1844 / 203 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

S . Erde bingestre>#ten Halme von den Slossen theils Giwem f L theils abgerissen und vom Winde fort geführt wurden. Äußerdem hat der Hagel, welcher eine Viertelstunde

: Sröße von Tauben-Eiern herabstürzte, alle gegen Norden bang Mer ir rab Fenster zerschlagen und der Orkan viele Dächer

eri f S ent Sus Scheunen herabgestürzt. Viele Vögel und andere Thiere sind von den Slossen theils getödtet, theils verwundet wor- den, und man spricht sogar davon, daß auch einige Menschèn bei die= sem Ungewitter ihr Leben verloren hätten.

Nagusía, 1. Juli. Die frühere Schre>enszeit scheint wieder zu beginnen ; schon am 22. Juni ereigneten sich zwei heftige Erd- ershütterungen, die eine Nachmittags um zwei Uhr, welche vier Se-= funden, die andere um halb zwölf Uhr Abends, welche zwei bis drei Sekunden dauerte, und heute um sechs Uhr Abends fühlte man wi1e= der eine leihte Erschütterung, die über zwei Sekunden anhielt.

Freie Stadt ürakau.

«2 Krafau, 15. Juli. Jn diesen Tagen werden die Borle- sungen an der Jagellonishen Universität geschlossen und die geringe Anzahl der Studirenden zerstreut sih, ohne daß in der Stadt deren Abwesenheit bemerklih wird. Während des verflossenen Schuljahres lasen in der theologischen Fakultät vier, in der juristischen eben fo viele, in der medizinischen zehn, in der vhilosophischen sieben Pro= fessoren, mit überhaupt sieben Adjunkten. Das Katheder für die deutsche Sprache hat Professor Otremba, für die französische Auber- tin, für die russische Macherziskiz jeder dieser Sprachen wurden sechs Stunden wöchentlich zugewandt. Die orientalischen Sprachen finden sih im Universitäts-Programm nicht erwähnt. S

Die Akademie hat als öffentliche Justitute : eine Lese-Bibliothek, welche im Sommer täglich 6, im Winter 3 Stunden für das Publi fum geöffnet is; sodann ein astronomisches Observatorium, unter der Direction des Professor Weiß, welches wöchentlich 6 Stunden geössnet ist; ein hemishes, physikalisches, zoologisches und mineralogisches Ka- binet, und einen botanishen Garteu. Außerdem ist mit der Hoch= {hule im Zusammenhange die „Gesellschaft der Freunde der Wissen haft‘, welche hon sehr lange und zwar größtentheils aus Akade= mifern besteht, und gegenwärtig etwa 300 Mitglieder zählt. Jn leßter Zeit hat die Gesellschaft von übelwollenden Journalisten viel= fahe Angriffe erfahren, namentlih wurde ihre geringe Thätigkeit bit= ter getadelt. Jun solchen Angriffen lag jedo<h cin Verfennen der Würde und des stillen wissenschaftlichen Eifers, womit die Gesell- schast, welhe jährli<h Arbeiten aller Fakultäten der Universität ver- öffentlicht, nüßlich zu werden strebt, Jhr gegenwärtiger Präsident ift der bekannte Lexikograph Trojanski.

Ta N Lei M.

Pairs-Kammer. Sihung vom 16, Juli. Man wird sih erinnern, daß neuli<h Herr Cremieux in der Deputirten-Kammer den Minister der auswärtigen Angelegenheiten fragte, wie es komme, daß ein in Algerien für Sardinien und England zuglei fungirender Vice = Konsul nur in seinen Functionen für ersteres Land, nicht aber in denen für leßteres um das Exequatur der französischen Regie- rung nachgesucht habe, worauf der Minißer antwortete, er be- zweifle die Richtigkeit dieser Angabe, werde aber Erkundigungen dar= über einziehen. Bis jeyt is noch keine Antwort erfolgt. Marquis vou Bois\sg wiederholte daher heute diese Frage bei Dis= fussion der Kredite sür Algier. Aber obglei<h Herr Villemain

si) anfangs sehr bereit erklärte, für seinen abwesenden Kollegen jede Frage zu beantworten, wich er doch aus, als er hörte, um was es sich handle, und meinte, die Sache gehöre nicht hierher, sondern zu dem auswärtigen Budget, da sie si auf ein diplomatisches Faktum beziehe. Der Fürst von der Moskwa glaubte, man könnte alle Schwierigkeiten am besten dadur< hebeu, wenu man das englische Kabínet auffordere, neue Konsuln in Algerien an die Stelle derer zu ernennen, die no< aus der Zeit vor 1830 si< herschriebeu. Daß ein solhes Verlangen an eine fremde Regierung gestellt werden könne, dafür citirte er ein Beispiel in Marokko, wo Frankreich selbst auf Gesuh des Kaisers seinen dortigen Kousul, Herrn Pe= lissier , dur einen Anderen erseßt habe. Marquis von Boissy führte no<h an, daß die Sache in England ebenfalls zur Syrache gekommen sei, und daß mau dort das Verhältniß des er- wähnten Vice - Konsuls für rig artlart habe: „Und fügte! er hinzu, „da wir so glückli sind, in diesem Augenblicke unseren Bot= hafter in England hier in unserer Mitte zu haben, könnte derselbe nicht vielleicht, ohne gegen das diplomatische Geheimniß zu verstoßen, uns einige Aufschlüsse über die Sache geben?“ Graf von Stk. Aulaire, von seinem Plaß aus: „Jch bin überzeugt, daß es kein einziges Mitglied dieser Kammer giebt, welches nicht erstaunt sein würde, wenn es mich alle meine Pflichten so vergessen und eine solche Unschi>klichkeit begehen sähe, daß ih mi<h mit Herrn von Boissy über einen Gegenstand dieser Art in eine Unterredung ecinließe. ‘‘ Nach diesen Erörterungen wurde der vorliegende Geseß= Entwurf mit 893 gegen 6, dann der über die allgemeinen Supplementar - Kredite für 1843 und 1844 mit 94 gegen 4 Stimmen und endlich der über die Eisenbahn von Tours nach Nantes einstimmig angenommen,

Deputirten-Kammer. Sihung vom 16, Juli. Sämmt- lihe Artikel des Gese = Entwurfes über die Landstraßen und Kanäle wurden heute von dieser Kammer angenommen, jedoch, ungeachtet des Widerstandes der Minister, mit zwei bedeutenden Modificationen z es sollen nämlich einstweilen, bis einschließlih 1845, die Arbeiten an dem Kanal zwischen Marne und Rhein nur bis Nancy und die an dem Seiten - Kanal nah der Garonne nur bis Agen fortgeseßt werden. Für den Rest der Session is die Tagesordnung heute sehr abgekürzt worden; mehrere Geseß-Entwürfe und Vorschläge, welche noch an die Reihe fommen sollten, sind nun bis zu nächstem Jahr aufgeschoben, unter leßteren auch der in Betreff des politischen Domizils, da Herr Odilon Barrot von neuem darauf drang, diese wichtige Frage nicht M einer Zeit vorzubringen, wo die Aufmerksamkeit und Ausdauer der Mitglieder bereits ers<höpft sei, so daß Herr Heber t, der Berichter= statter über jenen Vorschlag, endlich nahgab.

i Paris, 17, Juli, Die Zerwürfnisse mit Marokko scheinen sich nicht so leicht beilegen zu lassen, wie man anfangs hosste. Schon ist es zu einem dritten Treffen gekommen. Das Schiff „Pharamond““ hat diese Nachricht von Oran nah Marseille überbraht. Ein Pri-= vatbrief, an Ort und Stelle geschrieben und aus dem Bivouak von Uhed=Jeli datirt, welches se<s Stunden von Lalla Magrnia entsernt i, meldet, daß El Genaui, anscheinend durch die Niederlage vom R wenig eutmuthigt, am 3. Juli an der Spiße von 4000 R E Mann Fußvolk die Kolonne des Marschalls in & Ubr M, id, als dieser gerade das Lager aufheben wollte, es war “r f A von neuem angegriffen hatte, Abd el Kader Seite, Si Gt fet dem marokkanishen General zur

orderisch war dasselbe nicht. Sobald der Marschall

l i i Befehlen sehenden Dmer vie Oise eeres cit ee darein lange, so waren die Mütoftante Teof éenat Qwei Stunden “lang

wurden sie von der Kolonne verfol zersprengt. Zwei Stunden lang

gt. Das Resultat war indeß nur

I Fe cingetretene no<h größere

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die Zerstreuung der Truppenmassen, die sih dem französishen Lager gegenüber zusammengezogen hatten, denn da die Marokkaner dem Angriffe niht Stand hielten, so konnte ihnen nur geringer Schaden zugefügt werden. Sie ließen gegen 30 Mann und einige Pferde auf dem Kampsplaß. Den Franzosen wurden 6 Mann verwundet und feiner getödtet. Nah den Berichten aus Oran vom 6. Juli hatte Prinz Joinville dort \cit seiner Ankunft die Landungs-Truppen täglich im Tirailleur- Kriege und im Wiedereinschiffen geübt, Das Ge= {wader stand im Begriff, am bten nah Algesiras abzugehen, wel= her Ort dem Prinzen als Sammelpunkt für seine Schiffe bestimmt ist. Die Nachrichten aus Algier reihen bis zum 10ten d. Am 7ten war das Schiff „Chimère“, gleih na< Ankunft eines Couriers aus Frank-= rei, von dort nah Tanger abgegangen. Man versicherte, daß dieses Dampfboot dem Prinzen von Joinville den Befehl überbringe, die Feindseligkeiten zu beginnen, wenu der Kaiser von Marokko nicht \o- gleih alle Genugthuungen bewillige, die Frankreich von ihm fordert. Die „Chimère“ sollte Oran berühren, um dem General-Gouverneur ähnliche Depeschen zu überbringen. Aus Algier wird ferner berichtet, daß der General Tempoure eine Razzia gegen den Stamm der Uled el Nahr ausgeführt, mehrere Gefangene mitgebracht und ansehnliche Beute gemacht hatte. Der Kalifa Abd el Kader's hatte seine An-= hänger benachrichtigen lassen, daß er in der Nacht vom 4. u. 5. Juli Biskfara angreifen wolle; die dortige kleine Garnison schien auch nicht zu zweifeln, daß er sein Vorhaben ausführen werde, und rüstete sich eifrigst zum Kampfe.

Um si< zu unterrichten, welhe Forderungen tragktatenmäßig von Frankrei<h an Marokko gerichtet werden könnten, hat man die ver schiedenen Verträge wieder hervorgesucht, welche zwischen beiden Län= dern seit alten Zeiten abgeschlossen worden. Es sind deren sieben: vom 17. und 24, September 16531, abgeschlossen zwischen Ludwig X11, und Molei- Elgualid; vom 18, Juli 1635; vom 29, Januar 1681, abgeschlossen zwischen Ludwig X[V. und Sidy-Muley-Jsmael; vom 08, Mai 1767; vom 17. Mai 1824 und vom 28. bis 30, Mai 1825. Durch die beiden leßteren wurden die früheren ernguert. Es geht daraus hervor, daß Frankreich berechtigt ist, vom Kaiser von Marokko zu verlan gen, daß er seinen Unterthanen verwehbre, die Feinde Fraukreichs zu unter stüßen, daß er diejenigen unter ihnen züchtige, welche die Berträge verleßen, und daß er sie füx den verursachten Schaden verantwortlich mache, so wie Frankreich seinerseits dur< eine Klausel des Traktats vom 24, September 1631, die jedo<h etwas dunkel abgefaßt is, ver= pflichtet wäre, die Engländer zu verhindern, rebellishe Unterthanen des Kaisers von Marokko mit Waffen oder anderen Dingen zu unter- stüßen. Man hat nun die Frage aufgeworfen, ob nicht Frankreich umgekehrt au<h von Marokko verlangen könne, daß es England an Unterstützung der algierishen Rebellen hindere.

Man sieht, daß die Session ihrem Ende entgegengeht ; Marschall Soult und Herr Thiers haben Paris schon verlassen; der Erstere ist zur Befestigung seiner Gesundheit auf sein Landgut St. Amans ab gereist, wird sich jedo<h iu den Geschäften seines Departements uicht vertreten lassen; der Lebtere begiebt si<h na< den Bädern von Vichy, wo er Z Wochen mit einem Theil seiner Familie zubringen will.

Die Fabrifanten, welche zur Jundustrie- Ausstellung beigesteuert haben und in Paris anwesend sind, gaben gestern im Orangerie= Saal des Louvre, der ihnen zu diesem Zweck eingeräumt und guf Kosten der Civilliste ausgeshmückt worden war, ein Bankett, zu welchem die Herzoge von Nemours und von Montpensier eingeladen waren. Neben den Prinzen saßen die Minister des Jnuern und des Handels, dann folgten die beiden Präfekten des Seine-Departements, die Präsidenten und Secretgire der Central-Ausstellungs-Jury und A audere Gäste. Paris hatte lauge kein so glänzendes Fest gesehen.

Den Eisenbahnen und

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Dampfböten verdankt man eine seit gestern Schnelligkeit in der Communication mit London, von wo mau uun die Zeitungen schon vom vorhergehenden Tage erhält, während sie bisher zwei Tage alt waren, wenn sie in Paris eintrafen. i

An der Börse will man wissen, daß der Finanz= Minister erust

lich darauf deufe, deu noch dispomblen Theil der von den Kammern votirten Anleihe von 300 Millionen Fr, nah Belgiens Beispiel, ohne Vermittelung der Banquiers zu realisiren, nur s{<wanke er no< über die Wahl des Papiers, welches er den Subskribenten anbieten solle.

T Paris, 17. Juli. Da heute bei Eröffnung der Kammer= Sibung bei weitem nicht die nöthige Anzahl von Deputirten anwe= send war, verlangte Herr Fulhiron ben Namens-Ausruf und Ein= rückung der Namen der fehlenden Deputirten auf Kosten der Kam- mer in alle Journale. Der Präsident: Er müsse bei diesem An- lasse von neuem den Herren Deputirten auempfehlen, pünktlich zu er= scheinen, aber die Session sei shon zu weit vorgerückt, als daß über den Vorschlag des Herrn Fulchiron ein Beschluß gefaßt werden könnte. Es wird daun über das Ganze des Gesebes wegen der Kredite für Kanäle, Eisenbahnen und Königliche Straßen abgestimmt und dasselbe bei 232 Abstimmenden mit 184 gegen 48 Stimmen angenommen.

Herr von Laroche-Jacquelin verlangt nun das Wort, Er wolle Thatsachen zur Sprache bringen, die schon in der Pairs - Kammer angeregt worden, Sie seien aber ernst und noch uicht volllommen auscinandergesebt, Deshalb wolle er eine Juterpellation an den Großsiegelbewahrer richten, Herr Martin: Nach dem Neglement der Kammer tönnte er ciuen Tag Aufschub verlangen zwischen der Ankündigung der Jaterpellationen und der wi:klichen Stellung derselben, Aber um der Kammer Zeit zu ersparen, sei cr bercit, sogleich zu antworten, Herr von Laroche- F acquelin: Mch- rere Personen legitimistischer Meinung seien unter dem Vorwande eines Komplotts verhaftet worden. Keine Spur von diesem Komplott sei vorhan- den, (Murren) Man habe ihm auf Ehre versichert, daß kein Komplott bestehe. (Neues Murren.) Wie dem auch sei, die einfachen Borschriften der Humanität seien nicht beobachtet worden, man habe alle Schicklichkeit verleßt und unter Anderem ein Testament geöffnet. Allerdings habe nichts andeu- ten köuncn, daß es gerade cin Testament war, Man habe Papiere mít wegge- nommen, auf denen geschrieben stand: Zu verbrennen nach meinem Tode, Die Angeschuldigten wußten nicht einmal, was alles für Papiere ihnen wegge- nommen worden. Man habe Schlosser kommen, alle Möbel eröffnen lassen, und die kleinlichsten, strengsten Nachsuchungen vorgenommen, Der Redner mustert der Reihe nach alle Umstände und Thatsachen, welche die Berhaf- tungen und Haussuchungen bei den Herren Charbonnier de la Guesnerie, de Lespinois, Herzog von Escars und Herzog Gaston de Montimoreicy be- gleitet haben. Er verlangt, die Presse und insbesondere der Moniteur, solle rücksicht8voller und zurückhaltender sein, wenn es sich um Notabilitäten handle, So habe der Moniteur gesagt, die Herzoge von Escars und Montmorency scien in ein Wirthshaus - Komplott verwickelt, Der Groß - siegelbewahrer; Herr von Laroche-Jacquelin interpellire ihn über That- sachen der Magistratur, die si< an eíne Kriminal - Untersuchung knüpfen, Er antworte vorerst, daß das Ministerium sich nicht in Jnformationen zu mischen habe, die n den Bereich des Jnstructions - Richters fielen. Alles was cr sagen könne, sei, daß eine s{<were Anschuldigung auf den genaun- ten Personcn laste. Es handelte sih um Verleitung von Soldaten, und es habe schon ein Anfang zur Ausführung stattgehabt. Die Anschuldig!ng habe also eine ernste Gestalt dargeboten. Seitdem seien zwei Angeschuldigte egen Bürgschaftsleistung in Freiheit gescßt worden, Warum? Weil der Znstructions-Richter geglaubt, daß die erste Anschuldigung eine andere Ge- stalt annehme, (Geräusch) Anfangs habe es sich um cin eingegangenes Komplott zu handeln geschienen, jeyt um einen Vorschlag zu einem Kom- plott, der aber nicht angenommen worden. Die Sache gehöre also jetzt vor das Zuchtpolizei-Gericht, und die Freilassung gegen Bürgschaftsleistung fonnte gestattet werden, Büsten des Herzogs von Bordeaux waren seit

1840 veriheili worden. Diese Vertheilung gehe no< fort, Anerbie- tungen und Versprehungen seien gemaht worden und würden no< gema<t, Die Kammer werde daraus ersehen, daß die Magistratur feine ihrer Pflichten überschritten habe. Sie habe sie genau erfüllt, und das sei Alles. (Beifall.) Die angeblichen Vexationen, die stattgefunden haben sollen , scien nicht gegründet , die Jufruction habe mit Festigkeit, aber auch mit aller Sorgfalt und Nücksichinahme für die Angeschuldigten stattgefun- den. (Beifall.) Herr von Larcy besteigt die Tribüne, aber von allen Seiten ertönt der Ruf: Zur Tagesordnung. Der Redner beharrt troß der allgemeinen Reclamationen dabei, zu sprechen, er gesteht, daß das Geseh Haussuchungen erlaube, aber au<h die Formen festseze, in welcher sie ge- schehen müßten. Diese Formen seien aber im vorliegenden Falle nicht be- obachtei worden. Der Justructionsrichter habe den Polízei-Commissair nicht begleitet, also sei das Gese verleßt worden. Der Redner erklärt, obgleich Herr vou Charbonnier nicht in engem Verwahrsam sei, so habe man ihm, dessen Freund, do< den Zutritt ins Gefängniß zu demselben verweigert. Darin liege offenbar eine neue Verlezung des Gesehes.

Diese Erklärung des Redners erregt bei einem Theil der Mit- glieder der Kammer Gelächter, bei dem anderen aber, vorzüglich in dem Centrum, heftigen Unwillen, auf allen Seiten bricht endlich der stürmishe Ruf aus: Zur Tagesordnung! Der Präsident stellt die Frage, ob die Kammer über die Jnterpellationen zur Tagesordnung gehen wolle? Fast die ganze Kammer, mit Ausnahme der legiti= mistischen Deputirten und einiger Mitglieder der äußersten Linken, er- haben si< dafür. Es wird also zur Tagesordnung geschritten, die zu Fortsehung der Diskussion des Ausgabe-Budgets des Ministeriums der bffentlihen Arbeiten für 1845 führt. Die 10 ersten Kapitel werden ohne Disfussion angenommen. Bei Kapitel 14 (Königl. Straßen und Brücken, Z) Millionen) beklagen sich die Herren de Courtais und Gar= non über die {hle<te Unterhaltung der Straßen, Herr Luneau über die {hle<te Vertheilung der Brü>en und Königlichen Straßen. Herr von Begumont bemerkt, die Eisenbahnen entzögen den Königlichen Straßen einen großen Theil der Reisenden, deshalb verlange er Ver- minderung der Gelder für Unterhaltung derselben. Herr Luneau fragt, wel<hen Beschluß die Regierung über das Geseß wegen der Polizei des Fuhrwerks gefaßt habe. Herr Rivet: Eine Kommis fion sei damit beschäftigt, und das Geseb werde nächste Session vor- gelegt werden. Kapitel 11 wird angenommen. Bei Kapitel 13, in- nere Schifffahrt, 8,500,000 Fr., bemerkt Herr Fulchiron, die Rhone sei der bedeutendste Fluß Frankreichs, (Gelächter, Reclamationen.) Jhr Austreten habe großes Uebel verursacht, man solle 800,000 Fr. mehr votiren, um sie cinzudämmen. Der Finanz=-M inister be {kämpft das Amendement. Schon sei eine Vermehrung von 400,000 Fr. zu diesem Zwecke zugelassen. Das Amendement wird verworfen und das Kapitel angenommen.

Großbritanien und Irland.

Unterbaus. Sibßung vom 16. Juli, Lord Palmerston beantragte heute, wie bereits erwähnt ist, die Vorlegung eines osst ziellen Nachweises über die Anzahl der 1n dem Zeitraum von 1815 bis 1843 von Afrika nah Amerika übergeschissten Schwarzen, nicht etwa in der Absicht, die Politik der Regierung in der Frage des Sklavenhandels geändert zu sehen, wie dies aus seiner unschuldigen Motion hervorgeht, sondern die auswärtige Politik der Regierung überhaupt cinem allgemeinen Tadel zu unterwerfen, wie er dies all- jährlich gegen Ende der Session zu thun gewohnt it. Er stellte einen Antrag, der so unbedeuteud is, daß die Zurückweisung desselben niht gut motivirt werden konnte, und fnüpfte daran eine Kritik der Regierungs=-Politik, welche die bitterste Partei-Feindschaft ihm eingab. Sir R. Peel widerlegte ausführlich die Anschuldigungen des Lords; zuvörderst in Bezug auf die Sklavenfrage :

„„Alles, was von den Abscheulichkeiten des Sflavenhandels gesagt wor- den ist“, sprach der Minister, „erkenne ih für richtig an, wenn ih auch die Anzahl der jährlich von Afrika nach Amerika übergeschissten Silaven nux auf 100,000 und nicht, wie der edle Lord annimmt, auf 150,000 s<äßze. Jch behaupte gleichfalls in Uebereinstimmung mit dem edlen Lord, daß vor- zugstveise zwei Länder gegenwärtig für die Gräuel dieses Handels verant- wortlich. sind. Jn allen anderen c<ristlihen Staaten zeigt sich ein eifriges Bestreben, in Gemeinschaft mit uns auf die Unterdrückung dieses fürchter lichen Menschenhandels hinzuarbeiten, nur nicht in Spaníen und Brasilien. Alle anderen christlichen Mächte haben sich zu diesem Zwecke verbunden, Frankreich, Portugal, Dänemark, zu dessen ewiger Ehre ih sagen muß, daß es zuerst den Sklavenhandel aufgab, Norwegen , Schwe- den, England, die Vercinigten Staaten, Oesterreich, Preußen, Ruß- landz aber so lange als jene beiden Mächte sich dem allgemeinen Streben widerseßen, daß der Sklavenhandel aufhören soll, fo lange fürchte ih, daß feine erfolgreihen Maßregeln zur Erreichung unseres Ziels getroffen werden können, Jch erkläre hiermit, daß cine s<were Las der offentlichen Schuld auf den Häuptern dieser beiden Nationen ruht, welche aus diesem \chre>lihen Gewerbe cinen Vortheil zichenz und ich behaupte, daß dies überhaupt die einzigen Länder sind, deren Regierungen und Völker aus diesem Handel Vortheil ziehen, Jene Länder besizen die Macht, den Sklavenhandel zu unterdrücken, aber wenn sie von .dieser Macht feinen Ge- brauch machen, so is es für jcde andere Nation unmöglich, diese Unter- drückung zu bewirken, Jm Jahre 1841 zeigte Brasilien sich bereit, unscren Wünschen entgegenzukommen, und augenblicklich gewahrte man in den brasilianischen Häfen eine bedeutende Verminderung der Sklaven - Einfuhr. Auch hinsichtlich Cuba's hat die Erfahrung der beiden leßten Jahre gezeigt, daß es in der Macht eines ehrenhaften Gouverneurs stand, solche Maß- regeln zu treffen, welche troy aller habsüchtigen und eigennüßigen Besire- bungen Einzeluer dort dem Sklavenhandel ein Ende machen könnten. Jch bin der Meinung, daß der tapfere Offizier, welcher kürzlich die Angelegen- heiten Spaniens leitete, zugleich mit der Regierung, deren ausgezeichnetes Mitglied er war, das höchste Lob für seine Bemühungen verdient, das Ge- c gegen den Sllavenhandel wirksam zu machen, Dieser Mann ernannte den. General Vaidez zum (ouverneur von Cuba, welcher cs verschmähte, dem Beispiele seiner Vorgänger zu folgen und sich in den Gewinn des Sflavenhaundels mit den betreffenden Unternehmern zu theilen, welcher Be- fehle erließ , die diescn Handel verpönten, und endlich das außerordentliche Resultat erzielte, daß, wie ich aus der glaubwürdigsten Quelle anführen kann, die Stlaven-Einfuhr in Cuba im Jahre 1842 auf 3100 Neger herabsank. Als General Valdez die Verwaltung der Jusel übernahm, betrug diese Einfuhr 14,000 Sklaven, Jch beschuldige deshalb ohne Bedenken die Regierungen Spaniens und Brasiliens, daß sic die einzigen Beschüßer und Förderer die ses Verbrechens unter allen ch!istihen Mächten der Welt sind, und hoffe zuversichtlih, daß Regierung und Volk dieser beiden Länder, in Rücksicht auf ihren christlichen Glauben, die schwere Verantwortlichkeit fühlen werden, die auf ihnen ruht, Jh warne diejenigen, welche fortfahren, diese Verbre- chen zu begehen, vor der Bergeltung, die auf solche Verlezungen mensch- licher und göttlicher Geseze folgen mußt

Nachdem der Minister somit si<h mit Lord Palmerston über die Abscheulichkeit des Sflavenhandels einverstanden erflärt hatte, wies er die Beschuldigung zurü>, als verfolge die jebige Regierung nicht wie das vorige Whig=-Kabinet mit der erforderlichen Energie das bezeich= nete Ziel. Die Bemühungen Lord Palmerston’s als Minister der auswärtigen Angelegenheiten, den Sklavenhandel zu unterdrücken, verdienten allerdings alle Auerkennung, aber der jeßige Minister stände demselben keinesweges nah, Wenn der Ratification des Durchsuchungê- Vertrags mit Frankreich si< Schwierigkeiten entgegengestellt hätten, so wären dieselben lediglih den Maßregeln des edlen Lords zuzu- schreiben, welche das französische Nationalgefühl gereizt und die feind- selige Stimmung gegen England hervorgerufen haben. Der Minister re<tfertigte sodann die Justructionen, welche den britischen Kreuzern gegen die Uebertretung des Völkerrechts ertheilt worden seien und erwies, daß die Blokade der afrikanischen Küste auf Aurathen gewihtvoller Auto= ritäten, wie die des Admirals Sir George Cocburn, veranlaßt wor=

den wäre, aber dabei keinesweges die Ueberwachung der brasilianischen

Küste, wie Lord Palmerston glaube, ausschließe. Den lehten Theil der Rede des Ministers bildete die Widerlegung der Angrisse gegen die politishen Beziehungen Englands zu Frankrei<h und Spanien, welche die allbekannten Argumente dagegen wiederholte. Zwischen Großbritanien und Frankreih müsse ein gutes Einverständniß bestehen, und dies könue nur dadur erhalten werden, daß keine der beiden Nationen der anderen Zugeständnisse mache, die nicht in gegenseitigem Verhältniß ständenz er sei von der großen Wichtigkeit der Fortdauer dieses Einverständuisses überzeugt, und müsse das Verfahren Derjenigen tadeln, die dasselbe zu stören suchten. Frankreich und England haben in diesem Geiste der Eintracht Spanien und Brasilien ernstliche Vor- stellungen gemacht und beiderseits erklärt, daß sic auf die Erfüllung der Verträge halten würden z; aber so sehr er bestrebt sei, die Regie- rungen fremder Länder zu unterstüßen, welche den Wünschen Englands begegnen, so gern er die Regierung Espartero?s deshalb in Spanien gesehen habe, so könne er doch eine thätige Eiumischung Englands tin die inneren Angelegenheiten fremder Länder nicht zulassen. Die Re-= gierung verfolge dasselbe Ziel, welches der edle Lord herbeiwünsche ; sie verfolge es mit dem größten Eifer, aber zu gleicher Zeit mit ciner gerechten und flugen Rücksicht auf die Grundsäße des Völkerrechts.

Nachdem Lord Palmerston hierauf no< einige Worte ent gegnet, namentli<h die Behauptung des Ministers zurü>gewiesen | hatte, als sei er für die feindselige Stimmung in Frankreich gegen | den Durchsuchungs =- Vertrag verantwortlih, wurde sein ursprünglicher | Antrag genehmigt und die Vorlegung der verlangten Liste von Sir | R, Peel versprochen.

Ein Autrag des Herrn Hume, daß eine Kommission zur Unter suchung der Häfen des Landes crnannt werden möge, wurde ohue Abstimmung genehmigt.

London, 17. Juli, Seit dem Eintritte des Ministeriums Peel ist eine unverhältuißmäßig große Menge von Pairieen dur<h Todes- fälle erloschen, nämlih die Herzogthümer von Sussex und Dorsfet, das irländische Marquisat von Wellesley, die Grafenthümer von P:y- mouth, Ludlow und O'Neill und die Baronieen von Rolle, Wellesley, Lynedoch, Wallace, Ludlow Fihgerald und Sydenham., Außerdem sind fünf Pairieen dur< Erbfolge in andere schon bestehende überge gangen und acht Baronetcies ausgestorben, Während der Dauer des Ministeriums Peel is dagegen kcin neuer Pair kreirt, nur cin Pair, Viscount Hill, um eine Stufe im Range erhöht und ein Baronet, Sir John Pirie, ernannt worden.

Uieoderlianude.

_ Anmisterdanx, 15, Juli. Der Finanz-Minister hat den Nit gliedern der Generalstaaten den Geseß-Entwurf über den Ein=, Aus- und Durchfuhr-Tarif, welcher im Oktober den Generalstaaten vorge legt werden soll, nebst einer erläuternden Denkschrift zugesandt. Ju der leßteren heißt es unter Anderem :

„Als ersie Frucht der Annahme eines liberaleren Grundsazes fann hier die Aufhebung der meisten noch bestehenden Verbote genannt werden. Mit drei Ausnahmen, die erste zum Behufe der National - Fischerei, die zweite, traft welcher , als Polizeimaßregel, die Einfuhr von Plättcven zu Küupser- münzen untersagt wird, die dritte, wodurch die Einfuhr von Nachdrücken von ursprünglich niederländischen Büchern verboten wird, ist jedes Einsuhz1 verbot, das bis jezt in dem Tarif beibehalien war, aufgehoben, Als Maßregeln, welche ganz besonders im Jnteresse des Handels genommen werden, mögen bemerft werden: 1) Die Befreiung von allen Einfuhr-Zöllen, welche cini- gen vorzüglichen Handels - Artikeln zuerkannt worden, wenn dieselben mit niederländischen Schiffen und also au<h mit solchen, die kraft mit fremden Mächten abgeschlosscnen Verträgen mit den nicderländischen Schiffen gleichgestellt worden , eingebracht werden, wozu man besonders, #0 weit es thunlich war, die Artikel gewählt hat, welche zugleih als Grund- stoffe für viele Zweige der National - Industrie können betrachtet werden. 2) Die allgemeine Abschaffung der Ausfuhr - Zölle, wovon nur eine schr geringe Anzahl, theils als Schußmaßregel, thcils im Juteresse des Schaßes, beibehalten is. Die meisten Artikel des Großhandels sind überdics nur \chr mäßigen Einfuhr - Zöllen unterworfen. 3) Die Bestimmungen in Be-

tref der Durchfuhr: Allgemein ist das Svstem von schr niedrigen Durch- fuhr - Zöllen angenommen z

mit einzelnen geringen Ausnahmcn sind diesel- ben auf 10 Cents von 100 Pfund festgestellt. Dabei ist den Interessenten überall, wo der Durchfuhr-Zoll nah dem Werth oder dem Maß im Tarif bezeichnet is, die Befugniß zuerkannt, die Zölle nach dem Bewicht zu 10 Cents ver 100 Pfd. zu zahlen. Endlich wird vorgeschlagen, der Regierung die Be- sugniß zu lassen, da, wo solches ohne Gefahr für die Rechte des Neiches stattfinden kann, dem Durchfuhrhandel einige Erleichterungen zu bewilligen und ibnen von einzelnen, dur<h das Gesetz festgestellten Formalitäten zu entbinden. Ausnabmen von der allgemeinen Negel von niedrigen Durch» fuhrzöllen sind nur zwei aufgestellt, nämli<h+ a) Wenn es Artikel betrifft, deren Aus - und Einfuhr zollsrei statt haben kann, Ju diesen Fällen hält man es für nöthig, daß, um die Früchte dieser Maßregel dem Eigenhandel zu sichern, die Durchfuhrzölle etwas höher seien z aber allgemein nicht höher, als der Betrag der Durchfuhrzölle, welcher durch die Uebereinkunft in Bc= tref der freien Rheinsctifffahrt vom 31, März 1831 festgestellt wurde. þ) Wenn das Juteresse irgend cines Zweiges der niederländischen Jndustrie zu fordern scheint, daß, um Mißbräuchen zuvorzukommen , ein -Durchfuhr- zoll zu einem höheren Betrage festgestellt werde, wie es der Fall is bei den Artikeln Butter und Käse, Ju genauer Verbindung mit dieser Bestimmung stehen jene, welche in Betreff des Kolonialhandels und der Nationalschiff- fahrt festgestellt sind,“

Vei gie ln.

Brüssel, 18. Juli. Der Senat is jeßt mit der Diskussion des Geseh - Entwurfs über die Differenzial - Zölle beschäftigt, dessen Annahme ihm von seiner Kommission in der Gestalt, welche die Re= präsentanten-Kammer demselben gegeben, empfohlen worden is. Die allgemeine Debatte darüber war bei verschlossenen Thüren geführt worden z gestern hat die Erörterung der einzelnen Artikel begonnen, und es sind bereits einige derselben augenommen.

Dänemark.

Helfiugöór, 16. Juli, (Alt. Merk.) Eine Korvette und eine Brigg des russishen Geschwaders sind. mit hundert Kranken und mit Depeschen nah Reval abgesegelt. Einschließlich dieser beiden Schiffe zählt das russische Geschwader acht Linienschiffe, zwei Fregatten, zwei Korvetten und eine Brigg, die zusammen 780 Kanonen und 8&-— 9000 Mann Besaßung an Bord haben, Die Anwesenheit des Geschwaders auf hiesiger Rhede bringt natürlicherweise große Be-= wegung auch im Detailhandel hervor, da Offiziere und Mannschaft sich mit allerhand Bedürfnissen, namentli<h mit Wollen-= und Kolonial=- Waaren, versehen.

Jtalten. H Palermo, 5. Juli, (A. Z) Heute Morgen ist Se, Ma- jestät der König von Bayern am Bord des Dampfschiffes „Palermo““, nach achtzehnstündiger Fahrt, bei etwas bewegter See, glücklich und im besten Wohlsein hier angekommen.

IMAMWi enu #&> Paris, 17. Juli. Gleichzeitig mit der theilweisen Wie= derherstellung der fueristishen Einrichtungen hat die Regierung end- lich das Schleifen der Festungswerke von Vitoria bewilligt, eine Maß= regel, welche die Bevölkerung der Hauptstadt von Alava bisher ver= geblih zu erwirken bemüht gewesen war. Vitoria, früher ein offener Platz, wurde vor zehn Jahren beim Ausbruch des Bürgerkrieges mit

Lasten, aber eine nur |

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leihten Feldwerken umgeben, die der Stadt zwar viele ungewohnte | ( sehr zweifelhafte Sicherheit brachten. Statt | dieser Werke will die Regierung, wie es heißt, jeßt eine Citadelle bauen lassen. Das Baumaterial der Wälle und Mauera der Stadt soll zum Theil den Eigenthümern überlassen werden, auf deren Grund } und Boden die Festungswerke aufgeführt waren, und die, wie es | scheint, bis auf den heutigen Tag fcine Entschädigung für den erlit- tenen Verlust erhalten haben. -

Das spanische Kriegs-Dampfboot „„Jsabella II.““, am 10ten von Tanger aus im Hafen von Barcelona eingelaufen, hat die Nachricht mitgebracht, daß der Prinz von Joinville mit seinem Geschwader am 7ten von Oran aus nach dem genaunten maroffanis<hen Hafen unter Segel gegangen ist. Dieser Schritt des französishen Admirals steht ohne Zweifel im Zusammenhang mif dem neuen Angriff, welchen, laut den heute eingeht offenen Nachrichten aus Toulon, die Marokka= ner am Zten auf die Franzosen gemaht haben, und der einen ähnu- lihen Ausgang gehabt hat, wie die beiden früheren Kämpfe.

Portugal.

A Lissabon, 8. Juli. Seit Errichtung der Junta für den öffentlichen Kredit, welche sih ausshließli< mit dem Schuldenwe)en des Staats zu befassen und alle für die Zinsenzahlung aus\chließli< bestimmten Fonds einzukassiren hgt, is in diese Verhältnisse mehr Regelmäßigkeit gekommen, und erst kürzlich lieferte die Junta einen Beweis von Unabhängigkeit und richtiger Erkenntniß der Wichtigkeit ihrer Aufgabe für Erhaltung und Befestigung des Staats-Kredits, indem sie nicht gestattete, daß die ihr geseßlich überwiesenen Oülfs quellen für andere Zwe>e in Auspruh genommen würden, Für jeßt reihen die ihr zugewiesenen Fonds hin zu Erfüllung der ihnen ge gebenen Bestimmung. Wird dies aber auch in Zukunft fo sein? Das is eine no< ungelöste Frage. Die Zinsen der auswärtigen Schuld nahmen bisher eine Summe von 1100 Contos jährlich in Anspruch, die aber, gemäß der Stipulationen des bei Umwandlung der alten Schuld Urkunden angenommenen Planes, vom 1. Januar nächsten Jahres an auf 300 Contos und vom 1. Januar 1849 an sogar auf 1700 Contos steigen wird, da alsdann statt des jeßt noch bestehenden Zinsfußes von 22 pCt, einer von 4 pCt, eintritt, Es is zwar bestimmt, daß alsdann der gauze Ertrag der Verpachtung des Taba>-=Monopols zu De>ung der Zinszahlungen der auswärtigen Schuld verwendet wer= den soll, wird aber die Regierung im Stande sein, eine so bedeutende Hülfsquelle für ihre übrigen laufenden Ausgaben zu entbehren? Eine sichere Bürgschaft für die Zukunft is in dieser Beziehung nicht gege= ben. Darum ist es begreiflich, daß es der Regierung so {wer fällt, | selbs mit dem Tabaks - Kontrakte s< das Anlehen zu verschaffen, | dessen sie bedarf und dessen Betrag sie selbst auf 4000 Contos an= | giebt. Bevor ich auf die weitere Auseinanderseßung der gegenwär- | tigen Lage eingehe, erscheint mir nöthig, über die Verhältnisse des | Tabaks - Kontraktes, von dem so häufig die Rede is und no< mehr | in Zukunst sein wird, einige Aufschlüsse zu geben. |

Als im Jahre 1834 der Kaiser Dom Pedro in Portugal ge- | landet war, um die Rechte seiner Tochter , der jebigen Königin, mit den Waffen in der Hand wieder zu gewinnen, war er im Anfange um bedeutende Summen betrogen worden. Ein französischer General, der auch in dem polnishea Jusurrectionskriege von 1831 eine Rolle ge= spielt hatte, mit einem Worte Romarino hatte beträchtliche Fonds erhalten, um Leute in Frankreich und England zu der Expedition anzuwerben, doch nur ein geringer Theil jener Gelder wurde zu der wahren Bestimmung verwendet; als Dom Pedro mit den wirklich angeworbenen unter Oberst Shwarz und mit dem nachmaligen \pani= schen Finanzminister Mendizabal von England nah Portugal absegelte, während aus französishen oder belgishen Häfen die anderen si< anschließen sollten, ergab si<, daß wenig oder nihts ge- \hchen war. Nomarino hat meines Wissens weder über die erhaltenen Gelder je Rechenschaft abgelegt, noch sonst etwas im Jn= teresse der Königin Doña Maria da Gloria gethan, Die Expedition wurde dessenungeachtet unternommen, und besonders Oberst Schwarz leistete dabei große Dienste, die aber nahmals, als Dom Pedro ge= storben war, doch nicht mehr die verdiente Anerkennung gefunden zu haben scheinen. Wenigstens soll es demselben, dem allein die Unter werfung und Pacification der Provinz Algarvien, und deren Säube- rung von den miguelistishen Guerillasbanden zu danken war, no<h bis

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rungen und Erfüllung der ihm gemachten Versprehungen zu erlan=- gen. Dom Pedro befand si<h damals mehrmals in größter Geldver= legenheit, und als ihm 1834 Graf von Farrobo die Summe von 84,000 Pfd. St. vorschoß, überließ er demselben das Tabac-=Mono= pol pachtweise auf zwölf Jahre. Nach den Geseßen konnte dies eigentli<h nur für drei Jahre geschehen; in Betracht der außerordentlihen Umstände wurde “indeß von diesem, dem Kontrakte anklebenden geseßlichen Mangel damals Umgang ge- nommen, auch später erhob sih keine Einsprache dagegen und die Sache wurde als ein Ausnahmsfall betrahtet. Graf vou Farrobo hatte si< dagegen anheischig gemacht, die jährliche Summe von 1200 Contos in monatlichen Raten von je 100 Contos, und zwar zur Hälfte in Baarem, zur Hälfte in Papiergeld, an den Schaß zu zahlen, Jun- deß trat er bald die Pacht für 1300 Contos an einen anderen Ein= steher ab, wobei er jedoch selbs no< Antheil daran behielt. Eine für die Pächter nachtheilige Verfügung verordnete hon Ende 1834, daß sie künstig keine Zahlung mehr in Papiergeld, sondern alle in Baarem leisten sollten; nah ihrer eigenen Schäßung, die so ziemlich richtig zu sein scheint, erlitten sie dadur cinen Verlust von ungefähr 30 pCt. und verlangten daher cinen Nachlaß, der anfangs bewilligt, dann aber wieder zurü>gezogen wurde, Der Kontrakt war indeß nah ein= ander von Herrn Pimenta auf die Herren Brandao, Lampao und Freites übergegangen. Lebtere erhoben endlih Entschädigungs - An= sprüche gegen den ursprünglichen Pächter Grafen von Farrobo, indem sie ihu für die ihnen dur die Aenderung in dcr Zahlungsweise er= wachsenen Verluste verantwortlih machten, da sie den Pacht von ihm nur unter der Bedingung der Beibehaltung der ursprünglichen Be- dingungen übernommen hatten, Graf von Farrobo aber hält sich nun an der Regierung, von der er Entschädigung für den auf 700 Contos berehueten Verlust verlangt. Der gegenwär= tig bestehende Kontrakt geht übrigens erst mit 1846 zu Ende, und der Vorschlag zu einem Anlehen, das mit dem künftigen Kontrakte verbunden werden soll, is zwar vorläufig mit der Königlichen Sanc= tion versehen; aber dessenungeachtet könnte er von den Cortes wie der umgestoßen werden, als ungesebßlih und dem Staats = Juteresse nachtheilig, und es wird daher nichts Leichtes sein, Jemand zu fin= den, der unter solhen Umständen auf die Sache eingehen möchte.

Funfziglähriges Dienst - Jubiläum des Herrn Bischofs Dr. Eylert.

(Nach der Neuen Hamburger Zeitung.)

_Harvestehude, am 20, Juli, Am heutigen Tage vollendet der evan- gelische erste Bischof Preußens, Herr Dr, und Domherr Evlert, das funf-

zigste Jahr seiner amtlichen Laufbahn, Seit mehreren Jahren bereits bringt erx den s{hdneren Theil des Jahres auf einer in Eppendorf erworbenen an-

muthigen Besißung zu, welcher er den bezeichnenden Namen „„Abendruhe“

gegeben; er is in gewisser Art unser Mitbürger geworden, und in unserent

Mitbürger den hochverdienten Mann zu ehren,

steht uns wohl an. Jn

Hamm, in dem Lande Westphalen, dem Lande unverfälschter deutscher Treue und deutscher Kraft, geboren, hatte er das Glü, zuerst dersclben Gemeinde,

als deren Mitglied er verkünden zu

und von denen einige vier und mehr Auflagen erlebten.

als Prediger das Evangelium dürfen. Diesen frietli<h eng begränzten Wirkungs- reis wußte er bald zu erweitern dur< die Herausgabe alcetischer Schriften, die scinem Namen eine wün <enswerthe Bedeutung verschafften, ) Eine derselben,

aufgewahsen ,

gewiß die schönste, die er, vielleicht die c{önste, die je cin Prediger geschric- ben, dic „Betrachtungen über die lehrreichen und irostoollen Wahrheiten des

Betrachtungen in tausend Fällen gewirkt haben,

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heute nicht gelungen sein, eine vollständige Liquidirung seiner Forde= | j

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Christenthums bei der Trennung von den Unsrigen“, bahnten ihm den Weg zu einem höheren Standpunkt, einem weiteren Wirkungskreije. Was diese 1 Trost und Bescligung be- fümmerter Gemüther, das wirfien se au bei der vollendetcn Königitt Preußens, als der Verlust eines geliebten Kindes sie bitter fühlen machte, daß der fürstlihe Hermelin das unter ihm schlagende Herz nicht vor den Schmerzen des menschlichen Lebens zu sichern vermöge. Es war der edlen Frau Bedürfniß, den, der ihr in der biitersten Lcidensstunde aus der

| Ferne den Balsam des Trostes geboten, in ihrer Nähe zu wissen, und gern

quf die Wünsche der Gemahlin eingehend, bericf der König Friedrich Wil- helm der Dritte den Prediger Eylert in Hamm als Hofprediger nah Pots- dam. Dem guten Eindru>, den der Schriftsteller gemacht, wußte der Pre diger, der Mensch Dauer zu geben. Eben so ‘reich an Geist als Gemütb, hat er in dem langen Zeitraum, der zwischen seiner Berufung nach Poté- dam, seiner Erhcbung zum Bischof im Juli 1819 und dem heutigen Tage liegt, in gleichem Grade die Achtung und Liebe seiner Gemeinde, wie die seines Königlichen Kirchenpatrones sich zu bewahren gewußt, hat durch Wort, Schrift und That des Guten unendlich viel gewirkt, t

Von allen Seiten erhielt der Jubilar die erfreulichsten Beweise herz- lier Theilnahme an dem heutigen Feste. Von scinem Geburtsorte Hamm, und von der Nesidenzstadt Potsdam ward ihm das Ehrenbürgerrecht er- ibeilt, und schriftliche Glückwünsche aus der Ferne, wie mündliche Beweise der Achtung und Licbe von Seiten seiner zahlreichen hamburgischen Freunde sind ihm heute dargebracht.

Zande!s- und Börsen - Uachrichten.

Berlin, 22. Juli, Der Umsaß in Eisenbahn - Eff:kten war heute äußerst geringfügig und die Course derselben meistentheils etwas matter, als am vorigen Postiag.

ee Dr Des 2 Juli 14 Pr. Cour. |

Brief. Geld.

Pr. Cour. Brief. | Geld. | Gew, 166% | 1655 103% | -——

1925 __ | 103%

Fonds. ÁÄclien. S

Brl. Pots. Eiseub. 59

do. do. Prior. Obl.| 4 | Magd. Lpz. Eisenb.|— do. do. Prior. Obl. 4| Brel. Anb. Eiseub.|—| do. do. Prior. Obl. 4|

Düss. Elb. Eisenb.| 9 | 9/ ——

St. Schuld-Scb. B 101% 101 5 Prämien - Scbeine d. Seeb. à Ü T.| S7 L Kur- u. Neumärk. Schuldversecbr. 35 Berliner Stadt Obligationen 35 101 L 0: Danz. do. in Th, 18 do. do. Prior. Obl.

4| d Westpr. Pfandbr. 3% 101% 100% IRbein. Eisenb. 5 G B9 |

100% | 100

Grosshb. Pos. do. 104 4 04 do. do. Prior. Obl. ——— do. do. 35| 100 99 5 do. v.Staat garant. 35 V0 | Ostpr. Pfandbr. |35; (2 Brl. Frankf. Eisnb.| 5 6 | |

101% 01 do. do. Prior. Obl.| 4 | 33 | 101” Ob.-Schles. Eisub.| M E A \ 120 100% Îdo. LuB. v. eingez.\—| 1145 | | gei Lt. A.u.B.\—| 1275 | |

|

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Pomm. do.

1017 109%

2 2 ‘p Kur- u. Neum. do. 7

Sechlesiscbe do.

Magd.-Halbst. Eb.| 4 | 117% | 1165 Brl.-Scbw.-Frb.E.| - 118 | 103% | 1335 |

Gold al marco. |

Friedrichsd’or. - 13% L And.Gldm. à 5 Th, 11 5 do. do. Prior. Obl.| Disconto. | C 1 Bonu-Kölner Esb,.

Auswärtige Börsen. Amsterdam, 18. Joli. Niederl. wirkl. Sch. 617. 5% do. 10057. 3% do. 34. Pass. -—. Zins). —. Sch. —. Pol. Vesterr. 1097, 4% Russ. Hope 907. Antwer pen, 17. Juli, Zins]. —. Nene Aal. 203. Frankfurt a. M., 19. Jui. 5% Met. 1125 G. Bank-Actien p. ult. 2003. Bayr. Bank-Actien 717 Br. Hope S597 Br Stiegl. 897 Br. Int. 605. Pola. 300 Fl. 95! G. do. 500 Fl. 95 6. do. 200 FI. 297 Br. Hamburg, 20. Juli. Bank-Actien 1650. Eugl. Russ. li2z. Paris. 17. Juli. 5% Reate fiu cour. 122. 19. 3% Reute fin cour. 82. 15 5% Neapl. au compt, 99, 25. 5% Span. Rente —. Pass. —. Wien. 18. Juli. 5% Met. 1105. 4% 101. 3% 77%. Bank-Actien 1608. Anl. de 1834 150. de 1839 12873, Nordb. 1403 Br. Gloggn. 1i3:. Mail, 10177. Livorn. 115%. y

c ; 1! D270 Span. 215. Ausg. —. Preuss. Pr.

Bertimtigul g

Jn der Vorrede zu dem jüngst erschienenen Leben Hegel"s vom Herrn Professor Rosenkranz in Königsberg, findet sih bei Erwähnung der dem Berfasser bei seiner Arbeit zu Theil gewordenen Unterstüßungen, in Be- ziehung auf den Briefwechsel des seligen Hegel mit Herrn von Schelling folgende Aeußerung: „Hegel's Briefe an Schelling habe ih nicht im Origi- nal, nur in einer Abschrift der Wittwe Hegel's vor mir gchabt; aus dieser ist au der Vermerk des Datums der Schellingschen Antworten entnom- men. Schelling's Antworten sind mir gänzlich unbekannt geblieben. Er licß sie mir im Dezember 1843 durch Herrn von Henning unter der Bedingung vollständigen Abdrucks anbieten, Dieses Entgegenkommen nahm ich dankbar an, bedauerte jedoch, diese Briefe nicht mehr in die schon geschlossene Biographie, nur in den urfundlichen Anhaug aufnehmen zu könnenz aber auch so werde Herr von Schelling sich alle Freunde der Geschichte unserer philosophischen Literatur sehr verpflich- ten. Hierauf bin ih ohne alle Antwort geblieben,“ Diese ihrem wesentlichen Jnhalt nah in den in der Beilage zu Nr, 180 der Allge- meinen Zeitung enthaltenen kritischen Artikel über die Eingangs er- wähnte Biographie aufgenommene Aeußerung, bedarf, was die Angabe: Herr von Schelling habe dem Herrn Professor Rosenkranz seine Briefe an Hegel zum Abdru> anbieten lassen, einer Berichtigung, die um \o erwünschter sein wird, als dem einigermaßen mit den Verhältnissen bekannten Publikum die Angabe eines solchen entgegen- fommenden Anerbictens des Herrn von Schelling, wenn auch durch cine dritte Person, an Herrn Nosenkranz gemacht haben soll, als im hohen Grade befremdli<h erscheinen muß. Jh erachte es deshalb für meine Pflicht, unter Berufung auf das Zeugniß aller dabei Betheiligten, über den cigentlichen Hergang der Sache Felgendes zu erklären: Jm Anfang des November v, J. ging mir von Seiten des Herrn Geheimenraths von Schelling, bei Gelegenheit eincs demselben von mir abgestatteten Besuchs, von diesem die Aeußerung zu „es werde mir nicht unbekannt sein, wie bald nach dem Tode Hegcel's, von dessen Wittwe ihm der Wunsch geäußert wor- den, nicht nur seine in früherer Zeit an Hegel gerichteten und in dessen Nachlaß vorgefundenen Briefe in die damals im Werk begriffene Samm- lung von Hegel's vermischten Schriften aufnehmen zu dürfen, sondern auch zu demselben Behuf die ihm von Hegel zugegangenen Briefe mitgetheilt zu erhalten. Diese Mittheilung sei alsbald bereitwillig erfolgt, dagegen habe er die Zustimmung zum Abdruck seiner Briefe an Hegel abgelehnt, da deren Inhalt zu unbedeutend sei, um damit das Publikum zu behelligen. Nun müsse er hören, daß von dieser Verhandlung, die nur zwischen ihm und der Familie Hegel's stattgehabt, Andere reden und von der angeblichen Weigerung, seine Bricfe abdru>en zu lassen, allerhand Auslegungen machen, Er wiederhole daher, daß er die Verantwortung. für den Abdruck so unbedeutender Briese nicht übernehmez wolle aber die Fa-

milie diese ausdrü>tlih auf sih nehmen, so habe erx gegen den Abdru> auch

nichts einzuwenden, und möge ih dies der Frau Professor Hegel erklären,“