1844 / 210 p. 1 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

¡ne - Minú ind des Herrn Ramiero zum Justiz - Minister er- De Dar Krieg gegen die gas von Rio Grande L Sul wurde von dém General Baron Carias fortwährend mit Glüd geführt, ohne daß sih indeß das Ende desselben voraussehen ließ.

Westindien.

London, 20. Juli, Nachrichten aus Jamaika vom 22, Juni zufolge war der Ausstand der Schwarzen auf Jamaika unter=- drüdt worden; do< fehlen darüber die näheren Berichte. Auf Ja- maifa herrshte große Aufregung wegen der angekündigten Abände- rung der Zu>erzölle und eine Menge Petitionen gegen die Vermin- derung des Schußes wurden auf zahlreich besuchten öffentlihen Ver- sammlungen angenommen, Zwei Kriegsschiffe sollten nah Cuba absegeln, wo wegen der Sklaven-Verhältnisse fortwährend Gewalt- thaten gegen die Ausländer, besonders gegen Engländer vorfielen. Man glaubte der britishe Admiral in Westindien sei entschlossen, gegen das Verfahren des spanischen Gouverneurs von Cuba, O’Donnell, kräftig einzuschreiten.

Aus Hayti sind über Trinidad bedenklihe Nachrichten einge- gangen. Der neue Präsident Guerrier war plöglih und gefährlich erfranft, und man glaubte, daß er auf Anstiften seines Nebenbuhlers Acaan vergiftet worden sei. Die Stadt Aux Cayes war geplündert und verwüstet worden, und die dortigen Briten hatten nah Trinidad sich gewandt, daß ein Kriegsschiff zu ihrem Schuße abgesandt würde. Jhren Bitten is sogleih gewillfahrt worden.

Eisenbahnen.

Kölu, 48. Juli. (A. A. Z) Die Arbeiten an der Köln- Mindener Eisenbahn haben seit einiger Zeit begonnen und werden mit Thätigkeit fortgeseßt. Wenn bei der 1heinischen Bahn nach der Lage des Terrains der Bau vieler Tunnels unvermeidlih war, so wird die Schwierigkeit hier nit geringer sein in Beziehung auf die Brücken, welche bei den Uebergängen über die Wupper, Düssel, Ruhr und Lippe nothwendig werden. Man nimmt an, daß bis Düsseldorf also auf einer Stre>e von ungefähr neun Stunden, deren zehn bis eilf erforderli<h sind, worunter natürli< viele un- bedeutende Passagen. Der Haupt= Uebergang is bei Ruhrort und der Bau dieser Brücke möchte wohl nahe an 200,000 Rthlr. kosten. Zum Bahnhof is die jeßige große Dragoner =- Reitbahn in Deus bestimmt ; auf welche Weise die Verbindung mit der auf dem jenseiti- gen Ufer gelegenen rheinishen Bahn bewerkstelligt werden wird, ist bis jeßt no< unentschieden, jedoh verdient die Jdee, welche der Archi- telt C. von Hartmann aus Hagen über den Bau einer massiven Bo- genbrü>de über den Rhein so eben in einer Broschüre entwidelt hat, Beachtung. Die Frequenz der rheinishen Eisenbahn schreitet in er- freulicher Weise fort; besonders hat si<h der Güter - Transport ver- mehrt, und es laugen jebt schon täglich einige tausend Centner Waaren an, deren größter Theil von Holland über Autwerpen eingeführt wird. So liefert z. B. die Einnahme des ersten Semesters von 1844 gegen das von 1843 einen Uebershuß vou 100,359 Rthlr., und weist eine Mehr- beförderung von 35,213 Personen und 815,488 Ctr, Gütern nah. Eben \o liefert der diesjährige Monat Juli gegen den vorjährigen einen Uebershuß von 22,234 Rthlr. Auch die Bonn-=-Kölner Eisenbahn hat seit ihrer Erössnung bis zum leßten Juni (45 Monat) 232,519 Personen befördert und 43,117 Rthlr. eingenommen. Es wurden somit Tag für Tag 178 Reisende expedirt und etwa 33 Rthlr. eingenommen, mithin stellt sich heraus, daß im Vergleich zu der Veranschlagung jede Fahrt eine Mehreinnahme von etwas über 5 Rthlr. liefert, denn in jener war der durhschnittlihe Ertrag zu 27 Rthlr. 21 Sgr. angenommen.

andels - und Börsen - Uachrichten.

Berlin, 27. Juli, Es gereicht uns zur Freude, unseren Lesern die beruhigende Mittheilung machen zu können, daß das verabsheuungswürdige Attentat auf unseren allgeliebten König und Landesvater durchaus ohne allen Einfluß auf den Stand sämmtlicher Staatspapiere und Eisenbahn- Effeften geblieben ist; es haben sich diese nicht allein gut behauptet, sondern sind zum Theil wenigstens etwas gestiegen, besonders entwickelte sich am Schluß der heutigen Börse eine bessere Festigkeit,

Wenn leider einige Eisenbahn - Effekten aufs neue einen wesentlichen Rückgang erfuhren, so is dies lediglih dem Umstande zuzuschreiben , daß viele seit 2 Monaten prolongirten Engagements jett fällig und die Papiere mitunter à tout prix verkauft werden müssen, Wir wüßten in der That feinen anderen Grund für diese Reactionen anzugeben, wenn wir bedenken, daß nach einem Fall von 10 bis 15% endlich die Effekten weit unter ihrem bereits bestehenden und zu erwartenden Werthe zurückgegangen sind.

Die Meinung, welche man jeßt häufig vernimmt, das Vertrauen zu Eisenbahnen überhaupt sei geshwunden, können wir um so weniger gelten lassen, als si< nirgends herausstellt, daß hierzu irgend ein Grund vor- handen wäre, Daß an unserer Börse Geldmangel stattfände, der auf die Course nachtheilig wirke, müssen wir ebenfalls geradehin bestreiten. Wenn wir noch cins erwähnen, wodur die Neaction herbeigeführt ist, so sind es die enormen Verluste in lezter Zeit, und es dürfte nicht so schnell die Ge- fahr großartiger Unternehmungen vergessen werden, als daß nicht ein Jeder nur seinen Verhältnissen angemessene Speculationen unternehmen sollte, wodurch das Geschäft selbs an Solidität gewinnt.

Das Geschäft in Quittungsbogen war nur mit Unterbrechung, im Laufe dieser Woche sehr unerheblih, die Course haben einen weiteren Fall von resp. 2 bis 4% erlitten, und da wir die Gründe des Weichens vorstehend angeführt haben, so beschränken wir uns auf die Notirung der Schluß- Course, wie folgt.

Köln-Mindener waren bis 109%, hoben si<h heute bis 1095 a X und schlossen 110 %.

Nieders <l,-M ärk, erlitten cinen Rückgang von 114% a 1117 und blieben heute 1115 a % Old,

Sagan-Glogauer 1085 Brf,

Krakfau-Ober schl, 108 Brf.

Brieg-Neisse a 106 verkst.

Berlin-Hamburger wichen von 117% a 1145 und schlossen heute 1147 % Br, und Geld.

1168

Halle-Thüringer schlossen heute 1123 a 112 % bez. Jn Steele-Vohwinkel ging zum Course von 114 a 113 % Meh- reres um.

1107; bez.

Dresden-Görliger sind heute 112 a 111% verkauft.

Sächsisch -Baverische von 108 a 106 % gewichen,

Volle Actien folgten in dieser Woche der weichenden Tendenz der Quittungsbogen und erfuhren mitunter einen schr emyfindlihen Rückgang, ohne daß ein weiterer Grund, als die obenerwähnte Realisirung der fällig werdenden Engagements anzugeben wäre.

Berlin-Anhalter von 1583 a 157 % blieben 1577 Gld.

Berlin-Frankfurter bielten si 2 1475 % mit geringem Umsaß,

Berlin-Potsdamer 166; Gld.

Berlin-Stettiner wichen von 127% a 1245 und wurden heute a 124 % verkauft.

Oberschlesische Littr. A. blieben heute a 119 % offerirt.

Oberschlesische Littr. B. wichen von 1135 a 110%, wozu heute ansehnliche Posten gekauft wurden.

Magdeburg-Leipziger 1915 bez,

Magdeburg-Halberstädter 1162 bez. und Br,

Düsseldorf-Elberfelder 93 % bez.

Nheinische sind a 83% verkauft, und mögen wohl geflissentliche nach- iveilige Mittheilungen die Veranlassung hierzu sein.

Hamburg-Bergedorffer {wer verkäuflich, blieben a 967 % offerirt,

Kiel-Altona 1135.a 1125 % bez.

Amsterdam-Rotterdam blicb ohne Umsay und 99% Br.

Wien-Gloggnißy 11735 a 117% bez.

Nordbahn 1463 Geld,

Mailand-Venedig wegen Einzahlung nah Wien geschi>t, ohne Geschäft. i

Livorno-Florenz 1145 a 115% bez.

Berlin, 27. Juli, Es zeigt sih hier fortwährend so wenig Unter- nehmungslust für Weizen in Partieen, daß man den Handel in dieser Kornart füglich als ganz daniederliegend bezeichnen fann. Augenblicklich so nahe vor der Acrndte, von welcher leßteren mehrererseits nur Günstiges Erwähnung geschieht, würde selbst zu billigen Preisen nicts zu placiren sein, und nur zu gedrückten Preisen ist hin und wieder cin Verlauf aus der Hand zu bewerkstelligen. Die zuleßt geforderten Preise sind nah Qualität anzunehmen, für gelb. schles. 84/86pf. 41—43 Rthlr., für weiß. \<les. 84/86pf. 44—46 Rthlr., für bunt. poln, 87/88pf. 44—46 Rthir., für weiß. poln. 87/88pf. 47—49 Rihlr., 86- u, 88pf, bunt, poln. ist mit 45 u. 46 Rthlr, detaillirt worden, Von gelb und weif. guhr. kam nichts vor.

Jn fast gleichem Verhältniß gestaltet sich das Roggengeschäft. Inhaber zeigen sih sehr geneigt zur Nealisirung, da die Aussichten für einen reellen Abzug vor der Hand ganz geshwunden sind. Für den örtlichen Be- darf wird am Wasser 82/83pfd. mit 28 285 Nthlr, 84 /85pfd, mit 29 bis 30 Rthlr, verkauft, Auf Lieferung bei zurückgehenden Preisen wurde sowohl speculations- als de>ungsweisc Einiges gehandelt, bis heute unsere Börse endlich wieder bei etwas besserer Tendenz mit folgenden Preisen \<loß: Zuli /Aug. 82pfv. 28 Rthlr, G., 84pfd. 29% a 2 Rthlr. G.; Aug. /Sept. 82pfd. 29 Nihlr. eher zu machen, 84pfd. 30 Rthlr. Br., auch wohl Geld z Sept, /Okt, 82pfd, 30 Rthlr, bez.,, 307 Rthlr. zuleßt G., Sá4psd. 31 Nthlr, Br. u. G.z Frühjahr 82psd, mit 305 Nthlr, bez, u. G., es soll auch 303 Rthlr. bewilligt worden sein,

Gerste ganz ohne Umgang, pr. Br. 71 /72pfd. 255—26 Rthlr., fleine 23—245 Rihlr. zu notiren.

Hafer bei \<wächerem Begehr in loco 185—195 Rthlr,, pr. Herbst 48pfd, 18% Rthlr. Brf., 185 Nthlr. Gld,, pr. Frühjahr 48pfd. 19 Rthlr. Brf.

Futtererbsen schwer verkäuflich in loco 32— 33 Rihlr, Ko d - erbsen 34—36 Rthlr.

Bergish-Märkische 114 a 1115 bez, und Br,

Allgemeiner

meidung der am 5, September d. Js. zu erkennen- den Präklusion, hiermit aufgefordert,

Datum Greifswald, den 8, Juni 1844, Königl. preuß, Hofgericht von Pommern und Rügen,

Bekanntmachungen.

[687 b] A004 4,

Mit Verweisung auf die den Stralsundischen Zeitun- gen in extenso* inserirten Ladungen vom heutigen Tage Sitden alle diejenigen, welhe an die der Baronese bea fti Charlotte von Blixen - Fine>e zu Greifswald als

Mveral-Etbin ihres Bruders, des unlängst mit Tode Ble genen Barons Carl Philipp Reinhold von Veilase gere auf Kl. Zastrow, zu Theil gewordene Rechi enschaft des Legteren aus irgend einem Grunde ien ens Forderungen und Ansprüche haben und gel-

dung on Reztgan dafür halten, zu deren Aumel-

u S G Jubi s in einem der folgenden Termine,

oder am 16. A s Morgens 10 Uhr, vor dem Königl, vofacdiht, beiVer:

(L. S)

[839]

Nothwendiger Verkauf. Stadtgericht zu Berlin, den 14, Juni 1844, Das in der Liníienstraße Nr, 153 belegene Grundstück des Tischlermeisters Gustav Friedrih Ferdinand Welle, gerihtli<h abgeshäpt zu 14143 Thlr. 26 Sgr. 9 Pf, soll am 24, Januar 1845, Vormittags 11 Uhr, an der Gerichtsstello subhastirt werden, Taxe und Hy- pothekenschein sind in der Registratur einzusehen,

Rappsaamen wird wenig offerirt, bleibt aber auch ohne besonderen Begehr zu den bisherigen ziemlich unveränderten Forderungen. Für eine \<wimmende Ladung Rapps wurde heute 69 Rthlr. gefordert, worauf nicht gerücfsichtigt wurde.

Rüböl hatte nur in loco zu 4105; einigen Umsay, ein Preis, der in- deß auch uur von Benöthigten bewilligt wurde und dazu im Markt blieb. Auf Lieferung war das Geschäft unbelebt und ohne sonstiges Juteressez pr. August /Sept. 107; Rthlr. Br, 107 Rthlr, G.; pr. Sept. /Okt. 1075 Nthlr. Br. 107 Rihlr. bez, und no<h zu machen z pr. Okt. /Nov. 105 Nthlr. Br. 1054 Rthlr. G.z pr. Nov. /Dez. 105 Nthlr. Br, 105 u, %, Nthlr, G. ; pr. Dez. /Jan. eben so.

Leinöl loco 105 Rthlr. Br, 105 Rthlr, bez,; Lieferung 10575 Rthlr, Br. 105 a % Rthlr. G. ; O

Palmöl 10% a 11 Rthlr. Südseethran 95 a ; Nthlr.

Spiritus, matter, in loco pr. 10,800 % 167 Rthlr. Br,z auf Lie- ferung in den Winter - Monaten 15 Nthlr. Br, 147 Rthlr. Geld.

Die Witterung zeigte sih hier in diesen Tagen um Vieles milder und günstiger, was unsere Landleute bewog, sich mit dem Dreschen zu beeilen, um das Gemähte \chnellthunl<#| unter Fach zu bringen. Seit gestern Abend haben wir bei stark bede>tem Himmel einigen Regen, der bis guf diesen Augenblick mit kleinen Jutervallen anhält.

Brieflichen Nachrichten zufolge, sind in Schlesien die Aussichten für Weizen günstig, hingegen für Roggen schle<ht. Del - und Kleesaaten sind daselbs gut eingekommen, Die Roggen - Aerndte in Thüringen wird als eine gute bezeichnet; man rehnet vorzugsweise auf eine gute Qualität, Was von NRappsaamen daselbst zum Verkauf vorkam, war von feuchter Beschaffen-

Hanföl 122 Rihlr, Mohnöl 13 Rihlr,

Rhbeinschanz-Bexbach von 1115 a 110 % gewichen, schloß heute

heit, Die englischen Berichte fehlen uns no<, Nach unverbürgten Nach- rihten werden uns diese 1 und 2 Sh. niedrigere Preise bringen,

Auswärtige Börseu. Amsterdam, 24. Juli. Niederl. wirkl. Seb. 61 5- 5% do. 100.5. 5% Span. 205. 3% do. 34. Pass. —. Ausg. —- Ziusk. —. Sch. —. Pol. —. Oesterr, 1095. 4% Russ. Hope 9017-, Ántwerpen, 23. Juli. Zinsl. —. Neue Anl. 203. Frankfurt a. M., 25. Juli. 5% Met. 1125. 2004. Bayr. Bank-Actien 718 Br. Hope 897, Stiegl. 89% Br. 300 Fl. 95% G. do. 500 Fl. 954 G. do. 200 FI. 294 Be. Hamburg, 26. Juli. Bank-Actien 1650. Engl. Russ. 127. London, 23. Juli. Cons. 3% 997. Belg. 1037. Neue Anl. 23. sìve 57. Ausg. Sch. 1227. 25% Holl. 615. 5% do. 10125. Neue Port. 443. Engl. Russ. 119. Bras. 83, Chili 1047. Colomb. —. Mex. 367. Peru 26. Paris , 23. Juli. 5% Rente fin cour. 121. 50. 3% Rente fin cour. 81. 65. 5% Neapl. au compt. 98. 75. 5% Span. Rente 30%. Pass. 55. Wien, 24. Juli. 6% Met. 1103. 4% 1003. 3% 77. 1604. Aul, de 1834 1504. de 1839 128%. Nordb. 1407. Mail. 10973. Livorn. 1143.

Preuss,. Per.

Bank - Aclien 2006. Int, 00%. Pola.

Pas-

Bank-Actien Gloggn. l 13%.

Leßte Gast-Vorstellung des Kinder-Ballets in 4

führung. ; ( Stü: Emilie, im dritten:

glièdern des Königsstädtischen Theaters):

Vorstadt, oder: 3 Afteu, von J. Nestroy. | M Nestroy, erster Komiker des Kaiserl, privilegirten Theaters an der Wien zu Wien: den Agenten Schnoferl, als erste Gastrolle.)

Zoologischer Garten.

Jn Folge unserer neulichen vorläufigen Mittheilung haben wir jeßt an- zuzeigen, daß der zoologische Garten in der ehemaligen L asanerie vom sten fünstigen Monats ab, dem Publikum geöffnet sein wird. Es werden Ein- trittsfarten für Erwachsene zu 5 und für Kinder zu 22 Sgr. an dem rechts stehenden Thorhause gelöst und beim Eingang an die dort aufgestellte Kon- trole abgegeben. Dort sind auch Diener bereit, die über die räumliche Ein- theilung der Anlage und die kürzeste Art, sie zu durhwandeln, Auskunft und Anweisung geben. Später wird ein Situationsplan nebst kurzer Beschreibung als Wegwciser dienen. Bei den einzelnen Thierbehältern sind ebenfalls Perso- nen aufgestellt, die sie zu bewachen haben und deren Vorstellungen wir Ge- hör zu geben bitten. Aus vielen Gründen is in allen ähnlichen Anstalten das Füttern der Thiere aus den Händen der Besuchenden untersagt, haupt- sächlih deswegen, weil ihnen auf diese Weise leiht eine nicht zuträgliche oder wohl gar schädlihe Nahrung gegeben werden könnte. Auch wir müs- sen daher bitten, dieses für erst zu unterlassen, doch soll dafür gesorgt wer- den, daß neben jedem Behälter Vorrath von solchen Nahrungsmitteln vor- handen sci, welche sich für die darin befindlichen Thiere eignen und von welchen auf Verlangen das Erforderliche zu den Einkaufspreisen abgelassen werden soll.

Wir halten es für überflüssig, no< besondere Bitten um Schonung und Schuß für die Garten-Anlagen und sür die zur Schau gestellten Thiere hinzuzufügen. Die günstigen Aeußerungen über das begonnene Unternehmen, die uns von allen Seiten zukommen, geben uns die Zuversicht, daß jeder Besuchende au< ohne unsere Aufforderung gencigt sein werde, nicht blos alle Beschädigung zu vermeiden, sondern auch Andere, insbesondere die Kinder , davon abzuhalten, Í N

Der Zugang zu dem zoologischen Garten is von der Fasanerie-Brücke zu nehmen, Außerdem will Herr Moriz in seinem am Ende der Bendler- Straße gelegenen Kaffechause Jedem den Durchgang über seine Brücke auf das mit der Fasanerie gränzende Feld, auch ohne daß bei ihm etwas ver- zehrt wird, freundlich erlauben.

Das Comité für die Einrichtung des zoologischen Gartens, Kortum, Tschirner. Lichtenstein. Lenne,

Befanutmacwun g. Von der bei dem unterzeichneten Vüreau bearbeiteten Uebersihts Karte der Schnellpost- und Eilwagen, so wie der bedeutendsten Per- sonenpost- und Fahrpost Verbindungen und aller vollendeten Cisen- bahnen in Deutschland und den angränzenden Ländern, is eine neu berihtigte Auflage erschienen. Kolorirte Exemplare à 15 Sgr, sind bei dem Portier des Postgebäudes, Königsstraße Nr, 60, so wie auf Bestellung bei allen Post - Anstalten, zu haben, Berlin, den 24. Juli 1844. Cours-Büreau des Königlichen General-Post-Amts.

Meteorologische

R T f E I A L O O E

1844. | 27. Juli, | G Ubr. | Au

uan Sa D

Beobachtungen.

Nach einmaliger

Abends 10 Ubr.

Morgens | Nachmittags | Beobachtung.

"n ez I e A n 1 e A Lustdruck . ... 339,13 Par. 335,61 Par. 336 2‘ . | Quellwärme 8,1 E Lustwärme ... + 181 L - 10.7 Bi -+- 12,4 .| Flusswärme 14,5 : R. Thaupunkt E |+ l L777 R. -1- I Le? R. -+ l La R.! Bodenwärme 14 2 2 R, 90 pct. 74 pt. | Ausdünstung 0,014 S Rh. | trüb, | Niederschlag 0,029 Rb | j ax 0 Wind | Wsr | W. | Wüärmewechsel -+ 15,8 l 0 Wolkenzug. - -| | M: | -—— | +- 114 R. Tagoemittel:-335,60 Par, d 198,720 r 16 90 po WNW. ag , '

91 pt. Regen. NW.

# | Dunstsättigung |

Königliche Schauspiele. Montag, 29. Juli. Das Glas Wasser, oder: Wirkungen, Lustspiel in 5 Abth., nah Scribe, von A, Cosmar. Baison : Vicomte von Bolingbroke, als Gastrolle.) Dienstag, 30. Juli. Mara. ; Mio: 31. Juli. Zum ersteninale wiederholt : Trauerspiel in 5 Abth., von Friedrich Halm.

Ursachen und (Herr

Sampiero,

Königsstädtisches Theater.

Montag, 29, Juli, Die Gouvernante. Posse in 1 Akt, vot Theodor Körner. Hierauf: Nehmt ein Exempel daran, Lustspiel in 41 Akt, von De. Töpfer, Dann: Köü> und Guste. Vaudeville=- Posse in 1 Aft, von W, Friedrih. (Dlle. Julie Herrmann : Guste, als Gastrolle) Dazu: Vorlebte Gast - Vorstellung des Kinder= Ballets der Mab. Weiß, in 4 Abtheilungen. Erste Abtheilung (vor dem ersten Stück): Rosenfest-Tauz, Zweite Abtheilung (na< den ersten Stü): Tanz der Amoretten

Dritte Abtheilung (nah dem zweiten Stück): Garben-Tanz der Schuitter, Vierte Abtheilung (zum Schluß):

Orientalischer Shawl=-Tanz. Dienstag, 30, Juli.

Ein Mann hilft dem anderen, Hierauf : Jch irre mih nie! oder: Der Räuberhauptmann. Dann: Köck und Guste. (Dlle. Julie Herrmaun: Guste, als Gastrolle) Dazu:

{4 Abtheilungen.

Mittwoch, 31. Juli. Emiliens Herzklopfen. Hierauf: Die Ent Dann : Köck und Guste. (Dlle. Julie Herrmann, im ersten Guste, als Gastrollen.) P Im Königl. Schloß - Theater zu Charlottenburg (von den Mit- | Der pariser Taugenichts. j, Aug. Zum erstenmale: Das Mädl aus der Ehrlich währt am längsten, Posse mit Gesang im Musik von A. Müller. (Herr Johann

Donnerstag,

nee É E IiDI

Berantoortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen.

Gedruckt in der Decker schen Geheimen Ober - Hofbuchdruckerei.

[943]

v. Klot, 6 Sgr. 6 Pf., soll R am 18, Februar 1845, an der Gerichtsstelle subhastirt werden,

hierdurch öffentlih vorgeladen.

A A A D I IE A TE i E P I

Anz e i g e r. i

Nothwendiger Verkauf. Stadtgericht zu Berlin , den 12, Juli 1844. Das in der Scharrenstraße Nr. 17 belegene Zimmer- maunsche Grundstück, gerichtlich abgeschäßt zu 7641 Thlr.

Vormittags 11 Uhr, pothekenschein sind in der Registratur einzusehen,

Der dem Aufenthalte nah unbekannte Königliche Pro- fessor Ernst Gottlieb Jaeckel oder dessen Erben werden

dern zur Beförderung nah jenem Plaße übertragen wer- den, nah gewohnter Pünltlichkeit abholen und mit der Eisenbahn prompt befördern in Fracht und Lieferzeit nah Taxe der Berlin-Stettiner Eisenbahn. Die An- meldungen zum Abholen dieser Güter geschehen in un- seren dem respektiven Publikum allgemein bekannten Geschäfts-Lokalen. F. G, Henze,

Lion M. Cohn, im Actienspeicher, Prenzlauerstraße Nr. 35, J. A. Fischer,

Moreau Vallette, Jüdenstraße Nr. 38, Prenzlauerstraße Nr. 24,

Phaland & Dietrich,

Tare und H9-

[766 b]

Vom 1, August c. ab werden wir die bisher zwischen hier und Stettin bestandene Eilfuhre einstellen und da- gegen die Güter, welhe uns von den Herren Versen-

Oranuienburgerstraße Nr. 14 in Berlín, : Louís Schul & Co, in Steitin, gr. Lastadie Nr, 226,

M Abonnement beträg!:

Khlr. für { Jahr-

4 Elbe. p 2 Jahr.

: 8 Kthlr. - 1 Iahr.

in allen Theilen der Monar<jie ohne Preiserhöhung.

Inserkions-Gebühr sür den

‘cum einer Zeile des lig Anzeigers 2 Sgr.

Ne 210.

: Ahg

Amtlicher Theil.

Juland. Briefe aus Krossen, Christianstadt, Spandow und Kyriß. (Neise Ihrer Majestäten und öffentliche Danksagungen für Al lerhöchstdero Errettung aus sichtlicher Lebensgefahr. ) Provinz Preu- ß en. Die bevorstehende Ankunft Sr. Majestät des Königs betresscnd. Rhein-Provínz. Aus Koblenz (Durchreise Sr. Majestät des Kö- nigs der Niederlande). Die Veste Rheinfels.

Deutsche Bundesstaaten. KönigreihBavern. Se, Königl, Hoheit Prinz Albrecht von Preußen in Brückenau. Jubelfest des pegnesischen Blumen - Ordens zu Nürnberg. Königreich Hannover. Hof Nachricht. Ständisches. Großherzogthum Baden, Kammer- Verhandlungen. Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin, Ankunft Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs in Schwerin. Schreiben aus Braunschweig. (Berichiigungz Messe ; Wollmarkt.)

Oesterreichische Monarchie. Wien, Nachrichten über die erwartete Reise Sr. Majestät des Königs von Preußen nah Wien und Zl,

Frankreich. Paris, Jnvasion des Marschall Bugeaud in Maiokko, Abreise der Deputirten, Anklage des Herzegs von Montmorency- Robecq. VBeisteuer der Stadt Paris zur Judustrie - Ausstellung, Projektirtes Berliozsches Riesen -Konzert. Bevölkerung Algiers. Schreiben aus Paris. (Stand der Operationen gegen Marokko.)

Großbritanien und Irland, Unterhaus. Jrrenbäuser, Reform der Quarantainegeseßze. Der Handelsvertrag mit Rußland von 1843. London. Reyealtreiben in Jrland. Schädlicher Einfluß der Priester. Näheres über das Experiment der Zerstörungs- Maschine des Capitain Warner. Vermischtes.

Niederlande. Aus dem Haag. Motivirende und erläuternde Denk- {rift zu dem neuen Zolliarif. Amsterdam, Königliche Dekrete über die öffentliche Schuld,

Belgien. Brüssel, Angekündigter Besuch Ludwig Philipp’8» in Bel- gien. Versteigerung der „British Queen“.

Dänemark. Kopenhagen. Ankunft des Großsürsten Konstantin und Verleihung des dänischen biauen Bandes an Se, Kaiserl. Hoheit. Neise des Kronprinzen nah Me>lenburg.

Spanien, Madrid. Gerücht von beabsihtigter Dekretirung eines all- gemeinen Belagerungs-Zustandes, Briefe aus Madrid. (Marokko z Narvaez uud die Minister; der Prinz von Joinville zu Algesiras;z Ver- mischtes,) und Paris. (Fueristishe Bewegungen in den basfischen Provinzenz Bli nach Maroiko.)

Griechenland, Schreiben aus München. in der Residenz zu Athen ; Minister - Krisis z rität; der Senat.) i A

Serbien. Belgrad. Nückkehr des Fürsten Alexander, Wiederanwe- senheit sämmtlicher Konsuln. Rußland verweigert die Erlaubniß zur Nüdkehr der verbannten Primaten. 6 b ; 2

La Plata - Staaten. Montevideo. Gefechte zwischen Oribe's Trup- pen und den Streitkräften Montevideo's, Beendigung des Krieges in Nío Grande. Britische Noten an General Rosas,

Eisenbahnen. Schreiben aus Paris, (Das neueste Unglü> anf der Versailler Bahn.) S , r

Handels- und Börsen-Nachrichten, Berlin, Börse,

Königl. Schauspielhaus. (,„„HOamlet““z Gastspiel des Herrn Baison.) Plautus. Vermischtes,

Beilage.

(Die jüngste Feuersbrunst die Wahlen und die Majo-

Amtlicher Theil. Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht:

Dem Oberst-Lieutenant a. D. Mund den Rothen vierter Klasse zu verleihen; und e

Den bisherigen Kammergerichts =Rath vo Beilegung des Charakters eincs Geheimen Justizraths Anwalt beim Ober-Censurgerichte zu ernennen.

Der bisherige Land- und Stadtgerichts-Rath Heinbe in Wol= stein is zum Justiz - Kommissarius bei dem Ober - Landesgerichte zu Frankfurt a. d. O. und zum Notar in dem Departement desselben zugleich mit der Befuguiß ernannt worden, den Ratls-Charakter als Justiz-Rath fortzuführen.

Adler-Orden

von Lüderib, unter zum Staats-

Königliches Schauspielhaus. Hamlet. —- Gastspiel des Herrn Baison.

Die Hamlet-Literatur, befannili nicht unbedeutend und durch die nam- hasiesten deutschen Kritiker fultivirt, hat zujüngst einen höchst interessanten Zuwachs durch die Abhandlung erhalten, welche Professor RNöôtscher seiner Schrift „Cyklus deutscher Charaltere‘“, Berlin 1844, von S, 99—132, ein- verleibt, und worin er sich die Aufgabe gestellt hat N durch die vollständig durchgeführte Gedanken -Bewegung der tiesen Judividualität Hamlet's das Verständniß derselben und mit ihr der Tragödie selbs vom Standpunkt der heutigen philosophischen Erkenntniß aus in gewijem Sinne, zum Abschluß zu bringen. Der Rötscherschen Ansicht zufolge ist Hamlet cin großer Gat- tungs-Charafter. Denn in ihm ist nichts Geringeres individualisirt, als die Schuld des theoretishenBewußtseins, welches sich nicht zur That ent- \cließen, aus der Weite des Gedankens nicht in die Enge und Seibstbeschränkung der That übergehen kann, weil es sich in die Gränzenlosigkeit der Neflexion verliert uad nur dann handeln will, wenn es mit dem Denken ganz aufs Reine gekommen ist, d. h, wenn es sich der absoluten Reinheit seines Handelns und aller seiner Folgen vergewissert hat. Dadurch is es zur Thatlosigkeit ver- urtheilt. Das Gefühl dieses Widerspruchs, verbunden mit der Ohnmacht, ihn zu lösen, is Hamlet's Fluch, der tiefste Grund seiner Melancholie und seiner Zerrüttung, in der er sich selb zur Last is, ohne doch dicse Last ab- werfen zu können, Hamlet is die theoretisch mächtigste Figur der ganzen Ieltordnung, in der er lebt, und wird doch im Handeln von den unterge- ordnetsten Gestalten übertroffen. Hamlet is eine durchaus ideale Natur, von dem zartesten Sinne für alles Edle und Große, der gründlichste Feind alles Niedrigen und Gemeinen, von dur<hschauender Kraft des Verstandes und zugleich ausgerüstet mit dem feinsten Takt für die Schöpfungen der freien Phantasie und der ewigen Geseße der Schönheit, ein tiefer Menschenkenner und Philosoph, dem sich die Schwächen der Dinge und der Verhältnisse sogleich heraushcben , doh ohne jenen realistishen Sinn, der sich erst im Handeln vollständig befriedigt, der unablässig auf die Verwandlung des Denkens in die reale Existenz hindringt, Aber er is in cine Welt gesebt, die auf das Handeln wartet, die nah der That lechzt, Theoretish davon durchdrungen sein und dennoch uicht zur Praxis fortschreiten fönnen, is der tief in Hamlet?s Gemüth einschneidende Zug, an welchem er mit Recht zu Grunde geht, ohne den Ruhm der That, d. h. das geschichtlihe Bewußt- sein derselben si< erobert zu haben. Denn dies gehört nur dem freien Entschlusse, der aus selbstständigem Wollen vollbrachten That, Hamlet tritt daher das härteste Loos, welches den auf sein Denken stolzen

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Allgemeine

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Berlin, Dienstag den Z0îen Juli

Der Königl, sächsis<he General - Major und

Angekommen: 1 / von Dresden.

Ober- Stallmeister von Fabrice,

itichtamtliher Theil. JFnlanud.

Berliu, 29. Juli. Se. Majestät der König haben Allergnä digst geruht, dem zur Zeit in Neu-Streliß befindlichen Nusik-Direk- tor C, F. Müller die Annahme des von des Kaisers von Brasilien Majestät ihm verliehenen Ordens der Rose zu gestatten,

X Krosseu, 27. Juli, Jhre Majestäten der König und die Königin sind gesteru glüclih hier eingetroffen, haben Sih mit den versammelten Behörden in gewohnter Huld unterhalten und nach an- derthalbstündigem Aufenthalt die Reise nah Christianstadt fortgeseßt.

*% C@hristianstadt, 27. Juli, Jhre Majestäten der Köuig und die Königin trafen gestern Abend gegen 7 Uhr hier cin und stie- gen im Königlichen Schlosse ab. Sie geruhten demnächst die Vor= stellung der anwesenden Behörden anzunehmen, gegen welche Sie Sich namentli< über die festlihe Ausshmiü>ung und Beleuchtung der Bober - Brücke huldreichst aussprachen, die auf dem Plabe vor dem Schlosse aufgestellte Schüßengilde der Stadt zu besichtigen, au einige Mitglieder derselben freundlihe Worte zu rihten und sodann mehrere Personen zur Tafel zu laden. Jhre Majestäten, mit dem größten Jubel empfangen, wurden während der Nacht nur von der Liebe Jhrer treuen Unterthanen bewacht. Heute früh trafen Deputationen der Stadt-Behörden aus Berlin und Frankfurt a. d. O. hier ein, von denen die Ersteren Jhren Majestäten näheren Bericht über das bei der Abreise von Berlin verübte furchtbare Attentat erstatteten und zugleich im Verein mit der Deputation der Stadt Frankfurt, welcher i sofort eine der hiesigen Bürgerschaft anschloß, die heißesten Gliüct- wünsche für die von der Vorsehung abgewendete Gefahr darbrachte. Durch die Deputation von Berlin wurde erst das verübte Verbrechen hier bekannt, Die entsetlihe That erregte laute Aeußerungen des Schre>ens, welchen der Ausdru> allgemeinen Dankgefübls gegen Gott für die Beschüßung des geliebten Herrscherpaares folgte. Die innigsten Segen8wünsche der versammelten Menge begleiteten dasselbe bei der heute Morgen um 8 Uhr erfolgten Wiederabreise.

X Spandotw, 28. Juli. Wenngleich die Nachricht von dem rulosen Attentat guf die Person Sr. Majestät des Königs anfangs feinen Glauben fand, so gab dieses späterhin leider unwiderleglich be- stätigte betrübende Ereigniß Veranlassung zum Beweise allgemein herrshender patriotisher Gesinnungen. Der in der hiesigen St. Ni= folaií- und Skt. Johannis = Kirche stattgehabte Gottesdienst nahm auf das shre>lihe Ereigniß im Danke an die Vorsehung Bezug und die dicht gedrängt besuchten Kirchen bekundeten thatsächlich die allgemeine Theilnahme; so hatten si in der St. Johannis-Kirche, an der Spibe des Kommandanten, Obersten von Benuingsen, mit dem gesammten Offizier = Corps, die Militair - Beamten und die ganze Garnison im Parade-Anzuge gemeinschaftli<h mit der St. Johannis=Gemeinde , in der St. Nikolai - Kirhe der Magistrat und die Stadtverordneten an der Spiße der Stadtgemeinde zur gemeinsamen gottesdienstlichen Feier, insbesondere zum Dankgebet sür die wunderbare Rettung des geliebten Königspaares, versammelt. Nur die obwaltenden Parochial-Verhält- nisse verhinderten die Ausführung des bei den Militair - und Civil- Behörden gegenseitig ausgesprochenen Wunsches einer gemeinsamen Feier.

Magistrat und Stadtverordnete hatten übrigens schon Tags vor= her mittelst besonderer Jmmediat - Cingabe ihr tiefes Bedauern über das beflagenswerthe Ereigniß und ihre Freude über das schüßende Walten der Vorsehung ausgesprochen.

Geist treffen fann, der nur das vor seinem Bewußtsein vollständig und allseitig, Gerechtfertigte ausführen will, wie ein Justrument zur Erreichung seines Zweckes verbraucht zu werden, Der besonnenste und vor lauter Mäßigung und Besonnenheit niemals aus der Betrachtung heraus- tretende Mensch wird zuleßt dur einen plößlichen Alt der Leidenschaft zu einem Mittel herabgeseßt, um endlich das schuldige Haupt des Königs zu treffen, Der Charakter Hamlet's isst durch die Wahrheit seines Gehalts ein ewiger , „der sich in der Welt und Weltgeschichte unablässig wiederholt, In ihm hat Shakespeare, wie ein Prophet, die Natur des deutschen Cha- rafters in seiner tiefsten Tiefe ergríffen, Hamlet's Stärke und Schwäche is auch vie Stärke und Schwäche des deutschen Volks.

Für Herrn Baison, Mitglied des Stadt-Theaters zu Frankfurt a, M., musite {on der Umstand, daß er einen solchen s{hwierigen Gaitungs - Cha- rafter zu feiner ersten Gastrolle an hiesiger Hofbühne erwählte, ein günstiges Vorurtheil erwe>en, und es freut uns, berichten zu können, daß er dieselbe fast in allen Stellen wohlgelungen, in einigen wahrhaft genial aufzufassen und zur Erscheinung zu bringen vermocht hat, Er war die tragische Wie- derspiegelung diescs mysteriösen Junern, die Verkörperung einer weltgeschicht- lihen Jdee. Obwohl durch Gestalt und Organ begünstigt, scheint unserem Künstler doch der majestätische Fluß der poetischen Nede nicht ganz so zu gelingen, wie die Sprache der Reflexion, Jronie, des Epigramms, und die weichere der (les gie. Der Ausdru seines Hohns hatte etwas Herzaugreisendes und Schnceidendes, was hier vollkommen seine Wirkung that, namentlih bei den Worten (1V, 3): „Meine Mutter, Vater und Mutter sind Mann und Weib z Manu und Weib sind Ein Fleisch: also meine Mutter, Kommt, nach England!“ Die Herrn Baison zu Gebot stehenden geistigen Kräfte bradch- ten ihn gleich glüli< und siegreih durch die übrigen Klippen, woran diese Rolle so reich is. Der Humor der Tollheit wurde dur unseren Gast so fein nügneirt, daß das Publikum \i< elektrisirt fühlte und denselben mit Beifall überhäufte, Er wurde während und nach der Vorstellung stür- misch gerusen, Auch Herr Rott (König), Fräulein Ch, von Hagn (Oyphelia) und Herr Franz (Geist) boten uns an diesem Abend Ausge- zeichnetes und dur<h Spenden lebhaften Beifalls Belohutes.

Am 26sten konnten wir Herrn Baison, wegen anderweitiger Abhaltun- gen und zwischen zwei Theatern hin und her eilend, nur in einigen der be- deutenderen Scenen im „Sohn der Wildniß“ als Jngomar schen, nahmen aber zu unserer großen Zufriedenheit die Theilnahme wahr, die auch diese seine Leistung dem Publifum einflößte, Wir sehen seinen ferneren Dar- stellungen mit Spannung und Juteresse entgegen, U,

s auf dieses Slatl an die Expedition der Ällg. Preuss. Zeitung: p e Friedrihsstrasse Ur. 72.

Danzig, am 29.

Alle Yost-Anstalten des In- und

Auslandes uehmen Seslellung sür Berlin

1844.

& Kyrit, 28. Juli. Gestern Abend gelangte dur die ber- liner Zeitungen die erste Kunde von dem scheußlichen Attentate gegen das Leben unseres Königs hierher, welhe na< dem Ueberwinden der ersten Bestürzung den aliseitigen Wunsch hervorries, an heiliger Stätte dem Geber alles Guten für die Erhaltung des allgeliebten Herrscher- paares zu danken. Der heute Morgen auf dem Marktplaße ver- sammelten Schüßengilde las der Bürgermeister die in der gestrigen und heutigen Nummer der Allgemeinen Preußischen Zei- tung über jene Unthat enthaltenen Nachrichten vor und sprach die tiefste Entrüstung über das in unserem Vaterlande bisher unerhört gewesene Verbrechen, das Gefühl unverbrüchlicher Treue gegen Se. Majestät den König und das Königliche Haus, so wie die heißesten Wünsche für Sie aus, welche dur ein lautes Lebehoch aller Anwe- senden die freudigste Erwiederung fanden. Hierauf begaben si die Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordneten, #o wie die Honoratioren mit der Schübengilde in die zahlrei<h besuchte Kirche, wo der Ober-Prediger in einer eigenen Lob = und Dank-Predigt die hohen Segnungen pries, welche das Preußenvolk Sr. Majestät dem Könige während dessen furzer Regierung verdanke, und der Vorsehung für die wunderbare Errettung unseres theuern Königspaares dankte, auch das inbrünstigste Flehen zu dem Allgüitigen emporsandte, er mLge

in seiner Vaterhuld dessen Leben immerdar \chirmen und s{<üpßen.

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Provinz Preußen. Se. Majestät der König wird, zufolge den in Königsberg eingegangenen Nachrichten, am 21, August in August in Königsberg eintreffen und vom 5. bis 12, September die Revue über das erste Armee - Corps bei

Guttstadt und Heilsberg abzuhalten geruhen.

Rhein - Provinz. Se. Majestät der König der Niederlande trafen am 25. Juli, von Luxemburg über Trier fommend, in Koblenz ein, bestiegen alsbald das bereitliegende , reich verzierte Dampf=- boot der niederländischen Gesellschaft „Prinz Joinville“ und seßten die Reise nach Rotterdam fort. Dem Frankfurter Journal wird aus St. Goar unterm 22. Juli geschrieben: „Das Rheinland wird bald eine seiner \hönsten Zierden hergestellt sehen. Se. Königl. Hoheit der Prinz von Preußen hat nämlich im verflossenen Jahre die herrlihe Ruine des Schlosses und der Festung Rheinfels, welche für die ältere Kriegsgeschihte der Rheinlande so höchst inter= essant ist, angekaust und joll, nah zuverlässigen Nachrichten, den Neubau des ersteren beabsichtigen. Bereits seit einigen Monaten sind zwei Architekten mit der Ausnahme der Ruine beschäftigt; der Bau selbst soll in einigen Wochen begonnen werden.“ Die fölner Damen werden dem dortigen Männer-Gesangverein eine Siegesfahne schenken,

Ausland.

Deutsche Bundesstaaten.

Königreich Bayern. Die Neue Würzburger Zei- tung meldet aus Brückenau vom 22. Juli: „Gestern Mittag tra= fen Se. Königl, Hoheit der Prinz Albre<t von Preußen mit Beglei= tung, von Kissingen kommend, hier ein, geruhten, mit seinem Gefolge an der Table d’hote im großen Kursaal zu speisen, nah eingenom=

menem Mittagsmahl das hiesige Bad und dessen Anlagen in Augen= schein zu nehmen, und traten Abends 6 Uhr die Rü>reise nah Kis= singen wieder an.“ (Durch diese erfreuliche Nachricht fanden die in vielen deutschen Blättern enthaltenen Angaben über den bedrohlicen Gesundheits - Zustand Sr. Königl. Hoheit ihre Erledigung.) Das zweihundertjährige Jubelfest des pegnesischen Blumen = Ordens wurde

| Durch den Graveur

am 23. und 24. Juli zu Nürnberg mit großer Theilnahme gefeiert,

Dallinger war eine Fest - Medaille nah einer Zeichnung von Heideloff angesertigt, ferner ershien ein Fest - Album mit poetischen Gaben von 27 Mitgliedern.

B lautus.

Den Freunden plautinischer Muse wird es willlommen sein, zu erfah- ren, daß ihnen ein ähnliher Genuß bereitet werden soll, wie der war, wel- chen ihnen vor einigen Monaten die Aufführung der Captivi gewährte. Diesmal handelt es si< um eine Darstellung des Trinummus, welche, Dank den Bemühungen des Herrn Dr. Geppert und den bereitwilligen Talenten einiger Studirenden der hicsigen Hochschule, am 7, August im Konzertsaale des Königlichen Saujpielhauses stattfinden soll. Jndem wir vorläufig auf diesen zweiten Versuch der Wiedergeburt altklassi‘cher Komödie aufmerkjam machen, können wir nicht umhin, den zahlreichen Verehrern des Dichters folgende so eben erschienene Ausgabe des fraglichen Stüdes :

Der Trinummus des Plautus, lateinish und deutsch, mit einer Einleitung über die Betonung der Verse und die Einrichtung der römischen Bühne, herausgegeben von C. E, Geppert, Dr. ph. (In Kommission bei W. Besser.)

zum Vorstudium zu empfehlen. Die dem Texte gegenüberstehende Ueber- schung zeichnet si dur Treue und Gewandthcit aus und hat fast durch- gängig die Härten vermieden , welche bei dergleichen dem Original mit kri- tischer Genauigkeit angepaßten Uebertragungen nit immer leiht zu um- gehen sind. Nur eín tieferes Eindringen in den Geist beider Sprachen, welches das Wesen solcher Arbeiten nicht blos in einem strengen Festhalten an der Form sucht und Eleganz mit rihtigem Eifassen des Sinnes zu ver- einigen weiß, kann diese Klippe, woran manches mühevolle Werk dieser Art gescheitert is, mit Glück umgehen, Die Reinheit und Klarheit der Sprache ist aber ín vorliegender Ueberseyzung um so mehr anzuerkennen, da sie zu- nächst mit dazu bestimmt is, dem größeren gebildeten Publikum Geist und esen der plautinishen Komödie zugänglicher zu machen, Zu diesem Zwet hat der Herausgeber auch eine kleinere Ausgabe des Stücks besorgt, welche blos die deutsche Bearbeitung enthält.

Bei seiner in der Einleitung entwickelten Theorie der Betonung der Verse geht der Verf. von dem Prinzipe aus, „daß der Rhytmus im Ganzen dazu bestimmt is, den Sian der Worte zu heben, nicht ihn zu verdunkeln ; ‘“ und indem er dieses Prinzip praktisch verfolgt, gelangt er zu der von seinen Vorgängern abweichenden Ansicht, daß der Ton im jambischeu Senar und im trochäischen Tetrameter nicht auf den ungleichen Stellen d. h: auf dem ersten, dritten, fünsten und sicbenten Fuße, sondern vielmehr auf den gleichen Stellen d. h. auf dem zweiten, vierien, sechsten und achten Fuß gelegen haben müsse, Für die Beweissührung müssen wir auf die weitere