1881 / 140 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Ministerium der öffentlihen Arbeiten.

Bei dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten ist der Eisenbahn-Direktions-Sekretär Orlich zum Geheimen expedi- renden Sekretär und Kalkulator ernannt worden.

Bekanntmachungen auf Grund des Reihsgeseßes vom 21. Oktober 1878.

Auf Grund des §. 11 des Reichsgeseßes gegen die ge- meingefährlihen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Dftober 1878 wird die Druckschrift in littauischer Sprache: Kningos Tejsibiun prancuziszkaj per Kunega Lemmena, suraszytos 0 lietuwiszkaj iszgueditos per Blodistawa Deb skia, Kunega, Zemajcziu Wiskupistes, Parisziuje, Kasztu B. Debskia Drezdene Spaustuwe J. 1, Kraszauskia 1870, hier- durch verboten.

Gumbinnen, den 16. Juni 1881. Der Königliche Regierungs-Präsident. Jn Vertretung: Siehr.

Nichtamtliches.

Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 18. Juni. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz wohnte gestern Morgen den Kavalleriebesichtigungen auf dem Bornstedter Felde bei Potsdam bei.

__ Nachmittags 2 Uhr fand bei Jhren Kaiserlihen und Königlichen Hoheiten den Kronprinzlichen Herrschaften im Neuen Palais ein größeres Diner statt, zu welhem die zu den Kavallerie-Exercitien bei Berlin und Potsdam kommandirt ge- wesenen Königlich bayerishen und Königlich sächsischen Offi- ziere sowie das Offiziercorps des Lehr-Jnfanterie-Bataillons und einige andere Personen befohlen waren.

Der Bun desrath, die vereinigten Auss{hü}e des- selben sür Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Ver-

kehr, sowie der Ausschuß für Zoll- und Steuerwesen hielten heute Sißungen.

__— Zur Bildung und Veräußérung von Theilstücken einer, dem Geseg über gemeinschaftlihe Holzungen vom 14. März 1881 (Ges.-Samml. S. 261) unterworfenen Holzung ist, abgesehen von Veräußerunyen für Zwecke, wegen welcher das Enteignungsverfahren zulässig ist, die Genehmigung der Aufsichtsbehörde erforderlich. (88. 1, 8 a. a. D.) Um (insbesondere für die der Entgegennahme von Auslassungs- erklärungen vorangehende Prüfung) Zweifeln vorzubeugen, macht der Justiz-Minister die betheiligten Gerichte durch eine allgemeine Verfügung vom 10. d. M. darauf aufmerksam, daß als Aufsichtsbehörden im Sinne jenes Geseßes zur Zeit anzu- sehen sind: n in den Provinzen Preußen, Brandenburg, Pommern, Pojen, Schlesien und Sachsen die Regierungs-Prä- sidenten, 2) in der Provinz Ffigover die Landdrosteien, 3) in den übrigen Provinzen die Bezirksregierungen.

Wird von einem ‘Gläubiger auf angeblih seinem Schuldner gehörige Gegenstände, die sich im Gewahrsam eines Dritten befinden, ein s{hleuniger Arrest ausgebracht, so äußert, nah einem Erkenntniß des Reichs gerichts, I. Civil- senats, vom 20. April d. J., der gerichtliche Arrestbefehl, wenn auch die arrestirten Gegenstände gar niht dem Schuldner, sondern einer anderen, völlig unbetheiligten Person gehören und dem Aufbewahrer der Gegenstände dies bekannt ist, so lange seine Wirksamkeit, bis der Arrest wieder aufgehoben ist. Der Aufbewahrer darf die irrthümlih arrestirten Sachen dem Eigenthümer derselben nicht herausgeben, und der Eigenthümer hat kein Klagereht gegen den Aufbewahrer auf Herausgabe der Sachen ; wohl aber hat der Eigenthümer ein Klagereht gegen den Arrestanten i Anerkennung seines Eigenthums und event. auf Schadenersat.

An Zöllen und gemeinschaftlihen Vec brau chs- steuern sowie anderen Einnahmen sind im Reiche (ein- shließlih der kreditirten Beträge) für das Etatsjahr 1880/81 (verglihen mit der Einnahme in demselben Zeitraum des Vorjahres) zur Anschreibung gelangt : Zölle 182 222 724 M (+ 40356313 S), Rübenzuckersteuer 48 424394 M (— 4 961 822 M), Salzsteuer 37 238 994 M (+ 653 112 M), Tabafksteuer 7 212124 1 (+ 6136000 M), Branntwein- steuer'45 187 075 M (+ 1 660 847 M), Uebergangsabgaben von Branntwein 123344 { (— 12811 H), Brausteuer 17 138 641 M (+ 615 240 M4), Uebergangsabgaben von Bier 1109608 M (+ 104815 M), Summe 338656 904 M (+ 4456561694 F), Spielkartenstempel 1103 627 + 1 790 M), Wechselstempelsteuer 6 464 420 M (+ 121 503 M6), Reichs-Post- und Telegraphenverwaltung 136 647 194 (+ 5 118 391 M), Reiché-Eisenbahnverwaltung 40 102 892 M (+ 2583 699 6).

Die zur Reichskasse gelangte Jst-Einnahme abzüglich der Bonifikationen und Verwaltungskosten beträgt bei den nachbezeihneten Einnahmen für das Etatsjahr 1880/81 : Zölle 163 583 693 M (+ 28 265 432 C), Rübenzucer]teuer 28 046 473 M. (— 17 846 844 M), Salzsteuer 36 644 852 M (+ 712391 M), Tabafsteuer 1 262 297 M (+ 365 635 M), Branntweinsteuer und Uebergangsabgabe von Branntwein 35 366 837 M. (— 1 490 182 M), causteuer und Uebergangs- abgabe von Bier 15 464 091 M (-4- 604 306 #(), Summe 280 368 243 M (4+ 10610738 M), Spielkartenstempel 1030 071 M (— 106 491 M).

Für die Zeit vom 1. April 1881 bis zum Schlusse des Monats Mai 16881 sind zur Anschreibung gelangt : Zölle 29 413 012 M (+— 5222902 S), Tabaksteuer 121408 M ms 182937 M), Rübenzuckersieuer 11678 873 # (— 4 424 236 M), Salzsteuer 4 851 025 M (4- 303 641 M), Branntweinsteuer 4 895 997 ## (— 8285 A), Uebergangs- abgaben von Branntwein 18 592 # (+4 75 S), Brausteuer 3 178 210 M (+ 80 063 S), Uebergangsabgaben von Bier 188007 M (+4 832852 M), mme 30 987 378 M (+ 1024075 M), Spielkartenstempel 114591 F

(— 5974 M).

Die zur Reichskasse gelangte abzüglich der Bonifikationen und erwaltungskosten beträgt bis Ende Mai 1881: Zölle 25351650 # (-

6 846 722 M), Tabaksteuer 126856 M (— 131 498 M),

st - Einnahme

Rübenzuckersteuer 23 180 771 # (— 1351205 H), Salz- steuer 5932231 H (+ 210960 4), Branntweinsteuer und ebe rpancz bade von Branntwein 6 548 388 4/6 (+ 30944 #), Brausteuer und Uebergangsabgabe von Bier 2 862 150 96 059 M), Summe 64002046 M

(+ 5701982 M), Spielkartensterpel 196155 M (+ 11 562 Mé).

Der General - Lieutenant Wiebe, Jnspecteur der L, Fuß-Art erter en, ist von der Dienstreise zur Musterung des Niedersclesishen Fuß-Artillerie-Regiments Nr. 5 von Posen wieder hierher zurückgekehrt.

_ Durch Allerhöchste Kabinets : Ordre vom 14. d. Mts. ist dem General-Major von Berken, Kommandant von

a der Rang eines Divisions-Commandeurs verliehen worden.

Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Unter-Staats- sekretär Dr. von Mayr ist nach Straßburg zurückgereist.

___— Das „Marine-V.-Bl.“ enthält folgende Nachrichten über Schiffsbewegungen: (Das Datum vor dem Orte bedeutet Ankunft daselbst, nah dem Orte Abgang von dort.) S. M. S. „Ariadne“ 9./2. Callao 15./2. ju Schießversuchen in See. 17./2. Callao 12./3. 12./4. Valparaiso 23./4. 26./4. Coquimbo. (Poststation: Plymouth.) S. M. Knbt. „Delphin“ 30./4. A (Poststation: bis 24./6. Nor- derney, vom 25./6. ab Helgoland.) S. M. Knbt. „Drache“ Wilhelmshaven 30./5. behufs Aufnahme der diesjährigen Ver- messungen. (Poststation: Hull.) S. M. S. „Freya“ 11./4. Hongkcng 19./4. nah den Paracell-Jnseln behufs Vor- nahme von Vermessungen. 30./4. Hongkong. (Poststation: Aden.) S. M. Aviso „Habicht“ 26./2. Melbourne 24./3. 5./4. Audckland 12./4. nah Apia. (Poststation : Auckland auf Neuseeland.) S. M. S. „Hertha“ 12./6. Yokohama. (Poststation : Hongkong.) S. M. Knbt. „Hyäne“ war telegraphisher Nachricht zufolge 21./5. in Brisbane 26./5. nach Batavia. (Poststation : Aden.) S. M. Knbt. „Zltis“ 31./1. Hongkong 20./3. 23./3. Manila 27./3. 27./3. Ga- lera Bay 28./3. 830./3. Zebu 2./4. 4./4. Sulu Rhede 9./4. 9./4. Maimbung Rhede 13./4. 13./4. Sulu Rleds 14./4. 18./4. Manila 21./4. 26./4. Hongkong. (Post- station: Hongkong.) S. M. Av. „Loreley“ 30./4. Konstan- tinopel. Leßte Nachricht von dort 4./6. (Poststation : Konstantinopel.) S. M. S. „Luise“ Wilhelmshaven 18./5. (18./5. Schillig Rhede 19./5. 24./5. Arendal 28./5. 3./6. Kiel 13./6. nah Swinemünde. (Poststation: bis 20./6. Swinemünde, vom 21./6. ab Saßniß). S. M. Av. „Möwe“ 2./3. Melbourne 24./3. 5./4. Auckland 16./4. Apia. (Post- station: Aucktland auf Neuseeland). S. M. S. „Moltke“ war telegraphisher Nachricht zufolge 10./6. in Montevideo. (Poststation: Panama.) S. M. Knbt. „Nautilus“ 20./4. Bris- bane 3.,/5. Heimreise durch die Torresstraße. (Post- station: bis 23 /6. Aden, vom 24/6. ab Suez.) S. M. S. „Niobe“ Kiel 31./5. 9./6. Dover Rhede. (Post- station: bis 26./6. Dartmouth in England, vom 27./6. ab Cowes.) S. M. S. „Nymphe“ 9./5. Norfolk. (Poststation: bis 19./6. Boston, vom 2./6. ab Halifax [Nowa Scotia].) S. M. Brigg „Rover“ 11./4. Friedrihsort. (Poststation : bis 18./6. Friedrichsort, pom 19./6. ab Swinemünde.) S. M. S. „Stosch“ 26./4. Rhede Funchal (Madeira) 1./5. 13./6. Capstadt. Beabsichtigte am: 18.76. die Reise fortzuseßen. (Post- station : Hongkong.) S. M. Brigg „Undine“ 11./4. Fried- rihsort. (Poststation : bis 18./6. Friedrihsort, vom 19./6. ab Swinemünde.) S. M. S. „Victoria“ 27./4. Bahia 10./5. nach Rio de Janeiro. (Poststation: Bahia in Brasilien.) S. M. S. „Vineta“ 16./5. Hongkong. (Poststation: Ply- mouth.) S. M. Knbt. „Wolf“ 2./11. 80. Tientsin. 4./4. 81. 5./4, Lü-{hun-kou (Port Arthur) 7./4. 8./4. Tschifu 16./4. 21./4. Shanghai. (Poststation: Hongkong.) Uebungs- geschwader Kiel 28./5. 3./6. Kiel 8./6. 12./6. Neufahr- wasser. (Poststation : Neufahrwasser.)

Vayern. München, 15. Juni. (Allg. Ztg.) Die Kaiserin von Oesterreich und die Erzherzogin Valerie sind von Wien kommend, heute Morgen hier eingetroffen und haben sofort die Fahrt nah Possenhofen und Feldaffing

fortgese, wo die Herrschaften mehrere Wochen verweilen werden.

Sachsen-Coburg-Gotha. Coburg, 16. Juni. (Mgdb Ztg.) Nachdem der Landtag den Etat auf das Jahr 1881 —1882 festgestellt hat, ist derselbe auf unbestimmte Zeit ver- tagt worden.

__ Oesterreich-Ungarn. Wien, 16. Juni. (Pr.) Bei günstigstem Wetter wurde heute die Frohnleihnams- prozession nah dem üblichen Ceremoniel abgehalten. Der Kaiser fuhr um 7 Uhr im achtspännigen Galawagen in die Stephanskirche, von der sich um halb 8 Uhr die Prozession zu den vier Altären am Neuen Markt, dem Lobkowitplagt, dem Kohlmarkt und dem Graben in Bewegung seßte.

_ 18. Juni. (W. T. B.) Graf Wolkenstein ist zum Geheimen Rath und Sektionshef im Ministerium des Aus- wärtigen ernannt worden. Derselbe wird die Leitung der handelspolitishen Sektion sowie des Departements des Kaiser- lichen Hauses übernehmen.

Schweiz. Bern, 16. Juni. (N. Zürch. Ztg.) Der Nationalrath hat den Handelsvertrag mit Deuts\c- land einstimmig angenommen.

Belgien. Brüssel, 17. Juni. (W. T. B.) Die Repräsentantenkammer hat den Geseßentwurf, durch welchen die Bedingungen für die \. g. große Naturalisa- i S werden, mit 62 gegen 51 Stimmen ge- nehmigt.

Großbritannien und Jrland. London, 17. Juni. (W. T. B.) Jm Unterhause erklärte heute der Unter- Staatssekretär Dilke in Beantwortung mehrerer Jnter - pellationen: er wisse niht, daß der Bey von Tunis den bisherigen Gebrauch beim Empfange des britischen Ver- treters geändert habe; er kenne keinen Präzedenzfall, wo der Vertreter einer fremden Macht bei einer anerkannten Regierun seine Kollegen aufgefordert hätte, mit den Landesbehörden dur seine Vermittelung zu verkehren. Jn dem gegenwärtigen gate habe der Bey selbst Roustan zum Vermittler ernannt.

iese Ernennung bilde den Gegenstand eines Schriftwechsels mit Frankreih, der noch fortdauere. Roustans Ernennung berühre die britishen Vertragsrechte nicht. Der britis? Agent

in Tunis sei angewiesen, wie bisher zu verfahren, wenn er | wurde demzufolge am 4. d. aufgelöst.

jedoch angewiesen werden sollte, dur Roustan mit der tune- sischen Regierung zu verkehren, dies zu thun. Hierauf seßte das Haus die Einzelberathung der irischen Landbill fort und begann mit der Diskussion über den Art. 2 derselben. (Allg. Corr.) Großbritanniens Staatsein- nahmen vom 1. April bis 11. Juni betrugen 15 843 634 fd. Sterl. gegen 16 556 752 Pfd. Sterl. im entsprehenden Zeitraum des vorhergehenden Jahres, und die Ausgaben 15 802 578 Pfd. Sterl. gegen 15 459 335 Pfd. Sterl. Das Guthaben des Staatsschaßzes in den Banken von England und Frland belief sih am 11. Juni auf 6 132 786 Pfd. Sterl. Das Jndische Amt in London hat vom Vizekönig von tes folgende, vom 15. d. datirte Depesche erhalten : „Briefe aus Kandahar enthalten Näheres über das am 8. d. gemeldete Treffen bei Girishk. Darnach verlor die auf 1500 Mann geschäßte Streitmacht Eyubs ca. 50 Mann an Todten, wäh- rend die Truppen des Emirs nur zwei Verwundete hatten. Siadar Kashim Khan war nicht zugegen. Briefe vom 9. d. melden, daß Ma- homed Hassan mit 300 Epubschen Reitern den Helmund übecschritten, Sangjibar beseßt und einen Einfall in Miskarez gemacht hatte. Ves stärkungen befanden ih auf dem Wege von Kandahar nah Girishk, und Truppen aus Khleat-i-Ghilzai nlbecten sih Kandahar.“

_ Frankreih. Paris, 16. Juni. (Fr. Corr.) Nah längerem Zaudern “hat Hr. Tolain hêute folgenden Re- visionsantrag im Senate eingebraht: Der Senat wolle beschließen: Jn Gemäßheit des Art. 8 des Gesetzes, be- treffend die Organisirung der öffentlihen Gewalten, erklärt der Senat, es sei am Playe, die Verfassungsgesetze einer Revision zu unterziehen, und beantraat, daß die beiden Kammern auf den 11. Juli 1881 zu einer Nationalversamm- lung nah Versailles einberufen werden. Jn den Motiven, mit welchen Hr. Tolain seinen Antxag begleitet, heißt es:

_ Unsere Verfassungsgesetßze sind mit so bedenklichen Unvollkommen- heiten und einem so gefährlichen Charakter behaftet, daß der Senat der Kammer, der vollstreckenden Gewalt und dem Lande Widerstand leisten könnte, ohne daß es möglich wäre, den Konflikt auf geseßlichem und friedlibem Wege zu lösen. Hierin liegt ein permanenter Grund zur Unruhe und Aufregung für das Land, zu Verlegen- heiten für die CeCiernug, zur Entmuthigung oder Gereiztheit für die Deputirtenkammer. Rasche Abhülfe ist um so nothwendiger, als die Art der Ernennung der Senatoren in offenem Widerspruche zu dem demokratischen Geiste steht und deshalb in den Augen der Nation das moralische Ansehen der Gewählten und mithin der ganzen Körper- schaft verringert. Dieses System, welches die Senatoren in unabset- bare und abseßbare theilt, die ersteren von jeder effektiven Verant- wortlichkeit und jeder anderen Kontrole als der ihres Gewissens, be- reit, die leßteren auf direktem Wege von Delegirten ernennt, die nicht eigens für diesen wihtigen Akt bestellt sind, sondern für die es nur eine ganz nebensäcbliche und gelegentliche Pflicht ihres Amtes ist, dieses ebenso willkürliche als verwickelte System kann nur als eine aristokratische Konzeption angesehen worden und war au in der That nur ersonnen worden, um im Gegensatze zur Deputirtenkammer eine Gewalt zu errichten, die nicht mäßigend wirken, sondern Widerstand leisten soll. Es wäre kindisch, sich darüber zu täuschen: die Frage der Verfassungs- revision wird in den nächsten Wahlen vor den Wabhlkörper gestellt werden. Würde also der Senat nicht weise und politisch handeln, wenn er selbst die Initiative zu einer als nothwendig erkannten Re- vision ergriffe, ohne erst abzuwarten, daß das Land sich kategorisch äußere? Er kann es zur Stunde noch in voller Sicherheit und Un- abhängigkeit thun. Wer möchte uns dafür stehen, daß die Gelegen- heit in einem späteren Momente ebenso günstig wäre?

(Cöln. Ztg.) Da die äußerste Linke des Gemeinde- raths beschlossen hat, aus Anlaß des Streites mit Andrieux das Budget der Polizei-Präfektur nicht zu genehmigen, so hat das Kabinet beschlossen, das Budget von Amts wegen einzustellen, falls die Verweigerung desselben im Gemeinde- rathe durchgehe.

Der „Univers“ bringt einen Bericht aus Algier, worin bei Gelegenheit der leßten Kämpfe im Süden der Provinz Oran über die Kriegführung geschrieben wird:

„In der Regel marschiren die Kolonnen im Carré; dieses Viereck wird bald aus ifolirten, untereinander in Beziehung stehenden Ele- menten gebildet, bald ist es vollständig. Die vollständige Formirung hat große Beschwerden. Man denke si ein Carré von 200 m Breite bei —600 m Lnge, dessen vier Fronten durch Infanterie gebildet werden, wo die Soldaten Scbulter an Schulter marschiren, und im Carré die Artillerie, Reiterei und eine Gepäck- masse auf 3- bis 4000 km einges{lossen. Die Kolonne rückt so als geschlossene Masse durch die Sahara. Jst der Boden eben und mit Thymian bedeckt, so geht alles gut, aber fällt die Kolonne in Sand- dünen, in Nifse, muß sie Gräben und Engpässe überschreiten, oder hat der dicke Staub von den Füßen der 3- bis 5000 Kamele und 4000 Soldaten keinen raschen Abzug, so wird der Marsch für die In- fanterie sehr lästig.“ :

Marseille, 17. Juni. (W. T. B.) Die ersten von der Expedition nah Tunis zurückehrenden Truppen unter General Vincendon sind hier eingetroffen. Beim Vorbe i- marsch der Truppen in der Rue de la Népublique wurde von dem italienischen Nationalklub aus mehrere Male gepfiffen. Nah dem Vorbeimarsche sammelte sich in Folge dessen eine Menschenmenge und wollte das Wappenschild des Klubs abreißen. Troß der Dazwischenkunft des Präfekten und der Gensd’armerie gelang dies zwei Personen. Die Truppen zerstreuten die Menge ; es wurden Vorsichtsmaßregeln getroffen zur Aufrechterhaltung der Ruhe.

__ Algier, 17. Juni. G T. B.) Oberst Malaret stieß am 15. d. bei dem Kasr Sidi Khilifa auf die Jnsur- genten unter Bouamema; allein diese vermieden den Kampf und wichen nah Chaiid zu aus, wo es ihnen troß der Verfolgung Seitens Mallarets geglückt sein soll, die Schotts zu überschreiten und so in die Wüste zu entkommen.

Spanien. Madrid, 17. Juni. (W. T. B.) Der Minister des Auswärtigen und der Vertreter Eng- lands haben sih gestern über eine Konvention, betreffend die Abgrenzung der Jurisdiktion über die Ge- wässer um Gibraltar, geeinigt, von welher man eine OTLRNRE der bezüglichen, bisher voryekommenen Konflikte erwartet.

Portugal. Der „Polit. Corresp.“ wird aus Lissabon, 7. Juni, geschrieben :

Zur Stunde {webt wieder ein Konflikt zwishen Regierung und Kammer in unserem Lande. Der Verlauf der Differenz bis zu ihrem augenblicklihen Stadium ist in gedrängten Zügen der folgende: Die beiden portugiesishen Kammern sind am 30. Mai zur Wiederaufnahme ihrer Arbeiten zusammengetreten. Das Kabinet forderte nun gleich in der ersten Sitzung die parlamentarishe Er- mächtigung zur Einhebung der Steuern und zu deren Ver- wendung gemäß dem früheren Budgetvorshlage, da die Re- gierung die Absicht habe, die Wablkammer aufzulösen. Die leßtgenannte Kammer weigerte sich jedo, dem Begehren des Kabinets zu willfahren, erklärte Lid dagegen bereit, das regelmäßige Budget, dessen parlamentarische Diskussion beinabe beendet war, ohne Weiteres zu votiren. Das Kabinet beantwortete diese Haltung der Wakhltkammer dadur, daß es dem König die Auflösung der leßteren empfahl. Der Monarch gab feine Zustimmung und die Kammer ie Kammer legte nun gegen

die Starrsinnigkeit wie sie es nennt des Kabinets förmlich Verwahrung ein, allein der König vermochte sih nicht von der Be- rechtigung dieses Protestes zu überzeugen und hat seine Uebereinstim- mung mit dem Vorgehen seiner Räthe ausgesprochen. Die Regierung wird nunmehr ohne verfafsungsmäßig gewährtes Budget zur Erhebung der Steuern schreiten müssen.

Numäánien. Bukarest, 17. Juni. (W. T. B.) Der Senat hatte sich durch die Antwort des Kriegs- ministers Slaniceanu auf eine Fnterpellation, be- treffend eine Lizitation zu Armeelieferungen, für nicht befriedigt erklärt, und der Kriegsminister hat in Folge dessen seine Demission gegeben.

18. Juni. (W. T. B.) Wie verlautet, hat der Finanz- Minister Sturdza seine Demission gegeben, auch soll der Minister des Fnnern Statescu beabsichtigen, von seinem Posten zurückzutreten.

Bulgarien. Sofia, 17. Juni. (W. T. B.) Der

N Alexander hat seine Reise nah Berkovaß, Widdin,

ompalanka fortgeseßt und ist überall mit großem Enthusias-

mus empfangen worden. Von zahlreihen Deputationen

wurden dem Fürsten Adressen überreicht, in denen erklärt

wird, daß die Bevölkerung die von dem Fürsten gestellten Be- dingungen acceptire.

Nußland und Polen. St. Petersburg, 18. Juni. (W. T. B.) Ein Kaiserlicher Ukas ernennt den Senator Geheimen Rath Gotowzeff zum Adjunkten des Minis sters des Fnnern an Stelle des Staats-Sekretärs, Wirk- lihen Geheimen Raths Kakhanoff, welcher seines Amtes enthoben ist und mit einem besonderen Austrage betraut wer- den soll. Der Minister des Jnnern hat dem in Moskau erscheinenden Blatte „Rusky Kurjer“ die zweite Verwarnung ertheilt. Der Finanz-Minister hat ein Cirkular erlassen, dur welches die Accise auf Spiritus vom 1. Juli cr. ab auf aht Kopeken pro Grad festgeseßt wird.

Nr. 24 des Central-Blatt für das Deutsche Reich herausgegeben im Reichsamt des Innern, hat folgenden Inhalt: Zoll- und Steuerwesen: Bestimmungen, betreffend das Verfahren bei Fest- stellung der Litermenge der in Theilungslagern in Fässern zu- und abgehenden Weine. Veränderungen im Bestande und in den Befug- nissen von Zoll- und Steuerstellen. Finanzwefen: Nachweisung der Einnahmen des Reichs für das Etatsjahr 1880/81; desgl. vom 1, April bis Ende Mai 1881. Konsulatwesen: Ernennung. Be- stellungen von Konsularagenten. Exequaturertheilung. Polizei- wesen: Ausweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiete.

Deutsches Handels-Archiv. Wochenschrift für Handel und Gewerbe, herausgegeben im Reichsamt des Innern. Nr. 24. Inhalt:

Gesetzgebung: Deutsches Reich: Gesetz, betreffend die Küstenfracht-

fahrt. Brasilien: Zölle auf Oel, Bier, Spirituosen, Essig und Wein. Rußland: Einfuhrzoll auf Jute und Jutefabrikate. Er- höhung des Einfuhrzolles auf Cement. Niederlande und Rußland: Deklaration zwischen beiden Staaten, betreffend den gegenseitigen Schutz der Handels- und Fabrikzeichen. Großbritannien: Modlfi- kationen der Bier- und Branntweinbesteuerung. Spanien: Ver- zollung von Werkzeugen. Türkei: Egypten: Modifikation der Hafenabgaben in- Alexandrien. Bulgarien: Aufhebung der Acciseabgabe ouf fremde Weine, Spirituosen, Biere 2c. Vereinigte Staaten von Amerika: Ausführungsbestimmungen zum Markenschußzgeseß. Centralamerika: Honduras: Außerordentlicher Ausfuhrzoll auf Tabak Berichte: Zur Hebung des deutschen Aus- fubrhandels. Großbritannien: Glasgow (Eisenindustrie), Bris- bane (Scbiffsverkehr). Niederlande: Handel und Schiffahrt von Niedcrländis{-Ostindien in den Jahren 1877 und 1878. Vereinigte Staaten von Amerika: Tabellarishe Uebersicht des Ein- und Aus- fuhrhandels der Union in dem mit 30. Juni endenden Fiskaljahre 1879/80. Chile: Valparaiso (Schiffsverkehr). China: Schanghai (deuts{er Verkehr in Tschinkiang).

Nr. 24 des Justiz-Ministerialblattes hat folgenden Inhalt: Allgemeine Verfügung vom 9. Juni 1881, betreffend die Vertretung des Fiskus in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten. Allge- meine Verfügung vom 10. Juni 1881, betreffend den §. 8 des Ge- setzes über gemeinschaftliße Holzungen vom 14. März 1881 (Ges.- Samml. 1881 S. I Allgemeine Verfügung vom 13. Juni 1881 über den geschäftlichen Verkehr zwischen den Gerichten und der Staatsanwaltschaft in Ebesachen.

Nr. 30 des Amtsblatts des Reichs-Postamts hat folgenden Inhalt: Geseß, betreffend die Besteuerung der Dienstwoh- nungen der Reichsbeamten. Vom 31. Mai 1881, Verfügungen : vom 9. Juni 1881: Kennzeichnung der als Sperrgut zu behandelnden Packetsendungen. Vom 13. Juni 1881: Mahnung zur genauen Be- achtung der Vorschriften über die richtige Verrednung des Portos auf unfrankirten Sendungen.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Handbuch der Strafvollstreckung und Gefängniß“ verwaltung in Preußen. Herausgegeben von A. Dalcke, Dber- Staatsanwalt, und S. Genzmer, Staatsanwalt bei dem Ober- Landesgericht zu Marienwerder. Berlin, Verlag von H. W. Müller. Kartonnirt 6 F In Folge der Neugestaltung der Justiz- behörden wurde eine Anzahl von Richtern und Staatsanwalten mit der Strafvollstretung und Gefängnißverwaltung betraut, denen diese Gebiete der amtlichen Thätigkeit bis dahin ziem- lich fremd geblieben waren. Sich auf den leßteren {nell zu orientiren ist aber um deswillen niht ganz leit, weil die be- treffenden gesetzlihen uud reglementarischen Vorschriften sich nur in einer Reihe von Jahrgängen des Justiz-Ministerialblattes und anderer Sammlungen zerstreut vorfinden; weil ferner viele derselben über- haupt gar nicht gedruckt, sondern nur in den Generalakten der Be- hörden zu finden sind, und weil es endlih auch bezüglich verschiedener Bestimmungen nicht unzweifelhaft is, ob dieselben noch Geltung haben oder nicht. Ünter diesen Umständen stellte si sehr bald das Bedürfniß nach einer vollständigen Sammlung und übersihtliden Darstellung aller das Gefängnißwesen und die Strafvollstreckung betreffenden Anordnungen heraus, und die Heraus- geber glauben daher ihren Kollegen dur die Veröffentlichung diese Handbuhs einen nicht Uwe e E Dienst geleistet zu haben. Daß dasselbe so spät nah seiner Ankündigung erscheint, hat lediglich seinen Grund in der inzwischen erfolgten Veröffentlihung des neuen Ge- fängniß-Reglements, dessen bevorstehendes Erscheinen erst bekannt wurde, nachdem das Manuskript zu obigem Handbuch bereits druck- fertig vorlag. Selbstverständlich mußte nunmehr die Publikation dieses Reglements abgewartet werden, aber dur die Aufnahme und Berül- sichtigung desselben wurde eine völlige Umarbeitung des Manuskripts, wenigstens in seinem zweiten Theile, nothwendig und damit die aller- dings unliebsame Verzögerung unvermeidlich.

Unter dem Titel: „Zur Kommunalsteuer-Reform contra Gneist“ ist in der I. H. Heuserschen Verlagsbuchhandlung in Neuwied und Leipzig von J. Schmitz, ehem. Bürgermeister“, vor Kurzem eine Broschüre veröffentliht worden, die cinen Beitrag zu der oben bezeihneten Frage zu liefern bestrebt ist Der Inhalt der Broschüre ift in 6 Theile gegliedert. Sie zeigt in ihrem ersten

Theile das in den leßten 20 Jahren erfolgte Anwacsen der Kommunal- lasten in Preußen und giebt eine Uebersicht über die Kommunalfteuer- literatur und die in neuerer H Een finanzpolitis{en Vorschläge. Im zweiten Theile werden die Vorschläge von Gneist in dessen Werke: „Die Preußische Finanzreform dur Negunmns der Gemeindesteuer“ besprochen und der Kritik unterzogen. Der dritte Abschnitt bespricht den Entwurf des Verwendungsgeseßes und die Ueberweisung von Staatssteuern an die Gemeinden, während der vierte Theil die Staatsfteuerreform und die Frage des Kommunals|teuersystems behandelt. Die beiden leßten kurzen Abschnitte erörtern nahträglich noch näher einzelne auf die behandelte Frage bezüglihe Punkte. Der Preis der kleinen Schrift beträgt 80 s.

Das dieslährige 22. Programm des Gymnasiums 'der Stadt Pyrit enthält eine Abhandlung des Gymnasial-Lehrers Dr. Mascow, welche für den Unterricht in der Meteorologie und Wetterkunde auf den Gymnasien eintritt. Nach des Verfassers Meinung kann leiht an die unentbehrlihe Grundlage derselben, die Wärmelehre, also in der Prima angeschlossen werden, wie dies auch in denjenigen Lehrbüchern geschehe, welche einen zu- sammenhängenden Abriß der wichtigsten meteorologisben Gesetze geben. Dieser Anschluß an die Wärmelehre empfehle sich auch des- halb, weil die leßtere fein volles Semester in Anspruch zu nehmen pflege. Wenn, wie meistens der Fall, 2 Stunden wöchent- lich für die Physik zur Verfügung stehen, so feien etwa 5 bis 6 Wochen für einen Kursus der Meteorologie ausreichend. Den Nachweis dafür sucht der Verf. dadur zu geben, daß er am Schlu des Aufsaßes den gesammten Stoff dieser Lehrstunden in einem wohl- disponirten übersichtlichen Plane darlegt und manche Fingerzeige über die Behandlungsweise des Lehrgegenstandes daran knüpft.

Der leßten Nummer des „Deutschen Familienblatts“ (Berlin, b: H. Scorer) sind wieder zwei Bogen des jüngst erschienenen „Selbsishriften-Albums des Deutschen Reiches“ als Extra- und Gratisbeilage hinzugefügt. Mit den späteren Heften folgen weitere Theile dieses werthvollen Albums, das fomit bis Oktober d. J. vollständig (88 Seiten in Opartformat nebst einem Umschlag) in den Händen der Abonnenten des „Deutschen Familien- blatts“ Kin wird. A / : :

Nürnberg, 14. Juni. Wie der „Fr. Kur." berichtet, ist die egyptische Sammlung des hier verstorbenen Obersten von Gemming, welche Professor Dr. Georg Ebers käuflich an sih brachte, von diesem in den Besiß der Königlich sächsishen Regierung überge- gangen und in den egyptischen Sammlungen zu Dresden gesondert unter dem Namen ihres ehemaligen Besißers aufgestellt.

Land- und Forstwirthschaft.

Pest, 16. Juni. Das heutige Am®blatt veröffentlicht die vom 10. bis 14. Juni eingelangten Saatenstandsberichte der ständi- gen landwirthschaftlichen Berichterstatter des Ministeriums aus zwanzig Komitaten der oberen Gegend, zwölf Komitaten jenseits der Donau, vierzehn Komitaten im Alföld und aus fünfzehn Komitaten Sieben- bürgens. Fast in feinem der Berichte werden entschiedene Klagen laut; die Meldungen von Rost tauchen nur sporadish auf, die Be- richte über Halmfrüchte im Allgemeinen find vielversprehend, über Hackfrüchte und Knollengewächse zufriedenstellend. Auch über Raps lauten die Berichte keineswegs alarmirend; über Weingärten und Obst variiren dieselben zwischen mittelguten und vorzüglichen Aus- sichten.

Gewerbe und Handel.

Durch cin Dekret des Präsidenten der Republik Honduras ist angeordnet worden, daß vom 30. März d. J. ab bis zum Anfange des nächsten Etatsjahres für die Einfuhr von fremden Waaren 5/6 mehr als die im Tarif festgestellten Zölle zu zahlen sind. S

Nach dem 42. Rechenschaftsberiht über die Preußische Renten - Versicherungs - Anstalt zu Berlin für das Jahr 1880 hatte der Renten - Kapitalien - Fonds Ende 1879 42 281 947,45 M Rentenkapital. Dazu kamen im Jahre 1880 für die Jahresgesellschaften 1839—79 von Nachtragszahlungen, Renten- gutscbriften u. #. w. 1151 136,65 H, und für die neue Jahres- gesells chaft 1880 246 260 Æ Einlagen 2c., wogegen 321 524,85 4 zur Rückgewährung der aus dem Rentenkapital entnommenen Beträge, zur Dotirung der Reservefonds u, \. w. verausgabt wurden, fo daß Ende 1880 ein Bestand von 43357 819,25 4 verblieb. Zu den Jahresgesellschaften 1837—77 gehörten Anfangs 1880 76 782 Personen mit 197 163 Ein- lagen, Ende 1880 noch 75 808 Personen mit 194 459 Einlagen; das Rentenkapital dieser Gesellschaften betrug Anfangs 1880 41 915 329,92 Mark, Ende des Jahres 42 735 855,599 A Die Summe der für das Jahr 1881 zu zahlenden Zuschlagsrenten beträgt 45 400 A Die höchste zulässige Rente mit 450 A trifft alle noch bestehenden Ren- ten der VI. Klasse, sowie die Jahrgänge 1839, 1840 und 1844, Als überschüssige Beträge sind von den Jahresgesellschaften 1839, 1840 und 1848 280063 Æ ab- und den jüngeren Klassen derselben Jahresgesellsbaft zugeschrieben worden. Die Jahres- gesellschaften 1878—79 zählten Anfangs 1880 1336 Mitglieder mit 4951 Einlagen, Ende 1880 1328 Mitglieder mit 4912 Einlagen; das Rentenkapital dieser Jahresgesellschaften ift von 366 617,53 auf 377 782,36 M. gestiegen. Die im Jahre 1880 gebildete 42, Jahres- gesellschaft bestand Ende 1880 aus 439 Perfonen mit 3118 Einlagen und 246 260 K Rentenkapital. S y

An Leibrenten bestanden Ende 1880 für 173 Personen 477 Ver- sicherungen in Kraft über steigende Renten bis zum Maximum von 10 300 M, 84 279 gleihbleibende Renten, 157 560 Æ Kapital und 39 920 M Einlage auf Kündigung. Das Gesammtdeckungsmittel für diese Versicherungen beträgt 840 92480 #, der Sicherheitsfonds 30 102,68 M oder 3,579 9/9 des Deckungskapitals. 5

Der Reservefonds hatte Ende 1880 1291 578,80 ( Bestand, 94 245,76 M mehr als Ende 1879. Dabei sind 136 611 Æ Zuschuß zu den Verwaltungskosten und dem Reservefonds geleistet worden.

Der Bestand der Sparkasse war am Ende 1880 2193 Bücher mit 1 103 369,95 K Spareinlagen, gegen 860 Bücher und 586 816,18 Spareinlagen Ende 1879. Zurückgezahlt sind im Jahre 1880 393 497,39 A auf 176 Bücher, eingezahlt auf 1509 Bücher 878 401,64 A Der Garantiefonds betrug Ende 1880 8738,24 K, 5123,60 M (die Hälfte des Reingewinnes) mehr als Ende 1879.

Die Passiva der Anstalt beliefen fich Ende 1880 auf 48 811 798,84 M, denen Aktiva in gleicher Höhe gegenüberstanden, darunter 43 388 016 Æ in Hypotheken und 1880 388 \ in öffent- lichen Papieren zum Nominalwerth von 1 923 800 M

Berliner Wollmarkt, 18. Juni, Mittags. Wollmarktan- meldungen laut amtlichen Ermittelungen 12 000 Ctr. Man erwartet eine Vergrößerung derselben bis auf 18 bis 20000 Ctr. Dem- nah würde das auf dem eigentlichen Wollmarkt lagernde Woll- quantum dem des Sees um 6 bis 8000 Ctr. nachstehen. Der Wollmarktsposten enthält mehr Produzenten- als Händlerwolle. Ein größeres hiesiges Kommissionshaus, das im vorigen Jahre den fünf- zehnten Theil des Wollmarktquantums in seinen Händen vereinigte, hat sih nur kaum für ca. 300 Ctr. reserviren lassen. Die fast all- seitig bessere Verpackung der Wollen fiel auf. Auf die Qualitäten vertfailt sind in den Hallen des Wollmarktes bis jeßt eingelagert : 257 Ctr. \{lesische, 250 Ctr. mecklenburgishe und vorpommersche, 850 Ctr. hinterpommersche, 380 Ctr. priegnißer 2c., 1750 Ctr. preu- ßishe und posensde Wollen. Die Stadtläger dürften in diefer Campa ne um ca. 2/8 weniger stark Desanren werden als im Vor- jahre. Die ungünstigen Witterungsverhältnisse verzögern das Eintreffen der Kontraktwollen und sind beispielsweise Pr De Wollen bisher fast gar nit normirt. Inländische Fanmmgarne nner erschienen bereits ahlreih, während Fabrikanten sich erst vereinzelt auf den Lägern sehen ließen. Erstere zeigten für ihnen bekannte und beliebte Kämme, aber nur für solhe, Kaufsinteresse und erwarben Einiges hiervon in sehr guter mter Qualität zu gegen die leute Hälfte der 50er Thaler. Die Wäschen find im großen Ganzen gut. Jrgendwie

mangelhafte Gattungen werden gar niht beachtet, Die schwacen

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Einlieferungen sind theilweise au dadur bedingt, daß in der Pro- vinz diesmal ausnahmêweise viel ungewaschene Wollen, die bereïts derart in den Konsum Üübergingen, verkauft worden sind.

Stralsund, 15. Juni, Auf den am 9. und 10. Juni d. J. hier abgehaltenen Wollmarkt find 5409 Ctr. Wolle gebraht wor- den und ist davon nichts unverkauft geblieben. Der Durchschnitts- preis war 144,5 M, der höchste Preis 159 #4, der niedrigste 130 M. Das Schurgewicht war etwas geringer als im Jahre 1880.

Leipzig, 16. Juni. (Dr. J.) Am heutigen Tage wurde der III. , internationale landwirth schaftliÞhe Maschinen- markt in Leipzig auf dem Terrain des ehemaligen Ererzierplaßes bei Gohlis eröffnet. Der erste dieser Märkte wurde bereits im Jahre 1877 von dem hiesigen landwirthschaftlichen Kreisverein ins Leben ge- rufen. Ist auch heute die Zabl der Aussteller cine etwas geringere als auf den früheren beiden Märkten, \o sind doc eine größere An- zahl wichtige und bez. interessante neuere Maschinen und Geräth- schaften am Platze. Unter Anderem befindet sich eine landwirthschaft- lide Straßenlokomotive in Thätigkeit, welche bestimmt ist, auf größeren landwirthschaftlichen Etablissements die Betriebsmaschinen und sonstigen Lasten rasch von einem Ort nah dem andern zu transpor- tiren. Die meisten der anderen Maschinen sind gleichfalls in Betrieb gefeßt. Am künftigen Sonntag Abend wird der Markt geschlossen. Der heutige hiesiege Wollmarkt war mit ca. 1400 Centnern Waare beschickt. Die Wäsche war infolge der ungünstigen Witterung der leßten Zeit eine zum größern Theile unbefriedigende, und es wur- den nur für einige wenige Posten hobfeiner Waare ziemlich die vor- jährigen Preise erzielt. Mittelsorten mußten sih mit ciner Kürzung von 3 bis 6, geringere sogar bis 9 und 12 M. pro Centner begnügen. Der Markt galt um Mittag bereits für geräumt.

Berlin, 18. Juni 1881. Zur Hebung des deutshen Ausfuhrhandels.

Kopenhagen, Mai 1881.

Jn der Prozeßsache zwischen dem Hause A. Sar- torius & Co. in Düsseldorf wider Fabrikant Lor. Bier freund in Ddense wegen unreeller Lieferung von gefärbtem Garn wird in der hiesigen „Berlingske Tidende“ vom 24. Mai d. J. Folgendes veröffentlicht:

„Die „Berlingske Tidende“ theilte am 11. dss. Mts. ein Erkenntniß des See- und Handelsgerichts mit, nah welchem die Firma A. Sartorius & Co. in Düsseldorf zum Verluste eines Guthabens bei mir im Betrage von 1230 # 90 „Z und ferner zur Erstattung eines Betrages von 997 M4 43 „Z, also im Ganzen 2228 46 33 -„Z nebst 100 Kronen Kosten verur- theilt worden ist.

Die Sache drehte sich kurz gesagt darum, daß die genannte Firma in einer Reihe von Jahren bei der Lieferung von rothein Baumwollengarn von jedem Bund à 10 Pfund si 1 Pfund angeeignet, und zur Verdeckung dieser sogenannten „Abfißung“ jedes Bund durh chemischen Zusaß (Chlormagnium) wieder auf das frühere Gewicht von 10 Pfund gebracht hatte. Nachdem ih diese Entdeckung gemacht hatte, wollte ih mich selbstverständlih auf einen Vergleih nicht einlassen, da ih fand, daß ein folher Trafik zur Warnung für Andere öffent- lih enthüllt zu werden verdiente.

Die Herren Sartorius & Co. behaupteten zwar anfangs, mich in jeder Beziehung reell behandelt zu haben, da aber entscheidende Beweise gegen sie beigebracht wurden, mußten sie nachgerade einräumen, daß sie bei den meisten Lieferungen von dem Garne „abgefißt“ hatten. Sie haben sih demnach dem gegen sie ergangenen Urtheilsspruhe auch unterworfen und die ihnen damit auferlegte Summe voll bezahlt.

Zu einer Zeit, wo Waarenverfälschungen leider nicht selten sind, glaube ih den endlihen Ausgang einer Sache veröffent- lichen zu sollen, durch welhe ein unwürdiger Trafik seine voll- ständige Bloßlegung und wohlverdiente Strafe gefunden hat.

Lor. Bierfreun d.“

Peking, Januar 1881.

Die Frage, warum es der deutschen Fndustrie bisher nit gelungen, in überseeishen Ländern und besonders in Ostasien sür ihre Erzeugnisse den Absay zu finden, auf den sie nah ihrer Bedeutung und ihren Leistungen auf anderen Gebieten Anspruch zu häben s{eint, ist wiederholt aufgeworfen worden und hat bei diesen Gelegenheiten auh zu mehr oder weniger eingehenden Erörterungen Veranlassung gegeben, ohne daß da- dur an den thatsählihen Zuständen etwas geändert worden wäre.

Es ist daher nicht unwahrscheinlih, daß auch die jeßt in den Gang geseßte Enquete praktish ebenso resultatlos ver- laufen wird, namentlih wenn, wie dies bisher geschehen, in weitverbreiteten Kreisen die Ansicht vorherrschend bleibt, daß eine direkte staatlihe Unterstüßung der deutshen Fndustrie oder der deutshen Schiffahrt den gesunden Prinzipien der National:-:Oekonomie widerspreche. :

Auf die oft vorgebrahten Klagen, daß der deutsche Fa- brikant in Einzelheiten, wie z. B. in dem genauen Maße, der äußeren Ausstattungund der Verpackung ungenau und unzuver- lässig sei, daß er namentlich auch bei der Aufstellung von An- \chiägen und Berechnungen langsam und {werfällig sei und daß er niht gelernt habe, sich den Beoürfnissen seiner Ab- nehmer anzubequemen, hier zurückzukommen, dürfte überflüssig sein. Troy ihrer vielfachen Berechtigung genügen diese Gründe niht, um die nachtheilige Stellung der deutshen Jndustrie der anderer Länder gegenüber zu erklären; die Hauptveran- lassung wird vielmehr darin gesuht und gefunden werden müssen, daß der deutshe Fabrikant zugleich Kaufmann ist oder es wenigstens sein will, Jndem er selbst nah neuen Absatzgebieten sucht, ein an und für sich dur- aus lobenswerthes Unternehmen, fehlen ihm ‘einerseits die Kenntniß der Bedürfnisse und Eigenthümlichkeiten derselben, andererseits die Mittel, um mehr als einen shüchternen Ver- such zu machen und im Falle des Mißlingens desselben und die Fälle, in denen ein neues Fabrikat oder ein neuer Fabrikant sofort Erfolge erzielen, sind niht häufig auf der eingeshlagenen Bahn zu beharren. S Lf

Aber selbst wenn die Bedürfnisse des Marktes auf siche- ren Absay schließen lassen, ist es oft das eigenthümliche unkaufmännische, nur auf einen augenblicklichen, vielleiht auf unreellem Wege zu erzielenden Vortheil gerichtete Gebahren des Fabrikanten, welches statt Gewinn Verlust bringt und damit niht nur seine eigenen Jnteressen, sondern die der ge- sammten heimischen Jndustrie schädigt,

Theoretish liegt die Abhülfe für diesen Ueb.lstand nahe: die Abänderung des bisherigen Geschäfts zwischen Deutschland und Ostasien in der Weise, daß der Fabrikant in Zukunft nur noch mit in deutschen Häfen etablirten Kommissions: häusern zu thun hat, welche auf der einen Seite die Be- stellung, Prüfung, Verpackung und Versendung der Waare