1881 / 174 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Die Zurü>knahme der Bücher erfolgt nah alphabetischer Ordnung der Namen der Entleiher: von A.—H. am Montag und Dienstag, J.—R. am Mittwoch und Donnerstag, S8.—Z. am Freitag und Sonnabend. Berlin C., den 25. Juli 1881. Der Königliche Geheime E und Ober-Bibliothekar epsius.

Königliche Friedrih-Wilhelms-Universität.

Bekanntmachung. i

Die Universität wird am 3. August d. Js., Mittags 12 Uhr, in der Aula zur dankbaren Erinnerung an ihren er- habenen Stifter, König Friedrih Wilhelm 1IkI., eine Ge-

dächtnißfeier begehen.

Die Eingeladenen werden ergebenst ersucht, die ihnen zu- estellten Karten und die Herren Studirenden ihre Erkennungs- arte am Eingange vorzuzeigen.

Berlin, den 25. Juli 1881.

Der Rektor. A. W. Hofmann.

Königliche Universitäts-Bibliothek.

Die allgemeine Zurü>klieferung aller aus der Königlichen Universitäts-Bibliothek entliehenen Bücher findet in der Woche vom 8.—13. August statt. Vom 15.—17. August bleibt die Bibliothek geschlossen. Während der Ferien is dieselbe täglich von 11—1 Uhr geöffnet.

Berlin, den 27. Juli 1881.

Der Königliche Bibliothekar. Prof. Dr. Koner.

Abgereist: Se. Excellenz der Finanz-Minister Bitter nah Tarasp.

Karte des Deutschen Reiches

in 674 Blättern und im Maßstabe 1 : 100 000 der natürlichen Länge. 2 Bearbeitet von den Generalstäben der Königreiche Preußen, Bayern, Sachsen und dem statistis<h tovographis<hen Bureau des Königreichs Württemberg.

Im Anschluß an die diesseitige Anzeige vom 5. Mai d. Is. wird hierdur< bekannt gemacht, daß ferner na<hbenannte Blätter der Karte des Deutschen Reiches:

Nr. 5 Hvidding,

e 11 Röm,

e 56 Husum,

e 57 Rendsburg dem Debit übergeben worden sind. Diese Blätter, welche sich durhweg auf eine neue Triangulation und topographische Aufnahme gründen, sind im Kupferstich und mit illuminirten Kreisgrenzen und Gewässern ausgeführt. In administrativer Beziehung enthalten obige 4 Kartenblätter Theile der Kreise Hadersleben, Tondern, Norder-Dithmarschen, Eiderstedt, Husum, Schleswig, Rendsburg und E>ernförde in der Provinz Scbleéwig-Holstein.

Die 4 genannten Kartenblätter repräsentiren eine Fläche von 64,9 geogr. Quadrat-Meilen, von welchen 46,6 auf das Land und 18,3 auf das maritime Gebiet fallen. Letzteres enthält eine voll- ständige Darstellung der Watten, Hocsände (die Trümmer einer unter- gegangenen Küstenzone), sowie eine Auswahl Tiefenzahlen und See- zeichen. Die Tiefenkurven begrenzen Stufen von 2, 4, 6 und 10 m. Diese maritimen Angaben sind den neuesten Seekarten der Kaiserlich deutsden Admiralität entnommen. Das bereits früher veröffentlichte Blatt Westerland enthält eine „Uebersicht der Höhenlage des Mittel- wassers an 23 Pegeln der Ost- und Nordsee, sowie des mittleren Fluth- und Ebbestandes gegen den Normal-Nullpunkt, auf welchen f alle absoluten Höhenangaben des deutschen Festlandes in den neuern Kartenblättern beziehen“. Für die diesseits veröffentlichten Kartenblätter (im Ganzen jeßt 164 Blätter in Kupferstih und 170 »rovisorishe Blätter in Lithographie) ist der Kommissionsdebit der

imon SchroppschenHoflandkarten-Handlung inBerlin,Charlottenstr.61, übertragen worden. Der Preis eines jeden Blattes beträgt 1.6 50 -$ und ist dasselbe na< vorgängiger Bestellung dur jede Buch- und Land- fartenhandlung zu beziehen. Daselbst kann au< das Uebersichts- tableau und das gedru>te Verzeichniß aller bereits vorhandenen und künftig erscheinenden Sektionen der Karte des Deutschen Reiches eingesehen werden.

Berlin, den 26. Juli 1881.

Königliche Landes-Aufnahme. Kartographishe Abtheilung. Geerz, Oberst und Abtheilungs-Chef.

Nichtamlliches.

Deutsches Neich.

Preußen. Berlin, 28. Juli. Wie „W. T. B.“ aus Gastein unter dem gestrigen Datum meldet, nahmen Se. Majestät der Kaiser gestern das gewohnte Bad, wurden aber dur< Regenwetter an der Morgenpromenade und Nach- mittags an der Ausfabrt gehindert. Für den Abend hatten Se. Majestät eine Einladung von dem Grafen Lehndorff-Stein- ort angenommen, in dessen Villa cine Dilettantenvorstellung stattfand.

Die Zustellung eines Urtheils Seitens des Klägers an die Gegenpartei kann nah einem Erkenntniß des Reichsgerichts, V, Civilsenats, vom 11. Juni d. J., sowohl in einer Urtheileausfertigung als auch in glaubigter Abschrift erfolgen.

Nachdem gestern Vormittag die Schlußbesichtigung des Lehrkursus der Militär-Turnanstalt im Dienst- ebäude derselben stattgefunden hat, werden fich die zu dem- elben kommandirt gewesenen Offiziere am 1. kftg. Monats zu ihren Truppentheilen zurüc>begeben.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 26. Juli. Der Kaiser ist heute früh nah Bru> an der Leitha abgereist.

27. Juli. (W. T. B.) Die „Presse“ erfährt, Kaiser Franz Josef werde mit dem Besuche des Deutschen Kaisers in Gastein eine größere Reise über München an den Bodensee und von dort über Vorarlberg und Tirol unter Berührung der Arlbergtrace

verbinden. Das hierbei in Aussiht genommene Zusammen- treffen des Kaisers mit dem Großherzoge von Baden und den Königen von Sachsen und Württemberg werde als erneute Manifestation des innigen Freund- \chaftsverhältnisses aufzufassen sein, welches die öster- reihis< - ungarishe Monarchie mit dem Deutschen Reiche verbindet. Nach dem bisher festgestellten Programm wird der Kaiser am 3. August Vormittags in Salzburg bei dem fkronprinzlichen Paare eintreffen, si<h am 4. August nah Gastein begeben, wo er mit dem Deutschen Kaiser zusammen- trifft und Abends nah Salzburg zurü>kehren. Von dort besu<ht er in München die Prinzessin Gisela und reist am 6. August früh nah der Jnsel Mainau, wo er mit dem König von Württemberg und dem Großherzog von Baden, wahr- IOA au<h mit dem König von Sachsen zusammentrifft.

m 7. August Abends tritt der Kaiser sodann die Reise nah Vorarlberg an. Er wird hier Bregenz, Feldkirh und Bludenz besuchen, über den Arlberg na< Tirol reisen, in Lande> und Jnnsbru> Aufenthalt nehmen und am 16. oder 18, August na< Jl zurü>kehren.

Bru a. d, Leitha, 26, Juli. (Pest. L.) Der Kaiser ist heute früh in Begleitung des Erzherzogs Rainer hier ein- P Se. Majestät hat nah entgegengenommener Mel-

ung das Jnfanterie-Regiment Hessen, ferner die hier lagern- den Jäger- und Landwehr-Truppen einzeln inspizirt, worauf bataillonsweise exerziert wurde und Feldübungen mit Gegen- seitigkeit stattfanden. Den Schluß bildete das Defilé jeder einzelnen Waffengattung. Der Kaiser kehrt morgen nah Wien zurü.

Trie s, 27. Juli. (W. T. B.). Das Comité für die die in Aussiht genommene österreihish-ungaris<e Jndustrie- und landwirthschaftliche Aus tellung hat definitiv beschlossen, !die Ausstellung im Jahre 1882 in Triest abzuhalten.

Großbritannien und Jrland. London, 26. Zuli. (Allg. C.) Die Verhandlungen im Unterhause boten gestern Abend ein mehr als gewöhnliches Jnteresse. Der Minister des Jnnern, Sir W. Harcourt, gab, wie bereits tele- graphish gemeldet, Auskunft über die in Liverpool entde>ten Höllenmaschinen, welche in Cementfässern von Amerika ge- \{hi>t sind und von denen man wohl mit einigem Rechte an- nimmt, daß sie zum Arsenale der Jrländer gehören, welche entschlossen sind, die englische Herrschaft in Jrland mit allen Mitteln zu bekämpfen. Seiner Auskunft ging no< eine An- frage wegen des in London gehaltenen Revolutionskongre}ses vorher.

Mr. Bellington erkundigte sich, ob von der Regierung der Schweiz das Abhalten eines revolutionären Kongresses auf \{<weizerishem Ge- biete untersagt worden sei; ob die Regierung beabsichtige, Zusammen- fünfte zu dulden, welche eine freundlihe Republik zu ies fand, um deren Stattfinden innerhalb ihrer Jurisdiktion zu gestatten, und ob die Regierung, als die Vertheidigerin von Geseß und Ordnung, vorbereitet sei, derartige Versammlungen für die Zukunft zu ver- bieten, oder ihren Schuß auf Diejenigen ausdehnen würde, die alle Autorität angreifen ? i

Sir William ANUE erwidert: „Jh habe der Antwort, die ih dem ehrenwerthen Mitgliede unlängst er!heilte, und die dasselbe als ausweichend zu bezeichnen beliebt, nichts Wesentliches hinzuzufügen. Ich beabsichtigte, so freimüthig und deutlich als möglich zu sein. Es ist ganz unnöthig, zu versuchen, mir dur< Citirung des Beispiels irgend einer fremden Regierun einen Stimulus zu geben. Wir haben unsere wohlaner- kannten Ueberlieferungen in dieser Angelegenheit. ; (Hört, hört !) Wenn irgend eine Person dur<“ Rede oder Schrift zu einem Ver- brechen aufwiegelt, glei<hwohl ob dasselbe hier oder im Auslande ver- übt werden soll, so ist es die Pflicht der Regierung, zur Bestrafung des Uebelthäters das Geseß anzurufen, wie dies unlängst in der Ver- folgung der „Freiheit“ gezeigt worden, wo Beweise vorlagen und das Gesetz ih für den Zwe>k ausreichend erwiesen bat. Weiter können wir klugermaßen oder mit Sicherheit nit gehen. Gegen Mei- nungen, so aus\{weifend und gottlos dieselben au< sein mögen, falls dieselben nicht Hand in Hand mit Verbrechen gehen, kann die Regierung ni<t vorgehen, und hat sie dazu keine Auto- rität. (Hört, hört!) Wenn irgend welde Beweise beigebracht werden sollten, daß Personen in diesem Lande mit der Aufwiegelung zu oder Verübung von Verbrechen beschäftigt sind, wird die Negie- rung stets bereit sein, das Geleß gegen dieselben in Anwendung zu bringen. (Hört, hört !) Keine englische Regierung könnte irgend etwas gegen das Gesetz oder über das Geseß hinaus thun; fie ift nur die Vollstre>erin des Gesetzes.“

Lord Sandon, konservativer Vertreter für Liverpool, erkundigt #<G bei dem Minister des Innern, ob die in den Morgenblättern ent- haltenen Berichte über die in Liverpool an Bord von aus Amerika angekommenen Dampfern erfolgte Entde>ung von mit Dynamit ge- ladenen „Höllenmaschinen“ begründet s\eien.

Sir William Harcourt antwortet: Die in den heutigen Morgen- blättern erscbienenen Berichte mit Bezug auf die Entde>ung von zehn oder zwölf Höllenmaschinen an Bord zweier Passagierschiffe in Liver- pool sind im Wesentlichen korrekt. Die Regierung wünschte bisher nicht diese Angelegenheit in die Oeffentlichkeit zu bringen, einmal, da- mit jede Vorsicht in Bezug auf die Ermittelung der Scbuldigen an- geordnet werden könne, und zweitens, damit kein ungehöriger Allarm hervorgerufen werde. Vor mehr als drei Wochen wurde die Regie- rung von der Versendung einer Anzahl von in Fässern mit Cement verste>ten Höllenmaschinen aus Amerika na< Liverpool unterrichtet. Ih setzte mi< folgli< sofort mit den Zollkommissären in Verbindung, und ein vertrauliwer Agent des Zollamtes, s\o- wie ein hauptstädtisher Polizcibeamter wurden unverzüglih von London na< Liverpool geschi>t, um die Ankunft der in der erhaltenen Information vorher bezeihneten Sciffe abzu- warten." Diese Beamten trafen in Liverpool nur wenige Stunden vor der Ankunft des ersten der Schiffe an. Die Ladungen wurden von den Zollbeamten in Gemeinschaft mit der Liverpooler Polizei untersubt. In dem ersten Schiffe wurden se<s diefer Maschinen in einem Fasse entde>t, das angeblih Cement enthalten sollte, und wei- tere vier wurdén später in cinem zweiten Schiffe in ähnlicher Weise verste>t vorgefunden. Die Maschinen bestehen aus Metallbücbsen, die in zwei Kammern eingetheilt sind. Die obere Kammer enthält ein se<s\tündiges Uhrwerk, das so arrangirt ist, um die in der unteren Kammer befindlichen Nitroglycerin-Patronen, etwa 11 an Zahl, zu entzünden. Jede der zehn Kisten enthält etwas über 2 Pfund dieses bôchst gefährlichen Sprengstoffes. Es ist unmöglich, die verhängniß- vollen Wirkungen einer nur zufälligen Explosion einer solhen Spreng- stoffmasse zu schäßen. Jch brauche wohl nicht zu sagen, daß Ihrer Majestät Regierung jede lhr zur Verfügung stehende Hül fäguelle an-

ewendet hat und no< anwendet, um die Empfänger der Maschinen in England, sowie den Absender in Amerika zu ermitteln. Die eigertlide Geschichte der Entsendung der Maschinen wird in Amerika jeßt auf das Genaueste untersu<ht, Der edle Lord wird nit erwarten, daß ih jet auf Einzelheiten eingebe, aber in Beantwortung seiner Anfrage will ih bemerken, daß i< diese Ma- s{hinen als die bucbstäblibe Erfüllung von Ans{blägen betrachte, die in der iris-fenisen Presse in Amerika offen eingestanden worden sind. (Hört, bôrt)) Woche um Woche, während der letzten neun Monate, sind offene Drohungen und öffentliche Aufforderungen zu allgemeinen Ausschreitungen und persönlicher Ermordung in den Spalten dieser Zeitungen erschienen. Geldgaben für diese Zwette und die Anfertigung solder Maschinen, wie diese, sind in den Ver- einigten Staaten offen entgegengenommen und für diese Zwe>te that- \ächli verausgabt worden. Mehr als ein derartiges Attentat ift in

England von den für den Zwe> gemietheten und aus Amerika abge- e Missethätern verübt worden, und deren Werk ift von den nstiftern als die Belohnung für frühere und das Motiv für neue Geldgaben bezeihnet worden. Ich bielt es im Anfange dieser Session für meine Pflicht, im Laufe der Debatte über die Waffenvorlage die Aufmerksamkeit des Hauses auf diese Publikationen, deren offenbaren Zwe> und nothwendiges Ergebniß zu lenken. Einige thörihte und unüberlegte Personen, um einen milden Ausdru> zu gebrauchen, \pöttelten über dieje sheußlichen Lehren und verunglimpften alle Versucbe zur Ermittelung und Bestrafung dieser Aufwiegelungen zu Verbrechen ; allein die Regierung hat sie nicht als Dinge betrachtet, welche verspottet oder vernachlässigt werden können. Sie kannte den Ernst des Falles, und sie hat sih dur die unheilvollen Trugschlüsse ihrer Gegner nit irre leiten lassen. In meinem Ermessen ist der auptursprung dieser Attentate in dieser Meuchelmordpresse zu finden. Hört, hört!) Dieser giftige, aus der Hand gesäete Samen findet einen fru<tbaren Boden in bösen Gemüthern und trägt verhängnißvolle Früchte. Wir haben in der Ea der „Freiheit“ gezeigt, daß das Geseß Englands fähig und bereit ist, gegen Verbrecher nit we- niger im Interesse unseres Volkes, als in dem fremder Staaten vor- zugehen, (Beifall.) Meinem Ermessen na< ist es die erste Pflicht einer jeden civilisirten Regierung, mitzuwirken, um solche ¡händlihen Unternehmungen mit starker and zu unter- drü>en. (Hört! und Beifall.) Ich habe mit Bedauern Versuche Seitens Personen in diesem Lande, die besser berathen hätten sein sollen, gesehen, die Hände der Regierung zu \{wächen mit Bezug auf die Vorstellungen, die sie der Regierung der Vereinigten Staaten in dieser Angelegenheit zu machen für ihre Pflicht erachtete. Es ist meine feste Ueberzeugung, daß die Regierung der Vereinigten Staaten ebenso bereit wie die unsrige ist, die Urheber dieser Verbrechen zu unterdrücken und zu bestrafen. Auf jeden Fall kann ih dem Hause versichern, daß Ihrer Majestät Regierung si< ihrer Verantwort- lihkeit in dieser Sache völlig bewußt ist und dies {hon lange war eine Verantwortlichkeit, die, wie das Haus glauben möge, zuweilen {wer genug zu tragen ist, und die Regierung zählt zuversichtlih auf die Unterstüßung des Parlaments und des Landes, während sie jede Befugniß der Exekutive und jede Maschine des Ge- (Beit O um diese Mörderbande zu entde>ken und zu vernichten. eifall.

Auf eine weitere Anfrage Lord Sandons, ob die Regierung der amerikanischen Regierung Vorstellungen über den Gegenstand gemacht habe, antwortet der Minister des Innern: Es sind der Regierung der Vereinigten Staaten Vorstellungen mit Bezug auf die Preßaus- \hreitungen in Amerika gemacht worden, aber auf diese Vorstellungen ist noch keine offizielle Antwort erfolgt. In Betreff dieser Höllen- maschinen können Vorstellungen erst gemaht werden, wenn das Er- gebniß der in Amerika angestellten Untersuchung vorliegt.

Am Montag Nachmittag ist das Reserveges<hwa- der unter dem Herzog von Edinburg auf der Rhede von Leith eingetroffen. Jm Laufe der vergangenen Woche wur- den 32 britishe und ausländische Schiffbrüche angemeldet, worunter {ih 18 britische (inkl. 2 Dampfer) befanden. Die Gesammtzahl der Schiffbrüche für das laufende Jahr stellt sih somit auf 984, d. i. eine Zunahme von 238 im Vergleich mit demselben Zeitraum des vorigen Jahres. Der annähernde Werth des verloren gegangenen Eigenthums betrug 3 200 000 Pfd. Sterl., inkl. 1700 000 Pfd. Sterl. britishes. Zwanzig Fahrzeuge gingen auf der Höhe der Küsten des Vereinigten Königreichs zu Grunde, darunter 11 Fischerboote mit einem Lebensverlust von 63 Personen auf der Höhe der Schottland- Inseln. Drei Schiffe sanken in Folge von Kollisionen.

28, Juli. (W. T. B.) Das soeben zur Vertheilung gelangte Blaubuch in Betreff Tripolis enthält eine De- pesche des Staatssekretärs des Auswärtigen, Lord Granville, an den englishen Botschafter in Paris, Lord Lyons, vom 15. Juli cr., in welcher es heißt: England könne mit Rü>- sicht auf die unzweifelhafte Zugehörigkeit des Vilajets Tripolis zu dem türkischen Reiche, sowie mit Rücksicht auf die Nachbar- \chaft desselben mit Egypten eine Einmischung irgend welcher Art von Seiten Frankreihs in Tripolis nicht in derselben Weise wie die jüngsten Vorgänge in Tunis betrachten. Es würde eine neue, von der tunesishen ganz verschiedene Frage entstehen, wenn Frankreih dahin streben sollte, einen aus- {ließlihen oder speziellen Einfluß bezüglih Tripolis auszu- üben, wodur die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Frank- reih und England gestört werden dürften. Lord Lyons ant- wortete darauf am 17. uli, der französishe Minister des Aus- wärtigen, Barthélemy St. Hilaire, habe ihn versichert, daß die französische Regierung Tripolis unstreitig als einen Bestand- theil des türfishen Reiches betrachte, und weder eine Jnvasion, no< die Perfelung eines ausschließlichen oder vorwiegenden Einflusses daselbst beabsihtige. Die Pforte sei versihert worden, daß, wenn Frankreich seinen Hoffnungen und Wünschen zuwider genöthigt werde, militärishe Maßnahmen zu ergreifen, solhe nur defensiver Art sein würden. Die französishen Truppen würden Tripolis nicht überschreiten. Jn einer e i Lord Granville's vom 26. Juli an den englishen Botschafter in Konstantinopel, Lord Dufferin, wird Leßterer angewiesen, der Pforte anzurathen, mit der größten Vorsicht zu Werke- zu gehen und Frankreih nicht einen plausiblen Grund zu einer Beschwerde zu geben.

Aus Calcutta vom 24. ds. wird der „Times“ tele- graphirt : „Die Nachriht von dem ersten regelmäßigen Treffen zwischen den Truppen Ejubs und Abdurrahmans wird stündlich erwartet. Gholam Hyder Khan, des Emirs General, berichtet den Empfang einer Botschaft an Ejub, worin derselbe eine freundschastlihe Theilung Afghanistans vorschlägt, Der General fügt hinzu, daß er das nsinnen entrüstet zurü>wies, da er es nur als einen Vorwand betrach- tete, um Zeit zu gewinnen.“

Bombay, 27. Juli. (W. T. B.) Nach hier eingegan- genen Meldungen aus Kandahar haben die Truppen Ejub Khans den Helmund-Fluß oberhalb Girishk überschritten und rüden gegen Kandahar vor auf dem Wege über Bandi- timur am Argandab-Flusse.

Fraukreih. Paris, 27. Juli. (W. T. B.) Der Senat genehmigte in seiner heutigen Sißung das gesammte Ausgabebudget. Das Einnahmebudget wird voraussichtlich morgen votirt werden. Es scheint demna<h nichts im Wege zu e, daß die Session der Kammern am nächsten Sonn-

abend ge lossen wird und in Folge dessen die Wähler auf den 21. August einberufen werden.

%28. Juli. (W. T. B.) Gestern hatten der Minister des Aeußern, Barthélemy St. Hilaire, und der türkische Botschaster Essad Bey eine Unterredung, die einen p

zu

Charakter hatte. Die „Agence Havas“ bemerkt mit hierauf :

an kann darin ein neues Zeugniß der beiderseiti- en seyr friedlihen Gesinnungen und der sehr freundschaft- z

ichen iehungen zwishen Frankrei<h und der Türkei er- bliden. Nachrichten aus Tunis zufolge zeigt der Bey vollkommen guten Willen, die Wiederherstellung der Ordnung und die Reorganisation des Landes zu erleichtern.

Der Marine-Minister hat gestern folgende Depesche

einen Soldaten oder gegen einen

des Kommandanten des Evolutionsges{<waders erhal- ten, die von Gabes, 24. Juli, Mittags, datirt ist:

„Wie ih Ihnen gestern anzeigte, hat das Geshwader Sfarx gestern Abend verlassen, um heute bei Tagesanbruch vor Gabes die Anker zu werfen. Die Landungscompagnien wurden sogleih ans Land geseßt, ohne daß die Araber, welche von der Scnelligkeit unse- xer Bewegungen überras<t waren, Widerstand leisteten. Alle ihre Nertheidigungsmittel waren auf das Dorf Menzel und das Fort, das daran grenzt, und von unseren wa>eren Marinesoldaten unter der Leitung des Schiffskapitäns Marcq Saint-Hilaire im Sturm eingenommen werden mußte, konzentrirt. Nachdem dies geschehen war, nahmen sie au< das Dorf Dzard ein, Bis jeßt wurden mir sieben Verwundete gemeldet, die Wunden von zwei scheinen tödtlich zu sein. Da es nicht meine Absicht ist, die beiden der Küste allzufern liegenden Dörfer und die Gebäude zu beseßen, habe ih sie räumen lassen und Ihren Befehlen gemäß zwei Landungscompagnien in dem Hause des Gouver- neurs und der umliegenden Baulichkeiten unterbringen lassen. Gabes ist also beseßt. Die Stellung ist sehr sicher, aber ih bitte Sie drin- gend, unsere Seeleute baldigst ablösen zu lassen, Der „Voltigeur,“ der diese Depesche nah Tunis bringt, hat Befehl, sih dem General Logerot zur Verfügung zu stellen. Die Hiße fängt auf den Panzer- schiffen unerträglih zu werden an. Ih s{i>e den Admiral Conrad und die Schiffe seiner Division, die mir große Dienste geleistet ha- ben, nah Sfax zurü> und behalte hier die „Hyëne“ und den „Gladiateur.

Portugal. Lissabon, 17. Juli. (Pol. C.) Die Re- gierung hat eine industrielle Enquete einberufen, deren Er- gebniß die Grundlage für die Erneuerung des Handels:- vertrages mit Frankreich bilden soll. Jn finanzieller Beziehung ist zu bemerken, daß die Staatspapiere ihre frühere Coursnotirung behaupten. Es ist genügend Geld am Markte, und der Metallshaß der Banken sowie die Depots sind in steigender Zunahme begriffen.

Griechenland. Aus Janina, 15. d. M., weldet man der „Pol. Corr.“: „In Arta stehen die Dinge über alles Erwarten gut. General Sutzos hat neuerdings proklamirt, vas Ieder, der sich, sei es gegen ivilisten, zu bes<weren hat, bis zur bevorstehenden Ankunft des Königlichen Kommissärs, Hrn. Luriotis, si< direkt an ihn wenden solle. Bis jeßt herrscht dort die vollkommenste Ruhe. Die vortreffliche Ordnung, die Disziplin und das gute Benehmen, wel- <es die griehis<hen Soldaten in Arta an den Tag legen, haben denn au< die Muhamedaner Artas, die ihr Heim verlassen hatten, beruhigt, und kehren dieselben wieder dahin zurü>; man sieht sie wieder ihre gewohnten Arbeiten verrichten und unbehindert ihre religiösen Pflichten erfüllen. Die Wenigen, welche ihren Besitz vordem zu niedrigen Preisen losgeshlagen hatten, bereuen dies nun bitter. Sie sagen, daß sie sih von den fanatischen Ulemas täuschen ließen, und sind nun gezwungen, von den hiesigen Muhamedanern Almosen zu erflehen. Der größte Theil der muhamedanischen Truppen zeigt sih Über die friedliche Lösung der grie<ishen Frage äußerst befriedigt. Sie haben es schon satt bekommen, daß ste seit sieben Jahren fern von ihrer gena und ihren Familien unter den Fahnen behalten wurden. an besorgte, daß gelegentli<h der Okkupation Artas Ruhestörungen und damit neue Schwierigkeiten entstehen könnten. Aber jeßt, nachdem die erste Zone des abzutretenden Gebietes in aller Ruhe und im Frieden über- geben is, und da man in Folge dessen auch hofft, daß die Ab- tretung der übrigen Gebietstheile \si< in derselben Ruhe be- werkstelligen lassen wird, sprechen die türkischen Soldaten ganz offen ihre Freude aus und warten nur auf die vollständige Uebergabe, um sodann endli ihren Abschied zu nehmen und in ihre Heimath zurü>- zukehren. Die Grenzregulirungs-Kommission, welche am leßten Mittwoch aus Arta abgereist ist, folgte diesseits des Arachthon der Richtung des Pindus und bestimmte die Grenzen der ersten Zone, wel<e bereits von den griehis<en Truppen besetzt ist. In diesem Abschnitte liegen die Ortschaften Kalarita, Syraku, Krapsi, Prosgoli und mehrere andere. Nach dem Buchstaben dec Konvention geht die neue Grenzlinie genau dur< Kalarita, das ein unbedeutendes Bächlein von den übrigen Ortschaften trennt. Wenn indeß na< dem Geiste der Konvention die in den näcstgelegenen See abfließenden Wässer des Peristeri als Grenzsheide angenommen werden, so wer- den au< die Übrigen vorgenannten Ortschaften in das neue grie<isde Gebiet einbezogen. Es haben deshalb die Bewohner der diesseits von Kalarita gelegenen Dörfer eine Petition an die Grenzregulirungs-Kommission abgefaßt, in welcher sie an der Hand der bydrographischen Verhältnisse ihrer Ortschaften den Geist der Konvention erläutern und demgemäß ersuben, daß auch ihre Dörfer in Griechenland einbezogen werden, Die Bewohner von Svyraku erinnern in ihrer Petition daran, daß aus ihrem Dorfe der bedeutendste Vorkämpfer des Befreiungskrieges von 1821 und größte Staatsmann Griechenlands, Koletis, wie au der nationale Dichter Zalakostas entstammten. Die Entscheidung der Kommission ist no< unbekannt. Na Erledigung der Arbeiten in der ersten Sektion wird die Grenzregulirungs-Kommission sodann hierherkommen _und bierselbst einige Tage verweilen, um \i< von den Stra- pazen auszuruhen. Von hier aus wird sie \si<h sodann na< dem in zweiter Reihe abzutretenden Gebiete verfügen, um dortselbst an dem von der Konvention zur Uebergabe festgestellten Zeitpunkte gegenwärtig zu sein. Es wurden bereits Wohnungen für die Mitglieder der Kommission hier bestellt und dürften dieselben \{on morgen oder übermorgen eintreffen. Die zum Mufti von Arta ausersehene Persönlichkeit ist hier angekommen, um die hiesigen Koran- gelehrten zu befragen, ob es ihm nah den Saßungen desselben gestat- tet ist, unter der Herrschaft eines andersgläubigen Fürsten als reli- giôöses Oberhaupt der Gläubigen zu dienen. Die Ulemas und Hodjas ron Janina, welche hierüber zwei volle Tage beriethen, erwiderten ibm: „Ja, Allah gestattet dies im Nothfalle, aber es ist dem gläu- bigen Musfti zur Buße auferlegt, daß er außer den festgesetzten Ge- beten no< zwei Gebete täglih abhalte, um allen Jenen, welhe ihm die Erlaubniß ertheilten, den Ablaß ihrer Sünde zu erfleben“. Nach Erhalt dieses Fetwa ist der zukünftige Mufti nah Arta abgereist“.

Türkei, Konstantinopel, 27. Juli. (W. T. B.) Bei Gelegenheit des Empfanges des neuen armenis<- katholishen Patriarhen empfing der Sultan gestern zugleih dessen 8 f pad und Vischöfe und 2 Gemeinde- Notabeln. Der Sultan überreichte dem Patriarchen den Großkordon des M LOans und dreien Bischöfen, sowie den beiden Notabeln den Medschidje:-Orden dritter Klasse. Nach einem Besuche der kirhlihen Würdenträger auf der hohen Pforte und nach deren Rü>kehr in das Patriarchats- palais fanden daselbst in Gegenwart einer schr großen Volks- menge Gebete für den Sultan statt.

=— De wegen der Theilnahme an der Ermordung des Sultans Abdul Aziz Verurtheilten werden, mit Ausnahme der beiden E mpfer, welhe ein Geständniß abgelegt haben und der beiden Offiziere, welche zu 10 jähriger Zwangzsarbeit REIES sind, nah Hedjas gebracht und dort internirt werden. Die Lehteren werden zunächst hier bleiben.

Aus Salonichi wird der „Pol. C.“ unter dem 12. d. M geschrieben : eIn der Gegend von Siatista nimmt das Räu berwesen immer mehr überhand. Vergangenen Mittwoch gegen 4 Uhr Nach- mittags erschienen die aus je 30 Mann bestehenden Banden der Führer Brouphos und Allemani in dem aus 500 Häusern bestehenden Dorfe Boghatschko, um die Tschorbadschis (Notabeln) zu entführen. Da die Absicbt der Räuber re<tzeitig verrathen worden war, gelang es den Notabeln, cine Stunde vor Ankunft der Briganten sich dur

Flucht in Sicherheit zu bringen. Die Dorfbewohner, die wie die Be- wohner aller <ristlihen Dörfer waffenlos find, sahen si genöthigt, den Räubern alle ihre Mundvorräthe und Getränke auszufolgen. Die Briganten aßen und tranken bis 10 Uhr Abends und brachen fodann auf, nahdem sie den Dorfbewohnern den Befehl hinterlassen hatten, binnen 4 Tagen einen Betrag von 500 Stü>k türk. L. zu_erlegen. Zwei Tage darnach erschien in Boghatschko eine Compagnie Soldaten. Während die Soldaten Erkundigungen über das Vorgefallene einzogen, tauchten die Räuber in Tschotili auf, wo alle Sonnabende ein großer Markt abgehalten wird, wo sie fih abermals gütlih thaten. Der am Markt erschienene Kaimakam des Distriktes ergriff mit seiner aus Zapties bestehenden Bede>ung die Flucht, da die Briganten in Vebermacht waren. Am nächsten Tage erschienen die Briganten im Dorfe Bokhorina, um, ihrer Uebung gemäß, einen Spion zu bestrafen. Das Opfer war diesmal ein gewisser Thanas Liongos, welcher die Bewegungen der Räuber den türkischen Soldaten verrathen hatte. Der Unglüliche wurde aus dem Hause geschleppt und unter freiem Himmel in Stücke gehauen. Eine Musikbande, welche anläßli<h einer Hochzeit gerade anwesend war, mußte bei dieser Erekution Tanzstücke spielen. _ Auch die Gegenden von Kassandra, Verria, Olympus, Kozani, Kastoria und Klorina sind von MRäuberbanden stark heimgesu<ht. Die Hauptbandenführer heißen Davel, Niko (der seiner Zeit den englischen Obersten Tynge entführt hat), Katarakhia, Brouphos und Katsaros. Der Effektivstand sämmtliher Banden beträgt etwa 300 Mann, die durchaus mit Chassepot- und Henri Martiny-Gewehren bewaffnet sind. Die zur Verfolgung der Räuber ausgesendeten Trup- penabtheilungen sind zu shwa< und betreiben {hon aus Furcht ihren Dienst sehr nahlässig. Die von ihnen verhafteten Personen find theils Hirten, theils Bauern, die beschuldigt fund, den Räubern Db- dah und Brod gegeben zu haben. Die Räuber selbst lassen si in der Regel lebendig niht fangen; wenn ein Räuber in eine Falle geräth, so bringt er sih gewöhnlich selbst um.“ Nur zwischen Salo- nichi und Verria kann auch Kavallerie zur Verfolgung der Räuber verwendet werden;z in allen übrigen Distrikten ist durch die Beschaffen- Li L Terrains die Verwendung der genannten Waffengattung aus- ge\chlo}jen.“

Nußland und Polen. St. Petersburg, 26. Juli. (St. Pet. Ztg.) Der Kaiser begab sih am Sonnabend nah dem Lager von Krasnoje-Selo, wo derselbe am Sonntag die O des Preobraschenschen Leibgarde-Regiments ab- nahm.

Die Lage der auf administrativem Wege Ver- bannten ist, wie die „St. Pet. Ztg.“ mittheilt, gegenwärtig höheren Orts der Gegenstand eingehender Berathungen.

%. Juli. (W. T. B.) Der „Regierungsbote“/ meldet die Ernennung des Großfürsten Michael Nikolaje- wits\< zum Präsidenten des Reichsraths. j

Der Kaiser und die Kaiserin werden sih heute Nach- mittag mit dem Großfürsten Thronfolger und den Groß- fürsten Georg Alexandrowits<h und Alexis Alexandrowitsch, begleitet vom Minister des Jnnern Grafen Jgnatieff und dem Grafen Woronzeff-Daschkoff und dem Kaiserlichen Gefolge, von Peterhof direkt nah Moskau begeben.

Amerika. Washington, 27. Juli. (W. T. B.) Nach einem Telegramm des Staatssekretärs Blaine an die Vertreter der Unionsstaaten im Auslande von heute Nach- mittag 1 Uhr is} in dem Befinden des Präsidenten Garfield eine bedeutende Besserung eingetreten.

(Allg. C.) Vom 16. d. M. datirte Berichte aus Panama melden, daß Señor Domingo Santa Maria zum Präsidenten der <ilenishen Republik gewählt wurde, nachdem General Baquedans von der Bewerbung um den Posten zurückgetreten.

Afrika. Egypten. Kairo, 25. Juli. (Allg. C.) Die Ninderpest in der Provinz Sicut ist nunmehr im Abnehmen begriffen. Die Höhe des Nils ist heute 9 Cubits 17 Kirats, gegen 12 Cubits 23 Kirats an demselben Datum im vorigen Jahre. Die Mitglieder der abyssinishen Mission, die sih bald auf den Heimweg machen werden, engagiren eine große Anzahl von Arbeitern, die sie mit si< na< Abyssinien nehmen werden. Sie lehnten es ab, römische Katholiken an- zuwerben. Der Finanz-Minister hat beschlossen, die neuen Silberpiaster in Paris prägen zu lassen.

Tunis, 27. Juli. (W. T. B.) Eine Abtheilung französisher Kavallerie ist in die Gegend von RNRadez entsandt worden, um weitere Plünderungen zu ver- hindern. Zugleich hat der Bey Maßregeln ergriffen, um die Ordnung und Ruhe in der Umgebung von Tunis und Go- letta zu sichern. Der Bey und Mustapha Pascha bereiten eine Reorganisation der tunesishen Armee vor.

27. Juli. Eine Bande von 1500 Arabern is bis Radez, einige Kilometer von Tunis entfernt, vorgerückt und hat 7 Personen ermordet, Die europäishen Einwohner sind nah Tunis geflüchtet, wo der größte Theil der Geschästs- lokale geshlossen ist. Es sind Maßregeln zur Wiederherstellung der Sicherheit getroffen worden. Die Schiffsbrü>ke zwischen Goletta und Radez ist abgebrochen.

Nr. 38 des Amtsblatts des Reichs - Postamts hat folgenden Inhalt: Verfügungen: vom 22. Juli 1881. Ausführung der Pariser Uebereinkunft vom 3, November 1889 im Verkehr zwi- s{hen Deutschland einerseits und Algerien, Corsika, Tunis und den französis{hen Kolonien andererseits; vom 21, Juli 1881 : Pa>ete na< und aus Italien bei der Beförderung dur Desterreib-Ungarn'; vom 21. Juli 1881: Einrichtung einer Postanstalt auf dem Fest- \{ütenplay in Freiburg in der Schweiz.

Statistische Nachrichten.

Der Bürgermeister von Wien, Dr. Ritter von Rewald hat den Bericht über die Ergebnisse der städtischen Administration in den Jahren 1877 bis 1879 vorgelegt. Wir entnehmen demselben nah der „Wien. Ztg.“ Folgendes: i L

Die finanzielle Gebahrung der Gemeinde in den Jabren 1874 bis 1879 war in allen ihren Details cine geordnete und eine in ihren Sclußergebnissen günstige. Obwohl die ordentlichen Jahres- ausgaben naÞ den in dem letten und dem gegenwärtigen Berichte enthaltenen Gebahrungés-Ausweisen in der Zeit von 1876 bis cins<licßli< 1879 um 1 263 000 Fl. (darunter insbesondere die Auslagen für Tilgung und Verzinsung der Gemeindes{uld um 112 000 F[,, für die cigentlihe Armenpflege um 506 000 Kl. und für das Unterrichtswesen ohne Anre<hnung der Schul- bauten um 303 000 Fl.) gestiegen sind, so ergab do der Rechnungs- abs{luß für das Jahr 1879 ohne daß für die Gesammtbesteuerung der Bevölkerung zu kommunalen Zwe>ten eine Erhöhung der Umlagen eintrat bei Gegenüberstellung aller Einnahmen und Ausgaben einen Ueberschuß von 40757 Fl. und cinen \{ließli<hen_ Kasserest von 5 607 124 Kl, welcher den mit Ende des Jahres 1876 verbliebenen Kassevorrath um nit weniger als 981 390 Fl, überragte. Der Aktivstand der Kommune wurde um 453 009 Fl. erhöht.

Von der opferwilligen Sorgfalt der Gemeinde für das Unter- ri<tswesen geben die Anordnungen und Verfügungen Zeugniß, welche si auf den Bestand und die Cinrihtung der Schulgebäude, auf die Lehrer- und Schülerzahl, auf die Auëbildung der Lehrer, auf die Verbesserungen im Unterrichte, kurz auf die Hebung des ganzen Volksunterrichtes beziehen.

Für die Verschönerung der Stadt wurde dur< die Demolirung der sogenannten Salzgries-Kaserne und die Regulirung des Salzgries vorgesorgt. Zur vollständigen Sicherung der Donau-Regulirung, welche sih au< in diesem Zeitraume dur< den gefahrlosen Abfluß der Hochwässer bewährte, und zur gänzlichen Beseitigung der Ge- fahren, die dur< Eis\toßverseßzungen entstehen, erwies es sih als nothwendig, die Regulirung des Stromes in einem größeren Umfange- auszuführen, als ursprünglich projektirt war.

Auf dem Gebiete der Wasserversorgung war die Ergänzung der Kaiser-Franz-Joseph-Hochquellenleitung dur< die Errichtung des. Wassershöpfwerkes bei Pottschah das bedeutendste Moment. Eine weitere Vervollklommnung des Wasserleitungswerkes, welche zunächst zum Zweke hatte, für den Fall einer temporären, wegen baulicher Reparaturen des Aquäduktes nothwendigen Unterbre<hung der Wasserleitung einen größeren, für mehrere Tage ausreichenden Wasservorrath zu beschaffen, ist die in den leßtverflossenen Jahren ausgeführte Aan des Reservoirs am Rosenhügel, auf der Schmelz und am Wienerberge, wodur der Fassungsraum der sämmt- lihen Wasserbehälter von 455 000 auf 1700 000 Eimer oder von 25 753 auf 96 2674 cbm erweitert wurde.

Der Rathhausbau wurde unter besonderer Sorgfalt für die künsts leris einheitliche Gestaltung des großen Bauwerkes so weit gefördert, zes einzelne Gebäudetheile bereits zu Amtszwe>en benußt werden önnen.

Im Straßenwesen ist außer fonstigen größeren Herstellungen die Verbindung der Renngasse mit dem Salzgries, wobei es si< um die entsprechende Lösung einer durch die Terrainverhältnisse sh<wie- rigen tecnishen Frage handelte, und die Ausführung eines wichtigen Approvisionirungs-Verkehrsweges, nämlich der Stromstraße in der Brigittenau, von Bedeutung. Die Straßensäuberung und Straßenbesprikung wurde dur die probeweise Aktivirung eines Cen- tralorganes für die Straßenpflege und durh die ausgedehntere An- wendung von Hydranten für die Straßenbespritzung verbessert.

Auf dem Gebiete der Kanalisirung ergaben sich bedeutende, mik großen technishen Schwierigkeiten verbundene Bauführungen. Außer- dem wurde das Operat der Kanalaufnahme vollendet und eine Probir- anstalt für hydraulische Bindemittel errichtet. Endlich wurde auch eine neue Methode der Abfuhr, nämlich mittels Schiffen, eingeführt, wodurch es möglich wurde, die Abfallstoffe ras<h und in einer den sanitären Anforderungen entsprechenden Weise aus dem Bereiche be- wohnter Stadttheile zu bringen.

Die. Gesundheitsverhältnisse der Stadt Wien waren abgesehen von der auf die Zeit von zwei Monaten des Jahres 1877 und auch da nur auf einige Stadttheile beschränkten Typhus-Epidemie nor- male und günstige, und es L dieser Zustand, soweit administrative Verfügungen auf denselben überhaupt Einfluß zu nehmen vermögen, wohl zum großen Theile der Vorsiht und Energie zugeschrieben werden, welche die Gemeinde in der Ueberwachung der Lebens- mittel und der Wohnungen, in der Förderung der Einleitung des Hochquellenwassers in die Häuser sowie in der Obsorge für Straßen- reinigung, Bespritzung, Kanalisirung und Unrathsabfuhr 2c. be- thätigte.

Auf dem Centralfriedhofe wurde die Erweiterung des Beleg- raumes um mehr als 37 ha angebahnt, die Pflanzung von Bäumen und Gesträuchen, zum Theil au<h die Besämung der gemeinsamen Gräber bewerkstelligt, die Hochquellenwasserleitung eingeführt und endlich die Verhandlung wegen Ueberlassung eines Fricdhoftheiles an die E Kultusgemeinde unter Wahrung der finanziellen Inter- essen der Kommune abgeschlossen. Jm Beerdigungswesen wurden durch entsprechende Ergänzungen der Begräbnißordnung und durch Verbesserungen im Leichentransporte zwe>mäßige Neuerungen durh- geführt und au< in Bezug auf den eventuellen Leichentran8port mit- telst Eisenbahn die nöthigen Einleitungen getroffen.

Die Approvisionirung der Stadt Wien gestaltete sich in diesem Triennium im Großen und Ganzen befriedigend. Obwohl dur< die Einwirkung des russih-türkischen Kricges der Marktverkehr in Fleis, Mehl und Getreide und der Schlachtviehzutrieb dur die wegen des Auftretens der Rinderpest an den östlichen Grenzen der Monarchie wiederholt verfügte Sperrung wichtiger Kontumazanstalten zuweilen Störungen erlitt, und obwohl die Produktion von Getreide, Kartoffeln und Grünwaaren dur< die Witterungsverhältnisse des Jahres 1879 beeinträchtigt wurde, so entspra<h doch in den lebten drei Jahren die Zufuhr aller Nahrungsmittel dem mit der Zunahme der Bevölkerung gesteigerten Konsume.

Eine ho<hwichtige Angelegenheit für die Fleishversorgung Wiens bildete die Erweiterung und entsprebende Umgestaltung des Scblacht- viehmarktes. Diese seit einer Reihe von Jahren ventilirte Frage wurde nach vielfachen sbwierigen Verhandlungen und unter thunlichster Berük- sichtigung der für “diesen Zwe>k zu Gebote stehenden Geldmittel ihrer Lösung zugeführt. Der bereits zur Zeit der Errichtung der Groß- nortiüalle projektirte und zur gedeihliben Entwictlung des Markt- ballenwesens nothwendig erkannte Bau von Detailmarkthallen wurde dur die Errichtung von drei neuen derartigen Hallen wesentlich ge- fördert.

Das städtis<e Lagerhaus erfreute si bereits in der ersten Zeit seines Bestandes einer regen Jnanspru<hnahme von Seite der Han- deléêwelt. Schon im Jahre 1877 genügte der ursprünglih auf 220000 kg bere<nete Lagerraum ni<t mehr dem Waaren- zuflusse, so daß \si< der Gemeinderath veranlaßt sah, die Rotunde auf dem Weltausstellungsplate zu Lagerhauszwe>en in Anspruch zu nehmen und im Jahre 1878 behufs weiterer Vergröße- rung des Lagerraumes zwei neue Lagerhausmagazine mit einem Fassungsraume für 90.000 kg zu erbauen.

Auf die gewerblichen und kommerziellen Interessen, namentli jene des Kleingewerbe- und Arbeiterstandes, bemühte \sih die Gemeinde insoweit diese als solhe überbaupt zu ciner Ingerenz berufen war unterstütend und fördernd Einfluß zu nehmen. Die Jnangriffnahme grö- ferer Bauten unter der Kollektivbezeihnung „Nothstandsbauten“ und die Anregung bci Staat und Land zur Vornahme folcher Herstellun- gen galten zunäbst den Baugewerben, den mit denselben in Verbin- dung stehenden Geschäften und dem Arbeiterstande, der Aufruf an die Bevölkerung zu Gunsten der dem Kleingewerbestande gewidmeten Franz-Joseph-Stiftung und die fortgeseßte Thätigkeit in der ersprießz- liden Verwaltung dieser Stiftung dem gewerblichen Afsoziations- wesen und die Fuanpene Unterstütung des Weinbaukongresses und der niederösterreihishen Gewerbeausstellung in Wien den Intereffen der Gewerbe und des Handels im Allgemeinen.

Ueber den Stand der Gewerbe und des Handels im Gouvernement St. Petersburg liegt dem „Porjadok“ folgen- des statistishe Material vor: die Zahl der Fabriken im Gouverne- ment betrug im vorigen Jahre 233, mit einer Produktion von 32 650 812 Rbl. und einem Arbeiterbestande von 28 504 Seelen. Gegen das Jahr 1879 war die Zahl - der Fabriken um 16, der Um- sat um 555025 Rbl. und die Zahl der Arbeiter um 2656 Mann gefallen. Die Verminderung der Zahl der Fabriken ist (in 31 Fällen) hauvtsäcblih bei denjenigen Industriezweigen zu konstatiren, welche aus der Erde gewonnene Erzeugnisse bearbeiten, die Zahl der animalishe und vegetabilishe Stoffe verarbeitenden Fabriken stieg dagegen um 15. Die Verringerung des Umsatzes fällt auf die leytere Kategorie; der Umsatz der ersteren war im Steigen begriffen. Die Gewerbsäthätigkeit der Bauern und der städtischen Bevölkerung war aleifalls im Abnehmen. Die Bauern des Gouvernements St. Peters- burg besbäftigen si vorzügli mit Holzfällen, Zufuhr und Fischfan Der Holzhandel war im verwichenen Jahre nicht so lebhaft wie sonst und der Fiscbfang ganz unergiebig. Der Handel hat, soweit er in der Zabl der Patente Auêdru> findet, ebenfalls einige Einbuße erlitten. Die Zabl der ausgehändigten Gildenpatente 1. Klasse verringerte sich. um 10, die der zweiten Gilde um 252.