1849 / 176 p. 2 (Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

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_ ses sind säminiliche im auf Betreiben der Ortsvorstände einzusammeln und nah den Anordnun- |

ungs - Erklärungen, zu denen sie durch die usurpirte Gewalt ge- E iet sind, werdet für nichtig und unverbindlich erklärt, Jn Betreff derjenigen Bcamten, welche sih eines pflichtwidrigen Benehmens schuldig gemacht haben, ‘sind on Seiten der zuständigen Behörden

die geeigneten geseplihen Anordnungen zu treffen. 4) Gegen alle | Staatsdiener, so wie gegen alle mit irgend einer Function betrauten |

Personen (Anwalte, Notare, Gerichtsboten 2c.) tvelche sich hinsicht- lich der Wiederaufnahme und Fortführung ihres Dienstes säumig erweisen sollten, ohne dur vorschriftsmäßigen Urlaub dazu ermähtigt zu sein, wer-

den die geseßlihen Maßregeln ergriffen werden. 5) Die Königlichen Ge- | richte werden hiermit aufgefordert, gegen die Urheber und Theilnehmer an der hochverrätherischen Bewegung und an den begangenen besonderen Ver- '

brehen und Vergehen der gesezlichen Vorschrift gemäß einzuschreiten. 6)

Die Vollziehung der von der rebellischen Gewalt und ihren Agenten getrof-

fenen Verfügungen über öffentliches Eigenthum, insbesondere der Veräuße- rungen und anderen Gegenstände, hört sofort auf, und die Behörden sind angewiesen, deshalb die geeigneten Vorkehrungen zu treffen. Alle hierauf gelei-

steten oder noch zu leistenden Zahlungen an andere, als die geseßlich befugten Behörden, sind nichtig. 7) Zur Sicherung dèr Geldër des Staates, der Vê- |

meinden und Körperschaften haben die vorgeseßten Behörden und in deren

Ermangelung die Ortsbehörden, bei Vermeidung persönlicher Haftung, so-

gleich bei allen Kassabeamten und Verwaltern den Kassasturz vorzunehmen und zur sicheren Aufbewahrung der Gelder in den bezüglichen Kassen die crsorderlihen Auorduungen zu treffen. 8) Ju allen Gemeinden des Krei- esißze der Ortseinwohner besindlihe Waffen

gen der Militair-Kommandanten in sichere Verwahrung zu bringen, Hier- bei is für die entsprechende Bezeichnung derjenigen Waffen, welche

Privat - Eigenthum sind, Sorge zu tragen, Diejenigen, , welhe in |

der für die Ablieferung zu verkündenden Frist der Aufforderung hier-

zu nicht Genüge leisten würden, haben sich die Unannehmlichkeiten selbst |

zuzuschreiben, welche dur die Hinwegnahme mittelst militairishen Zwanges veranlaßt werden könnten. Wegen Verheimlihung von Waffen wird auf geeignete Weise weiter eingeschritten werden, Die Reorgauisation der Bür- gerwehr in den einzelnen Gemeinden bleibt späteren Anordnungen vorbe- halten, 9) Während der Dauer des Kriegszustandes sind alle Versamm- lungen zu politischen Zwe>en der vorgängigen Genehmigung der Königli- chen Landkommissariate im Benehmen mit dem Militairkbommandanten un- terworfen. Jeder Versuch der Zuwiderhandlung wird mit militairischer Gewalt unterdrü>dt und die Schuldigen werden zur geseplihen Be- strafung vor Gericht gestellt werden, 10) Die Militair - Kommandanten werden hiernit angewiesen, den ordentlichen Obrigkeiten zum Schuyze ihrer Wirksamkeit auf ihr Ansuchen die erforderliche militairische Hülfe zur Ver- fügung zu stellen, Jch werde in thunlihster Bälde zur gleichmäßigen Durchführung dieser Maßregeln die entsprechenden Truppen-Dislocationen eintreten lassen. 11) Die dur< Fahnenflüchtige oder andere Jndividuen entivendeten ärarischen Waffen und sonstigen Ausrüstungs-Gegenstände aller Art \ind innerhalb der in meiner Bekannimachuug vom Aóten dieses ge- gebenen Frist bei der Königlichen Kommandautschaft Speyer einzuliefern, widrigenfalls - gegen die Betroffenen gerichtlich eingeschritten werden wird, Ferner haben \ih bei der genannten Militair-Behörde die zur Fahne f eiwillig Zurüd>kehrenden zu weiterer Verfügung zu melden! Pfälzer! Jhr habt die väter- lichen Worte Eures Königs ve1nommen. Jhr werdet die eingerü>kten Truppen als Euere Befreier von einem anarchischen Joche empfangen, Der Sinn für Geseyßlichkeit und Ordnung, wodur Jhr Euch früher so rühmlih ausge- zeichnet habt, wird meine Aufgabe erleichtern, die Herrschaft der Geseße und der Staatsverfassung wieder herzustellen. Hierbei erwarte ih von allen Gutgesinnien, daß sie nah Kräften dazu mitwirken werden, den bisherigen geseblosen Zustand zu beseitigen und die Herrschast des Geseyes wieder herzustellen. Es is unbedingt nöthig, daß alle braven Männer der Pfalz fest zusammenhalten, daß sie kräftig auftreten, daß sie die Geseße, daß sie ihr Eigenihum, daß sie Hab und Gut uud die höchsten Güter dés Lebeêns vor aller Gewaltthat {üpen, denn was will eine Par- tei für eine Aussicht auf Erfolg erwerben, wenn jede Gemeinde, jedes Dorf , jede Stadt fest zusammensteht und dem Geseße durch ihr mäunliches Auftreten die wahre Kraft verleiht. Zu diesem Zwecke hat Sc, Majestät der König einem jedeu Kreis des Reiches cine Anzahl von Waffen verliehen, die hinlänglich gewesen wäre, cine jede revolutionaire Be- wegung durch die eigene Krast des Volites niederzuschlagen, Diese Waffen sind weder zum Schuße der Regierung no<h zu Eurem eigenen Schuße ver- tvendet worden, sondern Zhr seid ciner Gewalt gewichen, die nichts als Euer Unglück wollte, Damit nun solches nicht wieder geschehe, is meine Absicht , sobald als nur immer möglich, die Bürgerwehr neu zu errichten, und ich werde demnächst denjenigen Bürgern die Waffen wiedergeben , die bereit sind, sie für die unveräußerlichen Rechte des Thrones, der Verfassung und zum Schuße ihrer Nehte und Freiheit zu führen, Speyer, am 22. Zuni 1849, Der Kommandirende des westfränkischen Armce-Corps. Karl Theodor, Fürst von Thurn und Taxis, General - Lieutenant,

j I1L Bekauntmachung,.

Unter Beziehung auf die Bekanntmachung des unterzeichneten klomman- direnden Generals vom 16. Juni 1849 wird hiermit weiter zur Kenntniß gebracht, daß derselbe die ihm von Sr. Majestät dem König ertheilte Er- mächtigung, den eidbrüchig gewordenen Militairpersonen Verzeihung zuzu- sagen, welche innerhalb der von ihm festgeseßten Frist sich unter seine Be- fehle stellen, in dem Falle keine Anwendung finden lassen werde, wenn die- selben nach der ihnen zur Kenntniß gekommenen Bekanntmachung vom 16ten laufenden Monats noch in den Reihen der Aufständischen fortgedient haben. Hauptquärtier Spevcr, den 22, Juni 1849, Das Kommando des Königl, bayerischen westfränfkischen Armee - Corps. Karl Theodor, Fürst von Thurn und Taxis, General - Lieutenant.

Laven burg, 25. Juni. (Darmst. Ztg.) Von Mannheim

aus bietet si dem Auge cin s{hauerlihes Bild der Verwüstung var, nämlich Ludwigshafen. Ganz ohne allen Nuven für die Ver- theidigung Mannheims wurden die dortigen sehr bedeutenden und prächtig aufgebauten Lagerhäuser und Waarenschoppen in Brand geschossen, sämmtliche Waaren, die darin aufgespcichert waren, im Werth von ungefähr einer Million Gulden, sind in den Flammen vernichtet worden; noh jeßt glüht es fort und raucht es in den Trümmern, Wie Mannheimer selbst erzählen, soll Bosheit diesem Vandalismus zu Grunde liegenz man wollte dem aufblühenden Lud- wigshafen, welches durch seine glüdlihe Lage den westlichen Handel Maunheims an sich gezogen, eine Wunde beibringen, welche die Le- bensfraft jener Stadt zum Vortheil Mannheims lähmen sollte, Wenn diese Operation eines zwölfstündigen Beschießens zur Ver- nihlung einer festen Position“ der Preußen hätte dienen sollen, dann látte ganz Ludwigshafen und der dortige Bahnhof der Erde gleihgemacht werden müssen z so aber ließ man die übrigen Häuser stehen und begnügte si< mit der Vernichtung des Handels in Lud- wigshafen. Jedermann wußte auch, daß von Ludwigshafen aus ein ernstlicher Angriff gegen Mannheim gar nicht beabsichtigt war und von dem Bataillon Preußen und 2 Sechspfünder-Kanonen gar nicht be- werkstelligt werden konnte. Ludwigshafen war gestern Morgen noch wie ausgestorben und nur durch das hier liegende bayerische Jäger-= Bataillon belcbt, das seine Nahrung von Mannheim bezieht; denn alle Einwohner sind mit ihren Habseligkeiten in die nächsten Orte ausgewändert, und exst gestern fingen einzelne Familien wieder an, ihre Mobilien zurü>zubringen, Die Verbindung mit Maunheim, welche durch das Abbrennen der Schiffbrücke gänzlich gestört war, ist auch seit gestern durch eine fliegende Brücke, welche die bayeri= \{<en Pontonniers mittelst Pontons sehr rasch aufertigten , wieder hergestellt, und eben so waren auch gestern die zwei ersten Dampf- schiffe wieder bei Mannheim angelandet, welche einige Reisende mitbrachten.

Baden. Karlsruhe, 23, Juni, (S<hwäb., Merk.) In der heutigen Sißung der konstituirenden Landes-Versammlung stellte und begründete Hoffmann folgenden Antrag: 1)“ Es sollen die Geistlicem, glei<h ben Staatsdienern, an ihrem Einkommen einen verhältnißmäßigen Abzug erleiden zu Gunsten der Staatsfasse.

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9) Die Einkünfte des Religions-Fonds in Freiburg sollen in dieser außerordentlichen Zeit zur Verfügung des Staats gestellt und, in- sofern dieselben nit für ganz dringend nothwendige Zwecke bisher verwendet wurden, für die Staatskasse eingezogen werden, Der Antrag wird unterstüßt und auf den Antrag von Lehlbä< an die Finanz-Kommission gewiesen. Der Bericht über ‘die Verhaftung Fidler's in Württemberg, der sofort erstattet werden soll, wurde auf die nä<hste Tages - Ordnung geseht, da der Bericht erstatter Müller abermals abwesend is. Dex Antrag von Stay, den Recenschafts - Bericht der provisorischen Re- gierung betreffend, wird zum zweiten Male gelesen und angenom- men, Hierauf verliest der Präsident den Kommissions - Bericht über den Antrag Hiltmann's, die Erweiterung des Gesebcs über die Bürgerwehr betreffend. Die Kommission macht zu den ilt-

mánnis{èn Anträgen verschiedeñe Verbesserungs-Vorschläge, die Ver- | gelangen: Freishärler-Hauptmann Diebsch ist unter Bede>ung von

sammlung beschließt aber - nah kurzer Debatte, zur Tagesordnung überzugehen. Au stellt den dringlichen Antrag, einen Beschluß der Secekreis - Regierung, die Zehntgelder zwangsweise zu erheben, zu sistiren. Der Änträg wird angenommen. Nachdem no<h Stay den Añtrag gestellt, alle von ver früheren monarchischen Regierung ver-

| liehenen Ordens = Medaislen zurüzuverlangen und in Geld umzu- | s{melzen, dèr angènominen wird, beschließt die Versammlung, daß

morgen keine Sibung zu halten und die nächste durh den Prâôsi- denten besonders zu bestimmen sei, Von 12 bis 1 Uhr und von 4 bis 5 Uhr war geheime Sißung.

Baden, 23. Juni. (Schwäb. Merk.) Die Namen Franz Raveaux's und der übrigen Mitglieder der Reichsregentscha}t er- cheinen unter den gestern dahier eingetroffenen Fremden. Theils chon früher, theils mit ihnen sind viele Mitglieder des aus Stutit- gart vertriebenen Parlaments hier angekommen, so daß deren An=- zahl si<h über 40 belaufen mag.

Heidelberg, 25. Juni. (O. P. A. Z.) Der preußische Major von Welßien vom 31sten Regiment ist Kommandant der Stadt, die mit einer zahlreichen vreusis<èn Besabung versehen ist, und in welcher dér Belagerungszustand zwar mit möglichsier Huma- nität, aber sonst mit größter Strenge gehandhabt wird. Die Nath- forshungen nah verste>ten Kämpfern und namentlich na< den An- führern der Insutgenten - Armee werden überall mit großem Eifer betrieben, und da besonders die zahlreiche badische Genbarmerie, die die gehörige Lokalkenntniß besißt, sehr thätig dabei ist, #0 werden stündli< Gefangene in Menge eingebracht. Viele läßt man in ihre Wohnorte zurü>gehen, na<hdem man ihre Namen aufnotirt, die besonders Gravirten aber werden strenge bewacht. Sehr trachtet män danach, Mitglieder des \oge- nannten „Schweizer-Freischaarencorps“/ einzufangen, gegen welche sowohl Soldaten wie Bürger eine außerordentliche Erbitterung he= genz am Abend des 22sten sind diese noth, großentheils int hohen Grade betrunken, mit Pechkränzen in der Stadt herumgezogen und haben dieselbe anzünden wollen. Nur die entschlossene Haltung der Gendarmerie, der si< einige hundert Bürger beigesellteu, und die die Stadt. bis auf das Aeußerste vertheidigen wollten, hat dies frevelhafte Beginnen verhindert. Die badischen Sol-= daten, die \si< zu Hunderten freiwillig einfinden ,, werden entwaffnet und daun mit einem Zwangspasse vorläufig “in ihre Heimatsorte zurü>geshi>t. Loben muß man- übrigens die Humanität, mit der die preußischen Soldaten gegen die Gesan- genen ohne Ausnahine verfahren. Mißhandlungen derselben kom- men gar niht vor, und ih habe im Gegentheil gesehen, daß zwei preußische Soldaten einen verwundeten Freischärler wirklich “auf das

Sorgsamste pflegten * und denselben, da ihm das Gehen {wer wurde, forttrugen. Von Mieroslawski mit seiner sehr zusammen- ges<hmolzenen Schaar weiß man hier nichts. Wahrscheinlich hat er sich bei Karlsruhe in den Schwarzwald geworfen, um sich so nach der Schweiz oder Rastatt durhzuschlagen.

Heidelberg, 25. Juni, Vormittag. (D. Z.) Die badischen Offiziere der Revolutions - Armee hielten am 22sten d. auf dem Rückzug gegen Siusheim und Eppingen eine Berathung, was jebt zu beginnen sei. Die Meinung der älteren Offiziere ging dahin, die württembergische Gränze zu erreichen und etwa württembergi- {hen Truppen die Waffen zu stre>en, nicht aber sich solchen Trup- pen zu ergeben, - gegen welhe man bis zur Stunde gefohten. Die jüngeren und Lten Offiziere dagegen stellten den Antrag, sich nach deu Standquartieren durhzushlagen, welche die einzelnen Ab= theilungen vor der Revolution inne gehabt; auf diesem Wege solle man nicht augriffsweise vcrfahren, aber jeden Angriff mit äußerster Energie zurü>zuweisen. Dieser Antrag wurde augenommen. Mie- roslawsfi befand si< am genaunten Tage noth bei den Trümmern der Revolutions-Armeez ob und welchen Entschluß er gefaßt, ist nicht bekannt gewordeu.

Ein Heer von Civil-Kommissären und Abenteurern is noch bei den badischen Truppen und sucht Gelegenheit zu weiterer Flucht. Schl6ffel der Vater soll nah Württeniberg entkommen sein; der Sohn wurde bei Waghäusel durch die Brust geschossen.

Darnistadt, 26. Juni. Die Darmst. Zt g. theilt nathste= hendes Schreiben ihres Korrespondenten vom Ne>ar - Corps aus Sinsheim vom 24, Juni Mittags mit:

„Heute Morgens 5 Uhr brachen wir von Waibstadt auf und E mit dem Gros um 7 Uhr in Sinsheint ein, das von Truppen unserer Vorhut beseßt war. Die Brigade Schäffer bezog ein Bi- vouak jenseits der Stadt. Diese ist in Bezug auf demokratisches Wüh- len eine der berüchtigtesten, und würden die weißen Fahnen auf ih- ren Thürmen sofort wieder mit rothen: vertäusht werden, hätte man uns nicht zu fürchten. Die Orte herwärts, obwohl volkreich und wohl-= habend, waren fast wie ausgestorben, nirgends mehr eine Spur von Freischärlern, deren man übrigens gestern Vormittag noch einen Hau- fen in Aglasterhausen gefangen eingebracht hatte. Mein Wirth, ein verständiger und unterrichteter Mann, gab" mir folgende Notizen: Am Tage des philippsburger Treffens (21sten) kämen noch’ starke Zuzüge, von der württembergischen Gränzr her, nach Heidelberg hier dur<, Anderen Tages änderte sich die Scene; dén ganzen Tag dauerte die ordnungslose Flucht der zwischen Philippsburg und Waghäusel Geschläagenenz Mittags traf das Geschüß ein, unter dem pensionirten badischen Ritimeister, jeßt Oberst, Be>ert, mit einer Schwadron Dragoner. Im Ganzen sollen die Jusurgenten hier 21 Geschüße gehabt haben. Abends um 8 Uhr trafen Mieroslawski und- Sigel mit ihrem Generalstab ein. Wie \{<önw wäre es gewesen, wennwir, um 4 bis 5Stunden srühev kommend, demretirirenden Haupt corps der Jnsurgentenhier die Rückzugslinie abgeschnitten hätten. Die 24 Geschüße wären leiht zu nehmen gewesen , da: sie fast gar keine Munitidn mehr hatten. Mieroslawski soll sogar noch bis! zum 23sten Morgens in Sinsheim gewesen sein, Struve traf am 23sten Morgens 8 Uhr mit seiner etwa 400 Mann starken Freischaar, aus Schweizern, Polen und Franzosen , den wüÜüthendsten Demagogen, mit 4 Kanonen hier ein und blieb no< bis 114 Uhr Mittags. Mieroslawski soll si{<« über Eppingen na< der württembergischen Gränze hin in der Richtung. von Bretten, Struve über Weiler am Steinberg ebenfalls dahin gezogen haben und Becker aus! Biel auch

dort sein. Gestern hörte man eine Kanonade. Die Freischärler sollen bei Stettfeld, zwishen Bruchsal und Langenbrü>en , ein Ge-

feht mit den Preußen bestanden haben. Der Haupttrupp , unter Mieroslawski, soll no< 5000 Mann zählen, varunter - viel badisches Militair, besonders Kanoniere, am wenigsten Reiterei.

„Jch seße diesen Brief Abends 10 Uhx in Eppingen fort, wohin unsere Truppen gleih na< dem Eiürü>ken in Sinsheim

wieder Marschordre erhalten hatten. Es wär beschwerlich, da sttar-

ker Regen den bishe? fast unerträglichen Stäub in einen zähen-Koth verwandeltez no< empfindlicher is “déx WitteruitgsWédhsel für vas

. heutige Bivouak vör der Stadt. Genéräl ‘von Schäffer hät däs Kom-

mando des Ne>ar-Corps heute übernommen, da General von Peu>er zu dem Prinzen von Preußen abgereist ist. General von Schäffer wird in rascher Verfolgung des Feindes morgen früh na<

Bretten marschiren. Hier in Eppingen fanden wir die Freischaaren

niht mehr, do< halten sie es kaum verlassen, Einzelne wurden noch erwisht. Möglich, daß sie uns sofort bis na< Rastatt führen. Der

glastérhausen nah Mainz gebracht worden.“ Hessen und bei Nhein. (Darmst. Ztg.) | Hoheit der Großherzog von Hofe zum Besúch erwartet. Das gestern erschienene Regierungsblatt enthält folgende

Dáäriistädt, 26. Juni.

Heute Banmitia s 414 Uhr wird Se. Königl. ade bei unserem Großherzoglichen

Bekannimachung des Großherzoglichen Ministeriums des Jnnerü,

die Verkündigung des Kriegsrechts betreffend. „Die dur höchste Verordnung vom 28. Mai erfolgte Verkündigung des Kriegsrechts in einigen Landgerichts-Bezirken der Provinz Starkenburg auf vier Wochen endigt mit dem heutigen Tage. Ein Grund zu ihrer Ver- längerung ist glü>licherweise nicht vorhanden z mit Vergnügen spricht die Großherzogliche Staats « Regierung ihre Zufriedenheit darüber aus, daß kein einziger Fall vorgekommen ist, wel{er die Anwen- dung dieser Verordnung veranlaßt hätte,“ y

Mainz, 25. Juni. Die regelmäßige Dampfschifffahrt zwi- {en hier und Mannheim hat seit gestern wieder begonnen. Zwei Compagnieen me>lenburgische Schüßen sind mit dem Dampfbote von Köln heute hier angekommen und bei den Bürgern einquartiert worden z dieselben marschiren morgen nah dem Badischen. Heute Morgen wurde ein gefesselter Freishärler von einem Großherzoglich hessischen Gendarmen hierhergebracht und dem Play - Kommando überliefert, welches denselben in das Gefängniß der Citadelle brin- gen ließ.

Sachsen-Koburg-Gotha. Gotha, 26. Juni, (Reichs- Anz. d. Deutschen.) Zu der hier abzuhaltenden Versammlung sind bis heute folgende Mitglieder eingetroffen: Albert aus Qued- linburgz; Backhaus aus Jena; Bassermann aus Maunheimz Beer aus Gothaz Be>ter aus Trier; von Be>erath aus Krefeld; Behnke aus Haunover ; Bernhardi aus Kassel; Beseler aus Greifswalde ; Böking aus Trarbach z Brackebush aus Hannoverz von Breuning aus Aachenz Briegleb aus Koburg z Brons aus Emden; Celto aus Trierz Cramer aus Cóthenz Dahlmann aus Bonnz Deeke aus Lü- be>z Degenkolb aus Eilenburgz Dróge aus Bremen; Du>wiß aus Bremen; Dunker aus Halle; E>ert aus Bromberg z vön Ende aus Waldenburgz Esmarch aus Schleswig z Fallati aus Tübingen z Fi- scher aus Jenaz Franke aus Schleswig z H. von Gagern aus Darm- stadt; M. von Gagern aus Wiesbaden; Gevekoht aus Bremen ; Graf Giech aus Thurnau; Jakob Grimm aus Berlin; Groß aus Leerz Grumbrecht aus Lüneburg; Hallbauer aus Meißenz Hergen- hahn aus Wiesbaden z Hirschberg aus Sondershausen; Hofmann aus Friedberg; Hollandt aus Braunschweig; von der Horst aus Rothenburgz Johannes «aus Meiningenz De. Jordan aus Berlin; Graf Kellèr aus Erfurt; Koch aus Leipzigz Lang aus Verden; Lan=- gerfeldt aus Wolfenbüttel ; Laube aus Leipzig ; Leverkus aus Olden- burg z Uebmann aus Meiningen; Löw aus Magdeburg; Löw aus Posenz Mathy aus Karlsruhe; Matthies aus Greifswalde; Meier aus Bremenz Michelsen aus Jena; R. Mohl aus Heidelbergz von Mylius aus Jülich; Nerreter aus Fraustadt; Plaß aus Stade ; Plathner aus Halberstadt; von Quintus aus Fallingbastel; Rahm aus Stettinz H. von Raumer aus Dünkelsbühl; F. von Raumer aus BVerlinz Röben aus Dornum; Roß aus Hamburg; Maukisch aus Dippoldswalde; Rümelin aus Nürtingen; Schlick aus Weißen- see; Schierenberg aus Detmold; Schneer aus Breslau; Schorn aus Essenz Schrader aus Brandenburg; Siemens aus Hannoverz Simson aus Königsberg z von Soiron aus Mannheim; von Sta- veuhagen aus Berlin z; . Steindorf. aus Séhleswigz Stedmann aus Besselich ; von Thielau aus Braunschweig z Veit aus Berlin z- Ver= sen aus Nieheim; Wachsmuth aus Hannoverz Waihß aus Göttin- genz Weißenborn aus Eiseuah; Wiedemann aus Düsseldorf; Scholten aus Wardt ; Wurm aus Hamburg; von Wydenbrugk aus Weimar z Zachariä aus Bernburg z Zell aus Trier; Schwarzen-

- berg aus Kassel; Compes aus Köln; Dammers aus Nienburg z Jor=

dan aus Gollnowz Sprengel aus Waren z Deeke aus Lübe; Bö>ing aus Trarbathz Bürgers aus Kölnz Jucho aus Franffurt ; Marcus aus Insterburg ; Mevissen aus Köln, Ostendorf aus Soest; Overweg aus Haus Ruhr; Bö>ler aus Schwerinz Bonardy aus Greiz z Breusing aus Osnabrü>; Falk aus Ottolangenburg; Freu- dentheil aus Stade z Göden aus Krotoszynz; Haym aus Halle z Jahn aus Freiburg a. d. U. ; Kraß aus Wintershagen; Rältig aus Potódamz von Sänget aus Grabow; Schreiber aus Bielefeld ; Hahn aus Brüglebenz Schwarz aus Halle; Schwetschke aus Halle Stahl aus Erlangen ; Jacobi aus Hersfeld; Bandelow- aus Kranz z Ziegert aus Minden; Schol aus Neiße; Karl aus Berlin; Gier Tus Mühlhausenz Martens aus Danzig; von Vin>e aus. Hagen; Kerst aus Meseriß ; Pinkert und Biedermann aus Sachsen.

Schwarzburg : Sondershausen. Sondershausen,

24. Juni. (Leipz, Ztg.) Eine besondere Denkschrift der \{<warz- burg-sondershausenschen Regierung verbreitet sich Über die jeßt dem Landtage vorliegende Frage über die Höhe der Civilliste. Der bis= herige “jährliche Aufwand des fürstlihen Hauses betrug in runder Summe 131,200 Rthlr., mit Berüdfsichtigung der neuerlich getrof- fenen Einschränkungen aber nur 121,30) Rthlr., wovon sedoh auf den Hofhaltungs - Etat des regierenden Fürsten nur 61,270 Rthlr. fommen. Der Fürst ist bereit, au< diese Summe noth herabzuseßen und sich für seinen Hofhalt mit einer Civilliste von 60,000 Rthlr, jährlich zu begnügen, welche aber unter Zuschlag der Apanagen und Hofhaltungs-Kosten der übrigen Glieder der Fürstlichen Familie, des Etats der Hof-Kapelle. und der Hof-Diener-Pensionen auf 120,000 Rthlr. festgestellt werden soll. Hierdurch erwächst dem Staate ein jährlicher reiner Gewinn von jeßt 20,916 Rthlr., künstig 80,316 Rthlr. ; re<net man zu diesen Abtretungen an den Staat noch die seinen Angehörigen in Folge der -Grundrehte zu erlassenden 6000 Rthlrx. (wegen Wegfalls persönlicher Leistungen, die aus dem guts- und \<upherrlichen Verbande fließen), so wie die seit März vori- en Jahres {hon gemachten Zugeständnisse in Bezug auf Jagden, Lehngelder 2c. zu einem unge jährlichen Werthe von 15,000 Rthlr., so erhellt, daß der Fürst eine jährliche Summe von jeßt 42,000 Rthlr., für die Zukunft 101,300 Rthlx. oder, zu: 4 Ct,

fapitalisirt, jeßt mehr als 1 Million, für die Zukunft über 24 Mil= lionen opfert. i 1

Ausland.

Hesterreich. Preßburg, 25. Juni. (Lloyd, ) Schon A 22:4 cirfulirte das Gerücht, daß beide Lager in eines umwan- delt werden sollen. Dieses Gerücht scheint Thatsache zu werden, Unzählige Bagagewagen der Russen, die das jenseitige Donau - Ufer noch nit betreten haben, passirten {hon gee die Brücke.

Heute ziehen von der tyrnauer Straße her mächtige Truppen- körper, Infanterie und Kavallerie, die über die Donaubrü>ke seßen und auf der Kitseer Haide und den weiten Feldern in der Nähe Lager schlagen, Den E 11 Uhr Vormittags beinahe vierthalb Stunden andauernden Marsch dur< unsere Stadt eröffneten Avant- garden der österreichishen Kavallerie und russische Jusanterie. Jh- nen folgten die Kürassier = und Chevauxlegers = Regimenter Auers- perg, Walmoden, Soultenau und Mengen mit einer ungemein gro= ßen Menge Kanonen, Haubißen und Raketen, zwei Musikbanden \hritten der Mannschaft voran. Jeder Reiter führt hinlänglich Proviant für si< und sein Pferd mit. Diesem sehr imponirenden Zuge folgte wieder viel russische Infanterie mit Kanonen vom \<wersten Kaliber. Den Schluß bildeten vier Compagnieen Sap- peurs, die auf vielen Wagen Brü>en = Equipagen mit sih_ führen. Man {äßt die Zahl dieser Truppen auf mindestens 35,000 Mann. In Tyrnau haben russis<he Hülfstruppen das österreichische Militair abgelöst, dessen Gegenwart anderswo erfordert wird. Eine große Heeressäule bewegt si< Über Wieselburg gegen Raab, doppelte Re- serve-Truppen folgen mit Munition nah. Der 29e d. M. wird als der Tag des Angriffs bestimmt. Von einigen Orten der Schütt haben ih die Ungarn nah Komorn zurü>kgezogen. Nach ihnen sind die österreichischen Truppen eingezogen,

Pesth, 15. Juni. (Lloy d.) Zuweilen bildet man si< hier doch ein,” die Intervention der Russen sei nur ein Traum. So bringen jeßt die Abendblätter und nah ihnen die Pesther Zeitung diè Nachricht, in einem der leßten Scharmüßel seicn drei Russeu gefangen worden, die aber eigentli keine Russen, son- dern verkleidete Oesterreicher gewesen. An dieser Erfindung können Sie sehen, was unsere Publizisten für Politiker sind. Wie sicher, und keine Gefahr ahnend, die Pesther in dieser Beziehung herum-= gehen, beweist folgende Stelle, mit welher die Pesther Zei- tung die Proclamation des Fürsten Paskewitsch begleitet : „Eben diese Proclamation aber isst der entsprechendste Beweis des- sen, daß es mit der russischen Armee mehr darauf abgesehen, uns einzushüchtern, als in Wirklichkeit dur sie zu besiegen, sonst hätte Herr Paskewitsch keine Proclamationen erlassen. Es ist dies nicht die Art Rußlands, mit den Völkern dur< Proclamationen zu \pre- chen. Es ist dies niht gewohnt. Es macht si seinen Völkern mit der Knute verständlih. Wenn er nur im Entserntesten geglaubt hätte, uns besiegen zu können, oder zu dürfen, wir würden bereits durch andere Mittel, als durch Proclamationen, etwas erfahren ha- ben. So aber kann er höchstens Proclamationen erlassen und un- ser Görgey und unsere Soldaien können kämpfen.“

Jn der Pesther Zeitung wird der Vorschlag gemacht, in Ungarn einen neuen Münzfuß einzuführen, welcher sih dem der großen Handelsstaaten nähere, denn mit der politischen Unabhän- gigkeit Ungarns würden auch seine Handelsverhältnisse wesentlich andere werden. Politis<e Gründe, wird weiter gesagt, erheischen es aber au<, daß das Münz- und Maßsystem sih von dem: öster- reichishen unterscheide, damit die alten Erinnerungen um so leichter verdrängt würden.

Den Lesern der Pesther Zeitung wird weisgemacht, die Königin Victoria habe ihren Räthen aufgetragen, die Ungarn zu unterstützen, bevor diese noch Hülfe verlangen. Eine andere Lüge, welche die Pesther Zeitung enthält, ist folgende, wel<he wir hier buchstäblih nachschreiben: „Radebky hat an das österreichische

tinisterium die Erklärung geschi>t, daß er in dem Augenbli>e, wo russishe Truppen den Boden Ungarns betreten, aufgehört habe, Feldherr der lombarbisch-venetianischen Armee zu sein. ““

Die Pesther Zeitung vom 12. Juni enthält folgende, sehr wahrscheinlih erzwungene feierliche Erklärung der kronstädter Bür= gerschaft. „In Folge der in der lebten Zeit durch böswillige Men- \hen in der hiesigen Stadt verbreiteten Gerüchte und hierdur< wi= der die hiesige Bürgerschaft entstandenen Verdächtigungen, sieht sich der Magistrat und Kommunität theils aus eigenem Antriebe, theils nach dem hinzugekommenen und durch eine Deputation an diesen Magistrat ausgesprochenen Wunsche der hiesigen Bürgerschaft selbst veranlaßt, hiermit öffentlich und unverholen zu erklären: daß die hiesige Bürgerschaft alle die in obgedachtem Sinne in Umlauf ge- brachten Gerichte und Verdächtigungen hiermit von sich abweist und beflissen sein wird, ihre Ehre stets in der theils bei Annäherung der siegreichen ungarischen Armee deren hochherzigem Generale, der- maligem Feldmarschall-Lieutenant Bem, theils dur< ihre der hohen ungarishen Regierung aus reiner und innerer Ueber= zeugung dargebrahte Huldigung bereits bewährten unerschüt=- terlihin Treue und Anhänglichkeit gegenüber der belobten Regierung emporzuhalten, demna<h gegen jedartige Jntervention fremder, \o- mit auch der russischen Macht hiermit förmlich und feierlich prote= slirt, Kronstadt , 26. Mai. . Der Magistrat und die Kommunität der Stadt Kronstadt im Namen der Bürgerschaft, Johann von Albrichs feld, Oberrichter, Johann Georg Barbenius, Ora- tor, Friedrih Riemer, Vice-Notär.““

Die heutige Pesther Zeitung enthält folgende Verordnung:

„Gegenüber den fricgsgefangenen Offizieren wurde bishec ein Verfah- ren beobachtet, wel<hes der Geist der Civilisation, die Großmüthigkeit und die Würde der Nation beanspruchte. Jndessen e in mehreren Fällen ge- gen diese Milde der Nation Mißbräuche vorgekommen, Damit demnach alío ein zu gleicher Zeit mit der Edelmüthigkeit der Nation vereinbarliches, und andererseits derlei Mißbräuchen Keucrndes Verfahren festgestellt werde, wird verordnet, wie folgt: 1) Jn Betreff des Gagenbezugs der kriegsgefan- genen Offiziere ist das vom Ministerium festgestellte Gagen-Reglement bis auf weitere Verfügung streng festzuhalten, 2) Ein jeder friegsgefangene Offizier, der si< mittelst Revers verpflichtet, von dem durch die Regierung ihm angewiesenen Aufenthaltsorte ohne deren Wissen und Willen sich nicht zu. entfernen , ist auf freien Fuß zu lassen, und kann derselbe von Morgens bis Abends neun Uhr außerhalb seiner Wohnung si befinden, dann muß er dahin zurü>kehren, und is er außerdem verpflichtet , einmal des Tages beim Militair - Orts - Kommando oder, wenn- diescs sih nicht in seinem Aufenthaltsorte befindet, bei der dasigen Civil-Behörde zu erscheinen, 3) Alle von solchen friegsgefangenen Offizieren ausgehende, der ungarischen Nation und Regierung und der gerehten Sache der Nation mißgünstige Aeuße- rungen, die Verbreitung von wahren oder unwahren vagen Gerüchten und alle Reden, die auf eine Entsremdung von der ungarischen Sache und ein Ge- winnen für den Feind abzielen, werden als Aufwiegelung durch das Kiiegs- gericht nach der vollen Strenge der Kriegsgesehe bestraft w-rden, Budapest, 11. Juni. Staatssecretair im Kriegs-Ministerium: Em. Szabs, Oberst,“

In derselben Nummer wird Folgendes gemeldet: „Aus zu- verlässiger Quelle erfahren wir, daß gestern Abend ein Courier aus Konstantinopel hier angekommen, welcher sehr wichtige englische und französische Depeschen an unsere Regierung mitgebraht. Der Courier A do noh hier.“ Dieser Courier is wahrscheinlich der verklei- tien bie R von welchem bereits die vorige Woche in mehreren Blât- bedenklich e ; war. Ferner : „Der Ministerpräsident B. Szemere, welcher au so erlrankt war, geht bereits der vollen Genesung entgegen. Er ist

n in Regierungsgeschäften thätig, Der bekannte Volks-

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Repräsentant und Redner, Herr Beöthy, welcher mit einer wichtigen Mission ins Ausland betraut war, konnte sih derselben wegen Au- genübels und anderer Hindernisse nicht entledigen und befindet sich

‘gegenwärtig hier. Dagegen ist, wie wir hören, mit der serbischen : ie in Belgrad bereits eine diplomatishe Verbindung ange- nüpft.“‘ -

Semlin, 19. Juni. (Lloyd.) Das in den Schleppböten des Dampfschiffes „Debreczin“/ aufbewahrte, für das Lager des Ban bestimmte Kriegsmaterial gerieth heute in Flammen. Mehr als zweihundert Centner Schießpulver, n in fertigen Patronen, theils in Kisten, flogen in die Luft, warfen große und kleine Kugeln um si< und \<leuderten zertrümmerte Gliedmaßen hundert Schritte weit, Auf dem Holzplaze lagen viele Hände und Füße der dabei Verunglü>ten umher. Dur diese unglü>liche Explosion sind un- gefähr 29 Menschen ums Leben gekommen und 13 tödtlich verwun=- det, darunter ein Artillerie Ober=Lieutenant. Die Schleppböte sind hin, das. Dampfboot selbst ist stark beschädigt. Ein großer Mehl- Vorrath ging zu Grunde, und der Schaden wird auf 200,000 Fl, C. M. angeschlagen. Das durch diese Explosion entstandene Getöse ver- seßte die hiesigen Einwohner in unbeschreibliche Angst, Man glaubte Anfangs, der Feind sei auf der Donau von Pancsova hergekom- men, Ueber die Veranlassung der Explosion konnte man noch nichts erfahren. Beim Löschen des entstandenen Feuers zeichnete si< be- sonders der General Mayerhoffer aus, der alle Anwesenden ani- mirte, einen Kordon um die Brandstätte ziehen ließ, um zu ver- hüten, daß die Flammen nicht au<h die naheliegenden Magazine ergreife, in wel<hen Pulver, Raketen 2c. si< befanden, und die Aerzte herbeischaffte.

Das Armee-General-Kommando von Mitrowiß wird nah Sem- lin verlegt. Eine Abtheilung desselben, nämli<h das Feldkriegs- Sekretariat, ist bereits hier eingetroffen. Se. Excellenz der Ban hat gestern sein Hauptlager in Sove, unweit Verbasz, aufgeschla- gen, wo er gegenwärtig mit Stratimirovich operirt.

Frankreih. Geseßgebende Versammlung. Sihung vom 25. Juni. Herr Dupin prásidirt. Die verlangten Urlaube werden ertheilt. An der Tagesordnung ist eine Jnterpellation des Ministeriums über innere und auswärtige Politik. Die Kammer erkennt die Wahl des Generals Changarnier im Departement Seine und Oise an. Odilon Barrot, Conseils-Práäsident: „Jch habe die Ehre, ein Preßgeseß vorzuschlagen. (Ah, Ah!) Der Minister liest die Begründung dieses organischen Geseßes vor, Es zer= fällt in drei Theile: Strafrechtliche - Bestimmung , Reglement und Prozedur. Jede Schrift von weniger als 5 Blättern wird 24 Stunden vor ihrer Veröffentlichung revidirt. Kein Repräsentant kann Geschäftsführer eines Journals sein. Ab- fürzung der Prozedur, damit vie Strafe rash der That folge. Der Prásident der Republik genießt eines besonderen Schußes gegen die Presse. Dir Minister verlangt, daß der Entwurf an die Abtheilun- gen gewiesen werde. Er enthält 19 Artikel. Der Minister bcan- tragt au die Dringlichkeit, welche bewilligt wird. Die Linke slimmt nicht mit. Mauguin und Savoye streiten si nun um das Wort. Die Versammlung lacht und bewilligt es Herrn Mau- guin. Dieser sagt: „Die Lage der fremden Staaten beunruhigt die Gemüther. Die Völker Europa's haben si<h erhoben, ohne an einander zu e Seit der ersten Revolution existirt eine Coali- tion gegen Frankreich. Sie zeigte sich 1809, 1811, 1815, 1830 und 1840. Jegt sollte sie si<h gebrochen haben? Im Gegentheil. Der Russe will den Bosporus. Drei Mächte“ sind ihm hin- derlih: Oesterreich, England nud Frankreich.“ Der Redner verbreitet si< über die russishe Politik und prüft, welche Stellung England in einer neuen orientalischen Frage einnehmen würde. Er verwirft die englische Allianz und vergleicht die des- potische russische Politik und die liberale französische. Stehen die Prinzipien si< gegenüber, so stände ein Kampf bevor. Rußland vermehre die Anzahl seiner Truppen in Oesterreich. Preußen mache starke Rüstungen, Oesterreich gewöhne seine Truppen an den Krieg; eine gewaltige Macht wälze sich gegen Paris, um die Schlüssel von Konstantinopel zu holen. Man wolle die Karte Europa?s umgestalten und Frankreich isoliren, wo möglich zerstü>keln. Der Redner will nicht, das Ministerium solle Krieg erklären, sondern es solle sich stark wafsnen. Eine energische Demonstration, eine drohende sei ersorderlih. (Un- terbre<ung.) „Wollt Jhr Frieden, so droht offen mit dem Kriege. (Unruhe.) Jhr kennt eure Bundesgenossen, es sind die Völker, die si< befreien wollen, Energie if. nöthig, man gebe Ungarn seine Nationalität, der Türkei ihre Sicherheit. Dies is mens{li<. Frank- reih zeige, daß es Ordnung im Innern und denno<h Ruhm und Freiheit im Auslande erhalten kann.“ Savoye interpellirt den Minister, was er gethan, um den Beschluß der konstituiren- den Versammlung vom 22. Mai, energische Maßregeln zur Beschübung der europäischen Freiheit zu ergreifen, aus- zuführen. Er fährt fort: „Was hat das Ministerium zum Schuß der Gränzen gegen Preußen gethan? Was hat die Regierung in Rücksicht auf Baden und die Pfalz gethan? Zwei Abgesandte ka- men aus diesen Provinzen. Statt vom Präsidenten empfangen zu werden, wollte man sie gefangen nehmen. Jett sind sie flüchtig.“ Er erwähnt des Beschlags auf die Waffen, die nah der Pfalz be=- stimmt waren, auch der weggenommenen Gelder. Tocqueville, Minister der auswärtig. n Angelegenheiten: „Herr Saveye verthei- digt Baden, weil er sih bei der Revolution betheiligt hat. Er versprach als Gesandter Ledru Rollin's , den deuischen Insurgenten Hülfe, Hülfe, von Seiten der Regierung.“ (Sehr gut! links.) Man habe die Gesandten nicht empfangen, weil die Republik die revolutionaire Regierung nicht anerkannt habe. Ein Agent sei nicht als solcher, sondern als Verschwörer verhaftet worden. Die Waffen seien weggenommen worden, weil man den Bürgerkrieg nicht be- fördern wolle. Das in Beschlag genommene Geld gehöre dem Großherzog von Baden. Die Coalition, von welcher Herr Mau- guin gesprochen, sei eine Chimäre, England sei Frankreichs Alliürter, und Rußland sei Frankreich nicht feindlich. Nur der Socialismus, wäre er am Ruder, würde eine Coalition hervorrufen. Die Demagogie in Deutsch= land habe die deutschen Mächte gezwungen, reactionair zu werden. Herr Barrault bedauert, in dem Ministerium das Programm des leh- ten Kabinets der Monaréhie und den Stempel Guizot's wiederzu- finden. (Sehr gut!) Er will keine Jutervention in Deutschland, aber eben so wenig in Jtalien. Man werfe der Opposition vor, daß sie den Krieg wolle, und dieser Vorwurf komme von einer Ma- jorität her, die selb Krieg- führe. Herr Savoye äußert sein Er- staunen, daß der Minister in seiner Antwort gar nicht der Tages-= Ordnung vom 22. Mai erwähnt habe, auf der do< die Jnterpellationen von ihm begründet wordênz er wiederhole daher feine Interpellation; eben so erstaunt er , daß der Minister von aufständishen Bewegungen in Baden und der Pfalz gespro- cen, und daß die französische Regierung sih ni<ht \{<eue, zu solchen

- Maßregeln zu greifen, wiè die Verhaftung eines der von dort nach

Paris’ geschi>ten Agenten. Er wird unterbrochen, unv als er er- klärt, “daß er ne< gar nicht bei der eigentlichen Frage angelangt sei, erhebt si< allgemeines Gelächter. Am nächsten Tage will er noch Dokumente beibringen. Eine große Anzahl von Mitgliedern ver- lassen den Saal, und die Sißung wird gegen 7 Uhr aufgehoben.

Paris, 26. Juni. Heute wurde behauptet, die Regierung habe dur< den Telegraphen aus Toulon die Nachricht erhalten, daß die Belagerungs-Operationen gegen Rom eingestellt worden seien, und daß diese Hauptstadt kapitulirt habe, Auch hieß es, Herr von Corcelles schreibe dem Minister, der Papst habe erklärt, er wolle frei und ungebunden handeln können, sonst würde er nicht nach Rom zurü>kehren, sondern seinen Siß unter der Protection von Spanien und Neapel in Bologna aufschlagen.

Großbritanien und Irland. London, 25. Juni. Das Gerücht vom Tode Karl Albert?s wird abermals widerrufen ; nach den neuesten Nachrichten aus Lissabon, die vom 19ten sind, also zehn Tage später als die vorigen, besserte sich das Befinden Sr. Majestät zu Porto im Gegentheil zusehends. Portugal hat ein neues Ministerium erhalten; Conseils - Präsident und Minister des Innern is Costa Cabral, Minister der auswärtigen Angelegen- heiten. Graf Tojal, der Finanzen Herr Avila, der Ju Y Herr Selix OIAEN des Krieges Oberst Ferreri und der Marine Herr ;lorido.

Heute Vormittag landele die Königin der Belgier zu Dover und begab si< von da mit der Eisenbahn na< London, wo Ihre Majestät im Bu>kingbam-Palast zum Besuch bei der Königin Victo- ria eingetroffen ist.

Nußland und Polen. St. Petersbur g, 22. Juni. Se. Majestät der Kaiser hat dem österreichischen Feldmarschall-Lieutenant von Heß, Chef des Stabes der in Jtalien stehenden Truppen, den St. Georgen-Orden zweiter Klasse und den österreichischen Generalmajors und General - Adjutanten Graf Grünne und Keller von Kellerstein n St. Annen - Orden erster Klasse, dem Ersteren mit Brillanten, verliehen.

Warschau, 26. Juni. Vorgestern wohnte Se. Majestät dem Gottesdienst in der Kapelle des Palastes Lazienki bei und begab sich dann nah Powonsk, um das dortige Lager zu besichtigen.

Italien. Turin, 20. Juni. (Lloyd.) Der gewesene Ober = Befehlshaber der piemontesischen Armee, General Chrza-= nowski, hat das Großkreuz des Mauritius-Ordens erhalten.

Da das aufgelöste Parlament die Einhebung_ der Steuern nur bis zum 41. Juli d. J. bewilligte, so fordert die Oppositions=Presse zur Wiedereinberufung der Kammern auf. Sowohl englische als deutshe Banquierhäuser haben der Regierung Anträge zu Darlehen vorgelegt ; bei dem sehr fühlbaren Mangel an Geld in den Staats- Kassen dürste das Ministerium si< au<h sehr bald dazu verstehen.

Alessandria, 18. Juni. (Lloyd.) Gestern eröffnete Ge- neral Degenfeld, Befehlshaber der hiesigen piemontesischen Truppen, dem General Sonnaz, daß er, den Weisungen seiner Regierung gemäß, die Stadt und die Citadelle ungesäumt räumen werde. Noch am Abende wurden alle österreichischen Posten eingezogen, und heute um 6 Uhr früh erfolgte (wie {hon gestern erwähnt) der Abzug der österreichischen Besaßung, nachdem das Offizier = Corps \ih bei dem General Sonnaz freundlich verabschiedet hatte. Jn Valenza bleibt einstweilen ein österreichisches Bataillon, um den Cffekten-Transport zu esfortiren. Hier will man wissen, daß die Kriegs-Entschädigungs= Summe auf volle 35 Millionen Gulden festgeseßt sei, und daß die Oesterreicher die Provinz Lomellina bis zur vollen Abtragung des

obigen Betrages beseßt halten werden.

(Gazetta Piemontese.) In Folge neuer zwischen der Regierung Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreih und zwi- hen Sr. Majestät dem Könige von Sardinien geweselter No- ten ward übercingekommen, daß die Friedens-Unterhandlungen wie- der angeknüpft werden, und zwar unter der Bedingung, daß die ósterreichischen Truppen die Stadt und die Citadelle von Alessandria ráumen und die Bevollmächtigten der Königlich sardinischen Negie=- rung si gleihzeitig na<h Mailand begeben, wo si<h der Kaiserlich österreichische Bevollmächtigte schon Dee General Dabormida und Ritter von Buoncampagni sind auh wirklich am 46ten in der Nacht von Turin abgegangen. Als Grundlage der Friedens= Unterhandlungen nennt man folgende Punkte: 24 Millionen Gulden C. M. Kriegskosten - Entschädigung an Oesterreich, augenbli>liche Räumung des piemontesischen Gebiets durh die Oesterreicher und provisorische Besebung der Herzogthümer Parma und Piacenza durch sardinishe Truppen.

Livorno, 19, Juni. (Lloyd.) Trobdem, daß die Dampf= schiffe den Weg von Civitavecchia nah unserem Hafen in weniger als neun Slunden zurü>legen können, is weder gestern noch heute irgend eines von jenem Hafenorte hier angekommen. Man weiß nur, daß am 16ten das Feuer der französischen Batterieen gegen Rom fortdauerte, und daß in dem Maße, als sich die Bresche er= weiterte, die Einwohner neue Schubßwerke dahinter aufführten. Die Villen um Rom fallen nah und nah in Trümmer. Wir erhielten eine Abschrift der von dem französischen Botschaftskanzler Degerando den Triumvirn übergebenen Schreibens des Abgeordn. von Courcelles aus dem Hauptquartiere, Villa Sautucci, vom 12, Juni datixt. Dieselbe erklärt, daß sowohl das frühere als au das gegenwärtige franz&= sische Ministerium die Convention Lesscp's mit den Triumvirn ver= worfen habe, und {ließt mit folgender Bemerkung: „Bei diesem \cmerzlichen Konflikt hat Frankreih nur Ein Ziel vor Augen, näm- lih: die Freiheit des ehrwürdigen Kirchen-Oberhauptes, die Frei- heit der römischen Staaten und den Frieden der Welt. Das mir anvertraute Mandat is wesentli freisinnig und für die zu solchen Extremen gebrachte Bevölkerung {hubbringend. Nach \cri t. Meine Jnstructionen sind mit jenen des Generals Oudinot vollkommen gleich- lautend.“ Am 46ten Nachmittags wurde eiu fränzösischer Offizier mit einer neuen Depesche an Mazzini ua< Rom abgefertigt. Mitt= lerweile war beiderseits ein kurzer Waffenstillstand zur Beerdigung der beiderseitigen Todten abgeschlossen worden. Am Abend wurde wieder Kanonendonner gehört. Nachmittag verbreitete si<h das Ge= rücht, daß die Franzosen die Villa Borghese besebt haben, von wel- cer. unterirdishe Gänge ins Jnnere der Stadt sühren sollen, daher dort die Unruhe im Steigen war. Um 3 Uhr wurden die lombar= dischen Compagnieen aus ihrer Stellung vor dem S. Paucrazio- Thore ins Innere der Stadt zur Vertheidigung der Bresche-Barri- faden gerufen. Gleichzeitig dekretirte die National = Versammlung die Emission von Staats-Bons im Betrage von 4 Millionen Scudi, welche dur< die National-Güter garantirt werden sollen.

Civitavecchia, 16. Juni. (Lloyd.) Die Römer benubten die bis zum Morgen des 14ten um 6 Uhr eingetretene Waffenstille, um gleih hinter dem zwischen den Porte S. Pancrazio und S. Por- tese zusammengeschossenen Stadtwalle cine zweite Barrikade zu er- rilhten. Ein von den Römern unternommener starker Ausfall ge- lang nur theilweise. Da das Dach des jebigen Nationalversamm- lungs = Palastes einzustürzen droht, so sollen die: Zusammenkünfte vom 17, Juni an im Kapitole stattfinden. Die Franzosen errichten ein Fort mit zwei {weren Geschüßen vor dem Ponte Mollez T Villa Massoni is zerstört. Der Name Bonaparte erregt e großen Haß, daß man nicht uur jeden von Karl Bonaparte f E National-Versammlung ausgehenden Vorschlag verwarf, sonder! R

: nj ; j von der Prásiden gar die Rekonstituirung erneuerte, um ihn nur vo