1881 / 123 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Wenn es richtig ist, daß für die Hebung und Ausbildung der Jndustrie inspec. zu ihrer selbständigen und selbstthätigen Entwickelung die politische Machtstelung eines Volkes und das auf ihr beruhende nationale Selbstbewußtsein ebenso be- deutsamen Einfluß hat wie diese Momente in Verbindung mit einer mächtigen und einflußreihen Vertretung im Auslande auf die Ausdehnung des maritimen Handels, so bedarf es wohl keines näheren Nachweises, daß die a F Friedens- periode des Deutschen Bundes nah dieser Richtung wenig nußenbringend, daß die Coordination einer ganzen Reihe gegen einander in Ermangelung allgemeiner Freizügigkeit abge- \{lossenen Staaten mit einer unzureichenten Vertretung im Auslande, ohne Kriegs- und ohne ausreichende Handelsflotte, jene Zeit, in welher man gewohnt war, auf das Fremde mit Bewunderung, das Einheimische mit Geringschäßung zu bli>en, in- der der deutsche Gewerbefleiß in fremdem Dienste, der hei- mische zur Hebung fremder Marken thätig war, zur Ausbil- dung der Jndustrie und Gewerbeerzeugnisse, sie auf eigene Füße zu stellen ebenso wenig geeignet war, als sie die Aus8- dehnung des überseeishen Handels zu fördern vermochte.

Bedeutsame Fortschritte sind seit der Gründung des deut- schen Kaiserreihs dur< die Mac t und Ansehen gebietende Stellung, die dasselbe in der Völkerfamilie si< erobert und das dadur< wieder erstarkte Selbstbewußtsein der Nation zweifellos gemacht worden, und nit minder günstigen Ein- fluß haben Lokalausstellungen, unter welchen die der Stadt Berlin einen so hervorragenden Play einnimmt und das durh sie gehobene Selbstvertrauen der Jndustrie und Ge- werbctreibenden selbst auf die Hebung der nationalen Jn- dustrie gehabt. i

Wenn troßdem no<h Klagen über deutsche Fabrikate und Jndustrieerzeugnisse, insbesondere was Solidität und Gediegen- heit der Arbeit, Geschma>k in der Darstellung und dergleichen betriff*, vorkommen, so darf eben nicht übersehen werden, daß der Beginn des wirklichen Aufshwungs unserer E no< zu neucn Datums ist, als daß schon jeßt die Beseitigung aller ihr seit Langem anklebenden Mängel als vollzogen, der Höhepunkt ihrer naturgemäßen Entwiälung als erreicht er- wartet werden könnte.

Es bedarf ferner keiner näheren Ausführung, daß für die Hebung und Ausdehnung des überseeishen Handels die geo- graphische Lage des Landes, die Gestaltung seiner litoralen Grenzen, die Zahl und vor Allem die Lage der Häfen zu den industriellen Centren, die Verkehrsmittel und Verkehrswege, wie die Kosten des Transports der Waaren und Erzeugnisse ohn ca Leßteren zu den Ersteren von weittragender Bedeu- ung ist.

Daß in diesen Beziehungen Deutschland anderen Ländern und in erster Linie England gegenüber ungünstiger gestellt ist, wird Jedermann einleuchten. .

Die erfolgte Einigung der deutschen Staaten unter der deutschen Kaiserkrone, dies Gese über die Freizügigkeit und die cinheitlihe Leitung des Eisenbahnwesens werden in erster Linie dazu beitragen, die Nachtheile der zu weiten Entser- nung der industriellen Centren von den Exporthäsen zu be- seitigen oder do< zu mindern, während der Einschluß Ham- burgs in das Zollgebiet zweisellos dieser Stadt eine ganze Reihe Fabriken industrieller und gewerblicher Etablissements zusühren wird.

Billiges Kapital, Kenntniß und Erfahrung im Export- geschäste, wie sie ein Jahrhunderte lang betriebener Handel mit übersceishen Ländern mit sich bringt, kommen ebenfalls in Betracht und auch hier steyt Deutshland England und anderen Ländern gegenüber zur Zeit no<h im Nachtheil.

Auch der Mangel einer direkten regelmäßigen Dampfer- verbindung mit China wie größerer deutscher Geldinstitute in dem lehteren Lande wirken hemmend auf die Ausdehnung des deutschen Exports. Die hamburger Dampfschiffrhederei annoncirt zwar regelmäßige Abfahrten, da sie jedo ohne staatlihe Subvention, is} es ihr nicht zu verargen, wenn sie die regelmäßige Abfertigung ihrer Dampfer von dem Vor- handensein voller und gut verfrachteter Ladung abhängig macht, bei günstigem Stande der Frachten ihre Dampfer an der chinesishen Küste beschäftigt oder sie während der Thee- saison von Foochow direkt, ohne Hongkong zu berühren, nah London versrachtet, Die Kreirung einer deutshen Bank in Hongkong oder Shanghai würde zweifellos direkte Geschästs- beziehungen zwischen Deutschland und China wesentlich er- leihtern, sie ist jedo<h auch selbst wieder von dem Umfang der Lebteren bedingt und ohne solide Unterstüßung von zu Hause wird es, fürchte ih, dem Deutschen an dem nöthigen Unternehmungsgeist fehlen, ein solhes Geldinstitut bei dem S Stande des Handelsverkehrs ins Leben zu rufen.

Jch glaube \{ließli< au<h den Deutschen im Auslande selbst einen Theil der Schuld an dem bisher niht genügend ausgedehnten deutshen Exporthandel zuschreiben zu dürfen. Während Engländer und Franzosen an ihren in das Aus- land mitgebrahten heimishen Sitten und Gewohnheiten treu festhalten und deshalb bei Beschaffung ihrer Bedürfnisse den heimischen Erzeugnissen den Vorzug geben, kann das Gleiche leider von dem Deutschen nicht behauptet werden. Ob es Mangel an Patriotismus oder, wie 1< anzunehmen vorziehe, die ihm no< immer anhastende Geringshäßung des heimi- {hen Fabrikats ist, mag dahin gestellt bleiben, jedenfalls trifft es nur in den selteneren Fällen zu, daß Preisdifferenz oder bessere Qualität den wirklichen Grund für den Vorzug abge- ben, den er dem fremden Erzeugnisse einräumt.

Wenn auch der Umfang der Bedürfnisse des Einzelnen und die damit gegebenen Anschaffungen in ihrem Einfluß auf den Gesammtexporthandel gering erscheinen müssen, bei einer auf Millionen si< beziffernden Gesammtzahl von Deutschen, die si< im Ausélande aufhalten, fallen sie siher ins Gewicht, und es würde zweifelsohne ein bedeutsamer Schritt zur Auf- besserung des deutshen Exporthandels schon geschehen sein, wenn die zahlreihen im Auslande lebenden Deutschen sih der vaterländishen Jndustrie und Gewerbe etwas patriotischer annehmen und jeder für sih sein Scherflein zur Hebung der- selben beitragen wollte. :

Es ist ja der Geldweith der wirklichen Anschaffung nicht allein, mit dem der Deutsche diesem Zwe>e dient, mit ihr und in gewiß niht minder wihtigem Maße fördert er die Bekannt- machung und, wenn er will, die E des deutschen

abrikats, und ih sollte glauben, dase in diejer Richtung ein

eder Deutscher innerhalb seiner Sphäre den Jnteressen der

vaterländischen Jndustrie und des heimischen Handels nüßlich, ein

Jeder wenn ich so sagen darf der Commis voyageur des deutshen Exportgeschästes sein könnte. :

habe in dem Vorstehenden Verhältnisse und Uebel-

stände berührt, sür deren Existenz der heimishe Kausmanns-

und Gewerbestand nicht direkt und unmittelbar verantwortlih aemacht und deren nachtheilige Einwirkung auf den deutschen Ausfuhrhandel nur nah und nach beseitigt werden kann; ih wende mih nunmehr zu den Mängeln, welche auf Seiten der deutschen Exporteure selbst zu suchen und deren sofortige Be- seitigung möglih und ohne Verzug in Angriff genommen werden sollte.

Sie beruhen, was den deutshen Handel mit China be- triffflst, im Wesentlihen auf mangelhafter Kenntniß der Ver- hältnisse, Gebräuche, Bedürfnisse und Eigenthümlichkeiten der Chinesen, sowie auf ungenügender Erfahrung und Praxis im Exportgeschäste selbst.

Wenn irgend Jemand in der Lage ist, sih von der Un- kenntniß und der Unerfahrenheit der meisten dieser leßteren Klasse von Kaufleuten (d. h. denen, die in China ein Absatß- gebiet ihrer Waaren erst suhen) zu überzeugen, so sind es sicher die deutschen Konsuln, welchen mit jeder Post eine ganze Reihe von Cirkularen und Anfragen heimischer Kaufleute zu- gehen. Es hat sih bei vielen unserer Kaufleute die Jdee fest- geseßt, daß sür die Ausdehnung ihrer Geschästsverbindungen und vor Allem des Absaßzes ihrer Waaren es vollkommen ausreiche, Cirkulare an alle Konsuln der Welt zu senden mit der stets wiederkehrenden Bitte, ihnen Adressen, sei es von Kausleuten, welche in den fraglichen Artikeln handeln, generell oder solchen, welhe zur Uebernahme von Agenturèn gecignet seien, aufzugeben. Ob der betreffende heimische Handelsartikel odcr das betreffende Fabrikat in dem Lande verkäuflich, ob und welche Vorausseßungen an denselben, um ihn verkäuflich zu machen, gestellt, wie und auf welcher Route zu liefern. E welche für den Exporteur von eminenter Bedeutung ind, werden in solchen Cirkularen ebensowenig berührt, als die Punkte, die sür den eventuellen Abnehmer unentbehrlich, d. h. genaue Beschreibung der betreffenden Waare, wenn möglih unter Einsendung von Mustern, jedenfalls aber mit einer genauen Angabe des Preises, zu welchem sie incl. Em- ballage an Bord des Dampfers in Hamburg oder Antwerpen geliefert werden kann.

Das Konsulat ist stets gerne bereit, dem heimischen Kauf- mann jede gewünschte Auskunft über die verschiedenen Han- delszweige, Über die Aussichten, die sib dem Absatze des einen oder andern Artikels eröffnen, die besonderen Bedingungen und Voraussetzungen, die der Chinese bei den einzelnen Waa- ren stellt, zu ertheilen und beziehungsweise zu verschaffen, mit Cirkularen so allgemeiner Natur, wie beispielsweise: „Theilcn Sie mir die Namen der dortigen Kaufleute mit und die Pro- dukte, in welchen sie handeln“, oder: „Jh arbeite in Bier, Wein, Seife cder was sonst, und ersuche Sie in der Absicht, mein Geschäft nah China auszudehnen, um Aufgabe eines geeigneten Agenten“ ist Nichts zu machen. Die betreffende Firma, an die si< der Konsul wendet oder der er die frag- liche Offerte mittheilt, wird in den allermeisten Fällen ab- lehnend antworten, weil ihr alle und jeglihe Anhaltspunkte über die Waare, ihre Preise, sehr häufig auch über die Ho- norabilität und Zuverlässigkeit des Exporteurs selbst abgehen und es ihr nicht conveniren kann, darüber erst in zeitraubende Korrespondenz mit dem Exporteur zu treten. Durch präzise Mittheilung über alle Pr in Frage kommenden Punkte würde er si<h dagegen sofort in der Lage sehen, die Bedin- gungen der offerirten Geschästsverbindung mit denen seiner bisherigen Lieferanten zu vergleichen, sih ein Urtheil darüber zu bilden, ob er den deutschen Artikel nußbringender als den fremden anlegen kann.

Wenn die Kausleute selbst niht in der Lage oder geneigt sind, si< über die Verhältnisse des betreffenden Landes aus den Handelsberihten odcr sonstigen Mittheilungen zu infor- miren, so sollten sie si< wenigstens an Kommissionshäuser, welche darüber informirt sind, wenden, jedenfalls aber nie übersehen, daß Derjenige, der seine Marke an einem neuen Markte einsühren will, Opfer an Geld, Zeit und Mühe zu bringen hat, daß das Geringste derselben darin besteht, daß dem eventuellen Abnehmer die Waare mundgerecht, d. h. mit jeder für denselben wünschenswerthen Auskunft versehen, offerirt wird.

Jh habe oben erwähnt, daß Klagen über unredliche Lieferungen hier und Hongkong zu den jelteneren Fällen ge- hören, es soll damit nicht gesagt sein, daß keine Beschwerden über ungleihmäßige Lieferungen laut werden. Wohl in keinem Lande aber haben dieselben einen nachtheiligeren Einfluß, als in China; der Chinese ist, was Geshma> und Bedürfnisse betrifft, streng konservativ, er sieht daneben weniger auf bil- lige, als solide und dauerhafte Waare; hat er einmal als solche die Waare einer bestimmten Marke erkannt, so bleibt er ihr treu, daß gleihmäßig geliefert wird, betrachtet er als- dann als so selbstverständlih, daß für ihn die betreffende Firma des Verkäufers und die bestimmte Marke auf der Waare als ausreichende Bürgschaft erscheint, um von einer näheren Prüfung der Lehteren selbst in der Regel Abstand zu nehmen. Für Denjenigen, der einmal scine Marke auf dem chinesishen Markt eingeführt, ist es deshalb die erste und wichtigste Bedingung, daß die Waare unter jener Marke bis in die kleinsten Bezichungen \i< vollkommen gleich bleibt. Die geringste Abweichung von der bekannten Marke oder dem gegebenen Muster, mag sie für die Qualität der Waare ganz einflußlos sein, ja dieselbe vielleiht verbessern, kann unter Umständen den inesishen Kunden abspenstig machen, oder ihm Gelegenheit geben, unberehtigt hohe Abzüge zu machen, über deren unverhältnißmäßige Höhe zu den kleinen Differen- zen später von Seiten des Lieferanten des Klagens und Jam- merns kein Ende ist.

Neben den Uebelständen, welche auf mangelhafter Kennt- niß des betreffenden Landes und seiner Märkte beruhen, be- stehen andere, welhe in ungenügender Erfahrung und Praxis im Exportgeschäfte selbst wurzeln. Jh rechne dn vertraute Kenntniß der geeignetsten Emballage, der passendsten Ver- pa>ung Fm was den Schuÿ der Waare, als die Er- sparunag unnöthiger Frachtkosten bei dem Transport betrifft der Frachtraten, wie endlih der vortheilhaftesten Trans- portmittel und -straßen.

Die Klagen, die in dieser Richtung anläßlih der Enquete des Geschäfststrägers in Guatemala zum Ausdru> gekommen und die zu ihrer Beseitigung gemachten Vorschläge insbeson- dere die Kreirung größerer Exporthäuser in Deutschland, tref- fen auch hier zu.

,_ Erwähnen will ih hier nur, daß es nit immer zu kost- spielige Fracht ist, welche Anlaß zu Beschwerden giebt, das Gegentheil kann die gleihe Folge haben, wenn dadur< das rechtzeitige Eintreffen der Waare verhindert wird. Der Chinese ist sehr sanguin, und macht gerne Lieferungsabschlüsse mit be- stimmtem Termin, ist dieser abgelaufen, ehe die Waare einge- troffen, so giebt er bei s{hle<ter Marktlage niht einen Tag

ju und wird die Annahme stets unbarmherzig verweigern oder ie mit einem Abzug nehmen, der wieder enorm und - ganz außer Verhältniß ist. Ob es Unkenntniß der Transportdauer oder die für das kleinere heimische Geschäft ja vollkommen be- gründete Sorge auf möglichst billigem Wege Versendungen zu operiren die Ursache gewesen, es sind mir Fälle bekannt, in welchen Waaren, welche nur für den Weihnachtsverkauf be- stimmt, dur< die Schuld des Exporteurs erst nah Beginn des neuen Jahres, mithin zu einer Zeit eingetroffen sind, zu der sie g! j-denfalls weit s{wieriger zu verkausen ge- wesen sind.

Bad Wildungen, 26. Mai. Am 31. Mai trifft der König der Niederlande zur Kur hier ein. Die Königin, die zuerst ihre Eltern in Arolsen besucht, folgt in einigen Tagen na<h. Ihre Majestäten nehmen im Badelogirhause Wohnung , und es ist ein Auf- enthalt von 4 Wochen vorgesehen.

Das entseßliche U nglü>, welches in Ca nada einigen hundert Menschen das Leben gekostet hat, war die Folge der Üeberfüllung des Dampfers „Victoria“, der am Dienstag Abend etwa 600 Menschen von einem Vergnügungsausfluge den Ontariofluß aufwärts nah London, Ontario, zurü>kführte. Das Schiff, die „Victoria“, ein alter, aber fürzlih gründlich reparirter Dampfer, hatte, nachdem er an einer Station no< 200 Menschen aufgenommen hatte, eben etwa eine englische Meile unterhalb der Stadt die Coverailroadbrü>e passirt, als er sih etwas auf die eine Seite neigte. Die an Bord Befindlichen stürzten nach der andern Seite hin, der Dampfer {lug über und sank sofort, wobei er in Stücke zerbrah. Böte und Rettungsgürtel waren zwar da, aber das Schiff kenterte so rasch, daß man keinen Ge- brauch davon machen konnte. Vom Ufer stießen zwei Schiffe ab und sie retteten auch viele Menschen, die sih an dem Wra>k angeklammert hatten. Bei Cove Bridge ist der Fluß 13 Fuß tief und der Strom reißend, viele wurden daher sogleich fortgetrieben. Es war eine Scene des Entsetens, der Verzweiflung und Todesangst, die aller Beschrei- bung spottet. Cs waren zum größten Theile ganze Familien an Bord, Eltern mit Schaaren von Kindern. In der gräßlichen Lage suchte der eine den andern zu retten, aber in der Verwirrung suchte man sich vergebens zu exfassen, Schreien und Wehklagen erfüllten die Luft. Die Ufer füllten sich mit Menschen, die die Ihrigen an Bord wußten. Man zündete Feuer an, und nah und nah wurden immer mehr Leichen ans Land gezogen, und jede gab zu neuen Ausbrüchen des Schmerzes und der Verzweiflung Anlaß. Daß über 200 Menschen ihr Leben verloren haben, ist \{<on sicher. Es werden schon eine Menge auge legen Persönlichkeiten genannt, die zu den Umgekommenen gehören. Nach späteren Depeschen ist es keine Frage, daß die leichtsinnige Ueberfüllung des Schiffes die Veranlassung des Unglücks gewesen ist. Der Kapitän {lug die Warnungen in den Wind. Als das Schiff zu \{wanken anfing und die Passagiere sich alle nah der einen Seite hindrängten, brachen die Stüßen des Ober- de>s und die Masse stürzte auf das gleichfalls gedrängt volle Unter- de>. Dadurch wurde die „Victoria“ auf die Seite gedrü>t, es stürzten Se F enge Menschen über Bord, und nah und nach kenterte das

iff.

Madrid, 25. Mai. Die Calderonfeier hat heute wohl \{hon ihren Höhepunkt erreiht. Heute war die zweihundertjährige Wiederkehr des Todestages des großen Dichters. Um 11 Uhr war feierlihe Messe in der Kirhe San José an der Alcalastraße. Der Kardinal-Nuntius, die Bischöfe und eine große Schaar von Priestern war versammelt und verrichtete die feierlihe Handlung, Die Kirche war rei dekorirt, die Wappen von Madrid und den religiösen Brüder- schaften, denen Calderon angehört hatte, prangten überall ; in der Mitte der Kirche war das Monument zur Erinnerung des Verstorbenen er- rihtet und mit Lorbeerkränzen bede>t, Der König und die Elite der offiziellen und literarischen Kreise nahmen die r ij: Ha 9 ein, wähs- rend cine He>ke von Soldaten von den Stufen der Kirhe von San José bis zur Kongregation der Presbyter, wo die Gebeine Calderons ruhen, gezogen war, durch welche nah Beendigung des Gottesdienstes eine Prozession sih zum Grabe bewegte. Nachmittags hielt der König eine Parade über 9000 Mann ab. Eine große Menge Fremder sind nach der Hauptstadt gekommen ; es herrschte den ganzen Tag ein festliches Treiben. Die drei ersten Tage waren fast aus\{hließli< der literari- \{en Feier Calderons gewidmet, an der sich eine außerordentliche Menge von Gesellschaften und Vereinen betheiligten.

Am Dienstag, den 31. d. M., wird im Victoria-Theater eine no<malige Aufführung der „Walküre“ stattfinden. Hr. Direktor Angelo Neumann hatte ferner die Absicht, die hier vereinigten fremden Künstler no< in einer Vorstellung des „Lo hengrin“ dem Publikum vorzuführen. Da das Aufführungsrecht dieses Werks für Berlin 09 im Besiß der Königlichen Oper befindet, so wendete sih der Ge- nannte an den General-Intendanten der Königlichen Schauspiele um die erforderliche Zustimmung, welche Letzterer bereitwilligst ertheilte, indem er gleichzeitig Hrn, Direktor Neumann den Leue aus\pradh, den betreffenden Künstlern die Mitwirkung in einer „Lohengrin “-Auf- führung im Königlichen Opernhause zu gestatten. Dieselbe findet am Donnerstag, den 2. Juni statt, und zwar in folgender Beseßung: König Heinri< Hr. Emil Scaria, Lohengrin Hr. Heinrich Vogel, Elsa von Brabant Frau Tren ogel, Friedri<h von Telramund Hr. Betz, Ortrud Frau Amalie Friedrih-Materna, Der Heerrufer Hr. Oberhauser.

Im Krollschen Etablissement produzirt sich jeßt in der Nachmittagsstunde King-Fu, ein äußerst geschi>t gearbeiteter kleiner Automat. Derselbe sißt mit gekreuzten Beinen auf cinem niedrigen Postament, innerhalb dessen si<h ein Räderwerk befindet. Sein Kopf ist von Wachs, sein Körper ein bekleidetes Gestell, an wel<hem sich ausgestopfte Glieder und holzgeschnißzte Hände befinden. Die Linke ist leer, in der Rechten führt er einen Stift. Ein vor ihm ange- \chraubtes Bretthen mit aufgelegten Papierblättern dient ihm als Schreibtis<h. Der Automat \<{reibt mit überrashender Präzision, und ohne daß man den bestimmenden Einfluß wahrnehmen kann, Antworten auf ibm gestellte Fragen, Rechenerempel, erräth ver- de>t gezogene Karten u. dgl. m. Jedenfalls wird der äußerst sinn- reiche hier vorgeführte Apparat großes Interesse erregen.

Der neue Garten des National-Theaters erfreut {d mit jedem Tage größeren Besuchs, zumal derselbe jeßt vollständig fertig gestellt worden ist und namentlich das romantische Mährchen „Der Zaubersleier* großen Beifall findet. No in dieser Woche gelangt das anmuthige Lustspiel „Der Kuß“ von Doczy zur Aufführung, während im Garten die bekannte ältere Tiroler Gesellschaft Rainer ihre Gesangsaufführungen beginnen wird.

Im Flora-Etablissement zu Charlottenburg findet morgen Nachmittag die zweite Tagfahrt der Luftschifferr Godard und Crommelin statt.

Redacteur: Riedel.

Verlag der Expedition (Kessel). Dru>: W. Elsner. Sieben Beilagen (einschließli< Börsen-Beilage).

Berlin:

n ewe 7 E: T | L, e‘ T

M 123.

Erste Beilage zum Deutschen Rei

<s- Anzeiger

Berlin, Sonnabend,

(L E Zusammenstellung der Betriebs-Ergebnisse

l

12. |

14. | 15.

16.

Laufende Nummer.

Bezeichnung

der

Eisenbahnen.

Betriebs-

Befördert wurden

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Personen

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Die Einnahme betrug

im Monat April

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Ganzen

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Ende Monat April

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Ganzen | 1 km

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Ganzen | 1 km Mh. M.

für die ganze Bahn | 9 gegenüber | gegenüber | gegenüber dem De- | dem Pro- | dem De-

| auf finitivum | visorium | finitivum des Vorjahres | M.

auf 1 km

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des Vorjahres b

¡(einschließlih der

E Staatsbahnen und

*3

A. Hauptbahnen L Bahnstre>en unter- geordneter Bedeutung).

sonstige vom Staate für eigene MeGnnna verwaltete Bahnen. Reichs-Eisenbahnen in Elf :

_¿. Preußische Staats-Cisenbahnenu:

E ¡ Verwaltungsbezirk ; a. der Königlichen Cnbahn-Direttion Berlin . 1587,67| 895 431

Sächsische Staats-Eisenbahnen . Württembergische Staats-Eisenbahnen .

5 Bi e Staats-Eisenbahnen 6|Main-Ne>ar-Cisenbahn . 7|Oberhessische Eisenbahnen

2g|Oldenburgische Staats-Eisenbahnen . Wilhelmshafen-Oldenburger Eisenbahn . . «+ « 1881 52,37

9

*

11 12

13 Oberschlesi

rivatba

Ux. Privatbahnen unter Staatsverwaltung. Bergish-Märkische Eisenbahn a. Hauptbahn un b. Ruhr-Sieg-Eisenbahn Berlin-Dresdener Eisenbahn . Halle-Sorau-Gubener Eisenbahn . . Münster-Enscheder Bahn . <e Eisenbahn ins{ließli<h Neisse-Brieg, Wilhelms- ahn Ge Strehlitz - Morgenroth, und Posen-Thorn-Bromberg . E b. Breslau-Posen-Glogauer Eisenbahn.

ce. Breslau - Mittelwalder Eisenbahn und Nieder- \<lesishe Zweigbahn . s e

d. Stargard-Posener Eisenbahn . . Rhein-Nahe Eisenbahn Zittau-Reichenberger Eisenbahn.

18|Berlin-Anhaltisce Eisenbahn *19|Berlin-Görlitßzer Eisenbahn .

Berlin-Hamburger Eisenbahn 91|Breslau-Schweidnit-Freiburger Eisenbahn . 92Cottbus-Großenhainer Eisenbahn . . 93|Dortmund-Gronau-Enscheder Eisenbahn .

olsteinishe Marschbahn .

Lübe>-Büchener und Lübe>-Hamburger Eisenbahn

Märkis{-Posener Eisenbahn 27\Marienburg-Mlawkaer Eisenbahn .

aß-Lothringen .

n - Direktion Magdeburg

und Staßfurt-He>lingen-

ahn-Direkton zu Cöln (re<ts- y

d Hessische Nordbahn

hnen unter eigener Verwaltnng. eler Eisenbahn . 6 E 6

S 1) 1 139,131 788 500 gegen + 5,20|+ 57 167

gegen

b. der Königlichen Eisenbahn-Direktion Bromberg . 2 593,451 673 884

gegen

c. der Königlichen Eisenbahn-Direktion Hannover . 1 863,94] 1 214 286

gegen

d. der Königlichen Eisenbahn-Direktion Frankfurt a./M. 1 153,33 e 395

e. der Königlichen Eisenbah a) Hauptbahn . . . -

8) Sangerhausen-Artern Egeln. . . -

y) Berlin-Potsdam-Magdeburg . - ê) Uelzen-Langenwedeler Eisenbahn .

f. der Königlichen Eisenbahn - Direktion Cöln (links rheinis<) a) Hauptbahn .

{) Eifelbahn Call-Trier

. der Königlichen Eisenb R rheinis<)

gegen

* gegen \ gegen : gegen egen

* gegen

* gegen

1012,17| 554240

32,56) 5752 959,56] 310 219 97,83) 18757

1124,51] 954 600 21 300

* gegen

796 083

485 000 + 18 265

508 894 234 817 864 197 387 315

376 143

15 506 130 913 12 790

734 000 38 150

1 364 316

+ 63 922

1 849 1878 1 406

1798

1943

0 881 341

727

937

569

1850 1 249

2 396

21 916

2 819 100 + 61 738 (4146 500)

4 325 174 3215 015 5 300 000 2 399 934

9 878 983 1 016 074 88 058

3 132 500 184 600

5 123 746

2724 1240 2 843 2 081

2 844

673

2475 L G 19

Summa 2 11881[5) 11571,21 gegen 11880|+ 201,69

118819) 94,50 gegen |1880|+ 7,00|+ «ea T EEOOU t: en [1880+ + Ma . 11881110) 290,25 gegen 1880| 4 01+

O hi881/6) 1972/98] 1 529 856

gegen |1880|+ 833,17|+ 137 918

oes: 188109) 1 528,04) 802202 n 11880|+

00e Tg81| 1314,02) 604707

gegen 11880|+ 0|4- 37 418

849 471 34582 246 714 7926 332 017 840

—_——

15751

3 647 246| 1 849 147 724 107|— 25 803 822 V+ 1 005 12+ 52 356 1925 124+ 221 9|— 534 Er

50 + 57+

77 636 000

|41645532(4-1757152)

137 5 268 618

16|— 41 175 (— 60004) 125 2 280 449

494-153 947 (+170 057) 2 254 041

74 196 1

8 1|— 2680 (—

29 263 726 3|+ 20 336 (+ 19 406) 50 868

23

-+- + 0+ 4160 (+ 3831) +

40|4+104 557 (4285 593) 359 300

4 5509 (— 283 385) 72 555

241 (— 572) 413

14) 66)

73)

gegen Summa A. I. gegen

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l gegen

1881/11)1 272,22] 1 201 080) 987] 1 345 000

* gegen |1880|+ 102,99|+ 117 653|+ 20— 92 041!

143 485) 13 659 43 868

3155|— 18 46 500

144 602 17404

+ 83 625]

37 439

+ 2349

4+ 46 151|+ 47 + 18713|+ 89

+ 29 675|+

36 026|— 209|— 1368 8 936+ 74+ 1015 3818|— 145|—

98 5704+ 76 115854 67 4 664+ 39

2693 361|+ 2984 340|+ 986

6 1334 126 181 13

| 2 003 569| 2430 77 685|— 100 1899 39 378/— 186 901

79 897

44 800/ 313 0 id c

14083|— 19 41 030|— 195

305 4 788 269 27|— 60 977 (+105 285) 526 837 922— 10 799 (+ 22 965) 99 967 626

8|+ 1932 (+ 49012) 105 545 931

12/— 37 688 (— 17 127)

0 22 980

201+ 0+ 1619 (—

519 2 824 115 45 617 (+4156 542)| 366 598 552

61 695 (+ 40585)

74 593 098 13|+ 63 090 (4+ 95 330) 271 703 28478 (+ 14515) 254 750 13 600 (— e A

TI O54 057 +1951924(+2296608) +

91)

241)

87)

A gegen 18 Summa A, 1]. T1881] 3684,64 gegen +4- 114,23

i gegen j gegen gegen gegen gegen gegen * gegen * gegen Fi een

E'gegen

gegen j 16 216

68 770! 5 652+ 164 080) 9934 95 707! 4+ 15451|/+ 111 843 6775|— 171 048!

4+ 14 | 233

66 732/+ 151|—

284] 241 768)

1563/+ 2+ 40532

35 676) 459

43 563|

15 489/+ 161

11771) 2010/+ 11+

-+ 28 117+

2427—

1 886/4- 1244+ 6986+ „A6— O)

14 310+ 149|4- T 993

1668

"R O0 Il 117 171

10 735 322

106|— 6 505 (— * 1.171518 (+453 778)

559252 + 65 212 (+ 62 351)

1232

540 | 51956 (+ 78010) + 121 72 4698 22786 (4- 76) “1 1 543 772 4 48 343 (4 189 197) 1 003 572 34+ 46 920 (+ 32 604) 166 280 + 8438 (+ 11163) 83 815 17 955 62 232 (+4 11914 905

305

11+ 6874 (4- 10495) 138 039 151+ 39 535 (+

87) 38)

| 965 40 732)'+ 276 IR(+ 285)