1849 / 338 p. 2 (Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

id terie

¡nzen Göttingen 2c. werden nicht Ee zu wem sie a atten sollen , D seien so gewisserma en zwischen s Stühle geseßt. Sander und Harriehaujen nate E Ansicht aus, und empfahlen, unter gewissen Da E N DIEIE Provinzen eine eigene Landschaft zu bilden. Regierungs- ommissar von Hammerstein“ und Lichtenberg hoben die Bedenken her- vor, welche sowvhl diesen Vorschlage, wie auch dem etwaigen Plane, die fraglichen Prvvinzén lediglich zu einer (der hildesheimschen) Landschaft heranzuziehen, und Die für gewisse Beziehungen, nament- li< die Brandkässen - Angelegenheiten, bestehende Verbindung mit Kalenberg zu zerschneiden, si entgegenstellén. Als Regel jei die Verbindung mit Hildesheim anzusehen; diezénige mit Kalenberg be- stehe nur ausnahmsweise für bestimmte Punkte daneben z in der Praxis werde sich die Sache einfacher gestalten, als von den Vor- rednern angenommen zu werden scheine. Lichtenberg erklärte noch auf die Anfrage Sander's, daß ein abgesondertes Zusammentreten Der göttingischen 2c. Abgeordneten für diejenigen Angelegenheiten, welche nicht den ganzen Landdrostei - Bezirk, sondern speziell die fraglichen Landestheile betreffen, durch die Fassung des Entwurfes nicht habe ausgeschlossen werden sollen. Angerstein wünschte den Harz oder, wenn dieses für den Augenbli> nicht thunli< sei , mindestens die Städte desselben von der landschaftlichen Vertretung nicht aus= ges{los}sen zu schenz Regierungsrath von Hamme rstein und Ministerialvorstand Braun bemerkten dagegen, daß die Verwaltung des Harzes gegenwärtig neu geordnet werde, und daß sich erst nach Vollendung dieses Werkes übersehen lasse, in welcher Weise wegen der landschaftlihen Verhältnisse desselben eine angemessene Re= gulirung eintreten könne; Kammerrath von Münchhau- sen fügte hinzu, daß bei den ganz eigenthümlichen Verhält- nissen des Harzes eine Verbindung desselben mit einer anderen Provinzial - Landschaft dem Jnteresse der Harzbewohner wenig entsprechen würde. Hinsichtlih des Landes Hadeln, welches zwar die bremen - und verdensche Provinzial - Landschaft mit beshi>en, im Uebrigen aber seine ständische Verfassung beibe- halten soll, wollte Rittmeister von Münchhausen die excep=- tionelle Stellung dieses Landes, für welhe, wenn demnächst die Provinzial-Landschaften nah den vorliegenden Grundzügen gut ge- regelt werden, kein Grund vorliege, entfernt wissen; wogegen die Fortdauer jener Verfassung von dem Schulth. Be>mann lebhaft vertheidigt wurde, welchem si<h Herrmann aus dem Grunde an- \{<loß, weil es unweise sein würde, lange Zeit erprobte Verhältnisse, die zur allseitigen Zufriedenheit der Betheiligten bestchen, dem Prin- zipe der Uniformität zu opfern. von Hamme rstein erklärte sich in gleichem Sinne, und bemerkte no<, wie die hadelnsche Ver- fassung ihrem Wesen nach nicht lediglich eine ständische Vertretung enthalte, sondern vielfach das Gebiet der eigentlichen Verwaltung berühre, im Uebrigen aber die Bildung einer abgesonderten Pro-= vinzial-Landschaft für diesen Landestheil seines geringen Umfangs wegen nicht angemessen sei. _ Bei den unter 1. wegen Zusammenseßung der Provinzial - Landschaften aufgestellten Grundzügen wurde von von Honstedt bemerkt, daß die Städte und Fle>en gegen das platte Land der Kopfzahl na< überwiegend, etwa vierfach stärker vertreten seien, Derselbe hielt jedoch dies Verhältniß für wcnig bedenklich, da die fleineren Stävie und Fle>en auch vorzugsweise a>erbauliche Jn= teressen haben , und weil im Ganzen in dez selben verhältnißmäßig mehr Jutelligenz herrs@he; aus demselben Grunde lasse sih auch, namentli für die erste Zeit, die Anomalie der besonderen Vertre tung der größeren Grundbesißer rechtfertigen. Rittmeister "von Münchhausen hielt das erstere Vedenkeu keinesweges für uncr- hebli<h, da die Juteressen der Städte und Landbewohner häufig in sehr wichtigen Punkten auseinandergehen , und empfahl mit Nück sicht darauf bci den Bestimmungen über die Geschäfts-Ordnung die ihm Übrigens verhaßte Abstimmung nah Kurien in bestimmten Ausnahmefällen für zulässig zu erfláren. von Hammerstein erwiederte unter Hinweisung auf die Begründung der Vorlage, daß die Möglichkeit einer solchen Einrichtung, falls fol<he von der Lant schaft gewünscht werden sollte, nicht ausgeschlossen sei.

Die Bestimmungen unter Ul, über den Wirkungskreis dei Provinzial-Landschaften, wünschte, neben einzelnen, geringeren Punk ten, Rittmeister von Münchhausen insbesondere dahin abgcán- dert zu sehen, daß die unter 10, 11, 12 als Gegenstände einer gut- achtlichen Konkurrenz der Landschaften bezeichneten (Anlage von neuen Kolóniceen und Auflösung von Gemeinden 2c. unter Wider- spru< der Gemeinden ; Aenderung der Amts=- und Gerichts-=Cin- theilung 2c.) denjenigen zugere<net werden, bei welchen Zustim mung der Landschaften erforderlih sei, von Hammerstein und Braun vertheidigten dagegen die Bestimmungen der Vorlage, und von Houstedt sprach seine Anerkennung über die vollständige und zütrefende Aufstellung des Wirkungskreises der Landschaften mit der Hoffnung aus, daß dieselben in dieser Entwickelung cine segens reihe Wirksamkeit entfalten werden,

Bei 1V, (Geschäfts-Ordnung) rief der Saß: „die Provinzial- Landschaft wird vom Landbrosten berufen ; sie versammelt sich jähr- li in einem ein für allemal festzustellenden Monate ; ihre Versamn!lung dauert der Regel nach niht über 8 Tage“, eine lebhafte Diéfussion hervor. Während Neupert, Hi>en und Hillingh, Erstere un- ter - besonderer Hinweisung auf die alten Rechte der ostfriesischen Stände, das Recht der Selbstbestimmung der Stände in der Be- rufung, wle „hinsichtlih der Dauer des Landtags verthiidigten, wünschte Rittmeister von Münchhausen die Bestimmung der Vor- lage beizubehalten. Binnen $8 Tagen lassen si, seiner Ueberzeugung nah, bei gehörigem Fleiße die Geschäfte der Landschaft füglich voll- enden, und es sei sehr wohlgerathen, durch solche Frist jeden Ein- zelnen zur geblihrenden Thätigkeit anzuhalten, In den Niederlan- den und namentlich in Brabant werden die Stände auch vom Prâ- sidenten dex Provinz berufen, ohne daß Jemand darüber unzufrie- den sei. Ministerial-Vorstand Braun erklärte ließli, daß man si hierüber mit den einzelnen Landschaften einigen und daß es wohl kein Bedenken haben werde, hierin die alten Rechte derselben, welche übrigens niht allein bei der oftfriesishen Landschaft vorkom- men, zu s{hüpen, Sollen aber die Landschaften in dem beabsichtig- ten Maße an der Verwaltung der Provinz Antheil haben, so mise jedenfalls auch ver Landdrost die Befugniß haben, dieselben, sei es divett oder indirekt, zum Zusammentreten zu veranlassen,

Am Schlusse der Berathung spra<h von Exterde die Er- wartung aus, daß bei der demnächstigen näheren Berathung der neuèn Organisation mit den einzelnen Provinzial-Laudschaften die von ihm vertretenen Landestheile (Meppen, Lingen, Bentheim) nicht wie bisher ausgeschlossen und vie jebige osnabrúd>sc<e VaübrGaît allein zugezogen werden möge. Regierungs-Kommissar Lichten - berg erwiederte, daß jedenfalls vie fraglichen Verhältnisse nicht ohne Vertretung jener Landestheile festgestellt erben Wurden Auf wel<he Weise diese Vertretung zu beschaffen sei, ob durch zu l wählende Vertrauensmänner oder in welcher anvercn Art, müsse der ferneren Erwägung no< vorbehalten bleiben, Z

In der zweiten Kammer kam der gestern von Lang 1. gestellte Antrag wegen einer an den König und den Kronprinzen von ven Ständen zu erlassenden Gratulations-Adresse zur Verhandlung und

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2220 wurde na< einigen motivirenden Worten des Proponenten ohne Weiteres einstimmig von der Kammer angenommen.

Das hierauf folgende Referat des Vice - Géneral - Syndikus Hir \< über eine Petition mehrerer Wahlkreise, die den Mitgliedern der Stände-Versammlung beizulegende Portofreiheit betreffend, ruft eine Erörterung der Frage hervor, ob es im Interesse des Landes liege, den Mitgliedern der Stände - Versammluug während deren Vereinigung eine- persóriliche Portofrciheit zu bewilligen. Zu dem vom General - Syndikus gestellten Antrage auf Uebergang zur Ta=- gesordnung stéllt ‘nänilih Horst, von der Ansicht geleitet, daß der nothwendige lebhafte Verkehr zwischen den Abgeordneten und deren Wählern für die Leßteren eine portöfreie Beförderung der vft um= fangreihen Korrespondenz sehr wünschenswerth erscheinen lasse, den Verbesserungs - Antrag, die Petition an die zur Prú- fung der revidirten Post - Einrichtungen bes<hlossenen Kom- mission zu verweisen, um derselben Gelegenheit zur näheren Erwägung über die Räthlichkeit der beantragten Maßregel zu geben. Gegen diesen von Kaulen, Gerding, Buß und Freu - dentheil aus dem Grunde unterstüßten Verbesserungs - Antrag, weil eine Portofreiheit der Stände - Mitglieder im Junteresse der Wähler liege, jedenfalls aber eine nähere Prüfung als hlich er- scheine, erheben si< Stüve, Lehzen und von Garssen, Leh- terer davon ausgehend, daß eine den Deputirten beigelegte Porto=- frciheit schr verschieden im Lande beurtheilt werden und demselben wiederum neue Lasten aufbürden würdez Erstere mit Hinweisung auf die úber die vorliegende Frage auf dem vorigen Landtage in der Kammer bercits: laut gewordenen Ansichten, so wie unter Her- vorhebung des Umstandes, daß cine persönliche Portofreiheit der Deputirten, abgeschen von dem der Kasse dadurch erwachsenden nicht un=- bedeutenden Ausfa!le, dem von der Regierung angenommenen Systeme der Aufhebung aller persönlichen Portofreiheit geradezu im Wider= \spruche stehen und neue Exemtionen an die Stelle der gerade jebt aufzuhebenden alten Ausnahmen seßen würde. Bei der Abstim=- mung wird der Verbesserungs-Antrag von der Horst?s ange nommen.

Nach einem weiteren Referate des Vice-General-Syndifkus aus cinigen anderen Petitionen und zwei Konferenzen führt die Tagesordnung zur Fortseyung der gestern begorinenen Besprechung über die Grundzüge für die Organisation der Landgemeinden.

Die beim Aufruf der cinzelnen Paragraphen laut gewordenen verschiedenen Bedenken geben Stüve wiederholt Veranlassung, un= ter Hinweisung auf das Begleitschreiben vom Februar d. J. dar- auf aufmerísam zu machcn, daß wie er schon gestern im Allge- meinen hervorgehoben es si<h ni<t um cin Geseh handle, son=- dern nur eine Instruction beabsichtigt werde, nach welcher von den Obrigkeiten bei Regelung der Gemeinde-Verhältnisse im Ver-= waltungswege verfahren werden solle.

Eine beim $. 2 von Kaulen gestellte Anfrage, ob die Regie- rung in nähster Zeit ein neues Domizil - Geseß vorzulegen beab= sichtige, beantwortete Stüve verneinend, da zunächst der Begriff der Gemeinde überall feststehen müsse und erst, nachdem in dieser Beziehung Alles gehörig geordnet, eine neue Domizil-Drdnung auf feste Basis ersprießliche Folgen haben könne, Die Bestimmungen Des S4 „Künstig soll jede Domizil - Gemeinde cinen folchen Umfang haben , - daß sie für si< zur Wahl eines Wahl mannes zur zweiten Kammer befähigt ist“ ren bet Heise, Fründt und“ Windthör st|st Befürchtungen her- oor, Wun Beziehung theils ><uif zu große Willkürlichkeiten bei Zusammenlegung bisher getrennter Gemeinden, theus auf Ge- fährdung des Intcresses sol<her Gemeinden, welche bi8lang arme Einwohner nicht zu unterstüßen gehabt hak Stüve hebt zu deren Beseitigung hervor, daß nur Regeln anfgestellk seien, welche zivecmäßige Ausnahmen 1mn :ulassen, so wie daß der gütlichen Uebereinfunsft | im Allgemeinen, wie im Einzelnen , Alles vorbehalten l Beim $. 416 findet Ell isen die Aufnahme des bei der früheren Vorlage des Entwurfs nicht vorhandenen Zusaßes

vie Statuten bedürfen der Bestätigung der oberen Verwaltungs behörden“ f

11 L.

auffallend, wogegen Stüve diesen Zusaß nur für denßzur größeren Deutlichkeit jeßt aufgenommenen Ausdru> einer sich von felbst verstehenden und in dem Landcs - Verfassungs - Geseßze begründeten Bestimmung haltcn kann. Der beim $. 25 von Heyl ausgespro- hene Wunsch, daß die Verwaliungs-Behörden künftig überall feine Strafgescße mehr erlassen mögen, ruft die Entgegnung Stüve's hervor, daß den Verwaltungs-Behörden ja verfassungomäßig {on lánast ein \sol<hcs unbedingtes Recht nicht mehr zustehe, vie Gerichte auch wohl nicht auf Grund derartiger Verfügungen der Verwal- tungs-Behörden Straferkeuntnisse erlassen werden. Nach von der Horst’'s Ansicht würde cs si< empfehlen, im $. 26 den Ge= meinde-Kassen sämmliliche politische Strafgelder auc< die von den Gerichten erfannten zuzuweisen z eine Ansicht, welche Stüve und von Düring nicht theilen, weil einerseits die Gemeinden bei einer sollen Bestimmung das Interesse für die eigene Wahr- nehmung der Polizei verlieren und andererseits bei Vergehen, die in gar keiner Beziehung zu den Gemeindezwe>en stehen, auch kein Grund vorliege, den Gemeinden die Strafgelder zuzuweisen, zU- mal der Staatskasse auf diese Weise cine Einnahme von jährlich itngefähr 7000 Rthlr, entzogen würde. (Die Berathung wird hier durch Verlesung eines Königlichen Schreibens, die Entbindung Jhrer Königlichen Hohcit des Kronprinzessin betreffend, untér= brochen.)

An die Bestimmung suh 3 im $. 27

„deu Gemeinden liegt, fo weit es Recht oder Geseb ist, die Unterstüßung der Ar-=

men in ihrem Bezirke ob‘““ 2c. lnüpft sih eine längere Erörte- rung der Frage, inwieweit tie Gemeinden nach den bestehenden Rechten und Geseßen zur Unterhaltung ihrer Armen verpflichtet seien. Stüve bemerkt zunächst auf die Anfrage Windthorst's, was die Worte „so weit es Recht und Gescbß ist“ bedeuten \follen, daß man die Frage über die Verpflichtung der Gemeinden zur Armenpflege hier ganz unberührt habe lassen wollen und deshalb diese generelle Fassung gewählt habe. Allgemein geseßliche Bestim- mungen fügt der Redner erläuternd hinzu - bestehen nur be= züglich der Verpflichtung der Gemeinden, ihrei Angehörigen ein Obdach zu verschaffen und crkrankte mittellose Reisende einstweilen zu verpflegen. Zu cinem Mehreren liege nach der bestehenden allgemeinen Geseßgebung für tie Gemcinde eine re<tli<e Verbindlichkeit nicht ob, wenngleih die moralische Verpflichtung zur Unterstühung der Gemeinde - Angehörigen thatsächlich zu dem- selben Resultate führen möge, Die Geseßgebung müsse bei Bestim- mungen über Armenpflege sehr vorsichtig zu Werke gehen, da sie niht umhin könne, bestimmte Begriffe darüber aufzustellen, wann Jemand als arm anzusehen und welche Unterstühung er in An- spruch zu nehmen bercchtigt sei. Es empfehle sich daber, so lange irgend damit auszurcihen, die Unterstüßung der Armen der freiwilligen Mildthätigkeit zu überlassen und nicht die bestimmte Verpflichtung der Gemeinden zur Unterstüßung ihrex Armen aus- zusprechen. Auch würde bei einer etwaigen vemnächstigen Gesebge- bung über Armenpflege schr in Ueberlegung zu nehmen sein, ob man überall den Gemeinden diese Verpflichtung unbedingt werde aufbürden können, da gewiß viele Gemeinden zur Genügeleistung einer solchen geseblih feststehenden Verbindlichkeit völlig außer

Stand sein würden. Lang 11, Oppermann und Andere hálten dafür, daß eine Verpflihtung der Gemeinden zur Unterstüßung ihrer Armen {on jeßt bestehe oder do< mindestens von den Be=-

Stüve bemerkt, raß die Regierung weder jeßt eine solche -Ber- pflichtung der Gemeinden als zu Recht bestehend voraussehe, - noch seines Wissens früher jemals nah diesem Pritizipe verfahren habe.

Wegen vorgerückter Tageszeit muß: die“ Berathung für- heute bei dem $. 34 abgebröchetn werden.

Hessen. Kassel, 6. Dez. (Kass. Ztg.) Se. Königl. Hoheit der Kurfürst hat den Oberst - Lieutenant und vortragenden Offizier im Kriegs-Ministerium, von Roques, provisorisch zum Vor- stande des Kriegs-Ministerlums ernannt,

LübeŒ. Lübe>, 5. Dez. (H. C) Die Bürgerschaft ge- nehmigte in ihrer heutigen Sißung den Beitritt Lübe>s zu dem zwischen Oesterreich und Preußen am 30, September abgeschlossenen Vertrage, so wie den ihr vorgelegten Entzvurf eines Geseßes für die Wahl eines Abgeordneten zum Volkshause des dentschen Bun-

desstaates, ———————

Dusland.

Hesterreich. Krakau, 26. Nov. (Wanderer.) Außer cinigen hundert kranken russischen Soldaten is nun sämmtliches russis<cs Militair heimgekehrt. Der hier noch verweilende russische General Saboleff hat nebst zwei Obersten, wovon der eine das Schreibgeschäft, der andere den Transport versieht, die Obhut über alle kranken russischen Soldaten, tie denn auch mit aller Sorg-= falt versehen wird,

Hermannstadt, 23. Nov. Der amtliche Theil des Sieb, Boten enthält folgende Bekanntmachung :

„Der anarchishe Zustand, in dem sich Sicbenbürgen in Folge der re- volutinären Ereignisse dur< längere Zeit befaud, hat die Bege- hung von Verbrechen erleichtert. Die öftir vorkommenden Gewallt- thäigkeiten und Angrisse auf fremdes Eigenthum werden zwar , inso- weit sie bezüglih gewisser Kategorieen den aufgestellten Kriegs- gerichten zugewiesen sind, von diesen abgethanz doch bleiben eine Menge von begangenen Verbrechen und sonstigen strafbaren Handlungen übrig, deren Untersuchung und Bestrafung bei dem Abgange ordentlicher Straf-Behörden, die in dem bei weitem größeren Theile des Landes gänzlich fehlen, bisher nicht thunlich war. Die Thätigkeit der Sicherheits-Behörden liefert solche Uebel- thäter fortwährend cin, die nun die Gefängnisse füllen , ohne daß sich, den hermanstädter Distrikt ausgenommen , wo noch die bisherigen Jurisdictionen bestehen, mit deren Aburtheilung befaßt werden kaun, Dieser Zustand bedarf eine gebieteris<he Abhülfe, mit der um so weniger gewartet werden fann, als der offenkundige Nichtbestand von Strafbehörden und die scheinbare Aus- sicht auf Straflosigkeit deu Reiz zur Verübung von Verbrechen crhöht, Der dem hohen Justiz - Ministerium vorgelegie Plan einer provisorischen Justiz - Organisation in Siebenbürgen sieht noch seiner Erledigung entgegen, Hen so wird die wirkliche Ausführung der Justiz - Organisation Zeit nehmen. Bci der unabweislichen Nothwendigkeit einer provi- sorischen Verfüguna, namentlich bezüglich auf die Strafgerichtspflege, wurde die Aufstellung von Interims - Gerichten zunächst zur Ausübung der straf- gerichtlichen Justiz beschlossen, deren Aufgabe die Untersuchung der zahlrei- den , bis. jest schon in Verhandlung gekommenen Straffälle, dann die weitere Versehung der Straf - Justiz bis zur Einrichtung der neuen Ge-

| richte sein wird, Solche Gerichte , bestehend aus einem Vorsißenden und

drei bis vier Näthen und eben so viel Aftuaren, werden in den Militair-Di- striktten von Carlsburg, Klausenburg, Reiteg, Udvarhely und Fogarasch in der dem Bedürfnisse entsprechenden Zahl aufgestellt und es wird bei den- selben nah dem österreichischen Strafgeseybuche 1, und U, Theil über Ver- brechen und {were Polizei-Uebertretungen gesprochen wo1iden. Da der Bestand dieser Gerichte nur provisorisch und bezüglich der Zeitdauer ungewiß ist, so wer- den den hierbei Angestellten nur Mouats-Gehalte bemessen, und zwar nach dem Maßstabe eines jährlichen Gehaltes von 1200 Fl, für den Vorsigenden, und von 1000 Fl. für den Richter, ferner von 4 600 Fl. für das untergeordnete Per- sonal, Die solche Stellen Bekleidenden haden bei Fleiß und guter Verwendung vorzugsweisen Anspruch auf Anstellungen bci den neu zu organisirenden Gerich- ten, und es wird ihnen bei der erfolgenden definitiven Anstellung die jet zugebrachte provisorische Dienstzeit eingerehnet, Diejenigen, welche eine der- lei provisorische Bedienstnug zu erhalten wünschen, haben ihre Gesuche , in denen sie die erforderlichen theoretischen, besonders aber praktischen Kennt- ise im richterlihen Fache, ihre bisherige Dienstleistung , ihre Mora- lität und Unverfänglichkeit in politischer Beziehung, dann die Kenntniß einer Landcssprache nebst der deutschen nachzuweisen haben, bei den betref fenden Militair-Distrikts-Kommanden bis längstens 415, Dezember l. J. zu überreichen. Hermannstadt, am 20, November, Ver K. K. Civil - und Militair-Gouverneur im Großfürstenthume Siebenbürgen , Feldmarschall- Lieutennnt Ludwig Freiherr von Wohlgemuth.

Frankreich. Geseßgebende Versammlung. Sißung vom 5. Dezember. Herr Fremy matht einige Bemerkungen uber die Rede des Herrn Denjoy von gestern. General Cavaignac habe wegen der Julitage viele Ernennungen in den Orden der Ehren Legion vorgenommen. Der Bericht über den Antrag des Herrn Desmousseaux de Givre, die National-Versammlung solle keiner ¿fentlichen Ceremonie beiwohnen, wird niedergelegt. Die zweite Berathung über den Gesebvorschlag, 80,000 Mann von der Klasse von 1849 auszuheben, ist an der Tagesordnung. Das Amende- ment des Herrn Bouvet, die Truppen- Aushebung auf 40,000 Maun zu beschränken, wird verworfen. HerrRaudot {lägt eine Reduc= tion auf 60,000 Mann vor. Der Krie g®- Minister vertheidigt das Kontingent, welches von der Regierung verlangt wird. Er glaubt nicht, daß bei der Beseßung Algeriens und den politischen Möglichkeiten, die Europa bevorstehen, die Armee reduzirt werden könne. Der Minister kritisirt die Theorieen derer, die Anhänger der Entwafs- nung sind, die Unmöglichkeit dieser Theorieen werde sih ohne ihre An- wendung zeigen. Oudinot hált der Kammer vor, das Ministe= rium des Krieges mache ja alle möglichen Ersparnisse. Der Ge- schvorshlag wird angenommen. Die Kammer beschließt, daß sie zu einer dritten Berathung über das Geseß, die Kommissäre be=- treffend, die der Aussicht der ffentlichen Ueberwachung vorgeseßt worden, s{<rciten und den Antrag des Herrn Etienne wegen Unter= dru>ung der Postfreiheiten in Erwägung ziehen wolle. gie beschließt ferner, daß die Kommisston , welche wegen i Vor= {lages des Herrn von Lancastel, die Minister und F Ege betreffend, das Gescb ausarbeiten solle. Die Minister Ba ge- gen dicfen Beschluß. Der Pr äsident widerspricht dem / erüdhte, daß zwei Schiffe mit sranzösischen Soldaten , Gt A tommenb, untergegangen seien. Eine heftige Debatte 154 eel Un den Antrag des Herrn von Herouel , der darauf jinausgeyt s Wahlbezirke zu vermehren. Die Debatte is no<h nit beendet un wird auf morgen aufgeschoben.

Paris, 5. Dez. Mittelst Dekrets vom 1. d. M. ist, auf den Bericht des Marine-Ministers , dir Contre-Admiral Dubourdieu zum Kommandanten der Station in Brasilien und dem La Piata ernannt worden. Er ersetzt den Contre-Admiral Lepredour, der dies Amt drei Jahre hindurch versah. Der Contre-Admiral Delassaux

| is] zum höheren Kommandanten der Marine in Algier, als Nachfol= | ger des Herrn Dubourdieu, ernannt worden.

G

hörden fast überall als bestehend angenommen: werde , wogegen

Dex von Herrn Bocther verfaßte Kommissions-Bericht über den Geseh-Entwurf wegen der Getränk-Steuer ist in die Druerei ge- \{i>t worden; man glaubt, daß er morgen zur Vertheilung gelan- gen und daß die Diskussion am 11ten beginnen wird, i

__ Der National - Versammlung sind zwei neue Vorschläge über- reiht wordenz der eine von Herrn Wallon beantragt die Abschaf- fung des bürgerli<hen Todes; der andere von Herrn Charamaule bezieht si< auf die Organisation des landwirthschaftlihen Kredits. Der Antragsteller verlangt die Ausgebung von landwirthschaftlichen Hypothekar - Scheinen im Betrage von 500 Mill. Fr. Dieselben sollen dazu bestimmt sein, die landwirthschaftliche Arbeit und beson- ders ihre Verwendung zur Brachlegung zu unterstüßen. Durch ei nen der Artikel soll ein Minimum des Lohns und ein Maximum der“ Arbeit festgeseßt werden: --—-- --—= —=-

Nach dem Evenement wird die Sendung Persigny?s, der in der Eigenschaft als außerordentlicher Gesandter nach Berlin gehen soll, drei Monate dauern: Er trifft bereits. Anstalten für seine auf nächsten Dienstag festgeseßte Abreise.

Nach der Patrie betrug die Zahl der in Beschlag genomme- nen Exemplare von Ledru Rollin's Flugschrift nit weniger als 13,000 ; eine sehr große Anzahl von Exemplaren wurde gestern früh zu 5 und 6 Frs. das Stü heimlich verkauft. j

Es heißt, daß Cavaignac zu dem Bankett, welches Herr Dupin am -10, Dezember giebt, eingeladen sei, wahrscheinli<h aber auf An- rathen seiner Freunde demselben nicht beiwohnen werde,

Aus Riom wird gemeldet, daß die 43 wegen der republikani- z<en Unruhen zu Montluçon Verhafteten vom Assisenhofe sämmt- sih freigesprochen worden sind.

S Großbritanien und Jrland. London, 5, Dez. Die täglichen Kabinets-Berathungen dauern no< immer fort, uad der Standard fnüpft daran wieder Gerüchte von einem bevor- stehenden Minister wesel, Diesem Blatt zufolge wollten Lord John Russell, Marquis von Lansdowne und Viscount Palmerston an- geblich aus dem Kabinet ausscheiden. Der von ihnen au®gehende Vorschlag eines festen Getraidezolls soll der Grund des Zwiespalts im Ministerium sein; die drei Minister, behauptet der Standard, hätten sih nämlih dur< die auf den Besißungen der Bedfordschen Familie, welche Lord J. Russell angehören, und auf den im süd= lihen und westlichen Irland gelegenen Lansdowneschen und Palmer stonshen Gütern gemachten Erfahrungen von den nachtheiligen Fol- gen des Freihandels - Prinzips in Verbindung mit den Wirkungen des irländischen Armen-Gesebes überzeugt. Sir Robert Peel habe sich bis jeßt vergeblih bemüht, eine Einigung zwischen den genann- ten Ministern und ihren zu Cobden?'s Grundsäßen si<h hinneigen- den Kollegen herbeizuführen. g

Hinsichtlich der von Oesterreich zur Lösung der römischen Frage gethanen Schritte enthält die Morning-Chronicle Folgendes: ¿Neue Verhandlungen waren unter Vermittelung Oesterreichs, wel- ches sich, im Vorbeigehen sei es gesagt, in den Angelegenheiten Roms weit liberaler gezeigt hat, als Frankreich selbst, eröffnet worden, um zu einem Vergleiche zu gelangen, welcher, indem er in Bezug auf den Papst den Schein rette, zugleih die Würde und die Chre der französishen und der \panishen Waffen wahre, Die Vorschläge des Kabinets von Wien waren: 1) Die Franzosen verlassen Rom erst einige Wochen nah der Rückkehr des Papstes. 2) Sie ziehen sih nah Civita=Vecchia zurü>, behalten sich jedoch vor, im Noth falle Spoleto und einige andere Punkte des Kirchenstaates zu be= seßen, 3) Oesterrei reduzirt seine Streitkräfte in den Legationen auf 10,000 Mann, um Frankreich zu erlauben, gleichfalls ohne ir- gend eine Befürchtung einen Theil der nah der Räumung Roms disponibel werdenden Truppen zurückzuberufen. Nach der Entfer nung der Franzosen und bís zur Reorganisation der päpstlichen Armee bilden die Spanier die Besaßung von Rom auf Kosten der päpstlichen Kasse.“ Wie die Chronicle bemerkt, erhielt dieser Vorschlag die Billigung aller betheiligten Mächte und nicht weniger die des Papstes. Er war der Verwüiklichung nahe, als in Portici die Nachricht von dem Sturze des Kabinets Barrot-Dufaure an= langte, und diescs unerwartete Ereigniß allein war es, welches die Rü>kehr des Papstes verhinderte.

Die englische Fregatte „Eurydice“/ ist am vorigen Freitage vom Cap mit Depeschen des Gouverneurs, Sir Harry Smith, in Ply- mouth angekommen. Sie verließ die Capstadt am 12, Oktober. Jn Folge des Entschlufses der Kolonisten, sih der Aufnahme der im „Neptune““ zu ihnen gebrachten Sträflinge zu widerseßen, konn- ten weder Flotte no< Heer si< Lebensmittel und sonstige Bedürf nisse auf dem gewöhnlichen Wege verschaffen, da si< Jedermann weigerte, den Beamten und Truppen der englischen Regierung ir- gend etwas zu verkaufen. Der Gouverneur war daher genöthigt, Gewaltmaßregeln zu ergreifen, um von si<h und den übrigen Die- nern Ihrer Majestät die drohende Gefahr des Hungertodes abzu= wenden, So ließ er z. B. Ochsen während der Arbeit ausspannen, zahlte einen festgeseßten Preis für dieselben und \chi>te sie dann zum Grasen auf Weideland, welches der Regierung gehörte. Auf diese Weise wurden die See= und Landtruppen wenigstens mit Fleis< versorgt, wenn auch nicht eben in sehr reihli<hem Maße. Eigentliche Ruhestörungen waren bis zur Abfahrt der „SEurydice““ nicht vorgekommen, obgleih die Aufregung aufs höchste gestiegen war. Die Kolonisten hatten erklärt, daß sie die König- lihen Schiffe mit keinerlei Vorräthen versorgen würden, fo lange das Verbrecherschiff in der Bai liegen bleiben würde, worauf der Gouverneur erwiedert hatte, er habe alle möglichen Zugeständnisse gemacht und werde si< dur<h Drohungen nicht cinshüchtern lassen. Doch war das von ihm an den „Auti-Sträflings-Verein““ gerich tete Schreiben, in welchem er die Gründe seines Verfahrens aus- cinanderseßte und das Verhalten der Kolonisten rügte, in gemä- ßigtem Tone gehalten.

In Jamaika hat die geseßgebende Versammlung endlich hin- sihtli< der viel besprochenen Frage der Ochalts - Reduction einen Schritt vorwärts gethan, indem ‘sie einen Bericht günstig aufge= nommen hat, welcher für die Gehalte zwischen 200 und 1000 Pfd, Sit. eine Verminderung von 10 pCt,, für die, welche 1000,Pfd. Sf. übersteigen, cine Verminderung von 20 pCt. vorschlägt, Eine auf diesen Bericht gegründete Bill sollte der Versammlung am 7, No- vember vorgelegt werden. Nach Aeußerungen mehrerer Anhänger der Regierungspartci war die Wahrscheinlichkeit einer abermaligen Verwerfung des Geseßvorschlages durch den Rath vorhanden; es stand demna<h wiederum ein Bruch zwischen den beiden Staats- Gewalten bevor. E Das lange erwartete Ergebniß der Orangisten Versammlungen in Dublin liegt nun theilweise in Form eines weitläusigen Berich- tes vor. Der bis jeßt veröffentlichte Theil bezieht sich auf die angeblihe Parteinahme der Regierung für die Orangisten durcl) Vertheilung von Waffen zur Zeit des vorjährigen Aufstandes. Die zweite Hälfte wird erst eine Woche später erscheinen.

Italien. Von der it alienish<hen Gränze, 28. Nov. (Wanderer.) Der sardini\ <e Kriegs =- Minister hat ein Rund= schreiben an sämmtliche Militair - Kommandanten erlassen, worin er denselben empfiehlt, sie mögen den Soldaten angemessenen Primär=-

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und militairischen Unterricht angedeihen lassen. Die Offiziere na- mentlich sollten si< mit diesem Unterricht abgeben und si< hierdur< mit dem gemeinen Manne mehr befreunden. Auch ein Reglement hinsihtli< dieses Unterrichts wurde erlassen, welhes jedo< nur provisorisch ist und nah Umständen abgeändert werden soll, Die Auflösung der Kammern hat das Ministerium daran gehindert, den Gesetz - Entwurf über die Entshädigungs-Ansprüche vershiede- ner Einwohner im novaresishen und der Lomellina, wel<he wäh- rend des lebten Krieges {hon sehr viel gelitten hatten, zur Be- rathung und Votirung vorzulegen. Das Ministerium ist sonah in die dringende Lage verseßt worden, Diesem Uchel- stande dur< proviforishe Anordnungen abzuhelfen. Jn ganz Piemont herrschte die größte Ruhe, und die Vorbereitun- gen zu den Wahlen nehmen ihren regelmäßigen Gang, wenn wir anders die Agitation von beiden Seiten mit diesem Worte regel mäßig bezeichnen können, In Genua wurden am 20, November 22 Individuen verhaftet, Ju einem Stockfischfasse soll ein Paket Schristen gefunden worden sein, woraus man auf eine Verschwö rung s{ließt, die nihts Geringeres beabsichtigt, als die ganze Armee zu vernihten, Besonders soll es auf die Generale und Offiziere abgeschen scin. Wie viel oder wie wenig daran is, wird sih noch zeigen. Die Verhaftungen sind Faktum, eben so eine Verordnung der Militair - Behörde, nah welcher alle Offiziere bis zehn Uhr Abends zu Hause sein müssen. Uebrigens ist Alles ruhig.

Jn Toscana wurden die Namen der Jndividuen bekannt gc- geben, gegen welche politishe Prozesse eingeleitet sind. Der Name des verschollenen Guerazzi tauchte bei dieser Gelegenheit wieder auf und prangt an der Spiße. Natürlich fehlen au<h ni<ht Mon- tanelli, Mazzoni, Adami, Marmocchi, Mordini, Romanelli, welche Alle bei der provisorischen Regierung betheiligt waren. Auch der Schauspieler Modena und der Schriftsteller Nicolini begegnen uns da wieder.

Jn Civitavecchia warten no< immer viele Emigranten auf die Erlaubniß Frankreichs oder Sardiniens, sich dort ansiedelu zu dürfen. Palomba hat \das dortige Plaßkommando Übernommen, Fn Rom verspriht nan si<h von dem neuen General en chef Baraguay d'Hilliers Fehr viel.

Vou der italienis<en Gränze, 2. Dez. (Wanderer.) In Genua wird über Verfügung des Municipiums ein ncuer Cen- sus vorgenommen. Er soll bereits dieser Tage beginnen. In jedem Pfarrbezirke ist eine eigene Kommission niedergeseßt worden, welche die nöthigen Erhebungen pflegt.

Berichten aus Nizza zufolge, ist Falloux am 2sten nach Men- tore abgereist. Seine Anwesenheit in Nizza wurde bis zum Mo- mente der Abreise verheimlicht, weil man Furcht vor einer feind- seligen Demonstration gegen ihn hatte.

Aus Rom meldet man unterm 24sten, daß General d'Hilliers auf des Papstes Rückkehr bestehe. Die Unzufriedenheit soll dort im Steigen und die Schaßkasse leer sein. Auch unter der wenigen päpstlichen Miliz zeigt si< eine Gährung. Pius IX. Rückkehr wird als zu Ende Dezember bevorstehend angegeben. Der Selbstmord eines Offiziers, welcher si<h vor den Regierungs - Kardinälen den Tod gab, hat großen Eindru> gemacht. Eine neue Liste abzu seßzender Beamten wurde in Folge dessen nicht veröffentlicht.

Aus Neapel meldet man unterm 20sten, daß Stanislaus Bag=

racco gegen eine Caution von 10,000 Ducati (1 Duc. = 41 Sl. 40 Kr.) der Haft entlassen wurde, mit der Obliegenheit jedoch, sich auf jeden Ruf zu stellen.

Aus Palermo wird unterm 20. November berichtet, raß die Verhaftungen no< immer fortdauern und den nachtheiligsten Ein- fluß auf das bvffentliche Leben üben. Die Theatcr sind geschlossen, die Promenaden veródetz wer si< nicht aufs Land zurückgezogen hat, {ließt si< in seiner Wohnung ein. Der Protest der Sicilianer vom 4. Oktober hat troß der strengen Maßregeln gegen die Publi cation desselben eine neue Ausgabe erlebt ; demzufolge wurden neun Buchdru>er, d.. h. fast alle Buchdrucker der Stadt, verhaftet und zu ihren vierhundert Schi>ksalsgenossen in die Citadelle von Messina transportirt.

M

Spanien. Madrid, 29.kNov Fr, Bli) Dié Kam mer erklärte in ihrer gestrigen Sibung, daß die Regterung gegen Herrn Martinez re<t gehandelt,

Zproz. 294,

Türkei. Konstantinovel, 21. Nov. (Wanderer.) Rufß- land verlangt nun, daß Bem und alle Polen, die den Jslamismus angenommen haben, nicht nur von der Gränze entfernt, zu keinem aktiven Dienste zugelassen, sondern auch in Gewahrsam genommen und als Gefangene behaudelt werden sollen. Die hohe Pforte in ihrer Antwort auf dieses Verlangen erklärt einfach und entschieden, daß alle diese Personen durch die Annahme des muhamedanischen Glaubens nicht nur unter dessen Schuße stehen, sondern dadurch aus\<ließli< Unterthanen der Pforte geworden sind, und es stehe ihr allein als selbstständige Macht zu, unbeirrt über sie zu ver fügen. Diese Antworten wurden , nach bereits berichieter, den Gesandten Frankreichs und Englands vorläufig gemachter Mitthei= lung, mittelst Noten den Herren Titof und Stürmer zugeschi>t. Herr Tito hat die ihn angehende an Ali Pascha mit folgenden Randglossen zurückgesandt: Zur Bezeichnung der zugestandenen Ver trcibung der polnischen Flüchtlinge wird man nicht das Wort „entfernen““, sondern das Wort „vertreiben“ gebrauchen, welcher Ausdru> auch in den Landes - Zeitungen auf Befehl der Regierung in einem diesen Gegenstand behandelnden Artikel anzunehmen wäre. Die Pforte solle verbunden sein, offiziell und unumwunden das Verlangen, die Vertreibung derjenigen Polen, die mit Pässen versehen sind oder die Naturalisation anderer Mächte besien, von denselben zu erhal ten, geltend zu machen, sobald Rußlaud die Beweise ihrer revolu- tionairen Umtriebe in Rußland wird vorgebracht haben. Die Ge=- fangenhaltung Bem's und aller derjenigen, die Muselmänner ge= worden sind, mit der Verbindlichkeit ihrer so verschärsten Bewa <ung, daß denselben alle Möglichkeit jedwelcher Verbindung nach außen benommen werde, sei eine Bedingung, von welcher der St., petersburgcr Hof nicht abstehen kann. Herr Titoff erklärte, nur mit der Annahme seiner Bemerkungen die fraglihe Antwort durch seine Vermittelung dem St. petersburger Hose zukommen zu lassen in der Lage zu sein. Ali Pascha fand diese Bemerkungen unan- nehmbar und erklärte sie als sol<he dén Gesandtschaften Englands und Frankreichs. Diese Note mit den Vemerkungen des Herrn Titoff i an Fuad Efendi mit der Weisung abgesandt worden, ihre Annahme als unmöglich zu erklären und zu trachten, die Antwort, wie sie von der Pforte verfaßt wurde, mit besonderer Hinweisung auf die Noth- wendigkeit, ihre Würde und Unabhängigkeit zu wahren, genehm zu machen. Wiewohl die Antwort, die an Oesterreich ertheilt wurde, allen seinen Anforderung. n cntsprach, in ihrer Gränze erfüllt, durch- aus genügen konnte, fand si{< denno< Herr Stürmer veranlaßt, zu erklären, daß er den offiziellen diplomatishen Verkehr niht ausneh- men könne, bevor er ni<ht mit Rußland hergestellt sein wird, und demnach die Erklärung der Pforte definitiv niht annehmen dürfe. Diese Aeußerung selbst ist ein Anerkenntniß der volllommenen Zu- friedenstellung Oesterreihs, und doch nimmt der erfahrungsreiche

Diplomat Anstand, die bestehende Differenz als ausgeglichen a A fennen, Hat Rußland Ursache, die Forderungen bis zur Entschei= dung dur den Krieg zu spannen, so hat sie Oesterrei gewiß nit, und das um so weniger, als die Demüthigung oder gar d verleßte Integrität der Türkei in den nächsten Folgen an Oestérreich selbst si< rä<en müßte. Oder glaubt man dur vereintes Be-" stehen auf diesen Forderungen die Pforte- bis zur Annahme des in ihrer Lage Unmöglichen zu zwingen und sie einzushüchtern, inden man gerade gegen die neuen Muselmänner ankämpft, bei einem Gegenstande, der die Mißbilligung Englands fand, Schwierig- feiten erhebt, um ihr glauben zu machen, daß sie hierin von Eng land in Stich gelassen wird; dann irrt man sehr. Die Pforte st eifersüchtig- auf die Erhaltung ihrer Würde und“ Selbstständigkeit, der Sultan und sein Ministerium dürften es eher auf einen Serien anfommen, als si< im Angesihte des Landes demüthigen lassen, den Satzungen seines Glaubens abtrünnig zu werden. Sie wissen, daß im Falle eines Krieges die Stellung Englands durch religiöse Ansicht nicht beirrt werde, sie wissen, daß England dahinter den Angriff auf die Unabhängigkeit der Pforte zu unterscheiden wissen werde. Was will man also? Einen Krieg? Oesterreich kann, « Oesterreich darf es nicht wollen, alle Interessen sträuben si<h dage- gen. Js es so, dann kann die Regierung, dann kann Herr Stürmer, ihr Organ allhier, es au< niht wollen. Die Nachricht von der Abänderung des Ministeriums in Frank= reich hat ni<t entmuthigend auf die Türkei eingewirkt, sie \heinen der Geneigtheit des Präsidenten versichert. Als einen Beweis dessen erzählt man si< hier, es solle der Präsident einem der austretenden Minister, dem Herrn de Lacrosse, auf seine Aeu- ßerung: „es fehle ihm nur, den Fez zu nehmen, um ganz Túrke zu werden“, erwiedert haben, „wenn es Noth thut, so werde ih es thun.“ Es scheint die Stadt Kutaga zur Jnternirung der Flüchtlinge auserwählt worden zu sein. Die französische Flotte q noh bei Vurla vor Anker, der Oberst Maqueld hat sie im Auf- trage des Generals Aupi> besichtigt. Herr Canning hat die eng- lische Flotte selbst besichtigt, er fand sie niht mehr im Eingange der Dardanellen, wo sie, wie es heißen soll, den Windstößen zu ausgeseßt war, sie ist nunmehr bei Besika in Folge der mit Herrn Canning fattger habten Konferenz des Herrn Titoff, der ihre Entfernung mit Ve- rufung auf die bestehenden Verträge verlangte, aufgestellt. Die russische Flotte wird nicht, wie man wissen wollte, auf den Friedens- stand verscht, die Schiffe vom hohen Bord, die si<h an der Küste Kaukasiens befanden, sollen bei Sebastopol vereint bleibeu. Auf den Schiffswerften von Cherson und Nikolajew werden Kanonen- böte (Schaluppen) und Transportschiffe gebaut. Es wurden neu- li< Truppen nah Kaukasien und Georgien abgeschi>t. Die Türken werden die Befestigung von Ruststhuk und Chers in Angriff neh- men, es werden Offiziere zur anatolishen Armee na< Erzerum abgeschi>t. Das Armeecorps von Jrak und Arabistan wird auf den Kriegsstand geseht.

Konstantinopel, 20. Nov. (Lloy d.) Das türkische Staats- Dampfboot „Taif“ brachte dahin die Nachricht, daß auf der Insel Samos die Ordnung und Ruhe völlig hergestellt ist, nachdem eine Schaar der Aufständischen, welche sich auf der Höhe von Vathi ge- sammelt und no< Widerstand zu leisten suchte, von den türkischen Truppen auseinandergesprengt worden war.

Die in Konstantinopel erscheinenden Blätter führen mit Bezug auf die leßten Ereignisse auf Cephalonia eine heftige Sprache ge- gen griechische Bestrebungen. Es geht aus Privat - Korresponden-= zen, wie aus der Botschaft des Lord Ober - Kommissärs, hervor, daß man mit nihts Geringerem umging, als die Jonischen Inseln von England loszutrennen und ste, so wie die anderen der Türkei untergeordneten, größtentheils von Griechen bewohnten Provinzen, mit Griechenland zu einem Ganzen zu verschmelzen. „Die hier- auf bezüglichen Thatsachen““, sagt das Journal de Constanti- nople, „sind auf mehreren Wegen zur Kenntniß des Lord Ober- Kommissärs gelangt; die Bestätigung derselben kömmt aus ver- schiedenen Quellen; eine Vershwörung besteht, und die Männer, die sie leiten, sind namentli< genannt. Wir wissen nicht“, fügt das türkische Organ hinzu, „bis zu wel<hem Grade es die türkische Re- gierung für thunlih halte, ähnlichen Ereignissen zuzusehenz; es ist nicht das erstemal, daß sie die Zielscheibe so elender Versuche ist. Ihre gerechte Sache bildet ihre Stärke, und diese genügt, ihre Gebietsansprüche in Achtung zu erhalten. Wir glaubea aber, daß es den Shußmächten Griechenlands zustehe, dem Nerger, welchen dieses Land, sowohl dur<h das Lächerlihe seiner Ansprüche, wie dur< fine deloyale Haltung, gegenüber einem gewissenhaft die Traktate beobachtenden Lande giebt, endlih ein Ziel zu seßen.

Von der bosnishen Gränze, 23. Nov. (Agr. Ztg) Da von der Pforte den Jnsurgenten , die sh wegen der neuen Steuer - Einführung unter Anführung des Ale Kedics zusammen- gerottet haben und Bihacz belagerten, gemäß dem von dem trav- nifer Wesir Tahier Pascha bei ihrem Auseinandergehen gegebenen Versprechen, no< keine Erleichterung in der Steuer-Entrichtung zu- gekommen ist, der bihacser Pascha Bischevich, die Muteselims Be=- sirevih und Arnautovich, gegen welche die Fukara kein Vertrauen hat, auch von ihrem Posten no<h nit abberufen wurden, so fängt Ale Kedics mit seinem Anhange an, sih in Pozvisd und Casiu mit den Seinigen zusammenzurotten, wo sie si< in Ostrochat versam- meln- und neuerdings gegen Bihacz ziehen werden.

Meteorologische Beobachtungen.

1849. | Morgens | Nachmittags |

7 DEZ | 6: hr. D: V.

Nach einmaliger Beobachtung.

Abends 10 Ubr. |

Luftdruck ....- 1337,01'’’Par.|336,89‘’’Par. 336,82'''Par.| Quellwärme 7,6° R.

Lu ee 2,79 R.| 4+ 2,1° R.| 3,3% R, |Fluzewärme 0,0® R.

Ad R, 49° R 4,0° R. Bodenwärme Dunstsättigung .| 85 pct. | 69 p | 89 pCt. [Ausdünstung

Wetter trüb, | trüb. | trüb, Niederschlag O,

Wind ......+- O | 0. | O0. Würmewechsel 2,0" Wolkenzug «- - + -— | O, _— | 4,4°

Tagesmittel: 336,87'’’Par.…. 2,7° R... —4,6® R... Bl pct. 0.

Thaupunkt

Königliche Schauspiele.

Sonntag, 9. Dez. Im Opernhause. 142ste Abonnements- Vorstellung: Die lustigen Weiber von Windsor , komisch-phantasti- {e Oper in 3 Akten, mit Tanz, nach at lpnare 9 gleihnamigent Lustspiel, gedichtet von H. S. Mosenthal. Musik vom Königliden Kapellmeister Otto Nicolai, Tanz von Hoguet. Anfang halb 7 M. Preise der Plähe: Parquet, Tribüne und zweiter Rang 1 Rthlr,

Erster Rang, erster Balkon daselbst und Proscenium 1 Rthlr. 10 Sgr. Parterre, dritter Rang und Balkon daselbst 20 Sgr. Amphitheater 10 Sgr. 2c.