1844 / 177 p. 3 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

Dänemark. :

agen, 21. Juni. (Alt. Merk.) Jun der gestern gute Tulen Ber ammlung der Bank-Repräsentanten wurde beschlossen, daß die Bank-Direction ermächtigt werden solle, im Laufe des nächsten Bank-Jahres den vollen Silberfonds anzuschaffen, um die Zettel so- daun für realisirbar erklären zu können, E : Am 15ten is eine neue Medizinal -Taxe für Dänemark erschie- nen, die mit dem 1, Juli in Kraft treten soll,

S <<weiz

Genf. Die Ernennung des Abbé Marilley zum katholischen Ober-Pfarrer in Genf, welche von unserer Regierung zurügewiesen wurde, hat zu Differenzen mit dem Bischof von Freiburg und Genf Anlaß gegeben. Die hiesige Regierung stüßt sih dabei auf die im Jahre 1820 mit dem genannten Bischofe abgeschlossene Convention, worin es in dieser Beziehung heißt: „Bei der Ernennung von Geist= lichen und Benefiziaten wird der Bischof, bevor er dieselbe fes bestimmt, den ersten Syndikus davon in Kenntniß seben, der seiner= seits wieder dem Staats - Rath darüber berihtet. Findet der Staats-Rath aus wichtigen Gründen Bedenken gegen die Wahl, so schreitet der Bischof zu einer neuen Wahl,“ Auch nah Art, 102 der neuen Verfassung des Kantons Genf is der Staats- Rath ver- pflichtet, in der Wahl der katholishen Pfarrer zu interveniren und sie nah reifliher Prüfung entweder zu genehmigen oder zurü>zu- weisen. Ties nun, troß dem, daß die Regierung die Wahl des Abb Marilley zum hiesigen Ober - Pfarrer nicht genehmigt, denno die definitive Anstellung desselben als Ober-Pfarrer, so wie ein Mandement des Bischofs, worin er über Verfolgung und Bedrückung der katho- lischen Kirche in Genf klagt und deifeibru eine trübe Zukunft weissagt, in der Kirche St. Germain von der Kanzel verkündigt wurde, so ließ der Staats - Rath den Abbé Marilley vor einigen Tagen auffordern, den Kanton zu verlassen, und da er dies nicht freiwillig that, so wurde er am 17ten früh von einem Polizei - Kommissar im Wagen über die Gränze des Kantons Waadt gebracht. Es fand bei dieser: Gelegenheit feine Volköbewegung irgend einer Art statt, dagegen sind: diplomatische Noten aus Turin und Freiburg eingelaufen , die sich, dem Vernehmen nah, sehr stark gegen das Verfahren des Staats=" Raths aussprechen. Der Kanton zahlt seit fünfundzwanzig Jahren nicht unbedeutende Summen an Freiburg für die Heranbildung junger Genfer zu katholischen Geistlihen, und die Regierung wünscht daher auch einen aus dem Lande gebürtigen Geistlihen zu haben.

S panien.

6 Madrid, 15. Juni. Unsere Nachrichten aus Barcelona reihen bis zum 11ten, Am 10ten Nachmittags wurde der außer- ordentlihe Gesandte der hohen Pforte, Fuad Effendi, von der Köni- gin in Privataudienz empfangen. Es begleitete ihn sein Legations- Secretair, der Jutroducteur der Botschaster und der Beamte der Staats-Kanzlei, Don Gerardo de Souza, welcher früherhin bei der diesseitigen Gesandtschaft in Konstantinopel angestellt war und nun= mehr dem türkischen Diplomaten als Begleiter auf seiner Reise durch Spanien beigegeben is, Fuad Effendi richtete an die regierende Kö= nigin, die von ihrer Mutter und Schwester, dem Minister der aus- wärtigen Angelegenheiten und ihrem Hosstaate umgeben war, folgende Anrede in französischer Sprache :

„Madame! Jch habe die Ehre, Ew. Majestät ein Schreiben des Kai- \ers, meines Herrn, zu überreichen, das demjenigen zur Antwort dient, wel- ches Ew. Majestät an ihn zu richten geruhten, um ihm die erfreuliche Nach- riht Jhrer Volljährigkeit mitzutheilen, Der Kaiser, mein Souverain, wurde mit lebhaftester Freude erfüllt, als er das große und glückliche Ereigniß er- fuhr, das den erlauhten Händen Ew. Majestät jene Gewalt übergiebt, de- ren Ausübung niht nur Jhrem Throne Kraft und Würde verleihen, son- dern auch ein sicheres Unterpfand für die Sicherstellung der wahren JInter- essen Zhrer Unterthanen und für die Wohlfahrt des Landes sein wird, Der Kaiser, mein Gebieter, der mit Ew. Majestät dur<h die Bande einer uner- schütterlichen Freundschaft verbündet is, hat für seine Pflicht gehalten, Ew. Majestät vermöge dieser feierlihen Botschaft ein öffentliches Zeugniß von dem Antheil abzulegen, den er an einem so Fe LMSNTen Ereignisse nimmt, indem er si< herzlih freut, Ew. Majestät vou der Liebe, der hrsurcht und der Treue Zhres Volkes umgeben und die Zügel der Regierung zur Be- glü>ung Spaniens führen zu sehen. Jndem mein Souverain mich zu die- ser außerordentlihen Sendung auswählte, wollte er mich mit seinem Ver- trauen beehren, damit ih der Dolmetscher der ihn beseelenden Gesinnun en und der Freundschaft, Eintracht und des vollkommenen Einverständnisses sein möchte, die zwischen beiden Mächten bestehen. Mich selbst, Madame, belebt eín einziger Wunsch, und zwar der, mich während meiner Sendung des Wohlwollens Ew. Majestät würdig zu machen. Geruhen Ew, Maje- stät, die Huldigung meiner Ehrfurcht und tiefen Dankbarkeit sür die artige Aufnahme , die a von Seiten der Regierung Ew, Majestät zu Theil wurde, entgegenzunehmen.“ /

Die Köuigin erwiederte in französischer Sprache Folgendes :

„Mit dem lebhaftesten Vergnügen vernehme Jch die Worte der Freund- \{aft und Theilnahme, die Sie im Namen Zhres Souverains auf Veran- lassung Meiner Volljährigkeits-Erklärung an Mich richten, Sie können ihm versichern, daß seine Wünsche zu Meinem Besten und zu dem Meiner Un- terthanen nicht lebhafter und aufrichtiger sind, als die, welhe Jch an den Allmächtigen zur Wohlfahrt seiner Negierung richte. Und Sie, Herr Ge- sandter, zählen Sie von heute an auf Mein Wohlwollen, als die würdigste

erson, welche der Kaiser erwählen konnte, um Mich von seinen freund- chaftlichen Gesinnungen zu unterrichten,“ E A

Der Gesandte wandte \si< darauf an die Königin Christine, um dieselbe, im Namen seines Kaisers, wegen ihrer Rückkehr nah Spa- nien zu beglü>wünschen. ; : i |

Mit der Ankunft des Marquis Viluma scheint allerdings in Bar= celona eine Art von politischem, dem Ministerium als Richtschnur vor- geschriebenen Programm angelangt zu sein, es soll jedo< in einem anderen Sinne lauten, als man erwartet hatte, Der Marquis galt bis zu seiner Abreise nah England für einen über manche politische Theorieen enttäushten Mann von rein monarchischen PUl belrag In London angekommen, wurde er von Sir Robert Peel befragt, woran es eigentlih läge, daß Spanien no< immer nit zur Ruhe gelangen und keine geordnete, feststehende Regierung sih geltend machen könne, Der Marquis, mit diplomatischen Formen, wie es scheint, wenig ver- traut, bezeichnete die in Spanien bestehende Constitution als die Haupt-

uelle der beständigen Wirren und der Schwäche der Regierung. iese Behauptung wurde jedo<h von Sir Robert Peel niht nur mit Nachdrn> zurückgewiesen, sondern der Marquis erhielt obenein die Antwort, das spanische Gouvernement dürfe nur so lange auf die Achtung und Theilnahme des englischen A g als es ‘die Constitu- tion gewissenhaft befolge und den Weg der Reactionen vermeide, Dieselbe Weisung soll darauf dem zum Staats - Minister ernann=- ten Marquis auf seiner Rü>kreise in Paris zu Theil geworden sein. Bei seiner Ankunft in Barcelona soll nun Marquis Viluma darauf hingewiesen haben, daß sowohl das Kabinet von St. James, wie das der Tuilerieen, der \panischen Regierung gewissenhafte Beobachtung der Constitution zur Pfliht mache, und baß man folglich dieser cor- diale entente \i< fügen müsse. Man beabsichtigt nun angeblich, bis zum nächsten Oktober, als dem Zeitpunkt, in welchem die Königin Isabella auch ferfassangêmäßig die Volljährigkeit erlangt, keine Maß- regeln von umfassender Wichtigkeit zu treffen, dann aber neue Cortes einzuberufen und unter ihrer Mitwirkun

1 neu zu organisiren. So lauten wenigstens die Berichte, die von i a

arcelona hierher gelangten

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und für glaubwürdig gehalten werden. Vor der Hand fühlen die dortigen Minister das Bedürfniß, sih mit den hier zurü>gebliebenen zu

besprehen, und da, allem Anschein nah, die Abwesenheit der König- lihen Familie von hier si< sehr verlängern wird, so werden Leßtere vermuthlih ihren Aufenthaltsort ebenfalls nah Barcelona verlegen. Auch die hier zurü>gebliebenen diplomatischen Agenten fremder Höfe beabsichtigen, si<h dorthin zu begeben. f

Die feindlihe Haltung, welhe der Kaiser von Marokko gegen die französishen Truppen in Algerien angenommen hat, erregt hier um so größere Aufmerksamkeit, als derselbe Souverain sich bis jeßt weigert, die von Seiten der spanishen Regierung verlangte Genug- thuung zuzugestehen. Der spanische Vice-Konsul, der das Ultimatum von Tanger nach Larrache überbrahte, war unterweges groben Miß- handlungen ausgeseßt und vermochte kaum sein Leben zu retten, Ju- dessen bietet der englishe General - Konsul in Tanger Alles auf, um die marokfanis<he Regierung zu einiger Nachgiebigkeit zu bewegen, und am 3ten schiffe der Gouverneur von Gibraltar nah Tetuan hin- über und besprach si<h mit dem dortigen Statthalter. Sollte es zu einem förmlichen Bruche zwischen Frankreih und Spanien einerseits und den Marokkanern kommen, so würde natürli<h Ceuta ersteren einen wichtigen Anhaltspunkt gewähren, Noch vor kurzem ließ die französishe Regierung unter der Hand anfragen, ob die spanische sich gegen eine beträhtlihe Geldsumme zur Abtretung Ceuta?s zu ver- stehen geneigt wäre, erhielt jsedo<h eine abs<lägige Antwort.

Die Juhaber der Schaßkammer-Scheine haben sich bereit erklärt, ihre Papiere gegen dreiprozentige zum Preise vou 35 einzutauschen, Lettere sind an der heutigen Börse um etwas gestiegen.

Griechenland.

22 Athen, 10. Juni. Seit einigen Tagen war hier allge- mein das Gerücht verbreitet, daß Grisiottis die Brücke von Chal- cis abgebrannt habe, und daß es zwishen den Königlichen Truppen und den Anhängern von Grivas zu Thätlichkeiten ge= fommen wäre, Ersteres hat sih nicht bestätigt, dagegen ist die leb- tere Nachricht leider nur zu wahr. Die Briefe aus Akarnanien reichen bis zum 7ten d. M. Mit ungefähr 70 Mann, die seine Leibwache bildeten, hatte Grivas die gegen ihn geführten Königlichen Truppen unter dem General Stratos mit bedeutendem Verlust geschlagen, und in Folge dieses Vortheils war er bis Kravara vorgedrun- gen, wo er von den Einwohnern jenes berüchtigten Raubnestes aufs herzlihste empfangen wurde. Dort hat er si verschanzt, und einige Häuser der Vorstädte, welhe Schuß für ein anrü>endes Heer bieten fonnten, in Asche gelegt. Die drei Gendarmerie-Brigaden, welche hingeschi>t wurden, um Grivas gefangen zu nehmen, haben, nachdem sie in Akarnanien angekommen waren und si< überzeugt hatten, wie die Sachen standen, sämmtlich die Uniform mit der Fusta- nella vertauscht und sind zu dem Grivasshen Corps übergegangen. Der General Stratos zog si< nah seiner Niederlage nah der Festung Vonißza zurü>, von wo er hierher shrieb, und um Verstärkung bat, Heute sind ungefähr 300 Mann dorthin abmarschirt, mit dem Befehl, Grivas todt oder lebendig nah Athen zu bringen. Auch soll das Ministerium dur< einen Armeebefehl Grivas seines Ranges, Amts und Gehalts verlustig und für vogelfrei erklärt haben. Eine hie- sige ministerielle Zeitung enthält bereits die Nachricht, daß Grivas gefangen genommen und auf einem englischen Kriegsschiff nah dem Piräus gebracht worden sei. Dieses ist aber uiht der Fall. Nach- dem er \i< in Kravagra befestigt hatte, war sein Corps auf 000 Mann angewachsen, und ermehrte sih täglih. Er nennt seine Leute „das National=-Heer‘“ und die ‘Königlichen Truppen „die Anti=nationellen.““

Bis jeyt sind die Unruhen auf das Festland beschräukt, aber der Bürgerkrieg wird viel bedeutsamer und gefährlicher werden, wenn er si nah dem Peloponnes wendet, was leiht gesehen könnte, zumal da die vom Ministerium getroffenen Maßregeln niht geeignet sind, die Gemüther zu beruhigen. Wie man sagt, sind Befehle nah Morea ergangen, die Generale Plapoutas, Nikitas, Petinezas, Delyannis und Gennaios Kolokotronis, so wie Rigas Palamides, gefangen zu neh- men, wenn sie zu Deputirten erwählt würden,

Auch in der Hauptstadt fängt die Aufregung sih zu zeigen an, Gestern wurde ein gewisser Pantely, ein Hydriote und Redacteur der

‘hiesigen Oppositions-Zeitung, der Unabhängige, wegen aufrüh-

rerisher Artikel in seinem Hause arretirt, worauf ein Volkshaufen zu Maurokordatos- ging und ihm ein Pereat brachte. Doch hatte dieser Vorfall bis jeßt keine weiteren Folgen.

Türkei.

Cattaro, 30. Mai. (A. Z,) Vorgestern ging eine englische Korvette hier vor Anker, deren Befehlshaber, Lord Clarence Paget, mit se<s seiner Offiziere nah Montenegro abgereist is. Der Vla- dika muß auf diesen Besuch vorbereitet gewesen sein, indem er den Offizieren niht nur einen Adjutanten bis Cattaro zur Begleitung ent= gegensandte, sondern ihnen auch no einige Stunden Weges entge- genging. Die Aufnahme der Engländer in Cetinje war hö<s glän- zend, Nach einer mehrstündigen geheimen Unterredung des Lords mit dem Vladika soll dieser vershiedenen Beamteu Befehl ertheilt haben, seinem Gaste die genaueste Auskunft über die politischen, statistischen und kommerziellen Verhältnisse des Landes, namentlih über dessen Stellung zu Rußland u. st. w. zu ertheilen. Nachdem Lord Clarence das Gewünschte erhalten, kehrte er, von der Wache des BVladika begleitet, sogleich nah Cattaro zurü> uud ging sofort wieder nah Tunis unter Segel, um dem Befehlshaber des Geschwaders über seine auf aus= drüklihen Befehl des britishen Kabinets veranlaßte Sendung Be= richt zu erstatten,

La Plata - Staaten.

Paris, 21. Juni. Die neulih erwähnte Drohung des Admirals Laine an die Regierung von Montevideo bestätigt si< voll- fonimen. Das Dokument is von dem Admiral Laine selbs und vom französishen Konsul Pichon, vom Bord der Fregatte „Africaine“ auf der Rhede aus, am 10, April an den Minister der auswärtigen An- gelegenheiten der orientalishen Nepublik, Don Santiago Vasquez, ge- richtet. Es wird darin die Hoffnung ausgesprochen, daß die orien- talische Regierung endlich die Rechte Frankreichs und ihr eigenes Ju- teresse besser begreifend, die Nothwendigkeit einsehen werde, dem „Skandal“ ein Ende zu machen, daß ein Theil der französischen Be= völkerung dort die Waffen ergriffen habe, indem man sie zwingen werde, sie niederzulegen, ohne ste unter irgend einem Vorwande wieder ergreifen zu können, Ein Dekret in diesem Siune müsse auf der Stelle erlassen und vollzogen werden z geschehe dies niht, seien die bewaff- neten Franzosen niht binnen 48 Stunden den Befehlen der Regie- rung des Königs unterworfen, so werde der Contre-Admiral darin eine Verlebung der den Geseßen und der Regierung Frankreichs huldigen Achtung und als einen Bruch zwischen beiden Ländern be- traten und danah handeln. Am 12ten April erfolgte die Ant- wort des Ministers, daß die Legion der Freiwilligen aus freiem Antriebe zu bestehen aufgehört, die orientalische Regierung durch ein Dekret, dessen Abschrist beigefügt wird, deren Auflösung ausgesprochen und die Le- gion bereits u Waffen abgeliefert habe. Der Minister hofft, daß durch dieses Resultat das gute Einverständniß zwischen beiden Regierungen aufs neue befestigt werdez die französische Regierung, von den Thatsachen genauer unterrichtet, den Gesinnungen der orientalishen Regierung

Gerechtigkeit widerfahren lassen und mit gewissenhafter Beobachtung des Vertrags ihr Wohlwollen und ihre freundschaftlihen Gesinnungen derselben bewahren ; endli<h daß der Admiral nah Vollzug der ihm gegebenen Aufträge, mit aller seiner Macht zur Wiederherstellung des wechselseitigen guten Einvernehmens beitragen werde. Die orienta- lishe Regierung werde ihrerseits Alles thun, um jede etwa erwach- sende Schwierigkeit auszugleichen , besonders in Betreff der französi- schen Residenten, denen sie vorzugsweise als Bürgern einer mit der orientalishen Regierung dur< einèn Vertrag verbundenen Nation alle Bürgschaften und Jmmunitäten zu sichern wünsche, auf welche alle Ausländer ein Recht haben. Das von der Regierung erlassene Auflösungs - Dekret für die Legion ist vom 11. April datirt und up- terzeihnet von dem Präsidenten der Republik, Don Joaquin Suarez, und den drei Ministern Santiago Vasquez, Melchior Pacheco y Obes, Joso de Bejar. Der Legion wird iu den wärmsten Ausdrü>en der Dank für die von ihr geleisteten Dienste und für ihre Hingebung und braves’ Verhalten ausgesprohen. Allein die Leute der Freiwilligen-

Legion hatten nur scheinbar si< gefügt. Am 413, April ver sammelten sie si< ohne Waffen bataillonsweise auf öffent- lihem Plaße, wo dann der Oberst Thiebaut, ihr bisheriger Befehlshaber, an jedes Bataillon das Woxt richtete, in wel-

<em Sinne, geht aus der Thatsache hervor, daß eine Stunde nachher die Legion wieder gebildet war, da Alle einmüthig erklärten, die Waffen wieder ergreifen und sih unter die Fahne von Montevideo stellen, also auf ihre Nationalität als Franzosen verzichten e wollen. Die Legion fraternisirte mit den Truppen der orientalischen Republik und s{hwur, cher sterben, als no< einmal die 2dassen abgeben zu wollen, Man ist gespannt, was Admiral Laine nun thun wird. Man versichert bereits, Herr Thiers oder Herr Billault wolle neue JInter- pellationen über diese Vorfälle in der Kammer an die Minister richten.

Handels - und Börsen -Uacyrichten.

Berlin, 26. Juni, Sämmtliche Course der Eisenbahn Actien und Quittungsbogen waren heute gedrücktz zu den gewichenen Coursen fanden sich indeß viel Käufer, so daß das Geschäft ziemlich umfangreich blieb,

2 Amsterdam , 22, Juni, Der geringe Widerstand, welcher sich bei den Berathungen der Deputirten gegen das vorliegende Geseß zur Ab- lösung und Konvertirung von 5- und 4zprozentige gegen 4prozentige Schuld zeigte, wurde hon zu Anfang dieser Woche als ein Zeichen von dessen Annahme angesehen, welche denn auch nach einer zweitägigen öffentlichen Debaite mit großer Stimmen-Mehrheit gestern erfolgte. Dadurch entstand eine ziemli lebhafte Frage für Jntegrale, die deren täglich etwas steigenden Cours von 61 bis 617 % emporhalf und au<h auf 3- und 4prozentige Schuld einen günstigen Eindru> machte; 5prozentige wirklihe Schuld wid von 10077 % und ostindisce von 100 % fast_ nicht ab, doch wurde auch wenig verhandelt z 3prozentige wirklihe Schuld blieb verwichenen Montag 754 % und erreichte gestern 7557 %z Aprozentige ostin- dische Schuld stieg von 94 auf 95 %. Mit den Actien der Handels - Maatschappy ging es bei stillem Geschäft etwas flauer; dagegen haben die Actien der Haarlem- Rotterdamer Eisenbahn wieder cinen be- deutenden Aufschwung empfunden und beschäftigten die Spekulanten sehr eifrigz der vorigen Sonnabend bis 993 % gestiegene Cours cireichie Mon tag 101 %, wi<h dann wieder 1 % und stieg nachher mit Säyen von 2 % bis 1054 %z rheinische Actien {aren gleichfalls in Frage, wodurch sie si< von 1037 um 1 % verbesserten, Jn fremden Staatspapieren fand nur unbedeutender Preiswechsel statt; alte brasilianische Obligationen erho- ben si< von 83 bis 83%, %. Portugiesische shwankten zwischen 465 und 7% Der Geldzins-Cours erhält sich auf 3 a 32% t

Am gestrigen Getraidemarkte war Roggen wenig ausgeboten und blicl deshalb ohne Unmsayz in Weizen is dagegen guter Handel gewesen, wobe man die vorigen Course gern anlegte. Bezahlt wurde für Partieen ? 42Bpf. alten weißbunten polnischen Weizen 306 Fl.z 132pf. jährigen dito 315 Fl, 3 131 pfd. jährigen bunten 300 Fl.z 125 pfd. neuen bunten dito 260 Fl, Gerste blieb preishaltend und Hafer ohne Umsay.

Auswärtige Börsen.

Amsterdam, 22. Juni. Niederl. wirkl, Seb. 6113: 5% Span. 21, 3% do. 357. Pass. 5%. Ausg. 13. Zinsl. 67. Soh, —, Vol =—, Oeétere, LIO 4% Russ. Hope 907.

Ántw erpen; 21. Juni. Zins], —. Neue Anl. 215.

Frankfurt a. M., 23. Juni. 5% Met. Li37;;. Bank - Aclien p. ult, 2009, Bayr. Bank-Actien —. Hope 89>; Br. Stiegl. 89: Br. Int. 60 tz Poln, 300 Fl. 94%. do. 500 FI. —. do. 200 FI. —.

Hambu S, 24. Juni. Bank Actien 1675. Eugl. Russ, 1125.

Lon don, 21. Juni. Cons. 3% 985. Belg. 103%. Neue Aul. 232. Pas- sìve 57. Ausg; Sch, 13%. 25% Holl, 61%, 5% do. 1007. Neue Port. 46x. Engl. Russ. 117%. Bras. 815. Chili 103. Columb. —. Mex. 347. Peru 27.

Paris, 21. Juni. 5% Rente fin cour. 122, 30. 3% Rente fin cour. 82. 60, 5% Neapl, au compt. 99. 70. 5% Span. Rente 317. Pass. 9%. :

Petersburg, 18. Juni. Lond. 3 Met. 387. Hamb. 34 22 . Poln. 300 Fl. 89. do. 500 Fl. 885. do. 200 Fl. 265.

Wien, 22. Juni. 5% Met. 1108-, 4% 1007. 3% E, Bank-Actien 1630, Aul. de 1834 149. de 1839 12414. Nordb. 133, Gloggn. 1125. Mail, 1087. Livorn. 1145.

Berichtigung. Jm gestr. Bl, der Allg. Pr. Ztg., S. 1018, Sp. 2, Z. 61, is statt: „138 %“ zu lesen: 158 %.

Königliche Schauspiele.

Donnerstag, 27. Juni. Kabale und Liebe, Trauerspiel in 5 Abth, von Schiller. (Herr Fontaine, vom Stadt - Theater zu Zürich : det Hofmarschall von Kalb, als Gastrolle.) ;

Jm Konzertsaale. Pour la clôture du théâtre françgab: 1) Trop heureuse, vaudeville en 1 acte. 2) La première reprè- senlalion de: Le moyen le plus súr, vaudeville nouveau en l acte. 3) Mademoiselle Dangeville, vaudeville comique en

1 acle.

5% do. 1007.

Preuss. Per.

Paris 408.

Königsstädtisches Theater.

Donnerstag, 27. Juni. Zum erstenmale: Kleine Leiden ded menshlihen Lebens, Posse in 1 Akt, frei nah Clairville, von Friedrich Adami. Hierauf: Émiliens Herzklopfen, Vaudeville-Scene, nah dem Dänischen, von B. A. Herrmann. Daun: Kö> und Guste, Vaudevill-Posse in 1 Akt, von W, Friedrih. (Dlle. Julie Herr- mann, im 2ten Stück: Emilie, im 3ten: Guste, als Gastrollen.) Dazu: Vorleßte Gast-Vorstellung der Mad, Weiß, Balletmeisterin des Kaiserl. priv, Theaters in der Josephstadt zu Wien, mit ihrem Ballet-Personal, bestehend aus 36 Kindern, tn drei Abtheilungen, Erste Abtheilung (nah dem ersten Stück): Rosenfest-Tanz, aus dem Feenmährhen: „Der Zauberschleier“/ (Musik von Titl), ausgeführt von 32 Kindern. Zweite Abtheilung (nah dem zweiten Stück): Steyrischer National-Tanz, aus der Posse: „Die Hammerschmiedin aus Steyermark“/, ausgeführt von 16 Kindern. Dritte Abtheilung (zum Schluß): Großes Tanz=-Potpourri, bestehend aus 10 Nationo! und Charafter-Tänzen.

Im Königl, Schloß-Theater zu Charlottenburg (von den Mit- gliedern der Königsstädter Bühne). Der Vater der Debütantin. Posse in 4 Akten, von B. A. Herrmann, Vorher: Zum erstenmale Nehmt ein Exempel darau! Lustspiel in 1 Akt, von Pr. Töpfe: (Frl, von Tenne>er: Die Frau, als Debüt.)

Billets zu dieser Vorstellung sind im Billet - Verkaufs - Büreau, E Nr, 7 und in Charlottenburg, Abends an der Kasse zu aben,

Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen.

Gedruckt in der Deer schen Geheimen Ober - Hofbuchdrucerei. Beilage

“genug finden, um dem zum Abenteuerlichen geneigten Geiste des nie

Stande, so dürfte am Ende Herr von Genoude do< den Haupt-Ein-

Inhalt

Frankreich. Schreiben aus París, schiedener legitimistisher Blätter.)

Die Industrie - Ausstellung in Paris, (Sechster Artikel.) Haudels-: und Börsen-Nachrichten, Stralsund, Wellmarkt,

(Projekt einer Verschmelzung ver-

Nuslanud.

Frankreich.

___>% Paris, 20. Juni, Seit einigen Tagen versichert man, die bisher hier bestehenden legitimistisheu Blätter, nämlich die Quoti= dienne, Gazette de France und Nation, welche bekanntli ver= schiedene Schattirungen repräsentiren, sollen demnächst in eine einzige Zeitung vereinigt werden, und diese Herrn Alfred Nettement zum Haupt = Redacteur erhalten. Herr Nettement gehört mit zu den tüchtigsten Publizisten der legitimistishen Parteiz er hatte früher schon, in den ersten Jahren nah 1830, ein Blatt seiner Farbe herausgege= ben, das aber endli aus mannigfahen Gründen eingehen mußte. Seit einigen Jahren nimmt derselbe an der Redaction der Mode des Vicomte de Walsh Theil und liefert in cinige Provinzialblätter, besonders von Lyon und Marseille, von Zeit zu Zeit Artikel, die meist mit Geist geschrieben siud. Jndeß erhält er doch nicht allein die Lei= tung des neu zu shaffenden Blattes, es steht vielmehr noch ein beson- deres Comité über ihm, als dessen Mitglieder man den Herzog von Valmy, Berryer, Larochejacquelin, vou Genoude, vou Talaru, Graf Dubou- chage und den Herzog von Escars neunt, Von diesem Comité würde zugleich auch das Losungswort für alle legitimistishen Blätter in den Provinzen ausgehen, und Hauptzwe> wäre, der Partei einen möglich st großen Einfluß auf die nächsten allgemeinen Wahlen im Jahre 1846 zu sichern. Sicher ist, daß die verschiedenen Bruchtheile, in welche die legitimistishe Partei bisher zerfallen war, insbesondere seit dem Ableben des Herzogs von Angoulème das Bedürfniß ciner auf grü= ßerer Einigung beruhenden stärkeren Organisation wohl erkannt haben und sih solche nun zu geben bemüht sind, wobei sedo< mancherlei Hemmuisse verschiedener Art si< in den Weg stellen, Man ift eben #0 gespannt, zu sehen, ob das neue Blatt wirklich zu Stande fömmt, als, welche Doktrinen es verkünden wird. Schon das Zustandekommen eines folhen Haupt = Organs wäre allerdings eine niht unwichtige That= sache, da darin ein Beweis wirkliher Annäherung zwischen Männern läge, die sih, obgleich derselben Partei angehörend, bisher fast feind= selig gegenüberstanden. Aber diese Annäherung scheint s{<wer, wo nicht unmöglich. Wird Abbé von Genoude seine Theorieen von all= gemeinem Stimmreht und von Königlicher Demokratie, die er jeßt tagtäglich in seinen beiden Blättern predigt, den Herren Berryer und Herzog von Valmy aufdringen? Oder werden diese beiden Leßteren in dem Beistande der Herren von Talaru und vou Escars Stärke ruhenden Abbé's das Gleichgewicht zu halten? Kömmt das Blatt zu fluß darauf si< zu verschaffen wissen. Von rühriger Thätigkeit und Ausdauer, gewandt und unternehmend, des Wortes wie der Feder gleich mächtig, vereinigt er alle Eigenschaften für einen Parteiführer, wäh= rend Berryer wohl die Kunst und Gabe der Rede, aber durchaus keine Thatkraft besibt. Bei ihm fla>ert das inwohnende Feuer nur von Zeit zu Zeit in gewissen Momenten auf, dann schcint er wieder auf eine Zeit lang in jene Lethärgie zu verfallen, jener behaglichen Ruhe, jenem dolce far-niente si< hinzugeben, das ihm seine Partei so häufig zum Vorwurfe macht: er ist also nicht der Mann des Kampfes an jedem Tage, zu jeder Stunde, der unermüdlih auf der Bresche bleibt, um bald vertheidigend, bald angriffsweise zu Werke zu gehen. Herr von Larochejacquelin aber hat während dieser Session Beweise genug von seiner Unbedeutendheit gegeben, wäre also jeden= falls niht der Mann, eine große Autorität ausüben zu können. Es bleibt also immer nur Herr von Genoude. Wenn dieser aber schon unter seiner eigenen Partei auf viele Antipatbieen ößt, so is er vollends unfähig, außer derselben irgend einen Einfluß zu üben, Die Auspizien für das angekündigte neue Blatt stehen so-= nah eben niht günstig. Die legitimistishe Partei hätte sicherlich

1025 Beilage zur Allgemeinen Preußischen Zeitung.

1830, da die damals eingetretenen Veränderungen nun einmal nicht ungeschehen zu machen waren, von den selbst dur die neue Charte ihr B gut wie jeder anderen Partei gesicherten Re<hten Gebrauch machend, sih eine der Tory-Partei in England ähnliche Stellung ge- geben hätte. Man hatte früher geglaubt, es sei dies das Streben Berryer'sz daß es nicht der Fall war, gereihte eben so sehr der von ihm vertretenen Sache zum Nachtheil, als es einen Beweis von sei- nem Mangel an politishem Scharfbli>, an richtiger, klarer Beurthei= lung der Lage der Dinge lieferte. Berryer is ein ausgezeichneter Redner und Advokat, aber kein Staatêmaun. Hieraus erklärt sich, daß er troß seines bedeutenden Talents weder unter seiner eigenen Partei, no< im Allgemeinen jene dominirende Stellung zu erringen vermochte, die er sonst hätte einnehmen fönnen, N

Die JIndusftrie- Ausstellung in Paris. Sechster Artikel, (Vergl. Allg. Pr. Ztg. Nr. 153, 155, 163, 167 u. 172.) Fuß-Teppiche, Shawls, Leinen- und Hanf=Gewebe.

__ Wie auf der leßten Ausstellung, so repräsentiren auch dieêômal vier Städte: Aubusson, Abbeville, Nimes und Turcoing die Teppich-Fabrication ; es sind dies zwar nicht die einzigen, aber die wichtigsten, Man kann die Teppiche in zwei Klassen theilen, die großen geschorenen und Velour Teppiche und die Moquettes, Jaspés und schottischen für den gewöhnlichen Gebrauch. Die große Fabrication der Luxus - Teppiche ist seit undenklichen Zeiten im

Donnerstag den 27 Juní.

merkwürdiger Schönheit und die Ausstellung enthält ausgezeichnete Proben davon. Cin Fabrikant, Namens Fortíer, der eiínen Shawl von französi- scher Wolle aus der Schäferei des Herrn Graux zur Ausstellung lieferte, hat den indishen Styl velassen und dafür ein Muster in dem jeßt üblichen Geshma> gewählt, und sein Shawl, der übrigens alle Eigenschaften des Kaschemir besißt, wird von allen Liebhabern und Leuten von Geschma> be- wundert, Es befindet sih auf der Ausstellung ein Webestuhl, auf dem man zwei Shawls zu gleicher Zeit webt, d. h. ein sehr dichtes (épais) Gewebe, das man später mittelst einer Vorrichtung theilt (dédouble), Die Shawls dieser Art, welche wir sahen, waren von geringerer Güte und ín gewöhn- lihem Styl. Ein ehemaliger Shawl-Fabrikant, Herr Deneirousse, hat einen Webestuhl aus Judicn kommen lasscn, womit er die orientalischen Gewebe vollfommen nachahmen zu fönnen behauptet; es ist indeß no< kein Versuch gemacht worden,

__Jn Paris werden drei Arten von Shawls nah der Weise der Kasche- mirs gemacht, nämlich: 1) Neine Kaschemire, dessen Aufzug und ganze Musterung das Sammetartige des ächten Kaschemirs haben. Die meisten haben einc Größe von 180—200 Quadrat-Centimetres und kosten 180 bis 900 Fr. ; der leßtere Preis wird nur ausnahmsweise überschritten. 2) Hindu- Kaschemir-Shawls, die aus denselben Stoffen angefertigt werden, wie die reinen Kaschemire, nur is der Aufzug von Seide. Der Preis dersclben ist 160—200 Fr. 3) Wollene Hindu-Shawls, bei denen der Aufzug wie bei den vorigen is, der Einschlag aber aus mchr oder weniger feiner Wolle besteht. Der reíne Kaschemir hat acht bis funfzehn Farben, der Hindu- Kaschemir sieben bis acht, und der wollene indishe Shawl selten mehr als se<8s, Die beiden leßten Sorten finden den meisten Absayg. Die Shawls der dutten Klasse von 180 Quadrat-Centimetres kann man zu 40—50 Fr. faufen, Lyon, welches die Fabrication der reinen Kaschemire Paris über- läßt, wetteifert mit ihm hinsichtlich der reinen wollenen Hindu-Kaschemire z; es nimmt zum Einschlag eine feine französische Wolle, die an Geschmeidig-

Departement de la Creuse zu Aubusson und Felletin mit großem Erfolge betrieben worden, Von dort kommen die shönen geschorenen und Velour- Teppiche, die sich auch in diesem Jahre auf der Ausstellung befinden, wo namentlih zwei Teppiche die Bli>ke der Besucher auf sich zichen, Der eiue isst für den Königssaal im Stadthause bestimmt: er zeigt auf blauem Grunde cine ungeheure Menge von Blunien, Bouquets und Arg- besfen, in der Mitte das Medaillon der Charte auf Goldgrund, und ín den vier Een das Wappen der Stadt Paris. Das Gewebe dieses Teppichs ist ausgezeichnet, und mußte wegen der großen Dimensionen desselben bedeit- tende Schwierigkeiten darbieten z aber die Zusammenstellung der Farben scheint uns nicht glücklih gewählt und der allgemeine Eindru> wird durch ein zu detaillirtes Muster zerstört. Ein anderer Teppich desselben Fabrikan- ten, des Herrn Sallandrouze-Lamornaix, ist kleiner und geshma>>voller ; cin großes Blumenbouquet auf weißem Grunde breitet sich, ohne Verwirrung und in sehr harmonischer Weise, über die ganze Oberflähe des Teppichs aus, Der Preis desselben ist 6000 Fr. Derselbe Fabrikant hat au<h noch eine große Anzahl sehr reicher aber fleínerer Teppiche ausgestellt, so wie Borhänge und Tapeten für fürstlihe und andere vornehme Häu ser, sowohl ín Frankreih als im Auslande. Die Fabriken von Abbeville und Tourcoing haben die von Aubusson und Felletin nach- zuahmen gesuchtz die Arbeit an ihren Teppichen is ziemlich gut, aber Farben und Muster lassen Vieles zu wünschen übrig. Jn diesen beiden Beziehungen ist die Vollkommenheit nur durch große Opfer zu erlangen, und nur die Etablissements erster Klasse unterhalten ausschließli< für sich Zeichner und Chemiker. Die in Nimes verfertigten schottischen Teppiche und Moquettes sehen ziemlih gut aus, sind aber hiusichtlih der Solidität wenig zu empfehlen. Die gewöhnlichen Teppiche von Nimes, ohne beson- deres Anschen, scheinen aber dauerhaft gearbeitet zu sein, Der Gebrauch dieser Teppiche nimmt seit einigen Jahren in Frankreich beträchtlich zuz aber die Fabrication derselben findet ein bedeutendes Hinderniß in dem ho- hen Preise der Wolle, welche 1 Fr. 10 Cent, Eingangs - Zoll zahlen muß, den die Aerbauer noch erhöht wissen wollen, Dies is cin Hauptgrund, weshalb in Frankreich die Teppiche verhältnißmäßig so theuer und in Eng- land so wohlfeil sind, wo man sie selbst in der Hütte des Armen und in den entlegensten Winkeln der Wohnungen findet.

__ Jedermann kennt die Geschichte der Shawls z ihre Einführung ín Frank- reich schreibt sih von dem ägyptischen Feldzuge her, Herr Bellanger is der Erste, dem es gelang, die Fabrication der orientalischen Shawls zu crgrün- den und sie vollfommen nachzuahmen. Nach ihm kommt Herr Ternaux, der diesem JZndustriezweige eine große Entwickelung gegeben hat, Die fran- zösischen Kaschemíre haben eine größere Negelmäßigkeit und cin vollkom- meneres Gewebe, als die indischen, und die orientalischen Muster sind darín vollkommen nachgeahmtz allein die echten Kaschemire werden von den reichen Leuten noch immer vorgezogen, und seitdem der Eingangszoll auf dieselben herabgeseßt worden ist, hat die einheimische Fabrication mit nenen Schwie- rigkeiten zu tämpsen, Durch das orientalische Verfahren , welches si<h bei einer regelmäßigen Fabrication nicht anwenden läßt, erhält man Shawls ohne Rückseite, bei dem gewöhnlichen Verfahren dagegen broschirte Shawls mit einer linken Seite, Die Fabrikanten, welche die indische Methode bei- behielten, haben im Allgemeinen wegen der zu hohen Preise ihrer Er-

einen bedeutenden Einfluß im Lande gewinuen können, wenn sie nach

keit mit dem Kaschemir wetteifert. Diese Fabrication hat seit einigen r ren cine ziemlih große Ausdehnnng gewonnen und is auf der Ausstellung schr gut repräsentirt, Die Fabrikanten in Nimes beschränken si< darauf, das nachzuahmen, was in Paris oder Lyon Mode ist, und so, machen sie auch verschiedene Kaschemire nah. Man fabrizirt dort äußerst wohlfeil und wir haben auf der Ausstellung Hindu-Shawls mit sehr eleganten Mustern gesehen, die 12, 25 und 30 Fr, kosteten. Es giebt indeß auf der Ausstellung noch woh!feilere, nämlich die Tartan-Shawls mit schottis<hen Mustern und die broschirten Kabylen-Shawls mit Bouquets oder fortlaufenden Mustern. Diese kommen aus Rheims, wo ihre Fabrication einen hohen Grad von Vollkommenheit erlangt hat, Seit der leßten Ausstellung is der Preis für alle Sorten sehr gesunken, was unter den Fabrikanten eine ge- wisse Mißstimmung erzeugt.

Die Fabrication der leinen und hanfenen Garne und Gewebe gedeiht nur mit Mühe in Frankreich. Troß der Ordonnanz vom 26. Juni 1842, welche die Zölle auf englische Erzeugnisse dieser Art erhöht, machen unsere Fabrikanten keine guten Geschäfte und verlangen, daß jene Maßregel auch auf die belgischen Produkte ausgedehnt werde, zu deren Gunsten die ge- nannte Kabinets - Ordre eine Ausnahme machte. Viele Spinnereien, na- mentlich die im Elsaß, haben ihre Arbeiten eingestellt. Die Leinwand -Fa- brifen haben si besser gehalten, und die der Herren Ferav d'Essonne hat ein prachtvolles, für dic Königin von Portugal bestimmtes Tischgede> aus- gestellt, welches von blendender Weiße und so seidenartig wie der s{hönste Damast ist, Wir glauben nicht, daß es möglich sei, in dieser Art etwas Schöneres und Eleganteres zu liefern. Amiens und Lille haben ziemlich viel gewöhnliche Gewebe eingesandt, die auf Maschinen gemacht worden sind, Dieser Jundustriezweig hält sich in beiden genannten Städten ziemlich gut, obwohl zum Nachtheil der Hand - Spinnerei und Hand - Weberei, die früher in Anjou, in der Vendée, in der Bretagne, der Normandie und der Picardie eine große Wichtigkeit erlangt hatten.

Eisenbahnen.

Berlin-Potsdamer Eisenbahn. In der VVoche vom 18. bis incl. den 24. Juni c. fuhren auf der Berlin-Potsdamer Eisenbahn 13,685 Personen.

zerlin-Stettiner Eisenbahn. Frequenz in der VVoche vom 16. bis incl. 22. Juni 1844 6751 Personen.

HYaudcls- und Börsen -=- Uachrichten.

__ Stralsund, Von den am 10ten und 11ten d. M. auf den hiesigen Wollmarkt gebrachten 2697 Ctr. 107 Pfd. Wolle blieben nur etwa 100 Ctr unverkauft. Außerdem sind jedo<h no< 367 Ctr. auf der Stadtwaage ver- wogen, welche theils früher auf dem Lande, theils während des Marktes selbst zur Verschiffung verkauft wurden, Der diesjährige Preis hat gegen den vorjährigen auf 75 bis 10 Nthlr. pro Centner sich gesteigert und wurde für den Centner ordinaire Wolle mit 45 bis 477 Rthlr., mittel Wolle 50 bis 55 Rthlr, und feine Wolle bis 60 Rthlr, bezahlt,

zeugnisse keinen Vortheil dabei gehabt, Jhre Shawls sind indeß von

[784] U d

Unter Verweisung auf die den stralsunder Zeitungen ausführlich eingerücten Ladungen vom heutigen Tage werden auf den Antrag der Kinder und Erben des ver- storbenen Pächters Arndt zu Zipke alle diejenigen, welche an dessen Nachlaßmasse, insbesondere an das Pachtrecht

Allgemeiner

l, C [383]_ Nothwendiger Verkauf. BSeckanufimmachungen. Stadigericht zu Berlin, den 12, März 1844, _Das in der Blumenstcaße Nr. 57 belegene Schmidt - sche Grundstü, gerichtlih abgeschäßt zu 11,133 Thlr. 17 Sgr. 6 Pf., soll

am 18, Oktober 1844, Vormittags 11 Uhr, an der Gerichtsstelle subhastirt werden, Taxe und Hy- pothekenschein sind in der Registratur einzuseheu,

der Mehrheit der Anwesenden. Datum Garz, den 18, Juni 1844,

l

T. S) Wagüere S E di fial-Ciati

Anzeiger.

resp, der anzunehmenden Einwilligung in die Beschlüsse

Bürgermeister und Nath.

Der Königliche Oberförster von Kobilinski zu Gram-

, dent alle diejenigeit, welche an das von des hochseligen

Herrn Herzogs August zu Braunschweig - Lüneburg Durchlaucht zu Wolfenbüttel in den acht Tagen der heiligen Ostern des Jahres 1646 den Nachkommen des Abtes Johannsen Haspelmacher zu Marienthal und dessen Ehefrau Eva Margarethe geborne von Lünebur on, ausgeseßte und bei der herzoglichen Kammer hierselbst belegte Fideikommiß - Kapital von 6000 Reichsthaler

der Domanial-Güter Zipke und Flemendorsf, die dazu gehörigen Juventarien, Saaten und Aker-Arbeiten, den Assecurations-Pachtvorschuß oder aus irgend cinem an- deren Rechtsgrunde Ansprüche zu haben glauben möch- ten, zu deren Anmeldung und Beglaubigung in nach- stehenden Terminen :

295, Juni, 16. Juli und 6, August d. J, Morgens 10 Uhr, bei Vermeidung des am 27. August d, J. zu publizirenden Präflusiv-Abschiedes, hiermit auf- gefordert.

Datum Greisswald, den 25, Mai 1844.

Königl. preuß, Hofgeriht von Pommern und Rügen,

L. S. v, Möller, Praeses. [757] Wt s U

Miít Hinweisung auf die ausführlih in den Stral- sunder Zeitungen enthaltenen öffentlichen Ladungen vom heutigen Tage werden auf den Autrag der Wittwe des zu Gruel verstorbenen Domainen - Pächters Friedrich Ahristlan Nange, Ale geb, Holtz, diejenigen, welche 4 dessen Verlassenschasts - Masse, namentlich an das ¿achtre<t der Domaine Gruel, das daselbst befindliche tebende und todte Jnventarium, Vorschuß, Saaten und Aerarbeiten, oder aus einem anderen Grunde Forde- rungen und Ansprüche zu haben glauben möchten, zu peren Anmeldung und Bescheinigung in einem der gad stehenden Termine,

25, Juni, 16. Juli und 6, August d. J., Morgens 10 Uhr, bei dem Rechtsnachtheile des durch den am 27, August cr. zu erlassenden Präflusiv-Abschied auszusprechenden gänzlichen Ausschlusses, hierdurch auf- gefordert,

Datum Greifswald, den 25, Mai 1844, Königl, preuß, Hofgericht von Pommern und Rügen,

(L. S) v, Möller, Praeses,

E

[755] Ediktal-Ladung.

In Gemäßheit des in der Verlassenschaftssache des Kaufmanns Ludwig Nöhl hierselbst erreichten , geriht- lich bestätigten Akfordes werden sämmtliche, nicht prä- fludirte Nöhlsche Gläubiger hierdurh geladen, sih in dem zur Auszahlung der ersten Hälfte der Akkords- Quoten auf den 11, Juli d. J,, Vormittags 10 Uhr, auf hiesiger Rathsstube auberaumten Termine einzu- finden, die ihnen gebührenden Hebungen , unter dem Präjudize der gerichtlihen Deposition auf Kosten und Gefahr der Ausbleibenden, entgegenzunehmen und die für sie aufgetretenen Mandatarien, so weit solches noch seben geschehen, mit ausreichenden Vollmachten zu ver-

Datum Bergen, den 1, Juni 1844,

(L. S.) Der Magistrat hierselbst,

U eacuma. a e

[A : & rec lia ma.

eber das Vermögen des Kaufmanns C, J, Tönnies zu Ganz is der förmlihe Koukurs erkannt s werden alle diejenigen, welche an den gedachten Kridar oder dessen Vermögen aus irgend einem Rechtsgrunde An- sprüche und Forderungen zu machen haben, geladen, Ls unter Vorlegung der Beweis -1Urkunden in den auf den

9, 19, Juli und 2, August d. J,

jedesmal 11 Uhr Morgens, an Geri A Zth un- ten Terminen anzumelden, etwanige Vorzugsrechte aus- zuführen, im ersten Termin über Bestellung eines Ge- mein-Anwaldes bei dem Konkurse, und im leßten Ter- min über die Liquidität der angemeldeten Forderungen so wie über die mit der Masse zu nehmenden Maß- regeln si zu erklären, bei Strafe der Präklusion und

zow hat Namens des Königlichen Fiskus bei uns die Theilung der gemeinschaftlichen Jagd auf der Feldmark Berlikow beantragt, Wir haben einen Termin zur An- meldung und zum weiteren Verfahren auf

den 2. September d, J., Morgens 10 Uhr, im herrschaftlichen Hause zu Bertifkow anberaumt, und fordern alle diejenigen, welche bei der Theilung cin Ju- teresse haben, auf, ihre Ansprüche in diesem Termine bei Vermeidung der Präflusion anzugeben und nachzuweisen,

Angermünde, den 5, Juni 1844,

Die Jagd - Theilungs - Kommission des Angermünder

Kreises. Grieben,

[830] Lt al-Citat E

Der Königl. Oberförster von Kobilinski zu Gramzow hat Namens des Königl, Fiskus bei uns die Theilung der gemeinschaftlihen Jagd auf der Feldmark Lüßlow beantragt, Wir haben einen Termin zur Anmeldung und zum tveiteren Verfahren auf den 3 September d. J. Morgens 10 Uhr im herrschaftlihen Hause zu Lüßlow anberaumt, und fordern alle diejenigen, welhe bei der Theilung ein Zuteresse haben, auf, ihre Ansprüche in diesem Termine bei Vermeidung der Präklusion anzugeben und nach- zuweisen,

Angermünde, deu 5. Juni 1844,

Die Jagd - Theilungs - Kommission des Angermünder

Kreises. Grieben.

[831]

Auf den Anras des - Herrn Dr. jur. du Roi 1. hierselbst, als legitimirten gemeinschaftlichen Mandatars der Haspelmacherschen Fideikommiß - Juteressenten, wer

sammt Zinsen Ansprüche zu haben vermeinen, um solche in dem dazu auf

den 30. Dezember d. J. Vormittags 10 Uhr im Gebäude des hiesigen herzog- lichen Kreisgerichts angesegten Termine gehöríg anzuz melden und, so viel als thunlich , zu bescheinigen, mit der Auflage, sich in dem angeseßten Termine auch: über die von der hicsigen herzoglihen Kammer beschlossene Aufhebung des in Rede stehenden Fideikommisses durch Auszahlung eines Kapitals von 6000 Rthlr. Cour., so wie über die Wahl eincs gemeinschaftlichen Bevoll- mächtigten zur Erhebung jenes Fideikommiß - Kapitals sammt Zinsen und Vertheilung beider unter die Jnter- essenten, zu erllären, entweder in Person oder durch hinlänglich legitimirte Mandatare zu erscheinen, béi Strafe des Ausschlusses damit vorgeladen.

Uebrigens wird nachrichtlih bemerkt, daß der Prä- flusiv - Bescheid nur durch die hiesigen Anzeigen und durch das Anhesten an die Gerichtstafel hierselbst ver- öffentlicht werden wird,

Decretum Braunschweig, den 15. Juni 1844,

Herzogliches ViGE 2ten Bezirks, d, Rieselt,

[7988] Vorla

Bon Seiten des K, K, Tribunals in Como und auf Ansuchen von Pius, Peter und David C je, \sämmt- lih in Como und vertreten durch den Advo ten Bolla, wird Carl Anton Porro, Sohn der verstorbenen Marco und Maria Catterina (geboren zu Stettin in Preuße aber in Como ansässig), der als Supplent fai Anton Ferrario am 27. Jänner 1810 n das damal 9te italienische Linien-Jufanterie-Regiment elitear u am 4, März 4813 in Berlin in sti

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