1881 / 120 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

und Norddeutshland süwestlibe geltend maten. Die Luftwärme war eine nur mäßig bobe und blieb mehrere Grade Celsius unter der normalen. Niederschläge fanden selten und wenig ergiebig statt. Der son beim Aer bobe Luftdru> stieg, nad mäßiger Ab- nabme in den erften en, allgemein am 10. und erreihte an den meiften Stationen eine seltene Höhe; er nahm jedo< am 12. wieder ab und blieb bis zum S{luß der Woche langsam sinkend.

Die sanitären Verhältnisse gestalteten \si< in den meisten größeren europäischen, namentli<h in den deutschen Städten, in der Berichtswoche günstiger, nur in den Io des“ süddeutshen Hoch- landes und in Braunschweig nahm die Sterblichkeit erheblicher zu. Die allgemeine Sterblichkeitsverhältnißzahl für die deutshen Städte ank auf 295,3 von 27,0 der Vorwoche (auf 1000 Bewohner und aufs Jahr berechnet). Insbesondere wurde die Theilnahme des Säuglings- alters an der Sterblichkeit geringer, so daß von 10 000 Lebenden aufs Jahr berechnet, 76 Kinder unter 1 Jahr starben, gegen 83 der vor- hergegangenen Woche (in Berlin 72).

Unter den Todesursacen wurden von den Infektionskrankheiten Scharlachfieber, Po>ken und Fle>typhen (leßtere besonders in deutschen Städten) häufiger, diphtherishe Affektionen seltener. Die Matern- epidemie in Bremen ift no< im Steigen, in Fürth, Meerane, London hat die Epidemie etwas nachgelassen. Das Scharlachfieber wurde in Breslau, Cöln, Wesel, München, Berlin, Wien, häufig Todesveran- lassung. Diphtherie verlief in Königsberg, Stuttgart, München, Berlin, Hamburg, Budapest, Paris etwas milder, in Danzig, Breslau, Dresden, Düsseldorf, Barmen, Wien stieg die Zahl der Opfer. Todesfälle an typhösen Fiebern waren in St. Petersburg, Budapest, Turin bäufiger, in Posen und Paris seltener. Fle>typhus trat in vielen oft- preußischen, der russischen Grenze nahen Orten auf, namentli in Königs- berg, Danzig, Stettin. Auch aus Thorn, Stolp, Erfurt, Berlin, Potsdam, Pofen, ferner aus Krakau, Warschau, London, Valencia, Murovia, werden einzelne, aus St. Petersburg 56 Lodesfälle am Sle>typhus gemeldet. Darmfkatarrhe der Kinder bedingten in München, Königs- berg, Breslau, Paris und St. Petersburg zahlreihe Sterbefälle. Die Po>en wurden namentli<h in deutshen Städten häufiger Todesveranlassung. Von 16 gemeldeten Todesfällen entfielen auf Königsberg 5, auf Aachen und Berlin je 3, auf Cffen 2, auf Beuthen i./O.,, München, Charlottenburg je 1. In Wien, Budapest und Paris zeigen Pocken wohl Naclässe, do ist die Zahl der dur sie in den genannten Städten hervorgerufenen Todes- fälle no< immer eine bedeutende. In London greift die Epidemie no< weiter um si< und lagen weit über 1000 Erkrankte in den dor- tigen Pokenspitälern. In beschränkterer Zahl kamen Pocken in Preß- burg, Prag, Krakau, Brüssel, Liverpool, St. Petersburg, Warschau, Rom, Bukarest, Malaga, Saragossa, Alerandrien zur Meldung. Aus Krakau wird aus der 1. Maiwoche au< 1 Todesfall an Cholera nostras gemeldet.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Als XLI1X. Band der Internationalen wissens<haft- lihen Bibliothek ist „Das Polarlicht“, vonHermann Frit, Professor am eidgenössishen Polyte<hnikum in Zürich (Leipzig,

. A. Brockhaus, 1881) erschienen. Der Verfasser aerzihtet auf eine ausführliche Beschreibung des interessanten Phänomens, stellt aber das Wichtigste aus der reichen, viele Jahrhunderte zurü>gehenden Literatur über das Polarliht zusammen, um den Leser mit den bereits ermit- telten Geseben bekannt zu maden, gleichzeitig aber au die Lücken zu zeigen, die in dieser Kenntniß noch vorhanden sind, und zur Ausfüllung derselben dur fortgesette Beobachtung anzuregen. In der Einleitung stellt der Verfasser die über das Polarliht bekannten Geseße wie folgt zusammen: 1) dessen häufigste Erscheinung in hohen Breiten, 2) über seine Richtung gegen den Pol bezw. Aequator, 3) über die Höher 4) Periodizität und Zusammenhang 5) mit den Sonnenfle>en sowie 6) mit dem Erdmagnetismus, Y die bei großen Polarlichtern auftretenden, den Telegraphenverkehr \törenden elektrisWen Ströme, 8) die eigenthümliche Lichtintensität und 9) deren einzelne Erscheinun-

en, 10) die Eintheilung der Polarlihter na< Entwilung und röße in 4 Klassen, 11) die Dauer der Erscheinungen. In den fol- genden Kapiteln werden dann diese Geseße und Erscheinungen näher erörtert bezw. beschrieben, um zuleßt zur Untersuchung über die Natur des IEINEE zu führen, eine Untersuchung, die no< ni<t aus dem Ge- iet der Hypothesen herausgekommen ist, Auf vier dem Werke beige- fügten Tafeln sind die Beobachtungen über die Zeit 2c. der Nord- lihte graphis< dargestellt ; eine Karte weist ihre geographische Ver- breitung na. usführlihe Namen- und Sachregister dienen zur Drientirung in dem reihen Material, wel<hes das Buch bietet.

Die im Verlage von J. Engelhorn in Stuttgart erscheinende „Gewerbehalle“, Drgan für den Fortschritt in allen Zweigen der Kunstindustrie, unter Mitwirkung bewährter Fahmänner redigirt von L. Eisenlohr und C. Weigle, hat au in den 5 bis jeßt er- cienenen Lieferungen des neuen Jahrganges 1881, des XIX. ihres Be- tehens, den deutschen Gewerbtreibenden eine Serie der gediegensten

uster-Vorlegeblätter geliefert. Die leßte, 5. Lieferung, bietet in vortrefflihem Holzschnitt die einfah-ges<ma>vollen Entwürfe zu dem hiesigen Goethe-Denkmal-Gitter sowie zu einem Balkon, beide ent- worfen von den Architekten Kayser und von Großheim und ausgeführt dur die Kunstshmiedeanstalt von Ed. Puls hierselbst; ferner einen prächtigen Renaifsance-Tisch in italienishem Nußbaum für ein Herren- zimmer sowie eine Ti <platte mit eingelegter Arbeit, entworfen von Ihne und Stegmüller in Berlin, ausgeführt von E. Langer in Schweidniß. ae diesen Erzeugnissen heimischen Gewerbefleißes führt die Lieferung au noch solche französischer und englischer Herkunft vor, nämli einen Kandelaber in Bronze und eine Buchde>e in Leder- Mosaik, Ferner finden wir eine Reihe von Aufnahmen älterer Meisterstü>ke des Kunstgewerbes, wie eine prachtvolle reiche De>e aus dem Palazzo Ducale in Mantua (16. Zahrh.), gezeihnet und mitge- theilt vom Prof, Ewerbe> in Aachen und fkulpirte Fries8ornamente vom Hotel de Ville in Orléans (16. Jahrh.). Der Preis der Lie- ferung beträgt na< wie vor 1,50 M

Gewerbe und Handel.

In der Generalversammlung der Spinnerei Vorwärts in P ACTTLETY vom 18. d. M. wurde die Vertheilung einer Dividende von 6% oder 36 Æ per Aktie bes{lossen. Dem Reservefonds sind 593537 M überwiesen; derselbe erreihte damit eine Höbe von 425 526 & Im Jahre 1880 wurden ca. 17000 Ctr. Rohflachs weniger angekauft als 1879, Die Verkaufsumme für robe und ge- bleidte Garne betrug 2211613 Æ, und für Bleilöhne sind 213028 M vereinnahmt worden, Der Gesammtumsaß der Spin- nereien und Bleiche ergab 2 218 997 M

Na der Bilanz der Re<ten Oderufer-Eisenbahn pro 1880 beträgt der Bruttoübers{huß 5 247 930 { Hiervon gehen ab: Rü>lage in den Erneuerungsfonds und in den Reservefonds

406 054 M, so daß sih der Nettoübers<uß auf 4841 875 M beziffert. .

Derselbe wird wie folgt verwendet: zur Verzin ung der Prioritäts- Obligationen 676 129 M, zur Tilgung der Staatsbausubvention (Rest) 154 313 Æ, zur Zablung nit fixirter Tantièmen 48 812 Æ, zur ahlun der Staats-Eisenbahnsteuer 392271 #, zur Zahlung von 11/19 Proz, Dividende der Stamm- und Prioritäts-Stammaktien 3 562 500 M, so daß als Vortrag pro 1 7849 M verbleiben Die Pr nahmen im ee 1880 52,54 Proz. in An- spruch, gegen 51,99 Proz. in 1879, 53,32 pCt. in 1878, der Reserve- und Erneuerungsfonds beträgt ult. 1880 6329591 M, davon 5 308 800 Æ na<h dem Nennwerth oder 5 323850 A na dem Course in Effekten. j tettin, 23, Mai. (W. T. B.) Bei der heutigen Ziehung

der Stettiner Pferde- und Gaul pagen - Lo2t0res wurden folgende Hauptgewinne gezogen: Nr. 20673 ein Landauer mit 2 Pfer- den, Nr. 10083 ein Jagdwagen mit 2 Pferden, Nr. 36529 ein agd wagen mit 2 Pferden, Nr. 9168 ein gen mit einem Pferde, Nr. 44274 ein Pa>wagen mit 2 Pony, Nr. 16271 ein Phaëton mit einem Pferd und Nr. 12944 ein Halbwagen mit einem Pferd.

Benin aion 23. Mai. (W. T. B.) Das für den Umtausch von 5proz. onds „in 34 proz. festgeseßte Limitum von 250 Millionen ift heute erreiht worden.|

f Verkehrs-Anstalten.

Triest, 23. Mai. (W. T. B.) ® Der Lloyddampfer „Apollo ift mit der oftindishen Ueberlandpyost aus Alexandrien gestern Nachmittag hier eingetroffen.

Plymoutk, 23. Mai. (W.T. B.) Der Hamburger Poft»

dampfer ¿elung Tbeer eingetroffen. f . Mai.

New-York, (W. T. “1 Der Dampfer „England“ von der National-Dampf <iffs-Compagnile (E. Messingsche Linie) ist hier eingetroffen. °

Berlin, 24. Mai 1881.

Ribbed> +.

Am 21. dieses Monats verstarb zu Montreux am Genfer See der Direktor im Ministerium des Jnnern, Wirkliche Ge- A See E S Ribbe>, im Alter von nahezu

ahren.

Bernhard Julius Friedri< Hartwig Ribbe>, ein Sohn des im Jahre 1860 verstorbenen Wirklichen Ober-Konsistorial- Rathes Ribbe>, wurde am 13. Juli 1819 zu Stendal geboren, studirte während der Jahre 1836 bis 1839 auf den Univer- sitäten Breslau und Berlin die Rechts- und Staatswissen- schaften und trat am 27. September 1839 als Auskultator bei dem vormaligen Ober-Landesgerichte zu Breslau in den Staatsdienst. Im Jahre 1841 legte er die zweite und im Februar 1844 die dritte juristishe Prüfung ab. Zum Kammergerichts-Affessor er- nannt, wurde er zunächst bis zum Jahre 1845 bei der Generalkommission zu Berlin, sodann bis 1849 bei der Generalkommission zu Stendal und von leßterem Zeit- punkte ab bei der Regierung zu Liegniß beschästigt.

m April 1851 trat er definitiv in die allgemeine

erwaltung über, wurde zum Regierungs-Assessor ernannt und als solcher beim Regierungs-Kollegium in Breslau be- schäftigt. Am 2. August 1852 erfolgte feine Ernennung zum Regierungs-Rath und im Zuli 1855 seine Einberufung als Hüljsarbeiter in das Ministerium des Jnnern, welchem er seitdem ununterbrochen angehört hat. Am 27. April 1858 wurde er zum Geheimen Regierungs- und vortragenden Rath, am 1. Januar 1862 zum Geheimen Ober-Regierungs-Rath, am 12. Januar 1876 zum Wirklichen Geheimen Ober-Regie- rungs-Rath und endlid am 15. März 1880 zum Ministerial- Direktor befördert, na<hdem ihm die Leitung einer Abtheilun des Ministeriums bereits seit dem Jahre 1873 kommissaris übertragen gewesen war. An Allerhöhsten Gnadenbeweisen Sr. Majestät des Kaisers und Königs besaß er den Rothen Adler- Orden zweiter Klasse mit Eichenlaub und den Königlichen Kronen-Orden dritter Klasse am Erinnerungsbande, an Aus- zeihnungen fremder Fürsten das Großkomthurkreuz des König- lih bayerischen Verdienst-Ordens vom heiligen Michael und das Commandeurkreuz erster Klasse des Großherzoglich hessi- schen Verdienst-Ordens Philipps des Großmüthigen.

_ Ribbe> war ein Mann von großer Begabung, ausge- zeichnet niht minder durh Fülle des Wissens und durchdrin- genden Verstand, wie dur<h hervorragende Geschäftsgewandt- heit und Arbeitskraft, verbunden mit unermüdlicher Pflicht- treue und seltener Gewissenhafstigkeit. Ausgestattet mit solchen Eigenschaften dot er in seiner, dur< unerschütterlihe Treue gegen seinen König und Herrn getragenen amtlihen Wirksam- keit sih große“ Verdienste erworben, und sein Andenken wird bei allen, die ihm ‘im amtlichen Leben nahe getreten sind, dauernd fortleben. Aber auch über den Kreis seines Amtes hinaus ist er ohne Unterlaß mit lebendigem Jnteresse und reihem Erfolge thätig gewesen, wo es galt, edle Bestrebungen zu fördern und gemeinnüßigen Zwe>en dienstbar zu sein. Jn ihm ist ein edler Mensch heimgegangen, der seinem himm- diee h ie seinem irdischen Herrn mit gleiher Treue ge- ien Ó

Im großen Saale des Evangelischen Vereinshauses (Oranienstr. 106) wurden gestern Vormittag gegen 104 Uhr die vereinigten Ber- liner Kreissynoden von dem Vorsitzenden, General-Superinten- denten D. Brü>kner mit Gebet eröffnet. Der Nämensaufru ergab die Anwesenheit von 156 \timmbere{tigten Mitglieder; die Synode war also bes{lußfähig. Als Vertreter des Kirchenregiments fungirte der Konsistorial-Präsident Hegel. Der Vorsitzende berief die Prediger Gaertner und >chönberner zu Protokollführern. Es wurde alsdann zur Wahl von vier Vorftandsmitgliedern geschritten. Für den ersten eistlihen Beisißenden wurden 166 Stimmen E: Es erhielten Prediger Licenktiat D. Hoßba< 94 und Superintendent Pank 2 Stimmen, demna<h war also wiederum Hr. Hoßba zum ersten geistlichen Beisigenden gewählt. Als weltliche e ntende wur- den arti: ustiz-Rath Krebs mit 100, Gymnasial-Direktor Dr. Kempf mit 98 und Bureau-Vorsteher Schalhorn mit 94 Stimmen. Von den Gegenkandidaten: Geb. Ober-Regierungs-Rath Dr, Bartsch, Redacteur Dr. Heffter und Hosprediger Stö>er erhielten der erstere 70, die beiden anderen je 65, bezw. 63 Stimmen. Zum stellvertretenden geistlichen Baisiper wurde Prediger Or. Lisco mit

Stimmen gewählt. Der Gegenkandidat Prediger Vorberg erhielt 69 Stimmen. Zu weltlichen beisißenden Stellvertretern wurden Ober- lehrer Dr. Pappenheim, Kammergerihts-Rath Schröder und Kam- mergerihts-Rath Keyßner gewählt. Der Kammergerihts-Rath Sröder berichtete hierauf über das Regulativ für die Pran Kreissynoden und befürwortete im Namen der Kommission sämmtliche Abänderungsvorschläge des Konsistoriums be üglih des Regulativs. S. 8 desselben wurde, na< längerer Diskussion über diesen Para- raphen und $. 6, in namentlicher Abstimmung mit 108 gegen 56

timmen angenommen. $. 8 lautet:

„Bei den Verhandlungen der vereinigten Kreissynode bat der Kommifsar des Konsistoriums das Recht, jederzeit das Wort zu er- greifen und Anträge zu stellen und if überdem berechtigt, die

<ließung der Synode herbeizuführen, indem er den Präses zur Vor- nahme des Sltehungoartes veranlaßt. Das Recht der jederzeitigen Wortergreifung un Antragstellung steht aub dem Geralsuperintendent für die Stadt Berlin und dem Präses der Provinzialsynode zu.“

Demnächst fand gus S. 6 (die Wabl des Vorsitzenden dur die Synode) Annahme. Auch die übrigen Abänderungsvorschläge des Kon- sistoriuums zum Regulativ, zur Geschäftsordnung und zum Beschlusse L, die theilweise Aufhebung der Stol ebühren, Einführung einer Kirchen- teuer 2c. betreffend, fanden die Zustimmung der Synode. Bei der

bstimmung über Beschlu 11., Abends 84 Ubr, ergab \i< die Nicht- beshlußfähigkeit der Synode, weshalb die weiteren erhandlungen auf Freitag, den 27. Mai, vertagt wurden.

Dur die am 28. Mai und 4. Juni d. I., Abends 7 Ubr 15

Minuten, vom Potsdamer Bahnhof via Nordhausen-Bebra abgehen- den Sxtrazüge na rankfurt a. M. wird dem Publikum zum ersten Male zu einer rsion D dem Rhein, den Reichslanden und der Schweiz während der für diese Gegenden \{önsten Jahres- zeit mit der ergebliGen Preisermäßigung von circa 50% Gelegenheit ex. Die Gültigkeitsdauer der Retourbillets für Frankfurt und traßburg beträgt 14 Tage, die für Basel 3 Wochen. G eichzei werden Rundreisebillets ebenfalls mit 50% Teeztermäßigung und Wodhen Gültigkeit von Berlin via Frankfurt, Coblenz, Cassel, Berlin, ausgegeben. Die Billets bieten Aufenthaltsbere<tigung auf allen grö Stationen, Durch diese Einrichtung ist dem lifum nit los Gelegenheit zu Ausflügen in die an Naturschönheit außerordent-

liche reibe Umgebung Dein, fondern au< zum Besu der Al[- emeinen deutschen Patent- und MustersGuß - Aus- ellung, verbunden mit Gartenbau-, Industrie- un y Ausstellung, geboten. Leßteres wird no< dadur erleitert, ¡u diasn Extrazügen gleichzeitig Billets zum Tmaligen Besuch der Aus- stellung für 3 Æ ausgegeben werden. Die erwähnten Rundreise- billets gestatten den Besu von Wiesbaden, Rüdesheim (Niederw, s Ems, Cassel’; es werden in ferti Wiesbaden und Ems besondere Festlichkeiten in dieser Zeit stattfinden. Billets na< Frankfurt a. M. und Coblenz via Fra rt werden mit der gleichen Preisermäßigung und Gültigkeitsdauer au in Nordhausen und Halle ausgegeben werden. Die soeben erschienene, vom Ingenieur Graf redigirte 5. Nuni-

mer der Frankfurter Patent-Aus tellungszeitung enthält Fol: ga: ur Geschichte der -Erfindun en. F. Lon: Balmains <tfarbe. Fr. Gr. Das Projekt einer mpsfstraßenbahn von fter: a. M. nah Offenbach. R. Bus<. Marken- und Muster- <ußgeseß-Entwürfe in Oesterreih. W. M. K. Neuere Apparate der chemischen Jndustrie. Dr. R.:Biedermann (Sus, = Die normale Arbeitszeit. Heinrih Be>ker. B. Bilse. W. M. K. Kleine Patentchronik. Vom Ausftellungsplaß. Vermischtes. Annoncen.

London, 20. Mai. (Allg. Corr.) Ueber de Untergang des „Doterel“ liegen jeßt weitere Berichte aus dem Munde der geretteten Mannschaften, die mit dem Dampfer „Britannia“ nah

England unterwegs sind, vor. Darnah fanden an Bord des Fahr- -

zeuges zwei Erplosionen statt. Die erfte wurde muthmaßli<h dur das Bersten eines für Kondensirungszwe>e benußten Kéfsels verur- saht, Die zweite sand in dem im genen Pulvermagazin statt. Der „Doterel“ sank binnen 3 Minuten in eine Tiefe von 8 Faden. Nach der zweiten Erplofion bliéb von dem Fahrzeuge nichts als einige Planken übrig. Die Ueberlebenden

retteten sih, indem sie nah der ersten Splaon über Bord sprangen

und wurden später von Böten einiger Robbenfängershuner und der

2 des Bischofs der Falklandinseln aufgenommen. Kommodore

ans, der Kapitän des „Doterel“, sprang dur eine Scießscharte |

und wurde, dur<h Glassplitter und Schiffstrümmer arg verleßt, aus

dem Wasser gezogen. Der gerettete Mascinist war zur Zeit der

Katastrophe nit dienstlih beschäftigt.

Madrid, 22. Mai. Heute hat die Calderon-Feier be- gonnen. Sie soll 8 Tage dauern. Lu von nah und fern sind herbeigeströmt; man {äßt ihre Zahl bereits auf 100000. Gestern waren der Prado und der Markt beleuchtet, und spanische Studenten irg ihre Weisen vor dem Hause, in wel<hem vor 200 Jahren

edro Calderon de la Barca gestorben ist, Der Dichter ist am 1. Januar 1601 in Madrid geboren und am 25. Mai 1681 dort ge- storben. Die ersten 3 Tage der Festwoche sind akademischen und literarishen Feierlihkeiten sowie der Eröffnung verschiedener Aussftel- lungen gewidmet ; bends finden literarishe Unterhaltungen und Kon- zerte statt. Vom 25. bis 27. Mai werden Aufzüge caliatten: die leb- ten 3 Tage gehören dann wieder wissenschaftlichen und künstlerischen Vereinigungen an. Bälle und namentli<h Stiergefe<te werden jedo< auch nit fehlen.

Die Sommersaison des National-Theaters wird mit der Aufführung der Märchenposse „Der Zaubersleier“ von Toldt morgen, Mittwoch, und gleichzeitig der neu eingerichtete, mit effektreiher Beleuchtung und schönen dekorativen Anlagen versehene Garten eröffnet werden. Jn demselben finden li< vor, während und nach der Vorstèllung Konzerte verschiedener apellen, Gefangs- vorträge 2c. statt. ; :

m 25, 26., 28, und 29. Mai findet im Victoria-Theater der IV. und leßte Cyklus der Aufführungen des Festspiels: „Der Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner statt.

Bäder-Statistik. Personen.

Baden-Baden bis zum 0. Mi „L, 6 794 Elmen (Soolbad bei Gr. - Salze, unweit Magde-

burg)*) bis zum 17. Mi 104 Bad Elster (Sächs. Voigtland) bis zum 16. Mai

63 Part.) 81

Kreuzna<h und Bad Münster ‘a. St. (Rheinprovinz) bis I E O 230 Oeynhausen (Rehme in Westfalen) bis zum 20. Mai (nebst 110 Durchreisenden) (Nrn). .. 225 Soden (am Taunus in Naffau) bis zum 15. Mai . . 136 Telih vis git A Mat n E 333 Weißer Hirs mit Oberloshwitz (klimatischer Kurort in Sasen) bis zum 21. Mai (67 Part). . , 228 Bad Lippspringe. Die erst vor etwa 50 Jahren entde>te Arminiusquelle nimmt wegen ihres ko ceraneen und s{wefelsauten Kalkgehaltes die erste Stelle unter den Kalkquellen Euroþas ein. Die Lage des Städtchens, ca. 400 Fuß ü. M. am Südw bhange des Teutoburgerwaldes und am Rande der großen norddeutschen Tief- ebene, welhe hier mit der malerisen Senne beginnt, bedingt außerdem einen heilsamen Sc<uß vor h igen Winden und ein gleihmäßiges, mehr feu<tes als tro>enes Klima, eine weiche zwischen geringen Ertremen \{<wankende Luft. Es ist da- her eine \si< immer wiederholende Wahrnehmung, daß Kurzathmig- keit, ustenreiz und Nervenüberreiztheit sofort na< der Ankunft der Kranken gelinder werden. Kranke in zu weit vorgerü>tem Stadium gehören freil<h ni<t mehr nah Eppsprin e; solhe haben leider das Bad - in einen ni<t \<önen Ruf ebra<ht. Bei sol<en aber, wo die Krankheiten erst eben. im Ent- stehen ind, werden hier herrlihe Erfolge beobahtet; manche fehren na< Jahren aus Dankbarkeit zurü>. Die leider so verbreitete hronishe ; allen aud d ist das hbervorragendste Kurobjekt

des Bades; allein au< die sog. Ppleuritishen Exsudate \{wißungen na< Brustfe tene Emphyseme, sog. tro>ene Broncbialkatarrbe, die oft mit ma verwe<{selt werden, das nervöse A Li einfahe Kehlkopfs- und Broncialkatarrhe 2c. finden in L pspringe meist ihre Hei- lung, Fast sämmtliche vorhandene Hotels sind empfehlens- werth und je den Anforderungen der Kra ent)prehend eingerichtet, do< au< viele billige Privatquartiere zu haben, in denen die Kranken gute und aufmerksame Verpflegung zu erwarten haben. Leider werden troß der Neengiien polizeili<en Kontrole von den auderern no< viele Kranke bei ihrer Ankunft vershleppt. Wer ein einem Stande und seinen Bedürfnissen angemessenes Privatlogis wünscht, wende sih an das Wohnungs-Nachweisebureau in ippspringe welches einstweilen mit lverwaltung (nebe Königli Regierung a

us-

ene Bron niht zu weit voran g rit-

der Amtéstube der Polizeiverwaltung (neben der Post) erritet ist und unentgeltlih Auskunft ertheilt. Die Droschken, welche die ankom- menden Fremden von der Bahnstation Paderborn hierher fahren, müssen einen amtli< vidimirten Fahrtarif enthalten, worauf besonders aufmerksam gema<t wird.

3 *) Bad Elmen ist 1880 im Ganzen von 2363 Kurgästen besu<t worden, während an Durchreisende und außerdem 10 800 oinzelne Bäder verabrei<t wurden.

onen als

\suchende

Redacteur: Riedel.

Verlag der Expedition (Kessel). Dru>: W. Elsner. Sechs Beilagen (eins{ließli< Börsen-Beilage), und die Besondere Beilage Nr. 5.

A ei ieten gi P Sa eobttierf, Yrdteiet der atv

Berlin:

Vordertheile des Schiffes gele-

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlih Preußischen Sltaals-Anzeiger.

.¿ 120. Nichtamtliches.

Preußen. Berlin, 24. Mai. Jm weiteren Ver- laufe der gestrigen (47.) Sißung seßte der Reichstag die zweite Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die Abänderung von Bestimmungen des Gerihts- kFostengeseßes und der E IT en or Enn, für Ge- rihtsvolizieher, auf Grund des mündlihen Berichts der XVI. Kommission fort. Der Abg. Dr. Bamberger erklärte, nah der Reihe der illustren Rechtsgelehrten, die das Haus in dieser Sache gehört habe, würde er das Haus in seiner Eigen- F<aft als verdorbener Jurist ni<t mit seinen Ansichten be- helligt haben, wenn nicht einige der Vorredner speziell darauf Bezug genommen hätten, daß sein Name unter den Anträgen stehe und daß die Stadt, die er zwar nicht vertrete, mit der er aber in enger Beziehung stehe, Betreffs ihrer Gerichts- vollzieher in einer sehr bemerkenswerthen Weise erwähnt sei? Es sei bezeichnend für diese Frage, daß ohne Rücksicht auf die Parteistellung diejenigen, welche der Sache dur< Lebens- erfahrung näher getreten seien, \si< zur Befürwortung des ‘Antrages vereinigt hätten. Er lasse sehr gern den Einwand gelten, daß die Gerichtsvollzieher des linken Rheinufers in einer anderen Lage seien, als wie im übrigen Deutschland. ‘Aber dem entsprehend hätte er feinen Antrag auch nicht dahin gestellt, daß er eine völlige Erhaltung der frü- heren Stellung in den Einnahmen mit demselben her- beizuführen si<h versprechen könne, er wolle im Gegen- theil einen bescheidenen billigen Ausgleih zwischen den verschiedenen Theilen Deutschlands herbeiführen. Beliebt mache man si< ni<t dadurh, daß man si< der Gerichtsvollzieher annehme und für ihre Gebühren eintrete, aber das nehme er als Argument in Anspru, daß nur die Tkorrekteste dur{<s{lagendste Ueberzeugung von der Güte der Sache ihn hätte bewegen können, hier einzutreten. Der Antrag des Abg. Cuny sei in der Kommission deswegen abgelehnt, weil man sich dur die ziffernmäßigen Angaben des Regierungskommissars über das Einkommen der Gerichtsvoll- zieher habe bestimmen lassen. Es sei mitgetheilt, daß in Hessen einige Gerichtsvollzieher 8000 biz 9000 M Einkommen hätten. Thatsächlih liege die Sache wesentlih anders. Die ‘Gerichtsvollzieher des Bezirks, dem er persönlih näher stehe, hätten ihm sämmtliche Originalakten in Duplikatén zugeschi>t, aus denen die hessishe Regierung die Kennerschast ihrer Zahlen geschöpft habe. Aus diesen gehe hervor, daß die in der Kommission genannten Ziffern durchaus nicht zutreffend Jeien. Wenn in Preußen einige Gerichtsvollzieher 8000 und 9000 Mark verdienten, so seien das ganz exzeptionelle Fälle ; darin liege kein Trost für die armen Teufel, die viel weniger verdienten. Seine Vorschläge bezögen si<h auf die Beglau- bigungs- und Pfändungsgebühren. Die Pfändungen gehörten zu den lästigsten und gefährlihsten Geschäften. Wenn das Haus nuu Männer, die die Autorität des Gerichts in {hwie- rigen Verhältnissen zu vertreten hätten, in eine Stellung herabdrüd>e, wo sie mit Mangel zu kämpfen hätten, wenn man _ sie auf bessere Zeiten vertrösten wolle, die ihnen dur die Spezialgeseßgebung ihres Landes gewährt werden könne, so entsprehe das nicht der Rü>sicht, welche man erfahrenen und unterrichteten Vertretern des Gerichts {uldig sei.

Der Abg. Frhr. von Norde> zur Rabenau erklärte, er sei der Ansicht, daß es absolut unzulässig sei, daß die Ge- rihtsvollzieher auf einer Reise für jedes Geschäft die Reise- kosten liquidirten. Diese hohen Gerichtskosten schadeten dem Reichsgedanken sehr. Er bitte, wit der nothwendigen Erleich- terung der Gerichts-, Anwalts- und Gerichtsvollzieherkosten nicht erst fünf Jahre zu warten, sondern sofort den Antrag Kayser anzunehmen, - welcher die unmäßig ohen Gebühren La die Gerichtsvöllzieher wenigstens in einer Beziehung herab- feßen wolle.

N Nachdem der Abg. Pfafferott und der Bundeskommissar sh gegen die Anträge ausgesprochen hatten, wurde Art. 3 unter Ablehnung aller dazu gestellten Anträge nah den Be- \{lüssen der Kommission angenommen. Art. 4 wurde ohne Debatte genehmigt. Damit {loß die zweite Berathung des Geseßentwurfes. Die zu demselben eingegangenen Petitionen wurden durch die gefaßten Beschlüsse für erledigt erklärt.

Es folgte die Berathung folgender Resolution, welhe von der Kommission vorgeschlagen war :

Der Reichstag wolle beschließen: der nachfolgenden Refolution seine Zustimmung zu geben : E

die Reichsregierung zu ersuchen, mit der weitergehenden Revision des Gerichtsfkostengeseßes eine solde der Gebührenordnung für Rechtsanwälte zu verbinden und desfallsige Vorlagen womöglich {on in der nächsten Session an den Reichstag gelangen zu lassen;

vom Abg. Dr. Jäger (Reuß) lag hierzu folgender Antrag vor :

Der Reichstag wolle beschließen : x Ï

zu der Meran wegen Revision der Gebührenordnung für Rechtsanwälte folgenden Zusatz hinzuzufügen: i

Diese R soll besonders folgende Bestimmungen zur Ausführung bringen: 2 E

Ly die Geb rensäße des $. 9 der Gebührenordnung für die Recbtsanwälte werden in den beiden ersten Werthklafsen um 50 Prozent, alfo bei Gegenständen im Werthe bis 20 Æ auf 1 4, Q lol x im ere bis B B p Ln bei den übrigen

rthflafsen um mindestens 25 Prozent ermäßigt;

5 die Werthsbere<hnung in Alimentenklagsachen ist dahin fest- zustellen, daß höchstens der se<sfa<e Betrag des erkannten jähr- liben Álimentationsbetrages bei Abfindungsvergleihen aber ein diesem Satze entspreender Betrag zu Grunde gelegt wird;

3) in 8. e E gem Zustande ommen eines Vergleiches ift nur eine einmali ebühr zu gewähren; e

4) bei Privatklagen ($. 63) ind die Ansäte von 12 M resp.

20 Æ (für die Verhandlung vor dem Schöffengerichte und vor der D) um P o, p B OESLCERGAg für die Be- weisaufnahme von au abzumindern ; 4

5) in d: 47 wird die Gebühr (für Ertheilung eines Rathes) von drei Zehntel auf ein Zehntel, endlich s 0) der Ansatz für Fuhrkosten ($. 78 sub 111. 1 und 2) um - 0, 0 Fs

1) ile Dien auf Eisenbahnen oder Dampfschiffen von 0,13 M

0,10 «

2) A (bei Straßenverbindung) von 0,60 M auf 040 K für das Kilometer

erniedrigt ;

Berlin, Dienstag, den 24. Mai

7) die Schreibgebühren find, wenn nit ganz zu beseitigen,

do< um ein Bedeutendes zu ermäßigen. :

Der Referent Abg. Freiherr von Beaulicu-Marconnay empfahl die Annahme der Resolution, während er sih gegen den Antrag Jäger aussprach, der viel zu weit in die einzelnen Details eingehe und au< in der Kommission niht die Mehr- heit gefunden habe. G j

Der Abg. Dr. Jäger (Reuß) begründete scinen Antrag damit, daß die Säße in der Gebührenordnung für Rechts- anwälte so hoch gestellt seien, daß häufig der Werth des Objekts in gar keinem Verhältniß zu der Arbeit stehe. Diese Höhe der Gebühren habe eine be- deutende Rücwirkung auf die Führung der Prozesse, welche dadurch sehr ers<hwert würden und häufig zu gar keinem reellen Resultat geführt hätten, da der ganze Streitgegenstand oft durch die Rechtsanwaltskosten absorbirt würde. Er sei allerdings au dafür, daß die Rechtsanwälte pekuniär so ge- stellt seien, daß sie allen Einslüssen bezüglich ihrer Stellung entzogen seien, aber die von ihm spezialisirten Modifikationen seien nicht so weitgreifend, um dies zu hindern. Würde die Resolution und sein Antrag nicht angenommen, so würden sich in der Folge die Beshwerden über . die Höhe der Rechtsan- waltsgebühren bedeutend vermehren und die Erbitterung im Volke sih steigern. i i

Der Abg. Dr. Schröder-Friedberg trat gleichfalls für die Annahme der Resolution ein, indem er als besonders reform- bedürftig den $. 94 der Civil-Prozeßordnung hinstellte, nach welchem eine Berufung gegen die Kosten als solche unzulässig sei. Es gäbe nun aber zahlreiche Fälle, in denen die materielle 7Frage erledigt s\ci, während die Kostenfrage noch Zweifel übrig lasse. Was den Antrag Jäger betreffe, so meine er, daß er zu weit gehe, und es ni<ht Sache des hohen Hauses sei, Über Spezialitäten hier Bestimmungen zu treffen. : jedo<h mit Bezugnahme auf gewisse Zeitungsartikel, daß es sih hier niht um demagogishe Wühlereien handle, sondern daß sogar die Regierungen von Bayern, Hessen, Baden und Württemberg selbst erklärt hätten, daß hier baldigst Abände- rungen eintreten müßten. Er und seine politishen Freunde hätten wegen der großen Schwierigkeiten davon abgesehen, schon jeßt einen Antrag auf prozentuale Ermäßigung sämmt- liher Gebühren zu stellen, aber er empfehle wenigstens für jeßt die vorgeschlagene Resolution. :

Nachdem der Abg. Dr. Jäger darauf seinen Zusaßantrag zurücgezogen hatte, erklärte der Präsident, daß die Abstim- mung über die Resolution in der dritten Lesung erfolgen werde.

Es folgte die zweite Berathung der am 31. März 1880 zu Peking abgeschlossenen Zusaß-Konvention zu dem Deuts ch- Chinesishen Freundschafts-, Schiffahrts- und Handelsvertrage vom-2, Septenkgr 1861.

Der Bundeskommissar, Geheime Legations-Rath von Kusserow leitete die Debatte ein, indem er ausführte, daß dur die widerspruchslose Annahme der Konvention in erster Lesung das hohe Haus bezeugt habe, daß Bedenken da- gegen nicht voriägen. Diese Angelegenheit sei seit 9 Jahren Gegenstand diplomatisher Verhandlungen gewesen, und hoffe die Regierung durch diese Konvention dauernden Nugen für den deutschen Handel, die deutshe Schiffahrt und Zn- dustrie zu erzielen. Er bitte, an diese Konvention nicht denselben Maßstab anzulegen, wie an andere Verträge, welche bestimmt seien, die Beziehungen Deutschlands zu anderen mächtigen Reichen zu regeln, ebenso auch nicht die formellen Anforderungen wie an Verträge zu stellen, welche mit Ländern europäisher Kultur abgeshlossen seien. Es handele sih hier, wie Ueberschrift und Eingang sagten, um ein Abkommen, welches bestimmt sei, die bessere Ausführung des Hauptvertrages, welcher demselben zu Grunde liege, zu sichern. Die vorliegende Konvention sei niht das Ergebniß ciner isolirten Aktion des Reiches, sondern bilde einen Theil der Verhandlungen, welhe im Namen aller Vertragsmächte seit 1868 in Peking über die-Revision der Verträge überhaupt

eführt scien. Mit dem Hauptvertrage sei Deutschland in die eihe der Vertragsmächte eingetreten. Die Skizze des Hauptver- trags, die man in derDenkschrist finde, gebe gleichzeitig den Haupt- inhalt aller andern Verträge wieder. Gemeinsam allen diesenVer- trägen seien vorzugsweise das Reht der Meistbegünstigung, der Konventionaltarife mit den dazu gehörigen Handelsbestim- mungen und das Recht auf periodische Revision. Aus der sih hieraus ergebenden Jdentität der Fnteressen folge für die Vertragsmächte die Aufforderung, si als Theile eines größeren Ganzen anzusehen und unter Verzicht auf die Geltend- machung von Sonderwünschen, eine gewisse Solidarität zu beobachten, ohne daß es nöthig wäre, in dieses Wort einen für China unfreundlihen Sinn zu legen. Charakteristish in allen diesen Verträgen sei, der Gegensay zwischen den Wünschen des Abendlandes, einerseits das große chinesische Neih immer mehr dem Verkehr zu ershließen und andererseits die Abneigung Chinas, in dieser Beziehung mehr u gewähren, als unter dem Dru> des Augenbli>s unabweis- li ersheine. Um so erfreulicher sei es gewesen, daß {hon im Jahre 1868 die cinesishe Regierung dur< Entsendung einer außerordentlichen Botschaft nah Amerika und Europa den Willen bekundet habe, mit dem Abendlande in engeren amtlichen Verkehr zu treten. Die erste Macht, welche über die Revision ihres Vertrags zu verhandeln gehabt habe, fei England gewesen. Die usag-Konvention von 1869, welche be- stimmt gewesen sei, den Vertrag von 1858 abzuändern und zu ergänzen, habe jedo< niht die Ratifikation der englischen Re- ierun gefunden, weil man geglaubt habe, in der illfährigkeit gegen China zu weit gegangen ju sein. Diese Erfahrung habe für die Kai erliche Regierung die Mahnung u gesteigerter Bor iht enthalten, ais die Reihe an Deutsch- fand gekommen sei, seinen Vertrag zu revidiren. Bei der diplomatischen Behandlung der Angelegenheit hätten sich die verbündeten Regierungen entschlossen, vor dem Eintritt in die eigentlihen Verhandlungen mit China das Revisionsprogramm n übrigen L ra B nrg, ref 2 ves ustimmung und ihrer wirksamen ntersiliqun : ee: Diese Unterstüßung sei dem Deuts Reiche be-

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Hervorheben wolle er'

188A.

reitwilligst gewährt worden. Es sei ein Verdienst des Kaiser- lihen Gesandten, dur< Verhandlungen im unmittel- baren Anschluß an die Chefoo-Konvention die sofortige Jnkraftseßung eines Theiles wesentlicher Verbesserungs- bestimmungen . erreiht zu haben. China habe jedo< geglaubt, mit der Chefoo-Konvention das Möglichste geleistet zu haben, und sei formell wohl berehtigt gewesen, zu- nächst auf die Ratifikation dieses Abkommens von der andern Seite zu warten. Troßdem scien die Verhandlungen in Fluß gekommen und Anfangs 1878 sei der Vertragsabshluß nahe erschienen, als aus Opportunitätsgründen, die auf politishem Gebiete gelegen hätten, eine Unterbrehung der Verhandlungen beschlossen sei. Diese Unterbrehung habe \si< indeß für die Sache selbst sehr nüßli<h erwiesen. Denn zufälliger Weise habe fi< außer dem Kaiserlichen Gesandten von Brandt au der großbritannishe Gesandte Sir Thomas Wade auf Urlaub in Europa befunden, und dies habe eine BespreGung über die Richtung ermöglicht, in welcher si< die Verhandlungen in Pefing wegen derjenigen Fragen bewegen sollten, welche in dem Autikel 8 der Konvention Erwähnung gefunden hätten. Die Ergebnisse der speziell deutsh:<inesishen Verhandlungen lägen dem Haufe in der Gestalt der Zusaßkonvention vor, und er dürfe sih in dieser Hinsicht auf die Erläuterungen in der Denkschrift beziehen. Was die Fragen von gemeinsamem Interesse anlange, so sei dies erstens die sogenannte Etiquettenfrage, welche bei den cinesishen Behörden bezüglich der Abmessung der Werthshäßzung fremder Nationen von großer Bedeutung sei. Die zweite Frage sei die eines besseren ge- mischten Verfahres zur Entscheidung von Streitigkeiten zwischen Fremden und Chinesen und in Anknüpfung hieran die Grund- lage für ein <inesisherseits zu emanirendes Handelsgesezbuch, an dessen Hand Streitigkeiten auf dem Geviete des Handels in einer Weise ihre Erledigung finden sollten, welche au den Rechtsgrundsäßen der europäishen Völker entspreche. Eine weitere Frage sei die der Jnlandzölle. Sodann sei verhandelt über die Beseitigung derjenigen Mißstände, welche bei der Erlegung der Zölle dadur< entstanden seien, daß es in China keine allgemeine Landesmünzen gebe. Die wichtigste Frage sei die der Jnlandzölle. Nach der übereinstimmenden Interpretation der Verträge Seitens der Vertragsmäcte sollten Waaren, für welhe außer dem Ein- odex Aus- gangszoll no< ein Transitzoll in der halben Höhe des vertrags1aäßigen Ein- und Ausgangszolles erlegt werde, im ganzen chinesishen Reich keiner sonstigen Abgabe unter- worfen werden. Diese vertragsmäßige Zusage sei indeß nicht gehalten worden. Es werde behauptet, der chinesischen Regierung tref hierfür eine direkte Schuld nicht, die Provinzialbehörden hätten zur Befriedigung ihrer Bedürf- nisse, namentli<h ihrer Kriegsbedürfnisse, derartige Abgaben eingeführt und mißbräuthlih erhoben. Die Abstellung dieser Praxis sei im Jnteresse des Handels dringend nothwendig. Er bitte, an die einzelnen Artikel und an die gesammte Kon- vention’ den Maßstab zu legen, der \si< aus diesen Bemer- kungen ergebe. Wenn das Haus die Konvention genehmige, so bezeuge es damit, daß es in derselben einen ecrfreulihen Fortschritt in den Beziehungen zwischen Deutschland und China und eine willflommene Abschlagszahlung für die Jnter- essen des deutschen Handels erbli>e. Er bitte deshalb das Haus, ebenso wie die verbündeten Regierungen dur< das Organ des Bundesraths dies gethan hätten, die Konvention einjtimmig zu genehmigen. A i i

Die Konvention wurde darauf in ihren einzelnen Artikeln ohne weitere Debatte unverändert angenommen. :

Der leßte Gegenstand der Tagesordnung war die erste Verathung des Geseßentwurfs, betreffend die Abänderung des Zolltarifs.

Der Abg. Dr. Löwe (Bochum) beantragte, denselben von der Tagesordnung abzusegen und nicht eher wicder auf die- selbe zu bringen, ais bis die weitere Vorlage der sächsischen Regierung wegen Aenderung des Zolltarifs, nämlih die Er- höhung der Gewebezölle, zur Berathung komme, jedenfalls aber mit der Berathung der Vorlage die Berathung der Petitionen aus Glauchau und Meerane über den Gewebezoll zu verbinden. Ï s j

Der Präsident bemerkte, daß nah seinen Erkundigungen der Geseßentwurf wegen Aenderung des Zolltarifs am Don- nerstag dem Hause vielleiht zugehen werde, so daß am Sonn- abend eine Zolldebatte stattfinden könnte. E

Hierauf vertagte si< das Haus um 31/2 Uhr auf Dienstag 11 Uhr.

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Nr. 20 des Centralblatts für das Deutsche Rei herausgegeben im Reichsamt des Innern, hat folgenden Inhalt: Zol- und Steuerwesen: Befugnisse von Zoll- und Steuerstellen. Cisen- bahnwesen: Bekanntmachung, betreffend Aenderung und Ergänzung des Bahnpolizeireglements, sowie der Bestimmungen über die Be- fähigung von Bahnpolizeibeamten und Lokomotivführern. Maaß- und Gewichtswesen : Abänderungen in dem Verzeichniß der Aibungs- behörden. Finanzwesen: Nachweisung der Einnahmen au Zöllen und Verbraucésteuern des Reichs im Monat April 1881. Polizei- wesen: Auëweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiere.

Die Nr. 23 des Amtsblatt des Reichs-Postamts hat folgenden Jnhalt: Verfügungen: Vom 14, Mai 1881. Unregel« mäßigkeciten im Postanweisungsverkchr mit dem Auslande. E

Nr. 10 des Central-Blatts der Abgaben-, Ge- werbe- und Handelsgeseßgebung und Verwaltung in den Königli preußzis<en Staaten hat folgenden Inhalt: Anzeige der in der Geseysammlung und im Reichêgeseßblatte erschienenen Gesetze und Verordnungen. Allgemeine Verwaltungsgegenstände: Schreibweise mebrstelliger Zahlenausdrü>e. Verre<nung nacträglich eingezogener Gerichtékosten und Zwangsvollstre>ungsgebühren. Indirekte Steuern: Befreiung zollfreier Waaren von der Entrichtung der statistischen Gebühr. Tarifirung auf Scnüre aufgereiheter e<ter Korallen. Tarifirung von Uan oder Wiegen aus Korbgefle<ht. Be- re<nung der ftatiftishen Gebühr für Mafsengüter. Tarifirung von Znaimer Töpfergesbirr. Wechselstempel. Protestregister sind als öffentliche Urkunden anzusehen. Stempelsteuer. Angeblich im Wege des Briefwesels zu Stande gekommene, aber {riftli und in stempelpflihtiger Form geschlossene Verträge. Personalnachriwten.

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