Journal des Débats, das von Zeit zu Zeit recht gut geschriebene Artikel über Englands innere Verhältnisse bringt, heute auch eine längere Dar= stellung der Ursachen und Folgen des plöblichen Gouverneurwedhsels in Ostindien und heben daraus folgeude interessante Charafteristif Lord Ellenborough's und Sir Henry Hardinge's hervor: „Der neue Ge- neral-Gouverneur, Sir Henry Hardinge, steht bei allen Parteien in hohem Ansehen. Man hat ihn treffend charafterisirt, indem man sagte : 7e etl sei der geeignetste Mann, die Pläne Anderer auszuführen; er verstehe, was er unternehme, und unternehme nichts, was er nicht verstehe,‘ Diese Wahl bezeihnet genugsam den Weg, welchen die englische Regierung in Asien fortan einschlagen will; sie bezeugt einen teien Reactions-Versuch gegeu das System der Eroberung und Landes- Dergrößerung, von welchem Lord Ellenborough, wie alle seine Vorgänger, sich hat fortreißen lassen. Sir Henry Hardinge is gerade der entgegen= ge}eßte Charakter Lord Ellenborough's ; er is vorsichtig, zurückhaltend und klug, wie ein Mann, der lange Zeit diente, er hat den größten Theil seiner militairischen Laufbahu untèêr dem Kommando des Her- zogs von Wellington zurückgelegt, der gewiß der am wenigsten aben- teuerlihe General des Jahrhunderts ist; er wird deshalb feinen Krieg ovne dringende Nothwendigleit anfangen und die Regierung Judiens uicht in unnüße Unternehmungen verwickeln, Aber man muß gestehen,

daß auch Lord Ellenborough Vorzüge und nicht blos Fehler hatte. |

Jn Englaud is seine Person oft der Gegenstand des Spottes gewe- sen, aber Niemand dachte daran, seine großen Fähigkeiten ihm abzu= sprechen. Man lachte über gewisse Sonderbärkeiten seiner Toilette, z,B. über seine Haartour, die sprüchwörtlich eine parlamentarishe Berühmthbeit erlangt hat, aber Niemand verweigerte troß alles Geredes die An- erkennung sciner großen Einsicht und seiner Vertrautheit mit den Geschäften. Einmal im Orient in einer gewissermaßen unabhängigen Stellung fühlte er sich frei und ließ seiner weitshweifenden Einbil= dungsfraft die Zügel schießen, die er auf dem engbegränzten Felde des Oberhauses festzuhalten gezwungen warz er zeigte sich eigensin= nig, phantastish, vershwenderish , aber er war immer glücklih, und weun er nicht in allen Fällen die Gerechtigkeit auf seiner Seite hatte jo hatte er doch den Erfolg für sich, den die Engländer im Orient und zu weilen auch im Occident so überaus hoch anschlagen. Er besaß, so zu sagcn, die Tugenden seiner Fehler; seine Einbildungskraft gab ißm Kühnheit, die Kühnheit ließ ihn s{hnell und entschlossen handeln. Man rechnet ihm zehn Schlachten nah, die unter seiner Verwaltung in Judien geliefert worden sind; in zwei Jahren hat das ungeheure anglo-indi- sche Reich sich um ganze Provinzen vergrößert, Dies gefährliche politische Umsichgreifen hat allem Anscheine nach die ostindische Com- pagnie in Schrecken geseßt, und um demselben ein Ziel zu seben, shickt sie nach Kalkutta einen Mann von kälterem Temperament und weniger lebhafter Einbildungsfkraft. Aber die Ereiguisse sind oft stär= fer als die Menschen, und Sir Henry Hardinge wird gezwungen sein, dem Strome zu folgen, wie es alle seine Vorgänger wider Willen gethan haben. „Jhr könnt hier uicht stehen bleiben, ihr müßt vor= wärts schreiten“, war der prophetishe Ausruf Lord Clive's, und vergebens erflärte der geseßgebende Körper des Mutterlandes 1784, daß „die weitere Verfolgung von Eroberungs- und Vergrößerungs- Plänen dem Wunsche, der Ehre und der Politif der Nation zuwider sei“, Gerade von dieser Zeit an wuchs das Territorium der Com=- pagnie am schnellsten. Lord Cornwallis wurde nah Judien geschickt, um den Uebergrisfen Warren Hastings Einhalt zu thun, und kaum war er ans Land getreten, als er schon neuen Krieg anfing und Pro= vinzen eroberte, Sein Nachfolger, Lord Amhors, kam mit denselben Instructionen an und wurde auf demselben Wege fortzugehen ge= zwungen. Sir John Malcolm sagt in seiner „politishen Geschichte Indiens“: „Die ausgezeichnetsten Staatsmänner, mochten ste in Eng-= land gebildet sein, oder in Judien ihre Erfahrungen gesammelt haben, sind immer darin übereingekommen, daß die Läuder =- Vergrößerung nicht allein unnüß, sondern auch unheilvoll sei. Jmmer haben diejenigen, welhe unser Reih in Judien zu regieren gus-= geschickt worden sind, die Justruction erhalten, den Frieden zu bewahren und den Krieg zu vermeiden, und dennoch haben sie Alle Kriege geführt, oder wenigstens die Führung derselben ihren Nach= folgern hinterlassen, Auch Lord Auckland war nach Judien gegangen, um eine Friedens-Politik zu befolgen, aber er war es, der die natür= liche Gränze des englishen Reichs, den Judus, überschritt, und die bekannten Ereiguisse in Central-Asien veranlaßte. Lord Ellenborough fam mit dem Worte allgemeinen Friedens im Munde, nach Judien ; man hat gesehen, wie er sein Programm ausführte. Er kehrt jeßt nach Hause zurück, aber er läßt Afghanistan reorganisirt und bewaff- net, das Pendschab in Anarchie und die Sepoys revoltirend hinter sih, Wir wollen sehen, wie sein Nachfolger sich aus der Verlegenheit helfen wird.“ ; i

Die Revolte der Sipahis (fünf bengalische Regimenter), von welcher das Journal des Débats spricht, hatte nah dem Be= richte der leßten indishen Post ihren Grund in einem Befehl des General-Gouverneurs zum Marsh nah Sind. Aus einem späteren indischen Korrespondenz = Berichte der Times indeß erhellt, daß die Meutereien rein pekuniärer Natur waren, und daher auch sogleich aufhörten, als die Regierung dem Verlangen der Sipahis, das eben gls kein unbilliges erschien, nachgab, Die Truppen verlangten bekannt= lich die in Ostindien übliche Feld - Zulage oder Extra - Batta. Zwar spiolten scheinbar einige indische Religions - und Kasten - Begriffe mit hinein, deun die Aufwiegler in den Regimentern waren Soldaten, der Braminenkaste angehörig, welche sich einer Sünde schuldig zu machen glaubten, wenn sie den Judus überschritten (ein Theil von Sind liegt befanntlih jenseits dieses Stroms) z indessen die Bewilligung der Extra= Batta beshwichtigte diesen Glaubens-Skrupel der hohen Hindu-Kaste so wie die derselben entsprungenen Soldaten auch früher kein Beden- ken trugen, unter Bezug der Feldzugs - Batta nah Afghanistan zu rücken. Auch „muselmännische Mollahs hatten die zum Islam sich befennenden Sipghi aufzuregen gesucht; warum? is nit gesagt z vielleicht aus Sympathie für die Glaubensgenossen in Sindien. Ju dessen auh die Mahomedaner wurden durch die Batta befriedigt, Ein weiterer Grund der Unzufriedenheit in den Sipahi-Regimentern, der un fortdauert, war der Mangel an alten cnglischen Offizieren von Ansehen und Takt in Behandlung des gemeinen Mannes z den

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| alten Sipahis gefällt es uicht, si von unbärtigen Knaben, die als

2 ren zu lassen.

Uiederlan de.

Aus dem Haag, 13. Mai. Das Journal de la Hage enthält Folgendes: „Jn Erwägung des Nachtheils der dem nieder- ländischen Buchhandel dadurch erwächst, daß inländische Werke im Auslande und namentlich in Belgien nahgedruckt werden, fordert die Regierung einen Jeden, der von dem Nachdruck eines niederländischen Werkes Kenntniß erhält, auf, sofort den Justiz- und den Finanz-Mi- nister davon zu benachrichtigen, damit die erforderlihen Maßregeln ergriffen werden fönnen, um die Einfuhr desselben zu verhindern.“

Schweden und Vorwegen.

Stockholm, 10. Mai. Vorgestern fand in allen Kirchen der von Sr, Majestät dem Könige angeordnete Trauer - Gottesdienst für den verstorbenen König statt. Jn der Schloß-Kapelle wohnten, außer der Königlichen Familie, auch der Königlich preußishe General von Pfuel , der Kaiserlich russische Gesandte, Baron vou Krüdener, und der Königlich preußische Geschäftsträger, Freiherr von Arnim, der Gelerlichfeit bei. Die Predigt hielt der auch als Gelehrter bekannte Bischof von Karlsstadt, Agardh, über das Thema: „Eines christlichen und edelgesinnten Volkes Klage über den hingeschiedenen König, der

vollen Zukunft für den sfandinavishen Norden gewesen.“

Mit dem heutigen Tage beginnt bei Hofe die Halbtrauer,

S MWe 11

Zürich, 13. Mai. (Frankf. J.) Nach dem Kreiëschreiben der waadtländischen Regierung, deren Nachrichten als die zuverlässig- steu angesehen werden dürfen, steht nun fest, daß zur Zeit des vor= örtlihen Einschreitens im Wallis keine Unruhen ausgebrochen sind, so wie nah allen anderweitigen Mittheilungen, daß die walliz ser Regierung keinen einzigen Kanton als solhen zur Hülfe ge= mahnt hat, Es fehlen also in jeder Beziehung, nämlich \o- wohl in materieller, als formeller Hinsicht, die nach Art. 1V. des Bundes = Vertrages erforderlichen Bedingungen zur bewaffneten eidgenössischen Dazwischenkunft. Der Vorort hat allerdings Nach= richten von der walliser Regierung erhalten, allein nicht er, soudern nur einzelne Kantone konnten von ihr zu Hülfe gemahnt werden, auch dies nur dann, wenn wirkflich Uurußen ausgebrochen waren. Damit is das eigenmächtige und ungeseßliche Verfahren des Vor= ortes hinlänglich verurtheilt. ___ Heute wird Herr H, J. Füßli, alt Rathsherr und Oberst, ein Veteran unseres zürcherishen Militairs, im 77\stten Lebensjahr zur Erde bestattet, Bis in sein späteres Alter hatte er demselben Zeit und Kräfte geopfert, und auch dem weiteren Vaterlande in den \{hwie= rigen Zeiten der ersten französischen Revolution und später als ceid= genössischer Oberst große, zu wenig gewürdigte Dienste geleistet,

_Veru, 12. Mai. Auf den einmüthigen Antrag des diplo- matischen Departements is} der hiesige Regierungs - Rath in der Sibung vom 11ten nach dreistündiger Berathung dahin überein= gekommen: 1) Der Vorort sei zu den getroffenen Anordnungen über die militgirische Dazwischenkunft im Wallis durchaus nicht be- fugt, Die Regierung von Wallis hätte sich entweder unmittelbar an andere Kantone wenden sollen oder es hätte nur die Tagsaz= zung die gußerordentliche Maßregel gebieten können. 2) Man werde aljo der vorörtlichen Anordnung, Truppen einzuberufen u. #. w., nicht Folge leisten, auch den einberufenen Truppen anderer Stände den Durhmarsh verweigern. 3) Die Expedition des Be- s{lusses an den Vorort gleih nah der Sibung wurde befohlen und durch einen Expressen vollzogen; außerdem wurde Mittheilung des Beschlusses an die anderen Stände verfügt. j

S panien.

__ Madrid, 7. Mai. Die Gaceta enthält in ihrem heutigen f Blatte folgendes Königliche Dekret: „Um Don Luis Gonzalez Bravo

einen Beweis Meiner Königlichen Achtung und Erkeuntlichkeit für die wichtigen Dienste zu geben, die er dem Throne und der Nation leistete, während er die Functionen als Conseils - Präsident und als Minister der auswärtigen Angelegenheiten versah, so ernenne Jh ihn zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister bei der Königin von Portugal und Algarvien, Gegeben im Palaste, am 4, Mai 1844. i

39, die Königen.“ (Ave Carrasco is zum Königlichen Commissair der Bank Jsabella?s 11. ernannt worden,

S Madrid, 7. Mai. Ein sehr lakonish abgefaßtes Rund- schreiben des Ministers des Jnnern verfügt die sofortige Aufhebung des „exceptionellen Zustandes“, der in Folge der Verkündigung des Geseßes vom 17, April 1821 eingetreten war. E

Auf diese erste Maßregel des neuen Ministeriums durfte man um so mehr gefaßt sein, als jener exceptionelle Zustand eigentli nur dem Namen nah bestand. Das hier niedergeseßte Kriegsgericht, welches die Verschwörer und Ruhestörer richten sollte, hat keinen ein- zigen Ausspruch gefällt, und in Folge einer von dem höchsten Gerichts= hofe getroffenen Verfügung wurden schon vor aht Tagen sämmtliche in Untersuchung und Haft befindlihen Angeklagten, die der Militair= Kommission überwiesen waren, theils in Freiheit geseßt, theils den Civilgerichten übergeben. Unter den in Freiheit geseßten Personen befinden sich auch die Deputirten Cortina und Madoz. Beide pochen nun auf ihre Schuldlosigkeit, so wie sie, falls der Aufstand von Ali- cante zu dem ihnen erwünschten Ausgang geführt hätte, sich berüh- men würden, die Anstifter desselben gewesen zu sein.

Die nächste Maßregei der Regierung wird die Auflösung dex Cortes und verfassungsmäßige Einberufung einer neuen Versammlung sein, welche binnen dreier Monate nach erfolgter Auflösung zusammen- treten muß. Bis dahin wird, allem Anscheine nah, die Königliche Gamilie, begleitet von dem Minister-Präsidenten Narvaez, die längst beabsihtigte Badereise unternommen haben, Die Regierung will auf verfassungsmäßiger , streng loyaler Bahn vorschreiten. Da sie aber zugleich das Bedürfuiß erkennt, die dem Lande mangelnden organischen Geseße so schleunig wie mögli aufzustellen und zur Anwendung zu bringen, so beabsichtigt sie, diese niht den langwierigen Diskussionen der Cortes zu überlassen, sondern, sobald die neùen Kammern zusam= mengetreten sein werden, von ihnen die Ermächtigung zu verlangen, die bis dahin auszuarbeitenden Geseße über die Wahlen, Provinzial= Deputationen, National-Miliz u, \. w. sofort in Kraft zu seßen. Es frägt sich nun, ob es den Ministern gelingen wird, die bevorstehenden Wahlen in einem ihnen günstigen Sinne zu leiten,

Vor der Hand bezweifelt man, daß der Marquis von Viluma geneigt sein werde, in das neue Kabinet, so wie es zusammen- gesetzt ist , einzutreten, da seine politischen Ansichten von denen der Herren Pidal und Mon gänzlih abweichen sollen, Dagegen sind zwei der ausgetretenen Minister so eben wieder angestellt worden: der General Mazarredo als General - Capitain von Neu - Castilien und

Herr Gonzalez Brayo als Gesandter in Lissabon, Der General

sowohl siegreih als friedliebend und Stifter einer neuen hoffnungs-= |

Fähnriche und Lieutenants von England herüberfommen, fommaudi= |

| Cordova wurde zum Gouverneur von Madrid ernannt. Der ältere General Concha (Don Manuel), dem der neue Minister-Präsident die Stelle eines Rathes am höchsten Kriegsgerichtshof anbot, hat dieses

| Amt ausgeschlagez1.

__ Es ist nit zu verkennen, daß der eingetretene Wechsel der Per= jonen, und noch mehr der des Systems, die Freunde der Ordnung und Ruhe in große Besorgniß verseßt hat. An dem rehtlihen Sinn und den wohlgemeinten Absichten der Minister zweifelt freilich Nie= mand, allein eine langjährige Erfahrung hat dargethan, daß. aus den bestehenden Eiurichtungen und uameuntlih aus dem Wahl- System jedes= mal eine Cortes-Versammlung hervorgeht, die sich feine andere Auf- gabe stellt, als die, das eingeseßte Ministerium wie einen Feind der Nation zu bekämpfen. Da auch jeßt die Elemente die nämlichen sind, so ist man auf einen entsprehenden Ausgang gefaßt. Mit fogenann= ten chrerbietigen Adressen der Agyuntamientos und Provinzial - Depu= tationen wird der Widerstand beginnen, die Presse faht die noch glimmenden Kohlen zur Flamme an, und wenn endlih die Cortes dem Ministerium ihre Unterstüßung verweigern, so muß ent- weder zu der so sehr bedenklihen Maßregel einer aberma- ligen Auflösung geschritten werden oder das Kabinet zurücktre=- ten. Vergebens aber sieht man sich unach dem Manne um, der den General Narvaez als Vertreter der Armee erseßen und die Revolu- tion in Fesseln halten könnte, Bedauernswerth is die Lage des Lan- des, In welchem die Wiederherstellung des formellen politischen Rechts- Zustandes die wohlgesinnten Staatsbürger und treuen Unterthanen in Schreen verseßt und dagegen den Vershwörern und Aufrührern die Auèësicht eröffnet, ihre verderblihen Pläne ungestört ausführen zu onnen.

Die Gegner der bestehenden und jeder Art von Regierung ver= hehlen keineêweges, daß sic in dem von dem neuen Kabinet angenom- menen System nicht einen Akt der Gerechtigkeit, sondern ein Geständ= niß der Schwäche erblicken, und geschickt wissen sie jede Blöße zu benußen, welhe Unbefangenheit oder Verblendung ihnen darbietet. Laut versichern die Esparteristen, daß vor dem Ablaufe dreier Monate mcht nur die Königin Christine, sondern auch die regierende Königin aus dem Lande vertrieben und der „Sieges=Herzog““, so wie die übri- gen Ayacuchos, zurückgekehrt sein würden. Das Blatt dieser Partei, der Espectador, das troß des neuen Preßgesetzes furchtlos wieder erz scheint, nennt die Machthaber des Tages Verräther, Abtrünnige, Schurken, Straßenräuber u. dgl. Alle Maßregeln, welche die Regierung seit dem Sturz Espartero's traf, werden für hochverrätherisch und nich= tig erklärt, und der bewaffnete Aufstand wird in diesem Blatt als das einzige Rettungsmittel bezeichnet. Das Eco del Comercio schreibt in demselben Sinne, wenn es gleich für jeßt noch nicht mit so lauter Sprache aufzutreten wagt,

Die Wahlen für das hiesige Ayuntamiento stehen bevor, und kaum bezweifelt man, daß die Feinde der Regierung den Sieg da- von tragen werden.

Der Graf Bomfim, 3 Obersten, 6 Majors, 70 Offiziere, 40 Soldaten, von deuen die Mehrzahl Unteroffiziere, und 20 Pri- vatpersonen, die zu den in Almeida eingeschlossenen portugiesischen Rebellen gehörten, überschritten am 28sten die \panishe Gränze und famen am 29sten in Ciudad Rodrigo an. Von dort sollen sie, wie es heißt, nah Soria geschickt werden. Die spanischen Behörden ha-= ben ihnen 1000 Piaster zu ihrem Unterhalt auszahlen lassen. i

In Algeciras traf am 30sten eine von Barcelona und Carta- gena kommende Batterie hwerer Artillèrie ein, die nah Puerto de Santa Maria bestimmt sein soll, wo die Expedition gegen Tanger ausgerüstet wird,

Griechenland.

© München, 14. Mai. Jn den jüngsten Tagen sind wie= der mehrere Deutsche hier eingetroffen, welhe Athen am 26. April verlassen haben, Dadurh mag ein Gerücht entstanden sein, dem zufolge eine Post vom 4. Mai angekommen sein und Briefe des un= erfreulihsten Junhalts mitgebraht baben sollte. Unmöglih könnten wir eine Post vom Aten vor diesem Abend oder morgen früh erhal= ten; es ist aber an stffch nicht wahrscheinli, daß das Dampfboot mit der neuesten Post den Piräus vor dem 6ten verlassen haben und vor dem l2ten oder 13ten in Triest angekommen sein sollte. Was die mündlichen Aussagen unserer neu eingetroffenen Landsleute betrifft so bestätigen sie so ziemlich nur die hon bekanuten Thatsachen be- stärken jedoch selbs den Hoffnungsvollsten in der Besorgniß, daß; der fast ganz allgemein gewordene Kampf gegen Maurokordatos und seine Anhänger zu einer allgemeinen Krisis führen dürfte, noch bevor das mit so vielen Schwierigkeiten verbundene Geschäft der Wahlen zur Stände = Versammlung im Lande beendet werden kann. Indessen liegt zwischen dem 27. April, wo die Wirkung mancher Maßregeln des neuen Ministeriums noch nit genug gewürdigt zu werden ver= mochte, und zwischen dem 6. Mai eine Zeit, die lang genug is, um unter griechischen Parteien gar Vieles zu ändern. Nur ist sehr zu befürchten, daß Maurokordatos sih dur den Mangel an Geld, welcher von einem Theile der grieishen Presse als ein Grund zu den heftigsten Ausfällen auf das eben erst gestürzte September= Ministerium benußt wird, in mehr denn einer Beziehung die Hände gebunden sehén wird. Um desto weniger wird er aus der gleichen Ursache aber auch Anstand nehmen können, seine Partei durch Ver= leihung von Aemtern zu verstärken, und dieses Mittel muß wieder nothwendig den Widerwillen derer vermehren, welhe entweder unan- gestellt bleiben oder die Aussicht verlieren, selbs noch dahin zu gelan= gen, wo man sih durch die Verleihung von Aemtern Ansehen und Freunde erwerben kann.

Yandels- und Börsen - Uachrichten.

__ Berlin, 18, Mai, Die Stimmung an der heutigen Börse war anfangs flau, doch zeigte sih sehr bald wieder Begehr für die meisten Ef- fetten, in Folge dessen nur einige derselben matter lossen, Jm Allge- meinen war das Geschäft nicht sehr belebt,

L Königsberg, 13. Mal, ia-MbiAe de Zeitung enthält folgende be- aillirie Angaben über den Handels-Absay îm jurburgschen (ge Zollbezirfe an der preußischen Gränze a 184: ; gien (a Agehurger) Zoil-Aemter. Ausfuhr. Einfuhr. Jurburg. 1,627,133 R. S. 793,337 R. S 163,071 » 462,375 i 105,183 » 2,143,177 1,168,678 » 215,458 67,912 908,135 110,410 62,051 Waaren 87,492 13 465 Gelees bi 5450 215,562 Waaren 532,724 2984 87,466 4421 12,386 Waaren 7638 Geld 27,825 Waaren

Waaren Tauroggen, Waaren Polangen. Waaren Gorshdotw.

Kowno. Kretingen.

Nowoje Mesto,

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Jn Allem; T Jm J, 1842 betrug bek ‘Sort 2450 n

m J. 1842 betrug der Export aus allen diesen Waaren 1,281,046 R. S, und an Geld 425,426 R S, gegen 3,297,512 R, S, an Waaren und 1,894,144