1848 / 158 p. 2 (Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

j wetschke, Reichensperger, Jordan aus Marburg und von s u y pw gemäß wird zur Berathung über den Bericht des Geseßgebungsausschusses, den Schuß der Nationalver- sammlung betreffend, geschritten. Zu dem Antrag des Ausschusses werden eine lange Reihe von Amendements verlesen. Es wird dar- über abgestimmt, ob eine allgemeine Debatte üter den Geseß-Ent- wurf stattfinden soll. Die Versammlung entscheidet si< dagegen. Die Verhandlung wird eröffnet.

Frankfurt a. M., 4. Oft. (O. P. A. Z.) Herr Donelson, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister der nord- amerifanishen Freistaaten bei der deutschen Reichs = Centralgewalt hielt bei der Ueberreihung seiner Affreditive folgende Anrede an Se, Kaiserliche Hoheit den Erzberzog-Reicheverweser : ,

„Kaiserliche Hoheit! Es konnte mir feine größere Ebre zu Theil werden, als die Ueberreichung des Sthreibens, welhes mich bei Ew. Kaiserl. Hoheit als bevollmächtigten Minister der Vereinigten Staa- ten beglaubigt. Aus eigenem Äntriebe war ih bereits früher, ehe unser Präsident von der Errichtung der Centralgewalt Deutschlands Kenntniß erhalten konnte, so frei gewesen, die Gefühle der Freund- schaft und Theilnahme unseres Landes auszusprechen, Das Schrei= ben, welches ih je6t die Ehre habe, Ew. Kaiserl. Hoheit zu über- reihen, beweist, daß der Präsident völlig damit einverstanden war, und daß meine Mitbürger die Wünsche für das Fortschreiten der Centralgewalt theilen. Möge es mir erlaubt sein, Ew. Kaiserl. Ho- heit zu gleiher Zeit zu versihern, daß ih von meiner Seite keine Anstrengung \heuen werde, um die Art der Beziehungen, so weit es mein Amt betrifft, genehm zu machen. Die Vereinigten Staaten haben fein Jnteresse, welhes denen Deutschlands entgegenstebt. Sie werden, wo es in ibrer Gewalt steht, dem Wirken der pro- visorishen Centralgewalt und der National - Versammlung immer mit freundshaftliher Sorgfalt entgegenkommen, Möge deren Bemühung, die Staaten Deutschlands in eine gesebmäßige Bundesregierung zu verschmelzen, mit Erfolg gekrönt werden, und dadur Deutschland größer und stärker, seine Völker freier und glü>lher werden, das ist der aufrichtige Wunsch jedes guten Amerikaners. Möge es mir gleichzeitig erlaubt sein, das Vertrauen zu erwähnen, welches der persönliche Charakter Ew. Kaiserl, Hoheit meinen Landsleuten ein- flößt. Dieselben betrahten Ew. Kaiserl. Hoheit als einen sicheren Bürgen für Deutschlands Einheit, ohne Krieg und gewaltsame Um- wälzungen, Die Vereinigten Staaten, unterstüßt von der göttli- hen Vorsehung, die ihnen einen Washington verlieh, haben der Welt gezeigt, wie viele Vorzüge eine politische Organisation, die avf Selbst verleugnung und brüderliche Einigkeit gegründet ist, vor einem System des Sonderinteresses und nationaler Zwistigkeiten besigt. Meine Landsleute hegen die Hoffnung, daß auch Deutschland eben so gescg= net sein, und daß die Zeit kommen wird, wo die Nachwelt den Namen Ew. Kaiserl. Hoheit neben den von Washington llen wird, nicht sowohl wegen Lorbeeren, die auf Schlachtfeldern geärndtet wer- den, als wegen der hohen Verdienste eines Staatêmannes, der seine Mitbürger überzeugt haben wird, ihre Uneinigkeiten und Lokalvor- urtheile für immer zu begraben, und vermittelst patriotischen und herzlien Einverständnissen, eine versöhnende Regierung, öffentliche Ordnung, Achtung des Privatrechtes, nebst der Freihcit des ZJudivi= viduums und der Unabhängigkeit der Einzelnstaaten zu errichten. Meine Regierung und meine Landsleute wissen, daß es niht Rathschläge, sondern Beispiele sind, welche allein die Aufmerksamkeit derjenigen fremden Nationen auf ste wenden, die im Vegriff sind, ihr politisches System abzuändern. Deshaib enthält si<h der Amerikaner sorgfältig jeder thätigen Theilnahme an den inneren Streitigkeiten anderer Völ- fer, welhe Bezug auf ihre Regierungsform haben. Man rociß in Amerika, daß jede rehtsgültige Jnstitution nur dann als nüßliches Beispiel dienen kann, wenn ihr friedlicher Einfluß s< bewährt hat, niht nur in materieller Hinsicht, sondern auch in ailen anderen Be= ziehungen, welche ein Jahrhundert charafkterisiren, in welhem Wissen- \haft und Tugend unumgänglihe Bedingungen nationaler Größe und individuellen Wohlergehens ausmachen. Daher sind die Gefühle, deren Dolmetscher ih bin, keinesweges aus propagandischen Interessen hervorgegangen, im Gegentheil sind sie aus vollkommener Hochachtung für die Staaten und Völker Deut \chlands entstanden, für diejenigen Staaten und Völker, die dur< ihren edlen Ursprung, ihre Zahl, ihre Intelligenz, ihre geographische Lage find ihre Produkte verdienen unter den ersten Nationen der Erde einen Rang einzunehmen.“

Die Antwort Sr. Kaiserlichen Hoheit des Erzherzogs - Reichs= verwesers lautet wie folgt:

„Es freut mi aufrichtig, einen Abgesandten der amerikanischen Freistaaten bei der deutshen Centralgewalt beglaubigt zu schen, und ih spreche dies mit dankbarer Anerkennung der freundlichen Zuvor= fommenheit aus, welhe Jhre Regierung hierbei bewiesen hat. Diese Zuvorkommenheit kann nur dazu beitragen, die Bande innigen Ein- vernehmens und warmer Freundschaft zwischen den Vereinigten Staa- ten und Deutschland noch fester und dauerhaster zu knüpfen. Wel- chen- hohen Werth ih auf diese Bande lege, bedarf wohl keiner Ver- sicherung , und das Vertrauen , mit welchem i<h an deren unerschüt- terlihen Bestand glaube, wird no< dur die Ueberzeugung verstärkt, daß die politischen und die geistigen wie die materiellen Juteressen beider änder der Art sind , eine Erfüllung meiner Hoffnungen zu verbürgen, Viele deutshen Stammes haben in dem gasifreien Ame- rifa eine zweite Heimat gefunden, und sind dort mit Wohlwollen aufgenommen worden. Auch dies muß dazu beitragen, die innigen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland immer mehr -und mehr zu befestigen. Möge das Andenken ihres großen Washington und die segensreihen Vermächtnisse, welche seine Weis= heit, seine seltenen Tugenden und seine uneigennüßige Vaterlands=- liebe Amerika hinterlassen haben, nie aufhören, unter dessen Völkern zu leben. Auch ih habe für diesen edelsten der Männer stets eine wahre Verehrung im Herzen getragen und in ihm ein erhabencs Vorbild alles ‘Trefflihen erkannt, Wie er, werde auh ih meinen höchsten -Ruhm darin suchen, das Vertrauen, welches Deutsch- land in? mi< segte, / dur< mein redlihes und rastloses Streben zu rechtfertigen, meinem geliebten Vaterlande durch Begründung gesebliher Ordnung und innerer, wie äußerer Ruhe, die Segnungen ungetrübten Friedens zu sichern, Diese meine Bemühungen'werden aber durch die Freundschaft ‘der auswärti- gen. Mächte und insbesondere dur< jene der edlen amerikanischen Nation wesentlih gefördert werden. Jh baue fest auf dieselbe und werde Alles aufbieten, meinerseits zu deren Erhaltung - beizutragen. Es i mir in dieser Beziehung von guter Vorbedeutung, daß Sie, Herr Gesandter, gewählt worden sind, Jhre Regierung bci mir zu vertreten. Jhr biederer Charakter, Jhre gereifte Einsicht und Jhre bekannte Zuñéigung zu dem braven deutshen Volke sind bereits be- währt und haben Shnen s@on in meinem Vaterlande die allgemeine Hochachtung ‘erworben. Jh finde hierin eine beruhigende Bürgschaft, daß Sie aufrichtig mitwirken werden, Wünsche! und Absichten nah Kräften zu fördern. Jch heiße' Sie recht herzlih bei mir willkommen.“ : ah

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Preußeu. Berlin L 8. : Okt, Die heute ausgegebene Nr. 44:

der Geseß-Samwlung enthält den Allerhöchsten Erlaß vom 3. Oktober 1848, betreffend die Entbindung des Ministeriums des Kö-

meine und “Jhrer Regierung

niglihen Hauses vou der Bearbeitung der Thronlehns- und Stan- dessachen :

„Auf den Antrag des Staats - Ministeriums vom 2ten d. M. will Jh dos Ministerium Meines Hauses von der Bearbeitung der bisher zum Ressort desselben gehörig gewesenen Staats-Angelegen- heiten, nämlich der Thronlehne und Standessachen, bierdur entbin- den und solche den Ministerien der Justiz und des Jnnern gemein- schaftlih übertragen.

Dieser Mein Erlaß is dur< die Gesch-Sammlung zu veröf-

fentlichen. Sanssouci, den 3. Oktober 1848. L. S) Friedrich Wilhelm. von Pfuel, Eichmann. von Bouin, Kisker.

Graf von Dönhoff. Für den Minister der geistlichen 2c. Angelegenheiten : von Ladenberg. An das Staats-Ministerium.“

Hesterreih. Wien, 5. Okt. (Bresl. Bl.) Die (gestern

mitgetheilten) Kaiserlichen Reskripte in Bezug auf Ungarn haben hier |

eine bedeutende Aufregung he1vorgerufen, doch isst die Stadt ruhig.

Die Post aus Pesth i} heute ausgeblieben; die Brücke bei Preß=- |

burg is abgebrochen; von allen Seiten wird gerüstet, überall wird das Militair marshfertig gemacht; bei Bru>k an der Leitha ist ein großes Lager zusammengezogen. Hier sind auf Befehl des Ministe-

riums zwei Compagnieen Artiklerie zum Abmarsch bereit, Eine Com- |

pagnie Artillerie, die in Pesth in der Kaserne liegt, weigerte sih, gc- gen die Kroaten zu ziehen, weil sie gezwungen wären, auf thre Ka-

mcraden zu \hießenz sie wurde auf diese Erklärung entwaffnet und |

wird streng bewacht, —- Reisende aus der Gegend von Raab erzäh- len, daß die Proclamationen des Banus an die Ungarn dort die beste Wirkung machten. Der Gen-ral ter Kroaten erflärte den Raabern,

daß sie als Freunde und nicht als Feinde Ungarns einrü>en. Hierauf wurde | überal! die weiße Fahne aufzeste>t, und die Kroaten rücen friedlich

ein. Eine ähnlihe Aufforderung erging auch

nah Wieselburg, |

der Kornfammer Ungarns und Oesterreihs, und hatte im dortigen |

Komitate die gleihe Wirkung. Die bewassneten Bauern kehrten so- g

gleich um, als sie den friedlichen Auëgang in Raab hörten, Der | Landsturm löste si< auf und Wieselburg wurde gestern eben so fried= 1< bescht. Jun Preßburg wurde gestern nah Eingang dieser Nah-

rihtcn die Schiffbrücke abgetragen.

Heute früh sind von Bru> au der Leitha gegen 5000 Mann Kaiser= lihe Truppen nah Wieselburg aufgebrochen, um sih mit den Krog- ten zu vereinigen und sodann die Straße gegen P.sth frei zu ma- den. Es find 3 Schwadronen von König von Sasen Kürassiere, das Regiment Baron Kreß Chevauxlegers, 2 Bataillone Erzherzog Stephan Jnfa-.terie, 4 Jäger - Balaillon und 5 Raketen - Batterieen. General Lederer führt das Kommando über dieses Corps. Aus

Sit, L

Gräy ist Feldmarschall-Lieutengut Buri mit 4090 Mann gegen den | Plattensee aufgebrochen , um sih den Befehlen des Banus unterzu- |

ordnen. Ober-Ungarn ein.

Die Bresl. Ztg. von 6, Oktober 55 Uhr Nachmittags : „So eben bringt der Güterzug der Oberschlesishen Eisenbahn die Nachr:cht mit , daß das österreichische Militair gestern früh aus Âra- fau ciligst na< Ungarn aufgebrohen und auf Wagen dorthin trans- portirt worden is, Es ist nux cine kleine Besaßung in Krakau zu- rü>geblicben. Der Transport erforderte mehrere Hundert Wagen,“

Bayern. München, 5. Okt. Die Münch. Zeitung ett- hält Nachstehendes: „Da von einigen Seiten die Behauptung auf- gestellt wird, als ob der Minister des Junern jede vorgängige Wis-

tigung des Ministeriums Ì | jemals in Abrede gestellt habe, so sehen wir uns veranlaßt, dieselbe für völlig unwahr zu erklären. Kamen Materialien in die Hände des Ménisteriuums, so konnte si< die Befugniß und die Verpflichtung desselben begreiflih nur auf ihre Mittheilung an die betreffende Ge- rihts-Behörde beschränken, eben, weil die Prüfung derselben ebenso- wobl als die darauf zu treffende Verfügung den in ihrem Wirkungt- reise verfassungegemäß vollkommen unabhängigen Gerichten aus-

\hlicßend zustand,

Sachsen. Leipzig, 6. Okt. Der Geh. Legationsrath Dr. Welker is von seiner qußerordentlihen Sendung nah Stockholm, wo er sehr günstig aufgenommen worden ist, gestern Abend über Berlin hier angekommen und heute früh über Bamberg nah Frank= furt abgereist.

ÆWürttemberg. Stuttgart, 2. Okt, (Schwäb. M.) Jn der heutigen Sihung der Kammer der Abgeordneten äußerten mehrere Abgeordnete einen Tadel gegen die Regierung, welche fürz=- lich in mehrere unruhige Bezirke des Landes Truppen geschi>t habe, und Feber fragte, ob es gegründet sei, daß nah Heilbronn eine große preußishe Truppeumacht einrücken solle, wobei er den Ausdru> „fremde Truppen“ brauchte. Eben so wenig, äußerte er ferner, würde er es billigen fönnen, wenn von hier aus nah Sigmaringen Mili-= tair geshi>t worden wäre, indem das dortige Volk, was es mik sei- nem Fürsten habe, sür sich auszumachen berechtigt sei, Dagegen wurde vom Ministertishe erwiedert, daß deuts<he Truppen keine fremden seien und ein einzelner Stamm sih der Centralgewalt ni<ht widerseßen dürfez übrigens werde die Regierung mit eigenen Mitteln Ordnung und Geseß aufrecht zu ‘erhalten wissen und auf Requisition der Ober-Beamten Militair hinschi>en, wo es nöthig sei, denn daß man sich auf die Gemeinde-Behörden niht immer verlassen könne, dafür habe die Regierung gerade in jüngster Zeit die \hlagentsten Beweise erhalten, Hieraus nahm Scerr Veranlassung zu fragen, ob es wahr sei, daß kürzlich von Württemberg aus 6000 Mann Bayern bei der Centralgewalt rcqui- rirt worden seien und dieser Gegenstand von den Ministern dem Kö= nige gegenüber zu einer Kabinetsfrage gemacht worden sei? Staats=- rath Römer autwortete, daß weder 6000 Bayern noch ein einziger Mann von der Regierung requirirt worden sei. Der zweite Gegen- stand von allgemeinerem Jnteresse war die Debatte darüber, welche Aussicht vorhanden sei, von der administrativen Justiz, welche in so vielen Fällen Katinetsjustiz is, befreit zu werden? eine Frage, an die si< in Württemberg der Hinbli> auf den Geschästskreis des den Ju- stizgang so verzögernzen Geheimerath-Kollegiums knüpft, Stagats- rath Römer beruhigte aber dur die Erklärung, daß der Verfassungs= auêsshuß in Frankfurt fast einstimmig beschlossen habe, die Adninistra- tiojustiz aufzuheben und die National-Versammlung, wie er glaube, die- sem beistimmen werde.

Baden. Mannheim, 4, Okt, (Karlsr. Ztg.) Gestern Abend um halb 9 Uhr rüd>te die legte Jnfanterie-Kolonne der aus Schleswig-Holstein zurüdfehrenden- badishen Truppen hier ein, um heute-mit der Eisenbahn nah Freiburg weiter befördert zu werden. Das Bataillon des 2ten Jnfanterie-Regiments blieb hier, daß des Zten in Heidelberg über Nacht. Heute soll die Artillerië nahrü>en.

Donaueschingen, 3, Oft. Die militairishe Beschung des

Seekreises ‘macht si< bei ‘uns hon bemerkbar, Gestern kam. eine

Aus Mähren brechen 15,000 Mann Kaiserlihe Truppen in

senschaft an der vielbesprohenen und neuerli<s wieder zur Verdäch= | seiner Pflicht in einem so außerordentlihen Falle zu

ausgebeuteten Verhaftungs-Angelegenheit

| Kompagnie des ersten österreichischen Jägerbataillons und eine des

Regiments Wellington hier anz ihnen folgte General von Ulrichsthal mii einem Regierungëcommissair. Nachmittags traf der Reichscom= missair Graf Keller hier ein und seßte nach einec Besprehung mit dem General seine Reise über Geisingen fort, Auch die beiden öster reichishen Compagnieen zogen heute wieder nah Engen zurü>, wo vorgestern die Verhaftung von 18 bei dem leßten Auflaufe Bethei= ligten vorgenommen wurde. |

Die benahbarte württembergische Stadt Rottweil bekam in Folge des Rauschen Zuges gestern 2400 Mann württembergische Exccutions-Truppen, Fußvolk, Lanzeureiter, Geschüße.

Heute tcaf eine Abtheilung des bayerischen Regiments Ysenburg von Blumberg hier ein, welche sih morgen wieder nah dem Hegau in Bewegung seßt. Bei Konstanz und Engen \oll vorerst eine größere Truppeuzahl vereinigt bleiben.

Freibur g, 4. Oft. (Karlsr. Ztg.) Heute wurde die Liste der Gesbworenen, welche über die hochverrätherishen Unternehmun- gen in Baden aburtheilen sollen, dur< eine eigene Kommission für die hiesige Stadt festgeseßt und sofort dem Hofgerichte übergeben. Aus den übrigen Bezirken des Ober - Rheinkreises sind diese Listen bereits zum größten Theil eingeschi>t.

Diesen Morgen wurden auf der Eisenbahn beiläufig 60 Frei- \chärler (Gefangeine aus dem leßten Aufstande) ins Unterland abge- führt, ohne Zweifel nah Rastatt oder Bruchsal.

Ein Bataillon des 6ten württembergischen Jnfanterie-Regiments marschirte heute früh na< Breisach, dem Kaiserstuhl und feinen Um= gebungen abz ferner ging ein Zug württembergischer reitender Artil= lerie ins Oberland.

Das Bataillon des 2ten badischen Jnfauterie- Regiments, welches hier in Garnison war und sich zuleßt in Schleswig Holftein befand, wird vorerst nicht hierher zurückkehren, sondern in Kenzingen und Um-= gegend sationirt bleiben. i E

Heute sind die Reichstruppen in Lörrach cingerüdt: hessische Jn= fanterie, badische Dragoner und Artillerie.

Die O, P. A, Z. enthält nachstehenden authentischen Bericht über die Gefangennehmung Struve's : S

„Am Morgen des 25, September, um 7 Uhr, kam Struve, scine Frau und dessen bereits bekannte Genossen in der Krone zu Wehr an. Der Zustand der Flüchtlinge war sehr traurig; Skruve hatte si< in einen Bauern, seine Frau in eie Bäuerin verkleidet, er trug einen grünen Tshober und grobe Beinkleider , Beide waren mit Koth bis über die Brust übertüncht, ein Beweis der Anstrengungen, die sie während der Nacht gemacht, um auf shweizeris<hen Boden zu gelangen, Sie verlangten Erfrischungen von Wein, Brod und Kâje, ein zweispänniges Fuhrwerk , Mannsfleider für vier Personen und Strümpfe und Schuhe für die Damen. Die leßteren sagte der Wirth zu, wegen des Fubrwerks und der Maunneklrider entschu!digte er si<

aberz Struve bestand jedoch mit barshem Tone auf scinem Begehren. Inzwischen waren mehrere Leute 11 das große Wirthszimmer getreten (Struve mit seinen Gefährien be=-

G weiche si<h über

fand sich im sogenannten zin den Freischaarenzug uud das Mißlingen decsselbei Da sagte der Wirth, es besänden sich auh Flüchtlinge in jeinem Hause, er glaube, Struve sei darunter. Damit öffnete er die Thür des kleinen Gastzimmers, und aus einem Munde hieß es: „Das is Struve : Den müssen wir festnehmen““, und sofort schritten die Máän= ner zur Verhaftung des Rebellen und sciner Genossen, o)ne daß von ihrer Seite Widerstand geleistet worden wäre. Dem Amt Sä>ingen wurde dur< Expressen von dem Vorfall augenhli>li<h Nachricht ge= geben. Oberamtmann Schey glaubte anfangs, man wolle ihm eine Falle legen, ihn von Säingen weglo>en und verhaften. L enügen, ent= {loß er si< zu gehen, nahm jedo aus Vorsicht den 4 mts-Revisor und eine erlesene Schaar sä>inger Bürgerwehr mit. In Wehr verhielt es sih, wie ihm berichtet wurde und so hatte das Schi>= sal diesem Beamten gleihsam um ihm die Sühnung seines frühe= ren Verschens möglih zu machen, den Häuptling Struve zum zwei= tenmale in die Hände gegeben,

Herrenzimmer), i desselben unterhielten.

Um demselben die Gelegenheit müg- lis abzuschneiden, wurde auf gepflogen Berathung beschlossen, die Gefangenen unter Bedeckung nah Schopfheim zu bringen, da diejer Ort mehr Sicherheit als Sä>ingen gewähre. Als Struve hiervon in Kenntn'ß geseßt wurde, vrotestirte er gegen diese Disposition und verlangte nah Sä>ingen gebracht zn werden, Der Beamte bestand auf Schopfheim. Da warf ihm Struve Verfassungsbruch vor, indem er ihn seinem - ordentlichen Richter zu entziehen beabsichtige. Ver Beamte entgegnete aber ruhig: „Wie können Sie si auf die Verfassung beiusen, die Sie so eben mit Füßen getreten und ihr den Krieg erklärt haben !‘’ Während nun Anstalten getroffen wurden, um die Verbringung der Verb afteten nah Schopfheim zu beschleunigen, bemerkte Frau Struve d.m Oberamtmann Schey, sie werde die Reise nah der Schweiz fortseßen können, ein Jerthum, über den der Beamte alébald den erforderlichen Aufschluß gab. Struve und Gefährten wurden fohin wohlverwahrt nah Schopfheim abgeftihrt. Als die Flüchtlinge ein- sahen, daß an Rettung nicht mehr zu denken sei, zerrissen sle mehrcre Briefe in kleine Stücke, warfen dieselben in den Ofen, und wollten sie durch Feuer vernichten, vergaßen aber, ten Zug des Ofens zu ziehen, und so kamen au diese Papiere unversehrt in die Hande tes Beamten, der bereits einen der Briese wieder vollständig zujam- mengeseßt hat. Mehrere bemerkenswerthe Verhaftungen wurden vor=- genommen: Allensbacher , der si rühmt, den General Gagern er- \{ossen zu haben; Beb von Mannheim, der aus Bruchsal entsprungen z Breitenstein aus Müllheim, Baumann aus Lahr, der Lieferant der Munition für die Jusurgenten, Schulze aus Osnabrück, und ein ge= wisser Lefebre, ein besonders gefährliches Subjekt.

Schleswig - Holstein. Kiel, 4. Oft. (Alt, Merk.) Der von der wide e Regierung der Landes-Versammlung vor- gelegte Éntwurf der provisorischen Äuordnung über die Verwaltung

der Mnisterien lautet: i i

g. Nis zum völligen Abschlusse eines Friedens mit Dänemark bleibt die Anstellung besonderer Minister, wie selbige durch Beschluß der Landes- Versammlung vom 25sen 9. M. bei der provisorischen Regierung beantragt i, dem Ermessen der jeßigen provisorischen Regierung oder der an ihre Stelle tretenden neuen Regierungs- Kommission anheimgestellt. Z Si So lange und insoweit während dieses Zeitraumes nicht besondere Minister

iegt di er Ministerial - Functionen den ein- angestellt werden, liegt die G E chen Regiering

elnen Mitgliedern der jeßigen i ( boi es is alsdann Ar gte elne Mitglied reib Megerung für das ihm überwiesene Ministerial - epartement s aja erantwortlichkeit unterworfen, welhe nah dem Staats - Grundgeseße die Minister trifft, $, 3. Statt der nah vem Grundgeseye erforderlichen Ge- genzeichnung der landesherrlichen R b durh einen Minister enügt es zur Gültigkeit der Regierungs-Erlasse, daß selbige von dem Prä- sidenten der Regierung unterzei<" E Di is De i Leo i t ‘G, 4 ann für einzelne be-

gee partements eigene Minister ernennen, auf welche dann alle Be- ada s Grundgesepes über die Stellung und Verantwortlichkeit der inister Anwendung nden, Die Minister bilden mit den Mitgliedern der n den Staatsrath ($. 65 des Staatsgrundgeseßcs ). g. 5. NeGt während des vorgedachten Zeitraums sämmiliche Ministerposten be- í kommen alle t der Miniser des Grundgeseßes über die

ten, 0! y n, / (ebt iung und Verantwortlichkeit der Minister zur Anwendung und die Re-

gierung bildet dann lediglich eine die Person des Herzogs vertretende Re- gentshaît. $, 6. Auch unter den Voraussegnngen der $$. 4 und 5 i außer der Contrasignatur des Ministers nur die Unterschrift des Prâäsi- denten der Regierung zur formellen Gültigkeit der Regierungserlasse er- forderlich. : A

In den Motiven heißt es: „Nach Art. 63 folg. des Staatsgrund- gesezes für die Herzogthümer Schleswig-Holstein sollen verantwortliche Mi- nister an die Spige der Verwaltung treten. Die Abtheilungen der Verwal tung sollen dur< das Gescß bestimmt werden und jeder Abtheilung ein Minisier vorstehen. Das Staatsgrundgescy sezt dabei den regelmäßigen Fall voraus, daß die dem Oberhauvte des Staats zustehenden Gewalten von ciner Einzelperson, dem Herzoge selbst oder cinem Statthalter, aus geübt werden. Der Umstand, daß gegenwärtig die dem Staats-Oberbhaupte zustehenden Gewalten durch eine aus mehreren Personen bestehende proviso- rische Regierung ausgeübt werden, dürfte als zwe>mäßig erscheinen lassen, ür die Dauer dieses provisorischen Z1standes Modificationen der Bestim- mung des Staatsarundgeseßcs über die Ministerien eintreten zu lassen. Der provisorischen Regierung selbs würde, wenn sofort die Ministerien vollstän- dig eingerichtet würden, nur die Ausübung der dem Staais - Oberhaupte vorbebaltenen Rechte verbleiben, Die eigentliche Geschäftsführung würde den Ministern zufallen. Es würde dadur die Zahl der an der obersten Leitung der Staatsverwaltung theilnehmenden Personen wenigstens verdop- pelt werden, die Kosten der Verwaltung würden erheblich vermehrt, ohne daß der Umfang der vorhandenen Geschäfte solchès erforderlih machte, da die Arbeitskraft der Mitglieder der provisorischen Regierung nur wenig in Anspruch genommen werden würde, Von der Regel, daß die Staats-Ver- waltung, namentlih in den obersten Kreisen, so einfah und so wenig fost- svielig wie möglich eingerichtet werden muß, würde ohne Noth abgewichen werden, was für unseren kleinen Staat als ein um so gefährlicheres Beispiel ersheinen würde, da man in Lieser Zeit der Umgestaltung und Neubildung ín klcinen Staaten nur zu geneigt is, ohne allseitige Berücksichtigung der Verhältnisse und Kräftc die Formen und Einrichtungen großer Staaten. zu adoptiren. Daß die Mitglieder der provisorischen Regierung dem Unifang der Geschäfte nach füglich die nah dem Staats - Grundgeseße den Mini- stern zustehenden Arbeiten wenigstens theilweise übernehmen fönnen, is nicht zweifelhaft. Das Verhältniß gestaltet sich, wenn dies geschiebt, \so, daß die einzelnen Mitglieder die Functionen der Minister übernehmen, die dem Staats-Oberhaupte zustehenden Rechte aber Lon der Gesammtheit der pro- visorischen Regierung ausgeübt werden. Es kann sich nur fragen, ob mit einer derartigen Einrichtung die in der Berantweortlichkeit der Minister liegende Garantie für die Erhaltung der Rechte des Volks sich vereinigen läßt, Diese Frage dürfte zu bejahen sein, wenn die einzelnen Mitglieder der provisorischen Regierung für die von ihnen übernommenen Verwaltungs- zweige dem Lande gegenüber für verantwortlich erklärt wrden, Der durch diese Erwägungen hervorgerufene Entwurf eincr provisorishen Anordnung über die Verwaltung der Ministerien vindizirt der jegigen provisorischen Regierung oder der in ihre Stelle tretenden neuen Regierungs- Kommission das Recht, nach eigenem Ermessen für die Verwaltung Mínisler zu ernen- nen, oder die Ministerial-Functionen durch ihre Mitglieder ausüben zu lassen. Leßteres findet scine Nechtfertignug in dem Vorstehenden, die An- nahme eigener Minister für einzelne oder sogar für alle Verwaltungszweige wird aber um deswillen der provisorischen Regicrung vorbehalten bleiben müssen, weil möglicherweise die Kräfte derselben nicht ausreichen, um alle Abtheilungen der Verwaltung selbst zu übernehmen, oder bic Verhältnisse sich dergestalt ändern können, daß schon während der Fortdauer des provisorischen Zustandes eine vollständige Durchführung der Vestimmungen des Staatsgrund- gesepes zwe>mäßig erscheint, Die verschiedenen Fälle, die hiernach eintreten lönnen, find in den einzelnen Paragraphen des Entwurfs berücksichtigt,“ „Bei der Kontrasignatur des verantwortlichen Departementschefs dürfte während der Dauer einer provisorischen Regierung zur formellen Gültigkeit der Regierungserlasse die Unterschrift des Präsidenten der Regterung aus- reichend sein. Sobald die Landesversammlung diesen Vorschlag wegen der provisorischen Verwaltung der Ministerien angenommen haben wird, wird die provisorische Regierung den von der Landes - Versammlung vorge- legten Gesetzentwurf wegen Einrichtung von Ministerien genehmigen und gleichzeitig mit der vorgeschlagenen provisorischen-Anordnung als Geseh publiziren,“ i

Die in der gestrigen Sißung der Landes - Versammlung begon- nene Vorberathung der Städte-Ordnung is in der heutigen Sihung beendigt worden, Schluß -=Berathung und Abstimmung folgen in den nächsten Tagen, Neben der Städte-Ordnung hat au< das Aufruhr-= Geseß die Vorberathung hon dur<hgema<ht. Die Landes=Versamm= lung arbeitet mit verstärkter Thätigkeit , ihre täglichen Sißungen dauern jeßt in der Regel 6 Slundea.

Die vorgestern und gestern hier gehaltene Lehrer-Konferenz war von Schulmänuern der verschiedenen Klassen zahlreich besucht. Jm Allgemeineu \<loß man si< dem Geiste an, welcher die Schritte der verschiedenen sächsischen und thüringischen Lehrervereine geleitet hat. Das hauptsächliche Resultat war der Beschluß einer Petition an die Landesversammlung um Erlassung eines neuen Schulgesebes, Von einem Comité, in wel<es Professor Thaulow, Seminar-Direktor Dr, Asmussen, Kandidat Schwarz, die Lehrer Schlichting und Burgwardt gewählt wurden, und das mit einer entspre<henden Zahl .von Gym- nasiallehrern sich verbinden dürfte, is eine Vorarbeit der neuen Schul= ordnung zu erwarten,

Das ungewohnlih warme Wetter der vorigen Tage hatte vor- gesteru Abend cin starkes G:witter zur Folge, welches über cinen großen The l des Landes sich erstre>t und mehrere Feuersbrünste ver- anlaßt hat.

Die Kartoffel-Aerndte fällt besonders im mittleren Holstein viel ergiebiger aus, als man nach dem ersten Auftreten der bekannten Krankheit dieser Frucht geürchtet hatte; da auch unter den Kornar= ten der bet der niederen Klasse am meisten beliebte Buchroeizen vor= züglich guten Ertrag giebt, so s{hrint jede Besorgn:ß vor einer Theu= rung der Lebensmittel für den Winter jeßt gänzlich gehoben zu sein.

Kiel, 5, Oft. (H. C.) Jn der heutigen Landes-BVersammlung fand zuerst die Fortseßung der Schlußberathung über den Entwurf der Städte-Oidnung, zu welchem niht weniger als 138 Amendements gestellt sind, stait. Darauf motioirte Pastor Wolf seinen in Be= tref des Viounmeuts für Major Michelsen dahin motivirten Antrag: „Die Landes - V-rsamulung sei erfreut , von einem Entschlusse Sr. Durchlaucht des Herzogs von Augustenburg Kunde erhalten zu haben, der den von ihr selbst gehegten Absichten eutgegenkomme, und lege die Vollziehung einer Handlung, zu der si< das Vaterland verpflid- tet halte, vcrirzuensvoll in die Hände Sr. Durchlaucht.“ Die Dring- lichkeit des Antrags wurde fast cinslimmig angenommen und die \pe= zielle Fassung desselben mit 65 Stimmen. Schließl:< motivirte Uh= geordneter Ravit sein:u Antrag: „Die Stände - Versammlung be- \hließt, bei der Landesregierung darauf anzutragen, daß folgende, bisher ten Herzogthümern mit dem Königreich Dänemark gemeinsame Anstalten: 1) cine Anstalt zur Bildung von Landmilitaix - Offizieren, 2) eine Forstlehr-Anstait, 3) eine Veterinairschule, 4) eine politechni= he Lehr-Anjtalt, 5) cine Wittwen- und Leibrenten-Anstalt, 6) cin statistisches Bürcau, 7) eine Quarantaine - Anstolt und eine Ober= Behörde über das Quarantainewesen baldmöglichst für die Herzog- thümer allein oder in Verbindung mit einem anderen deutschen Staate errihtet werden mögen, Der Antrag is einem Comité überwiesen worden.

_ Oestern Abend wurde die sonst so friedli<he Haltung unserer Stadt einigermaßen gestört, Es existiren hier befanntlih zwei poli= tische Vereine, der Bürgerverein, welcher vor kurzem den Namen „demokratischer Verein‘“ angenommen hat, und der deutsche Verein, dessen Programm die Monarchie is, und der sih zufolge einer Auf forderung des deutschen Vereins in Leipzig biidete. Bisher lebten beide Vereine friedlich neben einander, und viele Bürger waren Mit= glieder beider Vereine, welhes um so passender war, da der frühere Bürgerverein si< vorzugsweise mit Kommungl-Angelegenheiten be-

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\<äftigte, wenn au die Politik ibm keineêweges fern lag. Ein be= stimmtes politisches Prinzip war au von demseiben niht aufgestellt, indeß läßt es si< nit leugnen, daß seit den Castiollen, welhe Her Hermann Kriege, in Berlin geboren, und seit dem Austreten eines Herrn Springborn, vormals in Wandsbe>, republikanische Tendenzen in demselben gera vernommen werden. Als nun gestern Abend der deutsche Verein seine friedlihen Berathungen hielt, wur= den dieselben mit Zischen und Pochen, nebenbei au<h mit unmotivir= ten Juterpellationen vielfach unterbrochen, und ohne daß eine beson= dere Veranlassung re<t verkennbar war, entfernte sih plößlich eine große Anzahl Mitglieder mit dem Rufe: „Demokraten heraus! ‘“ Der deutsche Vercin licß si< dur ‘diesen Zwischenfall nicht stören, soudern seßte seine Berathungen ruhig fork. Die mit dim monarwi- schen Prinzipe desselben plößlich unzufrieden gewordenen Mitglieder hielten es indessen für gut, ihre politischen Demonstraticnen auf der Straße fortzuseßen. Vor Marfsily’s Hotel wurde ten Herren Ols=- hausen und Hedde ein Hoch gebra<ht und vor dem Hause des Her- zogs von Augustenburg, so wie vor Brandt?s Hotel, wo irgend cin Mitglied der Rechten wohnt, ließen si< Kaßenmusiken vernehmen, Jm Uebrigea blieb dieser Vorfall ohne weitere Folgen,

Schleswig, 3. Okt. (Alt. Merk.) Der heutige Tag, der Tag der Uebersiedelung unserer provisorischen Regierung von Rends-= burg hierher, wwde von der ganzen Bevölkerung festl< begangen. In Folge ciner Aufforderung des Bürgermeisters Jessen hatten sich die städtishen Kollegien dem Bürgerverein angeschlosscn, um Abends der provisorischen Regierung in einem feierlihen Zuge ihre Anhänglich- feit und ihre Freude zu bezeigen, Um 7 Uhr versammelte si eine große Menge Einwohner auf dem Marktez hier ordnete sich unter Leitung des Bürger - Vereins ein imposanter Fäckelzug und begab sich mit Musik durh die festlich erleuhtete Stadt nah der Wohnung des Präsidenten Bescler. Daselbst bewillfommnete der Bürgermeister an der Spiße der städtis<hen Kollegien die provisorishe Regierung und {loß mit einem Lebehoch“, wel<es von Tausenden begeistert wiederholt wurde. Der Präsident Beseler antwortete dankend im Namen der provisorischen Regierung und {loß mit feinen herzlichsten Wünschen für das Vaterland und die Stadt Schleswig.

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Hamburg. Hamburg, 0. Okt. Die Börsen-Hall, meldet, daß die dänischen Kriegsschisfe, weiche (wie bereits gemeldet Kuxhaven verlassen haben, nach dem Tícxel abgegangen sind.

ns land.

Franfreich. National - Versammlunç, ESißung vom 5. Oktober. Anfang 125 Uhr. Präsident Marrast liest einen Brief vor, worin Bissette, Vertreter Martinique?s , seine Entl5ssung giebt, weil seine Wahl von Gewaltsamkeiten und Unterschleifen begieitet set. Marrast erklärt, daß die Dem'ssion erst dann angenommen oder ver- rwooifen werden fönne, wenn der Ausschuß sein Gutachten über die Wahl abgegeben haben werde. Lamoricière, Kriegs - Minister, verlang! einen Kredit von 18,200,000 Franken sür Proviant u. st. w. Wird bewilligt. Recurt, Minister der öffentlichen Arb-iten, ver- langt einen Kredit von 500,000 Franken für die Bahn nach Havre. Bewilligt. Jeßt geht die Versammlung zur Tagesordnung, der Ver fassungs-Debatte, über. Artikel 40, no< von den Dringl:chkeits-Er= flärungen handelnd und über die Art und Weise, wie darüber abge=- stimmt werden soll, rust eine ziemlih weit sweisige Diskussion her vor, die jedo<h wenig Interesse biete. Parenteau ver- langt drei Viertel der Stimmen, um die Dringlichkeit zu be- gründen, wird verworfen. Saint Priest begnügt sich mit 7 der Stimmen. Wird verworfen. Er erniediigt die Zahl sofort in einem neuen Antrage auf 2 der Stimmen. Hierüber wird abgestimmt. Es stimmen 720 Mitglieder. - Dafür 360, dagegen 360, Da also die Stimmen glei, die Majorität aber 361 jt, so wird der Autrag verworfen. Duplan und Flaudin beant: agen einen neuen Zusaß, der ebenfalls verworfen wird. Desgleichen ein Autrag Lebreton's der alle Förmlichkeiten des $. 40 niederges{hlagen wissen wollte, wenn das Vaterland in Gefahr ijt. Ma rrast: Nun geht die Versamm- lung zur Berathung des Artikels 43 über, der also lautet : „„Das franzöjis<e Volk überträgt die Exekutivgewalt einem Bürger, der den Titel erhält: „Präsident der Republik,“ (Cavaignac und Louis Bo= naparte sind nicht anwesend.) Levet, unter allgemeiner Aufmerksamkeit : „Mitbürger ! Zwei Meinungen streiten um die Herrschaft z die eine will den Präsidenten aus dem allgemeinen Stimmrecht, d. h. aus dem Volke hervorgehen lassen, die andere will ihn aus der National-Versamm-= lung ziehen.“ Marrast, unterbrechend: „„Es handelt sih hier no< nicht um den Wahlmodus, sondern nur um die Wahl einex Exekutiv= gewalt im Allgemeinen, Bürger Felix Pyat hat das Wor. Dee lix Pyat: „Bürger!“ beginnt er, „„ich will gar feinen Präsidenten. (Oh! Oh!) Soll der Staat gut organisirt sein, so muß er sich na denselben Geseßen bewegen, wie der menschlihe Köiper, wie das Individuum. (Oh! Oh!) Den Kopf bildet die geseßgebende Kam- mer, der Arm is die wahre Exckutive und die Beine das cigentliche Ministerium, (Allgemeine Heiterkeit.) Ein Präsident ist ein gefähr= licher zweiter Kopf. Er könne eines Tages zu Euch, dem anderen Kopf, sagen: Jhr seid nur neun Hundertjtel Theile des Volkes ; ih (der Präsident aus allgemeinem Stimmrecht) bin aber das ganze Volk, Mit demselben Justinkt, mit dem Jhr das Zweifkammer Sy- stem verworfen, müßt Jhr die Exekutivgewalt niht aus Euren Hän- den lassen, Sie gehört Eu}h und muß in Eurer Mitte blei= ben. Jch stimme also gegen das ganze jünfte Kapitel des Ver=- fassungs - Entwurfes.“ von Tocqueville: Man könne ein Gegner des Zweikammer - Systems sein und do<h für Einen Präsidenten stimmen. Die Exekutivgewalt eines Staats müsse einig und stark sein. Der Vergleich des Präsidenten mit einem Doppel- fopf \ei unsinnig. Der Präsident habe kein Veto. Er könne si nur in dem Kreise bewegen, der ihm vorgeschrieben. Ein Präsident nach Pyat's Vorschlag, nämlich nur cine Exekutiv « Kommission mit einem Conseil-Präsidenten, wäre nur cin Werkzeug , nur cin zweiter Kor. vent. Man wolle aber keine Schinderherrschaft, kein 1793 mehr, Die Nationalversammlung habe kein Recht, den Präsidenten der Re= publif zu wählen. (Nein, Nein! Ja, Ja!) Es wäre. dies eine Usurpation, Auf Tocqueville, der im Namen der Verfassungs=- Ausschuß - Mehrheit und der Rue de Poitiers dem Volk das Recht vindizirte, den Präsidenten zu wählen, folgte ein Mit= glied der Versammlung des Palais National, Namens Parrieu, aus Lyon. Parrieu gesteht zu, daß die Wahl des Präsidenten der Republik dur< die National-Versammlung als ein Umstands-Votum erscheinen könne, doch sei dies eben nur Schein. Die National-Ver- sammlung sei der wahre Ausdru> der lebendigen und geistigen Kräste des Landes, sie ernenne die obersten Gerichtsbehörden u. f w. Es stehe ihr also das Recht zu, den Präsidenten zu wählen. Die Lage sei s<wierig. Indessen brauche die Versammlung nur zu wollen. Fresueau, ehemaliger U terpräfekt unter Ludwig Philipp's Regie- rung, besteigt die Rednerbühne. Aber man ruft von allen Bänken: Schluß! Schluß ! Auf morgen! Der Berg dagegen: Sprechen! Sprechen! Endlich legt si< der Lärm und Herr Fresneau beginnt mit etwas heiserer Stimme: Der Augenbli sei kritisch. Gefahr drohe. Wenn sie dadurch abge-

wählet ihn. Ater es handele si

so wollte er herzli<h gern sagen : sondern um die Macht eines

ni<ht um einen bloßen Präsidenten, Präsidenten (oh! oh! und beftige Unterbrechung). Ja wohl! Aber lesen Sie denn nicht die Departements = Presse. (Tumult.) Die Stimme des Redners wird ersti>t. Er stcigt von der Tribüne her- ab, die Debatte wird auf morgen vershoben und die Sigung um 6 Uhr geshlo}en.

Paris, 5. Oft. Der Moniteur widerspricht dem gestrigen Börsengerücht, daß der französische Konsul Mailand zu verlassen si anshi>e, Der Moniteur du Soir meldet, Karl Albert arbeite Tag und Nat an der Ausrüstung seines Heeres, um der näh=- ES Veranla] .ng den Krieg gegen Radebßky wieder beginnen zu önnen.

Der Finanzminister Goudchaux hat, wie berichtet wird, folgen- den Plan: Die Bank soll beauftragt werden, ihr Kapital um 300 Million. n baar und 600 Millionen Zettel zu erböhen und eine Hy- pothefenkasse damit zu gründen. Diese Hypothekenkasse- wird den Grundb: sigern ein Drittel des Taxwerths ihrer Eigenthümer auf 10 Jahre längstens gegen 4pyCt. Zinsen vorschießen, und von diesen

| 4pCt. soll 1 pCt. in die Kasse des Finanzministeriums fließen.

Der Werth der Privat - Domainen des Hauses Orleans wird, nah einem Kommissions = Bericht, auf 80 Millionen geschäßt; die Schulden betragen mehr als 30 Millionen und würden bei dem jeßi= gen gesunkenen Preise des Grund-Eigenthums kaum aus dem Erlöse 2s Domainen, wenn diese jeßt verkgust würden, bestritten werden onnen.

Louis Bonaparte nommen.

Sobrier liegt im Donujon von Vincennes s<wer erkrankt danie=- der. Er lcidet an einer Gehirnentzündung.

Der Messager du matin, das Journal Alphons Karr's, prophezeit der Proudhonschen Volksbank dasselbe traurige Schicksal, das die Tauscbbons des Herrn Mazel im Jahre 1831 gehabt.

“Am Kten wird die erste Einsh/Ffung von 800 Kolonisten für Al=- gerien, unter Leitung Chapellier's, z11 Marseille stattfindenz ein Agent der Regierung und ein Militair-Arzt begleiten dieselben.

Eine Herausforderung zwischen Ledru-Rollin und Perrée is oßne Folgen geblieben.

Straßburg, 4. Oft, (Köln. Ztg.) Die hiesige Polizei hat mehrere Judividuen, welche durch deutsche Blätter, als der Theil- nahme an der gewaltsamen Tödtung der Deputirten von Auerswald und Lichnowsky verdächtig, ste>briefli<h ausgeschrieben sind, verhaftet. Die Frage, ob dieselben ausgeliefert werden soten, wird in Paris entschieden, da unsere Behörden in dieser Beziehung die Definition über politis he oder aus\cließli< fkriminele Schuld der Verhafteten nicht über si{< nehmen wollen. An der ober - elsässishen Gränze sind nun militairis<he Vorkehrungen getroffen, um den Uebergang von Flüchtlingen auf das badische und Schweizer - Gebiet zu verhindern. Die Flüchtlinge selbst werden im Elsaß nicht mehr geduldet. Sie haben si< na< dem Jnnern zu begeben, wo sie eine monatliche Un- terstüßzung von 15 Fr., falls sie derseiben bedürfen, aus der Regie= rungs - Kasse erhalten.

Großbritanien und Jrland. London}, 4. Dft, Lord John Russell ist aus Schottland wieder zurücgekehrt und beim Gra- fen Minto in Mintohouse zum

hat für das Yorne - Departement ange=-

Besuch. Der Premier-Minister sowohl wie Lord Palmerston werden bis spätestens den 20sten d. hier ein- treffen, um dann die weitere Prorogation des Parlaments mittelst Gebeimeraths - Beschlusses zu besorgen. Die Wiedereröffnung der Session wird wohl nicht mehr in diesem Jahre stattfinden, es müßte denn sein, daß weitere außerordent!ihe Maßregeln für Jrland oder überhaupt andere unvorhergesehene Umstände die Versammlung des Parlameuts früher als zur gewöhnlichen Zeit im Januar oder An- fangs Februar nöthig machen sollten.

Jn den tiplomatishen Kreisen spriht man davon, daß Baron Neumann der neue österreichische Gesandte am hiesigen Hofe sein werde. Das diplomatische Corps ist hier gegenwärtig sehr klein z die meisten seiner Mitglieder befinden si< zum Besuch auf den Landgütern des Adels. Herr Bunsen, der preußishe Gesandte, wird mit seiner Familie zu seinen Verwandten nah Wales nähster Tage abgehen.

Die irländischen Berichte beschäftigen si< der Hauptsache nah mit dem in Clonmell vor si< gehenden Prozesse gegen Smith O'Brien. Am Lten d. wurde das Zeugen =- Verhör gegen Smith O'Brien fortgeseßt, aber no< nicht beendigt. Stadt und Umgegend waren fortwährend durchaus ruhig, General M'Donald, der in der Grafschaft den Befehl führt, hat alle Vorkehrungen getroffen, um die Ordnung zu sihern und jede Störung des Prozeß=-Verfahrens uamöglih zu machen. Der Dublin Herald will aus sicherer Quelle wissen, daß die Regierung für den Fall einer Verurtheilung S. O'Brien's und seiner Genossen zum Tode entschlossen sei, dem Gesche wenigstens in Bezug auf die Haupt-Austifster des Aufstandes seinen Lauf zu lassen. Den nächsten Verwandten S. O'Brien's soll dies auch bereits angedeutet worden sein, Die Zahl der jeßt in Jrland stehenden Truppen beträgt eiwas über 48,000 Mann. Zu Dublin hielt die Gesellschast für periodishe Abhaltung des Par- laments in Jrlaud eine Versammlung, in welcher unter Lord Fibge= rald's Vorsiße ein ihrem Zwe>ke entsprechender Bericht der Kommis- sion verlesen und von den Anwesenden sofort ohne Debatte geneh- migt wurde. Der Krieg gegen Pachtzahlung, Grafschastsshaßung, Armensteuern und alle andere Auflagen, welche das Landvolk nach den ihm eingeprägten Belehrungen als eine niht zu duldende Be- {werde ansieht, hat an manchen Orten begonnen und die aus ver- schiedenen Gegenden eingehenden Berichte lassen einen Winter er- warten, welcher der Polizeimannschaft und den Truppen überall hin- länglich zu hafen machen wird. Der Antipacht-Feldzug is bereits in den Grafschaften Louth, Meath und Cavan eröffnet worden, wäh- rend die westlihen Provinzen zum ersten Schauplaße für die Unter- nehmungen gegen die Beitreibung der Armensteueru und der Graf- schaftsshaßung ausersehen zu sein scheinen,

Belgien. Brüssel, 5. Okt. (K. Z.) Der Minister des Junern hat ein Rundschreiben an sämmtliche Gonverneure der Pro- vinzen erlassen, welches die zu ergreifenden Maßregeln für den Fall eines Ausbruchs der Cholera enthält. Der erste Theil dieses Rund- schreibeus betrifft die in den Gemeinden zu treffenden Sanitäts= Maßregeln z der zweite Theil schreibt vor, in welcher Art der ärme- ren Klasse die nöthige Hülfe zu Theil werden soll.

Herr Wijns de Rancourt, der seit 1841 mit Erfolg das Amt eines Bürgermeisters von Brüssel versah, ist aus seinem Amte ge- treten und dur< Hern von Broud>ere, ehemaligen Minister, ersebt worden, Ed E Baron Rothschild hat die Ausstellung für Landbau Und Vieh= zucht in Brüssel besucht und soll < ni<t genu übe “Lé win» Eifolge haben wundern können. „U Franzoje! dabin ßert laben, „schreiben und reden viel über den L

wandt werden könnte, daß man kurzweg einen Präsidenten wähle,

ben sie es aber no< nicht ebracht!“ Man 9 Milch geben, its Tis Monate: im Jahre > glich, 30 bio “ies s glauben und nur zuverlässige Zeugen Ffonnten n bewegen der igenthümer Er wollte die edlen Thiere um jeden X trennen, sondern er ging

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