1880 / 247 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Becker 11, Zeug-Li, vom Art. Depot in Sonderburg, kommandirt Hi der Ansy. der Gewehrfabriken, zur Munitiontfabrik in Danzig,

L, : T r@lebsbewilligungen. Im aktiven Heere. Baden- Baden, 9. Oktober. v. Borries, Gen. Lt, und Commandeur der 4. Div., in Gcnehmigung seines Abschied8gesubes als General der Infanterie mit Pension zur Disp. gestellt. v. Wulffen, Gen. Lt. und Kemmandant von Breslau, in Genehmigung seines ALschieds-

esuhes mit Peusion zur Disp. und gleichzeitig à la suite des Inf. Negts. Nr. 52 gestelt. Krause, Oberst und Chef der technischen Akttheilung für Art. Angelegenheiten im Kriegs-Minifterium, in Ges» nehmigung seines Abschiedsgesucbes als Gen. Major mit Pension zur Diep. gestellt. v. Almeida, Sec. Lt. a D., zuleßt im Ulan. Regt. Nr. 13, die Crlaubniß zum Tragen der Uniform dieses Regts. er- theilt. 12. Dktober. Herquet, Oberfi-Lt. a. D., zuleyt Major und Abtheil. Commandeur im Feld-Art. Regt. Nr. 26, die Erlaubniß zum Tragen der Uniform des genannten Regts. ertheilt, Königlich Bayerische Armee,

Ernennungen, Beförderungen und Verseßungen. Am aktiven Heere. 14 Oktober, Fürst v: Detltnaen- MWallerstein, Major und ctatsraäß, Stabsoffiz. des 4. Chev. Negts. unter Stellung à la suite dieses Truppentheils, auf die Dauetr eines Jahres aus dem aktiven Dienst entlassen.

Abschiedsbewilligungen. Im aktiven Heere. 9. Dkto- ber. Zirngibl, Rittm. und 1. Train-Depot-Offiz. des 2. Train- Bats., der erbetene Abschied mit Pens. und mit der Erlaubniß zum Tragen der Uniform bewilligt. 13. Oktober. Fran>, Hauptm. und Comp. Chef des 1. Fuß-Art. Regts., der erbetene Abschied mit Pens. und mit der Erlaubniß zum Tragen der Unif. bewilligt, 14 Oktober. Obl, Fes Lt, des 6, Inf. Regts. der erbetene Abschi nit Pens. bewilligt. : 2 det S Ma 13, Ditober Dr Bal, Ae Arzt 2. Kl. des 8, Inf. Negts., auf Natsuchen zur Res. verseßt.

XKVEZ, (Aönigli<h Württembergishes) Armec-Corps,

Ernennungen, Beförderungen vnd Veriezungen. Fm Beurlaubtenstande. 6. Oktober. Ott, Sec. Lk. von der Landìiv. Inf. des 1. Bats. Landw. Regts. Nr. 122, zum Pr. Lt. befördert.

Herzoglich Braunschweigisches Kontingent,

10, Oktober. Reihhard, Sec, Lk, der Landw. Inf, des

1. Bats. Landw. Regts. Nr. 92, der Abschicd bewilligt.

NichtamlilicGes. Dentsches Mech.

Preunsem. Berlin, 20, Oktober. Fhre Majestäten De Rae Un Die Raiserin Und die anderen Baden-Baden anwesenden Hohen Herrschaften dinirten, laut Meldung des „W. T. B.“, gestern Nachmittags 3 Uhr bei dem Grafen Chreptowitsh auf Schloß Seelah. Abends 9 Uhr nahmen die Herrschaften den Thee bei Fhren Majestäten oin.

Der Erbprinz und die Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen sind gestern abgeceist und begeben Sih zunächst na<h Frank- ULt @ V.

! Heute Vormittag 111/27 Uhr sind Se. Majestät der Kaiser und Se. Kaiserlihe Hoheit der Kronprinz mit Seiner Fa- milie und Gefolgen mittelst Extrazuges nach Frankfurt a. M. abgereist. Die Großherzogliche Familie gab Allerhöchst- und

Höchstdenselben bis Karlsruhe das Geleit.

Der Bundesrath trat heute zu einer Sizung zu- sammen.

Am 19. d. Mts, sind auf der Rheinischen Station Oppum zwei Güterzüge aufeinandergestoßen. n Folge dessen wurden Betriebsmittel nicht unerheblih, Personen aber glüctliher Weise gar niht beschädigt. Die Untersuchung über die Ursache des Unfalls ist sofort eingeleitet.

Nach der im Neichhs-Eisenbahn-Amt aufgestellten, in der Ersten Beilage veröffentlichten Nachweisung der auf deutshen Eisenbahnen ausschließli<h Bayerns —- im Monat August d. J. beim Eisenbahnbetriebe (mit Aus- {luß der Werkstätten) vorgekommenen Unfälle waren im Ganzen zu verzeihnen: 11 Entgleisungen und 1 Zusammen- stoß auf freier Bahn, 15 Entgleisungen und 22 Zusammen- slöße in Stationen und 142 sonstige Unfälle (Ueberfahren von Fuhrwerken, Feuer im Zuge, Kessel-Explosionen und an- dere Betriebs-Ereignisse, wobei Personen getödtet oder verleßt worden sind).

Vei diesen Unfällen sind im Ganzen, und zwar größten- theils durch eigenes Verschulden, 148 Personen verunglückt, fowie 19 Eisenbahnfahrzeuge erhebli<h und 88 unerhebli<h beschädigt. Es wurden von den 18 257 695 überhaupt beför- derten Reisenden 6 verleßt (je 1 Fall auf der Berlin-Görlißer Bahn, der Nechten Oderuferbahn, der Württembergischen Bahn und in den Bezirken der Königlichen Eisenbahn-Direktion Magdeburg Berlin und Bromberg); von Bahnbeamten und Arbeitern im Dienst beim eigentlichen Eisenbahnbetriebe 14 getödtet und 58 verleßt und bei Nebenbeschäftigungen 2 ge- tödtet, 30 verleßt; von fremden Personen (eins{ließli<h der nicht im Dienst befindlihen Bahnbeamten und Arbeiter) 13 getödtet und 12 verleßt, sowie bei Selbstmordversuchen 12 Personen getödtet und 1 verleßt.

Von den sämmtlichen Verunglüc>ungen mit Aus\{luß der Selbstmorde entfallen auf:

A, Staatsbahnen und unter Staatz3verwal- tung stehende Bahnen (bei zusammen 21751 km Be- triebslänge und 510 839 819 geförderten Achskilometern) 116 ¿álle, darunter die größte Anzahl auf die Bezirke der Cöln- Mindener Bahn (22), der Rheinischen Bahn (14) und der Oberschlesishen Bahn (11), verhältnißmäßig, d. h. unter Berücksichtigung der geförderten Achskilometer und der im Betriebe gewesenen Längen sind jedo<h auf der Cöln- Mindener, der Rheinischen und der Main-Ne>ar-Bahn die meisten Verunglü>ungen vorgekommen.

Bb, Größere Privatbahnen mit je über 150 km Betriebslänge (bei zusammen 5852 km Betriebslänge und 97 495 666 geförderten Achskilometern) 17 Fälle, darunter die größte Anzabl auf die Rechte Oder-Ufer-:Bahn (7); die BVerlin-Görlißer Bahn (3) und die Oels-Gnesener Bahn (1); auch verhältnißmäßig sind auf den vorgenannten Bahnen die meisten Verunglü>ungen vorgekommen.

0. Kleinere Privatbahnen nit je unter 150 km Betriebslänge (bei zusammen 1042 km Betriebslänge und 7 644 295 geförderten Achskilometern) 2 Fälle, und zwar auf der Lübe>-Büchener Eisenbahn.

__— Zur Beseiligung entstandener Zweifel über die Grund- säße, nah welchen bei Verehnung der Hälfte des Ein-

| kommens für Beamte, die vom Amte suspendirk _} nd, namentli in Beziehung auf die Emolumente der freien | Dienstwohnung und des freien Brennmaterials zu verfahren ist, hat der Minister für Landwirthschaft 2c. dur< Cirkular- erlaß vom 19. v. M. den Regierungen Abschrift einer an die Negierung zu Marienwerder gerichteten Verfügung des Finanz- Ministers von 9. Juli 1877 zur Kenntnißnahme und Nach- achtung zugehen lass:n.

Nach dexselben unterliegt es an sih keinem Bedenken, zu dem der Vorschrift des $. 51 des Gesehes vom 21. Juli 1852 unterliegenden Diensteinkommen eines suspendirten Beamten au<h seine in Gewährung einer Dienstwohnung und freien Brennholzes bestehenden Emolumente zu zählen, als Maßstab für den Geldwerth derselben aber diejenigen Summen anzu- nehmen, wel<he dafür als pensionsfähiger Theil seines ge- sammten Diensteinklommens festgeseßt sind. Der Negel nah wird daher der $. 51 au<h auf diese Erolu- mente anzuwenden sein. Denno<h läßt sich diese Negel nicht als eine jolche betrachten, die keine Ausnahme gestattet. Fm Gegentheil werden von ihr durch die Natur der Sale be- dingte Ausnahmen sogar in der Mehrzahl der vorkon:ménden Fälle gemacht werden müssen. „Es kommt nämlich darauf an, ob 1) die Dienstwohnung dem suspendirten Beamten fürdie Do uer der Suspension gänzlih entzogen, oder ob sie ihm 2) für diese Zeit zu seiner auss{ließlihen Benußung belassen oder ob er 3) angehalten wird, sie naturaliter mit seinem Stellvertreter zu theilen. Die Entziehung ad 1 bildet im Ganzen nur eine sehr jeltene Ausnahme, die, namentli<h au< mit Rücksicht auf die meistentheils mit einer Dienstwohnung verbundene Dienst- landsnußung, nur da gemacht wird, wo ganz be- sondere Umstände eine gänzlihe Entfernung des fuspendir- ten Beamten aus seinem bisherigen Wirkungskreise ou) in rein örtlicher Beziehung als unvermeidlih geboten erscheinen läßt. Die Entziehung der Dienstwohnung bedingt zugleich die Entziehung des freien Brennholzes, dessen Quantität wesent- lih na< dem durch die Beschaffenheit der Wohnung zu be- messenden Bedarfe festgestellt wird. Jn diesen Fällen wird dem suspendirten Beamten der halbe Geldwerth der ihm entzogenen Emolumente baar vergütigt werden müsse. Die Belassung ad 2 und die mit ihr zu verbindende fernere Naturalgewährung des vollen Feuerungsbedarfes wird nicht minder nur ausnahmsweise eintreten, da es sich meistentheils empfehlen wird, tem Stellvertreter des suspendirten Beamten ein Unterkommen in der Dienstwohnung des leßteren zu ver- schaffen. Wird diesem demohnerachtet der alleinige und un- verkürzte Fortgenuß beider Ewmolumente belassen, so bleibt der halbe Geldwerth derselben von dem suspendirten Bcamten dur Abrechnung auf die ihm zu belassende Hälste seines baaren Diensteinkommens zu vergüten. Die Regel werden die Fälle ad 3 bilden, in denen der suspendirte Beamte seinem Stellvertreter einen Theil sowohl der Dienstwohnung als des Feuerungsbe- darfes (sei es die Hälfte von beiden, sei es mehr, sei es weni- ger als die Hälfte des einen oder des anderen) naturaliter zu überlassen hat. Diese Naturaltheilung mat von selbst cine strikte Anwendung des 8. 51 1. c. unthunlich, ohne daß \i<h allgemeine Negeln über die statt dessen zu treffenden Maß- nahmen geben lassen. Es bleibt nur übrig, dieselben dem pflihtmäßigen Ermessen der vorgeseßten Behörde anheim zu geben, die dabei den bésoßderen, jeden einzelnen Fall beglei- tenden Umständen Rechnung zu tragen und namentlih das Verhältniß zu berücksichtigen haben wird, in welchem dur die erfolgte Naturaltheilung beider Encolumente der suspen- dirte Beamte des ferneren Bezuges derselben verlustig geht. Verliert er etwa dabei die Hälfte derselben, so ist damit von selbst dem $8. 51 genügt. Verliert er dabei mehr, so wird ihm das Plus zu vergüten, verliert er weniger, so wird die Differenz von ihm zu de>en, eine minutióöse Berehnung dabei aber zu vermeiden, vielmehr au<h in dieser Beziehung ein billiges Bemessen als maßgebend zu betrachten sein. Auf Dienstlandsnußungen findet der $8. 51 1. c. überhaupt keine Anwendung, weil dieselben vorwiegend auf einen fontraftlichen Verhältnisse von privatrehtliher Natur beruhen. Volle Anwendung findet exr dagegen auf Miethsent- schädigungen, welche dem suspendirien Beamten als Ersaß für eine ihm nichi gewährte Dienstwohnung gewährt werden. Anlangend endlih die Waldwärter, so ist denselben ohne weiteren Unterschied der Fälle siets, sobald sie vom Amte suspendirt werden, von erfolgter Suspension ab, die fernere Abgabe von freiem Brennholze zu versagen und nur der halbe Geldwerth des ihnen bis dahin bewilligten Bezuges zu vergüten, von einer Ausgleihung bezüglich des bereits an sie abgegebenen Brennholzes aber überhaupt Abstand zu nehuien.“

Ein im öffentlichen Dienst angestellter und beeidigter Postgehülfe, welher Postgelder untershlagen hat, ist na<h einem Erkenntniß des Neichsgerichts, 1, Strafsenats, vom L Qu D S, weaen Beamten unter La aunia aus $. 350 Str. G. B. zu bestrafen, auch wenn seine Anstellung und Verwendung auf Haft und Gefahr seines Vorgesetzten (Postexpeditors) erfolgte.

e euge Dal Nau 5 29 2 der Strafprozeßordnung in denjenigea Sachen, in welchen er die Voruntersuhung geführt hat, nicht MitglieF*des erkennen- den Gerichts sein, au<h niht bei einer außerhalb der Haupt- verhandlung erfolgenden Entscheidung der Strafkammer mit- wirkten. Fn Bezug auf diese Bestimmung hat das Neichs gericht I. Strafs., dur< Erkenntniß vom 10. Juni d. J. ausgesprochen, daß ein Richter durch die aushülfsweise Vornahme einzelner Untersuchungshandlungen no< ni<ht zum Untersuhungsrichter im Sinne des 8. 23 Str. Pr. Ordn. wird.

_— Die in Fnjurienprozeßsachen der Vorschrist des Artikel 18 des Einführungsgeseßes zum preußishen Straf- geseßbuh gemäß von dem VBeleidigten nahgesu<hte Vermitte- lung des Schiedsmannes enthält, nah einem Erkenntniß des Neichs8gerichts, III, Strafsenats, vom 14. Juli d. J., niht einen Antrag des Ersteren auf Strafverfolgung und unterbriht mithin nicht die strafgesebli<h vorgesehene Rügefrist.

Der heutigen Nummer des „Reihs- und Staats- Anzeigers“ ist eine „Besondere Beilage“ (Nr. 12), enthaltend Entscheidungen des Neichsgerichts, beigefügt.

-— Die Bevollmächtigten zum ‘Bundesrath, Großherzoglich med>lenburg-{werinsher Ober - Zolldirektor Oldenburg, Großherzoglih sächsisher Geheimer Finanz-Nath Dr. Heer- wart und Großherzoglih oldenburgischer Staatsrath S el k- mann, sind hier angekommen.

__ Der Kaiserliche General-Direktor der Zölle und in- direkten Steuern in Elsaß-Lothringen, Fabricius, ijt in

Berlin eingetroffen,

Als Aerzte haben si<h niedergelassen die Herren Dr. Pindikowski in Marggrabowo, Dr. Maj in Quariß, Dr. Janus<h in Koschentin, Dr, Huberty in Düren.

Hanuover, 18, Ollobder. (N. Hann. Zig.) Jin der heutigen (4.) Sihung des hannoverishen Pro- vinzial - Landtages wurde das Schreiben des Verwal- tungsausscusses, betreffend die Ergebnisse der provin- zialständishen Verwaltung im Fahre 1879, nach län- gerer Diskussion zu den Akten genommen. Darauf wurde der Antrag des Verwaltungsauss{<u}ses, die Bewilligung von 600 A behufs Hebung der Fishzu<ht betreffend, mit großer Majorität genehmigt. Das Schreiben des ständischen Ver- waltungsausschusses, die vom Ausschusse resp. dem Landes- Direltorium erledigten Beschlüsse des 13. hannoverischen Pro- vinzial-Landtages betreffend, wurde zu den Akten genommen.

Der vierte Gegenstand der Tagesordnung war der Antrag des ständischen Verwaltung8ausschusses, den hannoverischen tlosterfonds3 betreffend. Derselbe lautet :

„Der Provinzial-Landtag wolle beschließen: 1) seine volle Befrie- digung daréber anszusprecen, daß die dem Provinzial-Landtage dur das Schreiben des Königlichen Ober-Präsidenten vom 18. Oktober 1876, den hannoverishen Klosterfonds betreffend, mitgetbeilte Denk- {rift in voller Uebereinstimmung mit der Auffassung des Provinzial-Landtages übec den re<tli<en Charakter des han- noverishen Klcstersonds zu dem bestimmten und zweifellosen Gragebniß gelangt, daß der hannoverische Klosterfonds eine mit selbst- ständier juristisher Persönlichkeit versehene Stiftung ist, deren re<ht- lie Vertretung und Verwaltung von der Klosterkammer zu Han- nover geführt wird“, sowie „daß der Stiftungtzre> des Klosters fonds besteht in der angeordneten Verwendung zu Zusüssen für die Lande8universität, für Kirchen und S@hulen, auch zu milden Zwe>ken aller Art“ ; 2) die Vitte auszusprechen, daß 3. dem stän- dischen Ausschusse künstig Gelegenheit gegeben werde, ver definitiver Feststellung des Verwendungsplans der Miltel des Klosterfonds für das näcbstfolgende Jahr im Schoße des Siaats- Ministeriums seine «iwaigen Wünsche zu einzelnen Rubriken defssel- ben vorzutragen, und daß þÞ. bei einzelnen Auégaberubriken, nament- li bei den Ausgaben für die Universität Göttingen, die Ausgaben im Ordinarium und im Extra-Ordinarium getrennt zur Kenntniß des Provinzial-Landtags resp. des ständischen Ausschusses gebracht, und ebenso binsihili< der Ausgaben für tas hötere Schulwesen speziellere Mittheilungen in Betreff der einzelnen Schulanstalten ge- macht werden.

Nachdem Hr. von Bennigsen einen Nü>kbli> über Ent- stehung und Entw >elung dieses Klosterfonds gegeben, wurde vorstehender Antrag ohne weitere Debatte einstimmig ange- nommen.

Das Haus ging dann über zur Berathung des fünften Gegenstandes der Tagesordnung, nämli<h des Antrages des ständischen Verwaitungsausschusses, die Bestimmung einer Frist Ur den Un entgehen Eintritt von NoOLporatio- nen in die Provinzial -Wittwenkasse betreffend, welcher lautet:

Der Provinzial-Landtag wolle beschließen: vom 1. April 1882 an den in den 8, 2 und 3 der Ordnunz für die hannoverishe Pro- vinzial-Wittwer kasse bezeichneten Korporationen den Zutritt zur ge- dachten Wittwenkasse nur unter der Bedingung zu gestatten, daß sie ein Einschußkapital, dessen Höbe in jedem einzelnen Falle vom {tändischen Verwaltungsausschusse na<h Maßgabe der vom Provinzial- Landtaae festzusiellenden Grundsätze bestimmt wird, an die Wittwen- Tasse zahlen. ; l

Der Reserent Schaßrath Hugenberg gab über die Ent- widelung der Kasse die nothwendigen Aufschlüsse. Hier- nah betrug die Mitgliederzahl 691, die Höhe der jährlichen Beiträge 70500 Das Vermögen bestand na<h dem Stande vom 1]. Juli laufenden Jahres aus 136 454 M,

Hauptfonds, 21 685 4 Sicherheitsfonds, 271 388 /4 Waisen-

fonds, sonach in Summa 429 527 (6 Für den Antrag, wie derselbe vorliege, sprächen Gründe der Zwe>kmäßigkeit und der Billigkeit. Bis jeßt seien 23 Korporationen Theilhaber der Wittwenkasse, darunter viele Städte. Die Frage nah den von den Korporationen zu bere<hnenden Entschädigung sei jeßt no< nicht zu beantworten, weil die mathematischen Berechnungen noch nicht abgeschlossen seien. Sei dies ge- schehen, so sei es der Wunsch des Ausschusses, daß der Pro- vinzial-Landtag die Grundsäße feststelle, wona<h der Beitritt von Korporationen zu erfolgen habe.

Nach einer längeren Diskussion, beshloß die Versamm- lung mit überwiegender Majozität, den Ausshußantrag an- zunel men.

Darauf wurde die Gewährung einer Beihülfe an die An- slalt Bethel und an die Anstalt für Epileptishe in Rotenburg nah dem Antrage des Ausschusses bewilligt. Die Versamm- lung ging demnächst zum achten Gegenstand der Tagesordnung, dem Antrage des Ausschusses, betreffend die Abänderung des Negulatives über die Belegung von Geldern des Hannove- rischen Provinzialverbandes und der unter derx Ver- waltung der Organe desselben stehenden Anstalten, Stiftungen und Fonds, über ; derselbe lautete:

Der Provinzial-Landtag wolle beschließen: Sih damit einver- standen ¡u erklären, daß der $. 3 des Regulatives über die Belegung von Geldern de®& Hannoverishen Provinzialverbandes und der unter der Verwaltung der Organe desselben stehenden Anstalten, Stiftungen und Fonds folgende Abänderungen ersabre: 1) In dem Verzeichnisse der anzukavfenden Werthpapiere sind hinter den Worten: „auswär- tige Staaten“ die Worte einzuschieben: „Korporationen und Pfand- brief-Institute*. 2) Dem leyten Alinea ist die nachstehende Fassung zu geben: „Die Kapitalien des Lande8meliorationsfonds, sowie der 9. Theil der Kapitalien des Bau-RNeservefouds dürfen nur in künd- baren Werthpapieren angelegt werden.“

Nachdem der Neferent, Schaßrath Hugenberg, mehrere von verschiedenen Seiten ngeäußerte Bedenken als Miß- verständnisse berihtigt und au<h Hr. Rasch si<h im Sinne des vorliegenden Antrages ausgesprochen hatte, wurde bei der Abstimmung die Ziffer 1 desselben mit allen gegen cine Stimme, und die Ziffer 2 einstimmig angenommen.

Der nun folgende leßte Gegenstand war dex Antrag des ständischen Vervalitinaaa Gu die vom Ausschusse wegen Errichtung einer zweiten Korrektionsanstalt für Männer ergriffenen Maßnahmen betreffend, welcher lautete :

Der Provinzial-Landtag wolle beschließen: die vom ständischen Berwaltungsautschusse auf Gruad der ihm dur< Beschluß des Provinzial-Landtages vom 27. Oktober 1879 ertheilten Vollmacht ergriffenen Maßnahmen in Letreff der Errichtung einer zweiten Korrektioncanstalt für Männer si< zur Nachricht dienen zu lassen und die vorbehaltene Nechenschaftsablegung für erledigt zu erklären.

Dieser Antrag wurde nah einigen Erläuterungen des Referenten, sowie des Schaßraths Hugenberg, ohne Debatte angenommen,

Württemberg. Stuttgart, 20, Oktober. (W. T. B.) Nach einer Mittheilung des „Staatsanzeigers sür Württem- berg“ ist die Beschwerde der Volkspartei über die poli- zeiliche Ueberwachung der von ihr jüngst abgehaltenen Landes- versammlung vom Verwaltungs-Gerihtshofe als

unbegründet verworfen worden, weil das Ret zur |

Ueberwachung politischer Vereine cin Ausfluß des Obter-Auf-

worden seien.

Sachsen-Weimar-Eisenachh, Weimar, 19. Oktober (Weim. Ztg.) Der Großherzog ift, nachdem derselbe dem Dombaufeste in Côln beigewohnt hatte, am 17. d. M. auf der Wartburg angekommen, wohin auch die Prinzessin Elisa- beth übergesiedelt ist. Die Großherzogin gedenkt morgen, von den Niederlanden kommend, in Heinrichau einzutreffen.

Samburg, 18. Oktober. des 16. Oktober ist Dr. Carl Hermann Mer>, seit mehr renn drei und dreißig Jahren Syndicus der Auswärtigen Angelegenheiten, seit nahezu sieben und dreißig Jahren Mit- glied des Senates unserer Stadt, im 72. Lebensjahre den \hweren Leiden erlegen, die ihn bereits seit Jahresfrist dem gewohnten Kreise seiner Thätigkeit entrü>t batten.

Elsaf-Lothringen. Straßburg, 16. Oktober. (Els.- Lothr. Ztg.) Der heute zusammengetretene Bezirkstags des Unter-Elsaß wurde Vormittags 111/// Uhr dur<h den Be- zirks-Präsidenten Bak eröffnet, Anwesend waren 32 Mit- glieder. Hr. Pi> übernahm als Alters-Präsident den Vor- sig. Derjelbe sprach zuersi der Politik unseres Statthalters, welche in überrheinischen Zeitungen eine heftige Polemik er- fahren habe, seine volle Anerkennung aus. Ferner zollte Hr. Pick der Verwaltung des früheren Bezirks-Präsidenten Hen. Ledderhose volles Lob ; sein Nachfolger, Hr. Back, der als exfahrener Verwaltungsbeamter bekannt sei, lasse das Beste für den Bezirk hoffen. Die Versammlung schritt hierauf zur Wahl des Bureaus. Hr. Julius Klein wurde zum Präsi- denten, die Herren Dr. Na> und Pik zu Vice-Präsidenten und die Herren Zorn von Bula<h Sohn, Goguel und von Charpentier zu Sekretären gewählt. Nachdem die verschiede- nen Kommissionen gebildet und denselben die Vorlagen über- wiesen waren, wurde die Sißung geschlossen.

Heute Nachmittag 2 Uhr findet eine Kommissions- und um 4 Uhr die erste Plenarsitzung statt.

Desterreich-Ungarn. Teschen, 18. Oktober. Dem P D O Der gemel Gute ar e Tes<hen ein Uberaus bewegter Tag. D Qaer unternahm Vormittags eine ganze Reihe von Be- sihtigungen. Die herzgewinnende Huld und die leutselige Herablassung, welche der Monarch hierbei wie bei jedem An- lasse zu beweisen unermüdlich ist, steigerten die Begeisterung der Teschener in kaum zu beschreibender Weise. Se. Majestät begab sih heute Morgens in die katholishe Kirche, dann in das Gemeinde-Amt. Jn der Lehrerbildungsanstalt und im Staatsgymnasium nahm d:.r Monarch die Vorstellung des Lehrkörpers entgegen und wohnte einer in Folge Auftrags vorgenommenen Prüfung bei. Jn der evangelischen Kirche empfing der Senior, Dr. Kaatt, Se. Majestät am Fuße der großen Kirchentreppe. Nachdem sodann der Kaiser auf dem vor dem Altare aufgestellten Thronfessel Plaß genommen hatte, drücte Dr. Haase in einer furzen Rede für die der evan- gelischen Kirche Desterreihs gewährte Freiheit des Bekennt- nisses, der Selbstverwaltung und für die Nehtsgleihheit den Dank aus. Sodann besuchte der Yionarch die Volks\hule, wo der Bürger- meister Demel, als Obmann des Ortsschulraths einige ehrfurchts- volle Worte an Se. Majestät richtete, auf welhe dex Kaiser in gnädigen Worten erwiderte. Hierauf besichtigte Se. Ma- jestät das Marodehaus, das Kloster der Barmherzigen Schwestern und der Barmherzigen Brüder, die Synagoge, an deren Eingang Kreis-Nabbiner und der israelitishe Kultus- vorstand längere Ansprachen an den Monarchen richteten und der Kreis-Rabbiner den rituellen Segensspruch rezitirte. Hierauf wurde no<h das Kloster der Elisabethinerinnen, die Ober- Realschule und die Jägerkaserne von Sr. Majestät besucht und kehrte der Kaiser gegen 12 Uhr Mittags in das Erz- herzoglihe Palais zurü.

e, 19, Oltober, (W. D, B) Die ödsterveiGis<e Delegation trat heute zu ihrer ersten Sißung zusammen und wählte den Grafen Coronini zum Präsidenten. Derselbe gab in seiner Rede, mit welcher er das Präsidium übernahm, der Befriedigung darüber Ausdru>, daß der Frieden erhalten sei und betonte, daß das auswärtige Amt bisher stets sein Wort in die Wagschale des Friedens gelegt habe, welcher den Wünschen der Bevölkerung und dem geschichtlihen Berufe der Monarchie entspre<e. Graf Czartoryski wurde zum Vize- Präsidenten gewählt. Seitens der Regierung wurden die gemeinsamen Vorlagen eingebra<ht. Die ungarische De- legation wählte Ludwig Tisza zum Präsidenten und den Kardinal Haynald zum Vize-Präsidenten. Jn seiner Ansprache betonte der Präsident die Nothwendigkeit der Gewährung der erforderlihen Mittel zur Behauptung der Machtstellung der Monarchie bis zur Grenze der Möglichkeit.

Großbritannien ind Irland. London, 18. Oktober. Co) Der Pilz Und die Prinzen von es sind von Schottland nah London zurückgekehrt.

Der Herzog von Aosta verließ am Sonnabend London und trat über Paris die Nü>reise nah Jtalien an.

Der Prinz und die Prinzessin Christian von Schleswig-Holstein kehrten am Sonnabend von Deutsch- land na< Cumberland Lodge zurü>. Jn ihrer Begleitung befand sich die Prinzessin Augusta Victoria, Braut des Prinzen Wilhelm von M M

O Gordon ist von China na< England zurü>- gekehrt,

an Dundee wurde am 16. d. ein kolofsales Stand- bild des schottishen Barden Robert Burns unter ent- sprechenden Feierlichkeiten enthüllt.

Das britische „detahirte Geshwader“ unter dem Befehle des Contre-Admirals Earl Clanwilliam verließ am Sonnabend Abend Spithead, um eine 18monatliche Kreu- zungsfahrt anzutreten. Das Geschwader besteht aus folgenden Schiffen: „Jnconstant“ (Flaggen\chif), „Carysfort“, „Cleo- patra“ und „Bacchante“. Lebtgenanntes Schiff, an dessen Bord sich die Prinzen Albert Victor und George von Wales befinden, wird in Vigo zu dem Geschwader stoßen.

Dem „Standard“ wird aus Kandahar vom 16, d. gemeldet:

»Mr. Lyall hat den Befehl erhalten, unverzliglih bierher zu kommen, Es if vorges{lagen worden, drei Bombavsche Regimenter dur drei Bengalische zu erseßen. Die Nacbricht hat hier große Sensation erregt. Wahrscheinlich wird Kandahar an Abbul Raßman

iei, d 1 tian ania iti Ei arr e wirt nb

übergeben werden; letzterer hat den Wali zu seinem Gouverneur des

Ortes ernaant. Die Engläuder we-den nur fo lange den Play bes | fihtsre<ts der Regierung über das Vereinswesen sei und | seßt halten, bis Abdul Rahman sid in der Laze befindet, ihn zu

weil die Beshwerdesührer dadur in keinem Rechte verlegt | übernehmen.

Ein Theil der Streitkraft unter General Phayre ist jeßt 39 Meilen in das Argandab-Thal vorgedrungen, und der kom- mandirende Offizier meldet, daß die Dortibewchner nicht nach ihren Heimstätten zurückgekehrt seien und das Land unbebaut gelassen werde.“

Dublin, 19. Oktober. (W. L. B.) Das amtli<he Blatt veröffentlicht eine obrigkeitliche Proklamation, dur< welche die öffentlihe Sicherheit in der Graf- schaft Kerry für gesährdet und eine Verstärkung der Polizei sür erforderli<h erklärt wird. Eine weitere obrigkeitliche Be-

4 seßt eine Belohnung von 1000 Pfd. Sterl. (Hatab. Corr.) Am Abend | O eilun A

diejenigen Personen aus, welche dur ihre Mittheilungen zur Festnahme der Mörder des kürzlih ermordeten Down ey bei- tragen können.

Frankreich. Paris, 19. Oktober. (W. T. B.) Der Kriegs-Minister, General Farre, hat an den General de Cissey folgendes Antwortschreiben gerichtet: Jch habe in Jhrem Prozesse die Veröffentlihung zweier Schreiben zurüchalten müssen, die Jhnen zugeschrieben werden. Da Sie die Authentizität dieser Briefe nicht bestritten haben, hielt es die Regierung niht für erforderli, den Unter- juhungsrath zu befragen, und bes<loß, Sie mittelst einer Disziplinarmaßregel von Jhrem Kommando zu entfernen 2 Cer Maßrege die Over _ecrsWeint im Que auf Jhre militärishen Dienste und die hohe Stellung, welche Sie einnehmen. Die anderen Jhnen von den Jour- nalen zur Last gelegten Thatsachen können niht dur< den Untersuhungsrath, sondern nur durch ein Kriegsgericht ver- folgt werden. Jh habe weder in diesen Angriffen no<h in den Thatsachen die Unterlagen für einen Befehl zur Vor- nahme eines informatorishen Verfahrens gefunden; es würde den bestimmtesten juristishen Prinzipien widersprechen, einen solchen Besehl auf Jhr Verlangen zu erlassen. Der Präcedenz- fall, auf den Sie sh berufen, ist ni<ht vorhanden. Es ist Jhre Sache, die Urheber der Beschuldigungen, über die Sie sich beklagen, vor den Gerichten zu verfolgen.

In der heutigen Sitzung des Generalraths des Seine-Departements beantragten Lanessan und Guyot ein Votum, in welchem gegen die von Gambetta in Cher- bourg gehaltene Rede Protest cingelegt und die sofortige Zurückberufung der Flotte aus dem Orient verlangt wird. Der Präfekt des Seine - Departements erhob energischen Ein- spruch hiergegen und beantragte den Uebergang zur Tages- E welcher mit 31 gegen 20 Stimmen angenommen wurde.

Der Dircktor des Journals „Commune affranchie“, Felix Pyat, ist wegen Vertheidigung des Königsmordes in contumaciam zu 2 Jahren Gefängniß und 1000 Frcs. Geldstrafe verurtheilt worden; der Gerant des Journals, Nobert, wurde zu 6 Monaten Gefängniß und 1000 Fres. Geldstrafe verurtheilt.

Griechenland. Athen, 18. Dftober. (W. Pr.) Das in Volo unter Befehl Mehmed Paschas vor Anker liegende, aus fünf Schiffen bestehende türkishe Geschwader hat gestern Befehl erhalten, si< zur Abfahrt bereit zu halten. Nachrichten, die von Thessalien einlaufen, lassen einen Einbruch türkisher Banden an der Grenze befürchten, der A den Ausbruch offener Feindseligkeiten zur Folge haben öante.

Türkei. Aus Cattaro, 18. Oktober, berichtet die „Pol Corr.“: Das Vertrauen auf gütliche oder doch rasche Beilegung der Dulcigno-Affaire hat eine Erschütterung erfahren. Es heißt, daß Bedri Bey, der von der Pforte zum Zwecke der Unterhandlungen mit dem Fürsten Nikolaus von Montenegro entsendete Kommissär, welcher gestern in Rijcka die erste Be- gegnung mit Nika Mattanovich, dem montenegrinishen Kom- missär, gehabt hat, die Uebergabe Dulcignos von unvorher- gesehenen Bedingungen abhängig gemacht hab-, und in Cauaro war heute fogar bas Gert vere breitet, daß dem montenegrishen Delezirten Nika Mattanovic) vom Fürsten Nikolaus der Befehl zum Abbruche der Verhandlungen und zur Rückkehr nah Cettinje bereits zugegangen sei. Der russishe Ministerresident in Cettinje, Jonin, welcher gestern in Cattaro eingetroffen war, in der Absicht, si<h zum Zwecke einer Konferenz mit dem russischen Escadre-Kommandanten Kremer an Bord der „Svjetlana“ zu begeben, erhielt von seiner Regierung die telegraphische Weisung, sofort nah Cettinje zurü>zukehren. Ebenso hat si der französishe Ministerresident Montgascon heute nah Cettinje zurückbegeben.

UUs Skt. Petersburg, 19, Oktober, meldet „W. L, B.“: Die „Agence Russe“ bespricht die jüngste Wendung in der Dulcigno frage und bemerkt, das Versprechen des Sultans, Dulcigno abzutreten, habe eine allgemeine Be- shwihtigung hervorgerufen, da dasselbe zu der Hoffnung be- rehtigte, d-ß die orientalis<hen Angelegenheiten nunmehr in ein normales Geleise kommen würden. Jm Jnteresse des Sultans wäre es, sein Versprchen freimüthig zu erfüllen, während die Beweise bösen Willens, die er seitdem Montenegro gegenüber gegeben habe, die Mächte zu der Ueberzeugung brächten, daß die feste Aufrechterhaltung des europäishen Ein- vernehmens jeßt unentbehrlicher sei als je zuvor.

Numättien, Au3 Rustschuk, 13. Oktober, {reibt ein Correspondent .der W. „Presse“: Die Erscheinungen, welche gegenwärtig die Dobrudscha darbietet, sind nicht unbefrie- digend. Wenn au< nicht behauptet werden kann, daß ih das Land von den Wunden, die ihm der leßte Krieg geshlagen, gänzlih erholt hat, so sind do<h die alten Uebelsiände, die theils aus der s{hle<ten Civilverwaltung, theils von der türkishen Jndolenz und Unwissenheit herrührten, gewihen und hat die Mißwirthschaft einer mehr occidentalen Administration Play gemacht. Den durch den Krieg verarmten Bewohnern, deren Felder während der russishen Okkupation lange Zeit brachliegen mußten, stellte die rumänische Negierung die Quantität von Cerealien, die zur Einsaat ihrer Felder nöthig war, unentgeltlich zur Verfügung. Die Tataren, die unter der türkishen Herrschast sehr übel behandelt wurden, konnten anfangs nicht begreifen, wie eine Regierung so viel für ihre Unterthanen thun könnte. Ein wohl- habender Tatar, mit dem ich einigemal in Berührung kam, drü>te sih sehr {<meicelhaft über die Rumänen aus und ver- sicherte mi, daß in wenigen Jahren die Bewohner der Do- brudscha, wenn au<h nicht reiche, so doh wohlhabende Leute wer- den müssen. Jn jedem Marktfleken und Dorfe sind Schulen errichtet worden, in welchen Knaben und Mädchen, ohne Unter- schied des Glaubens, unterrichtet werden. Jh besuchte in

Medschidje eine diejer Schulen und war nicht wenig erstaunt, die tataris<hen Knaben, welche sih gerade niht des Nufes er- freuen, intelligent zu sein, so geläufig rumänisch sprechen zu hören. Küstend)che (Tomi), dieses am Schwarzen Meere gelegene und dur< Ovids Verbannung beïannte Städtchen, hat in zwei Fahren so bedeutende Fortschritte gemacht, daß Derje- nige, der es unter den Türken einmal gesehen, es heute kaum wiedererkennt. Boulevards nach europäisher Art, gepflasterte Siraßen, neu aufgeführte Privat- und öffentliche Gebäude geben der von der Natur so begünstigten Stadt ein groß- städtishes Gepräge. Durch das Wiederaufblühen Küstendsches wird Mehadia selbstredend bedeutend verlieren, da die vie- len rumänischen Familien, die zum Kurgebrauch jeden Som- mer dahin reisten, von nun an nah Küstendsche reisen werden.

Aufland und Polen. St. Petersburg, 17. Oktober. (St. Pet. Ztg.) Aus Livadia veröffentlicht der „Reg.- Anz.“ nachstehendes Telegramm vom 4./16. Oktober: Anläßlich des Festes der eigenen Eskorte Sr. Majestät und des Leibgarde- Kosakenregiments Sr. Majestät wohnte der Kaiser heute dem Gottesdienste und der Kirchenparade bei. Nach Beendi- gung der Parade fand im Allerhöhsten Beisein ein Mittags- mahl der Untermilitärs der kaukasish-n Kuban-Garde-Kofaken- halbdivision der eigenen Eskorte Sr. Majestät statt, und nah demselben waren die Offiziere der Halbescadron und die da- selbst anwesenden Offiziere des Garde-Kosakenregiments zun Frühstü> zur Allerhöchsten Tafel geladen.

_ 19. Oftober. (W. T. B.) Die Geseßsammlung ver- öffentlicht cinen Allerhölsten Befehl, betreffend die Ko m petenz der vor Kurzem zur Revision der inneren Gouverne- ments abgeordneten vier Senatoren. Nach demselben er- stre>t si die Kompetenz dieser Senatoren auf die Nevision sämmtliher Behörden ohne Ausnahme, wobei sie ermächtigt sind, Beamte in Anklagezustand zu verseßen und eventuell abzufeßtzen. D

20. Dftoker. (W. T. B.) Der Minister des Jnnern, Graf Loris-Melikoff, hat dem Blatte „Rossia“ den Einzelverkauf entzogen.

Dänemark. Kopenhagen, 19. Oktober. Durch eine Königliche Resolution vom 16. d. werden auf Grund des vom Reichstage in der leßten Session angenommenen Nach- trages zum Armeegeseße folgende Veränderungen in der Organisation der Armee, vom 1. November cr. an ae- rechnet, befohlen: Die Halbbrigaden der Jnfanterie werden zu Regimentern formirt; die Reserve-Bataillone der Infanterie werden zu Linien-Bataillonen, die Neserve-Escadronen der Ka- vallerie werden zu Linien-Escadronen und die Reserve-Batte- rien der Artillerie zu Linien - Batterien umgebildet ; jedes Artillerie-Negiment wird aus 6 Linien- und 2 Verstär- kungs-Batterien formirt und in 2 Abtheilungen eingetheilt ; die Train-Abtheilungen werden von den Artillerie-Regimentern getrennt und zu einer selbständigen Abtheilung formirt; das 1. und 2. Fngenieur-Bataillon werden zu cinem Ne- giment zusammengezogen. Die Regimenter der Infanterie erhalten die fortlaufenden Nummern 1 bis 10, so daß die 1. Halbbrigade der 1. seeländishen Brigade: 1. Regiment ; die 2. Halbbrigade der 1. seeländishen Brigade: 2. Regiment U. f. w. benannt wird. Die jezigen Linien-, Reserve- und Verstärkungsbataillone behalten in den Regimentern ihre bis- herigen Nummern. Die Abtheilungen der beiden Artillerie- Regimenter erhalten die Nummern 1 bis 4, die Linienbatterien die Nummern 1 bis 12 und die Verstärkungsbatte-ien die Nummern 13 bis 16, Die Abtheilung, welche aus den jeßigen Train-Abtheilungen gebildet wird, wird Train - Abtheilung benannt. Die Linien-Compagnien der Festuz1gs-Artillerie er- halten die laufenden Nummern 1 bis 6 und die Verstärkungs- Compagnien der Festungs-Artillerie die Nummern 7 bis 9. Das aus dem 1. und 2. Jngenieur-Bataillon zu bildende Regiment wird Jngenieur-Regiment benannt. Durch eine fernere Königliche Resolution vom 16. d. werden die «Furis- diktion8verhältnisse der Armee vom 1. November d. L O geordnet.

Amerika. New-York. 19. Oktober. (W. T. B.) Bei einem in Mentor abgehaltenen Empfange von etwa 500 Deutschen gab der Präsidentschafts-Kandidat James A. Garfield der Hoffnung Ausbru>, daß die nah Amerika kommenden deutshen Einwanderer das Land bald zu ihrer Heimath machen würden. Sodann beglüc>wünschte Garfield die Deutschen zu der Vollendung des Cölner Doms, der durch den Deutschen Kaiser dem Frieden geweiht sei.

Mittelamerika. Mexiko. (Allg. Corr.) Berichten aus Mexiko vom 8, ds. zufolge, hat der Präsident Gonzal:s das neue Kabinet unter der Premierschaft von Señor Vicente Riva Palacio, der zu gleicher Zeit das Portefeuille der Auc- wärtigen Angelegenheiten übernommen, definitiv konstituirt, S Porfirio Diaz wurde zum Oberbefehlshaber der Armee ernannt.

Nr. 51 des Amtsblatts des Reichs-Postamts hat folgenden Inhalt: Verfügungen: Vom 7. Oftober 1880. Erlaß einer Anweisung für die gemeinsame Sekretärprüfang. Vom 11. Oktober 1880. Verbot des Einlegens von Geldstücken in Einschreib- briefe des internationalen Verkehrs. Vom 10. Oktober 1880. Statistishe Ermittelungen über Eilsendungen, Postkarten mit be- zahlter Antwort, Geschäftspapiere, Nückscheine zu Einschreibsendungen und über Zeitungen. Vom 12. Oktober 1880, Ecöffnung der Eisenbahn Dittersbah-Neurode.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Im Verlage von Paul Nef in Stuttgart is erscienen: Deutscher Wortschaß oder Der passende Ausdru>, Prak- tishes Hülfs+ und Nxcbs(lagebu<ß in allen Verlegenbeiten der scriftliben und mündlichen Darstellung, mit cinem den Gcbrau erleihternden Hülfswörierbu<h, bearbeitet von A. Swlessing, Verfasser verschiedener sprahwissenschaftliher Werke. Der häufig eintretenden Schwierigkeit, {nell den „passenden Ausdru>* zu finden, um cine dem Geiste vorshwebende Idee in korrekter und bündiger Weise wiederzugeben, hat für England Pr. Rogets Theosaurus of English words („Englischer Wortschaßz“) abzuhelfen gesubt, dessen Zweckmäßigkeit die {nell auf einander folgenden und ra\< veragriffe- nen Auflagen bewiesen haben. Der „Deutsche Wortsch28“ soll nun dem si der deutschen Sprache in Schrift oder Rede Bedienent e1 ein ähnliches Hülfs- und Handwörterbuch zum Auffinden des „Passen- den Ausdru>ks“ in einfacher und leit verständlicber Weise bieten. Sämmtliche Ausdrücke sind nah Begriffen in 1000 Nummern ein- getheilt; die verwandten Brgrifféfamilien folgen einander in un- mittelbarer Reihenfolge, während in der ncbenan stehenden Kolonne die entgegengeseßten Begriffe sich ihrem Gegenasate anschließen. Der