1844 / 233 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

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; ) Nyon und dem Pascha von El Araisch

Unterhandlungen zwishen Hern Monitent aber e die Antwort auf

ee rand erst am Aten an, und diese Antwort war unannehmbar.

La Ae 3ten unterhandeln, wenn der Kaiser am 2ten eine be- ict ende Antwort ertheilt hatte? Wenn er aber nicht peremtorisch E fwortet welchen Sinn konnte dann eine Unterhandlung zwischen dem Abgeordneten des Prinzen und dem Abgeordneten des Kaisers haben, nach- E ein Ultimatum ausgestellt war ? Zett klärt die Dunkelheit der ersten Regierungs - Mittheilungen sich auf; Herr Hay war am 5ten erst in Sicherheit, und man wollte das Warten auf den General Konsul Englands, zu dem man sich genöthigt sah, dur scheinbare Unterhandlun- gen verde>en, Das ist das Wort des Râäthsels und der Knoten der Ko- mödie. Herr Hay muß also in den Augen des Prinzen den Charafter eines französischen Unterhändlers gehabt haben, da man warten mußte, bis der- selbe in Sicherheit war. Und wird es, jeßt wo Tanger bombardirt is, uns erlaubt sein, es länger als 24 Stunden besegt zu halten? Schwerlich, Die englischen Journale kündigen an, daß Herr Guizot über die Befugniß zu einer provisorishen Occupation unterhandle.“ Der Siècle richtet seinen Tadel besonders dagegen, daß man gerade Tanger zum Ausgangspunkt der Operationen gewählt, indeß sieht man es diesem Blatt am meisten an, daß es nur opponirt, um eben zu opponiren, und daß es im entgegengeseßten Falle das Ent- gegengeseßte vertheidigen, daß es, wie es heute einen Angriff zu Lande gegen Fez überaus leiht finden will, dies Unternehmen, hätte man den Krieg damit angefangen, gewiß für höchst widersinnig er- flärt haben würde. Sciner Jusinuation zufolge wäre die Regierung jezt zu dem Angriff auf Tanger bloß dur< die Besorgniß getrieben worden, daß es dur< Unterlassung desselben în den Verdacht der Furcht vor England gerathen möchte, weil dieser Argwohn sogleich laut geworden, als das Journal des Débats erklärte, daß Tanger, weil es der Siß der europäischen Jnteressen sei, geschont werden solle, Der Siècle sagt nun in dieser Beziehung :

„Der Hafen, wo wir das meiste Juteresse, uns festzuseßen, hätten, ist der von El Araisch (Larache), der um ein Drittel näher an Fez liegt, als Tanger; von Fez aber is Mequinez, wo der auf 70 bis 80 Millionen ver=- anschlagte Kaiserliche Schaß sich befindet, nur 30 Kilometer entfernt, Mar- schall Clauzel, der sich oft über den Beistand zu beklagen hatte, welchen Abd el Kader von Marokko aus erhielt, sagte mehr als einmal: „,, Der Schaß von Mequinez is unser, sobald man mir erlaubt, ciîínen Zug nach Marokko zu machen. ‘“‘‘’ Dieser General - Gouverneur hielt eine Expedition gegen Fez gar nicht für unmöglich oder au<h nur für schr s<hwierig, und wenn wir gut unterrichtet sind, \o theilt Marschall Bugeaud diese Ansicht vollkommen. Man hat die Schwierigkeit der Verprovian- tirung und die Entfernungen übertrieben, Ein Armee - Corps kann in 5 bis 6 Tagen von Uschda nah Tezza gelangen, einer Stadt von 12,000 Seelen, wo oder ín dercn Umgegend man zahlreiche Hülfsquellen finden muß, Von Tezza nah Fez kann man in 3 bis 4 Tagen kommen. Das Beispiel eines berühmten Neisenden is s{<lecht gewählt. Ein Reisender erbittet oder kauft seine Bedürfnissez eine Armee nimmt sie, und nicht nur auf der Heerstraße, sondern rechts und links auf weite Stre>en, Unsere republikanische Armee zog dur<h die Wüste nach St. Jean d’Acre hin und zurü>z; das war doch wohl zwanzigmal schwie- riger, als von Uschda nah Fez zu marschiren? Ueberdies würde man am Ziel gewiß einen Ort finden, der unserem Feldgeshüy nit zu widerstehen vermöchte. Man fann indeß immer no< hoffen, daß die Demonstration unseres Geschwaders gegen Tanger den Kaiser von Marokko zu ver- nünstigeren Vorschlägen bringen wind. Doch man erinnere si<, was Abd el Kader, in der Ueberzeugung, daß wir ihn ins Junere nicht verfolgen könnten, zehn Jahre lang sagte: „„Den Frauzosen das Meer und mir das Land“, Die Marokkaner, wenn nicht der Kaiser, werden ver- muthlich eben so denfen. Die Bewohner der Städte, so fanagtisch sie sind, neigen zum Frieden, aber sie werden es nicht wagen, diese Stimmung fundzugeben, aus Furcht, sh die Nahe der Gebirgsbewohner zu- zuzichen, Was liegt nun diesen daran, ob wir Tanger nicderschmettern,

welches sie die Stadt der Ungläubigen, die Stadt der Hunde

nennen. Wird es ihnen weniger gleichgültig scin, wenn wir Larache und

Mogador angreifen! Nein. Sie werden in dicsen Unternehmungen nur

cinen Anlaß mehr sehen, zum heiligen Kriege zu rufen und Abd el Nha- man mit Entziehung der Kroue zu drohen, um sie auf die Stirn des Emir, des wahren Glaubens - Vertheidigers, zu seßen. Entweder der Krieg ist in wenigen Tagen zu Ende, oder er führt uns bis Fez. Déíe Entscheidung dieser Frage hängt weder von unserem Willen, no<h ohne Zweifel von dem des Kaisers, sondern allein von dem Ansehen, das dieser Fürst genießt, und dessen Umfang er selbst, was die Berber- Stämme be- trifft, deren Erbitterung Abd el Kader aufs höchste gesteigert hat, nicht ge- nau zu kennen scheint, Wenn aber der Kampf sih in die Länge zieht, können wir ni<ht umhin, wenigstens einen der Küstenpunkte zu okfupiren, und da wird es gelten, daß Frankreich mit jener ruhigen Entschlossenheit, England gegenüber, handelt und spricht, die den Mann ven Muth beim Nahen einer Gefahr erkennen läßt, die er uicht gesucht, vor der er aber auch nicht fliehen will,“

Der Constitutionnel spricht bei dieser Gelegenheit sein Be= denken in Betreff des ganzen marokkanischen Krieges, mit einem Blick auf Frankreichs allgemeine Verhältnisse zum Auslande, in folgender Weise aus: i

__ _uWir zweifeln ni<t an dem Ersolge des Unternehmens , welches in diesem Augenbli> der Prinz von Joinville leitet, Wir vertrauen auf seine Einsicht und seinen Muth; wir kennen das Feuer und die Tapferkeit unse- rer Seeleute z wir wissen, daß die Flotte mit mächtigen Zerstörungsuitteln versehen is, Wie bekannt , segelte der Prinz mit drei Linienschiffen, dem ,„„Suffren““, „Zemappes““ und „Triton““, mit der Fregatte „la Belle Poule““ und mit den Dampfschiffen „Pluto“, „Asmodée“, „Gassendi““, „Phare“ und „Nubis“ von Frankreich ab, Seitdem is diese Flotte noch durch einige Dampfer verstärkt worden. An Bord der Schiffe befinden sich 7 Com- pagnicen Marine - Jufanterie, eine Compagnie Sapeurs vom Geniewesen, eine Compagnie Marine - Artillerie und 8 Gebirgshaubißen, Der Effeltiv- Bestand der Landungs - Truppen is 41200 Mann, die man, mit Eins{luß der an Bord gebildeten Compagnieen, auf 2000 brin- gen fann, Auch alles zum Lager - Aufschlagen oder zu ciner Land- belagerung erforderliche Material befindet s{< auf unseren Schiffen zur Verfügung des Admiral, Von den drei Häfen, welche angegriffen werdcn sollen, ist Mogador der einzige, dessen Befestigungen einen etwas ernstlichen Widerstand zu leisten vermögen z aber das Nesultat kann nicht einen Augen- bli> zweifelhaft sein, Aber das Bombardement oder die Einnahme der Häfen Abd el Nhaman's isst das bloße Vorspiel zu einem Kriege, der nur in den Gebirgen mit Abd el Kader's Vernichtung sein Ende finden kaun, und so sehen wir denn Frankreich in einen Kampf verwielt, dessen Aus- gang sih schwer vorhersagen läßt! Tanger, Larache, Mogador und die übrigen Seecstädte Marokfo's hängen nur shwa<h mit dem Reiche zu- sammen, Es sind vielmehr europäishe Niederlassungen, Comptoire für den Handel aller Nationen, als arabishe Städte. Diese civilisir- ten Punkte inmitten eines barbarishen Landes zerstören, heißt, zu r d Aeuße! sten greifen, was nur den einen Zwe> haben fann, R ; aiser einzushüchtern und dur< Vernichtung des Handels die E Laune seiner Einkünfte zu verstopfen. Man hofft, daß der habsüch- a. J Abb 4 i er dergestalt genöthigt wäre, entweder gegen uns oder gegen au L tader die Stirn zu kehrcn, es in seinem Interesse finden G i, D en seinen furchtbaren Nebenbuhler zu bekämpfen. Aber bfite als bie Ln ie Kanonen mchr Einfluß auf Abd el Nhaman terungsmittel, zu den er Unterhändler, is zu fürchten, daß die Einschüch- Veli mdhiea L an wir unsere Zuflucht genommen, auch zur Folge ha-

! ultan die Möglichkeit zu benchmen, uns zu gehorchen,

Wir würden ihn viellei ci «e Erstens L diencidtzu üen Willen nöthigen, aber seine Macht ihm rauben,

roffaniscen Bei ing des Handels den gewerbsleißigen Theil der ma- wäten Var S zumheiligen Krieg leib; tert Bren Unbeschäsiat ten besolvet wird, dur L <warze Garde, die nur von den Zoll-Einkünf- als zur Treue ermuntert ENEs See-Expedition eher zur Empörung gereizt daß nah dem Bombardement: Geseyt nun den besten Erfolg, geseßt, Add el Käber wendet Ge der drei Häfen der Kaiser sich endlich gegen ebe wie ttnserèn Fiink vi unserem Verbündeten geschadet haben, Grund nur in der Unentschlossenheit Lia traurige Alternative, die ihren

Zögerung hat, womit in dieser

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Sache verfahren worden, Der Angriff auf Tanger, eîner der Vorraths- fammern Gibraltar's, muß für England sehr unangenehm sein. Die Ab- danfung Mehmed Alis, die jährlichen Demonstrationen der Pforte gegen Tunis, der Krieg Marokko's, ansere Eroberungen in Algier, die man uns noch nicht verziehen hat, konzentriren die Aufmerksamkeit Englands und aller Großmächte auf das Mittelmeer. Nach vier Jahren der Schwäche hat also die Politik, die uns den Frieden versprab, was er au kosten mochte, und die sih rühmte, die Bewegung der Nationen und die Regsamkeit der Geister fesseln zu können, Frankrei in eine Lage gebracht, daß jede Stunde aus dem geringfsügigsten Ercigniß ein Krieg mit unseren vermeint- lichen Verbündeten entspringen kann. Gleichzeitig war unsere Negierung so geschi>t, die Ehre Frankreichs in einer Ferne von einigen tausend Meilen aufs Spiel zu seyen, si<h zu Otaheiti in einen gefährlichen Kampf zu ver- verwickeln und auf allen Punkten der Erde kleine Händel zu suchen, durch welche die großen in größere Vertoirrung gerathen können, (So macht die Opposition am Ende der Negierung das zum Vorwurf, wozu sie selbs diese angetrieben und gedrängt hat.) Jett tritt uns nur ein einziger Gedanke entgegen, cs is der, daß Frankreich sich nicht in der Lage bcfindct, den Be- gebenheiten, die von einem zum anderen Tage erfolgen können, die Stirn zu bieten, Der Himmel bewahre uns davor, daß wir den Krieg zwischen uns und einer der europäischen Mächte herbeiwünschten! (Die alte Phrase der Thiersschen Politik.) Wir hoffen noch, daß es zu keinem Kriege kom- men wird. Aber die Pflicht jeder von vernünstigem Friedenswunsch beseel- ten Regierung, die ihr Land nicht preisgeben will, is, daß sie für alle Fälle sich bereit hält.“

__Zu erwähnen is no< des an der Börse verbreiteten Gerüchts, daß Prinz Joinville nah dem Bombardement von Tanger seine Au= griffe gegeu Tetuan und Larache gerichtet, und daß man Herrn Drum- mond Hay nicht ohne eine vorherige Demonstration vor lebterem Plaß aus den Händen der Marokkaner habe befreien können, Es wurde an der Börse auch versichert, die Nachricht von dem Angriffe auf Tanger sei von Herrn Guizot sehr übel aufgenommen worden ; er habe si< über die jugendlihe Hibe des Prinzen von Joinville be- {hwert, Diesen Morgen wurde ein Kabinets-Rath gehalten und so= fort eine neue Depesche an den Prinzen abgefertigt. Es heißt, das Ministerium wolle einen besonderen Agenten nah Marokko seuden, um noch eine Probe mit friedlichen Mitteln zu machen.

Was die oben erwähnten Nachrichten aus Konstantinopel und Alexandrien anbelangt, so betreffen sie die schon gestern kurz erwähnte Genugthuung, welche Frankreih von der Pforte für eine Beschimpsung des französischen Konsuls zu Mossul und für die gegen die dortigen unter seinem Schuß stehenden Dominikaner verübten Gewaltthätig= feiten erlangt hat (s. das Nähere darüber unter Türkei), so wie die angeblihe Abdankung Mehmed Ali's (s. Aegypten), Das Jour=

nal des Débats fügt den von ihm mitgetheilten Berichten fol= gende Bemerkungen hinzu:

„Die heute aus der Levante eingegangenen Nachrichten sind von grö- ßerem Junteresse, als sie seit langer Zeit gewesen. Die Differenz mit der Pforte, die auf dem Punkt stand, die Unterbrechung aller diplomatischen Verhältnisse zwischen ihr und der französischen Regierung herbcizuführen, i} glücklih beendigt. Dank der Festigkeit, welche Herr von Bourqueney ge- zeigt, Dank auch, wir müssen es sagen, dem (Geiste der Gerechtigkeit , von dem die Pforte einea neuen Beweis geliefert, Die leßten Vorgänge zu Jerusalem und Latakieh, und zuleßt der zu Mossul, müssen den fanatischen

Bevölkerungen der Levante sicherlih darthun, daß die christlihen Regierun- gen entschlossen sind, überall den Gescyen der Gerechtigkeit und dem Völkerrecht Achiung zu verschasfen, Wir möchten indeß daraus keinesweges sür die Pforte einen Abbruch entstehen schen. Wir siud überzeugt, daß das <ristlihe Europa der oltomanischen Regierung einen wahren Dienst leistet, wenn es ihr durch seinen Einfluß und seine Einwirkung barbarishe Vorur- theile besiegen hilft, gegen welche sie mit Mühe anfämpft, Nur dunch Un- terdrückung der Exzesse des Fanatismus und der Jutoleranz kann dic Pforte unter den civilisirten Regierungen den Rang einnehmen, der ihr gebührt und den sie noch erreichen kann. Beharrlichkeit guf diesem Wege is für sie das beste Mittel, die ihr dur die Verträge gesicerte Unabhängigkeit und Integrität zu bewahren,“

„Die Nachrichten aus Alexandrien sind nicht minder interessant, als die aus Konstantinopel, Man hat stets gesagt, der Orient sei das Land der Geheimnisse, und dieser Nuf desselben ist kein unre<tmäßiger. Der außerordentliche und unerwartete Entschluß Mehmed Ali's hat alle Welt iín Erstaunen geseßt, und die Details, welche wir heute erhalten, sind nicht dazu angethan, uns über die Ursachen aufzuklären, Jedenfalls scheint uns dies seltsame Ercigniß bis jezt nicht viel Stoff zu einer Epopde zu bieten z die Abdankung des alten Pascha's scheint uns keinen definitiven Charafter zu haben, und es könnte wohl sein, daß sie cine bloße Laune wäre, von der er wieder zurücktfäme, Uebrigens is es nicht zu verwundern, daß Meh- med Ali bei der Zerrüttung, die si<h in den seiner Herrschaft unterworfenen Provinzen immer mehr ausdehnte, seinen gewöhnlihen Muth und ausdauern- deu Geist sich beugen fühlte. Jn seinem Alter und nach einem so thätigen Leben, wie er es geführt, war das Ermüden natürlich, und die Umstände, welche den noch problematischen Schritt seiner Abdankung begleiteten, spre- chen dafür, daß die Last der Staats-Geschäfte ihm zu schwer zu werden anfing. Einige Zeit vor diesen lebten Ereignissen hatte der Pascha an einer Unpäß- lichkeit gelitten und seine Wiedergenesung dur< eine Maßregel bezeich= net, die wohl weniger klug als mildherzig war, Er öffnete die Thore aller ägyptischen Gefängnisse, und an einem Tage wurden 2000 Gefan- gene, Diebe, Mörder und Unschuldige ohne Unterschicd, in Freiheit ge- seßt, Nicht durh solche Maßregeln konnten die beklagenswerthen Miß- bräuche in der Verwaltung und der unglückliche Zustand des Lan- des verbessert werden. Das Uebel war so groß geworden, daß die treuesten Räthe des Pascha?’s ihm um jeden Preis die Augen öffnen mußten, Der Pascha, stets gewohnt , nur gelehrige Werkzeuge sich gegenüber zu finden, war anfangs überrascht und schien einen Augenblick von diesen ihm neuen Widersprüchen überzeugt. Er bezeigte eben so viel Erstaunen als Schmerz über Alles, was er hörte, uud zeigte sich zur Ab-

gen der Herrschaft, Wahrscheinli<h wird er, Umstände si< ereignen, in die Fußtapfen Seine persönliche Vorliebe, so wie die scines Vaters, is ohne Zweifel zu Gunsten eines innigen Bündnisses mit Fraukreihz allein er hat auf seine Kosten erfahren, daß dieses Bündniß in den kritischen Augenblicken ihn im Stich lassen kann. Er wird es daher vermeiden, sich mit Frankrei zu überwerfen, aber mittlerweile wird er nichts vernachlässi- gen, um si< die Unterstüßung Englands zu sichern, Die ottomanische Pforte ist nit in der Lage, ihm die Jnvestitur , die er von ihr verlangen wird, zu verweigern, und von dieser Seite wenigstens kann man feine neuen Verwickelungen in der Frage des Orients erwarten, die im Jahre 1840 wider unseren Willen und gegen uns entschieden worden ist,“ ___ Der Constitutionnel macht eine bedenklihere Miene zu dem ägyptischen Ercigniß; wenn au, meint er, na<h den Verträgen 1840 Jbrahim seinem Vater folge, wie die großen Kabinette es gewollt, so frage es si<h do sehr, ob sein ungestümer Sinn si< mit der ge- {hwähten Gewalt und dem zerstüctelten Gebiet seiner Erbschaft zu- frieden geben und vor den ohnmächtigen Wesiren si< beugen werde, die das ottomanishe Reih einer unvermeidlichen Katastrophe entgegenführten, Das Thiersshe Blatt kömmt dann soglei auf das beliebte Thema von Rußlands Tendenzen im Orient, und sieht {ou in Jbrahim Pascha ein Werkzeug in der Hand dieser Macht, um die Pforte zu stürzen. Damit aber England nicht leer ausgehe, wird diesem Aegypten zugetheilt, und dieser Theilungs - Plan soll denn auch zwischen beiden Mächten im Geheimen schon abgekartet sein, wo- bei es natürlih am Ende wieder an Vorwürfen gegen das Guizotsche Ministerium nicht fehlt, welhes Frankreich auf die Rolle des Zu- sehens reduzirt habe.

n den nächsten Tagen wird Herr van Praet, Privat-Secretair o: der Belgier, in Paris erwartet, Er soll den Auftrag ha-= ben? Verhandlungen in Bezug auf die kommerziellen Verordnun= gen, welche von den beiden Regierungen zu gleicher Zeit veröffentlicht werden sollen, zu beendigen,

Heute wurde der Geburtstag Napoleons dur<h eine Messe im Dom der Jnvaliden gefeiert, Die Veteranen der großen Armee wohnten dieser Ceremonie bei und begaben si< dann nah dem Ven- dome - Plaß, um Kränze am Fuß der Säule niederzulegen, wie dies seit 1830 an diesem Tage stets geschehen. Sie fanden aber diesmal das Gitter verschlossen, der Wächter war niht anwesend, und die Schildwachen hatten den Befehl, jene Huldigungen nicht zu gestatten. Auch zu einem unter dem Vorsiß des General Petit beabsichtigten Bankett der Veteranen der napoleonischen Armee war die Erlaubniß verweigert worden,

A Varis, 16. Aug. Die heutigen Nachrichten aus Alexan- drien stimmen s<le<t zu der sentimentalen Ansicht von den Ursachen der Abdankung Mehmed Ali's, welcher die hiesigen Zeitungen bei dem Publikum Eingang zu verschaffen bemüht sind, Es scheint si< näm- lih als ziemli<h unzweifelhaft herauszustellen, daß Mehmed Ali nur deshalb vom Schauplaß abtritt, weil er si< au den äußersten Grän= zen seiner Ausbeutungs = Politik angekommen sieht, weil er endlich in der Natur der Dinge und in der menschlichen Vernunft seiner Umge= bung auf einen Widerstand }ößt, welcher seinem unbarmherzigen Ver- waltungs=- System zuruft: Bis hierher und uicht weiter! Mehmed Alis Fall is keine Thronentsagung, es is ein Bankerott. Seine Re- gierung, die keinen anderen Zweck hatte, als den öffentlihen Schaß zu füllen, um einen Militair-Bestand zu erhalten, der mit den Kräf- ten des Landes in eben so großem Mißverhältniß stand, als mit dessen Bedürfnissen, diese Regierung briht in si< selbst zusam-

wenn niht günstige seines T treten.

hülfe entschlossen. Aber diese Mäßigung war nicht von langer Dauer, und in neuen Ausbrüchen des Zorns soll der alte Pascha so weit gegangen sein, daß er Zbrahim an Händen und Füßen gebunden nah Kahira zu schi>en und ihn dort gefangen halten zu lassen drohte. Einige Tage ver- gingen unter solhem Schwanken, bis er sih cndlih cinshloß und Nieman- den zu sich ließ, außer seinen Arzt, Gartauni Bey, und seinen ersten Dra- goman, Chosrew Bey, Diesem erklärte er zuerst, daß er sich uach Mekka zurückziehen wolle, und als sie in ihn drangen, von diesem Entschluß zurückzukommen, bat er sie mit Thränen in den Augen, sich zu entfernen, Jbrahim und Said Pascha, seine beiden Söhne und seine vornehmsten Beamten richteten ein Schreiben an ihn, worin sie ihn ihre Ergebenheit versicherten, aber er blieb unerschütterlih, Mit einer Summe von 125,000 Fr. schiffte er si ein und blieb dabei, daß er Allem eutsage, nach Mekka gehen und dort deu Namen Hadschi (d, h. Pilger) annehmen wolle, Sobald die Abreise des Pascha's in Alexandrien bekannt war, stieg die Aufregung aufs Höchste, Die üble Stimmung der muselmännischen Be- völkerung, die Anwesenheit einer Menge von Verbrechern , welche die Ge- fängnisse in die Stadt ausgeströmt hatten, mußten den Europäern Besorg- nisse einflößen, Die Konsuln versammelten sich und richteten eine Kollektiv- Note an Zbrahim Pascha, in welcher sie ihn ersuchen, ihnen kundzuthun, ob er die nöthigen Maßregeln zur Ausrechthaltung der Ordnung getroffen habe, Bei Abgang der lehten Nachrichten hatte Jbrahim Pascha noch keine Antwort ertheilt; aber so lange er in der Stadt blieb, war keine Unord- nung zu fürchten,“

Der Commerce betrachtet den Wechsel der Dinge in Aegyp- ten mit großer Ruhe und glaubt nicht, daß diese Begebenheit einen bedeutenden Einfluß auf die Verhältnisse Aegyptens und auf den Gang seiner Angelegenheiten ausüben werde.

„Der Sohn Mehmed Ali's““, sagt dies Blatt, „Jbrahim Pascha, ist lein junger Mann mehr; für ihn i| das Alter des Ehrgeizes vorüber, Er hat gesehen, daß er das großartige Ziel uicht erreichen kann, welchem er nahe war, als er nah der Eroberung Syriens und Klein-Asiens zu Koniah erklärte, daß er die Gränzen seines Reiches da ziehen werde, wo die arabische Sprache aushöre, die Volkssprache zu sein, Er wird si<h nun begnügen, seine Auterität über Aegypten zu befestigen, Seit lauger Zeit schon theilte

er mit seinem Vater die Verwaltung díeses Landes und die Sox-

men, weil ihre Hülfsquellen bis auf den leßten Tropfen erschöpft sind, und weil ihre Werkzeuge ihr den Dienst im leeren Raume ver- sagen. Die hohen Beamten des Staats, Jbrahim Pascha an ihrer Spibe, haben in dem gränzenlosen Eleude des Landes und in der furchtbaren moralischen Zerrüttung der Verwaltung endlich den Muth gefunden, gegen die Fortseßung des Systems der Monopole, gegen die Gortseßung der allgemeinen Ausbeutung des ganzen Volkes zum Bortheile eines Hirngespinnstes, zu protestiren. Daß dieser unerhörte Sqhritt einen tiefen und erschiüitternden Eindru> auf den alten Vice- König machen mußte, begreift man ohne Mühe, wenn man si die Gewohnheiten des s{hweigenden Gehorsams und der willenlosen Un- terwürfigkeit vergegenwärtigt, die Mehmed Ali um sih her geschaffen hatte. Zu stolz oder zu einseitig, um den Vorstellungen seiner Söhne und seiner Minister nahzugeben, und nicht roh und grausam genug, um jenen unerwarteten Widerstand in derselben Weise zu beseitigen, in der er einst die Opposition der Mamelu>en brach, entschließt sich der Vice-König, von dem Throne zu steigen, den er niht ohne Ju- fonsequenz vder ohne Barbarei länger behaupten kaun. So wenig- stens stellt sih der Charakter der Abdankung Mehmed Ali's nah den bis jeßt vorliegenden, aber allerdings unvollständigen Nachrichten dar. Der Vice-König von Aegypten is nicht das Opfer der europäischen Diplomatie, sondern er leidet nur die Strafe der eigenen Fehlgriffe, welche er bei dem Aufbau des Staats - Systems begangen hat, das durch seine äußerliche Regelmäßigkeit shwache Augen eine Zeit lang bestehen fonnte, das aber von Anfang an inwendig faul und morsh war, wie jeßt, da es ohne allen äußeren Stoß in si selbst zusam- mensinkt, auch der Befangenste einsehen wird.

x Paris, 16. Aug. Es unterliegt kaum einem Zweifel mehr, daß auch die spanische Regierung den zwischen Frankreich und Marokko nun ausgebrochenen Krieg benußen wird, um ihrerseits die Feindselig- keiten gegen Marokko beginnen zu lassen, Ein Tagesbefehl, den der General Villalonga an die zu Algesiras versammelten, nah Afrika bestimmten Truppen am 29. Juli gerichtet hat, deutet hon darauf hin. Sehr bemerkenswerth, ja bedeutungsvoll is die Sprache, welche heut der ministerielle Globe führt, der befauntlih als das vertraute Organ des Herrn Guizot gilt, Er bespricht die delikate Frage, ob An- lässe vorhanden seien, die eines Tages zu einem Kriege zwischen Eng- land und Frankreich führen könnten, und beantwortet sie bejahend, worauf er die folgende sehr bezeichnende Aeußerung thut : „Nehmen wir z. B. an, Frankreich fände sih durch die Ereignisse dahin geführt, Tanger zu besetzen, eine Besißnahme, die jeßt seiner Absicht und seinen wahren Juter= essen fern ist, so ist es gewiß, daß Gibraltar zur Nichtigkeit herab- gebracht und die Stellung der Engländer im Mittelmeere bedeutend herabgekommen sein würde. Eintretenden Falles würde also ein ernst- licher, beträchtliher Anlaß zu enem Kriege zwischen den beiden Völ= kern vorhanden sein, und wie sehr wir auch dieses traurige Aeußerste beklagen würden, so würden wir döch begreifen, daß es sih \{<werli umgehen ließe. Heinrich IV. sagte, Paris ist wohl eine Messe werth das Mittelmeer ist siherlih eines Krieges werth.“ Das Blatt fügt dann bei, daß wegen des Vorfalles mit Pritchard auf Otaheiti einen Krieg anzufangen, für beide Nationen eine Ungereimtheit wäre. Aber die angeführte Stelle verdient sicherlih die allgemeinste Aufmerksam= feit, die sie namentli in England auch finden wird.

Großbritanien und Irland.

Loudou, 15. Aug. Se. Königl. Hoheit der Prinz von Preu- ßen hat sich heute Morgen in Begleitung des uri, Dit ns Windsor begeben, von wo aus derselbe die verwittwete Königin in Bushy Park und die übrigen Mitglieder der Königlichen Familie in OeN besuchen wird. _Vebermorgen findet zu Ehren Sr. Königlichen pati ein großes Díner im preußischen Gesandtschafts - Hotel statt, welchem der Herzog und die Herzogin von Cambridge, die Herzogin

vou Gloucéestér, der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin von Med>- lenbuürg-Streliß beiwohnen werden.

Jhre Majestät die Königin is bereits auf dem Wege der Bes= serung so weit vorgeschrikten, daß keine Bülletins mehr ausgegeben werden.

Viscount Palmerston hat mit seiner Gemahlin gestern London drn und sich in Dover nah Ostende eingeschist, Er begiebt sich ins Bad nah Jcl. E

Jn De R Versammlung der londoner Missions-Gesellschaft, welcher unter Anderen auch Herr Pritchard beiwohnte, gaben die Ver- handlungen in Betreff der otaheitischen Angelegenheiten zu manmg- fahen Aeußerungen lebhafter Entrüstung über das Verfahren der Franzosen Veranlassung. Der Präsident der Gesellschaft, Herr Fre- deri> Smith, rekapitulirte den Ursprung und Verlauf der lebten Er-= eignisse auf Otaheiti und war sihtli<h bemüht, die ganze Sache als einen Kamyf der Interessen des Katholizismus gegen die Verbreitung des protestantishen Glaubens auf den Jnseln der Südsee darzustellen, „Vor 4 oder 5 Jahren““, sagte er, „suchten einige französische Jesui= ten sich auf Otaheiti festzuseßen. Die Königin hatte ihnen die Lan- dung verweigert, welche sie durch eine List bewerkstelligten. Ihr Zwe> war, die Einfachheit des Evangeliums zu vernichten. Die Königin übte ihr Recht aus und verwies sie von der Jusel; sie eutfernten si, aber nicht ein Haar ihres Hauptes wurde verleßt. Jür diese angebliche Belei= digung verlangten die Franzosen eine Entschädigung von 2000 Doll, welhe von einigen Freunden der Königin aufgebraht und ihnen be- zahlt wurden. Bald darauf aber kehrten die Franzosen zurück und verlangten 10,009 Dollarsz diese Summe konnte man unmöglich auf der Jnsel zusammenbringen. (Nach den früheren französischen Berich- ten wurde diese Summe als Entschädigung für die Benachtheiligun- gen gefordert, welche französishe Wallsishsänger erlitten hatten.) Die bei Gelegenheit der ersten Forderung gestellte Alternative bestand in dem Bombardement der Hauptstadt der Insel; bei der zweiten ¿For- derung war sie das Protektorat Frankreichs, Die Zustimmung der Königin zu dem Protektorat wurde durch List erlangt. Nachdem sie einmal Shußherren geworden waren, erklärten sih die Franzosen sehr bald für Souveraine der Jnsel ; die Königin wurde abgeseßt, und suchte eine Zuflucht an Bord eines englishen Kriegsschisses, Seitdem sind die Arbeiten der Missionaire unterbrochen, und ihre persönliche Frei- heit is beeinträhtigt worden; waren sie am Lande, so durften sie die Insel nicht verlassen, und befanden sie si< zu Sthiffe, so durften sie nicht das Land betreten,“ Hieran knüpfte Herr Smith die Er- flärung, daß Lord Aberdeen kürzlih im Oberhause die Sache nicht rihtig beurtheilt habe, indem er (der Minister) jeden Grund zur Be- schwerde über das Verfahren der Franzosen in Abrede stellte. Der edle Lord, sagte Herr Smith, habe die ihm von der Missions-Gesell- haft zugesandten neuesten Berichte aus Otaheiti unbeachtet gelassen und nur dén Zustand der Dinge, wie er vor einem Jahre vorlag, im Auge behalten. Der folgende Redner, Herr Freeman, stattete einen sehr ausführlichen, bis auf die Anfänge der Missions-Arbeiten in Otaheiti im Jahre 1797 zurückgehenden Bericht ab, worauf Yr. Hamilton von Leeds sehr lebhaft si< gegen die Umtriebe der Franzosen aus- sprach, und das Protektorat Frankreichs bei den friedlichen und Jeder- mann freundschaftlichen Gesinnungen der Otaheitier und ihrer Königin als durchaus zwe>klos und überflüssig darstellte, Das Protektorat habe deshalb feinen anderen Charakter haben fönnen, als solchen Schuß zu ge- währen, wie ihn die Taube vom Geier, das Lamm vom Wolf er- fährt. Dr. Hamilton behauptete gleichfalls, die Frage sei jeßt auf Otaheiti: „Papstthum oder kein Papstthum?““ und forderte zu energi- hem Widerstande dagegen auf. Noch stärker äußerte si< Herr G, Smith, welcher erklärte, der Protestantismus sei von neuem berufen, das blutige Banner des Kreuzes zu erheben mit dem Feld- geshrei: „Mit Rom kein Friede!‘ „Das Pabstthum“‘, äußerte

der Morrison, „hat seine Grundsäße mit Hülfe der Ge- {hüße zu verbreiten gesucht, wir aber _wollen „mit unseren Bibeln entgegentreten und unser wird der Sieg sein.“ Aeuße=-

rungen des Tadels über die „schwache Politik der Regierung, gegen über der ränkfesüchtigen des französischen Kabinets“, so wie Lobrs- Erhebungen der britishen See-Offiziere in der Südsee und des Konsul Pritchard, füllten die Reden der übrigen Herren, Nachdem mehrere Resolutionen angenommen waren, welche die Theilnahme der Versamm- lung an dem Unglück der Königin Pomareh und den Dank für die Bemühungen der in der Südsee stationirten britischen Offiziere aus- drückten, wurde noch eine Adresse an Ihre Majestät die Königin Victoria beschlossen, worin um Schuß für die protestantischen Jnteressen auf Ota- heiti gebeten wird. Herr Pritchard, der zum Sprecheu aufgefordert wurde, ließ durch den Secretair der Gesellschaft, Herrn Freeman, erklären, daß sein Verhältniß als Diener der Krone und Untergebener des Ministers der auswärtigen Augelegenheiten, so wie die Besorgniß, die hon bestehende Aufregung zu vermehren, ihm das Reden ver- biete. Die Versammlung trennte si hierauf. E Ju der vorgestrigen Versammlung der Repeal = Association in Dublin stattete der jüngste Sohn O'Connell's_ seinen Wochenbericht über das Befinden seines Vaters im Gefängnisse ab und benußte die Gelegenheit zu der Mittheilung, daß sein Vater sich sehr ungehalten gezeigt habe über die lebte von Herrn Sheil im Unterhause gehaltene Rede, in welcher derselbe bekanntlich die Nothwendigkeit der Begnadi- gung O'Connell's den Ministern dringend ans Herz gelegt hat, D'Con= nell erklärt dur< den Mund seines Sohnes, daß er von keinem Kom- promiß, unter welcher Gestalt er sih auch zeige, etwas wissen wolle, und desavouirt die Aeußerungen Sheil?s auf das bestimmteste. Jm Verlaufe der vorgestrigen Sißung der Repeal-Association wurde eine mit weit über eine Million Unterschristen versehene Adresse an die Königin verlesen, in welcher sie, unter sharfem Tadel des gegen O'Connell beobachteten Verfahrens, um Aufhebung der Union er- sucht wird, Die ostindische Compagnie gab gestern im Jndia House den aus Jndien zurü>gekehrten Generalen Sir R, Sale und Sir W. Nott ein glänzendes Festmahl,

Dänemark. Kopenhagen, 15. Aug. (Hamb. Corresp.) Am 15ten d. früh Morgens traf hier das Kaiserlich russische Dampfschiff „Bogatyr“ ein und überbrachte die Trauer - Botschaft, daß Jhre Kaiserl. Hoheit die Großfürstin Alexandra von Rußland, vermählte Prinzessin Friedrich von Hessen, am Sonnabend, den 10ten d., am frühen Vormittage, in den Armen ihres Gemahls und ihrer Kaiserlichen Aeltern sanft und ruhig verschieden is. Die Großfürstin war am 25, Juni 1825 ge boren und vermählt am 28. Januar 1844. Die in dem zarten Alter von 19 Jahren zum ewigen Frieden abberufene Großfürstin Alexandra war dur< Herzenögüte und Geistesmilde wie dur< körperliche Schönheit gieih sehr ausgezeihnet. Der erlauchten Verstorbenen war das bei ihrem hohen Range seltene Glü> zu Theil ge- werden, an der Seite eines auf das innigste geliebten und liebenden Gemahls in die Ehe überzutreten, nahdem ihre Jugend von der hin- gebendsten Liebe ihrer Eltern begleitet gewesen. Den eingetroffenen Nachrichten zufolge, is dië ganze Kaiserl. Familie von diesem Trauer= fall auf das s{merzli<ste betroffen, insbesondere soll sih der erlauchte Gemahl der Verstorbenen dem leidenschaftlihsten Schmerze hingeben, und soll es herzzerreißend sein, Zeuge der Leiden des Kaisers zu sein.

1279 stattfinden und is die Abreise des Prinzen Friedri< von Hessen auf

den 18ten d. festgeseßt. Der „Bogatyr““ geht morgen nah St. Pe- wcéébura i E icht wird die verwittwete Großherzogin von Me>lenburg- Schwerin U di Herzogin Louise si< auf demselben Deutschland wieder einschiffen, i

ms Brie us Westindien melden, daß unter den Pflanzern sich allgemein ein Verlangen nah einer Kommunal-Verfassung ausspreche, um selbs über Einnahmen und Ausgaben der Kommunen berathen zu fönnen, Der General - Gouverneur hingegen soll wünschen, daß der Bürger - Rath ganz eingehen möge, und daß nur, wenn in der westindischen Regierung etwas die Kommunen Betreffendes abgemacht werde, einige Pflanzer hinzugezogen würden.

Italien.

i 6. Aug. Es hat an unserem Hofe niht wenig Be- U prag ord daß E Kabinet der Tuilerieen, nahdem es den am 28, August v. J. mit unserer Regierung abgeschlossenen Handelsver= trag am 27. des nächstfolgenden Septembers ratifizirt hatte, vor furzem den Antrag machte, die Dauer jenes Vertrags von 6 auf 4 Jahre zu reduziren. Herr Guizot beruft si dabei auf den uner- warteten Widerstand, welhen der Vertrag vou Seiten der betresfen- den Kommission in der Deputirten-Kammer gefunden habe, ohne de- ren Zustimmung zwei Bestimmungen des Vertrags nicht in Ausfüh- rung geseßt werden können, Die erste bezieht sich auf die Vermin derung des Einfuhrzolles des sardinischen Schlachtviehes, die andere auf die Begünstigung, welche sardinische Fahrzeuge in den frauzösi- hen Häfen genießen sollen.

Nom, 8. Aug. Bis jeßt hatte man vielfa das Hierbleiben des russishen Gesandten, Geheimen Raths von Buteniew, als ein sehr ungewisses dargestellt, und es sogar unvereinbar mit seiner ho- hen Stellung gefunden, daß er hier in einem Gasthofe wohne; jeßt aber hat dieser Diplomat den Palast Giustiniani auf 6 Jahre ge= miethet. Darf man hiervon auf den Stand der russisch = kirchlichen Angelegenheiten mit dem heiligen Stuhle schließen, so hat in leßterer Zeit cine Annäherung stattgefunden.

Saiten.

(Courr. franc.) Es herrscht hier große Vorgestern kam der General Villalonga hier an und is heut nah Algesiras zurückgekehrt. Man sagt, er dringe auf Verstärkung der Expeditions- Truppen. Es besindet sich hier ein Jngenieur-Oberst, der einen Telegraphen zur Verbindung mit Algesiras anlegen soll; man glaubt jedoch, derselbe werde nicht viel nübßen, da uns den größten Theil des Jahres hindur die spanische Küste dur<h Nebel verded>t ist.

Der General Villalonga hat in einem Tages = Befehl angezeigt,

daß er das Kommando des Expeditions - Corps übernommen habe;

es besteht dies Corps aus dem 1steu, 2ten und 3ten Bataillon von

Albuera, dem Garnisou-Regiment von Ceuta, dem Provinzial-Regi=

ment von Ceuta, der Shwadron Kavallerie von Ceuta, einer Ma=

rine-Compagnie und einer Artillerie-Brigade.

& Madrid, 10. Aug. Abends 7 Uhr, Vor einer halben Stunde traf ein von Cadix kommender Courier bei der französischen Botschaft und gleih darauf ein anderer bei der englischen Gesandt- schast ein. Beide überbrachten, \o viel ih erfahren kann, die Nach- riht, daß der Prinz vou Joinville, troß der dur<h den englischen General = Konsul von Marokfo überbrachten friedlichen Zusicherungen, am 6ten, nachdem ein Dampfschiff von Toulon mit Depeschen an ihn angelangt war, Tanger bombardirte und darauf in Besiß nahm. (*) Diese Couriere werden in diesem Augenbli>ke nah Paris und London befördert, (Vergl. die gestern unter Frankreih gegebene Depesche des Prinzen von Joinville.)

Gerade heute enthält die hiesige Gaceta in ihrem amtlichen Theile folgenden Artikel: „Der spanishe Konsul in Gibraltar theilt unter dem 5ten, Nachmittags 5; Uhr, die erfreuliche Nachricht mit, daß die zwischen Spanien und Frankreich einerscits und Marokko an- dererseits obs{<webenden Fragen vermittelst der dur den englischen Agenten, Herrn Hay, abgeschlossenen Unterhandlungen vollständig und auf genügende Weise (delinilive y satisfactoriamenle) erledigt worden sind, ““

Ceuta, 3. Aug. Ungewißheit und Besorgniß.

Tr

Konstautiuopel, 27, Juli. *) (J. d. Déb,) Das zu Mossul von den Dominikanern begründete Kloster war unzureichend geworden für die gegenwärtige Zahl der Missionaire, man wünschte es daher zu erweitern; da aber das türkishe Geseß den Europäern den Kauf von Jmmobilien nicht gestattet, so kaufte der Dragoman des französishen Konsuls, ein Unterthan der Pforte, von einem Mu- felmann ein benachbartes Haus, welches die geistlichen Brüder aus- bessern ließen. Der Ankauf war am 6, April geschehen; fast drei Monate lang wurde kein Einwand dagegen erhoben. Am 25, Juni aber erhielt der französische Konsul die Nachricht, daß der Kadi, auf Verlangen der Ulemas, gegen den Ankauf eines türkischen Hauses von Seiten eines Christen reflamire und die Fortseßung der neuen Bauten verhindern wolle, unter dem Vorwande, die Christen bauten eine Veste, um die Stadt zu beherrshen. Der französische Konsul, Herr Botta, willigte anfangs, von versöhnlichem Geiste beseelt, in eine augenbli>liche Einstellung der Arbeiten, aber am Morgen des 2/sten drangen au tausend Judividuen auf das Haus ein. Der Konsul eilte au Ort und Stelle, wo seinerseits au<h der Pascha mit etwa 40 Soldaten anlangte. Vor diesem Volkshaufen wiederholten die Mol- lahs ihre Beschuldigungen gegen den Konsul und die Missionaire und erregten den Fanatismus der Menge. Als Herr Botta aus sei= nem Hause trat, wurde er von mehreren Individuen geshlagen;z man zerriß ihm seine Kleider und verwundete ihn mit einem Stein an der Hand, Herr von Sartiges, einer der Attahé?s der französischen Gesandtschaft zu Konstantinopel, ber si< gerade n Mossul befand, wurde ebenfalls in diese gewaltthätigen Auftritte verwickelt, Sein Dragoman , Herr Vidal, der die Menge zu beruhigen suchte, erhielt eine Verleßung am Arm und ward nur mit Mühe der Volfs wuth entrissen. Dies Alles geshah im Angesicht des Pascha's, den selbst mehrere der gegen den Konsul gerihteten Steine trafen, Der Superior des Klosters, Pater Valezza, wurde, als er sih in das Konsulat flüchten wollte, von einem Dolchstoß verwundet, so daß man einige Tage an seinem Auffommen zweifelte, und mehrere Leute aus dem Konsulat und dem Kloster erhielten ebenfalls Verleßungen. Unter= dessen hatte sih der Pöbel auch gegen das Kloster gewendet und es der Plünderung preisgegeben, Auf Gesuch der Konsuln begab sich der Kadi an Ort und Stelle, aber er kam zu \pät, {on war Alles verwüstet, Altar, Gemälde und heilige Gefäße entweder zerstört oder geraubt, alle Gemächer des Klosters, in die der Pöbel hatte gelangen können, ebenfalls verheert. Die Missionaire fanden im Hause des Konsuls eine Zufluht. Sobald der Kadi auf dem Plaß erschien, wurde die Ordnung leicht hergestellt, aber das Uebel war geschehen. Als Herr von Bourqueney den Bericht des französischen Konsuls zu Mossul

*) Obgleich dieser Vorfälle hon aus einer anderen Quelle in Nr, 222 dieser Zeitung erwähnt is, so wird es do< nicht uninteressant sein, den näheren Verlauf derselben und das Resultat au<h nach den französischen

Die Beisebung der hohen Verstorbenen wird Donnexstag den 15ten d,

Darstellungen zu vernehmen,

über diese Verleßung des Völkerrechts erhalten hatte, deren Bestra= fung um so nöthiger war, da ein Theil der muselmännischen Behör= den si<, wo niht aufmunternd, so doch R dabei verhalten zu haben schienen, forderte der Gesandte eine Konferenz mit Rifaat Pascha, dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten. Nach sieben= stündiger Verhandlung schrieb der französishe Gesandte unter der Form eines Ultimatums folgende Bedingungen vor, indem er 48 Stunden Frist zu ihrer ungeshmälerten Annahme gestattete. Er verlangte: 1) daß, falls der Pater Valezza seiner Wunde unterläge, sein Mörder hingerihtet, wenn derselbe aber am Leben bliebe, die Todesstrafe in die nächsts<hwere Strafe des Pönal- Geseßes verwandelt würdez 2) daß die, welhe den Aufruhr augestif- tet, und die, welhe den Konsul oder seine Leute verwundet, öffentlich die Bastonnade erhalten und die Heilungskosten für die Verwundeten zu bezahlen haben sollten; 3) daß dem verwundeten Missionair eine Entschädigung bewilligt werde; 4) daß die Efendis und Ulemas si zum Kensul begäben, um ihm ihr Bedauern über den seiner Person zugefügten Schimpf auszudrü>en; 5) daß der Pascha ein Gleiches thue; 6) daß der Kadi und das Oberhaupt der Ulemas sogleich nach Konstantinopel berufen würden, um hier vor Gericht gestellt und be- straft zu werden; 7) daß das Kloster der Dominifaner wiederherge- stellt und die Brüder für ihre Verluste entshädigt würden. Jn den zwei Tagen, welche auf die am 18ten geschehene Cinhändigung des Ultimatums folgten, erhielt der französishe Gesandte feine Mitthei- lung. Am 2NBsten ließ Rifaat Pascha um einige Modificationen in dem Ultimatum ersuhen. Herr von Bourqueney verweigerte jedes Zugeständniß und erklärte, daß, wenn er niht unverzüglich Antwort erhalte, er seiner Regierung anzeigen werde, daß er seine Functionen als Gesandter beim Sultan eingestellt habe. Am 24sten that man noch einen Schritt bei dem Gesandten und bot no< mehr Mühe auf, ihn zur Milderung einiger der Bedingungen zu bewegen. Herr von Bourqueney willigte nur in eine neue Frist von 24 Stunden. Da er am 25sten keine befriedigende Antwort erhielt, zeigte er an, daß er am Abend zu einer bestimmten Stunde offiziell die Einstellung sei= ner Functionen bekanntmachen werde. Nun wurde das Conseil zu- sammenberufen, und Nachmittags empfing der Gesandte eine Aut=- wort, in welcher der Divan ihm fkundthat, daß er alle von ihm ge- stellten Bedingungen annehme. Es wurde sogleih ein Courier mit den Justructionen der Regierung nah Mossul gesandt, und- die Re- präsentanten Frankreihs werden die vollständigste Genugthuung er- halten. »

Aeg

v Paris, 16. Aug. Ein Schreiben aus Alexandrien vom 27. Juli giebt höch} interessante nähere Notizen über die Abdankung Mehmed Ali?’s, Er soll diesen Schritt in Folge der Entdeckung ge- than haben, daß sein Sohn Jbrahim Pascha und seine ersten Räthe einen Schlag gegen ihn vorbereitet hätten, um ihn zum Rücktritt zu bestimmen. Das gedachte Schreiben sagt: „Gestern früh stand Se. Hoheit schr früh auf und begab si<h in den Garten Moharrem Bey's, ohne seinen Söhnen, selbs| Jbrahim Pascha und Artim Bey nit, davon Kenntniß zu geben. Kurze Zeit darauf verbreitete sich das Gerücht, Mehmed Ali werde nach Kahira abgehen. Alle hohen Be= amten begaben si<h nah dem Palaste des Pascha, aber Se. Hoheit wollte Niemand, felbst seine Söhne nicht, empfangen. Der Vice= König kündigte seinen Willen an, den ganzen Tag allein zu bleiben. Er schien gegen irgend Jemand höchst ergrimmt zu sein, man wußte aber nicht, gegen wen, und glaubte nur zu wissen, daß er eine hef- tige Erörterung mit Sami Pascha gehabt. Diesen Morgen hat si Alles aufgeklärt. Seit langer Zeit fanden Berathschlagungen bei JFbrahim statt, worin man die Fragen behandelte, welche sich an die Bedürfnisse und die ernste Lage des Landes knüpfen. Jn der leßten wurde beshlossen, Sr. Hoheit wo möglich begreiflih zu machen, daß scin hohes Alter ihn hindere, die nöthigen Verbesserun= gen zu unternehmen; daß er in dem Augenbli>e, wo er s{< zur Ruhe begeben wolle, {werli< mit hohwihtigen Angelegenheiteu si<h be- fassen könne; daß die Finanzkrise eine ganz ausnehmende Bedeutung erlangt habe; endlih den Vice-König fühlen zu lassen, daß wohl das zwe>mäßigste sein dürfte, abzudauken. Es scheint, daß eine erste Er- öffnung dem Vice-König darüber im Kabinets-Rathe am 23sten Abends gemacht und das große Wort ausgesprochen wurde. Als der Vice-= König fragte, wer die Personen seien, welhe diese Ansicht hegten, hätte man ihm Jbrahim Pascha und seine ersten geheimen Räthe ge= nannt, Ganz bestimmt is, daß Mehmed Ali die Nacht vom 25sten auf den 26sten in einer außerordentlihen Aufregung zugebracht hat.

Am 26sten Morgens stand er dann plößlih auf, um si< in den Garten Moharrem Bey's zu begeben, und befahl dort, daß sein Dampfschiff ihn abholen solle, Mehreremale suchten

seine Söhne um die Erlaubuiß nah, ihn \pre<hen zu dürfen, aber vergebens; auf ihr Audringen erwiederte er endlich, er sei Nichts mehr, er gehe nah dem Hedschas ab, Jun der That ist er_ heute früh um $ Uhr abgereist, wobei eine Barke, mit etwa 50,000 Talaris beladen, ihm ganz in der Nähe folgte. Dieses Geld war Tages zuvor von den Kriegsschiffen zurü>kgenommen worden, wel<he zum Ankauf von Schlachtvieh abzugehen den Auftrag hatten, Außerdem sind no< folgende am meisten beglaubigte Gerüchte in der Stadt verbreitet, Vor fünf oder se<s Monaten waren auf Befehl des Vice - Königs alle Mondirs zu Kahira versammelt worden, um die Ursachen der s{hlimmen Lage der Scheflicks zu erforschen. Alle gaben ausweichende Antworten, welhe dem Vice -König überbracht wurden. Er ließ nun die Scheiks - Belet zusammenkommen, die sih offener darüber aussprachen; sie sagten, wenn eine beträchtlihe Anzahl von Familien die Schefli>s verließen, so geschehe es, weil sie nicht bezahlt würden und Hungers sterben müßten; es herrsche überall Desorgani= sation und es sei auf nichts zu renen. Diese Erklärung wurde dem Vice-König verheimliht. Jn dem Kabinets-Rathe am 23. Juli Abends beklagte er sih dann über die Lage der Schefli>s, und da theilte man ihm denn endlich die von den Scheiks vor fünf oder ses Monaten abge- gebenen Erklärungen mit. Der Pascha gerieth in Wuth darüber, erklärte, es sei ein Verräther in seiner Familie, und er wolle erfahren,

wer der Schuldige sei. Die Nacht darauf brachte er im Harem seiner Familie zu. Beim Aufstehen sagte er: „Jh habe einen Verräther unter den Meinigen, i< bin von aller Welt verlassen, ih habe keine Kinder, keine Beamten mehr, ih will nah dem Hedschas abgehen, man führe mih nah dem Garten Moharrem Bey's!“/ Man kann sih die Unruhe und allgemeine Aufregung der Stadt, besonders des offiziellen Personals, denken, als man diese Gerüchte, diese Details vernahm. Die Generale, wie die Civil-Beamten, eilten zu dem Vice= König, der sie aber gleichfalls zurü>wies, mit der Erklärung, daß auch unter ihnen Verräther seien. Er wollte durchaus von nihts hören, bis man ihm die Häupter des Komplotts ausgeliefert habe. Endlich schrieb der General - Konsul von Frankreih an Artim Bey, um zu erfahren, was er seiner Regierung berihten solle, und ob der Vice-König nah Kahira abgehe oder niht, Artim Bey, der vLergeb= lihe Bemühungen gemacht hatte, um bei dem Pascha zugelassen zu werden, \i>te ein Billet an den jungen Europäer, der Mehmed Ali pflegt, und der davon auf diesem Wege Kenntniß erhielt. Der Vice- König antwortete abermals, er sei Nichts mehr und gehe nah dem Hedschas ab. Während der Nacht gab er daun Befehl, die 200,000 Talaris von den Kriegsschiffen herbeizuschaffen, Wie man sieht, ließ