1846 / 198 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

age zu verwirklihen und diesem Entwurfe den An-

auf diesem Landt t Oeffentlichkeit und Mündlichkeit zu Grunde zu

flage - Prozeß mi legen.

Herzogthum. Nassau. Die neuesten Kurlisten geben die Zahl der Badegäste in den nassauishen Kurortzn folgeuderma én an: Jn Wiesbaden 5224, Cms 2218, in Langenshwalhah, 9b, in Schlangenbad 203, in Soden 860, in Kronthal- 108 und: in Weil- bah 140. :

Oesterreichische Monarchie.

Wien, 15. Juli. Se. Majestät der Kaiser hat aus Anlaß des- am 114ten d. M. erfolgten Ablebens des Ober - Hofmarschalls, Grafen von Goëß, nachstehendes Kabinetsschreiben an dessen Wittwe, J\abella, Gräfin von Goëß, geborene Gräfin von Thürheim, erlassen : „Liebe Gräfin Goëß! Mit innigem Leidwesen vernahm Jch den Verlust, welhen Sie dur< das Hinscheiden Jhres Gemahles erlitten haben, der Mir, Meinem Hause und Meinen Staaten durch eine lange Reihe von Jahren mit ausgezeichneter Treue, Anhänglichkeit und rastloser Hingebung vorzügliche Dienste geleistet hat. Jh be- zeige Jhnen hiermit Meine aufrihtige Theilnahme und wünsche, daß Jhnen dies zu einiger Linderung Jhres Kummers gereihen möge. Schönbrunn, den 12. Juli 1846, Ferdinand. m, p.“

Rußland und Polen.

St. Petersburg, 11. Juli, An den Juspektor der Reserve- Kavallerie, General der Kavallerie, Nikitin, ist unterm 7. Juli nah- stehendes Kaiserliches Reskript. ergangen :

„Alexei Petrowitsh! Gegenwärtig, wo es funfzig Jahre geworden sind, daß Sie mit ausgezeichnetem Eifer und Erfolge sich dem Dienste widmen, in dessen Verlaufe Sie sih dur< Thaten des uthes und fkriegerischer Tapferkeit während der unvergeßlichen Epoche. des vaterländischen Krieges, \so wie durch nie ermüdende Thätigkeit bei Erfüllung der umfassenden und mannigfaltigen Jhnen übertragenen Obliegenheiten, hervorgethan haben, wende Jch mit wahrer Genugthuung Meine Aufmerksamkeit auf Jhre viel- jährige Dienstlaufbahn. Jch habe stets Jhren augezeiGne len Verdiensten volle Gerechtigkeit wiederfahren lassen, und es ist Mir angenehm, Jhnen bei gegenwärtigem Anlasse die Versicherung Meines besonderen Wohlwollens zu erneuern, zu dessen Beurkundung Jch Jhnen. Allergnädigst beifolgenden mít Meinem Bildnisse geshmü>ten Brillantring verleihe. Jch verbleibe Jhnen auf immerdar wohlgewogen, (gez.) Nikolaus,“

_ Warschau, 14. Juli, Gestern wurde hier der Geburtstag Jhrer Majestät der Kaiserin festlich, begangen. Nach. dem Gottes- dienst, welhem in der St. Johannis-Kirche und in der Dreifaltigkeitôs- Kathedrale die Militair= und Civil-Behörden beiwohnten, nahm der Gürst Gortschakoff, als Stellvertreter des Fürsten Statthalters, die Glüdwünsche für das Wohl Jhrer Majestät entgegen. Mittags fand eine große Parade auf dem Krasinskishen Playe statt, worauf Fürst Gortschakoff fimiahl gab. Abends war freies Theater und ZUuminagtion.

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Fx.ankr ei.

Paris, 14. Juli. Sobald der König von. dem Unglücksfall auf der Nordhahn erfuhr, shi>te Se. Majestät den General von Rumigny, einen der Königlichen Adjutanten, an Ort und Stelle, von wo dieser sehr bald -genaue Berichte überbrahte. Jn der Nacht vom 9ten zum 10ten schrieb der König eigenhändig an den belgischen GVe- sandten, Fürsten von Ligne, um ihn über, das Schi>sal der Fürstin und ihrer fünf Kinder zu beruhigen, die den Folgen jenes Unfalls glüdlih entgingen, da die Wagen, in welchen sih die Familie des Fürsten von Ligne befand, obgleih sie au<h aus den Schienen wichen, nicht mit umstürzten.

“Jm Sidècle protestirt ein Reisender gegen die Verringerung der Zahl der Personen, die das Opser des Unfalls auf der Nord- bahn geworden ; als Augenzeuge versichere er, daß dieselbe mindestens dreimal \o stark sei, als man angebe, Nach dem Berichte, der dem Courrier français zugekommen, betrüge die Zahl der Todten 35. Ein junger Mann soll in Folge des erlittenen Schadens den Verstand verloren haben. Die Nordbahn-Verwaltung selbs hat inzwischen die ihr zugekommenen Berichte veröffentliht, welhe die Zahl der Todten so angeben, wie der Moniteur sie berihtet hat, nämlih auf 14 Personen, und die Direction selbst von aller Schuld frei zu sprechen suchen. Jn dem ersten dieser Berichte heißt es, daß von 26 Wagen 413 aus einer Höhe . von 7 bis 8 Meter in den Torfmoor gestürzt worden, der 8 bis 10 Fuß hohes Wasser gehabt. Es sei der zweite Waggon, aus dem Geleise gerathen, ohne daß man wisse, wodur, und er hade die anderen Waggons mit aus der Bahn ge- rissen, \o daß sie in den Torfmoor gestürzt. Die Beamten hât- ten s< bei dem Unglü>k musterhaft benommen, und der Conducteur Hocq habe selbst 7 bis 8 Personen gerettet. Die dabei betroffenen Reisenden sprächen si< voller Anerkennung über den Muth und die Hingebung ihrer Beamten aus, und der Verwaltungs-Rath habe dem- gemäß dem Unter-Junspektor Hovelt, der, nahdem er sich selbs durch Schwimmen gerettet, zur Leitung der Rettungs-Anstalten so viel bei- getragen, zum Inspektor erster Klasse ernannt, Der Conducteur Hocq sei für seine Thätigkeit zum Convoiführer befördert worden. Die Gesellschaft, heißt es in dem Berichte, könne inmitten der s{<merz-= lichen Bewegung, die sie empfinde, die Sprache des National und des

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Courrier françaisdem-Urtheile der Un henuur anheimgeben. Der National’ erwiedert mit starken Worten auf die versuchten Beschénigungen der Gesellschaft. Nachdem dieses Blatt dabei be- harrt, daß die Zahl’ der Opfer absihtli< geringer. angegeben werde, sagt es: „Wen Herr Rothschild den Nationa gesche ben, daß, als die Arbeiten der Gesellschaft. überliefert wur= den, wir feierli; verlangten, sowohl, im Juteresse des Publik

der Gesellsczaft, daß sie die Bahn sreng untex\suchep und. prüfen solle, Die Warnungen der Pxesse haben“ der Gesellshaft nik: gefehlt. Io} es niht wahr, daßdie Jngenieure einige Tage vor der Eröffnung der Bahn Berichte eingesandt, wona mehrere Erdsenkungen stattgefunden ? Ging nicht aus anderen Berichten offiziell hervor, daß die Schienen zu s{wach, insbesoudere für zu, schwere Lokomotiven seien? Man hörte gewiß, was wir selbst von Jngenieuren hörten, daß die Bahn nicht fertig, daß Alles nur provisoris<h und daß die Bahn nicht in dem, Zustande, sei, um dem Betriebe übergeben zu werden. Das Publikum hat ein Recht, zu sagen, daß die Sicherheit der Passagiere das Leßte ist, worán Kapitalisten denken, es hat ein Recht, zu vermuthen, daß die Habgier der Spekulanten über die heiligsten Rechte der Humanität den Sieg davongetragen, daß man eine no< unvollendete Bahn er- öffnet, um ein Steigen der Actien zu beeilen, daß es endlich dieses elende Börsenspiel i}, welches so viel Verderben und diese furchtbare Katastropphe erzeugt, deren Verantwortlichkeit s<hwer auf jenen Mo- nopolíisten lasten wird, welhen der Kredit und das Leben so vieler Bürger anheimgegeben worden. Der Courrier français spricht sich auf das bitterste darüber aus, daß man die hon mit dem Telegraphen eingetroffene Nachricht absichtlih 30 bis 40 Stunden verheimliht habe, Abgesehen von diesem Geheimhalten verlangt dies Blatt, daß die strengste und genaueste Untersuchung des Benehmens der Nordbahn-Gesellschaft stattfinde, damit die Wahrheit an den Tag fommez; und daß die Fahrten auf der Nordbahn untersagt werden sollten, bis die Direction alle nöthigen Bürgschaften für die Sidcher= heit der Reisenden darbiete. Hierauf heißt es in dem Bericht der Nordbahn-Verwaltung: „Der National wirst der Gesellschast vor, daß sie die Bahn zu früh dem Verkehr übergeben. Der Theil der Bahn, wo der Unfall geschah, ist indessen seit dem 1. April, mithin seit länger denn drei Monaten, in Betrieb. „,,„Man muß den Be- weis sühren‘/‘’, wird. ferner gesagt, „,„daß die Bahn in brauhbarem Zustande war.“ Der National, der so viel über Eisenbahnen geschrieben, muß aber do< wissen, daß die Bahn und alles dazu Gehörende, nur mit Ausnahme der Wagen, von der Regierung hér= gestellt wurde, und daß deren Jngenieure es sind, welche die Bahn uns übergaben, bevor sie für den Verkehr erössnet wurde.“ Die Verwaltung vertheidigt si< dann gegen den Vorwurf, als hätte sie auf. anfänglihe Erkundigungen hin die Gerüchte über das Unglü>k als böswillige Erfindungen in Abrede gestellt. „Ein neuer Bericht“, heißt es im Moniteur parisien, „an die Verwaltung der Nordbahn gerichtet und am Sonntag as hier eingegangen, bestätigt die früheren Nachrichten. Es sind 1

todt, worunter 2 Kinder, 5 ziemlich {wer verwundet und 20 mit leichten Quetshungen davongekommen. Man darf die öffentliche Meinung, lebhaft bewegt dur eine so beklagenswerthe Katastrophe, niht dur die Uebertreibungen, welche die unvermeidlihe Folge der ersten Eindrü>ke im Publikum sind, irreführen lassen. Die Ret= tungsarbeiten sind dur die Agenten der Compagnie, so wie der Be- hörden und der bewasfnetèén Macht, geshehen Die Sapeurs vom Geniewesen, die Husaren von Arrás haben unter Leitung ihrer Offiziere mit eben so viel Ordnung als Einsicht alle Nachforschungen geführt. Die von uns angegebenen Resultate sind also unbestreitbar. Es ste>t kein Wagen mehr im Morastz die Trümmer des leßten Pa>-Waggons sind herausgezogen, und es ist nirgends ein Bruch der Achsen oder des Räderwerks éntde>t worden. Dié Ursachen des Un- glüd>sfalls sind also no< unbekannt, Die leßten Nachrichten über die Verwundeten sind beruhigend. Der Unfall am Iten, von dem einige Blätter gesprochen, ist in seinen Ursachen wie in seinen Folgen übertrieben worden. Es war ein Hebebaum an der Bahn aufge|tellt, der von Husaren dirigirt wurde, Der vorübergehende Zug bewegte \sih lang=- samz auch kamen die Lokomotive und die ersten Wagen vorüber, ohne den Hebebaum zu berührenz nur der Tritt des leßten oder vorleßten Wagens stieß daran, entweder weil der Hebebaum sih etwas von der Stelle gerüd>t hatte, oder dur< das Schaukeln des leßten Wagens. Der Hebebaum fiel ‘um und verwundete drei Husaren; dem Einen wurde der Schenkel zerbrochen, die beiden Anderén erhielten Quet- hungen. Kein Reisender des Zuges stieg ab oder wurde irgendwie betroffen,“ Herr Frissard, Mitglied des General - Conseils der Brü>ken und Wege und Jns\pektor der Nord-Eisenbahn, hat nun au an den Minister der öffentlihen Arbeiten einen Bericht erstattet, nach welchem die Verwaltung sowohl, wie die Compagnie, keinerlei Schuld an jenem Unfalle trügen, der eben so wenig irgend einem von dem Bahnpersonale zugeschrieben werden könne, Der Bericht bemerkt, wahrscheinli<h werde man niemals zu einer positiven Erforschung der ersten Veranlassung des Unfalles gelangen können. Die Bahn selbs hat nit im geringsten gelitten.

Gestern, am vierten Jahrestage des Todes des Herzogs von Orleans, blieben die Königlichen Theater ges{lossen. Ju allen Kir- hen der Hauptstadt wurden Todtenmessen gelesen und in der Be= gräbniß-Kapelle zu Dreux ein seierlihes Todten-Amt gefeiert, welhem die Königl. Familie beiwohnte.

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Außer dem Conseils-Präsidenten, Marschall Soult, und H Cunin - Gridaine will angebli< au< Herr Martin Nörd' aus Kabinette austreten. Dieser würde, wie es" heißt, dur Herr 5 bert im Justiz - Ministerium erseßt werden, Darüber, wet Hy, Cunin - Gridaine im Händels - Ministrrium nachfolgen würde, l, ( verschiédene b un. SIPLAIN f n E "

“Der franzö\sishe Botschaster am englishen Hofe, Graf

‘Sainté - Aulaire, ist. auf Urlaub mit seiner Gättin in Paris : getroffen. h / t

Dur eine Königlihe Verordnung wird der Staaksrath außerordentlihen*Dienste, Herr Vitet, an die Stelle des auf s Wunsch von diesem Dienst enthobenen Grafen Bérenger zum Yj Präsidenten des Staats- Raths ernannt.

Die Börse war heute vollständig null. Jn französischen Rey hatte kaum einiges Geschäst statt, Die Eisenbahn-Actien waren jj so fest wie gestern. :

Großbritanien und Irland.

London, 11. Juli. Herr Charles Grey, welcher unte früheren Whig-BVerwaltung Secretair des Schaß - Kanzlers Va war, is zum Privat-Secretair Lord J. Russell’'s ernannt worden,

So giMstig für die Whigs bis jeyt die Parlamentswahlen Mitglieder des neuen Ministeriums ausgefallen sind, #o niedersh gend war für sie die Wiedererwählung eines derselben, | Sir J, C. Hobhouse, des. Kriegszahlmeisters, in Nottingham. selbe wurde zwar am óten, wie bereits gemeldet, gewählt, aber “nachdem die versammelten Wähler si. entschieden zu, Gunsten | Gegners, des bekannten Chartisten O’Connor, ausgesprochen h und dieser vom Sherif in aller Form Rechtens zum Parla Mitgliede ausgerufen war. Bekanntlich lehnte D'Connor bas'Y dat ab’ und ränmte somit Sir J. Hobhouse freiwillig "das Felt. Bei der Wahl in Tiverton, welde Lord Palmerston Widerspru<h zum abermaligen Vertreter dieses" Ortes hob, ‘hielt der neue Minister des Auswärtigen eine ly Rede, in welcher er die politishen Ereignisse seit 1815 rekapitul | Jn Bezug auf seine Stellung sagte er ungefähr Folgendes: : bin ni<t nur Jhr Vertreter und der Vertreter des Landes in : Legislatur dieses Reiches, sondern ih bekleide au ein hohes, ' zielles Amt, welches große: und wichtige Juteressèn des Reihe

sih \<ließt. Jn der Erfüllung dieser Pflichten hoffe ih nie > Moment von dem abzuweihen, was mir ‘als Recht erscheint ünd mir an jener Energie und jener beharrlihen Thätigkeit fehlen zu lass | die zur Erfüllung dieser doppelten Obliegenheiten gleich erforbei | sind. Die Umstände, welche zu einer Wiederübernahme des Ai das i< inne habe, gesührt, sind in der That in der Geschichte dis - Landes’ bemerkenswerth. Man müsse sich erinnern, das im

1841 das damalige Gouvernement, dessen Mitglied zu sein ih} | Ehre hatte, in Folge dessen vom -Ruder getrieben wurde, daß , dur politische Mapregeln die unumgänglihe Ausführung gewi Doktrinen der Handelsfreiheit vorgeschlagen, welche früher in den? batten empfohlen worden, die aber bis zum Jahr 1841 nicht ind politischer, legislativer Vorschläge aufgetreten waren. Wir wur damals von einer starken Partei bekämpft, die diesen Ansichten entgy war. Wir wurden ungere<terweise der Macht beraubt ; nicht nur ges

des eine Zeit lang jener Vortheile beraubt, die aus der Dur rung jener Maßregeln, die durhzuseben uns niht gelang, hätte stehen müssen. Meine Herren, wir (ih \prehe jeßt von der gro liberalen Partei), die wir damals jene Maßregeln verfehlten, habt vollfommene Genugthuung erhalten; wir haben jene Genugthuvi erhalten, welche die einzige und bei weitem die beste ist, die «in e renhafter Sinn zu: verlangen. wünschen kann, wir haben gesehen, unsere Gegner vollkommen und ganz ehrenvoll ihren Jrrthum an fannten, wir haben sie ihren Jrrthum wieder gut machen seh so weit als Wiedergutmahung wöglich is, indem sie uh Meinungen anuahmen und unseïie Maßregeln in Ausführu seßten. Jh sage, insoweit es uns, die liberale Partei nâml angeht, ist es die einzige Genugthuung, welhe wir wünschen und# langen möchten, Allein das Land mag vielleicht als Beispiel Staatêmänner etwas mehr verlangen. Jrrthümer im Privatlebenu den dur Uebel, das sie über jene verhängen, die sie begehen, li reichend gebüßtz alle Jrethümer ernstliher Angelegenheiten sind enf rer Natur! Jh meine, daß die glühendste Einbildungskraft nie! \hlagenderes Beispiel poetischer Gerechtigkeit ersinnen fönnte, als! was wir bei den Ereignissen der leßten fünf Jahre gesehen, w eine große Partei dur<h Widerstand gegen Verbesserungs - Maßre zur Macht gelangte. Die Häupter jener Partei waren nur kurze} am Ruder, als se ihren Jrrthum einsahen und'ihn dann gut zu m suhten. So stark war ihre Ueberzeugung ihres Jrrthums, s0 f ihr Gefühl von der Wichtigkeit dieser Sache, daß sie ehrenhaft t Jrrthum fahren ließen und dem Verlust der Macht entgegeneil um gerade jene Maßregeln nur durchzuführen, dur< deren Bel ‘Pfung \i- fünf Jahre früher die Gewalt in die Hände bekommen [5 Noch vor seinem Rüktritte hat Sir J. Graham auf die Wi stellungen des Herrn Roper, Secretairs der Gesellschaft zur Us stüßung armer Nähterinnen, die Versügung erlassen, daß fort den Gefängnissen keine Näharbeit mehr gefertigt roerden solle, da

ern gestorben.

L Kopenhage

dies, sondern dur diesen Umstand wurde au<h das Volk dieses (S

Nähterinnen ihr ohnehin so \spärlicher Verdienst niht no< mehr rzt werde, : i

Belgien,

ü}ffel, 13. Jul. Der direkte Eisenbahnzug von Paris nah sel, der gestern Morgen 7 Uhr áus Paris ‘abfuhr, ‘ist Abends Uhr hier an ekommen, Man tadelt es, daß dieser Zug wiederum mindestens 28 Wagen bestand, also aus eben so viel, wie am e des Unglüksfalls bei Arras. Ein großer Zug, sagt man, führe ; mehr Chancen der Gefahr mit si als ein kleiner. Wo mög- müsse man es au vermeiden, zwei Lokomotiven bei“ Einem

auhen. Gestern bei der Vorbeifahrt zu Roeux waren noch nicht alle aus dem

Schlamm gezogen. Der Ad= General Oudiuot ist, dem Echo du Nord zufolge,

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Dänemark.

n, 13. Juli. Jhre Majestäten der König und Königin von Schweden sind ‘mit dem Kronprinzen und dem Her- von Upland heute hier angekommen. Schon’ früh am Vormit= strömten zahlréihe Menschenmassen nah der Zollbude hinaus, daß ‘die sons belebtesten Straßen in der Stadt fast verödet er= en. Mehrere dänische Dampfschiffe, diht mit Menschen beseßt, en dem s{<wedishen Dampfschiffe auf der Rhede entgegengefah=- || wo se den hohen Gästén den ersten Willkfommengruß brachten. | vas s{<wedishe Dampfschiff so nahe gekommen war, daß |; ! den in “der Rinne liegenden Kriegsschiffen, vom Kastell* Ngholm salutirt wurde, fuhren" Se. Majestät der König von ¿márk, Se. Königl. Hoheit der Kronprinz und die übrigen Prin-= in der Königs-Sthaluppe hinaus nah dem s<wedisdecn Dampf- | ," únter anhaltendem, enthusiastishem Hurrahruf der Menge. } ¿ Majestät die Königin und die Prinzessinnen blieben auf der Lan- ébrü>e ‘bei der neuen Zollbude , bis Se. Majestät mit seinen } en Gästen zurü>fehrte. Als die Majestäten vom Dampfschiffe | ihren, ettönte vom Lande und von den Schiffen allgemeiner Ju= uß, wber anhielt, bís sie ans Land gestiegen waren, wo sie voa er Majestät der Königin und der übrigen Königlichen Familie aufs || lihste empfangen wurden. Gleich darauf verließen die. hohèn } äften“ die Zollbude. "Jm ersten Wagen saßen die beiden Kü= } in dem anderen die beiden Königinnen und in dem dritten die | en \{wedis<hen Prinzen, hierauf kamen die übrigen ‘dänischen nzen ‘und Prinzessinnen. Den Schluß machte das Gefolge. Der | helruf des Volkes begleitete den Wagenzug bis Amalienborg. Zu | gen ‘is Cour für Herren und Damen der beiden ersten Rang- |; en bei den \{<wedis<en Majestäten angesagt. Auch dänische Civil- Militair - Beamté und andere mit s{wedishen Ritter- Orden be=- dete Herren können daran Theil nehmen.

S <weiz.

Es sind nun am 141. Juli auch die mate- en Fragen definitio geld| worden. Jm Ganzen hat man sih< an | neuen Vorschläge der Vorberathungs-Kommission gehalten. Im | énwesen wurde die Summe der Staats-Beiträge auf das Maxi= von 400,000 Fr. gestellt. Jn Bezug auf die Feudallasten tra- einige Modificationen ein, indem nah dem Antrage von Anwalt impfli auh<h der Loskauf - Betrag der Bodenzinse 2 auf F nah dem Gesey von 1845 herabg t erstattung für die Loskäufe seit 1833 von 2 auf #2 erhöht den, Für den ganzen Kanton soll eine Hypothekärbank ihtet werdenz zu Gunsten der 6 Amtsbezirke des Oberlandes : hasli, Frutigen, Jnterlaken, Ober- und Nieder-Simmenthal und inen bat indeß die Bank im voraus 3 und je nah Bedürfniß zu 5 Millionen Franken zu 5 pCt. anzulegen, wovon 14 zur Til- g des Kapitals verwandt werden, Diese Bestimmung isst den gen Bezirken auf 30 Jahre garantirt. Der Vorschlag der Vor= athungs - Kommission, daß Vermögen unter 2000 Fr. steuerfrei follen, wurde verworfen. Was den Jura betrifft, so ist diesem ganz besondere Stellung eingeräumt worden. Er behält lch dem Grundsaße nah seine Geseßgebung und seine sonderte Verwaltung im Armenwesen, so wie sein Grund= êr-System, bei, Die vermehrten Ausgaben im alten Kantoûùs= l für das Armenwesen sollen den neuen Kantonstheil nicht berüh- Die Grundsteuer des neuen Kantonstheils wird zu denjenigen paben' und Einkünften des alten Kantonstheils, wovon dieselbe das juivalent sein soll, in das gehörige Verhältniß geseßt werden. am Schluß über alle diese Bestimmungen zusammengenommen estimmt worden, ergab \si< eine Mehrheit von 96 gegen 15 Stim= Kein Landestheil hat sih jeßt ausgeschlossen, und so weit es Verfassungs-Rath betrist, is die Verständigung vollständig.

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Kanton Bern.

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Jtalten

Nom, 7. Juli. Gregor XVI. hatte in diesem Jahr ein all- eines Jubeljahr aus\chreiben wollen und bereits am 21. April S, eine einleitende Säfkfularfeier zu Ehren des heiligen Camillo de

und Ehrschäße : eseßt und die }

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855.

Lellis, Stifters des Ordens der Kranken und Sterbenden sistirendett

Mönche, “mittels Breve's verordnet. * - Pius IX. ‘hat; mit Aufgebung

des Jubeljahrs, das Breve \einés Vorgängers in Kraft ‘gelassen, und

somit beginnt ‘heute jené hundertjährige Feier mit ällem der fatholi=

{hen Kirche für solhe Gelegenheiten zu Dienste stehenden reihen

ATEOeE in der Kirhe Santà Maria Maddalena. Sie dauêrt age. i

Spanien.

3 Madrid, 6. Juli. J stellte in meinem lebten Briefe die Behauptung äuf, daß die verschiedenen Kandidaten, deren Be=- werbungen um die Hand der Königin Jsabella von den in Spanien neben einander bestehenden politishen Parteien unterstüßt würden, sämmtlich der Dynastie der Bourbons angehörten. Um diese Be= hôuptung' erläutern und belegen zu können, “möge es mir vergönnt sein, die verschiedenen Parteien und Unterparteien so systematisch wie wöglih, ihren Bestandtheilen, Mitteln und Zwe>en nah, neben ein= ander zu stellen.

Alle Spanier, welche einen entschieden thätigen Antheil an den politishen Bewegungen und Richtungen ihres Landes nehmen, renen si< eutweder zur Partei der Moderirten, der Progressisten, der Mon- temolinisten oder der Republikaner. Eine jede dieser Parteien ver= dient eine furze Schilderung.

I. Die Moderirten. Sie bestanden ursprünglich aus denje- nigen Vertheidigern Jsabellens U., welche sich bemühten, im Einver= ständnisse mit dem dur die Regentin Marie Christine vertretenen Throne und mit Vermeidung eigentlih revolutionairer Mittel, die un= umschränkte Monarchie in eine constitutionelle nah dem Muster der französishen umzuwandeln. Für jeßt bilden sie die herrschende Par=- tei, zerfallen aber in so manche Fractionen, daß ihnen kaum noch der Name e iner Partei zugestanden werden fann. Jm Ganzen genom- mén, lassen si< diese Fractionen auf folgende zurü>führen.

1) Die constitutionellen Moderirten. Diese Leute ge- ben si< vorzugsweise für Freunde und Diener der Constitution aus, so lange sie in der Ablegung dieses politishen Bekeuntnisses das Mit- tel erbli>en, zum Besiße der Gewalt zu gelangen. Haben sie diesen Zwe> erreicht, so wird- der Sab, daß man, um die Freiheit zu ret- ten, die Beobachtung der Vorschriften der Constitution suspendiren müsse, von ihnen ‘aufgestellt und zur Anwendung gebra<ht. Werden sie aus dem Besiß der Gewalt verdrängt, so treten sie aufs neue als constitutionelle’ Rigoristen auf und legen der Regierung alle nur denk bare Schwierigkeiten in den Weg, ohne irgend“ ein haltbares Prinzip oder einen höheren Zwe>, als den der Befriedigung ihrer Leiden- haften und Privat -Juteressen, zu verfolgen. Das einzige geinein=- \haftlihe Band , welches diese Leute zu einer großen “Partei ver= fnüpfte, war die Furcht vor den Esparteristez. Je mehr diese Furcht vor dem Gefühle der Sicherheit wich, je lo>erer wurde auch das zusammenhaltende Band, und gegenwärtig streiten niht weniger als vier Fractionen dieser Partei um den Vorrang, nämlich:

a. Die Militair=Partei, die dur< den General Narvaez vertreten war, und der no< seßt manhe außer Thätigkeit gesebte Generale, wie Mazarredo, Loigorri u. A., angehören. Jhr Organ ist der Heraldo.

b. Die Fraction, die man hier gewöhnlich \c<e bezeichnet *), und die gegenwärtig in dem Mini die Herren Mon und Pidal, soust aber nur dur einige unbedeutende Hofleute und untergeordnete Beamte vertreten wird. Diese Frac= tion wird so wenig, wie die eben bezeihnete Militair - Partei, jemals einen Prinzen unterstüßen, dessen Bewerbungen dem französischen Hofe durchaus mißfallen dürften. Jhr Organ is der Imparcial.

c. Die sogenannten Purítaner. Diese Fraction, an deren Spihe der Fiskal des höchsten Gerichtshofes und Deputirte, Herr Pacheco, steht, bildete im dermaligen, seit dem Rücktritte des Ministeriums Mi- raflores ni<t wieder einberufenen Kongresse die Minorität (mit 33 gegen 120 Stimmen). Sie widerseßte si< der Umänderung der Constitution von 1837 und suchte von jeher dem Einflusse der Mili= tairpartei entgegenzuwirken. Obgleich sie si ostensibel zu streng cvn=- stitutionellen und parlamentarischen Grundsäßen bekennt und folglich dem Ausspruche der Majorität des Kongresses si unterwerfen sollte, so nimmt sie doch für \i< selbst die höchste Gewalt in Anspruch und verlangt, daß die Majorität der Minorität huldige. Sollte es diesen Puritanern gelingen, das Ministerium zu stürzen und ein an- deres näch’ ihrem Sinn einzuseten, 'so werden sie entweder Rüd>schritte thun’ und tâsselbe willkürliche System ihrer nächsten Vorgänger ein= lagen, oder vorwärts schreiten, die Militair-Behörden, welche über die Ruhe der Provinzen wachen, durch bedeutungs - und mittellose Civil = Personen erseßen und immer enger den eigentlihen Progres= sisten sich ‘anschließen müssen. Sie stellten den Jnfanten Don Enrique als ihren Kandidaten auf, traten jedoch zurü>, als er si< durch die Progressisten verleiten ließ, mit seinem bekannten Manifest hérvorzutreten. Vor einiger Zeit vermochten Herr Pacheco und seine Parteigänger dem Drange, si< an die Spibe der Staats-Geschäfte gestellt zu sehen, niht länger zu widerstehen. Sie traten deshalb mit einigen der damaligen Minister in Unterhandlungen und erboten

als die französi- sterium durch

*) Bekanntlich legte Herr Guizot der moderirten Partei diese Benen- nung bei.

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s<, den Jnfanten Don Enrique aufzugeben, wenn man dagegen wenigstens die Minister Mon - und- Pidal fallen lassen und dur Herrn Pacheco und einen anderen Puritaner erseßen wolle. Da aber diese Unterhandlungen, vorzüglich au< durch die Einwirkung des fran- zösischen Bötschasters, - sih- zershlugen , #0 weisen die Puritauer jebt den Prinzen von Koburg zurü> und erklären sich entschiedener als früher für den Jnfanten Don Enrique. Der Tiempo, das Organ dieser Partei, stellt Tag für Tag den Jnufanten als den ein=- zigen des Beifalls der Nation würdigen Bewerber um die Hand der Königin dar. d. Eine steht aus früheren Freunden des Gener sönlihen Gründen abtrünnig geworden / politishen Grundsäßen zu bekennen, selbstsüchtige Zwed>e verfolgen und deshalb, je nah den Umständen, bald der einen, bald der ande- ren der so eben bezeihneten drei Fractionen sich zuneigen. Zu ihnen gehören die außer akftivem Dienst stehenden Generale Concha (beide Brüder), Cordova, Cotoner, Oribe, Ros de Olano, der Banquier Salamanca und alle Börsen=- Spekulanten, deren Jnteressen an die des Letzteren gefesselt sind. Sie \heinen für jeßt unter dem Einflusse der englischen Diplomatie zu stehen und reden dem Jnfanten Don Enrique das Wort, würden aber allenfalls au den Prinzen von Koburg gelten lassen. Jhr Organ ist der Español. :

Wir fommen nun auf die andere große Unter - Abtheilung der moderirten Partei, nämlich

2) auf diejenigen Personen, umshränkte Königthum Js Zu ihnen gehört

a. Eine Anzahl von Gener taine an der Spiße der großen M des Landes vermittelst strenger Maßregel aufre bestimmten Heiraths=Kandidaten aufzustellen, d Königin selbst zu treffenden Wahl si unterwerfen. Jh nenne hier - nur die Generale Meer, Roncali, Pavia, Breton, Villalonga, Manso. b. Ein gewisser Kreis von Personen, welche Isabella II. .als Königin mit dem Grafen von Montemolin als Infanten von Spa- nien vermählt zu sehen wünschen. Zu ihnen vflegt man den Mar- quis von Viluma, dessen Bruder, den General Pezuela, seinen Schwager, den Herrn Tejada, den Herzog von Veraguas ‘und meh- rere andere Granden und Senatoren zu zählen. Z Wir sehen demnach, daß eine jede Fraction der moderirten Partei, welche si< für einen bestimmten Bewerber erklärt, einen solhen aufstellt, der dem Hause der Bourbons angehört. Werfen wir ‘nun einen welche

Bli>k auf die übrigen großen Parteien, 6 andere Zwed>e als die erscheint

Moderirten verfolgen. Hier 11. Die Partei der Progressisten. Jhr Zwe> ist der Um- sturz aller seit dem Fall Espartero’s in das Leben gerufenen Einrih- tungen und Verhältnisse, vermöge einer neuen gewaltsamen Umwäls- zung. Sie zerfallen E ín drei nur dur diesen Hauptzwe> - an cinander geknüpste Fractionen : 1) die s “t r Diese besteht fast nur no< aus Ge- neralen, die in Folge des Sturzes Espartero's ihre Stellen verleren haben und ausgewandert \ind, wie Rodil, Capaz, Infante, Seoane, Jriarte, Nogueras u. st. w. Sie leiten aus der Ferne die Bewe= gungen, welche an verschiedenen Punkten der Halbinsel von Zeit zu Zeit mit bewaffneter Hand zum Behuf einer esparteristishen Reaction unternommen werden. Für den Fall der Durchführung derselben würden sie vermuthli< die Constitution von 1812 voranstellen und die Hand der Königin einem Nicht-Bourbon zusprehen, wenn anders ein \olher Prinz si< auffinden ließe. Indessen dürfte wohl den Umtrieben dieser Partei keine Aussicht auf Erfolg, noch weniger aber auf Befestigung ihrer Herrschaft zuzugestehen sein, “tg 29) Die der Coalitionisten. Dahin gehören diejenigen Pro- gressisten, welche sich 1843 mit den Moderirten zum Behufe des Um= sturzes der Regentschaft Espartero’s verbanden, Lehterem jedoch, als dieser Zwe> erreicht war, aufs neue feindlih gegenübertraten, ohne bis jeßt wieder zur Gewalt gelangen zu fönnen. Sie werden \ih vie aufrihtig mit den Ayacuchos versöhnen und zählen nur einen einzigen General, Serrano, in ihrer Mitte. Dagegen sind sie rei an parlamentarischen Notabilitäten, wie Cortina, Olozaga, Madoz, Lopez, Sie sind die entshiedensten Verfechter des Jnfanten Don Enrique und werden vermuthlih zur Gewalt gelangen, falls ‘ein Ministerium Pacheco si< verwirklichen sollte. ZJFhr Organ is der Clamor publico, ihr Wahlspruch die Constitution von 1837. 3) Das junge Spanien (Jóven España). Diese Fraction findet geringen Anflang und hat bis jeßt noch keine Notabilitäten aufgestellt. Sie beschäftigt sh mit neuen Constitutions - Entwürfen und spricht sih für den Jnfanten Don Enrique aus. Jhre verwirr=- ten Ansichten bringt sie vermittelst des Eco del Comercio zur öffentlihen Kunde.

TII. Die Montemolinisten. So nennt man die frühere Anhänger des Don Carlos, welche si< der Königin unterworfen ha- ben“ und den Wunsch hegen, sie mit dem Grafen von Montemolin, als Könige, vermählt zu sehen. Als Organe dienen ihnen die Blât= ter la Esperanza, el Pensamiento de la Nacion, el Católico.

Endlich giebt es auch IV. Republikaner, die sogenannte Partei der Freiheit, die

vierte Fraction der constitutionellen Moderirten be- als Narvaez, die ihm aus per- sind und, ohne \sih zu festen

denen man Vorliebe für das un=- abella’s der Zweiten zuschreibt.

alen, die jeßt als General-Capi- ilitair-Bezirke stehen und die Ruhe <t halten. Ohne einen werden sie der von der

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Auslandes. Die überrashenden Ergebnisse fassen wir in folgenden drei Haupt-Rubriken zusammen, Erstens im Allgemeinen: 1) im großen Gan- zen zählt man im Frühling die meisten, im Sommer die wenigsten Todes- fälle; 2) die Extreme der Temperatur sind dem Leben verderblich; 3) ein größerer Luftdruck steigert, ein geringerer mindert die Sterblichkeit, aber der Einfluß des Luftdru>es auf das menschliche Leben is nicht in allen Jah- reszeiten gleih; endlich 4) feine Lustbeschaffenheit ist dem Leben so feind- lich als tro>ene Kälte, während feuchte Kälte die Sterblichkeit am wirksam- sten aufhält. Zweitens in Bezug auf besondere Krankheiten: 1) un- ter allen Krankheiten disponirt am meisten der Winter zu Ent- zündungen, und der Frühling is die tödtlichste Jahreszeit für diese Krantheitsflasse, ganz besonders für Brustentzündungenz 2) kalte Winter, warme Frühjahre, warme Sommer und warme Herbste steigern die Gefahr und Tödtlichkeit der Kopf-, Hals- und Brustentzündungen, und umgekehrt ; 3) die meisten an der Lungenshwindsuht Erkrankten (ihre Heilung, sagt Herr Casper auf S. 50, is die Haupt - Aufgabe ärztliher Kunst, die hier no<h so weit hinter der ärztlihen Wissenschaft zurücgeblieben ist) sterben im Frühlinge, nah ihm im Winter z die wenigsten im Herbst und im Som- merz 4) die verschiedenen Luft- und Witterungs - Verhältnisse zeigen feinen merkbaren Einfluß auf die Verhälinisse der Tödtlichkeit der Lungenschwind- sucht; 5) die Nervenfieber kommen am häufigsten vor und sind am tödt- lichsten im Herbst; am wenigsten kommen sie vor und sind gefährlih im Frühling, Alle diese Säyge sind durch viele Thatsachen bestätigt, wie z. B. in Berlin der Dezember den günstigsten und der Januar den ungünstigsten Gesundheits-Zustand zeigt, aber doch seyt der Verfasser auf S. 69 Folgen- des hinzu: „Für die einzeluen Verhältnisse des atmosphärischen Mediums, in Beziehung auf diesen Gegenstand, entziehen sich die Naturgeseze leider noch zumeist unserer Kenntniß, und unsere Werkzeuge zur Erforschung der Lustverhältnisse sind daher bis jeßt no< bei weitem nicht zureichend für die Beantwortung dieser wichtigen Frage der allgemeinen Krankheitslehre. Wir „zwingen es‘, um mit dem großen Dichter und Naturforscher zu reden, der

uns zu weiteren Betrachtungen über die anderweitigen tellurishen und kos- mischen Cinslüsse an, bis dahin aber lehre es uns Bescheidenheit und Miß- trauen in hergebrachte, überlicserte allgemeine Behauptungen!“ Jn die dritte Rubrik gehören die Betrachtungen über- die Witterungs-Einflüsse auf die verschiedenen Lebensalter. Am erheblichsten machen sich dieselben im Säug- lings- und Pubeitäts-Alter geltend, am geringsten im Kindesalter vom ersten bis siebenten Lebensjahre. Vom zwanzigsten Lebensjahre bis zum höchsten Alter bleibt der Winter die gefährlichste, der Sommer die günstigste Jah- C und je älter der Mensch wird, desto auffallender tritt dieser Einfluß ervor.

Der zweite Aufsaß, „Versuhe und Beobachtungen über die Strangu- lationsmaxrke und den Erhängungstod'“, ist eine Fakultäts-Frage und bleibt also den Medizinern vom Fache überlassen,

Den driiten Aufsay, „zur Geographie der Verbrechen“, in einen Aus- zug bringen zu wollen, würde ein unnüges Geschäft sein, denn eine solche Gabe, in welcher mehr als eine wichtige Zeitfrage mit großer Sachkenutniß besprochen und berichtigt wird, muß ganz und vollständig" genossen werdcn. Wir erwähnen also hier nur einiger Ergebnisse. Herr Casper hat in seiner Darstellung nachgewiesen, daß die Verbrehen gegen Personen, also Tödtung, Selbstmord , Kindermord und fleischlihe Verbrehen (von den Verbrechen gegen Sachen isst nicht die Rede), dur die Kultur der Intelligenz oder durch die Verbreitung des Unterrichts in einer Bevölkerung thatsächlich leider! niht vermindert sind, ferner, daß ín den fatholiscyen Landestheilen mehr Tödtungen vorkommen als in den evangelischen, in den lehteren aber mehr fleischlihe Verbrechen und Selbstmorde als in den ande- ren, daß drittens mít der Dichtheit der Bevölkerung die Kinder- und Selbst- morde, so wie andere fleishlihe Verbrechen, zunehmen, daß viertens eben so wenig die Wohlhabenheit als der Pauperismus seinen entscheidenden Ein- fluß auf Mehrung oder Minderung der Verbrehen gegen Personen haben, und von fünstens im großen Ganzen dex Einfluß der geistigen Getränke ni<t wirksamer hervortritt als andere Ursachen zu verübten Verbrechen.

Natur „mit unseren Schrauben und Schlüsseln“ no< ni<t ab, Das rege

Alles das ist aus den tabellarischen Uebersichten preußischer Ober-Gerichte be-

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siätigt und mit den amtlichen Berichten aus den einzelnen Regieru Bezirken verglihen worden ein reicher Stoff zum weiteren Nachdes Am Schlusse hat der Herr Verf. eine Reihe hierher gehöriger grober F brehen aus den einzelnen preußishen Provinzen zusammengestellt, t jedes einzelne geeignet ist, ein großes psychologisches Juteresse în Ans! zu nehmen. So würde man es ohne die amtliche Beglaubigung kaun möglih halten, daß im Februar 1836 ein Mensch im Regierungs-2 Gumbinnen cinen Mord beging, üm fich Menschentalg zu vétsGafféti, tvor er si< Licht machen wollte, weil er gehört hatte, daß man sich durch Lichte unsihtbar machen könnte. Unter den Selbstmorden sei hier nut geführt, daß sich im April 1834 ein Gymnasiast im Reg.-Bez, Breslau ersd weil er nicht mit nah Prima gekommen wär, und’ ein Sefundaner zu S. (M Bez, Liegniß) im Mai 1829, als er wegen einer ohne Erlaubniß 11Þ nommenen Reise zur Verantwortung gezogen werden sollte, Der L! Benno P., hatte auf einen Zettel geschricben, man möge ihn mit Kane? stiefeln und Sporen in den Sarg legen, ihm eine gestopste Pfeife in Mund und an jede Seite cine Flasche Bier geben! (S. 162.) , Es folgt die „Biographie eines fixen Wahnes‘“, eine trefflich gesd bene Krankheitsgeschichte aus Herrn Casper®s eigener Praxis, die er ! Recht cinen der ershütterndsten psychologischen Säle nennt, bie zu s Kenntniß gekommen sind. Der Raum nöthigt uns, es bei dieser bloy Empfehlung eines Aufsaßes bewenden zu lassen, den kein Leser ohne inni Bedauern eines solchen Scelenzustandes beendigen wird. Die Sclußi! sind gegen die Unhaltbarkeit der Heinrothschen Theorie gerichtet, wel die Quellen der Naturwissenschaft ani Hochaltare sucht ünd ‘das dichten frömmelüde Gefühl da’ walten läßt, wo der empirisch-förschende, E Be Verstand, wo die naturwissenschaftliche Behandlung ihre N ordern. i y 5 r O _fünste Abhandlung, „die Sterblichkeit in der Königl. preußisV Armee““, ist auf die vón des Herrn Krí-gs-Ministers von Boyen ExceS mitgetheilten aen begründet und enthält folgendes preiswürdiges R! tat: Jn dem Zahrzehend von 1829—1838, ‘wo die Gesammistärkt

Wes mit Einschluß der Landwehrstämme,

O. T

jedo< mit Ausschluß der Offi- e und Chirurgen, 1,506,829 Mann betrug, ergab sich, daß noch nicht z ‘der 77e Mann von Kran!heit hingera}t worden, oder daß von 000 Mann nur 4131 gestorben waren. Eine \o geringe Sterblichkeit hat der die englische noh die französische Armee auszuweisen, Der übrige il des Aufsaßes verbreitet ih über die Hauptkrankheiten der Soldaten, t die Verhältnisse der cinzelnen Provinzen und über die Untauglichkeit zurü>gestellten Rekruten. Alles re<t belehrend für ein Land, dessen bohner das Glü> einer edlen und allgemeinen Wehrverfassung ge- pen. s Jn dem sechsten Aufsaye, „der Einfluß der Tageszeiten auf Geburt und Tod Menschen“, begegnen wir wieder einer Reihe scharfsinniger und auf viel- rige Beobachtungen gegründeter Wahrnehmungen von einem allgemein {lichen Juteresse. Uns is es freilich nue _gegönnt, einige der wichtig- hier namhaft zu machen. 1) In die Stunten von 9 Uhr Abends 6 Uhr Morgens fallen die meisten, in die von 9 Uhr Morgens bis Uhr Abends die wenigsten Geburten. 2) Von denjenigen Geburten, bei [hen die Geburtswehen si< am Tage einstellten, waren die meisten Kna- geburten ünd umgekehrt. ‘3) Das Uebergewicht der nächtlichen über die gesgeburten is bei den Todtgeburten noch beträchtlicher, als bei den le- d geborenen Kindern. 4) Das Marxíiinum der Sterblichkeit fällt auf die drmittags-, das Minimum dagegen auf diè Nachmittagsstunden. 5) Jm jelnen betrachtet, ‘übèrwiegt bei den Entzündungen das Sterblichkeits- hältniß der Nachmiitagsstunden, bei den Fiebern und Exanthemen das Vormittagsstunden , bei der Lungenphtisis das der Nachmittagsstunden, den Cerebral Apoplexieen das der sämmtlichen Tages-, bei den Lungen- tungen das der Nachmittagsstunden , bei den Neurosen im Allgemeinen ? der nachnitternächtlihen Stunden. E Der siebente und leyte Aufsaz: „Das Gespenst des sogenannten Brand- tungêtriebes‘’, isstt von besonderer Wichtigkeit und verdiente bei der all- igen und dur Jahrzehend hindurch fortgeseßten Erforshung und Be-

m Stande sind. Wir wollen indeß versuchen, die Hauptpunkte die- < dur< Anmuth der Darstellung ausgezeichneten Abhandlung zu- An die Spie seiner Untersuchungen und zur Widerle- gung der, namentlich unter Gerichtsärzten so verbreiteten Meinung, daß zu Brandstiftungen junge Kinder, deren Geschlehts- oder Pubertätsverhältnisse gestört wären, vorzugsweise hinneigten, stellte Herr Casper den Saß, daß nach amtlichen Listen in den sechs Jahren von 1831—1836 und von 1837 bis 1842 auf hunderttausend junge Mädchen und Knaben nur Ein Braud- stifter zur Untersuchung gekommen is, aber Neun u nd dreißig Diebe und Diebeshehler. Hiernah wind eine Anzahl negativer Beweise gegen die angebliche Pyromanie aufgeführt, unter denen wir nur herausheben, daß seit funfzig Jahren blos in Deutschland von unzurehnungsfäbigen jungen Brandstiftern die Rede gewesen is, während man in England und Frankreich das Verbrechen der Pyromanie kaum zu kennen scheint, und daß wiederum in Deutschland sich, sonderbar genug, solche Fälle nur bei den Bewohnern des platten Landes ereignet haben. Hierauf wird zu der psychologiscben Wür- digung des Momentes vom mangelnden Beweggrunde bei Brandstiftungen fortgegangen und in einer Reihe lesenswerther Bemerkungen dargethan, wie der scheinbare Mangel einer causa facinoris, wie sie die kriminalistische Kunstsprache nennt, oder ciner Ucberschreitung des Rechten, einer Versuchung ím iben Sinne, auf natürlichem Wege und aus der Vergleichung der einzelnen Fälle ganz allein zu erklären is (S. 275— 290). „Und so \{<windet denn alles Mystish-Wunderbare eines unerklärlichen Triebes zum Feueranlegen, einer Lust und Gier am Feuer in den Pubertäts - Jahren in dem Grade, daß nur für uns das Einzige allein wunderbar bleibt,

geben i ser, au \ammenzustellen.

daß en Verhältnissen dergleichen jugendliche Brandstifter wie wir oben nahgewiesen, als man irrigerweise be- vorkommen.’ Endlich werden noch die Gemüthszu- he besonders zu Brandstiftungen verführen, nämlich aus dem Dienste zu! kommen, Rachegefühl, der ltend zu machen, als eine Tendenz, die einer

unter ‘oben geschildert gerade so sehr selten sind, hauptet hat, daß sie häufig ständen amhaft gemacht, wel Heimweh und der Wunsch,

einen untwiderstehli<hen Drang zur Vollführung der zu haben. Hierbei widerlegt der Verf. (S. 294 f.) auf das bündigste aus dem Schaße seiner Erfahrungen die Ansicht solcher Medizinal-Behörden, die dergleichen Zustände als Haupt-Grundlage ihrer auf Unzurechnungsfähigkeit hinausgehenden Gutachten benußt haben, Der zweite, so zu sagen, praktische Theil der Abhandlung enthält aus einer Samml:eng der von HerrnC asper im Ministerium bearbeiteten Fälle dreizehn Geschichten von Brandstiftern beiderlei Geschlechts im Alter von 15— 21 Jahren, denen wir hier nur das Lob klarer Uebersichtlihkeit und milder Beurtheilung des jugendlichen Alters, die denn auch meistens niht ohne günstige Einwirkung auf den richterlihen Spruch geblieben is, zuerkennen können. Viele tiefe und echt praktische Beobachtungen aufzuführen, is hier nicht der Ort. Die im Anhange verzeichneten Fälle von funfzehn kleinen Kindern, welce sih der Beandstiftung schuldig gemacht haiten, geben neue thaisächliche Belege für die Richtigkeit der früheren Gründe, durch welche der innere Zusammenhang des Verbrechens der Brandstiftung mit der gei- stigen und körperlichen Schwäche und Feigheit findliher Bösewichter ent- wi>elt ist.

Wir glauben mit dieser Berichtgabe ein Buch entlassen zu können, wel- hes nah Maßgabe seines für jeden Gebildeten anziehenden Jnhalts guf ein ausgebreitetes und dankbares Publikum rechnen fann,

Verbrecher vorgiebt , That in sih verspürt

F

Drang, seine Persönlichkeit ge e 4 L n ist, und die sonderbare Stimmung, wo der

ndlung der Pyromaníie einer; ausführlicheren Auszug, als wir hier zu

jeden Menschenbrust angebore