1849 / 183 p. 2 (Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

3 Generals Peu>er, der den linken Flügel befehligt, eingenöm- e der rastatter Besaßung ist so die große Straße nach dem Süden abgeschnitten. Mieroslawski selbst ist nicht in Rastatt, son- dern hat si< mit“ einem starken- Haufen von Freischaaren in den Schwarzwald geworfen, um dort zu versuchen, die Bevölkerung zur Ergreifung der Waffen zu bewegen. Doch steht u hoffen, daß ihm vies nicht geliugen wird, daß vielmehr der unglü>selige Aufstand, der so vielen Familien, wie dem ganzen Lande, o tiefe Wunden geschlagen hat, seinem Erlöschen nahe ist. schaaren, wie von dem regulairen batishen Militair sind schon viele Hundert Mann auf französisches Gebiet übergetreten. Dieselben werden dort sofort entwaffnet und in die Depots der Fremdenlegion gebracht, um fo bald als mögli zum Kriegsdienst nach Algier trans=- portirt zu werden. Aber auch hier werden Gefangene aller Art in Menge eingebracht, und oft sieht man ganze Züge gefangener Frei- shärler, die Hände auf den Rücken gebunden und aneinander ge- fcsselt, unter starker Militair=Eskorte dur die iraten ziehen. Die preußischen Truppen, die hier noch standen, sind nunmehr Alle nah dem Süden abgegangen, so daß hier jeßt nur 10 Compagnieen Me>lenbur- ger und eine Shwadron me>lenburgisher Dragoner in Besaßung verblieben, Mit dem schr anständigen Betragen und der guten Mannszucht dieser Truppen ist man allgemein zufrieden.

Jm Oberlande und Seekreise haben die Herren der vorigen Regierung noch immer die Gewalt in Händen und schalten und walten nah wie vor. Die konstituirende Landesversammlung hält Sizungen, das Ministerium, das sih in Freiburg befiudet, sept Beamte ab und ein 2c. Jn Sto>kach hat der dortige Ober - Kom- missär für den Seekreis dieser Tage den S<hwäbischen Mer- kur und no< einige andere Blätter, und gestern auch die Frank-= furter Ober-Post- Amts = Zeitung verboten; auf das Lesen dieser Blätter ist {were Strafe gesebt, ja sogar mit dem Stand- re<t gedroht. Nur die Seeblätter und die Obexrrheinische Zeitung dürfen gelesen werden.

Karlsruhe, 3. Juli. (Karlsr. Ztg.) Die neueste Num- mer des Regierusags=-Blattes enthält nachstehende (bereits er- wähnte) landesherrliche Verordnungen :

I. Die Wiederherstellung der Amtsthätigkeit der geordteten Bchörden und Beamten und die Ernennung außerordentlicher Laudes - Kommissäre zum Vollzuge betreffend.

Leopold, von Gottes Gnaden, Großherzog von Baden, Herzog von Zähringen. Unter Vorbehalt vefinitiver, zur Wiederherstellung und Befestigung der verfassungsmäßigen Ordnung im Großherzogthum erforder- R 6 Agen sehen Wir Uns veranlaßt, vorläufig zu verordnen,

ie folgt:

1) Sobald in einzelnen Bezirken des Landes die revolutionaire Ge- walt gebrochen is, haben die geordneten Behörden und Beamten ihre Stellen wieder einzunehmen, und die ihnen zukommende Amtsthätigkeit wie- der ín vollem, nah den erhöhten Ansprüchen des Augenbli>s gesteigerten Maße eintreten zu lassen.

2) Bedienstcte, die sich dur< ihr Benehmen während der Revolutions- zeit in eine solche Lage gebracht haben , daß sie au< nicht vorübergehend auf ihrer Stelle mehr geduldet werden können, sind provisorish zu suspen- diren und dur< Andere provisorisch zu erseßen, so weit dies niht durch die den Militair-Kommandanten beigegebenen Civil - Kommissäre bereits gesche- hen is, Auf Mitglieder von Mittelbehörden oder höheren Behörden is übrigens diese Bestimmung nicht auwendbar. O

3) Zum Vollzuge dieser Anordnungen ernennen Wir für jeden Kreis einen außerordentlichen Landes - Kommissär, und zwar; a) für den Unter- Rheinkreis: Unseren Legationsrath Freiherrn von Reizensteinz Þb) für den Mittel-Nheinkreis : Unseren Staatsrath Freiherrn von Rüdtz c) für den Ober-Rheinkreis: Unseren Geheimen Nath und Regierungs - Direktor Frei- G von Marschall, Für den Scekreis behalten Wir Uns weitere Ver- ügung vor,

4) Die Landes-Kommissäre sind befogt, zum Vollzuge der im Saße 2 enthaltenen Anerdnungen für einzelne Bezirke besondere Bevollmächtigte aufzustellen, Sie haben überdies die Befugniß, die für den Kreis zur Auf- re<thaltung der öffentlichen Ordnung erforderlichen polizeilichen Verfügungen und Verbote, falls solhe von den kompetenten Behörden nicht bereits er- lassen sind, zu treffen und der Kreisregierung zum Vollzug zugehen zu lassen.

5) Die Landcs-Kommissäre werden von ihren Anordnungeu dem Vor- stande des betreffenden Ministeriums Anzeige machen. Sie stehen im All- gemeinen unter dem Vorstande des Ministeriums des Jnnern, mit dem sie in foitdanernder Geschäft8-Verbindung bleiben,

Gegeben in Unserem Staats-Ministerium zu Mainz, den 26, Juni 1849, Leopold,

Klüber, Negenauer, Stengel, A, von Roggenbac,

von Marschall, Stabel.

1I, Die Ernennung de& Großherzoglichen Geheimenraths Shaaff zum General-Kommissär im Hauptquartier Sr, Königl. Hoheit des Prinzen von Preußen , wonach der genauntie Generalkommissär als solcher nicht allein persönlich die nämlichen ansgedehnten Befugnisse auszuüben hat, welche den durch die höc:stlandesherrliche Verordnung vom 26sten d, M. ernannten Lan- desfommissären und den schon früher den drei einzelnen Armeecorps zuge- ¡heilten Civilkommissären übertragen sind, sondern auch in dem Umfange díe- ser Kompetenz den gedachten Kommissären Aufträge zu ertheilen und von ihnen Berichte zu fordern hat.

(1j. Die Bevollmächtigung der Großherzoglichen Staats-Ministeriums zur Leitung der Regierung2geschäfte bis zur Rückkunft Sr. Königl, Hoheit dcs Großherzogs.

Leopold, von Gottes Gnaden, Großherzog von Baden, Herzog von Zähringen, Durch Unsere Verfügung vom 26sten d. M; ist für die vorläufige Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung in den ein- zelucn Theilen des Großherzogthums Fürsorge getrof}en. Es wird aber nunmehr auch nothwendig, die oberste Leitung der Negierungsgeschäste nach dein Sige Unserer Centralstellen zu übertragen. Troy Unseres sehnlichsten Wunsches werden Wir jedoch noch auf mehrere Tage verhindert sein, in Unscre Nesidenz zurückzukehren. Wir beauftragen darum Unser Staats- Ministerium, sich alsbald dahin zu begeben und daselbst bis zu Unserer Zurücfkfunft die Leitung der Regierungsgeschäfte nach der von Uns empfan- genen Vollmacht zu übernehmen,

Gegeben in Unserem Staats - Ministerium zu Mainz, den 27. Juni 4849, V

Leopold, Klübver, Regenauer. Stengel. A, von Roggenbadh, von Marschall, Stabel, ¿

1V, Jn Beireff der Dienst- und Rechts - Verhältnisse der Angestellten,

welhe während der Dauer der revolutionairen Gewalt ein mit den gegen

R Großherzog beshworeuen Pflichten Unvereinbares Verhalten gezeigt aven,

Leopold, von Gottes Gnaden, Großherzog von Baden, Herzog von Zähringen, Während- der Dauer der revolu:ionairen Gewalt haben hr gegenüber manche Angestellte ein Verhalten gezeigt, wel<es mit den gegen

Uns übernommenen und beschworenen Pflichten so wenig vereinbar is, daß“

ihr Benehmen ein Aufgeben des dienstlichen Verhältnisses zu der rechtmäßi- gen Negierung als noihwendige Folge in sich schließt, Derartige mit oder ohne Staatsdiener - Eigenschaft Angestellte sollen als aus Unseren Diensten ausgetreten grgelchen werden, und insoweit Wir Uns zu einer Wiederverwendung derfelben in Unseren Diensten bewogen finden sollien, wird diese nur in der Uns angemessen erscheinenden Weise, ohne Anerkennung eines Anspruchs auf erwor- bene Rechte, erfolgen, Gegen Kircheubeamte, die sih in ähnlichem Falle befinden, ist n E des Pfründegenusses in dem durch die Kirchenverfassung vorgeschriebenen Wege einzuschreiten. Anwalte, Schriftoerfasser und Prak- tifanten, welche an der Empörung Theil genommen ‘oder dieselbe begünstigt haben, sind im Disziplinarwege rengstens ‘zu verfolgen, ‘Indem Wir hier- durh weder dem Amte des Strafrichtexs vorgreiseu, noch ‘denjenigen, die sich ín erworbenen Rechten gekränkt glauben, vie Klage vor dem bürger-

Sowohl von den Frei- |

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lichen Richter abschneiden wollen, beauftragen Wix die Vorstände Unserer Minísterien, das hiernah weiter Erforderliche einzuleiten. Gegeben in Unserem Staatsministerium zu Mainz, den 27. Juni 1849, Leopold,

Klübèër, Regenauer. Stengel. A, von Roggenbac. von Marschall. Stabel,

von Gottes Gnaden Großherzog von Baden , Hexzeg von

Leopold, In Erwägung, daß alle von ver revolutionaixen Getvalt ay-

Zähringen.

estandes und unter dem Einfluß derselben gewählt, vielfach Anhänger die- ser Gewvalt waren, von welchen sih eine ersprießliche Führung ihres Amtes nicht erwarten läßt; daß aber eine schleunige Beruhigung des Landes ur bei einem einmüthizgen Zusammenwirken aller Landesbehörden möglich wird z haben Wir nach Anhörung Unseres Staats-Ministeriums beschlossen und verordnen provisorisch, wie folgt: $F. 1, Die während der Dauer der revolutionairen Herrschaft gewähl- ten oder eingeseßten Gemeindebeamten treten sofort außer Dienst und die vor dem Ausbruche des Aufstandes im Amt Gewesenen wieder an. ihre Stelle, Ausgenommen hiervon sind diejenigen früheren Bürgermeister, Ge- meinderäthe, Rathsschreiber, Gemeindere<wner und andere Gemeindediener, welche sih an den hochverrätherischez Unternehmungen betheiligt haben. SUNns in Gemäßheit des $. 21 der Gemeinde-Ordnung ihres Dienstes enthoben, F. 2, Die Stellen der hiernah ihres Dienstes Enthobenen sind pro- visorish wieder zu besegen. Die Beseßung geschieht nah den betreffenden

Gemweinde-Aemter, i

$. 3, Diese Stellvertretung dauert, wenn inzwischen die definitive Er- ledigung der Stelle dur Dieustentlassung, freiwilligen Austritt oder Tod erfolgen sollte, bis zur nächsten regelmäßigen Wahl.

$. 4. Als Stellvertreter is Niemand zuzulassen, der sih bei den hoch- verrätherishen Unternehmungen betheiligt hat. Wird dessenungeachtct ein Solcher als Stellvertretir des Bürgermeisters gewählt, so ernennt die Kreis- Regierung statt seiner den Dienstverweser uud bestimmt dessen Gehalt“ aus Mitteln der Gemeinde. Sie kann den von ihr Ernannten ermächtigen, auf Kosten der Gemeinde das zur wirksamen Durchführung seines Amtcs nöthige Personal anzustellen und überhaupt die zur Aufrechthaltung der öffentlihen O1dnung erforderlihen Maßnahmen und Anordnungen zu tref- fen, ohne der Kostenzahlung wegen an die Zustimmung des Gemeinderathes gebunden zu scin,

$. 5. Auf Antrag des Bezirksamtes und nah Einvernahme des Ge- meinderathes und Ausschusses kann die Kreisregierung au<h solbe ‘nicht unter dem $, 2 begriffene Gemcindebeamte entlassen, durch deren Mitwir- kung eine geordnete, gere<t-, jeder Parteiung fremd bleibende Dienstführung nach gegenwärtiger Lage der Verhältnisse nicht zu erwarten ist. Auch in diesem Falle finden die Bestimmungen der vorstehenden Paragraphen auf die Ersagwahl Anwendung. Liefert diese rücksichtlich des „Bür ermeisters fein den cben bezeichneten Absichten entsprechendes Ergebuiß , o hat die Kreisregierung zur Bestellung eines Dicustvexwesers die im $. 4 bezeichne-

n Befugnisse. E : : e Gegeben in Unserem Staais - Ministerium zu Mainz, den 27, Juni

849, Leopold, f ? von Marschall.

Freiburg, 29, Juni. (D. Z.) Die Landes-Versammlung

erläßt folgende Ansprache: : t L

„Mitbürger ! Als das badische Volk sich erhob, um ein unerträgliches Joch zu zerbrechen , da trat es în den Kampf mit den sämmtlichen Tyran- nen Deutschlands, und jeder Freurd des Vaterlandes faßte den Vorsaß, auf seinem Posten auszuharren bis zum Eude, Zn der öffentlichen ends der konstituirenden Landes-Versammlung vom gestrigen wurde demgemä auch beschlossen: „Der Krieg gegen die Feinde der deutschen Einheit und Freiheit wird mit allen zu Gebote stehenden Mittclu fortgeseßt und jeder Versuch einer Unterhandlung mit dem Feinde als- Verrath am Vaterlande betrachtet und bestrast.“ Gegen die zweite Hälste dieses Sayes erhob der Diktator Brentano Einsprache, indim er béhauptete, es läge darin ein Mißtrauensvotum gegen ihn, ungèachtet ihm das Gegemyel ausdrüd>lidc) von der Versammlung crklärt worden war, Als jene Stelle des Beschlus- ' ses dennoh angenommen wurde, legte er zuerst seine Stelle als Mitglied der Regierung, kurz darauf auch diejenige eines Mitgliedes ter konstituiren- den Versammlung vermittelst zweier an den Präsidenten derselben gerichteten Schreiben nieder und verließ im Dunkel der Nacht mit den Mitgliedern der Lantdesvei sammlung, Ziegler von Karlsruhe und Tibauth von Ettlingen, den Siy ter Regierung und der Landesversammlung, ohne vorher die g-seglich gebotene Rechenschaft von seiner Amtsführung abgelegt z1 haben und ohne eine Nachricht über den Ort zurüczulassen, wohin er sich zu begeben gedenke. Die fonstituirende Landesversammlung muß diese Flucht des Bürgers Bren- tano als einen seigen Verrath am Vaterlande betrachten und kann in dem Vorgeben desselben, er ziehe sih zurü>, weil er ein Mißtrauensvotum er- halten habe, nur den Versuch erkennen, sein Verbrechen zu beschönigen. Sie seßte daher sofort eine Untersuchungs - Kommission nieder, welche den Auftrag hat, gegen den Bürger Brentano und seine Begleiter einzuschrei- ten, um sie zur wohlverdienten Strafe zu ziehen. Ueber die Resultate dieser Untersuhung werden wir dem Volke Badens so bald als möglich ausführliche Mittheilung machen. ie fonstituirende Landes - Versammlung hat bereits die erforderliche Fürsorge -getroffen, um jede Störung in dem Gang der Geschäfte zu verhüten, indem an die Stelle des entflohenen Diktators Brentano der Bürger Kiefer von Emmendingen einstimmig er- nannt wurde, Bürger, scid wachsam! Die konstituirende Landes-Versamm- lung wird cs auch sein. Bürger-und Freiheitskämpfer , fahrt fort, eure Pflichten treu zu erfüllen! Wir unsererseits geben euch die heilige Versiche- rung, mit Euch zu stehen und zu fallen, mit Euch auszuharren bis zum Ende, Der große Freihecitskampf wird siegreih durchgeführt werden, wenn Volk und Heer, Regierung und Landes - Versammlung fest zusammenstehen. Wehe den Verräthern! Hoch lcbe das freie, tas einige, das große deutsche Vaterland! Freiburg, den 29, Juni 1849, Die konstituirende Landes- Versammlung für Baden, und in deren Namen das Präsidium: Damm. Die Secretaire: Däuzer, Rotte>, Steinmey.“

Offenburg, 30. Juni. (Frankf. J.) Heule früh um zwei Uhr fuhr General Szuaide inkognito hier ab, um bei Straß= burg über den Rhein nach Frankreich zu gehen.

Die badiíche Garnison von Kehl hat, nachdem sie ihren Kom= mandanten, Ober-Lieutenant Stephani, vergebli<h gedrängt hatte, sie wegzuführen, eigenmähtig „mit Sa> und Pa>k ihxen Posten verlassen.

Heidelberg, 2. Juli, (D. Z) Morgen beginnt hier das Kriegsgericht über Trüßschler, Stoe> und Konsorten; der Saal ist bereits dazu eingerichtet.

Gernsbach, 30. Juni. (O. P. A. Z) Nach einem langen Marsche durch die {önen Thäler des Schwarzwaldes von Durlach aus, wurde vor Herrenalb Halt gemacht, von dort gestern Morgen (1% Stunden weiter hin) der Angriff vor Loffenau eröffnct , der Feind bis auf Gernsbach verfolgt, der diesseits der Murg gelegene Theil des ebengenannten Städthens von 12 Uhr Mittags bis ge=- gen Abend beschossen; wodur< 22 Häuser bis auf die Grundmauern abgebrannt sind, und na< 6 Uhr der Ort genommen wurde. Heute Morgen sind die Unsrigen gegen Baden-Baden vorgegangen. Der Verlust. an Militair beträgt 3 Mann, jener der Freiltagien ist un- bestimmt; wir sahen 8 Mann davon auf einem Kirchhof liegen. In den Seitenthälern liegen noch viele Leichen. Rastatt wird von mehreren Seiten beschossen. |

Baden-Baden, 4. Juli. (O. P. A. Z.) Von Gernsbach ging es gegen Baden ohne großen Widerstand. Ueber Baden hin=- aus wurde gestern bei Oos stark gekämpft. Man will die Eisen=

bahnverbindung zwisch Hariarzthe und gegen. Rastatt, so weit dies mögli ist, wiéder herstellen, um das leßtere auf der Seite von der

San Wahlen nichtig sindz daß die Gemeindebeamten, während des

Eisenbahn vorzugsweise anzugreifen. Das isst die Aufgabe des heu-

tigen Tages.

Hohenzollern - Sigmaringen. Sigmaringen, 1.

Juli, (S<wäb, Merk.) Der Reichstags - Äbgeorduete Würth

V, Die Entlassung der von der revolutionairen Gewalt gewählten Gemeine Regentschaft zum debeamten betressend: y 2

i j ivilkommissär für die Fürstenthümer Hohenzollern mit ausgedehutey Vollmachten ernannt wordçu sei. Er stellt zu- gs an dieselbe das Ansinnen, das erste Aufgebot ver Volkswehr ogleih mobil zu machen und dem bedrängten Baden zu Hülfe zu schiden; im Weigerungsfalle droht er mit Dur<führung seiner An- ordnungen dur< Freischaaren. Obwohl diese Nachricht große Auf- regung und Bestürzung hervorbrachte, zeigt sih doh beim größeren

hat gestern der : Liam angezeigt, ‘daß _er von der provisorischen

, Theile wenig Geneigtheit zum Auszuge , da die Ueberzeugung vor=

Bestimmungen der Gemeinde - Orduung über die definitive Beseyung der Minister der Finanzen, Ernst Mer, für die

waltet, daß ein solcher nur geeignet wäre, uns in kurzer Zeit wie- der militairische Einquartierung zu beschecren.

Aus den benachbarten badischen Orten der Amtsbezirke Mös= kirh und Stetten kommen täglih Leute hierher, um aus den Zei= tungen zuverlässige Nachrichten vom Kriegsschauplaße in Baden zu erhalten, da bei ihnen alle Blätter, welche den wahren Sathverhalt

| mittheilen, namentli< der S<wäbis<he Merkur, zurüd>gehalten

werden.

Frankfurt. Frankfurt a. M., 2. Juli. Die O. P. A. Z. enthält Folgendes: „Ich habe mich bewogen gefunden, den Reichs=- Dauer der Abwesenheit des Reichs-Ministers der Marine, General-Lieutenant Jochmus, mit der Leitung der Geschäfte des Reichs-Ministeriums der Marine zu beauftragen. 6 Dessen zu Urkund habe ih gegenwärtiges Dekret eigenhändig vollzogen und mit meinem Inslege! versehen lassen. Frankfurt, den 30. Juni 1849, Der Reichsverweser : Erzherzog Johann. Der Präsident des Reichs-Minister-Rathes : Wittgenstein.“

Frantret. Gesepßgebende Versammlung. Sipung vom 2,

Juli, Präsident Baroche. Um 2 Uhr wird die Sibung eröffnet. Dem General Bedeau wird der verlangte Urlaub ertheilt,

um einen ihm vom Kriegs = Minister gegebenen Auftrag ausführen zu können. Ein Berichterstatter legt seinen Bericht über die Spar= fassen aufs Büreau nieder. Die Tagesordnung bestimmt die Wahl des Präsidenten der Versammlung. Die Wahl geht vor si<, Jn- zwischen bestimmt das Loos die, welche die Wahlzetiel zählen müssen. Die Urnen werden in einen benachbarten Saal gebracht, Das Re= glement tritt jeßt hon in Anwendung, der Präsident wird also auf drei Monate gewählt, Ingleichem werden nur vier V:ce=Präsiden= ten erwählt werden. Die Wahl des Präsidenten war schon vorher bekannt. Herr Dupin der Aeltere, der bisherige Präsident, erhielt 349 Stimmen. Herr Michel von Bourges 14, Lamoricière 4, Grevy 2, Ledru Rollin 1. (Man lacht.) Im Ganzen fanden sich nur 380 Deputirte ein, die au der Wahl theilnahmen. Herr Dupin wurde somit von ueuem als Präsident der Versammlung, und zwar auf drei Monate, proklamirt, Die Mitglieder: des Ber-= ges hatten fi<h am Morgen verabredet, von der Wahl fern zu blei- ben. Am Stluß der Sibuüung übergab Herr von Vatimesnil den Kommissions-Bericht über den Antrag auf Autorisation zur gericht- lihen Untersuchung gegen 7 Repräsentanten. Der Bericht bean- lragt die Genehmigung, mit einziger Ausnahme des Herrn Baune, der vor der Kommission ihn rectferiigende Aufschlüsse gegeben zu haben scheint. ;

Paris, 2, Juli. General Bedeau ist gestern na< Jtalien abgereist. Man unterhält si< viel in allen politis<hen Kreisen über diese Neuigkeit. Der General soll bevollmächtigt sein, wenn er es für nöthig erahte, das Kommando der Expedition zu übernehmen. Man finde nâmlih, daß General Oudinot zu langsam zu Werke gehe. Anderexseits hieß es au, Bedeau soll einen neuen Versöh= nungsversuch machen. Von den verschiedenen Parteien werden heute die verschiedensten Gerüchte über Rom verbreitet. Die Einen spre= hen von einem inneren Bürgerkriege, die Anderen vom höchsten Enthusiasmus. Neuere Nachrichten sind heute aus Rcm nit ein- gegangen. Die Belagerungs - Arbeiten dauerten bekanntlich auch am 24ásten no<h fort. hauptsächli<h gegen die links vom Thore San Pancrazio ge= legene Bastei Nr. 8 gerichtet, der man von innen nicht gut beikommen konnte, da ihre Kehle dur< zahlreihe Geschüße verthei- digt war. Die Basteien, gegen welche Bresche geschossen wurde, sind die beiden dem Thore San Pancrazio auf der rechten Seite zunächst liegenden Nr. 6 und 7, Von dem Wallgange der Bastei Nr. 6 wurden die französischen Erdarbeiter am D9ften durch das Feuer von drei römischen Batterieen vertrieben. Die Belagerer wurden ferner sehr belästigt dur< die Batterieen des Monte Testaccio, auf dem linken Tiber-Ufer und rehts von den Stellungen der Franzosen, und von San Alessio auf dem Aventino. Diese leb- tere Position verließen die Römer später und brachten ihre Geschüße weiter zurü> in eine vortheilhaftere Stellung, Ju den Spre<hzim= mern der geseßgebenden Versammlung erzählte man si heute au, die französische Regierung habe die Anzeige von einem neuen Bruch zwischen Oesterreich und Sardinien erhalten. /

Die Wahlen beschäftigen alle Journale. Die Mauern von Paris bieten einen eigenthümlichen Anbli> dar, go bede>t von den heterogensten Wahl = Listen, hier die der konservativen Wáhl= Union, dort die der Vereinigung aller Demokraten. Goudchaux und Proudhon reichen sich die Hand. Daneben basirt ein Kandidat sein Anrecht, gewählt zu werden, darauf, daß er die Politik seines Vet= ters theile. Ein alter Invalide, die Krüc>ke an die Mauer gelehnt, hcftet eine neue Liste von Napoleonisten an. Sein Anschlag ver= de>t einen anderen. Der Kommissar nähert sich, stiftet Frieden, und der Invalide entfernt sich mürrishz bald-mehr oder minder froh, je nach der größeren oder geringeren Aussicht auf Crfolg, bildet si< eine kleine Gruppe, welche den Ausgang der Wahlen bespricht. ves ist die Masse im Ganzen zurü>haltend. Der National und der Temps bringen die Fkombinirte demokratische Liste. Ersterer bemerkt, die Liste sei zwar nicht ganz nach seinem Geshmad>e, do< müsse man jept seine persönliche Vorliebe aufopfern. Wenn eine Partei einen vorwiegenden Einfluß auf der Liste habe, so müsse man dies der besonderen unterdrü>ten Lage derselben zu gute. halten.

Die Gazette des Tribunaux sagt: „Cine große Anzahl vou Wahlbetrügereien sind bei der Wahl des 13. März bezeichnet worden, Gewisse Wähler haben zwei- und dreimal gestimmt, ohne dazu berechtigt zu sein, und die Zahl dieser betrügerishen Boten

oll angeblih bedeutend sein, Die bei der Abfassung der Wahl= isten begangenen zahlreichen Regelwidrigkeiten fommen, man muß es gestehen, diesen strafbaren Der tgertien auffallend zu Hülfe. Jn einer einzigen Section eines der Bezirke, von denen man glauben sollte, daß die Listen mit der größten Sorgfalt zusammengestellt wor= den wären, findet man auf 736 Eintragungen nicht weniger als 197, die geseßwidrig waren, oder wo doppelt gestimmt wurde. Dies beträgt über ein Viertel, Es ist also keinesweges Uebertreibung,

Am 22sten und 23sten waren dieselben

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wenn man im Wege ver Analogie folgert, daß die Zahl dieser re- gelwidrigen Eintragungen für das ganze Seine-Departement 60,000 übersteigen muß. Rechnet man dié Unbefugten und Doppelstimmen- den nur zu drei Vierteln, so sicht man, daß si< in der Wahlurne mindestens 45,000 betrügerishe Boten befinden mochten.“ * | Von den 33 gegenwärtig ‘in gerihtliher Untersuchung befindli- chen Repräsentanten sind 7, worunter Suchet und Deville, in der ®Gewerbschule verhaftet wordenz die 26 anderen werden auf den Antrag des General-Prokurators und kraft der von der legislativen Versammlung ertheilten Ermächtigungen verfolgt. Diese Ermächti- gungen wurden bewilligt: in der Sißung vom lten egen 4 Re- Letferitantèn (Ledru Rollin, Considerant, Rattier und Boichot)z in der Sißung vom 15ten gegen 7 Repräsentanten als Unterzeichner oder Verfasser von verschiedenen in der Gewerbschule in Beschlag genommenen Aktenstü>en, so wie gegen cinen Repräsentanten , wel= cher die Gemeinde von Belleville aufzuwiegeln versucht haben soll; in der Sipung vom 18ten gegen Felix Pyat, welcher in ei- nem Schreiben an den Präfekten s< für einen der Ver- fasser des am 13, Juni “von der Democratie pacifique veröffentli<hten Manifestes erklärt hat; in der Sißung vom 21sten gegen einen Repräsentanten wegen Preßvergehens; in der Sibung vom 23sten gegen einen Repräsentanten wegen eines von ihm unterzeihneten ‘und in einem Proviuzialblatte veröffentlichten Artikels; endlich in den zwei leßten Sißungen gegen 14 Repräsen- tanten, und zwar gege: 6 wegen Theilnahme an einem Komplott, welches die Veränderung der Regierung und die Aufreizung zum Bürgerkriege bezwe>te, gegen die übrigen aber als Mitglieder des Vorstandes der unter dem Namen der „republikanischen Solidarität“ bekannten geheimen Gesellshaft. Der Aufenthalt Ledru Rollin's ist immer noch unbekannt. Man weiß jevt, daß der Chef des Berges, nachdem er die Gewerbschule verlassen hatte, vom Direktor der Ne« tional-Museen, Herrn Teauron, gastlih aufgenommen wurde, und A man wolle Herrn Teauron deshalb seines Postens ent-= eßen. i

Vorgestern ist wegen vorgeblicher Theilnahme am Attentat vom 13, Juni der Ober-Jngenieur der Brü>ken und Chausseen und Ba- taillons - Chef der 11. Legion, Lalaune, früher Direktor der Natio- nal - Werkstätten, in seiner Wohnung verhäftet worden. Gestern wurde auch der Unterhef im Marineministeriuum , von Belly, ver- haftet , uud bei der Haussuchung nahm man wichtige Papiere in Beschlag, die zum Theil von Thoré dort niedergelegt worden waren. Der frühere Präsident des Klub der Klubs, Longepied, welcher am 14, Juni, als ter Theilnahme am Attentat bes{<uldigt , verhaftet wurde , ist wieder freigelassen worden. Er beklagt si jevt in den E - Journalen über seine dur nichts gerechtfertigte Ein=- perrung.

Den Flüchtlingen, die jeßt nach Frankreih kommen, soll der Aufenthalt in Paris untersagt werden. Mehrere Flüchtlinge, die in Folge des 13, Juni verhaftet wurden, haben die Weisung erhal- ten, binnen 24 Stunden Paris zu verlassen.

Die Ankunft Guizot's zu Val Richer im Departement Calvais wird für den 10ten oder 25sten d, M. angekündigt. Herr Guizot hat seine Muße in England benußt, die Geschichte der englischen Revolution zu vollenden. Mit diesen beiden leßten Bänden werden die beiden ersten in einer neuen Ausgabe, von einer allgemeinen Einleitung begleitet, erscheinen, Die neuen Bände werden die Ge- schichte Cromwell’s und der englischen Republik enthalten. Seine Arbeit wurde ihm mit 40,000 Franken bezahlt. :

Briffault, der dem Präsidenten Bonaparte nahe steht, veröffent- licht eine Geschichte desselben zu Hamm und seiner Flucht. Dies Werk soll na< Urkunden gearbeitet worden sein.

Eiue Kommission ist von Herrn von Falloux, Minister des bf- fentlihen Unterrichts, ‘beauftragt, ein Reglement zur Errichtung enu Fensiens- und Hülfskasse zu Gunsten der Volksschullehrer zu entwerfen.

Die Liberté will wissen, daß die Reise der Herzogin von Or- leans na< England mit Unterhandlungen jesammenünge, die zwi- schen den beiden Linien der Bourbonen stattfänden.

Die Presse meldet: „Renauldon, Präfekt des Niederrheins, hat seine Entlassung gegeben, weil er den Belagerungszustand sei- ner Provinz nicht verlangen und keine Verhaftungen vornehmen wollte, die ihm unnüß schienen.“

Ein Blatt behauptet, daß die Spielhäuser im Palais Natio- nal wieder würden hergestellt werden.

Der kommandirende General“ in dem in Belagerungszustand verseßten Loire - Departement, von Grammont, hat einen Tagesbe- fehl erlassen, worin er die ihm aus amtlichen Berichten kundgewor= dene Fahrlässigkeit und Böswilligkeit einiger Staatsbeamten streng rügt und ihnen Begünstigung der amärchishen Banden aus Furcht oder Berechnung vorwixft. Am Schlusse erklärt er, daß die oberen Militair - und Civilbehörden sofort alle Beamte der Regierung, welche zur Vollziehung der Geseße nicht loyale Mitwirkung leisten, behufs der Suspension vom Amte bezeichnen würden.

Der Moniteur meldet heute eine Anzahl Ernennungen und Verseßungen von Präfekten, Die Divisions - Generale Magnan und d’Arbouville sind zu Großoffizieren, so wie ein Brigade- General und zwei Obersten zu Commandeuren der Ehrenlegion er= nannt worden.

Der Kriegsminister hat einen Geseh - Entwurf vorgelegt, wel= her 25 früheren Offizieren der republifanishen Garde verschiedene Grade oder Anstellungen in der Armee als Nationalbelohnung zu be- as bezwe>t, weil sie in den Junitagen von 1848 für die Sache der Ordnung gekämpft haben.

Die mit Prüfung des Geseh = Entwurfs für Organisirung des AfenttiGen Beistandes beauftragte Kommission hat si<h gegen die

nnahme des Entwurfs erklärt , weil sie besorgt, daß diese Maß- regel die Quellen der Privatwohlthätigkeit versiegen machen und somit mehr schaden als nußen wérde,

Straßbur g, 1. Zuli, (O. P. A. Z.) Die Dampfschiffe der kölnischen Gesellschaft haben vom 29, Juni an ihre regelmäßi= gen Fahrten zwischen hier, Mannheim und Mainz, und zwar in direktem Anschluß an den ersten Morgenzug in Basel, wieder egonnen.

Großbritanien und Jrlaud. London, 2. Juli. Vor- estern machte die Königin der Belgier und die Herzogin von Or- eans in Begleitung des_ Grafen von Paris und des Herzogs von Chartres- einen Besuch bei Jhrer Majestät der Königin Victoria im Bud>ingham - Palast und bei der Herzogin von Kent in Clarence= House. Heute Nachmittag reiste die Königin von England mit ih- rem Gemahl und ihren Kindern wieder nah der Jnfel Wight ab, von wo Jhre Majestät erst zu Anfang nächsten Monats, zu per- E Prorogirung des Parlaments, in London zurü>erwar=

rd,

Das Unterhaus hat vorgestern, in einer außerordentlichen Sonnabend - Sigung, die irlándishe Armensteuer-Bill mit 72 gegen 40 Stimmen durch den Ausschuß passiren lassen.

di Lord “wh Manners tritt in der City als Mitbewerber um Rott ees zu beseßende Parlamentsstelle und Gegner des Baron othschild auf. Heute hat die Wahl begonnen und is dur< Auf-

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ben der Hände für Leßteren ausgefallen. Die Gegenpartei ver- angte abcr no< schriftliche Abstimmung , zu welher nun morgen seshritn werden fanische Dampfs

as nordamerikanis<he Dampfschiff „Europa“, welches gestern, von New-York, Boston und Halifax kommend, in vel M ats

.

war auf seiner Fahrt na< Eugland während eines dichten Nebels mit der na< Amerika segelnden Barke „Charles Bartlett‘/ zusam- mengestoßen, wobei dieses Schiff le> wurde und sank, leider mit Ver= lust von 135 Menschenleben, denn nur 41 von seinen 176 Passa- gieren, hauptsächlih Auswanderern, gelang es, si zu retten. Weder den Capitain des einen, no< den des anderen Schiffs trifft, na< der Versicherung der englischen Zeitungen, irgend ein Vorwurfz die fur<tbare Katastrophe war unvermeidli<. Die „Europa“ hat we- nig Schaden gelitten, und von ihren Passagieren hat keinen ein Unfall betroffen.

__ Nach Berichten aus Malta vom 5. Juni hatten versprengte italienische und sizilianishe Revolutionairs daselbs aufwieglerische und irreligióse Schriften und Mauéranschläge zu verbreiten gesucht ; der Gouverneur Herr More O'Ferrall, ließ sie aber sogleih dur< die Polizei wegnehmen und zerstören, Die Flüchtlinge selbst \chei= bab vorderhand keine Behelligung in ihrem Aufenthalt erfahren zu aben.

_ Vei Gelegenheit seines Antrags auf Niederseßung einer Kom- mission zur Prüfung der Verwaltung der Kolonieen gab Sir W. Molesworth neulich die direkten Ausgaben, die England in den lez= ten 15 Jahren für seine Kolonieen gemacht hat, auf 4 Millionen Pfd. St. jährli< an, ungerechnet die 20 Millionen, welche die Pflanzer von Jamaika als Entschädigung für die! Sklaven - Eman-= cipation erhielten. Die Hauptkosten verursacht das Militair - De= partement. Jm vorigen Jahre befanden si< als Besaßung in sämmtlichen Kolonieen 45,000 Mann. Jn den Militair - Ma-= azinen für die verschiedenen Stationen befanden si< für 25 Mil= tionen Pfd. Sterl. Vorräthe. Für Befestigungs - Arbeiten wur= den von 1829 47 ausgegeben 34 Millionen Pfd. Sterl. , wo= von allein auf die nordamerikanischen Besißungen 1,300,000 Pfd. St. kommen. Dem Verhältniß nah die kostbarste Bürde aber sind die Jonischen Juseln, die im Durchschnitt jährli< 130,000 oder 45 Millionen Pf. St. seit dem Frieden kosten, während die Ausfuhren Englands nah den Jnseln nie die Summe von 122,000 Pfd. St. erreichen. Die Befestigung von Korfu allcin kostet 400,000 Pfd. St. Während nah Sir W. Moleswo1th?s Berechnung die Ausgabe für die Kolonieen seit 15 Jahren si< auf mindestens 60 Millionen Pfd. St. belaufen , beträgt die Ausfuhr englischer Produkte nach allen Kolonieen, mit Einschluß von Gibraltar, nicht über 95 Millionen jährli<h oder 15 Millionen Pf. St. weniger, als der Ausfußrhandel Englands nach den Vereinigten Staaten im Jahre 1847.

Der neue Westminsterpalast wird, wenn er vollendet is, mehr als 2 Millionen Pf. St. kosten. Das Oberhaus hält bekanntlich seine Sißungen schon in dem Saale, der für seine Berathungen bestimmt i}; aber das Unterhaus muß si< no< mit dem unbeque- men Lokal behelfen, in welchem es seit dem Brande des alten Par= lamentsgebäudes si<h versammelt, Es wird erst nächstes Jahr den neuen Saal beziehen können,

Nufßland und Polen.

heimenrathe befördert worden. Warschau, 30. Juni.

Schabelski sind aus Kiew hier eingetroffcn. zikof und der Rittmeister Graf Orlof, sind na< Krakau abgereist.

VBe'gien. Brüssel, 3. Juli. Der König hat vorgestern dem neuen sardinischen Gesandten, Grafen von Rigern, scine An- tritts - Audienz ertheilt und dessen Beglaubigungsschreiben cntgegen= genommen.

Herr Drouyn de Lhuys, der vor Tocqueville in Paris Mini= ster der auswärtigen Angelegenheiten war, ist am Sonnabend auf einer Reise nah Deutschland dur< Brüssel gekommen.

Italien. Genua, 24, Juni. (Lloyd.) Gestern sind Vor= sichtshalber einige Straßen von den Königlichen Truppen verharri= fadirt worden, worauf man mehrere Hausdur<suchungen vornahm und Arretirungen traf. Man ‘sagt, es sei ein Anschlag auf das Militair entde>t worden, dessen einzelne Offiziere in den Straßen, und in den Kaffee - und Wirthshäusern Üübexfallen werden sollten. Gewiß ist es, daß man auf den Sonntag eine Demonstration vorhat.

Rom, 23, Juni. (Llo9yd.) Hier herrscht die größte Muth- losigkeit. Die National-Garde und die Karabiniere haben der Re= gierung erklärt, daß sie sich auf die Aufre<thaltung der Ordnung im Jnnern beschränken werden. Auch die Linientruppen weigern sih zu kämpfen, Der vorgestrige Angriff geschah gleichzeitig an den Stadtthoren S. Pancrazio, Portefe und del Popolo mit nur geringer Truppenanzahl, und do gelang es achthundert Franzosen, sich - innerhalb der Stadtwälle am Kasino BVarberini festzuseßen. Heute früh versuchten Garibaldi und Manara vergebens, sie daraus zu vertreiben.

der Franzosen dur<h die Bresche niht muthiger entgegenstellte.

Uebrigens behauptet er in der zweiten Vertheidigungslinie noh fest C G 3 hen sih jebt, das Triumvirat aufzuheben und dafür si< selbst und Garibaldi an die

zu sein. Sterbini und seine Freunde bemü

Spihe der Regierung zu stellen.

Turin, 28. Juni. meldet den Tod Charles Albert's als {hen Konsul zu Bayonne unterm 21. Juni eingegangen.

scheint {hon mit s{<warzem Rande.

Civitavecchia, 25. Juni. (Llo yd.) Bei der großen Aus- dehnung Roms is es den Franzosen niht möglih, die Verbindun- gen der Stadt mit dem flachen Lande abzuschneiden, was die von dort stündlich ankommenden Nachrichten beweisen. Oudinot?s Vor= efestigte sih auf der Anhöhe der Villa Barberini und _sebte < ‘bereits dur< gede>te Wege mit dem außerhalb der Porta è rmee in Verbindung. Da die Villa Barberini aber mit dem Berge Testaccio in Bde Höhe liegt, so

d git von starkem

m en wurden ungefäl 140 Bomben in das Stadtquartier Pigna geshleudert. Einige Mie glieder der National-Versammlung hatten an jenem Tage den Abschluß | einer Capitulation in Antrag gebra<t, wurden aber von Sterbini und des= sen Anhange überstimmt. Dieser-.durzieht die Straßen Roms und fordert

hut ancrazio lagernden Gros der

werden Anstalten getroffen, die Römer dur Kaliber auch von dort zu vertreiben.

, das Volk zur äußersten Wehr auf. Gestern waren die Franzosen mit der Aufstellung einer 36pfündigen Batterie beim Kasino Barberini beschäf- tigt. Manara und Garibaldi wiederholen, troß der LrE s rasen ihrer Anstrengunigen, tägli< ihre Angriffe gegen / die französischen Vorwerke... Da jedo die zunächst kämpfenden Truppen -fast aus=- \hließli< aus Scharfshüben bestehen, so ist auch der beiderseitige Verlust erheblich, - wie es zum Theil aus der sih tägli mehrenden Zahl der Verwundeten in den Spitälern hervorgeht. Daß übrigens die Bülletins Oudinot's eben so wenig wahrheitsgetreu sind, als jene Garibaldi?'s, gebt aus dem Umstande hervor, daß er stets an- giebt, ohne allen Verlust eine Stellung nah der anderen einzuneh- men, währeud do täglich 60 bis 80 Verwundete hier ankommen. Die aus dem Lager heute hier angelangten Offiziere beobachten über die leßten Operationen ein tiefes Shweigen, woraus geschlossen wird, daß die Franzosen entweder cinen Streich unvermuthet ausführen wollen, oder daß sie auf unerwartete Schwierigkeiten stießen. Um jedoch die Gemüther zu beruhigen, malt der hiesige Stadt - Kom= mandant, Oberst de Naudin, heute bekannt, daß die Höhen-Batte= rieen festgestellt und garnirt werden, und daß der Gesundheitszustand des Heeres befriedigend sei. Die römischen Blätter geben si alle mögliche Mühe, die Franzosen als Vandalen zu bezeichnen, weshalb sie auch ‘nit unterlassen, die Wirkung jeder auf öffentlihe Gebäude oder Monumente gefallenen Kugel zu schildern. So erzählen ste, daß am 19ten Mittags eine Kanouenkugel das Dach der Loggia Rospiliosi durchbrochen hat und nur wenige Schritte vor den zwet berühmten Kolossen des Phidias und des Praxiteles gefallen iz

St. Petersburg, 29. Juni. Mittelst Kaiserlichen Tagesbefehles im Civil-Ressort vom 13. Juni ist der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister bei der ottomanishen Pforte, Wirkliche Staatsrath Titoff, zum Ge=

(Schles. Ztg.) Der außerordent- liche Gesandte am preußischen Hofe, Geheimerrath Baron Meyen- dorf , ist - aus Berlin und die General-Lieutenants von Witt und Der General-Lieutenant Lanskoj und die Kaiserlichen Flügel-Adjutanten, Oberst Fürst Men-

Man spricht seitdem von dem wahrscheinlichen Ab= | \<lusse einer Capitulation. Garibaldi brandmarkt in seinem gestri- gen Vülletin das Bataillon Unione, welches \si{< dem Eindringen

Die heutige Gazetta Piemontese t d | ast gewiß. Traurige Nach= richten über den Gesundheitszustand des Königs sind vom sardini- Die Schauspielhäuser bleiben heute ges{hlossen. Der Saggiatore er-

eben so habe eine 36pfündige Kugel den Tempel der . Fortuna virilis getroffen und sein {önes Gesimse, so wie die Vorsprünge des Pie= destals zerschmettert.

Moldau und Walachei. Bucharest, 20. Juni. (Wien. Ztg.) Der General-Lieutenant vou Dannenberg, Chef des General= stabs des fünften Corps, hat während der Abwesenheit des Gene=- rals von Lüders den Oberbefehl über das Reserve- und Occupations= Corps übernommen, wel{hes in die Donaufürstenthümer eingerüd>t ist.

Ionische Inseln. Korfu, 26. Juni. (Lloyd.) Gestern traf hier nah einer fünftägigen Reise auf der englishen Kriegs= Brigg „Frolie“’ das Personal der gewesenen provisorischen Regie= rung von Ancona ein, bestehend aus dem Ex - Präsidenten Mattioli, dem Kommissär Chierici, dem Pr. Bondoli, Obersten Zambeccaria und Lieutenant Cebo. Dieselben sagen aus, daß sie, obwohl in die Amnestie miteinbegriffen, ‘dennoch aus Besorgniß nachträglicher Pro= zesse den Einmarsch der österreichischen Truppen aiht abwarten wollten und es daher vorgezogen hätten, nah den Jonischen Inseln zu flüchten.

Türkei. Konstantinopel, 21. Juni. (Lloyd.) Verflos- senen Dienstag. sind die zwei Kommissarien Kiamil Bey und Nuri= dim Efendi na< den Donaufürstenthümern abgegangen, um die neuen Hospodare der Moldau und der Wallachei, Fürst Ghika und Stirbey, Hierher zu geleiten.

Das leyte Truppenaufgebot wird nun ebenfalls einberufen. Im Arsenal sind wieder drei Kriegsschiffe, nämlich ein Linienschiff, eine Fregatte und eine Korvette, zusammen mit 170 Kanonen, um- gearbeitet und vom Stapel gelassen worden und sogleich zur großen Slotte na<h dem Bosporus abgegangen.

Am Uten entstand in dem Laboratorium der zwei Stunden von Konstantinopel liegenden Pulverfabrik Azaldi ein Feuer, welches eine furhtbare Zerstörung anrihtete. Jn der Fabrik lagen 15,000 Okfka Pulver, das si< entzündete, so daß die Magazine und die nahestehenden Gebäude in die Luft flogen. Stundenweit wurden die Trümmer der Anstalt geschleudert, die jeßt nur no< ein elen- der Steinhaufen ist; 16 Menschen verloren bei dieser Explosion das Leben. Der Verlust der Fabrik mit ihrem Jnhalte wird auf 15 Millionen Piaster geschätzt.

Das hiesige Gouvernement hat unter der Direction der Herren E. Baltazzi und J. Alléon eine Diskontobank mit einem Grund=

[ kapital von 25 Millionen Piaster errichtet, woselbst die Handelswelt

bis zum Belaufe dieser Summe Wechsel mit drei pCt. Verlust dis= kontiren oder gegen baar und drei pCt. Wechsel auf europäische Handelspläte erhalten kann.

Smyrna, 23. Juni. (Lloyd.) Die zum Aufsuchen der Piraten ausgesandten englischen und franzbsischen Dampfböte sind über hier nah Konstantinopel zurü>gekehrt, ohne den Räubern Schaden zugefügt zu haben. Jm Gegentheil haben diese bei Skala nuova wieder ein unter griechisher Flagge fahrendes Schiff ausgeplündert.

Die Pforte is damit beschäftigt, - Vice - Konsulate und Agen- tien in allen mit der Türkei in Verbindung stehenden russischen Seehäfen zu errichten, wo solhe no<h nit bestehen, und dieselben dem General - Konsul zu Odessa unterzuordnen.

Aegypten. Alexandrien, 20. Juni. (Lloy d.) Mceh=- med Ali wurde in den lebten drei Wochen von einer so heftigen Dysenterie befallen, daß man sein Hinscheiden stündlih erwartet. Abbas Pascha hat seinen Leibarzt Dr. Morandi und den französi= {hen Arzt Chedufau zum ehemaligen Vice-König gesendet.

Um in der bisherigen Kontumazzeit eine mögliche Abkürzung vornehmen zu können, hat das oberste Sanitäts - Conseil von Kon= stantinopel eine Kommission hierher gesendet, wel<he den Gesund=- heitszustand Aegyptens zu prüfen und sonach Bericht darüber zu erstatten hat.

Vereinigte Staaten von Nord-Amerika. Ne1w=- York, 419, Juni. Der Ex-Práäsident der Vereinigten Staaten, Ln Ag ist an einer Dyssenterie zu Nashville im Staate Tennessee.

estorben.

9 Zwischen den beiden Staatêsmännern Clay und Turner hat ein

Duell stattgefunden, in welchem Leßterer getödtet wurde.

S Die Uebershwemmung in New - Orleans is no< immer im teigen.

Berichtigung. Jm gestrigen Blatte des Preuß. Staats=- Anzeigers (Beilage) S. 1176, Sp. 2, Z. 12, 0 und 43 ist statt: „Robert Cowley“, zu lesen: Robert Lawley.

Meteorologische Beobachtungen.

1849. Morgens | Nachmittags Abends | Nach einmaliger 4, Juli. 6 Ubr. 2 Ubr. 10 Ubr. | Beobachtung.

Luftdruck ….... 333,04’’’Par. 333,94‘’’Par.333,99’"Par. Quellwäcme 7,8" R. Luftwärme... | -+ 11,6° R. -- 14,1° R. -+ 11,2° R.|Flusswärme 13,5 R. Thaupunkt .….. + l 42 R. + 10,0° R. + 9,4° R. Bodenwärme Dunstsätt1gung . 96 pCt. 72 pCt. 86 pCt. [Ausdünstung “Bb Wetter . .-,. träb. regnig. regnig. ¡Niederschlag 0,309 : MIRA S) oeeun s SW. SW. SW. L 0 P Wolkeuzug --.- —_ j SW. E + 9,

We Tagesmittel: 333,66'’’Par.…. -+12,3° R... + 10,2° R... 85 pCt. S