1844 / 177 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

die des Jahres 1841 gegen 1840 aber nur 2736 Rthlr. betragen

habe.

lesien. Professor Kiß aus Berlin hat zu Gi ree S des Gusses, sowie die Ziselirung des Denk- als Friedrich’s Il. in pizirt; die weit vorgeschrittenen Arbeiten haben, mes die Art der Ausführung betrifft, den vollkommenen Beifall desselben erhalten. Demnächst wird der architektonishe Theil, das ¡jedestal, Gegenstaud der Berathung werden. Sprottau wird binnen Kurzem den andern \chlesischen Städten aureihen, deren

sih E E i l E N ter Berichte über ihre Wirksamkeit veröffentlichen, Das e T Sagan macht die von der Regierung bestätigten Statuten der dasigen Bürg er - Unterstüßungs - Anstalt bekannt. Die Geldmittel des Jnstituts bestehen vorläufig erst aus 105 Thalern.

rovinz Posen. Die Breslauer Zeitung enthält fol- gende Mittheilung aus Krotoschin: „Nach einer Ober-Präsidial- Berordnung vom 18. Juni d. J. soll dem Zudrange russisher und polnischer Üeberläufer Gränzen geseßt und von jebt ab durchaus kein Ueberläufer in der Provinz mehr aufgenommen, alle Jndividuen die- ser Art sollen vielmehr ohne Weiteres unter sicherer Begleitung über

die Gränze zurückgeshaft werden.“

Rhein-Provinz. Der Erzbischof von Jconium, Koadjutor und apostolishe Administrator des Erzbisthums Köln, Herr Johannes von Geissel, mat im Kölner Domblatt (Nr. 105) bekannt, nah Jnhalt einer ihm so eben (18, Juni) zugegangenen Mittheilung des Königl. Ober - Präsidenten der Rhein - Provinz, Herrn von Schaper, habe des Königs Majestät neuerdings geruht , zur Fortseßung des Dombaues die Summe von 50,000 Rthlrn. und außerdem für dieses Jahr zum Fortbau des nördlichen Thurmes 40,000 Rthlr. als außer= ordentlichen Beitrag Allergnädigst zu bewilligen und nah Maßgabe des Bedürfnisses zur Disposition stellen zu lassen, Zugleich hat der Herr Erzbischof unterm 18. Juni folgenden Aufruf „An alle Dombau-Freunde““ veröffentlicht : : :

„Den verehrlichen Dombau - Freunden i es aus früheren Veröffent- lihungen bekannt, daß im Schoße des Vereins - Vorstandes über die Aus- führung der beiden Seiten - Portale des Domes verschiedene Ansichten sich erhoben haben, dercn näherer Verhalt in den Sigungen des Vereins - Vor- standes vom 10, November v. J. und vom 31, Januar und 3. Februar d. J. mehrseitig is erörtert worden. Nachdem ich den hierüber geführten Ver- handlungen mit aller Aufmerksamkeit gefolgt war und aus den für und wider dargelegten Gründen die Ueberzeugung gewonnen hatte, daß die mit Wärme vorgetragenen abweichenden Ansichten, wie sie nur aus lebhafter Liebe zur guten Sache hervorgegangen, so auch fortwährend lediglich die möglich vortrefflichste Vollendung des großen Werkes im Auge hielten, habe ih es für Pflicht erachtet, im Einverständniß mit dem Hochwüidigen Metro- politan-Dom-Kapitel den Stand der Sache Allerhöchsten Orts unterm 29, Februar c. vorzutragen und die Bitte zu stellen, daß diese Angelegenheit dur eine nochmalige Prüfung und Eutscheidung oder sonstige zwec{dien- liche Maßnahme nach weisestem Ermessen zu einem befriedigenden Abschlusse möge gebracht werden, Hierauf haben des Königs Majestät Allergnädigst geruht, mir dur das Königliche Ministerium der geistlichen Angelegenhci- ten eine Allerhöchste Kabinets-Ordre zugehen zu lassen, welche ich hier nach- stchend allen verehrlihen Dombau - Freunden zur Kenntniß bringe :

„Jch habe aus Jhrem Berichte vom 19ten v. M. ersehen, welche Meinungsverschiedenhcit wegen des Baues des Nord- und Süd-Portals bei dem kölner Dome entstanden is. Jch finde jedoch keine Veranlassung, von den Bestimmungen Meiner Ordre vom 9. September v. J. irgendwie abzugehen, da solche auf einer genauen und gründlichen Erwägung des Saverhältnisses, bei welchem die wieder zurückgehenden Baupläne und Aufnahmen vorlagen, beruhen. i :

Der Bauyplan für das Süd - Portal is nach Maßgabe des reichen West-Portals in architektonischer Uebereinstimmung mit der ganzen Süd- seite des Domes organisch durchgebildet ; eben so ist der Bauplan für das Nord - Portal unter angemessener Berücksichtigung d-r dort vorgefun- denen Theile streng im Geiste und Charakter der nördlichen Chor - Archi- teftur entwickelt, Da diese aber wesentlich von der an der Südscite angewendeten abweicht, so ist schon hierdurch cine verschiedenartige Be- handlung der Portal - Anlagen bedingt, welche sich auch an den meisten Domwen dieser Bauart findet.

Sie haben deshalb dafür zu sorgen, daß der Bau nach deu vorge- legten Reinzeichnungen ohne weitere Hemmungen, so viel die Mittel er- lauben, fráftig fortgeführt wird, damit die Eröffnung der ganzen Kathe- drale für den Gottesdienst so wenig wie möglich Verzögerung erleide,

Sie werden hiernah den Erzbischof-Koadjutor von Geissel und den Ober- Präsidenten von Schaper mit Vorbescheidung versehen.

Die übrigen Anlagen des Berichts erfolgen zurü,

Berlin, 13, April 1844, : iz E E (gez) Friedrich Wilhelm. ‘/‘/

„An den Staats - Minister Eichhorn.“

„Jndem ich die Ehre habe, die obenstehende Allerhöchste Verfügung zu veröffentlichen, fühle ih mich gedrungen , allen Dombau - Freunden in der Nähe und Ferne den dringenden Wunsch der lebendig -thätigen Fortdauer ihres einträchtigen Zusammenwirkens für dies großartigste Gotteshaus auf deutscher Erde aufs neue warm und innig ans Herz zu legen. Ein erha- benes und erhebendes Beispiel, das Beispiel unseres erlauchten Protektors, Allerhöchstwelhcr niht müde wird, seine hochherzige Theilnahme mit er- neuerten Königlichen Gaben dem kölner Dome zuzuwenden, leuchtet uns voran. Wohlan denn, lasset uns ihm folgen in gleich ununterbrochener Theilnahme. Lassct uns fortwirken mit unerschütterlichem Vertrauen in das, was wir vereint vermögen, und in vermehrter Liebe zum heilig großen Werke. Rüstig und rasch schreitet es fort, und will’)s Gott, fo soll dem so schönen, uns Allen so unvergeßlichen Tage des vierten September schon in wenigen Jahren zur sechsten Sákularfeier der ersten Grundstein- legung 41848 der noch shönere der Vollendung des Langschiffes und der Abseiten und ihrer Einweihung zum Gottesdienste sich anreihen, Und gewiß, es muß, es wird gelingen wir bauen ja zum Ruhme des Va- terlandes , zur Verherrlihung der Religion, zur Ehre Gottes. Sein Segen sei über den König, über uns und unseren Bau! Voran denn un- ter diesem Segen mit vereinten Herzen und vereinten Kräften! Lasset aufs neue für jeßt und künftig den Wahlspruch, welcher unser Vereinsbanner \{müdckt, mit Mund und Herz und offener Hand in Wahrheit unser Aller Wahlspruch sein: „„Eintracht und Ansdauer!“/“

Die Einnahme des Dombau- Vereins, welhe nach dem am 22, April d. J. erstatteten Bericht 89,069 Rthlr, betragen haben, sind seitdem (laut dem am 20, Juni aufgenommenen Protokoll) auf 95,740 Rthlr. gestiegen. Unter den Beiträgen für das laufende Jahr sind besonders die der Deutschen in Mexiko zu erwähnen, welche dem Verein unterm 23, April d. J. als vorläufiges Ergebniß ihrer Einsammlungen 748 Rthlr. pr. C. eingesendet haben, Die Köl= nische Zeitung meldet aus Köln, durch Reskript des Königlichen General= Prokurators sei nun auch das Barreau in Kenntniß gesebt worden, daß durch Allerhöchslie Kabinets-Ordre vom 15, Mai d. J.

sämmtlichen Justiz-Beamten, insbesondere den Advokaten und Notarien, jede Theilnahme an auswärtigen Berathungs - Vereinen, namentli aber die Theilnahme an der mainzer Advokaten-Versammlung, unter- sagt sei, Der Direktor im Justiz - Ministerium, Dr. Ruppenthal,

ndet \ich im Bade Homburg. Er wird Köln und die übrigen Städte der Rhein-Provinz nicht besuchen.

Ausland.

Deutsche Bundesstaaten.

Königreich Hannover. N nover vom 24, Z9 hat die Prinzes , Tertele Ln Qik A

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} die Stadt

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tenburg, nah einem längeren Aufenthalt bei ihrer Schwester, der Kronprinzessin, diese Residenz wieder verlassen. Die städtischen Be= hörden haben, an Ever's Stelle, den Stadtrichter Oelen zu ihrem Syndikus gewählt.

Großherzogthum Baden. Jn der 92sten Sißung der Kammer der Abgeordneten übergab Bissing eine Petition vieler Ein= wohner von Heidelberg um Abschaffung der Todesstrafe, Bei der sodann erfolgenden Diskussion des von Trefurt erstatteten Berichts über die von der ersten Kammer beschlossenen Abänderungen an dem Strafgeseß - Entwurf ward der Antrag Rettig's, die Todesstrafe auf zuheben, mit 38 gegen 19 Stimmen verworfen, dagegen der Antrag der Kommission, den Wunsch in das Protokoll niederzulegen: „daß die Regierung so bald .wie immer thunlih das Fallbeil oder eine andere gleich zweckmäßige Maschine einführen möge,“ mit 48 gegen 9 Stimmen angenommen. Eine fernere Debatte über $. 17. Ziff. 6. des Entwurfs führte zu einem Kammerbeshluß, wonach der Verlust des Adels für die Person des Verbrechers ausgeschlossen is. Die Karlsruher Zeitung vom 22. Juni enthält ein Ausschreiben des Bezirkamtes Kork, wona ein aus badischen Diensten entlassener vormaliger Hauptmann Georg Möller aus Mannheim aufgefordert wird, sich in einer gegen ihn anhängigen Untersuhung wegen Maje=- stätsbeleidigung zu stellen, widrigenfalls kontumazialiter wider ihn verfahren würde. Es ist dies derselbe Möller, dessen Landesverraths= prozeß und deshalb erstandene Zuchthausstrafe vor Kurzem in allen Blättern besprohen wurde. Aus Baden verwiesen, trieb er sih in der Schweiz umher und schrieb dort eine Broschüre, worin er sein Vaterland, seinen Fürsten und dessen Haus auf das gemeinste ver=- unglimpfte. Wie das Frankfurter Journal meldet, wurde er als Betrüger auh aus der Schweiz fortgewiesen, und sucht nun im Elsaß einen Verleger für seine Shmähschrift.

Herzogthum Nassau. Aus Wiesbaden (21, Juni) wird gemeldet, eine Deputgtion der Judenschaft des Herzogthums habe die Ehre gehabt, Jhren Durchlauhten dem Herzoge und der Herzogin ein in Hanau aus massivem Silber prachtvoll gearbeitetes Schachspiel, als Erinnerungs - Geschenk der Judenschaft an die Ver= mählung des hohen Paares, zu überreichen und sich der wohlwollend= sten Aufnahme zu erfreuen. Das seltene Kunstwerk ward einige Tage ausgestellt und allgemein bewundert.

Herzogthum Sachsen-Koburg-Gotha. Am 18. Juni sind Se. Durchlaucht der Herzog Ferdinand von Koburg und die Grafen von Mensdorf, von Wien kommend, in Koburg eingetroffen.

Holstein, Ein Korrespondenz - Artikel in der Magdebur - ger Zeitung, den Ramckeshen Prozeß betreffend, erscheint in= teressant genug, um wenigstens das Wesentlichste desselben hier wie= derzugeben. | j

Ein Unschuldiger, also ward bchauptet, sollte im Wahnsinn das Geständ- niß eines Mordes, eines Mordversuches und einer Mordbrennerei gethan haben, sollte darauf, nah langjähriger, unbarmherziger und torturgleicher Haft, zum Tode verurtheilt, dieses Uriheil von zwei Jnstanzen bestätigt und nur durch Gnade des Landesherrn inhibirt und in lebenslängliche Zuchthaus- strafe verwandelt worden sein, Auf dem Wege znr Richistait ward der Zug von dem Boten der Gnade eingeholt und diesem Zufalle, dieser Schickung von Oben ist es zugeschrieben, daß ein Justizmord weniger die Annalen der Kriminal- Geschichte beflecke. Man beschuldigte die Gerichte der Böswilligkeit, die Gerichtsärzte der Blindheit, die Defensoren der Befangenheit, und seßte Himmel und Erde in Bewegung, um Ramcke als einen Märtyrer der Kri- minalrechtspflege hinzustellen. Lept hat nun der Justizrath Graba in Kiel, bekannt als ein tüchtiger und ehrenwerther Kriminalrichter, bekannt auch in der friminalrechtlihen Literatur durch den mit dem ersten Preise belohn- ten Entwurf eines Kriminal - Gesepbuches für Norwegen, eine „Aften- mäßige Darstellung des wider Jochim Hinrich Name, Anna Maria Name und Hinrich Ladiges aus Holstenbeck, wegen Mordes und Brand- stiftung geführten Kriminal-Prozesses nach den vollständigen Kriminal-Akten““ herausgegeben. Da Graba, welcher zu dem Prozesse selbst in keinerlei Be- ziehung stand, vom Ober - Kriminalgericht mit dieser Arbeit betraut worden ist, so fann man scin Wert als eine offizieuse, zugleih aber auch unpar- teiische Mittheilung eines unbetheiligten Dritten anschen, Das Buch ent- hält einen vollständigen , alles Relevante berücksichtigenden Akten - Extrakt von der Vor - Untersuchung bis zu dem Urtheile der höchsten Jnstanz , eine rechtliche Beurtheilung des Falles und eine Darstellung aller nach der er- folgten Begnadigung mit Rücksicht auf den Gemüthszustand des Name geschehenen Schritte, Mit scharfen Waffen wird die unberufene Jutervention des Dr. jur. von Kobbe beleuchtet und das gänzlich nichtige und ver- fehlte Bestreben desselben, den Namcke als ein Schlachtopfer der korrum- pirten Justiz, sich selbst aber als den rettenden Engel der Unschuld darzu- stellen, in sciner ganzen Blöße aufgedeckt, Nur in einem Punkte scheint uns der Verf, mit sich in Widerspruch zu gerathen: er bezeichnet von Kobbe?s Jntervention als unberufen und gelangt dennoch zu der Ansicht, daß Ramke zur Zeit der intendirten Hinrichtung wahnsinnig getvesen sei. Einen Men- schen, der das Selbstbewußtsein verloren hat, für ein im zurehnungs- fähigen Seelenzustande begangenes Verbrechen strafen zu wollen, hieße selbst im Wahnsinn handeln, Wenn das Gericht denuoch zur Exe- cution schritt, so lag seine Rechtfertigung in der Ueberzeugung, daß Ramcke’s Wahnsinn simulirt sei, Hatte von Kobbe diese Ucberzeu- gung nicht, so war seine Jutervention jedenfalls eine schr berufene, sobald er nur seine Ueberzeugung durch Gründe zur objektiven Gewißheit führen fonnte. Seine Gründe für Namdcke's Unschuld sind nun freilich sammt und sonders absurd, aber von dem, was er für den Wahnsinn an- geführt hat, is doch Manches späterhin als richtig anerkannt worden, wenn auch die Art und Weise, wie Kobbe es vorbrachte, nicht geeignet war, die durch gerichtsärztliche Gutachten und mehrjährige Gewöhnung befestigte Ueber- zeugung des Gerichts ohne weiteres in ihr G-gen:heil umzustimmen,

Oesterreichische Monarchie.

AVien , 19, Juni. (A. Z.) Gestern is .Se, Durchlaucht der regierende Herzog Wilhelm von Braunschweig auf seiner Rüreise von Jtalien hier angekommen. E E

Sicherem Vernehmen nach sind die schon seit längerer Zeit dau- ernden Berathungen über Abänderung des Zolltarifes so weit gediehen, daß man binnen Kurzem einer Bekanntmachung in dieser Beziehung entgegensehen darf, wodurch unter Anderem der Zoll auf Kaffee sehr ermäßigt werden soll. O ;

An der theresianishen Ritter - Akademie is eine Lehrkanzel für diplomatishe Staatengeschihte und positives Vöülkerreht gegründet worden. Die Vorträge müssen in französischer Sprache gehalten werden.

Preßburg, 15. Juni. Der Landtag hat in seiner gestrigen Cirkular-Sißung mit 40 Stimmen gegen 4 beschlossen, daß in allen Gemeinden, die sich von ihren Urbarial - Verpflichtungen dur jähr= liche Abtragung gewisser Summen befreit haben, die grundherrliche Gewalt abzustellen sei. Jn Gemeinden, wo die Ablösungs - Angele-=

enheit noch gemischt, soll es für's Erste bei den bisherigen Rechts=- erhältnissen bleiben.

4p Prag, 22. Juni. Die bedauerlihe Verblendung unserer Kattundrucker is leider noch immer nicht der besseren Ueberzeugung ewichen. Obwohl sie nah Verhaftung ihrer Rädelsführer vorge" bends auseinandergingen und die Vertheilung einer imponirenden Militairmacht an den bedrohten Punkten bei den Fabriken in und um ernere Exzesse hinderte, so hatten sich die Druker gestern

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doch wieder in großen Haufen in der Umgegend der Stadt versam=- melt. Da sonach die durch öffentlichen Anschlag von der Polizei- Behörde erlassene Aufforderung zur Rückehr an ihre gewohnte Arbeit ohne Erfolg und die damit verbundene Ermahnung, unter Hindeutung auf die traurigen Folgen dieses ungeseßlihen Treibens, unbeachtet blieben, so ist heute durch Mauer = Anschlag und Verlesung desselben an öffentlichen Pläßen unter Trommelschlag eine vershärfte Kund=- machung der Behörde erfolgt. Es wird darin abermals den Druckern die Rückehr zur Arbeit nahdrücklih| geboten und jede Zusammen=- rottung streng untersagt, sowohl innerhalb als in der Umgebung der Stadt. Es darf überhaupt kein Zusammentreten von mehr als sechs Mann stattfinden und gegen die diesem Verbote zuwider Handelnden nöthigenfalls von Waffengewalt Gebrauch gemaht werden. Diese Anordnungen wurden von allen besseren Klassen der Bevölkerung bei- fällig aufgenommen, die alle bereit sind, durch Wort und That die Wie= derherstellung gänzlicher Ruhe und Ordnung aufs eifrigste zu unter= stüßen. San e110.

Paris, 21. Juni. Den Gegensaß zu Herrn Thiers bildet Herr von Carne, der sich über das Unterrichtsgeseß folgendermaßen vernehmen ließ:

„Jederzeit mit einem Grundgeseh für den öffentlichen Unterricht ver- fnüpfte Schwicrigkeiten haben \sih heutzutage so gemehrt, daß sie fast un- auflöèbar geworden, Verleßte Eigenliebe und bedrohter Vortheil haben sich der öffentlichen Meinung bemächtigt und eine volllommene Verwirrnng der Ideen angerichtet. Schon über ein Jahr hört mau eine Lchr-Corporation, die über die bedeutendsten Journale gebietet, in allen Tonweisen ausrufen, sie sci eben so gut der Staat, wie der König, die Kammern, die Armee und die Gerichtshöfe. Außerdem behauptet sie die inkarnirte Revolution von 1789 zu scin und erklärt sich für die shönste Frucht und fostbarste Bürgschaft aller Eroberungen des Jahrhunderts. Dies sagt man in allem Ernst und ohne große Bescheidenheit, denn im Angesicht der Gefahren des mit einer Jnvasion der Jesuiten bedrohten Vater- landes wäre ja die Bescheidenheit ein unverzeihliches Verbrechen, Jch bin keinesweges cin Feind der Universität, im Interesse ihrer eige- nen Dauer möchte ih ihre Einrthtung abgeändert schen. Niemals aber fonnte in einem freien Lande eine gefährlichere Theorie vertheidigt werdcn, niemals hat es einen schreienderen Widerspruch gegeben, als den, welcher zwischen den Anmaßungen einer aus dem Kopf des Kaiserlichen Despotis- mus entsprungenen Körperschaft und dem allgemeinen Geist der auf freie Entwickelung der Fähigkeiten Aller gegründeten französischen Revolution be- steht. Jch liebe und bewundere die Einheit in Regierung und Verwaltung, aber die moralische Einheit muß ich in einem Jahrhundert der Kämpfe und des Zweifels, wie das unsrige, als eine thörichte und chimärische Hoffnung zurüc- weisen. Dieser pscudo-Kaiserliche Versuch wird an seiner eigenen Ohnmacht zu Grunde gehen, gleich der griechischen und römischen Restauration, die man in der ersten Periode der französischen Revolution versuchte, Die Er- ziehung is durchaus ein Recht und eine Aufgabe der Familie, und der Staat kann nur in zweierlei Hinsicht dabei einschreiten : einmal um den Unterricht zu geben, der ohne seine Mitwirkung unmöglih wäre, und dann, um ihn zu überwachen , damit er brs lier öffentlichen Sitten oder ür die bestehenden Justitutionen gefährlich werde.“ : | Ga feuer ging nun den Geseß - Entwurf unter diesem Ge= sihtspunkte dur und bekämpfte mehrere seiner Bestimmungen, uament- lich die besondere Fähigkeits- Prüfung und die Studien - Zeugnihe. Dagegen billigt er die akademischen Grade, die ihm, mit dem Fähig= Leit3rAeuanh, ertheilt von einer Kommission, welhe die Pairs-Kammer sehr glücklich zusammengeseßt habe, alle Präventiv-Bürgschaften dar- zubieten scheinen, die der Staat fordern könne. Recht und billig findet er es, daß man alle Vergehen, die im Unterrichtswesen began= gen werden, den gewöhnlichen Vergehen gleichgestellt und derselben

Gerichtsbarkeit unterworfen. : / i; Hätte man sich auf diese nattirlihen Erfordernisse beschränkt“, fährt Herr ‘von Carne fort, „so könnte man eines der glülichsten Resultate zu erreichen hoffen, die Begründung des gemeinen Rechts in allen Zweigen und Arten des Unterrichts. Hätte man dann den Bischöfen die Wahl ge- lassen, zwischen der dur die Verordnung von 1828 eingeführten Ausnahme- Verfassung, mit ihren Benefizien und Lasten, und der neuen durch das all- gemeine Geseß begründeten Verfassung, so würden sie die Ersten gewesen sein, welche die Anwendung dieser neuen Verfassung auf ihre Lr Se- minarien gefordert hätten, um vollständige Sekundär-Schulen (Gymnasien) daraus zu machen. Man hat dies nicht gewollt, und die vielfachen For- derungen des Geseh - Entwurfs machen es unmöglich. Dafür zog man es vor, ihnen eine privilegirte Stellung zu schaffen, die rechtlih eben so s{chwer zu vertheidigen wie thatsächlih unwirksam ist, Das Privilegium ist für die Geistlichkeit, der sie überwachenden öffent- lihen Meinung gegenüber, eine Gefahr; und am Ende kann dieses Privi- legium ihr auch wenig frommen, da ja die Gränze der durch die Verord- nungen von 1828 bestimmten Schülerzahl aufrechterhalten ist, Man spricht von 100 geistlichen Gymnasien, die den Laien-Gymnasien gegenüber sich er- heben würden, und man macht uncndliche Phrasen über diesen furchtbaren Antagonismusz man weiß aber schr wohl, daß diese hundert geistlichen Squlen, angenommen, sie machten alle Gebrauch von dem 31sten Artikel des Geseßes, was aber nicht geschehen wird, niemals das gesepliche Maximum von 20,000 Zöglingen überschreiten dürfen, wovon notorisch ungefähr drei Viertel in den geistlichen Stand treten, So blieben denn möglicher Weise noch höchstens 5000 andere Zöglinge über die gesammten geistlichen Schulen des Königreichs vertheilt. Und das soll alle Gefahr und Unpopularität einer privilegirten Stellung aufwiegen ? Unmöglich. Alle meine Bemühungen werden daher im Laufe der Diskus- sion darauf gerichtet sein, das gemeine Necht auf alle Welt auszudehnen, damit auch die Geistlichkeit darin einbegriffen sei. So danke ih denn auch der Pairs-Kammer für die bedeutenden Verbesserungen, welche sie schon in dem Geseh-Entwurf vorgenommen hat, namentlih was die Gerichtsbarkeit betrifft, Möge nun dies Geseh reiflih und leidenschaftslos von unserer Kommission geprüft werden, denn es handelt sich dabei um cincs der wich- tigsten Juteressen der Gegenwart und der Zukunft.“

Die Deputirten - Kammer hat nah langen Debatten gestern das Amendement des Herrn Bureau de Puzy verworfen, welches die Führung der Eisenbahn von Paris nah Lyon durch das Thal der oberen Seine vorschlug, wodurch die Bahnen nah Lyon und Straß- burg bis Troyes eine gemeinschaftliche Stammlinie erhalten hätten und an 55 Millionen Fr. Baukosten erspart worden wären. Darauf ward die von der Regierung vorgeschlagene Linie durch das Yonne- Thal genehmigt. |

' Bon 176 Deputir'en is eine Erklärung erschienen, daß sie zu den der Kammer jeßt vorliegenden Eisenbahn- Projekten nicht in der geringsten Beziehung stehen und gar kein Jnteresse bei diesen Unter= nehmungen haben. h y ;

U Nach Berichten aus Toulon vom 17, Juni herrschte im dortigen Hafen große Bewegung. Die Linienschisse „Jemappes““ und „Triton“ und die Fregatte „La belle Poule““ waren, vom Geschwader der hye- rishen Juseln detaschirt , dort angekommen und harrten der Ankunft des Prinzen von Joinville entgegen, Es wurde eine Menge Geschüß an Bord derselben gebracht, und der Chef der Expedition wird über

9000 Mann Laudungstruppen zu verfügen haben,

m Paris, 21. Juni. Ju der Pairs-Kammer war heute die Diskussion des Geseßes wegen der Wein=-Verfälschungen an der Tagesordnung. Herr Gay Lussac hatte das Wort gegen den Entwurf. Er suchte besonders mehrere Theile des vom Marquis von Lagrange an die Deputirten-Kammer darüber erstatteten Berichts zu widerlegen. Jm Weinhandel, behauptete ‘er, kämen keine der Gesund- heit s{ädlihe Verfälshungen vor, und namentlich werde kein Blei Oxyd dabei angewendet, sondern bloße os von Alkohol mit Wasser, Dadurch aber könne die Gesundheit niht bedroht werden.

Die zur Färbung der Weine angewendeten Substanzen seien von un- tergeordneter Bedeutung. Der öffentlihe Gesundheits - Zustand sei daher durch die übliche Mischung der Weine nicht bedroht, und es sei unflug, sich Gebräuchen widerseßen zu wollen, die zum Theil durch die Gewohnheiten und Bedürfnisse einer gewissen Klasse der Gesell- schaft geboten seien. Die Diskussion dauert fort.

Ju der Deputirten-Kammer wurde die Diskussion über das Geseß wegen der Eisenbahn von Paris nach Lyon fortgeseßt. Es blieb noch der Theil des 2ten Paragraphen zu votiren, wonach die Bahn weiter durch die Thäler der Brenne, Oze und Saone geführt werden soll. Herr Schneider (von Autun) verlangte, man solle statt der Thäler der Brenne und der Oze die Richtung durch das Thal der Ouche ein= s{lagen. Aber Herr Muteau bekämpfte diesen Antrag, weil man mit demselben ein Souterrain quer durch den Mont Afrique bauen müßte, Der Weg würde zwar dadurch abgekürzt, aber der Erd= Durchstich des Mont Afrique würde für sich allein 18 Millionen kosten. Herr Mauguin unterstüßt das Amendement. Zwei Linien könnten von Paris nah Lyon führen, die gerade und die gekrümmte, die Kommission habe die leßtere vorgezogen. Die Abkürzung durch den Mont Afffrique würde 37 Kilometer betragen. Das System, das er bekämpfe, opfere, der Begünstigung von Dijon wegen, die dihte Be- völkerung von zwei Handel und Judustrie treibenden Thälern auf, eine Bevölkerung, die man auf 7 Millionen anschlagen könne. Herr Legrand, Commissair des Königs, vertheidigt die im Geseß=-Ent- wurf gewählte Linie. Die Kosten wären bei beiden Systemen diesel= ben, aber der Betrieb der Bahn biete im Thale der Oze überwie- gende Vortheile hinsihtlih der Frequenz der Reisenden und Waaren. De zum Abgang der Post war man noch niht zur Abstimmung ge- ommen.

ck $París, 21. Juni. Das Ministerium hat die Zeit der Quarantaine für Schiffe, die von Alexandrien zu Marseille einlaufen, auf vierzehn Tage herabgeseßt, da dies die geringste Dauer war, zu welcher die Gesundheits - Jntendanz ihre Zustimmung gab. Jndeß findet diese Maßregel durchaus nicht allgemeine Gutheißung, da der Vortheil, der daraus für den Handel erwächst, keinesweges den Ge- fahren gleihfkommt, welhe aus dieser verkürzten Frist für das Land durch erleichtertes Einschleppen der Pest erwachsen fönnen. Nach der Meinung sehr vieler Aerzte bieten vierzehn Tage Quarantaine noch durchaus keine ernstlihe Bürgschaft dagegen dar, und selbst wenn die Waaren binnen dieser Frist gereinigt werden könnten, steht noch nichts dafür, daß die Krankheit nicht vielleiht unter der Mannschaft im Keime vorhanden i} und erst nah dem Eintritt dieser in den freien Verkehr zum Ausbruche kommt.

O Paris, 20. Juni, Das englische Court-Circular ver=- sichert auf das bestimmteste, daß Ludwig Philipp bis zum 15. Sep- tember in London ankommen wird. Die Revue de Paris von heute berichtigt diese Angabe dahin, daß der König der Franzosen in keinem Falle seine Reise weiter als bis zur Jnsel Whigt ausdehnen werde. Die Revue de Paris scheint hierin Recht zu haben. Der Tag der Abreise ist nur provisorisch auf die Hälfte des Monats September angeseßt worden, denn es wird von der Niederkunft der Königin Victoria abhängen, wann der Hof von St, James die Sommer= Residenz von Whigt beziehen und unser Hof dort der Königin seinen Gegenbesuch wird abstatten können. Marschall Soult und Herr Gui= zot werden Ludwig Philipp dahin begleiten, Von der Königlichen Familie, heißt es, werden, außer dem König und der Königin, Ma= dame Adelaide und der Herzog von Montpensier die Reise mitmachen. Der Herzog von Nemours wird in Paris bleiben, um während der Abwesenheit seines Vaters eine Art Regentschaft auszuüben, natürlich unter der Kontrolle der Minister, so wie er gegenwärtig {hon an der Leitung des Kriegswesens unter der Verantwortlichkeit des Marschall Soult theilnimmt. Er wohnt auch ein- oder zweimal die Woche dem Conseil der Minister bei, um den Gang aller wichtigen Staats - An= gelegenheiten zu verfolgen.

Die Journale haben vor einem Jahre um diese Zeit viel davon gesprochen, daß die Regierung mit dem Plan umgehe, in der Nähe von Vincennes ausgedehnte Festungswerke aufzuführen, welche in dem ursprünglichen Befestigungs= Projekt von Paris nicht begriffen sind. Die ministeriellen Blätter stellten dies in Abrede, indem sie meinten, daß die Lichtung des Waldes von Vincennes keinen anderen Zweck hätte, als einen bequemeren Exerzier-Plaß für die Garnison von Vincennes zu gewinnen. Jn der Sißung vom 12ten d. M. hat nun aber der Finanz-Minister der Deputirten - Kammer einen Geseß =- Entwurf vor= gelegt, aus welhem hervorgeht, daß der König für die Befestigung von Paris von dem Domainen - Wald von Vincennes nicht weniger als 100 Hectares und 16 Acres abgetreten hat, wovon für die von der Kammer votirten Festungswerke 84 Hectares und 38 Acres ver= wendet werden sollen. Hier entstehen zwei Fragen: 1) War die Civil- Liste befugt, einen Theil der Domainen-Waldungen zu veräußern? Der Finanz = Minister antwortet darauf in seinem Geseh = Entwurf vernei= nend. „Denn“, sagt er, „wenn der König nach eigenem Gutdünken über seine Privatgüter verfügen kann, so darf er dagegen der Dota- tion unbewegliher Güter der Krone, welche für die ganze Dauer sei= ner Regierung unveränderlih bleiben muß, nichts entziehen.“ Darum \hlägt der Finanz-Minister vor, die von der Civil-Liste abgetretenen Wald = Antheile der Domainen der Krone durch andere Grundstüde im Departement der Aisne, Oise, Seine und Marne zu erseben, deren Werth auf 213,456 Fr. geshäßt worden is, damit die im Jahre 1830 votirten Domaiuen der Krone in ihrem Werthe sih unverändert erhalten. Da indessen die für die Befestigung von Paris abgetretenen Wald - Antheile von Vincennes 208,990 Fr. ge= \häßt worden sind, so soll die Civilliste angehalten werden, den man= gelnden Rest von 4466 Fr. dem Staatsschaß zu erseßen, Zu diesem Zwee ist eben der obenerwähnte Geseß-Entwurf eingebracht worden,

Die zweite Frage ist diese: Wozu solleu die von der Civilliste abgetretenen Wald-Antheile dienen, welche nicht sür die Festungswerke von Paris verwendet worden sind und einen- disponiblen Flächenraum von 16 Hektaren darbieten, Der Kriegs-Minister wurde gestern auf- gefordert, der betreffenden Kommission nähere Aufschlüsse darüber zu geben. Der Marschall gestand darauf ein, daß der noch disponible &lächenraum zu neuen Festungswerken verwendet werden solle, Doch seßte der Kriegs-Minister hinzu, die Regierung werde nichts ohne die vorläufige Zustimmung der Kammern anordnen, Es is also unleug- bar, daß die Regierung der Befestigung von Paris eine größere Ausdehnung zu geben beabsichtigt, als es im ursprünglichen von der Kammer votirten Plane lag, und daß mithin die Gerüchte über ein in Vincennes zu errichtendes Fort nicht ganz ungegründet waren, Man versichert, daß eben darum die Budget-Kommission im Depar= tement des Krieges viele wihtige Reductionen vorschlägt; unter An- derem dringt sie darauf, die Fabrication des Schießpulvers für die Armee einzuschränken, weil man davon so große Vorräthe besive, daß der Kriegs - Minister sie bald“ niht mehr unterbringen könne, und dann unter dem Vorwande, bombenfeste Pulver - Magazine in der Nähe von Paris zu bauen, neue Festungswerke aufführen dürfte. Nach amtlichen Listen besißt Frankreih gegenwärtig in seinen Mili-

# tair -Magazinen 7,969,285 Stück Kanonenkugeln und Bomben und F 10,591,547 Kilogr, Schießpulver mit 14,086 Feuerschlünden, nämlich :

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acht- und zwölfpfündige Feldstücke Haubiten aus Bronze Feld= Artillerie

Festungs-Geschüß 4112 Haubißen und Mörser 39: Steinschleuderer Zusammen aus Erz Aus Eisen: Feldstüke und Festungsgeschüß Jm Ganzen 14,086 Die Kommission von 1822 hatte die Zahl der Feuershlünde auf 17,418 angeseßt. Eine spätere Kommission, welche so eben ihrè Ar- beiten vollendet hat, erhebt die Zahl der nöthigen Feuershlünde auf 20,455, wovon bestimmt sind: T für die Befestigung der Küste, der Juseln, Korsi= T T s 2 as alie ali iüUpo uam eat 3,189 für die Befestigung von Paris 2,208 sür die übrigen Festungen des Landes .…........... 3,027 für die Befestigung von Lyon 456 Zusammen 8,5880 Stü. Nach dem Gutachten der erwähnten Kommission hat also Frank= reih noch 6875 Feuershlünde anzushaffen, um sein gegenwärtiges Wehrsystem vollständig zu organisiren.

Großbritanien und Irland.

Unterhaus. Sihung vom 19, Juni. Die Haupt-Ver- handlung der heutigen nur kurzen Sihung betraf eine Bill von rein lofalem Interesse, die sogenannte Vestries in Churches Bill, wo= nah die bisher üblichen Kirchspiel - Versammlungen in den Kirchen, um über Kommunal = Angelegenheiten zu berathen, von bischöfliher Erlaubniß abhängig gemaht werden sollen. Die Regierung billigte das Prinzip der von Herrn Stafford O'Brien eingebrachten Bill und veranlaßte dadurch eine ziemlih lebhafte Debatte. Die Ab- stimmung über die Zulässigkeit der Bill für die Comité-Berathungen ergab indeß eine Majoritat von 14 Stimmen zu Gunsten derselben z 73 gegen 87.

ZU Anfang der Sihung erschien der Lord-Mayor von Dublin an der Spiße ciner Deputation der dubliner Munizipalität vor der Barre des Hauses, um eine Petition zu Gunsten O'Connell's zu überreihen, Der dubliner Stadt-Rath erklärt in derselben die Ver= urtheilung O’'Connell's für geseß= und verfassungswidrig und ersucht das Haus, das in der Person desselben gefährdete Recht der freien Meinungs-Aeußerung zu s{hüßen. Die Petition wurde unter lautem Beifall der Opposition ihrer ganzen Länge nach vorgelesen.

Herr Wyse, bekanntes irländishes Parlaments - Mitglied für Waterford, zeigte hierauf an, daß er am 2. Juli einen Antrag in Bezug auf den Prozeß O'’Connell’s stellen werde, und Lord Pal-= merston kündigte gleichfalls cinen Antrag über den gegenwärtigen Zustand Westindiens zum 16, Juli an.

Sitzung vom 20. Juni. Die chon zu wiederholten Malen in Umlauf Todtts Gerüchte von einer nahe bevorstehenden Abdan= fung des Grafen de Grey, Lord =- Lieutenants von Jrland, scheinen nach einer heute abgegebenen Erklärung Sir R. Peel's nicht ganz ungegründet zu sein. Von Capitain La yar d befragt, ob Graf de Grey sein Amt niedergelegt habe, bestritt der Premier-Minister heute zwar die Authentizität der darüber verbreiteten Gerüchte, gab aber dabei nicht undeutlih zu verstehen, daß der Graf durch seinen Ge= sundheits = Zustand wohl veranlaßt werden könnte, sch zurückzuziehen. Die Antwort Sir R. Peel's lautete folgendermaßen :

„Es i} fein wahres Wort an dem Gerüchte. (Hört und Gelächter.) Jch will damit nicht gesagt haben, daß der Zustand der Gesundheit des Grafen de Grey demselben niht shon seit einiger Zeit den Wunsch ein- flößt, seiner Amtsfunctionen überhoben zu werden, Jch seße aber voraus, der chrenwerthe Herr spricht von einem im Umlauf befindlichen Gerüchte, demzufolge Graf de Grey entlassen worden sei (removed), Daß dieses Gerücht der Wahrheit entbehrt, kann ih dem ehrenwerthen Herrn versichern. Um indeß einer irrthümlichen Auslegung meiner Antwort vorzubeugen, sci es mir erlaubt, zu erklären, daß ih nur die spezielle Anfrage über das Faktum der angeblich bereits erfolgten Resignation beantworte und aus meiner Antwort nicht entnommen werden kann, daß Graf de Grey nicht be di gehegt habe, von den Anstrengungen seines Amtes befreit zu werden. ‘“ |

Das Haus konstituirte sich hierauf zum General-Comité, um die Berathung über die nächsten Klauseln der Zucker-Zoll-Bill fortzuseben. Nachdem man durh das Votum vom Montage die Hauptbestimmung der Bill angenommen und der Premier-Minister durch seine drohende Rede die widerseßlichhen Elemente seiner Partei vorläufig zum Ge= horsam zurückgeführt hatte, konnte die Regierung über den Erfolg ihrer Maßregel ziemlih gewiß sein. Dennoch wurden die beiden noch n gebliebenen Klauseln heute nicht ohne hartnäckigen Kampf durch= geseßt.

Herr Labouchere erbat sih in Bezug auf die dritte Klausel, welche den Unterschied zwischen dem durch Sklaven - Arbeit und dem durch freie Arbeiter fabrizirten Zucker feststellt, zunächst eine Definition darüber, was man unter fremdem durch Sklaven - Arbeit erzeugten Zucker zu verstehen habe; ob darunter aller Zucker gemeint sei, der in Ländern erzeugt werde, wo überhaupt noch Sklaverei bestehe , oder nur solcher, der von Sklaven bereitet werde;? Auch fragte er, ob man brasilianischen Zucker zulassen werde, wenn Brasilien bei sih die Sklaverei abschaffe ?

Herr Gladstone, Präsident der Handels-Kammer, hielt es nicht für angemessen, die leßte Frage zu bcantworten, da sie auf einer Voraussezung beruhe. Jun Bezug auf die erste aber erkläre er, daß die Bill nicht auf solche Länder Anwendung finden solle, wo überhaupt noch Sklaverei bestehe, sondern nur auf solche, wo der Zucker durch Sklaven erzeugt werde und die Sklaverei zugleich durch den Sklavenhandel immer neue Nahrung erhalte. Jn Brasilien und Cuba finde dies statt, nit in Java, wo nur eine Art von Sklaverei bestehe, die man Leibeigenschaft nennen könne, und die sich p E des Landes selbst fortpflanze, =—— (a species of domestic SIAavery ).

Serr Vernon Smith, Lord Palmerston, wie überhaupt die Opposition, schienen durch diese Erklärung wenig befriedigt, Der Leßtere fand es lächerlich, daß die Negierung sich zuerst zur Richterin über die ver- schiedenen Grade der Sklaverei aufwerfen wolle, ehe sie mit den dabei be- theiligten Ländern in Handels-Verbindung trete. Es sei ein falshes Prinzip, die ARITEAE Me Gg von der inneren Lage anderer Länder abhängen zu lassen.

Herr Hume stellt endlich das Amendement, daß die Klausel ganz aus- gelassen werden solle, da es sehr {wer sei, in Ländern, wo Sklaven- und freie Aibeit bestehe, die Art der Fabrication festzustellen,

Herr Gladstone gestand ein, daß aus diesem Grunde auch der Zucker von Portorico ausgeschlossen werde, und als Herr Baring hierauf noch weitere Ausstellungen machte und die Nothwendigkeit einer \chärferen Definition der Klausel nachwies, da die Bill der Regierung die Befugniß ertheile, durch Geheimenrathsbefehl fremden Zuker je nah seinem Ursprunge mit dem höheren oder niederen Zolle zu belasten, berief sich Sir R. Peel olen Ce T R Voihige h n auf ein Jahr Geseyeskraft haben

e und die wirflih nöthigen Aenderungen d is einge- könnten, 9 n E eer Fin einge err Hume zog sein Amendement zurück, um es bei or des Comité-Berichts zu erneuern. Die lausel wurde e „,_ Die leßte Bestimmung der Bill, welche von den Ursprungs-Cer- tififlaten handelt, fand nicht geringeren Widerstand, obschon sie zuleht Cs angenommen wurde, Es wird hiernach verordnet, daß die ritishen Konsuln in den fremden Ausgangs = Häfen, wo britische

Schiffe den Zudcker verladen, den Schiffsführern Certifikate ausstellen und dadurch bezeugen sollen, daß der Zucker, auf welchen das Certi= fifat lautet, niht durch Sflaven-Arbeit erzeugt sei.

Herr Labouch ere suchte bei der Debatte über diese Klausel nach- zuweisen, daß solhe Certififate niht zuverlässig sein würden , da die briti- schen Konsuln unmöglich in allen Fällen wissen lönnten, ob der Zucker wúklih da erzeugt sei, wo sie das Certififat ausstellen, und ob er nicht schon aus einem Sklavenlande nah dem Verladungsorte transpoiutirt sei. Das könne sehr leicht in China mit Zucker aus Cochinchina , in den Ver- cinigten Staaten mit Zucker aus Cuba vorkommen,

Herr Gladstone stellt die Schwicrigkeiten der Ausführung dieser Be- stimmung in Abrede und wcist auf das Unwahrscheinliche hin, daß Zucker bei den strengen Zoll-Geseßen von Cuba nah Amerika eingeshmuggelt wer- den würde; die Kosten der doppelten Verschiffung ließen überdies einen sol- chen Betrug nicht erwarten, Uebrigens werde die Möglichkeit der Ausfüh- rung am besten durch die unter gleihen Umständen während der Dauer der hohen Differenz-Zölle für Kaffce getroffenen Bestimmungen erwiesen.

Lord Palmerston beantragte die Verwerfung der Klausel; sein Au- trag wurde mit 114 gegen 60 Stimmen zurücgewiesen, und die Klausel genehmigt.

Ohne weitere Diskussion wurden die Neben - Klauseln der Bill, deren 25 sind, genehmigt, und nur über die Einleitungsworte, „das Haus hat freiwillig und aus freien Stücken Jhrer Majestät diesen Zoll bewilligt“, entspann sih die Diskussion von neuem. Herr Duncombe verlangte, daß diese Worte gestrichen werden möchten, da es nah den Vorgängen der lehz- ten Sizungen eine Schmach und eine Beleidigung für das Haus sei, auf solche Weise eine Bill einzuleiten, deren Annahme nicht freiwillig, sondern erzwungen sei.

Sir R. Peel stellte hierauf in schr gemäßigten Ausdrücken die ihm untergelegte Absicht in Abrede, als habe er über die Beschlüsse des Hauses einen tyrannischen Einfluß ausüben wollen. Er habe den Gegenstand zu einer Kabinetsfrage gemacht, weil es einen Mangel an Vertrauen des Lan- des zu dem Ministerium vorausgeseyt hätte, wenn dies bei der ersten Ent- scheidung des Hauses sih würde beruhigt haben. Er erkenne die Unter- stüßung seiner Freunde mit Dank an und hoffe, daß Herrn Duncombe's Bestrebungen fruchtlos scin werden, die Eintracht auf den ministeriellen Bänken zu stören,

Herr Labouchere wünschte dem Premier-Minister zu dieser Umändc- rung Glück und lobte den gemäßigten Ton der jeßigen Sprache, woraus hervorgehe, daß der Minister selbst einsehe, wie seine Sprache am Montage nicht dem Charakter eines britischen Ministers im Unterhause angemessen ge- wesen wäre. /

Herr Duncombe nahm hierauf seinen Antrag zurück, und die Bill wurde von dem General=Comité genehmigt.

Londou, 21. Juni. Jhre Majestät die Königin nahm vor= gestern im Buingham-Palaste in einer feierlihen Geheimenraths- Versammlung eine Adresse des Mayors von Dublin und der dub= liner Munizipalität zu Gunsten O'Connell's entgegen. Die Adresse ist in demselben Sinne abgefaßt, wie die Petition an das Parlament. Die von der Königin darauf ertheilte Antwort ist folgende: „Jch danke Jhuen für Jhre erneuerte Versicherung loyaler Anhänglichkeit an Meine Person und Krone. Jh habe Jhnen Meinen festen Ent= {luß bekannt gemacht, das Geseh aufreht zu erhalten und die Ent- \heidungen Meiner Gerichtshöfe, denen die Ausübung der Justiz an= vertraut i}, zu achten. Wenn in dem Verfahren der Gerichtshöfe Jrrthümer vorgekommen sind, so steht eine Revision ofen und die oberste Appellations Justanz wird diese Jrrthümer berichtigen. Die getreue Ausführung des Gesetzes betrachte ih als die sicherste Bürg= \haft der Rechte und Freiheiten Meines Volkes.“

Der Jahrestag der Schlacht von Waterloo is dieses Mal durch mehrere besondere Festlichkeiten begangen worden. Außer der Eröff= nung der 303 Miles langen Eisenbahn von London nah Newcastle (die erste Fahrt wurde in 9 Stunden 32 Minuten mit Einschluß von 1 Stunde 14 Minuten Aufenthalt zurückgelegt) fand in der City die Einweihung der aus dem Metalle eroberter Geschüße gegossenen Reiter= Statue des Herzogs von Wellington statt, welcher Feierlichkeit Se. Ma= jestät der König von Sachsen, an der Seite des Lord-Mayors während der Prozession einherschreitend, beiwohnte. Die Statue is von dem verstor= benen Sir Fr. Chantrey, hat eine Höhe von 14 Fuß, steht auf einem gleih hohen Fußgestell und kostet 9000 Pfo. St. Dem Waterloo= Bankett, welches der Herzog von Wellington am Abend des 18ten einer Anzahl von Stabs-Offizieren, die bei Waterloo gefohten haben, seiner Gewohnheit gemäß, gab, wohnte der König von Sachsen nicht bei, Der König hat gestern seine Reise ins Jnnere angetreten und sih zunächst nah Cambridge begeben.

Prinz Heinrich der Niederlande is vorgestern mit dem unter seinem Befehl stehenden Geschwader von zwei Fregatten, einer Brigg und n Schooner von Plymouth nah dem mittelländischen Meere ab= gesegelt.

Die Sloop „Wanderer““ is vorgestern von China in Portsmouth eingetro}ffen, mit 1 Million Dollars der chinesishen Kriegs - Contri= bution am Bord.

O London, 20, Juni. Lord Aberdeen's neuliche Rede in Betreff Marokko’s hat die Besorgnisse wegen des Ausbruches eines sogenannten „heiligen Krieges“ zwischen diesem Reiche und Frankreich etwas beshwichtigt. Das britische Kabinet soll, wie man sagt, ernst= lih bemüht sein, eine Vermittelung zu bewirken, und da Frankreich selbst viel daran zu liegen scheint, den Krieg zu vermeiden, so darf man sich mit gutem Grunde der Hoffnung hingeben, daß der Friede niht wesentlich gestört werden wird. Bis jeßt hat si der Krieg in diesem Theile des nördlichen Afrika’s doch nur auf bloße Plänkeleien beschränkt, und in der That läßt sih kaum annehmen, daß der Kaiser von Marokko am Ende dazu seine Zuflucht nehmen würde, sein gan= zes Volk zum „heiligen Kriege““ gegen Frankreich aufzubieten. England scheint in dieser Angelegenheit abermals seinen Einfluß vorzüglich in der Absicht geltend machen zu wollen, um den Frieden, das bestehende Gleich= gewicht der Macht und die Unabhängigkeit anderer Nationen zu er= halten, ohne gerade eine wesentlihe Förderung seiner besonderen Jn= teressen davon zu erwarten. Denn es bestehen zwischen ihm und dem Kaiserthum Marokko bereits Verträge aus den Jahren 1801 uud 1824, welche britishen Unterthanen für ihren Verkehr mit bie= sem Reiche hinlänglihe Sicherheit gewähren. Auch is der Handel Englands mit Marokko shon sehr bedeutend, und Marokko weiß ohne Zweifel die freundschaftlihen Beziehungen zu Großbritanien um o mehr zu \{häben, da es nur darunter leiden könnte, weun es den englishen Markt für seine Früchte, sein Del, seine Wolle und andere Rohstoffe einbüßen sollte, Englands auf seit langer Zeit bestehende Handels - Verbindungen gegründeter Einfluß wird daher, wie man hoffen darf, in jenem Lande die Fortdauer von Feindseligkeiten zu verhindern suchen, welhe einem der streitenden Theile vielleicht den Ruin und keinem von beiden irgend Vortheil bringen dürfte.

Belgien.

Brüssel, 23. Juni, Die Repräsentanten-Kammer hat gestern ihre Arbeiten beendigt, und für ihren Theil kann die Session als ge- schlossen betrachtet werden. Nachdem sie noch aht Geseßentwürfe, den über die Tabacks - Zölle, fünf über Supplementar-Kredite, einen über provisorische Bewilligung von 10 Millionen für die Armee-Be= dürfnisse und einen zu näherer Erläuterung eines Artikels im Civil= Gesebbuch, angenommen hatte, vertagte f sih auf unbestimmte Zeit.

__ Der Freiherr von Gagern, nassauischer Gesandter bei dem bel- gischen und dem niederländischen Hofe, is vorgestern hier eingetroffen.