1844 / 279 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

‘brigen wollen. Seine übrigen Reden bei den verschiedenen Em- Eo ierlichfeiten i eebolnt die bekannten Versprehungen „und behandeln das triviale Thema von der Repeal, worunter gegenwärtig das unter der protestantischen Bevölkerung Anklang findende föderale System verstanden wird. Hervorgehoben zu werden verdient, das dem Anschein nah ängstli<he Streben O'Connell'’s, die Stimmung des Volkes bei seiner veränderten Repeal-Taktik sih günstig zu er- halten. So spra er unter Anderem in einem Orte der Grafschaft Tipperary : é : : i E

„Man hat mir gesagt, daß ih nicht genug physische Sireitmittel be- säße, um meinen großen Zwe> zu erreichen, aber ih kann mich einer grôö- ßeren physischen Macht rühmen, als sie irgend ein Eroberer oder Kaiser ehabt oder gewünscht hat. Ja, Männer von Tipperarv, i bin für Euch ins Gefängniß gegangen, das Rasseln der Verbrecher - Eisen klang mir in menen Ohren, als die Gefängnißthüren hinter mir geshlossen wurden. Jh habe für mein Land gelitten und ih bin bereit , noch mehr für dasselbe zu leiden. Aber Jhr werdet mir meine Arbeit erleichtern, meine Mühen mil- dern und durch das friedliche Abwarten wie bisher beweisen, daß Jhr

würdig seid der legislativen Unabhängigkeit, welche Jrland erstrebt. Nur einen Monat will ih wegbleiben, und wenn ich zurü>fonime, so will i< S@hritt vor Schritt diese Gegend durchziehen. Jch werde auf meinem Rückwege dann dem Volke in die Augen sehen, um darin zu lesen, was in Eurem Jnunern vorgeht , und zu erfahren, ob Jhr wahr scid und man Euch vertraueu kann, Ja, ich werde beginnen in mei- ner Vaterstadt Cahireiveen, von dort nach Killarne9, Limeri> und Nenagh, und die beste Rede, welche ih in meinem Leben je gehalten, denke ich bei meiner Anfunsft hier zu halten! Langsam werde ih alsdann einherziehen, und ih werde dann erfahren, welche Gefühle das irländische Velk bescelen, Jh werde dann sehen, wie ih {hon gesagt, ob sie wahr sind und verläßlich, und mein Entschluß wird dur meine Erfahrungen dann gerechtfertigt werden, die Sache zu vollführen, die wir begonnen! Ja, ih kann auf Euch bauen! Jch kann mich verlassen auf Eure Nuhe, auf Eure Folgsamkeit gegen mein Wort. Jch bin über Alles erfreut , daß das Volk sih ruhig und gemäßigt hält und daß es entschlossen is, so zu verharren, Jch wciß, daß Jhr Al- les thut, um den Frieden zu wahren, ih warne Euch über Alles gegen die Fallen und Schlingen der Spione und geheimen Agenten.“

Ein furchtbares Unglü>k hat sich vorgestern Nachmittag in der Kohlengrube von Haswell in der Nähe von Durham ereignet. Es fand nämli gerade zu der Zeit, als eine große Anzahl von Männern und Knaben (man giebt die Zahl derselben auf 150 an) in der Grube beschäftigt war, eine Gas- Explosion, wie sie in diesen Gruben nicht selten vorkommen, statt, dur<h welche sämmtliche Arbeiter bis auf drei getödtet worden sind. Es wurden sofort - Anstalten gemacht , die Körper ans Tageslicht zu schaffen, und nah den leßten von gestern Abend datirten Berichten hatte man auch bereits über 100 Leichen hervorgeholt, Die drei geretteten Arbeiter verdankten ihre Erhaltung dem Umstande, daß sie sich am untersten Ende des Schachtes befanden, und daß bei der Verschüttung der Grube mehrere Balken eiu schirmendes Dah über ihnen bildeten und zugleich die Sti>lust, die sih entwi>elt hatte, von ihnen entfernt hielten. Mehrere Arbeiter fand man angekleidet auf einem Haufen zusammen- liegen und {ließt daraus, daß die Vershüttung uit in allen Thei- len der Grube plößlich stattgefunden hat, da die Arbeiter meistens fast na>t arbeiten, und Jene daher noh Zeit gefunden haben müssen, \ih anzukleiden und einen Fluchtversu< zu machen. Der Jammer, den das \{re>li<he Ereigniß verursaht hat, is unbeschreiblih , denn fast feine Familie in der Umgegend der Kohlengrube giebt es, die nicht wenigstens eines ¿hrer Mitglieder verloren hat.

S weiz.

Kauton Zürich. Die \{hweizerishe gemeinnüßige Gesell- schaft hat bei ihrer Versammlung in Zürich beschlossen, eine aus fünf Mitgliedern bestehende Auswanderungs-Kommission zu bilden, die sich mit Allem beschäftigen soll, was die Auswanderung vermindern und, falls sie stattfindet, das Loos der Auswanderer erleichtern kann. Die Kommission soll im Jahre 1845 der Gesellschaft das Resultat ihrer Thätigkeit berichten.

Kauton Luzern. Die hiesige Regierung hat ein Kreiê- schreiben an die se<s anderen fatholishen Stände erlassen, worin sie dieselben zu einer neuen Konferenz _in Betreff der Wiederherstellung der aargauischen Klöster einladet, Die Kosten sollen nah dem Maß- stabe des eidgenössischen Geld - Kontingents auf die Kantone vertheilt

werden. Italien.

Neapel, 24. Sept. (A. Z.) Der König, von dem man allgemein glaubte, er werde in Triest dem Kaiser von Oesterreich einen Besuch abstatten, hat seine Staaten gar nicht verlassen, sondern -Ca- labrien, und zwar Cosenza, Catanzaro, Monteleone, Pizzo, Reggio 2c. besuht und wird über Brindisi, Manfredonia, Foggia in diesen Ta-

en nah Neapel zurü>kehren. Auch die neue Straf-Koloiie auf den Tremiti-Jnseln besuchte der König und war auf diéser ganzen niït vielen Beschwerden verknüpften Reise stets von der Königin begleitet.

Diíe in Calabrien und Basilicata aufgefundenen Steiikohlen- Lager haben si, nah der Untersuchung durch sächsische Bergbau-Verständige, als sehr unbedeutend ergeben,

Die Auleihe, welhe im Jahre 1824 zum Betrage von 27 Mil- lionen Pfund Sterling in S negoziirt ‘wurde, ist nunmehr durh die Einlösung der leßten Obligationen ‘in London völlig getilgt.

Spanien.

6 Madrid, 25. Sept. Die Gaceta énthielt géstern ‘einen amtlihen Artikel, worin erklärt wird, daß die Schwiérigkéiten, welche sich der Wiederherstellung der früherhin zwischen Spanién und Ma- roffo bestandenen freundschaftlihen Verhältnisse éntgegenscbten , aus dem Wege geräumt wären, ünd däß man nahe ‘darän si, elite'Uéber= einfunft nuf dén ‘bereits féstgesehten, eben so gérehten als ‘anständi- gen Grundlagen abzuschließen. Am 17tèn kam der spanische Kötisul, welchen widrige Winde nah Cadix zurü>getrieben hattèn, in Tanger au, wo er von dem marókkanischen Befehlshäber auf das feierliste, und in Gegenwart des englisihen Gesandten enipfangen und ‘in seine amtlihen Befugnisse wieder eingeseßt wurde.

Die Grundlagen, auf dénen der Friedens - Traktat abges{lossen werden soll, sind, so viel ih erfahre, folgende. Die bei der Hinrich- wiß Dârmonit's betheiligten Beamten ‘werden abgésebt, ‘die'Ueberreste dieses Unglücklichen ausgegraben ‘und nah dem Ritus ‘seiner Religion t seine Ange gen erhalten eine Geldsumme aus dém 'iña- roffanishen Staatsschah. Die Gränzlinie ‘des von ‘den Spaniern

um Ceuta zu behauptendèn Gebietes wird auf dém Füße hergestellt, wie er in dem lehten Traktate zwischen beiden ‘Mächtèn festgeseyt is. Cine Kommission, bestehend ais Spaniern, Marokfänern und den Be- E Une (vit ata Macht, soll N E s Bes, niger \panischer Fahrzeuge, deren ‘die roffaner D bemächti en, zu ritte . Enblich scheint ‘es, dáß die Bete O d

listang des Expebitions-Corps verwende titsagt.

| ahbem auf diese Weise bein Audbruh eines mihlosen Kampfes R worden, hat der ‘neüe Minister ‘ber ‘ailówärtigén ‘Angele- genheiten, Herr Martinez de la’ Rosa, sein Augenméik auf ‘einén ‘an

im Oktober 1811 ein Bevölltiätigter "ver M it dem damaligen Minister dér“aüwärtigen

nsprüchén “auf Enksc digung für die äuf

if vôsn ‘Uruguay

t Espártero?s {loß

elégénheitén, ‘Don .

1482

Antonio Gonzalez, einen Handels - Traktat ab, dessen Bestimmungen sür Spanien so überaus lästig sind, daß nur ein so unwissender Mann wie Herr Gonzalez si< entschließen konnte, ihn zu unterzeichnen. Un- ter Anderen wurden die Schiffe mit uruguavgischer Flagge den spani- schen völlig gleichgestellt, so daß irgend éin fremdes Schiff si< nur mit Papieren dieses Staates zu versehen brauchte, um in Spanien aller Rechte der einheimischen Flagge zu genießen, denn über die Be- schaffenheit der Certififate und den Ursprung der Schiffsmannschaft war nichts festgeseßt. Die Republik beeilte si, die Ratification die- ses Traktats hierher zu si>en, allein hier erhoben si< so nachdrü>= liche Stimmen gegen den Jnhalt desselben, daß die Minister Espar=- tero'’s niht wagten, ihn zua ratifiziren. Unter dem spanischen Land=- volke der nördlichen Provinzen, noch mehr aber unter den Bewohnern der fanarishen Juseln, herrsht der Wahn, daß man in Montevideo sich \hnell bereichern könne, ein Umstand, der zu zahlreichen Aus- wanderungen na< dem Uruguay Veranlassung giebt. Während des Zeitraumes von 1836—1841 wanderten 13,606 spanische Unterthanen dorthin aus, denen späterhin etwa 5000 andere gefolgt sein mögen. Diese Leute gelangen zum Theil dur ihren Fleiß zu einigem Ver- mögen, da aber Spanien bisher keinen Konsul bei der Republik an= gestellt hat, so befinden sie si< ohne allen Schuß und sind allen Ar- ten von Gewaltthaten und Erpressungen preisgegeben. Man verhin- dert sie, das Land wieder zu verlassen, und bei dem obwalteuden Kriege mit Buenos - Ayres hat man die spanischen Unterthanen ge= zwungen, niht nur in der National - Miliz, sondern au unter den Linien-Truppen Kriegsdienste zu leisten. Ja, man überfiel sogar die in dem Hafen liegenden spanischen Schiffe, sührte die Mannschaft ans Land und reihte sie unter die Truppen ein. Alle Klagen jener Un= glüd>lichen, die hierhergelangten, wurden von Espartero unberücksichtigt gelassen. Die provisorische Regierung hatte beschlossen, ein Geschwa- der nah dem Rio de la Plata zu schi>en, als die Händel mit Ma=- roffo den Abgang dieser Schiffe verhinderten. Nun hat die Regie- rung auf den Antrag des Herrn Martinez de la Rosa diese Angele- genheit aufs neue in Betracht gezogen, und den diesseitigen Konsul in Bayonne, Herrn Creus, hierher berufen, um ihn, mit den gehöri= gen Jnstructionen versehen, und von einigen Kriegsschiffen begleitet, als General - Konsul nah Montevideo abzuschi>en, damit er über die Interessen der dortigen spanischen Unterthanen wache.

Die Regierung hat den vormaligen Finanz-Minister Carrasco (Marquis von Santa Olalla) und den Marquis von Peñaslorida, früher Minister des Junern, zu Senatoren ernannt. Jener war von der Provinz Badajoz, dieser von Madrid vorgeschlagen worden.

Die Gaceta veröffentlicht heute ein Königliches Dekret, ver= möge dessen den Jnhabern von Schatßbillets, welche in Folge des Geseßes vom 29, Mai 1842 emittirt wurden, gestattet wird, diese gegen dreiprozentige Staatspapiere zu dem Course von 32 pCt. um- zutaushen. Die Regierung wird den Cortes diese Maßregel mitthei- len. Da dieses Dekret bereits am 13ten unterzeihnet, aber erst heute veröffentliht wurde, so giebt dieses zu mancherlei Auslegungen Veranlassung. Gestern stiegen an der Börse die drei- und die füuf- prozentigen Papiere, Heute schwankten jene zwischen 28 und 29, diese zwischen 21% und 21%, auf zwei Monate.

Es heißt, Herr Martinez de la Rosa hätte seinen vertrautesten Freund, den Jutroducteur des Ambassadeurs, Herrn Arana, zum Ge- sandten in Neapel, und dagegen dessen Schwager, den Herzog von Rivas, der diesen Posten gegenwärtig bekleidet, und ebenfalls ver= trauter Freund des Minister-Präsidenten is, zum Botschafter am franzbsis{hen Hof ernannt. Es is indessen wohl anzunehmen, daß nur die persönlien Feinde des Herrn Martinez de la Rosa dieses Ge-= rücht aussprengen, um ihn als einen von unstatthaften Privat-Rük= sichten geleiteten Mann darzustellen.

Portugal.

A Lissabon, 24. Sept. Je näher -der Augenbli> rü>t, wo der parlamentarishe Kampfplaß in den Cortes sich aufs Neue öffnet, und die Parteien ihre Kräfte abermals geaen einander abwägen, desto eifriger ergeht man sich auch bereits in Berechnungen über die gegen- seitige Stärke und das daraus zu erwartende Resultat des Zusam= menstoßes. Wird das Ministerium die Majorität in beiden Kammern für sich haben? is die Frage, welche jeßt vor allen anderen die Ge-= müther beschäftigt. Die Oppositionsmänner beantworten sie eben so zuversichtli<h verncinend , als ihre Gegner bejahend ; jene rehnen insbesondere die Majorität in der Pairs - Kammer dem Ministerium entgegen zu sehen, seitdem der Herzog von Palmella eine oppositionelle Stellung gegen das Kabinet in Folge des ‘vielbesprochenen Dekrets vom 4. August eingenommen hat. Nach den Erfahrungen der früheren Sessionen jedoch, ja selbst aus der Stimmung ‘und dem Charakter der meisten Mitglieder der Pairs-Kammer, läßt sh diese Hoffnung der Oppyósition durchaus nicht als zuverlässig begründen , und ungeachtet des augenbli>lihen Anschlusses des Herzogs von Palmella an die Partei, als deren Haupt man den Visconde Sa da Bandeira betrachten fann, würde ‘diese sih do<h sehr irren, wenn sie den Herzog geneigt glauben ‘wollte, in alle Pläne der Septembristen einzugehen. Jn der Deputirten-Kammer is das Ministerium, oie ih Jhnen schon früher meldete, auch jeßt der Mehrheit sicher.

Von dein Dekrete vom 1. August, das so viel Geräusch ‘verur = sat hat, machte das Ministerium bis jeßt einen sehr gemäßigten Gebrauch, obgleih es an Anlaß ‘dazu feineêweges fehlte, Die Richter tes Appellation8hofes hier (corte da relaçao) sind den Wirkungen jenes Dékréts'bekanitlich ebenfalls unterworfen. Dessenungeachtét haben sie vor wêenigen Tagen es} ein Urtheil des Richters erster Instanz gegen den Herausgeber des Patriota, der wegen eines mit unglaub- lihér Héftigkeit geschriebenen, wahrhaft aufrührerischen Artikels in éine Geld- und ‘Géfänguißstrafe verurtheilt worden war, uümgestoßeu, und der Herausgeber des Blattes geht somit straflos aus. Troßdem ist ‘bis ‘jeyt keines der Mitglieder des Appellätionshofes von hier an einen andern Ort verseßt worden, ‘wie das Ministerium solches kraft dér ‘Befugnisse, die ihm das Dekret vom 1. August giebt, hätte thun fönien.

Die nördlichen Provinzen, besonders die Wein-Distrikte an den Ufern ‘des Duro, sind im Anfange d. M. von Natur - Ereignissen {wér ‘heimgesuht worden. Dasselbe war ‘in dem Thale des Flusses Povoa der Fáll. Furchtbare Regengüsse richteten in Gärten, Feldern, Weinbergen entsehßlihe Verheerungen an und vernichteten auf großen Stre>en niht nur die Aerndte dieses Jahres, sondern auch die Hoff- nung auf solche für mehrere Jahre hinaus. Auch Menschenleben gingen dáäbei zu Grunde.

Griechenland.

& Athen, 18. Sept. Die Deputirtenwaähl von Athen ergab in folgender Ordnung die Namen : Kaliphronas, Kolettis, Metaxas und Blathos. Dér erste und vierte sind eingeborene Athener, Kaliphronas, ein Septembrist, gilt als ‘ein Anhänger ‘von Kolettis, jedoch mit stark ausgesprochenen autohthonen Sympathieen, welche bekfanitlih Kolettis nt theilt. Auch in ‘der ‘Maina sind ‘die Wahlen ganz ‘im Sinne der bestehenden Regierung ausgefallen. Dort standen ‘dem a etretenen Ministerium Maurokordatos die beiden alten (srüher feindlichen) Fa- amilien Mauromichalis und Tsanettakis ‘mit ihrem mächtigen Athange ‘entgegen, ‘und da dassélbe sah, daß ‘es mit ‘seinen - Kändidaten unter- liegen werde, ‘so wurden dem Fortgange der dortigen Wahlen alle

erdenklihen Hindernisse in den Weg gelegt, was die Leidenschaften \o sehr erhißte, daß der Bürgerkrieg auêsbrah und nur mit großer Mühe und Anstrengung von Seiten der Häupter der erwähnten Familien wieder beigelegt werden fonnte. Leider sollen na<h der Wahl neue binige Feindseligkeiten vorgefallen sein.

u< die Wahlen von Korinth sind ministeriell; dort wurden die von Maurokordatos hart verfolgten Chefs der Familie Notaras (der ältesten im Peloponnes) mit eminenter Stimmen-Mehrheit gewählt.

Der erste Jahrestag des 3. (15.) September wurde mit einem Tedeum in der Hauptkirhe, an welhem Jhre Majestäten Theil nah- men, und dem Defiliren der Garnison vor dem Königlichen Palaste gefeiert. Abends war die Stadt, wiewohl nur spärlich, erleuchtet. Bemerkenswerth is, daß anu diesem Tage viele Offiziere und Soldaten das Denkzeichen des 3. Septembers gar nicht trugen, unter den Civilisten is dasselbe ganz vers<wunden. Der Enthusiasmus war niht übermäßig, der Tag verlief ohne die geringste Demonstration oder Ruhestörung, und kaum hörte man am späten Abend hie und da einen Freudenshuß. Das einzig beklagenswerthe Ereigniß war der Tod eincs Knaben aus guter Familie, welcher von einem betrun-= fenen Artilleristen aus Versehen ershossen wurde; denn der Schuß galt eigentlich einem Polizei-Kommissarius, welcher den Thäter seines Schreiens wegen zur Rede stelle. /

An diesem Tage wurde eine Broschüre vertheilt, worin sämmt- lihe Proclamationen, welche Kalergis seit dem 3. September v. J. erlassen, und einige interessante Briefe, welche er an hiesige und aus- wärtige Diplomaten geschrieben, abgedru>t sind. Als historisches Fak- tum müssen wir anführen, daß er in einem Briefe an die hiesigen englishen und französishen Gesandten diesen, neben anderen Verdien= sten um die Sache des 3. September, auch ausdrückli< für die guten Ermahnungen und Rathschläge dankt, welche sie ihm am Abend des 2, (14) September, also am Vorabend der Revolution zur Aufrecht= haltung der Einigkeit und Ordnung gegeben haben. Ein Beleg, der natürli allen denjenigen sehr willfommen war, welche diese beiden Herren der Mitwissenschaft oder gar der Theilnahme und Leitung des Komplotts vom 3. (15.) September von Anfang an verdächtig machen wollten.

Die Organe der Opposition klagen über das Erscheinen von neuen Räuberbanden an der türkishen Gränze und wollen mit einem Seitenbli> auf den Kolettis {huld gegebenen Propagandiëmus zu verstehen geben, daß die Türken die Einfälle solé<her Banden auf jede Weise hervorriefen und begünstigten, seitdem das neue Ministerium an der Spibe der Angelegenheiten stehe. Ein Journal stellt die Be- hauptung auf, Rumelien befände \i<. in derselben traurigen Lage wie 1836. Hierauf antworteten die Freunde des Ministeriums, dics ist sehr wahr, denn wie ein Glied der Maurokordatos ergebenen Familie Stratos si< im Jahre 1836 an der Spiße von zahlreichen türkfi- hen Räuberbanden, welche er jenseits der Gränze gesammelt hatte, das Land in Aufstand zu bringen suchte und bis Missolunghi vordrang, ebenso vershreibt nun dessen Bruder seine Freunde von jenseits der Gränze, um si< wegen des Falles seines Gönners und des Wahl- sieges seines Todtfeindes Grivas zu rächen. Jch lasse die Wahrheit der einen und der anderen Behauptung auf sich beruhen und erwähne derselben nur deswegen, weil sie mir für die Charakteristik der hiesi gen Parteikämpfe charakteristish erscheint.

Den 19. September. Heute Nachmittag um 2 Uhr fand die feierliche Eröffuung der Kammern statt, Das für die Sißungen der beiden Körper bestimmte Lokal is ein dem König eigenthümlich gehöriges Gebäude, welches derselbe kurz na< seiner Ankunft in Griechenland gekauft hatte und [das unter dem Namen der alten Residenz befannt ist. Die geräumige Tanz-Rotunde desselben, in welchem auch die National=Versammlungen ihre Sißungen gehalten, ist um der zweiten Kammer, hier vorzugsweise „Kammer“ im Gegensaße zum „Senate“ genannt, eingeräumt. Hierhin verfügen sih die beiden anderen Ge- walten und dort verkündet, wie in Frankreich und Belgien, der König von einem zu diesem Zwe> ausgeschlagenen Throne, welcher hierauf wieder weggenommen wird, die Erössnung des Landtages, während in der englishen Pairs-Kammer der Thron Jahr aus, Jahr ein fest- steht (da das Oberhaus ursprünglich des Königs Rath war) und die zweite Kammer dorthin zur Eröffnung des Parlaments vorgeladen wird, Zur äußeren Charakteristik der griehis{hen Constitution gehört auch noch der Vorrang, welcher sowohl in der Constitutions-Akte, als auch in den übrigen Staatsschriften der Deputirten-Kammer vor dem Se- nate eingeräumt wird. Jn Belgien is dies eben so, nur nimmt dort der König die dritte Stelle ein, während er in der griechishen Charte den beiden Kammern vorsteht.

Nachdem heute Morgen die Sibungslokale beider Kammern von dem Bischof von Attika geweiht und eingesegnet worden, wurden De- putirte und Senatoren vereidigt; erstere unter Vorsiß des Altersprä- sidenten, für leßtere hatte der König, welhem nah der Constitution das Recht zusteht, no< keinen Präsidenten ernannt. Um 2 Uhr Nach- mittags fuhr der König zwischen den Spalieren der hiesigen Trup- pen in das Ständehaus, an dessen Eingang ihn eine Kommission aus beiden Kammern empfing und zum Throne geleitete, Nachdem er auf demselben Plah genommen und die Versammlung zum Sitßen eingeladen, las die Thron-Rede ab:

(Da wir diese Thron - Rede bereits in Nr. 277, aber nur nach einer mangelhaften Uebersebung, gegeben haben, so wiederholen wir hier diejenigen Paragraphen derselben, in welchen si< wesentliche Ab- weihungen von jener ersten, wahrscheinlih nur nah dem bloßen An- hören ‘gemachten Ueberseßung finden; ‘es sind folgende :)

7 Meine Verhältnisse zu den fremden Mächten -sind durchaus freundschaftlich, und Jch fühle innige Freude, Jhnen dieses anzeigen zu kön- nen. Besondere Dankbarkeit sind wir aber denjenigen Mächten s{<huldig, welche, nachdem sie uns in dem Kampfe um die Freiheit nachdrülicher bei- gestanden, unsere Unabhängigkeit thatkrästig unterstüßt haben und zu unter- stüßen und zu beshüßen forifahren. i

„Die Ansprüche einer rühmlichen ‘Vergangenheit werden in fkeinel Weise übersehen weiden. Eben so wird unsere Aufmeiksamkeit in, Anspruch nehmen der Glanz der heiligen Religion, ihre möglichst vollständige Drga- nisation dur< zwe>mäßige Geseß -Entwüirfe, ihre Festigung und die Ent- wickelung des öffentlichen Unterrichts, ferner die Vervollkommnung und Verbesserung des Heeres, welchem die Sicherung des Reiches und die ge-

naue Vollstre>ung der Gesche obliegt, i; u A Es ist Jhre Aufgabe, meine Detteii; dur die Gewährung derjenigen

r" .“ 1e / billigen Míttel Meine Regierung zu unterstüßen, ohne welche dieselbe in der Leitung der Staats - Angelegenheiten auf Hindernisse stoßen müßte, die sowohl den Privat - als ‘den Gesammt - Interessen Nachtheil bringen wür-

den ; Die Vereinfachung der Gesebgebung und ‘deren mit dem Zuslande des Volfes mehr cia liimmende Abänderung wird der Gegenstand dieses

ersten Landtages sein. + - *

Moldau uud Wallachei.

Bukarest, 6. Sept, Der Fürst Bibesco hat das Ministerium des Junern beauftragt, s{< über die Maßregeln zu ‘berathen, wie sämmtliche Distrikte des Landes auf eine zwe>mäßigere Weise und zur größeren Erleichterung ‘der Eiuwohner sowohl, als der Verwal- tung eingetheilt und arrondirt werden können. Auch soll-zugleich dem Uebelstande abgeholfen werden, daß einige Distrikte gar keinen Haupt- ort als Centralsiß der Behörden haben uud derselbe in anderen zu klein oder unzwe>mäßig gelegen ist.

Eine zweite Verordnung besagt, daß der Fürst bei seiner lebten

Anwesenheit in Plojesht s{< dur< den Augenschein von dem nah- theiligen Einflusse überzeugte, den die allzu große Ausdehnung dieser Stadt durch isolirte Ansiedelungen theils auf die Verschönerung und Reinlichkeit, theils auf die Handhabung der polizeilichen und admini- strativen Functionen ausübt und eine Bersplitterung der zum Aufblü- hen des Ortes erforderlichen Gesammtkräfte veranlaßt. Das Mini=- sterium wird daher beauftragt, soglei die nöthigen Maßregeln zu ergreifen, um diesem Uebelstande sowohl in Plojesht als au in an- deren Orten, bei Zeiten dur Aufführung von Barrieren und Be- stimmung eines angemessenen Rayons zu steuern und dafür zu sorgen, daß ein weiterer Anbau außerhalb. derselben niht mehr stattfinde.

Türkei.

Konstantinopel, 18. Sept. Der Gesundheits - Rath ift wieder in Wirksamkeit getreten, und die Pforte hat, um den Reprä- sentanten der fremden Mächte einige Genugthuung zu geben, den bisherigen Vice-Präsidenten desselben, Emin Efendi, abgeseßt und au seine Stelle den bei den Europäern sehr beliebten Direftor der Qua- rantaine vou Smyrna, Riski Bei, ernannt. i

Aus Beirut wird vom 7. September gemeldet, daß die Drusen und Maroniten auf den Vorschlag des Kapudan Pascha den Kaiser- lichen Ferman in Betreff der Entschädigung der Christen angeuommen haben. (S. Allg. Preuß. Ztg. Nr. 272.) Die Marouiten wer=- den, um nicht einem Kaimakam der Drusen untergeben zu sein, mit Bewilligung Halil Pascha's, in das Gebiet ihres Chefs, des Erzbi= \hofs, auswandern,

La Plata - Staaten.

Loudon, 1. Oft. Mit der dänischen Bark „Sarah Johanna“ sind Nachrichten aus Buenos Ayres bis zum 26, Juli, und aus Montevideo bis zum 1. August eingegangen, die aber über die Unterhaudlungen mit Brasilien nichts melden, Die Entfernung des Commodore Purvis von Montevideo hat dort tiefen Eindru>k gemacht. Die Desertion unter der Besaßung dauerte fort. Jn Betreff zweier Milicianos, Namens Goroci und Romero, hatte der jebige Plab-= fommandant und Kriegsminister Pacheco y Obes eine Proclamation erlassen, worin beide für infam erklärt werden, ihre Verfolgung, und im Falle der Habhaftwerdung ihre unverzügliche Erschießung angeordnet wird. Werden sie binnen 48 Stunden nicht festgenommen, so sollen ihre Familien aus ihren Häusern vertrieben , diese verbrannt, an deren Stelle aber eine Tafel mit der Juschrift geseßt werden: „Hier stand das Haus eines Feiglings, und die Gerechtigkeit der Nation hat es geschleift von Grund aus.“ Ein gleiches Verfahren soll gegen alle beobachtet werden, die fünftig desertiren. Durch ein anderes Dekret werden 4100 Dollars Belohnung jedem versprochen, der einen der vier Brü- der Mainero, die Kriegsdienste zu thun sich weigerten, tödtet. Diese Schre>ensbefehle sollen von dem jeßigen Anführer der ehemaligen französischen Legion ausgegangen sein, die nun emen eingebornen Montevideaner zum Führer hat.

Ostindien.

alta, 25. Sept. (Telegraphische Depesche.) Das Dampfboot „Liverpool“ is heute Abend mit der indischen Ueberland= Post von Alexandrien hier angekommen. Die Nachrichten aus Bom-= bay reihen bis zum 27. August und sind ohne Interesse. Truppen- Detaschements, welche nah Schirkarpur gesandt worden waren, mußten wegen großer Hiße und Wassermangels si<h wieder zurückziehen. Eine Expedition gegen den König von Buchara wird in Kabul vor- bereitet. Afhbar Chan wird sie kommandiren. Das Pendschab ift in größerer Aufregung, denn je. Lord Ellenborough wird im Laufe des heutigen Tages nach Malta kommen.

Die Gewerbe- Ausstellung der deutschen Bundes- und Zollvereins: Staaten. ergl. Allg. Preuß. Zt g. Nr. 227, 238, 240, 242, 243, 248, 249, 252, 253, 254, 255, 256, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277 und 278.)

XLVIl. Brennstoffe.

Wenngleich die Brennstoffe, welche Deutschland zu seinen Gewer- ben zu verwenden hat, allgemein bekannt und hier nur im Vorüber- gehen zu erwähnen sind, so haben sie doch eine zu große Wichtigkeit, um darüber ganz zu shweigen, und zumal da der Mangel des immer kostbarer werdenden Holzes den Gewerben großen Nachtheil droht, wird es yon Interesse sein, zu hören, daß andere in Menge vorhan- dene Brennstoffe das Holz großentheils zu erseßen versprechen. Die Anwendung dieser Brennstoffe zur Erzeugung von brennbaren Gasen (Kohlen-Oxyd und Kohlen-Wasserstoff-Gas), mittelst besonderer Vor- richtungen wird den meisten des Feuers bedürfenden Gewerben einen bedeutenden Vortheil bieten, da theils hierdurh die ganze Brennkraft nüßlich verwendet, theils aber der Nachtheil umgangen wird, welcher dur< unmittelbare Berührung der Brennstoffe mit dem zu bearbei- teuden Produkte hervorgeht und daher deren Anwendung bisher ent- gegentrat, Es sind schon erfolgreiche Versuche gemacht, mit Gasen Eisen zu shmelzen, und es dürste keinem Zweifel unterliegen, daß bald in den meisten Gewerben auf ähnliche Weise Gas verwandt werden wird, Dadur<h wird es entbehrli<h werden, das Holz zu verfohlen. :

Von den in unserer Ausstellung befindlichen Arten von Breun- material, welche freiliÞ nur von den wenigsten Gewerbetreibenden eingesandt worden, verdienen vorzüglich die Steinkohlen und Coaks von Saarbrücken Beachtung (Kat. Nr. 14189), Dies treffliche Ma- beilauts Vest as ein dd bedeutender Erwerbszweig der Rheinlc eßt, on vorzüglicher »aßli Verwendungen in den Gat L i A S E E A

Weniger gut, jedo< auch sehr brauchbar, sind die Steinkohlen aus Schlesiens Gruben (von Königshütte und von Eugenien Glüd> bei-Laurahütte Nr. 2076) und die aus dem plauenschen Grunde von Pottschop pel, welhe auf Burgkhammer verwandt werden.

Von den ausgestellten Braunkohlen möchten die in der Umgegend von Berlin, bei Fürstenwalde vorkommenden, theils in den Händen der E von Rappart unnd Bußler, theils in denjenigen des Herrn Cosmar befindlichen, zu erwähnen sein, da sie für die gewerbliche Anwendung in Berlin von dem größten Nußen zu werden verspre- a Ee zuvor die Brennräume und Vorrich-

r 4 t 9 n r, 2206 T a C ERE haben. (Nr, 1971 Hildebrandt uh für Schlesien, welches noch einen. groß von Braunkohlen und Stelukohlen besie Cre Crd 07 die bei “Grüneberg -gefundeue, ‘von ‘dem ‘Kaufmann Pohlenz daselbst unter Nr, 2072 ausgestellte Kohle ‘von Junteresse.

Durch die Auwendung des Torfes zur Gäserzeugung -wird auch dessen Verbrauch allgemeiner werden und manchen Gegenden Hülfs= mittel zur Gründung technischer Anstalten darbieten können, welche jeßt deren nicht haben.

Die von mehreren Gegenden, besonders aus Westphalen, ein- gesandten Holzkohlen liefern den Beweis eines guten Erfolges der

1483

Waldverkohlungz so die vom Königlichen Hüttenamt zu Lohe und Littfeldt im Kreise Siegen unter Nr. 1260 eingesendeten,

XLIX. Eisenerze.

Bei weitem der größere Theil der bei den Eisenwerken ver- wandten und mit ausgestellten Eisensteine besteht aus Gelb=- und Brauneisenstein mit verschiedenen Beimengungen (Cisenoxydhydrat) aus deu Flößformationen. Diese Eisensteine, zum größten Theil dur< Zerseßung von fkohlensaurem Eisenoxydul entstanden , enthalten nichts der Eisen - Fabrication Nachtheiliges, und daher zeichnet si alles daraus erzeugte ausgestellte Stabeisen dur Zähigkeit und Weich- heit aus. Die weitläuftigen Werke der Gebrüder Krämer auf der Quint bei Trier (Nr. 1198), Laurahütte (Eisenstein vom tarnowißer und haulter Revier) (Nr. 2076), Malapane (2775), Königshütte und Gleiwiß 2c., Schlesien, (938), Wasseralfingen (2598) und Königs- bronn (2596) in Württemberg u. a. m. geben Beweise dafür, und ist das aus diesem Eisenstein geblasene Roheisen dem englischen, aus Sphärosideriten der Kohlenformation erzeugt, am ähnlihsten. Aus- gezeichnet in der Form is der von Pönsgen zu Schleiden (1181) eingesandte fugelförmige Brauneisenstein.

Vieler anderen Brauneisensteine dürfte niht zu gedenken sein, da sie nichts Ausgezeichnetes darbieten.

Diejenigen Eisenwerke, welhe Raseneisenstein verarbeiten, wie z. B. Lauchhammer bei Müenberg, haben mit Schwierigkeiten we- gen der durch dieses Material so sehr bedingten Sprödigkeit des Guß - und Stabeisens zu kämpfen.

Die meisten der Gegenden, welche den Stahlstein (Spatheisen- stein, Pflinz, fohlensaures Eisenoxydul, Gelbspath, Eisenspath) erzeu- gen, nämlih Siegen und Westphalen, Schmalkalden in Thüringen, Gittelde im Herzogthum Braunschweig, Mägdesprung im Herzogthum Anhalt - Bernburg, Jnner - Oesterreich, haben Proben von diesem un- vergleichlihen, dur<h seinen Mangangehalt zur Stahlfabrication so ausgezeichneten Material eingesandt, Dieses Material liefert ein wei- ßes, zum Theil spiegelihtes Roheisen, aus welhem das trefflichste, dur< Härte und Zähigkeit ausgezeihuete Stabeisen eben so gut wie vorzüglicher Stahl hergestellt werden kaun. i

Es i folgender Stahlstein ausgestellt :

1) Von der Grube Georg zu Horhausen unweit Saynerhütte, welche auch noch zu dem Stahlroheisen Brauneisenstein von Horhau- sen (Louise) und Manganstein (einen zelligen dichten Brauneisenstein mit frystallisirtem Pyrolusit) als Zuschiag verwendet,

__2) Gebr, Bö>ing (Nr. 1204) von Asbacher Hütte bei Kirn (Koblenz). i

3) Revier Loh und Littfeld und Bergamts-Bezirk Siegen. Hier fommt der Stahlstein als Ganzmasse t den ih Revier Müßen einbre<enden Blei- und Kupfererzen vor.

__ 4) Herzoglich anhaltishe Bergwerks-Kommission zu Harzgerode, Stahlstein von Neudorf, wo er einen Hauptbestandtheil der Ganz- masse (Nr, 2290) der dortigen Bleierzgänge ausmacht. :

An Rotheiseusteine ist als ausgezeichnet der von Gebr. Krämer (1198) eingesandte von Lommersdorf a. d, Ahr zu bemerken, der Brauneisenstein von Horhausen von der Grube Louise, von Sayner= Hütte eingesandt (Nr. 1205), dürfte als einer der \{hönsten seiner Art betrahtet werden können. Von Thoneisenstein hat nur die O Hütte bei Myélowiß in Schlesien bei Orzeshe Proben ein- gehandt.

Kalkstein als Zuschlag bei dem Hochofen-Betriebe is eingesandt: 1) von Laura-Hütte (2076). Derselbe briht zu Siemiauowibß, fer- ner von Sayner-Hütte (Grobfalfk) von Budenheim bei Mainz und 3) von Königs-Hütte in Schlesien (Muschelkalk), Die zur Vitriol- Bereitung gehörigen Kiese sub Nr, 1357, Püttner:, 2444 Reichenst., 2149 Kupferberg; 1223, 731 werden hier nur im Vorbeigehen er- wähnt, da sie als Rohstoffe der Vitriol-Bereitung angehören.

Es wäre zu wünschen gewesen, daß alle Eisenhüttenbesißer ihre Eisensteine vollständig ausgestellt und die Ausstellung mit den noth-= wendigen Erläuterungen über Vorkommen und Verwendung derselben begleitet hätten, Es ist dies nicht geschehen und daher die vorstehende Uebersicht uur von wenigem Juteresse. Rotheisensteine, so wichtig im Eisenhüttenhaushalte, sind schr wenig in der Ausstellung vorhau- den, Der ausgezeichnetste darunter ist von Johann Georgenstadt (Nr. 2609), faseriger Rotheisenstein (Blutstein) in 10—12 Zoll lan- gen fkeilförmigen Brudhstücken, ein Vorkommen, welches seines Gleichen an Schönheit kaum finden dürfte,

L. R 0.964 o

Wir treten nun zu einem wichtigen Zweige der deutshen Jn- dustrie, der Roheisen-Erzeugung. Dieselbe ist in neuester Zeit durch die Einfuhr englischen Eisens ernstlich bedroht und neuerdings durch die Fürsorge der Zollvereins-Staaten durch eine Zoll-Erhöhung für das aus dem Auslande eingehende Eisen geshüßt worden, Um so mehr wird es von Juteresse sein, die eingesandten Roheisen-Arten zu vergleihen. Wir theilen das Roheisen etn:

a. in graues Roheisen, zu Gußwerk und Stabeisen - Fabrication tauglih, aus Roth =-, Braun =, Thon - Rasen und Bohnen - Eisenstein mit Holzkohlen oder Coaks erblasen; b. in weißes Roheisen, nur zu treffflihem Stabeisen und Stahl anwendbar, aus Stahlstein erzeugt.

Das erstere Roheisen is mit dem englischen Roheisen großen- theils zu vergleichen und zu gleihen Zwe>en, wie dieses, anwendbar; das leßtere is Deutschland eigenthümlich, und ein Vorzug, welcher den Deutschen eine Stabeisen - und Stahl - Fabrication sihern muß, wenn au<h die Konkurrenz des ausläudischen Stabeisens fortdauere, ja si< vermehren sollte.

Graues deutsches Roheisen, unter welches auch die fertigen Guß- waaren gezählt werden müssen, da sie aus demselben gefertigt sind, ist eingesandt von

1) der Saynerhütte (Nr. 1205), Holzkohleneisen;z

9) Remy und Comp. (Nr, 1201), ín Wasser abgeschmiedetes zum Frischen bestimmtes Roheisen;

3) den Gebrüdern Krämer (Nr. 1198), Holzkohleneisen ;

4) der Laurahütte (Nr. 2076), Coakseisen. Dieses Roheisen i ungemein grobkörnig und gaar und scheint von vorzüglicher Qualität zur Stabeisen - Fabrication; :

5) Baller und Comp. zu Wilhelmshütte in Eulau bei Sprot- tau (Nr. 2046). Die Hütte verarbeitet Wiesenerz (Holzkohlencisen) ;

6) Lauchhammer bei Mü>enberg (Nr. 726). Auch diese Hütte verarbeitet Morasterz (Holzkohleneisen) ;

7) der Königshütte in Schlesien (Nr. 938), Coakseisen;

8) Jlsenburg (Nr. 772), Holzkohleneisen ;

9) der Königshütte und Rothehütte im Hannoverschen (Nr. 1828 und 1829), Holzkohleneisen z

410) Rübeland (Nr. 1673), Holzkohleneisen z

11) Zorge (Nr. 1671), desgl. Beide leßteren im Herzogthume Braunschweig; -

12) Mägdesprung (Nr. 1674), Holzkohleneisen ; im Herzogthum Anhalt - Bernburg;

12) Vederhagen (Nr. 1729) im Kurfürstenthum Hessen, Holzkohlen- Eisen. (Aus Gelbeisenstein der Grobkalkformation erbläsen) ;

13) und 15) Wasseralfingen und Königsbronn im Königreiche Württemberg (Nr. 2596 und 2598), Holzkohlen-Eisen.

Dieses Roheisen. is mehr oder weniger zur Gießerei brauchbar,

wie unter dem Artifel Gußwerk weiter erläutert werden wird. So- bald dieses graue Roheisen zum Frischen und namentli< zum Puddele angewandt werden soll, is es vortheilhaft und oft nothwendig, das=- selbe einem Vorbereitungs - Prozesse zu unterwerfen, welcher in Eng- land und auf vielen Hütten in eigenen Feuern (rehning fires) wie Frischheerde gestaltet, mit mehreren Formen zur Gebläselust und bei Coafs vorgenommen wird. Man nenut diese Arbeit das Weißmachen des Cisens, da das Predial die graue Farbe verliert und ein weißes, strahliges, dem grellen Roheisen ähnliches Ansehen erhäit.

Solches weiß gemachtes Eisen is eingesandt:

1) von Laurahütte;

2) von Königshütte.

Jn Königsbroun und Wasseralfingen wird nicht auf diese Weise, sondern in einem Gasflammosfen das Eisen geweißt und zum Frischea vorbereitet. Das Eisen wird aus dem Hohofen flüssig in den Flamm- ofen, mit Torfgas geheizt, eingetragen. Dieses geweißte Eisen is auch zu den {önen Hartwalzen von Königsbronn (Nr. 2596) ver- wandt, welche aufgestellt sind und pro Ctr, 20 30 Fl. zu stehen fommen. Die Hartwalzen haben einen weißen Ring von ctwa 15 Zoll Breite von der Peripherie nah innen und sind inwendig von grauem Metall.

__ Eine Probe vortrefflichen Roheisens zu Geshübläufen von Kö- nigsbronn erregt unsere Aufmerksamkeit. Es ‘is ein Stück von cinem zersprengten Geshüßrohre ausgestellt, welches ein getiegertes, manchem halbirten Roheisen ähnliches Ansehen hat, Einer Notiz der Herren Einsender gemäß, is das Roheisen zu diesem Rohre aus der Hälfte von Roheisen von Königsbronn aus Bohnenerzen, bei kaltem Winde erblasen, und zur anderen Hälfte von Roheisen von Friedrihs- thal, gleichfalls bei faltem Winde erblasen und tin mit Torf betriebe= nen Flamm -Ofen mit geneigtem Heerde zusammengeshmolzen. Es ist erst bei dem 63sten Schuß mit einer Ladung von 18 Pfd. Pulver und 7 Kugeln zersprengt.

Das weiße Roheisen, aus Stahlstein geblasen und manganhal- tig (Stahl-Roheisen, Stahlkuchen), welches sih wegen seiner Di>- flüssigkeit niht zur Gießerei, wohl aber zur Stabeisen - Fabrication eignet, ijt in vorzüglicher Schönheit in mehreren Exemplaren vorhanden :

1) Aus Westphalen und vom Rhein, von Sayner=-Hütte (1205),

von Loh und Littfeld (1260), von Dreßler in Siegen

(1246), vom Berg=-Amte zu Siegen.

) Von Mägdesprung (1674).

3) Aus Wien von der Kaiserl, Bergwerks-Produfkten-=-

Verschleiß-Direction (Nr. 2697).

Leßtere hat eingesandt: a. Snellfloß, di>grell (ein weißes festes Eisen); b. Hartflosse (strahliges weißes Eisen); c. Parallen- eisen (weiß, mit sehr kleinen Löchern in Menge versehen); d. weiche Flossen (lufiges Roheisen mit großen Poren). Leßtere Sorten sind {hon vorbereitet zur Stahlfabrication (geweißt), wahrscheinli<h im Hartzernennefeuer. Diese Materialien geben den trefflichen siegeri= hen Stahl, von welchem no< einmal die Rede sein wird, Bei ‘dem Verblasen des Spatheisensteins auf solhes weißes Roheisen fällt eine ungemein manganreiche vorwaltend grüne Schla>e, welche bei rihti- gem Verhältniß die Beschi>kung und garem Gange leicht die porphygr= artige Ausscheidung von Krystallen zeigt (zuweilen in zwei verschiede- nen Formen), wovon die Hütte zu Mägdtesprung (Nr. 1674) Proben eingesandt hat.

LIL. Eisengußwaaren.

O6 Benußung des grauen Roheisens zu Gußwerk von der man- nigfaltigsten Form und Bestimmung wächst immer mehr und is nicht mehr ausschließli< eine Beschäftigung der Roheisen erzeugenden Hüt- tenwerke, sondern eine Menge vou Gießereien, deren Zahl täglich wächst, wie Bedürfuiß und Speculation sie hervorruft, kaufen Roh- eisen aus dem Ju- und Auslande und verarbeiten dasselbe, da sie in der Regel mit Maschinen-Bau-Anstalten und großen Schmieden ver- sehen sind, dur< Umschmelzen zu Gußwerk in der Form von Maschi- nen-Geräthen, Werkzeugen, architefktonishen Gegenständen und Or= namenten aller Art, És sind eine große Menge Beläge für die Fortschritte dieses Theiles der Gewerbe ausgestellt, und man darf mit Befriedigung auf die Vollkommenheit der Produkte der deutschen Gießereien sehea. Durch die Anlage der Königlichen Eisengießerei zu Berlin wurde vor 39 Jahren der Jmpuls zur Entstehung ähn- licher in den Händen von Privatpersonen befindlichen Anstalten gege- ben, deren Zahl, hohe Blüthe und Bedeutung für die Jndustrie von Jahr zu Jahr sehr steigt. Berlin hat eine Menge solher Anstalten auf- zuweisen, unter denen si< die von Borsig, Egels und Freund durch den Umfang ihrer Geschäfte und die Vollkommenheit ihrer Er= zeugnisse ausgezeichnet und einen großen Ruf erworben haben. Da es ni<t möglich is, alle die Gegenstände namhaft zu machen, welche die Anwendung des Roheisens zu Gußwerk in der Ausstellung re- präsentiren, so begnügen wir uns mit Aufzählung der Gießereien welche Produkte eingesandt haben, die selbstständig als Gußwerk ver- fäuflihe Gegenstände bilden, mit Ausschluß der Maschinentheile 2c., L dereu Zahl zu bedeutend is, um spezieller erwähnt zu werden.

a. Roheisen erzeugende O, wel<he Gußwaaren eingesandt

aben,

Unter diesen dürften die harzer Eisenhütten zuerst zu nennen sein.

Die Hütten zu Jlsenburg (Nr. 772), zu Rübeland (1673), Zorge (1671), Mägdesprung (1674) und Wilhelmshütte haben eine Auswahl s{öner Plattenöfen eingesandt, Wenn man bei der Beurtheilung dieser Gußwaaren sih auf die Arbeit der Gießerei beschränkt und speziell in die Prüfung der Ausführung derselben ein= geht, so verdienen alle diese Hütten lobende Anerkennung. Ilsenburg, des Grafen Stollberg-Wernigerode, hat do<h wohl den Vor= rang. Ju Hinsicht des Geshma>es, der Anordnung von Form und Verzierung läßt mancher Ofen zu wünschen übrig. Wir möchten fast glauben, daß manche mit Verzierungen zu sehr überladen seien.

Jm Allgemeinen is der Guß rein und s{<arf, wenn auch einzelne Theile diese Vollkommenheiten in geringerem Grade zeigen, so muß man doch gestehen, daß die zu rügenden Unvollkommenheiten sich auf diejenigen beshränken, welhe mehr und weniger bei der Anfertigung größerer Massen von Gegenständen nicht zu vermeiden sind. Die Hütte zu Jlsenburg hat die reiste Auswahl von ausgezeichneten Gußwaaren geliefert, unter denen au< feine, wenngleih nicht als Ge= genstand der allgemeinen Judustrie, rühmlih zu erwähnen sind (z. B. ein gegossener Fächer), Sie hat auch im Allgemeinen sehr guten Ge= \{<ma> in der Wahl der Formen und der Decoration der Gußwaa- ren gezeigt, Ein Kandelaber von Rothehütte is gut gegossen, aber von A Form, Lauth

ie Hütten zu Lauchhammer bei Mü>enberg haben eine

Oefen ausgestellt, welche in Hinsicht des Gusses, Lan auch E ordnung zu wünschen übrig lassen, so ausgezeichnet sons diese Gießerei im Rufe is, Der Guß hat nicht überall die gehörige Reinheit unb Schärfe, die Oefen sind mit Verzierungen überladen, und die daran angebrachten Statuetten werden \{wierig vom Staube zu reinigen sein. Das ‘Poliren der Kanten einiger Oefen hat uns nicht gefallen, - da der Rost schwer davon abzuhalten ist und das Ansehen dadur faum gewinnt. Eine Estrihplatte war in den Vertiefungen zwischen den erhabenen Vertiefungen emaillirt. Es kann die weitere il- dung dieser Emaille - Arbeit, worin Lauchhammer schon so lange s