1848 / 93 p. 2 (Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

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‘ae Titel, Hiernach ‘beseitigt sich das Mißver- me var ber adelige Thel Es soll auch feine bloßen Amtstitel aba je bisher, wo die sonderbarsten in Gebrauch waren. mehr geben, Amt und wegen des Amts soll ein Titel gegeben uer E “Zak Grimm begründet einen Verbesseruñgs - Vor- A ves. Alle Orden für den Civilstand sind aufgehoben und lag: nicht wieder gestiftet werden, Orden, welche die Krie- DRsen dem Schlachtfelde erworben haben, bleiben gültig und er- e B erst mit dem Aussterben der damit Ausgezeichneten, Sie A aber nicht mehr neu verliehen werden, sondern au die Stelle E Orden der einzelnen Reichsländer ein deutscher für die Krieger E Auswärtige Orden darf der Civilstand nicht anuehmen, das Heer nur mit Erlaubniß der Reichs -Regierung. Schneider aus Brünn erklärt sih für Abschaffung des Adels, besonders auf scinem Standpunkte als Abgeordueter aus T esterreih, wo man entschieden für die Abschaffung ist, Wenn, wie man sagt, der bloße Titei nits bedeutet, so wäre die geseblihe Beibehaltung ein Possenspiel, Aber der Titel bedeutet etwas, inihm verewigen sich dic alten Ansprüche und Vor= urtheile, Gerade daß Napoleon den alteu Adel hervorsuhte, hat ihm die Sympathieen in Frankreich entzogen, Man wird allerdings Geid=- und Geistes-Aristokratie statt des Geburts-Adels haben. Äber jene sind nicht ausshließend und nicht abgeschlossen. Wenn der Geburtsadel die Throne geschüßt hat, so geschah es aus Selbstsucht, und kein Fürst wird, wie Ludwig XVL, vom Adel geschüßt sein wollen, Die jeßige unglüdckliche politishe Eintheilung von Deutschland giebt den traurigen Beleg für die Bestrebungen des Adels in der Vergangenheit. Mr v E sih für den Aus\{chuß-Antrag. Schluß der Sißung nah 2 Uhr.

Jn der 53sten Sißung am 2, August wurde Art. U, g. 6. der Grundrechte nah dem Ergebnisse der verschiedenen Abstimmungen in folgender Weise festgestellt. F. 6. Alle Deutschen sind gleich vor dem Gesehe. Standesprivilegien finden nicht statt. Alle Titel, insoweit sie niht mit cinem Amte verbun- den, sind aufgehoben und dürfen nie wieder eingeführt werden. Die öffentlihen Aemter sind für alle dazu Befähigte gleich zugänglih. Das Waffenrecht und die Wehrpflicht is für Alle gleich; Stellvertretung bei leb- terer findet niht statt. Der Autrag M. Mohl? s auf Ab- haffung des Adels selbst wurde mit 282 gegen 167 Stimmen ab=

gelehnt, Schluß der Sibßung 15 Uhr. Tages - Ordnung der mor=

gentlihen Sihung: Fortsehung der Berathung über Artikel 2 der Grundrechte.

Preußen. Berlin, 4. Aug. Der Herr Finanz-Minister hat nachstehende Verfügung an die Königlichen Regierungen erlassen:

Es hat sich hin und wieder die Meinung verbreitet , daß keine Einzahlungen zur freiwilligen Anleihe mehr angenommen werden, Diese Meinung ist unrichtig. Der Schlußtermin der freiwilligen An= leihe war in dem Gesetz - Entwurf wegen der Zwangs - Anleihe auf den 10. August d. J. angenommen. Wahrscheinlich wird aber dieser Schlußtermin noch einige Wochen hingusgerückt, weil dex gedachte Geseh-Entwurf noch in der Berathung begriffen ist. d

Jedenfalls wird der Schlußtermin zeitig durch die öffentlichen Blätter mitgetheilt werden.

Die Königliche Regierung hat Vorstehendes in ihrem Bezirk befannt zu maden.

Berlin, den 3, August 1848,

Der Finanz - Minister Huansrmuanun,

Berlin, 3, Aug. Das Minister, -Blatt für die gesammte innere Verwaltung enthält außer anderen vou uns bereits mitgetheil- ten Verordnungen 2c. der respektiven Königlichen Behörden noch: Unter kirchliche Angelegenheiten: Cirkular-Verfügung vom 5. Juni an sämmtliche Regierungen der Provinzen Preußen, Bran= denburg, Schlesien, Posen, Sachsen und Pommern, ausschließlich der- jenigen zu Stralsund, betreffend die Sicherung der Briträge zu Kir= cen =, Pfarr- und Schulbauten bei Dismembrationen von Grund= stücken ; Verfügung vom 24. Juni an das Konsistorium zu Magdeburg und nachrichtlich an die Regierungen zu Potsdam, Frankfurt, Magdeburg, Merseburg, Erfurt, Stettin, Köslin, Breslau, Liegniß und das Polizei= Präsidium zu Berlin, betreffend den Gebrauch des firhlihen Geläu- tes und die öffentlihe Abhaltung kirchlicher Begräbnißfeierlihkeiten seitens der von der evangelischen Landeskirche sih getreunt haltenden Lutheraner, Unter Polizei-Verwaltung: Cirkular-Verfügung vom 1. Juli an sämmtliche Konsistorien , betresend „den Debit von Druckschriften für mildthätige Zwecke und die Nichtanpreisung von Büchern von der Kanzel herab, Unter Domainen und Forst = Verwaltung: Cirkular-Verfügung vom 13. Juni an die Regierun= en, ausshließlih derjenigen zu Stralsund, Köln, Aachen und Trier, feiresfand die von den Domainen - Einsassen zu cntrichtenden Laude= mien und sonstigen Besißveränderungs-Abgaben.

Berlin, 4. Aug. Das Amtsblatt der Königlichen Regie=- xung zu Potsdam und der Stadt Berlin enthält folgende Bekanni= machung : E z „Potsdam, 26. Juli, Das in unserer Bekanntmachung vom 21. Oktober v. J. (Amtsblatt 1847 Nr. 210) erneuerte Verbot des Wanderns preußischer Handwerksgesellen nach und in der Schweiz soll nach höherer Bestimmung nicht länger fortbestehen und wird hiermit. aufgehoben,

Zugleich machen“ wix den diesseitigen Polizei-Behörden bekannt, daß die für nderpässe ins Ausland und sür das Wandern ausländischer Handwerk s=- pen nach §§, 2 und 14 des Reglements vom 21, März 4835 bisher estandenen und durch unsere Cirkular - Erlasse vom 14. Oftober 1843 und vom 5. Dezember 1844 zu vorgedachtem §. 14 erläuterten Beschränkungen nicht ferner gültig sein sollen, und die zu Ausgangspaß-Ertheilungen über- haupt autorisirten Behörden sind nunmehr befugt, die von ihnen auszufer- tigendèn Wanderpässe auf alle viejenigen Sigaten auszudehnen, wohin der Extrahent sich zu begeben beabsichtigt, auch in den bereits ausgefertigten, ‘ein Verbot oder eine Beschränkung der vorberegten Art enthaltenden Pässen die erfolgte Aufhebung dieser Beschränkung zu vermerken. 40 cksi ‘Königl. Regierung. Abtheilung des Jnnern,“

“Stettin, 3. Aug. (Stett. Ztg.) Gestern Nachmittag um

25 Uhr. verkündete der Donner der Geschüße die seit einigen Tagen erwartete, erfreulihe Anfunft Sr. Königl. Hoheit des Prinzen von Pre eol Gemahlin und Sohne Friedrich Wilhelm Nikolaus Karl, önigl Hoheiten, welhe mit einem Extra - Bahnzuge von Berlin hier éintrafeli, Bei der Ankunft am Bahnhofe, auf déssen Perron si die hieslge Bürgerschüßen - Compagnie in Galla - Uniform aufgestellt hatte, wurden Jhre Königl. Hoheiten von dem Ober - Präsidenten von Bonín,, den hohen Civil - und Militair = Behörden, den Führern der Bürgerwehr - Compagnieen aufs feierlihste empfangen, \o wie von der zahlreich versammelten Menge mit dem lautesten Fu aufs herzliste begrüßt. Jhre Königl. Hoheiten fuhren hierauf in einem offenen Wagen langsam durch die theilweise mit Fahnen, theilweise mit Guirlandëy aeshmüdten Straßen der Stadt nah dem Königl. Ee, von dem unendlichen Jubel des Volkes begleitet und freudig bewillkommnet' vön den festlich e Damen, welche aus dey Fen= L der Häuser dkm hohen Besu e durch Wehen weißer Tücher den herz= listen Gruß darbrachten. Tief gerührt erwiederten Jhre Königl. Ho- heiten diese Beweisé“der Liebe und Anhänglichkeit dur foéttwährendrs

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freundliches Grüßen. Auf dem Schloßhofe angekommen, wurden Jhre Königl. Hoheiten von den daselbst versammelten Kollegien 2c. und vielen Gutsbésißern der Umgegend feierlihst empfangen. An den Stufen der Treppe zu den für Hochdieselben in Bereitschaft gehalte- uen Gemächern bewillfkommneten zwölf junge Mädchen, weiß gekleidet und mit Blumen geshmüdckt, das hohe Paar durch zwei von ihnen vorgetragene sinureihe Gedichte; tif bewegt umarmte Jbre Königl. Hoheit die Frau Prinzessin die jungen Damen und lud dieselben nah ihren Gemächern ein, woselbst die hohe Frau sich mit ihnen aufs freundlichste unterhielt, Obgleich Se. Königl. Hoheit sich alle Em= pfangs-Feierlichkeitcn verbeten, war doch am Abend der größte Theil der Stadt freiwillig crleuhtet, und zeichnete sich vorzüglich die große Lastadie neben brillanter Erleuhtung durch geschmackvoll angebrachte Fahnen-Decoration aus. Gegen 10 Uhr noch fahren Ihre Königl. Hoheiten in eincm offenen Wagen durch die Straßen der Stadt, um-= wogt von der jubelnden Menge, die ihre Freude durch tausendstimmige Vivats ausdrückte.

Desterreich. Wien, ?, Aug. (Wiener Ztg.) Der Kriegs - Minister hat in Folge eines ihm zugekommenen, ans Juns- bruck vom 28, Juli datirten Handschreibens Sr. Majestät bes Kai= scrs nachsteher.den Armee-Befehl an sämmtliche Truppen erlasscu :

„Armee-Befcehl,

„Se. Majestät der Kaiser haben unmit:elbar nach Erralt der Nach- richten über die ‘glänzende Waffenthat bei Sommacampagna und Custozza in Ztalien nachstehendes Allcrhöchste Handschreïcen au den Herrn Feldmar- schall PRadebky erlassen: S L

„Lieber Graf Nadeyky! Die glänzenden Siege von Sommacampagna und Custozza haben mich mit Bewundcrung und Freude erfüllt. Jch glaube der tapferen Armee in Jtalien keinen größeren Beweis meiner Anerkennung geben zu können, als indem ih dem ruhmwürdigen Feldherrn das Großkreuz meines Militair - Marien - Theresien - Ord.ns ve: leihe, dessen Jusignien ich Jhnen hierait durch meinen Oberst-Lieutenant , Grafen Crenneville, über- sende, Möge dieses höchste Ehrenzeichen cines Kriegers Zhre tapfere Brust noch lange Jahre zieren und Jhre Thaten dem österreichischen Heere zum Vorbilde dienen.

Innsbruck, am 28, Juli 1848, Fr pnan

„Es gereicht mir zum hohen Vergnügen, diese unsere braven Waffen- gefährten, so wie ihren greisen Führer, gleich ehrende Allerhöchste Auszeich- nung hiermit zur allgemeinen Kenntniß zu bringen. _ E

2 Hraf Latour, Feldzeugmeister,“

Bayern. München, 29. Juli. (A. Z) Dem Gewerbs= Verein in Bamberg. hat der König die Summe von 5000 Fl, aus Staatsmitteln zugewiesen, um denselben dadurch in den Stand zu seben, seine Aufgabe, die Hebung und Förderung der Gewerbs-Zn- dustrie in genannter Stadt, um so erfolgreicher lösen zu können. Auch dem hiesigen Gewerbe - Verein is zu demselben Zweck cine Summe von 27,000 F". aus den Staatsmitteln zugedacht.

Braunschweig. Braunschweig, 29, Juli. Unsere Stände- Versammlung wurde heute von dem Präsidenten duch e.ne Anrede wieder eröffnet, worin derselbe auf den ungeheuren Fortschritt hin- wies, den Deutschland dur die Konstituirung einer Centralgewalt auf der Bahn zu seiner Kraft und Einheit gemacht habe 2c. Ver Abgeordn. von Cramm-Sambleben knüpfte derau Betrachtungen über die Wahl eines Reichsverwesers und eine Lobrede auf dessen Person, und brachte demselben und dann dem Herzoge ein Lebehoch aus worin die ganze Versammlung einstimmte. Der etwas |päter einge=- tretene Minister vou Schleiniß nahm gleichfails das Wort über die Centralgewalt, auf welche die hicsige Regierung \{chon vor dem Zu- sammentirilic bro Boirparlament2 bei dem Bundestage angetragen habe, und {loß ebenfalls mit cinem Hoch auf den Erzherzog Reichs= verweser. Die wichtigsten Regierungs - Vorlagen sind, auß:r dem Wahlgeseß und dem Eutwurf eines Gescbes, die Abänderungen in der Landesvertretung betreffend, cin provisorisches Geseß über dite Volkswehr, ein Geseß über die Aufhebung und Beschränkung des Jagdrechts, über die Erhöhung der Brauntweinsteuer und ein An- trag auf Mehrbewilligung von 250,000 Rthlr, für das Militair. Die landständishen Protokolle werden von jeßt an auf Kosten der ständischen Büreaukasse mit den hiesigen Anzeigen veröffentliht wer- den. Da übrigens die Kommissions-Berichte noch nicht fertig sind, so hat fih die Stände-Versammlung bis zum 7. August vertagt,

Nnhalt-Deßau. Deßau, 1. Aug. (Magdeb. Ztg.) Gestern wurde der vereinigte Landtag von Anhalt - Deßau und Cö- then eröffnet, Von den 32 Vertretern waren gestern 30 gegenwär= tig. Ein zahlreiches Publikum Hatte sich zur Eröffnung des Land= tags eingefunden; auch Se. Hoheit der Erbprinz wohnte dexsel- ben bei.

Nachdem um 10 Uhx das Gesammt-Ministerium eingetreten war, hielt Geheimerath Habicht die kurze Eröffnungs - Rede, in welcher er besonders hervorhob, daß die Vereinigung der beiden bisher getrennten Versammlun- gen für die Interessen beider Länder, vielleicht selbst für die politische Exi stenz Anhalts, von der größten Wichtigkeit sei, und daß sich das Ministerium durch seine lezte Bekanntmachung (Einberufung des vereinigten Landtags) auf cinen ganz neuen Standpunît, den der Verein barung der Verfas sung, gestellt habe. Das Ministerium werde noch mehrere freisinnige Be- stimmungen, mit denen der so früh erschienene Verfassungs-Eutwurf unseres kleinen Ländchens anderen nicht wohl habe vorausgehen können, als Zu- säße zu demselben vorschlagen: hinsichtlich der frankfurter Brstimmungen und respektive Erweiterungen der Volksrechte verstehe sich von selbst, daß sie auch in unsere Verfassung überzugehen hätten. Er beaniragte hierauf, die Berathungen mit den die Volksrechte betressenden Paragraphen, §. 12 und folgende zu beginnen, die 11 ersten aber, da über diese noch mehrere Untersuhungen und Erörterungen staitzufinden hätten, einstweilen ausgeseßt zu lassen, Zugleich gab er der Versamwlung anheim, ob sie nach der pro- visorischen Geschäftsordnung sich einen neuen Präsideyten wählen oder den beiden bisherigen Präsidenten der deßauer und cöthener Versammlung ab- wechselnd den Vorsig übertragen wolle, :

Der bisherige Präsident des cöôthener Landtags, Vierthaler, übernahm die Erwiederung. Er erkaunte dankbar die thätige Mitwirlung des Mini- steriums und das Entgegenkommen der deßaneor Vertreter an, durch welche die jehige Vereinigung wesentlicl} gefördert worden seiz daß Bernburg der- selben noch nicht beigetreten sci, beklagte er, erkannte aber die größeren Schwierigkeiten an, welhe dem Anschlusse desselben entgegenständen, Nu- landt, als bisheriger Präsident des deßauer Landtags, mahnte zur Einig- keit und sprah dic Hoffnung aus, daß man für diese von allen Seiten kein Opfer scheuen werdez alsdann brachte er ein Lebehoch auf den Herzog aus, in welches alle Anwesenden freudig ei stimmten. ]

Nachdem hierauf Abg. Fiedler und der Abg, von Prüschenok „im Auf- trage seiner Kommittenten“ auch dem Ministerium, welches Leßterer hinsicht- lich seiner Verdienste um den anhaltischen Namen mit dem alten deßauer verglich, ihren Dank ausgevrükt hatten, übernahm als Alters-Präsident der Abg, Pannier den Vorsiz, Nach längerer, ziemlich verworrener Debatte über die hinsichtlich des Präsidiums zu treffenden Anordnungen entschied si die Versammlung, besonders da der bisherige Präsident des cöthener Landtags erklärt hatte, unter keiner Bedingung, auch nicht abwechselnd, den Vorsigz übernehmen zu wollen, und um der größeren Einheit und Einig- keit willen für die Wahl eines Präsidenten, und zwar umging man, sih an diesen vom Ministerium gebrauchten Ausdru haltend die Bestimmung der provisorischen Geschäfts - Ordnung, nah wel- her 3 Kandidaten vorgeschlagen und dem Herzoge die Bestätigung über- lassen werden solle, Leßtere wurde jedoch auch für den gewählten cinen Präsidenten als erforderlich anerkannt. Nachdem der Alterspräsident hier- auf das jüngste Mitglied, Abgeordn. Sander, zur Führung des Protokolls

berufen hatte, wurde zur Wahl eines Präsidenten und Vice-Präsidenten ge-

schritten, Erstere fiel mit 23 Stimmen auf den Abgeordn, Ober - Landcs- gerihts-Assessor Wolter von Cöthen, leßtere mit 25 Stimmen auf den Ab- geordn, Ober-Landesgerichts-Präsidenten Mohs von Deßau. Als Secre- taire wurden die Abgeordn, Klinkhammer und Jmme gewählt, denen das Ministerium, der an dasselbe ergangenen Aufforderung gemäß, zu ihrer Un- terstüßung noch cinen nicht zu den Abgeordneten gehörenden Secretair bei- gesellen wird, Î i J

_ Nachdem diese Wahlen vollzogen waren, wurde die Sizung ausgeseßt, bis die höchste Bestätigung der gewählten Präsidenten eingegangen scin werde. Um 114 wurde dieselbe vom Geheimerath Habicht verkundet, und Wolter uahm nun den Präsidentenstuhl ein. Zuvörderst kam zur Sprache der von Schilling gestellte Antrag, bis auf Weiteres ohne Dehatte die pro- visorische Geschäftsordnung anzunehmen, jedoch mit Ausschluß des §. 24 derfelben, Statt der Abstimmung durch Kugeln, welche dieser als Negel vorschreibt, solle Abstimmung durch Ausstehen als Negel gelten. Der erste Theil des Antrags wurde sofort angenommen, über den zweiten Theil ent- stand eine längere Debatte, welche jedoch zu feinem entschiedenen Resultate führte. Denn nachdem der Abgeordnete Aue das von ihm gestellte Amen- dement, daß die geheime Abstimmung eintreten solle, wenn ein Viertel der Versammlung sich für dieselbe erkläre, zurückgezogen hatte und das UAmen- dement des Abgeordn, Fiedler, daß dieselbe stattfinden solle, sobald 3 Mit- glieder sie verlangten, verworfen worden war, wurde der Antrag in seiner ursprünglichen Fassung mit 16 Stimmen angenommeä, Es wird also in der Negel durch Ausstehen abgestimmt werdenz gerade darauf kam es aber an, unter welchen Umständen von dieser Regel solle abgewichen werden können. Der hierauf zur Besprcung kommende Antrag des Abgeordneten Janasch, daß wöchentlih nur 4 Sizungen gehalten werden sollten, wurde mit großer Majorität verworfen, besonders weil nach der eben in Pausch und Bogen angenommenen provisorishen Geschäfts-Ordnung dem Präsidenten die An- seßung der Sizungen zu überlassen sei. Der vom Präsidenten Wolter vor- gelegte Antrag auf bessere Ordnung der einzelnen Paragraphen des zu be- rathenden deßauer Verfassungs-Entwurss wurde sogleich zurückgezogen, da sich das Ministerium durch Geheimrath Goßler bereit erklärte, helbst diese S ystematisirung des Entwurfs zu übernchmen, wozu es gewissermaßen den Anfang schon dadurh gemacht habe, daß es die die Volksrechte betreffenden Paragraphen als einen besonderen Abschnitt in der Berathung voranzu- m hmen beantragt habe, Ob die Versammluug diesem Antrage ihre _ZuU- stimmung gebe, müsse sie aber jeßt noch gefragt werden. Da diese Zustim- mung erfolgte, wurde §. 12 des Verfassungs-Entwurfcs auf die morgende Tagesordnung gestellt und die Sißzung um 125 Uhr geschlossen.

Hohenzollern-Sigmaringen. (Schwäb, Merk.) Das Vervrdnu.=Blatt euthält ein Gesch, wona der jogenanute prts vilegirie Gerichtsstand iu bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten , so wie in Sachen der freiwilligen Gerichtebarfeit, ohne alle Ausnahme aufge- hoben is; ferner ein Geseß in Betreff des Jagdrechts u. }. w. Das Jagdrecht, d. h, die Befugniß, auf dem Grundstücke eines Anderen das Wild zu erlegen, hört von jeßt an, ohne etnen Entschädigungs- Anspruch des bisher Berechtigten, auf. Von diesem Tage an is der Eigenthümer befugt, das Wild auf seinem Grundstücke zu fangen, be- ziehungöweise zu tödten. Wer die Jagd auf fremden Grundstüen, ohne Genehmigung des Eigenthlimers, ausübt, verfällt in die beste=- henden Strafen wegen Jagdfrevels, beziehungsweile Eigenthums=- Verleßung. Die Forderungen wegen Wildschadens haben von der Publication dieses Gesehes an aufzuhören. Alle Jagdfrohnden, 2 h. aile Dienste, welche von den Staats - Angehörigen bisher zur Aus- übung des Jagdrechts zu leisten waren, sind vou jeßt an, DgUE t gend cinen Entschädigungs = Anspruch der bisher Berechtigten, aufge-

hoben.

Bremen. Bremen, 31. Juli. Jn Folge der unterm 1öten d, an den Senat ergangenen Aufforderung der provisorischen Cen- tralgewalt is Bürgermeister Smidt als bremischer Bevollmächiigter bei derselben affreditirt worden,

Pins land.

Hesterreich. Pesth, 30. Juli, (Bresl. Zkg.) Ein eben angefommencr Courier cus Szegcdin brachte dem Ministexium die Nachricht, daß die Ungaru den aufstäudischen Secbianern bei den „rö- mischen Schanzen““ eine große Niederlage beizebraht haben, Die Schanzen wurten mit Sturm genommen,

Frankreich. National - Versammlung. Schluß der Sißung vom 31. Juli. Um halb 8 Uhr wurdr über Proudhon's Vorschlag nach heftigem Tumult end!ich mittelst Sfrutiniums durch Stimmzettel mit 691 gegen 2 Stimmen (die des Hérrn Proudhon selbs und eines seiner Nachbarn, des Herru Greppo) folgender von Landrin und Segnard beantragter Beschluß gefaßt: „Jn Erwägung, daß der Autrag des Bürgers Proudhon ein gehässiger Angriff gegen die Grundsäße der öffentlichen Moral i, daß er das Eigenthums-= Recht, die Grundlage der gesellschaftlichen Ordnung, aufs tiefste ver= leßt, daß er zur Angeberei ermuthigt und einen Aufruf an die böse= sten Leidenschaften enthält; in Erwägung außerdem, daß der Antrag= steller die Februar - Revolution dadurch verleumdet, indem er sie zur Mitschuldigen der von ihm auf der Tribüne entwidckelten Thcorieen machen will, gcht die National - Versammlung zur Tagesordnung über.“ Jm Augenbli der Abstimmung verließen 137 Deputirte den Saal, darunter Altarohe, Arago, Bac, Dufaure und Montalembert. Louis Blanc und die sogenannten Phalansterianer stimmten Alle gegen den Proudhonschen Vorschlag. Der Antrag, die Proudhonsche Rede iht in den Moniteur aufzunel men, und jedes Journal, das |te abdrucken würde, gerihtlich zu verfolgen, war unter lebhafter Pr0=- testation der Linken durchgefallen. Dupin aus dem Nievre-Depar= tement rief: „Man muß den Antrag ächten, darf aber seinen Ah= druck nicht verbieten.“ Die Versammlung ging in großer Aufregung aus einander,

Nnfang 13 Uhr. Präsident Marrast.

Sibßung vom 1, August, N | | Wial Prudhomme, der eineu Antrag rücksichtlich des Grund-Kredits einge=

bracht hat, erhebt si, um der Versammlung zu betheuern, daß nur sein Name, nicht seine Grundsäße, cinige Aehnlichkeit mit dencn des gestrigen Redners Proudhon haben. Crespel de la Touche erhält das Wort, um seine Juterpellationen an das Ministerium rüdsihtlih der seit der Juni - Revolution sequestrirton Journale zu richten. ¡Auch möchte ih“, fährt er fort, „wihen, welche Gründe die Regierung hatte, den Redacteur der Presse elf Tage lang lu frenge Haft zu c:n? Endlich dritkens, warum sie jüngst eine Durch uchung des Journals Patrie durch die Polizei verordnete? Ih weiß nicht“, s{ließt er, „ob die Thatsachen, auf die man 8s heute früh aufmerksam machte, gegründet d man L heilte mir nämlich mit, daß auch Blätter ohne En E ne Ju diesem Falle wäre die Parteilichkeit und rg f egierung unverzeihlih. Besonders Ger E tioio ich der An wort der Regierung.“ Marie, Justiz-Minister, erwie erte : Die Jnterpel= lation betrifft drei Punkte: Sequestration der Journale durch den Chef der vollziehenden Gewalt, Polizei-Nachsuchung bei der Patrie und Arrestation Girardin’s. Ich werde kurz sein, Was das Ein dringen der Polizei in die Büreaus und die Druckerei der Patrie betrifft, so ist die Sache erfunden, Jh habe Erkundigungen einge= zogen die sie als unwahr \childern, Es bleibi“ also nux übrig, über die Maßregelu gegen die Presse, die Verhaftung ihres Redacteurs und die Suspension der übrigen Blätter Rechenschaft zu geben.“ Der Minister s{ildert nun den Juni - Aufstand; Cavaignac,

zum Chef der vollziehenden Gewalt ernannt, babe die Un- terdrückung der Journale für nöthig gehalten ; dieselbe jet tadeln zu wollen, hieße gegen die eigene Erklärung der Versamm- lung verstoßen welche auësprah , daß der General sich wohl ums Vaterland verdient gemacht habe. Nachdêm der Minister auf diese Weise an die Logik der Versammlung appellirt hatte, fügte er hinzu : „Man fragt uns, warum wir jene Blätter noch nicht freigelassen, jeßt, wo jede Gefahr vorüber heine? Wir haben die Nothwendigkeit eingesehen, daß Preßgeseße unerläßlih sind. Die betreffenden Ent- würfe liegen Jhnen bereits vor. Bis sie votirt sind und der Bela=- gerungsstand aufgehoben is, glauben wir von jenen Maßregeln nicht abweihen zu dürfen.“ Dupont von der Dordogne wünscht zu wis- sen, ob die Regierung nicht auch Spezial-Maßregeln gegen die Pro- vinzialpresse beabsichtige. Es sei ihm zu Ohren gekommen, daß den Mairie-Aemtern der Befehl zugegangen, eine Art Journal über die Journale zu führen. Der Minister antwortet uicht. Vesin bestrei- tet nicht daß die böse Presse die Revolution hervorgerufen; aber das Journal La Presse gehören zu denen, welche gegen die Barrikaden gekämpft, Er dringt auf Freilassung, Valette erklärt sich als _Abonnent der Presse und sagt, er babe sie jeden Tag fleißig gelesen und bei weitem nicht jene ge- fährlihen Dofktrinen gefunden, von denen die Rednerbühne hier wiederhalle. Er will den Belagerungsstand ebenfalls aufgehoben und das Blatt frei wisjen, Ihm folgt noch eine Menge vou Rednern. Dupont von Büssac tadelt die Maßregeln der Regierung sehr scharf. Er will die Preßfreiheit als heilig gesichert wissen; eben \o die persönliche Freiheit. G. Sarrut ruft den Ministern zu: „Jh weiß, Zhr habt politische Gefangene zu richten. Wohlan, stellt die Diktatur, wieber her, wenn Euch die Preßfreiheit Furcht einjagt !““ Auch Victor Hugo spricht gegen den Bzlagerungsstand, der ihm zu lange dauert. Er will fein Provisorium gestatten, wie es Marie erflärt, Cavaignac besteigt die Tribüne und erflärt, daß er nach Feiner Verlängerung der ihm übertragenen Gewalt trahte. Ec habe an dieser Diskussion nicht Theil nehmen wollen, aber da man ibn herausfordere, wolle die Versammlung ihm erlouben, einige Worte zu sagen. (Bravo.) Mau habe von Diktatur gesprochen, Die Beri sammlung werde zu, würdigen wissen, was an diesen Beschuldigungen Wahres sei. Er glaube keinen anderen als den geschmäßigen Ge- b:auch von der ihm anvertrauten Gewalt gemacht zu haben, (Ja ja!) nur den Gebrauch, den die Umstände des Augenblicks erheischten. (Zustimmung.) Langlais protestirt im Namen der Preßfreiheit und der persönlichen Freiheit, aber der Ruf: Zur Abstimmung ! nötßiat ihn, die Tribüne zu verlassen. Méauth s{chlägt eine motivirte Tages-Ordnung vor, wodurch erklärt werden solle, daß die vollziehende Gewait wohl daran gethan, die Suépension der Zeitungen anzuord- nen, (Reclamationen.) Cavaignac daukt für die wob{wollende Absicht dieses Vorschlages, meint aber, daß ihm die cinfache Tages= Ordnung sür die Würde der Versammlung zu genügen scheine. Diese wird denn auch beschlossen, und die Versammlung geht zur Hypothe= fen - Besteuerungsfrage über. Die provisorische Regierung hatte nämlich am 419, und 26, April ein Dekret erlassen, das eine Steuer von 1 pCt. auf alle Hypotheken - Kapitalien legte. Lebhafte Klagen erhoben sich . aus allen Gegen= den Frankreichs. Es gingen eine Menge Petüiouen seitens der Kag- pitalisten dagegen ein, und die beiden Repräsentanten Creton und Marchal protestirten gegen diesen Angriff auf das Kapital. Der Finauz-Aus\huß trug auf Abschaffung jenes Dekrets der provisorischen Regierung an. Goudchaux, der neue Finanz-Minister, um die Lücke auszufüllen, die diese Abschaffung in der Staatskasse hervorrufen mußte, beeilte s{ch, ein anderes Dekret vorzulegen, das nicht 1 pCt., son= dern nur ein Fünftel des Zins-Ertrages aller Hypotheken-Forderungen verlangt, Dieser neue Geseß = Eutwurf kam nun zur Diskussion, Der Finanz = Aus\huß, dem diese Steuer als ein An ang zur “Einkommensteuer erschien, widerseßte sich durch sein Or= gan, Herrn Corcelle, dem neuen Plane. Goudchaux be= stieg die Redne:bühne, um seinen Entwurf zu vertheidigen. Er begann mit der Betheuerung seines Demokratiämus. Die Form der Regierung sei ihm gleich, das Glück der Massen Alles, Er fönne sich die Republik auch mit dem Eigenthum denken. Dar= um greife er nicht das Eigenthun an, sondern uur das Einkommen desselben, und zwar uicht so stark, wie die provisorische Regierung, die 1 pCt, forderte, sondern er verlange nur vom Gesammtzins, d. h. seine Quittung über - müsse jeder Hypothekengläubiger als Zahlungsstatt vom Schuldner anuehmen. Auch verlange er diese Steuer nur für 1848, Der Finanz - Ausschuß zeige zwar aroße Furcht vor einer Einkommensteuer; allein derselbe spanne seine Pferde hinter den Wagen an, während er (Gondchaux) sie vorn anspaune. Diese Aeußerung rief eine hestige Entgegnung vou Sciten Lasiey-= rie’s hervor. Die Diskussion wurde dann vertagt, und um 64 Uhr die Sißung geschlossen.

Paris, 1. Aug. Der heutige Moniteur meldet: „Vor= gestern is der Ritter von Paiva Pereira vom Minister der auswärti= gen Angelegenheiten in einer besonderen Audienz empfangen worden und hat demselben das Schreiben überreiht, welches ihn als Ge=- häftsträger Jhrer Majestät der Königin von Portugal bei der fran- zösischen Republik beglaubigt. ““

Heute verbreitete sich das Gerücht, Herr Proudhon habe der Quästur der National-Versammlung seine Entlassung eingereiht; man bezweifelte aber die Richtigkeit dieser Angave. Die Morgeublätter geben das Portrait Proudhon's als Beilage zu ihrer heutigen Nummer.

Briefe aus Marseille schildern die Gährung im Kirche:staate als so groß, daß man dice Ankunst des Papstes Pius IX. von einem Tage zum anderen erwarte.

In den Konferenz=-Sälen wax stark die Rede davon, die Na= tional - Versammlung vom 25, August bis zum 25, Seytember zu vertagen, Nur ihr Büreau-Pe: sonal würde permanent bleiben. Am 4. Oktober würde sie dann wieder zusammentreten, um das neue Verfassungswerk zu berathen.

Großbritanien und Jrland. London, 31. Juli, Die von Herrn Sharman Crawford angeregte Debatte über einen Antrag auf Einseßung eines Spezial-Comité?s zur Untersuchung der Zustände Jrlands ist in der vorgestrigen (Sonuabend) Mittags- sißung des Unterhauses wieder aufgenommen, aber sehr lau ge- führt worden, da die Regierung unter den gegenwärtigen Umständen nichts für Jrland thun will, so lange der Aufstand nicht gänzlich un= terdrüct sei, Herr M. J. O'Conmell erklärte s{ch für den Antrag, sprah sih aber doh gegen jeden Aufstandsversuch sehr entschieden aus. Nach einigen anderen Rednern wurde der Antrag mit 101 ge- gen 24 Stimmen verworfen.

Jn der heutigen Unterhaus- Sitzung, deren Aufang eine spâte Ausgabe des Sun mittheilt, wurde der Minister des Junern von Lord Castlere a h interpellirt, ob die Regierung amtliche Nachrich= ten über einen blutigen Zusammenstoß des Volkes mit der Polizei- und Militairgewalt der Köuigin in Jrland erhalten habe. Sir G. Grey erwiederte, er habe fêine derartigen Depeschen erhalten, aber eine Botschaft des Maire von Liverpool melde ihm, daß ein Zusam- menstoß in der Grafschaft Tipperary zwischen den Jusurgenten und den Konstablern, aber ‘nicht mit den Truppen stattgefunden habe und

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Geueral Macdonald mit einem starken Truppen-Corps die Jnsur- genten, au deren Spiße Smith O’Brien stehe, verfolge. Bei dem leßten Zusammenstoß sollen mehrere Jusurgenten getödtet worden sein, do habe die Regierung noch keine Liste der Gefallenen.

Die Angaben des Ministers des Junern im Unterhause über Jrland werden dur die heute hier eingegangenen Zeitungsnachrihten vervollständigt. Danach scheint der Aufstand in Jrland im Keime erstidt. Die Times meldet Folgendes: „Unser Berichterstatter {reibt Sounabend Nachts von Willmount bei Ballingby, daß die Rebellion, welhe am Morgen jenes Tages wirklich aufing, dur 50 oder 60 Polizei-Konstabler völlig unterdrückt ist. Auf der Gemeinde= weide von Bonlagh bei Ballingby fand ein Zusammenstoß statt, drei der Aufständischen wurden erschossen und meÿrere verwundet. Smith O'Brien, der in Person anführte, ist ganz verlassen von den Re- bellen nach Urlingford geflohen, und man erwartete, daß er vor An-= bruch der Nacht gefangen genommen werden würde. Dohenny, Reilly und Dillon waren gleichfalls- auf dem Plaßz der Lebte if getödtet worden. Beim Abgange unseres Couriers aus Dublin war Alles ruhig in der Stadt, Ueber Smith O’Bricn's Verhaftung war noch keine Nachricht eingegangen,“

Die Rüstungen der Regierung in Jrland sind umfassend. Es stehen dort jeßt 49,000 Mann Truppen, in Oublin allein 9310, General= Major Napier und Oberst Doyle find am Sonnabend von Limerick abgegangen, um sih in Thurles an die Spiße des 74sten Regiments Hochländer, 2 Kanonen, 200 Sarfschüßen und 200 Hus saren zu stellen. Sie haben den Auftrag, O'Brien und Meagher zu verfolgen, welche in der Umgegend vou Thurles si befinden. Lord Hardinge, der tapfere General-Gouverneur von Judien, ist heute Morgen nach einer Unterredung mit dem Premier-Minister uud dem Herzog von Wellington von London nah Dublin abgezangen, um nöthigenfalls den Ober - Befehl gegea die Jusurgenten zu über- nehmen.

Die Times schreibt über Jrland: „Die Lage jenseits des ir- ländischen „Kanals ist nicht blos besser bekannt, sondern cu viel he- ruhigender, als vor einigen Tagen. Die kräftigen Maßregeln der Regierung und der Geseßgebung sind wie Dounerkeile auf die Fac= tion gefallen. Von Dublin haben si die Führer der Klubs, ihre Schrift- führer, Verbrecher von Profession, Scharfschüten, Pifenmänner nach tauséund Richtungen zerstreut. Der bloße Wind des 11ten und 12ten von Victoria, C. 35 der neuen Parlaments- Akte, hat die Stadt bei nahe reingefcegt. Die beiden Zeitungen The Nation und The Felon sind gleichzeitig unterdrückt, obne daß die Straßen von Du- blin sich zu ihrer Befreiung erhoben bätten. Verhafts - Befehle und Aufrufe sind erlassen, um sich aller Führer zu bemächtigen, und große Brlohuungen sind ausgeseßt auf die F-.hndung der Rädels- führer, ohne daß sih von den Myriaden, welche sich ihren Worten nach um sie versammeln sollten, viel gezeigt hätte. Der ernsteste, weil traurigste Theil des Schauspiels is derjenige, dessen Mittelpunkt Smith OD'Brien bildet. Dieses verzogene Kind der Faction hat die Macht feines Namcns und die Unzufricdcnheit oder den Muth des Volkes höchst Éläglih übersdäßt. Die ganze vorige Woche ist er zwecklvs und unsicher auf den Hügeln zwischen Tipperary und Kilfeuny umher= gezogen, Zuweüen hatte er ein Gefolge von einigen Hundert Manu um si, die mit Piken, Seuscn und Heugabeln bewaffnet waren und drei Mann hoch auf der Landstraße einherschritten; sie wurden auf 2000, 10,000, 100,000 Mann geschäßt, je nah der Furcht oder Neigung der Berichtenden, Am Donnerstage aber verliefen sie sich. Es ijt höchst erfreulih, zu hören, und wir wünschen die Thatsache mit aller verdienten Anerkennung zu erwähnen, daß die katholische Geistlichkeit mit großem Ernste und Erfolge dazwischengetreten is, um die armen Geschöpfe vor dem sie erwartenden Verderben zu retten,“

Belgien. Brüssel, 1. Aug. (Köln. Ztg.). Die Han- dels - Bilanz der Ein - und Ausfuhr während der ersten sechs Mo-= nate des vorigen und dieses Jahres liegt vor uns und deutet auf eine beträchtlide Verminderung der Einfubr auswärtiger Fabrikate, welche für die Baumwollen = Gewebe von 155,000 auf 115,000, für die Wollengewebe von 152,000 auf 31,000, für die Seideugewebe von 36,000 auf 26,000 Kilogramme heruntergekommen ist, Die Roh= sto f - Eirfuhr hat sich ziemlich gut gehalten und is sogar für Baum- wolle und Wolle, für Wollengarn, Salz und Rohzucker gewachsen, Die Einfuhr an grünen Häuten, Taback und Wolle in Masse hat ab- genommen. Was die Ausfuhr betrifft, so muß man den sehr bedeu- t-nden Ausfall für die Garne, die Leinengewebe, die Steinkohlen und das Gußeisen ganz auf die Zerrüttung der Verhältnisse in Frankreich legen. Jm Uebrigen hat man wenig Grund zu klagen. Die Aus= fuhr an Waffen, Nägeln, Maschinen, raffinirtem Zucker, Baumwol=- len- Gewebe und Zink hat sich vermehzt. Die Abnahme der Aus- fahr von Tuch und anderen Wellengeweben, von Tabak und Glas- waaren is unbedeutend, Die Bilauz des Monats Juli wird wahr- scheinlich vou dem neuen Leben zeugen, welches schon jeßt in Folge günstigerer Verhäitnisse im Haudel bcmerkvar ist,

Das lateinishe und das deutsche Verzeichniß der Vorlesungen der hiesigen Universität für das Winter = Semester 1848/49, welche am 16, Oktober d. J. beginnen, isff von heute an bei dem Kastellan Schade im Universitäts - Gebäude, ersteres für 25 Sgr., leßteres für 2 Sgr. zu haben.

Berlin , den 31. Juli 1848,

Der Rektor der Universität Müller.

Beta tmachck una

Zufolge der bei uns von 122 Compaguicen der Bürgerwehr ein- gegangenen gültigen Wahlverhandlungen über die am 2en d. M, in der gesammten Bürgerwehr stattgehabte Wahl sind 11,524 gül= tige Stimmen abgegeben, von denen 8543 Stimmen dem zeitigen Ober-Befehlshaber Herrn Rimpler zu Theil geworden sind. :

Es ist mithin Herr Rim pler mit überwiegender Stimmenmehrheit zum Obervefehlshaber unserer Bürgerwehr gewählt worden, welches wir nach §. 124 der Wahlordnung vom 24ten v, M. der gesamm- ten Wehrmannschaft von Berlin hiermit bekannt machen.

Berlin, 4. August 1848. Das Kommando der Bürgerwehr in Verbindung mit dem Ausschuß

der Vertrauensmänuer zur Leitung der Wahl.

| C. August, C, Fickert jun, W. Friedeberg. E. Krafft.

C. Meyer. C. von Rosentreter, Dr. A. Runge. Dr. C. S. Schweiger. Dr. A, Soltmann. C. Steg- müller, Ed. Wache.

Königliche Schauspiele.

Sonnabend, 5, Aug. Jm Schauspielhause, 430ste Abönne- monts-Vorstellung : Eine Familie, Original - Schauspiel in 5 Abth. und einem Nachspiele, von Charl. Birh=Pfeiffer. Aufang 6 Uhr.

Sonntag, 6. Aug. Jm Opernhause, 80ste Abounements= Vorstellung: Der Maurer, Oper in 3 Abth, Musik von Auber.

: E dieser Vorstellung werden Villets zu folgenden Preisen ver- aust:

Ein Villet im Parquet, zur Tribüne und in den Logen des zweiten Ranges 20 Sgr. z cin Billet in den Wogen des ersten Ran- ges und im ersten Balkon daselbst 1 Rthlr,z ein Billet im Parterre,

in den Logen und im Balkon des dritten Ranges 15 Sgr.z ein Billet im Amphitheater 75 Sgr.

Auswártige Börfen.

Breslau, 3. Aug. Louisd’or 1127 Gld. Polu, Papier=- geld 915 Br, Oesterreichishe Baninoten 88% bez. Staats-Schuld- seine, 32proz. 73% Br. Secchandlungs - Prämien - Scheine a 50 Rthlr, 887 Br. Sthles. Pfändbr. 3§proz. 92 Br., do. Lit. B. 4 proz. 935 Gld,, do. 327 proz. 81; Br. Preuß. Baukantheil= Scheine 83 Gld,

Poln, Pf1ndbriefe alte 4 proz. 87; Glb., do. neue 4pr3z. 875 Gld., do. Pa: :ial-Loose a 300 Fl. 87 Gld., do. a 500 Fl. 63 Gld, Russ.-Poln. S chat-Obligationen proz. 60 Gld.

Actien. Oberschl. Lit, A. 3£vroz, 87 Br. hs, L, B. 34 proz. 87 Br, Breslau -Swweidn. - Freiburg 4 prez. 824 Br. Niedersl,-M irk, 3¿proz. 685 Gld,, do. Prior. 5proz. 93 Gld., do. Ser, HI, 5proz. 84; Br. Neisse - Brieg 4 proz. 39 Br. Krakau- E 4proz. 392 etw. bez. Griedri&-Wilhelms-Nordbahn 4proz. 405 bez.

Wechsel-Course.

Amsterdam 2 M, 1423 Gld.

Hamburg a visla 1512 Glo.

do. 2 M. 1517 Gld. London 1 L. St. 3 M. 6.25% Br. Berlin a vista 100% Br., 99% Gid. do, 2 M. 995 Gld. = 1

JAVien, 2. Aug. Met. 5 proz. 735, 741. 4 proz. 625—63. 3proz. 45—46, 2zproz. 385, 39. Anl. 34: 121—122, 39: 82. bis 83. Nordb. 101% 102%. Gloggn. 95— 97, Mail. 655 664 Livorno 67°, 684. Pesth 64; 65, Budw. 68. B. À. 1040 bis 1045, 1050.

Anfaugs matt. Ende fester.

Leipzig, 3, Aug. L, Dr. Part, Oblig, 98 Br. Leipz. B. A. 148 Br. Leipz. Dr. E. A. 06 Br., 95 G. Sächs. Bayer. 79% Br., 75 G. Stles. 73 Br. Chemn. = Riesa 285 Br. Lhau= Zittau 24 Br. Magd. Leipzig 173 Br. Berl. Anh, A. 86% Br., 86 G., do. B. 84 Br., 83 G. Altona-Kiel 864 Br. Deß. B. A. 94 Br. Preuß. Bank-Antheile 84 Br.

Frankfurt a. M., 2. Aug. Einige Staats - Effekten, na- mentlich 2¿proz. Met,, 3proz. Spanier, kurhessische und badische 35 Fl. Loose waren an heutiger Börse gesuchter und dafür bessere Preise zu machen. Es ging darin Mehreres um. Alle übrigen Fonds und Eisenbahn-Actien bei stillem Geschäft preishaltend.

Met. 625. 627. QDarmst. 50 Fl. 63, 622 B 2 I 205. Baden 39 Fl. 263. 262, Kurhefs. 20%. 25% Sardin, 243. 2457. - Syproz. Span, 17. 465. Poln. 300 Fl. L 87 G7 dg, 500 Fl. 62%. 62%. Köin=-Miuden 745 Br. Bexbach 645. Nord= bahn 385,

Paris, 1. Aug. Die Course sind zu Anfang etwas in die Höhe gegangen in Folge eines im heutigen Moniteur erschieneuen Ministerialbefehls, daß die Einzahlungen zur Anleißze nicht mittels Anticipation geschehen sollen. Sie fielen aber bald wieder auf ihren gestrigen Standpunkt zurück, 30 Millionen sollen bereits eingezahlt und die meisten Zeihnungen nur gemacht sein, um Renten in Liqui= dation abzugeben. Die Aussicht auf eine mögliche Jutervention in Jtalien beunruhigte die Börse. Eisenbahn - Actien blieben angeboten.

3% Rente 44. 75 a 44, 5% 72 a 71. Anleihe = Certifikate angeboten zu 3700 a 3100. Schabbous 22% Verlust. Bauk= Actien 1640 2 1620, Nordbahn 380 a 375.

London, 31. Juli. Cons. p. C. 865, a. Z. 865, 34 proz.

865. Jnt. 434. 4proz. 69, Bras. 745... Mex: 47%» Peru: 80. Engl, Fonds eröffneten heute fest, doch schlossen sie etwas flau. Ju fremden Fonds war nur wenig Geschäft, i Amsterdam, 1. Aug. Holl. Fonds blieben heute, nah einer

Neigung zum Steigen, fast ganz wie gestern; in Jut, zeigte der Han= del etwas Leben. Von fremden waren russ, span. und port. gut N Oest. bei sehr lebhaftem Umsaß wiederum etwas ange= nehmer.

_ Holl. Jutegr. 43%, 5, #&. 83proz. neue 50%. 4 proz, ostind. 684, %&- Span. Ardoins 8%, gr. Piecen 817, Coupons O L. Portug. 4 proz. 18. Russen alte 964. Stiegl, 74, 4. Oest, Met. proz. 595, 605, 60, 25 proz. 315, 325, 32.

Antwerpen, 31. Juli, Die Börse war für belg, Fonds fest. 9proz. 79, 74%. 45 proz. 684. 25 proz. 374, 4, 2. Span. ‘Ct bei geringem Geschäft unverändert, Ardoins 82 a 8, 3proz. 17, 16%.

Markt: Verichte.

Berliner Getraideberiht vom 4, August, Am heutigen Markt waren die Preise wie folgt : Weizen nah Qualität 52—58 Rthlr, Roggen loco 265—282 Rthlr. » S82pfd, Aug. /Sept. 26 Rthlr., Br. » Sept. /Okt; 27 Rthlr. Br., 26 G. Hafer loco nach Qualität 16—19 Rthlr. Gerste, große 24—25 Rthlr. G. » fleine 23 Rthlr. Br. Rapps 70 Rthlr, Br., 69 G. Rübsen, 68 Rthlr. Rüböl loco 11 Rtblr. bez. » Aug. /Sept. 11 Rthlr. bez. u. Br. » Sept. /Okt, 11 Rthlr. bez. u. Br. » Oft. /Nov. 11% Rthlr. Br.,, ‘@% G. » Nov. /Dez. 117 Rtblr. bez. Spiritus loco 485—/ Rthlr. bez. u. Br. » Sept, /Okt. 1745 Rthlr. Br. » Okt. /Nov. 17 Rthlr.

Marktpreise vom Getraide. Berlin, den 3. August, ZuLaude: Weizen 2 Rthlr. 6 Sgr. 3 Pf., auch 2 Riblr. 5 Sgr.; Roggen 1 Rthlr. 8 Sgr. 2 Pf., au 1 Rthlr. 3 Sgr. 2 Pf. ; Be O Ee 1 Rthlr. 8 Pf., auch 1 Rthlr. ; Hafer 23 Sgx. 9 Pf., auh 20 Sgr. j / Zu Wasser: Weizen 2 Rthlr. 10 Sgr., auchß 2 Rthlr. 7 Sgr. 6 Pf.z Roggen 1 Rt6lr. 7 Sgr. 6 Pf., au 1 Rthlr. 3 Sgr. 9 Pf. z große Gerste 1 Rthlr.; Hafer 22 Sgr. 6 Pf., auch 21 Sgr. 3 Pf.z Erbsen (schlechte Sorte) 41 Rtblr. 5 Sgr. Mittwoch, den 2. Angust. 102 e Das Schock Stroh 6 Rthir., au 5 Rthlr. 15 Sgr.z der Cent- ner Heu 25 Sgr., auch 15 Sgr. G iet aué fet 2 Karto ffel- Prei “e. 2 tei l U F F Der Scheffel 17 Gas: 6 Pf., auch 12 Sgr. 6 Pf.z mebe E 4 M ga anntwein-Preise Die Preíse von Kartoffel - Spiritus waren