1912 / 124 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Statistik und Voléswirtschaft. Zur Arbeiterbewegung,

“_ch, Königsberg i. Pr. dauert der Ausstand d i- : M Straßenbahn führer und Schaffner (ar N Lts fiel) nh e ilmeise ne Orektion hält, wie „W. T B.“ S S mit Hilfe O Gee von auswärts herangezogenen Ersat ; me de 118 tagsüber e eschränkten Verkehr auf einigen Linien perso t, Um Betrie oe „und Belästigungen des fahrenden gutes und des A R in den lezten Tagen mehrfach Peso! nen sind, A ird jeder Straßenba nwagen von

eint Budapest beteiligten si, wie W n h 1 S 2 R B," b , von Pon (al. Ne 128 d Â) haden algemelnen Wes S E ens 509%. i Ausf orgenstunden kam es wiederholt zu Zusam +3 ] aeifenden und Arbeitewwilligen cinerseits und Strciteden u ander z ment war v T +2 s zie ei beseyt. Alle Zufahrtstraßen waren E N an Ps eren Wathener Straße kam es zu den ersten größeren Zusammen - ul gen zwischen Polizisten und Streikenden. Die Arbeiter eröffneten 02 einem E a de Loliisten ein p teinbombardement. Die en ad, ein Arbeiter } e Auf, dom Frelgeitöplag Lten ® en wurden : elten i i pel berfahrenden Serte an. Dabei kam es zu Ble tek +08 en ml em i Militär. Me rere Husaren wurden jon e L dem Audsland n arie Straßenbahn, deren e an Ange reikenden angehalten, die Fenf eignen Hatten, wurden von

l enstersheib ü dehei zahlreiche Fahrgäste verwundet. en E O

it Arbeitern auf der äußeren Wai floß a ibaupt ßener Straße wurde x zeihauptmann Jeßenßky dur S der fe féhwer verleßt. Kurz nah 11 Ube S E

op emen Sf s an verschiedenen n zu förmlichen Straßenkämpfen. Die Arbeit eso zahlrei, daß die Polizei ihnen gegenüber nichts e Den

fonnte- Die Arbeiter errichteten mehrere Barr f kaden, zertrümmerten

) ter zahlreiher öffentliher und privater Gebäude. Mi

E je waren n A He a E A auS eid Mittass n ; Ei

Pud N Prei tun N gelamte Bu Quel 2 Garnisonzu mobilisieren.

y Mitternacht fort Forauf Ruhe eintrat. Das aufgebotene Militär überneSitele im Freien und wurde gegen Morgen abgelöst. Die Straßen find gu

Et L fi d militärish besezt. Spät Nachts versuchten Ruhests Pen 0s des Grafen Tisza einzudringen. ao gaben as E 76, wurden jedo zurüdckgeschlagen. Gestern abend hat die sozial- pemofratise Parteileitung einen Aufruf an die organisierte Arbeiter- schaft erlassen, in dem diese aufgefordert wurde, den Ausstand zu Heenden und die Arbeit heute früh wieder aufzunehmen. Im ganzen haben 50 000 Arbeiter, ungefähr die Hälfte sämtlicher Fabrikarbeiter n dem Ausstand teilgenommen. Zweihundert Personen wurden: gestem auf die Polizei gebraht, 31 von ihnen in Haft genommen. Die polizeilihe Liste verzeihnet 6 Tote nd 160 Verwundete, unter diesen 100 Schwerverwundete. ga vielen Stellen wurde mit großer Erbitterung gekämpft. Die Menge griff die Soldaten an und versuchte, ibnen die Bajonette zu entreißen. Vielfach wurden aus den Fenstern Nevolverschüsse auf die olizet abgefeuert. In der Toekoelystraße gelang es den Ruhe- tre e Gasleitung zu zerstören, sodaß die Straße in Finsternis chi ar. 4 Aus London wird dem „W. T. B.“ telegraphiert, daß der Transportarbeiterverband beschlossen hát, den allgemeinen Ausstand zu verkünden (vgl. Nr. 123 d. Bl.). Der General- sekretär des Transportarbeikerverbandes Anderson hat eine Anfrage über die Ausdehnung bes Ausftands dahin beantwortet, daß zunächst alle Transportarbeiter in Loudon die Arbeit einzu- tellen haben. Nötigenfalls wird der allgemeine Ausstand später auf das ganze Land ausgedehnt werden. -Im Hafen von London hat sih der Ausstand noch nicht völlig ntwidelt, da die Losung ausgegeben worden ist, daß die Arbeiter thre vertraglicen Verpflichtungen erfüllen und erst nah 24 stündiger Kündigung in den Ausstand eintreten sollen. Die Angaben über die Zahl der Aus- ständigen s{wanken zwischen 80 000 und 140 000. Die Forderungen der Arbeiter sind: 1) Von den organtsierten Arbeitern soll nicht verlangt werden, daß sie mit nichtorganisierten zusammenarbeiten. 2) Im fen von London sollen innerhalb der verschiedenen Arbeiter- fategorien durchweg gleiche Löhne gezahlt werden. Zur Grundlage ieser Löhne sollen die höchsten Säße genommen werden, die gegen- wärtig gezahlt werden. Außerdem wird Beschwerde darüber ge- führt, daß die Arbeitgeber das Abkommen, das den großen ustand im leßten Sommer “verhinderte, in mehreren Punkten nit eingehalten hätten. Die Londoner Lebens- ittelmärkte find durch den Ausstand übérra\cht worden und haben baher weniger Vorräte als im vorigen Sommer. 150 Schiffe, die zum Teil Lebensmittel verschiedenster Art führen, können ihre % dungen nicht löschen. Auf dem Fleishmarkte von Smithfield find 8 Preise hon gestern gesttegen, und. andere Märkte kündigen Preis- ‘erhôhungen an,

Kunst und Wissenschaft.

Königliche Akademie der Wissenschaften hielt Di ea ne dem Vorsiß ihres Sekretars Herrn NRoethe E Gesamtsißung, in der Herr F. E. Schulze über „Die Er- S hungen auf der Lippen- und Wangenschleimhaut der Siu getiere" (1. Ruminantia) las. Nicht bet allen Säugetieren ist i Snnenfläche der Lippen und Wangen fo „gleichmäßig glait wie es Menschen. Besonders reihlich treten papillenförmige Erhebungen be der Lippen- und Wangenschleimhaut der Wiederkäuer auf. ie mit \pißer apikaler Hornkappe versehenen He welche bei {nigen Tieren, wie z. B. der Giraffe, bis 2 ecm hoch werden, sind h rückwärts gebogen und bilden an der Innenflähe jeder Wange M S horizontale, der Kauspalte entsprehende Furche, sulcus C ecalis, in welcher der zu kauende Bissen geformt und von außen “ichen die Mahlzähne gedrängt wird. Herr Kuno Meyer le eine Mitteilung vor: „Ein mittelirisches Gedicht auf Brendan M Meerfahrer“. Das bisher ungedruckte Gedicht wird hier mit P bersehUng herausgegeben und der Versu gemacht, ihm seine Stellung innerhalb der Brendansage zuzuweisen. Aus sprachlichen Gründen ist es in das 11. Jahrhundert zu seßen, soda es als das *steste auf uns gekommene Denkmal der Sage in einer Bul ärsprache L hezeihnen ist. Herr Koser erstattete den Jahresbericht Mer die Herausgabe der Monumenta Germaniae historica. gelegt wurden drei neu erschienene Bände akademischer Unter- rehmungen: die Ueferungen 30 und 32 des „Tierreih“, enthaltend ate Evaniidae, bearb. von I. I. Kieffer, und die Desmomyaria, Die h. von I. E. W. Ihle, und der Neudruck des 2. Bandes von ear gesammelten Schriften, sämtli Berlin 1912; von dén Monu- is Germaniae historica Tom. 6, Pars 2, Fasc. 1 der Abteilung las Berolini 1912, und endlih Vol. T, Année 1910 der E annuelles de constantes et données numériques de Lan e, de physique et de. technologie, zu dessen Bearbeitung die Afademte eine Ünterstüßung gewährt hat.

Wohlfahrtspflege.

‘Neichstagsgebäude hatten fich auf Anregung des Stlesischen

d; E erbandes am 21..d. M. Vertreter zahlreider Organisationen Min "Kinderschußes, der Jugendfürsorge und sonstiger Wohlfahrts- Lostrebungen versammelt, um über den Ausbau des Kinderschußes

F

und die nähere Verbindung ter auf diesem Gebiete a:beitenden

ereine zu beraten. n einer im engeren Kreise unter Borsiß von Professor Albrecht (Zentralstelle für Volkswohl- fahrt) abgehaltenen Vorbesprebung war die Gründung eines losen Vereinsbundes, nicht einer Sonderzentrale, bes{lossen und für die Durchführung der weiteren Maßnahmen ein engerer Arbeitsaus\{uß bestellt worden. Die Hauptversammlung wurde an Stelle des im leßten Augenblicke verhinderten Staatsministers a. D. von Moeller, von dem Wirklichen Geheimen Rate Dr. Thiel, stellvertr. Vorsitzenden der Zentralstelle für Volkswohlfahrt, geleitet. An ihr nahmen Ver- treter der Ministerien des Innern, der Justiz und der Unterrichts- angelegenheiten fowie des Kammergerichts teil. “Die stellver- tretende Vorsißende des Sihlesischen Kindershußverbandes, Frau Johanna Kißling-Breslau, gab einen kurzen Ueberblick über die

tele der Tagung, Fräulein Fle ck, eine seit mehreren Jahren in der praktischen Kinderschußarbeit stehende Berufsarbeiterin, betonte zunächst die hohe Bedeutung des Kinderschußes. Er müsse mehr als bisher eine Aufgabe des ganzen Volkes werden. Er verhindere die

„Verwahrlosung, helfe die als leßtes Mittel" gedahte Fürforge-

erziehung auf die wirklich unvermeidlichen Fälle beshränken und die jeßt s{on über 11 Millionen Mark jährli allein in reußen im Etat dafür ausgegebenen Geldopfer verringern. Durch systematische öffentliche Unterstüßung der freiwilligen Liebestätigkeit aus den hierbei erzielten Ersparnissen würde zweifellos viel für die gefährdete Jugend erreiht werden könuen. Es könne au rechtzeitiger etngegriffen werden und an der Gesundung der Familien, die als die Grundlagen des Volkes und Staates zu stärken seten, wirksam gearbeitet werden. Voraussetzung für diese Mitwirkung der praktischen Kinderschußvereine sei nun aller- dings, daß sie selbst ihre Organisation ausbauen, ihre Methoden ver- bessern und für die praktische Arbeit geschulte Kräfte bestellen. Sie müßten ih mit den der sonstigen Jugendfürsorge und der allgemeinen Woblfahrtspflege am Orte dienenden Vereinen zu einer Art Zweck- verbänden unter Mitwirkung der öffentliGen Stellen zusammen- ließen. Zur regelmäßigen Aussprahe, zur Förderung der Werbe- lätigleit in Stadt und Land und zur Ausfüllung vorhandener Lücken sind Provinzialverbände zu bilden, die {ließli ihre Krönung in einem zentralen Zusammenshluß aller Organisationen für das Land finden müßten. Die Referentin betonte ausdrüdlih, daß ihre Vorschläge nur Richtlinien für die weitere Ent- wicklung sein könnten, nicht aber fertige Pläne für die Arbeit. In der ausführlihen und teilweise ret lebhaft gehaltenen Aussprache wurde die vom Sthlesischen Kindershußverbande gegebene Anregung mit Dank begrüßt, ebenso wurden die Grundgedanken der Referentin als zutreffen ezeichnet und eine bessere Organisation der frei- willigen Hilfsarbeit gefordert. Die Een Reformen seien allerdings noch lange nit \pruchreif und dürften noch eingehender Vorberatungen. Dagegen wurde insbesondere von der Vertreterin einer großen Fürsorgevereinigung die Notwendigkeit eines besseren Zusammenschlusses der privaten Organisätion nahdrücklih betont, namentlich zur Vertretung ihrer Interessen in der Oeffentlichkeit, ¿3 B. auf den Tagungen des en Vereins für “Armen- pflege und Wohltätigkeit, zur Vor uns gesetzlicher Mafß- nahmen und zur ständigen gegenseitigen Anregung. Allgemein wurde die ja auch von ‘den einladenden Stellen geteilte Anschauung vertreten, daß ein neuer Verband unter feinen Um- ständen zu begründen sei. Dagegen versprah man fh von der seitens des Arbeitsaus\husses vorzubereitenden Aussprache einen Fort- schritt hinsichtlich des engeren Zufammenschlusses der beteiligten Organisationen. Keine Einigkeit konnte dagegen über die zurzeit not- wendigen geseßlißen Maßnahmen erzielt werden, " insbesondere über den dem reußischen Abgeordnetenhause vorliegenden Antrag S{hmedding, betr. Aenderung des Fürsorgeerziehung8gesetzes. Jeden- falls wurde von einem Beschlusse hierüber abgesehen.

Technik,

A. F. Die 317. Versammlung des Berliner Vereins für Luft\chiffahrt, unter t R von Geheimrat, Professor Dr. Miethe, brachte zunächst die erfreuliche Nachricht, daß Seine Königliche Hoheit der Prinz Heinri von Preußen das Protektorat für den Ende August vom Verein zu veranstaltenden zweitä igen Rund- flug um Berlin übernommen hat. Einstimmig wurde auf Vorschlag des Vorstands für diesen Zweck eine Spende von 1000 4 aus den Mitteln des Vereins beschlossen. Neu aufgenommen wurden 26 Mitglieder.

Den von Lichtbildern begleiteten Vortrag des Abends biel Dr. Flemming über das Thema g des Abends hielt Stabsarzt

C : «Wirkung des Höhen klimas im Freiballon auf den Menschen“: ES eiten erinnerte der

Redner daran, daß fast 9 Jahre verflossen sind, seit im Verein {on einmal die Wirkung des Höhenklimas im reiballon auf A Menschen erörtert wurde. Es {tand damals die Frage im Vordergrunde des Interesses , in welhe Höhen man wohl ohne und mit Éünstlichem Sauerstoff “vordringen könne. Diese Frage forderte eine gründlihe Prüfung, seitdem kurz vorher die Herren Berson und Süring troß Sauerstoffeinatmung zwar lebend 10 800 m erreicht hatten, aber nur mit knapper Not nah 2 stündiger Ohnmacht dem Schicksal entgangen waren, das 1875 bei 8000 m Höhe und gleihfalls troß Sauerstoffeinatmung die Luftschiffer Sivel und Croce Spinelli betroffen hatte. Berechtigte Zweifel an der Sauerstofftheorie waren die sehr verständlihe Folge dieser Er- fahrungen, und es taußte die Frage auf, ob nicht etwa andere Ursachen als der Sauerstoffmangel, z. B, Kohlenjäuremangel im Blut, in ursählihem Zusammenhange mit der Höhbenerkrankung ständen. Dieser Meinung wurde indessen alsbald dur hervorragende Be- obachter, wie Zunß und von Schroetter, widersproden, die als Ursache sowohl der Ohnmatten wie der Todesfälle lediglih die ungenügende Sauerstoffzufuhr und in beiden Fällen die Benußung nit reinen Sauerstoffes bezeihneten. Denn Berson und Süring hatten zwar durch einen in den Mund genommenen Schlauch unvermischten Sauerstoff eingeatmet, jedo dabei die Nase nit a ges{lossen, sodaß sie tatsächlich ein Gasgemisc einatmeten, das etwa zur Hälfte aus Sauerstoff, zur andern Hälfte aus Luft von einer Viertelatmosphäre Dru bestand. Das Sauerstoffbedürfnis der Lunge war also zweifellos nicht gedeckt worden, zumal in der Luft der Sauerstoff im Verhältnis der Druck- verminderung abnimmt und die Sauerstoffspannung in der Lunge selbst infolge Anwesenheit von Kohlensäure und Wasser- dampf noch e liegt. Zur Vermeidung derartiger Ereignisse empfahl deshalb von Sthroetter die Benußung einer Mund und Nase umfassenden Maske zur Einatmung. (Professor Berson lehnt dies Auékunftsmittel freilich ab. Na ihm genügen Schlauchleitungen zum Munde, und er sieht von beengenden, die Be- haglihkeit und N, keit mit den Korbgenossen min- dernden Gesichtsmasken ab.) Tatsächlich ist bisher von der Schroetterschen Gmpfehlung wenig Gebrauch gemacht worden, und es sind auch heute noch von einer bekannten Firma auf den Markt gebrachte Sauer- stoffapparate mit Mundatmung allein im Gebrauch, was der Vortragende nach seinen Erfahrungen als vom Uebel erklärte, nahdem er in Gemetn- chaft mit Freunden auf mehreren Hohfahrten die verschiedenen Me- thoden ausprobiert hat. Vor Mitteilung der hierbei gemachten Er- fahrungen schilderte Dr. Flemming als am besten in den Gegenstand einführend in Kürze den Verlauf seiner ersien und seiner leßten Hoch- fahrt: der ersten, weil man bei ihr nah Möglichkeit die klimatischen Faftoren unvermittelt auf den Körper einwirken lafsen wollte, der leßten, weil man auf ihr umgekehrt sich nah Möglichkeit gegen alle Störungen und krankhaften Veränderungen zu {hüten suchte: Ad 1. Bei Be- ginn der Ballonfüllung (26. 5, 09) în der Bitterfelder Ballonhalle Abends 5 Uhr herrschte E vollständig klares Wetter. Als dagegen am andern Morgen der Ba on „Berlin“, welcher Professor Steyrer, jeßzigem Direktor der medizinischen Klinik in Greifswald, und dem Vortragenden vom Berliner Verein geliehen war, vollgefüllt und mit 72 Sack Ballast zur Abfahrt bereit stand, war der Himmel dicht bewölft. Um 8 Uhr begann es zu regnen. Die Wolken zogen zwar mit etwa 50 km Geschwindigkeit nah Südost; aber es stand nach aus Lindenberg erhaltener Drahtmitteilung Drehung nah SW. und W. bevor. Mit Nücsicht auf diese zu erwartende Drehung und die kostbare Zeit

beider Beobachter stiegen sie troß des Negenwéetters auf, erreihten in südöstlicher Nichtung bet ‘11,1 m Geschwindigkeit in 8 Minuten den Nordauëgang von Bitterfeld und befanden sich 15 Minuten später in 900 m Höhe an einer oberen Wolkengrenze, dur@brachen 4 Stunde später in 1250 m Höhe eine weitere Wolkenshiht und § Stunden päter in 1650 m Höhe eine dritte. Erst jeßt wurde der Sonnen- that sichtbar, doch dauerte es noch eine volle Stunde, bis ‘bet, einer Hôhe von 4380 m alle jene feinen, gligernden Schneekristalle“ überwunden waren und man sich der erwärmenden Sonne erfreuen konnte. Um 11,30 bei 5120 m war lange Zeit hindur, wohl vom Jüterboger Schießplaß „her, Geshüßdonner zu hören, und von 1,15 ab vernahm man in 7350 m Höbe fast 4 Stunde lang das Nollen von Eisenbahnzügen, war vermutlih also über Berlin. Um 2,30 hatte das Quedsilberbarometer 290 mm unterschritten, der Ballon fiel, stieg aber nach Ballastausgabe gas auf 8000 m, worauf man ihn bei der wahrscheinlihen Richtung nah N. un- ehindert fallen licß. Um 4,10 wurde die Oder CeitWtet, um 4,25 Febr glatt bei Angermünde gelandet. Ad 2. Einen fast in jeder Hinsicht entgegengeseßten Verlauf nahm die leßte Hochfahrt in Be- gleitung von Professor Sürtng (1. 6. 11), für welche der Berliner Verein das Gas, die Harburger Gummiwerke den Ballon gewähit batten. Es war ein wolkenloser Tag mit der größten Strahlungs- intensität im ganzen Jahre. Damals Orientierung nur nah dem Ohr, diesmal auch in den größten Höhen vollständig im Bilde über die zeitweise fast 9 km unter uns liegende Erde; damals langsamer Aufstieg mit vollgefülltem Ballon, diesmal den 2300 cbm haltenden Ballon nur mit 1600 cbm gefüllt, aber {on in der ersten halben Stunde bei 3000 m Prellhöhe und Gleichgewichtslage erreichend. Zwei Stunden später war aus 4000 m Höhe das Kyffhäuserdenkmal zu sehen und darüber hinaus der ganze wohlbekannte Harz. Jn west- licher Richtung weiterfliegend wurde in 6100 m die Weser bei Hameln efreuzt, bald nahher in 8900 m ter Teutoburger Wald nördlich Paderborn, Temperatur 40%, Sonnenthermometer - dagegen + 5909 C. Der in Bitterfeld 5,6 betragende Dampf- dru war auf 0,3 gesunken, das Quecksilberbarometer auf 237 mm. Nunmehr durste aber von den verbliebenen 10 Sack Ballast, wenn irgend mögli, nihts mehr geopfert werden. “Allmählich fiel der Ballon mit einer Geschwindigkeit von 1—-2 m sekundlich bis auf 2500 m, wurde aber durch Entleerung von noch 2 Sack Ballast wieder für 2 Stunden zum Steigen bis auf 4300 m gebracht. Endlich ents{loß man sich, da die holländishe Grenze nahe war, das Ventil zu ziehen und landete bei schr böigem Winde ziemlich\hwierig bei Haldern am Rhein um 542 (das Nichtüberschreiten der holländishen Grenze empfahl lek wegen der großen Instrurental- Ausrüstung - des Ballons), Ueberflogen war eine Strecke von 412 km. Zieht man in Betracht, daß in diesen beiden ganz ent- egengeseßten Fällen ebenso wie in zahlreichen, in mittleren Ver- ältnissen vor fich gehenden Hochfahrten von Dr. Flemming die physio- logischen und pathologishen Wirkungen des Höhenklimas auf Mensch und Tier sorgfältig beobachtet worden sind, so dürften die nachfolgend von ihm in Anïfnüpfung an beide Fahrten dargelegten Haupt- erfahrungen als sehr lehrreih und beherzigenswert anzuerkennen fein. Unzweifelhaft wurde zunächst et daß die Sauerstoff- etnatmungsmethode allein durch den Mund, verglihen mit der Maskenatmung, in hohem Grade R Leßtere Methode wurde zuleßt auf allen Fahrten angewandt. ie ist nit bloß viel sauberer, sie muß au als absolut notwendig bezeihnet werden, Voten in größten olen niht wieder Dhnuachten oder Todesfälle eintreten. Die zuzugebende Verständigungserschwernis ist kein durhshlagender Grund wider die Anwendung der Maske. Natürlih hat man \ich erst daran zu gewöhnen, an Stelle der atmosphärishen Luft Sauerstoff durh eine Maske einzuatmen. Nach voller (beim Redner meist eine halbe Stunde erfordernder) S an diese künstliche Atmung empfindet man auch nicht die geringen tôrungen mehr, fei man nun 5000 oder nahe 9000 m hoh. r. Flemming sieht einen Vorzug der Maskenatmung auch darin, daß der Sauerstoff dabei durch die Nase, nicht durch den Mund eingeatmet wird. Die Mund- atmung is nach feiner Ansicht unnatürliGß und pathologis; denn die Nase mit ihrer S@eidewand, ihren Muscheln, unregelmäßigen Buchten und Verengerungen ist das geeignete Fu- strument, die Atmungsluft zu filtrieren und vorzuwärmen. Bet der Tünstlihen Atmung kommt nur das leßtere in Betracht; aber es ist doch klar, daß es bei Lufttemperaturen von 40° wichtig ist, den Sauerstoff nicht unmittelbar aus der Flasche, sondern auf dem Üm- wege dur Nase und Maske zu empfangen, wo auch Erwärmung dur Vermishung mit der Ausatmungslust stattfindet. Diese Gründe scheinen durchshlagend für die aus\{ließlihe Anwendung der Maske bei Hochfahrten. Von geringerer Bedeutung ist, ob solche aus artgummt, Zelluloid oder Metall angefertigt ist; aber bei starker älte ist die Hantierung mit einer durh Gummischlauh abgedi{teten Zelluloidmatke vorzuziehen. Nebensächlih ist au, ob man die Maske an der Müßte befestigt oder nur mit einem Gummiband um den Kopf. Jedenfalls muß sie vor Mund und Nase so fest fißen, daß sie nicht unbeabsihtigt abfallen kann; denn ohne merkliche Vorboten und plöglich treten Ohnmaht und Bewußt- losigkeit auf; der Crstickende selbst erkennt die Gefahr nicht. Abgesehen von allen fubjektiv der Maske günstigen Erfahrungen, zeigt aber auch die objektive Beobahtung des Menschen die Zweckmäßigkeit der Maskenatmung. Die alten bekannten Erschei- nungen der Höhenkrankheit, beginnende Sauerstoffverarmung des. Ge- hirns, Apathie, Müdigkeit und Unlust zu jeder Arbeit, geben dur die begleitende gesteigerte BEO Atmungstätigkeit objektive Merk- male an die Hand, ob die Maskenatmung nüßt oder niht. Zwei Tabellen, vom Redner vorgelegt und erläutert, raten die Beweise. Tabelle 1 zeigte, wie bei einer Fahrt ohne Sauerstoff der normale Puls bei einer Erhebung auf 4200 m von 76 auf 120 anstieg. Die- selbe Steigerung trat nah Tabelle 2- ein, wenn Sauerstoff mit- genommen war, aber feine Einatmung vor jeder Pulszählung einige Minuten ausgeseßt wurde, und beginnende Ohnmacht mate \ich bemerklich, als bei 7100 m Höhe längere Zeit Sauerstoff nid;t eatmet wurde. Ganz im Gegensaß hierzu stehen folgende, bei aékenatmung angestellte Beobachtungen: Nach dauernder Auf- nahme der Sauerstoffatmung bleibt die Pulszählung stets in normalen Grenzen, selbst in Höhen von 8000 m, wo Sivel und Croce Spinelli von ihrem traurigen Schicksal ereilt wurden. JIrgendwelche Be- {werden empfindet man bei dem gefährlichen Sauerstoffmangel niht, wie er bei diesen Unglüdcksfällen offenbar ursählih war, als etwa Herzklopfen bei dem einen oder anderen. Im übrigen steigern sich aber - die Anzeichen ganz allmählih bis zur Ohnmacht, die ohne jedes Vorgefühl dann plößlih eintritt. Als eine sehr eigentümlite Erscheinung find ifolierte Muskelkrämpfe der Erwähnung wert, wie sie der Vortragende an si und fast gleichzeitig auch Professor Steyrer beobachtete. Sie betrafen die Kaumuskeln und die Muskeln zwischen Daumen und Zelgefinger und treten so gleichmäßig als rhythmisde Zuckungen beim Abnehmen der Maske auf, daß sie nur als ein Zeichen des Sauerstoffhungers zu erklären sind. Sie müssen wohl auf frémdartige Säureprodukte zurükgeführt werd. n, die im Haushalt des Körpers infolge ungenügender Verbrennung bet Sauerstoffmangel entstehen und dann besondere Reize auf das Zentral- nervensystem ausüben. Eine bekannte Erfahrung ist, daß der Sauer- stoffmangel sih bei dem einzelnen in sehr vershiedener Welse und sehr wechselnder Höhe bemerkbar mat, daß er bei dem einen {von Erscheinungen hervorruft, während der andere noch vollkemmen fri ist. Ganz zweifellos kann man sih der Höhenluft akklimatisieren, in dem Sinne nämlich, daß bei langsamem Steigen oder noch besser bei tagelangen Dauerfahrten eine ganz allmählihe Anpassung des Körpers an den verminderten Sauerstoff in der Atmungsluft eintritt und Höhen bis zu 7000 m auch ohne künstlihe Atmung ohne große Beschwerden ertragen werden können. Immerhin gibt es eine Grenze, und jeder, der auf Hochfahrten experimentieren “oder beobachten will, kann nit früh genug mit der künstlichen Sauerstoffatmung beginnen. Da man bei wissenschaftliGen Fahrten meistens möglichst shnell die größte Höbe erreichen will und eine Akklimatisation daher nit tn Frage kommt, it im allgemeinen zu empfehlen, bei 4000 m bereits mit der fkünst- lichen Atmung anzufangen. Noch . über eintge andere Wirkungen des