1848 / 109 p. 2 (Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

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er den Ort Sermide beseßen lassen, das fleine Detaschement wurde bis auf

und plözlih wurde aus allen Fenstern geschossen. Es den Plas Iro e Kolonne ai einigen 100 Mann dahin _geschi>t , diese ber dur< Barrikaden und Feuern aus den Häusern genöthigt, sih zurü>- E iehen, Zwei Tage darauf fand Feldmarschall-Lieutenant Welden, der den d beseßen mußte, um über den Po zu gehen, es für nothwendig, mit roßer Macht in Masse den Ort angreifen zu lassen. Bei dieser Gelegen- eit wurde mit Granaten geworfen, und der Ort ging in Flammen auf. ber das Faktum, welches in dem Briefe angegeben war, ist ganz entstellt. Nach dem Berichte des Feldmarschall - Lieutenants Welden waren die Ein- wohner sämmtlich entflohen, seinen Truppen gelang es aber, 24 Men- schen, welche die Insurgenten in der Kirche eingesperrt hatten, zu retten. (Beifall.) Das iff ganz verschieden von der Eingabe, über die interpellixt worden is, Zugleich habe ih die Ehre, einer anderen Interpellation gu vorzukommen und zu sagen, daß Feldmarschall-Lieutenant Welden mit sei- nem kleinen Corps von nur 4000 Mann über den Po gegangen war, um die Bewegung des General - Majors Fürsten Liechtenstein in Flanke und Rüd>en zu te>en. Er begegnete einem Corps von 14,000 Crociati , diese wurden aber dur< seine kleine Macht, wie der Feldmarschall - Lieutenant Welden sih ausdrü>t, wie Spreu zerstreut, Er verfolgte sie bis Bologna, aber er erhielt dort den Befehl vom Feldmarschall Radetky, nicht in Bo- logna einzurü>en und die Delegation zu räumen, Aber er hatte bereits mit der Stadt Bologna das Uebereinkommen getroffen, daß die Crociati nicht in Bologna si aufhalten sollten, damit die österreichische Armee, wenn sie durchziehen müßte, vollkommen ficher passiren kann. Der Feld- marschall - Lieutenant Welden reiste am 7ten Abends ab, nachdem er eine militairische Position genommen hatte und sogar Batterieen aufführen ließ, für den Fall, als die Stadt nicht in folche billige Forderun- gen eingehen sollte, Den Sten früh begaben sih mehrere Offiziere im vollen Vertrauen auf die abgeschlossene Convention nah Bologna. Drei wurden meuchelmörderish ermordet, so wie mehrere Soldaten; auf das stürzte ein bewaffneter Pöbelhaufen aus der Stadt und beshoß unsere Avantgarde, so daß 5 todt blieben und bei 60 verwundet wurden, Dies bewog den F. M. L, Perglas, welhen Welden zurüd>gelassen haite, mit dem Befehle, am $ten seinen Rü>marsch an den Po anzutreten, gegen die Stadt und den zahl- reichen Pöbelhaufen schießen zu lassen, Bologna wurde beschossen, Perglas irat aber darauf gleich. seinen Rückzug an. Das isst das wahre Faktum; wenn im Kriege Soldaten meuchelmörderisch ermordet werden, wenn Trup- pen angegriffen werden, so müssen sie sich vertheidigen, und ein solcher Ver- rath muß bestraft werden. (Beifall.) Diese strengen Maßregeln sind nux für die Dauer des Krieges, und es geschieht au<h nur îm äußersten Nothfalle. Feldmarschall - Lizutenant Welden is einer unserer ge- schi>testen und verständigsten Generale, Leider hatte ihn dieses verräthe- rische Benehmen von eimigen Botognesern, die vielleiht auch unter den Crociati gewesen sein dürften, die sich überall durch Exzesse ausgezeichnet haben, zu diesen strengen Maßregeln genöthigt, was ich recht fehr bedaure. Ücbrigens is F. M, L, Welden bereits über den Po zurückgegangen, und die Delegation ist nicht mehr besegt. Abgeordn. Sierakowski interpel= lirte den Kriegs-Minister, ob der Herzog zu Modena von unseren Trup- pen gegen die Versicherung der Thronrede eingeseht wnrde? Kriegs-Mini- ster Latour: Jch bin durch einen Bericht des Feldmarschalls, den ih heute erhalten habe, in der Lage, auf diese Interpeliation zu antwor- ten. Der Marsch des G, M. Fürsten Liechtenstein über Modena war militairis< nothwendig, und die Kolonne mußte der Haupt-Armee, die auf dem linken Ufer vorgerückt war, auf gleicher Höhe folgen, Sein Einrü>ken in Modena hat auf diese Art stattgefunten, der Herzog war meh- rere Tage früher zuerst im Hauptquartier angekommen und hat si< nach Mantua verfügt, wo er 5 bis 6 Tage verweilte, Als er diese Nachricht erhielt, daß das Landvolk im Herzogthum Modena unsere Truppen überall mit Jubel empfangen hatte und den lauten Wunsch geäußert, daß ibr Lan- desghexr zurückehren sollte, hat er si< auf seinen Antrieb nach Modena be- gèben. Das is die Thatsache, meine Herren. lleber seinen Einzug in Mo- dena habe ih noch keinen weiteren Bericht erhalten, Abg. Löhner inter- irt den Kriegs « Minister, wie weit die Untersuhung gegen den Grafen iy gediehen sci? Kriegs-Minister Latour? Jch bin im Stande, diese rage auf eine genügende Art zu beantworten, Der kriegsrechtliche Prozeß des Grafen Zichy is aus der Ursache noch nicht beendet, weil die Erhebung nicht stattfinden konnte, bis nicht der Graf Martini vernommen werden konnte, der dazumal in Venedig war und erst seit acht Tagen angekommen ist, nachdem er auch entlassen worden warz er wurde in drei Sihungen ver- nommen, seine Aussagen werden jeyt nah Olmüy geschickt, und das ist nothwendig, um ein Endurtheil zu fällen. Ferner interpellirte Löhner den Justiz-Minister, ob gegen den Civil-Gouverneur von Venedig, den Grafen Palffv, irgend ein Verfahren eingeleitet ist, nah welcher Norm gehandelt wird, und ob dasselbe cin Resultat gehabt hat? Minister Ba <. Es ist bekannt, daß der Fall des Grafen Palfy noch unter das vori e Ministerium fällt, Das jeyige hat die Nothwendigkeit erkannt, auch die Amtshandlun- en des Grafen Palffy emer strengen Untersuchung zu unterwerfen, Wir find von der Ansicht ausgegangen, daß, nachdem der Militair-Gouverneur einer strengen Untersuchung zu unterwerfen sei, der Civil-Gouverneur eben- falls: einer strengen Untersuhung unterworfen werden müsse, und das Mis- nisterium hat in dieser Angelegenheit beschlossen, eine Kommission darüber der, diè darüber urtheilen foll, na< deren Resultat sich das Ergebniß herausstellen kann, inwiefern sie zu einer gerichtlichen Unter- suhuug geeignet seien.

Abg. Brauner befragt das Ministerium, ob seine gestrige Versiche- rung, daß die Landstände nur Vorarbeiten zu machen haben, auch nur von jenen Landständen gelte, die nah der alten Art eingerichtet sind, oder auch von den böhmischen, der als konstituirender Landtag vom Ministerium ein- berufen wurde? Jm lepteren Falle bitte er um Vorlage der Akten, welche den Erlaß vom 8, Juni derogiren. Doblhoff: Jch bin nur über die- jenigen Landtage befragt worden, welche seit dem 15, März tagen, ih habe mich deshalb auch nur berufen gefühlt, nur über diese Landtage meine Meinung zu äußern, rücksichtlih des böhmischen Landtages war ich nicht in

der Lage, meine Meinung darüber auszusprechen, weil derselbe noch nicht zu- .

sammengetreten is. J will und wollte daher au nicht vorgreifen, hier- über meine Meinung auszusprechen. Es handelt sich bei Böhmen um eine andere Stellung, indem der Landtag in Böhmen, wenn er zusammengekommen wäre, auf einer ganz anderen Grundlage beruht hätte, nämlich auf der Allerhöchsten Entschließung vom 8. April, wogegen die übrigen Landtage auf den frühe- ren Grundlagen zusammengetreten sind, _

(Schluß folgt.)

Vien, 18, Aug. (Wien. Ztg.) Das Kriegs - Ministerium hat Berichte vom Feldmarschall - Lieutenant Baron Welden aus Dane vom 10ten d. M. erhalten. Zufolge der demselben zuge- ommenen Weisung i} der genannte Feldmarschall-Lieutenant für seine Person am 7ten von Bologna nah Padua zurückgekehrt, nachdem er dem Feldmarschall-Lieutenant Baron Perglas den Befehl zum Abzug der Truppen für den Sten hinterlassen hatte. Jm Augenbli>e jedoch, wo der Leßtere sih anschi>te, diesen Rückmarsch anzutreten, wurde er, gegen den Tages zuvor mit den Behörden abgeschlossenen Vergleich, von bewaffneten Haufen angefallen, drei die friedlih geglaubte Stadt besuchende Offiziere und mehrere Soldaten meuchlings erschossen und verschiedene Gewaltthätigkeiten gegen Einzelne verübt. Der Feld- marschall-Lieutenant Perglas sah \sih somit in demselben Augenblid>e, wo er die eingegangenen Verbindlichkeiten getreu zu erfüllen im Be- griffe stand, in die Nothwendigkeit verseht, die auf seine Arrieregarde emachten Angriffe zurückzuweisen. Nach einem mehrstündigen Kampfe Finer Nachhut, welche er dur ein lebhastes Geschüßseuer zu unter=- stüßen gezwungen war, hewirkte er geordnet seinen Rückmarsch gegen den Po und erreichte no< an demselben Tage Ponte di Reno, am 9ten Corticetto und San Giorgío, am 10ten Ceuto. Unser Verlust in diesem Kampfe, den die blinde Volkswuth bei völliger Mißach-

der von den geseßlichen Behörden ausgehenden Befehle als einen

Akt der Nothwehr von Seiten des Feldmarschall-Lieutenants Perglas er-

(einen läßt, beträgt 5 Todte, worunter 2 Offiziere, 63 Verwundete,

worunter 2 Stabs- und 6 Ober-Offiziere. Vermißt werden 1 Osfi-

zier und 83 Maan. Der Verlust des Feindes besteht, so viel man ,

weiß, in 60 bis 70 Todten. Die Zahl der Blessirten is nit be- |

kannt.

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Sachsen. Dresden, 18. Aug. (D. A. Z.) Heute Nach- mittag ist Se. Majestät der König von Preußen mit einem Extra- zuge von Leipzig hie angelangt und hat si< sofort in Begleitung des Prinzen Johann, der ihn auf dem leipziger Bahnhof erwartet hatte, nah Pillniß begeben, wo befanntli<h Jhre Majrstät die Köni- gin von Preußen schen seit einigen Tagen verweilt,

Anhalt-Desßau. Deßau, 15. Aug. (Magd. Ztg.) In der heutigen Sipung des Landtages kam der von der erwählten Kom- mission vorgelegte Entwurf einer Antworts- Adresse zur Berathung, Nachdem dieser vom Berichterstatter Klinghammer verlesen war und mehrere Redner im Allgemeinen darüber gesprochen, der Abgeordnete von Behr auch auf Vereinfachung der Worte: Höch stihre und Höch stsie angetragen hatte, welher Antrag jedoch ¿verworfen wurde, kamen die einzelnen Säße zur Berathuug und Abstimmung. Mit den wenigen Veränderungen, welche gewünscht und angenommen wurden, lautet die Adresse folgendermaßen :

„Durchlauchtigster Herzog, Gnädigster Herzog und Herr! Auf Euer ältestregierenden Hoheit Ruf sind wir, die Abgeordneten des Volkes von Anhalt-Deßau und Anhalt-Cöthen, am 31. Juli d. J. in Höhstihrer Residenz zusammengetreten. Die eigenthümlichen Schwierigkeiten, welche dieser Vereinigung si entgegenstellten, sind glü>lih überwunden. Durch die Verwirklichung dieses allge=- mein gehegten und kräftig ausgesprochenen Wunsches der Angehöri- gen beider Herzogthümer is ein großer, tief in das politische Leben Anhalts eingreifender Schritt gethan. Indem wir bedauern, daß die Vereinigung \ih nicht auf das gesammte Anhalt erstre>t, geben wir die Hoffnung nicht auf, daß eine solhe Einigung noh herbeigeführt werde. Wir fühlen uns verpflichtet, für den fürstlichen Beschluß un- serer Zusammenberufung den Ausdruck des tief empfundenen Dankes zweier Völker eines Stammes am Throne niederzulegen. Durch den Willen Eurer Hoheit und die Kraft der Volksgesinnung wurde unser T Vaterland emporgehoben. Es gab unserem nach fräftiger Einigung strebenden großen Gesammt - Vaterlande Deutsch= land das Beispiel, daß es ihm um die Einigung Ernst sei. Auch die fernere Wohlfahrt unseres Vaterlandes, vielleicht sogar seine politische Selbstständigkeit, beruht auf dieser Vereinigung. Mit vie= ler Genugthuung haben wir die Zusage angenommen, daß durch die Aufstellung einer gemeinsamen Verfassung und durch Einsetzung eines Gesammt-Staatsministeriums für die Herzogthümer Anhalt-Deßau und Anhalt = Cöthen die Sonderinteressen beider Staaten nicht im geringsten verleßt oder beeinträchtigt werden sollen. Das Volk findet darin eine besondere Beruhigung. Im Geiste der Zeit haben wir cs freudig bearüßt, daß von Ew. Hoheit durch das Patent vom 23. Juli d. J. der Standpunkt der Vereinbarung einer Verfassung aufgestellt worden is, Mit niht minderer Freude hat uns die Zu-= sicherung erfüllt, daß in Folge der in einem Nachbarstaate vorgeschla= genen weiteren Fortschritte ein Nachtrag zu dem Verfassungs - Entwurfe werde veröffentlicht werden, Der Vorlage dieses Nachtrags sehen wir bal- digstentgegen. Auch wir erachten dafür, daß die von dem Rational-Parla= mentin Frankfurt a. M. bestimmten Grundrechte in unsere Verfassung über=

ehen müssen. Wir erkennen die Bestimmung der deutschen National=

ersammlung über die Grundrechte des Volks als das geringste Maß der demsclben zu gewährenden Rechte in Ucbereinstimmung mit der Nationalversammlung an und halten dabei die von derselbeu gewährte Befugniß fest, dieses Maß je nah den Bedürfnissen des Landes zu erweitern, Die Wahl des Reichsverwesers haben wir als einen bedeutungsvollen Schritt für die Einheit Deutschlands willkommen geheißen. Nah dem Wunsche Ew. Hoheit haben wir mit der Berathung über die in dem Verfassungsentwurfe enthaltenen Volksrehte den Äufang gemacht und werden mit regem Cifer das begonnene shwierige Werk fortseßen und vollenden, dur welches die landesherrliche Macht mit der gedeihlihen Wirksamkeit der Volks- vertretung auf unerschütterlichem Boden sih verbindet. Ew. Hoheit wünschen wir aufrichtig Glück dazu, daß Höchstjie des Rathes frei- müthiger Männer si bedienen, welche das Bedürfniß der Zeit erkannt haben und das Vertrauen des Volks besißen. Wir leben der zuver- sihtlihen Hoffnung, daß Ew. Hoheit fortfahren werden, überhaupt Männer von anerkannter Gesinnungstüchtigkeit zu allen Staatsämtern zu berufen. Hierdur< allein wird es möglich, die Stürme der Jettzeit zu bewältigen, Jn Gemeinschaft mit solhen Männern wird es uns gelingen, eine auf allgemeiner, volksthümliher Grundlage beruhende monarchis< - constitutionnelle Regierung aufzurichten, Diese wird dem anßhaltishen Volke einen vor den uttlói Gefahren der Gegenwart gesicherten Entwi>kelungsgang gewähren, Unter ihren Segnungen werden beide Länder erfreuen wir uns ferner des Friedens die Früchte eines freien, öffentlichen, die Gesammtheit des Volkes erhebenden Staatslebens genießen und in treuer Anhäng- lihfeit an den hochherzigen Fürsten, auf den si< unser Bli>k ver trauensvoll richtet, einem immer vollklommneren Zustande entgegen- gehen, nah welhem das gesammte deutshe Vaterland gegenwärtig so mächtig ringt. Jn tiefster Ehrfurht verharren : Die Abgeordneten des Vereinigten Landtages.“ i

Jn dieser Fassung wurde die Adresse gegen eine Stimme, die des Abgeordneten von Prüschen>, welcher überhaupt gegen die Er- lassung einer solchen gewesen war, angenommen. Hierauf war ein Antrag des Abgeordneten Sander an der Tagesordnung : Daß die Versammlung beschließen möge, $. 11 des Verfassungs - Entwurfs, der von der Civilliste handelt und deshalb dem besonderen deßauer Landtage vorgelegt werden sollte, auf dem Vereinigten Land= tage zu berathen, weil Cöthen, wenn es auh bei der Fest- stellung der Höhe der Civilliste nicht mitzusprehen habe, doch bei der Art, wie diese begründet werden solle, ein Interessc habe. Da aber die Sache schwierig und auch allerdings die Kom=- petenz der Versammlung zu diesem Beschlusse nicht außer allem Zwei= fel sei, {lug Sander selbst vor, zuvörderst die Kompctenzfrage durch eine Kommission prüfen zu lassen. Es entspann sih hierüber eine längere und nicht ohne Leidenschaft geführte Debatte, und ob- gleih das Ministerium wiederholt erklärte, daß es gegen eine solche Kommission gar nichts habe, es im Gegentheil wünschenëwe1th finde, daß fi: die Versammlung selbst eine gründliche Ansicht über diese Sache bilde, dagegen auf das Jnnere der Frage einzugehen und seine Ansicht über die Kompetenz auszusprechen sich ausdrücklich für später vorbehielt: so wollten doh viele cöthensche sowohl als deßauische Abgeordnete si< nicht zur Wahl einer Kommission ver- stehen, und diese Ansicht behielt au< bei der Abstimmung die Ober- hand. Präsident Wolter sagte hierauf, daß die Folge dieser Ab- stimmung die sei, daß nun der Antrag selbst sofort berathen werden müsse; da aber Abgeordneter Sander einsah, daß dies niht wohl thunlich sei, war er genöthigt, seinen Antrag zurüczuziehen.

Schleswig-Holstein. Kiel, 17. Aug. (A. M.) Nah- dem die Mtglieder der fonstituirenden Versammlung gestern Abend eine: bis tief in die Nacht dauernde vertrauliche Beipreäting gehabt hatten und diese heute Morgen 10 Uhr fortgeseßt worden, erwartete man beim Beginne der heatigen Sihung (12 Uhr), da auch inzwischen Beseler und Graf Reventlou von Rendsburg eingetroffen waren, eine. interessante Verhandlung über die Waffenstillstands - Bedingungen. Diese erfolgte jedo nicht, sondern es wurde nah der Tagesordnung die Wahl der 15 Mitglieder des Verfassungsaus\{husses vorgenommen und. hierauf die: Erörterung der beanstandeten Wahlen - fortgeseßt.

Die Versammlung zeigte \i< in Zulassung der angefochtenen Wahlen sehr wenig \<wierig , daher RS heute fein E der betreffenden Abgeordneten zurü>gewiesen ward. Beim Schlusse der Sizung (4 Uhr) wurde der Ausfall der Wahlen zu dem Verfassungs - Ausschuß bekannt gemaht. Gewählt sind: Etatsrath Olshausen mit 73 Stimmen, Landvogt Jensen mit 72, Amtmann Jacobsen mit 63, Obergerichts - Advokat Claussen mit 54, Etatsrath gal> mit 54, von Peangen mit 49, Graf Reventlow mit 49, Dr. Lorenßen mit 48, Pastor Lorenßen mit 45, Amtmann Baron von Liliencron mit 45, Syndikus Prehn mit 41, Professor Ravit mit 41, Pastor Wolf mit 41, Ober - Gerichtsrath Kamphövener mit 40 und Professor Christiansen mit 38 Stimmen.

__ Nah kurzer Pause begann aber wieder (6 Uhr) eine vertrau=- liche Besprechung der Abgeordneten in Anlaß der von Rendsburg gekommenen Mittheilungen, welher um 8 Uhr eine geheime Sißung der konstituirenden Versammlung folgte. Es handelt sich darin“ offen= bar um die gewünschte Vertagung bis zum 13. (oder 15.) Septem- ber, doch is jeßt (Mitternacht) die Sißung noch nicht beendigt.

Frankfurt. Frankfurt a. M., 17. Aug. (Frankf. B[,) Der Senat hat unterm 15ten d. M. wegen Revision der hiesigen Verfassung nachstehendes Geseh erlassen :

„Wir Bürgermeister und Rath der freien Stadt Frankfurt verordnen hiermit auf verfassungsmäßigen Beschluß der gesepgebenden Versammlung vom 1sten v. M. wie folgt: 1) Um eine Prüfung über die nöthigen Ab- änderungen der Verfassung vorzunehmen und einen Entwurf hicrüber, zum Behuf weiterer verfassungsmäßigen Behandlung dieses Gegenstandes, vor- zulegen, soll ein Ausschuß von dreißig Personen ernannt werden ; fünfund- zwanzig Mitglieder dieses Ausschusses werden dur< unmittelbare Abstim- mung der nach Artikel 11 der Constitutions-Ergänzungs-Afte berechtigten Urwähler der Stadt und fünf Mitglieder durh unmittelbare Abstimmung der nah $. 11 des Gesezes vom 3, Juni 1823 stimmbe«:<tigten Land- Bewohner erwählt; 3) wählbar ist jeder Wahlberechtigte, ohne Rücksicht auf seinen Wahlbezirk, so daß der Stadt-Bewohner auf dem Lande und der Land- Bewohner in der Stadt erwählt werden kannz 4) jeder in der Stadt oder auf dem Lande für den Verfassungs - Ausschuß Erwählte muß, damit seine Wahl gültig sei, wenigstens ein Drittheil der Stimmen sämmt- liher in der Stadt oder auf dem Lande wirklich zur Abstimmung \chreiten- den Wähler für sich haben. Die Stimmen des Stadtbezirkes und die des Landbezirkes werden hierbei nicht zusammengerechnet, Beschlossen in Unserer Großen Raths-Versammlung den 15. August 1818,“

Auf eine in Betreff der anzuordnenden Wahl ciner Kommission zur Revision der hiesigen Verfassung von dem Vorstande der hiesigen israecliti- hen Gemeinde bei hohem Senat eingereichte Vorstellung mit dem Schluß- Antrage: „Hochderselbe wolle sich dahin auszusprechen geruhen, daß bei der beabsichtigten Einberufung eines vorberathenden Verfassangsrathes hin- sichtlich der israelitischen Gemeinde - Angehörigen keine Zurücksezung stalt- finde, sondern daß denselben gleich ihren christlichen Mitbürgern die Wähl- barkeit und die Mitwükung bei den Wahlen zugestanden werde‘‘, wurde zu gleicher Zeit beschlossen: „Da alle sclbstständigen hiesigen Jsraeliten zur Mitwirkung bei der Wahl cines Abgeordneten für die konstituirende Reichs- Versammlung berufen und insofern hierbei die von dem Vorparlament em- pfohlenen Grundsäze beobachtet worden sind, so kann es die Absicht des Vorstandes nicht sein, in dieser Beziehung eine Beschwerde erheben zu wollen. Die Reichsverfassung, wozu jenes Parlament durch ein Wahlgeseß für die konstituirende Reichsversammlung die erste Vorbereitung getroffen hat, wird gegenwärtig berathen, Was das Verhältniß bestehender Ver- fassungen der einzelnen deutschen Staaten zu der fünftigen Neichs- Verfassung betrifft, so is hieruúber von der Reichs - Versammlung der bekannte Beschluß gefaßt worden: „daß alle Bestimmungen einzel- ner deutschen Verfassungen , welche mit dem von der National-Versammlung zu gründenden deutschen Verfassungswerke nicht übereinstimmen, nur nach Maßgabe des letzteren als gültig zu betrachten sind ihrer bis dahin bestandenen Wirksamkeit unbeschadet. Jn diesem Beschlusse is die sich von selbst verstehende Bestimmung, daß die Verfassungen der deutschen Einzel- staaten bis dahin, wo die allgemeine Verfassung vollendet sein wird, ihre fortdaucrnde Gültigkeit behalten, no< ausdrüflih aufgenommen, Mit der Vollendung der Neichs - Verfassung wird seiner Zeit die Nothwendigkeit der Abänderung solcher Verfassungs - Grundsäze in den Einzelstaaten hervortre- ten, in wel<hen ein Widerspruch mit der allgemeinen deutschen Seriahung enthalten sein könnte. Bei der Revision der hiesigen Verfassung wid jedoch wahrscheinlich no<h von anderen Abänderungen die Rede sein. Es is hier- bei der bes<hworene verfassungsmäßige Weg einzuhalten, welchen der Artikel 50 der Constitutions-Ergänzungs-Akte bezeichnet, Hiernach steht den Jsrae- liten eben so wenig, als nach dem Geseh vom 1, Sept, 1824, cin Recht der Mit- wirkung bei Veränderungen der Verfassung zu, während nach dem Artikel 7 der Constitutions-Ergänzungs-Akte die Emancipation der Landbewohner und die Regulirung ihrer künftigen Verhältnisse von dem geschgebenden Körper be- rathen werden soll, zu welchem die Landbewohner gehören. Wenn nun der Senat im Verein mit den übrigen verfassungsmäßigen Behörden die Grund- säße in Ausführung zu bringen nicht verfehlen wird, welche von der fonsti- tuirenden Reichs - Versammlung festgestellt werden, wenn diese Grundsäße den Jsraceliten wahrscheinlich gleiche politische Rechte mit den christlichen Bürgern ertheilen und sonach das Geseß “vom 1. September 1824 guf- heben werden, so hätte die Erinnerung an dicses Gesey und an die Er- weiterung der darin für die Israeliten enthaltenen Befugnisse, welche schon seither von Seiten der hiesigen Behörden gewährt worden is, dem Vor- stand wohl ein Grund des Vertrauens und der Beruhigung sein möge. Nicht um den Beirath der Jsraeliten abzulehnen, sondern um die neue Verfassung auf verfassungsmäßige Weise ins Leben zu rufen und dieselbe dazurch vor jeder Aufechtung zu sichern, hat der Senat dem Beschluß der geseßgebenden Versammlung vom 1sten v. Mts, seine Zustimmung ertheilt.“

Hamburg. Hamburg, 18, Aug, (B. H.) Der heutige Tag bezeichnet die neue Epoche Hamburgs. Heute Nachmittag gegen Z Uhr verkündete die aus dem Rathhaufe zurüctkehrende Deputation der wieder aus mehr als 2000 Bürgern bestehenden großen Ver- sammlung in der Tonhalle das befriedigende Ergebniß ihrer heutigen Sendung. Der Senat hat seinem gestrigen Beschluß heute den fol= genden hinzugefügt und hat auch den zweiten Theil des Verlangens der Petition der Vereine bewilligt, Die Antwort lautet: „Nah sorgfältiger Erwägung der eingegangenen verschiedenen Petitionen is der Senat seinerseits der Ansicht , daß die Feststellung der künf- tigen Verfassung abseiten der zu diesem Zwecke zu berufenden fonsti- tuirenden Versammlung unabhängig von Rath und Bürgerschaft zu beschaffen sein werde, und wird er daher seinen Antrag an Erbges.

Bürgerschaft hierauf richten.“

Ausland.

Frankreich. National - Versammlung. Schluß der Sitzung vom 16. August, Nach dreistündiger Debatte wurde die allgemeine Diskussion über den Geseh-Entwurf in Betreff der Eisen- bahn von Paris nah Lyon geschlossen, und die Berathung der Ar- tifel begann] Artikel 1 zerfällt in 5 Abschnitte: a) Mit Veröffent= lihung des Geseges tritt der Staat in den Besiy der Bahn von Paris nah Lyon;z b) demzufolge seßt der Staat die Arbeiten unver=- züglich fort; c) die Actiengesellschaft übergiebt ihr sämmtlihes Mo- bilíar, ihre Zeichnungen und Pläne zu Händen des Staates. Diese drei Abschnitte riefen weng Widerspru< hervor, Aber der vierte wurde lebhaft besprochen. Er lautet: d) Der Staat übernimmt alle Verträge und Verbindlichkeiten der Bahngesellschaft. Mehrere Mit- glieder stellten die Möglichkeit auf, daß Betrügereien verübt werden fönnten. Die großen Hüttenbesißer und sonstigen Material Verkäufer seien oft Actionaire und Lieferanten , mit anderen Wor= ten, Richter und Partei in Einer Person. Darum wurden dem Abschnitte die Worte: „Die vor Veröffentlichung des

Gesehes ges<lossen worden““, angehängt. Artikel 2, der die von der Regierung zu leistenden Entshädigungszahlungen feststellt, wurde ohne Weiteres angenommen. Artikel 3 gab dagegen zu einer längeren Diskussion Veranlassung. Er sett die den Actionairen als Kaufpreis zu bewilligende Rente für die Actie von 5090 Fr. auf 75 Fr. fest und wurde von Fourvayron stark angefohten, der auf Herabseßung dieses Preises von 7 Fr. 60 Cent. auf 6 Fr. 9 Cent. drang, weil 7 Fr. 60 Cent. fein Durchschn-ttêpreis wäre. Einen Durchschnitts- preis dadurch ermitteln zu wollen, daß man den höchsten und niedrig- sten Börsen- Cours dividire, sei fals<h. Man müsse den Cours aller Tage berüsichtigen und dann den Quotienten findenz dies sei gerecht. Goudchaux erwiederte, daß 7 Fr. 60 Fr. ke:n Durchschnittépreis sei, sondern eine Zahl, welche den fcüheren Verträgen entsprungen. Der Artikel 3 wurde darauf ebenfalls angenommen und die Fortseßung der Debatte auf morgea verschoben. Die Versammlung ging um 64% Uhr aus einauder.

Sihung vom'17. Aug. Anfang 15 Uhr. Präsident Marrasft. Cremieux legt seinen Bericht im Namen des betreffenden Ausschus= ses über Prüfung des Geseß=-Entwurfs rücksihtlih der Wahlen für Bildung der Handelsgerichte vor. Mauragt Balange desgleichen seinen Bericht über das neue Jazdgeseß. de Saint Prie dcs- gleichen scinen Bericht über die Porto - Reform. Der Ausschuß be- fürwortet die gleihe Taxe von 0) Centimen für einen einfachen Brief 1m Umfang der Republik. Die Versammlung seßt dann die Disfkus- sion des Rückkaufs der Lyoner Bahn fort. “Art, 4 des betreffenden Geseß-Entwurfs verspricht deujenigen Actionairen, welche si 10 Tage nach Veröffentlichung des Geseßes zur Fortzahlung der noch restiren= den Actien - Quoten von 6 zu 6 Monaten verstehen, die bereits ein- gezahlten 250 Fr. per Actie mit 4 pCt. zu verzinsen und dies selbst fünftigen Cesfiongrien gegenüber zu thun. Brunet legt ein Amen- dement vor, das den Jnhabern der Actien fast dieselben Vortheile einräumt, aber durh seine Weitschweifigkeit den Unwillen der Ver-

* fammlung erregt, die der Eutwickelung desselben nur geringe Auf-

merksamkeit schenkt. Goudchaux bekämpft dosselbe. Guerin be- antragt elnen anderen Zusatz, der den Actionairen ähnliche Vertdgeile bietet. Gondchaux befämpft auch diesen und dringt auf Annahme des Artikels, da ohnehin dem Staate die Mittel genommen würden, die Bahn zu vollenden. Die Regu!irung der alten Actien-Forde- rungen auf diese Weise bringt 100 Millionen Franken, welche zur Vollendung der Bahn hinreichen würden. Der Artikel wird angenommen, Art 5 bewilligt dem Finanz = Minister die nöthigen Einschreibungen im großen Schuldbuhe. Ohne Dis- kussion angenommen. Art, 6 stellt den Amortisations - Fonds auf ”- des Nominal - Kapitals fest. Angencmmen. Art. 7 eröffnet dem Minister der öffentlichen Arbeiten einen vorläufigen Kredit von 20 Millionen Jr. Angenommen. Mouraud bringt einen Additional- Paragraphen, der darguf anträgt, den nöthigen Kredit zur Z veig- bahn von Châlons nach Lyon zu bewilligen. Verworfen. Das ganze Geseß geht dur<. Die Bahn nach Lyon gehört also von heute an dem Staate. Nun folgt die Berathung über die gütlihen Ber- gleihe zwischen Gläubigern und Schuldnern, von deren Annahme oder Verwerfung das Journal des Débats das Swicfsal von 30,000 fleinen Fabrikanten und Handelsleuten abhängig macht, Die passiven Papiere der hiesigen Bank betragen allein an 21 Millionen Ör. Sie will ihr Geld haben, darum widersetzen sih die größeren Finanz-Männer dem neuen Projekte. Sie erklären es für cine Ver-= leßung des Kapitals, einen Angriff aufs Eigenthum, also für fommunistish. Benaxrd erhielt zuerst das Wort, Er unterstüßt den Vorschlag. Wollte man ihn freilich auf immerwäß- rende Zeiten auèdehnen, also die betreffeuden Paragraphen des Han- dels-Geseßzbuchs streichen, dann würde er thn bekämpfen, ZJudessen fei derselbe ja nur provisoris<. Das Einzige, was er mangelhaft dabei finde, sei, daß der Vorschlag nicht genug helfen werde, daß man etwas Besseres hätte finden können. Brillier hält den Vor= {lag für ungemein gefährlih und warnt vor jeder Abweichung in den Geseßen über Bankerotte. Favre dagegen vertheidigt den Vor= \hlag ans allen Kräften, Freslon hält tie gütlihen Vergleiche für ein bloßes Ausfuufts¡zuiitel, das den Kredit vollends erschüttern und gar den Ruin der Repablif herbeiführen werde, Da er ader ein Feind aller Auskunftsmittel und ein Freund der Republik sei, so widersebe ex sich dem Vorschlage. Die Februar - Männer hätten sich mit bloßen Ausfunstémitteln zu helfen gesuht. (Beifall zur Rechten.) V uponut von Bussac, einer der 1r- hcbe: des Vorschlages, vertheidigt denselben ¡atürlich. „„Nehmt Jhr ihn nicht an‘“, sagt er, „so seht Jhr morgen Tausende von Vankerot- ten ausbre<en. (Oh! Oh!) Man erklärt die Rechte der Gläubiger für gefährdet. Wie aber i} dies möglich, da der Schuldner über=- wacht wird und er ohne Zustimmung der Kommissarien weder über Einnahmen noch Ausgaben vexfügen kann. 2Lill übrigens ein Schuld= ner keinen Gebrauch von dem Vergleich machen, so steht es ihm ja frei. Aber dieser Fall ist nicht zu gewärtigen. Die Verlegenheit ist fürchterli.h, und man hat si<h uur zu beeilen, den Vorschlag anzu - nehmen, um den Arbeitern Brod zu verschaffen. Darum ist die Frage eine politische und soziale.“ Bravard seßt aus einande-, welches die verschiedenen Arten von Vergleichen scien, die bisher im französischen Handel obgewaltet, Sie hießen: 1) freiwillge Ver- träge zwishen Gläubigern und Schuldnern (traités amiables ); 2) die Einigung (Union ). Er könne der dritten Art, nämlich den neuen gütlichen Vergleichen, keinen Vorzug zugestehen. Die alten Justitutionen und Gebräuche genügten. Die neuen Vergleiche wür- den die faufmännishe Moral stürzen, indem sie die Furcht vor der Schande des Baukerots aufheben odér wenigstens sehr s{wächen würden. Er bekämpfe darum den Antrag. Bravard ist Berichter= statter des Ausschusses. Die Debatte rourde hier abgebrohen. Mar- rast, Präsident, mit einem starken gelben Quartibande in der Hand, zeigt der Versammlung an, daß der erste Band der Aktenstü>e der Untersuchungs - Kommission über die Mai- uud Juni-Ereignisse mor- gen früh, der zweite übermorgen und der dritte bald darauf vertheilt werden solle. Die Sißzung wird um 64 Uhr geschlossen,

Paris, 17. Aug. Der Spectateur meldet heute in aller Eil, daß Bologna nicht bombardirt worden, und daß das wiener Kabinet den Feidmarschall - Lieutenznt Welden, der gegen Bologna marschirte und eine Proclamation an die römischen Legationen ge- richtet hatte, abberufen habe, Ju Bezug auf die Waffenstillstands- Convention zwischen der österreichischen und der sardinischen Armee sagt der Spectateur: „Wir erhielten dieses Aktenstück zu spät, um sofort unsere Betrachtungen daran zu knüpfen. Hoffen wir, daß uns die nächsten Couriere die Gründe melden, die Karl Albert be- stimmen konnten, an der Spiße von fünf und vierzig tausend Mann ganz Jtalien und vorzüglich diejenigen Theile desselben zu räumen, welche no< gar nicht besiegt waren.“ Der Moniteur du Soir erklärt: „„Einige Blätter haben gemeldet, Lucian Murat sei in Italien mit einer politishen Sendung von der französischen Regie- rung beauftragt. Diese Angabe is durchaus umichtig. Lucian Murat hat von der Nationalversammlung einen Urloub nachgesucht und er- halten, um Familien - Angelegenheiten in Ftalien zu ordnen,

Der französishe Geschäftsträger in Turin, Reisel, hat, wie be-

richtet wird, von Rabebky, den er pêrsönlih spra, die umfassend-

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sten und bestimmtesten Garantieen für alle in Mailand wohnenden Franzosen erlangt. :

Das Bien public fügt sich jeßt, was die italienischen Ange= legenheiten betrifft, in die Unstände. Es meint nur no<, man hâtte zugleih vermitteln und interveniren, die diplomatischen Unterhandlun= gen mit den Bewegungen des Heeres verbinden soilen. Das Bien public mat ferner folgende Bemerkungen : „Wir können die Hal- tung Cavaignac's nur billigen. Was wollen wir? Die Unabhängig- feit Jtaliens! Woblan, der Friede wird uns eher als der Krieg zum Ziele führen. Diese Politif wird ohne Zweifel gewisse unge- duldige Geister niht befriedigen, welche wünschen, daß Frankreich die Karte Europa’s nah Gutdünken umgestalte, als ob Frankreich die einzige Macht in Europa wäre, die an emem besseren Gleichge- wichte Jnteresse hat, oder als ob es der fahrende Rüter aller Jn- surrectionen wäre. Cavaianac hatte Recht, entschieden zu brechen mit jener Diplomatie im Schnurrbart, welche die auswärtigen Fra- gen niht anders, als mit Flintenschüssen verhandeln will,“ Das Journal des Débats würde sebr bedauera, wenn die Vermitte= lung Franfreibs und Englands zu spät fäme, wie die Times be- fürhtet. Es sei mögli, daß, nah den Gesehen des Krieges, Karl Albert blos auf die Jntegrität seines Grundgebietes Anspruch mahen fönne, es sei aber flar, daß zur Erhaltung des Friedens etw2s An= deres gehöre. Das Blatt meint, Oesterre:< würde, indem es Opfer brächte, welche nicht mehr die Ehre seiner Waffen verleßen könnten, blos seine eigenen Jnteressen, so wie die von ganz Europa, zu Rathe iehen. E Der gestrige Abend, an welchem die Regierung eine Emeute be- fürchtet haben joll, verstrich ruhig. Seit zwei bis drei Tagen sprach man allerdings von einer Petition zu Gunsten Jtaliens, Laroche- jacquelin und die übrigen Repräjentanten der alten legitimistischen Partei beshwerten si<h aber am Schluß dir gestrigen Sivung | der National-Versammlung in Privatgesprächen sehr bitter darüber, daß man ihnen, von deuen die Petition ausgehen sollte, die Absicht einer auarchisden Bewegung zuschreiben wolle.

Vorgestern, als am Geburtstage Napoleon's, zogen wieder viele Veteranen in ihren alten Uniformen zur Säule auf dem Vendome- Playe, wie nach dem Juvaliden-Hause, und s{hmüd>ten die Denkmale mit Immortellen-Kronen und Blumensträußen.

Das Kultus - Comité hat die E.mäßigung des Gehalts der Kardinäle auf die Hälfte beschlossen; das Gehalt der Erzbischöfe zu 15 Fr. und des Erzbischofs von Paris zu 40,000 Fr. will das Comité bcibchalten, die Zahl der Erzbischöfe aber vou 15 auf 10 vermindert wissen.

Ju der Verfassungs - Kommission hat si< der Kriegs - Minister aufs ents iedeuste für gänzliche Aufhebung der Zulässigkeit von Er= saßmänoern ausgesprochen. Es soll sid herausgisteUt haben, daß die Gesellschaften für Verschassung von Ersaßmännern auf ihre Kosten Journale gegründet hatten, welche ihren SGeschäfts8,weig vertheidigen

mußten. Bri diesem Anlasse kam auch zur Sprache, daß die Versiche- rungs-Gesellschaften zur Vertbeidung ihres Monopols sich Organe in der Presse geichasfen, und daß die dur< Aufheöung der S-huldenhaft verlezten Juteressen einen Fonds zusammengeschossen haben, um durch d.e Presse auf Herstellung des Haftge'eßes hinzuwirken,

Abbé Orlandi, persönlicher Freund des Papstes und einer seiner gewöhnlichen Rathgeber, is hier angelangt; er soll mit einer beson= deren Mission an die französishe Regierung beauftragt sein.

Ein Rundschreiben des Ministers des Junern befiehlt allen Prä= felten, von jeßt bis zum 15. September die Verzeichnisse der Mit- glieder der National -Gaiden aufzustellen, welhe sih- in dem Alter von 20 bis 35 Jahren befinden und die übrigen Bedingungen, welche zur Bildung der mobilen National-Garde erforderli sind, erfüllen. Diese Maßregel hat den Zwe>, die Organisation der 3900 Bataillone mobiler National-Garden , welche bekanntli<h von der National-Ver- sammlung beschlossen ist, zu beschleunigen.

An die Stelle des Schiffs - Capitains Pajol, welcher auf sein Ansuchen abbcrufen worden, it der Fregatten - Capitain Lalande de Kalan zum Gouverneur der französischen Besißungen in Ostindien ernannt.

Lyon, 13. Aug. (Köln. Z.) Seit einigen Tagen bemerkt man bei den zur Alpen=- Armee gehörenden Militair -Divistonen ganz beträchtlihe Truppen - Bewegungen, welche auf eine größere Konzen=- trirung der einzelnen Corps schließen lassen, Ven hier aus hat noch fein Abzug von Bedeutung stattgefunden. Die Ansicht, daß es zu feinem Uebergange nach Jtalien kommt, is allgemein und hat bei dem Militair einigen Mißmuth erzeugt.

Jn der Vorstadt Croix-Rousse hat man wieder cine nicht unbe-= trächtliche Waffen-Niederlage in Beschlag genommen, Ju mehreren Fabriken zeigt sih wieder größere Lebendigkeit, allein die meisten waren genöthigt, eine Verminderung der Löhne eintreten zu lassen, Die Ar= beiter fügen sich, da sie weder Hunger leiden, no<h betteln wollen.

Heftige Gewitter rihten seit einigen Wochen große Verheerun- gen auf dem Lande an, Wein giebt es übermäßig viel, Der Preis der Fässer übersteigt den Cours der edelsten Weinsorten.

Großbritanien und Jrland. London, 16. Aug. Jhre Majestät die Königin ist gestern Nachmittag von Osbornehouse, Insel Wight, im Buckingham-Palast eingetroffen, um Hof zu halten. Herr von Beaumont, der neue Gesandte der französischen Republik, hatte cine Audienz, um seine Kreditive zu überreichen. Heute wird tie Königin wieder nah der Jusel Wight zurückkehren.

Jm Ober- und Unterhause wurden gestern eine aroße An= zzhl Bills erledigt. Man beeilt si<h so schr, um zum Schluß zu fommen, daß eine Beratzung kaum mehr stattfindet, Die Posten des Budgets werden {nell votirt, und nur die Ausgaben für Heer und Flotte veranlassen längcre Kämpfe. Die Abendsizung kam nicht zu Stande, da nicht die beshlußfähige Anzahl von 40 Mitgliedern zusammengefommen war. Die vorgestern im Oberhause vom Grafen von Shrewsbury in Anregung gebrachten irländiswen Angelegenheiten dienten zur Motivirung einer Frage, welce Politik die Regierung in Zukunft hinsichtlih Jrlands zu befolgen gedächte. Mit- tel zur Abhülfe der dortigen Uebelstände wären von zahlreichen Par- laments - Comités und Königlichen Kommissionen, von statistischen und politischen Schriftstellern während der legten zwanzig Jahre em- pfohlen, von fast jeder irländischen Grand-Jury erbeten und von Lord John Russell in den Jahren 1844, 1846 und zu andeien Zeiten eifrig verlangt worden, bis zum jeßigen Augenbli> aber beständen sie nur in der Jdee, Als eine Hauptbeschwerde in Jrlaud bezeichnete der Graf die herrshende Kirhe. Religiöse Distinctionen wären der Fluch des Landes und die Grundursache aller Mißregierung in Jr- land. Durch sie wäre das Geseh zur Null geworden und die admi- nistrative Justiz vernichtet. Er sei durchaus nicht feindselig gegen die herrschende Kirche gesinnt, aber er sei überzeugt, daß eine Re- form derselben für beide Kirchen und für das Volk im Allge- meinen vortheilhaft scin würde, Ohne diese sinke die Emanci- pations - Akte zu einer bloßen Toleranz - Maßregel herab. Als irländisher Pair, als Katholik und als Engländer könne er nicht die Gelegenheit vorübergehen lassen, öffentli< gegen die Fortdauer eines Systems zu protestiren, welhes aus Jrland einen \hwachen Theil der Nation statt eines sta:ken gemacht habe, und welches dieses Land als eine Beleidigung der Menschheit und ein

Skandal für die ganze Welt hinstelle. Der Präsident des Conseils, Marquis von Lansdowne, zählte die verschiedenen Maßregeln auf, welche getroffen worden seien, um den Beschwerden in Jrland abzu- helfen, und behauptete, daß in vielen Fällen die Verzögerung, die ihre Ausführung erlitten, Jrland selbst und nicht dem Parlament bei- zumessen sei. Während der leßten 50 Jahre sei mau im Parxlamente unablässig bemüht gewesen, Jrlands Zustand zu verbessern. Berü>-= sichtige man unbefangen das Geschehene und die gemachten Anstren=- gungen, no<h mehr zu thun, so müßte man einräumen , daß das Parlament nichts verabsäumt habe, um Jrlands Lage zu verbessern. Die Regierung habe no< andere Maßregeln, als die bereits vorge=- legten, beabsic:tigt, die indeß dur die ung!ülicherwcise ausgebrochene Rebellion gehemmt worden wären ; sobald aber Ruhe und Orduung im ‘opt wirdergefehrt wären, follten diese Maßregeln vorgelegt werden.

Niederlande. Aus dem Haag, 18. Aug. (K. Z.) Der König hat die Zahl der Mitglieder der ersten Kammer um vier neue Mit= glieder vermehrt, und zwar, wie der Beschluß sich ausdrü>t, in Er- wägung der Bedeutung der Verhandlungen über die Verfassungs- Revision. Jun den Sißungen der zweiten Kammer gestern und vor=- gestern is die Debatte über gemeldete Revision eröffnet worden, und zwar über den E1twurf Nr. 1 vom Reiche und seinen Bewoh= nern. Es wurden mehrere trefflihe Reden gehalten, unter anderen von Herrn van Dam van Jsseit, welcher si< in mehreren Punkten höchst freisinnig aussprach, dagegen si aber gegen die Freiheit des Ku'tus erklärte, und zwar, weil er Uebertreibungen fürchtet sowohl von der protestantischen, als von der fatbolishen Seite.

Dánemark. Helsingör, 15. Aug. (B. H.) Gestern waren der König Oskar von Schweden und der preußishe General - Major von Below in Malmö a.gekommen und die Unterhandlungen wegen eines Waffenstillstandes zwischen Deutschland und Dänemark wieder aufgenommen worden. Man hatte Grund zu glauben, daß innerhalb verzehn Tagen oder drei Wochen der Abschluß erfolgen werde,

__ Spanien. Madrid, 12, Aug. Mon is zum Finanz -Mi- nister ernannt. Er leistete gestern in St. Jldephonso den Eid in die Hände der Königin.

__ Lesseps, Vertreter der französischen Republik, hat dem Kabinet eine Note zugestellt, in welcer auf endliche Bezahlung der Kriegs=- fosten von 1823 gedrungen wird.

__ Sattorins, Minister des Junern, begiebt si< nah Sevilla, um die Entbindung der Herzogin von Montpensier abzuwarten und die Geburt zu konstatiren.

Griechenland. Athen, 5. Aug. (D. A. Z.) Die An- gelegenheit mit Apostoli Nadir, welcher seiner Zeit auf Mussuxus ge=- schossen, is no< nm<t beendigt und beschäftigt im Gegentheil das Publikum mehr denn je. Es handelt si< immer no< um die Ausa lieferung oder Nichtauslicferuug dessclben an die Pforte, und in ihrer Verlcgenheit werden die griechischen Gerichte sich wahrscheinli< in der Sache infompetent e: klären, Eine zweite, niht weniger die Auf= merksamkeit erregende Angelegenheit is die Veruntrenung von 121,000 Drachmen durch Rigas Palamides , welcher hon 1847 der Veraus=- gabung von 135,000 Drachmen, ohne Bewilligung und Rechtfertigung bei der Diskussion des Budgets, im Seuate geziehen worden ist. Er soll die leßte Summe aus dem Staatsschaß als Minister des Junern bezogen haben ohne Erlaubniß weder der Kammern, noch des Königs, ohne Zustimmung und Wissen der anderen Minister und, wie man sagt, mit Beihülfe Korphiotakis?, des Ex-Finanz-Ministers, welcher den Chef des Rehnungswesens gezwungen, die Anweisungen zu un- tershrciben, Die Untersuchung darüber is eingeleitet, und man er- wartet mit nächstem ein Resultat derselben.

Jm Norden Griechen!ands beunruhigen die Räuber=- und Jusur-

gentcnhaufen das Land aufs neue, und haben einige Banden dersel= ben das türfische Gebiet betreteu und einige Dörfer niedergebrankt, sind aber bald von den türfis<hen Truppen ges<lagen und zerstreut worden, wobei es einige Todte und Verwundete abseßte.

Moldau und Wallachei. Jassy, 28. Juli. (Allg. Oest. Ztg) Die Russen haben die Moldau niht verlassen und werden es auch ni<t thun. Vor zwei Tagen, also am 26sten, war in Jassy aus St, Petersburg eiu Feldjäger angekommen, der den Befehl überbrachte, daß die Russen in der Moldau bleiben sollen, und taß in kürzester Zeit no<h vier Divisionen zu ihnen einrü>en würden. Fünftausend Mann Türken mit 6 Kanouen haben bei Cziglina die Ouarantaine überstanden und sind nun in und bei Galacz, Die Gencrale Duhamel und Vogt, Beide Russen, sind in Jassy, Fürst Sturdza hält sich no< auf dem Throne.

Pubtrikfandunt

Das Publifum wird hierdur<h wiederholt darauf hingewiesen, daß sämmtliche sogenannte Commissionaire, gleichwie die zur gewerbs= weisen Anfertigung schriftlicher Arbeiten in außergerichtlichen Angele- genheiten gutorisirten Konzipienten, ohne Unterschied, ob sie ihre Ge- \häfte unter ihrem einfachen Namen führen oder sih dabei der Firma von Agenturen, Comtoiren, Büreaus, Nachweisungs=- und Versor=- gungs=Anstalten, Expeditionen, Geschäfts-Kanzleien unv derz gleichen bedienen, feine voin Staate angestellte Geschäftsmänner, wie die Justiz-Kommissare und Notare und die vereidigten Agenten, Makler und Schaffnern sind, vielmehr lediglich ein Privatgewerbe betreibe. Es existirt daher auch für dieselben keinerlei obrigfeitlih festgestellte Gehührentaxe; im Gegentheil ist die Bestimmung der Ver- gütigung für die ausgeführten Besorgungen ledlich von der Privat- Einigung abhängig.

Berlin, den 1. Juli 1846.

Königliches Polizei - Präsidium. Republizirt Berlin, den 15. August 1848. Königliches Polizei - Präsidium. von Bardeleben.

Belanntmamun a

Die diesjährige Haupt - Versammlung der Mitglieder des Stiftungs- Vercins der Waisen- Versorgungs - Anstalt für die Provinz Brandenburg in Klein - Glienid>e wird

Freitag den 22, September c., Nachmittags 4 Uhr, im hiesigen Civil-Waisenhause, Neue Königsstraße Nr. 38, und an demsel- ben Tage des Vormittags von 10 bis 12 Uhr eine öffentliche Prüfung der Zöglinge in Klein - Glienicke statifinden,

Judem wir die geehrten Herren Mitglieder zu dieser Jahres-Bersamnt- lung, in welcher die statutenmäßige Beamtenwahl und die Rechnungs - Ab- nahme erfolgen wird, hierdurch ergebenst einladen, ersuchen wir Sie sowohl, wie alle Gönncr und Wohlthäter unseres Jnstituts, der öffentlichen Prü- fung unserer Zöglinge beiwohnen zu wollen,

Potsdam, den 18, August 1848.

as Waisen-Amt der Klein - Glieni>er Waisenversorgungs - Anstalt.

Königliche Schauspiele. j Montag, 21. Aug. a Schauspielhause. nene O Vorstellung. Zum erstonniale : gd Sis T Ba ä h heiteres «5 in 1 Aft, von C. B. Hierauf: po Anfang balb 7

milien-Gemälde in 3 Abth., von A