1844 / 243 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

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Ausland.

Deutsche Bundesstaaten.

önigrei< Vayern. Ihre Königl. Hoheit die Kronprin- it Le 2%. August im erwünschtesten Wohlsein, aus Bod>let fommend, in München eingetroffen. Der Leipziger Zeitung wird aus München geschrieben: „,, Man hofft, die Anwesenheit des

© Ministers von Abel zu Berchtesgaden werde eine definitive Lösung

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* unserer Ochsenfleischfrage zur Folge haben, der wichtigsten, die man

hier zu Lande dermalen fennt, und die, wenn die Regierung nicht Abhülfe zu verschaffen weiß, in der That auh noch zu ärgerlichen Dingen führen könnte. Nicht nur \sprehen die Meßger der magistra- tischen Taxe unausgesebt Hohn, sondern sie scheinen entschlossen zu sein, vom 1. September an ihre eigene, willkürli< gemahte Taxe no< um 1 Kr. erhöhen zu wollen. Banquier von Hirsch soll neu=- erdings der Regierung das Anerbieten gemacht haben, die Stadt bis zu einer großen Quantität regelmäßig mit Oúseufleish no< um 2 Pf. unter der Taxe zu versehen, aber nur wenn ihm ein einjähriger Shlachtbetrieb gestattet werde, worauf nicht eingegangen worden ist.“

Großherzogthum Baden. Man berichtet aus Konstanz: Am 20. August hat sih hier ein merkwürdiger Vorfall ereignet, Vor 18 Jahren wurde ein in dem Kloster Petershausen wohnender Geist licher Nachts von drei Männern in seinem Zimmer überfallen , seiner in 1800 Fl, bestehenden Baarschaft beraubt und so mißhandelt, daß er vier Wochen nachher den Geist aufgab, Am 20. August d. J. erklärte ein hiesiger Stadt - Tagelöhner aus freien Stücken vor Ge- riht, er könne es nit länger vershweigen, sondern müsse erklären, daß er einer von denjenigen sei, welhe vor 18 Jahren den Raub= mord in Petershausen begangen. Zugleich nannte er als Mitschuldi= gen einen hiesigen Bürger und Küfer, der sofort gefänglih eingezogen wurde. Der Dritte, ein früherer Meßner im Kloster Petershaujsen, welcher wahrscheinli< die Anleitung zu dem Verbrechen gegeben, hatte sich {on vor Jahren, ohne Zweifel aus Gewissensbissen, vergiftet. Jm September beginnen die Kriegs - Uebungen unseres Armee - Corps wieder, Den Bürgern von Karlsruhe is bereits amtlich mitge- theilt worden, daß die Kasernen zur Unterbringung der einberufenen Mannschaft nicht ausreihen und 388 Mann Jusfanterie bei den Bür= gern bis zum 10, Oktober ins Quartier gelegt werden müssen. Herzog Bernhard von Sachsen - Weimar ist, nachdem er seine Schwägerin, die verwittwete Königin Adelaide, auf ihrer Riüdkehr von Schloß Altenstein nah England bis nach Köln begleitet, nach Mannheim zurückgekehrt, und wird sich nah Meß begeben, um den dortigen Manövern beizuwohnen, Das Süddeut|sche fath. Kirchen=-Blatt enthält in seiner Nummer vom 24, August in 20 Paragraphen zusammengefaßte Vorschläge zur Bildung eines „fatho- lischen Vereins für Baden,“ Nach $. 18 würde jedes Spätjahr der Gesammtverein si<h zu Freiburg, im Beisein eines erzbischöflichen Commissairs, zu einer Haupt - Versammlung einfinden, und blos aus fatholishen Einwohnern Badens bestehen,

Herzogthum Holstein, Am 47, August ist ein Kanzlei- Plakat

für Holstein ergangen, wodurch die frühere Verordnung wegen ersorderlicher vorheriger Erlaubniß zu Ausgabe von Zeit- und anderen gedruckten Schrifs- ten, die nicht mehr als 20 Bogen ausmachen und politischen Juhalis sind, wenn diese in deutscher Sprache und in einem nicht zum deutschen Bunde gehörenden Staate erscheinen, wieder in Erinnerung gebraht und mit fol- gendem Zusaye begleitet wird; „Jun Folge der häusigeren Ausgabe nicht zuzulassender Schriften der gedachten Art is dur< einen in der dritten Sizung dieses Jahres der Bundes - Versammlung gefaßten Beschluß die sorgfältige Handhabung des früheren Bundes - Beschlusses zur genauen Nachlebung eingeschärfi worden, Jn Hinsicht hierauf haben Se, Ma- jestät zur Bewirkung genauer Handhabung des Bundes - Beschlus- ses vom 5. Juli 1832 sich veranlaßt gefunden, zu bestimmen: Zeíit- schriften und andere Schriften, die politischen Inhalts sind, und nicht mehr als 20 Bogen betragen, die au<h auf deutsch in einem Staate ersheinen, der ni<ht zum deutschen Bunde gehört, dürfen nicht in dem Herzogthume Holstein fil geboten werden, che sie niht zuvörderst dem Cen- for in Altona zur Prüfung vorgelegt, und von ihm gebilligt worden, Ueber die ertheilte Zulassung hat der Censor baldmöglichst die \{leswig- holsteinishe Regierung, gleichwie au< die Polizei, zu benachrichtigen, Wenn gedru>te Schriften der beregten Art zu Kauf geboten oder herumge- theilt werden, ohne vorhergegangene Erlaubniß des Censors, müssen sie so- gleich von der Polizei mit Beschlag belegt, und die, welche sih der unzu- lässigen Verbreitung schuldig gemacht, bestraft werden nach $. 2 der Ver- ordnung vom 9, November 1819 in Beziehung auf Censur der Bücher, die nicht über 20 gedru>te Bogen betragen, gleichwie auch der Schristen, die heftweise oder in Form von Tagblättern erscheinen, und nach $. 3 der Verordnung vom 27, Dezember 1842 in Beziehung auf die Ausübung des Buchhandels.“

1322 Oesterreichische Monarchie.

_ Wien, 27. Aug, Jhre Majestäten der Kaiser und die Kaise- rin haben gestern früh ihre Reise über Graß und Laibach nah Triest angetreten und si< zum erstenmal der Wien - Gloggnißer Eisenbahn bis Gloggniß bedient.

Russland und Polen.

X Kowies bei Warschau, Ende August, Da die Regengüsse seit dem 20, Juli in gleicher Stärke fortdauern, i} vorläufig feine Milderung des Unglüds der hiesigen Fluß - Anwohner zu hoffen. Es wird \<hon bekannt sein, daß dur< die Weichsel ein Theil der Vor- stadt Praga zerstört und ein Stück der Schiffbrücke fortgerissen ist, wobei 30, nah Anderen sogar 50 Menschen verunglü>t sein sollen, Seit 1830 wurde die hiesige Gegend dur die Fluthen nicht so stark heimgesucht, als in diesem Jammer-Jahre. Die Aerndte is für die- ses, vielleiht au<h für das folgende Jahr verloren ; die Getraide- Preise, welche si< sonst sehr niedrig hielten, und zwar im Durch= \hnitt der Korzec Roggen zu 8 Fl., sind durch die Wassernoth und die gehemmte Communication ins Steigen gekommen, o daß der Korzec Roggen gegenwärtig zu 15 Fl., in Warschau zu 18 Fl., und der Weizen in der Stadt zu 40 Fl, im Werthe steht.

Mit dem diesjährigen Oktober tritt die neue Branntwein-Steuer ins Leben. Eine Brennerei, welche jährli<h 12 24,000 Garniac Spiritus liefert, zahlt pro Garniac & Fl., wel<he 30,000 Garniac liefert, pro Garniac 1 Fl., und in diesem Verhältnisse steigt die Steuer. Dieselbe kann nah ungefährer Berehnung jährlich zwölf Millionen Gulden einbringen. Die Branntweinpest herrscht hier in bedauerlihem Umfange, und ohne Zweifel hatte darauf die Wohlfeilheit der spiri= tuösen Getränke den wesentlichsten Einfluß, indem 7 Quart Spiritus nur 5 Gr. polnis< (10 Pf.) kostet. Nichtsdestoweniger habe ih un- ter meinen eigenen Leuten solhe, welche täglih für 15 —2 Fl. Spi- rituosa genießen. Bei der Höhe des hier gezahlten Arbeitölohnes dürfte die arbeitende Klasse keinen Mangel leiden, aber der Wider- wille gegen angestrengte Thätigkeit treibt zu beklagenswerther Jm moralität, zu Armuth und Verbrechen, unter denen der Diebstahl im

Vorgrunde steht. Fraukxei M.

Paris, 26. Aug. Der ausführlichere Bericht des Marschall Bugeaud über die Schlacht am Jsly dürfte, wie das Journal des Débats bemerkt, ers in drei bis vier Tagen zu erwarten sein, Der Moniteur algeri en vom 20sten d., den man heute in Paris erhalten hat, enthält dasselbe Bülletin tarüber, welches hier durch den Telegraphen eingegangen ist; nur wird dort die Zahl der marok= fanishen Reiter auf 24,000, statt auf 20,000, angegeben Nach Be= rihten aus Oran vom 17ten hätte, nit nur Kavallerie, sondern auch Infanterie und überhaupt Mannschaft von allen Waffengattungen, auh die s{warze Garde des Kaisers, maroffanischerseits an dem Kampfe theilgenommen und wäre diese barbarische Masse in wenigen Stunden von den französischen Truppen in die Flucht geschlagen worden, Der Sieg des Marschall Bugeaud wird von den Ohÿ= vositions = Blättern fast enthusiastischer aufgenommen, als von der ministeriellen Pressez der Siè cle namentli ist so freigebig mit seinem Lobe, daß er diese Waffenthat, ehe er no< ihre näheren Um- stände kennt, der Schlacht von Heliopolis zur Seite stellt, wo Kleber mit 8 9000 Mann ein Corps von 80,000 Türken besiegte. „Um sich eine gehörige Vorstellung von dem Siege am Isly zu machen“‘, sagt dieses Blatt, „muß man bedenken, daß 20,000 Reiter soviel Terrain ein- nehmen als 70,000 Mann Fußvolk, und daß man in unseren euro- päischen Kriegen keinen Anstand nimmt, ein Carré von 10 Bataillonen dur< 10 Escadrons, d. h. dur eine numerish fünfmal kleinere Streit- macht, angreifen zu lassen. Es is eine fur<tbare Probe für die Infanterie, auf allen Seiten von einer Reiterei umringt zu sein, welche feuert, einhaut, lärmt, s{äumt und in ihrem heftigen An- drang die ihr entgegenstarrende He>e von Bajonetten un- fehlbar durhbrehen zu müssen scheint, Der Marschall folgt also nur dem Gerechtigkeits-Gefühl, wenn er vor Allem die „äußerste Ausdauer“’ unserer Jufanterie belobt, Die Mameluken, da sie unsere Carrés* nicht zu sprengen vermochten, glaubten unser Fußvolk „an einander gekettet“/, Die verwegene shwarze Kavallerie Abd el Rha- man's, die ihre dir: Moe für unwiderstehlih hielt, wird ohne Zweifel fliehend dieselben Begriffe von unseren afrikanishen Soldaten mit- En haben. Der Marschall hat natürlich, da er keine Stüben ür seine Flügel hatte, seine Jnfanterie nothwendigerweise zu Carrés bilden müssen, um überallhin Front zu machen, und er wird die 14 oder 15 Schwadronen für den Augenbli>k, wo die marokkanische Kavallerie von unserem Feuer gesprengt war, in Reserve gehalten haben. Dann ist die Reihe an unsere Reiter gekommen, und die Wegnahme aller Lager des Feindes beweist hinlänglich, daß sie, obgleih an Zahl so unendli<h hinter den Marokkanern zurückstehend, bien doch nicht die

| Ehre eines geordneten Rü>zugs ließen. Wer die afrikanischen Sitten kennt, für den geht überdies aus der Hinterlassung von 800 Leich- namen flar hervor, daß eine völlige Niederlage stattgefunden und daß der Verlujt des Feindes an Todten und Verwundeten über 2000 Mann betragen muß. Das Verhältniß ist zwei Verwundete auf einen Tod- ten. Die Artillerie is in der Depesche des Marschalls nicht erwähnt, doch wird sie siherli<h in dem ausführlicheren Bericht eine bedeutende Rolle spielen.“ Den Schluß dieser Lobpreisung machen dann einige allgemeine Phrasen von der Tapferkeit der französischen Nation zu Lande und zur See, die stets si< glei bleibe, während die Regierung allein entartet sei, Ohne Angriffe auf das Ministerium lassen auch die übrigen Oppositionsblätter ihre Begrüßung des afri- kanishen Sieges nicht vorübergehen. Der Courrier français sagt: „Siegen ist wenig, man muß den Sieg zu benußen wissen. Wird man unserer Land-Armee mehr Freiheit laffen als unserem Ge- \{<wader? Prinz Joinville mag immerhin die marokfanischen Küsten entlang fanoniren und in Trümmer schießen, aber ans Land darf er feinen Fuß seßen. Marschall Bugeaud kann dem anwachsenden Feinde einen Schritt entgegenthun und ihm die Hälfte Weges ersparen, aber vermuthlich is es ihm verboten, zu weit auf feindlihes Gebiet vor- zudringen. ‘“’ Aehnlih äußert sih der Constitutionnel und fügt hinzu: „Wenn: immer noch gezögert werden soll, so werden die Ara- ber si< von ihrem Schre>en erholen, uns zwar vielleiht nit in Linie angreifen, aber mit Razzias und Algarades uns befkriegen, unsere Ver- bündeten zu Grunde rihten und unsere Streitkräfte zersplittern, indem sie ihnen überall zu schaffen machen. Daß das Journal des Débats seine heutigen Betrachtungen glei<h mit Vorbauungen in Betreff der Ankunft des detaillirten Schlacht - Berichts eröffnet, wird zweifelsohne den argwöhnischen Aeußerungen der Oppositionsblätter neuen Vorschub leisten. Nicht nur macht es weitläufig auf Alles auf- merksam, was dazu gehöre, einen solchen Bericht abzufassen, sondern auch die zufälligen Verzögerungen, die dabei stattfinden könnten, z. B. wenn nicht gleih ein Fahrzeug zu Oran disponibel wäre, um den Bericht zu überbringen, werden mit in Rechnung gestellt, damit man der Publi= cation niht zu ungeduldig entgegensehen soll. Was die Affaire selbst betri, so erscheint sie au< dem ministeriellen Blatte ernster und bedeutender, als irgend eines der von den französishen Truppen seit der Occupation von Algier in Afrika gelieferten Tressen, und aus dem Wort „empfindlicher Verlust“ folgert es natürlich, daß den Fran- zosen der Sieg eine Zeit lang von einem als sehr unershro>en und fampsbegierig bekannten Feinde lebhaft streitig gemacht worden. „So ist denn“, schließt das Regierungs-=Organ in entschiedenerem Tone als bisher, „der Krieg auf die herausforderudste und treuloseste Wéise von Seiten Marokko's begonnen, in demselben Augenbli>, wo der Sultan, seine Kaids und seine Söhne die friedlihsten Gesinnungen fundgaben, Hätte diese Regierung redlich gehandelt, so wäre Abd el Kader mit seinen 1000 bis 1200 Reitern jeßt nicht der Schiedsrichter der Ge- \chide an der Gränzez diese Hand voll Leute, unter den von den marokfanishen Würdenträgern befehligten Massen sih verlierend, war leiht zu entwaffnen. Diese Prinzen scheinen aber im Gegentheil nur gekommen zu sein, um unserem Feinde als Bundesgenossen zu dienen, als wollten sie aufs Deutlichste zeigen, daß es ihre Absicht sei, eben so wie er, ‘und ganz auf ihre eigene Rechnung unsere Feinde zu sein, Alle Welt hatte si< also geirrt, und fortan fann für uns feine Täuschung mehr stattfinden, Abd el Rhaman is} von seinem eigenen muselmännischen Fanatismus eben so beherrsht wie von dem seiner Unterthanen, und der Grad von Weisheit, den man ihm zugeschrie-

ben, erstre>t si< nicht so weit, daß er diesem doppelten Antriebe zu widerstehen vermöchte. „,,„„Abd el Kader ist der- Kämpe unseres reli- giösen und politishen Glaubens, wir föunen diesen Christenhunden gegen einen Muselmann niht Recht geben“ das is in der That die Art und Weise, wie im ganzen Jslam das Völkerrecht dem christ- lichen Europa gegenüber ausgelegt wird.“

Mehrere Oppositions - Blätter verbreiteten in den lebten Tagen das Gerücht, daß der König die Absicht aufgegeben habe, England zu besuhen. Der ministerielle Globe erklärt aber, es habe in dem Vorhaben Sr. Majestät nicht die geringste Aenderung stattgefunden, da aber der Besuch niemals früher als zu Anfang Oktobers beabsich- tigt gewesen, so könne man leiht denken, daß die Vorbereitungen dazu in diesem Augenbli> noh nit mit Eil betrieben würden.

Die Patrie will aus guter Quelle erfahren haben, daß alle Differenzen zwischen Spanien und dem Kaiser von Marokko endlich ausgeglichen seien, indem der Lebtere das Ultimatum des madrider Kabinets vollständig genehmigt und selbst die verlangte Hinrichtung des Beamten, auf dessen Befehl der spanische Konsul den Tod erlit- ten, zugestanden habe, während er anfangs nur die Strafe der Ba- stonade an demselben vollziehen lassen wollte,

Der Minister des Junern, Herr Duchatel, is gestern Abend aus dem Bade Ems nah Paris zurückgekehrt und hat sein Portefeuille wieder übernommen.

Sicilie behandelt, welhes Sie vielleicht aus eigener Ansicht kennen, Da- bei giebt es viele Männer von ausgezeichneter Bildung in Neapel, und mit besonderem Vergnügen wird der Deutsche bemerken, wie gut diese die nam- haftesten Leistungen deutscher Gelehrten kennen und würdigen, Die deutsche Philosophie hat zahlreiche Anhänger, so daß man fürzlih für gut befunden hat, Hegel und Schelling in einer öffentlihen Akademie von Schülern der Jesuiten feierlih| widerlegen zu lassen, was unter Anderem durch cinige Verse von Metastasio geschah. Die armen Jesuiten - Zöglinge, welche die traurige Rolle, Hegel und Schelling zu vertreten, übernommen hatten, zogen sich natürli<h beshämt e der Erstere mit dem Bekennt- niß, daß er seinen Meister nie recht verstanden hätte, was aller- dings sehr wahrscheinlich i; der Andere suchte si< damit noch den Rückzug zu deken, daß er aus Leibesfräften auf den angeblichen Pan- iheismus einhieb, den er bis dahin vertreten hatte. Jch glaube nicht, daß diese feierliche Widerlegung eben großen Eiudru> auf die Anhänger der deutschen Philosophie gemacht hat, und so mag man sie füglich auf sich beruhen lassen, Auch die deutsche Philologie und die Leistungen unserer Gelehrten in den Natur - Wissenschaften werden hier sehr geshäßt, und die Anhänger derselben haben bei weitem weniger Anfechtungen zu erdul- den, Gewiß is es ein Zeichen nit geringer geistiger Kraft, daß Biele sich bemühen, eine ihnen so fern liegende Bildung in sich aufzunehmen, und was ließe sich von dieser geistigen Kraft nicht für das Wohl des Ganzen gewinnen! Aber sie wird, sobald sie sich an Gegenstände von dem höchsten inie lr da Interesse wagt, eher gehemmt als gefördert, und unter steten g i erlahmt auch der beste Wille. Man will hier nicht begreifen, bef unst und Wissenschaft, wie der Regen vom Himmel alles Erdreich Rin \so Segen über alle Kreise der Gesellschast ausshütten, man säet A, a n den Sand und wundert sih vielleicht dann , wenn nur s\pärliche Mes t gesammelt wird, Auffallend is es, daß der geistlihe Stand în ü in finen ganz anderen Eindru> macht als in Rom, daß er dem welt- LA Treiben weniger fernstcht , als er sollte, und daß er seine Pflicht ur Religion und Wissenschaft auf alle Kreise der Gesellschaft einzuwi fen, wenig erkennt, Wo wäre mehr Arbeit für ihn, als in di Abel. Ua Land der Mission n, als in diesem Neapel, ein

liegt hier unmittelbar vor seinen A D hen numerischen Kräften, wie er hier beigh, geschieht voh nur wenig.

t biit ; für ige Augenbli, cu mir nah der zweiten Stadt der beiden Sicilien

zu folgen, Am Dienstag, den 9 Juli, be

L, t , begab ih mi B 5 fes „Palermo“, Les d das Sicilien o, erf Dare

fand dort eine ungemein eiche Gesell wie i<, nah Palermo wollten, um ven Welt Lettlinter La Ler Leide

Rosalie beizuwohnen, Die Maschine des „Palermo“ hat eine für die

Größe des Schiffes zu starke Kraft und giebt deshalb demselben eine höchst unregelmäßige , widerwärtige Bewegung z überdies war die See etwas un- ruhig, so hatten wir denn eine Fahrt voll Jammer und Elend, und die Freude war allgemein , als wir M. Pellegrino und Capo di Zefarana vor uns erbli>ten, als wir in die Bucht einliefen, Palermo aus den Fluthen des Meeres austauhen sahen und endlih gegen Mittag Anker warfen, Jch kann nicht sagen, wie angenehm der Eindru> war, den Pa- lermo auf mi<h machte, als i< zum erstenmale dur<h die Straßen ging. Eine planvoll, regelmäßig gebaute Stadt, in Kirchen und Palästen cin bestimmt ausgeprägter reicher Styl, das Volk ordentlih und reinlich gekleidet, Leben und Thätigkeit auf allen Straßen ohne den sinnverwirren- den Lärm Neapyels, keine Bettler :das Alles war mir wie eine neue bessere Welt, als die, aus der ih eben gekommen war, Und ging ih dann vor die Stadt nah der Marina welch ein Bli>! Vor mir das weite Meer in den wundervollsten Farben spielend, zur Seite rets der Monte Pellegrino mit seinen scharfen, eigenthümlichen Formen, re<ts Capo di Ze- saranaz und wendete ih mich, so sah ih im Halbfkreis die steilansteigenden Berge, welche die reiche Ebene von Palermo, Goldmuschel (conca d’oro) von ihrer Gesta!t und Fruchtbarkeit genannt, wie ein gigantischer Wall um- s{ließen, Gewiß hat Neapel eine unvergleichlih shöne Lage, aber nach meinem Gefühl hat die Landschaft bei Palermo mehr Charakter und macht deshalb beim ersten Anblick einen festeren entschiedeneren Eindru>. Wenn so Stadt und Menschen, Erde und Meer mich ia Wohlbehagen versezten, o war der Himmel mir nicht minder günstig. Jch hatte in Neapel nicht wenig von der JZulisonne ausgestanden, und fürchtete no< Schlimmeres in Palermo, aber diese Furcht war unbegründet; während der ganzen Zeit meines dortigen Aufenthalts war eine gleihmäßige, angenehme, durchaus nicht beshwerliche Wärme, die das Leben zur Lust machte; nur einmal auf einem Ritt nah dem sonnigen M, Pellegrino hinauf, erinnere ih mich von der Hiye sehr gelitten zu haben.

Am 14. Juli begannen die Feste, Zu einer sesta gehört hier ein \o bunt wie möglich ausgepubtes Heiligenbild , Prozession, Feuerwerk, Jllumi- nation und wo möglih Pferderennen; das waren auch hier die Bestand- theile des Festes, und zwar Alles, da Palermo sich die Sache viel kosten läßt, so glänzend wie möglich, Die Anwesenheit des Hofes, des Königs von Bayern und ciner großen Zahl ausgezeichneter Fremden, war für die Stadt eine Aufforderung mehr, alle Kräfte zu Ehren ihrer Schußheiligen aufzubieten, Das Fest beginnt damit, daß das Bild den h. Rosalia, das auf einem ungemein reih und bunt verzierten Gerüst ín solcher Höhe auf- gerichte! ist, daß es alle Häuser der Stadt überragt, von 48 Stieren durch

en Cassaro oder Toledo , der yon der Porta Felice zur Porta nuova die

Stadt gerade durhschneidet, hinauf gezogen wird, Am Abend war großes Feuerwerk an der Marina, dann Erleuchtung derselben und der anliegenden Villa Giulia, eines sehr \{ön angelegten Gar- tens, E3 war ein wundervoller Abend, die Laubgänge waren durch Millionen Lampen an den Stämmen und in den Zweigen der Bäume wunderbar erhellt, Musik ertönte von allen Seiten, und ruhig wandelten die dichtgedrängten Schaaren einher, die Mänuer in ihren kurzen blendend weißen Jacken, die Weiber in weißen Gewändern mít langen weißen Schleiern auf dem Haupte. Auch der Cassaro war erleuchtet, zwei shnurgerade Feuer- linien zogen sh auf beiden Seiten der Straße quer durch die Stadt, Bis um Mitternaht war den Fußgängern freier Raum gegönnt, dann wurde die Straße den Wagen geöffnet, und in unabsehbarer Reihe bewegten sich diese bis zum Anbruh des Morgens langsam durch die hellerleuchtete Straße. Man sieht hier bei dieser Gelegenheit einen Luxus der Equipagen, wie ihn wohl keine Stadt auf dem Festlande Jtaliens aufzuweisen hat, Am 12tcn war Pferderennen im Cassaro, am Abend wurde das Bild der heiligen Rosalia dur<h den erleuchteten Cassaro zurückgeführt, das ganze Gecüst war dur tauscnde von Kerzen erhellt, und auf demselben saß eine zahlreiche Musifkbande, welche mit Operu-Musik das Publikum erlustigte, Dann Promenade im Cassaro bis Mitternacht, die Corsofahrt bis zum Morgenlicht, wie sich diese während des Festes alltäglih wiederholte, Am 43ten abermals Pferderennen, abermals Feuerwerk an der Marina, abermals Erleuchtung derselben und der Villa Giulia. Die Freude des Festes wurde an diesem Tage durch die Nachricht von dem Ableben cines Sohnes des Königs nicht was gestört, die Königliche Familie zog sich seitdem von den Festlichkeiten zurü, die aber sons ihren Fortgang hatten, Am 14ten war das dritte Pferderennen, und am Abend die wirklih überrasheud \{<öne Erleuchtung des Junern der Kathedrale, Das Aeußere von S, Rosalia ist das \{önste Denkmal normannisch - arabisher Baukunst, das Palermo aufzuweisen hat, in seiner Mannigfaltigkeit und Anmuth, der es doch nicht au Hoheit fehlt, in seiner ganzen Eigenthümlichkeit bleibt es wohl immer einem Jeden gegenwärtig, der es einmal gesehen hat, Das Junere ent- spricht dagegen dem Aeußeren sehr wenig, es is ín eine moderne römische Basilika mit drei Schiffen, welche dur< Tonnengewölbe und eine Kuppel nah oben geschlossen sind, im vorigen Jahrhundert verwandelt worden, und entbehrt durch die blendend weiße Farbe, die Wänden und Gewölben gege- ben is, völlig der Würde, welche man nach dem Aeußeren erwarten sollte, Diese helle Färbung trägt nun aber wesentlich dazu bei, den Lichteffekt zu erreichen, den man diesen Abend erstrebt, Gemälde, Wände, Säulen, Pilaster Alles is dicht mit Wachskerzen beseßt, es sollen deren 20,000 verwandt werden, wohin

man sieht, Strahlen und Funken, das ganze Gebäude scheint von einem überirdischen Glanze erhellt, Da standen in diesem blendenden Schein auch

> Paris, 26. Aug. Ein Schreiben aus Algier vom 20, Au- gust giebt die no< der Bestätigung bedürfende Nachricht, die Armee des Marschalls sei bereits auf dem Marsche gegen Fez begriffen, und Abd el Kader sei plöpli<h von 409 marokkanischen Reitern umringt, festgenommen und zu dem Kaiser Muley Abd el Rhaman auf dessen ausdrücklichen Befehl abgeführt worden. Die leßtere Nachricht wäre von hoher Wichtigkeit, weun sie sih bestätigte. Die Nachricht von dem Siege am Jsly hat hier zwar unbestritten au einen sehr guten Eindru> hervorgebracht, aber do< bei weitem nit die Wirkung, wie die Kunde von dem Bombardement von Tanger. An dem Abend, wo die Abendblätter jene Nachricht gaben, riß man dieselben den Ver= fäufern auf den Boulevards buchstäblich aus den Hâäuden, wovon diesmal nichts zu sehen war. Uebrigens wird so ziemli allgemein anerkannt, daß mit diesem Siege no< nicht Entscheidendes gethan ist. Denn dazu wäre nöthig, daß der Marschall Bugeaud unmittelbar den Lauf seiner Operationen hätte verfolgen können, Dazu mußte er aber wenigstens dreimal so viel Reiterei haben, als er jeßt hat. Diese, zu schwach an Zahl, scheint im ersten Augenbli>ke des Kampfes ganz unthätig geblieben und erst, nahdem die in Carrés formirte Jufanterie den ersten fur<tbaren Anfall der eben so gewandten als fühnen marofkfanishen Reiter ausgehalten und abgeschlagen hatte, bei der Verfolgung der Zurückweichenden von Nutzen gewesen zu sein. Eine sehr beachtenswerthe Thatsache bleibt jedenfalls, daß dieser Erfolg errungen wurde, ohne daß die innere Ruhe in dem französischen Algerien gestört wurde, ohne daß irgend eine Schilderhebung in dessen ganzem Umfange ausbrah, und ohne daß neue Verstärkungen vou Belang von Frankreih aus dahin geschi>t worden waren.

Nach den lebten Nachrichten, die man von der Flotte des Prin- zen von Joinville hat, scheint es fast, daß vor Mogador noch Larrache bombardirt worden is, Die Briefe uud Zeitungen aus Gibraltar vom 12ten deuten darauf hin, und die Cronica sagt sogar, man habe an jenem Tage längere Zeit Kanonendonner gehört, der von Arzilla herzukommen schien, das, zwischen Tanger und Larrache gele gen, bombardirt worden wäre. Herr Drummond Hay war nah Tan- ger zurügekehrt und hatte seine Functionen als britischer General= Konsul wieder angetreten.

A Paris, 26, Aug. Die heutige Presse spricht von einem angeblihen Gerüchte, demzufolge das Kabinet von St. James, nach vorgängiger Einholung des Gutachtens der Rechtsgelehrten der Krone, den Beschluß gefaßt habe, von der französis<hen Regierung in Form eines Ultimatum’s die Desavouirung, nicht blos des Lieutenants d’Au= bigny, sondern auch des Capitain Bruat, zu verlangen. Weigere si das Kabinet der Tuilerieen, dieser Forderung Genüge zu leisten, so würde Lord Cowley seine Pässe fordern. Es wäre überflüssig, auf die innere Unwahrscheinlihkeit diefes Gerüchts aufmerksam zu machen, von dem, außer der Presse, Niemand die mindeste Kenntniß zu haben scheint, uud das mit allen glaubwürdigen Angaben über den Stand der otaheitishen Angelegenheit im Widerspruche steht. Wir wollen bei dieser Gelegenheit nur erwähnen, daß die Presse, dieses Organ der kouservativen Juteressen, überhaupt seit einiger Zeit eine ziemlich räthselhafte Rolle spielt, die der Versöhnung Fraukreichs mit England eben so wenig förderlich ist, als dem Bestande des Ministe- riums und der seit vierzehn Jahren herrshenden Politik. Die An- gabe der Revue de Paris, daß außer der Verständigung über die Prithardshe Sache au ein baldiges Uebereinkommen Englands und Frankreichs in Bezug auf die otaheitischen Angelegenheiten überhaupt in Aussicht stehe, indem Frankreich si< erboten habe , auf sein Pro-= teftorat zu verzichten, diese Angabe wird von dem heutigen Globe, der in solhen Dingen sehr gut unterrichtet zu sein pflegt, für durh= aus grundlos erklärt.

Die hiesigen Zeitungen haben si< selbst und das pariser Publi= fum so ziemli überredet, daß die Sendung des Herrn Drummond Hay na< Marokko keinen anderen Zwe> gehabt habe, als den Kaiser Muley Abd el Rhamau no< mehr gegen die Franzosen aufzureizen, ibn mit Abd el Kader auszusöhnen und ihn dur die Aussicht auf hritishen Beistand im Widerstande gegen die französischen Forderun= gen zu bestärken. Wenn es sf bestätigt, daß, wie spanishe Blätter versichern, Herr Bulwer die von ihm angetretene Reise nicht auf Cadix und Gibraltar beshränken wird, weil er gleichfalls eine Sen-= dung an den Hof des Kaisers von Marokko erhalten hat, so kann es nicht fehlen, daß der Verdacht eines antifranzösis<hen Einflusses der englishen Diplomatie auf die marofkfanishe Politik dadurch einen starken Zuwachs erhält, Den madrider Zeitungen zufolge, geht Herr Bulwer nah Marokko, um eine Ausgleichung der spanish-marokkani= {hen Differenzen zu unternehmen und um zuglei eine Art Vermit= telung au<h zwishen Frankrei<h und Marokflo zu versuchen. Aber es versteht si< von selbs, daß man hier in Paris in Bezug auf den leßtgenannten Punkt geradezu das Ge= gentheil glauben wird, So sammelt si in der Meinung

die alten Porphyrsarkophage Heinrichs VI, und Friedrich?s 11, aber Wenige richteten wohl, wie ih, ihre Augen auf die Stelle, wo die mächtigen Kaiser, unsere Helden, weit von ihrer Heimat ruhen. „Den Hohenstaufen war die Welt zu enge, drum ward die weite Welt ihr Grab“,

Es folgte der leßte und eigentlich kirchliche Festtag. Es war mir zur Pflicht gemacht, der Ceremonie in S, Rosalia beizuwohnen ; jeder Sicilianer spra mit Stolz davon, daß diese einzig in ihrer Art sei, indem Se. Majestät (der Sicilianer spricht nie anders von seinem Monarchen) sich frast seines Rechtes als apostolischer Vikar in Siciiiez, nach der Epistel das Haupt bede>e. Indessen hatte ih, wenn auch nicht gleiche, doch ähnliche Ceremonien bereits genug gesehen, und zog vor, an diesem Tage Monreale zu besuchen. Die Mortaraua und Capella Palatína in Palermo mit ihren wunderbaren Architekturen und ihren herrlichen Mosaiken hatten mich auf die Kathedrale in Monreale begierig gemacht, Der Ausflug war im hödh- sten Grade belohnend, schon der Weg zu den Bergen hinauf bietet mannig- sache Reize dar, Die Bauwerke Moureale’s sind ín ihrer Art nicht über- troffen. Jch weiß nicht, ob ih den prächtigen Dom oder den zierlichen Kreuzgang mehr bewundern soll. Lange Zeit hielt ih mi<h in dem letteren auf, und staunte immer auss neue über den Neichthum der Erfindung, der si< in der immer wechselnden Verzierung der Säulen - Kapitäle zeigt, Da sicht man auh den guten König Wilhelm 11,, wie er der Mutter Goties seine neugebaute Kirche darbringt mit der Aufschrist: Rex, qui cuncta regis, Siculi data accipe regis. Er wollte mit dem guten Werke sich den Trost der Nachkommen- {aft erwerben, aber er starb ohne Erben, und die reihe Jusel kam in die Hand der mächtigen deutschen Fürsten. Aber sein Werk hat vielen Gene- rationen, bis auf den heutigen Tag, zum Trost und zur Erbauung gereicht, Die Gemälde des berühmten Mourealese, die ih an seinem Geburtsort sah, blieben unter der sehr hohen Erwartung, die ih nah einem unbeschreiblich schönen, aber leider sehr verdorbenen Freskobild im $pedale grande in Pa- lermo gehegt hatte. Auf das lehtere möchte ih alle mir Nachreisenden um so eher aufmerksam machen, als mi< Förster? s bekanntes Reise-Hand- buch, das für Palermo überhaupt sehr mangelhaft ist, hier im Stich licß,

Jch kam noch früh genug nah Palermo zurü>, um die große Pro- zession auschen zu können, mit der die Festlichkeiten schließen, Von 9 bis nah 12 Uhr Abends bewegte sie sich langsam durch den Cassaro z alle Brü- dershaften, alle Mönchsorden, die gesammte Weltgeistlichkeit, es war ein endloser Zug. Eine große Zahl kolossaler Heiligenbilder wurde dabei auf- gesührt, manche von Haushöhe und geschleppt von 40 bis 50 Menschen auf ihren Schultern. Besonders zog das Bild der Heiligen Cosma und Damíani die Aufmerksamkeit auf si<. Diese waren, \o geht die Sage, Aerzte, welche zur Zeit der Pest sich um die Kranken sehr verdient machten,

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der französishen Nation alle Tage neuer Zünbstof, der durch irgend einen zufälligen Funken heute oder morgen zu einer er- \hütternden Explosion gebracht werden fann, Ju der Ansicht man- cher sonst ruhigen Köpfe handelt es si son jeßt niht mehr um die Frage, ob, sondern nur um die Frage, wann es zum Kriege mit England kommen wird. Und daß sih eine ähnliche Ansicht au man- her Geister in England bemächtigt habe, das beweist nur zu deut- lih die Sprache gewisser londoner Zeitungen, welche die Aufrecht- erhaltung des Friedens zwar wünschen, die aber do niht re<t an dieselbe glauben, Die in der Times abgedru>ten Briefe über die Beschießung von Tanger haben die französish-englischen Mißverständ= nisse um ein {weres Gewicht vermehrt. Die Franzosen werden den Vorwurf der Feigheit, den ihnen die Times gemacht, so bald nicht vergessen, und es is bei ihrem National-Charakter sehr natürli, daß sie si< na einer Gelegenheit sehnen, den Engländern zu beweisen, daß ihr bedeutendstes Preß- Organ den französischen Muth verleun- det habe.

Großbritanien und Irland. London, 24, Aug. Man schreibt aus Windsor, daß Jhre

Majestät die Königin in Begleitung des Prinzen Albre<t und der Silteren Königlichen Kinder zwischen dem Zten und Iten des nächsten Monats auf vierzehn Tage oder drei Wochen die beabsihtigte See- E xfursion antreten werde.

i Die beiden Journale, Standard und Morning Herald, elche die Korrespondenz-Berichte der Times aus Tanger für unecht sber fingirt hielten, erklären heute, daß ihnen von der Times die Original-Manusfripte jener Korrespondenzen mitgetheilt worden wären, aus denen allerdings hervorginge, daß dieselben von britischen Offi- zieren herrührten, Beide Blätter bleiben indeß dabei stehen, daß die Offiziere Tadel verdienten, weil sie von ihrer Leidenschaft zur Ent stellung von Thatsachen und zu groben Beleidigungen gegen die fran- zösishe Marine si< hätten hinreißen lassen, und daß die Times Un- re<t gethan habe, diese Berichte zu veröffentlichen,

„Wir hören,“ schreibt der Staudard, „daß mit dem lebten Paketboot an die Gouverneure unserer westindishen Besibungen In= structionen ergangen sind, welche denselben aufgeben, die Land- und See-Streitmacht der Kolonieen auf den vollkommensten Fuß zu stellen, und wo es nöthig scheint, dieselbe in solher Weise zu verstärken, daß sie für alle unerwartet eintretenden Fälle genügt, Wie wir verneh- men, werden no< vor dem Schlusse des Jahres ein Regiment Sol- daten und eine Dampffregatte erster Klasse nah Westindien abgehen. Die britische Regierung wird au, wie man versichert, die unlängst im Versammlungshause von Jamaika angenommene Milizbill verwer- fen und die dortige Legislatur nöthigen, das alte Geseß zu behalten, nah dessen Bestimmungen man die Miliz der Jnsel regelmäßig ein- mal monatli< zu Erxerzier-Uebungen berufen wird. Jn einer Zeit, wo wir aus der Nähe der Heimat so wenige Truppen entbehren fönnen, wird unzweifelhaft die Miliz das wohlfeilste und fräftigste Vertheidigungs -Mittel der Kolonieen abgeben können. Bei früheren Gelegenheiten leistete die Miliz zur Unterdrückung örtliher Unruhen gute Dienste, und wir sind überzeugt, daß sie sih als eben so brauh= bar zum Widerstande gegen Angrisse von außen bewähren wird, falls die Freiheiten und die Unabhängigkeit der Kolonieen von irgend einer Seite bedroht werden sollten.“

Der ininisterielle Standard erklärt si< für ermächtigt, dem Gerüchte zu widersprehen, daß die Regierung ein unbrauchbares Linienschiff dem Capitain Warner zur Prüfung seiner Zerstörungs=- maschine angeboten habe.

Sir R, Peel is heute na< Drayton Manor, seinem Landsibe in Staffordshire, abgereist,

S Mw...

Kauton Luzern. Die Tagsabung is am 24, August von dem Präsidenten mit folgenden Worten entlassen worden :

„Meine Herren, unsere Arbeiten sind becndigt. Es bleibt mir nun noch die angenehme Pflicht übrig, Jhuen für die mir bewiesene Güte und Nach- sicht zu danken, Jh bedurste Jhrer Unterstüßung um so mehr, da ih mi nicht auf meine Erfahrungen verlassen und Jhnen nur meinen guten Willen darbieten konnte, Sie haben mir meine Ausgabe erleichtert ; empfangen Sie meinen aufrihtigen Dank. Mögen unsere Arbeiten zum Heil des gemeiit- samen Vaterlandes gereichen, Mit diesem Wunsche erkläre ih die Sißung als geschlossen.“

Hierauf entgegnete die Gesandtschaft von Zürich (Mousson) :

„Jndem der Gesandte von Zürich noch einmal das Wort ergreift, will er nicht auf die inhalts<weren Fragen zurückkommen, welche die Tagsaßung zu lösen berufen war, denn er möchte nicht in dieser lezten Stunde wider- sprechende Gefühle erregen, Nicht ohne Besorgniß, Herr Präsident, meine Herren! trat der sprechende Gesandte in Jhre Mitte, heute scheidet er mit Beruhigung. Er begrüßt es als ein erfreuliches Vorzeichen, daß die per- sönlichen Verhältnisse der Gesandten im Ganzen wohlwollend gewesen sind. Männer von sehr abweichenden politischen Ansichten haben sich ertragen,

bald hier, bald dorthin liefen, um zu heilen und zu helfen, und ein Opfer endlich ihrer Barmherzigkeit fielen, Aus Dankbarkeit wird nun ihr riesiges Bild in der Nosalien-Prozession, nicht, wie andere, im Schritt, soudern stets im vollen Lauf getragen. Die Träger warten, bis ihre Vorgänger ihnen einen freien Raum von 200 bis 300 Schritten gelassen haben, und durch- laufen dann diesen Naum mit der schweren Last auf dem Rücken unter dem „Viva, Viva!” der jubeluden Menge. Am Ende der Prozession wird der kostbare silberne Sarg, in dem die Gebeine der h. Rosalía ruhen, aufgeführt, der auch, na<hdem die Prozession durh den Cassaro gegangen is , bis spät in den Tag hinein durch alle Quartiere der Siadt getragen wird. Nach Mitternacht kamen die Equipagen in den Cassaro, und nun entwickelte sich zum legtenmale die glänzende nächtige Corsofahrt, Jch bemerkte in derselben den König von Bayern und zu nicht geringer Befriedigung meines patrioti- schen Gefühls einige verehrte Glieder unserer Königlichen Familie, die erst am Morgen in Palermo angekommen waren,

Indem ich dieses schreibe, kommt mir durch Privatbriefe die hre>liche Botschaft vou dem abscheulichen Attentat gegen das geweihte Haupt unseres Königs zu. Jh theilte einem deutschen Landsmann, der jeßt hier als Mönch lebt, und den braven Benediftinern, deren Gast ih bin, sogleich die fürch- terlihe Nachricht mit, und sie Alle theilten mein Gefühl über das entsetliche Ereigniß. Denn hier, wie überall in Jtalien, is der Name unseres Mo- narhen hoch gefeiert, und dieses Volk, dem die Liebe für Kunst und Wis- senschaft angeboren is, shägt in ihm den hohen Gönner aller edlen, geisti- gen B strebungen.

Am 417, Juli verließ ih auf dem „Palermo“ Sicilien und langte nah einer glü>liheren Fahrt, als die mi<h hinübergeführt hatte, am 18ten abermals in Neapel ‘an Jch sehe wohl, ih habe Ihnen über Palermo eben so viel Einzelnheiten, als über Nea- pel Allgemeines berichtet, Aber mein Aufenthalt in Palermo war zu furz, die Aufmerksamkeit durh die Feste zu sehr in Anspruch genommen, als daß ih über die allgemeinen Angelegenheiten der Stadt und der Jnsel mich gehörig hätte unterrichten kônnen, Daß der erste, so günstige Eindru> nicht Alles im Lichte der Wahrheit zeigte, wurde ich indessen bald genug inne, An Armuth, an mangelhaster Erziehung fehlt es auch hier nicht. Der Sicilianer is ungemein stolz auf seine Jnsel und ihre Einrichtungen, und das Neue, was über das Meer kommt, ist ihm an sich verhaßt, daher verwirft er mit dem ihm weniger Anpassenden auch das Gute und Heilsame, Die Regierung hat Manherlei für die Jusel gethan, aber bis jeßt wenig Dank davon geärndtet, Man hat wohl ein sehr {warzes Bild von dem Zustand Siciliens entworsen und den gänzlichen Ruin desselben als nahe bevorstehend fürchten lassen ; aber nah dem, was ih selbst gesehen und von gut unterrichteten Personen gehört habe, stehen die Dinge nicht so shlimmz es

manche s< wohl au<h schäßen gelernt. Bringen wir diese Gesinnungen zu- rü> in unsere Kantone, und die Tagsaßung des Jahres 1844 wird nicht ohne gute Früchte bleiben. Aber auc) die wenigen Tage, wo diese gegen- seitige Achtung auf eine bedauerliche Weise verleßt worden is, sol- len ni<t verloren sein für unser Vaterland. Lernen wir daraus, daß es der Eidgenossenschaft nicht frommt, die aufregenden Erinnerungen der Vergangenheit hervorzusuchen als Waffen für die Kämpfe der Gegen- wart, Lassen Sie uns vielmehr die Gegenwart benußen, um die Keime zu legen für eine bessere Zukunft. Der Same aber gedeiht niht, der ausge- worfen wird im Sturm entfesselter Leidenschaften. Der Gesandte glaubt die Gesinnungen aller Mitglieder dicser hohen Versammlung auszusprechen, indem er Sr. Excellenz dem Herrn Bundes-Präsidenten ihren Dank E für seine eben so geschite als unparteiische Geschäftsleitung. Nie hat des- sen Stellung als Gesandter des hohen Standes Luzern auf diese Leitung nachtheilig eingewirkt. Auch dem eidgenössishen Kanzler gebührt unsere ge- re<hte Anerkennung für die gewissenhafte und vorzügliche Besorgung seiner \{wierigen Arbeiten, Dankbar werden wir uns endlich der gastfreien Auf- e erinnern, die uns Allen ín der Bundesstadt Luzern zu Theil gewor- den ist,“

Il TrA.

Nom, 19. Aug. (A. Z.) Gestern Abend traf Se. Kö- niglihe Hoheit der Prinz Karl von Preußen über Civita Vecchia, von Neapel hier cin. Jn leßterem Hafen entließ der Prinz das fardi- nische Regierungs - Dampfboot Tripoli‘“’, welches der König: von Sardinien zu seiner Verfügung gestellt und worauf der Prinz von Genua aus seine Reise ins mittelländische Meer gemacht hatte. Gleih na< seiner Aukfunft besuchte der hohe Reisende seinen Oheim, den Prinzen Heinrich, und hat heut früh mit der Besichtigung der Merkwürdigfkeiten der Stadt den Anfang gemacht. Der Prinz wird dem Vernehmen nah nur wenige Tage hier verweilen und hon am 2%, d, Mts. sh in Ancona nah Triest einschiffen. Jhre Königliche Hoheit, die Frau Prinzessin Karl wird im nächsten Monat hier erwartet.

Eine vom Kardinal - Bischof Castruccio - Castracane erlassene Be- fanntmachung ruft alle unter seiner Jurisdiction stehenden Geistlichen und weltlichen Beamten, so wie die Bewohner, die während des Erdbebens, ihrer Sicherheit wegen, die Stadt Palestrina verlassen haben, dahin zurü>, indem seit aht Tagen feine Erderschütterungen mehr erfolgt sind, weshalb gestern unter dem Andrange vieler Tau- sende ein öffentlihes Dankfest in Palestrina stattfand.

Die Ergebnisse der eben beendigten Getraide - Aerndte sind über alle Erwartung befriedigend, die Preise jedo, wegen der zahlreichen Verschiffungen nah Algier, unverhältnißmäßig hoh. Einen gleichen Aerndte - Segen hof man in deu Weingärten. Dagegen beklagen die Landleute allgemein die fast gänzliche Einbuße des türkischen Wei= zens, Anhaltende Hiße und Mangel an Regen an vielen Orten des Kirchenstaats is seit zwei Monaten kein Tropfen gefallen ha- ben die Pflanzen im Keime ausgedörrt. Eben diese Ürsachen bewir- fen auch, daß die meisten Oliven unreif und verwelft abfallen.

S panien.

Z Madrid, 20. Aug. Der Prinz von Joinville hatte vor dem Bombardement von Tanger die Vorschrift ertheilt, das Feuer nur gegen die Befestigungen zu rihten und die Häuser so viel wie möglich zu s{honen. Dec englis<he General-Konsul, Herr Hay, nahm bereits wieder Besiß von dem britischen Konsulatsgebäude, und die Marokkaner arbeiten eifrig an Wiederherstellung ihrer Batterieen und Befestigungswerke, Die 16,000 Mann unregelmäßiger Truppen, welhe zum Empfange der Franzosen in und um Tanger bereit stan- den, haben si< jedo< von dort entfernt, und es sind nur etwa 2000 Mann unter den Befehlen eines Sohnes des Kaisers zurücgeblieben.

Jn Ceuta ging am 10ten die Nachricht ein, daß bedeutende ma- rokfanische Streitkräfte sich dem Plaße näherten, Die Mehrzahl der nah Afrika bestimmten spanischen Truppen verweilt no< immer in Algesiras, San Roque und Tarifaz sie bestehen großentheils aus Re- fruten, bie von den langwierigen, während der größten Hibe zurüd- gelegten Märsche sehr erschöpft sind. Die Feinde der Ruhe Spauiens seßen alle Mittel in Bewegung, diese Truppen zu einem Aufstande zu verleiten: man hat von hier und Gibraltar aus Geld und Pro-= clamationen abgeshi>t, ohne si< jedo< bisher Gehör verschaffen zu fönnen. Zufolge dieser gedru>tenProclamationen soll die Constitution von 1812 wiederhergestellt und eine im Namen der Königin regierende Regentschaft eingeseßt werden. Alle Ländereien, welhe zu den Natio= nalgütern gehören, werden den Tagelöhnern und Soldaten gegen einen geringen Grundzins als Eigenthum verliehen, und eine Central- Junta übt die höchste Gewalt aus, bis die Revolution vollkommen durchgeführt ift.

Die Oppositions - Presse wiederholt Tag für Tag die stehenden Phrasen, wie etwa: „das System der Unterdrückung und Tyrannei, welches die herrschende Clique mit so großer Unvershämtheit befolgt, hat den äußersten Gipfel erreicht ; der Säbel allein herrs{ht und die redlihen Patrioten unterliegen vor den Bajonetten, Die Kerker

hebt si< vielmehr der Wohlstand von Jahr zu Jahr, Daß man einer besseren Zukunft entgegengeht, dafür scheint mir auch der Charakter der Sicilianer zu bürgen, der, wenn av<h zähe und stolz, do< auch ernst und fest is, und \0 mehr Gewähr giebt, als der Leichtsinn und Uebermuth des Neapolitaners. Daß einer schnellen Entwickelung große Hindernisse im Wege stehen , bedarf keiner Erwähnung, Als eines der bedeutendsten is unfehlbar die erschre>ende Zahl der Kloster-Geistlichkeit an- zusehen, die bei ihren großen Reichthümern ein üppiges und unfruchtbares Leben führt. Auch der Adel, in dessen Händen no< immer ein ungeheurer Grundbesitz is, macht von seiner Stellung und seinen Glücksgütern meist keinesweges den Gebrauch, der ihm selbst und dem Lande ersprießlich sein würde, Der ganze Zustand des Landes giebt in seiner Cigenthümlichkeit jedenfalls vielen Sto} zum Nachdenken und zu mannigfachen Beobach- tungen.

Mein zweiter Aufenthalt in Neapel währte nur kurze Zeit, seitdem habe ih Gelegenheit gehabt, das Königreich diesseit des Pharus auch im Jnnern nah mehreren Seiten kennen zu lernen, Wohin ich auch kam, ich bin immer aufs Neue erstaunt über den Reichthum, die Schönheit des Landes. Sieht man diese herrlichen, fruchtbaren Thäler, welche die Abruzzen durchschneiden, man muß meinen, kein Land sei wie dieses zum Glücke bestimmt, Das Volk, das diese Thäler bewohnt und weit hinauf zu den Felsen sich seine Häuser gebaut hat, is ein anderes, als das die Hauptstadt bewohnt, es ist nicht verdorben dur< den Verkehr mit der großen Welt, aber auch unbe- rührt geblieben von allen Segnungen der Civilisation, Wie früh ist die Bildung in diese Negionen gedrungen, und doch scheint es, als ob jeyt alle Spuren derselben vertilgt seien. Dies Volk steht dem Naturzustande jest, glaube i<, näher als vor zwei Jahrtausenden.

Mein Brief is zu bedeutendem Umfang angewachsen, und do< habe ih Jhnen kein Wort von dem reizenden Sorrent, von Amalfi in seiner einzig shönen Lage, von Ravello mit seincn interessanten Monumenten und seiner herrlihen Aussicht über den Meerbusen von Salerno gesagt, kein Wort von Salerno und Capua mit ihren großen historischen Erinuerungen, von Cova mit seinen prächtigen Wäldern, von Sora und Jsola mit ihren fruchtbaren Fluren und den tosenden Wasserfällen des Liris, kein Wort endlih von St. Germano, das zu meinen Füßen liegt, und diesem be- rühmten Kloster, in dem ich weile, Doch es bedarf dessen auch nicht, denn über die meisten dieser Orte haben Andere {hon besser gesprochen, alé ih es vermöchte, und auf andere, die mir weniger befgnnt scheinen, komme ich vielleiht in der Folge zurück,