1844 / 314 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

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-. ih vorhersehen ließ, kein Glü> gemaht. Der Enthusiasmus, un f porte iee Bed bie sowohl an sich, als in der vermitteln- den Verbindung mit Mendelssohn's Musik, hervorgebracht, wollte si auf die vou Hippolyte Lucas für das Odeon bearbeiteten oder eigent- li< verstümmelten „Wolken“ niht übertragen lassen. Hâtte der Bearbeiter aber auch dies Stü in einer unverfälshten Uebersegung gegeben, es würde wohl eben so wenig Erfolg gehabt haben, da hier ni<t, wie in der Tragödie, die ewig gleih blei- benden großen Leidenschaften der Menschen und ihre Konflikte dar- gestellt, sondern die wechselnden Sitten des öffentlichen, geselligen und häuslichen Lebens im Spiegel der Satire, der Jronie und des Humors reflefktirt werden. Um eine aristophanische Komödie zu ge- nießen, dazu gehört eine so genaue Kenntniß des attischen Staats und seiner politischen und sozialen Verhältnisse, wie sie einem ge- mischten Publikum nicht zuzumuthen is. Herr Lucas konnte aber auch die Kritik durch seinen Versuch nicht befriedigen, da er sih Aus- lassen, Aendern und Einschalten von Scenen aus einer anderen ari= stophanishen Komödie, dem „Plutus“', willkürlih erlaubt hat. Es wird also zwar die Eleganz seiner Ueberscßung anerkannt, seine Be- arbeitungsweise aber {arf getadelt.

Das an der gestrigen Börse verbreitete Gerücht, daß General Prim ershossen worden sei, hat den Constitutionnel zu Nachfor- hungen darüber veranlaßt, und er erklärt heute, daß in den zu Pa- ris eingegangenen Depeschen hiervon nichts erwähnt sei. „Nach den von der Regierung au die spanische Gesandtschaft mitgetheilten Nach- richten“, fügt das Blatt hinzu, „scheint es, daß General Prim nicht in das gegen Narvaez geschmiedete Komplott verwi>elt is , sondern in eine Vershwörung, wel<he zum Zwe> hatte, ein Pronuncia- miento von ganz Spanien gegen das Ministerium zu erregen. Unter den in seiner Wohnung in Beschlag genommenen Papieren befand sich die Abschrist eines Briefes an einen der Ex-Minister des Regen- ten, worin er sein Bedauern darüber ausdrüdte, zur Wiederherstellung der Moderado-Partei beigetragen zu haben. Auch die Antwort fand si< unter seinen Papieren. Wie es scheint, leugnet Prim nicht seine Theilnahme an einer neuen Verschwörung und erklärt, er werde stets gegen alle der Verfassung feindliche Gewalten eben so handeln.“

Herr Bonuesoeur - Bourgiriere , Konvents - Mitglied von 1792, Mitglied des Raths der Alten im Jahre 1V., Mitglied der Repräs sentanten-Kammer von 1815 und Präsident des Civil-Tribunals von Mortain vom 1. Prärial des Jahres V. bis zum Jahre 1816, ist zu“ Barenton im 90sten Lebensjahre gestorben.

Man spricht in diesem Augenbli>e viel von einem Plane, w0o=- nach alle Jmmobiliar - Versicherungen gegen Feuersbrünste vermittelst cincs Centimes Zusaß zu den Steuer-Rollen in die Hände der Re= gierung übergehen würden.

Die Blätter von Bayoune melden, daß dort der spanische Vice- Admiral Rigodet auf der Reise nah England angelangt sei, wo er den La mehrerer Kriegsschiffe für die spanische Regierung beaufsich- tigen joll,

Die französischen Renten zeigten heute an der Börse große Festig- feit und nahmen abermals einigen Aufschwung.

x Paris, 5. Nov. Allmälig tressen die politischeu Notabili- täten, besonders von der Opposition, wieder hier ein, die Herren Thiers, Odilon Barrot, Billault, Vivien sind hon hier, andere wer- den in wenigen Tagen erwartet, und dann soll der Feldzugsplan ge- gen dgs Ministerium verabredet werden. Die gemäßigte Opposition, das sogenannte linke Centrum, sieht wohl ein, daß alle Bemühungen zum Sturze des Kabinets Soult - Guizot vergeblich bleiben, so lange es nicht gelingt, eine Anzahl wankelhafter Mitglieder des rechten Centrums herüberzuziehen, um mit Hülfe derselben dem Ministerium pie Majorität zu rauben und eine neue Art Ministerium Martignac an dessen Stelle zu seben, Bon der anderen Seite bemühen si< aber auh die Freunde des Kabinets, gerade diese s{<waun- fenden Mitglieder von neuem an dasselbe zu ketten, und von dem Erfolge dieser Bemühungen auf der einen wie auf der anderen Seite wird daher natürlich der Ausgang abhängen. Ich glaube, daß das Ministerium auch diesmal die Oberhand behält, obgleih einige fon- servative Deputirte, die ihre Hoffnung, zu Pairs erhoben zu werden, getäuscht sehen, vielleicht eine Art fleinen Krieges gegen dasselbe führen werden, Die Frage wegen des Anlehens i}, sicherem Ver- nehmen nach, endlich im Kabiuct dahin entschieden, daß es 300 Mil- lionen in 3proc. Papieren betragen und in spätestens acht bis zehn Tagen auf amtlichem Wege augefündet werden soll,

Der Herzog von Aumale und der Prinz von Joinville werden am 10teu oder 411ten ihre Reise nah Neapel autreteu und gegen Mitte Dezember in Paris zurücksein, Auf den ausdrüd>lihen Wunsch des Königs wird die Vermählung au demselben Tage gefciert werden, an welhem einst seine eigene stattfand, nämlich am 25, November. Der Plan des Prinzeu von Joinville, mit seiner Gemahliu den Winter in der Umgegend von Toulon zuzubringen, is aufgegeben; Beide werden alsbald nah der Vermählung des Herzogs von Aumale die Reise nah Brasilien antreten. Die Gesundheit der Prinzessin von Joinville is seit ihrer Entbindung fortwährend sehr shwächlih, ob-

1632 gleich keine ernstlihen Besorgnisse einflößend; do glaubten die Aerzte, einen zeitweiligen Aufenthalt unter dem milden heimatlihen Himmel der Prinzessin zur völligen Wiedergenesung vorshlagen zu müssen. Der Prinz und dic Prinzessin werden den Winter zu Rio Janeiro zubringen und erst im Monat Mai zurücfehren.

; Nach der Rede des General - Prokurators, Herrn Hebert, bei Wiedereröffnung des Königlichen Gerichtshofes und den in glei ver- \öhnlihem Tone gesprochenen kurzen Worten des ersten E Herrn Seguier, hat sich sogleich der Rath des Advokatenstandes ver= sammelt, und einmüthig die von dem Präsidenten gegebene Erklärung als eine hinreichende Genugthuung erklärt; es wurde beschlossen, daß die Advokaten wieder, wie früher, vor dem Königlichen Gerichtshofe plaidiren werden. Hiermit is also der leidige Streit zu Ende.

Wir haben heute aus Algier vom 30sten die ersten Nachrichten über die Operationen des Marschalls Bugeaud bis zum 29sten. Er war am 27sten an dieselbe Stelle vorgerüdt, wo der General Comman am 17ten den unglülichen Kampf gegen die Kabylen bestanden hatte. Gegen die Erwartung der Kolonne war die ganze Bevölkeruug von dort entflohen. Die Flissas hatten die Ankunft der Truppen nicht abgewartet, in aller Eile die umliegenden Dörfer im Stich gelassen und ihre Frauen, Kinder und Heerden mit fortgeführt, aber all ihr Getraide und ihre sämmtlichen sonstigen Vorräthe zurügelassen. Am 28sten wendete si< der Marschall nach den benachbarten Bergen der Beni Dschenad, die mit den Flissas gemeinschaftliche Sache gemacht hatten. Alles schien cine sehr gute Wendung zu nehmen, und man hoffte bereits, daß die Unterwerfung dieser beiden mächtigen Stämme ohne weiteren Kampf das Resultat dieses Feldzuges sein werde, als der Marschall plöblih auf 3-——4000 Kabylen stieß, mit denen er ein Gefecht zu bestchen hatte. Die Kabylen hatten eine von der Natur hon furcht - bare Stellung eingenommen und dur< Erd- und Stein-Verschanzun= gen noch fester gemacht; (s galt, sie daraus zu vertreiben, und dies gelang den mit außerordentlichem Umgestüm gegen sie anstürmenden französishen Soldaten in kurzer Zeit. Die Franzosen geben den Verlust der Kabylen als sehr beträchtlih an, ihren eigenen nur auf acht bis zehn Verwundete, Die Flissas haben niht an dem Kampfe Theil genommen ; sie kamen am 29sten zu dem Marschall, um ihre völlige Unterwerfung zu erklären, und man hoffte, die Beni Dschenad würden nicht säumen, cin Gleiches zu thun,

Grossbritanien und Irland.

London, 5. Nov. Jhre Majestät die Königin wird am l2ten Windsor verlassen, um deu Marquis von Exeter in Burghleyhouse mit einem dreitägigen Besuche zu beehreu.

Einige neuerdings wieder vorgekommene Beispiele von Abfällen auglifanisher Geistlichen zum Katholiziomus haben hier große Sen- sation erregt. Man meldet nämlich qus Oxford vom 2ten d. M,., daß der ehrwürdige Charles Pcuny vom Christhurh-Kollegium seine Stelle als Prediger in Aschendon aufgegeben und zum Katholizis- mus übergetreten sei. Bei seiner Ausstoßuug aus der Universität, welche in seierliher Sibung des Kapitels Fa haud, sprachen der De= ant und die Kanonici ihre Mißbilligung darüber aus, daß der Kon= vertit no< nah der Bekehrung einige Monate lang seine Universi- täts-Würde bekleidet habe. Dr. Pusey, das bekannte Haupt der zum Katholizismus sih hinneigenden Partei der anglikanischen Geistlichen, war in der Sibung anwesend, verhielt sich jedo<h während der Ver- handlungen durchaus shweigsgm. Von Dr. Newmaun, dem bekaun- ten puseyitishen Professor in Oxford, is gleichfalls ein Brief be- fannt geworden, worin er erklärt, daß sein Gewissen ihm nicht län- ger erlaube, Mitglied der anglifgnischen Kirche zu bleiben. Man glaubt, daß sein Beispiel die Konversion noch mehrerer anderer Geist= lichen zur Folge habeu werde.

Unsere Blätter füllen ihre Spalten heute in Ermangelung sou- stiger Nachrichten von Jnteresse mit Berichten über die Verheerungen, welhe in mehreren Theilen Englands und Jrlands die vom 1sten bis zum 3ten d. M. anhaltenden Stürme angerihtet haben. Jn Man- hester war eine große Anzahl von Dächern abgede>t und der S<horn- stein einer Fabrif umgestürzt, doch fein Mensch dabei verlegt worden z dagegen wurden in Birkenhead beim Umsturz einer neuen im Bau begriffenen Markthalle drei Arbeiter shwer beshädigt. Jn Dublin wüthete der Sturm dermaßen, daß der Handelsverkchr fast gänzlich ins Sto>ken gerieth; die mit der Ladung der Schissc im Flusse Usfey beschäftigten Stauer und Kohlenträger mußten wegen Anwandlungen von Seefrankheit von ihrer Arbeit abstehen und die nach Lyverpool bestimmten Postschiffe konnten am Zten niht in See gehen. Ein zwischen Liverpool und Dublin fahreudes Dampfschiff soll mit Mann und Maus untergegangen sein,

Das britische Kriegsschiff „Samargng““, dessen Befehlshaber, Sir E. Belcher, den Auftrag hat, die Küsten des ostindischen Archipels aufzunehmen, ist an der Küste der Jusel Gilolo (nördli< von Cele- bes) von einer Seeräuber-Bande in zehn Prahms, jeder zu 60 Mann Besatung angegriffen worden. Die Böte des Schiffes hatten be- reits mehrere dieser Fahrzeuge genommen und vernihtet, als ein Schuß vou einem der übrigen, den Sir E, Belcher im Scheukel \<wer verwundete. Leßterer ist am 2. Juli von Borneo in Singa=

pore angekommen und befindet si< in der Besserung. Man glaubt er werde im Stande sein, an einer großen Expedition gegen die Pi- raten Theil zu nehmen, welche, dem Vernehmen uad, E kurzem abgeschi>t werden sollte.

Mit der neuesten Ueberlandpost aus Judien ist hier die Nachricht von dem Ableben des General-Gouverneurs des uiederländischen Ost- indien iîn Surabaya, Herrn Peter Merkus, eingegangen. Mit der- selben Post erhält man die Nachricht vou der Abtretung der dänischen Niederlassung zu Serampore an England gegen eine Entschädigung von 10 La>s (1 Million Pfd.), doch 1st die Nachricht, wic schon eiu mal vor zwei Jahren, no< unverbürgt.

Der nach China bestimmte französische Gesandte, Herr Lagrenée, hat am 16. Juli Singapore verlassen und is am 30. Juli in Hong- Kong angekommen, wo er von den Batterieen und Schiffen im Hasen salutirt wurde.

Zu Oldham is am 31. Oktober der neuere Theil der Radcliffe- hen Spinnerei eingestürzt und hat alle anwesenden Arbeiter verschüt: tet; zwanzig Personen wurden getödtet, sieben {wer verwundet.

Ucber den Ertrag und die Verwendung der 1842 im ganzen Lande angestellten Sammlung für die nothleidenden Fabrik - Arbeiter ist jeßt ein 170 Seiteu starker Bericht erschienen. Jedes Schreiben um Unterstüßung und die Angabe des darauf Gewährten, cbeuso die Beiträge jedes Kirchspiels im ganzen vereinigten Königreiche is auf= geführt. Das Comité nahm im Ganzen 102,487 Pfd. St. 5 Sh. 6 Pce. ein und hat ausgegeben 90,256 Pfo. St. 2 Sh. 2 Pce., so daß no<h 12,231 Pfd. St. 3 Sh. 4 Pce. vorhanden sind. Alle Verwaltungs - Unkosten sind von dem Zinsertrage der unverwendetën Gelder bestritten worden.

Niederlande.

Die zweite Kammer der Generalstaaten empsing am 4. November von der ersten die amtliche Mittheilung, daß sie feine hinlänglichen Gründe aufgefunden habe, der ihr zugesendeten Antworts- Adresse auf die Thron-Rede beizutreten. Eine ausnahmsweise schriftliche Mitthci- lung aus dem Protokolle begleitete diese Eröffnung und giebt als Grund die Bestimmung des Paragraphs 229 der Verfassung an, der bci nothwendigen Veränderungen im Grundgeseß fordert, daß diese Nothwendigkeit in einem Gesebe zugleih mit bestimmter Bezeichnung der Veränderungen ausgesprochen werden müsse. Die Kammer be- \{<loß, die Mittheiluug drud>en und an die Sectionen vertheilen zu lassen. Das Handelsblad bemerkt darüber, weshalb denn die erste Kammer nicht ebeu so vorsichtig im vorigen Jahre geweseu sei, als sie einen Adreß - Paragraphen annahm, wel<her der Regierung den Wunsch ausdrückte, sie möge die passende Zeit zur Revision und Ver- vollkommnung der grundgeseblichen Institutionen niht vorüber lassen.

Belgien.

Brüssel, 6. Nov. Die Repräsentanten-Kammer hat in ihrer vorgestrigen Sihung einen Geseh - Entwurf über cin Unterstüßungé- haus für Bedürftige mit 43 gegen 9 Stimmen angenommen. Hier- auf {ritt man zur Diskussion des die Gehalte der Gerihts-Beam- ten betreffenden Gesey-Entwurfs, welche noch fortdauert. Der Justiz- Minister hat der Kammer einen Entwurf zu einer neuen Form der Sanctionirung und Veröffentlichung der Gesehe und Königl. Verord= nungen vorgelegt. e

Nachrichten aus Santo -Thomas de Guatimala vom 14. Sep- tember sprechen sich günstig über den Gesundheitszustand der Kolonie aus. Nur falte Fieber herrshen dort zur Regenzeit, vers<hwinden aber beim Aufhören derselben. Der Friede ist wiederhergestellt, und Guatimala hat alle seine Truppen entlassen. : A

Jn Brüssel sind zwei neue Theater entstanden, cin mit einem Kaffcehause verbundencs Vaudeville-Theater, le Café-Vaudeville, in der Bischofsstraße, und die dSalle de nouveanutés in der Vorstadt Molenbe> St. Jean. Außerdem soll in der Molenbe> - Vorstadt ein flamändisches Theater erössnet werden.

Dänemark.

Kopenhagen, 4. Nov. Jn einer der lehten Sibungen der Stände - Versammlung zu Roeskilde hat der Köuiglihe Commissair, nah dem Bericht des Altonaer Merkur, in Bezug auf die Frage über das Verhältniß der Herzogthümer zu der Monarchie folgende Erklärung abgegeben: „Es is die Voraussetzung ausgesprochen wot- den, daß die Regierung nichts vornehmen wolle mit Rücksicht auf den Einfluß, den die Meinung einer eventuellen Theilung der Monarhic auf die öffentliche Stimmung gehabt habe, wenn nicht von hier aus die Juitiative ergriffen würde, Aber es is doch möglich, daß man si< hierin irrt, Die Regierung hat lange schon die Sache in Cr- wägung gezogen, was aber in dieser Hinsicht gedacht und gethan worden ist, qualifizirt sich natürlich nicht zur Mittheilung. So viel ist inzwischen gewiß, daß eine solche Verhaltungöregel, wie sie hier in Vorschlag gebracht i, einige Bedenklichkeit haben fann, und daß cs ibre Ausführung erleihtern würde, wenn die Stände sich dafür aus- sprechen wollten.“

Ueber den neulich gemeldeten Vorschlag Ussing's wegen der Stagats-

S E Er O O! 77 O err E und unterhielt sich dann lange mit uns ín munterster, anregendster Weise über die Sitten und Gebräuche des Landes, nicht ohne Neugier forschend, wie es bei uns gehalten werde. Aehnliche Gespräche, nur in anderem Tone, wurden dann des Abends in der Apotheke, wo sich die Honoratioren zu versammeln pflegen , fortgeseßt, doch wandten die dort aufliegenden Jour- nale das Gespräch au vielfah auf politisch - kirchliche Verhältnisse. Die Italiener des Tages sind, Gott weiß es! shle<te Politiker, aber sie spre- hen von den großen Diugen mit einer erstaunlichen Zungengeläusigkeit, Was habe ih nicht Alles hören müssen, wie ergögliche Sachen! Doch auch jenen guten alten Kanonikus darf ich nicht vergessen, der mir nicht nur bexciiwillig die verstaubten Urkunden des Archivs der Kathedrale herauëlangte, jondern mir auch sein Haus öffnete und vom besten Weine cinschenkte, mich troy seines lahmen Beines durch die Stadt geleitete und Ausfunst über Jegliches dem beschwerlichen Fremden gab. Wollte er nur einmal jene halb vermoderten Pergamente zu lesen suchen, vielleicht erbielten wir dann doch cine Geschichte von Anagni, die man sehr vermißt, Der Ahne meines Gasifreundes hat vor etwa hundert Jahren den Versuch zu einer solchen gemacht, mit Selbstgefühl wurde er mir überreiht; abex bald erschien auch der Sprosse eines auderen Literaten, der in Versen eine geharnischte Kritik jenes Büchleius zu derselben Zeit in das Publifum geschi>t hatte, und bot mix diese Schrist als Gescheuf an. Daß ich sie annahm, erregte auf dex anderen Seite sichtliches Mißfallen, So gährt hier Autorenhaß selbs noch nach hundert Jahren fort, man voc<t auf Verdienste der Vorältery, sollten O uo so gering sein, statt daß man selbst etwas Rechtes machen

e.

Am Morgen des 26. Sevtember suhr ih mit meinem Begleiter nach Palestrina , wobei wir größtentheils die ueapolitanische Straße benuzten ; wir kamen bei dem mir vou früher hon betannten, romantis< belegenen Valmontone mit seinen s<ônen Baum - Partieen und wuvyderlichen (Hrotten Rie Hier sind die Höhlen dcs Berges uoh Obdach für Menschen und R in den Zeiten der Autochthonen. Unweit von alestrína licgt tuna ' auiiles elief und eine Juschrist in mächtigen Buchstaben zer- nigen u ex Landstraße, sie waren bei Ausbesserung derselben vor we-

ig ren gefunden woden, aber wan sheint die Kosten des Trans- ports zu scheuen, sonst verdienten diese Monumente des Alterthums minde- sens eben so gut eincu Play in cinem Museum zu finden, wie vicle au- dere. P'olefrna H Si am Berge hingufz; auf dem Grunde, den einst der ausgedehnte Fortuna-Tempyel bedeeste, is jeyi der ärmliche Oxt gebgut,

die schlehten, neueren Häuser sind gleihsam verwachsen mit den stolzen Ruinen des alten Tempels. Jch will diesc nicht beschreiben, sie sind oft genug untersucht und beschrieben worden, Auf der Höhe des Berges, an den sih die Stadt anlehut, lag die alte Arx von Pracueste, noch sicht man Polygonmauern daselbs ; später bauten hier die Colonnas cin Kastell, des- sen \chóne Ruinen jeyt hoh vom Epheu überwuchert sind. Man überblict von hier aus Pagliano, Cave, Colonua und andere Octe, die einst diesem so mächtigen Geschlecht unterworfen waren. Der Palast in der Stadt ge- hôrt jet dem barberinischen Zweige der Familie, ist aber in einem Zustande völliger Verwüstung.

Wir waren in glühender Sonnenhige auf den Bergen hecumgeklettert, um so besser mundete uns die vortreffliche Cena, die wir in unserer Lo- canda fauden, zumal wir sie in der sreundlichsten Gesellschaft einnchmen fonnten. Der Wirth und die Wirthin waren nach Rom gereist „per diver- tirsì un poco“é, und die beiden ältesten Söhne mit ihren bciden erwachsenen Schwestern hatten die Sorge für die jüngeren neun Geschwister und die Gâäste übernommen, Alle waren sehr muntere einnehmende Menschen, denen es eben so sehr um ihre eigene Unterhaltung, wie die ihrer Gáste zu thun war. Die Mädchen in dem wohlanstehendem Kostüme des Ortes und reichem Geschmeide, um ihren Wohlstand anzuzeigen, nahmen sich allerlicbst aus, und wurden nicht müde, zu lachen und die naivsten Geschichten zu erzählen, Die Brüder, welche in Rom auf Schulen gewesen waren, wuß- ten auf mancherlei Dinge einzugehen. Doch zwei junge Leute aus Rimini, hipig, unruhig wie Alle aus der Romagua, die gleich uns als Gäste im Hause waren, brachten zum Verdruß der Mädchen uur allzushnell jene lei- digen politischen Gespräche wieder auf das Tapet. ;

Am folgenden Morgen fuhren wir nah Rom zurü>. Vou Palestriua nach Zagarolo fährt man fast immer auf der antifeu, noch schr wohlbehal- tenen Via Labicana es scheint auch hier, als ob die Alten für dic Ewig- feit gebaut hätten. Der Weg nah Rom isst angenehm, bis man wieder auf die neapolitanische Straße kommt, wo die traurige Oecde der nächsten Umgebung Roms ihren Anfang nimmt. Es war eine Frau aus Palestrina mit uns im Wagen, ein Con!adina gewöhnlichen Schlages, aber renlih in ihrem Anzuge und tüchtig in ihrem ganzen Wesen. Jh ließ mich bald mit ihr in eiu Gespräch ein, und sie erzählte mir nun ausführlich von den Erdbeben, die Palestrina in diesem Sommer heimgesucht hatten. Die Stadt hat feinen Schaden gelitten, aber die armen Leute dort haben eutsegliche

Angst ausgestanden, Alle hatten die Häuser verlassen, Tag und Nacht auf

dem Felde zugebracht, Prozessionen ohne Zahl waren zu den nächsten K0- pellen angestellt, und Alles hatte gebeichtct. „Aber gerade, wenn wir Alle des Nachts beichteten““, erzählte die Frau, „wurden die Stöße um so heftiger, und als die Nonnen, die nah Rom geflüchtet waren, zurüfehrten, wurde es schlimmer, wie je zuvor. Aber endlich hat sih doch der h. (i habc den Namen des Schußpatrons von Palestrina vergessen) durch unsere Bitten erweichen lassen, allmälig wurde es besser, und nun hat es ganz aufgehört“. Jene gute Frau hatte, außer den allgemeinen Leiden, noch ihr besonderes Unglü> in diesem Sommer gehabt. Sie klagte mir bald, daß ihr Mann eingesperrt sei, weil er mit cinem anderen Streit bekommen hätte, und |c ehe jeßt na< Rom, um ihn zu besuhen. Da mir die Art, wie mal! ier zu streiten pflegt, leidlich bekannt ist, fragte ih, ihr Mann hätte do nicht das Unglück gehabt, seinen Gegner zu erstehen. „Gott sci Dank’, sagte sic, „es war f gar nichts, er hat ihn nur am Arme getroffen, aber nun muß er fünf Jahre im Kerker sigen, und was mache i indessen mit meinen Kindern?“ Als ih nah der Veranlassung des Streits fragte, er- hielt ih zur Antwort: „Sie haben in der Ofteria getrunken, gespiclt und da gehen denn die Sachen so!“ Jch gab ihr den wohlfcilen Rath, ihrem Manne das zu viele Trinken abzugewöhnen, aber dieser wird wenig ange- \chlagen haben, denn an der Porta maggiore, in die wir so eben cinfuh- ren, mußte sie 15 Fogliette Wein versteuern, die sie ihrem Manne mit- brate. 5 S ‘wollte Zhuen nur kurz und leicht hin über diese Fahrt in die Umgegend Roms berichten, und siehe, mein Brief hat alles Maß über- schritten. Aber dics Volk und diescs Land is nun cinmal uns Hyperbo- räcrn so interessant, daß wir von ihm nicht reden tönnen, ohne ausführlich zu werden. Von Rom selbst weiß ih Jhnen jeßt wenig zu melden, Der Oktober hat uns bisher wenig gute Tage gebracht, und die bekannten Feste in der Villa Borghese sind bis jept unterblieben. Die Fremden kommen inzwischen angezogen, um Forum und Kapitol irren die Engländer mit Miß Starne, die Deutschen mit Förster, und die neu aufgepugten Caffés füllen sich wieder. Aber noch hat sih das gesellichaftliche Leben, was sich in jedem Jahre hier neu und aus anderen Elementen zusammensezt, nicht recht ge- staltet, und Alles {ebt noch in der Zeistrenung. Jn wenigen Wochen wird sih zusammengefunden haben, was zusammengehört, aber dann gerade fürchte ih, von Rom scheiden zu müssen, um es vielleicht nie wiederzusehen.

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e latte aus der Hauptstadt des König= Einheit wind demse Rie beifällig diesex Vorschlag auch in Roeskilde reis de Eten ausgenommen wurde, so findet er hier do< bei den von a va Tagesblättern feinen reten, Anklang; die coustitutiouell politische! ‘nen, wenn au die Einheit noch jo feierli< ausgespro- Gefsinnten menen S7 hoh damit allein weder vorhanden, noch zu

heu würde, so sei Fe Mittel, ein besseres Verhältniß zu erwir= ane a das e rdernde, Alles versöhnende Constitution. An- / V

y ; ‘nale Seite voranstellen und auf der einen dere, die P i für Schleswig und Dänemark Befürch- Seile Ff M andererseits den fünstigen Eintritt Schleswigs mit tungen He’ den standinavischen Bund aus allen Kräften anzubah- Da hegen entschieden den Wunsch, daß die deutschen Herzog- E sude olstein und Lauenburg lieber ganz aus der Staats-Verbin= thümer L heiden und diesen staatsauflösenden Tendenzen tritt ja der dung aué) / Deshalb und weil, wenn

; anz entschieden entgegen. obige DorsG iben d ee Schleswig immer mit Holstein verbunden bleiben würde und dies in ihren Augen das Allershlimmste ist, wird denn sofort der Stab über ihn gebrochen. Bei diesem ihren Wider- streben gegen die Staats-Cinheit im Sinne Ussing's is es denn be- greiflich, daß sie ih auf das von ihm vorgeschlagene Mittel, dieselbe ‘u bewirfen (Königliche Erkläruug über die Ciuheit der Erbfolge in Dänemark und den Herzogthümern), gar nicht einlassen. Daß eine solche Erklärung zur Beruhigung des dänischen Volkes dienen würde, wäre nach den Aeußerungen der hiesigen Blätter nicht anzunehmen, da sie, wie bemerkt, gerade unruhig über die Berbznduug mit Hol- stein und Lauenburg sein sollen und sih des deutschen Elements je eher je lieber cntshlagen möchten. Andererseits scheint der Umstand, daß eine solche Crklärung niht hon längst von irgend einem der früheren Könige gegeben ist, darauf hinzudeuten, daß ihrer Abgebung voz vielleicht etwas schr Wichtiges (Rechte Dritter) entgegensteht. Kann man einer solchen Erklärung nicht die Ane:kennung der Bethei= ligten verschassen, was würde sie nügen? I sie einmal gegeben, \o würde sie nicht wobl wieder zurü>genommen werden und doch nicht alle die Verwidelungen fern halten föunen, die dann si< aufdrän- gen möchten im Augenbli>de der Entscheidung. Die Erbfolge E ist, wie wir früher {on bemerkten, eine solhe, die wohl niht fo leiht dur< cin sic volo, s1C jubeo si abthun läßt, sondern schr wahr sagte der Königlihe Commissair Oersted in der leyten jütlän- dischen Versammlung : „Was mit Hinsicht auf die Staats - Einheit als Desideratum bezeichnet werden fann, is eine Sicherung in Betreff der Fragen, die in Zukunst über die Erbfolge entstehen fönntcn, falls der Königliche Mannsstamm aussterben sollte; da es aber nicht in der Macht des Königs steht, cinseitig zu erflären , wie es in dieser Hin- sicht gehalten werden soll, indem der uneingeshräukteste Monarch die Suc- cession nicht einscitig verändern fann und die Frage theilweise au andere Fürsienhäuser angeht, so läßt sich diese Sache nicht leicht ins Reine brin= gen‘. Ob die Stände in Rocskilde auf die Rechtsfragen eingehen oder blos das Wünschenswerthe vor Augen haben werden, daß die Herzogthü- mer mit Dänemark zusammen bleiben, muß die Zeit lehren; doch dürften vielleicht noch, da es sih cigeutli< nur um die Erbfolge der Herzogthümer handelt, weil die in Dänemark ausgemacht Rechtens ist, gegen die Kompetenz der sceländishen Stände - Versammlung, in dieser Beziehung eincn Antrag zu stellen, um so mehr Bedenken er- boben weiden, da die Stände-Versammlungen der Herzogthümer sich {<on dann gegen derartige Einmischungen von dänischer Seite ver= wahrt haben, wenn sie au<h nur gewöhnliche Administrations-Gegen-= stände der Herzogthümer betreffen, und nicht, wie hier, die wichtige Frage der für sie gültigen Staats-Erbsolge.“

S <ywel1z.

Glarus. Der Rath, beim Eid besammelt, hat in seiner Sihung vom 30. Oftober das Gesuch der Schüßen, um Abhaltung des eidgenössischen Freishießens auf das Jahr 1246, nah dem An- trag der Standes-Kommission mit 30 gegen 5 Stimmen ablehnend entschieden, und zwar in dem Sinne, daß er, wenn die Schüßen das Schießen auf ihre eigene Verantwortlichkeit ohne Mitwirkung der Landes-Bebörden übernehmeu wollen, einem solchen Privat-Unter= nehmen Nichts entgegen zu seben habe.

24.0.1 ¿ ¿R

Von der italienischen Gränze, 28. Oft. (A. A. Z) Die Reise des Fürsten Milos<h nah Jtalien und sein wahrscheinli sich verlängernder Aufenthalt daselbst sind politischen Beweggründen nicht fremd und für ihn wohl eine Art von Nothwendigkeit gewor= den. Die wiederholten Revolutions- oder Restaurationê-Versuche zu Gunsten der Obrenowitsh wurden zum Theil den Verbindungen eini- ger Häupter derselben mit der alten fürstlichen Familie zugeschrieben, deren Erfolglosigkeit und klägliches Ende am besten die irrige Unter= stellung der Ansichten dieser Partei beweisen, während eine humanc nachbarliche Regierung, wie Oesterreich, den si<h immer wiederholen- den unulißen Blutscenen und Gräueln kaum theilnahmlos zusehen fgnn. Sind wir gut unterrichtet, so ist von Seiten des wiener Kabinets an ben Fiusten die Anfrage ergangen, inwiefern derselbe die Anschuldi= gung eines Antheils an den leßten Ereignissen in Serbien zurüc>wei= sen wolle und könne, zugleih gus der impliziten Ansicht, daß wohl sein schon vorgerütes Alter eine Verdächtigung, als ob solche Re- IAUSUNDNE S Dee seines Anhangs auch selbst für die Zukunst von thm indirekt gebilligt würden , zurü>weise. Fürst Milosch soll dana eine Theilnahme an den leßten Jufurrectionen in Serbien auf das bestimmteste in Abrede gestellt haben.

S panien.

Madríid, 30, Oft. Das über G im niete Qi : F E eneral Prim niedergeseßte n eaggeridt ou übermorgen seine erste Sißung halten. Prim soll Geier Ne aben, daß ihm die Feuergewehre, mit welchen die dem p fönne jedo Vie CaseveN Mörder bewaffnet waren, angehörten ; : ed rilärung darüber i in die jen Fndividuen s 0 arüber geben, wie sie in die Hände Nach dem Tiempo foll die Re i i i : R y gierung die Anzeige erhalten ha- R, eine Anzahl spanischer Flüchtlinge, von England kommend, lichen Maß zu landen beabsichtige. Es sind demgemäß die erforder- dies, UNTOeR zur Unterdrückung jedes Revolutions - Versuchs in val Met istriflte getroffen worden. Das Kabinet hat im Kongresse form-Projekt für eine offene Frage erklärt. Eine Verwerfung

des Projekts, die indeß nicht 1 , , , t V j keine ministerielle Krisis berbafühetn, 2 aa

Giiéti Regdrid, 29. Oft, Man erfährt jeyt, daß der gegen den gemäß, bereits D N Mordanschlag, dem ursprünglichen Plane Man wußte d “Asten zur Ausführung gebraht werden sollte. Circo Gera i an jenem Abend der General in die Oper des \wotenim an Fill . Der Play vor diesem Gebäude war mit Ver- wers n soll a gefüll t, welche sich auf die acht Mann starke Bede>ung dane bre at e hrend vier andere erst den Kutscher zu tödten und Kutsche hi oppelläufigen, mit zehn Kügeln geladenen Trabucos in die I a rey abzufeuern bestimmt waren. Ehe der General an- That ans man s, auf den Antrag eines der Verschwornen, die zösischen Boi den folgenden Abend, an dem das Diner bei dem fran-

oischafter stattfand, zu verschieben, und am folgenden Mor-

1633

gen brachte jener Mitvershworene die ganze Sathe zur Kenntniß des Generals, Vier der Betheiligten wurden verhaftet und eine Nieder- lage von 700 Gewehren entde>t.

Aus den bei Amettler vorgesundenen Papieren ergiebt si<, daß heute, am 29s}ten, die General -Capitaine von Catalonien und Arg- gonien, Meer und Breton, o wie mehrere andere Generäle, ermor- det werden sollten. Jn Madrid sollte der Mordstahl gegen eine noh höher gestellte, exlauhte Person gerihtet werden, weshalb seit eini- gen Tagen ein Kürassier -Regiment zur Bewachung des Königlichen Palastes aufgestellt ist, Die Mörder waren theils erkauft, theils hatten sie si< freiwillig angetragen. Mehrere esparteristishe Gene- räle verließen heimlih Madrid, um die Vewegung unter dem Vor- geben der Errichtung einer Central- Junta zu leiten. Auch General Prim ward in Folge aufgefangener Papiere und geschehener Aus- sagen verhaftet. Die Regierung schi>te am 25stten Couriere nah allen Provinzen ab, um die Behörden von der bevorstchenden Gefahr zu unterrihten. Die revolutionairen Blätter sind etwas kleinlaut ge- worden, indessen sagt der Espectador noch heute, die Tyraunen möchten niht ver x daß der Tag der Rache erscheinen würde.

Die französishen Behörden haben der spanischen Regierung bei dieser Gelegenheit wichtige Dienste geleistet, und Graf Bresson ver- läßt kaum den Königlichen Palast, desto mehr ergößt man si aber an den vershiedenartigen Betrahtungen, welche die Organe der fran- zösischen Presse über die hiesigen Zustände anstellen, Sogar das Journal des Débats hat sich verleiten lassen, eine Stelle der Thron -=- Rede mißzuverstehen und deshalb an die spanishen Minister einige schr unsanfte Worte zu rihten, und diesen Tadel hat Herr Martinez de la Rosa tiefer empfunden, als alle Shmähungen, welche hicsige Blätter gegen ihn richten. Jn der gestrigen Sißung der De- putirten hielt er cinen langen Vortrag, der offenbar niht an den Kongreß, sondern au das halbamtliche Organ des französishen Hofes gerichtet war, und vermuthlich bereits dur< Courier nah Paris be-= fördert worden ist.

Ueberhaupt scheint sowohl die Partei, welhe den Fortgang der Revolution zu bekämpfen sucht, als auch die, der es um die Weiter= führung derselben zu thun ist, sih vorzugsweise um den Beifall des benachbarten Kabinets, oder der eroberungssüchtigen Propaganda zu bemühen. Ein progressistishes Blatt sagt den Sturz des Juli-Thro- nes voraus, für den Fall, daß die französische Regierung die hiesigen „Absolutisten‘“ unterstüße. Vorzüglich beachtenswerth is aber ein in die pariser Revue Jundependante eingerücter Aufsaß des Spa- niers Marliani „über ausländischen Einfluß in Spanien“. Herr Mar-= liani war bekanntli<h mehrere Jahre hindur vertrauter Agent der englischen Gesandtschaft, wurde, vielleicht gerade deshalb, von allen spanischen Ministern desavouirt, und spielt jeßt eine Hauptrolle in dem esparteristishen Comité, das si< unter Mendizabal's Vorsiß in Paris gebildet hat. Heur Marliani unterhält enge Verbindungen mit der französischen Opposition, und da das Glaubensbekenutniß, das er in der erwähnten Zeitschrist so eben ablegt, ein ziemlih helles Licht auf das, was die französishe Propaganda von dem revolutionairen Spanien zu erwarten hat, wirst, so mögen die betreffenden Worte Marliani's hier ihren Play finden. Er adt:

„Wenn cs wahr is, daß es in Spanien cine Partei giebt, die ihre Ansichten von dem Kabinet der Tuileriecn empfängt, so ist es doch fals, daß diesc cine französische Partei sei, Jm Gegentheil, sie i antifranzösisch wegen ihrer absolutistischen Ideen, und sie ist nur ministeriell - französisch, denn die Minister sind nicht Frankreih. Wenn es wahr is , daß cs eine andcre Partei giebt, die immer die Politik der französishen Minister und deren Einfluß bekämpfte, so ist es doch falsch, daß diese Partei antifranzösisch sei, denn, wenn sie au cin s{mähli<hes Protektorat zurücwics und die Unabhängigkeit des Vaterlandes in Anspruch nahm, so hat sie doch Frank- rei nie mit den Ministern verwechselt, und die vorzüglichsten Redner beider Kammern haben laut ihre Achtung vor der französishen Nation und der Juli-Revolution ausgesprochen. Man beweise mir, daß irgend etwas diesem Perfahren Aehnliches in den Reden der Männer der rü>shreitenden Partei aufzufinden sei. Nie ist aus ihrem Munde ein einziges Wort zu Gunsten des revolutionairen Frankreichs ershollen, und, renn einst die Freiheit Frankreichs in ihren leßten Bollwerken bedroht sein sollte, so würden die Männer, welche jeyt bemüht sind, die Freiheit Spaniens zu vernichten, keinesweges die leßten sein, sich mit den Feinden Frauk- reihs zu verbünden. So ist die Partei, welche man (Herr Guizet) die französische nennt.“

Diese Sprache klingt aufrichtig und verdient Beachtung.

Der Kongreß der Deputirten begann heute die Diskussion der einzelnen Paragraphen der Adresse. Auf eine Anfrage des Herrn Perpiña, ob die Königin Isabella demnächst von allen Mächten an- erkannt werden würde, erwiederte Herr Martinez de la Rosa, die Regierung wäre entschlossen, sich niht zu erniedrigen, hoffe aber, daß die Königin von jenen Mächten baldigst anerkannt werden werde, weil es ihnen selbst daran gelegen sein müsse, und sie nur die Sicher- stellung der Ordnung abwarteten. Die Beziehungen zu dem römi- \{hen Hofe wären namentlich die allererfreulihsten. -— Auf cine an- dere, das von den Engländern vor Gibraltar in den Grund gebohrte spanishe Schiff „Rayo“ betreffende Anfrage erwiederte derselbe Mi- nister, daß die schuldige Genugthuung verlangt worden sei und die Angelegendell friedlich beigelegt werden würde. Dann entstand eine Diskussion über die von Seiten der englishen Regierung gegen die Unterdrü>ung des Neger - Sklavenhandels erhobenen Maßregeln, auf die ih zurückkommen werde.

Diesen Vormittag wurde General Prim in einem Miethêwagen und ohne Wache in ein anderes Gefängniß gebraht. Auch sein Ad- jutant, Oberst Ortega, ein sehr junger Mann, befindet sich in Verhaft.

Die Gewerbe - Ausftellung der deutschen Bundes: und Zollvereins-Staaten. (Vergl. Allg. Preuß. Zkg. Nr. 227, 238, 240, 242, 243, 248, 219, 252, 293, 254, 255, 256, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 270. 271, 272, 273, 274, 275, 276, 17, 278, 279, 280, 281, 283, 285, 286, 287, 288, 291, 293, ‘294, 295, 296, 297, 298, 299, 300, 301, 302, 303, 304, 306, 307, 308, 309, 310, 311, 312 und 313.) XCVI. Dampfwagen.

Der Bau der Lokomotiven datirt bei uns zwar erst aus jüngster Zeit, hat aber bereits durch die achtungswerthe Beharrlichkeit der be- züglichen Unternehmer auf cine Weise Plaß gegriffen, die zu den er- freulihsten Hoffnungen für die Zukunft berechtiget. Hervorgerufen durch großartige Eisenbahn - Unternehmungen, welche selbs noch als junge Justitute dastehen, hatte der inländische Lokomotivenbau bei sci- nem ersten Auftreten eine gefährlihe Konkurrenz mit dem Auslande zu bestehen, welches, begünstigt durch die bedeutendsten mechanischen und pecuniairen Hülfsmittel, so wie namentlih durch die reichhaltigste Auswahl aller benöthigten Materialien, zu verhältnißmäßig viel billi- geren Preisen, als sie unseren Maschinenbau - Anstalten zu Gebote standen, außerdem noch eine längere Erfahrung, und in Folge dessen eine, wenn auh uit immer begründete, günstige Meinung vor-= aus hatte.

Bis zum Jahre 1840 waren auf den deutschen Eisenbahnen, wenige vereinzelte Ausnahmen abgerechnet, nur ausländische, nament- lich englishe und amerikanische Lokomotiven auzutreffen, welche theils ihrer wirkli< trefflichen Leistungen wegen, theils aber aus anderen Gründen von Denen, die zu ihrer Anschaffung gerathen hatten, nit

selten grundsäglih bevorzugt und gepriesen wurden. Zu diesen , den einheimishen Maschinenbau-Anstalten entgegenstehenden Schwierigkei- ten gesellte si< no< das ziemli allgemein verbreitete und selbst jebt no< niht aufgegebene Vorurtheil, daß nämlich Dampfmaschinen übex- haupt, sofern es si< um billige Preise und zwe>mäßige Construction handelte, nur aus England mit Vortheil bezogen werden könnten.

Unter sol<hen Umständen mußte das Unternehmen, den Bau der Lokomotiven bei uns einheimis< zu mahen, allerdings als ein sehr gewagtes erscheinen, und in der That gehörte eint nil t gewöhnlicher Muth im Vereine mit beharrliher Ausdauer dazu, um diesen unglei= hen Kampf mit der mähtigen Konkurrenz des #0 vielfah begünstig- ten Auslandes einzugehen, ohne dabei zu unterliegen. Um aber rei< aus demselben hervorgehen zu können, bedurfte es mehr, Dazu bedurste es vor Allem jener patriotis<en- Gesinnung, welche mehrere deutsche Eisenbahn - Gesellschasten auf ehrenhafte Weise an den Tag gelegt haben, indem sie zuerst mit Hintenansezung der bestehenden Vox- urtheile der vaterländischen Gewerbthätigkeit die Hand reichten und ihr dur angemessene Bestellungen Gelegenheit gaben, ihre Befähi- gung zum Lokomotivenbau, so wie zur Herstellung der Betriebsmittel und sonstiger Erfordernisse des Cisenbahnwesens nachzuweisen.

Daß ein solhes Zutrauen niht unbegründet war, beweisen un- ter Anderem die Leistungen der Maschinenbau-Anstalten von Regnier und Poncelet zu Aahen und Lüttih, von Dobbs und Püns- gen in Aachen, von Jacobi, Haniel und Huyssen zu Sterke= rath bei Oberhausen und nicht minder die der Magdeburg - Hambur- ger Dampfschifffahrts - Gesellschaft angehörige Maschinenbau - Anstalt zu Bue>gu. Vor Allen aber hat August Borsig in Berlin das ihm zuerst von der Direction der Berlin-Anhaltischen Eisenbahn-Ge- sellschaft geschenkte, beide Theile gleich sehr ehrende, Zutrauen auf eine glänzende Weise gerechtfertigt. Aus seinen Werkstätten is bin- nen wenigen Jahren eine zahlreihe Folge von Dampfwagen hervor- gegangen, deren jeder den nächstvorhergehenden immer dur< neue R L sserunges übertraf, und somit ein unausgeseßtes Streben seines Verfertigers kundgab, den Lokomotivenbau allmälig bis zu demjenigen Grade der Vollkommenheit zu erheben, den die von Borsig zur Aus=- stellung gegebene Maschine bereits auf eine so erfreulihe Weise wahr=- nehmen läßt.

Herr Borsig baute seine erste Lokomotive im Jahre 1841, welche damals auf der vorhin genannten Eisenbahn in Betrieb geseßt wurde und si< so gut bewährte, daß ihm von der Direction alsbald drei neue Maschinen in Bestellung gegeben wurden, denen bald meh- rere für andere Gesellshaften folgten. Die lebte fertig gewordene Maschine, welche unter dem Namen „Beuth“ die diesjährige Ge=- werbe - Ausstellung shmüd>te, is die se<sundzwanzigste.

Von diesen in einem Zeitraume von drei Jahren verfertigten 96 Lokomotiven mit Tendern befinden si< 9 Exemplare im Besiß der Berlin-Anhaltischen, 10 dergleihen im Besiß der Berlin=-Stetti= ner Eisenbahn-Gesellschaft, während die übrigen auf der Oberschlesi- hen, Magdeburg=-Halberstädter und Niederschlesis<-Märkischen Cisen- bahn vertheilt sind. Bis zu Ende dieses ahres wird die Zahl der gelieferten Lokomotiven auf 31 steigen, und für die nächsten dret Zahre sind, wie wir vernehmen, bercits 50 neue Maschinen in Be= stellung gegeben, ein Resultat, welches für die Güte der Borsig= schen Lokomotiven das beste Zeugniß ablegt.

Die auf der Ausstellung befindliche Lokomotive mit Tender (Nr. 172 ist eine von den lehten drei Maschinen, welche die Berlin-Anhaltische Eisenbahn = Gesellschast hat fertigen lassen und daher Cigenthum der genannten Gesellschast. Sie ist im Allgemeinen, wie alle Borsig= schen Maschinen, mit auswärts liegenden Dampf-Cylindern, also ohne Krummachse erbaut. Lokomotive und Tender sind se<srädrig und die Räder von beiden, bis auf die gußeisernen Naben, aus Schmiede= eisen in einem Stü zusammengeshweißt. Die Treibräder haben 5 Fuß, die Laufräder 37 Fuß Durchmesser; ihre Reifen haben 5 Zoll Breite und sind sämmtli<h mit Spurkränzen versehen, was bei dert Treibrädern der meisten englishen Maschinen nicht der Fall ist.

Der horizontal liegende Theil des Kessels ist so fonstruirt, daß er bei der Ausdehnung dur<h die Wärme seine Länge ändern kann, ohne nachtheilig auf si selbst oder auf die mit ihm in Verbindung stehenden Theile einzuwirken. Sein lichter Durchmesser beträgt 40 Zoll, und in seinem Jnnern euthält er 111 messingne Feuerröhren von 12 Zoll Durchmesser und 10 Fuß Länge. Der vordere Theil des Kessels, welcher den aus gewalztem Kupfer verfertigten Feuer= fasten aufnimmt, bildet im horizontalen Querschnitt ein Oval und ísst oben, bis auf das Mannloch, fuppelförmig geschlosscu. Dieses Mannloch- verschließt ein messingner, mit zwei Sicherheits = Ventilen versehener Aufsaß, in welchem das Dampfzuführungsrohr weit genug emporsteigt, um die reinen Dämpfe, befreit von den häufig mechauish mit fortgerissenen Wassertheilen, aufnehmen und nah den Cylindern führen zu können. Mit Ausnahme des Rauchkastens ist der ganze Kessel mit Filzplatten belegt, die an dem horizontalen Theil und der Kuppel mit Holz, an dem vorderen Theile aber mit Kupfer bekleidet sind. Gewiß eine sehr lobenswerthe Anordnung, die zur Ersparung an Brennmaterial nicht wenig beitragen wird.

Außer den oben erwähnten beiden Sicherheits-Ventilen ijt no< cin drittes Ventil mit Federwage zur Beobachtung der Dampfspan= nung im Kessel angebraht. Dasselbe hat nur einen geringen Durh= messer und seine Belastung is so normirt, daß es die Dämpfe früher, als die beiden anderen Ventile, deren Belastung mit der normal= mäßigen Dampfspannung von fünf Atmosphären über den äußeren Luftdru> im Gleichgewicht steht, entweichen läßt. So lange diesem fleineren Ventile unausgeseßt Dämpfe entströmen, ist die erforderliche Spannung im Kessel vorhanden, wogegen das Shließen des Ventils ein Zeichen is, daß nachgefeuert werden muß.

Die Dampf- Cylinder haben 13 Zoll lichten Durchmesser und einen Kolbenbub von 22 Zoll Länge. Jeder von ihnen ist mit zweit Hähnen versehen, die an ihren beidea Enden nah unten gekehrt ein= geshraubt sind und zum Ablassen des Wassers dienen, welches si beim Stehen der Lokomotive durch die Condensation der Dämpfe gebildet hat. Die Hähne können vom Standorte des Maschinisten aus ver= mittelst eines Hebels und einer Zugstange geöffnet und geschlossen werden. Außerdem sind die Cylinder auf Expansion eingerichtet, welhe auf die bekannte Weise durch zwei sich de>ende Schieber be= wirkt wird. Neu und eigenthümlich ist dagegen die zugehörige Steue=- rung, welche so eingerichtet ist, daß nicht blos ein Abschließen des Dampfes bei jeder beliebigen Kolbenstellung, sondern auf eine Um- fehrung der Bewegung, ohne die Communication des Dampfes mit den Cylindern zu unterbrechen, dur< ein und denselben Hebel vom Standorte des Führers aus hervorgebraht werden kann. Auf diese sinnreiche Anordnung hat Herr Borsig im vorigen Jahre ein Patent erhalten.

Sehr beachtungswerth is die Art und Weise, wie bei dieser Lokomotive das Wasser aus dem Tender nah den beiden Speisepum= pen geleitet und von diesen dem Kessel zugeführt wird. Die Röhr= Verbindung der Pumpen mit dem Wasserbehälter des Tenders isff nämlich blos vermittelst Kugelgclenke hergestellt, wobei die ZuleitungE= röhren überkreuz von der re<ten Seite des Tenders nah der linken Puwpe und von der linken Seite des Tenders nach der re<ten Pumpe R Durch diese zwe>mäßige Anordnung, die uns bei anderen ofomotiven bis ies no< vit vorgekommen ist, hat der Aussteller jene nachtheilige Stopfbüchsen- Verbindung, welche früher wegen des

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