1881 / 158 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Personalveränderungen.

Königlich Preußische Armee.

Ernennungen, Beförderungen und Verseßungen. Im aktiven Heere. Ems, 2. Juli. Herzog Paul von Mecklen- burg-Schwerin Hoheit, Rittm. à la suite des Hus. Regts. Nr. 3, unter Belafs. à la suite des Drag. Regts. Nr. 17 und unter Entb. von dem Kommando zur Dienstleist. bei dem General-Kommando des I1I. Armee-Corps, als aggreg. zum Hus. Regt. Nr. 14, Mestwerdt, Major vom Gren. Regt. Nr. 10, als Bats. Commandeur in das Inf. Regt. Nr. 63, verseßt. v. Sodenstern, Major vom Gren. Reat. Nr. 10, zum etatsmäß. Stabsoffiz. ernannt. Ritter, Hauptm. und Comv. Chef vom Inf. Regt. Nr. 13, unter Beförd. zum überz. Major, in das Gren. Regt. Nr. 10 verseßt. Brandt, Pr. Lt. vom Inf. Regt. Nr. 13, zum Hauptmann und Compagnie-Chef, v. Kleinsorgen, Sec. Lt. von dems. Regt., zum Pr. Lt. befördert. Graf v. Goetßen, Pr. Lt. vom Gren. Regt. Nr. 10, dem Regt., unter Beförd. zum Hauptm., aggregirt. Dietrich, Sec. Lt. vom Gren. Regt. Nr. 10, zum Pr. Lt.,, Dresler, Pr. Lt. vom Inf. Regt. Nr. 63, zum überzähl. Hauptm. befördert. Frhr. v. Norden- flycht, Hauptm. und Comp. Chef vom Garde-Gren. Regt. Nr. 2, dem Regt. aggregirt. v. Thaden, Pr. L. vom Garde-Gren. Regt. Nr. 2, zum Hauptm. und Comp. Chef, vorläufig ohne Patent, von Schlabrendorff, Sec. U. von dems. Regt., zum Pr. Lt. beförd.

Dur Verfügung des Kriegs-Ministeriums. 30. Juni. Neu- mann, Zeughauptm. von der 2. Art. Devyot-Inspektion, zum Art. Depot in Stettin, Stürmer, Zeughauptm. vom Art. Depot in Stettin, zur 2. Art. Depot-Inspektion verseßt.

X11. (Königlich Sächsisches) Armee-Corps. Juni. Ernennungen, Beförderungen und Verseßungen. Im aktiven Heere. Koldewey, Pr. Lt. im Pion. Bat. Nr. 12, zum Hauptm. und Comp. Chef befördert. Fischer, Königl. preuß. Sec. Lt. a. D., als Sec. Lt. in der Königl. Sächs. Armee, und zwar beim Inf. Regt. Nr. 133, angestellt.

_Im Beurlaubtenstande. Hering, Sec. Lt. der Landw. Inf. des 1. Bats. Landw. Regts. Nr. 102, Hirt, Sec. Lt. der Landw. Inf. des 2. Bats. Landw. Regts. Nr. 102, zu Pr. Lts. der Landw. Inf, Steiger, Sec. Lt. der Landw. Kav. des 2. Bats. Landw. Regts. Nr. 103, zum Pr. Lt. der Landw. Kav. befördert. Starke, Sec. Lt. der Landw. Feld-Art. des Res. Landw. Bats. Nr. 108, zu den Offizieren der Reserve des Feld-Art. Regts. Nr. 12 zurückverseßt.

Abschiedsbewilligungen. Im Beurlaubtenstande. v. Tümvling, Rittm. der Res. des Ulan. Regts. Nr. 18, der Ab- \cchied bewilligt.

Nichtamlliches. Deutsches Neich.

Preußen. Berlin, 9. Juli. Das heute Vormittag in Coblenz ausgegebene Bulletin lautet : :

Ueber das Befinden Jhrer Majestät der Kaiserin und Königin ist auch heute nur Günstiges zu berichten,

Coblenz, 9. Juli 1881. von Lauer. Busch. Madelung. Velten. Scliep

Nach einer Meldung, welche dem Auswärtigen Amte von dem deutschen Konsul in Stornoway (Jnsel Lewis, Hebriden) durch Vermittelung des Kaiserlihen Generalkonsuls in London zugegangen ist, hat der englishe Schieppdampfer „Conqueror“ das hamburgische Emigrantendampf- \chiff „Vandalia“ mit gebrohenem Schaft, 15 Meilen von der Küste von Lewis aufgefunden. Der „Conqueror“ hat die „Vandalia“ ins Schlepptau genommen, und beide Schiffe sind auf dem Wege nah dem Fluß Clyde. Passagiere und Mannschaften wohl.

Der Bundesrath hat in seiner Sißung vom 25, v. M. das nachstehende aus Anlaß der Verhandlungen über den Abshluß eines neuen Handelsvertrags zwischen Deuts ch- land und der Schweiz zwischen den beiderseitigen Regie- rungen unter dem 23. Mai d. J. getroffene Abkommen genehmigt: 1) Die am 27. August 1869 zu Karlsruhe ver- einbarten „Bestimmungen zur Aussührung des Artikels 5 des zwischen der Schweiz und dem deutschen Zoll- und Handels- verein unterm 13. Mai 1869 abgeschlossenen Zoll- und Han- delsvertrages zu Nr. 2 bis 7 und der Verabredung V B. des dazu gehörigen Schlußpro/okolls“ bleiben auch ferner- hin in Wirksamkeit, soweit niht die Bestimmungen des Handelsvertrages vom heutigen Tage entgegenstehen. 9) Die Kaiserliche Regierung ist, gleih dem schweizerischen Bundesrathe, geneigt, auch fernerhin nah Maßgabe des §. 19 des vorstehend erwähnten Karlsruher Protokolls die Theilung der im Veredelungsverkehr zum Färben und Bedrucken ver- sandten Gewebe an der betreffenden Arbeitsstelle zuzulassen, sofern durch Verständigung der beiderseitigen Direktivbehörden biersür ein Verfahren festgestellt werden kann, welches mit Rücksicht auf Jdentitätskontrole völlig ausreichende Garantien zu bieten im Stande ist.

Aus Anlaß der Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Handelsvertrags zwishen Deutschland und Oesterreich Ungarn is in Betreff der zollamtlichen Be- handlung des Oberlausitzer, Bunzlauer und Znaimer gewöhnlihen Töpfsergeschirrs vereinbart worden, daß 1) das Oberlausitzer und das Bunzlauer gewöhn- liche Töpfergeschirr bei der Einfuhr in das österreichisch- ungarische Zollgebiet gemäß der Position 51, a., 2 des öster- reichisch:ungarishen Zolltarifs vom Jahre 1878 so lange zoll- frei behandelt, bezw. einem im Geseygebungswege herbei- geführten, den Betrag von 50 Kr. für 100 kg nicht überstei- genden Zoll unterworfen werden wird, als das Znaimer ge- wöhnlihe Töpfergeschirr bei der Einfuhr nah Deutschland nicht einem höheren Zolle als 1 F sür 100 kg gemäß Position 38, b, des deutshen Zolltariss von 1879 unterliegt; 2) Das Znaimer gewöhnliche Töpfergeschirr bei der Einfuhr in das deutsche Zollgebiet vom 15. Vai 1881 ab so lange nit höher als mit 1 M für 100 kg verzollt werden wird, als das Oberlcusizer und das Bunzlauer gewöhnliche Töpfergeschirr bei der Einful r nah Oesterreich-Ungarn keinem bezw. keinem höheren Zolle als 50 Kr. für 100 kg unterzogen wird. :

Ferner hat bei demselben Anlaß die K. K. reichisch - ungarishe Regierung behufs Erleichterung der Durchfuhr von Kreuznacher Mutterlauge und Staßfurter Abraumsalzen dur österreichish-ungarisches Gebiet auf das Verlangen esonderer vorgängiger Dur(hfuhrbewilligung für die erwähnten Erzeugnisse aus nahmsweise unter nachstehenden Bedingungen verzichtet : 1) Jede Sendung muß von dem Salzsteuer-Amt zu Kreuznach bezw. Staßfurt revidirt, unter steueramtlihen Verschluß geseßt und mit Begleitschein 1. abgefertigt werden. 2) Bei dem österreichish-ungarishen Grenz-Eingangsamte wird, wenn der

öster-

steueramtliche Vershluß unverleßt gefunden wird, und die Begleitpapiere zu dem Verdacht einer Defraude keinen Anlaß geben, die Abfertigung zur Durchfuhr dur Oesterreih-Ungarn fofort vorgenommen. 3) Das österreichish-ungarishe Grenz- Ausgangsamt läßt die Sendung nach erfolgter Konstatirung der Unverleßtheit des steueramtlihen Verschlusses ohne Weite- res über die Grenze austreten und veranlaßt unverweilt das Geeignete wegen Rückgabe der etwa hinterlegten Kaution. Auf Sendungen von Staßfurter Abraumsalzen, bei wel- hen im österreichish-ungarishen Zollgebiete eine Zwischen- abladung erfolgt, finden die vorstehenden Erleichterungen keine Anwendung.

Ein Zeuge oder Sachverständiger, dessen Er- scheinen an der Gerichtsstelle wegen großer Entfernung beson- ders erschwert ist, kann nah §. 222 der Deutschen Straf- prozeßordnung kommissarisch (d. h. durh einen beauf- tragten Richter seines Wohnortes) vernommen werden. Fn Bezug auf diese Bestimmung hat das Reichsgericht, 11. Strafsenat, durch Urtheil vom 13. Mai d. J. ausgesprochen, daß die Entscheidung der Frage, ob eine Entfernung des Wohnortes eines Zeugen so roß is, daß eine kommissarische Vernehmung erfolgen darf, nicht lediglih dem Ermessen des Richters in jedem einzelnen Fall anheimfällt, sondern von der örtlih maßgebenden, allgemein gültigen Begriffsbestimmung einer „großen Entfernung“ abhängig ist.

Der Chef-Präsident der Ober-:Rehnungskammer, Wirk- liche Geheime Rath von Stünzner hat einen mehrwöchent- lichen Urlaub angetreten und sih nah Fshl begeben.

Der Regierungs-Rath Schräder bei der Ge- neral-Kommission zu Münster ist in den Ruhestand verseßt. Der Regierungs-Assessor Bornemann is an Stelle des an die Regierung zu Danzig verseßten Regierungs-Assessors Knickenberg zum Spezial-Kommissarius in Lippstadt er- nannt. Der Amtsrichter Pelzer sowie der Gerichts-Assessor Funke werden in dem Kollegium der General-Kommission zu Münster beschäftigt.

S. M. S. „Vineta“, 19 Geschüße, Kommandant Kapt. z. See Zirzow, ist am 5. Juni cr. in Singapore ange- U und beabsichtigte am 9. dess. Mts. nach Kapstadt zu gehen.

Elfaß-Lothringen. Straßburg, 7. Juli. (Els.-Lothr. Ztg.) Schon mehrfach ist der Uebelstand enipfunden worden, daß die in verschiedenen Blättern zur Veröffentlihung ge- langenden Bekanntmachungen des Ministeriums nicht voll- ständig in einem bestimmten Organ gesammelt werden, welches auch dem Publikum zugänglih ist. Aus diesem Grunde wird, wie wir hören, Vorkehrung getroffen werden, daß alle Bekanntmachungen u. st. w. des Ministeriums, auh die in der „Gemei:de-Zeitung“ und in der „Elsaß -Lvthringischen Zeitung“ zur Veröffentlihung gelangen- den, fortan auch in dem „Amtsblatt des Ministeriums für Elsaß-Lothringen“ erscheinen, welches in Zukunst von dem Publikum auf dem Postwege bezogen werden kann. Das Amtsblatt des Ministeriums, welches je nah Bedürfniß erscheint, wird somit eine vollständige Sammlung aller mini- steriellen Bekanntmachungen, Erlasse u. #. w. enthalten, so: weit dieselben für die Veffentlichksit bestimmt sind. Die Amts- blätter der Bezirke, dêren Erscheihen auf Gese und auf der Nothwendigkeit für die Präsidenten beruht, ein amtliches Publikationsorgan jederzeit sofort zur Hand zu haben, werden dur) die oben erwähnte Aenderung nicht berührt.

Oesterreich - Ungaru. Wien, 7. Fuli. (Wien. Ztg.) Fürst Milan von Serbien ist heute Nachmittags in Be- gleitung seiner Gemahlin und seines Sohnes, des Erbprinzen Alexander, aus Jvanka bei Preßburg in Wien eingetroffen.

Die diesjährigen großen Manöver in Ungarn werden, wie der „Pester Lloyd“ meldet, in Anwesenheit des Kaisers nebst großem Gefolge in den Tagen vom 9. bis 16. September in der Gegend zwischen Miskolcz und Szerencs zwischen zwei Armee-Corps stattfinden, nahdem Anfangs des- selben Monats ein größeres Kavallerie-Exerzieren, zur Auf- flärung des Terrains und als Uebergang zu den Haupt- manövern gleicherweise dienend, vorausgegangen sein wird.

Die ungarische Staatsshulden-Kontrol-Kom- mission hat in ihrer am 5. d. M. in Wien abgehaltenen 34. Sißung den Stand der Ende Juni im Verkehre befind- lichen Staatsnoten laut ihrer Aujzeihnung folgendermaßen gefunden: Noten zu 1 Fl. 51810 399 Fl., Noten zu 5 Fl. 100 133 690 Fl., Noten zu 50 Fl. 169 019 250 Fl., zusammen 321 133 339 Fl. Die Summe der im Verkehre befindlichen, auf die Salzbergwerke intabulirten Pfandscheine beträgt laut amtliher Meidung des gemeinsamen Finanz-Ministeriums 90 866 247 Fl. 50 Kr.

8, Juli. (W. T. B.) Der Fürst von Serbien empfing den Besuch des päpstlihen Nuntius und reist morgen Dee der Fürstin zum Besuche des Kronprinzlichen Paares nah ‘rag.

Triest, 7. Juli. (Wn. Ztg.) Die englische Mittel- meer-Escadre unter tem Kommando des Admirals Sey- mour, bestehend aus den Kasemattschiffen „Alexandra“, „Jn- vincible“, „Temeraire““, dem Thurmschiffe „Thunderer“, dem Panzerschiffe „Superb“ und dem Kanoncnboote „Falcon“, ist beute Nahmittags 3!/, Uhr aus Lussin hier eingelaufen.

Pest, 7. Juli. (Wn. Ztg.) Der Ministerialrath und General-Telegraphen- Direktor «ohann von Takacs ist heute Nachts in Kezdi-Vasarhely plößlich gestorben.

Agram, 7. Zuli. (Wn. Ztg.) Dec Landtag hat alle kleineren Geseßentwürfe, darunter auh den, betreffend den Bau cines Theaters, erledigt. Alles rüstet sich für die morgige Debatte betreffs Fiume's, welche sich voraussichtlich zu ciner sehr lebhaften gestalten dürste.

Belgien. Brüssel, 8. Juli. (W. T. B.) Die Repräsentantenkammer berieth heute den Geseßentwurf, betreffend die Aufhebung der F urisdiktion der permanen- ten Deputationen und der Provinzialräthe in Wahlange- legenheiten. Der progressistishe Deputirte Fanfson hielt sein Amendement, betreffend die Ausdehnung des Wahlrechts, aufrecht und begründete dasselbe. Janson behauptete, daß das Kabinet über diese Frage getheilter Ansicht sei, und verlangte cine bestimmte Erklärung darüber, weshalb das Kabinet die Zulassung zu den Wahlen auf Grund der geistigen Fähig- feiten ablehnen würde. Der Nedner wies den Vorwurf, daß seine Partei einen Abfall begehen würde, zurück und hielt vielmehr

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die Grundláge für die Wahleti werden. Dieses Werk sei bé- gonnen und müsse schnell zu Ende geführt werden. Jn allen Ländern, nur Belgien ausgenommen, seien umfassende Wahl- reformen vorgenommen worden. Da die Regierung erklärt habe, daß sie nichts versprechen wolle, so dürfe man nicht mehr in eine Vertagung der Wahlreformfrage willigen. Von Seiten der Regierung wird am nächsten Dienstag geant- wortet werden. Die Abstimmung in der Kammer soll am Mittwoch erfolgen.

Großbritannien und Jrland. London, 7. Juli, (Allg. Corr.) Der König der Sandwichinseln traf gestern Abend, von Ftalien kommend, in London ein und stieg in Claridges Hotel ab. Bald nach seiner Ankunft empfing König Kalakaua den Besuh Sir Charles Dilkes.

8. Juli, Abends. Das Unterhaus nahm in der

heutigen Nachmittagssißung die Artikel 19, 20 und 21 der irishen Landbill an und wird die Berathung in einer heutigen S fortseßen

. Juli „Vormittags. (W. D. B.) Wie der „Standard“ erfährt, wird das englische Geshwader

in den tunesishen Gewässern durch zwei Schiffe ver- stärkt werden.

Fraunkreih. Paris, 8. Juli. (W. T. B.) Die Deputirtenkammer nahm heute nah Ablehnung aller Amendements das Heeresbudget an.

Die internationale Münzkonferenz nahm heute, nachdem die Delegirten Magnin und de Normandie für die Vertagung der Konferenz gesprochen hatten, einstimmig folgenden, von den Delegirten Frankreihs und der Vereinigten Staaten von Nordamerika begründeten An- trag an: Die Münzkonferenz, in Erwägung, daß sie im Lauf ihrer beiden Sessionen die Reden, Er- klärungen und Bemerkungen der Delegirten (folgen alle Namen der vertretenen Staaten) zur Kenntniß genommen; in Erwägung, daß die von mehreren Delegirten abgegebenen Er- klärungen im Namen ihrer Regierungen geschehen sind, und daß diese Erklärungen sämmtlich als nußbringend erscheinen lassen, gemeinschaftlih gewisse Maßregeln unter dem Vorbehalte voller Freiheit der Aktion der verschiedenen Staaten zu treffen, und daß angenommen werden kann, daß eine Vebereinstimmung unter den auf der Konferenz vertretenen Staaten sih herausbilden dürfte, daß es aber angemessen erscheint, die Arbeiten der Delegirten für diesen Augzenblick zu unterbrechen, daß die augenblicklihe Lage der Münzver- hältnisse in der That für einige Staaten die Jntervention der Regierungen rechtfertigen dürfte, und daß somit für den Bugenblick den diplomatishen Unterhandlungen Raum zu geben ist, vertagt sih bis zum 12. April 1882.

Nach aus Sfax hier e Nachrichten haben die französishen Panzerschisfe Sfax bombardirt. Die Forts, eine große Moschce und ein Theil des muselmännischen Stadtviertels wurden zerstört. Die Fnsurgenten leisten noch Widerstand.

_ Berichten aus Tunis zufolge erhielten neue Truppen Befehl, nah Sfax abzugehen. Es geht das Gerücht, daß der Aufstand im südlichen Theile der Regentschaft im Zu- nehmen sei.

Der chemalige Senatspräsident M artel ist gestorben.

9. Juli, Vormittags. (W. T. B.) Aus Oran wird gemeldet, daß Bou Amema mit ciner zahlreihen Schaar Aufständischer gegen den Tell vorgeht. General Louis rückt

Roh mit drei Kolonnen entgegen. Fm Tlemcen-Gebiet herrscht uhe.

E Italien. Rom, 8. Juli. (W. T. B.) Ein großer Theil der slavischen Pilger hat Rom verlassen; acht Pilger sind erkrankt, jedoch nicht bedenklich.

_ Griechenland. (W. T. B.) Der „Polit. Corresp.“ wird aus Arta, vom 8. d. M., gemeldet : Die Sektion Arta ist von türkishen Truppen gänzlich geräumt. Arta ist gestern Nachmittag von griechischen Truppen beseßt worden. Die Bewohner gingen den griechishen Truppen entgegen, welche in einer Stärke von 5000 Mann mit 24 Geschüßen in Arta einzogen. Abends war die Stadt f.stlih erleuchtet.

Dänemark. Kopenhagen, 6. Juli. (Hamb. Corr.) Dex Conseilspräsident verlas in einer zu heute Mittag berufenen Sizung des Folkethings einen vom heutigen Tage datirten offenen Königliwzen Brief, durh welchen das Folkething aufgelöst wird. Jn dem Königlichen Briefe heißt es: „Da eine Vereinbarung zwischen den beiden Ab- theilungen des Reichstages wegen des diesjährigen Budget- entwurfs troß der Niederseßung des gemeinsamen Ausschusses nicht erzielt is, indem das Folfkething seine frühe- ren Beschlüsse unverändert festgehalten, während das Landsthing durch weitgehende Zugeständnisse gesucht hat, zu einer Verständigung zu gelangèn, haben Wir in Gemäßheit des §. 22 des Grundgeseßes beschlossen, das Folke- thing aufzulösen.“ Nach Verlesung dieses Aktenstückes erklärte der Conseilspräsident das jeßige Folkething für aufgelöst, worauf der Präsident Krabbe „die leßte Sißung der gegen- wärtigen Abtheilung dieser Session“ für geschlossen erklärte. Am 27, Mai trat das am 7, Mai neugewählte Folkething zusammen. Eine Neuwahl ist noch nicht anberaumt; es ver- lautet, daß die Wahlen Ende dieses Monats,' etwa am 26. Juli, stattfinden werden. Die Rechte des Folkethings hat bereits ein Wahlcomité gewählt. Die Sitzungen des Lands- things sind in Folge der Auflösung des Folkethings ver - tagt worden.

Amerika. Washington, 8. Juli, Morgens 8 Uhr

15 Minuten. (W. T. B.) Die Besserung in dem Be-

inden des Präsidenten Garfield schreitet andauernd

fort, Dc» heute Morgen veröffentlichte ärztliche Bericht äußert sich ser günstig, Die Wunde beginnt Eiter auszusondern.

Das Centralblatt der Bauverwaltung, herausgegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten (Redaktion: O. Sarrazin und H. Eggert), Jahrgang I. Nr. 15 hat folgenden Inhalt: Amtliches: Ertheilung von Reiseprämien. Personalnachrihten. Nichtamt- liches: Kanalisirung der Unterspree von den Dammmühlen in Berlin bis Spandau. Von der Gewerbeausftellung in Breslau. Ueber Arbeiterwohnungen. Antike Hochdruckwasserleitung des Betilienus in Alatri. (Schluß.) Vermischtes: Centralbahnhof in Frank- furt:a. Me Weitere Einführung der elektrischen Betriebskraft. Neue Kunsthalle in Düsseldorf. Tunnel zwischen England und Frankreich. Instrument zum Zeichnen von Kreisbögen. Die

eine Verständigung für wohl möglih. Der Unterricht müsse

baugewerbliche Ausftellung in Braunschweig. Technische Hochschule in_Hannover.

0 [A. Rüdiger] in Magdeburg), bringt den Schluß der biographisc-

È rung:

Kunst, Wissenschaft und Literatur. ¿ Das 2. Heft XVI. Jahrgangs der Geshichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg, Mittheilungen des Verein® für Geschichte und Alterthumskunde des Herzogthums i A Erzstifts Magdeburg (Verlag der Schäfershen Buchhand-

über den CrabisGos Mente e n ) von _ Schmidt. In diesem d. Und leren Ma gelangt der Zwist Albrechts mit dem von ihm in den Bann gethanen Kaiser Otto IV. zur Darstellung. Sie {ließt nit dem Tode Otto's und damit dem endlichen Frieden; die Ver- dienste des Erzbischofs um Magdeburgs Emporblühen will der Verf. Si einem späteren Artikel würdigen. Ein Excurs behandelt den merkwürdigen Vertrag zwischen Otto und Albrecht vom ate 1208, Dann folgten: eine weitere Fortseßung der Beiträge zur Geschichte der Buchdruckerkunst in Magdeburg, vom Gymnasial-Oberlehrer Friedrih Hülße, ein Beitrag zur Baus- i escichte des Klosters U. L. Frauen zu Magdeburg, vom Professor E O. Müller (ein aus dem Nachlasse des verstorbenen Verfassers imverändert veröffentlichtes Brucbstück) und eine genealogische Arbeit von Dr. Gustav Töpke: Die Magdeburger und Hallenser auf der Universität Basel in den Jahren 1460 bis 1700. Das Heft {ließt mit 2 uen E S Oa und der Vereinschronik (Monatsstßungen von Januar bis Marz). : A Land: und Forstwirthschaft. Ernteaussichten in Polen im Frühjahr 1881. (D. H.-A.) Fir Weizen sind im Allgemeinen die Aussichten gut, in einzelnen Kreisen steht sogar eine vorzügliche Ernte zu erwarten. Roggen nicht so gut. Die Bestellung der Saaten fand im Allgemeinen unter ungünstigen Rerbältnissen statt, so _daß an einigen Ortschaften sogar die mit Roggen eingesäeten Felder haben umgeackert werden müssen. Gerste ziemlich gute Aussicht. Die Gerste hat im Allgemeinen

ges cichtlichen Arbeit

durch die Trockenheit gelitten, Hafer desgleichen. Die Kartoffeln- und

a relriben-Aussaat hat unter günstigen Verhältnifjen statt- O das Wachsthum ist jedoch in Folge der Trockenheit zurüd- geblieben. Für Wiesen-, Klee und Pflanzenfutter im Allgemeinen sind bis jeßt die Aussichten gut, bei anhaltender Troenheit ist aber ein Mangel an Pflanzenfutter zu befürchten. Die Blüthe der Fruchtbäume hat E in E E günstig entfaltet und “tetet Aussichten auf etne gute Grnte.

bietet Aussiten V ewerbe und Handel.

Jahresberiht über die Verwaltung der Bes N O das E a ntne wir folgende Daten: e Betriebsergebnisse des O b als sehr befriedigende bezeichnet werden. Sowohl beim Personen- als beim Güterverkehr ift eine Steigerung in der Frequenz und im Ertrage eingetreten und betrug diese Steige- beim Personenverkehr in der Frequenz 1430 272 Personen oder 10,39 9/0, im Ertrage 1 320 976 M. oder 11/43 / „beim Güterverkehr in der Frequenz 1765362 t oder 11,39%, im Ertrage 3 370290 M. oder 7,45 9%. Die Ein nahmen haben betragen: im Jahre 1879. 62 127 027 A 21 A, pro Kilometer 47 765 46, im Jahre 1880 67 188 942 A. 45 2 Pro Kilometer 49 628 M. Die Einnahmen find hiernach im Iahre 1880 gegen 1879 gesticgen im Gesammten um 9 061 915 A. M O und vro Kilometer Bahn um 1863 H. = 3,909/0. Anlangend die einzelnen Einnahmeqguellen, als Mehreinnahme: im

Dem

gisch-Märkischen

so ergaben s1ch Personenverkehr 1 320 976 M = 11,4% gegen 1879 und 849 162 A. = 7,1% in 1878, im Güterverkehr 3 300 290 A. = 7,5% gegen 1879 und 3 768 162 A6. = 8,4%) in 1808, bei dem Extraordinarium 270 649 M = 7,0 a gegen 1879. Von den _Gesammteinnahmen entfielen: auf den Personenverkehr 18,6% in 1879, 19,2% in 1880, auf den Güterverkehr 72,9% n 1879, 72,4% in 1880, auf die sonstigen Einnahmen 8,5 %/ n 1879, 8,4% in 1880. Es wurden befördert im Jahre 1880: in der I. Wagenklasse 176 433 Personen (1,2 %/), în der II, Wagenklasse 2 419 223 Per- fonen (15,9 9/0), in der IIT. Wagenklasse 9 486 408 Personen (62,4 v/o), in der IV. Wagenklasse 2 864 857 Personen (18,9 v/0); Militär: 942 889 Personen (1,6 °/o) 3 dafür wurden vereinnahmt 12574 830 A. An Gütern wurden befördert: 17262850 t în 1880, gegen 1879. —- 1765362 t (114 9%). Die Gesammteinnahme betrug in 1880: aus dem Personenverkehr 12 879 240 M. 22 S, aus dem Güterverkehr 48 634 129 M 2 S, sonstige Einnahmen 5 675573 M. 21 S = zusammen 67 188942 M. 45 9. Die Betriebsausgaben betrugen in 1880: allgemeine Ver- waltung 4037132 M 40 S, Bahnverwaltung 7703034 A. 8 „K, Transportverwaltung 23 998844 M 36 S, zusammen 35 039 010 M6 84 S oder für das Kilometer 25881 4 Die Aus- gaben vertheilten sich folgendermaßen: Besoldungen 8563 223 M. 14 „3, Wohnungsgeldzuschüsse für die Beamten 957 489 M. T7 S, andere persönliche Ausgaben 5 779 053 ÆM. 92 4, allgemeine sachliche Kosten 2919311 M. 70 3, Kosten der Unterhaltung der Bahn- anlagen 2 740 868 A6. T5 S, Kosten des Bahntranéports 6 765 663 A6. 97 4, Kosten der Erneuerung bestimmter Gegenstände 4 898 915 M. 15 S, Kosten erheblicher Ergänzungen, Erweiterungen 2c. 391 795 M. 39 S§, Kosten der Benußung fremder Bahnanlagen 773771 M 79 A, Kosten der Benußung fremder Betriebs- nitt 1248917 A 26 A, zusammen 39 039010 t. A A Un fahrplanmäßigen Zügen find befördert : 10 746 Expreß-, Courier- und Schnellzüge, 100 717 Personenzüge, 53 488 gemischte Züge, 128 950 Güterzüge, 2365 Arbeitszüge. Der Reservefonds betrug ult. 1880 1757 729 J. 36 S, gegen 1531 444 M6. 81 S ult. 1879. Der Erneuerungsfonds betrug ult. 1880 15 463 290 M 71 -, gegen 1879 +1 638 565 M. 4 S. Der Betriebsüberschuß wurde verwandt: 16 201162 4 zur Verzinsung der Prioritäts-Obligationen und sonstiger Darlehen, 9 572 157 M. zur Tilgung der Prioritäts-Obligationen und sonstiger Darlehen; 54250 4 zur Zahlung nicht fixirter Tantièmen ; 388 889 M. zur Zahlung der Staatseisenbahnsteuer bezw. der Staatsgewerbesteuer; zur Zahlung der Dividende Tun _dIE Stamm - Aktien 10824 813 A (51/6 %/a)3; zu fonstigen Zwecken 90000 M; Vortrag für das Jahr 1881 52 418 M Im Laufe des Jahres 1880 sind folgende Linien dem Betriebe übergeben: die Strecken Oberhausen-Zeche Carl und Herne-Herne der Emscherthalbahn, eröffnet resp. am 1. Juni und I. September 1880, die Strecke Brügge-Lüdenscheid eröffnet am 15, Juli 1880, die Strecke Olpe-Rothemühle, eröffnet am 1. Dezem- ber 1880. Die ebenfalls im Jahre 1880 fertig gestellte Strecke Dortmunderfeld-Huckarde, 2,65 km lang, wurde am 1. Februar 1881 dem Verkehr Übergeben. Am Sélusse des Jahres 1880 wam Bul begriffen die Strcckle Wermels- firden-Opladen der Verbindungsbahn Born-Opladen, 19,7 km lang. Die Hochbauten auf dem Bahnhofe Burscheid und der Haltestelle Hilgen sind im Vau begriffen. Für die Eröffnung diefer Linie ist der Spätherbst 1881 in Aussicht genommen worden. Die bis Ende 1880 zur Verrechnung gelangten Bauausgaben betrugen 1040 328 M, an Rückeinnahmen kamen in Abzug 964 M, blieb Ausgabe 1039364 K. Unter den zur Erweiterung und Ergänzung des Bergisch-Märkischen Eisenbahnnetzes projektirten wichtigeren Neubau- ten befanden sich am Jahresschlusse 1880 im Stadium der Bauvorberei- tung: a. die Personenstation an der Schiffbrücke zu Deuß ; b. die Sekundär- E M M ede De km lang, deren Bauangriff seit dem statt- gefunden hat; e. die Sekundärbahnlinie Menden-Hemer, 6,8 km lang, deren Bauangriff unmittelbar bevorsteht; d. die Sekundärbahnlinie Troiédorf-Ründeroth, 36,7 km lang, deren Spezialprojekt sich in der Revisionsinstanz befindet. Die Gesammteinnahmen des Baufonds vetrugen: der Erlös für Stammaktien 186 050204 M, der Erlös für Prioritäts-Obligationen 232 419 932 M, die ertraordinären Ein- nahmen 8 809 594 M, zusammen 427 279 730 A6; die Ausgaben des Baufonds betrugen 430 133 930 Æ, also Mehrausgabe 2 854 200 M. Der Baufonds besaß Ende 1880: an noch nicht begebenen 5/6 Prio- ritäts-Obligationen IX. Serie Nominal 20015000 A, an desgl. 410/90 X. Serie Nominal 11 000 000 (, Summa 31 015 000 A.

_ Wien, 7. Juli. (Wn. Ztg.) Das vom Vorstande der Wiener Frucht- und Mehblbörse mit den Vorarbeiten für den diesjährigen

hiesigen internationalen Getreide- und Saatenmarkt be- traute Comité hat bes{lossen, für die Abhaltung des Marktes bei der internationalen Kommission, welcher diesfalls die Entscheidung zusteht, den 29. und 30. August in Vorschlag zu bringen. O

Rom, 8. Juli. (W. T. B.) Die „Agenzia Stefani“ meldet: Der zwischen dem Finanz-Minister und dem Direktor der Nationalbank abgeschlossene Anlehens vertrag ist heute Vormittag unterzeichnet worden. Die Geldeinzahlung beträgt 444 Millionen Lire. Es wurden Vorkehrungen getroffen, um au die gering|ten Störungen des Münzmarktes in England, Deutschland und Frankrei zu vermeiden. Für Italien sind 244 Millionen reservirt, Ur das Ausland 400 Millionen. Die Subskribenten müssen 10% des ge- zeichneten Betrages als Kaution erlegen, Die erste Einzahlung findet im September statt. Die erste Quote kann in Italien und im Aus- lande in Renten eingezahlt werden, um eine Nachfrage nah Gold zu verhindern. In England findet öffentliche Subskription statt. Die ganze Operation wickelt sih bis Ende September 1882 ab. Der Emissionscours ist 884, der Zinsgenuß beginnt mit dem 1. Januar.

Berlin, 9. Juli 1881.

Zur Hebung des deutshen Ausfuhrhandels.

Das deutsche Exportgeschäft nach China. Shanghai, März 1881. (Fortsetzung.) 11. Artikel, die hauptsächlih oder aus\cließlich mit der cinesishen Regierung gehandelt werden. 1) Kriegsartikel. : S

f, Waffenanschaffungen und Arsenale sind ebenso wie die Kanalbauten, Bergbau 2c. in den Händen der Regierungen der einzelnen Provinzen, und da das ganze Regierungs- geschäft sich in den Händen deutscher Kaufleute befindet, so sollte au ein guter Theil der Kontrakte in Deutschland aus- geführt werden können, wenn die hiesigen Kaufleute dort die gehörige Unterstüßung fänden. Waffen, namentlih Hand- feuerwaffen, sollte man von Deutschland ebenso billig, ja bil- liger liefern können als von England und den Vereinigten Staaten. Witten liefert auch schon beträchtliche Quantitäten Henry Martini Rifles;, zu empfehlen wäre, daß man noch versuchte, lange Enfield Rifles mit Bajonnet, kurze Ensfield Rifles mit Schwert, kurze Remington Rifles mit Schwert und die 13s{hüssigen Winchester Karabiner (Centralfire-System, 1873) herzustellen, da diese Sorten außerordentlich begehrt sind und so eigentlih das ganze 1n China zu Verkaufende einschließen. Ebenso fommen Kanonen, sowie Schießpulver und Kartouchen, die leßteren wenigstens in kleineren Quan- titäten, aus Deutschland, obgleih sür Kriegsartifel aller Art im Allgemeinen England die Hauptbezugsquelle ist und bei einzelnen, namentlih Gewehren und Kartouchen, auch Nord- amerika konkurrirt. Materialien für Arsenale fast ausschließlich England.

j Rasfinirter Shwefel und Salpeter aus den Har- burger und Staßfurter Fabriken haben dur unsere Be- mühungen die frühere englishe Jmportation verdrängt, und bei der diesjährigen Rüßrigkeit der chinesishen Axsenale war die Einfuhr ret bedeutend zu nennen. _Versorgt werden bîs jeßt die Arsenale von Shanghai, Hangchow „und Soochow. Torpedos liefert die Berliner Maschinen- bau - Gesellschast in bedeutenden Posten, theils für hier, theils für Tientsin, und neue Austräge im Werthe von 300 000 6 ind 1m Werke. Gewehre, ganz be- deutende Ordres hatten die Gewehrfabriken in Witten, Obern- dorf und Steyr auf Mauser und Henry Martini Rifles und konkurriren dieselben sehr günstig mit den englischen Fabriken. Jn Geschossen sind bedeutende Kontrakte mit Magdeburg (Gruson) abgeschlossen. Berlin (Siemens u. Halske) lieferten elektrisc,e Lampen für Festungswälle. Auch eine größere Ordre auf Metallpatronen ist der Karlsruher Fabrik „Lorenz übergeben und sind dies Patronen für die vorbezeichneten Mausergewehre. Fn Pulver und Schießbaumwolle aus deut- schen Fabriken sind wiederum beträchtliche Partien \{chwim- mend, obwohl klein im Verhältniß zu den englishen Pulver- verschiffungen. Was Kanonenfabriken wie Krupp und Bochum geleistet haben, ist bekannt. 0 ;

p. (N.) Jn diesen Artikeln für Kriegsbedarf steht Deutsch- land als Bezugsland in erster Linie. Von der besonderen Güte unseres Materials sind die Behörden überall in China überzeugt. Speziell Torpedos betreffend ist zu bemerken, daß dieselben zwar ausschließlih vom Auslande bezogen werden, die Füllung jedoh hier in China mit inesishem Pulver tattfindet, i | (4 (A.) Zn Kriegs- und den anderen Artikeln des Regie- rungêgeschästs kommt es ganz darauf an, welcher Nationali- tät die befreundete Person des betreffenden Mandarins ist, ob Engländer, Franzose oder Deutscher, jeder bezieht aus sei- nem Heimathslande. :

2) Maschinen.

a, Für Maschinen aller Art, insbesondere auh Bagger- maschinen, Feuersprißgen, Pumpen 2c. sind England und die Vereinigten Staaten Nordamerikas die Hauptbezugsquelle. Jch bin nicht im Stande zu beurtheilen, ob Deutschland billi- ger liefern könnte, doch ist es meine Meinung, daß, wenn erst die Gefahr eines russisch-chinesischen Krieges beseitigt sein wird, Maschinerien, namentlich solche für Minenarbeit passende, in größeren Quantitäten angeschafft werden müssen.

h, Troy großer Schwierigkeiten ist es uns gelungen, durch die sächsische Maschinenfabrik in Chemniy die Maschi- nentheile einer Seidenspinnerei nah Hangchow zu verkaufen ; aus der gleihen Fabrik sind verschiedene Maschinen für das Shangha1- Arsenal geliefert. Eine gro ze Patronenfabrik für Tientsin im Werthe von 10 000 Pfd. Sterl. ist bei Lud. Lôwe und Comp. in Berlin in Arbeit. Für deutshe Maschinen und Kriegsmaterial wird sich im Osten nah und nach ein größeres Feld eröffnen ; nur muß den Fabrifanten eingeschärft werden, wirklich reelle und tauglihe Sachen zu liefern, um den Käufern das bestehende Vorurtheil gegen deutsche Waaren zu nehmen. Die Meinung zu Hause, daß auch s{lechte Maschinen für China gut genug seien, ist eine sehr irrige; in manchen Fällen is die Kontrole strenger als zu Hause und darf namentlich niht übersehen werden, daß englische Fngenieure die Maschinen x. in Gang zu seßen haben, die bei dem kleinsten Fehler die Sachen als unbrauchbar verwerfen. Der Umstand, daß fast alle An- gestellten (Jngenieure) englischer Nationalität sind, bildet überhaupt eine Hauptschwierigkeit für die Einführung deutscher Maschinen. Unterstüßt werden wir wêmg durch die deutschen Fabrikanten, die noch immer nichk einsehen wollen, daß eine englische Ueberseyung ihrer Kataloge, Preislisten und Be- schreibungen vou großer Wichtigkeit ist. Ein Wink in dieser

Nichtung wäre nothwendig, da es dem Kaufmann nicht zuge-

muthet werden kann, die tehnishen Ausdrücke in fremder Sprache zu wissen. i

p. (N.) Für Maschinen sind Chinesen im Allgemeinen noch nit zu interessiren. Die Zeit dafür wird au jedo nicht mehr allzufern sein.

3) Schiffe, Kriegs- und Kausffahrtei. :

f. Jh kann auch unsere größeren deutschen Fabrikanter nicht von dem Tadel freisprehen, daß sie zu ängstlih darauf bedacht sind, keine zu großen Kosten zu verursahen, und dadurch manches Geschäft ershweren. Aus meiner persönlichen Erfahrung erinnere ih, daß, als ih 1874 in Deutschland war, es mir fast allenthalben verweigert wurde, mir Pläne und Modelle für Dampfschiffe zu machen, während ich dieselben in England aufs Bereitwilligste geliefert vekam. Fn Folge dessen bekam die Firma Laird in Birkenchead von mir Auf- träge auf drei Dampsschiffe für die chinesishe Regierung, nämlih die Steamer „Fusheng“, „Chien:seng“ und „Hank- wong““.

p. (N.) Die hiesigen Kriegsdampfschiffe sind fast aus- {ließli in der Fuhkien Provinz erbaut ; kleine Segelkanonen- böte werden in jeder Provinz Chinas gebaut.

I1I, Artikel für den Gebrau der Ausländer.

1) Viktualien und Schiffsprovisionen.

a, Deutshe Waare in Butter und Käse wurde früher importirt, ist aber in Folge unreeller und shlehter Lieferun- gen ganz vom Markte vershwunden. :

b, Butter: dänish und französish. Deutschland hat bis jeßt noch keine gute Buttcr geliefert, welche sih hält. Käse fómmt aus England und Frankreih. Es ist das Geshmacks- sache, ebenso wie bei Konserven. Der Deutsche zieht die seinigen vor, der Engländer und Amerikaner wiederum die seinigen. England schlägt jedo in Konserven alles durch gute Aufmachung und Billigkeit. Nur in eingemachten Früchten kann Amerika billiger sein wegen des Obstreichthums in Kali- ornien.

i f, Butter und Käse kommen von Kalifornien, Dänemark, England, die Niederlande und Deutschland, Schiffsprovi}to- nen und sonstige Viktualien hauptsächlih von England. :

m. Bis vor Kurzem wurde Kopenhagener Butter als die beste bedeutend importirt, inzwischen ist französische in Auf- nahme gekommen. Die größten Quantitäien Käse kommen von Amerika. Jn Konserven (Gemüse, Fleisch, Milch 2c.) haben die englishen und amerikanischen den Vorzug, weil die Mehrzahl der Ausländer hier diesen Nationen angehören. Mehl kömmt nur von Kalifornien, daraus werden Schif}fs=- zwievacke hier in den Bäckereien der Shipchänd!er hergestellt. Deutscher Sago ist gut aber zu theuer; Konsum höchst unbe- deutend. Split Peas wären von Deutschland mit Vortheil. zu beziehen. Sonstige Schiffsprovisionen und Viktualien werden von englischen, amerikanishen und chinesischen Shipchändlers direkt, wenig von Deutschland, importirt und könnten auch wenige deutsche Artikel selbst an deutsche Schiffe verkauft werden. 7 :

p. (N.) Dänische Butter und amerikanisce Käsewaaren sind in Ningpo am beliebtesten. Sago wird in ganz geringen Quantitäten von Singapore und den Straits importirt. Konserven und Schiffsprovisionen führen europäishe und jüngst auch chinesische Schiffshändler in großen Mengen für europäischen Gebrauch zu. : -

q. (Â.) Jn Amoy geht vorzugsweise dänische Butter und amerikfanisher Käse, jedoh nur für europäischen Gebrauch. Konserven kommen von Amerika und Australien und sind nur die feineren Qualitäten deutsche Waare. Mehl am billigsten von Amerika. Zwieback wird hier draußen genügend fabrizirt, Sa7ço ist einheimisches Fabrikat. Für Schiffsprovijionen im Allgemeinen kommt cs ganz darauf an, wie sih die Preise in Amerika zu denen in Europa stellen, in den leßten Jahren waren erstere so viel niedriger, daß europäische nicht konkur- riren konnten.

9) Geistige Getränke, Mineralwasser.

f, Nur die für die Deutschen bestimmten Artikel werden aus Deutschland bezogen, alles andere fast ausschließlich aus England. ; |

m, Für Weine und Spirituo}en haben die Hamburger Händler durch ihre weit berüchigten Jmitationen alles reelle Geschäft mit Deutschland auper Frage grstellt, Nheinweine, in denen beschränkter Konsum stattfindet, ausgenommen. Nur in Bier und Mineralwasser macht Deutschland ein größeres Ge= chäft mit hier. Ersteres läßt sih ausdehnen, wenn die Bier-= lieferanten regelmäßig gleihgut ausfallende Sendungen machen. Norwegen und Dänemark konkurriren mit anerkannt gutem Bier. i / :

p- (N.) Die besseren Getränke in Ningpo werden dur die deutschen Kaufmannshäuser in Shanghai bezogen.

q. (A.) Deutsches Bier und Mineralwasser wird allen anderen Sorten vorgezogen, doch glaube ih verderben sich dîe Deutschen selbst den Markt, indem sie ihre Waare oft mit englishen Etiquetten versehen.

3) Tabak und Cigarren.

f, Hauptsächlih von den Philippinen, Cigarretten von Der Laferme-Gesfellschaft in Dresden. y L e

m, Deutsche Cigarren gehen hier nur in sehr kleinen Quantitäten, der jährlihe Konsum dürste 50 000 Stück nicht übersteigen. Manila Cigarren werden dagegen circa 1200 Kisten à 20 000 Stück per Annum eingeführt und zu 18—25 Dollars das Tausend verkauft. Echte Havanna er- zielen sehr hohe Preise, der Konsum ist aber gering. Jn Tabak is nur amerikanishe Waare (Cavendish gepreßter) verkäuflih. (Schnupftabak ist für chinesischen Konsum cin nicht ganz unbedeutender Jmwportartikel; dieser kommt aus Manila und Portugal, von Wien aus aemahte Versuche hatten keinen Erfolg. Jhren Rauchtabak produziren die Chinesen felbst). ,

p. (N.) Cigarren werden aus Havanna, Manila, _Ham- burg und Bremen bezogen, Tabak aus dem Süden Chinas zugeführt. Die Chinesen rauhen nur einheimisches Gewächs.

q. (A.) Geschmacfsahe, da wir aber Manila jo nahe haben, ist an eine Jmportation von deutschen Cigarren nicht zu denken, : E

4) Kleidungsartikel und Stoffe. i

1) Wollenwaaren, welche zur Anfertigung von Kleidern (der Ausländer) benußt werden und der herrshenden Mode unterworfen sind, werden größtentheils von England und Frankreich importirt. Es is wohl faum zu bezweifeln, daß wenigstens jeder deulsche Geschäftsinhaber feinen Bedarf von deutschen Märkten beziehen würde, wenn dieselben ihm die gleichen Vortheile zu bieten im Stande wären als die aus- ländishen. An wiederholten Versuchen, heuie Produkte einzuführen, hat es nicht gefehlt; leider sind aber diesclben selten zur Zufriedenheit ausgefallen. Nach unserer, auf lang-