1881 / 182 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Ministerium des Jnnern.

Dem Landrath von Bennigsen-Foerder ist das Dana im Kreise Herzogthum Lauenburg übertragen worden.

Personalveränderungen. Königlich Preußische Armee.

Ernennungen, Beförderungen undVersetßungen. Im aktiven Heere. Bad Gastein, 28, Juli. v. Olszewski, Gen. Major und Commandeur der 4, Garde-Inf. Brig., zum Mit- glied der Studienkommission der Kriegsakademie ernannt. v. Kloe- den T., Pr. Lt. à la suite des Garde-Gren. Regts. Nr. 1, unter vorläufiger Belass. in dem Kommando als Adjut. bei der 55. Inf. Brig., Friedri<hs, Pr. L. à la suite des Inf. Regts. Nr. 81, unter vorläufiger Belass. in dem Kommando als Adjut. bei der 61. Inf. Brig., zu überzähl. Hauptleuten befördert. Heishkeil, Pr. Lt. à la suite des Gren. Regts. Nr. 6, unter Belass. in dem Kom- mando als Adjut. bei der 3. Inf. Brig., zum Gren. Regt. Nr. 5, à la suite desselben, Riebes, Pr. Lt. à la suite des Inf. Regts. Nr. 41, unter Belass. in dem Kommando als Adjut. bei der 19, Inf. Brig., zum Inf. Regt. Nr. 49, à la suite desselben, Freyer, Pr. Lt. à la suite des Inf. Regts. Nr. 58, unter Belafs. in dem Kom- mando als Adjut. bei der 23. Inf. Brig., zum Inf. Regt. Nr. 18, à la suite desselben, Benne>e, Pr. Lt. à la suite des Inf. Regts. Nr. 27, unter Belais. in dem Kommando als Adjut. bei der 35. Inf. Brig., zum Inf. Regt. Nr. 41, à la suite desselben, Trapp v. Ehrens\<ild, Pr. Lt. à la zuite des Füs, Regts. Nr. 80, unter Belass. in dem Kommando als Adjut. bei der 42. Inf. Brig,, zum Inf. Regt. Nr. 94 à la suite desselben, v. Garnier, Pr. Lt. à la suite des Inf, Negts. Nr. 94, unter Belassung in dem Kom- mando als Adjut. bei der Inspektion der militär. Strafanstalten, zum Inf. Regt. Nr. 87, à la suite desselben, Sc<hmiedi>e, Pr. Lt. à la suite des Inf. Negts. Nr. 25, unter Bela}. in dem Kom- mando als Adjut. bei der 58. Inf. Brig.,, zum Inf. Negt. Nr. 56, à la suite desselben, Hesse I., Pr. Lt. à la suite des Su, Regts. Nr. 71, unter Belass. in dem Kommando als Adjut. bei dem Gouvernement von Straßburg i. E., zum Inf. Regt. Nr. 57, à la suite desselben, verseßt. Noell, Sec. Lt. vom Gren. Regt. Nr. 2, unter Beförder. zum Pr. Lt. und unter Belass. in dem Kommando als Adjut. bei der 26. Inf. Brig., à la suite des Regts. gestellt.

Im Sanitäts-Corps. Bad Gastein, 21, Iuli. Dr. Bech, Assist. Arzt 1. Kl. vom Inf. Regt. Nr. 71, behufs Ueber- tritts in Königl. sächs. Militärdienste, Dr. S<hoeneberg, Stabs- arzt der Landw. vom Res. Landw. Regt. Nr. 35, als Ober-Stabsarzt 2. Kl, mit seiner bisher. Unif., Dr. Franz, Stabsarzt der Landw. vom 2. Bat. Landw. Regts. Nr. 56, der Abschied bewilligt. Dr. Backhaus, Assist. Arzt. 2, Kl. vom Inf. Regt. Nr. 56, unter Uebertritt zu den Aerzten der Res. des 2. Bats. Landw. Regts. Nr. 74, Dr. Prior, Assist. Arzt 2. Kl. om Pi Regt. Nr. 9, unter Uebertritt zu den Aerzten der Res. des 2, Bats, Landw. Regts. Nr. 28, aus dem aktiven Sanitäts-Corps ausgeschieden.

XTIL. (Königlich Württembergisches) Armce-Corps.

Abschiedsbewilligungen. Im aktiven Heere. 23. Juli.

Jacobi, Hauptm. und Comp. Chef im Inf. Regt. Nr. 125, der Abschied mit Pens. bewilligt.

Nichtamtliches. Deutsches Neich.

Preußen. Berlin, 6. August. Aus Gastein, 5. August, meldet „W. T. B.“ no< weiter: Kaiser Franz Josef soupirte gestern Abend bei dem Kaiser Wilhelm. Heute Vormittag 101/, Uhr stattete der Kaiser Wlhelm dem Kaiser von Desterreih einen Besuch ab und verweilte bis 11 Uhr bei demselben. Fnzwischen ver- sammelten sih die Honoratioren und der Hofstaat des Kaisers Wilhelm in Gala-Uniform bei dem vorgefahrenen Wagen, die österreichischen Notabilitäten und die Spißen der Behörden in dem Hôtel Straubinger. Um 11 Uhr erschienen der Kaiser von Desterreih in österreichisher Uniform und der Kaiser Wilhelm im Civilanzuge. Der Kaiser von Oesterreih ver- abschiedete si in der h?rzlihsten Weise von dem Kaiser Wil- helm, dessen Suite und den österreihishen Notabilitäten und verließ Gastein unter begeisterten Hochrufen des zahlrei ver- sammelten Publikums.

Unter dem heutigen Datum meldet „W. T. B.“ aus Bad Gastein, taß heute früh 9 Uhr die Abreise Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm nah Salzburg erfolgt sei, Das Badepublikum hatte sih vor dem Badeschlosse ver- sammelt, um Sr. Majestät eine herzlihe Ovation zu bringen. Mehrere Damen überreichten Bouquets, welhe Se. Majestät huldvoil dankend entgegennahmen. Zum Abschiede waren auch die Gemeindevertretung und die hiesigen Beamten erschienen. Zum Bürgermeister Gruber gewendet, dankte der Kaiser für die Jhm erwiesene Ausmerksamkeit und sprach die Hoffnung aus, daß Er, wenn Gott Jhm das Leben schenke, im nächsten Jahre wiederkommen werde. Unter enthusiastishen Hochrufen des Publikums und während die Kurkapelle das „Heil Dir im Siegerkranz“ anstimmte, schritt der Kaiser die Treppe vom Badeschloß herab und bestieg den offenen vierspännigen Postwagen in Begleitung des Adjutan- ten von Lindequist. Mittags wird der Kaiser bei dem Kron- prinzen Rudolf in Salzburg diniren; morgen ersolgt die Weiterreise na< Franksurt a. M. zum Vesuche der Ausstel- lung, von Franksurt begeben Sich Se. Majestät nah Coblenz zu Jhrer Majestät der Kaiserin.

Die hiesige Universität beging am 3. August cr. die jährlihe Gedächtnißfeier ihres erhabenen Stifters, des Königs Friedrih Wilhem 111, im großen Hörsaale des Universitätsgebäudes. .

Derselben wohnten bei: der General-Lieutenant und Kommandant von Verlin von Berken, der Unter-Staats- sekretär Lucanus, der General-Superintendent Büchsel, mehrere höhere Beamte, sowie au<h der Staats - Minister Dr, Falk. L

Die Feier wurde mit dem Vortrage eines Gesangstückes des akademischen Gesangvereins eröffnet, worauf der z. Rektor, Geheime Regierungs-Rath, Professor ord, Dr, A. W. Hofmann die Festrede in deutsher Sprache hielt.“ i

Das von dem Redner gewählte Thema: Ein Jahr- hundert hemis<her Forshung unter dem Schirme der Hohenzollern gab demselben Gelegenheit, die Ent- widelung der Chemie seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts, soweit sie si in Berlin vollzogen hat, in großen Zügen zu besprechen. Diese Bespre<hung ging bis auf Marggraf zurü,

dessen Entde>ung des Zu>ers in der Runkelrübe die Grund- lage der von Friedri< Wilhelm 11I. so eifrig gepflegten Rüben-

u>erindustrie geworden ist. Der zweite Theil der Rede war

m Andenken der Männer gewidmet, welche die Wissenschaft der Chemie an der Berliner Hohschule vertreten haben, und es wurde namentli<h des hohen Verdienstes gedaht, welches fih Klaproth, Mitscherlih, Heinrih Rose und Gustav Magnus um die Entfaltung des <hemishen Studiums an derselben er- worben haben.

Demnächst wurden die Urtheile der Fakultäten über die eingegangenen Preisbewerbungsschriften vorgetragen und neue Preisaufgaben bekannt gemacht.

„Jn der theologischen Fakultät erhielt einen Königlichen Preis : stud. theol. Johannes Brückner aus Leipzig; in der juristishen Fakultät erhielten einen städtishen Preis: 1) stud. jur. Friedrih Adolf Schmidt aus Berlin, 2) stud. jur. Gerhard Klehmet aus Berlin, eine ehrenvolle Erwähnung: stud. jur. Richard Berg aus Beuthen; in der medizinishen Fakultät er- hielt einen Königlichen Preis: stad. med, Viktor Lehmann aus Berlin, und einen städtischen Preis : stud. med, Ferdinand Karewski aus Stettin; in der philosophischen Fakultät er- hielten ehrenvolle Erwähnung : 1) stud. phil. Conrad Dieterich aus Berlin, 2) stud, phil, Paul Pomtow aus Berlin, und den Grimmschen Preis: stud. phil, Dr. Konrad Burdah aus Königsberg i. Pr. Mit Gesang {loß die Feierlichkeit.

__— Gegen einen Mann, welcher unvorsihtiger Weise in seiner Wohnung einen Schuß abgefeuert hatte, war von dem zuständigen Amtsgericht ein Strafbefehl wegen verbotwidrigen Schießens in einer Ortshaft erlassen worden. Dieser Strafbefehl wurde vollstrebar. Bald darauf wurde bekannt, daß der Schuß einen Nachbar getroffen, der in Folge einer Kopfwunde nach mehreren Tagen starb. Nunmehr wurde gegen den . Thäter die Üntersuchung wegen fahrlässiger Tödtung eingeleitet. Dex Angeklagte seßte die Einrede, daß er niht nohmals wegen derselben That, deretwegen er bereits vom Amtsgericht bestraft worden, ver- urtheilt werden könnte (ne bis in idem). Dieser Einwand wurde jedo verworfen, und der Angeklagte wegen fahrlässiger Tödtung verurtheilt. Die von ihm eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht, I. Strafs., durh Urtheil vom 2. Juni d. J. verworfen, da der Erlaß eines vollstre>bar gewordenen amtsrichterlihen Strafbefehls die nohmalige Aburtheilung der- selben That unter einem \{wereren re<htlihen Gesichtspunkt niht aus\hließe.

Der Kaiferliche Gesandte Freiherr von Caniß und Dallwißt ist nah dem Haag zurü>gekehrt und hat die Ge- schäfte der Gesandtschaft wieder übernommen.

Der Königlich württembergishe Gesandte am hiesigen Allerhöchsten Hofe, Kammerherr von Baur-Breitenfeld, ist mit Ablauf seines Urlaubs nah Berlin zurüdgekehrt und hat die Geschäfte der Gesandtschast wieder übernommen.

Bayern. München, 5. August. (W. T. B.) Der König und die Königin von Sachsen sind heute Nach- mittag 51/2 Uhr von Tegernsee hier eingetroffen und im „Bayerischen Hos“ abgestiegen. Die Ankunft des Kaisers von Desterreich erfolgte gegen 6% Uhr, derselbe hat in dem Palais des Prinzen Leepold sein Absteigequartier genommen.

Schwarzburg - Sondershausen. Sondecshausen, 4. August. (Leipz. Ztg.) Dex Fürst und die Frau Fürstin haben si<h nah der Fürstlihen Oberherrschaft begeben, um nach einem kurzen Aufenthalte in Arnstadt längere Zeit in Gehren zu residiren.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 3. August. Die „Presse“ theilt mit, daß in Betreff der Hierarchie in Bosnien und der Herzegowina am 8. Zuni d. J. zwischen der römischen Kurie und der österreichish- ungarischen Regierung folgende Konvention geschlossen ist: Es wird in Serajewo ein Erzbischof residiren, und alle Bischöfe und Suffragane in bei- den Provinzen werden ihm unterworfen. Das Domkapitel wird aus vier Prälaten bestehen und jedem wird die Negie- rung Sr. Majestät 2000 Fl. jährlichen Gehalts zahlen. Jn Banjaluka wird ein bischöfliher Siß errichtet, der au< dem Erzbischof von Serajewo unterordnet wird. Jn der Herzego- wina wird ein Bischofssiß in Móöstar mit demselben Namen errichtet, die Diözese von Trebinje wird au< fernerhin von dem Bischof von Ragusa administrirt. Der Erzbischof von Serajewo bekommt 8000, der Bischof von Mostar 6000 und der von Banjaluka 3000 Fl. jährli<h. Jn Serajewo wird ein Seminar errichtet, der Papst giebt Sr. Majestät das Pri- vilegium, die Erzbischöfe und Bischöfe zu ernennen.

6. August. (W. T. B.) Die „Wiener Zeitung“ ver- öffentliht ein Kaiserliches Patent, dur<h welches die Land- tage in der Zeit vom 22. August bis 24. September ein- berufen werden.

Großbritannien und Jrland. London, 5. August, (W. T. B.) Das Oberhaus seßte die Einzelberathung der irishen Landbill fort. Von Lord Salisbury wurde zu Art. 7 cin Zusaß beantragt, wona<h keine Pachtung wegen Geld oder Geldeswerth, den der Pächter beim Antritt des Pachtgutes bezahlt hat, soll reduzirt werden können. Lord Salisbury erklärte, daß er in die zweite Lesung der Bill nur in der Hoffnung der Annahme dieses Zu- sagantrags gewilligt habe. Die Regierung beanstandete das Amcndement ; dasselbe wurde indeß mit 157 gegen 110 Stimmen mithin mit wesentlih verringerter Majorität angenommen. Mit der Minorität stimmten auch Konservative. Die Artikel 7 bis 11 wurden hiernächst angenommen. Zm Fortgange der Sizung wurde die Spezialberathung der irishen Landbill beendet, nahdem mehrere weitere Amende- ments zu derselben angenommen worden waren. Die Be- rihterstattung und dritte Lesung der Bill findet am Montag statt.

Im Unterhause erklärte der Premier Gladsione, wegen Mangels an Zeit sei das Konversionsprojekt für diese Session auf 7!/; Millionen Lands beshränkt wor- den. Der Staatssekretär des Jnnern, Harcourt, O mit, der amerikanishe Staatssekretär des Auswärtigen, Blaine, habe dem hiesigen amerikanishen Gesandten tele- graphish angezeigt, daß alle Unions-, Staats: und Munizipal- Behörden emsig bemüht seien, die Urheber des Höllen- maschinenprojektes zu entde>en. Es würden keine Mühe und keine Kosten gespart werden, die Schuldigen aufzufinden und gerichtlih zu verfolgen; er habe Grund, zu glauben, daß nur wenige Personen an dem Komplote betheiligt seien. Unter-Staatssekretär Dilke erklärte Bourke gegenüber, aus

' Corps

Anlaß des Bombardements von Sfax seien Schadensersaß- ansprüche britisher Unterthanen gegen Frankreih bis jeßt N erhoben worden, wohl aber seien solhe no< zu er- warten.

Der Antrag Bradlaughs, dem Polizeibeamten Denning wegen seines Vorgehens gegen ihn bei Gelegenheit seiner Vertreibung aus dem Vorflur vor dem Sizßungssaal der Gemeinen eine Vorladung vor Gericht zugehen zu lassen, ist-heute von dem Polizeigeriht abgelehnt worden.

Der Vizekönig von Jndien telegraphirt an das Jndische Amt in London unterm 3. ds.: „St. John meldet aus Chaman vom 2. ds.: „Die Meldung von der Gefangen- nahme Shamsuddin Khans bestätigt sih. General Gho- lam Haidar Khan hat von Kelat-i-Ghilzai angezeigt, daß er bei seiner Ankunst daselts ein Regiment Jnfanterie und zwei Regimenter Kavallerie, die aus Kabul unterwegs waren, an- ilea und daher Halt gemacht habe. Hier herrscht völlige

uhe, und ein Gleiches meldet Loh aus dem Kakar-Lande.“

Frankreich. Paris, 5. August. (W. T. B.) Der neu ernannte nordamerikanis<he Gesandte Morton hat heute dem Präsidenten Grévy sein Beglaubigungsschreiben überreicht. Die Journale „France“ und „National“ be- kämpfen die Bankettrede Gambetta's in Tours als ein unbestimmtes und gefährlihes Programm und sprechen sih gegen die Jdee einer theilweisen Verfassungsrevision hin- sichtlih der Bestimmungen über den Senat aufs Entschiedenste aus. Der „Temps“ billigt Gambetta's Rede und meint, daß dieselbe einen großen Einfluß auf die Wahlen ausüben werde. Bezüglich einer Modifikation des Senats müsse er sih indeß unter allen Umständen seine Ansicht vorbehalten, er halte eine solche au nicht für dringend.

Gambetta hat Tours heute Mittag 1221/7 Uhr ver- lassen und si< na< Chateaudun begeben, wo er 3 Uhr Nach- mittags ankommen und bis 7 Uhr Abends verweilen wird. Gambetta beabsichtigte, no< vor Mitternacht wieder in Paris einzutreffen.

Nach einer Meldung der „Agence Havas“ aus Ragusa wäre unweit Bilek in der Herzegowina der Postwagen von einer gegen 30 Mann starken Räuberbande ange- ariffen worden, welhe 2 Mann von der Militäreskorte des Postwagens getödtet und das im Postwagen befindliche Geld geraubt hätte.

6. August. Auch das „Journal des Débats“, sowie die Journale „Le RIRX, Siècle“, „La Paix“ und „Le Par- lément“ mißbilligen die Jdee Gambetta's einer partiellen Re- vision der Verfassung hinsichtli< des Senats. Nach aus Tunis vorliegenden NaŸrichten herrscht dort jeßt überall Ruhe und hat es si< als sicher herausgestellt, daß die meisten der jüngst ausgebrochenen Befürchtungen nur dur Böswilligkeit verursaht wurden und dur keinerlei ernsthasten Vorgang begründet waren. Ein Eingeborener, welcher der Flatter- schen Mission angehörte und dem Massakre entgangen war, ist gestern in Tripolis angekommen und hat neue Details über den Vorfall überbracht.

Laut Nachrichten aus Kralfalla vom 3. August ist die Kolonne Colomieu auf Mescheria abgerü>t. Die Kolonne hat 2500 Kameele und 250 Maulthiere mit Lebensmitteln für 32 Tage. Die Hiße ist auf den Hochflächen sehr groß und der Marsch durch die Felder der Alfa, die bis 7 Fuß hoch sind, höchst beschwerlich.

Spanien. Madrid. 5. August. (W. T. B.) Nah einer Mittheilung des Journals „Liberal“ hätte der spanische Konsul in Tunis in Folge einer mit dem Vizekonsul in Sfax gehabten Unterredung dem hiesigen Ministerium telegraphis{h angezeigt, daß der Vizekonsul in Sfax seinen Bericht über die Vorgänge bei der Einnahiune dieser Stadt unter dem Eindru>e des Moments erstattet und nah imaginären Darstellungen be- rihtend, die Thatsachen übertrieben habe.

Griechenland. Aus Lamia, dem Centralpunkte der an der nordöstlichen Grenze Griechenlands konzentrirten Armee, wird der „Pol. Corr.“ unter dem 23. Juli geschrieben, daß bis zu jenem Tage aus dem aufgelösten Lager von Chalkis bereits se<s griechishe Jnfanterie-Bataillone, cine Gebirgs- Batterie und eine Reiterescadron dort eingetroffen waren, Von diesen Truppen wurde ein Bataillon in dem ?/, Stun- den von Lamia entfernten Dorfe Komma, ein zweites in der auf einem malerishen Hügel, nahe dem Gorgoflüßchen gele- genen Dorfschaft Franßti, vier weitere Bataillone in Kompotades untergebracht, wo auch die eine Gebirgs-Batterie kampirt. Die Escadron Kavallerie wurde im Dorfe Mixatae, das an den nörd- lihen Abhängen des ODett liegt, einquartiert. Ein noch zu er- wartendes Jnfanterie-Bataillon wird in einem Gehölze nahe der Ortschaft Makresi sein Lager aufshlagen, woselbst schon zwei Bataillone kampiren. Unter all diesen Truppen herrscht vollklommene Gesundheit, denn die Armeeleitung hat durch die Aufstellung von Brunnen für gutes und reihlihes Trink- wasser gesorgt, woran es in diesen Gegenden, zumal in der jeßigen tro>enen Jahreszeit, sonst besonders mangelt. Nach- dem no< zwei Bataillone aus Chalkis eingetroffen sein wer- den, dürfte die zur Vorrü>ung in den Bezirk von Kardißza designirte Armee so ziemlih komplet sein. Die Truppen sind übrigens schon jeßt vollflommen marshbereit und können jeden Moment aufbrechen.

Türkei. Konstantinopel, 3. August. Wie der „Pol. Corr.“ von hier gemeldet wird, hat die Pforte dem hiesi- gen griehishen Gesandten , Conduriotti , mitgetheilt , daß seiner, die Aufhebung des auf der Brücke von Arta errich- teten türkischen F ollamte, betreffenden Reklamation nicht Raztgegeyen werden könne, nahdem die Grenzlinie an diesem Punkte definitiv festgeseßt worden sei.

Janina, 22. Juli. (Pol. Corr.) Zu den verderb- lihsten Nachwirkungen, wel der leßte R e p Krieg hervorgerufen hat, ist bekanntlih das Räuberwesen zu zählen, welhes die Bewohner des Epirus und Thessaliens, die si<h vordem iy iets Sicherheitszustände erfreuten, gegenwärtig unausgeseßt beunruhigt. Namentlich ist es das Gebiet von Zagori, sowie das des Pindus-Gebirges an der nördlichen Grenze Thessaliens, wo die äuber- shaaren Dörfer überfallen, dieselben brandschaßen, die Heerden der Bewohner mit si forttreiben und oft vermöglichere Leute als Gefangene fortführen, um ihnen erst gegen entsprechendes Lösegeld die Freiheit zu schenken. An fünfhundert ¡zamilien aus Zagori haben si< aus Furcht vor räuberishen Ueber- fällen zu Freunden und Verwandten nah Janina geflüchtet. Die Verkehrêwege der genannten Provinzen sind höchst un- siher. Allerdings läßt die Regierung das Land von Streif- dur(kreuzen, dieselben rekrutiren \si< jedoch

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aus den fragwürdigsten Elementen der albanesishen Mo- hammedaner und haben bisher den ihnen begegnenden Räuberbanden selten Stand gehalten. Ein vor Kurzem statt- gefundener Zusammenstoß eincs solchen 100 Köpfe zählenden Streifcorps mit einer überlegenen Räuberschaar endete damit, daß das erstere zur Hälfte niedergemeßelt und zur Hälfte ge- fangen genommen wurde. Allein au< die gefangenen Albanesen wurden erbarmungslos - niedergemaht, als die türkische Regierung si< weigerte, dem Antrage der Räuber, die gefangenen Albanesen gegen mehrere ihrer in Haft be- findlihe Genossen auszulösen, Folge zu leisten.

Nußland und Polen. St. Petersburg, 6. August. (W. T. B.) Der Kaiser und die Kaiserin sind mit ihren Söhnen und dem Großfürsten Alexis Alexandrowitsch, dem Minister des Fnnern, Grafen Jgnatieff, und dem Grafen Woronzeff-Daschkoff gestern hier wieder eingetroffen.

Dänemark. Kopenhagen, 3. August. (Hamb. Corr.) Jn der bevorstehenden Reichstagssession wird, dem Ver- nehmen nah, Seitens der Regierung den beiden Abtheilungen des Neichstags keine andere Vorlage unterbreitet werden, als der Finanzgeseßentwurf (der Staatshaushalts-Etat) und zwar wird dieser Entwurf dem Folkething in derselben Fassung unterbreitet werden, in welcher er bei der leßten sogenannten „einzigen“ Berathung im Landsthing angenommen wurde, also mit einer Theuerungszulage für Gagen bis zu 4400 Kronen, der De>ung der Unterbilanz der Universität im laufenden Jahre, der Forderung für den Bau cines Panzerschiffes und der vom Landsthing bewilligten Forderungen für extraordinäre Ver- theidigungszwe>e. Es sind jedo<h auch einzelne neue Posten in das Budget aufgenomntkn worden, weil kein Nachtragsetat vorgelegt werden wird, um nicht die Ablegung der Staats- rehenshaft zu verzögern, welhe spätestens Anfang Oktober den Staatsrevisoren zugestellt werden muß.

Amerika. New-York, 23. Juli. (Cöln. Zrg.) So eben ist der neueste Jahrgang von „Poors Railroad Manual““, welces seit Jahren als das maßgebendste Handbuch für amerikanisches Eisenbahnwesen anerkannt ist, erschienen. Man ‘ersieht daraus, daß im abgelaufenen Fahre in den Vereinigten Staaten 7174 englishe Meilen Eisenbahnen gebaut wurden,

sodaß die Union jeßt im ganzen 93671 Meilen in Betrieb befindlicher Schienenwege besizt. Nur im Jahre 1871 wurde bisher eine no< größere

Zahl neuer Bahnmeilen als im Vorjahre, nämlich 7374 Meilen, fertiggestellt. Außer den Tabellen über Capital, Ein- nahmen u. f. w. aller dieser Bahnen entnimmt man unter Anderem die folgenden interessanten Mittheilungen : Jm Jahre 1880 waren 84 225 Meilen im regelmäßigen Betrieb; Kapital und fundirte Schuld betrugen 4 897 401 997 Doll. ; die Brutto- Einnahmen 615 401 931 Doll, die Netto-Einnahmen 255 193 436 Doll., die gezahlten Dividenden 77 115 411 Doll. Fnterefsant für das Verhältniß zwischen Personen- und Frachtverkehr in den Vereinigten Staaten ist die Angabe, daß sih die oben angegebene Summe der Brutto-Einnahmen auf diese beiden Einnahmequellen in der Weise vertheilte, daß die Beförderung von Frachten 467 748 928 Doll. , die von Personen 147 653 003 Doll. einbrahte. Jm Jahre 1879 stellten sich die nämlichen Posten wie folgt: Meilen im Betrieb: 82 223, Kapital und fundirte Schuld 4762 501 010 Doll., Brutto- Einnahmen : 529 012 999, Netto-Einnahmen 219 916 724 Doll., Dividenden 61 681 470 Doll. , Einnahmen für Frachten 386 676 108 Doll., für Passagierbeförderung 142 336 191 Doll. Jn allen Posten tritt demnach eine gleich ansehnlihe Zunahme des amerikanischen Eisenbahnbetriebs während des abgelaufe- nen Jahres zu Tage.

Santiago de Chile, 16. Juni. (Wes. Z.) Am 1. d. M. eröffnete Anibal Pinto zum leßten Male in seiner Amts- periode den Kongreß, der alljährli<h an diesem Tage zu ordentlichen Sißungen zusammentritt, mit einer Botschaft. Wie gebräuhli< in derartigen Aktenstücken nehmen die aus- wärtigen Beziehungen in der Botschaft die erste Stelle ein. Mit allen befreundeten Staaten sei der Verkehr ein herzlicher, auch mit der benachbarten argentinishen Republik. Der lang- wierige Streit, der wegen des Besißes von Patagonien und zFeuerland zwischen Chile und der Argentinia besteht, be- finde sih zwar immer no<h in der Shwebe, weil die Regie- rung, zu sehr von dem Kriege gegen Peru und Bo- livien in Anspru< genommen, dieser Frage nicht die ihrer Natur entsprechende Aufmerksamkeit habe widmen können, ein Grund, dem auch die argentinishe Regierung volle Ge- re<tigkeit habe widerfahren lassen. Doch jeßt, da dies Hin- derniß ein wenig aus dem Wege geräumt sei, werde, so weit die Handlungsfreiheit der Regierung gehe, mit Eifer am Ab- \{lusse eines billigen Uebereinkommens gearbeitet, das unter Beseitigung jeder Eifersüchtelei, welche die guten freundschast- lichen Beziehungen, an deren Aufrechterhaltung der Eine wie der Andere betheiligt sei, trüben könnte, die nachbarschaft- lihen Bande enger zu {lingen erlaube. (Jnzwischen ist der Abschluß erfolgt.) Auch in den Beziehungen - Spanien, mit dem nur ein Waffenstillstand be- tehe, sei eine erfreulihe Aenderung eingetreten, da die Regierung der Halbinsel troy der Werbungen der peru- bolivianischen Allianz die strengste Neutralität beobachtet habe. Deshalb sei, um au< chilenisherseits Entgegenkommen zu eigen, das Dekret vom 31. Januar d. J. erlassen und den Fvanischen Schiffen das Anlaufen der Häfen Chiles zum Löschen ihrer Ladung gestattet, das heißt der direkte Handels- verkehr mit dem alten Mutterlande sei wiederhergestellt worden. Nachdem noch des Beitrittes Chiles zu dem allgemeinen Welt- postverein, der gemäß der vom Kongresse unterm 12. Januar v. Z. ertheilten Ermächtigung erfolgt sei, gedaht ist, geht Anibal Pinto auf den Krieg über, den er als that- sähli<h beendet bezeichne. Da es niht räthlih geshienen habe, die Reserve auf einmal aufzulösen und zu entlassen, so habe er geglaubt, dieselbe im Süden gegen die araukanishen Tribus verwenden zu sollen. Auf diese Weise sei das ganze Gebiet zwischen dem Malleco und dem Cautin unterworfen und die s<hmale Fläche een diesem Flusse und dem Tolten werde unter der Herrschaft der <ilenishen Geseße stehen in dem Augenbli>e, in dem man es als zwe>dienlih erahte. Sofort beim Eintritt des Frühlings werde au< mit dem Bau der Grenzforts in Petruëquen und Villa-Rica begonnen, wozu bereits alle Materialien vorbereitet würden. Troy des Krieges seien aber die inneren Ver- waltungszweige keineswegs vernachlässigt, die Telegraphen- linien bis Ancud ausgedehnt, au< die neu errichteten Grenzforts mit dem übrigen Theile der Nepublik in tele- graphische Verbindung geseßt, und in einigen Tagen werde die Ermächtigung na<gesu<t werden, den Bau. der Eisen-

bahn von Angol na< der Provinz Valdivia, dessen Vor- arbeiten auf Grund des Geseßes vom 14. Januar d. J. vor- genommen seien, beginnen zu dürfen. Alsdann weist das Staats- oberhaupt auf den Handelsaufs<wung im vorigen Jahre hin, „Troßdem der Krieg im verflossenen Jahre seine größte Aus- dehnung und Entwi>elung nahm, haben die Geschäfte ihren regelmäßigen und forlschrittlihen Gang genommen. Der Um- stand, die militärishen Operationen vom Beginne der Feind- seligkeiten an in Feindesland zu tragen, Dank der Ueberlegen- heit unserer Streitkräfte zur See eine Thatsache, die würdig ist, stets si<h gegenwärtig zu halten bei Allem, das mit der Sicherheit und der Zukunft der Republik im Zusammen- hange steht hat den Handel und die Jndustrie der Unsicher- heit und der Furcht, ihren Gang paralysirt oder gehemmt zu jehen, überhoben und ihnen ihre volle Aktionsfreiheit gewahrt. Der Krieg gerade war es, der mit seinem beständigen Erfolge der Thätigkeit dur< Beherrshung ausgedehnter Gebiete, welche die Quellen der Produktion für den Staat, der Arbeit und des Reichthums für Private wur- den, neue Felder eröffnete.“ Die Botschaft {ließt mit den Worten: „Es wird dies das leßte Mal sein, daß mir die Ehre gegeben ist, Euch bei der Eröffnung Euerer Sißungen zu begleiten, und Fhr werdet mir erlauben, diese Gelegenheit zu benußen, um Euch meine Anerkennung und meine Dank: barkeit darzubringen für die einsihtige und patriotishe Mit- wirkung, die Jhr der Thätigkeit der Regierung in den {hwie- rigen Umständen gewährt habt, welche die Nepublik durchge- macht hat.“ Die Grenzfrage mit Argentinien, die der Präsident in seiner Botschaft streifte, soll auf eine beide Theile befriedigende Weise gelöst sein. Der Tag der Präsident- \schaftswahlen (25. d. Mts.) steht vor der Thüre und hält die Gemüther in Aufregung. Ueberall, in den Wahlversamm- lungen, in der Presse, sogar im Senate, in dem sonst be- dächtige Ueberlegung herrscht, sind leidenschaftlihe Erörterungen an der Tagesordnung.

Die Nr. 31 des Central-Blatts für dasDeuts che Reich, herausgegeben im Reichsamt des Innern, hat folgenden öInhbalt: oll- und Steuerwesen: Befugniß einer Steuerstelle; Titelver- eihung. Marine und Schiffahrt: Erscheinen des Il. Nachtrags zur amtlichen Liste der Schiffe der deuts<hen Kriegs- und Handels- marine vom Jahre 1881. Konsulatwesen: Ernennungen; Erequaturertheilung. Poslizeiwesen: Ausweisung von Ausländern aus dem Reichsgebiete.

Nr. 40 des Amtsblatts des Reichs-Postamts hat folgenden Inhalt: Verfügungen: vom 31. Juli 1881, Einführung des Postanweisungsverfahrens im Verkehr mit Victoria, West-Austra- lien, Neu-Seeland und Vandiemensland. Vom 30. Juli. Zurü>- forderung von Briefen na<h dem Auslande dur die Absender. Vom 29. Juli. Unzulässigkeit des gewerbmäßigen Betriebes von Fabriferzeugnissen durch die Postbeamten. Vom 27. Juli. Voll- ständige und deutliche Angabe der Vermerke auf den Abschnitten der Nachnahme-Postanweisungen.

Archiv für Post und Telegraphie. Beiheft zum Amts- blatt des Reichs-Postamts. Herausgegeben im Auftrage des Reichs- Postamts. Berlin, Juli 1881, Nr. 14. Inhalt: Aktenstücke und Aufsäße: Die Neuordnung des Landpostdienstes im Reichs-Postgebiet. Das Bauwesen der deutschen Reichs-Post- und Telegraphen- verwaltung. (Schluß.) Das Post- und Telegraphenwesen in Bayern im Jahre 1879, Wie man im 16. Jahrhundert nah Jerusalem reiste. Kleine Mittheilungen: Die Benußung des Telegraphen Seitens der türkishen Behörden. Die Verkehrsanfstalten der Kay- Kolonie. Neues galvanis<hes Element von Maiche. Einrichtung eines Konsulats in Tamatave auf Madagaskar. Sciffsverkehr zwishen den Vereinigten Staaten und Europa. Literatur des Verkehrswesens: „De Rijks-Postsparbank.“ Denkschrift der Nieder- ländischen Postverwaltung. Zeitschriften-Ueberschau.

-— Die Nr. 31 des Deutschen Handels-Archivs, Wecbenschrift für Handel und Gewerbe, herausgegeben im Reichsamt des Innern, bat folgenden Inhalt: Gesetzgebung: Deutsches Reih: Gesek, betreffend die Bestrafung von Zuwiderhandlungen gegen die Oesterreichisc- Ungarischen Zollgeseße. Ermächtigung von Zollstellen zur Abferti- gung von Waaren der Nummern 4145 und 4146 des Zolltarifs. Schweiz: Bundesrathsbes{luß, betreffend Anwendung der Art. 4 und 30 des Bundesgeseßes über den Schutz der Fabrik- und Handels-

marken. Spanien: Verhaltungsmaßregeln für Schiffskapitäne bei Einfuhr fremder Waaren na< der Insel Cuba. Berichte: Deut-

ces Reich: Nachweisung der Einnahmen an Zöllen und gemeinschaft lichen Verbrauchssteuern im Deutschen Reih für die Zeit vom 1. April 1881 bis zum Swhluß des Monats Juni 1881, Export von Erzeugnissen deutscher Kunstindustrie na Nordamerika. Großbritannien: Handelsberiht aus Durban, Port Natal, für 1880. Man(ester (Bericht über die Baumwoll-In- dustrie während des zweiten Quartals des Jahres 1881). Italien: Handelsberiht aus Venedig für 1880. Rußland: Handelsbericht aus Libau für 1880, Vereinigte Staaten von Amerika: Deutscher Schiffsverkehr in den Vereinigten Staaten, die Häfen der Westküste ausgescblossen, während der Jahre 1879 und 1880. Meriko: Merida de Yucatan (Handelsberibt). Chile: Valdivia (Handelt beri<t). Bolivia: Handelsberiht für Bolivia aus La Paz für das Jahr 1880.

Nr. 15 des Central-Blatts der Abgaben-, Gewerbe- und Handels-Geseßgebung und Verwaltung in den König- lih Preußishen Staaten hat folgenden Inhalt: Anzeige der in der Geseßsammlung und im Reichsgesetblatte erschienenen Geseße und Verordnungen, Allgemeine Verwaltungsgegenstände: Veränderungen in dem Stande und in den Befugnissen der Zoll- und Steuerstellen.

Indirekte Steuern: Ermittelung des Literinbalts der Fäffer in

Weintheilungélägern. Berichtigungen in dem Nachtrage zum amt- lien Waarenverzeibnisse. Bestimmungen über die Tara. Statistik: Nachweis der ohne Revision in die Niederlage aufgenom- menen Waaren in den ftatistisden Anscbreibungen. Erbebung der statistischen Gebühr. Vorläufige Abänderungen des statistischen LBaarenverzeihnisses. Personalnachrichten.

Nr. 20 des Eisenbabn-Verordnungs-Blatts, beraus- gegeben im Königlichen Ministerium der öffentliben Arbeiten, bat folgenden Inhalt: Allerböcbste Erlasse, betr. den Rang der Bau- und Maschinen-Jnspektoren. Vom 1. Dezember 1879 und 17. Juni 1881, Erlasse des Ministers der öfentliden Arbeiten: vom 13. Juli 1881, betr. Sicherbeitékuppelungen an Eisenbahnfabrieugen : vom 13, Juli 1881, betr. Bere<nung der dem preußischen Fiskus iur Last fallenden geritlidben Schreibgebühren; vom 22, Juli 1881, betr. Gebührenfreibeit der für Rechnung des Staats verwalteten Eisecnbahnunternebmungen in gerictliden Angelegenbeiten; vom 22. Juli 1881, betr. Beschaffung der Eisenbahn-Postwagen; vom 27. Juli 1881, betr. Anträge auf Genebmigung von Tarifmaßnahmen in Eisenbahnverbänden; vom 27. Juli 1881, betr. Dienstwobnungen mit Repräsentationsräumen; vom 27. Juli 1881, betr. Abänderung bezw. Ergänzung des Reglements über die Prüfung der nit in Stations-, Erpeditions- oder Bureaudienst besbäftigten mittleren und niederen Staats-Eisenbabnbeamten. Nachrichten.

Das Centralblatt der Bauverwaltung, berausgegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten (Redaktion: O. Sarraün und H. Eggert), Jahrgang 1. Nr, 19 hat folgenden Inhalt: Amtliches: Personal-Nachrichten. Nichtamtliches: Versuche mit verschiedenen Arten von Brückenbelag. Beitrag zur gravhiscen Berechnung kon- tinuirliher Träger, Die medizinische Lebrinstitute der Universität in Halle a. S. (Fortsetzung.) Ueber die Widerstände dec Eisen-

bahn-Fahrzeuge in borizontalen Geleisen. Vermischtes: Zur Frage der afademischen Freizügigkeit auf den deutschen technischen Hoch- s{ulen. Denkmal des Großen Kurfürsten auf der Langen Brüe in Berlin. Deutsche Normalprofile für Walzeisen. Bau der Rheinbrücke bei Mainz. Der Krähberg-Tunnel. Verwendung der Fäkalstoffe als Brennmaterial. Bau der Forth-Brü>e. Ausgrabungen an der Stelle des alten Delpbi. Eisenbahnen in Griechenland. Badische Kunst- und Kunstgewerbe-Ausstellung in Karlsruhe. Büchershau. Rechtsprechung und Gesetzgebung.

Statistische Nachrichten.

Das soeben herausgegebene Juniheft der Statistik des Deutschen Reichs enthält eine Statistik der Anmusterungen von Vollmatrosen und unbefahrenen Sciffsjungen bet der Deutschen Handelsmarine im Jahre 1880. Die Erhebungen werden von den deutschen Seemannsämtern im Inlande angestellt und beziehen sih auf die Zahl der Anmusterungen und die Beträge der dur<s<nittli<cen Monatsheuern, bei den Schiffsjungen au auf das Alter und die Heimath derselben. Aehnliche Aufnahmen werden seit dem Jahre 1875 gemacht und haben vorzugsweise den Zwe>, den Klagen über den Mangel an Matrosen für die deutshe Handels- marine auf den Grund zu geben. :

Die für das Jahr 1880 ermittelten Daten lassen erkennen, daß folhe Klagen augenbli>li< wenig begründet sind. Die Zahl der An- musterungen war die höchste in der Reibe der verfloïsenen 6 Jahre, dagegen ist der Durchschnitt der bezahlten Monatsheuern ganz auf- fallend zurückgegangen, derselbe betrug im Jahre 1875 für Vollmatro- sen 56,36 und für Schiffsjungen 19,55 4, im Jahre 1880 für die ersteren 43 A. und die leßteren 15,06 A Aus diesen sehr niede- ren Löhnen ift zu \<ließen, daß cs an Angebot von Arbeitskräften für die deutsche Handelsmarine nit fehlt, und derselbe Schluß er- giebt sich, wenn die vermehrte Zahl der Anmusterungen gegenüber der Verminderung der Gesammtbesaßzung der deutschen Handelsmarine, die von 41 844 Mann am 1. Januar 1877 auf 39 660 Mann am 1, Januar 1881 zurücgegangen ift, in Betracht gezogen wird. Dieser Rückgang der Gesammtbesaßung gründet ih auf die Verwendung größerer Schiffe.

Nachdem im Märzheft der Statistik des Deutschen Reichs die definitiven Hauptergebnisje des Waaren verkehrs des Deu ts- schen Zollgebiets mit dem Auslande im Jahre 1880 bezüg- lich der Einfuhr und der Ausfuhr in übersichtliher Form mitgetheilt worden sind, veröffentlicht das soeben erschienene Juniheft eine Nach- weisung der unmittelbaren Durchfuhr dur< das Zollgebiet na< den Ländern der Herkunft und Bestimmung für das Jahr 1880. Da- bei ist zum leichteren Ueberbli> eine möglichst abgekfürzte Form ge- wählt, indem die Waaren nur na den Hauptabtheilungen des Zoll- tarifs aufgeführt und die Mengen unter den einheitliden Gewichts- maßstab gebracht sind. Die Summe der unmittelbaren Durchfuhr dur< das Zollgebiet belief si< hierna<h im Jahre 1880 auf 1823912 t 1000 kg) netto, und hierunter befanden si 855 559 Stück Vieh.

Unter den deutshen Gewerben nimmt die Tischlerei cine sehr hervorragende Stellung ein. Eine Veröffentlibung in dem fürzlich erschienenen Juniheft der vom Kaiserlichen ftatistisben Amt ber- aUsgegebenen Monatshefte zur Stotistik des Deutschen Reichs ergiebt, daß im Deutschen Reih am 1. Dezember 1875 123104 Tisch- lereibetriebde mit zusammen 230510 Personen vorhanden waren. Ganz überwiegend wird das Gewerbe handwerksmäßig betrieben; 64,2%/9 aller Tischlereien wurden ohne Gehölfen geführt, 17,6 % beschäftigten einen, 9,3% 2 und nur 8,9% 3 und mehr Gehülfen. Tischlerei-Großbetriebe mit mehr als 50 Personen wurden überhaupt nur 65 ermittelt. Jn allen Theilen des Reichs zeigte das Gewerbe einen erfreulichen Fortschritt. Im Jahre 1846 wurden nur 42,9, im Jahre 1861 dagegen 47,3 und im Jahre 1875 sogar 52,0 Tischler auf ‘je 10 000 Einwohner gezählt. Aehnlich ist die Zahl derselben an sich und im Verhältniß zur Bevölkerung in der Zeit vor 1846 ges stiegen, Zugleich gewann der durscnittlibe Umfang des einzelnen Betriebes an Ausdehnung. In Preußen kamen auf je cinen Meister în den Jahren 1810/11 0,59, 1819 gleicfalls 0,59, 1831 0,62, 1846 0,77, 1861 0,89 und 1875 0,86 Hülfspersonen. Ein erheblicher Einfluß der gewerberc{<tlihen Veränderungen auf diese Zahlen ift kaum zu erkennen. Nach Einführung der Gewerbefreibeit im Jahre 1810 trat zwar ein Stillstand in der Zunahme und nah Wiedercinführung derselben im Jahre 1869 sogar eine Abnabme der Gehülfenzahl gegenüber derjenigen der Meister ein; indeß hat auch die 1845 angeordnete und 1849 verschärfte Beschränkung der Gewerbe» freiheit eine ungewöhnliche Zunahme der Hülfspersonen nicht ver- anlaßt. .

Aehnlich wie die Zahl der Tischler ist aub die Zabl der Stell- macher und Korbmacher s<neller gestiegen als die Bevölkerung: da- gegen zeigt die Zabl der Böttcher, verglichen mit der Einwobner:abl seit 1846, einen entschiedenen Rückgang, welcher aber au in fast allen auswärtigen Staaten hervortritt und auf dem verminderten Gebrauche von Holzgefäßen beruhen dürfte.

„Snallposten“ zufolge haben \si< vom 1. Januar bis Ende Juli etwa 6000 Auswanderer in Malmö nab Amerika ein-

geschifft, eine Zahl, die die der früheren Iabre weit übersteigt. Ueber Gothenburg find während deffelben Zeitraumes 25 920 (Emi- granten, gegen 26510 im Jahre 1880 befördert. Vom 1. Januar bis Ende Juli 1877 wurden über Gothenburg 2182 Auswanderer ervedirt,

in den folgenden Jahren nahm die Zahl der Auswanderer jedo stetig Yy p)

zu, bis fie 1880 ibr Marimum erreichte.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Der Monatsberiht der Königlicb Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin für April 1881 (Berlin, Verlag der Königlichen Akademic

der Wissenschaften. In Kommission in Ferd. Dümmlers Verlagébubbandlung Harrwitz und Goßmann) hat folgenden Inhalt: Vahlen, Beiträge zur Berich- ti nz der (lezten de Provertius. Gefmann, I itràne ur Q ant niß des Coniins, Burmeister, Bericht über ein Skelet von Sceeli- dotherium leptocephalum. Wevl, Beobachtungen über Zusammen- sekung und Stoffwechsel des elektrishen Organs von Torpedo. Brandt, Untersuchungen an Radiolarien.

Gesety, betreffend das Pfandleihgewerbe, vom 17, rz 1881, Nebst Ausfübrungsvorschriften des Ministers des Innern, vom 16. Juli 1881, ift soeben in einer korrekten Ausgabe in R. von De>ters Verlag, Marquardt u. Schen> in Berlin, für den Preis von 15 4 erscienen.

Die vom Königlich Württembergischen statistis{-topogravbiscben Bureau berausgegebene Beschreibung des Oberamtes Ne>arsulm, deren Erscheinen wir bereits kurz mitgetheilt baben, entbält außer dem eigentlichen statistishen Inhalt auc eine Fülle bistoriscber Mitthei- lungen. Die keltishen Alterthümer, die nur no< in Fluß- und Orts- namen bestehen, die römischen in unzähligen Ueberbleibseln (lagen ja doch das rômische Castrum, der rômis<be Grenwwall da) und gleich dabei die germanischen, alemannisch-fränkishen Gräber, Hügel u. |. w., endlich die vielen berühmten Burgen der späteren Zeiten werden jeden Freund unserer Vorzeit anziehen und besonders, wenn alles so kundig gruppirt, erklärt und sauber vorgeführt wird. Die Naturschönheiten, der landschaftliche Charakter sind, bemerkt die „Cêln. Ztg.“, geradezu klassisb-deuts{ geschildert, Auf diesem Fle><ben Erde wirthschaftete

der Ritter Götz mit der eisernen Hand. Der östlihste Ort des Be- zirks im Jagstthal ist das freundliche Jagsthausen, das uns ja dur Goethe's Drama näber gerü>t ist, ein alter namenloser Rômerort. („I, ift ein Dorf und Sc{bloß an der Jagît u. #\. w.“) Goetbe war selber nie in I., dagegen s{i>te er 1809 einen Brief seines Sohnes an Frau von Stein über einen Auéflug von Heidelberg na< Heil- bronn, Jagsthausen-Scbönthal, und worin es heißt: „Jagastbausen liegt bezaubernd \{ôn, das Stammscbloß ist ganz so wie es ter