1902 / 22 p. 6 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

- höhere Sterblichkeit sein. (Sehr richtig! re<ts.) Meine Herren, dort find do höhere Preise dur die Schlachtsteuer. Wäre dort auch eine höhere Sterblichkeit, dann wäre Ihre Behauptung richtig. In Rußland sind zweifellos billigere Preise für Vieh und Getreide. Ist dort die Sterblichkeit geringer als bei uns? (Sehr gut! re<ts.) Meine Herren, wirkli, - man sollte solhe Sachen nicht hineinziehen (sehr wahr! rets), die verschieben das Bild vollständig. Darüber, glaube ih, bin i< ja mit dem Herren Vorredner einverstanden: sinkende Arbeitsgelegenheit und höhere Preise, das müßte zweifellos auf die Bevölkerung {hädli< einwirken, das hat es zu allen Zeiten gethan. Daher müssen wir meiner Ansicht nah auch alle bestrebt scin, das zu vermeiden. Gerade deshalb, meine Herren und ih habe au {hon Gelegenheit gehabt, mi dafür auszusprehen bin ih ein Anhänger einer gesunden Heimathspolitik, und ih erachte es gerade für sehr wesentlich, daß wir durch einen vernünftigen und richtigen Zolltarif einen Schutz der heimathlichen Arbeit bekommen und wirklih na< jeder Richtung hin ge- nügendlohnende Arbeitsgelegenheit haben. Was nügen alle billigen Preise, wenn wir keine genügenden Arbeitsgelegenheiten haben; das erste ift, daß auch jeder wirkli< seine Arbeitsstätte findet und nicht eine Ver- ödung auf diesem oder jenem Gebiete stattfindet, eine Verödung, die ih ebenso bei der Industrie beklagen würde, wie sie jeßt bei der Landwirthschaft stattgefunden hat. (Sehr wahr! rets.)

Meine Herren, Sie sollten wirkli< {on vom nationalen Stand- punkt aus meines Erachtens niht \olhe Sachen. hervorheben als: was wird aus der deltschen Landwirthschaft werden, wenn Rußland ‘die Grenze für die [landwirthschaftlichen Arbeiter vershließt? Meine Herren, das ist nicht rihtig. Ih meine, da sollten Sie doch so empfinden, daß Sie sagen: wir wollen Jeden, der im | Interesse der Volkswirth\ch / U Grwerbsleben Deutschlands steht, unterstüßen und ihm nicht | die Landwirthf aft bet gal Person M Ae e ay E Schwierigkeiten bereiten, dur den Hinweis darauf, daß das Ausland' Ne ree ge ees werden, daß die Konsumenten Be noch Maßregeln ergreifen könnte. (Sehr richtig! und Bravo! rets.) Sa k Landwirth daft e ee E dieser Din Bt

Meine Herren, nun komme ih au< noch auf die Fortbildungs- | sie weiter, aber die irthschaft ist do< nichts Objektives, ist nicht schulen. Ih habe ja in der Rede öfters gehört, daß die wissenschaft- :

niht, wie es- draußen aussieht, Sie beweisen plögli<h, daß ein Landwirth an einer Stelle wirkli<- no<h etwas leistet, L ‘er au< wirklich no< Einnahmen hat. Ja, meine Herren, das hat, glaube ih, auch selbs no< nie der nah Zhrer Meinung s{<wärzeste Mann vom Bunde der Landwirthe je gesagt, daß es allen Landwirthen \{<le<t gehe. Einer wohnt noch in der Nähe einer Stadt, hat ganz besondere Verhältnisse, der andere hat andere besondere Einnahme- quellen ja, sol<e Ausnahmen wird es immer geben. Aber bei der großen Masse, vor der wir do< bei dieser Frage stehen, ist wirkli<h Noth und nicht bloß etwa eine Noth, die jeßt in unserem Osten plögli< ausgebrochen ist, sondern es ist eine Noth, die von Osten nah Westen, von Westen nah Osten geht und die meiner Ansicht na< wohl Jhrer Aufmerksamkeit bedarf, weil es die heilige Pflicht für Alle ist, dafür zu sorgen, daß nit eine Verarmung und Verödung unseres Landes eintritt, sondern daß die Landwirthschaft in Deutschland und Preußen grüne und blühe. Das ist wenigstens mein Bestreben! (Lebhaftes Bravo re<ts und im Zentrum.)

Abg. Dr. Friedberg (nl.): Gewiß können bei den Domänen- en au< individuelle Verhältnisse auf die Pachtpreise mit einwirken, aber der Werth einer Statistik liegt ja gerade darin, daß man durch “die Betrachtung einer großen Zahl von

ällen einzelne Abweichungen ausgleiht. Und die mehr als tausend omänen sind doch aae für die allgemeine Lage der Landwirthschast. Ob Groß- oder Kleinbesiß zu empfehlen ist, liegt an den speziellen Verhältnissen der einzelnen Landestheile. Der intensive Betrieb seßt immer voraus, daß die betreffenden Be- zirke dicht bevölkert sind, sonst muß er ein extensiver sein. Den Konsumenten können wir niedrige Preise gönnen, aber nur dann, wenn der Produzent niht dabei zu Grunde geht; beide müssen im

“Kommission, noch, glaube ih, vor diesem hohen Hause :

habe nur hervorgehoben: sehen Sie an diesen Zahlen Mg t, für den Niedergang der Landwirthschaft. (Sehr richtig! rechts.) Ih meine, darum hat es \ih hier gehandelt. Wenn nun der Herr Abg Dr. Barth mir gegenüber anführt: ja, die Bodenpreife sind \o ho bei uns, geht do< na< Amerika und seht, wie billig sie da sind ja: Î Herr Dr. Barth, ih möchte Sie bitten, von den Herren, die in bis Budgetkommission sind, sih einmal mittheilen zu lassen, welde traurigen Mittheilungen ih machen mußte, indem der preußischen Domänenverwaltung 50000 ha angeboten sind zu einem Preise “bon 40 M pro Hektar. (Hört, hört! rechts.) Meine Herren, das sind do< grausige Zahlen und ih meine, dg sollten die Herren nit von Bodenpreisen und solchen Sachen sprechen sondern von der Thatsache, daß leider derartige Verhältnisse bei ius eingetreten sind, daß der Eigenthümer bei sol<hem Boden froh sein muß, wenn er ihn los wird. (Sehr richtig! re<ts.) Meine Herren,

nischen. 755 deutsche Güter haben überhaupt feinen Kapitalwerth | thäte dem Hause wohl kaum einen Gefallen, wenn ih auf alle Einzel- mehr: wäre ein o lú> für unser Vaterland, wenn unser ge- | heiten >Áa en E Der Hinweis auf die Viehzucht und den sammter landwirth[aftli er Besiß auf den Preis der Güter in Canada Segen derselben für die kleinen Leute sollte Sie (nah links) d und anderen unkultivier en Ländern zurü ginge. Wenn man sich allerdings | gerade dazu bringen, die Viehzucht wirksamer zu schützen. Herr Barth “mit der Frau noh< Qayilo einbeirathet, dann ist es fein Kunststück, Tee wenn die Preise steigen, steigen au die Pachten, und das ift ein zu wirthshaften. Ob die Landwirthe höhere Löhne freiwillig zahlen | Unglü> für die Domänenpächter. Fe würde glauben, unhöflih gegen werden oder nit, lasse i< dahingestellt; aber unsere ganze gegen- | Dr. Barth zu sein, wenn i< annähme, er glaubte selbst an diesen Sas. wärtige Lohnbewegung hat eine {steigende Tendenz, darum muß der | Unsere Domänenpächter müßten do< enorm thörichte Leute sein, wenn Arbeitgeber | D Me Da e verseßt werden, die höheren Löhne zu falten, sie höhere Preise anlegten ohne Hoffnung, sie in höheren Getreide- oder DeT l i

3 ganz eingestellt werden. Das wäre ein Unal j i j ere z für unser Land, das wissen auch die Arbeiter sehr gut. Die Sterblich e preisen &urlid erhalten: Nur bis Uns e ri U E LNO

mitzuwirken jederzeit eine besondere Freude ist. Also einer solchén Unterftellung möchte ih nah jedér Richtung hin von - vornhereiu be- gegnen. Ich glaube, Herr Ehlers kann nach dieser Richtung: hin mein Kronzeuge sein, daß eine solhe Auseinandersezung bereits in der Kommission stattgefunden hat: Ih glaube, daß gerade jene Anträge die Grundlage waren, von der ih ausging: hier liegt etwas, was, wie ih glaube, immer wieder ausgesprohen werden muß; es handelt fi<

tre um eine politishe Machtfrage. Es is der Sozialdemokratie bis zu s C : keit | wirth in die Lage, etwas an seine Wirthschaft zu wenden, größere f diesem Momente nicht gelungen, in den ländlichen Kreisen Fortschritte M E E bleiben ris b R G prelse Degen U wedungon zur Hebung des Dees E U Wir wlnien zu machen. Sie schen die einzige Möglichkeit darin : Vernichtung der j 11) e 3 ¿ i i d: Wo ; , , . stiegen als die Preise der Lebensmittel, und daher ist die Lebens- ände gebt Wie a ar f Niedrighaltung ber Grund- wirthsGasllichen Selbständigkeit, und dann natürlich ist freies Feld haltung der Arbeiter besser geworden, und zwar gerade in den Jn- fi für ihre Thätigkeit. (Sehr richtig! re<ts.) Das is das Moment, dustriegegenden. Mit den Zöllen allein können wir die Landwirthschaft das ih kennzeihnen wollte. Mir hat es völlig ferngelegen i< er- nicht heben, aber sie sind mit ein Mittel dazu. Die Hauptsache ist wähne das offen und rund heraus —, mit dem von mir betonten Haß

dings die Ausbildung der Technik, aber diese ift ni ôgli ; e L ; S O Landwirthschaft nicht au sonst ie M L m, an Sie zu denken; ih habe nur an die gedacht, die si< in dieser ganzen Bewegung mit der Sozialdemokratie eins fühlen.

Blüthe der Industrie is au<h von Werth für die Landwirthschaft, Nun komme ih auf die einzelnen Punkte. Ich gebe ganz offen

ih habe immer das Empfinden: die Herren haben jeßt den Wunsch, aber sie darf ni<t so sehr in den Vordergrund geshoben werden, Herrn Gothein zu, ih habe das von ihm zitierte {öne Buch nicht gelesen, aber i< habe es mir {nell kommen lassen; und was habe

die Sache auf ein anderes Geleise zu schieben, und sehen Sie einmal, daß die Landwirthschaft zurückgedrängt wird und allmählich ihrem es ist so interessant, den Ausführungen zu folgen. Es ging nun nidht Untergang entgegengeht. i MithsGafttn, wid Men Ÿ ehr Bebciier : : j U A Y ; asten, i : mehr in der einèn Weise, flugs erscheint jeßt der Kapitalist. (Heiter- bracht wir z sten, wird fie au<h mehr Arbeiter ih gefunden? Cs sind hier die Berichte von den damaligen land- wirth\{haftlihen Zentralvereinen niedergelegt, ohne jede Kritik; es ist einfa eine kompilatorishe Arbeit, für die naturgemäß das landwirth-

; äftigen können. keit rets.) Js denn in Deutschland der Grund und Boden i beschäf i; ; ; E ; Händen von Kapitalisten? (Heiterkeit rets.) Meine Herren, das Gegen 4 Uhr wird die weitere Berathung bis Freitag \chaftlihe Ministerium gar keine direkte Verantwortlichkeit hat. Es liegen da freilih 12 Jahre dazwischen, und die Herren werden mir zu-

Ich frage Sie offen und ehrli<, Herr Dr. Barth, Sie können \<ärft haben. Jch hätte eigentlih gewünscht, der Herr Abg. Gothein

sagen: in England, in Amerika is der Grund und Boden

in Händen von Kapitalisten. Die Herren, die Sie geschildert haben, wäre so freundlih gewesen und hätte au<h das Gegentheil mit vor- gelesen. Meine Herren, wenn man ein Buch hier vorführt, muß man

ih glaube, die ih zum theil die Ehre habe zu kennen, solche Herren meines Erachtens dás pro und contra offen darlegen. Jh habe mir

giebt es au bei uns sie zahlen auch Liebhaberpreise für die Güter

und freuen si, si< Rittergutsbesißer nennen zu können. Wir freuen erlaubt, einmal rü>wärts anzufangen. Ich werde mit Genehmigung des Herrn Präsidenten kurze Säße daraus vorlesen. Aus dem Münster-

Niedrighaltung der Grund-

Ie Maßregeln wie Einführung er bekämpst denn diese Maß- regeln? Die Herren von der Linken! Die vielfa<h unseren Anschauungen entgegenstehenden Auffassungen der National- öfonomen, wie Lujo Brentano, sind nur dadur zu erklären, daß den Herren das Verständniß für die deutsche Landwirthschaft und den deutschen Bauernstand überhaupt no< nit aufgegangen ist. Herr Brentano hat den deuts<hen Bauernstand für abgethan erklärt, dieser möge einpa>en und vershwinden. Herr Brentano hat Deutschland ausdrü>li<h zum Industriestaat proklamiert, in dem der Bauernstand niht mehr ein * nothwendiges Glied des Ganzen sei. Man hat den Wirthschaftlihen Aus\{<uß und seine Behandlung der landwirthschaftlihen Fragen angegriffen. Man fkann diese Fragen do< nur unter Mitwirkung der landwirthschaft- lichen Vertretung, der Landwirthschaftêkammern, beantworten. Das ist geschehen und zwar in der unparteiishsten Weise. Im deutschen Grund und Boden sind ven ganz andere Werthe als in Industrie und Handel angelegt. Der Großgrundbesiß soll alles aufbieten, um den bäuerlichen Grundbesiß in seine Neße ju bekommen. Anstatt ihn immerfort zu verdächtigen und ju N en, follte man lieber feine Bemühungen, dur genossenshaftlihe Bildungen dem mittleren und kleinen Besiy aufzuhe h dankbar anerkennen. Der Bauer kann bei den niedrigen Preisen keine Knechte mehr bekommen. Wie wollen Sie bei stetig fallenden Preisen dauernd steigende Löhne zahlen können? Das kann der Private mt, dann muß der Stadt den ganzen Grundbesiß über-

L E n t je au ae preise hinwirken durch geseßgebé des Anerbenrehts u. derol v

12. Sißung vom 24. Januar 1902, 11 Uhr.

Das Haus seht die zweite Berathung des Staats- haushalts-Etats für 1902 und zwar die Debatte über die Einnahmen aus den Domänenvorwerken im Etat der Domänenverwaltung fort.

Abg. Gothein (fr. Vgg.): Der Le Miniser hat sicher nicht die Absicht, sich zwischen zwei Stühle zu seßen, er hat fd vielmehr mit solhem Aplomb auf den agrarishen Stuhl geseßt, da dieser nah setnen Reden einen Kna>ks bekommen haben muß. Dabei

uns, daß sie oft in der Lage sind, sehr gute Wirthschaften einrichten zu können, theurés Vieh zu halten und si< dessen zu rühmen, was sie mit ihrem Gelde alles erzeugen können. Aber die große Summe des

Subjektives.

ihrer felbst wegen da, sondern sie ist etwas Man sagt, lihen Männer sehr viel mehr Verständniß für alles besißen es ist zu verschiedenen Malen das Wort gesprochen worden als die Leute der Praxis. Jch bescheide mi gern vor diesen weisen Männern, die viel gelernt haben, aber oft in der Praxis wenig auszuführen wissen. (Sehr gut! und Heiterkeit re<ts.) Ja, meine Herren, seien Sie überzeugt: ih bin der erste, der es beklagt, wenn wir nicht genügend Fortbildungsshulen haben, und i< werde gewiß meine Kraft einsetzen, daß wir wirkli<h au< unsere Landwirthe nah jeder Richtung hin tüchtig unterweisen. (Bravo! links.) Aber, meine Herren, Sie wollen ni<t vergessen das fam ja au< in der Budget- kommission zur Sprahe —, wie viele Millionen in dem Etat des Ministeriums für Handel ausgeseßt sind für gewerbliche Schulen, und Sie wollen nit vergessen, daß bei der Landwirthschaft der Aufbau des niederen Fahshulwesens wesentlih auf der Selbst- hilfe der Landwirthe und der Beihilfe der Provinzialverbände beruht. Ich meine, das ist ein wesentlicher Unterschied. Ich hoffe aber und rene auf Jhre (nah links) Unterftüßung (Heiterkeit), daß Sie mir nah dieser Richtung hin helfen * werden, denn ih bin der erste, der sagt: es muß jeder genügend theoretis< unterwiesen ein, er muß die Hilfsmittel kennen lernen, mit denen er in der draußen mit Erfolg den Betrieb aufnehmen soll. Gewiß,

Sie sollen in mir denjenigen finden, der mit Ihnen

geht, der sih freut, daß er auf sol<he Männer rechnen kaun, damit

wir vorwärts kommen. (Heiterkeit re<ts.)

Nun, meine Herren, möchte ih no< auf einen Punkt hinweisen. Der Herr Abgeordnete hat mi apostrophiert; er hat gesagt: o, wie freuen wir uns, der Herr Minister geht ja no< viel weiter, wie wir gehen. Ja, meine Herren, untershieben wir uns doch niht etwas, was thatsähli< niht vorliegt. Jh habe doch unausgesezt in der Kommission wie heute eingangs meiner Rede ofen und ehrlih erklärt : mit der preußishen Landwirthschaft geht es sehr {le<t ; hier ist der aktenmäßige Beweis; wir müssen etwas dafür thun, und ih bin der erste, der beute erklärt : die deutsche und die preußishe Ländwirthschaft sind nicht in der Lage, zur Zeit die Konkurrenz gegen das Ausland mit Erfolg aufzunehmen, sie bedürfen eines Schuzes. (Schr richtig ! rets.)

Nun, meine Herren, ih habe dann über die Dauer dieses Schutzes gesprochen da bekenne ih es offen ih sage, es kann ni<t das Ziel und das Streben sein, einen sol<hen Zollshuy aufubauen und ihn gewissermaßen als ein noli ms tangers für Zeiten binzustellen. Nein, meine Herren, ih sage: wenn die Zeit fommt , wo wir \o fräftig sind, um mit Erfolg dem Auslande gegenüber die Konkurrenz aufzunehmen, dann bin i< willens und Mannes, der Erste zu sein, der sagt: fort mit dem Damm! So liegt die Sache. Aber, meine Herren, erst wollen wir uns do< mal dahin kräftigen und stärken, daß unsere heimishe Landwirthschaft wirklih au<h auf gesundem Boden stebt. Ich habe vorhin die Frage gestellt: geht es denn niht dem Land- wirthe vielfah wirklih \{le<ter als dem Arbeiter ? Die Herren hatten das in Frage gestellt, und ih fann den Herren nur sagen, daß ih leider, leider es an tausend Stellen gesehen habe, und ih berufe mih, meine Herren, auf die Litteratur. (Sebr rihtig!) Aus allen Parteiblättern, wo der Mann naweist: auf meiner Scholle verdiene ih viel weniger als der Arbeiter in der bier naheflehenden Fabrik. Meine Herren, ih freue mi über den Land wirth, der sih noh an die Scholle klammert, dem es no< ein Wohl. empfinden ist, ein eigenes Dach über seinem Haupte zu haben, und der nichi übergeht in die große Masse, die eigentlich leider heimatblos geworden ist, wo der einzelne weder ein Gefühl für die Heimath hat, in der er groß geworden ift, no< für das väterliche Hans, sondern ih sage: gerade das ist das, was i< so gern stärken möchte. Das Empfinden für die Heimath, die Anhänglichkeit an die Verhältnisse, in denen man groß geworden ist, und meiner Ansicht nah kann nur auf dieser Grundlage der Anhänglichkeit an die Heimath, des Aufbaues von unten auf Haus und Gemeinde und, darduf weiter fußhend, eine gesunde, schhafte Bevölkerung erballen und eine fluftuierende Bevölkerung vermindert werden, die Ihnen beute Hosiannah singi und morgen vielleicht die Steine hinter Ihnen hershmeißt. (Lebhaftes Bravo rechts.) Meine Herren, darum, so lange ih persönlich für dieses Ressort verantwortlich bin, muß ih offea befennen, wie die Verhältnisse liegen, aber auch offen aussprechen, wie ih denke und wie wir es in Zakunft halten wollen. Aber gerade Sie, die Sie so oft die ländlichen Verhältnisse nicht zu übersehen vermögen, sie gewöhnlich gewissermaßen durch eine etwas blau an-

ewige

nur die vershuldeten Landwirthe litten Noth. inen unvershuldeten Landwirth giebt es aber kaum mehr. Die Landwirthe find mi t in der Lage, die 4 oder 349% Zinsen herauszuwirthshaften. Auf die ollfrage gehe ih nit ein; weil sie Reichssache ist. Wer sagt, die ebensmittelpreise dürften niht erhöht werden, dem muß man den Saß entgegenhalten, daß die Konsumenten niemals ein Recht haben, ein Produkt zu einem Preise zu Pesteden, der die Produktionskosten nicht de>t. Die Erhöhung der Lebensmittelzölle bietet allerdings wünschenswerthen Agitationsstof, aber wir dürfen die Preise au< nicht ‘über die dringende Nothwendigkeit hinaus steigern. Von einer landwirthschaf Enquôête versprehe ih mir nichts. Wer die englishe Statistik gesehen hat, dem stehen die aare zu Berge über die prechenden Urtheile der Sachverständigen. n welcher Welt lebt denn Crüger, wenn er bezweifelt, daß die Landwirthe ria Buch führen? Auf allen Gütern wird sehr genau Buch geführt. Die a bara m keit war früher viel \{<werer, E Die H ai? die Siri d é E oel en. A Quer ädigung der un ur e eren e kann also keine Rede sein. C giebt Landwirthschaft gute Lehren, als

ob diese wirklih garnichts verstände und niht wüßte, was sie zu

thun hat. Die Bildung unserer Landwirt t es mir etwas gewagt serer Landwirthe hat si fo gehoben, daß

eint, ihr fol

E. Ll r solche Lehren zu geben.

. Dr. Barth (fr. V Tati war es niht ri<tig von den Herren Landwirthen, den R n ay Got Mar u Bete Sig gangspunkt ihrer zu ma Sobald die Lebensmittel -

e künstlih in die Höhe gebr werden, steigen au< die Domänen- [Fvierigen Lage nie vorher, Cine wiellbbe Sani Get L i i e wir erung findet dadu iht siatt Der Landwirth chafts-Minifter hat unserer Arqumentation serädezu in die Hände gea , Wir Apt hier, daß durch die nstl Preissteigerun durch die Zölle, die Lage der Landwirthschaft sich nicht hebt, die Erhöhung der Pachten und der Güterpreise der Gntwielung folgt, sodaß die Produktionsbedingungen der Landwirth- schaft niht verbessert werden. Die Produktionskosten in Amerika und anderen Ländern find niedriger als bei uns, und darum fann unsere Landwirthschaft niht mit diesen Ländern konkurrieren und wird es no< viel weniger können, wenn die Produktionskosten unserer Landwirth- shoft durch die künstliche Preissteigerung no< erhöht werden. Wir müssen unterscheiden zwishen den Interessen des landwirths{aft- Den Gewerbes und der Besiyer, welche ein kapitalistishes Interesse haben; in zahlreichen Fällen fällt der Besitzer mit dem Landwirth nicht Banner. Der das tanpwirtysGaftliGe Gewerbe Ausübende hat ein Interesse* an niedrigen Pacht- und Güterpreisen, nur die- jenigen, wel<e Kapital in den Grund und Boden geste>t haben, haben ein Interesse an der künstlichen Steigerung der Preise. Wir auf dieser Seite sind die Vertreter des landwirthschaftlichen Gewerbes, Sie auf der Re<hten sind nur die Vertreter des Kapitaliêmus in der Landwirthschaft. Die ersten Männer der Wissenschaft haben gezeigt, wie verhängnißvoll die kapitalistishe Maß- nahme der Zollerhöhung sein würde. Die Hypothekenbesißzer werden die Zwangöversteigerungen gerade forcieren, wenn die Güterpreise durch die Zollerböhung künstlich gesteigert werden, die vers{uldeten Besitzer werden also selbst s{neller von ihrem Besiy verdrängt werden und feinen Vortheil mehr von der Preissteigerung haben. Der Minister will den Zollschuy bei einer Verbesserung der Verhältnisse wieder be- seitigen; wenn aber die Produktionösverhältnisse dur die künstliche reisfleigerung vershle<tert sind, kann er niht mehr erwarten, daß Verhältnisse kommen, bei denen er auf die Zölle wieder verziten kfann. Wir müssen eine andere Enquüte erhalten als die amtlichen Berichte des Reichsamts des Innera über die Lage der Landwirth- saft, dié keinen Shuß Pulver werth sind. Eine landwirtbs{aft- lihe Enquôte von 1888 ergab, daß z. B. in Littauen die Erträge der Landwirthschaft gestiegen seien und eine steigende Rentabilität der Landwirtbschaft nicht abgeleugnet werden könne. Man muß nicht nur die Schattensciten hervorsuchen, sondern au die Lichtsciten beacten. Es muß cine Enquôte auf Grund eines kontradiktorischen Verfahrens inter parlamentarisher Mitwirkung stattfinden

Minister für Landwirthschaft 2c. von Podbielski:

Ja, meine Herren, ih weiß schr wohl, daß es oft leicht isi für den Theoretiker, aus dem Ziehbrunnen der Wissenschaft zu \{<höpfen. (Heiterkeit rets.) Jh will nit sagen, daß der Herr Vorredner ein solher Schöpfer ist, sondern ih möhte ihm nur vorbalten. daß er anscheinend eine ganz andere Statistik meint als diejenige, über die wir uns unterhalten. Denn es handelt sih, Herr Dr. Barth, nicht um die Statistik des vorigen Jahres oder um die in diesem Jahre abgerechnete, sondern um cine ganz neue Statistik, die, wie Herr Eblers, der hinter He. Barth sit, bezeugen wird, ih mir erlaubt habe, in der Budgetkommission vorzulegen, respektive auf die ih mi< zu beziehen erlaubte, also nicht eine von meinem Herrn Amtsvor- gänger veranstaltete, um alte Kamellen, wie Herr Der. Barth sie wobl schildern wollte, sondern eben um eine neue Zusammenstellung, und da glaube ih, wird Herr De. Barth vielleicht do gut thun, wenn er einen ganzen Theil seiner Rede darauf aufbaut, do<h freundlichst erst die Grundlagen rihlig zu siellen, und nicht vielleicht in die Jrre zu gehen. Er hat auch bierbei an- geführt und wollte mir das gewissermaßen unterstellen, als wenn aus dieser Statisiik ih den Nachweis führen wollte, dah den Domänen-

gelanfene fsiädtische Brille ansehen (Heiterkeit), Sie wissen

Grund und Bodens in Deutschland ist do< nit jüngst erkauft, son- dern von Alters überkommen von Vater auf Sohn und in den Händen von Leuten, die si< auf ihrer ererbten Scholle erhalten wollen (Sehr richtig! rets.) Die denken nicht an kapitalistischen Besiß und Ausnutzung, und Herr Dr. Barth is ja leider \{<on so - weit gekommen i< will ihm ja ni<ht wünschen, daß er in die Lage kommt, daß ihm dur< Erbtheil ein Gut zufällt; ih glaube, es würde ihm sehr \{le<t damit ergehen; denn mit der Theorie und Wissenschaft werden Sie, glaube ih, nicht sehr weit kommen (Heiterkeit), sondern da werden Sie bald empfinden, daß die Verhältnisse sih leider bei uns so entwi>elt haben, daß man wirkli seiner ganzen Kraft bedarf, um immer von neuem den Kampf um die Existenz aufzunehmen; denn das is thatsähli< in weiten Kreisen, “@amentli<h bei der bäuerlihen Bevölkerung, der Fall. Kommen Sie, bitte, zu mir und gehen Sie vorurtheilsfrei herum innerhalb meines Besißes, fragen Sie die Bauern. Sie werden ant-

worten: wenn ih nur meinen Hof verkaufen oder verpachten könnte, ih weiß ni<ht mehr ein und aus.

Ich kann nur das Empfinden haben, daß die Herren jeyt ver- suchen, uns die Landwirthschaft auf die kapitalistishe Seite zu schieben, uns auf cinmal weis zu machen: was Ihr vertretet, das ist ja garni<ht das Interesse der Landwirthschaft, das is das Inter- esse der Kapitalisten. Nein, das liegt do< wohl tiefer. Der Kampf, der uns bewegt, ist leider nit ein objektiv wirthschaft- licher, sondern ein politisher. (Sehr richtig! re<ts.) Sie im hohen Hause sind gewiß nit dabei betheiligt, aber draußen davon, wollen Sie mir gestatten, offen Zeugniß abzulegen da haßt man das platte Land, weil man keinen politishen Einfluß darauf ausüben kann. (Beifall re<ts! Widerspruch links.)

Meine Herren, gewiß, ih habe do< die Herren ausgenommen, ih weiß wohl, mi< nach jeder Richtung hin rihtig zu benehmen. Aber die Sache liegt doh so. Das ist auch das entscheidende Moment, daß die weitesten Kreise heute fühlen : wir müssen eben dafür sorgen, daß diese Leute in ihrem Hofe bleiben, weil sie damit wirklih erhalten bleiben für Haus, Thron und Altar. (Bravo! rehtg.) Das sage ih ganz offen (wiederholtes Bravo rets), und ih kann Herrn Dr. Fried- berg wirkli<h nur dankbar sein für seine Ausführungen, weil sie gerade von wissenschaftliher Seite Klarheit bringen über die Frage Meine Herren, Sie sagen, jeder Arbeiter sei seines Lohnes wertb. Beantworten Sie do die Frage, die Herr Dr. Friedberg gestellt bat, flipp und klar! Sie wollen billiger einkaufen, als zu produzieren ist. (Widerspruch links.) Ja, was heißt das anders, als Vorenthalten des Lohnes, der jeden Arbeiter gebührt (sehr richtig! rets), und wenn Sie beute sagen ih glaube, es war einer der Vorredner von der Seite drüben ja, werdet ihr denn dem Arbeiter mehr Lohn geben ? Meine Herren, kennen Sie denn die Verhältnisse unseres Ostens so wenig? Wissen Sie denn nicht, daß der größte Theil des Lohnes bei unseren ländlichen Arbeitern in dem Produkt des Bodens liegt? (Sehr richtig! re<ts.) Steigen diese Preise, so erhält der Mann effekliv au< mehr an seinem Lobn Das ist etwas, was Sie immer vorschieben wollen und sagen: dic Landwirthe werden nicht den Leuten mehr Lohn geben. Nein, meine Herren, darum find die Leute so eng mit uns verknüpft und immer verknüpft gewesen, weil sie ja antheilig, ih möchte sagen, viel mehr, als Sie ihnen je haben kapitalistish zuwenden wollen, am Boden bet ligt und dem Besitzer verbunden sind. Darin liegen ja zum Grunde au unsere patriarchalishen Verhältnisse, die Sie (nah links) jo oft ver- dammen. Aber ih sage es ganz offen: ih freue mi, wenn ein alter Mann mit mir 50 Jahre Schulter an Schulter gestanden, wenn wir uns kennen, unsere Kinder sih kennen. Darin liegt ein anderes Gefühl, als wenn wir uns, i< möchte sagen, kühl auf der Straße begegnen, vielleicht au<h der Fabrikarbeiter seinen Fabrilherrn grüßt, aber bei dem mit dem Verlassen der Fabrik auh jede Verbindung gelöst ist, während wir mit unserer Landbevölkerung arbeiten, leben und schaffen. Das wollen die Herren immer empfinden! Stellen Sie sich auf den gesunden Boden, dann werden wir uns wsammen finden; aber mit der Theorie ih habe es wenigstens immer ge-

funden hat man no< nie einen Hund hinter dem Ofen vocgelo>t- (Heiterkeit und lebhaftes Bravo reis.)

derold (Zentr.): In dieser Frage sieht Wi it gegen i Lf Die E auf der Linsen Tnida

f ein Zeit von 32 Jahren sei für cine vergleichente Statistif z0 tun Se

ihnen mit einer äl h h die Verbältni bitten R ineatiEen a (e, Véeise nidta,

vächtern geholfen werden müsse. Auch das habe ih weder in der

Herren über F edenwereh wud dun) die uber feinen Werth mehr haben, also no< viel bililger ind als Uo erti

hat er si< Angriffe auf Parteien des Hauses geleistet, wie sie no< me hier im Hause vorgekommen sind. Er sagt, wir seien gegen die Dg aus Haß gegen das Land, weil wir auf dem Lande keinen Einfluß hätten. ir ge- nießen auf dem Lande fehr viel Vertrauen. Sehen Sie \sih doch die Versammlung von 2000 Landwirthen in Stolp an. Das sind alles Anhänger nsere Partei gewesen. Sehen Sie sh Niedershlesien an. Haben Sie (re<ts) dort auch nur einen Abgeordneten? Wir haben fehr viele Leute auf dem Lande hinter uns. Wenn man aber den armen Wirthen, die den Freisinnigen ihren Saal für Versammlungen eben, das Brot nimmt, so arbeitet man eben mit Einschüchterungen. ir haben alle Ursache, das platte Land zu stärken und den Klein- besißern zu helfen. Wie würde es Ihnen gefallen, wenn man sagte, Sie wollten das Brot vertheuern aus Haß gegen die Industriearbeiter ? Das wäre gewissenlos. Der Minister sagt uns das aber nah. Der Minister vertritt die Praxis und wirft uns Theorie vor. Herr Bamberger sagte einmal: Praxis nennt man das, was man nicht beweisen fann, und Theorie, was man nicht widerlegen kann. Der Minister hat nichts gesagt, was die Sache klären kann. Die Statistik des Ministers ist tendenziôs, fie fängt an in der Zeit der allerhöchsten Getreidepreise, in der hohe Pachten ganz natürlih waren. Der Rü>kgang der Domänen- pachten ift no< lange nicht so groß wie der Rü>kgang des Zinsfußes. In einer Masse von Fällen haben die Leute in der Hoffnung auf weitere Steigerung der Getreidepreise Pachten geboten, die den wirk- liden Verhältnissen nicht ent]prahen. Bestenfalls würde diese Statistik nur den Beweis von dem Rückgang des Großbetriebes in der Landwirthschaft ergeben. Von den 2% 000 Betrieben über 100 Hektar, die wir in Deutschland überhaupt haben, find 5000 in t verblieben, und eine ähnli<h große Zahl hat no< p epachtet. Mein verstorbener Freund von Siemens besaß eine Reihe von roßen Gütern; die irthshaftung bätte siherlih, au wenn die Getreidezölle niht erhöht würden, keine Verluste ergeben. Herr Friedberg verlangt nun, daß ni<ht die reine Grundrente allein, sondern au< die Verschuldung bei der Landwirthshaft in Rechnung gestellt werde. Wir haben den Beweis, daß zahlreiche bäuerliche Besißer, denen es ganz gut gebt, deren Verschuldung eine läherlih geringe ist, denno< in das Schutzzollgeschrei einstimmen ; sie wollen eben von der allgemeinen Beute auh etwas abhaben. Wird der Grundbesiß überschuldet, so ist er bei Wetterkalamitäten, Mißwachs 2c. um so weniger widerstandsfähig. Darum widerstreben wir der künstlichen Vermehrung des Anreizes, auf den Grundbesiß Schulden zu mahen. Die Güterpreise sind im ganzen abgelaufenen Jahrhundert in höht ungesunder Weise gesteigert worden. Die Zeit der höchsten Getreidepreise war die Zeit der außerordentlihen Zunahme des Groß- grundbesitzes und zugleih die Zeit der Aufsaugung des kleinen Besites und der größten Entvölkerung des platten Landes dur< die Auëwande- rung Es wird das Bedürfniß nah böberen Getreidezöllen auch damit motiviert, daß die Landwirthschaft in die Lage verseyt werden müsse, böbere Löbne zu zahlen. Man eremplifiziert dabei auf England. Aber zerade dort hat sich die Lage der landwirthschaftlichen Arbeiter mit der Aufhebung der Kornzêlle unendlich verbessert und ist no< heute eine sehr gute; die Behauptung von der Notblage der dortigen landwirth- schaftlichen Arbeiter ist einfah eine Fabel. Die landwirthschaftlichen Arbeiter haben absolut kein Interesse an höheren Getreidezölien, weil sie an Korn böchstens so viel dur eigenen Betrieb gewinnen, als sie au in ihrem Haushalt verbrauhen. Der Bauer hat andererseits das aröfite Interesse daran, daß ihm eine kaufkräftige Bevölkerung gegenüber steht. Daher find dort au<h die Bauern gegen die böberen Getreidezölle, die ihnen nur die Produktion ershweren. Dänemark hat cinen außerordentlih fräftigen und wohlhabenden Bauernstand und keine Spur von Zöllen. Die Viebzuht bat in Deutschland ganz bedeutend zugenommen, nur die Schafzucht ist afolge der intensiveren Wirthschaft zurückgegangen, ader auch nur un- bedeutend. Herr von Podbielski meinte, die Sterblichkeit müßte in den ¡roßen Städten viel größer sein, wenn wir mit unserer Argumentation ret hätten, denn da sei das Brot theuer. So einfach liegt die Szche denn doch nicht. Es ift keineswegs richtig, daß die Industrie an Orten mit billigen Löhnen billiger produziert. Ein leistungsfähiger Arbeitersiand muß nicht bloß hohe Löhne, sondern auch eine ange- messene kräftige Ernährung haben. sonst nüyt ibm der hohe Lohn nichts Im Jahre 1890 hat man wenigstens die Anfänge ciner Enguöte über die Lage der landwirthshaftlichen Verhältnisse veranstaltet; warum will man diesen guten Anfang nicht fortführen und unseren Wunsch erfüllen ? Ministerial-Direktor Thiel veröffentlicht. | Eiazelheiten dieser Publikation näher cin.) Es ergiebt sich daraus unter anderem, daß die Bodenvreise vielfach sehr stark in die Höhe getricben werden; es wird auf die Ausdehnung der De me s Maßregeln zur Erhöhung der Bodenrente bingewiesen, die alle samm and sonders nichts mit der Erhöhung der Getreidezölle zu thun haben (Präsident von Kröcher spricht die Hoffnung aus, daß der Redner nicht aus allen Gemeinden der Monarchie die Ergebnisse der Erhebung in axtonso verlesen werde.) Ich habe nur cine kleine Bluthenlese vortragen wollen. Wir verstehen nicht, daß man uns mit Einwendungen kommen Tann wie der, daß wir die Getreidezölle lediglich bekämpften Ses gegen das vlatte Land. Für die wahren Juteressen des Volkes einzutreten, erfordert mehr Muth, als die Herren glauben; wir können beanspruchen, daß man auch bei uns die volle Ehrlichkeit zaierer Absichten anerfkenat. Präsident vou Kröcher bittet, wenn er auch cine Zo debatie micht abschneiden zu können glaube, do< um möglichste Be- ‘Sránfung der a Ausführungen nach dieser Richtung, da mit dem Etat

naa f vonvárts fomme. e A ees pr} m i Wir hôren diese und

Utarif-

Die Resultate jener interessanten Erhebungen hat der | (Der Redner geht auf die |

nehmen. Das würde natürlih zum Staatsbankerott ¡ühren und damit steuern wir ganz direkt in den \ozialdemokratischen Zukunftsstaat hinein. Auf die Drohung mit Rußland, daß es uns die Grenze sperren und keine Arbeiter mehr hereinlassen würde, will i< niht eingehen; das Verfahren, in dieser Weise uns und die Regierung zu \{re>en, kann ih parlamentaris< nicht bezei<hnen. Der Industriearbeiter ver- dient, wenn wir seine Ausgaben in Rechnung ziehen, ents nicht mehr als der Landarbeiter. Und wenn es der Andustrie \{<le<t geht, wit sie die Arbeiter einfah an die Emde: _ Haben Sie {on ein- mal gehört, daß der Landwirth seinen Arbeitern vom Lohn etwas abzieht? Es handelt si< j t einfah darum, für die Landwirthschaft wieder erträgliche Verhältnisse zu schaffen; unter den heutigen Verhält- nissen kann sie ni<t weiter existieren. Die auswärtige Konkurrenz wird nicht durh die höhere Intelligenz der Landwirthe im Ausland verursaht, wir leiden unter unséren eigenen Verhältnissen im Lande, namentlih darunter, daß die Industrie uns die Arbeiter entzieht. Die Herren auf der Linken treiben eine vollkommen einseitige Politik. Die

ôlle allein können die Landwirthschaft nit bessern, wir müssen aber einen Ausgleich für die ungünstigen Verhältnisse schaffen, unter denen sie zu ‘arbeiten hat. Es handelt ber um zwei entgegenstehende Weltanschauungen. Wir wollen Mittelstands- und Heimathspolitik treiben. Die weitere wirthschaftlihe Entwi>elung Ee hängt jeßt von dem Zolltarif ab. Unterliegen wir diesmal, so ist es mit der deutschen Landwirthschaft vorbei.

Abg. Dr. Goebel (Zentr.) erwähnt, daß in seinem Wahlkreise Fulda den Kleinbauern für die Anlegung eines Ererzierplaßes dur< Er- propriation Land genommen sei. Die Gntschädigung ür werde niht in Geld, sondern in Land gewünscht. ie Erhaltung des fleinen Bauernstandes sei von höhstem Werth für die nationale Wirthschaft.

Ministér für Landwirthschaft, Domänen und Forsten von Podbielski: Ich kann dem Herrn Vorredner nur voll bestätigen, daß es mein Bestreben is, wo immer es sei, unsere Bauern auf ihren Höfen zu erhalten, und daß da, wo Schwierigkeiten entstehen, die landwirth- schaftliche Verwaltung die Verpflichtung hat, dafür zu sorgen, daß solhe Verhältnisse beseitigt werden. Aber hier speziell in Fulda wollen die Herren erwägen, daß auf der einen Seite der Neichsfiskus einen Erxerzierplay \{hafen wollte, und daß andererseits zu diesem

lande [autet es wörtli<h auf Seite 565:

Die Rentabilität ist im Rückgang begriffen; der Grund für diesen Nückschritt ist hauptsähli<h in den ungenügenden Verkaufs- preisen der Körner zu suchen.

Aus Hessen-Nassau! Seite 467: j hier viel ungünstiger, weil die Preise der ver- chiedenen Fruchtgattungen immer und immer mehr zurü>gingen. Aus Osnabrü>! Seite 434:

Die Rentabilität der landwirthschaftlichen Güter hat dur die

niedrigen Preise aller Produkte seit 1881 sehr gelitten. Aus Magdeburg! Seite 398:

Die Höhe der Preise steht in - einem absoluten Mißverhältniß

zu dem Werth der Produkte. Aus Mansfeld! Seite 350:

Der - Hauptgrund für den Rückgang der Landwirthschaft find die Mißverhältnisse zwischen Produktionskosten und den Preisen der Produkte.

Aus Salzwedel! Seite 334: Die Landwirthschaft hat sih in den leyten 20 Jahren. nicht auffallend gehoben, die Gründe hierfür find in den billigen Preisen sämmtlicher Produkte Nun, meine Herren, Sie sehen, es giebt au<h andere Berichte. (Abg. Gothein: Ih habe sie ja nit alle verlesen dürfen!) Herr Abg. Gothein, ih zweifele ja au< nit daran, daß Sie diese au verlesen hätten. Wie gesagt, ih kann ñur versichern: in dem Augenbli> zwischen Ihrer Rede und jeßt habe ih hier Veranlassung genommen, das durhsehen zu lassen, und gebe Jhnen eine kurze Zusammenstellung dessen, daß au< gegentheilige Aeußerungen in der Sache eristieren. Diese Berichte sind aber alle s<hon älter, und Sie wollen ja jeßt eine neue Enquête. Da muß ih offen gestehen: von dem Moment an, wo Sie nicht etwa diese Enquête benußen wollen zu irgend ciner weiteren Vershleppung will i< mal sagen —, bin ih gern bereit,

Exerzierplat Theile der Domäne und angrenzende Theile, die dazu nöthig waren, von bäuerlichen Besitzern hinzugenommen sind. Es ist dies ein Vorgang, der in das Reih gehört; Ererzierpläye sind Reichssache.

Was die zuerst von dem Herrn Vorredner berührte Domäne an- langt, fo ist sie im Jahre 1901 wieder verpachtet worden, und ywar ist dem Pächter eine Prolongation unter Erhöhung des Pachtpreises zugestanden; dadur< ergiebt sih das Mehr von 2000 4, dieses ist Die Ererzierplay - Angelegenheit bezieht und da bin ih natürlich nit in der Lage, den Pächter zu Gunsten anderer Landwirthe zu delogieren, denn er hat ein vollständiges Neht

dem Herrn Vorredner, na< Möglichkeit Abhilfe zu s{haffen Ich komme nun auf einzelne Punkte no<h zurü>, die der Herr

gestern Abend in die Preßerzeugnifse alle lesen

die Herren wissen ja, ih habe fommission von ¿8 Uhr an gesessen zu können; man hat mir aber erzählt, wunderbare Deutung meiner Worte vorgenommen ist nicht an, zu erklären, daß diese Deutung, die auch Gothein meinen Worten gegeben bat, wahrlich nicht drin gelegen hat. Jch glaube, mich gerade auf den Abg. Ehlers beziehen zu können, der es aus den Kommissionsverhandlungen bestätigen wird im parlamentarischen Leben geben die Verhandlungen im Hause nur das Spiegelbild der Kommissionsrerbandlungen wieder. Œs gab da mit dem Herrn Abg. Ehlers der mik dem Herrn Abg. Hirsch cine Auseinanderseyung darüber, wen ih mit der Sache gemeint hätte, Meine Herren, Sie wahrli® micht und Ihre Partei es hat mir nichts ferner gelegen, sondern ih ging nur davon aus, wenn Anträge im Reichstage eingebracht werden und darauf zielte ih ab —, wo man fordert, es sollte der Besiyer 50 4 pro Heklar Exrtra- Abgaben geben, wenn dic Zölle eingeführt würden doch annehmen, es sind crnfthafte Anträge, denn im Neichstage wetden do nur ernste Anträge eingebracht (Heiterkeit) ja, meine Herren,

Grundsay ausgehen, als der ist, der mich beseelt, Jch erkläre ganz ofen schiebungen machen, als wenn ih Sie, ich weiß nicht, als was an- sehe? Jch habe oft genug im Leben erklärt, mir liegt aichis ferner, als Jemandem vorzuweifen, er wäre nicht königötren. Jch bin zeugt, meine Herren, Sie stehen auf demselben Boden der fassung, auf demselben Boden unseres Staalsledens, daß fle

ab-fiche Feungen schon feit Wochen in der Zolltariflommisfien. Ich

Verhältnisse als gesunde und gute ansehen, und dal JZhnen

| | |

ih auf eine andere Domäne |

für seine Pachtperiode ; aber ih werde die Sache prüfen und verspreche | | hôrt! re<ts

Abg. Gothein erwähnt hat. Ich habe leider no< nicht Zeit gehabt | der Budget- |

daß au<h in der Presse eine | Jch siehe aber | auf dem der Herr Abg. |

| i, sollte man do< cin gewisses Empfinden dafür haben.

denn wie oft |

in eine solche preußishe Enquête einzutreten. Nichts liegt mir feruer als das zu hindern; ih habe in meinem Lebekh stets mit offenen Karten gefochten; ih bin bereit, den Herren Einbli>k in die ganzen Verhält- nisse zu gestatten; wir wollen einmal die Domänenre<hnungen heraus- suchen lassen; wir wollen einmal die Güter und kleinen Besitzungen im Lande genau prüfen; kommen Sie mit mir; ih bin überzeugt, vielleiht ändern Sie Ihre Auffassung; ih will es wenigstens hoffen und wünschen. Ich glaube, Sie würden cinen Schre>en bekommen, wein ih die Herren wirkli<h cinmal bitten könnte, binter ciner Gardinc so ywei, drei Tage in meinem Amts&zimmer zuzuhören, was für Klagen da auf mi einstürmen, was für Bilder sih da entrollen. Ich alaube, es würde Ihnen wirklih manchmal das Herz bluten und Sie würden begreifen, wie es mir {wer wird, alles aufzunehmen, was mir da entgegentritt, all das Elend in den Familien! (Hört, Gs ift das nicht etwa nur der Großgrundbefiyz; glauben Sie, meine Herren, es ist auch der kleinste und allerkleinite Best, der vor mir erscheint. Ih könnte da cinen der Herren aus dem Hause als Zeugen anrufen, der vor wenigen Tagen mir erzählte, daß auf einem ganz leinen Besitzthum dem Manne die Frau aus Elend verrü>t geworden is, daß liel die ahliährige Tochler Hofe kochen mulite. Das sind do wirlli< Verhältuisse fo trauriger Art, wie se kaum ein Mensch ahnt, und da, meine Was nun die bessere Ausbildung der Landwirthe angeht, so bin ih, wie ih ja much den Herren offen erklärt babe, cin Anhänger aller Schulen, auch der Fortbildungsschulen. Wir wünschen das auch schr. Aber auth der Abg. Freiherr von Wangenheim hat schr recht. Glauben Sie mir: es fehlen vielen der ländlichen Befiyer thatiählih die Mittel, lhre Finder no< ausbilden wu lassen. (Sehr richtig! rahia) Is fann wenigstens aus meiner Nachbarichaft Herren anführen, die viel zelernt batten, deren Kinder aber us Quarta und Tertia fortgenommen

| werden mußten, weil die Eltern thatsächlich das Schuigeld nicht mehr

ih muß |

| das wir durch den Ausbau unseres Elsenbaha- und da muß ih cben annehmen, daß solche Herten von cinem ganz andern | | Gegenden zu verbessern und - Sie kennen mich ja: warum wollen Sie mir sol<he Unter- |

bezablen fonnten. Ich glaube, dieie meine allgemcinen Angaben werden mit Herren aus dem Hause auch destätigen können. Weiter, meine Herren, bin ich völlig mit Ihnen einverstanden,

j

wesentlich dazu beitragen Thnnca, die

cinen beñeren landwirth

ï f

| Aba. Gothein, ih

| den Vorwuntf, ih

über- | unsere daran

Handeis- Minisiern vorgeworfen worden ift, sie träten für des aichi ¿rnúgend cia ? (Abg. Gotheia Sehr richtig!) Also,

E. N

ca Bil -EcuiRt Sie E Zarb

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