1881 / 129 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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b. Post mittels Privat-Personenfuhrwerks tägli<h 7 Uhr 30 Min. früh (na< Ankunft der um 11 Uhr 30 Min. Nm. aus Flensburg abgehenden Perfonenpost) in Hoyer 9 Uhr 30 Min. Vm.,

c. mittels besonderen Privat - Perfonenfuhrwerks von Tondern na Hoyer an den emen Tagen, an welchen das Dampfschiff von Hover na< Sylt vor Ankunft der unter a. und b. aufgeführten Be- sörderungsmittel abfährt. Der Abgang dieses Personenfuhrwerks richtet fih na< dem Abgange des Schiffes von Hoyer.

Von Pover nah Sylt tägli< mittels des Dampfschiffes „Ger- mania“. Der Abgang des Schiffes is vom Eintritt der Fluth ab- hân A An den Tagen 12. bis 19., 25. bis 30. Juni is Sylt bei der Abfahrt mit dem Eisenbahnzuge 6 Uhr früh aus Hamburg an demselben Tage zu erreichen. Dauer der Ueberfahrt ungefähr 2 Stunden.

Kiel, den 2. Juni 1881. Der Kaiserliche Ober-Postdirektor. In Vertretung: Triebel.

Königreich Preußen.

Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: den Landes-Direktor für die Provinz Pommern von Heyden zu Stettin zum Präsidenten der Regierung in Frankfurt a./D., und die Gerichts-Assessoren van Ham und Storm zu Amts- rihtern zu ernennen ; sowie | dem im Ministerium der geistlihen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten beschästigten bisherigen Bürger- R The odor Tappen den Charakter als Konsistorial- al, dem ordentlihen Professor in der juristishen Fakultät der Universität zu Halle a. S., Dr. Hermann Fitting den Charakter als Geheimer Justiz-Rath, und dem Kreis-Steuereinnehmer Scheuermann zu Liegniß aus Anlaß seines ö0jährigen Dienstjubiläums den Charakter als Rechnungs-Rath zu verleihen.

Berlin, den 4. Juni 1881.

Jhre Königliche Hoheit die Großherzogin Mutter von Me>lenburg-Schwerin is gestern Nach- mittag nah - Marienbad weitergereist.

Ministerium der geistlihen, Unterrihts- und Medizinal-Angelegenheiten.

Der Privatdozent Dr. Paul Grüßner bei der medi- zinischen Fakultät der Universität zu Breslau is zum außer- ordentlichen Professor in derselben Fakultät ernannt worden.

An der Andreasschule zu Berlin ist die Beförderung des ordentlichen Lehrers Dr. Eduard Karl Schulz zum Ober- lehrer genehmigt worden.

Justiz-Ministerium.

Dem Ober-Landesgerihts-Rath Hantelmann in erie ist die nachgesuchte Dienstentlassung mit Pension ertheilt.

Verseßt sind: der Amtsrichter Disse in Wongrowiß an das Amtsgericht in Wreschen und der Amtsrichter Dr. Berwin in Sohrau an das Amtsgericht in Gleiwiß.

Der Amtsrichter L isser in Schildberg, der Amtsrichter Ledermann in Königshütte und der Landrihter Ba\ c in Méserig sind in Folge ihrer Zulassung zur Rechtsanwaltschaft aus dem Justizdienst entlassen.

Die nachgesuchte Dienstentlassung mit Pension ist ertheilt : dem Amtsgerichts-Rath von Rakowski in Weißenfels und dem Amtsgerichts-Rath Kehr in Marburg.

Der Staatsanwalt von Bernstorff in Halberstadt ist an das Landgericht in Kiel verseßt.

Jn der Liste der Rechtsanwälte sind gelöscht : der Rechts- anwalt Lübbes in Sonderburg bei dem Landgericht in Flens- burg, der Rechtsanwalt Eglinger in Cöln bei dem Land- geriht daselbst und der Rechtsanwalt Seibert bei dem Amtsgericht in Treptow a. R. und bei dem Landgericht in Stargard. -

n die Liste der Rechtsanwälte sind eingeiragen: der Gerichts-Assessor Wolff bei dem Amtsgeriht in Fürsten- walde, der Gerichts-Assessor Golinsky bei dem Amtsgericht in Waldenburg, der Gerichts-Assessor Schulte bei dem Amts- geriht in Wesel, der Gerichts-Assessor Frorath bei dem Amtsgericht in Eisleben und der Gerichts-Afffessor Tilliß bei dem Amtsgericht in Culm.

___ Dem Rechtsanwalt und Notar Bang in Ruhrort ist in e Eigenschaft als Notar der Wohnsiß in Wesel ange- wiesen.

Die nachgesuchte Entlassung is ertheilt: dem RNechts- anwalt und Notar, Justizrath Klin>müller in Schwiebus, dem Notar Seibert in Treptow a. N. und dem Notar Augspurg in Verden.

Der Rechtéanwalt und Notar Baur in Wesel ist in Folge seiner Allerhöchst bestätigten Wahl zum Bürgermeister aus dem Justizdienst geschieden.

Der Amtsrichter Pr. Deuts< in Barmen, der Notar

Justizrath Braun in Aachen und der Rehtsanwalt Sabarth in Breslau sind gestorben.

Nichtamtliches. Deutsches Neich.

Preußen. Berlin, 4. Juni. Se, Majestät der Kaiser und König empfingen gestern Nachmittag den Chef des Civilkabinets, Wirklihen Geheimen Rath von Wilmowski.

Heute nahmen Se. Majestät die Meldung des zum Com- mandeur der 3. Feld-Artillerie-Brigade ernannten Obersten

von Fassong entgegen und hörten darauf den Vortrag des General-Adjutanten von Albedyll.

Ein Ober-Landesgericht hat in einer Entscheidung des Berufsgerichts den Saß aufgestellt: „Es sind unter den im Taufmännischen Verkehr abgeschlossenen Kauf- und Lie- ferungsverträgen im Sinne der Kabinetsordre vom 30. April 1847, betreffend den Stempel 2c., nur solche zu ver- stehen, dur wel<he beweglihe Sachen zu dem Zwecke gekauft werden, um sie als Waare, sei es in unveränderter Gestalt, sei es na< Verarbeitung oder Veredlung zu einer anderen

4, 6,30

Waare, wieder zu verkaufen, ni<ht aber au + he, durch

welche der Käufer bewegliche Gegenstände erwirbt, ura sie zu seinem eigenen Bedarf in seinem Haushalt, feiner Wirthschaft, jeinem Gewerbe oder zu sonstigen Zwe>en zu verwenden“. Nach einem Erkenntniß des Reihsgeri<ts, vom 25. Oktober v. J., kann dieser Say nicht als richtig anerkannt werden. Nach dem gewöhnlihen Sprachgebrauch muß unter einem im faufmännishen Verkehr abgeschlossenen Kauf- und Lie- ferungsgeschäft die von einem Kaufmanne vorgenommene Veräußerung der nah seinem Geschäft zur Veräußerung be- stimmten Waaren verstanden werden. Daß nur eine solche Waarenveräußerung , welche eine Weiterveräußerung Seitens des Erwerbers bezwe>t, unter den Begriff des Kauf- und Lieferungsvertrages im kaufmännischen Verkehr falle, dafür a s der Kabinetsordre vom 30. April 1847 kein Anhalt zu nden.

Der General-Lieutenant von Strubberg, General- Inspecteur des Militär-Erziehungs- und Bildungswesens, hat Fd nah Bentheim begeben und wird von dort eine Dienst- reise na< den westlihen Provinzen zur Jnspizirung der dem- selben unterstellten Jnstitute antreten.

Der General-Lieutenant von Ziemießky, bisher Commandeur der 31. Division, welcher kürzlih in gleicher Eigenschaft zur 3. Division verseßt worden, ist zur Abstattung persönlicher Meldungen hier eingetroffen.

Der General-Lieutenant z. D. Baeyer, Präsident des geodätischen Instituts und Central-Bureaus der euro- päischen Gradmessung, ist na< Marienbad zum Gebrauche einer Kur abgereist und wird nah Beendigung derselben von as Jnspektionsreisen in Gradmessungsangelegenheiten antreten.

S. M.S. „Luise“, 8 Geshüßge, Kommdt. Korv. Kapt. Stempel, ist am 3. d. Mts. in Kiel eingetroffen.

Vayern. München, 3. Funi. (W. T. B.) Se. Königliche Hoheit der Prinz Carl von Preußen ist gestern Abend, von Bozen kommend, hier eingetroffen und seßt heute Abend die Reise über Ulm nah Wiesbaden fort.

Schwarzburg-Sondershausen. Sondecshausen, 2. Juni. (Mgdb. Ztg.) Der Landtag hat heute in zweiter und leßter Lesung den Geseßentwurf, betreffend die Do- mänenrente en bloc einstimmig angenommen. Der Geheimrath Reinhardt sprach sodann im höchsten Auftrage, und nachdem er die Wichtigkeit dieses Gesehes hervorgehoben, die Vertagung des Landtages aus, worauf dieser vom Präsidenten Drechsler mit einem Hoch auf den Fürsten geschlossen wurde. Seit dem 5, März, dem Eröffnungstage bis heute haben 11 Sigungen stattgefunden, in denen 10 Geseßentwürfe zur Erledigung ge- kommen sind.

Neuß á. L. Greiz, 1. Juni. (Leipz. Ztg.) Der Landtag des Fürstenthums ist, nachdem die Regierungsvor- lagen dur< ihre (einstimmige) Annahme erledigt worden, heute mit seiner nah der Verfassung erforderlihen Zustim- mung anderweit vertagt worden. Die nunmehr beendeten Neuwahlen für die verfassungsmäßig ausgeloosten Landtags- abgeordneten sowie deren Stellvertreter, soweit solche aus der Zahl der Großgrundbesißer und aus der Zahl der übrigen wahlberechtigten Landesangehörigen zu wählen gewesen sind, find dem von konservativer Seite aufgestellten Wahlpro- grayam entsprechend "ausgefallen. i

Oesterreich - Ungarn. Wien, 2. Juni. Die Staats- vertrags - Kommission des Herrenhauses hält morgen Mittags eine Sißung ab, in welcher der Handelsvertrag mit Deutschland in Verhandlung genommen werden wird. Wie die „Pr.“ vernimmt, wird das nah der Geschäftsordnung zu- lässige abgekürzte Verfahren vorgeschlagen werden, demzufolge im Plenum {hon in der Sonnabendsißung der mündliche Be- richt erstattet wird. Da das abgekürzte Verfahren auf Wunsch der Regierung eingeleitet wird, so {ließe man in Herren- hauskreisen daraus, daß die offizielle Vertagung {hon am Sonnabend, den 4. Juni, am Schlusse der Herrenhaussißung ausgesprochen werden soll. Die „Politik“ meldet dagegen, daß auch das Universitätsgeses, welches si<h ni<ht auf der Tagesordnung der Sonnabendsißung befindet, no< vor der Vertagung erledigt werden wird.

Prag, 2. Juni. Wie das „Prager Abendblatt“ meldet, treffen der Kronprinz Nudolph und die Kronprinzessin Stephanie am 8. Juni in Prag ein. Die Fahrt von Schönbrunn nach Prag erfolgt mit Rücksiht auf dcn Gesund- heitszustand der Frau Kronprinzessin im strengsten Jncognito, und wird weder in den einzelnen Bahnstationen, no< in Prag ein Empfang stattfinden.

Triest, 2. Juni. Heute fand eine von 151 hervor- ragenden Persönlichkeiten Triests besuhte Versammlung statt, in welcher, der „Pr.“ zufolge, der Vorschlag, die Feier des vor 500 Jahren erfolgten Anschlusses Triests an Desterreih mittelst einer allgemeinen österreichischen Judustrie- und landwirthschaftliben Ausstellung in Triest mit zweimonatliher Dauer im Herbste 1882 zu b:gehen, ohne Debatte angenommen wurde.

Pest, 3. Juni, (W. T. B.) Der ungarische Reichs- tag ist dur Königlichen Befehl zum 24. September d. J. einberufen. Eine Verordnung des Ministers des Jnnern seßt die Vornahme der Neuwahlen für die Zeit vom 24. Juni bis einschließli<h 3. Juli d. J. fest.

Großbritannien und Jrland. London, 3. Juni. (W. T. B.) Jm Laufe der heutigen Sißung des Unter- hauses gebrauchte der Deputirte O'Kelly den Behauptun- gen eines anderen Deputirten gegenüber die Worte: ver- leumderis<h und lügnerish, nahdem s{hon vorher der Ge- brau<h des Wortes „[lügnerish“ einem andern Deputirten untersagt worden war. Das Haus beshloß mit 188 gegen 14 Stimmen, den Deputirten O'Kelly für den Rest der Sißung u suspendiren. Parnell kündigte für kommenden Freitag den Antrag an, daß die Suspendirung O'Kelly's durch keinen Präzedenzfall gerechtfertigt sei. Der Premier Gladstone stelle den Antrag, daß si< das Haus am Schluß der heutigen Sigung bis zum 9. cr. vertage. Die Deputirten Gorst und Churchill drü>kten ihr Bedauern über den Mangel an FJnformationen über die Zustände in Jrland und im Transvaallande aus. Gladstone erwiderte: die Exekutive von Jrland habe gestern Abend ener- gische Maßregeln zur Unterdrü>ung der Unordnungen er- riffen. Northcote erklärte: die Mittheilung Gladstone's ei weit davon entfernt, die dur<h das Verbleiben Forsters in

Dublin und dur< bie alarmirenden Gerüchte verursa<hten Besorgnisse zu beseitigen; die größte Gefahr liege in der Schwäche und Unsicherheit der Regierung den Ereignissen in Jrland gegenüber. Der Staatssekretär des Jnnern Harcourt wies die der Regierung gemachte Beschuldigung zurü> und behauptete seinerseits : Northcote habe den Wunsch Besorgnisse hervorzurufen und dadur die Schwierigkeiten zu vermehren und die Situation noch ernster zu machen. Hierauf wurde die Einzelberathung der Landbill fortgeseßt. Jn einer Abendfißung fuhr das Unterhaus in der Debatte über das von Mc' Carthy beantragte Tadelsvot üm gegen die Regierung wegen deren Vorgehen in Frland fort. Der nas wurde schließli<h mit 130 gegen 22 Stimmen ab- gelehnt.

__- 4. Zuni. (W. T. B.) Die beurlaubten Offi- ziere der in Frland stationirten Regimenter haben den Befehl zur sofortigen Nü>kehr erhalten. 400 Mann Garde- truppen sind gestern von Dublin nah New-Pallas abgegangen um von dem dortigen Kastell Besiß zu ergreifen und die Ord: nung wieder herzustellen. Die Truppen sind angewiesen zu E Eore) M e wird.

g. Corr. us Pietermarißburg wird „Daily Telegraph“ unter dem 30. v. M. attet: n

Die von den Boeren in Potchefstroom weggenommenen Kan werden heute den Engländern wieder zurücgestellt werden. Was das angebliche Hinderniß betrifft, auf welches die Unterhandlungen zwischen Sir Evelyn Wood und den Boerenführern gestoßen sein sollen, so verdient dasselbe ganz und gar keinen Glauben. Im Gegentheil weist Alles darauf hin, daß eine friedliche Lösung erzielt werden wird. Gleich sicher ist, daß dem Marsch des Obersten Buller nah Potchefstroom durchaus keine feindselige Bedeutung beigemessen werden darf. Es ist ein Gerücht im Umlauf, wona die Einwohner Transvaals, welche dem britischen Regiment loyal geblieben waren benachrichtigt worden wären, daß das ganze Land den Boeren zurüd- erstattet werden würde. Die über Zusammenstöße zwischen Boeren und Cingeborenen im Umlauf gewesenen Gerüchte sind dementirs worden. Zwei Eingebornenstämme - haben \i< untereinander bekriegt und eine beträchtliche Anzahl Leute verloren. Die Boeren veran- stalteten zum Schutze ihrer eigenen Farmen eine Aushebung, um für

alle Fälle vorbereitet zu sein, allein es kam fei En Kampfe. zu keinem wirklichen

Frankreich. Paris, 2. Juni. (Cöln. Ztg.) De Ministerrath beschloß heute, in der Vechanblu L da Se- nats ‘über die Listenabstimmung wie bei der Verhand- lung in der Deputirtenkammer neutral zu bleiben. Der Se- nator Millau d, das einzige Ausshußmitglied des Senats, das für das Geseß Bardoux ist, hatte heute eine Unterredung mit dem Präsidenten Grévy, welcher erklärte, er werde in dieser Frage aus seiner verfassungsmäßigen Zurückhaltung nicht heraustreten und habe au< niemand Austrag ertheilt eine Ansicht in seinem Namen über diese Frage auszusprechen. Millaud war im Austrage Gambetta's zu Grévy gegangen.

Jn Tunesien ist der Krieg als vollständig be- endet zu betrahten. Von den Krumirs haben sih bis jeßt nur zwei Stämme noch niht unterworfen, nämlich die Tebainia und die Rekhaissis. Fhre Unterwerfung wird aber bald erfolgen, da der Bey sie dazu auffordern ließ. Die Mekna haben si< unterworfen, und die französischen Generäle gaben ausnahmsweise Befehl, ihre Ernten nicht zu vernichten und sie so dem Hungertode preiszugeben. Außer den oben- erwähnten Krumirstämmen haben si<h au die Mogod und die Ben Mater noch niht unterworfen, die zwishen Mekna und Biserta stehen. Der Angriff gegen dieselben erfolgt, sobald beh französischen Truppen die nothwendigen Vorräthe erhalten aben.

(Fr. Corr.) Dem Krie gs-Minister is aus Algerien folgende Depesche zugegangen : "e 1. Juni, 10 Uhr Abends. General Cerez telegraphirt mir aus Oran: Bu-Amema mit seinen Truppen ist gestern drei oder vier Kilometer südlih von Geryville gesehen worden, Major Fossoyeux \chi>te einige Kanonenschüsse in ihre Reihen, ließ dann die nordöstlih von dem Plage gelegenen Abhänge mit 250 Mann Jnfanterie, die zwei VBergkanonen hatten, E und ließ auf die Truppen des Agi- tators schießen, die zum Theil in südliher Richtung auscinanderstoben. Der Gum seßte ihnen nah, aber niht ras<h genug, um sie zu erreihen, ehe fie das Gebirge, das sehr steil ist, erklommen hatten. Bu-Amema scheint mit den Seinigen die Straße nach Hitten einzuschlagen. Die nunmehr vereinigten Kolonnen de Mallaret und Jnno- centi marschiren auf Kheider zu. Jn Bir-el-Amra herrscht beinahe Wassermangel ; die Verwundeten und Kranken werden morgen in Sfid und des Abends per Eisenbahn in Saida igs: rge bats P

em Gemeinderath von Paris lieat das Budget der Stadt für 1882 vor. Die ordentlichen Ausgaben Sen Paris betragen darnah 237 670 000 Fr., die ordentlihen Einnahmen werden auf 240 445 000 Fr. veranschlagt. Die Ausgaben sind um 9 Millionen Fr. gegen 1881 gestiegen.

= 3 Ui (V. T D) Jn Senat lege heute Waddington den Bericht der Kommission vor, welche die Ablehnung des von der Kammer beschlossenen Gesetzentwurfs über Wiederherstellung der Listenwahl beantragt. Jn ‘dem Berichte wird jeder Gedanke an einen Konflikt mit der Kammer zurü>gewiesen und erklärt, daß, falls ein Konflikt entstehen sollte, die Verantwortung da- für niht dem Senate zufallen würde. Ferner wird in dem Berichte auf die in der Listenwahl liegende Gefahr hinge- wiesen, indem dieselbe irgend einen Prätendenten herbeiführen könne, welhem Widerstand zu leisten die Kammer und der Senat gar nicht die Macht besißen würden, weil er als der Erwählte der Nation anzusehen sein werde. Die Berathung über qu Listenwahl wurde auf kommenden Donnerstag anbe- raumt.

Griechenland. Athen, 3. Juni. (W. T. B.) Die Gesandten der Mächte theilten heute dem Minister-Präsidenten Komunduros mit, daß die Mitglieder für die Kommission zur Abste>ung der griehis<-türkis<hen Grenze und zur Ausführung der Konvention bereits ernannt seien.

Türkei. Konstantinopel, 1. Juni, Dem Reuter- {hen Bureau wird von hier gemeldet: „Der Ministerrath er- örterte heute mehrere Finanzfragen, die mit dem Ans luß zwischen den österreichishen, serbishen und türkishen Eisen- bahnen im Zusammenhange stehen. Der Gouverneur von Janina hat ih nah Arta begeben. Eine Hälfte der gegen- wärtig in Thessalien stationirten türkishen Streit- kräfte wird dort verbleiben, um die Uebergabe des an

Griechenland abgetretenen Gebietes zu erleihtern. Die an- dere Hälfte wird niht aufgelöst, sondern nah Tri- polis gesandt werden. Die gemäß der Konvention

mit Griechenland zu bildende türkishe Kommission ist n ni<ht ernannt worden. Nachdem die griechische Frage ihre Lösung gefunden, sind die türkischen Panzerschiffe, die eine zeitlang seefertig im Bosporus ankerten, nah dem Goldenen Horn gebracht worden, um dort eine Veränderung in ihrer Armatur zu bewerkstelligen. Kruppsche Kanonen werden die Armstrongschen auf den oberen Verde>en der Schiffe erseßen. :

Wie der „Polit. Corresp.“ mitgetheilt wird, hätte der türkishe Ministerrath den Beschluß gefaßt, dem Sultan eine Vermehrung der türkischen Streitmächte in Tri- poli (Berberei) und die Errichtung eines ständigen türkischen Armee-Corps daselbst vorzushlagen. Demselben Blatte geht aus Mekka die Nachricht zu, daß der Sultan Abdul Hamid in der heiligen Stadt einen großen Erfolg zu verzeichnen t Seit der Regierung des Sultans Selim T. sah man keine türkische Fohne in Mekka wehen. Dem Einflusse des dortigen Militär-Kommandanten Nedschib Pascha gelang es, die Ja des Emirs Cherif Abdul Mutalib dazu zu erwirken, daß fortan an Freitagen und Festtagen auf den drei Forts der Stadt und auf den öffentlichen Gebäuden die türkishe Flagge aufgehißt werde. Das erste Mal wurde dieser Akt in sehr zeremoniöser Weise vollsührt und wohnten demselben der Cherif in Galauniform, die Mitglieder ' der Familie des Propheten, die Ulemahs- Notabeln und Lokalbehörden bei. Vor der Aufhissung der Fahnen wurde ein Gebet sür das Wohlergehen des Chalifen Abdul Hamid rezitirt. Verschiedene in europäishen Blättern zur Veröffentlihung gelangte Korrespondenzen über die Verhältnisse in Arabien sind von dem Emir Cherif Abdul Mutalib übel vermerkt worden. Um die Provenienz dieser Korrespondenzen zu eruiren, ließ er auf der dortigen Post zur Aufgabe gelangte verdächtige Briefe öffnen. Durch diese Prozedur erfuhr er die Namen einer Anzahl Korrespon- denten, welche sodann vorgeladen und einem Verhör unter- zogen wurden.

Rumänien. Bukarest, 4. Juni. (W. T. B.) Jn der gestrigen Sißung des Senats interpellirte Gradisteano die Regierung in Bezug auf dieDonaufrage. Der Minister- Präsident Bratiano verlangte, daß zunächst der frühere Mini- ster des Auswärtigen die Lage auseinanderseße. Boeresco Le- fapitulirte darauf die Angelegenheit bis zum Schlusse der leßten Session der Donaukommission und fügte hinzu, die Re- gierung sei seitdem zu der Ansicht gelangt, daß eine von der Donaukfommission unabhängige Seitenbehörde, gleichviel ob die- selbe aus 3 oder 4 Delegirten bestehe, selbst na< dem Auf- hören der Donaukommission gegen den Vertrag verstoße. Die von Oecsterreih gemachten Konzessionen habe das frühere Ministerium als ungenügend betrachtet, jedoch habe leßteres bei den mündlichen Unterhandlungen in die Einseßung einer Spezialkommission gewilligt, die aber von der Donaukom- mission unabhängig sein und in allen Streitfragen deren Entschei- dung anrufen müsse. Das Präsidium sei eine Frage des Ueberein- kommens, aber fcin Privilegium, cine dominirende Stimme dürfe es niht haben. Es sei der Regierung indessen nit gelungen die Mächte für diese Ansichten zu gewinnen, Der Minister- Präsident Bratiano erklärte hierauf, er glaube, daß Nichts kompromittirt sei, er müsse jedo<h, um handeln zu können, das Vertrauen nicht nur der Majorität, sondern auch der Mi- norität verlangen. Theodor Rosetti konstatirte im Namen der Opposition, day leßtere in dieser Frage Vertrauen zur Regie- rung habe. Nachdem no< Joan Bratiano und Gradisteano das Wort ergriffen hatten, ging der Senat zur Tagesordnung über.

4. Juni. Auch in der Deputirtenkammer wurde gestern bezüglih der Donaufrage eine Jnterpellotion an die Regierung gestellt. Der Deputirte Joneécu 1 Wte Vor: legung der über diese Frage stattgehabten C: COndenz. Von Seiten der Negierung wurde die Beantwortung F Fnter- pellation für Montag zugesagt. Die Meldung von einer unmittelbar bevorstehenden Reise des rumänischen Königpaars ins Ausland bestätigt sih nicht.

Ueber die rumänische Armee wird der „Cöln. Z.“ unter dem 28. Mai von hier geschrieben :

„Die Huldigungsfeier wurde mit einem interessanten militärischen Schauspiele bes<lossen. Man hatte von einer allgemeinen Konzen- tration der Truppen abgesehen und nur die in der Haupstadt selbst garnisonirenden Truppen waren aufgerufen, um an dem Königlichen Paare vorbeizudefiliren. Es bot sih dabei Gelegenheit, ein Bild von den verschiedenen Truppengattungen Rumäniens zu bekommen. Ru- mnänien hat geseßlich seine allgemeine Dienstpflicht und beträgt die Dienstzeit drei ahre im stehenden Heere und fünf in der Reserve. Aber außer der Linie giebt es noch drei andere Kategorien von Trupven. Da ist zunächst die Territorialarmee. In dieser wird der ni<t dur das Loos in die Linie berufene Mann in jedem Monate a<t Tage zur Dienstleistung und in jedem Jahre zwei Monate zur Waffenübung herangezogen. Die Dienstzeit ist hier für die Infanterie se<s Jahre, bei der Kavallerie fünf und vier bei der Artillerie. Die Linie zählt zur Zeit 8 Infanterie-Regimenter, 5 Kavallerie-Regimenter zu 4 Sc{bwa- dronen und 5 Artillerie-Regimenter zu 6 Batterien, darunter je cine reitende. Die Territorialarmee zählt 30 Infanterie-Regimenter, näm- lid die Dorobanzen, eine sehr beliebte Truppe, die sih im leßten Kriege ausgezeichnet hat, 11 Kavallerice-Regimenter, die Kalarasci, und 14 Batterien. Diese beiden Truppengattungen also, Linie und Territorialarmee, bilden die beiden hauptsächlichen Theile der Webrkraft Rumäniens. Zu diesen beiden Kategorien gesellen si aber no< ¿wei weitere: die Miliz und die Landwehr mit dem Land- sturme. Diese Elemente der Wehrkraft sind no< erst in der Ent- wi>lung begriffen. Es ist in jüngster Zeit die Bildung von 30 Re- gimentern dieser Milizen ganz auf dem Fuße der Dorobanzen in An- griff genommen worden, do< sind die Cadres no< nicht fertig und mit dem Kommando find einstweilen no< die Obersten der Doro- banzen - Regimenter betraut. Die Nationalgarde endlich ist, je nah der Bevölkerungsdichtigkeit ihrer Bezirke, in Legionen zu je zwei Bataillonen, in Bataillone und in den Gegenden mit sehr dünner Bevölkerung in Compagnien eingetheilt. Der Vorbeimars lieferte ein sehr interessantes Bild, indem sämmtliche erwähnten Truppenarten vertreten waren. Die rumänische Territorialarmee stellt cinen genialcn Kompromiß dar zwischen den gesellschaftlichen Verhältnissen eines hauptsä<bli<h a>erbautreibenden Landes und den Anforderungen des militärishen Dienstes, und das mag au das auf den ersten Bli>k befremdende Derhältniß der Zahl ihrer Regimenter 30, außerdem stellt die Miliz 30 Bataillone zu der geringen Zabl der Linien-Regimenter erklären. Sehr große Leute wies die vorüberziehende Artillerie auf und gute Pferde dazu; sie hat Icenti- metrige Geschütze neuester Konstruktion, während die darauf folgende Territorial-Artillerie Geshütze älteren Modelles mit si< führte. Re<t woblgefällig war au< der Eindru> der Kavallerie (Ka- laraschi), ein Ulanen-Regiment Roscori Nr. 2 und ein Husaren-Re- giment. Bei den letzteren, die zur Territorialarmce zählen, ihre Pferde selbst stellen müssen, bemerkte man die Sorgfalt, mit der jeder Zug vollständig gleichfarbige Thiere hatte. So viel ist gewiß: es ist ein guter, strammer Anfang gema<t; ein allen- Anforderungen ent- \spreendes Offiziercorps improvisirt sih nit in zehn, au nit in zwanzig Jahren. Rumänien \teht allen Ereignissen mit einer Wehr-

kraft gegenüber, die in wenigen Jahren an 200000 Mann zählen

wird,“

Serbien. Belgrad, 3. Juni. (W. T. B.) Die Skupschtina ist heute vom Fürsten mit einer Thronrede eshlofsen worden, welche von der ganzen Versammlung mit ebhaften Ziviorufen aufgenommen wurde. Am Nachmittag e zue Für st sodann seine Reise über Pest nah Berlin an- getreten.

_ NMußland und Polen. St. Petersburg, 4. Juni. \W. T. B.) Der „Regierungs- Anzeiger“ veröffentlicht die Kaiserlichen Ukase, durch welche der Kriegs-Minister Graf Miljutin und der Generalgouverneur von Finnland, Graf Adlerberg ll, auf ihre Bitte wegen zerrütteter Gesundheit ihrer Stellungen enthoben werden. An Stelle Miljutins wird- General Wannowski zum Kriegs- Minister und an Stelle Adlerbergs der bisherige General- stabschef Graf Heiden I!. zum Generalgouverneur von Finnland ernannt. Ein Reskript des Kaisers verleiht dem Grafen Miljutin die Bildnisse des jezigen und des ver- storbenen Kaisers mit Diamanten auf der Brust zu tragen.

Schweden und Norwegen. Christiania, 30. Mai. (Cöln. Ztg.) Das Wehrpflichtgeseß hat die Königliche Bestätigung nicht erhalten, doch ist die Aufhebung der Bürger- wehr genehmigt worden.

Dänemark. Kopenhagen, 3. Juni. (W. T. B.) Der Kön ig begiebt sih morgen auf dem Königlichen Dampfer „Dannebrog““ nah Lübe> und von dort nah Hambura, um feinen erkrankten Bruder, den Herzog Friedrih von Schles- wig-Holstein-Sonderburg-Glü>sburg zu besuchen, und kehrt am nächsten Dienstag hierher zurü.

Nr. 22 des Central-Blatt für das Deutsche Reich, herausgegeben im Reichsamt des Innern, hat folgenden Inhalt: All- gemeine Verwaltungssachen: Ausführungsvorschriften zu dem Gesetz, betreffend die Fürsorge für die Wittwen und Waisen der Reichsbeam- ten der Civilverwaltung. Konsulatwesen: Erequatur-Ertheilung. Marine und Schiffahrt: Erscheinen eines weiteren gere der Ents- scheidungen des Ober-Seeamts und der Secämter. Ernennung. Justizwesen: Aenderung im Verzeichniß der zur Einziehung von Ge- rihtsfosten bestimmten Stellen. Poslizeiwesen: Ausweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiete.

Nr. 22 des Justiz-Ministerialblattes hat folgenden Inhalt: Erkenntniß des Reichsgeribts vom 25. Oktober 1880. Ber Begriffsbestimmung der im kaufmännischen Verkehr abschlossenen

auf- und Lieferungs8geschäfte.

Statistische Nachrichten.

(El\.-Lothr. Ztg.) Im Ober-Postdirektionsbezirk Metz (Lothringen) sind gegenwärtig 73 Elsaß-Lothringer in Beam- tenstellen und 328 in Unterbeamtenstellen beschäftigt. Nach dem Sr. Majestät dem Kaiser unter dem 1. September 1880 erstatteten Berichte über die Entwickelung des Post- und Telegraphenwesens in Elsaß-Lothringen waren im Meter Ober-Postdirektionsbezirk an ein- geborenen Elsaß-Lothringern beschäftigt :

Ende 1871 18 Beamte und 137 Unterbeamte,

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1879 68 ÿ O SIE - Mitte August 1880 71 L 231

Es ergiebt \si< aus obiger Aufstellung zur Genüge, daß die Zahl der den Postdienst aufsucenden.-Elsaß-Lothringer tre-ftetem Zunebmen geblieben ist. Die Gesammtziffer derselben für die beiden Ober-Post- direktionsbezirke des Landes stellt sih wie folgt:

Ober-Postdirektionsbezirk Straß- burg (Ober- und Unter-Elsaß) 181 Beamte 632 Unterbeamte Ober - Postdirektionsbezirk Metz

I a E 328

zusammen in Elsaß-Lothringen 254 Beamte 960 Unterbeamte.

Kunft, Wissenschaft und Literatur.

Geseßze, betreffend die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen 2. R. von De>ers Verlag, Marquard u. Schenk in Berlin. Bekanntlich ist mit dem 1. April d. J. die hierüber bisher geltende Gesetzgebung großentheils beseitigt, indem durch das Reichêgesez vom 23, Juni 1880 die in den Einzelstaaten geltenden bezüglichen Bestimmungen 2c. außer Kraft geseßt sind, derart, daß au in diesen zur Ausführung des Reichêgeseßes neue gesetzliche und reglementaris<e Vorschriften + erforderli< wurden. Die vorliegende Zusammenstellung umfaßt dieselben in übersihtliher Ordnung ; iné- desondere enthält sie das vorbezeichnete Reichsgeset, betreffend die Abwebr und Unterdrü>kung von Viebseuchen, vom 23, Juni 1880, die zugehörige Instruktion des Bundesraths vom 12./24. Februar 1881 mit den ausführlichen Anweisungen über das Desinfektions- und Obduktionsverfahren, das preußische Ausführungégesetz vom 12. März 1881, das Reicbsgeset, betr. die Maßregelu gegen die Rinder- pest vom 7. April 1869, die Instruktion des Bunddesratës zu dem letzteren vom 7. April 1869, das Reichsgeseß, betr. die Zuwiderbandlun- gen gegen die zur Abwehr der Rinderpest erlassenen Vieheinfuhr verbote vom 21. Mai 1878, das Viecbseuchengesez für Elsaß-Lothrin- gen vom 27. März 1881 und die zugehörige Ministerialverordnung vom 28. März 1881 2c. Auch die von dem preußiscben Minister für Landwirthschaft 2c. über die Ausführung der Viebseuchengesete am 22. April 1881 erlassene Anweisung hat in dem Buche Aufnahme gefunden. Dasselbe ist mit Anmerkungen aus den Motiven zu den qu. Gesetzen 2c. verschen ; ein alphabetishes Sachregister erleicbtert den Gebrau. Bei der Wichtigkeit, welche die gedachten Bestimmun- gen sowohl für die mit der Handhabung derselben betrauten Polizei- und Gemeindebehörden bezw. für die thierärztlihen Kreise, insbeson- dere aber für die Viebbesiter haben, welche dur< Nichtbeachtung der Bestimmungen über Anmeldung von Viehseuchen, über die vorgeschrie- benen Absperrungs- und Deéinfektionsmaßregeln 2c. sich fowobl er- beblien finanziellen Verlusten dur< Wegfall der Entschädigung für getödtete Thiere wie aub empfindlichen Strafen aussetzen, wird diese die bis auf die neueste Zeit geltenden Bestimmungen umfassende Zu- sammenstellung einem vielseitigen Bedürfnisse entsprewen. Der Preis beträgt für 10 Bogen gr. kart. 2 H

Die in Lieferungen erscheinende „Geschichte der deutscben Literatur“ von Dr. Wilbelm Scherer (Berlin, Weidmann'sce Buchhandlung) liegt nunmebr bis zum 4. Hefte vor. Jn diesem ge- langt das 7. Kapitel, betitelt „Sänger und Prediger“ zum Abscbluß, in welbem der Verfasser das Absterben der mittelhobdeutshen Dich- tung und der Kultur, aus welcher sie erwu<s, mit dem Austreten der Bettelorden in Deutscbland (seit 1220) in Zusammenhang zu bringen fucht. Das ate Kapitel behandelt „das ausgehende Mittelalter“ (von 1348 bis 1517), in wel<hem das Volkslied, die Novelle und fkomishe Anekdote, vor Allem aber das Fastnactspiel die Massen beherrschte. Ein besonderer Abschnitt i dem Wiederaufleben des |fklassishen Alter- thums, dem Humanismus gewidmet. Das folgende Kapitel trägt den Titel „Reformation und Renaissance.“ Jn diesem ist die Charakte- ristik Luthers und seiner folgenreichen literarishen That der Bibel- übersetzung besonders interessant. Aber au der“ Abschnitt, welcher seine Genossen und Nachfolger, namentlid Johann Fischart schildert, ist fesselnd und prägnant gescrieben. Mit ciner Chbarakterisirung der Unterhaltungsliteratur in Prosa und dem Anfang des Abschnitts über

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das Drama von 1517 bis 1620 {ließt ic Lieferung. Troß größter Gedrungenheit der Darstellung macht diese denno< nirgends den

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Eindru> peinlicher Kürzung, fondern liest sih ebenso unterhaltend, als sie zugleich dem Leser eine mit geläutertem, objeftivem Urtheil vorgetragene Belehrung bietet.

Land- und Forstwirthschaft.

London, 2. Juni. Bei dem vorgestrigen nationalen Derby- rennen in Epsom liefen 15 Pferde. Sieger blieb mit einer halben Länge Mr. Lorillards „Jroguois“, (geritten von Archer); zweites wurde Mr. Normans „Peregrine“ (geritten von Webb), der Sieger des diesjährigen Rennens um den 2000 Guineen-Preis, der allgemein als N Sieger gegolten; und drittes Lord Rosfebery's „Town Moor“ (geritten von Lemaire). Der Sieger legte die 15 Meilen lange Bahnstrecke in 2 Minuten 50 Sekunden zurü>; er stand beim Ablauf 11 : 2 in den Wetten. „JIroquois“ is ein brauner Hengst von amerikanischer Abstammung. Es ist das erste Mal, daß ein amerikanisches Pferd siegreich aus der Konkurrenz um das blaue Band des Turfs hervorgegangen. ,

Gewerbe und Handel.

Amtlichen Nachrichten zufolge ist im Gouvernement Warschau die Rinderpest in dem Dorfe Zaborow-Stary, Kreis Gostynin, ausgebrochen, dagegen in den Dörfern Tokary *) und Gory, Kreis Gostynin, sowie Cisowe*), Kreis Sochaczew, erloschen.

Die Bilanz der Werra-Eisenbahn weist für das Jahr 1880 einen Reingewinn von 491 125 #4. auf, aus welchem nah Be- gleichung der Staatssteuer eine Dividende von 3 °/9 vertheilt werden fann. Für 1879 wurden 2 9/9 Dividende gegeben.

St. Petersburg, 4. Juni, (W. T. B) Nach amtlicher Bekanntmachung werden vom 1. Juni a. St. (13. Juni n. St.) die Zollgebühren pro Pud Jute um 40 Kopeken, für Jutesäke, Lein- jâde und grobe Emballagegewebe um 2 Rubel, für Jutedielenläufer, Hanf und dergl. um 50/9 gegen den bisherigen Tarif erhöht.

New - York, 3. Juni. (W. T. B) Baumwollen- Wochenbericht. Zufuhren in allen Unionshäfen 32000 B., Aus- fuhr nah Großbritannien 39 000 B., Ausfuhr nach dem Kontinent 30 000 B,., Vorrath 463 000 B.

*) Cf. Reichs-Anzeiger Nr. 114 de 1881,

Berlín, 4. Juni 1881.

Friedrich Graf zu Eulenburg +.

Am 2. Juni d. J.,, Nachmittags 3 Uhr, verstarb zu Schöneberg der KönigliheStaats-Ministecr, Kamme r- herr und Domfkapitular des Domfapitels zu Brandenburg, Graf zu Eulenburg, im Alter von nahezu 66 Jahren.

Friedrih Albert Graf zu Eulenburg, ein Sohn des Ritt- meisters Grafen Friedrih zu Eulenburg, geboren zu Königs- berg i. Pr. am 29. Juni 1815, trat, nahdem er auf den Universitäten zu Königsberg i. Pr. und Berlin die Rechts- und Staatswissenschaften studirt hatte, am 1. Dezember 1835 als Auskultator bei dem vor- maligen Ober - Landesgerihte in Königsberg i. Pr. in den Staatsdienst. Am 11. September 1837 zum Resferen- darius ernannt, wurde er zunächst bei dem Landgerichte in Cobienz und seit dem 1. April 1839 bei den Oberlandes- gerihten in Cöln und demnächst in Münster beschäftigt. Nach Ablegung der dritten juristishen Prüfung wurde er unterm 18. Januar 1842 zum Gerichtsassessor ernannt und dem Landgerichte in Cöln überwiesen. Da er den Wunsch aus- gesprochen hatte, in die allgemeine Verwaltung über- nommen zu werden, so wurde ihm gestattet, sowohl in Cöln als demnächst in Oppeln nah seiner im Januar 1844 erfolgten Versezung an das dortige Land- und Stadtgericht Behufs seiner Vorbereitung für das Verwaltungsfah auch Arbeiten bei der Regierung mit zu übernchmen. Er wurde demnächst unterm 18. November 1844 zum Regierungs- Assessor ernannt, anfangs dem Regierungskollegiuum in Oppeln überwiesen und im Juli 1845 an die Regi:rung in Merseburg verseßt. Seine außergewöhnliche Befähigung und gründliche wissenschastlihe Bildung in Verbindung mit einer hervorragenden Geschäftsgewandtheit gab Veranlassung, daß er im Juli 1848, als er im Begriff stand, eine Reise nah Nord-Amerika, zu welher er einen ein- jährigen Urlaub erbeten hatte, anzutreten, zur Beihülfe bei legislatorishen Arbeiten als Hülfsarbeiter zunächst in das Finanz-Ministerium und demnächst unterm 27. Januar 1849 in das Ministerium des Jnnern berufen wurde. Fn dieser Stellung erhielt er unterm 26. September 1849 die B:stal- lung als Regierungs-Rath.

Unterm 22. März 1852 wurde Graf Friedrich zu Eulen- burg unter besonderer Anerkennung der von ihm geleisteten ersprießlihen Dienste zum General-Konsul für Belgien in Antwerpen, unterm 21. September 1855 zum Legations- Rath und unterm 25. April 1859 zum General-Konsul in Warschau ernannt. Diese leßtere Stellung hat er jedo nicht angetreten, da er, nahdem ihm unterm 30. Juli 1859 die Kammerherrnwürde verliehen worden war, unterm 17, Ok- tober 1859 mit der Leitung der nah den ostafiatishen Ge- wässern zu entsendenden Expedition beauftragt wurde.

Dem als Chef dieser Expedition unterm 9. April 1860 zum außerordentlihen Gesandten und bevollmäch- tigten Minister ernannten Grafen gelang es, durch seine Behacrlichkeit, seine Energie und seine Gewandtheit die Hindernisse, welhe der ihm gestellten Aufgabe ent- gegenstanden, zu beseitigen und das ihm gefle>te Ziel vollständig zu erreihen. Die Freundschafts-, Handels- und Schiffahrtsverträge , welhe von ihm zwischen Preußen und Japan am 24. Januar 1861, und zwischen den Staaten des Zollvereins, Me>lenburg und den Hansestädten Lübe>, Hamburg und Bremen einerseits und China andererseits unterm 2. September 1861 abgeschlossen worden sind, h1ben sih für die Entwi>elung der Beziehungen zu den genannten beiden Staaten im hohen Grade als förderlih erwiesen, und noch fortdauernd lassen sih die segensvollen Wirkungen seiner damaligen erfolgreihen Thätigkeit erkennen. Nach Beendi- gung sciner Mission wurde ihm dur Verleihung des MReS Adler-Ordens 11. Klasse die Allerhöchste Anerken1ung hierfür zu Theil. Unterm 24. Juni 1862 wurde er zur Disposition gestellt, gleichzeitig aber seine anderweite Verwendung im aus- wärtigen Dienste in Aussicht genommen und er einstweilen in der politishen Abtheilung des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten beschäftigt.

Seine Wiederverwendung erfolgte jedo< niht im aus- wärtigen Dienste, sondern dur< die Berufnng als Minister des Sunern, welche Stellung ihm dur< Allerhöchste Ordre vom 8. Dezember 1862 übertragen wurde. Als er unter den \hwieriasten Zeitverhältnissen dieses ihm dur<h das Aller- höchste Vertrauen übertragene Amt übernahm, erklärte er in

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