1849 / 64 p. 1 (Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

¡e bayerische Regierung von dem obersten Grundsaße aus- rathungen bie bay bung des gemeinsamen großen Zwe>es Opfer gehe ingen seien, eine Beeinträchtigung der Selbstständigkeit und einer S * der einzelnen Glieder des großen Ganzen aber in freien Bewegung der etaz Erreid ivie: Abs ni<t höherem Maße einzutreten habe, als zur Erre! hung jenes Zie= les einer wahrhaften Einigung und kräftigen Gesammt = Entwickelung in der That erforderlich ist.“

Württemberg. Stuttgart, 28, Febr, Die Kammer der Standesherren hielt heute eine Sihung, zu welcher die Vor= stände der Departements der Justiz, des Junern und des Krieges ershienen waren, um die angekündigten Juterpellationen des Grafen von Shaesberg-Thannheim zu beantworten.

Dieselben lauten: 1) wie die politischen Berichte der Behörden über unsere sozialen Verhältnisse lauten? 2) welche Maßregeln das Ministerium behufs der vorzunehmenden Verfassungs-Veränderung zu ergreifen gedenke ? 3) ob und welche Geseßes-Entwürfe die Regierung zum Schuß des Eigen- thums bei Aufruhr einzubringen vorhabe? 4) mit welchen militairischen Vorsichts-Maßregelu die Regierung ges<hüßt sei, um geseßwidrigen Schild- erhebungen zu begegnen? Der Jntervellant begründete seine Anfragen da- mit, daß die Ergebnisse in mehreren Ständekammern der Art seien, um die Regierungen in wahre Unruhe zu verseßen, daß manche Sturmvögel auf eine allgemeine republifanisde Schilderhebung schließen lassen, daß die hier und da getroffenen militairischen BVorkehr ungen selbst die Unruhe der Regie-

rungen anzeigen,

Staatsrath Römer antwortete, solche Nachrichten von politischen Schilderhebungen werden den Regierungen so oft mitgetheilt, daß man am Ende allen Glauben daran verliere; manche Oberämter haben zwar über verdächtige Bewegungen an der Gränze Nachrichten gegeben, aber ganz un- bestimmt und allgemein gehalten, vou einer nahe liegenden Gefahr sci teine Rede, Den zweiten Punkt beantwortete er dahin, daß das Ministerium gleich anfangs versprochen habe, ein Wahlgeseß vorzulegen, und dem Cin- sührungsgeses werde Genüge geleistet, wenn innerhalb 6 Monaten den Ständen das Wahlgeseß zur Berathung und Beschlußnahme werde vorge- legt worden ‘sein, Als Prinz Friedrich von Württemberg fragte: Das Ministerium scheine die Wirksamkeit der ersten Kammer nux auf das Wahlgeseß beschränken zu wollen? erwiederte Staatsrath Römer, die Jn- tention der Regierung gehe allerdings dahin, und in Folge davon, mit einer Kammer die Verfassungs-Abänderungen vorzunehmen.

Graf von Schaesberg wünschte das Reformfeuer einer konstituiren- den Stände - Versammlung dur<h das Wahlgesey gedämpft zu sehen, be dauerte die baldmöglichste Beseitigung der ersten Kammer, konnte die Au- sicht, daß die Fürsten bei der. Verfassungsfrage nicht betheiligt sein sollen, nicht adoptiren , spra von Knalleffekten, welche etwa ein Minister versucht sein tönnte, hervorzubringen, konnte sih auch mit dem Ausspruch des Staats- rath Römer ín der zweiten Kammer nicht besreunden, daß ein Königlicher Prinz nicht mehr sei als ein jeder Unterthan, weil dadurch für jenen ein privilegium odiosum geschaffen würde, indem bei allen Klassen jeßt nux von Staatsbürgern, nicht von Unterthanen die Rede sei, und nahm sür seine eigene Person das ihm durch die wiener Bundesakte im offiziellen Verkehr rechtli<h zugesprochene Prädikat „Erlaucht“ in Anspruh, Zuletzt wünschte ex treue Minister und pflichtergebene Stände sür den König, dann möge dem Lande Gott seinen Segen geben! f

Als auf diese Persönlichkeiten Staatsrath Rv mer antwortete, fand die Sache noch ihre zeitige Erledigung dur<h die Worte des Präsidenten Fürsten von Hohenlohe-Langenburg: Jn diesem Saale können keine Persönlichkeiten vorkommen, Die Erwiederung vom Ministertische be- harrte auf der ausgesprochenen Gleichheit au< eines Königl, Prinzen vor dem Gesetz, hielt fest an dem Prinzipe der Volks - Souverainetät, mit Zu- rücweisung aber von jeder Partikular-Souverainetät, und gab endlich das Vereinbarungsprinzip in Bezichung auf die Verfassungsfrage zu, indem Staatsrath N ömer auch hier wieder gegen ecíne konstituirende Versamm- lung im anderen Sinne des Wortes sich erklärte und sagte, es handle sich bei uns nicht um eine Neugestaltung, sondern nur um eine Abänderung der Verfassung. Damit konnte Graf Schaesberg beruhigt sein, der nur verhütet wissen wollte, daß cin Aft vorgehe, welcher die Rechte des Königs verleßte,

Den dritten Punkt beantwortete Staatsrath Duvernoy dadurch, daß die Regierung Geseßentwürfe einbringen werde übex die Haftung der Ge- meinden bei Beschädigungen dur<h Aufruhr und über die Form des BVer- fahrens beim Einschreiten des Militairs, Graf von Quadt-Jßny, wel- cher zur Beruhigung der Staatsbürger wegen Eigenthums - Beschädigungen eine frühere Vorlage diesér Geseße gewünscht hätte, um so mehr, da man mit anderen Geseßen, die zu materieller Belästigung einzelner Klassen der Gesellshast gereichen, so sehr geeilt habe, ertlärte den Fisfus als tenent für jeden Schaden, so lange das Beseß noch nicht verkündigt sei, Prinz von Hohenlohe-Oehriugen ergänzte, es sei bisher noch nichts wesentlich Beeinträchtigendes vorgekommen, dafür möge man dankbar sein, ob gerade der Regierung, könne man unentschieden lassen,

Die vierte Frage bean!wortete der Vorstand d.s Kriegsdepartements, General von Nüpplin: Die erste Erwägung der militairischen Aufstellung sei die Erhaltung der öffentlihen Ruhe und der Schug der Geseße, die zweite Erwägung die finanziellen Rüdsichten möglichster ErsparniÞ. Für den jeßigen Augenbli sei ês durchaus nicht geboten, von den Erleichterun- gen, welche das Reichs-Kriegsministerium in das Ermessen der Einzelregie- rungen gestellt, abzugehen. Es seien in den zusammenhängenden Garniso- nen Stuttgart und Ludwigsburg jeßt etwas über 4000 Mann mit 1000 Pferden und Bespannung für 24 Geschüße, im Ganzen aber seien im Lande über 6900 Mann Jnfanterie, 1300 Pferde und 320 Zugpferde aufgestellt in 8 bis 14 Tagen könne die Jnfauterie auf die vollste Kriegsstärke ge- bracht werden. Die Negierung, versichert er, sei auf ihrer Hut und werde teinerlei Vorsichtêmaßregeln verabsäumen, sie werde handeln, sobald sie zu handeln aufgefordert sein werde, ,

Fürst von Löwenstein-Wertheim klagte über das Sinken des Wohlstands und Kredits und verlangte ein Zusammenwirken der Negie- rungen zur Herbeisührung eines glü>liheren und befriedigenderen Zustandes,

Staatsrath Römer zog die Exzesse nicht in Abrede, gab sich aber auch der Hofsuung hin, daß die Deutschen, die überhaupt gelehrig seien, von den Mißbräuchen zum rechten Gebrauch gelangen werden, Uebrigens sei der Zustand bei uns einer der gesehlichsten; auf die Schreier dürfe man kein großes Gewicht legen, in den Volksvereinen führen nur wcäige Häup- ter das große Wort, die Masse betheilige sich eigentlih nit, und wenn es

Bekanntmachungen.

[90] D t 1

zu Köln,

A Du nd daselbst,

Alle diejenigen, welche aus dem Zeitrgu A, | 417) der 7ten Arlillerie-Handwerks-Compagnie zu Deuy, Sie pen 4,8 18) des 2ten Bataillons (Düsseldorf) 17ten Landwehr- Negimeuts zu Düsseldorf, des Zten Bataillons (Geldern) 17ten Landwehr- , Regiments zu Geldern, 2) des 1sten Bataillons 16ten Infanterie -Regimenig | 29) der magistratualischen Garnison-Verwaltung das, 21) des Landwehr-Bataillons (Neuß) 39sten Jufante- rie-Regiments incl, Garnison-Verwaltung zu Neuß, 22) tes Landwehr-Bataillons (Gräfrath) 40sten Jn- fanterie-Regiments incl, Garnisou-Verwaltung zu 6s Bekanntmachung E Die Direction der Zarskoe-Selo Eisenbahn - Gesell- schaft hat mich beaustragt, die Dividende sür das zweite

nuar bis ultimo Dezember 4848 an die K : ie Ka l nannter Lene und Administrations 00e : 4) der Oekonomie - Kasse des 46ten J A9 ments zu Düsseldorf, U «Regle i

daselbst,

3) des 5ten Ulanen-Regiménts daselbst,

4) des 8ten Husaren-Regiments daselbst,

5) des 7ten Jäger-Bataillons daselbst,

6) des 3ten Bataillons (Düsseldorf) Aten Garde- Landwehr-Regiments daselbst,

7) der 4ten Fuß-Compagnie 7ter Artillerie-Brigade zu Zülich,

Gräfrath,

ben vermeinen,

8) der reitenden Batterie Nr. 21, 7ter Artillerie-Bri- | etwanigen Ansp

gade zu Düsseldorf, ; E : 9) der 8teu Fuß - Compagnie 7ter Artillerie - Brigade

10) der 6pfündigen Fuß-Batterie Nr, 35, 7ter Attille- rie-Brigade, zur Zeit in Bonn,

11) der Magazin-Rendantur zu Düsseldorf,

412) der Garnison-Verwaltung p Düsseldorf,

13) des Allgemeinen Garnison-Lazareths zu Düsseldorf,

14) der 14ten Divisions-Schule daseibst,

wegen rücständi aus irgend eine

des 2ten Bataillons 16ten Jusanterie - Regiments

16) des Füsilier-Bataillons 16ten Jufanterie-Regiments

geu Soldes, gelieferter Materialien oder m anderen Grunve Forderungen zu ha- d I Anl vorgeladeu, ihre l e binnen 2 Monaten a d: s testens bis zum 24, Mai 1 849, bei diér E: neten Behörde anzumelden und zu verifiziren, Jm ent- zu Köln, gegengesezten Falle werden vied acbitheile zu gewärtigen haben, hung der Coupons nebst nach der Neil i neten Nummern-Verzeichnissen bei mir .in den Vormit-

Münster, den 27, Februar 41849, tagsstunden von 9 bis 12 Uhr in Empfang genommen

Königliche Jutendantur des 7ten Armee-Corps,

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einmal zum Schießen kommen sollte, werden die Meisten zurü>gehen. Zu- dem seien wir noch nie ín den Fall gekommen, im eigenen Lande die Mi- litairfräfte zu brauchen, wohl aber haben ir Andere zu hüten,

Prínz Friedrich von Württemberg, als Kommandirender des Sten Armeecorps, gab zum Schlusse no< Austuust über dasselbe, welchs, so weit es im Felde stehe, in 5 bis 8 Tagen an alle bedrohten Punkte sich werfen fönne, und ertheilte den württembergischen Truppen das Zeugniß, daß sie in diesem Augenblick alle eingedenk ihres Eides und vom besten Geist beseelt seien,

——HEER Dw

usland.

Frankreich. Paris, 1. März. Für die nahe Jndustrie- Auéstellung haben bereits mehr als 1200 Jndustrielle Einsendun- gen angekündigt. j

Ju vorvoriger Naht suchte die Polizei unerwartet Z1 übel- berüchtigte Logirhäuscr in der Straße St. Marguerite St, Antoine heim und verhastete 277 Judividuen, meist aus früher bestraften Verbrechern, Vagabundeir, Ausländern ohne Ermächtigung zum Auf- enthalte bestehend. Lebtere wird man über die Gränze s{<afen,

Die Patrie sucht dárzuthun, daß eine Berathung und Voti= rung des Budgets durh die gegenwärtige Versammlung uur nach= theilig wirken könnez sie spricht dagegen die Hoffnung aus, daß der Gesehentwurf wegen Ausbaues des Louvre bei der Mel rheit der Versanimlung auf keinen W.derstaud sloßen we1de.

Ein bayonner Blatt meldet, daß Cabrera, von seiner Wunde gänzlich hergestellt, wieder den Befehl einer Jnsurgentenschaagr lber= nommen habe. Der madrider CEilwagen, welchrr am 23jlen zu Bag- vonue eintreffen sollte, wude bei Burgos nebst den Posistücken von einer Jusurgentenbande verbrannt, die jedo<h dem Conducteur und den Passagieren nichts zu Leide that,

Großbritanien und Jerland. London, 1. März. Die Times spricht si< über Cobden's Reden in Betreff seincs Finanzplanes und seines abgelehnten Antrages folgendermaßen aus : „Derr Cobden hat die guten Geister in seiner Gewalt, Es ißt un- möglich, eine seiner Reden zu lesen, ohne die reizenden Cmpsindun- gen zu erfahren, welche mai fühlt, weni man einige Züge Chloro- form cingesogen oder sih einen mäßigen Genuß eines gewöhnlicheren NReizmittels erlaubt hat, Der Himmel wird heller und die Traum- bilder deutlicher; der Fuß strauchelt leiht, und die Schwerkraft löst ihre Bande; Schwierigkeiteu vers<hwinden, Verwickelupgen erbalten eine plößliche Lösung; Schre>ken werdeu Blendwerk, und neue Hoff- nuugen zeigen sh. Es ist gerade so gut, als lese man eine Feeu= geschihtez nein, es is besser, weil es möglich is, daß wir einst Herrn Cobden’s Budget erhalten, weil wir aber wohl wissen, daß wir nie die Wunderlampe erhaschen werden, daß wir ule das fliegende Roß besteigen oder deshalb mit der geheimnißvollen Peitshe berühren werden, welche es sliegend über See und Land sendet, Unter Herrn Cobden's Fittich können wir in der Mitte ewiger Feinde ruhen, 1a, den ganzen Erdfreis durhmessen, ohne auf einen Feind zu soßeu, überall Kolonieen säen ohne einen anderen Schuß, als einen Mutter- segen, und unsere Dampf=Fregatteu mit Blumengewinden {müd>en, als Zeichen eines ewigen Friedens.“ e r i

Sir Ch. Napier verbreitet si< in einem Buies an die Times liber die Nothwendigkeit, dem ostindishen Reiche das Pendschab ein- zuverleiben. Ec stellt als . unwiderlegliche Thatsahe auf, daß die Feindschast der Sikhs gegen die Briten unvertilgbar und national sei, daß sie im Besiß der Macht stets bereit sein würden, die Eng- länder anzugreifen, und daß sie diese Macht durch ihre kriegerischen Jnstinkte und ihre angeerbte Kriegstüchtigkrit besißen, Da also der Krieg mit ihnen unvermeidlich sei, so sei die Hauptfrage für England, auf welhem Schlachtfelde man kümpfen wolle. Die Linie des Sut- ledsh sei aber militairis< gauz unhaltbar und die Juduslinie viel besser mit geringeren Kosten zu vertheidigen. Die Times meint, wenn diese Folgerungen richtig seien, und man blos zwischen der Jndus- und der Gangesgränze zu wählen habe, so könne der engli- {en Regierung. die Entscheidung sür die Einverleibung niht {wer fallen, zumal die jeßige Politik, das Land durch eine starke militai- rishe Besaßung, die niht einmal die. Möglichkeit eines späteren Kricgs aufhebe, in Ruhe zu erhalten, zu viel Kosten mache, wogegen das Pendschab nah seiner vollständigen Einverleibung reiche Reve- nüeu verspreche. E

Nah den vom Centralbüreau sür tas Armenwesen v:röffentlich- ten Nachrichten betrug die Bevölkerung der 592 Armenpsleg-Bezirke von England 13,784,703 Seelen; davon erhielten 1847: 1,471,133 und 1848: 1,626,201 Persouen Almosen-Unterstißung. 1847 wur- den 4,678,110 Pfd. St., 1848: 5,435,973 Pfo. St. für das Ar- menwesen ausgegeben. Ven leßterer Summe lommen 955,700 Pfr, St, auf Almosen im Armenhause, 3,339,248 Pfo, St, Unterstüßung in der cigenen Wohnung; 970,988 Pfd, St., Verwaltungskosten ; 460,161 Pfd. St, Rückzahlung gemachter Anleihen; 9876 Pfd. St, fleinere Ausgaben, Die Ausgaben für das Armenwesen in Eugland und Wales überstiegen 1848 die vorjähuigen um 881,978 Pfd. St, oder fast 17 pCt. :

Ju Fermanagh und Ulster (Jrland) hielten tie angesehensten Grundbesißer der Grafschaft unter Vorsiß des Ober-Sherisfs vor ei- nigen Tagen eine Versammlung, in der man si<{ sehr energisch gegen die von Lord J. Russell beantragte Zuschuß-Armensteucr aussprach. Die Versammlung beschloß , an ihre Stelle“ einen Eingangszoll auf englische Fabrifate zu empfehlen und verlangte , daß, im Fall einer Armen-Union eine Zuschußsteuer benöthigt sein sollte, diese niht von

j ist ihres Geliebten Werk und nicht ihr Naturlaut.

JFrland allein, sondern von dem ganzen Reiche gede>t werde, Ju Ulster uehmen die Brandstiftungen, von denen es in der leßten Zeit still gewesen, wieder überhand.

Wissenschaft und Kunst. Königliches Schauspielhaus. Kabale üund Lebe; * Trauersuiel in ünf: Akten;

Schiller. (Den 3. März.)

Man fann dies Stück die leßte Jugendsünde der Schillerschen Muse nennen. Enge Verhältnisse, kleine Menschen und große Drangsale hatten in unserem jungen Dichter eine so innige Verstimmung erzeugt, daß seinem Genius zum selbstbewußten Schaffen eincs vollendeten Kunstwerks Freiheit uud Ruhe fehlten. Jn „Kabale und Liebe“, wie in den „Räubern“ und Fiesco“ glaubt man zerstreute Blätter aus Schillers Tagebuche zit er- bli>ken, kühne Bilder, Skizzen, große Gedanken, poetische Stoßseuszer, un- termischt mit Tiradea, ales bunt neben einander an einen dramatischen Fa- den geschnürt, künstlich, aber uicht künstlerisch. Das Stück sollte ursprüng- lih „Louise Millerin““ heißen, der Dichter überzeugte sich jedoch selbst, daß der einzige ganze Charakt.r desselben uicht die Geigerstochter, sondern Lady Milford is, und nannle es deshalb auf Jflands Nath „Kabale und Liebe.“ Vor ven Augen des Zuschaucrs zerfallen die Hauptsiguren; Louise, Fer- dinaud, Präsident und Secretair in Stücke und lassen einen mehr peinlichen als tragishen Eindruck in seinem Gemüth zurü>, Wie in Theaterdecora tionen beim Scenenwechsel sich plöylich Felsen, Bäume, Häuser ablösen und foribewegen, um anderem Blendwerk Play zu machen, so geht es hier den dramatischen Figuren; stü>kweise werden sie wegeskamotirt, und man w1m- dert sich, die Fugen und Nisse uicht gleih bemerkt zu haben, Das Ver- hältniß der Lady i das einzige ganz wahre, alle übrigen gegenseitigen Beziehungen der Hauptfiguren aber erzwungen und unwahr in ihrem ZU- sammenhang. Wie war z, B, dem Liebenden, den uns der Dichter bis dahin so meisterhaft gezeihuet hatte, sc(:on die vierte Scene des dritten Akts (die in der Vorstellung wegblieb) möglih? Wie konute er gar das abgeschma>te Briesmärchen, über welches der Präsideut dem Erfinder noch Komplimente macht, glauben? Und wenn er es glaubte, daß Louise cinen Anderen liebt, und zwar jenen Kalb liebt, mußte der ideale Fer- dinand deshalb den Entschluß fassen, sich und sie zu “ermorden? Warum, wenn er einmal zum äußersten Mittel gegen seinen Batex schreitet, thut er das nicht srüher, als no< Alles zu retten war? Läßt sich wohl von einer Kreatur, wie Wurm den sein Herr gewiß hon oft empfindlich getreten hatte erwarten, daß er, anstatt auf Mittel zur Nettung zu deu- ken, urplöglih Alles verräth, um sich an seinem Spießgesellen zu rächeu, wenn man diesem, dem ergrauten Virtuosen der Zntrigue, auch zutaute, daß er ohne alle Noth seinen Secretair preisglert 7 L L

Doch wenden wix uns zur Darstellung, Veren Hauptaufgabe ist es unzweiselhaft, den Charakter Louísens dadurch Zil heben und in Kontrast gegen die Lady zu seven, daß das Moment u Nalve E werde, daß Louisens Tonfall, Miene und Gebehrde möglichst einfah und natürli seien, um das Gepräge

von

von Sentimentalität, welches ver Dichter ihren Worten unwillkürlich gab, nicht noch mchr „hervortreten zu lassen, Man muß dem schlichten Bürgermädchen die tiese Empskfndung an- sehen, aber sie darf nicht damit pruufen und muß deu ans Hochtrabende streisenden Ausdruck dadurch mildern und motiviren, daß sie fühlen läßt, ex Oas Spiel der Mad. Ho ppé ließ bemerken,“ daß sie diese Aufgabe erkannt hatte und zu lösen suchte, auch ist von Einzelnheiten ihrer Da!stellung wenig oder uichts zu tadeln, aber dem Ganzen gebra<h es an Wärme und Junigkeit, so daß Louise ihre kränklich sentimentale Färbung behielt, - Mad, Hoppé hat aus dem reichen Silberschaße der Stimme der Mutter nur eine fast kärgliche Ausstattung erhalten.

Der Grundzug der Lady Milford ist die feinste Koketiciie tes äußerli<h und innerlich reich begabten, glühend siunlichen, tief gefallenen, aber doch edeln und ihrer Würde bewußten Weibes, Jhr Stolz muß mit um so mehr leideuschaftliher Cifersucht hervorbrechen, als sie selbst fühlt, daß es nur ihren frampfhaften Anstrengungen gelang, ihn festzuhalten, Jedeu- Augenblick fürchtet sie, daß dieser Stolz, ihr legter Halt, ihr enutris- sen werde und sie dann zur gewöhnlichen Buhlerín herabsinkt, Frau Thomas brachte den inueren Kamps kunstwahr zur Aufchauung, und ihr Mienenspiel wurde trefflich durch ihr schönes, sprehendes Auge unlerstüßt, Nur mit augenblicklicher Zerstreutheit lassen sich wohl bei einer so verstän- digen und feinfühlenden Künstlerin, als sie ist, kleine Verstöße entschuldigeu, wie 3. B, in der Scene im 4ten Aft, wo sie sagt: „Jch will allen Shmuk verkaufen, Garderobe, Pferd uud Wagen verlaufen, Dein sei Alles, aber entsag ihm!“ Diesea legten beiden Worten gehörte der Ton an, den sie auf Pferd und Wagen legte, alles Vorhergehende hâtte hestig, tonlos hervorgestoßen werden müssen, Ueberhaupt war die erste Scene mit Ferdi- nand wirksamer und gelungener, als der vom Dichter so ergreisend geschil= derte Kampf mit der Geigerstochter. j E i E)

Ferdinands Leidenschaft gelangte dur<h Herrn Hendrichs, Ege Momente ausgenommen, innerhalb der Giänzen des Schönen zur äAn- schauung. Herr Rott als Pr äsident brachte in din Scenen mil Kalb zu viel Jronie an, Dieser Meusch is ihm völlig Maschine, deren Nessorts er medanish spielend in Bewegung seßt, während seine Seele sich mik ganz anderen Dingen beschäftigt, Für feine Lächerlichkeit is er E gestumpst und in seiner Stimmung mehr zur Ungeduld als zum caheln geneigt, Herr Hoppé als Wurm war durchaus P Be E O und in seinem Betragen gegen den Präsideuten- die richtige Mis<ung von Subaltern und Szießgesellen, Zun der Marterscene mit Louisen halle jeine Mimik noch etwas lebendiger , diaboliscber sein lönnem Err Se winsky (Kalb) verdient Dauk, daß er sichtlich bemüht way j Me Nar fatur uicht gar zur Vogelscheuche werden zu lassen. Unbegreislich bleibt es, wie Schiller seinem Ferdinand diese Nebenbuhlerschaft „andichten fonnte, Eine solche Figur is im Lustspiel ganz am Plaße, 11 dicsem S aber nicht nothwendiger als die Gerichtsperson im 01 Uan, T Os mal da sein, um als Hauswurst eine Diveislon ZU machen, L

Pen nen S : Rehuf des Briefes haben, Herr Wauer wenigstens einen Sohn zum Bchuf L des S diller in vont b eberen O M vem orga B edere

alten Musikus gezcihnet, Leben und Gestalt, Die Kürzung des

Stüd>es war dicsmal mit allem Takt und zum Vortheil des Ganzen ge- schehen, Ed uf E R I A H E S [R Ma T E} Eta

L

treffenden Zug. von Minden nach Deuß im Anschluß an den um 11 Uhr

[55b]

Semäcster 1848 mit

Cour. für 100 Silber-Rubel, elben die sie treffenden

werden.

% Fun e>, s Berlin, deu 3, März 1849,

r ———

Köln - Mindener 1529] (Lifenbahn.

Rom 15, Oftober ab tägliche A b- E ET E fahrten-der Persoieunzuge von Minden nah Deuß 7 Uhr 30 Min. Morgens im Anschluß an den um 7 Uhr von Hannover ein- D 12 Uhr 15 Min, Vorm, 15 Min. von Ber- lin, Dresden, Leipzig, Braunschweig, Bremén, Uelzen, Hildesheim und Hannover eintreffeuden Zug,

3 Silber-Rubeln, zum Course vou 104 Thlr, Preuß,

auszuzahlen, und können die Zahlunç

J

F- Mart, Magnus, Behrenstraße Nr, 46,

en gegen Einrei-

Ungarische Cenutral-Eisenbahn. (51) Ote Einzahlung. irection

Von der Di ; derUngarischenCen- tral-Eisenb ahn sind wir begusiragt, die 10te und leßte Naten- zahlung auf die Actien 9 dieser Bahn mit 10% V Ger 2961 abzüglich d, Zinsen 43 » also mit 205 Fl, uittiren,

d darüber zu q l :

a O demnach die Znhaber, ihre Aclien zu

ocm Behuse bei uns einzureichen und auf jede derselben 202 Fl, zu zahlen, nebst 7 % Agentur-Spesen,- und À %, Verzugszinsen vom 1. Jau, bis inel, 11. Febr.,

6 % » » 12, Febr, bis incl, 25. März a. c.

als Präklusiv-Termin.

Die noch nicht abgehobenen Zinsen auf die bereits bei uns im “vorigen Jahre geleistete 10te Nate können gleichfalls bis zum 25, März a. c. gegen Präsen- tation der Actien in Empfang genommen werden,

Berlin, den 13, Januar 1849,

Hirschfeld U Wolff, Linden Nr, 27,

cihensolge geord-

z

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2 Rthlr. für 4 Jahr.

4 Nthlr. - £ Jahr.

fe) Rthlr. d J Jahr. in allen Theilen der Monarchie

i ohne Preis - Erhöhung. Bei einzelnen Uummern wird der Bogen mit 21 Sgr. berechnet.

Preußischer

faalfs-Anzeiger.

Verlíin, Mittwoch den 2. März

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Expedition des Prenß. Staats- Anzeigers :

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R C N A Ä R P I E T T O B e E TOCEFEM mTOGMÖ O m irren f

1849,

Auf Ih a L Umtlicher Tbeil,

Deutschland.

Preußen. Berlin, Beileids - Adresse des Magistrats an Se. Königl, Hoheit den Prinzen Wilhelm, Verordnung.

Desterreich. Reichsta g. JInterpellationen und die kir{lihen Fragen der Grundrechte, Wien, Armee-Bülletin. i i

Bayern, München. Neue Geschäftsordnung für die Kammer der Ab- geordneten, Erklärung in Betreff der politischen Gesinnung der Linken, Die Frage wegen Publication der Grundrechte, :

Sachsem, Dresden, Kammer - Verhandlungen.

Hannover, Hannover, Erklärungen beider Kammern für Verbleiben des gegeuwärtigen Ministeriums,

Württemberg. Stuttgart, Kammer-Verhandlungen.

f Ausland.

Frankreich. National - Versammlung. Annahme des Staatsraths- Gesezentwurfs, Forderung von Geldbewilligungen. Einfache Ta- gesordnung über die Juterpellation Martin Bernard's, Paris. Vor- lage in Bezug auf die Rheinschifffahrts-Convention, Nachrichten aus Ztalien. Widerlegung und Erklärungen. Exzesse in den Provinzen.

_— Das Wahlcomité der gemäßigten Partei. Vermischtes.

Großbritanien und Jrland. London, Kriegs-Ereignisse im Pend- schab. Die Frage der Donaufürstenihümer. j

Niederlande. Aus dem Haag, Widerlegung.

Italien. Rom. Bekanntmachung der Exekutiv-Kommission. Die Kir-

chengüter für Staats - Eigenthum erklärt. Vermischtes, Turin, Kammer-Verhandlungen. Adresse an den König.

Börsen- und Handels - Nachrichteu.

Bollage

B N U T N ZE:

Amtlicher Theil.

Se. Majestät der König haben R E geruht : Den Ober-Bergamts-Assessor Jung in Bonn zum Ober=Berg= Rath und den Bergmeister von Pannewiß in Tarnowiß zum Bergrath zu ernennen.

Monats-Ueber sicht der preußischen Bank,

gemäß $. 99 der Bank- Ordnung vom 5. Oktober 1846. Nt a

1). Vepraates Oeld Und Dare c os ie enoss 15,389,200 Rtÿlr. 2) Kassen - Auweisungen und Darlehns - Kassen= {Beine C C T0 C S S E 93,213,300 » 9) V 9,280,700 » 4) Lombard= Binde C S 11,869,200 » 5) Staats - Papiere, verschiedene Forderungen Î und Aktiva L C E N 13,212,700 » Po S 13,924,700 Rthlr. m O epositen-Kapitalien e 20,081,000 » 8) Darlehn des Staats in Kassen-Anweisungen : (nah Rückzahlung von 4,900,000 Rthlr., cír. $. 29 der Bank - Ordnung vom 5. Oftober 1540) C, 1,100,000 Rthlr, 9) Guthaben der Staatskassen, Jnstitute und Privat - Personen, mit Einschluß des Giro= B erfte r ia C E P d E e 0 Ge S0 I P S Es 0000 O K 1,29 7,90l ) »

Berlin, den 28. Februar 1849.

Königl. preuß. Haupt-Bank - Direktorium.

von Lamprecht. Witt. Reichenbach. Schmidt. Woywod.

(gez) Meyen.

Abgereist: Se. Excellenz der General der Junfauterie und Geheime Staats-Minister a. D. von Thile, nah Frankfurt a. /D.

B A I E S ATE

“uichtamtlicher Theil

Deutschland.

Preußeu. Berlin, 6. März. Der hiesige Magistrat hat Sr. Königl. Hoheit dem Prinzen Wilhelm nachstehende Beileids - Adresse überreicht : Durchlauchtigster Prinz, Gitgdiaiter Pr u He f *Mit tiefer Wehmuth und innigem Mitgefühl haben wir die Trauerbotschaft von dem frühen Ableben des vielgeliebten Sohnes Ew. Königl, Hoheit, des Prinzen Waldemar von Preußen, vernom- men. So hat si< in der Blüthe der Jahre ein edles Leben \hließen müssen, welches in hoher Stellung dem Dienste des Vaterlandes ent- {lossen und mit vollster Hingebung si< gewidmet, im Gefühl der höheren und allgemeineren Bestimmung Preußens n jugendlicher Kraft des Geistes, in erweiterten Anschauungen der Natur = und Menschenwelt genährt, seinen Beruf zu hohen Thaten heldenmüthig bewährt hatte und nunmehr im Begriff stand, fördernd und führend das Vaterland auf seinen neuen Bahnen zu geleiten. Die Trauer, welche das Land und viele Edlen außerhalb der Gränzen desselben über den Verlust dieses trefflichen Prinzen empfinden, muß den tiefen Schmerz vermehren, mit welchem Ew. Königl. Hoheit an der Bahre des theuren, hoffnungsvollen Sohnes stehen, dem es nicht beschieden war, den Lebensabend des geliebten Vaters durch kindlihe Hinge- bung und den Ruhm eines thatenreichen Lebens no<h ferner zu ver- {önern. Aber diese Trauer wird auch, als die Kundgebung des aufrichtigsten Mitgefühls aller Cdelgesinnten, das herbe Leid in Etwas zu mildern vermögen, das Ew, Königl. Hoheit zu tragen bestimmt worden is, Mvöge diese Betrachtung es entschuldigen, wenn wir es wagen, Ew. Königl. Hoheit ehrerbietigst zu bitten, uns den Ausdru unseres tiefen und aufrihtigen Beileids bei dem großen Verluste, der

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Ew, Königl. Hoheit und das gesammte Königlihe Haus betroffen, als einen Ausfluß der ehrfur<tsvollen Ergebenheit zu gestatten, mit der unverbrüchli< verharren Berlin, den 27. Februar 1849. Ew. Königl. Hoheit treugehorsamste Der Magistrat. (gez) Naunyn, Hedemann,

Berlin, 6, März. Das Amtsblatt des Königlichen Post- Departements enthält die Verordnung, betreffend die Ermäßigung des {wedishen Porto für Briefe nah und von Ystadt, desgleichen betreffend die Portofreiheit in Angelegenheiten der National - Suh- scription für die Hinterbliebenen Auerswald's, desgleihen betreffend A Spedition der Fahrposisendungen nah Jtalien. Sie lautet, wie olgt:

„Nachdem zufolge einer Mittheilung der Kaiserlich österreichischen Ober- Postbehörde die Fahrpost-Verbindung zwischen dem lombardisch-venetianischen Königreiche und den Königlich sardinischen Staaten mit dem leyten De- zember v. J. aufgehoben worden is, können Fahrpost-Sendungen nach Jta- lien, mit Ausnahme der nah dem lombardisch - venetianischen Königreiche, nach Parma und nah Modena bestimmten, gegenwärtig nur auf dem Wege über Basel, Genf und Chambery befördert werden. Die Post - Anstalten werden daher angewiesen, die Fahrpost - Sendungen nah Italien, soweit solche niht nah den letztgenannten Staaten bestimmt sind, bis auf Weite- res ausschließli< auf Fraukfurt a. M. zu dirigiren. Hinsichts der Fahr- post - Sendungen nah dem lombardisch - venetianiscen Königreiche, Parma und Modena bleiben die bisherigen Speditions - Verhältnisse unverändert, Dasselbe gilt von allen Briefpostsendungen nach Jtalien.

Berlin, den 26. Februar 1849,

General - Post - Amt. von Schaper,“

Schulze.

Defterreichh, Reichstag. Sihung vom 2. März. Auf der Ministerbank: Kraus, Stadion. Der Präsident Smolfa zeigt der Versammlung an, daß Kübe> in den Finanz - Ausschuß anstatt Hagermann gewählt wurde, und daß eine Vertrauens - Adresse von Castelnuovo anu den Reichstag

gelangt sei. Zufolge eines Beschlusses des Constitutions-Aus\chusses liegen zur Einsicht vor 86 Petitionen theils für , theils gegen die Theilung Galiziens und no<h mehrere Petitionen. Der Abgeordnete Jvichievih hat ein Memorandum bezüglih der Banknoten vertheilen lassen. Wildner interpellirt das Gesammt - Ministerium: Jst das Ministerium fest entschlossen, den in Kremsier vertretenen Völkern die feierlih versprohene Gleihberehtigung zu wahren , ihnen daher die

bisher so ungerehter Weise getrageue üeberbürdung von jährlichen 22 bis 23 Millionen abzunehmen und den ungarischen Ländern auf- zulegen? 2) Jst es fest entschlossen, nah Herstellung dieser gleihmä- ßigen Besteuerung die so unbrüderlihe Gränzlinie zwischen L und dem anderen Oesterreih hinwegzuräumen und dieselbe alsbald auf ein zeitgemäßes Prinzip mit Aufhebung aller Steuer = Privi= legien zurü>zuführen? 3) Jst es fest entschlossen, die Aufhebung aller

Vorrechte und mithin die Gleichheit vor dem -Gesebe in Ungarn so- glei herzustellen, mithin au< das Privilegium des Adels béi der Geseßgebung aufzuheben? 4) Jsst es fest entschlossen, an die Stelle dieser ganz unzeitgemäßen Adelsherrschaft eine Volks=Vertretung nah vernunftrechtlihen Grundsäßen, somit unter verhältnißmäßiger Be theilung aller Nationalitäten einzuführen und die Rechte des Thrones mit derselben zu theilen? 5) Js es fest entschlossen, diese ungarische Volksvertretung mit der hiesigen zu vereinen, damit sie. den Bau eines großen mächtigen und freien Oesterreichs vollbringen helfe? 6) Jst es entschlossen, diesen seinen festen Entschluß den ungarischen Stämmen alsbald kund zu geben und diese Bedingungen der bevor- stehenden Pacification Ungarns zu Grunde zu legen? 7) Jst es entshlossen, das, was in den hier vertretenen Ländern bereits als vorläufige Verfassungsnorm veröffentlicht wurde, au<h in Ungarn alsbald zu publiziren und auf Grundlage desselben die ungarische Volks-Vertretung mit dêm Beisaße einzuberufen, daß an den obigen Grundlagen der Pacification nihts geändert werden dürfe. :

Strasser interpellirt das Gesammt-Ministerium: 1) Ob das- selbe nit geneigt sei, die Verpflichtung zur Annahme der Banknoten bei allen Zahlungen nah ihrem vollen Nennwerthe, insofern die ge- genwärtigen Verhältnisse den Widerruf der ministeriellen Erlasse vom 21. und 22. Mai v. J. nicht erlauben sollten, durch eine Ministe- rial-Verfügung soglei nur auf jene Fälle zu beschränken, in welchem die Zurückzahlung eines in klingender Münze gegebenen Darlehens nicht ausdrü>lih wieder in den nämlichen oder anderen klingenden Geldsorten und mit spezieller Verwahrung gegen jedes Papiergeld bedungen worden is? 2) Ob dasselbe nicht geneigt sei, dem hohen Reichstage im Nachhange und in Erfüllung der von einem früheren Ministerium im Erlasse vom 21, Mai v, J. gemachten“ Zusage einen Geseß - Entwurf in kürzester Frist zur Berathung“ vorzu- legen, dur<h wel<he ohne Verleßung und Eingriff in vertragsmäßig bestimmte Rechte und Verbindlichkeiten eine definitive Regelung die- ser Angelegenheiten auf constitutionellem Wege angestrebt und mit Rücksicht a die Verhältnisse des Staates der privilegirten öster= reichischen Nationalbank und der als Gläubiger und Schuldner bei der Annahme der Banknoten betheiligten Staatsbürger eine billige geseßliche Normirung dieser Verhältnisse zu Stande gebracht werden könnte?

Der Vorstand des Constitutions-Ausschusses, Feifali k, macht dem Hause die Mittheilung, daß der Constitutions-Entwurf vollendet is. „Seit halbem September erst war der Ausschuß im Stande, sich ret mit seiner Aufgabe zu befassen. Er that dies mit so großem Eifer, daß nur jene Stunden nicht benüßt wurden, welche die Natur dem Menschen entzieht. Unterziehen Sie den Entwurf einer auf- merksamen Würdigung, prüfen Sie ihn mit aller Strenge, wenn Sie aber hier im Saale die Berathung beginnen, vergessen Sie nicht, die freien Prinzipien zu beachten des gemeinsamen Vaterlandes, das uns theuer is , vergessen Sie aber auch nicht der einzelnen Stämme

Jnteressen, die so {hwer geprüft wurden.“ i “Es wird zur Tagesordnung übergegangen, nämlich Fortseßung dex De-

batte über $. 15 der Grundrehte. Sidon spriht für sein Amendentent. Es müsse die Auflassung der Bevormundung der Kirche vom Staate aus- gesprohen werden. Er sei nicht gegen das jus cavendìi, gegen die Ober- aufsicht von Seiten des Staates; Kirl,e wie Staat müßten aber ihre wed- selseitige Selbstständigkeit bewahren, um sich in weselseitiger Freundschaft unterstüßen zu können. Wie überall, gebe es auch alte Kirchenzöpfe, die nicht glauben wollten, daß ihr leztes Stündlein geshlagen, „Das Patro- natsrecht seyt das Ansehen und die Würde der Geistlichkeit herab, und das

For?kommen hängt niht von den Fähigkeiten, sondern von der Laune des Patronatsherrn ab. Die Beseyung der höheren Stel- len zeigt dies zur Genüge, insbesondere in den neuesten Zeiten, Was die

Klöster betrifft, so sind Viele aus philosophischen Gründen für die Aufhe- bung, Aber Viele wünschen dieselbe blos aus Lüsternheit nah den Gü- tern, aber in den hier vertretenen Provinzen giebt es 766 Mönchsklöster mit 10,354 Mönchen und 157 Nonnenklöster mit 3363 Nonnen, diese zie- hen von ihren Gütern jährlih 27 Millionen Gulden, und der Schägungs- werth sämmtlicher Güter i 50 Millionen Gulden. Wollte man diese Güter auf einmal verkaufen, so beweisen uns Beispiele, wie viel der Staat dabei gewinnt ; wollte man sie aber, um dem zu entgehen, nah und nach verwer- then, um die Staatsschuld zu de>ken, so hieße das einen Tropfen ins Meer gicßen. Es isst daher besser , dieselben zu besteuern. Selbst von höherem Standpunkte wäre die Aufhebung schädlich und verderblih. Schädlich, weil es Menschen giebt, die zurü>kgezogen leben wollen, weil viele Menschen sich in die Einsamkeit vergraben nach bitteren Erfahrungen, um dort ungestört den Wissenschaften zu leben und ohne Nahrungssorgen. Nur Eins habe ih no< am Herzen, was ich bei dieser Gelegenheit zu verlautbaren mich gedrungen fühle. Von allen Seiten ertönt, mcine Herren, der ungestüme Ruf nach fir<hliher Reform; die große Wandlung, in der Alles begriffen is, scheint gerade die gläubigsten und wahrhaft srommen Gemüther auf den Gedanken gebracht zu haben, daß auch in der “Kirche eine Wandlung vor- gehen müsse, vaß auch da in der Kirchendisziplin Vieles nicht sei, wie es sein solle, daß es da in Nebensachen viel Beraltetes abzuschaffen, viel Er- loschenes neu zu beleben, viel Nichtbestandenes einzuführen gebe, und ich habe aus der Generaldebatte gesehen, daß sehr Viele in dieser hohen Ver- sammlung selbs in dieser Beziehung die lebhaftesten Wünsche hegen. Auch ich bin innigst von denselben durhglüht und gab mich schon lange der süßen Hoffnung hin, daß jener erhabene, himmlisch edle Geist des jeßigen Statthalters Christi von derVorsehung eigens dazu berufen sei, um dieseWünsche zur herrlichssen That zu machen, Leider aber haben die großen Ereignisse in der politischen Welt ihm bisher wenig Muße hierzu gegönnt, und nach den neuesten Vor- gängen im Kirchenstaate scheint eine derartige Veranstaltung von seinex Seite, wenigstens für die nächste Zukunft, in das Bereich der Unmöglich- keit zu gehören. Da erwarte ih denn die allcin mögliche und dentbare Anregung hierzu von Jhnen, meine Herren! Jch wünsche, und indem ih dieses große Wort ausspreche, bin ih überzeugt, daß es in allen christ- lichen Herzen vom Jun bis zur Weichsel, von der Elbe bis zum Adriatischen Meere den lautesten Wiederhall finden wird, ih wünsche, meine Herren, daß der konstituirende österreihishe Reichstag den Zusam- mentritt einer konstituirenden Reihs-Synode veranlasse! Eine solhe Synode, auf welche die Kirche ein unbestreitbares Recht hat, und deren Abhaltung zum größten Nachtheile der Kirche nur zu lange unterblieben ist, eine solhe Synode, wo auch die Laien gehörig repräsentirt sind, und deren Mitglieder aus dem geistlichen Stande von ihren Amts-

brüdern gewählt werden, auf Grund einer volksthümlihen Wahl- ordnung, wona< jeder Priester Wähler und wählbar ist , die

tvird alle Gebrechen und Bedürfnisse der Kirche zur Sprache bringen , sie wird Zucht und gute Ordnung, religiöse Aufklärung und Sittlichkeit in der Kirche theils aufrecht erhalten, theils befördern; sie wird eine Verbesserung und zwe>mäßigere Einrichtung der liturgishen Handlungen , eine Revision des Katechismus und Rituals vornehmen; sie wird eine allseitige Regene- rirung des gesammten Kirchenwesens mit unnachsichtiger Energie einleiten und hierdurh zur Aufmunterung, Stärkung und Einigung des Kle- rus eíncrseits und zur Weckung, Bildung und Hebung des religiösen Bewußtseins im Volke unendlih viel beitragen. Eine solche Synode wird endlich die von so vielen Seiten her \o lebhaft gewünschte und der Kirche allein zusagende Svnodal - Verfassung ins Werk seßen; denn eine solhe Synode , und nur sie, ist dazu ausshließlih berechtigt. Eine hier in den Grundrechten allenfalls debattirte Synodal - Verfassung wäre eine vom Staate der Kirche aufgedrungene oder, um mich eines gelinderen Ausdrucfes zu bedienen, octroyirte Verfassung. Da s< aber in dieser ho- hen Versammlung für octropirte Verfassungen überhaupt sehr wenig Sym- pathieen finden dürften, so möchte ih bitten, an den Ausspru< unseres göttlichen Erlösers zu denken. Was du nicht willst, daß dir geschehe, das thue auch nicht Andern! Ueberhaupt sollte zu einer solchen Octrovirung dieses hohe Haus am allerwenigsten schreiten, welches selb ni<hts Anderes ist, als die verkörperte Unzufriedenheit der Völker Oesterreihs mit einer octroyirten Verfassung. Ueberlassen Sie daher, meine Herren, die Bera- thung und Feststellung der Synodalverfassung dieser Synode selbst, und scien Sie überzeugt, daß sie den Entwurf derselben für ihre vorzüglichste Aufgabe halten wird. Nebstdem wird diese Synode no< einen anderen, schönen Nebenzwe> anzustreben haben. Meines Er- achtens nämlich ist die Zeit des Religionshasses auf immer vorbei, und wenn auch kein Bündniß , so findet doch eine gewisse Achtung unter allen wahr- haft religiösen Gemüthern statt, wenn auch keine Vereinigung im Dogma, so doch ein gewisses Verständniß im tiefsten Lebensgefühle. Der Fanatis- mus gegen die Andersgläubigen hat aufgehört , desto stärker is aber der Fanatismus der Nichtgläubigen gegen die Gläubigen , der Flachheit gegen die Tiefe, der Gemeinheit und Trivialität gegen alles Höherc und Geisti- gere, Die Gläubigen selbst, mögen sie welcher Kirche immer angehören, feinden sih unter einander nicht mehr an, und das is ein gewaltiger Fort- \chritt, Sollte also in einer Zeit wo Alles si vertieft, wo inmitten der ershütternden Weltumwälzung Alles nach einer göttlicheren Lebensauf- fassung sih drängt und sehnt, in eincr Zeit, wo Alles, was früher sih gespalten , geirennt , losgerissen hat, si< zu nähern, zu verbin- den , zu konsolidiren strebt, und wo auf religösem Gebiete so überraschende Erscheinungen, wie die obigen, sich kund thun auch nicht cin leiser Ver- such gemacht werden, um die oft in Folge kleinliher Zwiste von uns ge- schiedenen ebristlihen Brüder mit uns zu vereinen, im Juteresse des Christen- thums, im Juteresse des christlihen Staates? Jh glaube wohl, und die- sen Versuch wird jene Synode zu machen haben, und darum wünschte ich auch, daß die Anregung zu derselben von Jhnen, meine Herren, ausgehen möge, was ih seiner Zeit zu beantragen nicht unterlassen werde. Sollte auch diese Anregung und jener Versuch nicht sogleih von Erfolg sein, sollte sie au< mehrmalige Anstrengungen kosten, einmal werden sie do<h und dazu scheint mir unser H abrbunbèet vor allen anderen auserwählt Sr voll- ständig gelingen, und das große Wort unseres göttlichen Erlösers e d Freude, zum Entzü>ken aller wahren Freunde der Menschheit a S gehen: und es wird ein Hirt und eine Heerde sein,“ (Beifall.) 7 s Beser6- wird unterstüßt, Peitler spricht für Wieser" Antrag und ne as nicder- Zusayantrag, daß der Reichstag sogleich einen r E e Fändiger Antrag, see. Die Majorität entscheidet aber, daß dies e L bier Verbesserungs- somit auf die Geschäftsordnung zu verweisen sei, Ei