1844 / 225 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

f ar am 26sten nah Larache gelangt und dem Pascha dieser

Mens én pes der E an den Kaiser befördern sollte. Man glaubte, daß Abd el Rhaman am 18ten f Fez eingetroffen sein würde. Wenn bis zum 2. August keine kategorische Bewilligung der von Frankrei geforderten Garantieen E sein sollte, so war Prinz Zoinville angewiesen, mit allen seinen Streitkräften unter Segel zu gehen, um die Seepläße Larache, Mogador und Rabat anzugreifen. Daß Tanger nicht mit in dem Angriffsplan liege, wird nun auch vom Constitutionnel für ziemli gewiß gehalten. Das Journal des Débats bleibt in Bezug auf diesen Punkt bei seiner früheren Behauptung und nennt heute nur die drei oben angeführten Orte als diejenigen, gegen welhe der Angriff gerichtet werden solle. Dagegen entlehut es einer Korrespondenz des Toulonnais aus Oran vom 24. Juli die (schon gestern in dem Schreiben aus Paris uns mitgetheilte) Nachricht, daß der Prinz von Joinville einstweilen eine Blokade aller marok= fanishen Häfen angeordnet habe, um jede Landung von Waffen und Munition zu verhindern, und daß die französischen Dampfschiffe be- reits an der ganzen Küste entlang strenge Wacht hielten. Die Of- fiziere und Matrosen des französishen Geshwaders in der Bai von Cadix waren, wie das ministerielle Blatt ferner berihtet, an Bord fonsignirt, um jeden Augenbli> zur Abfahrt bereit zu sein. Der Prinz und die Mannschaft erfreuten sih des besten Gesundheits=- Zustandes, und man war vollkommen in der Lage, den Feldzug eröff= uen zu können. Es bestätigt \si{<, baß der Prinz in Ver= lauf weniger Tage zwei Depeschen vom Marschall Bugeaud empfan= gen hatte, von denen die erste die Stellung der Marokkaner an der Gränze als sehr feindli<h schilderte, wogegen die zweite im Gegentheil anzeigte, daß friedliche Eröffnungen gemaht worden seien. „Hieraus erklärt es si<“, bemerft das Journal des Débats, „warum das Geschwader na<h dem so bedeutungsvollen Schritt der Entfernung unserer Konsuln aus Marokko zu Cadix liegen geblieben ist, Der Prinz und der General - Konsul warten, che sie einen ent- scheidenden Entschluß fassen, die Antwort auf das leßte dem Hof von Marokko mitgetheilte Ultimatum ab, worin die Vertreibung Abd el Kader's oder seine Verweisung nah dem Jnnern und die Zerstreuung der ihn begleitenden Banden verlangt wird.“

Das vom Contre-Admiral Parseval-Deschènes kommandirte Ge- schwader, von welchem ein Theil zu einer Kreuzfahrt an den Küsten von Tunis detaschirt werden soll, wird sih nächstens von Toulon nah Cherbourg begeben. Die Nachricht von der Ausrüstung neuer Schiffe im Hafen von Toulon hat sih nicht bestätigt,

Die Regierung wird den Abbé Souchet, Kanonikus und Vor= steher des Kollegiums von St. Brieue, wegen einer Broschüre, welche sehr heftige Angriffe auf die Universität und die Minister enthält, vor die Assisen stellen, Graf von Montalembert wird, wie es heißt, ihn vertheidigen und der General-Prokurator Plougoulm die Anklage unterstüßen,

Wie verlautet, hat der Herzog von Bordeaux die Reisen, welche er dies Jahr nah der Schweiz und dem Großherzogthum Baden machen wollte, in Folge von Noten der dortigen Regierungen auf- geben müssen. i

j Es soll ein neuer Handelsvertrag mit Belgien im Werk sein; die beiden Regierungen, heißt es, wollen si<h gegenseitig Konzessionen in den Tarif-Ansäßen machen. j

> Paris, 8. Aug. Die Ueberzeugung, daß die Wegweisung des früheren britishen Konsuls zu Otaheiti zu keinen ernstlihen Ver- widelungen zwischen Frankreich und England führen werde, hat all- gemein Raum gewonnen, und das Bekanntwerden des versöhnlichen Artifels in dem englischen Ministerial - Organe, dem Standard, hat dieselbe noch mehr befestigt. An der Börse wurde dieser Artikel gestern dur<h Vermittelung des Hauses Rothschild ailgemein bekannt und machte einen so günstigen Eindru>, daß als Beweis des sich wiederherstellenden Vertrauens ein neues Steigen der Reute eintrat. Der Umstand, daß Herr Prítchard, fast unmittelbar nachdem der Admiral Dupetít = Thouars von den Gesellschafts - Fuselu förmli<h und vollständig für Frankreih Besiß ergriffen hatte, eine Protestation dagegen erhob und dann sein Amt als Kon- sul feierli niederlegte, so daß er nur no< wie jeder andere englische Privatmann zu behandeln war, ein Umstand, der im ersten Augen- bli> dem englischen Kabinet entgangen zu sein scheint (woraus si die scharfen Aeußerungen Sir Robert Peel’s im englis<en Parla- mente erklären lassen) hat am wesentlichsten die Lösung der obwal= tenden Schwierigkeiten erleichtert, und man darf mit Gewißheit vor- aussehen, daß die Hoffnungen der Kriegs-Parteien diesseits und jen= seits des Kanals anch diesmal vergeblich sein werden.

Etwas unwahrscheinlich klingt ein heute verbreitetes Gerücht, Abd el Kader selbst habe auf indirektem Wege dem Marschall Bugeaud seinen Wunsch zu erkennen gegeben, mit Frankreich si<h zu verständigen, unter der Bedingung, daß ihm die Verwaltung der westli<hen Pro- vinzen Oran, Maskara, Tlemsen im Namen Frankreichs überlassen würde. Marschall Bugeaud hätte aber erwiedert, darauf nicht ein- gehen zu können, dagegen ihm eine anständige Jahres - Pension in Aussicht gestellt, wenn er Afrika zu verlassen und seinen Aufenthalt in Frankrei<h oder anderwärts zu nehmen si< verstände. Jn der Diversion des Kaisers Muley Abd el Rhaman und sei- nem Angriffe gegen Abd el Kader wollen Viele indeß auch nur eíuen neuen Kunstgriff erbli>en, um Zeit zu gewinnen. Zu dieser Annahme scheint man um so mehr berechtigt, als derselbe zwar anerkennt, daß einige Punkte in den Beschwerden Frankreichs gegrün= det seien, daß es aber denno< unmögli war, zu einer Verständigung über die Frankreich zu leistende Genugthuung zu gelangen. Die Best- unterrihteten sind der Ansicht, daß erst dann, wenn ein ernstlicher Angriff von Seiten des Prinzen von Joinville gegen einen Plaß von wirkliher Wichtigkeit, wie Tanger oder Mogador, erfolgt, das Zau- dersystem des Kaisers aufhören werde. Diese mannigfachen Peripe- tieen der Frage aber zeigen hinreihend, daß die Lösung derselben so \<nell no< ni<t erwartet werden darf.

Die englische Handelöbarke „Kitt“ war von Gibraltar mit Gewehren und Wurfgeschossen nah Tetuan abgegangen. Sie soll 16,000 Gewehre und eine große Zahl von Kanonenkugeln für Rech= nung maurisher Kaufleute geladen haben, und der Berichterstatter fügt bei, da eine sol<e Quantität Waffen seit langer Zeit in allen Waarenlagern von Gibraltar zusammengenommen nicht existire, so argwöhne man, sie seien großentheils um guten Preis aus den Re-

ierungs-Magazinen geliefert worden, Auch sage man, ein ganz mit rtillerie beladenes Handelsfahrzeug, nah der marokkanischen Küste bestimmt , werde aus England erwartet, Der Vice-Admiral Owen hatte im Einverständniß mit dem Gouverneur Sir Robert Wilson 9. 27fan das Linienschiff „Albion“ unter dem Befehle eines Com- p E zus: dar Hai von Tanger geschi>t, um dort seine Station Ba Haven zu (d ‘Siigeit und Handelsinteressen der britischen Eme Nachricht, die nicht verfehlt hat, eine gewisse Sensation ier i / / La R ben R zu Jerusalem der Kammerdiener des Furzem selbs Matte ots , L Lantivy, der bekanntlich erst vor Garten des Konsulats-Gebäudes en türfishen Behörden hatte, im bis jet den Thäter oder I ermordet worden is, ohne daß man

sem Morde zu entdeden S über die Veranlassung zu die-

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Großbritanien und Irland. London, 7. Aug. Die Regierung is jeßt damit beschäftigt, gewisse Vorschläge zur weiteren Erleichterung und Beschleunigung der erbindungen mit Ostiudien und China zu prüfen, und es is höchst wahrscheiulih, daß künftig, statt der bisher einmal in jedem Monate eintreffenden Ueberlandsposten, alle vierzehn Tage eine Post nah Jn= dien abgehen und von dort anlangen wird, was in politischer und fommerzieller Beziehung große Vortheile gewähren würde.

Jn England sind gegenwärtig 1075 Baumwollen - Fabriken, welche 183,243 Menschen beschäftigen, in Schottland 183 und in Jrland 28 dieser Fabriken, welche zusammen 36,5991 Menschen Unter= halt geben.

Ein Beweis für die Thätigkeit der Manufakturen liegt darin, daß die Rohstoffe steigen, namentli<h Wolle, do< sind au<h Baum- wolle und Flahs \o fest, daß man einem Steigen mit ziemlicher Sicherheit entgegensieht. Dieser Staud der Dinge is indeß nicht ohne Nachtheil, denn man will namentlih in den Wollenwaaren und Linnen finden, daß die verarbeiteten Stoffe in Vergleich mit dem Rohstoff zu niedrig steheuz somit sind auh<h die Arbeiter ziemlich vollauf beschäftigt, aber bei färglihem Lohn. Hinsichtlih der Wolle bli>t man neuerdings auf Nord-Amerika mit einer halben Be- sorgniß; die Schafzucht soll dort so gestiegen sein, daß man, wo nicht dies Jahr, doch siherli< aufs nächste so bedeutende Woll - Ladungen von dorther erwartet, daß niht nur der Preis des rohen, sondern au des sabrizirten Stoffes ylöbßlih sinken könnte. Die Aufhebung des Wollzolls in Eugland fann das Eintreten dieser neuen Konukur= renz auf dem Wollmarkt beschleunigen.

niederlande.

Aus dem Haag, 8. Aug. Das Staats-Courant ent- hält no<h folgende die Konvertirung der Nationalshuld betresfende Gesebe (\. Allg. Preuß. Ztg. Nr. 215):

1, Beschluß vom 8. Juli 1844 in Bezug auf die Einschreibungen in das große Buch der 3proc. Nationalschuld,

Wir, Wilhelm 11, von Gottes Gnaden Köníg der Niederlande 2c. Da Wir das Gese vom 6. März 1844, soweit es die in dem Art, 8 bestimmte Anlegung eines neuen großen Buches der 3proc. Natioualschuld betrifft, iy Ausführung bringen wollen, so haben Wir auf den Vortrag Unseres Finanz-Ministers vom 8. Juli 1844 beschlossen und beschließen :

Art. 1, Das große Buch der 3proc. Nationalschuld, wie es in dem Geseg vom 8, Juli 1844 dargestellt worden, wird mit dem 1, September 1844 geöffnet,

Art, 2, Die Zinsen der in dies große Buch eingeschriebenen Schuld sind am 1. März und 1. September eines jeden Jahres fällig.

Art, 3, Das große Buch ist vom 10ten bis und mit dem lehten Fe- bruar und vom 10ten bis und mit dem leßten August geschlossen.

Art. 4, Die Ein- und Umschreibungen geschehen in runden Summen von 50 Fl. oder dem Vielfachen derselben.

Art. 5. Vom 1, September 1844 an werden die Necepissen, die von der durch den ersten Theil des Geseßes vom 6. März 1844 festgestellten Anleihe herrühren, nebst den gehörigen Listen, wozu an Ort und Stelle die Formulare zu erhalten sind, im Comtoir des Agenten des Finanz-Ministe- riums zu Amsterdam angenommen, und es wird für jede abgelieferte Partie gegeben: 1) eine Bescheinigung in blanco, die für das in dem Rezepisse verzeichnete Kapital zu der Einschreibung in das große Buch der 3proc. Nationalschuld berechtigt; 2) eine Zins-Bescheinigung darüber, daß die Zin- sen bis und mit dem 1, August 1844 begonnen haben.

Findet die Vorlegung der Rezepissen nah dem 1, März 1845 statt, so werden die Zinsen von dem Zeitpunkte an berechnet, wo sie auf den Reze- pissen begonnen, bis zum leßten Februar oder leßten August vor dem Tage der Vorlegung, wobei jedoh zu bemerken is, daß sür nicht mehr als fünf- jährige Zinsen eine solche Bescheinigung abgegeben wird, Die Jnhaber von Rezepissen, die nah dem 1. September oder 1, März eines jeden Jahies ausgegeben worden, und daher weniger als für die laufenden se<s Monate Zinsen guthaben, müssen, um diese Nezepissen gegen Bescheinigungen, welche zur Einschreibung berechtigen, auswechseln zu können, zugleich mit jeder Partíe die Bescheinigung beibringen, daß die Uebertragung (overstorting) bei der niederländischen Bank für den Betrag der Zinsen, die seit dem vor- hergehenden 1. September oder 1, März bis zu dem Tage, an welchem die- selben auf den NRezepissen eingegangen sind, stattgefunden hat.

Die Zins - Bescheinigungen werden im Comtoir der niederländischen Bank an dem ersten Wochentage nach der Ausgebung ausgezahlt,

: Art, 6. Die außerhalb Amsterdam wohnenden Jnhaber von Neze- pissen können ihren Antheil nebst den im vorhergehenden Artikel erwähnten Listen bei einem Agenten des Schaßes in den Hauptorten der Provinzen oder in Rotterdam einliefern, dur<h deren Vermittelung sie dann die Zins- Bescheinigungen, so wie die zur Einschreibung in das große Buch berech- tigenden Scheine, erhalten, de< müssen sie die Piècen an Jemand in Am- sterdam übergeben, zu welchem Zwe>e bei der Einlieferung der Rezepissen eine deutliche und scriftlihe Anweisung gegeben werden muß,

Art, 7, Jusofern Rezepissen mit gebrohenen Summen eingehen, wer- den für den Bruch unter 50 Gulden Schuld - Verschreibungen ausgegeben, die, entweder mit Rezepissen oder mit anderen Schuld - Verschreibungei der Art, zu runden Summen vereinigt werden können, für welche Bescheinigun- gen, die zur Einschreibung in das große Buch der 3proc. National-Schuld bere<tigen, im Comtoir des Agenten des Finanz - Ministers zu Amsterdam verabreicht werden.

__ Art, 8, Die Bescheinigungen, welche zur Einschreibung berechtigen, können sogleich, nahdem sie ausgegeben, bei dem großen Buche der Natio- nalshuld eingereicht werden, um, gemäß den in dem Königlichen Beschlusse vom 8, Dezember 1814 über die Einschreibungen in das große Buch gege- benen Bestimmungen und Verordnungen, auf die Namen der Juhaber ein- gema zu werden,

[rt, 9, Alles, was si auf die erste Einschreibung in das große Buch der 3proc. Nationalschuld zur Ausführung des Gesezes vom 6, März bezieht, geschieht kostenfrei,

Unser Finanz-Minister ist mit der Ausführung des gegenwärtigen Be- \<lusses beaustragt, der in das Staatsblad aufzunehmen is, und wovon n O Rechen - Kammer zur Nachachtung Abschrift übersandt wer- en soll,

Im Haag, den 8, Juli 1844.

Wilhelm, Der Finanz - Minister van Hall.

2, Beschluß vom 8. Juli 1844 in Bezug auf die Einschreibungen ín das große Buch der 4proc, Nationalschuld,

Wir Wilhelm 11., von Gottes Gnaden König der Niederlande u. st. w., ín Betracht des Art, 6 des Geseyes vom 25, Juni 1844, die Ablösung oder Konvertirung der Nationalschuld betreffend, wodur< die Anlegung eines neuen großen Buches der 4proc. Nationalschuld bestimmt wird, haben auf den Voitrag Unseres Finanz-Ministers vom 8. Juli 1844 beschlossen und beschlicßen : :

Art, 1. Das große Buch. der 4proc. Nationalschuld, dessen Anlegung durch Art. 6 des Geseßes vom 25, Juni 1844 bestimmt worden ist, wird am 1. Oktober 1844 geöffnet,

Art. 2, Die Zinsen der auf dies Buch eingeschriebenen Schuld sind am 1. April und am 14. Oktober eines jeden Jahres fällig.

Die erste Zinsen-Zahlung findet am 1 April 1845 statt,

Art. 3, Dies große Buch ist vom 40ten bis und mit dem lehten März und vom 10ten bis und mit dem leßten September eines jeden Jahres geschlossen.

Art, 4, Die Ein- und Umschreibungen geschehen in runden Summen von 100 Gulden oder dem Vielfachen derselben, i:

Art. 5. Die Bescheinigungen, welche zur ClosGreurg berechtigett, können vom 1. Oktober 1844 an bei dem großen Buch der Nationalschuld vorgezeigt werden, um dagegen die Einschreibung auf den Namen des Jn- habers der Bescheinigung zu erlangen, gemäß den Bestimmungen und Vor- christen, die in dem Königlichen Beschlusse vom 8, Dezember 1814 in Be-

tref des Reglements für die Einschreibung in das große Buch der Natio- nalschuld gegeben worden sind,

Art, 6. Alles, was si< auf die Einschreibung ín-_ das große Buch der 4proc. Nationalschuld zur Ausführung des Geseßes vom 25, Juni 1844 bezieht, geschieht kostenfrei.

Unser Finanz-Minister ist mit der Ausführung des gegenwärtigen Be- \{<lusses beaustragt, der in das Staatsblad aufzunehmen ist und wovon der allgemeinen Rechen - Kammer Abschrist zur Nachahtuug übersandt wer-

en soll.

Im Haag, den 8, Juli 1844,

Wilhelm. An den Finanz - Miníster van Hall,

3. Beschluß vom 8. Juli 1844, die Ausführung von Art. 12 des Gesches vom 25. Juni 1844 betreffend.

Wir Wilhelm 11, von Gottes Gnaden König der Niederlande u. \. w. in Betracht des Art. 12 des Geseßes vom 25, Juni 1844, die Ablösung oder Konvertirung der Naiionalschuld betreffend, welcher lautet:

„„Bei der Vorlegung des großen Buches der 4proc, Nationalschuld wird der Betrag der in Umlauf befindlichen 4proc. Obligationen zu Lasten der überseeischen Besißungen darin eingetragen, weshalb die Jnhaber derselben si< innerhalb eines von Uns zu bestimmenden Termins und auf eíne von Uns vorzuschreibende Weise zu erklären haben, daß sie die Einschreibung nicht verlangen,“

Gestüt auf Unseren Beschluß vom 8. Juli 1844 in Betreff des großen Buches der 4proc. Nationalschuld, welches am 1. Oktober 1844 geöffnet werden soll, haben auf den Vortrag Unseres Finanz-Ministers vom 8, Juli 1844 beschlossen und beschließen :

Art. 1. Die J=ahaber von 4 yCt. Obligationen zu Lasten der über- sceishen Besikungen, die Kraft des- Gesezes vom 24. April 1836 ausge- geben worden , nebst den Junhabecn von Recepissen, die gegen ähnliche, in Folge Unseres Beschlusses vom 13. April 1844 ausgegebene Obligationen verwechseli werden können, welche die Einschreibung in das große Buch der 4 yCt. National-Schuld ni<ht wünschen, müssen dies in dem Comtoir des Agenten des Finanz-Ministers in Amsterdam vor dem leßten August 1844 erklären,

Art, 2. Die Obligationen und Recepissen müssen, jede besonders, mit unterzeichneten, spezifizirten Listen bei der obenerwähnten Erklärung dem genannten Comtoir vorgelegt werden. Sie werden daselbs gestempelt mit den Worten: „Nicht in das große Buch überzuiragen in Folge des Art, 12. des Gescßes vom 25, Juni 1844‘ worauf sie dur< den genannten Agenten unterzeihnet und deu Juhabern zurückgegeben werden.

Art. 3, Die Juhaber von nicht gestempelten Obligationen und Rece- pissen können dieselben am 1, Oktober 1844 und den folgenden Tagen nebst den unterzeichneten an Ort und Stelle zu erhaltenden spezifizirten Listen und den dazu gehörenden noch nit verfallenen Coupons, deren erster am 1, April 1845 fällig is, in dem Comtoir des Agenten des Finanz-Ministers in Amsterdam vorgelegt werden, :

Ueber jede abgelieferte Partie wird eine Bescheinigung ertheilt, die zur Einschreibung in das große Buch der 4proc. National-Schuld berecbtígt.

Wenn die Vorlegung nach dem 1. April 1844 stattfindet, so wird zu- gleich eine Zinsbescheinigung wegen der seit dem 1, Oktober 1844 bis zu dem leßten März oder lchten September, die der Einlieferung vorhergehen, fälligen Zinsen gegeben, wobei zu bemerken ist, daß diese Bescheinigung für niht mehr als fünf Jahre ausgestellt wird.

Unser Finanz-Minister is mit der Ausführung des gegenwärtigen Be- shlusses, der in das Staatsblad aufzunehmen ist , beaustragt , und soll davon Unserem Kolonial - Minister und der allgemeinen Rechen - Kammer Abscbrist mitgetheilt werden.

Im Haag, den 8, Juli 1844.

Wilhelm. Der Finanz - Minister

van Hall,

Belgten.

Lüttich, 5. Aug. (Emancipation) Eine große Zahl Ju= dustrieller, welhe nah Deutschland Eisen zu senden haben, beflagen sich über die Unzulänglichkeit der Transportmittel auf der belgischen Bahn. Seit kurzem sind gegen 250 Waggons nah Antwerpen ge= sandt worden, so daß auf den Stationen von Lüttich und Verviers unmöglich die bedeutenden Quantitäten Eisen aller Art verladen wer= den kfönuen, welhe dort zum Transport nah Preußen lagern. Mehr als 2 Millionen Kilogramm (4 Mill, Pfd.) sind auf diesen Statio- nen deponirt, Ju einer Konferenz, welche die Eigenthümer der Hoch- öfen mit dem Minister Nothomb gehabt haben, hat dieser ihnen als Ersaß für den durch die lebte preußische Kabinets-Ordre ihnen zuge- fügten Schaden die Aussicht auf eine Reduction des Transportpreises ihrer Produkte auf der Eisenbahu gemacht, ;

Das Etablissement von Seraing hat durch die Vermittelung des Konsul Bartels aus Kölu eine neue Lieferung von 10 Mill. Kilogr. Sienen für die bayerishen Eisenbahnen übernommen, Diese, so wie die aus den früheren Verträgen no<h zu liesernden Schienen, sind von den neuen Eingangszöüllen ausgenommen.

Ea e

Neapel, 29. Juli. (A. Z) Am 25sen sind Jhre Königl. Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Karl von Preußen nebst Fa= milie von Sicilien hier angekommen. Wie man hört, werden die er- lauchten Fremden sich auf einen Monat nah Castellamare begeben, wo sie ein s<önes Landhaus gemiethet haben. Die Königliche Familie befindet si< ebenfalls dort,

Florenz, 3. Aug. (A. Z) Heute Abend bringt man die Leiche des ehemaligen Königs von Neapel und Spanien, Joseph Bo= naparte, in die Gruft der Kirhe Santa Croce, dem Ehrentempel der größten Männer Italiens. Jm Jahre 1840 war er hierher ge- fommen, um in der Nähe seiner zwei no< lebenden Brüder zu sein. Wiederholte Schlaganfälle hatten hon seit einiger Zeit seinen nahen Tod befürchten lafan, Die Leiche war eine Woche lang in einem Trauersaale ausgestellt; der einstige Besißer zweier Throne lag dort im einfahen \{warzen Kleide, nur mit dem großen Bande der Ehren= Legion und der Kette des goldenen Vließes geziert; kein Zeichen von ehemaliger Größe shmüdte den Saal, nicht einmal das Wappen der Bonaparte. Er hinterläßt seiner Wittwe und Tochter, die mit seinem Neffen, dem Fürsten von Mustgnano , verheirathet is, funfzehn Mil-= lionen Franken. ;

Der dritte Sohn Sr. Kaiserl. Hoheit des Großherzogs ist s{hwer erkrankt, und es soll wenig Hoffuung zu seiner Wiederherstellung vor- handen sein.

2 Valermo, 22. Juli, Jch hatte bei Abgang meines leb- ten Briefes an Sie S no<_ Zeit, Jhnen die Anzeige der Ankunft einer Königlich Preußischen Korvette zu machen; das Weitere über dieselbe fonnte ih damals aber ni<t wissen, weil das Schif, no< in der weiten Rhede Palermo's, blos durch die Flagge fennbar war. Es war, wie gesagt, die „Amazone““, befehligt dur den Capitain Dir>in> von Holmfeld. Jh war am 18ten mit einigen sachverständigen Freunden am Bord derselben und wir mußten uns aufrichtig über die vortreffliche Einrichtung des ganzen Schiffes, die muntere und gesunde Haltung der Mannschaft und das überaus freundlihe und würdevolle Wesen der Offiziere freuen. Auch war uns niht wenig angenehm, am Bord eines Kriegsschiffes rein deuts< sprechen zu hörenz denn einer rein deutshen Macht gehörende Kriegsschiffe sind wohl seit langer Zeit, vielleicht nie in diesen Ge- wässern gesehen worden. Und was sollte wohl Preußen hindern kön- nen, mehrere dergleichen zum Schuß des deutshen Handels erbauen zu lassen in den vielen Buchten, Flußmündungen und Häfen seiner

Ostsee-Küste, wo es an S<hiffs-Baumaterialien und tüchtigen Arbei- tern hierzu eben so wenig gebriht, als an tüchtigen Matrosen und erfahreneu Schiffern. Die Erscheinung dieses Schiffes im Mittel= Meer is ein \{<önes Zeichen der Zeit und des Vorrü>ens Deutsch- lands. Die norddeutschen Schiffe werden hoffentli< bald keiner Türken-Pässe mehr bedürfen, wie es bis jeßt no< immer in Hamburg, Lübe> und Bremen der Fall ist. j :

Am 18ten speisten Jhre Königl, Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Karl von Preußen mit der Prinzessin, Jhrer Tochter, und dem Fürsten von Hohenlohe am Bord der „Amazone“, weldhe dann no< den nämlichen Abend wieder absegelte, während auf der anderen Seite au das genuesishe Dampfschiff des Prinzen Karl die Anker lihtete und auslief. Man sagt, beide hätten ihren Lauf nach Trapani genommen. ;

Der König von Bayern erfreut unsere Hauptstadt noch immer mit Höchstseiner Gegenwart,

22 Valermo, 26. Juli, Es giebt wenige unter den europi- hen Staaten, deren Finanzen in so guten Verhältnissen sih befinden, als die des Königreichs beider Sicilien insgesammt, wie eines jeden der zwei Theile insbesondere. Mehrere Theile der ablöslichen An- leihen sind vollfommen getilgt worden, und da dur die neue Ein- richtung des Katasters dem Zweige der Grundsteuer ein neuer sehr bedeutender Zuwachs wird, so soll na< dem Entschluß des Königs uicht uur die Ausfubr des Schwesels freigegeben werden, um auf diese Weise der mit diesem Mineral si beschäftigeuden Klasse der Bevölkerung zu Hülfe zu kommeau, sondern es follen auch die Steuersäße auf Grundstücke ermäßigt werden ; zwed>mäßiger wäre es vielleicht, diesen Ueberfluß dazu zu verwenden, den Handel durch Heruntersebung gewisser außerordentli hoher Zollsäße zu erleichtern, Judessen soll beschlossen sein, die große Staatsschuld abzubezahlen oder do den Zinsfuß von 5 auf 4 pCt. herunterzuseßen und diejenigen Staats-Gläubiger, welche hierin ni<t willigen würden, baar auszu- bezahlen.

Um die Finanz = Einrichtung Siciliens insbesondere, welche bei allem Ueberfluß an Einkommen in sol<he Unordnung gerathen war, daß der Cours der Schuldscheine auf 50 pCt,, und sogar darunter, gesunken war, hat si< Herr Arpino, Rath am Königl, Rehnungshof in Palermo, große Verdienste erworben; er verdient alle Anerken- nung. Von diesen Schuldscheinen sind nun keine mehr unter 95 bis 96 zu haben, und die rü>ständigen aufgelaufenen Zinsen sind liquidirt und auch theilweise bezahlt. i

Um Mexiko, die Landenge von Panama und die ganze Küste des stillen Meeres in wissenschaftliher und merkantilischer Hinsicht zu erforshen, soll nächstens eine Kommission von Reisenden von Neapel aus abgesendet werden, und man spricht sogar davon, der König habe selbst Ostindien und China im Auge.

Der Kultus - Minister Principe della Jrabia kehrt heute nah Neapel zurü,

S Panie l.

X Paris, 8. Aug. Die Provinzial-Deputation von Bar- celona hat auf die Rückkehr der Königin Christine nah Spanien eine Denkmünze {lagen lassen und dieselbe der Mutter Jsabella?s 1. in feierliher Audienz überreicht, Die regierende Königin konnte dieser Ceremonie nicht beiwohnen, weil ein verstauchter Fuß sie an das Sopha fesselt, Die Hautkrankheit , welche die eigentlihe Veranlassung der Badereise der jungen Königin war, soll dem Wasser von Caldas gänzlih gewichen sein.

Mehrere der südlichsten Hafenstädte Spaniens, namentli Tarifa und Algesiras, sind mit Flüchtlingen aus Marokko überfüllt, denen General Wilson die Thore von Gibraltar geschlossen hat, weil er fürhtet, daß ihre Gegenwart die Preise der Lebensmittel zu schr in die Höhe treiben oder auch bei der herrschenden Hibe in dem engen Gibraltar ansteŒende Krankheiten erzeugen föunte. Jene Flüchtlinge sind zum großen Theil afrikanische Juden, welche wohl nicht ohne Grund die fanatis<he Wuth der Marokkaner au< für sh fürchten, und die daher von den Behörden der Hafenstädte Tanger u. \. w. um \{<weres Geld die Erlaubniß erkaufen, sich und ihre Familien auf europáishem Boden in Sicherheit bringen zu dürfen, |

Die neuesten Nachrichten aus Cadix vom 30sten v, M. sprechen von einem der Bestätigung bedürfenden Gerüchte, daß eine gewaltige Feuersbrunst Tanger zerstört habe.

Die Rüstungen der spanischen Regierung gegen Marokko werden zwar fortgeseßt, aber so langsam und mit sto augenscheinli<her Lau- heit, daß man wohl sieht, daß sie niht mehr ernstlih gemeint sind, Syanien re<net vermuthlih darauf, daß Frankreich ihm die Genug- thuung verschaffe, die es für die Ermordung seines Konsuls in Ma- sagan zu fordern hat. So große Wahrscheinlichkeit diese Rechnung auch für s< hat, so köunte sie doh fehlschlagen, wenn es wirklich zu einem friedlihen Abkommen zwischen Frankreih und Marokko käme, wie dieses durch die gestern eingetroffenen Nachrichten aus Afrika in Aussicht gestellt wird. Ju einem solchen Falle würde Spanien gewiß große Mühe haben, dem Hohmuthe der Marokkaner auch seinerseits ein demüithigendes Zugeständniß abzugewinnen,

P'or taa,

A Lissabon , 29. Juli, Der Finanz-Minister hat von der Uniao Commercial ein neues Darlehen von 350 Contos erlangt, al- lerdings zu hohen Zinsen, und das mit den Einkünften des laufenden (mit 1. Juli begonnenen) Finanzjahres zurückgezahlt werden soll. Bis 30sten und 31sten d. verfallen no< etwa ahtundzwanzig Contos in S<haßz-Billets, über deren Schicksal no<h nichts entschieden is. Nach den Stipulationen des Darlehns =- Vertrages sollten sie eigentli, im Falle die Regierung sie uit bezahlt, bei den Zollstätten ihrem No- minalwerthe nah angenommen werden, der Direktor der hiesigen Douane aber hat bis jebt si<h geweigert, solhe anzunehmen, da er noch keine Ermächtigung dazu vom Finanz-Minister habez dieser hat man bis jet vergeblih entgegengeschen. Da ih hier von den Zollstätten \prehe, so sei erwähnt, daß gleih denen von Lissabon, Porto und Sieta Casas au<h die von Valença und anderen Distrikten eine höhere Einnahme gegen das Vorjahr er- geben haben, so daß si< auch für das laufende die Aussichten gut gestalten. Das Diario hat noh weitere Einzelnheiten über die den tünftigen Tabackspächtern zu gewährenden Vergünstigungen veröffent- liht, Darunter befinden si< namentli die Untersagung des Tabads- baues in Portugal selbst, und die Erlaubniß für die Pächter, die Ver= faufspreise einiger Sorten Schnupftabak und Cigarren etwas höher zu stellen, wodur<h und dur die s{härferen Maßregeln gegen die Einshmuggelung fremden Tabacks sie in den Stand geseßt werden, größeren Gewinn zu machen und also auh höheren Pachtpreis zu bezahlen.

Der Zustand des Herzogs von Palmella hat sih< erfreulicher= A so gebessert, daß man jede ernstliche Besorgniß vershwunden glaubt.

Die Verwi>kelungen Frankreihs und auderer Mächte Europas mit Marokko beschäftigen auh hier die allgemeine Aufmerksamkeit, Die französische Fregatte „Adour““ legte auf ihrer Fahrt nach den marokkanischen Gewässern neulih hier an, sie hatte Truppen an Bord und muß jeßt an ihrer Bestimmung angelangt sein, Heute ist der

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„Royal Tar“ von Gibraltar hier eingelaufen und soll die Nachricht überbraht haben, der Kaiser von Marokko sei auf zwei Forderungen des französischen Ultimatums eingegangen, verweigere aber entschieden die dritte mit minder wichtige. Ih theile Jhnen diese Nachricht mit, wie ih sie gehört habe, ohne sie verbürgen zu wollen,

Griechenland.

¿ Athen, 26. Juli. Das Wahlgeschäft dauert fort, die da- dur entstehende Aufregung is îm Steigen. Jn einer Gemeinde bei Korinth ließ der ministerielle Demarh die ihm beigegebenen Palifaren auf die Wähler feuern, wodur< $8 verwundet wurden, dafür wurde er mit Steinwürfen und Knütteln dermaßen mißhandelt, daß man an seinem Aufkommen zweifelt. Jn der Eparchie Lakoinen kam es wäh- rend des Wahl-Aktes zu einer Rauferei, in welher 4 Menschen getödtet und 10 verwundet wurden. Jn Elis s{re>n Räuberbanden das Volk, die Opposition behauptet, daß dieselben unter der Leitung des ministeriellen Kandidaten ständen. „Zun Trichonia wurde ein Haupt- mann, welcher zur Opposition gehörte, ermordet. Jn Chalkis wäre es siher zu Blutvergießen gekommen , wenn nicht die bewassnete Macht vom Wahlplaße abgezogen wäre, worauf der Wahl=Aft ohne Störung vorgenommen wurde. Ju Tripolißa haben 1200 Wähler gegen die Ungesecßzlichkeiten und Gewaltthätigfkeiten der Behörden bei dem Wahl - Afte vor dem Notare protestirt und bei demselben ihre Stimmen hinterlegt. Jn Karysto, wo Maurokordatos erwählt wor- den und mehreren anderen Orten folgt die Opposition diesem Bei- spiele. Die Oppositionsblätter sind fast nur mit Beschwerden über die Gewaltthätigkeiten und Geseß-Uebertretungen der Regierungs-Be- hörden und namentli< über Einmischung der bewaffneten Macht in die Wahleu angefüllt; hier soll von denselben eine Wahl-Urne unter- schlagen, dort sollen falshe Stimmzettel in dieselbe geworfen worden sein, hier hat ein Demar<h den Wählern mit Gewalt vorher geschriebene Stimmzettel aufgenöthigt, oder vor ihren Augen die ihrigen zerrissen und andere in die Urne geworfen, dort wurden die Kandidaten der Opposition wegen Schulden an den Staat eingekerkert oder in eine Kriminal -Untersuhung verwi>elt, oder wenn sie als Militair = oder Civil - Beamte von dem Ministerium abhängig sind und dessen Farbe ni<t unbedingt angehören, gegen die ausdrü>lihe Bestimmung des Wahlgeseßes verhindert, nah ihren Geburtsorten zu gehen, um dort zu stimmen oder von dort abberufen u. st. w. Die Organe des Mi- nisteriums beschränken si< meist darauf, die von der Opposition an- geführten Fakta entweder ganz zu leugnen oder als entstellt darzu- stellen. Judessen möchte sich wohl ein Unbefangener, welcher die Blät- ter beider Organe mit zahlreihen Privatbriefen vergleicht, s{werli< von dem Verdacht frei erhalten können, daß si< das Ministerium große und häufig ungeseßlihe Einwirkung auf die Wahlen zu Schul- den kommen lasse.

Gestern is die preußishe Korvette „Amazone“ im Piräus ein- gelaufen; sie zeichnet sih dur< die Zierlichkeit ihres Baues und das blühende, kräftige Aussehen ihrer Mannschaft vor allen dort liegen- den Schiffen vortheilhaft aus.

Gestern Abend um 10 Uhr wurde der hier stationirte französische Admiral auf der Straße von Athen nah dem Piräus von 6 Räu- bern überfallen und nebst seinen zwei Begleitern ausgeplündert. UNeber- haupt streift viel Gesindel um die Hauptstadt und wir hören seit eint- gen Tagen wieder viel von Einbrüchen oder Versuchen dazu in den an den Enden der Stadt gelegenen Häusern reden.

O Müúünchen, 9. Aug. Der Wahlkampf in Griechenland if, nah den Mittheilungen aus Athen vom 26. Juli, no< immer nicht entschieden, und er währte beim Abgang dieser neuesten Post an einigen Punkten mit der früheren Hartnä>igkeit fort. Dafür waren andererseits eine Meuge von Abgeordneten bereits in der Hauptstadt eingetroffen, eben so die meisten Senatoren, die niht aus besonderen Gründen davon abgehalten wurden. Die mit so vieler Bestimmtheit ausgesprochene Behauptung, viele Senatoren würden anf ihre Würde verzichten, um si< in die zweite Kammer wählen lassen zu könneu, hat si{< als völlig unbegründet erwiesen. Dafür waren einzelne Senatoren bereits für einen guten Theil der oppositionellen Presse zum Gegenstand der heftigsten Angriffe und zielloser Verfolgung geworden.

Von mehreren Seiten her wurde bie Frage aufgeworfen, und sie wird voraussichtli<h au<h während des Landtages zur Sprache fommen, ob fatholishe Griehen in der Abgeordneten-Kammer sißen und stimmen können, Die Zahl der Katholiken unter den Griechen ist weder so gering noh \o bedeutungslos, wie gewöhnlich angenom- men wird, namentli<h nicht auf den Juseln, wo mehrere derselben, die sih eines bedeutenden Einflusses auf ihre Umgebung freuen, ge- wählt worden sind, während andere freiwillig auf die ihnen in Aus- sicht gegebene Ehre verzichtet zu haben scheinen. Einmal angefacht, dürften sich die Leidenschaften au in dieser Richtung eine Bahn zu bre<hen versuhen, obschon zu hoffen steht, daß der konfessionelle Fanatismus nicht über das bürgerlihe Rechtsgefühl den Sieg errin- gen werde.

Theodor Grivas’ Rückkehr nah Griechenland aus Aegypten wird von der oppositionellen Presse no<h fortwährend gefordert und als nahe bevorstehend verkündigt. Maurokordatos dagegen cheint fest entshlosseu zu sein, die über den alten Häuptling ausgesprochenen Beschlüsse der Regierung ausreht zu erhalten.

T C

Konstantinopel , 24. Juli. (A. Z) Der preußische Ge- sandte, Herr von Lecoq, hat dem Reis=Efendi in einer Konferenz die von Berlin aus au den preußischen Gesandten zu Athen erlassenen Instructionen mitgetheilt, Schon eiuige Tage früher hatte der rus: sische Gesandte, Herr von Titoff, dasselbe gethan in Betreff der Ver- waltungs - Maßregeln, welche dem russischen Geschäftsträger in Grie- chenland vou St. Petersburg aus zugesandt worden sind, Die er- wähnten Instructionen sollen die freundlihsten Gesinnungen für die Pforte aussprehen und sih vorzüglich auf die Erhaltung der jeßigen grieis{-türkishen Gränze und der gegenwärtig im Süden der byzan- tinishen Halbinsel obwaltenden Verhältnisse überhaupt beziehen. Die Pforte hat in ihrer Erwiederung den Dank des Großherrn, so wie die Versicherung entsprechender Gesinnungen, ausgedrückt,

Dem Vernehmen nach is ein Courier nah Beirut abgesandt worden, der gemessene Befehle an Essaad und Halil Pasha über- bringt, das Zwangs-System einzustellen und si< streng an die ihnen ertheilten Justructionen zu halten. i

Achmed Efendi, Beamter im Ministerium der auswärtigen An- gelegenheiten, is nah Smyrna abgegangen, um dort die Volkszählung vorzunehmen. Ju der Zuschrift, welche die Pforte in Betreff dieses Gegenstandes an die Chefs der Gesandtschaften erlassen hat, is namentlih die Stelle wichtig, daß denjenigen, „welche ihre fremde Unterthanschaft niht darzuthun vermögen, dessenungeachtet aber sih für Unterthanen oder Schußgenossen sremder Mächte erklären , falls sie liegende Gründe haben, eine Frist anberaumt werden soll, nah deren Ablauf die Güter, zu deren Besiß sie nah dem Jnhalte der Traktate nicht berechtigt sind, im öffentlichen Wege versteigert werden.

Vereinigte Staaten von UÜord =- Amerika.

_New-Yorfk, 20. Juli, Der Madisonian, das Organ des Präsidenten Tyler, veröffentlicht neue, die Anschlußfrage zwischen

Texas und den Vereinigten Staaten betreffende Dokumente, vbsi der Senat dieselben ausdrü>ih geheim gehalten en wollte. bestehen in einer vom 16. Mai datirten neuen Botschaft des Herrn Tyler an den Senat folgenden Juhalts :

„An den Senat der Vere:nizten Staaten:

Jn meiner Botschaft, welche die Oos des Traktates mít Texas begleitete, sprah i< die Meinung aus, daß, wenn Texas jet nit aufge- nommen werden würde, die Gelegenheit einer Ausnahme dieses Landes in die Vereinigten Staaten wahrscheinlich für immer verloren gehen dürste, Seïidem is dieser Gegenstand vielfältig abgehandelt worden, und wenn eine Meinung über. den Hauptgrund der Opposition gegen den Traktat ausge- \sprochen werden soll, so i dieser nicht, daß Texas nicht zu einer oder der anderen Zeit aufgenommen werden müsse, sondern, daß augenbli>lich nicht der re<te Zeitpunkt sei. Es is deshalb bei dieser Ansicht der Sache wr tig, und ih bin das dem Senate sowohl, wie dem Lande schuldig, alle in meinem Besiy befindlihen Papiere vorzulegen, die dazu geei sind, den Staat von der Richtigkeit meiner uicge: 0 Mos Ansicht zu über- zeugen, Jn dieser Absicht übersende ich hiermit einen Bericht des Staats- Secretairs mit verschiedenen Mittheilungen über diesen Gegenstand. Diese Mitiheilungen sind aus Privatquellen, und es is nöthig, zu bemerken, daß man in solheu Fällen hauptsächlich zu Privatquellen seine Zuflucht nehmen muß, um Nachrichten zu erhalten, da man nicht erwarten kann, daß irgend cine Regierung besonders in einer solchen Lage, worin Tcxras sich befindet, geneigt ist, das eigentlihe Ziel seiner Politik der Welt ofen darzulegen,

Unter den Auszügen ift einer aus einem Briefe des General Houston an General Andrew Jason, welhen ih besonders Jhrer Aufmerksamkeit empfehle; cin anderer von General Jason an einen Herrn vom höchsten Ansehen, augenbli>li< an diesem Orte. Zu berüdsichtigen ist, daß General Jackson in die Lage gcseßt wurde, den engsten und genauesten Verkehr mit Herrn Miller zu haben, dem Privat-Secretair des Generals Houston (der, wie Präsident Houston an General Jason meldete, alle scine Haublungen kenne, um alleseine Absichten wisse, und der beauftragt war, General Jafson die Absichten der Politik des Präsidenten von Texas, sowohl in Bezug auf die Ge- genwart, als au die Zukunft mitzutheilen); so ist die Erklärung in dem Briefe des General Ja>son , „der jeßige goldne Augenbli>, Texas zu er- halten, müsse ni<t verloren gehen, oder Texas fönne, durch die Noth- wendigkeit gezwungen, in die Arme Englands getrieben werden , und für immer den Vereinigten Staaten verloren sein, ‘“’ mít der vollen Kenntniß aller Umstände gemacht, und muß als die bestimmte Andeutung betrachtet werden, wel<hen Weg Texas einschlagen wird, wenn dèr Traktat nicht zu Stande kommt,

Nach dieser hohen Quelle, unterstüßt, wenn es no< nöthig is zu un- terstüßen, durch die beikemmenden Mittheilungen, zweifle ih niht im Ge- ringsten, daß wenn die Aufnahme jeßt fehlschlägt, aller menschlichen Wahr- \cheinlihkeit nach, sie für immer fehls<hlagen wird. Wahrlich, ich habe ge- gründete Ursache zu glauben, daß bereits Vorschriften von der terianischen Regierung ertheilt sind, mit der Regierung von Großbritanien sofort, na dem Feblschlagen der Aufnahme einen Haudels - Traltat und ein Offensiv- und Defensiv-Bündniß abzuschließen,

John Tyler.“

Das Haupt-Dokument, auf welches in der Botschast Bezug ge- nommen wird, is der Brief des Secretairs des Präsidenten von Texas, Generals Houston, an General Jackson. Es heißt darin:

„Houston, 20. April 1844,

Sie können si darauf verlassen, daß das Folgende die nothwendigen

Folgen einer Verwerfung des Traktats sind s 1) Die Unterhandlungen zwischen England uyd Texas werden sofort geschlossen. J Í ¿

9) Ein Traktat des freien Handels, der große Vortheile England dar- bietet, wird sofort festgestellt werden.

3) Englaubv wird die Unabhängigkeit von Texas garantiren, unier der Bedingung, daß wir uns verpflichten, eine unabhängige Nation zu bleiben.

Dieses sind dic dur<h England gemachten Vorschläge, und sie werden zum Abschluß kommen, sobald der Traktat verworfen wird, Es is dieses der feste Entschluß des Präsidenten Houston und er wird durch einen

geheimen Beschluß des Kongresses unterstüßt, der mit beinahe gänz- liher Stimmen -Einheit gefaßt is, in der Voraussezung, daß das Einver- leibungs-Projekt fehlshlüge.

Sie könnten fragen, wird das Volk in Texas damit zufrieden fein ?

Jch antworte Ja, denn Präsident und Kongreß haben bereits ihre Zustim- mung gegeben, und das Volk wird seine Zustimmung geben, wenn wir durch die Negierung der Union sortgestoßen und verworfen werden, Diesen Traktat und diesc Verbindung mit England hat Capitain Elliot sih schon lange bemüht, zu Stande zu bringen; und er würde bereits ab- geschlossen sein, wenn nit die gegenwärtigen Unterhandlungen mit den Vereinigten Staaten stattfänden.““

Die Ruhe in Philadelphia ist vollständig wiederhergestellt. Die Verhaftungen dauern no< fort.

Handels - und Börsen - Uachrichten.

Berlin, 13. Aug. Das Geschäft in Eisenbahn - Effekten war heute sehr beträchtli, vie Course anfangs höher, schlossen zwar etwas niedriger, ohne daß die Stimmung ungünstig geworden wäre,

Marktpreise vom Getraide, Berlin, den 12. August 1844.

Zu Lande: Weizen 1 Rihlr. 22 Sgr. 10 Pf.z Roggen 1 Rthlr, 7 Sár. 2 Pf., au<h 1 Rihlr, 4 Sgr. 10 Pf.3 Hafer 25 Sgr. 2 Pf, auh 21 Sgr. 7 Pf

Zu Wasser: Weizen (weißer) 2 Rihlr. 1 Sgr. 2 Pf,, au 2 Rthlr. und 1 Rthlr, 26 Sgr, 5 Pf. z Noggen 1 Rthlr. 6 Sgr., au 1 Rihlr, 4 Sgr. 10 Pf. z Haser 22 Sgr. 1 Pf., auch 21 Sgr. 11 Pf.z; Erbsen (\{<l, Sorte) 1 Rihlr. 12 Sgr.

Sonnabend, den 10. August 1844.

Das Scho Stroh 6 Rthlr,, au<h 5 Nthlr, 10 Sgr, Der Centner Heu {l Rthlr, 2 Sgr. 6 Pf.,, auch 20 Sgr. |

x Königsberg, 6. Aug. Seit meinem leßten Bericht vom 22sten v. M, hat sih neuerdings starker Regen und Sturm eingestellt und mit wenig Unterbrechungen bis gestern angehalten, und zwar bei allen Winden. Aus Polen und Rußland berichtet man dieselbe ungünstige Witterung z dort und hier hat die Temperatur sich nicht über 8 a 10° Reaumür heben kön- nen, und die unendliche Masse Regen hat Ueberschwemmungen zur Folge gehabt, wodur) nicht nur die Heu-Aerudte weggespült und verloren gegan- gen, sondern auch die ganze Kreszenz der Weichsel - Niederung vernichtet worden is, Einzele Gutsbeüßer haben bis 1000 Fuder Heu eingebüßt und sehen sich genöthigt, ihren Viehstaud auf ein Minimum zu ermäßigen, weil dieser Verlust mit Geld nicht auszugleichen is und daher die Durchwinte- rung eines nur angemessenen Viehstandes unmöglich wird,

Heu ist bereits auf 1 Nthlr, pro Ctr, gestiegen, und Massen sind auh<

dazu nicht zu haben, Eine längere Dauer des Regens, der {on unab- sehbaren Schaden verursacht hat, droht die Aussicht auf eine nur mäßig gute Aerndte zu vernihien und unsere Provinzen in den größten Nothstand zu verseßen, weil au die ganze Kartoffel - Aerndte gefährdet wird und die Klasse der Armen, Handarbeiter und Tagelöhner ihre Haupt-Nahrung ver- theuert und in {l<«u2 unhaltbarem Zustande bekommen würde. 9Ras von volnishem Roggen no<h habhaft war, fand Nehmer zu 176 Fl. im Wasser, und is jeßt nichts mchr ín erster Hand. Ju anderen Geiraide-Sorten fand kein Umsay statt, weil Spekulanten dur die ungün- stigen Berichte muthlos geworden sind und die Jnhaber no< immer hoffen, daß der Regen auch auswärts für sle arbeiten werde, und daher mit ihren Forderungen noch nicht herunter wollen.

Leinsaat hat si gut behauptet, weil es mit unserer Rapps - Aerndte sehr mißlih aussieht, Während man bei uns schon so lange den Anblick eines heiteren Himmels und die nährende Erde die befruhtende Wärme der Sonnevstrahlen entbehrt und ein nasser Wind aus Norden weht , erfreut man si< in England, Belgien, Holland und zum Theil auch in Deutsch- land eines schönen, der Aerndte günstigen Wetters. Demnach sind dort die Getraidepreise im Sinken, die sich bei uns nicht nur behauptet haben, sondert für Roggen und Gerste neuerdings höher gegangen find. Die Er- wartung auf ein lebhaftes Herbstgeshäft muß daher für jeut aufgegeben und auf eine sernere Zukunst verlegt werden, wenn nit andere, außerhalb naturgemäßer Berechnung liegende Ereignisse eintreten. Es i} nur zu" wahr-