1902 / 7 p. 5 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

die Amortisationsrate, entspre{end dem Gese vom 25. Februar 1901, wie es von Ihnen beshlossen is, zur Abschreibung auf das Kapital der Reichsshuld verwendet werden muß,“ darüber besteht kein Zweifel, weder bei Ihnen, no<h bei den verbündeten Regierungen. Andérs ist es aber mit dex Zinsrate. Diese Zinsrate ist niht eine von China gezahlte Entschädigung für die Schäden aus ‘den Wirren und ‘für fonstige Benachtheiligungen des Deutschen Reichs, fondern sie ist die Vergütung dafür, daß die Entschädigung niht auf einmal gezahlt wird, sondern in 40 Jahresraten. Diese Zinsrate wird also in Zu- kunft, dem Sinne des Gesezes entsprechend, niht von dem Kapital der NReichs\huld abzuschreiben fein, sontern sie wird beim ordentlichen Etat zu vereinnahmen und zur Bezahlung der Zinsen ‘der Reichs\{huld zu verwenden sein. Jh glaube, daß dies im hohen Hause keinem Zweifel begegnen wird.

Die in China verbleibenden Truppen ‘erfordern eine Aufwendung von 26 Millionen im Jahre 1902. Der Zwe> der Belassung dieser Truppen in China ist Ihnen in der Begründung des näheren dar- gelegt. Wir können unsere Missionen und unseren Handel, die soeben erst dur< die Wirren der vergangenen Jahre {wer geshädigt find, ni<ht wohl neuen Schädigungen aussegen und müssen eine Besazung fo lange in China belassen, bis die Verhältnisse sich dort so gefestigt haben werden, daß weitere Schädigungen und Wirren nicht voraus- zusetzen find. Das ist in der Erläuterung zum Etat des Näheren dargelegt, und ih hoffe in dieser Beziehung auf Ihre Bewilligung.

Wenn ih zum Schluß no<h eine kurze formelle Frage erwähnen darf, so ist es die des Schuggebiets-.Etats. Sie werden beim Schußz- gebiets-Etat etne Neuerung finden, darin, daß ein besonderer Haupt- Etat für die Schuytgebiete aufgestellt ist. Es hat das mit der Sache weniger zu thun als mit der Form. Die Schuytgebiets-Etats beanspruchten gegenwärtig im Reichs-Gescßblatt einen breiteren Naum fast als der Gesammt-Etat selber. Das wird in Zukunft besser und bequemer werden.

Meine Herren, i< komme jeßt zu einem kurzen Schlußwort. Das Gesammtbild des Etats ist so unerfreulih, wie wir es vor einem Jahre kaum hatten voraussehen können. Es ist nah zwei Richtungen unerfreulih: einmal müssen die Bundesstaaten ungededte Matrikular- beiträge hergeben und ihre eigenen Finanzen, die do<h ein jeder im Reiche na<fühlt, weil jeder Bürger des Reichs do au Bürger eines Einzel-Landes i}, schädigen. Sodann muß das Reich zum ersten Male zur Bilancierung des Etats zu einer Ergänzungsanleihe schreiten, um laufende Ausgaben aus der Anleihe zu befriedigen. Das ist unerwüns<t, meine Herren, es läßt si< aber nicht ändern. Aber wir können bieraus eine Lehre zieben, und ih möchte diese Lehre besonders betonen mit Nü>ksiht auf die großen Verkehrserleichterungen, welche in den leßten Jahren bei der Post und Telephonie geschaffen worden sind; ih möchte sie auch betonen mit Nüeksicht darauf, daß im Deutschen Reiche bald hier, bald da eine größere Verbilligung der Eisenbahn- tarife gefordert wird. Ih bitte Sie, meine Herren, seien Sie in solhen Zeiten, wo die Einnahmen zurü>gehen, zurü>haltend mit dem Verlangen na< neuen Ausgaben ih erinnere an die Gnterpellation des Herrn Abg. Dr. Arendt und na< Verbilligung von Verkehrstarifen ih erinnere an die jüngsten bei der Post und Telephonie geschaffenen Verbilligungen. Wir würden sonst in die Lage kommen, den Etat in künftigen Jahren no< \{Gle><ter balancieren ¿zu müssen, als es bereits im Jahre 1902 der Fall sein wird. Ich kann zuglei sagen, meine Herren: wenn der wirth\s{aftlihe Nieder- gang anhält, und der Rü>gang der Einnahmen sih weiter fortseßt, so werden Sie niht umhin können, neue Einnahmequellen zu be- willigen, nicht aber solche, wie den Börsenstempel, sondern Einnabmen, die wirkli< zu Buch s{lagen, und da stehen an erster Stelle die Worte: Bier und Taba>.

Aba. Dr. Udo Graf zu Stolberg-Wernigerode (d. kous.): Meine Freunde hatten den Wunsch, daß der Etat noch vor den Weib- nactsferien in erster Lesung berathen werde, und wir glauben, daß; das sebr wobl- möglih gewesen wäre. Die Mehrheit des Reichstages war anderer Meinung, und wir befinden uns nun in der Nothwendigkeit den Etat in verbältnißmäßig kurzer Zeit feststellen zu müssen. Das

vermehrung sind, würden in diesem Jahre gut thun, Thätigkeit im Schiffba wie auf anderen ‘ist der Arbeitslosigkeit eutgegenzuarbeiten: Auf die

Dauer wird das Reich, selbst wenn die gegenwärtige Wirthschafts- T

einer erhöhten

u zuzustimmen; denn auh auf diesem Wege

frise wider Erwarten balb überwunden wäre, ohne Erhöhung [einer eigenèn Einnahmen nicht auskommen können. Der neue olltarif wird. auch E Méhrerträge liefern. Es ist der Wunsch laut ge- worden, daß die Mehrerträgé aus den Getreidezöllen zu einer Wittwen- und Waisenversiherung der Arbeiter verwendet werden. Wir sind damit vollständig einverstanden, wie wir hon yor. Jahren .dem gleichen - Wunsche des Freiherrn von Stumm zugestimmt haben. Auch eine Reihe andérer Industriezölle wird mehr Evttäguise liefern. Sollte der Zolltarif - nicht zu stande kommen, so wird fih das Reich nach anderen Reichssteuern odex Reichseinnahimequellen úümsehen müssen. Die auswärtigen O betreffend, so freuen wir uns zunä stt über das freundschaftlihe Verhältniß zu Rußland. Die Versuche, den Dreibund zu erschüttern, haben \i< öfter wiederholt, auch in der leßten Zeit und da mit einer gewi}sen Intensität, aber diese Ver- uhe waren * bis. jeyt erfolglos, und so hoffe ich, daß -au<h die etzige Treiberei erfolglos sein wird. Mit besonderer Genugthuung at uns die glü>lihe Beendigung der China-Expedition erfüllt. Aus der s{hwierigen Lage, in welche wir gegenüber China durch die Er- mordung unseres Gesandten gerathen, sind wir burch einen ehrenvollen ee en herausgekommen, welcher, wie ih hoffe, au finanziell vor- fbeilhaft für Deutschland id wird. Es it allerdings unserem MONES und unseren deutshen Truppen nicht vergönnt gewesen, große Heldenthaten in China zu vollführen, aber ihren glänzenden militärishen Leistungen und der Schnelligkeit, mit welcher es möglich war, die Expedition zu formieren und abzusenden, verdanken wir den gewonnenen Erfolg. Die Fe Ege eldungen na< China waren

die erste ernsthafte Probe, auf die unsere Armee seit 1870 estellt wurde, und diese Próbe hat fie glänzend be- tanden. Die Vorwürfe über barbatrische Kriegführung haben sich

nit bewahrheitet: die „Hunnenbriefe“ waren entweder gefälscht, oder entstellt, oder enthièlten roe Uébertreibungen. Die Beschuldigungen gegen unsece Truppen haben sh als ungerecht herausgestellt. Dennoch at der Minister eines Staats, mit dem wir in Frieden und Freund? haft leben, es für angezeigt gehalten, Velguldigungen gegen unsere

Truppen gegenüber threr Aufführung im Kriege von 1870 zu erheben,

die im ganzen deutschen Volke tiefste ie hervorgerufen haben, weil sie absolut grundlos sind. Das deutshe Heer is das deutsche Volk in Waffen: wer das deutsche Heer beleidigt, beleidigt auch das deutshe Volk. Wenn wir den Etat nicht zum 1. April bewältigen können, würde ein Etatsprovisorium eintreten, welches unser Be- willigungsre<t sehr in Frage stellen könnte. Wir haben also das - größte Interesse, den Etat rechtzeitig zu verabschieden; hoffentlich führen die Besprechungen zwischen den Fraktionen in diesem Punkte zu einer befriedigenden Lösung.

Reichskanzler Graf von Bülaw:

Meine Herren! Der Herr Vorredner hat in seinen Ausführungen eine Aeußerung berührt, wel<he vor einiger Zeit ein englischer Minister über das Verhalten unseres Heeres im deutsh-französischen Kriege gemacht hat. Ih glaube, wir werden Alle darüber einig sein, und ih meine, es werden auch alle verständigen Leute in England mit uns darüber einig sein, daß, wenn ein Minister si< gezwungen sieht, seine Politik zu re<tfertigen das kann ja vorkommen (Heiterkeit), daß er dann wobl daran thut, das Ausland aus dem Spiel zu lassen. (Sehr ridtig!) Will er aber do< fremdländishe Beispiele heranziehen, so empfiehlt es si, das mit großer Vorsicht zu thun (sehr richtig!), sonst läuft man Gefahr, ni<t nur mißverstanden zu werden, sondern au, obne es zu wollen wie i im vorliegenden Fall annehmen will, und wie i< annehmen muß na< dem, was mir von der anderen Seite versihert wird —, fremde Gefühle zu ver- lezen. Das is aber um so bedauerliher, wenn e einem Minister gegenüber einem Lande passiert, das mit dem seinigen, wie Graf Stolberg socben hervorgehoben hat, stets gute und freund- schaftliche Beziehungen unterhalten hat, deren ungetrübte Fortdauer gleichmäßig dem Interesse Veider Theile entspriht. (Setr wahr!) Es war durchaus begreiflid, wenn in cinem Volke, das mit seinem rubmreichen Heere so innig verwachsen ist wie das deutshe Volk auch das hat mit großem Recht der Herr Vorredner betont —, das allgemeine Gefübl \i< auflebnte gegen den Versu und selbst gegen den Schein, den berois<en Charakter und die sittlihe Grundlage

jedem Theilnehmer am Dreibunde frei, seine militäris<en und mari- timen Streitkräfte zu reduzieren, wann er will und wie er will. Jch möchte sogar annehmen, daß ohne - den Dreibund dieser oder jener seiner Theilnehmer zu stärkeren militärishen “Anstrengungen und größeren militärishen Aufwendungen genöthigt sein würde als jeyt (sehr wahr! rechts), wo er Mitglied einer starken Gruppe ist.

Die französisch-italienishen Abmachungen -, über . gewisse Mittel

meerfragen gehen garnicht gegen. den Dreibund.

Im übrigen können wir die weitere Entwi>klung der Dinge mit

"um so größerer Ruhe betrachten, als die Lage heute doh eine wesent-

lih andere ist als im Jahre 1879, als Fürst Bismar>k mit Graf Andrassy im deutsh-österreihis<hen Vertragé die Grundlage des Drei- bund-Vertrages legte. Zu jener Zeit trieben wir nur europäische Politik. Die Kombinationen gingen nicht über das Mittelmeerbe>en hinaus. Heute umspannt die Politik aller großen Mächte“den ganzen Erdball. Jch glaube, daß es, seit es eine Geschichte giebt, wohl nie eine Zeit gegeben hat, wo gleichzeitig so viele mächtige Reiche existierten. Daraus entwidelt \ih, wenn ih mich so ausdrü>ken darf, ein System der Gegengewichte, welhes naturgemäß auch ohne be- sondere Verabredung hinwirkt auf die Erhaltung des Weltfriedens. Denn es giebt keine Macht, die, wenn sie in Europa nach der einen Seite Krieg führen wollte, sich nicht sagen müßte: was geschieht aber inzwischen hinter meinem Rücken? Denn überall kann man die Augen {ließli niht haben. Im Jahre 1879 waren unser großer Staats- mann Fürst Bismar> und unser großer Feldherr Graf Moltke darüber einig, daß Deutschland \si< einrihten müsse auf die Gefahr, die vielleil#t nahe Gefahr eines großen europäischen Krieges. Heute ist die Situation eine weniger gespannte. Das hat verschiedene Ur- sahen. Zunächst hat es entschieden beruhigend gewirkt, daß Deutsch- land seit 30 Jahren eine \tetige Friedenspolitik getrieben hat. Noch vor zwei Jahrzehnten war die Ansicht ziemlih verbreitet, daß das Deutsche Reich, welches in großen Kriegen zusammengeschweißt worden war, eine fkriegeris<he Politik treiben würde, ähnlich wie sie das napoleonische Kaiserrei<h zweimal gemacht hatte. In diesem Argwohn lag insofern eine gewisse Gefahr, als sih die un- versöhnlichen unter unseren Gegnern des Arguments bedienen konnten und wobl au<h ab und zu bedient haben, zu sagen: Wenn wir nicht einen uns passenden Augenbli> benußen, um das Deutsche Reich an- zugreifen, seßen wir uns der Gefahr aus, daß dieses in einem ihm genehmen Momente über uns herfällt. Dieses Argument [läßt sich beute niht mehr anwenden. Denn an Gelegenheit, einen mehr oder weniger vortheilhaften Krieg, no< dazu in ganz guter Gesellschaft, zu führen, daran hat es uns seit 30 Jahren nicht gefehlt. Wenn heute irgend wer von einer angriffs- und kriegslustigen Absicht des Deutschen Reichs oder des Deutschen Kaisers spräche, so würde eine solche Ver- leumdung Platt zu Boden fallen. (Sehr richtig! re<ts.) Jeder, der sich mit Politik beshäftigt, weiß, daß wir absolut friedlich sind.

Dann aber erstre>en sih die Ziele der heutigen, der Weltpolitik auf Gegenden und Objekte, die weit entfernt von Deutschlands Grenzen liégen. Jh nenne in dieser Beziehnng beispielsweise die Nordküste von Afrika, Persien, Ost-Asien. Wenn somit für uns der Dreibund nit mehr eine absolute Nothwendigkeit ist, so bleibt er do< im höcsteu Grade werthvoll als verstärkte Garantie für den Frieden und den status quo, auch abgesehen davon, daß cr ein sehr nüßliches Bindemittel ist für Staaten, die durh ihre geographische Lage und ihre historishen Traditionen darauf angewiesen sind, gute Nachbarschaft zu halten. Was uns angeht und damit will ih \{ließen —, so müssen wir Deutschland au< weiter so stark erbalten, daß, wie jeßt unsere Freundschaft für Jeden werthvoll, unsere Feind- {aft für Niemanden gleichgültig ist. (Bravo!)

Abg. Dr. Südekum (Soz.): In der Verfassung sind doh Neichssteuern, und zwar quotisierbare, ausdrü>li< vorgesehen ; es ist lediglich die Rücksicht auf die Finanzen der Einzelstaaten, welche die Reichsinstanzen davon abhält, diesen Weg zu betreten. Wenn daher

unserer nationalen Einbeitskämpfe zu entstellen. Das deutsche Heer stebt aber viel zu bo< und scin Wappens{ild ist zu blank, als daß

wirtbscaftliche Leben verläuft bekanntlih in Form einer Wellen- bewegung. Das ist immer so gewesen und wird voraussihtli< auch in der Zukunft so scin. Es ist zu wünschen, daß die Wellenberge nicht zu bo< und zu steil und die Wellenthäler dementsprehend nicht zu tief sind. Der Wellenberg, den wir binter uns baben, ist allerdings sebr bo acwesen, und scin Abfall ist sehr steil. Wer auf eine längere Reibe von Jahren zurü>bli>den kann, wird unwillkürlih an die wirtbschaft liche Krisis crinnert, welche Deutschland anfangs der 70er Jahre durzumachen hatte. Deutschland war bis dahin ein wirtbschaftlich armes Land: nah dem glü>lichen Kriege trat ein Aufshwung ein, der sebr bald w cinem {weren Rü>kshlag führte. Fürst Biomard war der Ansicht, daß das Freibendelssvîtem den wirths{haftlichen Woblítand Deutschlands allmäblih untergraben babe. Jch will die

Frage auf sich beruben lassen; jedenfalls ist die gegenwäitige Krise vor allem die Folge einer industriellen Ueberproduktion. Die Pro- duktion aing zu rapîde in die Höbe, und dic Entwi>llung war zugl ih eine ungleihmäßige die Landwirtbschaft konnte der In dustrie nicht folacn, sondern ging zurü>. Die Arbeitskräfte, die die industricle Eatwi>lung in die Städte gezogen hat, leiben dort, und das Land leidet unter dem Mangel an Arbceits- feáéten. Wäre es mögli, die überihüfsigen Kräfte auf das Land

urüSzutühren, so wäre beiden Theilen gcholfen. Bei Gelegenheit der Interpellation über die Arbeitslosigkeit wird näher hierüber zu reden scia. Die Krise ist wesentli verschärft worden durch den Zusarnmenbrud mehrerer größeren Wh der sofort in

den erfien Antäugen der Krise eintrat nzciden spreben allerdings dafür. dak wir den tiefsten Punkt {on überschritten haben ob wir ader {on einer fann

wirfliden Besserung entgegengchen, nod fo

zur Zeit niemand fasen Aub wenn man cptimistis® denkt, darf man nit dazu übergeben, dic Einnabmeans@läge

im Etat wesentli in die Höhe zu shrauben. Das bätte gewiß gethan. wenn es eben möglid ge- wcien wäre. Wir baben also mit cinem Defizit von 60 Millionen zu renen. Die fehlende Summe auf die Matrilualarbeiträge zu werien. wäre theoretisch das Nichtigste: diese Maknabme würde auch die Einelttaaten cnuergaliher dabin drängen, cinmal fi für cine Finanzreform cinzuseyen. Wir würden aber cine Meibe von Éinzelitaaten dadurch in s\<were finanzielle Bedrängniß stürzen xd cine Verstimmuag bei ibnen gegn das Meich erzeugen, die béi betenfliche Folgen haben mökte. Es wird alio wobl nichts

der Seéhaysekretär selber gern

ábrig biciben. als den Weg zu betreten, welhen der Staatésekretär veraciéiagen hat. Von der lobenewerthen Abfibt, ten Etat dur

crbeblide Abitriche fnapver zu gestalten und cine iparlamere Wirth-

D aab, veriprebe ih mir fúr den finanziellen Effekt sebr | rw rer“ame:!

e wirthihaften fann nur der, der bie Verwaltung bat: das alt ero wie für den Kreis und Lie Provinz ao für den Staat ues das Reis. Die den Förperichatten -:$! die Ert wn das innere E der Verwaltung, Diese that- A —- pr babas, LOEE, bisher growe Abitriche verhindert m E M: rae orten Megieremgrr 8 rrbébtes Gesdaubgaben jw drâagen S biierigee Porteres, melde n d Gegner ver Morine

dazu beigetragen, die |

es dur s<icfe Urtheile berührt werden könnte! (Bravo!)

Von so etwas gilt man ibm davon spra, angegriffen bätte

daß; jemand ibn und die „Laßt den Mann gewähren“, sagte der große König,

„und reat Euch nicht auf, er beißt auf Granit.“ (Heiterkeit. Sehr gut!) |

Y Meine Oerren, nun

gesprochen. Er

hat der Herr Vorredner auß vom Dreibunde hat mit Recht bervorgehoben, daß es immer gewisse zu begraben. Es hat au< immer Leute gegeben, die von Zeit zu | Zeit sich gedrungen füblten, den Dreibund todt zu sagen. Nun er- freut si der Dreibund aber no<h immer des besten Wohblsecins, und | ih denke und hoffe, es wird ibm gehen, wie solhen Personen, die

fzals@lid todt gesagt werden und nun erft re<t lange leben.

lleber tie Natur und das Wesen des Dreibundes bestehen ja viel-

fab niét zutreffende Vorstellungen. Des Dreibund ist nicht eine Er- |

enosens<aît, sondern er ist cine nit offensiv, sondern defensw, sondern er ist im hoben Grade friedlih. Der Herr Graf Stolberg hat eben gesagt, der Dréibund berube niht auf einer Gnsilichen Kombination. Das ift vollkommen richtig. Historish ge- iprocben. stellt der Dreibund die Versöhnung dar zwischen den natio-

Versicherungsgesellschaft

e : E | (Sebr gut Er ift

zalen Errungenschaften, die aus den Kämpfen der C0er und 70er Jahre bervorgegangen sind, und jenen Prinzipien der Stabilität, die nab Beendigung der napolconis{hen Kricgöstürme auf der Basis der Wiener Verträge Gurora während eines halben Jahr-

underts den Frieten gesichert haben. Der Dreibund verbindet die Vergangenbeit mit der Gegenwart und sichert die Zukunft Der blickt aud

Dreibtunk anderen | wenn ein, wenn au nur feiner Theil der deutschen Presse wegen der

iranzéfii&-italienishen Abmathungen eine gewisse Unruhe an den Tag

| legen würde. In einer glüFlihen Ehe muß der Gatte auch nicht

¿leich cinen rothen Korf kricgen, wenn seine Frau einmal mit einem | (Große Heiteckeit.) Die |

| Anderen cine unshuldige Extratour tanz? Hauptsache ift, daß fie ihm nicht durhgebt, und sie wird ihm nicht durcbachen, wenn sie es bei ihm am besien hat. (Séhr gut!)

Der Dreibund legt übrigens seinen Theilnéhmern keinerlei lästige Ver ihtungen auf wenigen Augenbli>en las ih hier in den vor mir liegenden Pref- | autibaitten. dal das ichon einmal în der „Nordd. Allg. Ztg." hervor- zebcten werten ift der Secttreitkräfte auf ciner bestllumten Höhe zu halten.

was Friedrih dex Große einmal sagte, als | preußische Armee |

Leute gegeben hat, die erfüllt waren von dem Wünsche, den Dreibund |

er ist nit |

gute Beziehungen seiner Theilnehmer zu | Mitten nit aus, und id würde es nicht für richtig balten, |

Insbesondere wird dur ten Dreibund vot |

, feiner der Theilnehmer vervilihtet. seine Latid- Es fiebt

¿. B. der sächsische Finanz-Minister von Waydorf den liebenswindigen RNuéspruch thut, das Deutsche Reich sei ein lästiger Kostgänger der Einzelstaaten, so ist das nicht so ernsthaft und tragish zu nehmen, zumal er zu diescm Ausspru< nit die mindeste Berechtigung haben würde, wenn er nit die lästigen agrarishen Kostgänger in seinen Einzel-Gtats geduldet bätte. Der Reihs-Schaysekretär hat durch- bliden lassen, taß er beabsichtigt, die 150 bis 200 Millionen Ueber

{<üse, die man aus der Erbêbung der Getrcidezölle erwartet, für den Reichsse>tel einzubeimsen. Denn ganz abgesehen davon, daß wir an den Ernst der maßgebenden aeg gr diefe Uebershüse für eine Wittwen- und Waisenversiherung zu verwenden, niht glauben, ist es sahli< ganz unzwe>mäßig, eine solche sozialreformatishe Maßregel auf eine so \{hwankende Basis zu stellen. Wobl- weislih bat der Schaysekretär ih diesmal gehütet; in ciner be- sonderen Denkschrift die gegenwärtige wirtbs{aftlicbe Lage und die bereingebrocheye Krise darzustellen, denn cine sol<e Darstellung wäre ledigli< Wassêr auf unsere Mühle gewesen. Die Krise bat allerdings nicht erst 1901 eingesegt. Jn der Denkschrift zur Flottenvorlage | wollte der Schabsekretär nichts von ‘neuen Steuern wissen, es sollte | also aus den steigenden Einnahmen des Reichs ges<höpft werden ; und | Herr Bassermann wie Herr Ri>kert waren entzü>t von dem glän- zenden Bilde, das da entrollt wurde und von dem gerade für die deutsche Arbeiterwelt cin Strom des Segens ih ergieizen | sollte, No im vorigen Jahre hieß cs, daß keine Krise,

| | . | sondern bloß eine vorübergebende Uebersättigung der Spekulation vor- | banden sei. Es ist die alte Erfahrung, daß kurz vor dem Ausbruch der Krisis die wirthichaftliche Lage dem Optimisten den Eindru> | blübendfter Gesundheit macht. Der wirthschaftlihe Aufshwung, der | der Krise vorautgina, war freili< außérordentlih überraschend, das | spiegelt sich au< in den statistishen Zahlen wieder. Es ist das | carakteristische Kennzeichen der leyten fünfjährigen Profperitätéperiode, | daß der favitalistishe Kredit ganz ungemessen überspannt wurde, wozu | au< der Tranévaalkrieg und die China-Expedition das Ihrige bei- | getragen baben Diese Ueberspannung tes Kredits entfesselte auh cin | Tempo in der Produktiori, die és bisher unerhôtt war. Es fam dazu, daf das neue Óvpothekenbankgeieu mit seiner Staatsaufsicht die Inter- | essenten in cine völlig falsche Sicherheit wiegte: denn daß die Staats- | aufsicht völlig versagt hat, darüber ist man sih durchaus einig. Wer | übrigens das fapitalistishe Systern in toto will, muß au solthe Auswücbie in den Kauf néhmen. Der große Moment fand denn | au seine großen Männer, wie Sanden, Horn, Exner u. #. w., die | Fi& retlih bemüht haben, von der Mil die Sahne abzushöpfen, bis | dann der Krach bereinbrah, Wir s<re>en nicht davor zurück, cinen | Schocfên cinen Séhurken zu nennen, und wer unter Aubnugung

eincs motopolistiichen Zustandes seinem Vaterlande die Pan âtten theurer verkauft als dem Auslande, wird für uns immer tant des Aúátiffs und der Verurtheilung sein; aber im Ganzen se wit darin Hof somptómatische Erscheinungen eines Systems. Sehr zur

| der Krise haben die Syndikate, Ringe und Kartelle bei- getragen, besonders das Koblensvutikat und tas rheinish-westfälische fa

f Ea E S tiker im prexdisSen Abgeordrotenbanfe erfuhren haben.

(Säloÿ in der Zweiten Beilage.)

Zweite Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlih Preußischen Staats-Anzeiger.

Mi T

(Schluß aus der Ersten Beilage.)

Dabei arbeiteten diese Syndikate mit dem unerhörtesten Terrorismus. Einen großen Schaden für die Gesammtheit können wir in dem Zu- rundegeben der Herren Sanden, Terlinden, Otto 2c. nicht erkennen. inen besonders pikanten Beigeschma>k haben die engen Beziehungen der meisten dieser Staatsstüßen zu dem Pastorenthum und zu den fTirchlihen Institutionen überhaupt, wie sie von Herrn Sanden nicht minder wie yon den Herren, auf denen die Verantwortung für die Zusammenbrüche in Dresden ruht, bekannt geworden sind. Ein weiteres pikantes Moment bot die Enthüllung der Thatsache, daß die aats bürgerliche Presse bis hinauf zum Königlichen „Dresdener Journal“ im Solde dieser F ingnzgebsen und Finanzinstitute stand; um diese Aufde>kung hat si<h der Berliner Redakteur Georg Bernhard ein besonderes Verdienst erworben. Daß die Auffichtsräthe thre Pflicht nicht gethan haben, ist klar; wie kann denn auch ein Mann seinen Becpllihtungen in einem folhen Posten na<hkommen, wenn er in einer ganzen Anzahl von Gesellschaften glei<{zeitig Aufsichtsrath ist? Das ist bei einer großen Anzahl dieser Herren der Fall; ih nenne nur Herrn Schulz in Bochum, Herrn Hansemann; in Dresden“ erreichte ein Herr. wohl den Rekord mit vierundzwanzigfacher Aufsichtsrathswürde. Was, abgesehen von dem pekuniären Interesse, diese Aufsichtsraths- thätigkeit so bedenkli<h macht, ist die Verquickung dieser Thätiskeit mit öffentlihen Aemtern als Stadtverordnete, Stadträthe oder gar Abgeordnete. Die Aufsichtsräthe der Art fißen in den Parlamenten fast in jeder Partei. Das Schlimmste is, wenn Mitglieder der Bergbehörden zugleih Aufsichtsräthe bei privatindustriellen Unter- nehmungen, Bergwerken und dergleichen sind. In der öffentlichen Kritik, namentli in der kurzsichtigen antisemitishen Presse, wird oft auf die laue Justizhandhabung hingewiesen ; meines Erachtens mit Unrecht ; denn “die Tendenz der Geseße ist do zugeshnitten auf die Ziele und Zwecke der Bourgeoisie, aus der die Juristen do hervor- gegangen find, und die sie in der getadelten Weise hand- haben, ohne daß man do<h an bewußte Nechtésbeugungen zu denken brauht. Unter diesen Voraussetzungen ist natürlih im Reiche der Sozialreformen von einer kräftigen Fortführung der Neformgesehz- gebung nicht die Rede. Alles ift zum Stillstand gekommen, und wie man dem Problem der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit zu Leibe gehen will, das lehrt ja die famose, unter der Aegide des verflossenen Herrn von Boetticher in Halle abgehaltene Konferenz von Beamten und JIn- dustrieDen über die gegen die Arbeitslosigkeit zu ergreifenden Mittel. Sämmtliche Beamte leugneten den Nothstand, nahdem Herr von Boetticher ihnen diesen Spruch vorgesagt hatte; sämmtliche Groß- industrielle erkannten das Vorhandensein einer Krise an; aber irgend etwas Durchgreifendes wird niht geshehen. Wollen die Arbeiter si<h selbst helfen, so ist au<h damit nichts ge- wonnen; denn in einem großen Theile Deutschlands steht das Koalitionéreht der Arbeiter nur auf dem i a Seit der Sparen- berger Rede geht der Geist des deutshen Zuchthau8gesetzes gegen die Arbeitershaft dur das eich. Die Beamtenschaft bemüht sich systematis<, jede Bewegung der Arbeiterschaft lahm zu legen; Ver- waltungsmaßnahmen und Verordnungen gegen das Streikpostenstehen tauchen immer wieder auf, obwohl das Reichsgeriht in dem Lübe>er all die Ungeseßlichkeit derartiger Erlasse festgestellt hat. So hat ih die Arbeiterschaft Sachsens über einen solhen Erlaß einer Amts- auptmannschaft zu beschweren, bei dem man wirklich zweifelhaft werden

muß, ob er von bona fides eingegeben ist. Die Betriebsverwgltungen des Reiches schlagen in ihren Bereichen ähnliche Wege ein; die Werft-

verwaltung, anstatt der Arbeitslosigkeit zu steuern, entlä t Arbeiter in großer Menge, selbs sohe, wel<he si< {on Jahrzehnte lang im Dienst der Werften befanden. Ein Arbeiter ist nach siebenundywanzig- jähriger Thätigkeit im Werftbetriebe entlassen worden! Selbst die armlose Gewerbegerichtônovelle bat den grimmigsten Zorn der Unter- nebmerkreise und ihrer publizistishen Vertretung erregt Derselbe ceaktionäre Zug is au<h bemerkbar in der ganzen inneren Politik. Der Absolutiémus wächst von Tag zu Tag und er erstre>t sih fogar auf die Schreibung von Stättenomen wie Zöln (Cöln) ftatt Köln. Seit der Hunnenfahrt nah Ost-Asien ist es nicht besser geworden. Jch erinnere an den Fall Spahn. Man muß mitunter wieder fragen: Wo bleiben die Minister? Das gilt von der Bürgermeisterwahl in Berlin ganz besonders, ebenso au von dem Einfluß des militärischen Geistes, der die allgemeine Ethik herabdrü>ken muß. Unter dem Ein- fluß des Militarismus verwandelt sih der Klassengeist der Bourgeoisie in einen Kastengeist. Die Gumbinner Affäre zeigt, daß der Militariómus \\& in einem latenten Kriegszustande gegen die bürger- lie Gesetzgebung und Ordnung befindet. Daher auch die Soldaten- mißhandlungen. Wie der \pezifis< preußis-militärishe Geist be- hafen ift, zeigt die Anstellung des wegen Soldatenmißhandlungen in Ghbina von Bayern abgelehnten Hauptmanns von Feiligih. Dieser wurde wegen Soldatenmißhandlungen, die er sih hatte in China zu Schulden fommen lassen, im bayerischen Heere zurü>gewiesen. Vier Wochen darauf wurde er in das preußische Heer aufgenommen und hat Aussicht, in Preußen eher Major zu werden als in Bayern, obwohl er in China Proben persönlichen Muthes nicht abgelegt hat. Gegen Duelle helfen Kaiserreden schr wenig. Das lehrt die gehaltene oder niht gehaltene Rede des Kaisers in Potsdam. (Der Präsident Graf von Ballestrem ersuht den Redner, niht auf Kaiserliche Reden zurüctzugreifen, die nicht im „Reichs-Anzeiger“ gestanden haben.) Das System des Militariómus mußte ja auch zu seinem „Jena“ kommen. Hand in Hand mit diesem System steht das zur Korruption führende Spitzelsysiem, wie wir es in der leyten Zeit im „Vorwärts* gelesen haben. Man hat dieses System besonders gegen die Agitation wider den Zolltarif anwenden wollen. Die Polizeikorruption steht ihrerseits im Zusammenhang mit der Verfolgung der Presse, von ciner Auf- debung tes fliegenden Gerichtsslandes soll niht mehr die Rede sein. Der Fall Bredenbe> hat großen Unwillen in der ganzen Arbeiter- \{ast erregt Der betreffende Redakteur wurde, \{impfli gefe

am selben Tage über die Straße geführt. Graf Stolberg hat den Abscbluk ter China-Expeditien gepriesen. Das China-Abenteuer hat mit einem erbeblichen Defizit abgeschlecssen und unser Ansehen im Auslande geschädigt. Nach solhem Fiasko zieht die Kaisetin lachend in Peking wieder ein und ladet sogar unseren Gesandten zu diesem Schauspiel ein. Die Sühnémission war ein Hereinfall für uns. Vierzehn Tage hat sich der Sühneprinz in Basel aufgehalten Die deutsche Regierung verlangte ganz etwas Anderes, als ursprünglich fest- aciiellt war, den Kotau. Während der Sühnevrinz im Hotel zum verwwunschenen Feen weilte, nabte der russishe Kaiser; die Sathe mußte eilt werden, und der Prinz {nitt dei dem Emypsañg iehr gut ab. Ein enallihes Blait wics mit Kei auf das Lächerliche dieses ganzen Vorganges hin T Ent- hüllungen des franzésishen Generals Voywion über die raud- lustigen Missionare kam uns nicht überraschend.

dem Tranéport der astronomischen Instrumente nah Deutschland

Die „Kölnische Zeitung®* meinte, die Instrumente wären in China gefauft worden. Von wem? j die Insirumente seien

elt,

Dann bic es na

det (inesiichen Regierung wieder angeboten worden und diese habe sie der teutschen Megicerung wr Veifügung gestellt, weil ih der Räôtirantport nicht lobnte. Ih muß dicses Verfahren auf das Enlichieteusie verurtheilen. Ih habe mih wegen dieser Vunnen- that, wissenschaftliche Instrumente zu entkübren für Deuts@dlaäand in die Secle binein geschämt; ih hade dajür feinen Anédrud>

Berlin, Donnerstag, den 9. Januar

Reichskanzler \sprah von dem Dreibunde als von einer Ehe; höchstens ist er ein dreie>iges Verhältniß. Desterreih ist durch das Natio- nalitätsproblem leshäftigt und die Wreschener Affaire hat unser Ber- hältniß zu Oesterreih nicht befestigt. Zwischen den Hösen von St. Petersburg und Berlin sind Neujahrswünsche diesmal niht aus- eian Gt worden. In der energishen Zurückweisung der Chamberlain- hen Unverschämtheiten sind wir alle einig. Aber wie steht es mit dem Protest gegen die Ueberschreitungen ter Haager Konvention ? Barbareien sind in allen Kriegen vorgekommen. Wir sind weit entfernt von Anglophobie, aber wir vermissen in unserem Verhältniß zu England die Stetigkeit. Das Ver- hältniß der Souveräne zu einander läßt einen tiefen Gegensaß zu dem Empfinden des Volkes erkennen. Ich erinnere nur an die Ankäufe der Remonten in Preußen dur< England. Die treue Freundschaft des Sultans und des Fürsten von Monaco kann uns nicht entschädigen für unsere wenig günstigen Beziehungen zu den anderen Staaten. Die Regierung seßt sih sehr häufig mit den Forde-

rungen der Vernunft in Gegensaß, niht nur in der inneren Politik. Ueberall Widersprüche, hohfahrendes Wesen und Blamage. Wir

können der Regierung ja nur dankbar sein, daß sie so viel Agitations- stoff liefert; aber dem Gemeinwohl dient sie damit nicht.

“Königlich bayerischer Dey a Lage zum Bundesrath, General“ major Ritter von Endres: Die Angriffe des Vorredners gegen die Heeresverwaltung us ih entschieden zurü>weisen. Der Vberabuer ijt wohl zu jung (Lebhafter Widerspruch und Lachen bei den Sozial- demokraten)... . Jch bin zwar als Parlamentarier noch sehr jung, aber die Erfahrung hat mich gelehrt, daß tas Gelächter nicht immer der Herzenösreudigkeit entstammt, sondern sehr häufig der Verlegenheit .….. um beurtheilen zu können, wie es im Herzen älterer Offiziere aussieht. Jch muß den Vorwurf der Feigheit, den er einem deutshen Offizier gemacht hat, mit aller Entf iedenheit zurü>weisen. Es ist ja in der Affaire eine Differenz zwischen der preußishen und der bayerischen Regierung zu Tage getreten. Ja, wir in der Heeresverwaltung fennen uns viel zu genom wir sind kameradschaftli<h zu schr mit ein- ander vereinigt, als daß wir niht in einem einzelnen Falle

verschiedene Anschauungen haben könnten. Gewiß, verschiedene Anschauungen kommen in jedem Urtheil vor. Im Großen, darüber fönnen Sie unbesorgt sein, in dem, was die Be-

ziehungen des Heeres und der Verwaltung angeht, sind wir uns Alle vollständig im Klaren und kommen wir überein. Bei dieser Uebereinstimmung in großen prinzipiellen Fragen ist es ein Zeichen freiheitlicher objeftiver Anschauung, wenn ih în einem solchen Falle zwischen beiden Regierungen verschiedene Urtheile bilden fönnen. Die bayerische und die preußische Tf erung kennen sich viel zu genau, um nicht in einem cinzelnen Falle eine ver <iedene Ansicht haben zu können. Wenn der Vorredner in diesem Falle mit der bayerischen Regierung einverstanden ist, so besteht do< ein außerordentliher Ab- grund in den Anschauungen seiner Partei, der sie von uns trennt, troy der Uebereinstimmung in diesem zusälligen einzelnen Falle. Es heißt auch hier: timeo Danaos et dóna ferentes.

_ Staakssekretär des Reichs-Marineamts, Staats-Minister, Vize-Admiral von Tirpiß:

Meine Herren? I< möchte bei der vorgerü>ten Stunde Ihre Zeit nur no< einen furzen Augenbli> in Anspru< nehmen. J< halte mi aber für verpflichtet, eine Aeußerung des Herrn Abg. Dr. Südekum nit unwidérsprohen zu lassen, weil sie au<h die Marine- verroaltung mehr oder weniger direkt berührt. Der-Herr Abgeordnete hat gesagt : '

Ich meine, ein Panzerplattenfabrikant, der seinem Vaterlande die Panzetplatten unter Benußung der Unkenntniß der Regierungs- seite theurer aufbängt als dem Auslande, wird immer und ewig ein Betrüger bleiben.

Diesem Ausspruche gegenüber möchte ih hier öffentli erklären, daß die Thatsachen, auf welche der Herr Abgeordnete seine Beschuldigung aufgebaut hat, unrichtig sind. Weder die Firma Krupp no< sonst ein Panzerplattenfabrikant in Deutschland hat jemals Panzer- platten na< Amerika geliefert. Es ist daber unmöglih, daß deutsde Fabriken Panzerplatten na<h Amerika billiger geliefert haben können als an die deutsche Marine. Richtig ist nur, daß amerikanis{<e Firmen, welhe das Patent Krupp's erworben baben, an ibre Regierung in Amerika billiger Panzerplatten geliefert baben, als die Firma- Krupp an die deutsche Regierung.

Das it dadur erklärli®, daß die amerikanis<he Regierung große “Quantitäten auf einmal bestellen konnte, ih glaube, 30- bis 40000 Tons. Nathdem die Marine dur< die An- nabme des weiten Flottengeseßes in den Stand geseyt war, vorbebaltlih der jährlichen Bewilligung dur< das hohe Haus au< den Fabriken in Deuts{land die Abnahme größerer Quantitäten

Panzerplatten zuzusichern, haben wir in Deutschland auch nur dieselben Panzerplattenpreise zu bezahlen, wie sie in Amerika bezablt werden Ein Vertagungsantrag wird angenomme: Abg. Dr. Südek um (persönlich): Es ist unwider| blieben, dak der Hauptmann von Feilits{ auf Befehl seine Grafen von Mongelas, er solle cin Dorf angreifen, erk trete nicht wieder vor seine Kompagnie, gehört habe, die erste Kugel sei für mich, zu sagen, daß er œ& an dem Muth hade feb welchen sich die Offiziere immer berufen, wenn sie sagen n der Vorwurf der Feigbeit nicht gemaht werden könne. Ich halte das Verfahren des bayerischen Kricg&Ministers für gemessen. Direktor ringen

tafi die

weil er mit cigenen Obren ibn bestimmt. Das berechtigt

im Kriegs - Minislcrium, Generalleutnant von Hee- Für jeden, der unser deutsches Heer kenut, ist cinleudtend Behauptung, daf der Hauptmann von Feilitsh scinem Vor-

Wie feht es mit |

Jedenfalls fann sie das Preslige des Reichs nicht stärken. Der

1902.

Preußischer Landtag. Herrenhaus,

1. Sißung vom 8. Januar, 3 Uhr.

Der Sigzung wohnen der Justiz-Minister Dr. Schönstedt, der Finanz: tinister Freiherr von Nheinbaben, der Minister für Landwirthschaft 2c. von Podbielski, der Minister des Innern Freiherr von Hammerstein und der Minister für Handel und Gewerbe Möller bei.

Der Erste Vize-Präsident der vorigen Session Freiherr von Manteuffel eröffnet die Sißung mit folgenden Worten: Ich habe dem hohen Hause zunächst die Mittheilung zu machen, daß der bisherige Präsident Fürst zu Wied, wie bereits einmal im vergangenen Frühjahr, so no<hmals im Spätsommer nicht unerhebli erkrankt war. Die Folgen der leßten Erkrankung machen fi au jeßt no< bei dem Fürsten bemerkbar, sodaß er vorauesihtli für einige Zeit niht in der Lage sein wird, an unseren Be- rathungen theilzunehmen. Ich habe deshalb bei unseren Ge- schäften vorerst den Vorsiß zu führen. Seit unserem leßten Beisammensein hat ein tiefs{<merzlihes Ereigniß (die Mitglieder

des Hauses erheben s\si<) große Trauer über Seine Majestät unseren Allergnädigsten König und Herrn, das ganze König- lihe Haus wie über das in treuer Liebe seinem erlauchten

Herrscherhause zugethane Vaterland gebra@t. Das lange, shwere Leiden Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Friedrih endete am 5. August v. J. durch einen sanften Tod. Zum Abschluß kam damit ein Leben, welches jeberzeit allen Guten und Edlen gewidmet war, welches unermüdli<h war an Anregungen und Förderung von Werken christlicher Liebe, wie namentli<h au<h auf den Gebieten der Kunst und Wissenschaft. Aber niht nur dieser hohen Vorzüge wegen wird das Andenken der nunmehr verklärten erlauhten Herrscherin dankbar im Volke fortleben, unvergängli<h wird au<h ihr An- denken bleiben als das der in Freude und Leid treu bewährten Lebensgefährtin des hochseligen Kaisers Friedrih, als das der

liebevollen Mutter unseres geliebten Kaisers und Königs. Unser Präsident, der Fürst zu Wied, welcher an den Beiseßun feierlihfeiten theilgenommen und im Namen des Herrenhauses

einen Kranz ‘auf den Sarg niedergelegt, hat Seiner Majestät dem Kaiser und König die Gefühle der Trauer und der Theilnahme namens des Hauses zum Ausdru> gebra<ht. Darauf ist folgende Erwiderung eingegangen: „Eurer Durchlaucht danke Ich herzlich für den warmen Ausdru> ter Theilnahme, welhen Sie Mir im Namen des Hauses anläßli<h Meines unerseßlihen Verlustes kundgegeben haben. Ich bitte Sie, au den Mitgliedern des Herrenkauses Wèeinen Dank zu übermitteln. Wilhelm R.“ Aber niht nur in Tagen der Trauer fühlen wît uns eins mit unserm König, wir schauen anch auf Ihn als das Vorbild treuester Pflichterfüllung und unermüdlichfter Arbeitsbethätigung immer, wenn wir unfere Arbeiten beginnen, und deshalb beginnen wir unsere Arbeit mit tem Rufe: Unser Kaiser, unser geliebter König und Herr lebe bo<! (Die Mitalieder des Hauses stimmen dreimal mit Begeisterung îin den Ruf ein.)

Zu provisorishen Schriftführern erner Vize-Präsident die Herren von Kligzing, Czapsfi, Fürst zu Salm-Horstmor und Sandreczki.

Der Namensaufruf ergiebt die Anwesenheit von 143 Mit- gliedern, das Haus ist also beshlußfähia

Auf der Tagesordnung steht die Wal;l des Pr und der Schriftführer.

Auf Vorschlag des Herzogs von Natibor wird das bisherige Präsidium dur< Zuruf wiedergewählt, und zwar Fürst zu Wied zum Präsidenten, Freiherr von Manteuffel zum Ersten und Ober-Bürgermeister Be>er- Cóôln zum Zweiten Vize-Präsidenten. Die leßteren beiden nehmen die Wahl mit Dank an. Den Fürsten zu Wied wird der Erste Vize-Präsident telegraphis<h von der Wahl bena&- rihtigen und ihm zugleih die Wünsche des Hauses für den Fortgang sciner Wiedergenesung und für baldige vollklommene Wiederherstcllung ausdrüd>en

Sodann werden auf Vorschlag des Herzoas von Natibor au die bisherigen aht Schriftführer Graf von Arnim-Boizenburg,

110 1ums

die Ober-Bürgermeister Büchtemann und Dr. Giese, Graf von Hutten-Czapski, von Klizing, Graf von Reichenbach,

Fürst zu Salm- Horstmar und Graf von Seidliß-Sandreczki dur< Zuruf wiedergewählt.

Damit ist das Haus konsiituiert, und Seiner Mazejiät dem König wird, nahdem der Fürst zu Wied seine Wahl zum Práäsidenten angenommen haben wird, die vorgeschricdene Mit- theilung hiervon gemacht werden Erîter Vize-Präsident Freiherr von f hierauf mit, daß er Seiner Mazesñiät dem König die ( wünsche des Hauses zum neuen Jahre ausgesprochen hade, und daß Seine Majestät diesclben an das Haus erwidern laß

Schluk 4 Uhr. Nächste S 4

Mutheilungacn; V

(Geschäftliche c die S@Homeit für dec

Gesezentwürfe, detrcfend 26 Moorbubn und die Umlcegung von Grundstü>en in Frankjurt a. M.; Jaadordnung für die Hohenzollernshen Lande; Jnter>

pellation des Grafen von Stlucden der Rü>kehr im Osten einheimischer, gewanderter Familien.)

« * betreffend die Förderung nah dem Weiten aus-

-5

Haus der Abgeordneten. 1. Sitzung vom 8. Januar, 2 Uhr.

Der Cißung wohnen der Finanz-Minister von Rhein baben. der Minister für Landwirthschaft 2c. von Poddielski, der Miniser des Jnnern Freiherr vön Hammerttein und

r Minister für Handel und Gewerbe Möller dei.

Der Präsident der vorigen Session von Kröcher eroffnet

die Sißuna mit folgenden Worten:

gescilen eine solche Antreort « : hat, nach jeter Richtung unrichtig ift. Wegen dieser Behauptung bercits Strafantrag geîtellt, und das Weitere bleibt den Gericht rlasen Könialich baveriscber Bevellmachtigter zum Bundesrath, General- major Ritter von Endres: Unt en Umständen ift unwadr, was die Zeitungen enthalten Jd de die cins{dlägigen Papiere zur Untersuchung gehabt. Ich p bi die Unwadbrdcit. Es it un- | wahr, taß Giaf Mongelas ì bl gegeben hat und daß der | Hauptmann von Feilivih | i gesträubt hat. Wer halbdrwegs | Einbli>de in die Armee hat. 1 ien, dai t Kommandeur ihda | vom Fle> weg hätt ttaft Hichen lassen. Es ist unwahr objeftiv und subjert Da die Debatte dury d zierungdoecrtret ieder auf | genommen ist, will der Präsid Graf von Balletrem dem | nächsien Neèner, dem Ada. lr. Bachem (Zentr. ), das Wert 1 geden, dicier bemerkt ader, da! doch um G, Ubr nit medr | eine große Rede halten kön d deantrag! Va ? Î __ Das Haus vertagt um ( Udr die weitere Veraidung | auf Donnerstag 1 Uh

Jch eröffne die“ Sitzung, indem ih Sic bitte, den Sefüdbien, welSe wir für unser erdabencs Königöhaus dhegen, dadur A aNraF zu geben, dak Sie mit mir cinstimmen in den Nuf: Seine Majeiät der Kaiser, unser Allergnädigster König und Herr, lede hoh! (Die Mütglieder des Hauses crheben H und fimmen dreimal

| mit Begeisterung in den Muff ein Im deriloßenen | Semmer hat unser Königshaus und das ganze Land cin \>Swerrr Verlust getrefen. Ihre Majestät die Kzlicrin und Königin Friedri, die crlauchte Mutter unseres Kaisers, it am 5. Auguft v. I. nah ichwerem Leiden heimgegangen. Id hade mih ür deredtigt oder rielmedr fúr derrfldtet gedalten, Sciner Majefät dem Kayer und Cêènig ia Ibrem Namen die ianigüte Tdeilnadme des Adgeordneten- dauies autzfrreden. (Zustimmung Scine Majciiit dat un folgendes Telegramm als Antwort zugeden lassen: „JI4 Frte