1901 / 200 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

G1 iw In der evangelishen Emmaus-Kirchengemeinde zu Berlin wird eine siebente Pfarrstelle errichtet.

§ 2. i Diese Urkunde tritt mit dem 16. August 1901 in Kraft. Berlin, den 31. Juli 1901. L. S.) Königliches Konsistorium der Provinz Brandenburg.

Abtheilung Berlin. D. Faber.

Berlin, den 9. August 1901.

Der Königliche Polizei-Präsident. von Windheim.

Abgereist:

cellenz der Präsident des Evangelishen Ober- Kirchenraths, Wirklihe Geheime Nath D. Dr.

arkhausen, mit längerem Urlaub.

Nichtkamfkliches. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 23. August.

Seine Majestät der Kaiser und König hörten im Schlosse Wilhelmshöhe gestern Nachmittag den Vortrag des Gesandten von Tschirshky und Bögendorff und heute Morgen denjenigen des Chefs des Marinekabinets, Vize-Admirals Freiherrn von Senden-Bibran.

Der Senats - Präsident beim Reichs - Militärgericht, Pro- fessor Dr. Weiffenbach ist vom Urlaub zurückgekehrt.

Oesterreich-Ungarn.

Der vom böhmischen Landta angenommene Geseßentwurf, betreffen Landtagswahlordnung, hat di __ San erhalten. Es wird nunmehr die Auflösung des böhmischen Landtages und die Ausschreibung von Neuwahlen ie neue Wahlordnung verfügt die Einführung der direkten Wahlen in den Landgemeinden.

Grofßbritannien- nud Frland,

Der Kronprinz des Deutschen Reichs und von Preußen traf, nach ciner Meldung London, gestern in Langholm Lodge Herzogs von Buccleuch ein.

Fraukreich.

Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten Delcassé wird, wie dem „W. T. B.“ aus Paris gemeldet wird, dem Nachmittag zusammentretenden n roelhem der Präsident Loubet den Vorsiß führen wird, Kenntniß von den aus Konstantinopel erhaltenen neuesten Nachrichten geben.

Der „Temps“ berichtete gestern zu dem französisch- türkishen Zwischenfall, daß der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Türkei nur dann offiziell und vollständig er- folgen werde, wenn der Sultan bei seiner jeßt angenommenen Haltung beharre. französischen gegenwärti

in der legten Session die Aenderung der die Kaiserliche

des „W. T. B.“ aus Besuch des

Ministerrath,

das gesammte Konstantinopel in der Schweiz weilende türkishe Botschafter Munir Bey sei von seiner Regierung angewiesen worden, nicht eher nah Paris zurüczukehren, als bis die diplomatischen Verhandlungen wieder aufgenommen seien. regeln anlange, die Frankreih ergreifen könne, so seien die- selben verschiedener Art; aber für den Augenblick stehe eine Flottendemonstration nicht in Frage, obwohl es möglich sei, daß man auf dieselbe zurückommen werde. Auch vom heutigen Tage meldet glaube, die bei Toulon unter Dampf gehaltenen Kriegsschiffe würden heute noch niht den Befehl erhalten, sich nach dem es habe namentlih Bestimmung habe, Insel im Aegäischen Meere zu zernieren. Mehrere Blätter Abbruch der diplomatischen ziehungen in erfter Linie die in Frankreih lébenden Jung- türken und andere dem Sultan mißliebige Elemente Vortheil haben könnten.

Dann werde

Was die Maß-

aus Paris, daß

Aegäischen Meere zu begeben ;

erôörterten, daß von dem

Niederlande. Die Königin hat, einer Meldung des Haag zufolge, wegen eines heftigen Katarrhs auf den Rath des Arztes die Reise nah Oldenbur Allerhöchstderen Gemahl, der Prinz Heinrich der 9I lande, begiebt sih daher heute allein dorthin, um den Tauf- feierlihkeiten beizuwohnen.

. B.” aus

aufgegeben.

Infolge des vor einigen Tagen erfolgten Zusammenstoßes türkishen und bulgarishen Grenzposten begab fich, ener „K. K. Telegr.-Korresp.-Bureau“ aus Kon- Gouverneur von Adrianopel Arif Pascha an die türkish-bulgarishe Grenze, um mit den bulgarishen Behörden festzustellen, Truppen bulgarishes Gebiet beseßt hätten, und in diesem Falle gemäß den erhaltenen Jnjtruktionen vor Zurückziehung der türkishen Truppen zu veranlassen.

Amerika. Nach einer Meldung des „Reuter"shen Bureaus“ aus Curaçao vom gestrigen Tage sollen 22000 Mann venezo- lanisher Trupen auf dem Seewege abgegangen sein, um auf dem Rio Hacha in Columbien einzudringen und die Nevolution zu unterstützen Der in New York erscheinenden „Tribune“ zufolge er- hielt der dortige diplomatische Agent der columbischen Aufständischen ein Kabeltelegramm des Generals Uribe mit der Bitte um Sendung von Waffen und Munition für die bei San Cristobal erbeuteten Kanonen. 0 „Der Feind zieht sich in das Innere des Landes zurück, wo

stantinopel erfährt, ob thatsählih türkische

allem die

Das Telegramm fügt hin

ich ihn verfolgen will. Jch habe keine Zeit zu schreiben, da-

mich die Kämpfe zu sehr in Anspruch nehmen. Die Klerikalen find in beiden Schlachten völlig geshlagen.“

__ Asien. _

Aus Peking wird dem „Reuter'shen Bureau“ berichtet, | daß Li- Qu Df GaLa vor vier Tagen wiederum erkrankt sei, sich gestern aber besser befunden habe. Der Prinz Tschin habe geäußert, daß er bei dem Kaiser telegraphisch um Ermächtigung zur Unterzeihnung des ABs s nachgesuht, aber keine Antwort erhalten habe.

arauf habe er von neuem in nahdrücklihen Worten telegraphish angefragi, und er erwarte nunmehr unverzüg- lihe Antwort. ; :

Die japanische Regierung hat, einer Meldung des genannten Bureaus aus Yokohama zufolge, den Plan einer neuen Ler gangs des Heeres und der Flotte genehmigt. Danach jollen der Kriegs- und der Marine- Minister, anstatt aftive Offiziere, Zivilpersonen sein können und die volle Verantwortung mit ihren Kabinets-Kollegen theilen. Der Plan sieht außerdem vor, daß die Chefs des Militär- und des Marine-Bureaus in strategischen Fragen von den Ministern unabhängig und nur dem Kaiser verantwortlich sein sollen.

Afrika.

Dem „Neuter’shen Bureau“ wird aus Smaldeel vom 21. August gemeldet, daß vor einigen Tagen der Oberst Starker und der Major Pinecoffin das Kommando Haasbrock'’s bei Doornberg überrascht, . 7 Buren getödtet, 2 verwundet und 21 gefangen genommen haben.

Aus Pretoria wird dem genannten Bureau berichtet, ein in der Kapkolonie geborener Mann, Namens Upton, sei vorgestern als Spion erschossen worden. Upton und drei andere zu einem Burenkommando gehörende ron hätten sih ergeben, dann aber versucht, die britishen Linien zu passieren. Die drei Kameraden Upton’'s würden als Kriegs- gefangene zurückbehalten.

Mie amtlih gemeldet wird, sind am 16. August 952 ge- fangen genommene Buren von Kapstadt nah Bermuda abgegangen. ad A

Von Bulawayo ist eine britishe Expedition zur Erschließung des Songwe-Kohlengebiets v aár M aa

Statiftik und Volkswirthschaft.

Woßhlfahbrtseinrihtungen des Norddeutschen Lloyd.

Der Norddeutsche Lloyd hat in weitgehendem Lose Fürsorge dafür getroffen, daß seine Angestellten gegenüber den Wechselfällen des Lebens nah Möglichkeit ges{hüßt sind. Schon im Jahre 1873 stiftete er die Seemanns-Kasse, deren Zweck ist, die Effekten der Schiffs- besaßungen gegen die Folgen von Unglücksfällen zu versichern, den Mitgliedern in Invaliditätsfällen Pensionen, in Krankhbeitsfällen Unterstüßungen zu gewähren und die Wittwen und Waisen, bezw. Eltern oder Schwestern verstorbener Mitglieder zu unterstüßen. Die Kasse, welher sowohl die Besaßungen der Dampfer der transatlantishen Fabrt, der Flußdampfer und Schleppkähne als auch die Beamten in Bremen, Bremerhaven u. 1. w. angehören, findet ihre finanzielle Unterlage in den nah den Monatsgagen berechneten Beiträgen der Mitglieder, einem jährlichen Zuschuß des Norddeutshen Lloyd, dem Ertrag der S2mmelbüchsen, dem (rlôs verkaufter Erlaubnißkarten u. a. m. Die Bedeutung dieser humanitären Einrichtung für die Angestellten des Llovd erhellt aus folgenden Zablen: Von der Kasse wurden bis Ende 1900 an Zablungen geleistet: 1538 957,05 A für Pensionen, 576 132,40 M für Krankenunterstüßungen an Mitglieder und Unterstüßungen an Wittwen und Waisen verstorbener Mitglieder und 295 879,75 Æ für eingebüßte Effekten. Der Norddeutsche Lloyd selbst leistete an die Kasse bis Ende 1900 einen ZusWuß von 556 771,35 A Das Ver- mögen der Kasse betrug zu dieser Zeit 2139319 M

Eine werthvolle Ergänzung fand die Seemanns-Kasse in der am 1. Januar 1894 begründeten Wittwen- und Waisen-Pensions- Kasse, durch welche auch den Wittwen und Waisen der Mitglieder der Seemanns-Kasse eine Pension gewährt wird. Die Kasse, die Ende 1900 über ein Vermögen von 375 350,50 Æ verfügte, hat bis zu diesem Termin 126 692,25 „M Pensionen an Wittwen und Waisen verstorbener Mitglieder ausgezahlt. Der Norddeutshe Lloyd hatte bis dahin zur Káfsse, deren Einnabmen in ähnlicher Weise, wie die der Seemanns-Kasse, geordnet sind, einen Zuschuß von 120 000 A geleistet.

Unabbängig von den beiden genannten Wohblfahrtseinrihtungen besteht seit Anfang 1900 noch eine dritte mildtbätige Stiftung des Norddeutschen Lloyd, die Elisabeth Wiegand-Stiftung, deren Zweck ist, bedürftige, beim Norddeutschen Lloyd in Bremen angestellte oder angestellt gewesene Personen oder deren Angebörige zu unter- stüßen. Die Kasse besaß {hon am Schluß des ersten Jahres ihres Bestehens ein Vermögen von 200 273,70 K und hat bis jeßt an Unterstüßungen 19 833,30 M ausgezahlt

Englische Arbeitszeit.

In Stuttgart baben in einigen größeren Betrieben die Arbeiter bei den Fabrikleitungen um die Einführung der sogenannten „eng- lishen Arbeitzzeit*, d. h. einer nur durch eine halbstündige Pause unterbrochenen Arbeitszeit von 74 Uhr früh bis 5 Uhr Nacbenittags, nahgesuht. Jm Ganzen mat dies eine neunstündige Arbeitszeit aus. Der Chef einer eiwa 200 Personen beshäftigendén Pianofortefabrik spriht ih nun, wie die „Sozial - Korr.“ mittbeilt, folgender- maßen über seine Wahrnebmungen binsichtlich der so geregelten Arbeitszeit aus: Die Arbeitsleistungen an den beißen Sommertagen seien der Hiße wegen nah der kurzen Mittagspaufe ganz bedeutend geringer als nach der früheren anderthalbstündigen. Während der fälteren Jahreszeit sei diese Schlaffheit des Arbeiterpersonals jedoch weniger bemerkbar; als Vortheil dieser neuen Zeiteintheilung bezeichnet er, daß weniger bei Licht gearbeitet 1u werden braube und daß die Zeit der besten Tagesbeleu@tung uwishen- 11 und 3 Uhr unverkürzt ausgenutt werden könne. Die durhgehende Arbeitszeit glaube er daher nur im Winter beibehalten zu können.

Zur Arbeiterbewegung.

In Krefeld haben, der „Rh.-Westf. Ztg.* zufolge, die aus- ständigen Sammet scherer (vergl. Nr. 196 d. BL) die Anrufung des Gewerbegerichts als Einigungêamt beschlossen.

Die Steinsegzergehilfen Leipzigs beschlossen, nah der „Lp4. Ztg.", wecks Förderung der Lohndewegung der Glas - und der

aFarbeiter (vergl. Nr. 197, bew. 154 d. e eine einmalige dersieuer in Höbe von 50 A4 pro Mitalied zu erheben.

Aus Tepliy wird der „Vos. Ztg.* mitgetheilt, daß die ge-

| sammten Belegschaften der Brucher Koh mann- und Johann-Schâchte am 22. d. M., wecks Erzielun achtitündiger Arbeitszeit, in den Ausfiand getreten sind. (Veral. Nr. 9 d. Bl)

lenwerke, der Gutt- |

Aus dem Jahresbericht des Direktors des Königlichen -

Geodätischen Instituts (auf dem Telegraphenberge bei Potsdam) für die Zeit von April 1900 bis April 1901.

dem Direktor, Geheimen Regierungsrath, Professor Dr. folgenden en zusammen: Abtheilungs-Vorsteher : ierungsrath, Proictter Dr. Th. Albrecht, Professor Dr. A. Westphal. Prof or Dr. A. Börs, Professor Dr. L. Krüger; Professor E. Borraß, Dr. A. Galle, Professor M. Schnauter, . Haasemann, Ir. F. Kühnen, Dr. R. Schumann; wissenschaftliche Hilfsarbeiter: Dr. O. Heer, B. Wanah, Dr. Ph. Furtwängler. Der Abbeiluugorliehex Herr Professor Dr. Westphal war vom 1. il 1900 wegen - der - deutshen Kollektivausstellung für Mechanik und Optik auf der Pariser Weltausstellung beurlaubt. Der Assistent Herr ecand. phil. K. Rosen aus Stockholm_ kehrte gegen

Das wisfenshaftlihe Personal des Instituts Be fi unter : cheimer Ne

arbeiter :

Ende September 1900, nahdem er noch bei der in line L

Potsdam—Bukarest einige Hilfe geleistet hatte, in seine Heimat He Als Hilfsrechner trat Herr Dr. C. Mainka am 1. De- zember ein.

Beschäftigt wurden außerdem mit Rechenarbeiten u. dergl. inner- halb des Instituts: Herr Bureauvorsteher Mendelson, Herr Sekretär Auel und der Bureaugehilfe Herr Obst; außerhalb des Instituts: Herr Dr. Schendel. Ferner waren innerhalb der Institutsräume für die Berechnungen des internationalen Polhöhendienstes die Herren W. Heese und stu4. K. Rietdorf thätig.

Herr ag Dr. E. Lamp, der in den leßten Jahren mit einer Spezialarbeit für das Institut betraut war, wurde vom 1. August 1900 ab beurlaubt, um im Auftrage des Auswärtigen Amts in Deutsh-Ostafrika Vermessun 8arbeiten bei der Aufnahme der Grenze mit dem Congostaat auszuführen.

Die Prafktishen Arbeiten des Instituts bestanden haupt\ächlih in der nan Bestimmung einer geographischen Längendifferenz und in Schwerkraftsmefsungen. Bei der ersteren handelte es \sich um die Verbindung von Bukarest mit dem westeuropäischen Längennet, welche durch den Umstand geboten war, daß das neue Hauptdreiecks- ney Rumäniens ein wichtiges Verbindungsglied des öôóster- reBisG unagriGen Dreiecksneßes mit dem s\üdrufsishen Dreiecks- nee bildet, einer sicheren - astronomishen Bestimmung in geographischer Länge entbehrte. Um eine folhe zu erlangen, wurde auf Anregung des Herrn Generals Bratianu in Bukarest, Chefs des militär-geographishen Inftituts daselbst, die Bestimmung der Längen- differenz Potsdam—Bukarest ausgeführt. Dies geshah gleichzeitig selbständig von preußisher Seite und von rumänischer Seite. Die preußishen Beobachter waren Herr Geheimer Regierungsrath Albrecht und Herr Professor Borraß; sie bedienten fih der bewährten Jnstru- mente und Methoden des Geodätishen Instituts, insbesondere auch des unperfönlichen Mikrometers von Repfold. Herr Geheimer Regierungs- rath Albrecht hat die Ergebnisse bereits abgeleitet; dieselben find höchst befriedigend und ein neuer Beweis dafür, daß das Längenbestimmungs- verfahren dur de in den leßten 10 Jahren eingeführten Verbesserungen einen hohen Grad von Vollkommenheit erlangt hat.

Gelegentlih dieser Längenbestimmung wurde die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, daß es bei guter Jnstallation der Uhren und guter Kenntniß ihres Barometerkoeffizienten recht wohl angängig ift, auch telegrapbishe Uhrvergleihungen an folhen Abenden zu benußen, wo nur einseitig Zeitbestimmungen gelungen sind, da - vielfach auf der anderen Station eine scharfe Interpolation des Uhrstands möglich sein wird. Für sehr entfernte Stationen mit vershiedener Witterungslage kann dies von erbeblihem Nuyen sein. /

Im GusGluß an die Längenbestimmung Potsdam—Bufkarest führte Herr Professor Borraß in Bukarest und Tiglina bei Gala, sowie auf der Wiener Sternwarte (Türkenschanze) relative Schweremessungen in Bezug auf Potsdam aus, einestheils zu dem Zweck, um Rumänien für relative Schwerkraftsmessungen an das Ney der europäischen Hauptstationen anzuschließen, anderntheils zur Kontrole der Beziehung von Potsdam zu von Oppolzer's absoluter Bestimmung der Schwer- kraft in Wien. |

Dann wurde auf Wunsch noch_ das neue Gebäude der Kaiserlichen Normal - Aichungs - Kommission in Charlottenburg von Es Beobachter mit Potsdam durh relative Messungen ver-

unden.

__ Herr Haasemann seßte seine relativen Schwerkraftsbestimmungen auf 18 Stationen im Harz und in dessen weiterer Umgebung fort; biérbei wurde auch das interessante Gebiet bei Staßfurt be- rührt. Herr Haasemann stellte ferner eingehende Vorversuche mit cinem relativen Pendelapparat an, den der Direktor für die deutshe Südpolar-Erpedition von dem Institutsmechaniker Fechner hat erbauen lassen. Dieser Apparat ermögliht die Benxzuny eines Borchronometers als Koinzidenz-Uhr, indem das Pende (ein Halbsekundenpendel) wie beim amerikanishen und fran- zösishen Apparat im Vacuum \{hwingt. Da aber zwei Pendel in geeigneter Weise im Vacuumkasten untergebracht sind, so kann auch die Korrektion für das Mitshwingen des Stativs und des Untergrundes ermittelt werden. _

uf Veranlassung des Direktors trat Herr Dr. Hecker dur experimentelle Untersuchungen der Frage näher, ob \sich Mohn's Methode der relativen Schwerkraftsbestimmung aus der Vergleichung von Quecksilber-Barometern und Siede-Thermometern zur Schwer- kraftsbestimnmung auf dem Meere eigne. Die Untersuchungen find noch im Gange. :

Die Beobachtungen für die absolute Bestimmung der Schwerkrast mittels Reversionspendeln wurden von den Herren Dr. Kühnen und Dr. Furtwängler fortgesezt. Vorläufig darf man hiernach den Wertd der Shwerebeshleunigung im Geodätischen Institut (Pendelsaal) in guter Uebereinstimmung mit dem Mittelwerth der besten anderweiten Bestimmungen zu 981,270 cm für die Sekunde annehmen.

Den für die Pendelbeobahtungen im Institut so wichtigen Zeitdien!! und die Uhbrenprüfungen führte wie bisher Herr Wanach aus.

Das Studium der Bewegung der Erdscholle auf dem Gipfel des Telegraphenberges durch die hydrostatishe Nivellement#- anlage und durch geometrische Nivellements wurde von Perra Dr. Kühnen bezw. Herrn Dr. Schumann fortgeseßt. Yerr Dr. Heder führte seine Beobahtungen an Horizontalpendeln (mil einigen Unterbrehungen) fort und brate seine vergleichenden Erd» bebenbeobahtungen an gedämpften und ungedämpften Pendeln zum Abschluß. Am Ende des Berichtsjahres wurde au das langt Vicentini'she Vertikalpendel im Innern des Thurmpfeilers in Sans gebracht. L s

Da die Räumlichkeiten für die Aufstellung der seiemi\%en Apparate und die Schwerkraftmessungen nicht audreichten, wurde ein fleines Haus mit doppelten Wänden errichtet, das für jede der beiden Arten von Beobachtungen einen geeigneten Raum darbietet.

Der Pegeldienst an der Seeküste nahm seinen Fortgang; die Revision der neun Stationen führten die Herren Professor Dr. Westphal und Dr. Schumann aus. diè

ie {hon im leßten Jahresberiht erwähnt wurde, werden - täglichen Mittelwasser der Oftsee-Stationen ict aus 4 áquidistante Ordinaten der Registrierb abgeleitet. bwobl bereits oe i war, daß dies genügt, ließ der Direktor durch Herrn Ï s dies n weiter untersuhen. In den sechs Fällen: p und Arkona 1898, Memel und Pillau 1895 sowie Mem und Pillau 1899, stimmten die Jahresmittel bei Anwen von 4 Ordinaten mit denen bei Anwendung von 24 Ordinaten a5 +4 0,0003 m überein, die Monatéêmittel auf 4 0,0019 m. et ist

Da die Schneekoppe ein witiger trigonometrisher Puntt der unter Umständen zu besonderen Messungen Anlaß bieten ean, L nahm im Auftrage des Direktors Herr Dr. Galle am 5. Juli an a Einweihung des meteorologischen Observatoriums daselbst theil, diese neuen Bauten kennen zu lernen.

l F hnaudet bauptfLBGS Vurch Unterricht für Asplrarien bes Kolontaltienfies d

tändige Mit, *

Studierende des orientalishen Seminars beschäftigt war. Außerdem bearbeitete er u. a. Beo gs an seiner Zenitkamera für geogra- phishe Ortsbestimmungen- (vergl. „Astr. Nachr.“ Nr. 3678). ; on den Véröffentlihungen, die im Laufe des Jahres erschienén, Be namenitli6. zwet größere hervorzuheben: „Das Mittelwasjer der stsee bei Travemünde, Marienleuhte, Wismar, Warnemünde, Arkonä und Swinemünde -in den Jahren 1882/1897" und „Astronomis{- geodätishe Arbeiten T. Ordnung . in - den Jahren 1895, 1896 und 1898* (vergl. Nr. 1 und 2’des unten folgenden Ea j

Außerdem ist die Indrucklegung verschiedener älterer Arbeiten im Gange. Herr Dr. .G war mit einer eo der Apparate bes Da ts und mit der Zusammenstellung ihrer Konstanten

Die. Berechnung der Beobachtungen auf den \echs internationalen Polhöhenstationen erledigte Herr Geheimer Regierungsrath T mit Hilfe des Herrn Wanah und zweier Rechner. Der 13. Al- gemeinen Konferenz der Internationalen Erdmessung zu Paris, Ende September v. JI., konnten bereits einige Ergebnisse des Dienstes mit-

etheilt werden, die E günstig ausfielen und die Hoffnung erwecken, daß der Dienst seinen Zweck erfüllen wird.

Die Herren Professor Dr. Börsch und Professor Dr. Krüger seßten unter Mitwirkung von Herrn Dr. Schendel die systematischen us sberechnungen für Europa fort. S ois Dr. Schumann begann auf Vorschlag des Direktors Studien ü den Verlauf der Dams in den großen, bisher gemessenen Meridian- und Parallel-

ogen.

Der Direktor selbst legte u. a. der erwähnten Erdmessungs- Konferenz einen ausführlichen Bericht über die relativen Mesungen der Schwerkraft vor, der weiteren Untersuchungen über die Größe der Schwerkraft als Funktion des Ortes auf der Erdoberflähhe als Grund- lage dienen soll. Ein vorläufiges Resultat für die normale Schwere theilie derselbe im März d. I. in den Sigzungsberichten der Berliner Akademie der Wissenschaften mit.

Veber die Wirksamkeit des Geodätishen Instituts als Zentral- bureau der Internationalen Erdmefsung im Jahre 1900 hat der Direktor eingehender berichtet in dem unter Nr. 7 der „Ver- öffentlihungen“ aufgeführten Thätigkeitsberiht. Es ist noch hinzu- qufügen, daß Herr Haasemann am Schluß des Berichtsjahres auf

uns des Herrn Generals von Zachariae die Konstanten des Pendel- apparats der Dänischen Gradmessung erneut bestimmte.

Von fremden Sten und Beobahtern waren “r im Institut längere Zeit anwesend: Herr

. Toroceanu aus Bukarest im Juli 1900 - und Herr Major Th. Rimniceanu aus Bukarest von Mitte August bis Mitte September 1900 behufs. Längenbestimmung B Bukarest; Herr Putnam aus Washington vom 21.—25. Juli 1900, Herr Dr. Kohlshütter aus Berlin in der zweiten Hälste August und Herr Professor Nagaoka aus Tokio Ende August und Anfang September 1900 behufs Pendel - Anshlußmessungen ; Fett Louis Ott, deligniarter Offizier des „Gauß“, bebufs

inübung mit dem Pendelapparat der Südpolarerpedition im Sehruar, März und April 1901; Herr Oberst Felix Deinert vom chilenischen Generalstabe von Februar bis Mai 1901 behufs Informationen geo- dätischer Natur; Herr stud. Jowanowitsch aus Belgrad von Mitte März bis Mitte April 1901 zu gleichem Zwet.

Im Laufe des Berichtsjahres sind nachstehende Druckwerke und Abhandlungen erschienen:

a. Veröffentlichungen des Instituts:

1) Das Mittelwasser der Ostsee bei Travemünde, Marienleuchte, Wismar, Warnemünde, Arkona - und Swinemünde in den Jahren 1882/1897. Mit 2 Tafeln. Bearbeitet von Professor Dr. A. Westphal, Abtheilungsvorsteher im Königlichen Geodâätishen Institut. Druck und Verlag von P. Stankiewicz’ Buchdrukerei. (Neue Folge Nr. 2.)

9 Astronomisch-geodätische Arbeiten 1. Ordnung. Bestimmung der Längendifferenzen Knivsberg— Kopenhagen und Knivsberg—Kiel im Jahre 1898. Beiainzirun der Polhöbe und des Azimuts auf den Stationen Dietrichshagen, Wilhelmshaven und Knivsberg in den Jahren 1895, 1896 und 1898. Druck und Verlag von P. Stankiewicz? Buchdruckerei. (Von dem Geheimen Regierungsrath Th. Albrecht.) (Neue Folge Nr. 3.)

Hiervon ist die „Bestimmung dêr Längendifferenzen®“ au als Sonderabdruck erschienen unter dem Titel : Bltinmna der Längen- differenzen Knivsberg—Kopenhagen uud Knivsberg—Kiel im Jahre 1898, ausgeführt vom Geheimen Regierungsrath, Professor Aldrecht und Dr. R. Schumann, bearbeitet von Dr. A. Galle.

3) Jahresberiht des Direktors des Königlichen Geodätischen Instituts für die eit von April 1899 bis April 1900. (Neue Folge Nr. 4.) (Dieser Bericht ist in Vertretung des Direktors, Geheimen Regierungsraths, Prerejors Dr. Helmert, von dem Geheimen Regie- rungsrath, Professor Albrecht verfaßt bezw. zusammengestellt.)

Für einen Sammelband betr. relative Pendelmessungen und Loth- abweihungen wurden zwei Stücke gedruckt, von denen einige Sonder- abzüge vertheilt sind, und pwar:

4) Bestimmung des Azimuts und der oe auf 4 Stationen in den Jahren 1890 und 1891 nah Beobachtungen von Professor Fischer, bearbeitet von Dr. A. Galle, und i

5) Bestimmung der Intensität der Shwerkraft auf 17 Stationen in der Nähe des Berliner Meridians von Elsterwerda bis Arkona, ausgeführt und bearbeitet von E. Borraß.

b. Veröffentlihungen des Zentralbureaus der Inter-

nationalen Erdmessung (auf internationale Kosten): 6) Ableitung der Deklinationen und Eigenbewegungen der Sterne für den internationalen Breitendienst, von Dr. Friy Cohn, Privat- dozent an der Universität in Königsberg. Verlag von Georg Reimer. (Neue Folge der Veröffentlichungen Nr. 2.)

7) Bericht über die Thätigkeit des Zentralbureaus der Jnter- nationalen Erdmefsung im Jahre 1900 nebft dem Arbeitsplan für E Von F. R. HYelmert. (Neue Folge der Veröffentlichungen Mr. 3.)

c. Veröffentlihungen der Mitglieder:

F. R. Helmert: Antrittörede. (Sitzungsberichte der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 1900, S. 698.)

- Zur Bestimmung kleiner Flächenstücke des Geoids aus Loth- abweihungen mit Rücksi@{t auf Lotdkrämguing; 1. Mittheilung. (Ebenda, S. 964) Der normale Theil der Schwerkraft im Meeresniveau. (Ebenda 1901, S. 328.) Die neuere Erd- messung. (Deutsche Revue, 1900, XXY, S. 180.) Die drei- ¡zehnte Allgemeine Konferenz der J. E. in Paris, 1900. (Zeitschr. f. Vermessungêëwesen, 1901, S. 177.)

Th. Albrecht: Die Veränderlichkeit der geogr. Breiten. (Sonder- abdruck aus den Verhandlungen des VII. Internationalen Geographen- Kongresses in Berlin, 1899.) Die Neoba§htungêmetbode mittels des Repsold'schen Registriermikrometers in threr Anwendung auf Längenbestimmungen. (Astr. Nachr. Nr. 3699, Bd. 156, Sp. 33)

L. Krüger: Ueber die Ausgleichung mit Bedingungsögleichun bei der trigonometrishen Punktbestimmung durch Cinschneiden. (Nachdr. d. Kgl. Ges. d. W. zu ( Bingen, Matb.-phvs. Kl. 1900.)

M. Schnauder : Meograp ise Ortsbestimmung mit der Zenith- Kamera. Vorläufige ilung. (Astr. Nachr. Bd. 154, Nr. 3678,

Sp. 134)

_ O. Hecker: Untersuchung von Horizontalpendel - Apparaten

für Beobachtung ron Bodenbewegungen. (Sonderabdruck onalen Geographen-Kon-

aus den “R des VIT. Jntern aresses in Berlin, 1899.) Ueber bie Beurtheilung der Raumtiefe

und den stereosfopishen Entfernungömesser von Zeiß. (Zeitschr. f. Vermessungswesen, 1901, S. 65.) Ueber cine Fe Methode der Alterung von Thermometern. (Deutsche Mechäniker-Zeitung, 1901, S. 41.) Ueber die Vortheile der Anwendung von Instru- mentea mit Dämpsung für die Erdbebenforshung. (Zeitschrift für Instrumentenkunde, 1901, S. d).

B. Wanach: Ueber L. v. Seidel's Formeln zur Durchrechnuñg D ein duns in uva Unseasvstem, nebsi Anwendung

p ) bjeftive. Instrumentenkunde. 1900, S. 161) Referat über von Oberstleutnant

folgende Kapitän

áns Wien F. von Myrbatdh

S@htschotkin „Eine Methode von gleichzeitiger bestimmung aus Beobachtungen von aus Band LVT der z

Tei Zeit- und D ernpaaren in gleichen e riften der miilitär-topögraphischen Abtbeilung

en Generalstabs. (Zeitshrift für Vermessungswesen, 1900,

Internationale Kunstausstellung Dresden 1901. TYV.%)

L. K. Wie {on in dem MnleitgNerigt bervorgehoben wurde, darf die Abtheilung der graphischen Künste als besonderer Glanz- punkt der diesjährigen Dresdner Ausstellung gelten. Den Bemühungen des Direktors am Königlichen Kupferstihkabinet in Dresden, Professor Lehrs ist es gelungen, unter Zuhilfenahme der reihhaltigen Bestände der R Sammlung eine \o" glänzende Kollektion von modernen graphischen Arbeiten zusammenzubringen, wie sie auf unseren Jahres- ausstellungen nur selten anzutreffen ijt. “Dieselbe füllt niht weniger als neun Kabinette und gewährt einen nahezu vollständigen Ueber- blick über den gegenwärtigen Stand der gravhishen Künste. Die Einförmigkeit der Shwarzweiublätterreißen ist durch Einfügung von Aquarellen und Pastellmalereien vermieden worden. Auch hier sind die einzelnen Nationen und die Hauptstätten graphisher Kunstübung in Deutschland nach Möglichkeit in Sonderräumen untergebracht, sodaß man bequem die Hauptleistungen eines Landes oder einer Stadt auf graphishem Gebiet überblien und vergleichen kann. Der viel- verbreitete Glaube, daß die phatomeGenie Technik der Entwickelung der vervielfältigenden Künste heutzutage hemmend im Wege stände, erweist sih angesichts dieser imposanten Schaustellung als irrig. Eber könnte man zu der Ansicht kommen, daß gerade der merkantile Wett- kampf mit den verschiedenen Lichtbildverfahren die künstlerischen Kräfte der anbgravhiter gelauli hat und sie mehr als je den Gegensaß und die Vorzüge ihrer besonderen Technik hervorkehren läßt. Dem Bedürfniß nah Farbe, das ih seit der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts allerorten geltend mat, tragen die Farbenlithographie, der farbige Holzschnitt und die farbige Aquatintatechnik Rechnung. Aber auch die malerische Halbgg der modernen Radierung ist unter diesem Gesichtspunkt zu beurtheilen. Für all diese Bestrebungen, die das Studium der modernen Graphik îo interessant machen, Dresdner Ausstellung kennzeihnende Beispiele aufzuweisen.

Frankreich, dem im ganzen neunzehnten Jahrhundert die Führerrolle auf diesen Gebieten neidlos zugestanden wurde, kommt in Dresden zu seinem Recht durch die zahlreihen Proben eleganter Technik, die Béjot, Bracquemond, Chahine, Henri Guérard, Jeanniot, Lepère, L. Pissarro und Naffaelli beigesteuert haben. Imponierender noch gestaltet sich Englands Antheil an der modernen gräphischen Bewegung, insbesondere durch die Auswahl von Meisterwerken des Radierers Mac Neill Whistler, die dieser bereits im vorigen Jahre für die Pariser Welt- ausstellung zusammengestellt hatte. Aber auch unter seinen Na(folgern und Mitstrebenden finden wir hervorragende Begabungen, wie Cameron, N. Goff, Alphonse Legros, Pennell, Shannon, W. Strang und Watson. Der moderne Farbenholzs{hnitt erfreut fih iri England großer Vorliebe, wie die Leistungen von Fletcher und Sidney Lee beweisen. Leider fehlt hier die bahnbrehende

estalt von William Nicholson, der nur mit einer Zeichnung vertreten ist; ebenso vermißt man ungern einige der Clairobscur- Helzlquitte von Shannon, die zu den tehnisch reifsten der Art gehören.

Auch die Niederlande thun sich rühmlich bervor im inter- nationalen Wettkampf. Namentlichß Hendrif Haverman's zarte Lithograpbien, Jan Veth?s berbe Steindruck-Porträts von unbestech- liher Wahrheitsliebe und Hoytema's fast spielerisch virtuose Thier- studien in weiher Estampemanier fallen vortheilhaft auf. In der Radierung find Baertson, Graadt van Roggen, M. Kramer und vor allem der längere Zeit in Berlin ansäsfige Storm vans Gravesande mit Auszeichnung zu nennen. Der Schwede Anders Zorn handhabt bekanntlich die Radiernadel kaum minder souverain als den Pinsel; seine in Parallelschraffierung \fih gefallende blendende Manier ist für einzelne seiner Landsleute, wie Arel Galléán und Emile Zoir vorbildlich geworden. Sehr pikant wirken auch die mit impressionistisher Flüchtigkeit hingeworfenen Radierversuche des [qwerien Malers Carl Larsson, der allerdings mehr noch dur eine japanifierenden Aquarelle die Aufmerksamkeit auf- sich lenkt.

Die Grabstichelkunst, einst die vornehmste aller graphischen Techniken, tritt heute völlig in den Hintergrund. Wenn man eine der wenigen Proben, wie Büchel 's Stich eines Porträts von Holbein etwa mit Karl Köpping?s Radierung nah Rembrandt's Amloo in der Berliner Galerie oder mit Albert Krüger?'s Farbenhbolzscnitt nach dem Bildniß der Bianca Maria Sforza vergleicht, begreift sich dieser Wandel des Geshmacks leiht. Das moderne Auge verlangt eine den malerishen Qualitäten der Vorlage \ich eng ans{hmiegende Wiedergabe, für die der metallisch strenge Stil der âlteren Kupferstihtechnik leiht versagt. In der Kunft der Peintre-graveurs, d. b. der Graphifer, die eigene Erfindung durch die Kupferplatte vervielfältigen, hatte sich der Grab- stihel in den Tagen Stauffer-Bern's noch eine Zeit lang zu be- haupten vermocht. Gegenwärtig ist die Radierung, als die \hneller fördernde und beweglihere Technik, fast überall an seine Stelle getreten. Unter den jüngeren Radierern in Deutschland und Oesterreih begrüßen wir Richard. Müller - Dresden, Oscar Graf - München, F. Hollenberg-Stuttgart, G. Erler-Dresden, Kaetbe Kollwih - Berlin und Ferdinand Schmugzer - Wien als starke Talente... Heinrich Wolff-München, der an Sicherheit der Zeichnung und- tehnisher Geschicklichkeit von keinem der Genannten übertroffen wird, benußt neuerdings fast aus\scließlih die Roulette, um seine lebensprühenden Gestalten auf der Kupferplatte festzubalten. Auch das Aguatinta- und Schabkunstverfahren findet wieder begabte Adepten in Walter Conz, O. Graf, M. Piebßshmann u. A. Interessant ist auch der Versuch Max Klinger's in Schabkunst- manier, ein Porträt des unlängst verstorbenen Banquiers und Kunft- sammlers F. Königs. Eine Sonderstellung unter den deutschen Grapbikecn nimmt Emil Orlik ein; den Gipfel künstlerischer Anpafsungsfähigkeit hat er erklommen, seit . er auf einer Studienreise durch Japan die dortige Farbenhbolzschnitt - Technik, deren Vorzüge ebenso bekannt sind wie ihre dem Europäér {hier un- überwindlih scheinenden Schwierigkeiten, fih zu eigen gemaht bat und nun in dieser Kunstsprache von seinen dortigen Eindrückten mit der selbst- verständlihen Freiheit und Gewandtheit eines Eingeborenen erzählt. Die etwa pivanzig Holzschnitte der Art verblüffen den Kenner ebenso fehr dur ihre von den Vorbildern kaum zu unterscheidenden, ja sie oft übertreffenden Gigenschaften, wie sie den Laien durch fremde Farben und Formen anfangs stuyzig machen Hier ist die Theorie von der erzieherishen Bedeutung ostafiatischer Kunst im strengen Wortsinn zur Praxis geworden. Freilih wäre es u bedauern, wenn der hohbegabte Experimentator dieses Durchgangs- skädiurn sklavisher Abhängigkeit niht nur als ein solches auffassen wollte. Von den wenigen deutschen Künstlern, die den Farbenholz- s{ñitt wiederzubeleben bemüht sind, sind Ernst Neumann, Georg Braumüller und Henriette Hahn besonders zu nennen. Sie stehen wie Orlkf und die englishen Farbenholzschneider unter dem Bann japanischer ÉliFentuni, während Albert Krüger-Berlin die ältere Strihtehnik dem Neproduktions- weck durch Zuhilfenahme mannigfaher moderner Surrogate anzupassen mit Erfolg versucht hat. Der Farbensleindrack, der als Wardshmnuck sich immer mehr Absaygebiet erobert, wird be- sonders eifrig in Karlörube und Stuttgart ocpflegt- Die von Hans Thoma au in F.

H. von Vo . Kampmann, Apoîtel gefunden. Aus Düsseldorf reiht sich ihnen Heinrich Otto, und F. Andri an.

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So seben wir den la

*) S, d. Nen. 176, 179, 197.

ngene Sewagung hat hier . Kallmorgen, mann, Tatlos Grethe, Franz Hein, H. Heyne. | , Rath, Alfred Schmidt u. A. begeisterte |

So für dürr gehaltenen Baum der graphischen | Kunft reiche und bunte Blüthen tragen, und es ift als ein besonderes |

Verdienst der Dresdner Kunstausstellung dieses Jahres zu begrüßen, daß die Aùfmerksamkeit auf eine lage Bewegung, die am ies deren ift, den Geschmack der Masse günstig zu beeinflussen, gelenkt wurde. S ähnlihem Sinne wirkt auch die reihhaltige und mit großem

eshmadck eingerihtete kunstgewerblihe Abtheilung, auf deren Einzelheiten einzugeben leider im Rahmen eines kurzen its un- möglich ist. Jedenfalls übersteigt die Summe des in Dresden Ge- botenen bei weitem das Dur{hschnittsniveau unserer Jahresausstellungen, was am Schluß unserer Ausführungen nochmals mit dankbarer An- erkennung betont werden mag.

Literatur.

Bürgerliches Gesetßbuch nebst Einführungs8gesez. Für Fteuhen zusammengestellt: unter Einfügung der sämmtlichen preußischen usführungsbeftimmungen. Tertausgabe mit ausführlihem Sach- register, bearbeitet von Dr. Paul Winter, Landrichter. XVI und 757 S. Berlin, J. Guttentag, Verlagsbuhhandlung. Geb. 5 M Diese Ausgabe des B. G.-B. wird dem preußishen Praktiker sehr willkommen sein, denn fie berüdsihtigt niht nur das preußishe Aus3- führungsgeseß, sondern au die bisher zur Ausführung des B. G.-B. erlassenen zahlreichen, in den Geseiz- und Ministerialblättern ver- streuten Verordnungen und Verfügungen, die sämmtlih, wie au die Bestimmungen des Ausführungsgeseßes, an den betreffenden Stellen des B. G.-B. und des Einführungs8gesetzes eingefügt sind. Die wichtige und umfangreiche Königliche Verordnung, betreffend den Güterstand bestehender Ehen, vom 20. Dezember 1899 ift in einem besonderen Abschnitt im vollen Wortlaut abgedruckt. Diese Zusammen- stellung erspart dem Prafktifer das Nachshlagen der zur Ausführung des B. G.-B. und des Einführungsgeseßes ergangenen Gesetze und Verordnungen. Dem Zweck der {nellen Orientierung dienen ferner die den einzelnen Paragraphen des B. G.-B. und Artikeln des Ein- führungs8geseßes gegebenen, ihren Inhalt andeutenden Ueberschriften. Außerdem sind hier und da zum Verständniß nothwendige Hinweise ae, andere Geseßessellen beigefügt. Das mit großer Sorgfalt her- gestellte Sachregister wird den Gebrauch des Buches noch wesentlih erleichtern.

In der gleihen Ausstattung erschien in dem genannten Verlage eine Tertausgabe der preußischen Lu [K RRAsLtehs zum Bürgerlichen Geseßbuch und zu den anderen Reichs- Justizgesezen nebst den zugehörigen Verordnungen, Ministerial- Erlassen und Geschäftsordnungen, nach Materien geordnet von L. Busch, Kammergerichtsrath (X[I[1 und 1096 S.; geb. 7,50 M). Dieselbe enthält zunächst den vollständigen, genauen Wortlaut aller zur Ausführung des Bürgerlihen Gesezbuchs in Preußen ergangenen geseßlihen Bestimmungen, Verordnungen ., außerdem aber in neun weiteren Abschnitten noch die Gesetze, Verordnungen und ministeriellen Verfügungen, welhe zur Ausführung des neuen Handel8gefeßbuhs, des Gerichtsverfassung8geseßes, der Zivilprozeßordnung, der Strafprozeßordnung und des Strafgesezbuch3, der Kon- kur8ordnung, des Zwangßsversteigerungsgesezes, der Grund- buchordnung, des Gesezes über die freiwillige Gerichtsbarkeit und der Gebührenordnungen in Preußen erlassen worden sind. In diese Sammlung hat der Herausgeber niht nur die aus Anlaß des Inkrafttretens des B. G.-B. und seiner Nebengeseze ergangenen, sondern auch die älteren, auf die {hon früher in Kraft getretenen Reich8s-Justizgeseßze fih beziehenden Ausfährungsbestimmungen auf- genommen. Soweit die leßteren neuerdings außer Kraft geseßt oder abgeändert worden sind, if durch Verschiedenartigkeit des Druckes darauf hingewiesen und sind in Anmerkungen die abändernden Ge- feße 2c. aufgeführt. Zur äußeren Unterscheidung ist der Dcuck der ministeriellen Verfügungen in lateinischen Lettern erfolgt. Auch dieser Ausgabe ist ein ausführlihes, ihre Brauchbarkeit erhöhendes Sach- register beigegeben.

Die Haftpfliht der Beamten, nach Reichsrè{ht und dem Recht der deut}chen Bundesftaaten unter Berücksichtigung der Haftpfliht des Staates (Gemeindeverbandes u. \. w.) dargestellt von Landrihter Dr. Delius. Berlin, J. J. Heine's Verlag, Kart. 2 M Hat ein Beamter in Ausübung seiner amtlichen Verrichtungen jemandem einen Schaden zugefügt, so muß entweder der Beamte oder der Staat, welhem unter Umständen ein Regreßreht gegen ersteren zusteht,- denselben erseßen. Für viele Fälle ist die Haftpflicht für den aus recht8widrigen Handlungen der Beamten entstandenen Schaden dur die §F 839 ff. des Bürgerlichen Geseßbus und § 12 der Goundbuchs ordnung reihsgeseßlih geregelt, aber der Artikel 77 des Einführungs- gesezes zum B. G.-B. hat doch manche Verschiedenbeiten der einzelstaatlichen Geseßzgebung bestehen lassen. Die vorliegende Zusammen- stellung des geltenden Rechts ist daher willkommen zu heißen. In geineinverständlicher systematisher Darstellung erörtert und beantwortet der Verfasser die Frage, wann der Beamte für den durch ihn ver- anlaßten Schaden persönlich und direkt haftet, wann zunächst der Staat eintritt, und wann dieser gegen seinen Beamten Regreß nebmen fann. Hierbei werden alle Beamtenkategorien (Reichsbeamte, Staats- beamte, Militärbeamte, Kommunalbeamte 2c.) berücksichtigt, unter Heranziehung praktischer Fälle aus der bisherigen umfangreichen Reht- sprehung und unter Mittheilung des eins{lägigen Landesrechts der sämmtlichen deutschen Einzelstaaten. Auch auf die gerihtlihe Geltend- machung des Schadenersaganspruch3, insbesondere auf die Erhebung des sogenannten Konflikts, wird eingegangen. Alle Beamten im Deuts- schen Reich können also aus dem Buch den Umfang ihrer Ersatz- verbindlihkeit wegen Versehen in ihrer Amtsführung entnehmen.

In dem genannten Verlage erschien ferner unter dem Titel „Preußisches Kommunalbeamtenrecht“ eine Darstellung und Grläuterung der gesammten, die Rechtsverhältnisse der preutischen Kommunalbeamten regelnden geseßlichen und sonstigen Bestimmungen von Dr. jur. Georg Kauß, Regierungsrath, und F. Appelius, Landes-Afsessor (kart. 4,20 6). Das Geseg vom 30. Juli 1899 über die Anstellung und Versorgung der Kommunalbeamten enthält feine einheitlihe Regelung der gesammten Rechtsverhältnisse der leßteren. Abgesehen davon, daß der Begriff des „Kommunalbeamten“ im Sinne des Geseyes niht die Beamten aller Kommunalverbände umfaßt, regelt das Gesetz auch nicht alle Nechtöverbältnisse der von ibm berücsihtigten Beamten. Es hat zwar dur feste Normen über Begründung der Beamteneigenshaft, Dauer des Anstellungsver- bâltnifses, Besoldung, Pensionierung, Wittwen- und Waisenversorgung für die Kommunalbeamten im Sinne des Gesetzes sichere Grundlagen ihres Rechtsverhältnisses geschaffen, hinsichtlich der Wabl, der Än- stellung, der Bestätigung, des Kautionöwesens, der Ehrenrechte, der staatsbürgerlihen Rechte, wichtiger Vermögensrechte und Recbtswohb[- thaten, der Amtspflichten, der Haftung in zivilrechtliher, strafrecht- licher und disziplinarer Beziehung aber es bei den bestehenden gesetz- lichen Bestimmungen belassen. Kauy uud Appelius fassen in dem vorliegenden Buche alle diese Vorschriften zusammen und geben cine Darstellung des ganzen preußischen Kommunalbeamten- rechts. Nach einer kurzen Einleitung über die Quellen desselben und den Begriff der Kominunälbeamten behandeln sie die ge- sammten Rechtsverhältnisse der letzteren in vier Hauptabshnitten: 1) Anstellung der Kommunalbeainten, 2) Nette, 3) Plichten derselben, 4) Veränderung und Beendigung des Beainkeinverbältnisses. In diesen Hauptabschnitten sind alle zu ihnen gehörenden geseylichen Bestimmungen und Verwaltungserlasse auf das sorgsamste gesammelt und an der Hand der geseygeberishen Materialien, det Rechtsprehung der höchsten Gerichtshöfe und der Auslegung purs die Verwaltungsbehörden er- lâutert. Auch die maßgebenden Vorschriften tes B. G.-B. und aller sonstigen neuen Justizgeseye, die so manche cinshaecidende Abänderungen des früheren ts enthalten, find dabei berü&cksichtigt. Cine fnappe \yitematishe Darstellung verbindet das Gesammtmaterial und erleichtert dessen Verständuiß und Anwendung Ein Anhan wiederholt den Text des Komnmiunalbeaintengesches vom 30. Jun 1899, ein eingehendes Sachregister bildet den Schluß. Zu den auf dem Gebicte des Kommunaldeamtenrehts so bäufig auttaucheaden Zweifels- und Streitfragen bäben die Verfasser Stellung genominen, und die praktischen Gesichtspunkte, von tenen sie sich bierbei wie in der ganzen Darstellung baben leiten lassen, werden der Praxis zu Gute fommen. Es ist zu erwarten, daß das Werk, welches als Hand-

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