1880 / 296 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Verkehrs: Anftalten:-

(Cöln. Ztg.) Der Mont-Cenis-Tunnel senkt si der französishen Seite, so daß die Compagnie Paris-Lyon-Médi- terranée einen neuen Eingang in denselben bohren lassen will, der, eiwa 1000 m von der jeßigen Oeffnung beginnend, bei 600 m Ab- ftand in den alten Tunnel münden soll. Man meldet, daß \{chon 900 m des neuen Weges angebohrt sind.

Trieft, 15, Dezember. (W. T. B.) Der Lloyddampfer „Dreste“ ist heute Abend mit der ostindish-chinesishen Ueber- Iandpost aus Alexandrien hier eingetroffen.

Southampton, 15. Dezember. (W. T. B.) Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Oder“ ist hier eingetroffen.

Berlin, 16. Dezember 1880.

Preußische Klassenlotterie. (Dhne Gewähr.) Bei der heute beendigten Ziehung der 3. Kla}, 163. Königlich preußischer Klassenlotterie fielen : 1 Gewinn von 3000 #4 auf Nr. 26 182. 2 Gewinne von 1800 6 auf Nr. 7889. 60 499. 2 Gewinne von 900 4 auf Nr. 599. 53 380. 13 Gewinne von 300 6 auf Nr. 641. 1 656. 23 145. 31901. 60488. 68459. 70261. 76 797. 83105. 83431. 88187.

16 850. 80 126.

Der Courierzug 4 der Ostbahn traf heute um 8 Uhr 20 Minuten anstatt um 6 Uhr 10 Minuten Vormittags hier ein. Grund der Verspätung: Reifenbruch der Zug- maschine zwischen Eydtkuhnen und Stallupönen.

__ Morgen Freitag, den 17. Dezember, findet eine König- liche Parforce-Jagd statt. Nendezvous: Mittags 1 Uhr zu Fagdshloß Grunewald.

Der am 13. d. M. verstorbene Professor Martin Gropius, 1824 geboren, hatte seine Ausbildung als einer der begabtesten Schüler Karl Böttichers, tes Autors der „Tektonik der Hellenen“, auf der Berliner Bauakademie erhalten, sein künstlerishes Wissen aber durch wiederholte Reisen in Italien, Frankreich, England und Griechenland nah den verschiedensten Seiten hin erweitert, so daß er obscon ein entshicdener Anhänger der turch Schinkel begrün- deten Ricktung der neueren Baukunst doch in seinem ganzen Schaffen sih voa aller Einseitigkeit frei zu halien und den auf eine reichere Entfaltung kürstlerisher Mittel gerichteten modernsten Bestrebungen nicht blos zu folgen vermochte, fon- dern mehrfach sogar, durch cine außergewöhnlihe Begabung unterstüßt, auf dem Wege dieser Entwickelung leitend aufzutreten vermochte. Von dem Privatbau ausgehend, bereicherte er die Haupt- ftadt und deren nächste Umgebung in einer ansehnlichen Reibe ge- lungener S{öpfunaen, von denen nur tas Mendelsfohnscbe Haus in der Französischen Straße, das Grunertsche in der Victoriastraße, das Eggers\he am Karlsbad, die Villa Haase am Lüßower Ufer, die Villa BVleichroeder und die Villa Warschauer in Charlottenburg, so- wie vor allem auch das einfa s{chöône Lessinashe Haus in der Doro- theenstraße genannt sein möge, um eine Anzahl der trefflichsten neueren Bauten. Jn der Entwickelung der Façaden, wie in der Disposition der Grundrisse bekundet si in ihren bei mannigfach wechselnder Erfin- dung durchweg der feine und maßvolle künstle:ishe Sinn, den in gleicher Weise avch die jür öffentliche Zwecke bestimmten Gebäude der Handel?gesellshaft uud des Kassenvereins, die umjiassende Anlage des städtischen Krankenhauses im Friedrichshain und versciedene aus- wärtige Bauten verwandter Bestimmung, der Umbau des prorisori- hen Reichstagsgebäudes, die Gebäude der Universität und der Bank zu Kiel und \{ließlich der Neubau für das Berliner Kunstgewerbe- Museum, das letzte, der Vollendung nahe Werk des Meisters, sowie zahireihe Konkurrenz - Entwürfe füc größere monu- mentale Bauten u, a. für den Berliner Dom und für den Reich¿tag offenbarend. Neben ihren rein architektonischen Vers dicnsten aber sind niÞt wenige dieser Gebäude zugleich ein sprechen- der Beweis des namentlich auf eine reicbe und dabei vornehme far- bige Wirkung ausgehenden dekorativen Geshmacks, darch den Gro- pius zu eirem bedeutenden Einfluß auf die neuere Entwickelung des Berliner Kunstgewerbes berufen und befähigt war. Wie er in dem Siztzungsaal des xrovisorischen Reichstagsgebäudes mit seiner an die besten Vorbilder der Renaissance crinnernden Kassetten- dede ein Muster einer bei \{lichter Vornehmheit doch reichen und energischen, harmonisch gestimmten Innendekoration hinstellte, so gab er in dim von ihm umgebauten Friedenthalschen Hause in der Lennéstrafe zu Berlin cia erstes und crlcesenes Beispiel der Verwen- dung farbiger Viajoliken für den äußeren Façadenshmuck und eine noch reihere Entfaltung derartiger Effekte weist das neue Gebäude des Gewerbemuseums auf, dessen künstleriscer Durchbildung er sich mit derselben Hingabe widmete, mit der er als einer der Gründer dieses J.ftituts und als Mitglied des Vorstandes desselben die Interessen des deutschen Kunstgewerbes zu fördern suchte.

Die gestern, Mittwoch, Abend in cinem Fraktionszimmer des Reil; 8- tag8gebäudes unter Vorsitz des Abg. Dr. Renßsch stattgehabte Aus- \{ußsißzung des Centralecreins für Hebung der deutschen Sluß- und Kaualschiffahrt war zahlreih besucht. Professor Dr. S{lichting (Berlin) referirte über eine umfangreiche Arbeit des Direktor Bellingrath (Dresden), „die Reform der Main- \{hifalrt“, betreffend. Des Weiteren mate Prof. Dr, Schlichting Mittheilung von einer umfangreichen Arbeit des Donau-Sciffahrts- vereins, wonach dieser Verein die Regulirung der Donau am soge- nannten Eisernen Thor, das rechts von Serbien und links von Ru- mänien begrenzt wird, beabsichtige. Ohne diese Regulirung könne von einm Schiffahrtsverkehr auf der Donau überhaupt keine Rede sein. Es werde beabsichtigt, auf der zu regulirenden Strecke 2 m Fahrtiefe zu schaffen. Die Versammlung beschloß ferner, ein Comité von 5 Personen mit dem Rechte der Koop- tation zu wählen und dieses zu beauftragen, eine Denk- {rift auszuarbeiten in Bezug auf die Regulirung der natür- lien und den Ausbau der künstliben Wasserstraßen und zu erwägen: ob und zu welcher Zeit dahin zielende Eingaben an die Regierung, den Landtag bezw. Reichétag zu richten seien, eventuell diese Eingaben vorzubereiten. Ministerialdicekkor a. D. Weißhaupt ras hierauf über die Touage auf der Oder zwischen Stettin und

res[au.

Witterungsverhältnisse im nördlichen und mitt- leren Deutschland während des November 1880,

Die Witterung des diesjährigen November war auf dem ganzen Beobachtur gscebiete im Allgemeinen mild und die Anfänge zu rauherem und mehr winterlichem Wetter, wie sie beim Beginne des Monats und dann noch cin paar Mal im Verlauf desselben auf- traten, waren nur von kurzem Bestande, Während im Durchschnitt die mittlere Temperatur des Novembers der des Oktobers 5 bis 7 Grade nachzustehen pflegt, war in den westlichen Provinzen der Nor

auf |

Oktober viel reicher, als der November, denn die Menge derselben erreichte im November meistentheils kaum die Hälfte des Quantums, | welches im Oktober gefallen war, obgleih die Anzahl der Tage mit | Niederschlägen in beiden Monaten nicht viel von einander abwich. | Auch erreichte die Anzahl der trüben Tage im November nicht ganz dieselbe Höhe, wie im Oktober, heitere Tage aber gab es im No- vember nicht viel, aber doch mehr, als im Oktober. Ganyz überwie- ge-d kamen überall die Winde der äquatorialen Strömung, nament- li die Südwestwinde, zur Geltung; an vielen Stationen wehten die dem Polarftrome angehörenden Winde entweder garnicht oder nur ganz vorübergehend. Mehreremal traten unter starken barometri- {en Schwankungen die Luftströmungen mit großer Heftigkeit auf. Jn den ersten Tagen des November schien die Witterung einen winterlichen Charakter annehmen zu wollen. An mehreren Stationen vollzog ih am ersten Monatstage ter Umschlag von milderem zu rauherem Wetter. Am Morgen stand das Thermometer noch verhältnißmäßig hoch. Da stellten sich bei lebhafter Vewegung der Atmosphäre Re- gen ein, meist abwechselnd mit Schnee und Graupeln, die Tempera- tur nahm mehr und mehr ab und in der darauf folgenden Nacht sank in den östlichen Provinzen und auch an einigen weiter westlich gelegenen Stationen das Thermometer unter den Gefrierpunkt. Im äußersten Nordosten wiederholten sih Regen, Schnee und Graupeln oder Hagel auch in den folgenden Tagen, weiter westlich aber klärte sih das Wetter bereits am 2. November mehr und mehr auf. Bei steigendem Barometer gewann auf einige Zeit der Polarftrom die Oberhand, zugleich aber nahm die Wärme mehr und mehr ab. An den meisten Stationen war der 4, oder 5. November der kältefte Monastag und es fiel auch das obsoluteWärmeminimum vielfach auf einen dieser beiden Tage, den 6. November änderte sich das Wetter wieder. Der wieder eindringende West- und Südwestwind führte zwar eine Trübung der Atmosphäre, Nebel und Sprühregen, zugleih aber auch eine Tem- peraturerhöhung herbei, so daß der 6., 7. und 8. November im Durchschnitt 5 Grad wärmer waren , als die ersten Monatstage Mit dem 9. November nahm die Witterung von Neuem einen etwas rauheren Charakter an, der an den Stationen öftlich der Elbe auch den 10, und 11. November anhielt, so daß diese drei Tage 5 bis 6 Grade fälter waren, als die vorhergehenden; überall fielen hier auch jeßt Regen, Schnee und Graupeln, wenn auch nit in großer Menge. In den Gegenden westlich der Elbe dauerte das rauhere Wetter nur den 9, November, {hon der 10. November war toieder milder. Schnee fiel in dieser Zeit mit Ausnahme von Clausthal und der auf dem Brocken gegründeten Station in den westliben Provinzen nicht. Den 12. November begann überall das Barometer zu sinken; die südlichen und westlichen Winde, die jeßt auf dem ganzen Beobachtungsgebiete ohne Unterbrechung wehten, steigerten fich zu wiederholten Malen zu heftigen Stürmen, die oft einen ganzen Tag und darüber anhielten. In dieser Zeit trat eine Wärmesteigerung ein, wie sie in der Mitte des September wohl nur felten vorfommt, und zwar vollzog sih diese Steigerung im Osten später, aber rascher als im Westen. Die folgende Ueber- sit enthält die Tagestemperaturen des 9. bis 14. Novemker für einige Stationen aus verschiedenen Gegenden. Um den Unterschied, der bei größeren Er! ebungen stattfindet, erkennen zu lassen, ist in dieser Uebersicht Eichberg am Fuße des Riesengebirgcs und die in unmittelbarer Nähe davon, 1337 m höher gelegene Gi fclstation Schneekoppe mit aufgenommepy. A Een De D

10, Königsberg 0,5 —1,3 Bromberg O - Breslau 0,2 Eichberg —1,8 Schneekoppe --12,1 Berlin 1,8 Hannover U

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bis 14, November. 1 12 3

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Münster 6 ; Cöln 20 0 / 9,6 1 BO In Berlin, wo nach 30 jährigem Dur(bschnitt die mittlere Temperatur des 14. November 3,1 Grad beträgt, hatte dieser Tag im jeßigen Jahre einen Wärmeüberschuß von 9,1 Grad. Am wärmsten war in den leßtvergangenen 32 Jahren der 14. November 1875 und 1877, aber doch immer nur 9,8 Grad, also immer noch 24 Grad weniger, als im jeßigen Jahre. Das schnelle Steigen ter Wärme nah der Mitte des November hin ergiebt sich auch aus folgender Uebersicht der Temperatur der 3 ersten Movaispentaden: 2.—6. November, 7.—11. November, 12,—16. November. Die durchscnitt- liden in Klammern beigefügten Temperaturen gehen abnärts, während die diesjährigen dem entgegengeseßt aufsteigen. Temperaturen der 1,, 2. und 3. Novemberpentade.

2 —6. 7.—11. 12,—16.

0,8 (4,5) 0 (2,9) O 0,4 (4,8) 3, 6,5 (1,3)

0 O 31 8,0 (2,2) 2,0 (6.0) 5 (4, |

1 6,3) ;

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Königsberg Bromberg Breslau Berlin Hannover Münster 0,7 (3,4) 5,6 (5,1) 3,6

Cöln 260.2) 6,4 (5,9) (4,8)

Das Barometer, welches in der Miite des Monats überall niedrig stand und an den meistcn Stationen den 16,, an einigen westlichen erst 3 Tage später sein Minimum erreichte, fing bald darauf ras zu steigen an an mehreren Stationen rom Abend des 19. bis zum Morgen des 21, Novcmber um 30 mm —, der Polarstrom trang in die warme und feuchte äqratoriale Strömung ein und den 21, oder 22. November beobachteten fast sämmtliche Stationen Schnee oder Glatteis; die Temperatur aber giag vom 14. bis 21. November um 11 bis 14 Grade wieder herab. Von Neuem bob si die Wärme in der leßten Woche des Mona!s, wenn auch weniger bedeutend, als in der Mitte desselben, so daß der 27, November dem 14. nur etwa um 2 bis 3 Grade an Wärme nachstand. Niederschläge, und zwar nur in Form von Regen, fielen in den leßten Tagen des Monats nur wenig, dagegen wurden Nebel und Reif in den Morzenstunden vielfach beobachtet.

Mittlere Temperatur im November 1880 nebst den absoluten Extremen in Graden nach C.

Marimum: Minimum:

5 1 9

Mittlere Tems- PELUTUT!

Stand:

Stand: Froft- tage

Claußen.. 21 Königéberg

Hela Lauenburg. C BWrombvera . Breslau CiMbera. Wand O Schneekoppe —3,7 Wo O Ou Breitenbach Wern DUTbUS Hamburg. Hannover...

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vember in diesem Jahre kaum 4 Grad, in den östlihen nur 2 bis 3 Grade kälter, als der vorhergehende Morat, ja es gab Stationen, z- B. Breslau und Torgau, an denen das absolute Wärmeminimum im Oktober niedriger lag, als im November. Im äußersten Nord- often war anch die Anzahl der Frosttage im November nicht bedeuten- der, als im Oktober. Eine Vergleihung des diecjährigen mit dem vorjährigen November ergiebt, daß leßterer ersterem 2 bis

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Clausthal . Em Deut. i Cöln WaVel Trier Varmsitadt

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Eistage, d. h. Tage, an denen das Wärmemaximum unter 0 Grad bleibt, hatten von obigen Stationen Claußen, Coniz, Emden und Münster je einen, Lauenburg und Schreiberhau je 2, Clautthal 3 Großbreitenbach 4, Kirche Wang 6, die Schneekoppe 18. Mittlerer Barometerstand im November 1880 nebst

den Extremen, ausgedrückt in Millimetern. _Seehöhe, Mittl. Baro- Maximum Minimum in Metern. meteritand. Tag Stand. Tag Stand.

22,6 758,0 2 106 15 Es Lauenburg 29,4 56,9 21 _TIBA4 T T5 Conißk 157 43,8 21 G0 T 24,4 Bromberg 47 57,2 21 1 37,6 Breslau 147,4 50,2 28 63T 18 30,1 Eichberg 348 31,2 28 438 16 13,4 Schneekoppe 1604 625,6 29. 6398.17.18 6115 Görliß 217 743,0 28 I 16. ss Torgau 102 53,2 28 O 16 ALL Breitenbach 630,5 06,9 28 206 16 O87 Berlin 49 O1 28 709 10 T0 Putbus 53 53,9 21 Aa 16 30,3 Pannove 20 58,8 21 45 16 33,0

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Königsberg

annover 61,5 55,9 28 701 16 301 mden 8,5 603 21 T8 16 30,2 nster 56,9 56,5 28 O6 19 27,2 Cöln 60,5 57,9 29 O0 19 30,0 Aachen V 44,6 28 089 19 15,8 Trier 150,5 48,8 28 629. 19 241 Hechingen 506 17;8 28 294 I C01 In der folgenden Uebersicht bedeuten die neben den mittleren Temperaturen in Klammern beigefügten Zahlen durchscnittliche Mittelwcrthe, wie sie sib aus den LVeobahtungen einer län:eren Reihe von Jahren ergeben haben. Ebenso is es bei der leßten die

Niederschläge betreffenden Uebersicht. Höhe der Niederschläge in Millimet ern im November 1880 Anzahl der Tage mit Nieders{blägen u. f. w.

Hôhe der Größte Höhe Tage mit Heit. Trübe Niederschläge Tag Höhe Niederschl. Tage Tage.

Lau G 6,7 20 G

Königsberg 3 (G00) 14 9,7 24 13

Dea N 13 6,0 13

Batten durg 0 C00 14 142 13 Conißtß. (35,6) 1 6, Bromberg (41,1) T 124 Breslau . 2239) l 7,0 Eichberg . O) 18 90 O S L 139 Schneekoppe 8 4 LES5 Görlitz 4 102 Torgau : 16 5,9 Breitenbach 5 2 Berlin 13 6,0 Putbus 14 169 Hamburg 13 13,0 Hannover 14 T3 Clausthal . 13 28,6

Emden. 19 460 Uer 19 188 16 Cöln

i 5 16 7,8 14 Aachen. O 18 16: 18 L O O Data ot. O) D 109 18 é: Hechingen (48,4) 19 D T 23

__ Die Anzahl der Schneetage war nicht arcß; mehr als 5 hatten Köntgsberq (6), Lauenburg und Clausthal (7), Wang und Schnee- koppe (10). A,

Claußen .

14 7 18

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Auf d:-m durch Sccheffels „Ekkechard" weithin bekannten Hohentwœiel im Hegau wurde jüngit dem tapferen Konrad Wiederhold, der von 1634 bis 1640 Kommandant der Veste war, ein Denkmal erritet. Die Erzbüste des Helden rutt auf steinernem Scckel und steht zwischen rer alten Herzog8burg und der sogenannten Wiederholdskirche.

(N. Zür. Ztg.) Die „hohle Gasse*“ bei Küßnacht soll anläßlih der Anlage der Eisenbahnstation Immersce korrigirt wer- den. Der „Bote der Uiscweiz“ wünscht, daß dieser mit der Tells- fange so nahe zusammenhängende und schon dadur allcin wirklich historishe Punkt nicht dem Alles nivellirenden Einfluß der modernen Zeit ¿zum Dpfer falle und auch in Zukunft „kein andrer Weg nach Küßnacht“ führen möchte als eben die alte „hohle Gasse.“

London, 13. Dezember. (Alg. Corr.) Während der ver- gavgenen Wocbe wurden 33 britisce und ausländishe Schiff brü che gemeldet, wodurch die Gesamuntzahl für das laufende Jahr auf 1551 gebracht wird, d. i. eine Abuahme von 9 im Vergleich mit demselben Zeitraume des Vorjahres. Der annähernde Werth des verloren gegangecen Eigenthums betrug 2500000 Pfd. Sterl., darunter 2000000 Pfd. Sterl. britishes. Bier Schiffe gingen an den Küsten des Vereinigten Königreichs ¡u Grunde und 10 rourden auf offener See verlassen.

Die Vorstellungen des Circus Renz behaupten durch immer wieder neue Abwechselurgen eine fortdauernde Anziehungskraft. Das weite Haus ift allabendliÞ auf allen Plägen gefüllt, denn das um- fangreihe Programm ist stets so geschickt zusammengestellt, daß jedem Gesckmalke Rechnung getragen wird. So hat denn Hr. Direktor Renz jetzt bereits das dutte Ausftattungsück in sein diesjähriges Repertoire aufgenommen; dasselbe ist „Napoli oder Salvator Rosa und die Banditenfürstin“ betitelt, Zwar isr das Stück \chon im vorigen Jahre im Circus Renz aufgeführt worden, doch ift es jeßt wieder neu inscenirt und geht durch den Reich- thum und Glanz seiner Ausstattung zu den beltebtesten Piecen dieser Art. Die eque|trischen Aufzüge und charakteristischen Tänze find mit großem Geschmack arrangirt; die Fostüme und sämmtliche son- stigen Requisiten von bester Arbeit und die mit vieler Gewandt- heit und Exaktität ausgeführten Aufzüge mit ihrem schillernden Farbenreihthum erfreuen das Auge în der angenehmsten Weise. In buntem Weäsel ziehen die belcbten Bilder italienishen Volks- lebens an unserem Auge vorüber; angeneßme Einlagen bilden die in die verschiedenen Bilder passend eingereihten Tänze. So sehen wir im ersten Tableau: einen neapolitanischen Fischertanz, cine Siciliana und ci:e Tarantella, im zweiten Tableau ein effektvolles Pas strategique, und als präctigstes Bild in der leßten Abthei- lung eine glänzend inscenirte „Große Modell - Scene“. Eine weitere Bereicherung haben die Vorstellungen des Circus Renz durch das Auftreten der Miß Emma Jutau erfahren, welche gestern zum crsten Male debütinte. Die Künsttecin, eine junge Amerikanerin von s{öôner Ersc{cinung, erregte aligemeine Bewunderung und leb- haften Beifall durch die erstaunliche Sicherheit und Kraft ihrer Pro- duktionen.

Redacteur: Riedel. Verlag der Expedition (Kessel). Druckt W. El2re x,

Berlin:

3 Grade an Wärme nachstand. An Niederschlägen war dagegen der

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Fünf Beilagen (einschließlich Börsen-Beilage).

zum Deufschen

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Deutsches Neich.

NaGPweisun( ger Einnahme an Wecselstempelsteuer im Deutschen Reiche für die Zei

g t vom 1. April 1880 bis

Erste Beilage

Berlin, Donnerstag, den 16. Dezember

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zum Schlusse des Monats November 1880,

E 1; „A Einnahme

im Monate November 1880.

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1, Im Reichs-Postgebiete. | 1) Königsberg 9) Gumbinnen 3) Danzig - 4) Berlin . 6) Potsdam

Ober - Post - Direktions - Bezirke. é.

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)\ Frankfurt a./D. . Ste s) Köslin .

9) Posen

10) Bromberg - A1 Breslau

12) Liegniß .

13) Oppeln.

14 Mügveburg 15) Halle a./S-. | 16) Erfurt . 11061 80 17) Kiel C 5793 | 10 So 6 342 40 R U a 2 059 40 20) Minden E 6 148 | 90 21) Arnsberg . 16945 | 60 C _3 529 | 15 23) Frankfurt a./M. 29 547 | 80 94) Cöln 16 195 | 15 25) Aacben . 7 587 s 26) Coblenz 3 239 L 27) Düsseldorf 36 340 0 28) Trier 2122 | 60 29) Dresden 10 905 | 60 30) Leipzig - 29 125 90 31) Karlsruhe . 16 442 10 39) Konstanz 5 152 89 n Darmstadt 11 698 | 40

20 217 | 40 8774 | 65

34) Schwerin i./M.. 1 182 80 35) Oldenburg 36) Braunschweig 37) Bremen

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4 585 | 90

Hierzu Einnahme in den Vormonaten.

80 80 333 90 19 658 | 50 76 434 | 70 399 305 20 21 044 | 50 46 894 | 70 51 107 40 12 680 35 29 027 55 19 902 50 99 325 40 49779 | 80 38 544 | 118 882 52 227 63 460 39 763 41 598 12 593 37456 | 110 632 93 712 204 030 100 510 51 750 21 769 244 130 14 798 76 150 220 587 101 035 36 483 68 841 13 846 | 40 26 297 | 70 80 31252 | 90 95 123 882 | 90 465 589 | 10 113 080 | 75

3. 4. 5 6.

Einnahme in dem- selben Zeitraume des Vorjahres (Spalte 4).

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In 1880/81 + mehr weniger Á. |

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91182 | 80 22 388 | 90 85 873 | 05

448 439 | 70 23 861 | 45 53 856 | 15 59 251 | 35 14 238 | 30 33 047 | 50 22 645 | 20 112 761 | 10 56 884 | 39

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O D dD

491 239 | 43 454 | 00 18 199 |

Summe 1. M Baer S I, Württemberg

50 25 425 | 50 [39 3 303 829 | 15 263 154 | 50 95 123163 | 35

02 063 | QETD 18 2453

3375068 | 50 3 823009 306 608 | 50 297 435 141 363 | 30 138,909

Ueberhaupt Berlin, im Dezember 1880.

992 893 | 30 | l

Nichtamtliches.

Preußen. Berlin, 16. Dezember. Fm weiteren Verlaufe der gestrigen Sipung des Herrenhauses er- klärte bei der Diskussion über den Bericht, betresfend die Bau - ausführungen der Eisenbahnverwaltung während des Zeitraums vom 1. Dftober 1879 bis dahin 1880, auf die Anfrage des Fürsten zu Putbus hinsichtlih der Nordbahn, der Minister der öffentliGen Arbeiten, Maybach, daß die Staatsregierung die zur Verwendung gelangten Gelder nur zu den Zweden verwendet habe, “für welche sie bewilligt seien. Uebrigens habe er bereits früher auf eine desfallsige Ansrage des Fürsten zu Putbus dem- selben eine ausführliche Darlegung über die Verwendung der Gelder zugehen lassen, auf die er jeßt nur wieder verweisen fönne. Weitere Bauausführungen, insbesondere die Verbin- dung Stralsunds mit der Junsel Rügen, die von ver- schiedenen Seiten gewünscht worden, seien durch die bewilligten Summen nicht zu ermöglichen gewesen. Dem anderen Hause liege jeßt der Antrag vor, die Gelder sür eine Sekundärbahn nach Nügen zu verwilligen. :

Auf eine Anfrage des Herrn Rautenstrauch konstatirte der Staats-Minister Maybach, daß die neuen Bahnhofsgebäude in Trier nur provisorisch seien, der Bau definitiver Ge- bäude in Aussiht genommen sei. n

Der Bericht wurde darauf als dur Kenntnißnahme er- ledigt erklärt. Es handelte sich ferner noch bei demselben Gegenstande um eine Petition der Weichensteller und Brücken- wärter im Bezirk der Königlichen Eisenbahn-Direktion Berlin, im Auftrage gezeihnet A. Hargesheimer hierselbst, wegen ma- terieller Verbesserung der Lage der Weichensteller und der denselben gleihgestellten Beamten, sowie wegen Aufhebung des 8. 83 des Geseßes vom 21. Juni 1852, betreffend die Dienstvergehen der nichirihterlihen Beamten, in dessen gegen- wärtiger Fassung eventuell wegen Abänderung desselben. Nach dem ÉErachten der Kommission für Eisenbahnangelegenheiten ist diese Petition wegen mangelnder Legitimation des Unter- zeihners auf Grund des §. 29 der Geschäftsordnung zur Er- örterung im Plenum nicht geeignet. Das Haus trat dieser Ansicht ohne Debatte bei. ; :

Als fünster Gegenstand der Tagesordnung folgte die Wahl eines Mitgliedes für die statistishe Centralkom- mif sion für den Rest der 14. Legislaturperiode des Hauses der Abgeordneten an Stelle des wegen vorgerüclten Alters von dieser Funktion zurückgetretenen Herrn von Rabe. Auf Vorschlag des Dr. Baumstark wurde der Staatssekretär des Reichs-Postamts Dr, Stephan für dieses Amt dur Akkla- mation gewählt. 2

Sechster Gegenstand der Tagesordnung war der münd- liche Bericht der Kommission für kommunale Angelegenheiten über den Geschentwurf, betreffend die Veränderung der Grenzen des Stadtbezirks Berlin und des Kreises Teltow. Nach dem Entwurfe soll der Thiergarten mit Einschluß des Zoologischen Gartens, des Seeparks bis zum alten Landwehrgraben und des Fasanerieterrains

3 TT0 147 | 00 |

Haupt-Buchhalterei des Reihsschay-Amts.

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4 323 040 30 | 4259 350 | È 63 689 |

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bis zur Pappel-Allee unter Abtrennung von dem Krcise Teltow mit dem Gemeindebezirk der Haupt- und Residenzstadt Berlin vereinigt werden.

Der Berichterstatter Herr von Winter beantragte Namens der Kommission: 1) dem Geseßentwurfe unverändert die ver- fassungsmäßige Zustimmung zu ertheilen ; 2) die Petition des Magistrats zu Charlottenburg, mit dem Antrage, dem Geseß- entwurse, soweit derselbe den Zoologischen Garten, den See- park und das Fasanerieterrain betrifft, die Zustimmung zu versagen, durch den Beschluß ad 1 für erledigt zu erklären. Das Haus trat diesem Antrage bei. S

Herr Freiherr von Malßahn berichtete Namens derselben Kommission über den Geseßentwurf, betreffend die Auf- hebung der kommunalständishen Verbände der Provinz Pommern. Der Berichterstatter beantragte, dem Gesezentwurfe unverändert die verfassungsmäßige Zustimmung zu ertheilen. Nachdem Graf von Brühl erklärt hatte, daß ev zwar dem Zustandekommen des Geseßes nicht hinderlich fein wolle, dennoch aber seinem Bedauern Ausdru geben müsse, daß man derartige alte und seither segensreich wirkende zn- stitutionen ohne zwingende Gründe aufheben wolle, wurde auch dieser Antrag der Kommission ohne weitere Debatte an- genommen. | A

Den S@hluß der Tagesordnung bildete der mündliche Be- richt derselben Kommission über den Gesehentwurf, betreffend die Aufhebung des kommunalständischen Berban- des der Neumark. Der Berichterstatter Herr von Winter- feld beantragte, auch diesem Gesezentwurse unverändert die verfassungsmäßige Zustimmung zu ertheilen. Das Haus ge- nehmigte ohne jede Debatte auch diesen Kommissionsantrag, worauf der Präsident um 21/4 Uhr die Sißung s{loß.

Jn der gestrigen (28.) Sißung seßte das Haus der Abgeordneten die zweite Berathung des Staats- haushaltsetats pro 1881/82 mit dem Etat des Ministe- riums der geistlihen, Unterrihts- und Medizinal- angelegenheiten (dauernde Ausgaben Kap. 121) fort. Nach dem Abg. Steinbusch ergriff der Minister der get|t- lihen x. Angelegenheiten von Puttkamer, wie folgt, das Wort:

Meine Herren! Gegen den prinzipiellen Theil der Ausführungen des Herrn Vorredners würde ih sehr erhebliche Einwendunzen zu machen haben; inzwischen glaube ih die Stimmung des Hauses und die Geschäftelage ri&tig zu beurtheilen, wenn ich mich auf große grundsäßlihe Erörterungen jeßt nicht mehr einlasse, sondern mi auf die nothwendigsten und knappst fcrmulirten Erklärungen beschränke, die ich an die verschiedenen Reden der einzelnen Herren Mitglieder des Hauses anzuknüpfen habe, wenn ih auf die Zuslimmung des Hauses rechnen darf, in dieser Bezichung dem Herrn Vorredner zu aniworten, so will ih es in folgender Weise zu thun verfucen.

Die Frage, wegen Ertheilung des katholischen Religionsunter- ridts in den Volksschulen, ist in den lehten Jahren bekannilih Gegenstand der lebhaftesten Erörterungen gewesen. Ich habe diese Frage bei meinem Anitsantritt in einem Stadium überkommen, welches mir allerdings für meinen Standpunkt die Nothwendigkeit auferlegt hat, mich zu fragen, ob alle Maßregeln, wel{he

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Reichs-Anzeiger und Königlih Preußischen Staats-Anzeiger.

L880;

204 BAD E Arr 24,

r S p E

seien, ob eine Veranlassung vorliege, diejenigen rômis-katholisden

Geistlichen, welche in Folge dieses Reskripts von der Leitung und

Gctheilung des Religionsunt-errihts ausges{lossen waren, noch ferner

davon aufzushließeu. Die Grundlage für die Beurtheilung für die

gegen einen Theil der Geistlichkeit zu ergreifenden Maßregeln find

in einem Reskript von 1876 individuell formulirt ich betone das

ausdrüdcklih, meine Herren, weil fonfr Leit ein Mißverständniß

dahin entstehen fönnte, als hätte man in Paush und Bogen die

ganze katholische Geistli(keit von der Leitung und Ertheilung des

Religionétunterrihtes auszuschließen. beabsichtigt oder wirklich ausge-

\{chlofsen. J muß wenigstens annehmen, daß die Provinzialbehörden,

in deren Hand die pflibtmäßige Handhabung und Ausführung dieses

Reskripts gelegt war, fich sorgsam an diejenigen Gesibtspunkte ge-

halten haben, tvelche in jenem Reskripte in dieser Beziehung aufge- stellt waren. Es ist nun Thatsache, daß die Ausführung dieses Ne-

\kriptes eine weitgehende gewesen ist; es sind im Ganzen 2148 rômisch-katholishe Geistlihe in Folge jenes Erlasses von der Leitung und Ertheilung des Religionsunterrihts ausgeschlossen ge- wesen. Nun ist diese Maßregel, wenn ih rihtig annehme, erfolgt in einer gewissen Kampfeterregung der Gemüther von beiden Seiten, und ich glaubte annehmen zu dürfen, daß innerhalb der beinahe 4 Jahre, die inzwischen verflofsen woaren, sich auf mandben Seiten au nur eine gewisse Beruhigung insofera würde eingestellt haben,

als man von beiden Seiten zu prüfen in der Lage war, ob denn nit salvis principiis man eine Annäherung wenigstens dahin ver-

suchen könnte, daß der Staat von der einen Seite entzegenkäme und von der anderen Seite die betreffenden Geistlicen ihrerseits auch der Pflicht sich nit entziehen wücden, in die Leitung uad Er- theilung des Religionsunterrihts wieder einzutreten unter denjenizen BVoraussetzungeu, die für den Staat dabei maßgebend sein müßten. Ich habe deshalb unteim 5. November 1879 der Hecr Vor- redner hat bereits die Güte gehabt, es anzuführen cine Verfügung an die Provinztalbehörden ungefähr des Inhalts erlassen, daß es mir doch nôthig erschiene, jet nach Verlauf von 4 Jahren einmal wieder ich möchte sagen die Akten an- zusehen und \ih zu fragen, ob deun nun noch Veranlassung vocläge, gegen jeden einzelaen der damals von der Verfügung getroffenen Geistlichen diese Maßregel, die, wie ich nicht verkenne, gegenüber dem Art. 24 der Verfassung do manches Bedenkliche hat, aufrecht zu erhalten. Ih habe deshalb die Regierungen veranlaßt, an der Hand der Thatsahen und der faktischen Entwicktelung der öffentlichen Zustände, jedem einzelnen der ausges{lossenen Geistlichen gegenüber individuell zu prüfen, ob die Möglichkeit vorliege, die Funktionen be- jziehentlih des katholischen Religionsunterrihts in den Volksschulen, in der vom Staate zu verlangenden Unterschreibuna ihm wieder zu übertragen. Jch habe mich ibi auf den Standpunkt gestellt, daß ih ausgesprochen habe, meiner Auffassung nach könne diese unzewöhnliche Maßregel der Aus\{ließung nur auf Grund erheblicher Thatsachen aufrecht erhalten bleiben. Denn, meine Herren, ih bin allerdings der Meinung, daß die bloße Parteistellung ohne eine individuell aus- geprägte, sich ‘daran knüpfende verzeihen Sie den Ausdrud agitatorishe Thätigkeit zur ausreichenden Grundlage für eine solche Maßregel durhaus niht genommen werden kann. Ich bin der Meinung, man muß den einzelnen Mann ansehen auf seine Be- fähigung, seine Geneigtheit, seine ganze Haltung hia und dana seine Maßregeln treffen. Die Regiecungen haben nun diese Ver- fügung zur Ausführung erhalten und dana gehandelt. Es find im Ganzen 1360 Geistlihe wieder zugelassen worden zur Leitung beziehungsweise Ertheilung des Religionsunterrihts und ih erkenne von meinem Standpunkt aus ganz unumwunden mit Dank an, daß die Betreffenden ihren prinzipiellen Standpunkt in diesem Falle untergeordnet haben der Pflicht, welhe nah ihrer Meinung für sie vorliegt, der Schule von kirchliher Seite die Hand zu bieten und ihre Schuldigkeit zu thun; insofern glaube ich also mit dem Herrn NBorredaer in einem ziemli weitgehenden Einverständniß mich zu befinden. S

Wenn er nun aker ferner hervorhob: ja wie kommt es denn, baß so sehr verschieden verfahren ift, daß man in einzelnen Re- gierungsbezirken fast alle oder wenigsteas einer schr großen Zahl von Geistlichen diese Funktion wieder beigelegt hat, in anderen in {ebr beschränktem Umfange? so muß ih mir doch darauf zu erwidern ge- statten, daß i zunähst uud in erster Linie die Veranwortunz für die Ausführung der von mir hingestellten Prinzipien in die Hand der Provinzialbehörden zu legen hade. Meine Herren, ich glaube, es wird Niemand von mir verlangen können, Tausende von Fällen hier a: der Centralstele individuell und nah allen Einzelheiten zu prüfen; ih glaube, wenn man das verlangen wollte, so muß man überhaupt darauf verzichten, daß auf diesem Gebiete der Minister irgend eiwas generell avordnet, denn einer solchen Aufgabe it er niht gewachsen, ihm fehlt die Kenniniß der lokalen und individuellen Verhältnisse; er muß si darauf beschräsken, die Grundlinie anzu- geben, auf welcher er das weitere Verfahren geordnet zu sehen wünscht, und muß dann ebenso, wie man das in Ausführung des Reskcipts vom Jahre 1876 gethan hat, erwarten und vertrauen, daß die Provinzialbehörden in der Anordnung der Grundsäße das Rich- tige treffen. E ; E

Der Herr Vorredner nennt speziell einige Regierungsbezirke, in welchen von Seiten der Organe der Regierung in dieser Beziehung so sehr wenig entgegenkommend aufgetreten sei. Nun, meine Herren, ih hoffe, Sie werden es mir erlassen, auf diesen Theil der Auéfüh- rungen des Herrn Borredaers näher einzugehen. Jh würde, naments- li, wenn i mich an seine Monita in Bezichung bei¡pielsweise au die Provinz Posen erinnern müßte, auf Gesichtspunkte und Differenzen zurückzukommen genöthigt sein, die ih gern ver- meiden möchte. Jh kann nur konstatiren, daß die Pro- vinzialbehörde der Provinz Posen es mit ihrer Pflicht unpereinbar gehalten, eine beträctliße Anzahl von katho- lishen Geistlizen zum Religionsunterriht wieder zuzulaffen, und, meine Herren, ich vermag dié Verantwortung nit dafür zu übernehmen, daß ih von oben herunter in Unkenntniß der indivi- duellen einzelnen Lage eingreifen soll in die wohlüberlegte und unter eigener Verantwortung getroffenen Maßregel der Provinzialbehörden, also ih kann in dieser Beziehung nur das in Aussicht stellen, daß, wenn in einzelnen Fällen, wo cin Geistlicher übergangen ist, an mi die konkrete und individuelle Anfrage herantreten sollte, ob nicht die Eigenschaften des Mannes und seine Haltung doc geeignet seien, ihm auf dem Gebiet der Leitung des Unterrichts entgegenzukommen, i mich der Prüfung solcher Fälle nit entziehen werde, daß ih aber scibstverständlich in erster Linie mich an das Ur:heil der zuständigen verantwortlichen Behörde halte. . -

Ich glaube hiermit diesen Gegenstand verlassen zu können und da ih einmal am Worte bin, halte i mich für verpflichtet, auf einiges einzugehen, was in der gestrigen Diskusfion - vorgekommen ift. Der Hr. Abg. Stöcker, der im Uebrigen in wohlwollender Weise fic über meine Verwaltung äußerte, wünschte in Bezug auf die Lehrbücherfrage in den Volksschulen theils eine Auskunft von mir, theils eine Art von Zusicherung. Jch halte diese Frage von der alleräußersten Wictigkeit und bin dem Herrn Abgeordneten dankbar dafür, daß er mir die Anregung gegeben hat, mi, ih will nicht sagen ausführlih, aber doch einigermaßen eingehend über sie zu äußern. Das Lesebuch in der Volksschule hat, ih möchte sagen, die Natur des rentralen Lernmittels für die Volksschule, es muß alles dasjenige ersezen, was in den hohen Anstalten eine ‘ganze

auf Grund des bekannten Meskripts vom 18 Februar 1876 hatte eirtreten müssen, noch heute agufrecht zu erhalten

Anzahl von Lehrbüchern in manherlei anderen Fächern für.