1849 / 182 p. 2 (Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

Die Obligationen, welche ni<t innerhalb 10 Jahren nah nis S öffentlichen Aufrufe zur Einlösung vorgezeigt werden, sind werthlos, welches von dem Direktorium unter An abe der werthlos gewordenen Nummern alsdann öffentli< zu er lâären ist. Die Gesellschaft hat wegen folcher Obligationen keinerlei Verpflich-

ehr. tung meh 8

g. 8.

Außer dem im $. gedachten Falle sind die Inhaber der Obligationen berechtigt, deren Nennwerth in folgenden Jállen von der Gesellschaft zurü>zufordern : N

a) wenn fällige Zins - Coupons, ungeachtet solche gehörig zur Einlósung präsentirt werden, länger als drei Monate un- berichtigt bleiben;

þ) wenn der Transport - Betrieb auf der Eisenbahn mit Dampfwagen oder anderen dieselben erseßenden Maschinen länger als se<s Monate ganz aufhört;

c) wenn gegen die Gesellschaft in Folge rechtskräftiger Ex- fenntnisse Schulden halber Execution vollstre> wird;

d) wenn die im $. 5 festgeseßte Tilgung der Obligationen nicht eingehalten wird. :

In den Fällen a, þ und c kann das Kapital an demselben Tage, wo ciner dieser Fälle eintritt, zurü>gefordert werden; im Falle .d is dagegen eine dreimonatlihe Kündigungsfrist zu be- obachten.

tv Recht der Zurü>forderung dauert in dem Falle a bis zur Zahlung des betreffenden Zins-Coupons, in dem Falle b bis zur Wiederherstellung des unterbrochenen Transport - Betriebes, in dem Falle c Ein Jahr, nahdem der vorgéschene Fall eingetreten ist; das Recht der Kündigung in dem Falle d. drei Monate, von dem Tage ab, an wel<em die Tilgung der Obligationen hätte er- folgen sollen.

g. 9.

Zur Sicherung der Verzinsung und Tilgung der Schuld wird

festgeseßt und verordnet :

a) die vorgeschriebene Verzinsung und Tilgung der Obligationen geht der Zahlung von Zinsen und Dividenden an die Actio- naire der Gesellschaft vor 3 | :

b) bis zur Tilgung ber Obligationen darf die Gesellschaft keine zur Eisenbahn und den Bahnhöfen erforderlichen Grundstüde verkaufen z dies bezieht sich jedo<h nicht auf die außerhalb der Bahn und der Bahnhöfe befindlichen Grundstücke, auch - nicht auf solle, welche innerhalb der Bahnhöfe etwa an den Staat oder an Gemeinden zur Errichtung von Post=-, Polizei= oder steuerlichen Einrichtungen, oder welche zu Packhöfen oder Waaren - Niederlagen abgetreten werden möchten. Für den Fall, daß Unsere Gerichte cinen Nathweis darüber erfordern sollten, ob ein Grundstü>k zur Eisenbahn und den Bahnhöfen erforderlich sei oder nicht, genügt ein Attest des für das Ei- senbahn-Unternehmen bestellten Kommissarius ;

c) die Gesellschaft darf weder Prioritäts = Actien kreiren, noch neue Darlehne aufnehmen, es sei denn, daß für die jeßt zu emittirenden Obligationen das Vorzugsrecht ausdrü>lich stipu- lirt werde ;

d) zur Sicherheit für das im $. 8 festgeseßte Rückforderungs=- Recht is den Jnhabern der Obligationen von der Berlin= Potsdam =- Magdeburger Eisenbahn = Gesellschaft das Gesell= \haftsvermögen, namentli< die Berlin = Potsdamer und die Potsdam = Magdeburger Eisenbahn dergestalt verpfändet, daß denselben die hypothekarishe Eintragung auf die der Gesell- schaft gehorigen Jmmobilien gestattet worden ist,

Die vorstchend unter b. erlassene Bestimmung soll jsedo< auf diejenigen Obligationen sih nit beziehen, die, zur Zurückzahlung fällig erklärt, ni<t innerhalb se<s Monaten nah Verfall zur Em- pfangnahme der Zahlung S E werden,

Alle in diesem Privilegium vorgeschriebenen öffentlichen Be- fanntmachungen müssen in den Staats-Anzeiger, in eine zweite in Berlin erscheinende und in die Magdeburger Zeitung ein- gerüdt werden. Sollte eines dieser Blätter eingehen, so genügt die Bekanntmachung in deù beiden anderen bis zu anderweitigen, mit Genehmigung Unseres Handels-Ministeriums zu treffenden Bestim-

ungen. 7 9 C S. 11.

Auf die Zahlung der Obligationen, wie au< der Zins - Cou- pons, die jederzeit nah der Wahl der Berechtigten aus der Ge- sellschaftskasse in Berlin oder Potsdàâm geleistet wird, kann fein Arrest bei der Gesellschaft E

Die Verwendung dieser neuen Anleihe erfolgt nah einem, von Unserem Handels-Minister vorzuschreibenden und in der Ausführung durch seine Anordnungen zu sichernden Plane. d M

Zux Urkund Dieses und zur Sicherheit der Gläubiger haben Wir das gegenwärtige landesherrliche Privilegium Allerhöchsteigen- händig vollzogen und unter Unserem Königlichen Insiegel ausferti- en. lassen, ohne jedo<h dadur den Jnhabern der Obligationen in Mtebuea ihrer Befriedigung eine Gewährleistung von Seiten des Staates zu geben oder Rechten Dritter zu präjudiziren.

Gegeben Sanssouci, den 27. Juni 1849.

(L. S) Friedri Wilhelm. von der Heydt. von Rabe. Privilegium wegen *Emission von 1,000,000 Rthlrn-- Prioritäts = Obligationen der Berlin=Potsdam-Magdeburger

Eisenbahn=Gescllschaft. :

Berlin - Potsdam - agdopurgan Eisenbahn - Obligation.

Littr. D, Nr, úber 400 Thaler p reußis< Courant.

Inhaber dieser Obligation Litt, D. Nr... hat auf Höhe von Cinhundert Thalern preußis< Courant Autheil an dem in Ge- mäßheit ves umstehend abgedru>ten Allerhöchsten Privilegiums emit- tirten Käpßitale von 41,000,000 Rthlr. :

‘Die Zinsen mit fünf Prozent für das Jahr sind gegen die ausgegebenen, am 2. Januar und 1. Juli jeden Jahres zahlbaren halbjährlichen Zins-Coupons zu erheben.

Potsdam, den ten Die Direction der Berlia- Potsdam - Magdeburger

1 Eisenbahn - Gesellschaft.

Mit dieser Obligation sind für den Zeitraum vom ten zwölf halb arie Zins = Coupons Nr. 1 bis 12 ausgegeben, von welchen der leßte den umstehend $. 2 bestimmten Vermerk enthält.

Erster Zins - Coupon

zur :

Berlin - Potsdam - Aiagdedilyter Eisenbahn - Gbligation A7 TOL,MP O tes

wei Thaler funfzehn Silbérgroschen preußis< Courant hat Inhaber dieses vóm ten... ‘+. ab in Potsdam oder Berlin aus unserer“ Gesellschafts - Kasse zu erheben, Dieser Zins=

“rium, wona einstweilen von Einstellung derjenigen ames bei

1172

Coupon wird“ ungültig und werthlos, wenn er nit binnen 4 Jah= ren od e Vexfallzit zur Zahlung präsentirt wird. Potsdam , den ten Die Direction der Berlin - Potsdam - Magdeburger Eisenbahn - Fa

Dex Prásentaut dieses Coupons is zur Entgegennahme der folgenden, ibt vei Empfang er zugleich durch en Rückgabe quitirt, berechtigt, wenn dagegen niht vor dem Fälli eits-Termine desselben, ..ten ............... , vom Juhaber der- Obligation bei

der Direction \chriftli< Widerspruch erhoben wird, in welchem Falle die Ausreichung der neuen Coupons gegen besondere Quittung an . den Inhaber der Obligation erfolgt.

Ministerium füx Handel, Gewerbe. uud öffentliche : S Arbeiten. Cirfkfulare an sämmtliche Postanstalten (des Jnlandes). | Das den Postanstalten dur< das Cirkulare vom 3, Mai c. : mitgetheilte Uebereinkommen mit dem Königlichen Kriegs - Ministe-

der Landwehr Abstand genonmen werden sollte, hinsichtlich deren der Amtsvorstand pflichtmäßig bescheinigt, daß dieselben ohne Ge- fährdung wichtiger dienstliher Interessen nicht abkömmlich sind, hat seitens des Kriegs - Ministeriums die Zustimmung vorerst nur au einen Zeitraum von 6 bis 8 Wochen erhalten können.

sung gaben, haben sih indeß in der Zwischenzeit nicht günstiger ge- staltet, ih habe mich deshalb veranlaßt finden müssen, auf weitere Ausdehnung des gestellten Termines anzutragen. 4 An y Jn Folge dessen hat das Königliche Kriegs - Ministerium die

lichen Postbeamten vom Dienste in der Landwehr auf weitere 6 -bis 8 Wochen eintreten zu lassen. : , Judem ih die Herren Amtsvorsteher hiervon in Kenntniß sebe, veranlasse i“ dieselben, die nöthigen Vorkehrungen bei Zeiten zu treffen, damit dur< Einberufung unentbehrlicher Postbeamten zur Landwehr der Dienst niht unnöthig . benactheiligt oder gefährdet werde. j Berlin, den 30. Juni 1849. : : Der Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten.

| vou der Heydt.

y Anzeige. 7 Die öffentliche Sißung der Königlichen Akademie der Künste zur Abstattung des Jahresberichtes und Ertheilung der von dem akademischen Senate züerkannten Prämien findet am Sonnabend, den 7ten d. M. um 12 Uhr im langen Saale des Akademie - Ge- báudes statt. Die Arbeiten der Lehrklassen der Akademie, der allgemeinen Zeichnenschule und der Kunst- und Gewerkschulen werden ausgestellt sein, und Compositionen der Musik-Eleven zur Ausführung gebracht. Einlaßkarten sind nicht erforderlich ;

rel erlin, den 3. Zuli 1849 erlin, den 3. Ju : / 7 Direktorium und Senat der Königlichen Akademie der Künste.

Dr. G. Schadow, Direktor.

ausgegeben wird, enthält: unter

Nr. 3439, Die Verordnun : vorbereitenden Maßregeln zur Aufhebung der bestehen- den Grundsteuer-Freiheitenz ferner

fend die Erhebung cines Chausseegeldes auf der Straße von Zirke na< Kwilcz nebst dem Tarif; » 3141, Den Allerhöchsten Erlaß vom 25. Mai d. J,, betref=

Städte Magdeburg, Neustadt - Magdeburg und Su- denburg und für die P Budcau; und zuleßt » 3142. Das Privilegium wegen Emission von 1,000,000 Rthlr. Prioritäts-Obligationen der Berlin-Potsdäm-Magde= burger Eisenbahn-Gesellschast. Vom 27, Juni d, J. Berlin, deu 5. -Juli 1849, Z Debits-Comtoir der Geseß-Sammlung.

Dem Julius Collin zu Berlin ist unter dem 30, Juni 1849

ein Patent \ : ; auf eine, an Haarkämmen anzubringende , für neu und

eigenthümlich anerkannte Vorrichtung zum Reinigen der=- selben, auf fünf Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Um- fang des preußiscen Staats ertheilt worden,

Dem Kaufmaun Wm. Elliot zu Berlin ist unter dem 2. Juli

1849 ein Patent auf eine dur< Zeichnung und Beschreibung erläuterte Aether- Wasserdampf-Maschine, insoweit die einzelnen Theile der- selben für neu und tigenthümii erachtet worden sind, ohne Jemand in der Benußung bekannter Constructionen zu: behinderu,

fang dés preußischen Staats ertheilt worden.

Uichtamtlicher Theil. Deutschland.

Preußen. Berlin, 4. Juli.

erie = Brigade die

rlaubniß zur a Komthurkreuzes vom Großherzoglich. hessi

liehenen Ritterkreuzcs dieses Ordcns zu ertheilen.

aus Warschau vom 29. Juni bringen Fo

Trophäen dieses Tages.

Re

; kehren, für den Augenbli> aufgegeben zu haben.

| diger’s war am 27. Juni noch in Eperics.

Die Umstände, welche ju jenem Uebereinkommen die Veranlas= .

| Ein Privalschreiben aus Preßbur

General-Kommando's angewiesen, die Dispensation der unabtlömm-

für Eingeladene find Pläve |

Das 23ste Stü> der Gesep -Sammlung, welches heute | vom 29, Juni d. J., betreffend die

» 3140, Den Allerhöchsten Erlaß vöm 20. April d. J., betref- '

fend die Errichtung eines Gewerbegerichts für die

auf se<s Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Um-

Se. Majestät der König aben Allergnädigst geruht: dem Major S{mitt. der Zten Artil- i i des ihm verliehenen hen Verdienst - Orden Philipp's des Großmüthigen, so wie dem Hauptmann Paris vom 39sten Infanterie-Regiment (7ten Reserve-Regiment) des ihm ver=

Hesterreich. W ien, 2. Juli. (De f C.) Offizielle Nachrichten gendes : „Cin Courier des

Generals Lüders brachte die Nachricht , daß das von ihm befehligte | im Truppen - Corps am 20. Juni den tömöser Paß, welcher gut be- festigt war und hartnä>ig vertheidigt wurde, genommen hat, Die russischen Truppen erzwangen den Durchgang mit dem Bajonett und beseßten an demselben Tage Kronstadt. Eine Fahne ‘und eilf Kanonen, welche den Insurgenten abgenommen wurden, waren die Der Feind floh mit solcher Eil, daß die V Mühe hatten, ihn zu erreichen. Jedoch gelang es ihnen, den ellen-Chef Kiß, der die Truppe befehligte und verwundet worden war,

Es zu nehmen. Der Kaiser von Rußland hat dem General Lüders befohlen, diesen Gefangenen unter Eskorte nah Czernowiß führen und dort an den österreichischen General Fischer zur Verfügung der - Kaiserlichen Regierung ausliefern zu lassen, Da die Citadelle von Kronstadt sih nit auf die erste Aufforderung ergeben hatte, \o ließ sie General Lüders beshießen, worauf sie am 21. Juni sich ergab.“

__ (Lloyd,) Bei dem Einmarsche in Raab war Se. Majestät einer dex ersten, die über eine no<h brennende Brü>e sebten, welche dergestalt beschädigt wax, daß sie zum Behufe des Ueberganges der Truppen erst ausgebessert werden mußte. Se. Majestät der Kaiser scheint seine ursprüngliche Absicht, von Raab nah Wien zurü>zu- Eine Abtheilung Jäger, welche bei der Einnahme von Raab die halb zerstörte Brücke “nit \{nekl" genug pasfiren konnte; entkleidete fih, watete durch -den- Fluß und eilte am jenseitigen Ufer, ohne Zeit mit dem Ankleiden zu verlieren, dem Feinde entgegen, was einen ganz eigenthümlichen Anbli> gewährte.

Am 27. d. M. waren die Russen bereits in Miskolcz und haben ? ihre Vorposten bis Mezökövesd vorgeschoben. Die Russen fanden | von Kaschau bis dahin keinen Widerstand. Das Hauptquartier Rü-= Ucber Neutra rücken neue, schr bedeutende Kaiserlich russishe Truppenmassen, insbeson-

ders Kavallerie, an. D | (Wanderer.) Gestern war bereits die Post von Gran hier

f angekommen, was auf ein sehr \hnelles Vorrü>en der vcreinten | Kaiserlih russishen und. Kaiserlih österreichischen Armee \chlie-

ßen läßt. Nach einer Mute Stan Metteruich auf seinem Schlo

des Fremdenblattes würde, Fürst sse Königswarth in Böhmen erwartet. bringt uns \o eben die Nachricht, daß die Kaiserlihe Armee bereits bis Babolnà vorge= rüdt set. y

| e Aufenthalt des Prinzen von Joinville sammt Familie in ' Wien scheint von längerer Dauer werden zu wollen, da uns ver- * sichert wird, es werde das Koburgsche Palais auf der Wassserkunst=- Bastei zum Bewohnen für diese Gäste eingerichtet.

| Triest, 30. Juli. (Lloyd.) Nachrichten aus Venedig zufolge, hat man - au< dort ein Triumvirat gebildet, es besteht aus Galeotti, Sartori und Baldiserotto, die ersten Beiden sind Ma länder, der Lehßtere ist ein ehemaliger Ma-

! rine - Offizier, der schlaueste aller Verräther, dem es {on - | vor Jahren gelang, troß eines - entehrenden Prozesses, in den er verwi>elt war, sich neuerdings die Gunst seiner Vorgeseßten zu er= | werben. Die leßten Verhandlungen der Venetianer - Deputation stellten als Bedingung der Unterwerfung, daß alle Marine-Offiziere in den gegenwärtig innehabenden Posten und Rangsstellen verblei- ben sellten. Was würde unsere junge ehrenvolle Marine, was un= sere ruhmgekrönte Armee dazu sagen, wenn si< je cin ähnlicher Fall ercignen könnte. Das Bombardement unter Venedig dauert fort. Der Brükenkopf der Eisenbahn dürfte wohl bald in unsere

| Hände fallen.

Baden. Karlsruhe, 29. Juni, Heute Vormittag wurde | im Schlosse großer Staats-Rath gehalten, dem auch der neue Chef ! des Staats-Ministerinms, Staats-Rath Klüber , beiwohute, welcher | si< Nachmittags zum Großherzoge nah Mainz begab. | Karlsruhe, 30. Juni. (D. Z.) Den wirklichen Zusammen- | hang, wie die näheren Details der Ereignisse des gestrigen Tages, ' haben wir heute erst erfahren. Gestern Morgen sebten sich die drei

Haupt - Kolonnen der Operations-Armee gegen die Murg - Linie in | Bewegung. General von Peu>er hielt mit seinem Corps, welches durch die Brigade des Generals von Scha> verstärkt war, auf dem linken Flügel die Gebirgsfette beseßt, indem er hart an der würt- tembergishen Gränze in \{räger Richtung vorrückte und die Jusur-

enten zwang, sich in die Ebene zu begeben. Seine Avantgarde bildete , nah hierher angesehen , mit der württembergischen Gränze einen spizen Winkel, während der rechte Flügel seines Corps in der Nachhut stand und der Ebene zuge=- , wendet war, in welher wiederum der Prinz vou a Da auf der Etilinger Straße hart am Abhange des Bergrü>ens mit der mittleren- Kolonne der gesammten Armee Rastatt zu erreichen suchte. Bei diesem Vorwärtsgehen der beiden gemeinschaftlich ope= rirenden Corps mußten die Insurgenten, sobald sie vou den Höhen vertrieben waren, das Feuer vom Centrum und reten Flügel des von Pcu>erschen Corps aushalten und dem Prinzen von Preußen vollständig in die Hände fallen. Den reten Flügel der Gesammt- Armee bildete endlih das Corps des Generals von der Gröben, welches die Straße von Mühlburg auf Rastatt einshlug und die: Jusurgenten vom Rheine her gegen die Murg drängte. Um 3 Uhr Morgens seßten sich die beiden Heeressäuleu des linken und rechten Flügels in Marschz der Prinz verließ um 6 Uhr Karlsruhe und erreihte den Feind bei Ettlingenweyer zu derselben Stunde, wo General von Peud>er mit seinem re<hten Flügel in der Höhe dieses Orts stand. Das Gefecht begann hicr um 9 Uhr. Der Feind wurde vom Prinzen geworfen, und nun verlängerte sich der Kampf in ein unaufhaltsames Vorrücken der Schritt hal= tenden Corps des Prinzen und des Generals von Peucker, unter fortdauerndem Gefecht gegen die von den Bergen herabgedräng= ten, in der Ebene und an den Bergabhängen vertheidigungs=- weise na< der Murglinie zurü>weichenden Jusurgentenschaaren. Unsere Truppen führten die einer Treibjagd ähnliche Kette von Angriffen mit ebcn so viel Muth als Geschi> aus, der Feind wurde überall , wo er sich zu seßen hoffte , geschlagen, und sah si einigemal genöthigt, vor decn Kavallerie-Attaken wieder cben da= hin zu flüchten, wo ihn die Kugeln unserer Schüßen vertrieben hatten. Ein großes Hinderniß sand der Prinz zwischen Ncu- Mals< und Muggensturm. Hier hatten die Insurgenten ‘hohe Verschanzungen aufgeworfen, die sie mit \{<werem Rae Geshüy aus Rastatt vertheidigten. Nach kurzem, aber sehr hefli- gen Gefecht wurden diese Schanzen mit stürmender Hand genommen, - worauf der Prinz bis an die Murg vorging. Die Jusurgenten zogen sich unter fortwährender Erwiederung des Feuers über den Fluß zurü>, wurden- aber von der Vorhut des Prinzen auf dem: Uebergange über die Murg bis Kuppenheim verfolgt, wo die Avant-= garde bei einbrehendem Dunkel eine Stellung bezog. Während des Aufenthaltes, den die Erstürmung der Schanzen bei Mal} verursachte, ivar General vou Peu>er im Gebirge bis an die Murg gelangt; au<h er hatte die Insurgenten zum UVeber= gäng über den Fluß gezwungen, war ihnen bei Gernsbach nachgerü>t, hatte diesen Ort genommen, den Feind von der Ebersteinburg und von Baden vertrieben und den_ wichtigsten Paß

Marathal gegen Rastatt zu besebt, so daß den Insurgenten auch die Straße von Bühl verlegt war. Mit diesen Operationen des linken Flügels und der mittleren Kolonne harmouirte das Voran- gehen des den reten Flügel bildenden Corps unter General von der Gröben. Der Widerstand, welchen die Insurgenten auf der

icht: in dem Grade, wie nah dem. Gebirge zu, vom Terrain begüns- ry General von der Gröben drängte den Feind überall und. mit

mühlburger Straße leisteten, war zwar nicht minder anhaltend, do,

igt. Libiuboevn Verlust Leuten zurü> und. nahm. am Abend Rauen-.

thal, dreiviertel Stunden unterhalb Rastatt, ein, Mit diesen Haupt-

erfolgen endete der gestrige Tag, während .an einzelnen Punkten, im Murgthale und' bei Kuppenheim, no< gegen 10 Uhr Abends gekämpft wurde. Der Feind war in und um Rastatt von drei Seiten eng einges<ipssen, ihm blieb nur no< die Straße nah Kehl ofen, und auch diese- fonnte während der Nacht nicht mehr in Masse passirt werden. Heute Morgen sollte die Einschließung bis an den Rhein oberhalb“ Rastatt vollendet und um 11 Uhr das

Bombardement dieser nah einer Seite beinahe no< offenen Festung

begonnen werden. Als gestern Abend um acht Uhr 50 bis 60 Mann vom 16ten und eben so viele vom 17ten preußischen Landwehr =- Regiment in das Dorf Okerweyer, eine Stunde unter- halb Rastatt, cinrüd>ten, ließ kein Feind sich bli>en, man glaubte denselben längst jenseits der Murg, da die Vorhut des Corps, zu welchem die Landwehr gehörte, . bereits in Kuppenheim stand. Sorglos seßten die Landwehrmänner ihre Gewehre zusammen und ruhten sich aus, ‘als plöylich alle Fenster und Thüren der Häuser auf- flogen und die Jusurgenten, badische Soldaten und Freischärler, in hellen Haufen hervorstürzten, die Landwehr umzingelten und ein mördirisches Feuer auf dieselben eröffneten, Augenzeugen versichern, daß zwishen 2- und 3000 Jusurgenten wie aus dem Erdboden S Es entstand ein fur<tbarer Kampf, Mann gegen ann, mit Schuß, Hicb und Bajonnet.

Uebermacht weichen , erlitt bedeutenden Verlust, wurde aber dur den Muth und die seltene Umsicht des Adjutauten vom 16ten B ras<h aus ihrer gefahrvollen Lage befreit. Hülfstruppen rü>ten an; das Dorf ,. welches offenbar Verrath ge- Ubt hatte, wurde umzingelt, ein fur<tbares Feuer von Infanterie und grobem Geschüß trieb die Jusurgenten auf allen Seiten zu= ru>, sie mußten ihre Rettung in den Häusern suchen; aber die Gebäude geriethen in Brand, und eine Stunde später s{lugen die slammen über dem ganzen Dorfe und über Allem, was es barg, zusammen. Wir haben hier -den Brand gesehen. und den ershüttern= den Kanonendonner gehört, aber die gräßliche Lösung des Räthsels brachten erst heute verwundete Landwehrmänner, denen man die Wuth nit “verdenken “mag; ‘in--welehe“ ste Berrath-und Menchel- mord verseßt hatten, Einige Wagen - mit Verwundeten wurden in der Nacht und heute Morgen hierher gebracht. Gegen Mittag folgten mehrere Transporte gefangener Stcischärter und eben so E Wagen - voll Waffen, die denselben abgenommen und auf dem Schlachtfelde gefunden wurden. Au<h Professor Kinkel aus Bonn , ‘den man gestern bei Malsch - gefangen hatte, wurde hierher abgeführt uud in den Rathhausthurm gebracht. Er \<{ien verwundet zu sein. Alle einigermaßen festen Gebäude sind hier so sehr mit Gefangenen überfüllt, daß kaum noch ein Unterkommen für Andere zu finden is. Heute Morgen hörten wir Kanonendonner , jedo< in so weiter Entfernung , daß es auf die Nähe von Baden hindeutete. Gegen Mittag wurde das Feuer aus grobem Geschüß d vernehmlich ,“ daß man auf den Beginn des Bombardements s{<loß. Später trafen Sotdaten von Malsch, wo der Prinz von Preußen ‘gestern scin Hauptquartier aufshlug, hier ein, die kurz vor 12 Uhr Mittags einen Brand in Rastatt gesehen haben wollten, Au<h vom Thurm aus bemerkt man Rauchsäulen Uber Rastatt aufsteigen. Gegend Abend verlautct, daß die Festung jeßt vollständig eingeschlossen sei, und zwar von dreifachen Truppen= Aufstellungen, so daß ein Durchbruch nicht mehr zu besorgen stehe. Mieroslawski und andere Häupter dcs Aufstandes sollen über Nacht den Weg nach Kehl eingeschlagen haben. :

(O. P. A. Z.) Einer Bekanntmachung des preußischen Gou- verneurs, Oberst von Brandenstein, zufolge, wird unsere Stadt für die nächste Zeit keine Einquartierung mehr, sonden nur eine Garnison von 1600 Mann und 200 Pferden erhalten. Für die Verpflegung derselben hat die Stadt zu sorgen. Troß der gegen- theiligen Angaben einiger Blätter wird die Rückkehr des Großher-

zogs dennoch sobald nicht erfolgen. Jedenfalls so lange nicht, als

der Kriegszustand dauert, und dieser wird erst dann aufhören, wenn

die Aufrührer nah der Sl1renge des Gesebes gerichtet sein werden.

Die Handhabung des Kriegszustandes geschieht Übrigens hier so mild, daß man, die strenge Fremden=-Kontrolle abgerechnet, gar nichts davon gewahr sind.

Der (bereits mitgetheilte) Bericht des Prinzen von Preußen hat in allen Kreisen dcn befriedigsten Eindru> gemacht hat, und zwar sciner einfahen unverfälshten Darlegung der Thatsachen wegen. ; Das heute erschienene Großherzogliche Regierungsblatt enthält vier landesherrliche Verordnungen, U 1). die Wiederherstel- lung der Amtsthätigkeit der geordneten Behörden und Beamten uud die Ernennung außerordentlicher Landes - Kommissäre zum Vollzuge. 2) Die (bereits erwähnte) Ernennung des General - Kommissärs Schaaff bei- den im Großherzogthum operirenden preußischen Trup- pen. 3) Die Bevollmächtigung des Großherzoglichen Staats-Mini-=

steriums zur Leitung deè Regierungs - Geschäfte bis zur Rü>kkfunft |

des Großherzogs. 4) Die Dienst - und Rechtsverhältnisse der An-

gestellten, welche in der Revolution kompromittirt sind. 5) Die Ent-

a der von der revolutionairen Gewalt gewählten Gemeinde- eamten.

Freiburg, 29, Juni. (O. P. A. Z.) Graf Görß ist dur

Beschluß der provisorishen Regierung mit diktatorischer Gewalt

unter dem 27. Juni zum Kommandanten der Stadt ernannt wor= den. Der Kommissär Schinzinger befiehlt Namens des Ministe- riums des Innern Ablieferung aller Privat- und Gemeinde-Gewehre für die Ausrüstung der Volkswehr. Die konstituirende badische Landes-Versammlung hält ihre Sißungen im Saale des Hofgerichts- Gebäudes. Auf der Tagesordnung des 2Bsten stand unter Anderem Berichterstattung des Bürgers Goegg vom Kriegsschauplay und ein anderer Bericht über die Gesebvorlage des Ministeriums, Ausgabe von Schaßscheinen betreffend.

__Stod>adh, 29. Juni. (O. P. A. Z.) Der Generalmarsch wirbelt heute zu wiederholtenmalen durch die Straßen, unterbrochen vom Rufe der Signalhörner. Das erste Aufgebot zieht nah Kon- stanz, das zweite der Schüßen nah Salcm, und die gestern von Neuem wieder ängekommencn Freischärler aus Tettnang nach En- gen, Die Gränze gegen Württemberg wird jept beseßt, weil man im Hauptquartier bestimmt wissen will, daß österreichische und bayerische Truppen von der Jller heranziehen werden. Die Mann- \chaft marschirt niht sehr muthig ab, denu sie giebt ihre Sache selbst für verloren. Vor drei Tagen war der Práässldent der kon- stituirenden Versammlung, Pfarrer Ganter, in Sto>ach.

Konstanz, 29, Juni. (S<wäb. Merk.) Der von ver- schiedenen Seiten verkündete nahe Einmarsch österreichis<her Truppen hat sich bisher noch nicht bestätigt; do< werden se von einem gro-= ßen Theil der Bevölkerung mit eben so großer Sehnsucht erwartet, als sie von einer anderen Seite gefürchtet werden. Man vernimmt, daß der Kriegsoberkommissär oder wie das Amt heißt, unter welchem die Terrorisirung des Seekreises steht, an sämmtliche Dampfschiffe den Befehl erließ, daß keines mehr in Bregenz landen dürfe, weil befürh-

tct wird, die Schiffe könnten dort zum Truppentransport zurü>gehal- |

ten werden. Gestern hat män hier einen alten Schweizer-Oberst von Zeerleder (vom Sonderbundkrieg her bekannt) als Gefangenen ein-

Die Landwehr mußte der |

Zahlreiche |

1173

digt ihn, mit den Oesterreichern in Korrespondenz gestanden - zu

haben —- kurz, man behandelt ihn als Spion. Heinzen is {on mehrere Tage hier ; jonen Eingebungen, heißt es, hat. man diese Pla>ereien zu verdanken. Gest

, Peter um Mitterna<ht unsere Stadt passirt. Zufälligerweise waren

gebracht : er soll standre<tli< abgeurtheilt werden, Mañ beschul- ;

bes, unweit Eperies, wurde dieser Tage ein Bürger wegen Spioni- rerei vom General Saß zum Tode dur< den Strang verurtheilt und dieser Ausspruch auch soglei< vollzogen. Dem Vernehmen na<

is] die Avantgarde bereits in Ford eingerú>t, und das Gros der

ern Nacht hat au< Exstatthalter |

denselben Abend die Stadtthore bewacht, die zur Schweiz führen, |

weil man fürchtete, es möchten, in Folge der anbefohlenen Abliefe=- rung der Waffen, dieselben in die Schweiz geflühtet werden. So geschah es, daß Herr Peter angehalten und erkannt wurde. Die Wache fragte ihn, ob er keine Waffen habe; er -ver- neinte es, und so ließ man ihn sammt dem Geld, womit er rei<li< versehen gewesen sein soll, die Flucht in die Schweiz fortsepen. Mittlerweile suchen unsere Glüälihmacter mittelst Be= | fehl oder Gewalt den Kassen zu Leib zu kommen, und wenn es no< ¡ lange dauert, werden auch Verhaftungen niht ausbleiben. | Freiburg vernehmen wir, daß mehrere vermögliche Bürger sich im | Gefängnisse befinden, und d man an sie das Ansinnen stellt, sich | mit 10,000 Gulden freizukaufen. Seit mehreren Tagen erhalten | wir keinen S<wäbishen Merkur mehrz er wird in Stockach | von einem Civil-Kommissär, der ein Buchbinder ist, unterschlagen.

| / | Hesseu. Kassel, 1. Juli. (Kass. Ztg.) Se. Königl. | Hoheit der Kurfürst ist nebst Gefolge heute wiezer in Wilhelms- | höhe eingetroffen. Das Ministerium des Junern veröffentlicht Fol gendes: „Nach= | dem Se. Königliche Hoheit der Kurfürst die Einberufung der zu= folge des Minifterial-Ausschreibens vem 24, April d. J, auf Grund des Gesebes vom 5. April d. J., die Wirksamkeit der gegenwärti= gen Stände - Versammlung und die Beschleunigung der Wahlen neuer Landtags = Abgeordneten betreffend, neugewählten Stände- Versammlung auf den zehnten dieses Monats Allergnädigst verord= net haben, so wird solches zur Nachachtung für Jeden, den es an- geht, hierdur< bekannt gemacht. Kassel, am 2. Juli 1849. Kurfürstliches Ministerium des Jnnern. s Eberhard.“

Scbleswig- Holstein. Von der Königsau, 1. Juli, (Börs. H.) Es sind in Aarhuus mehrere hundert Pferde requi- rirt worden, von denen bereits 400 geliefert sind; die dortigen Ma= gazine enthalten für wenigstens drei Wochen hinlänglichen Vorrath ; Uberhanpt soll die dortige Verpflegung entsprehender sein, als sich anfänglich erwarten ließ. Mehrere Truppen = Abtheilungen sind in

seite Jütlands abgezogen. Belt und an der schleêwigschen Ostküste haben bli>ken lassen, scheinen keine Demonstrationen zu beabsichtigen, wenigstens sind deren bis jept keine versuht worden. Ob die Reichstruppen Randers erreicht ha= au, M bis jeßt no< unbestätigt. Bei Fridericia Alles unyer- ändert.

MMusland.

Desterreich. Preßburg, 30. Juni. (Prßb. Z.) Der

hat si<h gegen Acs gezogen. Die Kaiserliche Armee ist im Vor-= rú>en. Das Armee=-Hauptgquartier befindet \si< in Raab.

Von dem Armee = Oberkommandanten Freiherrn von Haynau ist nahstehender Erlaß ergangen: „Im Verlaufe der jüngsten Zeit= periode, während welcher in und um Preßburg große Truppenmassen konzentrirt und das Hauptquartier des Armee-Öberkommando's da= selbst ‘aufgeschlagen werden mußte , sind von Seiten der Bewohner des Komitats und der Stadt große Leistungen getragen und Lon

rung und Energie für die gere<hte Sache ihres angestammten Lan= desfürsten gelicfert_ worden. Mit wahrem Vergnügcu habe ih seit dem Antritte des mir anvertrauten Kommando's diese rühmliche Bereitwilligkeit der dortigen Bevölkerung und Behörden wahrge- nommen und mich über die loyale Gesinnung derselben innig ge- freut, Jn dem Momente, wo unsere Truppen nuumehrx über die Gränzen dieses Komitates vorrü>ken und den Drangsalen dieses beflagen8werthen Jnsurrectionskampfes hoffentli<h bald das Ende geseßt sein wird, rene i< es mir zu einer wahren Pflicht an, der

mit auszudrü>en. Hauptquartier Altenburg, 27. Juni.“

Raab, 30. Junk. (Llo yd.) Wir befinden uns seit vorgestern A der Mauern Raabs, das bereits zum zweitenmale beleuch- et ist. Nach einem vierstündigen Kampfe ergriffen die Insurgenten die

| Majestät ritt über die Trümmer der abgebranuten Brücke , welche | für die Truppen erst hergestellt werden mußte. Wir unterhielten | nur ein Kanonenfeuer , das die Reihen der Rcbellen lihtete, ohne

Feind, welcher in Raab bei 16,000 Mann stark gewesen sein soll,

Von |

den späteren Tagen vom Süden nach Ripen und längs der West= - Die Kriegsschiffe, die si< im kleinen |

den öffentlichen Behörden die erfreulihsten Bewcise von Aufoöpfe= |

, Czaifkfisten = Bataillons = Gegend | ral Knicjanin.

H : ; , A E. | Mom; treuen Bevölkerung dieses Komitats und seiner Behörden für ihr Stadt ankommen lassen, so kann ein hartnä>iger Barrikadenkampf

gutgesinntes Verhalten und für ihre bethätigte Anhänglichkeit an ne< lange fortgeführt werden.

das Recht und die Pflicht öffentli die verdiente Anerkennung hier= | 24, Juni no< ni<t genommen worden ; Oudinot giebt den Verlust -

Armee soll morgen weiter vorrü>en.

Semlin, 26. Juni. (Lloyd.) Gestern machten die Ma- yaren von Peterwardein, offenbar aus Verzweiflung, einen Aus= fall gegen Karlowicz. Die Cholera grassirt in dieser Festung o sehr , daß tägli< Hunderte als Opfer fallen uud die Leichen nicht beerdigt, sondern in die Donau geworfen werden. Theils diese Kraukheit, theils gänzli<her Mangel an Brennholz und Viktualien zwangen nun die Besaßung zu dem Wagestüc, sich auf Karlowicz zu werfen, sie wurde aber von unseren kampflustigen Kriegern ge= hörig empfangen und mit Verlust zurücgedrängt. Bei dieser Ge= legenheit entsprangen drei Artilleristen aus Peterwardein , die uns * das außerordentliche Elend und die Unzufriedenheit der magyari= hen Besapungétruppen der dortigen Festung schilderten. Die Le- bensmittelzufuhr is ihnen von allen Seiten abgeschnitten; von der Bacska aus durch das Heer des Banus, von Syrmien dur<h Gene= ral Rastic und Obersten Brigadier Mamula und von der dur< den National = Gene= Peterwardein kann si<h also auf diese Weise lange behaupten und muß au<h shne Bombardement kapituliren. Die aus Bruckschanzel na< Neusaß ziehen= den Magyaren seßen ihrer bisherigen Rohheit und Brutalität die Krone auf, indem sie Kirchen, welche no< geblieben sind, in Brand ste>en, die Häuser zerstören und wehrlose Greise, Weiber und Kinder morden. Gestern- wagten die verzweifelten Rebellen - einen Angriff auf Knicjanin bei Perlas unweit Titel, wurden aber mit Verlust zurückgeschlagen. Heute griffen die Unsrigen die Jn= surgenten an, und der Kanonendonner wird in diesem Augenblicke deutlich hier vernommen. Pancsova is bis auf zwei Dreipfünder und éinige Honveds vom Feinde geräumt. Gestern sind hier aus Wien sechs ganz neue zwölfpfündige Kanonen eingetroffen, die für Kamenicz bestimmt sein sollen. Die italienischen Grenadicre mar= schiren ununterbrochen hier cin. Das früher in Mitrovig bestau- dene Armee-General-Kommando hat si<h gegenwärtig förmlich hier organisirt. Den Posten eines kommandirenden Generals versieht Mayerhoffer. Der Feldmarschall-Lieutenant Mayna, zum Militair= p MEL Ga in Semlin bestimmt, hat sein Amt noch nicht ange= reten. j Verona, 27, Juni. (Lloyd.) Gestern Abend sind die drei Herren Deputirten, Graf Luigi Miniscalchi, Nobile G. B. Fuma-= nelli und der Stadt=Podestà Nobile Giovanni Orti-Manara, ven der hiesigen Provinzial - Deputation gewählt, um im Namen der

nicht

| Stadt und Provinz Verona den Ausdruck der Ergebenheit und | Treue zu den Füßen Sr. Majestät Kaiser Franz Joseph's 1. nieder=

zulegen, von hier nah Wien abgegangen.

Frankreich. Paris, 1. Juli. Die Regierung hat wieder eine De= pesche Oudinot s publizirt, die aus der Villa Santucci vom 24sten datirt ist, aber nur Details über die fortgeseßten Belagerungs = Arbeiten enthält, die bis zum 23sten Abends immer noch fortdauerten und von den Belagerten viel und lebhaft gestört wurden z die Franzosen hatten bei einem neuen Angriffe einige weitere Positionen genom- men, aber ein allgemeiner Sturm war bis zum Msten noch nicht erfolgt. Die Operationen waren zuleßt gegen die zweite Vertheidigungslinie, die alte Mauer des Aurelian, gerihtet. Bcson-

| ders störend war den Franzosen das Feuer der Vatterie von San

Pietro in Montorio, der wichtigsten Position auf dem Janiculus. Ote Stellung der auf der Bresche verschanzten Belagerer is ungefähr folgende: Der Punkt, welchen sie einnehmen, befindet si< auf der vollen Höhe des Janiculus; der G. sichtskreis ist vollklommen frei z vor sih haben die Franzosen die erwähnte alte Mauer, sodann San Pietro in Montorio und endlih die Stadt in ihrer ganzen Aus= dehnung. Nach links, also nördlich und gerade aus, zieht sich das

| Terrain ungefähr auf gleicher Höhe fort; auf dieser Seite können

also die römischen Batterieen wirksam spielen; rets is eine starke Absenkung, also unbrauchbar für das römische Geshüsz von San Pietro in Montorio steigt der Hügel na<h dem ei= gentlichen Trastevere hinab, und von dort beherrs<ht man ganz wollen die Vertheidiger es auf ein - Bombardement der

Die Mauer des Aurelian war am

| der beiden leßten Tage auf 20 Todte, darunter 3 Hauptleute und

Der Angriff geschah am 28sten um 1 Uhr Nachmittags. |

Flucht, und um 5% Uhr zogen unsere Kolonnen, den geliebten Mo= | | nardhen an der Spibe, mit klingendem Spiele in die Stadt. Se.

60 Verwundete, an. Die Dauer des Widerstandes wird hauptsäch- lih von dem Eifer und der Entschlossenheit der extremen Partei abhängen und von der Stärke, welche sie denen entgegenzuseßzen hat, die zur Capitulation geneigt sind. Man versichert, die französische Regierung habe dem Papst die Nothwendigkeit vorgestellt, ein Ma= nifest zu erlassen, was er schon vor einigen Wochen zugestanden ge=

| habt, woran er aber dur andere Rathschläge bis jeßt verhindert

worden sei, Auch soll die französische Regierung sich dem Vorrücken

| der spanischen Expedition in die päpstlichen Staaten förmlich wider=

| daß wir Schaden nahmen. Vor vier Tagen glaubte in Raab noch |

| Niemand an die russische Intervention. Bald nah dem Einrü>en | erlaubten si< zwei Individuen aufreizende Reden, wofür sie nach

einer Stunde erschossen wurden. Zum Troste gutgesinnter Flücht=

seßt haben. ; Nach dem Moniteur de l’ Armee soll eine Division der

| Alpen-Armee nah dem Elsaß abgehen, um dort Kantonnirungen zu

| linge kann mitgetheilt werden, daß wir bis jebt weder an den Saat= |

feldern, no< in den Ortschaften Verheerungen vorfandenz auch die Versteigerung der sequestrirten Realitäten Hätte erst nächster Tage vorgenommen werden sollen. Kossuth war in lehterer Zeit nicht in Raab, wie die Zeitungen irrig meldeten. ist mit der Advokaten =- Regierun Wahl zwischen Görgey und

em als Civil - Gouverneur. Das

beziehen.

Großbritanien und Irland. London, 30, Juni

| Herr Sandars fragte gestern im Unterhause den Minister der aus= ' wärtigen Angelegenheiten, ob derselbe von dem Gesandten in Kopen=

Hauptquartier wurde heute Morgens vier Uhr na< Bana vor- |

gerüdt.

s l 27. Juni. einem Hauptquartier am 24sten gegen Eperics auf, nachdem sicl sämmtliche Armee-Corps dort vereint hatten. Die Mone A ersten Armee-Corps stieß bei Somos auf ein ungefähr 4090 Mann starkes Jnsurgenten-Corps, welches den Rückzug deckte. Nach kur=

(Lloyd.) Fürst Paskewitsh brach mit | rets und Abschaffung des Oberhauses.

nen ,

an Gefechte, wobei die Jusurgenten 36 Mann an Todten und

erwundeten und 60 Mann an Gefangenen, die Russen jedo< im Ganzen nur 15 Mann verloren , flohen jene in größter Eil über Kaschau gegen Miskolcz, ohne ferner Position zu nehmen, so, daß die e Avantgarde noch an demselben Tage bis gegen Hidas=

_ Nemeth außer Kaschau vorgeschoben wurde. Feldmarschall Fürst Paskewits< rü>te an demselben Abend no< in Kaschau ein. Die Einwohner sind über ihre Erlösung vom magyarischen Terrorismus sehr erfreut und vechinderten au<h einen Barrikaden- kampf, zu dem es -die Insurgenten wollten kommen lassen. Ver=

haue und Verschanzungen triff}t man in Mengez alle Brücken sind abgebrannt. Bei Kaschau allein kosteten ihre Redouten 200,000 Fl. und sind nicht einmal vertheidigt worden. Die Theuerung ist hier

Die Însurgenten - Armee hagen Auskunft darüber erhalten habe, warum drei spanischen Schiffen

unzufrieden , sie {wankt in der |

erlaubt worden, die Elbe mit Ladung zu verlassen, während britischen Schiffen die gleiche Vergünstigung versagt werde. Lord Palmer= ston erwiederte nur, daß er bis dahin nichts über die Sache ver= nommen habe, indeß seien ihm am 29sten Depeschen aus Kopen= hagen zugegangen, die er noch nicht gelesen habe. Herr Lushington überreichte eine Petition um Einführung des allgemeinen Stimm=- Der Sprecher erklärte eine Petition dieses Inhalts nicht annehmen zu kön-= und gab sie unter lautem Beifall des Hauses zurü>. Der Rest der Sißung verging mit der Aus\{huß-Berathung der ir= ländishen Armensteuerbill. Um diese Berathung zum Schlusse zu bringen, ist auf heute eine außerordentliche Sibung angeseßt. Im Oberhause beantragte gestern Lord Grey die zweite Lesung einer Bill, welche die Begründung von Civil- und Kriminalgerichten auf

aber,

- der der Hudsonsbai-Compagnie - abgetretenen Vancouvers-Jnsel be-=

as gh so kostet z. B. eine Portion Kaffee mit Milch 20 Kr.

Die Kosaken erbeuteten einen Vorrath von 17,000 Kübel Hafer, welche den Magyaren nahgeschi>t werden sollten, Jn Se-

-zwe>te. Bis jeßt gehörten alle auf der Nordwestküste vorkommende Rechtsfälle vor die Gerichte von Kanada, eine Einrichtung , die bei einer Colonisation der westlichen Küsté nicht fortbestehen kann. Sie soll daher hinsichtlich der Vancouvers-Jnsel aufgehoben, und scllen dort Ge= rihtshöfe errichtet werden, deren Zusammenseßung von der später zu er- richtenden Legislatur zu revidiren, Die Gerichte haben das Recht, anden Geheimen Rath zu appelliren. Lord Grey erwähnte bei dieser Gelegenheit dié Bedincungen, unter denen die Vancouvers-Jusel der Hubdsons- bai-Compagnie überlassen wird. Lebtere. hat alle Kosten der Noes sirung, der Regierung und der Vertheidigung der Insel, aue p Kriegsfall, zu tragen, Land unter vernünftigen Bedingung