1844 / 180 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

wollen. Daß man die einigen Tausende von Seiden R, wenn sie nit sämmtlich bald zur Besinnung fommen, eher in ihre Heimath schi>en als solhem Treiben nachgeben werde, versteht s< von selbst. Der Verhafteten sollen gegen 70 sein. Muß si, nah den offiziellen Veröffentlichungen , das Urtheil bezüg- lich der Haltung der Behörden und der bewaffneten Macht in Ju= golstadt zu einem günstigen gestalten, o fann man si< nur freuen, daß alle Privatbriefe dem Wesentlichen nah mit jenen Veröffent= lihungen übereinstimmen. An Verleßungen, zum Theil schweren, wird es bei dergleichen Fällen und fann es uirgend fehlen. Jm Ganzen wurde aber die größte Mäßignng gezeigt, und auch die Be= handlung der Gefangenen wird als die humanste bezeichnet, ‘“

Königreich Hannover. Die Kölnische Zeitung ent- hält nachstehende Privatmittheilung aus Osnabrück vom 23. Juni: „Man weiß nun hier mit Bestimmtheit, daß vom 1. Juli an die hannovershe Gewerbeschein-Steuer für die Handlungs-Reisenden aus dem Zoll-Verein und überhaupt für alle Gewerbetreibenden, in deren Staaten die Reisenden höhere oder erhöhte Steuer zu entrichten haben, auf se<zig Thaler erhöht werden wird, Diese Maßregel wird für Manchen empfindlihe Folgen haben. ‘“

Großherzogthum Baden. Wie man vernimmt, beab- sichtigt der Herzog von Bordeaux diesen Sommer Baden-Baden zu besuhen. Laut dem Frankfurter Journal hat Professor Geroinus, der bisher in Heidelberg privatisirte, eine Berufung zur Mitwirkung an der dortigen Universität „als H onorar-Professor“ (eine zweideutige Zusammenstellung des Titels Professor honorarius -) angenommen.

Kurfürstenthum Hessen. Man schreibt aus Kassel vom 94. Juni: Da der am hiesigen Hofe akkreditirte preußische Gesandte, General von Thun, die Sommer - Monate auf seine Güter verweilt, und auch dessen Legations - Secretair, von Cauiß, mit Urlaub abwe= send is, so ist der zweite Sohn des Ministers von Savigny, früher eine Zeit lang der preußischen Gesandschaft in Lissabon attachirt, in Kassel cingetroffen, um interimistish die Legations-Geschäfte am kur= hessischen Hofe als preußischer Chargé d'Affaires zu versehen. Wie das Frankfurter Journal meldet, hat Se. Hoheit der Kurprinz= Mitregent nunmehr die Bildung von Vereinen der Gustav - Adolph= Stiftung in Kurhessen unter Vorbehalt höchster Genehmigung der Statuten gestattet. Zum Zwe> der Begründung eines kurhessischen Hauptvereins wird am 10, Juli d, J. eine Versammlung zu Kassel stattfinden,

Großherzogthum Hessen-Darmstadt. Der Shwä- bishe Merkur meldet aus Darmstadt, 22. Juni: „Die Aus= wanderungen aus unserem Lande gehen oftmals nah Richtungen, welche weniger genannt zu werden pflegen, als Nord - Amerika. So ist in den danziger Niederungen eine Kolonie Odenwald bestehend aus lauter Odenwäldern , gegründet worden, und eine An- zahl Auderer wartet nur auf die Ergebnisse jener Niederlassung, um,

sind sie günstig, sih ihr anzuschließen.“

Herzogthum Holstein. Zu Kiel waren am 24, Juni neuere Nachrichten über das Besinden der Großfürstin Alexandra aus St. Petersburg eingetroffen, welhe mehr beruhigend lauten. Der von Kopenhagen nah St. Petersburg zur Consultation berufene Professor Dr. Bang hat si<, was die Behandlung der hohen Pa=- tientin betrifft, mit den dortigen Aerzten einverstanden erklärt.

F Lübe>, 27. Juni. Heute ist von dem seit 14 Tagen hier= selbs versammelt gewesenen (aus zweien Mitgliederu unseres Senats, dem bremishen Major Reuter, dem oldenburgischeu Hauptmann Schleufer und dem hamburgis<hen Hauptmann Wilms zusammenge- seßten) Militair - Gerichte das Urtheil in der vielbesprochenen Sache des Hauptmanus Nachtigal abgegeben worden. y

Um dasselbe gehörig zu würdigen, bedarf es wohl einer kurzen Recapitulation des bisherigen Verfahrens in dieser Sache. j

Auf den Grund verschiedener, bei der im Juli v. J. vom Bri= gade-General von Gayl vorgenommenen Juspection des hiesigen Bun= des-Kontingents verlautbarter Anschuldigungen wider den Quartier= meister Nachtigal fand si< unser Senat hon damals veranlaßt, eine außerordentliche Untersuchungs - Kommission niederzuseßenz ihr Aus= spruch ging dahin, daß kein Grund zur Einleitung einer Kriminal= Untersu<hnng wider den Hauptmann Nachtigal vorliege. :

Das Resultat dieser Kommission und deren Kompetenz erschien dem V “p Offizier-Corps nicht genügend, um die Ehre des Haupt-= manns N. für gehörig gereinigt ansehen zu können. Zur Beseitigung desfalls entstandener Reibungen trat im Januar d. J. in Bremen ein Ehrengericht zusammen, welches auf den Grund der von gedachter Kommission bisher geführten Untersuchung si< dahin entschied, daß die militairishe Ehre des Hauptmanns N. für verleßt nicht anzu= sehen sei. Fast gleichzeitig mit dieser Entscheidung waren von dem hiesigen Staats-Fourier Rü>er neue Denunciationen wider den Haupt= mann N. vorgebraht worden. Eben diese veranlaßten den Senat, die abermalige Untersuchung dem obenerwähnten förmlichen Militair= gerihte zu übertragen , dessen Entscheidung nun heute erfolgt ist. Nach Jnhalt derselben hat sich herausgestellt :

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ren Tempels, mit der scheußlihen, Typhonish genaunten Figur geziert, Alles in gleich spätem, shlehten Style. Hier mußten wir den ganzen Tag auf Kameele warten, und erst am Donnerstag Morgen konnten wir unsere Wan- derung zu dem etwa 8 Stunden in die Wüste hinein entfernten Naga an- tritc,, Die Wüste is hier aber niht mehr, wie zwischen Korosko und Abu Hammed, sondern mit einer großen Menge, freilih kümmerlich wachsender Dornsträuche bede>t, meist lauter Akazien- und Mimosen-Arten, doch auch Hezlyga's, Naboks 2c. z sie schen alle wie umgekehrte Pyramiden aus, selten über 4 Fuß Höhe und voll von Dornen, Nur hier und da, elwa am Rande eines jeyt ganz tro>enen Negenbachs, erhoben \ie sich zu größeren Bäumen, Man merkt denn doch hier {hon den Einfluß der tropischen Regen, die indeß in diesen Gegenden oft ganz ausbleiben. Aus der Ebene ragen viele einzelne Sandsteinberge mit oft malerischen Formen und schönen bunten Farben empor. Gegen Sonnen-Untergang waren wir bei den Rui- nen von Nagaz außer mehreren unförmlichen Squithaufen, besonders vier Tempel , nur klein, aber in ägyptishem Styl, aus Sandstein-Quadern er- baut, ziemlich einfa, nur der eine mit mehreren Thoren und Höfen hinter einander. Merkwürdig war vor jedem Tempel und offenbar zu ihm gehörig ein anderes Gebäude, das ih nicht leicht zu beschreiben wüßte: ein Viereck von Pfeilern und Bogenstellungen, dic, obgleich in vielem Detail ägyptisch, do mehr römish als ägyptish aussahenz ein wunderliches, nit häßliches Gemisch dieser beiden Style! Sie sahen ganz aus, wie späte Römerbauten und waren jfcaar unter dem Einfluß des in den Orieut eingewanderten rômischen Geschma>es errichtet! An den Wänden der Tempel Darstellun- n a Bylisher Götter, aber auch eines ganz barbarischen, mit 4 Armen und ines wipobpel-Löwenkopf; ferner von Königen und Königinnen, deren Na-

t Vie ft \hou in den Pyramiden gefunden hatten, barbarisch

cue au. Wir \<lugen unser Zelt in einem Tempel auf und genossen die shouste Vollmondnacht, während unsere Leute ein großes Feuer anzündeten, um sich gegen die Löwen zu shügen die es einmal, vor langer Zeit, in dieser Gegend gegeben haben soll, Am anderen Tag ging es nah dem 4—5 Stunden nördlich von da enifernten sogenannten Mesaurat eigent- li nennen die Leute hier alle diese Ruinen und alten Mauern el Mesau-

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1) Hinsichilih des Hauptmanus Nachtigal: Daß derselbe, um bei der Revision des Militair-Magazins dieses vollständig vorzuzeigen, einige wenige Montirungsstücfe aus anderen Vorräthen angeliehen, jedoch später wieder eingetauscht hat. Ju Bezug hierauf heißt es im Urtheile: „daß der Haupt- mann N. zwar uur eine vollkommene Uebereinstimmung des Magazin - Be- standes mit der Liste herbeiführen wollte, sich indessen dadurch immer einer Täuschung der revidirenden Behörde, so wie der Anleitung eines Unter- gebenen, zu einer pflihtwidrigen Handlung schuldig machte; daß sämmtliche übrige wider ihn vorgebrahte Anschuldigungen theils unwahr sind, theils des Beweises entbehren, theils nur auf Entstellung völlig shuldloser Hand- lungen beruhen,“

2) Hinsichtlich des Staats-Fouriers Nü>ker : Daß derselbe mehrere Ver- dächtigungen scines Vorgeseßten hinsichtlih solcher Punkte vorgebracht hat, von denen er, eigenem Geständnisse zufolge, überzeugt war, daß Jenem eine Verschuldung nit zur Last fallen konnte, daß er zum Vorbringen dieser Anzeigen nur veranlaßt ward dur<h wiederholte Ueberredung eines hiesigen Bürgers; daß er wegen der für ihn (von scinem Nechts - Anwalte) dem Vorsitzenden der vorläufigen Untersuhungs-Kommission eingereichten scrift- lichen Anzeigen nicht verantwortlih zu machen is, weil er von denselben vor der Eingabe feine Kenntniß erhielt, au<h den Vezfasser derselben zu deren Ueberreichung nicht beauftragte.

Auf den Grund dieser Resultate hat das Militairgericht ein= stimmig erkanut:

Der Hauptmann N. wird wegen des von ihm eingestandenen Dienst- Vergehens zu einem se<hswöchentlichen strengen Zimmer - Arrest verurtheilt, von allen übrigen Anschuldigungen aber losgesprochen ; der Staats-Fourier Rü>er wird wegen der ihm hinjchtli< seiner Denunciationen zur Last fal- lenden strafbaren Handlungen zur Degradation zum Gemeinen und vier- zehntägigem strengen Arrest gelinden Grades verurtheilt.

Oesterreichische Monarchie.

Preßburg, 24. Juni. (Preßb, Ztg.) Jn der Reichstags= Sibung der Magnaten vom 20sten wurde der zweite Punkt der Re= ligions - Beschwerden, nämlich der Uebertritt von einer Religion zur anderen, verhandelt und nach einer lebhasten und langen Diskussion folgende Fassung angenommen:

1) Wer von der fatholischen zu ciner anderen gescylich rezipirten Ne- ligion, oder von einer solchen zur fatholischen überzutreten gesonnen ist, hat sein Vorhaben in Komitaten dem betreffenden Stuhlrichter, in Freistädten dem Stadthauptmann, in Gegenwart zweier von ihm selbst herbeigerufenen Zeugen schriftli in zwei Exemplaren mitzutheilen und seinem betreffenden Pfarrer in einem Exemplar zu überschi>en oder zu überreihen. 2) Der betreffende weltliche Beamte muß auf beide Exemplare der Eingabe Jahr und Tag anmerken, wann die Eingabe geschah, und beide Exemplare mit einem Jndorsate verschen, worin Zeit und Ort bestimmt wird, wann und wo der Betreffende vor ihm und der zugenommenen Zeugenschaft die in diesem Falle in einer Stadt aus zivei Magistrats-Räthen und in den Komitats-Bezirken aus einem Assessor und einem Hadnagy bestcht zu erscheinen hat, 3) Der laut 2) festzuseßende Termin darf nicht länger als auf 15 Tage angeseßt werden, vom Tage der Eingabe an gerechnet. Dieser Termin wird von dcn in 2) genannten welt- lihen Beamten dem Geistlichen bei Zeiten bekannt gemacht, damit derselbe, wenn er es nothwendig findet, bei dem Verhör zugegen sein könne. 4) An dem bestimmten Tage hat der Betreffende vor dem weltlichen Beamten zu ersheinen und wird im Falle des Erscheinens seines Pfarrers in Gegenwart desselben und der zwei von ihm selbst gewählten Zeugen verhört. Berbleibt er bei seinem Vorhaben, so wird ihm hierüber von den Anwesenden ein Zeugniß ausgestellt. 5) Der Vicegespan oder resp. Bürgermeister oder

Stadthauptmann muß, sobald dieses Zeugniß verabfolgt wurde, den Ueber- trittsfall sogleich dem betreffenden Geistlichen derjenigen Konfession, zu welcher der Uebertriit geschieht, und auch dem betreffenden Geistlichen der- jenigen Religion, die der Uebergehende verläßt, falls derselbe nicht beim Verhöre zugegen war, mittheilen. 6) Diejenigen weltlichen Beamten, welche den überzutreten Gesonnenen verhörten, haben der Königlichen ungarischen Statthalterei, nebst einem ausführlihen Bericht über das ganze Verfahren, das zweite Original Exemplar der Eingabe und eine Kopie von dem aus- gestellten Zeugniß zur Kenntnißnahme extra dominium einzushi>en. Der Zurisdietion selbst wird vierteljährlih ein Register der vorgekommenen Uebertrittsfälle vorgelegt.

4 Prag, 24. Juni. Die Hoffammer hat beschlossen, vom 1, Juli d. J. angefangen eine weitere Herabseßung der Portogebüh= ren für Werthpapiere, welche auf bestimmte Summen lauten, eintre= ten zu lassen. Ueber die Art der Bemessung der herabgeseßten Ge= hühren wird demnächst eine allgemeine Kundmachung erfolgen, Auch die von allen Klassen der Bevölkerung längst und mit Sehnsucht erwartete Ermäßigung der Einfuhr-Abgaben von Roh-Produkten und Kolonial= Waaren ist nah von Wien so ebeu eingelangten zuverlässigen Nachrichten dur Allerhöchsten Befehl bereits entschieden, und die Bekanntmachung der neuen Tarifssäße binnen kurzem zu erwarten, Wie in vielen an- deren Beziehungen werden diese Zoll-Ermäßigungen auch dadurch be= sonders wohlthätig wirken, daß sie niht nur das Einshwärzen von Kolonialwaaren, sondern au< vou Fabrikaten vermindern werden, weil nur die große Schmuggler-Prämie für Erstere, auch die Einführung von Fabrikaten lohnend machen konnte.

Die von den hiesigen Kattundru>kern begonnenen Exzesse sind zwar von dieseu nicht weiter fortgeseßt, aber die gänzliche Herstellung der Ordnung in unserer Stadt no< nicht erzielt worden, und das no< täglich stattfindende Zusammenrotten von Gesellen, Lehrlingen und Arbeitern verschiedener Gewerbe und die dabei gegen die israe- litishen Einwohner sih fundgebende Erbitterung macht die Fortdauer der bisherigen strengen polizeilichen Verfügungen, so wie das Umher= ziehen zahlreiher Militair-Patrouillen, no<h immer höchst nothwendig,

3+ Lemberg, 18. Juni. Das hiesige Landes-Präsidium hat die übrigen Provinzial - Regierungen von einem russischen Ukase in

vie, zu denen wir jeyt fommen, nah dem Thale el Safra, das sich in jencs (wo ein fruchtbarer, zum Thcil no< von den Einwohnern von Schendi benußter Boden is) mündet. Dort brachten wir einige Mittagsstunden zu, Vei den weitläuftigen, kaum zu entwickelnden Mauern und Säulenstellungen, mit vielen Kammern, Höfen, Gängen, Treppen 2c. An der Basis einiger Säulen finden sich ziemlich barbarishe Basrelief Götter- und Krieger-Gestalten, K- nige auf Elephanten rcitend (in den Pyramiden hatten wir zum erstenmal ein Kameel gefunden), 2c. aber gar feine Hieroglyphen, Zun der Nähe no< Neste von kleinen Tempeln, vor deren einem ein paar schreitende Ko- losse in ägyptischem Styl und Tracht, und der Umfangswall eines kolossalen Wasserbehälters. Es ist hier wohl kaum eine große Stadt gewesen, sondern nur das Lust- oder Jagdschloß eines Königs, aus sehr später Zeitz viellcicht zugleich als Station auf dem Wege von Meroe nach dem Süden dienend. Wir machten am Abend noch einen Theil des S, lagerten die Nacht in herrlihem Mondschein bei „löwenversheuchendem Feuer“ und waren am Sonnabend (3. Februar) wieder bei unserer Barke, mit der wir Mittags abfuhren, zwischen flachen, do baumreichen Ufern hin,

Bei Wud Medina, Freitag, 8. März, i Am Sonntag, den 4, Februar, sahen wir, zwischen abwechselnden, meist grünen und baumreichen Ufern hinfahrend, zum erstenmale Nilpferde ihre Köpfe aus dem Wasser erheben, wo sie denn mit gebogenem Halse und der Schnauze im Wasser, wirklich etwas Pferdeartiges hatten, Ganz haben wir ein Nilpserd ers vor 3 Tagen gesehen, wo eins bei hellem Tage (sonst fommen sie meist nur Nachts heran) auf dem Usersand stand und uns iemli< nahe kommen ließ; auf einen Schuß trug es seine unförmliche asse in schr shncllem Lauf eine Stre>e weit auf dem Lande hin und stürzte sih dann in den Fluß, den dien, sheußlichen Kopf mit der breiten Schnauze voran. Der Landesname Chamus el Bahhar (Strom-Büffel) ist freilich weit bezeichnender und angemessener als der griechische (xx07r07au06,

welcher no< dazu eine wunderlihe Zusammenseßung ist und eigentli

„Pferdefluß“ heißt, Am Nachmittage fuhren wir in engem Thale dur

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rat; die zuerst gesehenen benennt man am besten nah dem Thale Anateb; | das schöne, g

Kenntniß geseht, welher für die österreichische Pferdezucht von großer Wichtigkeit ist. Auf Vorstellung des Finanz-Ministers wurde nämlich an die betreffenden russishen Gränz=- Aemter ein Kaiserlicher Befehl erlassen, daß der im Tarife auf die Ausfuhr von Pferden bestimmte Zoll, bei allen Zoll - Aemtern an den europäishen Gränzen aufgeho=- ben sei, hingegen die zollfreie Einfuhr der Pferde aus dem Auslande na< Rußland dur<h obgedahte Zoll-Aemter dur< 4 Jahre zu dauern habe, und dann über die fernere Ausübung dieser Maßregel, falls sie für nüßli<h erkannt werden sollte, vom Finanz-Minister der weitere

Antrag zu stellen sei. : Frankrei

Paris, 23. Juni. Das gestrige Votum der Deputirten-Kammer, durh welches, nah dem Vorschlage Gauthier de Rumilly's, für die Eisenbahn nah Won die Schienenlegung auf Staatskosten angenom- men, also der Grundsaß der bloßen Betriebs-Verpachtung ausgestellt wurde, is von großer Wichtigkeit, Es wind dadur das Geseß von 1842 und der ganze Regierungsplan umgestürzt und die vollständige Ausführung der Eisenbahnen durh den Staat als zulässig anerkannt. Schon bei den Verhandlungen über die Eisenbahn von Orleans nach Bordeaux wär dur ein Amendement Muret de Borkt's dieselbe Frage gestellt worden. Damals verwarf die Kammer das Amendement, aber mit so \s{<wacher Majorität, daß man bei Erneuerung der Frage un= ter günstigeren Umständen eben so gut ein entgegengeseßtes Votum erwarten konnte. Die Opposition schreibt das jeßige Resultat vor= züglich der Rede des radikalen Deputirten Garnier Pagés und dem Schweigen des Ministeriums zu. „Die Argumente dieses Redners“, sagt der Siècle, „verurtheilten das System der Compagnieen ganz und garz denn alle Fehler, die der Redner bezeichnete, finden si in gleichem Grade bei den Pacht- wie bei den Finanz-Compagnieen. Beson- ders hob der Redner hervor, daß die Eisenbahntarife auf gleiche Linie mit den Zolltarifen gestellt werden müßten, und daß der Staat in dem einen Fall so wenig wie in dem anderen an Privat-Gesellschaften das Recht aba treten könne, die Transport-Taxe zu verändern, da sie den Preis der Waare bestimmt. Der einzige logishe Schluß aus dieser Beweis- führung is der Betrieb auf Rechnung des Staats. Viele Mitglieder nahmen au das Amendement nur als einen Nothbehelf an. Viele andere wollten gegen die seltsame Stellung eines ohnmächtigen und willenlosen Ministeriums protestiren, welches keine Meinung geltend zu machen und mit Festigkeit durchzuführen weiß und nur nah dem Ruhm der Existenz zu streben scheiut, ohne si< um die ernsten Jn-= teressen des Landes zu kümmern. Dieses Ministerium, welches si als eine aus\hließli< auf die großen Friedenowerke bedachte Verwal- tung ankündigte, läßt die Angelegenheiten des Landes mit beklagenê- werther Sorglosigkeit im Stich. Alles geschieht ohne seine Hülfe und Mitwirkung, Das Geseß über den Sekundär - Unterricht, das wichtigste moralische Jnteresse der Zeit, wird der Prüfung einer Kommission überlassen, die aus Mitgliedern besteht, welche der mini steriellen Majorität fast ganz fremd find, und diese berathshlagt so, als ob das Kabinet vom 29, Oktober gar niht vorhanden wäre, Das Geseh über die Eisenbahnen, das wichtigste materielle Interesse des Augenblicks, geht dur die Unthätigkeit und Ungeschi>klichkeit der Regierung zu Grunde; denn man verkenne nicht, eine einzige Stimme mehr, dur< das Zusammenwirken verschiedener Ansichten herbeigeführt, fann einem neuen System nicht zur Grundlage dienen, kann unsere Finanzen nicht einer gefährlihen Probe ausseßen. Die Aunahme des Rumillyschen Amendements zerstört das Geseß, aber ohne das Prinzip der Pachtgesellschaften zu organisiren. Dieses Votum is eine unermeßliche Niederlage für das Kabinet, es beweist, daß wir keine Regierung besißen, die dieses Namens würdig iz aber eine andere Bedeutung kann es niht haben.“ Sanguinischer in seinen Erwartungen mit Hinsicht auf die Folgen dieses Amendements für die ganze Eisenbahn-Gesebgebung ist der Constitutionnel, der sich darüber folgendermaßen äußert: „Der Beschluß der Kammer wird lauten Widerhall im Lande finden und bereitet unseren Finanzen, auf Kosten einiger vorübergehenden Schwierigkeiten, eine herrlihe Zukunft, Niemand kann, troß aller angestellten Berehnungen, den Ertrag der Eisenbahnen genau vor= her wissenz aber der Eifer, womit die Privat-Finanzgesellshaften sich auf diese Unternehmungen stürzen, zeigt hiulänglih, daß sie davon eine reie Beute hoffen. Die Kammer, von ihrem natürlihen Jn- stinkt geleitet, hat ihnen diese nicht lassen wollen, sie hat eingesehen, daß sie nicht für den Preis einiger wucherischen Dienste die ganze Finanz=Zu= funft des Landes aufopfern dürfe, Sie hat daher den stürmischen Forderungen des seinerseits wiederum von einigen Banquiers gedräng- ten Ministeriums sich widerseßt und ist entschlossen, L den Weg der Ausführung durch den Staat zurückzukehren. Man sagt, die Kammer trete mit sih selbs in Widerspruch, sie habe für Bordeaux das Ge= gentheil von dem votirt, was sie sür Lyon votire, sie stoße also ihr eigenes Urtheil um, und das sei parlamentarishe Anarchie. Wäre dies selbst der Fall, so würde es immer noch besser sein, spät zur Wahrheit zu gelangen, als im Jrrthum zu beharren, Aber der Wis- derspruch is so stark niht, Als Herr Muret de Bort sein Amende= ment entwidelte, gestand er ohne Bedenken ein, daß die Frage wegen der Ausführung dur<h den Staat weit vortheilhafter bei sehr cinträglihen Linien, wie die von Paris nah der nördlihen Gränze und nah Lyon, gestellt werden könne. So fonnte also das Amendement in dem einen Fall verworfen, in dem anderen angenommen werden, ohne daß man deshalb die Kam-= mer eines Mangels an Logik anzuklagen brauht, Wenn das gestrige

ranitishe und Porphyr-Gebirge von Guerri hin, das den Fluß eine Stre>e weit zu beiden Seiten begleitet; er scheint hier nicht quer durch- gebrochen, sondern scinen Weg in einem Längenthal gesucht zu haben, Am Fuße der Klippen oft eine prächtige, grüne Vegetation mit hohen, {hön gruppirten Bäumen, Am Südende bilden die Ausläufer des Gebir- ges wieder eine Katarakte, die aber selbst jeyt bei niedrigem Wasser nicht schr gefährlich is, Am Montag Abend waren wir in Chartum, das {on etwas den blauen Fluß hinaufliegt; die Verbindung der beiden Ströme, durch eine Jusel verste>t, hatten wir nicht geschen. In Chartum bezogen wir cin Haus, wo wix nur durch den Kalkstaub, da es neu geweißt war, viel zu leiden hatten, und blieben beinah 14 Tage dort; wir thaten uns gütlih an den föstlichen Trauben, Granatäpfeln 2c., die die Gärten dort he. vorbringen. : Charium ist eine ganz neue Stadt, aus lauter viere>igen Lehm- häusern bestehend, weitläuftig gebaut, mit s{hönen Gärten. Da sie der Siß des Gouvernements für den ganzen Süden war der jeyt in mehrere Paschaliks zertheilt worden so finden sich viele Europäer dort, meist Jtaliener und Franzosen, ein geflüchteter Pole, der Médecin en Chef und eîu Naumburger, der Pharmacien en Chef is und mit seinen blauen deutshen Augen unb seinem offenen ehrlihen Gesicht auch noch deutschen Sinn bewahrt hat, obwohl er lange in Aegypten und mit der Armee des Pascha in Arabien gewesen is und mancherlei durhgemaht hat, Er er- zählte uns, daß es 1m südlichen Arabien einen ganzen Stamm Juden gebe, welche äußerst kriegerish seien, Ueber den Tod von Ahmed Pascha wußte eigentlich Niemand etwas Sicheres zu berichtenz das Glaublichste war noch, daß er, in Verzweiflung, weil seine Unterhandlungen mit Konstan- tinopel nit vor®därts gingen, im Uebermaß Opium genommen, welches seinem durh Ansshweifungen aller Art hon untergrabenen Leben ein Ende gemacht. Er muß ein wilder Herr gewesen sein, der sih_nur durch astlihen Empfang alle durchreisenden Europäer und einige Spiel- und Lrink-Kameraden zu Freunden gemacht; hier hing ihm Niemand an, nicht einmal die Soldaten hatte er zu gewinnen verstanden, Der jeßige Pascha von Chartúum, Emim Pascha, is ein Cirkassier, und ziemlih unterrichtet ;

Votum, wie wir hoffen, definitive Kraft erhält, so wird darum die entgegengeseßte Bestimmung in Betreff der Eisenbahn nah Bordeaux nicht weniger in Kraft bleiben, und dann muß von zwei Dingen eines gesehen: entweder die Gesellschaften begnügen si< mit dem Antheil, den die Geseßgebung ihnen läßt, und dann werden dur< ihre Mit- wirkung die Opfer des Staats sehr erleichtert; oder sie verweigern eine Mitwirkung, die ihnen nicht mehr dieselben Vortheile darbietet, und dann hat die Regierung allmälig alle die durh das Geseß von 1842 im Prinzip beschlossenen Eisenbahnen auszuführen. Wird die Sache deshalb weniger {nell von Statten gehen? Man sagt es, aber wir glauben es faum. Die Kapitalien, die man zur Ausfüh= rung heranziehen wollte, bedürfen der Beschäftigung, und von dem Tage an, wo es feststeht, daß sie den Staat niht mehr zum bethör= ten Associé haben können, werden sie si< nur zu glü>lih s{äben, hun zum Schuldner zu haben. Erst ganz neuerlih hat der Schaß einen Anleihe-Theil zu weniger als 4 pCt. Zins untergebraht. Glaubt man, daß die Darleiher in ihren Forderungen unbescheidener sein werden, wenn die Unterpfänder des Staats für seine Zahlungsfähigkeit sich vermehren? Wir unsererseits können es nur höchst lobenswerth finden, daß man dem Staat einen Gewinn erhalten will, den die Banquiers gern in Beschlag nehmen möchten. Auch vou Seiten der öffentlichen Sittlichkeit und der Würde des Parlaments hat das gestrige Votum seinen bedeutenden Vortheil, Es macht mit einem Mal jenen persón= lichen Fragen ein Ende, mit denen man sih so viel beschästigt hat, und die einen Konflift zwischen beiden Kammern zu veranlassen droh= ten. Wenn der Staat die Eisenbahnen vollendet, wird man nicht mehr dana< zu forshen haben, ob das Privat = Jnteresse der Deputirten und der Pairs dabei betheiligt i und man si< dagegen zu wahren hat,“ Sehr bestürzt und entrüstet zeigt sich das Journal des Débats über den Beschluß der Kammer. Es hat bekanntli<h in der Eisenbahn - Frage fort= während mit leidenschaftlihem Eifer für die Privatgesellshaften das Wort geführt, und dieser Richtung getreu bleibend, spricht es heute die feste Ueberzeugung aus, daß das Kabinet niht vou dem Grund= saß des Geseßes von 1842 abgehen und der Kammer nächsten Mon= tag anzeigen werde, was es in Folge ihres Votums zu thun gedenke. „Es 1ist nicht genug“, fügt es hinzu, „daß man tausendmal Recht habe, man muß auch beweisen, daß man davon überzeugt is. Aber das Ministerium kann auch das Geseß von 1842 nicht mehr aufgeben, das ein Grundgeseß des Landes geworden is, Unmöglich kann man das Prinzip desselben fahren lassen, um einem unüberlegten Votum oder einer Laune der Kammer nachzugeben, oder weil es fast 200 Deputirten gefallen hat, an einem heißen Tage von der Sihung fern zu bleiben. Ein System, welches die rasche Vollendung des Eisen= bahnnueßes garantirte, indem es den Staat nicht blos durch eine un= bestimmte Verpflichtung gegen das Land, sondern durch einen obligato= rischen Kontrakt mit den konzessionirten Compagnieen band, ist auf diese Weise vernichtet, Die Eisenbahuen müssen indeß ausgeführt werden, aber es geziemt si<h nicht, daß Regierung und National-Re= präsentation der Welt ein Schauspiel beklagenswerthen Wankelmuths geben. Uebrigens wäre es sehr irrig, zu glauben, daß das System der vollständigen Ausführung des Eisenbahn-Netes auf Staatskosten des Erfolges sicher wäre, selbs wenn eine stärkere Majorität als die einer einzigen Stimme das gemischte System von 1842 beseitigt hätte. Die Regierung brauchte sich nur für das andere System zu erklären, so würden gewiß viele seiner jeßigen Vertheidiger auf der Stelle in Gegner des= selben sih verwandeln.“ Die Presse hingegen findet sih, wie sie erklärt, dur<h die Annahme des Rumillyschen Amendements gar nicht überrasht, „Js es denn“, sagt dieses Organ einer Fraction der Konservativen, „ist es denn jeßt zum erstenmale, daß von Vollendung der Eisenbahnen dur< den Staat gesprochen wird? Jsst nicht das Kabinet, indem es in den Entwürfen für die nördlihe Bahn, für die von Vierzon und Bordeaux diesem System einen Plaß einräumte, der Kammer zuvorgekommen, und hat es nicht gewissermaßen zur Annahme dieses Systems herausgefordert? Man wird die Cisen= bahngeseßbe deshalb nicht zurü>ziehenz in der Ausführung der Ar= beiten wird kein Verzug eintreten; die Ungleichheit, welhe man zu fürhten scheint, wird Niemanden berühren. Wenn man 5—600 Mil- lionen finden fonnte, um den {wachen und unglücklichen Projekten von 1840 zu genügen, so wird man auch 360 Millionen, innerhalb aht Jahren zu realisiren, zur Schienenlegung, das heißt zur Erhal= tung der Macht und Wirksamkeit des Staats, erlangen. Die ge= fürchtete Ungleichheit aber, falls die Eisenbahnen nah Lyon und dem Norden nur in kurzen Betriebspachten ausgebeutet würden, während die nah Bordeaux oder no< andere Bahnen in die Hände von Fi- nanz-Compagnieen kämen, würde nicht größer sein, als sie mit Hin= sicht auf die Konzessionszeit bestände, wenn diese für die Bahnen nach Lyon und dem Norden auf 25, für die nah Straßburg und Bor= deaux auf 41 Jahre bewilligt wäre,

Paris, 24. Juni. Die Vorausseßung der ministeriellen Blätter, daß mit dem ersten Gefeht zwishen den Marokkanern und Franzo-= sen der Krieg abgethan sein werde, hat sih uicht bestätigt, es is be- reits zu einem zweiten Treffen gekommen, welhes vom Marschall Bugeaud selbs geleitet wurde. Die von ihm befehligte Kolonne, aus 4 Bataillonen, einer Abtheilung Reiterei und einer halben Batterie bestehend, war am 7, Juni von Oran abgegangen und un= behindert an den Jsser gelangt, Am 10ten verließ sie ihr Bivouac

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am Jsser und nahm ihren Marsch geradesweges nach dem Lager zu Lalla Magrina, wo bekanntlich die Division des General-Lieutenants Lamori= cière stand; auch die aktiven Kolonnen, welche von den General-Majoren Tempourre und Bedeau kommandirt werden, befanden sih an der Gränze von Marokko und hatten si< mit jenem in Verbindung geseßt. Zu Oran sollte, den Befehlen des General-Gouverneurs zufolge, am 13ten noh eine neue Kolonne aus 3 Compagnieen der Fremden-Legion und ver= schiedenen anderen Truppentheilen gebildet werden und dann unverzüg-= lih na< der Gränze agufbrehen, Am 10ten wollte man zu Tlemzen wisseu, der Kaiser von Marokko sei geneigt, Frankreich vollstäudige Genugthuung zu gewähren, indeß fehlte jede sihere Kunde darüber, denn das erst wenige Tage vorher von dort nah Tanger abgefertigte Dampfboot „Vautour““ war no< niht wieder zurü>, Mehr Glauben fand die Behauptung, daß der heilige Krieg in Marokko hon gepre- digt sei, und man zweifelte sehr, daß es dem Sultan Abderrhaman gelingen möchte, die Ruhe in seinen Staaten wiederherzustellen, selbst wenn dies seine Absicht wäre. Es hieß auch, die Ein- wohner der marokffanishen Stadt Uschda hätten aus Furcht vor den französischen Truppen \{<on ihre Wohnungen verlassen. Einige behaupteten ferner, der maroffanishe Befehlshaber, der zuerst die Lamoricièresche Division angegriffen, sei vom Kaiser gefangen ge- seßt worden, aber eine sichere Quelle wußte man weder für dieses, no< für viele andere in Tlemzen verbreitete Gerüchte anzngeben. So weit reichten die Nachrichten aus Oran vom 12. Juni, welche die neuesten aus Toulon eingegangenen Zeitungea bringen, Gleich- zeitig mit diesen is indeß dur<h deu Telegraphen folgende aus dem Lager von Lalla Magrina datirte Depesche des Marschall Bugeaud vom 16. Juni an den Kriegsminister gelangt: „Gestern, inmitten einer Konferenz mit dem Befehlshaber der marokkanischen Armee, feuerten dessen Truppen, aus 5000 Reitern bestehend, auf uns und verwundeten einen Offizier und zwei Soldaten, ohne daß wir es erwiederten. Die Konferenz wurde abgebrochen, und es erfolgte ein Angriff der marofkkauishen Truppen auf die Generale Lamoricière und Bedeau. Jh langte an, ergriff die Offensive und tödtete dem Feinde 3— 400 Mann, die in unserer Gewalt blieben, J< nahm ihm Pferde und 3—400 Stü>k Waffen ab. Nie war eine Züchtigung so verdient, Wir hatten 6 Todte und etwa 20 Ver- wundete.“ Es scheint fast, als ob diese Depesche eine Niederlage der Generale Lamoricière und Bedeau verberge, da über das Resul- tat des Angriffs der marokkanishen Truppen auf dieselben, vor An- funft des General-Gouverneurs mit seiner Kolonne, nichts gesagt ist. Doch köunte au<h der Marschall gerade no<h zur rechten Zeit auf dem Kampsplabe eingetroffen sein, um die Defensive von französischer Seite in die Offensive zu verwandeln und den verrätherishen Feind, dessen Benehmen an das der Afghanen erinnert, zurü>zuschlagen. Jedenfalls dürften nah diesem Ereigniß die Rüstungen gegen Ma- rokfo noch ernstliher und rascher als bisher betrieben und die Abfahrt der Expedition von Toulou möglichst beschleunigt werden. Prinz Joinville war dort am 20sten Morgens angekommen und hatte sich gegen Mittag am Bord des die Admiralsflagge tragenden „Suffren“ begeben. Die Kriegs-Magazine haben 80 große Zelte, deren jedes 16 Mann faßt, 1200 Helme und andere Gegenstände sür die Ma- rine-Artillerie und Jufanterie, die der Prinz an Bord seiner Division nehmen wird, zur Versügung der Marine gestellt. Ein Dampfschiff holt von Cette 2 Jngenieur-Compaguieen, die den Bestand der Lan= dungs=Truppen vervollständigen sollen. Man glaubte, das Geschwa- der werde am 2lsten nah Marokko unter Segel gehen. Der Wind begünstigte die Fahrt. :

© Paris, 24. Juni. Seit vorgestern Abends ist das Gerücht

in Umlauf, das Kabinet werde sih heute in Masse zurückziehen, wenn die Kammer das vorgestern angenommene Rumillyshe Amendement, demzufolge der Staat die Schienen auf der Eisenbahn von Paris nach Lyon legen soll, niht zurü>nimmt. Hierüber beeile ih mi, Ihnen folgende Aufschlüsse zu geben, die Sie als ganz authentisch be- trachten fönnen. Die Annahme des Amendements is nur dem Um- stande zuzuschreiben, daß die Hälfte der ministeriellen Deputirten bei dem Votum abwesend war. Da ferner Herr von Lamartine \<on vor Verkündigung des Votums seinen Freunden auf sein Ehrenwort erklärte, er habe aus Versehen eine weiße Kugel statt einer \<warzen in die Stimm=Urne geworfen, und da eben diese Kugel die An- nahme des Amendements entschied, so wäre es dem Kabinet nicht ganz unmöglich gewesen, das vorgestrige Votum von der Kammer heute ändern zu lassen. Aber nachdem vorgestern Abends die Sißung aufgehoben wurde, versammelten sich alle Minister bei dem Marschall Soult, um über die Angemessenheit eines solhen Mittels zu berathen. Die Majorität des Kabinets widerseßte sih jedoh, mit Recht be- hauptend, daß man dadur<h ein Beispiel aufstellen würde, welches früher oder später der Regierung sehr schaden könnte, wenn nämlich die Opposition, darguf gestüßzt, die Wiederholung irgend einer ihr zum Nachtheil ausgefallenen Abstimmung verlangen wollte,

Die Majorität des Kabinets meinte zwar, daß man sehr leicht das Beispiel des Tory=Kabinets nachahmen könnte, welches erst fürz- lih in der Zu>erbill das ihm ungünstige Votum des Unterhauses am folgenden Tage durch ein günstiges erseßen ließ. Da indeß die Ma-

jorität des Kabinets in einer so bedenklichen Frage die Ansichten der

Minorität nicht unterdrü>en wollte, so wurde auf gestern Mittag ein zweiter Kabinets-Rath unter dem Vorsis des Königs in Neuilly an=

gesebt. Hier konnten si< die Minister no< weniger unter einander verständigen, weil Herr Lacave -Laplagne und Herr Martin du Nord, welche seit langer Zeit si< dana<h sehnen, aus dem Kabinet zu treten, geradezu verlangten, man möchte aus dem vorgestri= gen Votum eine ministerielle Frage machen, nämli verlangen, daß die Kammer das Amendement zurü>nehme, widrigen- falls die Minister ihre Entlassung soglei<h einrei<hen würden. Herr Guizot bestritt deu Antrag seiner beiden Kollegen und erhielt hierin die Unterstüßung des Königs. Nachdem man dur vier volle Stun- den hierüber fruchtlos hin und her berathen hatte, trennte man si< mit dem Versprehen, heute um Mittag in den Tuilerieen si< abermals zu versammeln, um dort definitiv das Verhalten zu bestimmen, welches das Kabinet in einer so \hwierigen Stellung zu beobachten hätte. Herr Dumon übernahm es unterdessen, mit der Kommission des Eisen= bahn-Projekts von Paris nah Lyon Rücksprache zu nehmen, damit diese, die dem Rumillyschen Amendement entgegen i, dem Ministerium mit Rath und That an die Hand gehen möchte, Die Kommission versam= melte si unter dem Vorsiß des Herrn von Lamartine heute um 10 Uhr Morgens. Die Minister der öffentlichen Arbeiten wohnten der Sißung bei, welche zwei Stunden dauerte, und worin folgender Ausweg er= mittelt wurde: Die Kommissiou meinte, die Kammer würde si shwerlih bewegen lassen, ihr vorgestriges Votum zurüczunehmen. Geseßt au, daß dae Ministerium sih zurückziehen wollte, so würde dadurh die Ausführung der Eisenbahn von Paris nah Lyon nur verschoben, weil der Nachfolger des Herrn Dumon sih beeilen würde, das ganze Eisenbahn = Projekt zurückzunehmen und statt dessen ein neues vorzulegen, welches dann erst in der nächsten Session geprüft und votirt werden könnte, Darum rieth die Kommission dem Kabi= net, aus der Noth eine Tugend zu machen und das Amendement dem Prinzip nah anzunehmen. Da jedo< das erwähnte Amendement erst in zwei oder drei Jahren ausführbar wird, so kann das Kabinet

bis dahin mehrere Auswege finden, um das Amendement zu vereiteln. Es braucht dafür nur in etwa zwei Jahren einen besonderen Geseß= Entwurf einzubringen, worin gesagt wird, es habe si< eine Compaguie gefunden, welhe unter vortheilhaften Bedingungen für den Staat die Schienenlegung verlange, darum wünsche die Regie=- rung, daß die Kammer das Prinzip des Rumillyshen Amendements abändern möchte. Es ließe si< dann um so weniger gegen ein solches Begehren etwas einwenden, als jenes Amendement eben nichts Anderes als eine Modification des im Jahre 1840 votirten allgemeinen Eisen= bahn = Gesebes sei , folgli< eben so leiht wie das leßtere und noh leichter modifizirt oder abgeschafft werden könne.

Das Ministerium hat den Ausweg der Kommission gut- geheißen , denn als der König um Mittag den Ministerrath eröffnete und Herr Lacave =Laplagne die Ansichten der Kommission vortrug, pflichteten die Minister einstimmig demselben bei, worauf Herr Dumon beim Beginn der heutigen Sißung der Deputirten-Kammer erflärte, das Kabinet nehme das Prinzip des Rumilly= \<hen Amendements an, behalte sich jedoch vor, in Be=- zug auf dessen Ausführung die ministerielle Verant= wortlichkeit ungeshmälert zu erhalten. Es wäre also ganz irrig, zu glauben, daß Herr Dumon im Namea der Regierung end= lich dem System der Ausführung der Eisenbahnen dur den Staat beigetreten sei. Das Ministerium will nur einen günstigeren Augenbli abwarten, um das Amendement unwirksam zu machen, was ihm, wie aus dem Gesagten erhellt, eben nicht {wer fallen wird , besonders wenn man den Wankelmuth in den Ansichten der Deputirten - Kammer über die Eisenbahufrage berücksichtigt.

Ich erfahre so eben auch, daß die Kommission für das Sekundär= Unterrichts- Gesebß in ihrer heutigen Sißung Herrn Thiers zu ihrem Berichterstatter ernannt hat.

Großbritanien und Irland.

_Loudon, 24. Juni. Der Hof wird vor dem 1. Juli, wahr= sheinli< shon am Freitag, auf Anrathen der Aerzte JFhrer Majestät der Königin, seine Residenz nah Windsor Schloß verlegen.

Graf de Grey, dessen Resignation als Lord -= Lieutenant von Irland die Königin angenommen hat, wird in den näch= sten Tagen {on Dublin verlassen, um si{< zur Herstellung sei= ner Gesundheit zunächst na< dem Badeort Buxton zu begeben Den Winter wird der Graf im südlichen Jtalien zubringen, Schon vor einigen Monaten vermuthete man“, schreibt der Standard „daß Graf de Grey sih zurücziehen werde, und die Männer aller Parteien, mit Ausnahme der verworfensten, bedauerten ein solches Creigniß, Der edle Graf hat ein im Aufruhr begriffenes Land mit der größten Unparteilichkeit und Wachsamkeit regiert, und wenn auch die Mi= n'ster, deren Politik er befolgte, an seinem Ruhme gerechten Antheil haben so wird man doch seiner lange als des vorzüglichsten Regierers Jrlands gedenken, unter desseu Verwaltung die Judustrie und der Unterneh-= mungsgeist des Landes zuerst aus ihrem langen Schlafe gewe>t wur= den. Die persönliche Thätigkeit Lord de Grey's hat zur Herbeifüh- rung eines so glücklihen Resultats viel beigetragen, aber no< mehr seine feste und zugleih gemäßigte Gesinnung. Auf keine Regierung dürfte vielleiht mehr das suaviter in modo , forliter in re eine

Anwendung finden, als auf die seinige, Er hat durh das „gewöhn= lihe Landesgeseß““ einen Aufruhr thatsächli<h unterdrü>t, vor dem alle seine Vorgänger zurü>schre>ten, und gegen den sie alle von Zeit zu Zeit mit außerordentlichen Gewalten

er war Ingenieur, Er empfing uns sehr gut und gab uns gleich am ersten Tage ein stattliches Diner in aller türkishen Form. Die Umgebung von Chartum is so traurig wie möglich, theils Wüste, theils ganz flache Ebene, die nur an den Ufern des Flusses durh Schöpfräder bewässeit und bebaut ist; wir fuhren eine fleine Strecke die breite, aber mait fließende Wasser- masse des weißen Stromes hinauf, den an beiden Seiten ein dichter Baum gürtel begleitet, hinter welhem dann Savannen mit spärlihem Baumwuchs kommen. Nie habe ih cine solhe Menge Wasservögel zusammen gesehen, als auf dieser kurzen Fahrt; sie waren wie die Gänse auf der asischen Wiese, mit denen Homer die Heere der Griechen und Troer vergleicht; ge wöhnliche Wassergänse, große Löffelgänse, Reiher der mannigfaltigsten Art, weiß, schwarz und roth, Enten u, st. w. Zwischen den Bäumen zerstreut liegen einzelne Hütten der Araber und ihre Felder. Solche Araber-Bevöl- kerung und mit ihr die Herrschaft des Pascha gcht nur drei Tagereisen weit den Strom heraufz dann mischen sich {on Neger einz einige Tagereisen weiter fommt noch einmal ein dem Pascha gehöriges Dorf auf der Ostseite, und auf der Westseite tritt die Provinz Kordofan bis fast an den Fluß ; dann aber kommen östlich Dieka, westlich Schillak. Der Zusammenfluß der beiden Ströme das eigentliche Kas el Cha1dum oder au blos Chardum (Chardum heißt der Elephantenrüssel, überhaupt jede vortretende Thierschnauze), is interessant z die beiden Wasser sind in ihrer Farbe sehr verschieden und tragen ihren Namen davon mit Rechtz der stark fließende blaue Strom drängt die grö- ßere, aber träge Masse des weißen mit Gewalt zurü, so daß beim Zusam- menstoß ordentlich eine kleine Brandung entsteht; dann fließen sie eine Weile ungetrennt neben einander her. Der blaue Fluß hatte wohl seinen Namen hon im Alterthum; er is ohne Frage der Astapus, und das überseßt Dio- dor „Wasser aus dem Dunkel“, wahrscheinli<h nur ein Mißverstand für „„dunkles Wasser“; Asta, das in mehreren anderen Flußnamen dieses Lan- des vorkommt, ist wahrscheinli<h nur Appellativ für Wasser oder Fluß. Da- mals hielt man den weißen Strom für den eigentlihen Nilz jegt dagegen trägt der blaue Strom allein diesen Namen im ganzen Lande,

__ Ebendaselbs|, Sonntag, 10, März, Lepsius is gegangen, noch einen Höflichkeits-Besuch bei einem reichen hiesigen Beamten zu machen, der uns in diesen Tagen mit Artigkeiten überschüttet hatz ih bin zu Hause ge- blieben. Wir haben cin paar nicht uninteressante, doch unruhige Tage gehabt und haben no<h von Glü>k zu sagen, daß uns der heu- tige Sonntag so ziemtih ungestört geblieben, Vorgestern Morgen wurde ih durch den ersten Besuch eben jenes Herrn in meinem Bericht unterbrochen ; noh am selben Tage begleitete er uns zu einem Besuche bei der Prinzessin Victoria (Sultana Nasr) in Soriba, von two wir erst gestern zurückkehrten. Gestern Nachmittag sahen wir hier in Wud Medina eine Todtenfeier, nach der Landessitte ein eben so merkwürdiges als widerwärtiges Schauspiel, Es war nur eine arme Frau, für die am 7ten Tage nah dem Tode diese Feier gehalten wurdez aber es hatten sih gewiß über 100 Personen, lauter Weiber und Kinder, vor ihrem Hause versgwmüielt, die Alle im Kreise ge- kauert saßen und mit den Händen kllappten, sangen, von Zeit zu Zeit aud) ein scheußlihes Geheul anstimmten, während Andere rohe Tambourins, ausgehöhlte, im Wasser liegende Kürbisse, Bretter 2c, \{lugen, Die Haupt- Leidtragenden auch lauter Frauen, darunter zwei Töchter, wovon die eine schöne, schlanke Gestalt waren Alle bis auf den Gürtel herab nat und sahen aus wie Gyps - Statuen, weil sie sid immer von Zeit zu Zeit große Massen feiner, weißer Ache auf das reihlih mit Fett getränkte Haupt und den Körper schüttcten; sie saßen im Staube und traten dann von Zeit zu Zeit vor, tanzend, d, h. den Oberleib in den scheußlichsten Berzerrungen vorwärts und rücwärts und seitwärts beugend, heulend und weinend; dann warfen sie sich zu Boden und wälzten si im Staube, oft in langer Reihe, Eine hinter der Anderen, weite Sirecken fort. Schon kleine Mädchen machten diesen scheußlihen Tanz und sahen si dann nach ihren Müttern um, ob fie es gut gemacht. Nur die eine {öne Tochter sah wirklich grandios aus, wenn sie im Staube saß, in nobler Stellung, wie cine antife Leivtragendez aber der ganze Anbli>k, zusammen mit dem furhtbaren Geheul, war wirklich grauenhaftz es war aber, als wenn eine bacchantisch anste>dende Wuth in diesem Tanze läge, denn immer trat Einc nach der Anderen aus dem Kreise vor. Das i die Chre der Todten in

diesem Lande! Eine hübsche Sitte fanden wir auf den Begräbnißplähßen besonders zwischen Abuhammed und Berber (sie soll au<h anderswo sein): auf den einfachen, länglichen, aber zierlich mit weißen Steinen, au<h Muscheln ausgelegten, ganz- niedrigen Grabhügel stellt man Gefäße, d. h. halbe Kür- bisse, auch andere Schalen, mit Wasser gefüllt, hin, damit die Vögel unter dem Himmel und die Thiere des Feldes da zu trinken finden und so das Grab noch zu einer Wohlthat für die Geschöpfe Gottes werde. Es ist gleihsam eine Art Opfer, das man darbringt, Jnschristen giebt es jeur hier nirgends, während man auf den älteren, muhamedanischen Grabstätten, z. B, bei Assuan, viele Jnschriftsteine, zum Theil mit kufischer Scbrift, fin- det, die aber auh wohl wenigstens nicht immer den Namen des Verstorbe- nen, sondern Stellen aus dem Koran enthalten, Eine Generation tennt wohl noch die Stätte des Grabes ihrer Geliebten, und dann is ihr Name und ihre Spur verschwunden von der Erde.

Am selben Abend sahen wir noch ein anderes und doch verwandtes Schauspiel: dieselbe Art der Tänze, mit den konvulsivischen Bewegungen des Oberleibes, bei einer Abend Unlerhaltung, die uns jener Beamte gabz sie machten dabei Kunststücke, die ihnen Fanny Elsler nicht nachmachen würde; Maler und Bildhauer hätten aber au<h an manchen Bewegungen der schönen Körper etwas lernen können, Das Juteressanteste dabei war indeß der Chor, der die Schritte der ihm gegenüberstehenden Solotänzerín mit vorgebogenem Leib und klappenden Händen begleitete, aber stillstehend in lange Gewänder gehüllt und angeführt von einem Sänget, der seine eigenen Lieder zu einer fünfseitigen Leier sang und ebenfalls an den rhyth- mischen Bewegungen des Chors Theil nahm. Diesen leyteren hatten wir heut auf unserer Barke, und schrieben einige seiner Lieder (Verse von vier gleichgereimten Zeilen) auf, die niht ganz ohne einige Poesie im kühnen arabischen Styl waren, wie denn auh er nicht ohne einen Anflug von Begeisterung und aus wirklicher Neigung Sänger geworden war.

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