1881 / 216 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Herren entgegen und besihtigten alsdann unter Führung des Dir-ektors der Seewarte, Prof. Dr. Neumayer, und des Se- nators A. F. Herß die Ausstellung.

Der feierliche Akt der Einweihung der Deutschen Seewarte erreichte damit sein Ende.

Von der Deutschen Seewarte begaben Sich Se. Majestät auf der Glacis:Chaussee nah dem Heiligengeistfelde, woselbst 37 Kriegervereine aus Hamburg-Altona und der näheren Um- gegend Aufstellung genommen hatten. Das Ganze war in zwei Gliedern formirt. Die Vorstände standen vor der Mitte ihres Vereins, die Fahnen mit den Fahnenjunkern im Gliede am reten Flügel jedes Vereins, die beiden Kapellen am re<ten Flügel der Aufstellung. Vor der Mitte der ganzen Aufstellung hatten die Bevollmächtigten Stellung genommen.

Se. Majestät der Kaiser ließen hierselbst halten und wurden von dem Sprecher Hrn. J. F. W. Gerth und dem engeren Ausschu}se ehrfurchtsvoll bewilllommnet. Se. Majestät nahmen aus der Hand des Hrn. F. Holzapfel den Front- rapport entgegen und erkundigten Sih nah mehreren, in der Front stehenden, mit dem Eisernen Kreuze ges<hmüd>ten ehe- maligen Soldaten.

Von der Besichtigung der Kriegervereine begaben Sich Se. Majestät nah der Blumenausstellung des Gartenbauver- eins für Hamburg-Altona. Se. Majestät wurden hierselbst von dem Vorsißenden des Verwaltungsrathes, dem Konsul Laeisz empfangen und bei Jhrem Eintritt in die Halle mit einen: dreifachen Hoch begrüßt. Das großartige Blumen- und Pflanzenarrangement übte auf die Besucher einen Staunen erregerden Eindru> aus, der bei näherer Musterung Worte der Bewunderung unter den Beschauern hervorrief. Der Kaiser und die Kronprinzessin nahmen zwei prähtige Blumen- sträuße an; der Bcsu<h des Kaisers in der Ausstellung dauerte eine halbe Stunde.

Se. Majestät traten nunmehr Jhre Rundfahrt um die Außenalster an; die zu berührenden Straßen sind bereits gestern an dieser Stelle erwähnt worden. Der ganze Weg war auf das Herrlichste mit Triumphbögen und Blumenpyramiden geshmüd>t; unabsehbare Menshenmassen hatten sich hier ver- jammelt, während die weite Fläche des Alsterbe>ens mit zahl- losen, festlih ges{<müd>ten Böten der Ruderklubs bede>t waren, deren Mannschaften mit „Ruder hoh“ dem Kaiser ihren Salut darbrahten, um Sr. Majestät während der Rundfahrt das Geleite zu geben.

Um 2 Uhr kehrten Se. Majestät der Kaiser na< Altona zurü>, fuhren aber bereits gegen 31/» Uhr wieder nah Ham- burg, um der huldvollst angenommenen Einladung der Stadt Hamburg zum Diner Folge zu leisten. Se. Majestät nahmen hierbei zunächst denselben Weg wie am Morgen bis zum Damnithor und fuhr dann dur< die Dammthorstraße, über den neuen Gänsemarkt, wo das neue Lessingdenkmal die Auf- merksamkeit fesselte, über den neuen Jungfernstieg, die Lombards- brüd>e, den Alsterdamm, den alten Jungfernstieg nah den großen Blei>ten, woselbst im Jenishshen Hause das Festmahl stattfand.

Beim Einfahren in den Ehrenhof begrüßten den Kaiser die Tône der Volkshymne:.

Von den beiden Bürgermeistern der Stadt Hamburg ehr- fur<tsvoll empfangen, wurdeg Se. Majestät nah dem, ersten Stocwerk geleitet, woselbst Ä den Sälen das Diner Zervirt war. An der vornehmsten Tafel nahmen der Kaiser Plaß; re><ts saßen die Kronprinzessin, der Großherzog von Me>len- burg -: S&werin und der Prinz Wilhelm; links der Kronprinz und der Prinz Albre<t. Die Pläße gegenüber Sr. Majestät hatten die drei Vürgermeister Dr. Kirhenpauer, Weber und Dr. Petersen inne.

Während der Tafel brate der erste regierende Bürger- meister Dr. Kirhenpauer den Trinkspru< auf Se. Majestät den Kaiser und König aus; die Gesellschast stimmte begeistert in das Ho ein und böôrte den ersten Vers der Volkshymne

1eDend

der Kaiser und König dankten für das n Worte nur das wiederholten, was Aller- n und beute in Hamburg gefunden: treue An- zanglidteit an Kaiser und Reih. Se. Majestät hofften, daß diese Gef ng immer dicselbe bleiben möge, von Generation

zu Generati freundlichen Empfang bereitet habe; Sie ie gefunden, und der die Bürgerschaft zu geben verstanden habe.

ig {lossen mit einem Hoh

nen Se. Majestät der Kaiser ee cin und hielten Cercle.

Se. M von der

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ein gltiges in segnen möge.

„B.“ liegen ferner folgende Meltungen vor :

14. September, Abends. Nachdem Se. Majestät

mburg bierter zurüdgekehrt waren, begaben

iviejelben gegen 7 Uhr nah dem Bahnhofe, wo

zt von den Spitzen der Behö:den verab-

a 7 Uber setz fic der Zug, begleitet von lauten eriammelten Mens&enmenge, in Beweguna.

fié niht nehmen lassen, Sr. Majestät

ér von Hamburg dur< eine

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d. < I R 0 e a0 j „Elbe“ und auperten Sich etwa dahin, daß die | ort passirt,

| Moabit

Der Bahnhof war |

séhbar, und es herrshte große auscióas Begeisterung. Se. Maiestät, sihtlih überrascht, dankten huldvoll nach allen Seiten. Auf den Höhen und Marschdeihen brennen Freudenfeuer.

Jthehoe, 15. September. Troß der gestrigen An- strengungen stiegen Se. Majestät der Kaiser heute früh wie- der zu Pferde, um Sich zu dem Feldmanöver der 17. Divi- sion (Wartensleben) gegen die 18. Division (Lüderiß) zu be- geben, welches in dem Terrain zwischen Jßehoe und Hanerau stattfindet. Jhre Kaiserlihen und Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin sowie Se. Königliche Hoheit der Prinz Wilhelm begaben Sich ebenfalls in das Manóöverterrain.

- Von dem Chef der Marinestation der Ostsee, Vize- Admiral Batsch, ist jeßt, wie die „Kieler Zeitung“ meldet, die Zeiteintheilung des Kaiser-Manövers fesigestelt. Am 16. September liegt das Uebungsgeshwader unter Bellevue. Von 2 Uhr Nachmittags wird es über die Toppen flaggen, desgleichen die Schiffe „Arkona“, „Niobe“, „Nymphe“, „Rover“, „Undine“, „Bayern“, „Carola“, „Zieten“ und „Basilisk“, welhe an den Bojen 9 bis 5 bezw. an der Werft liegen. Se. Majestät der Kaiser treffen um 6 Uhr 10 Minuten hier ein. Die Schiffe des Geschwaders, sowie „Arkona“, „Niobe“ und „Nymphe“ feuern einen Salut von 33 Schuß, sobald die Kaiserlihe Standarte auf dem Schlosse aufgeht. Die anwesenden fremden Kriegsschiffe ankern an der Dstseite des Hafens zwishen Mönkeberg und Diedrichsdorf. Abends wird auf ein weißes FaŒel- feuer:Signal von Bellevue aus das Geshwader auf den Raane>en, den Mastknöpfen und den Regelings Coston- lihter abbrennen. Am 17. September, 7 Uhr Morgens, lihtet das Geschwader Anker und geht na< der Strander Bucht. Eine halbe Stunde früher sind bercits die Dampfer zum Freihalten des Manöverterrains auf ihre Stationen ge- gangen. 8 Uhr 30 Minuten verläßt „Hohenzollern“ das Boll- werk am Schuhmacherthor und dampst mit 10 Seemeilen Durchschnittsfahrt na< See. Um 9 Uhr passirt die Yacht Friedri<8ort. Um 9 Uhr 15 Minuten stoppt „Hohenzollern“ circa 500 Meter vom Flaggschiffe. Das Geschwader salutirt und paradirt. Dann wird vom „Hohenzollern“ das Signal gegeben: „Jn See gehen“. Das Geschwader verläßt darauf in Kiellime re<ts rangirt die Strander Bucht und geht mit Rordost zu Nordkurs und neun Seemei- len Fahrt in See. Während „Hohenzollern“ das Ge- \{<wader begleitet, werden verschiedene Evolutionen ausge- führt. Um 10 Uhr 30 Minuten stoppt das Geschwader zwischen Boje A. und B., außerhalb des Feuers der Forts. Der Geschwader-Chef begiebt si< von Bord der „Hohen- zollern“ an Bord des Flaggshiffs. Das Geschwader seßt alle Boote aus und armirt dicselben und geht, gefolgt von den Booten im Tau der Dampf-Pinassen langsam gegen die Werke vor. Auf 2500 m Entfernung Eröffnung des Feuers. Inzwischen hat „Hohenzollern“ zwishen Boje C. und D. Anker geworfen und „Blücher“ is mit den Dampfboten nah Friedrihsort gegangen. 11 Uhr 30 Minuten wirst das Geschwader Anker. Unter dem Schuße sein s Feuers, welches. von der Fung Friedrihsort nur „wenig er- widert * ist, landen di Boote nördli<h von Ff Falken- stein und formiren das Landungs-Corps. Leßteres geht, na<hdem die Landungsgeshüße den Angriff vorb-reitet, zum Sturm auf Fort Falkenstein vor und nimmt das Werk. Jn- zwischen ist an Bord des „Hohenzollern“ von 12—121/, Übr das Frühstü> eingenommen. Sobald drei Hurrahs als Zeichen des gelungenen Sturmes gegeben, begiebt si „Hohen- zollern“ zu den Vertheidigungékräften. S. M. S. „Blücher“ liegt an der östlihen Boje bei Friedrihsort, 4 torpedoarmirte Pinafsen und 4 Fangboote beim Torpedo-Schießstand daselbst. Südwestlih von Friedrihsort sind zwei Torpedoschziben ver- ankert, nördli< von den Deviationsbojen liegt der Hulk

verankert. Nachdem „Hohenzollern“ Friedrichs- rt, macht es an der Boje auf dem Minen- terrain fest. Die Kommandeure der Matrosen-Division und Matrosen: Artillerie-Abtheilung melden \ih bei Sr. Majestät an Bord der „Hohenzolle:n“. Inzwischen hat das

1 c1erDe Di ! s | Minen-Detachement die verankerten Prähme u. \. w. besett. Se. Majestät seien immer mit Vergnügen | ) s Ér: Hor ha: E 9 9 f d , . getemmen, das Allerhöcftihnen au< heute | rend eine Mine längsseit der „Hohenzollern“ vorgezeigt wird. Uen S } PeS YAVE, Se | Auf Signal-Flagge H von „Hohenzollern“ s{leppt eine Pinasse nigen Dank aus, ebenso wie für die | S. M. S. „Bayern“ das Voot mit den Sprengkabeln an | Bord des

Es werden at Minen gelegt, gesplißt und verbunden, wäh-

„Hohenzollern“, Einige Minuten vor 1 Uhr wird dann die Sprengung eines ausrangicten alten Ruderkanonen- boots dur< Se. Majestät den Kaiser erfolgen. Alsdann be- ginnen die Torpedo:Schießübungen. Auf Signal-Stander Z des „Hohenzollern“ giebt „Blücher“ das Signal zum Vor- gehen der Boote. Die Boote bewegen \i<h in 2 Divisionen geaen die Scheiben und lanciren die Torpedos dicht bei der „Hohenzollern“. „Blücher“ dampft in die Angriffsrichtung und feuert scharf gegen „Elbe“. „Blücher“ zeigt „Hohenzollern“ nah der Sprengung dur< Flagge I an, daß das Manóöverterrain frei ist. Um 1 Uhr hat das Geschwader die Anker gelichtet und die Kieilinie re<ts formirt. Es passirt die „Hohen- zollern“ glei na< der Torpedoexplosion gegen „Elbe“, bringt 3 Hurrahs aus den Wanten und mat an den Bojen fest. „Srille“ anfert zwischen Geshwader und dem westlihen Ufer na< Anweisung des Geschwader-Chefs. ratirt, sobald „Hohenzollern“ passirt. Um 1 Uhr 45 Minuten dawpst „Hohenzollern“ auf Signal: Flagge I des „Blücher“, zur Besichtigung des Schlußeffekis und dann direkt nah Kiel, wojelbst dieselbe am Bollwerk des Schuhmacherthor festmacht.

Die Einweihung resp. Uebergabe des neuen in belegenen Geshäftsgebäudes des Land- gerichts 1, Berlin an den Präßfidenten des Landgerichts 1.

September, Abent4. Die Einwohnerschaft | Seitens des Zuftiz-Ministers Dr. Friedberg im Auftrage der Í ä la

Königlichen Staatsregierung wird in feierliher Weise am Frei- tag, den 16. d. Vits., im kleinen S<hwurgerihtssaal des ge- dachten Gebäudes, Vormittags 11 Uhr, stattfinden.

: Na ver im Reihs-Eisenbahn-Amt aufgestellten, in der Ersten Beilage veröffentlichten Nachweisung der auf

| deuts<hen Eisenbahnen autshließli<h Bayerns im

Vonat Juli d. J. beim Eisenbahnbetriebe (mit Aus- {luß der Werkstätten) vorgekommenen Unfälle waren im Ganzen zu verzeihnen: 7 Entgleisungen und 5 Zusammen:

stôße auf freier Bahn, 29 Entgleisungen und 15 Zusammenstöße |

in Stationen und 129 sonstige Unfälle (Uebersahren von Fuhrwerklen, Feuer im Zuge, Kessel-Explosionen und andere Betrieb4-Ereignisse, wobei Personen getödtet oder verleßt

worden sind).

Bei diesen Unfällen sind im Ganzen, und zwar größten- |

|

|

theils dur< eigenes Verschulden, 135 sowie 58 Eisenbahnfahrzeuge erhebli<h und 88 unerhebli< beshädigt. Es wurden von den 19 150 077 überhaupt beför- derten Reisenden 4 getödtet, 7 verlegt (davon entfallen 2 Tödtungen und 1 Verleßung auf die Württembergischen Staats-Eisenbahnen, 1 Tödtung und 2 Verleßungen auf die Bahnstre>en im Verwaltungsbezirke der Königlichen Eisen- bahn: Direktion Berlin, 1 Tödtung auf die Main-Ne>&ar- bahn, 2 Verleßungen auf die Bergish-Märkische Eisenbahn und je 1 Verleßung auf die Badischen Staats-Eisenbahnen und die Bahnstre>en im Verwaltungsbezirke der Königlichen Eisenbahn-Direktion Magdeburg); von Bahnbeamten und Ar- beitern im Dienst beim eigentlichen Eisenbahnbetriebe 14 ge- tödtet und 44 verlegt und bei Nebenbeschäftigungen 27 ver- lest; von Post-, Steuer- 2c. Beamten 1 verleßt; von frem- den Personen (einshließli<h der ni<t im Dienst befindlichen Bahnbeamten und Arbeiter) 17 getödtet und 5 verleßt, sowie bei Selbstmordversuchen 13 Personen getödtet und 3 verleßt,

Von den sämmtlichen Verunglü>ungen mit Ausschluß der Selbstmorde entfallen auf :

A. Staatsbahnen und unter Staatsverwal- tung stehende Bahnen (bei zusammen 21 847 km Be- triebslänge und 530 459 289 geförderten Achskilometern) 105 Fälle, darunter die größte Anzahl auf die Bahnstre>en im Verwaltungsbezirke der Königlichen Eisenbahn-Direktion zu Cöln [rehtsrheinische] (16), der Königlichen Eisenbahn-Direk- tion Berlin (15) und die Oberschlesishe Eisenbahn (15); verhältnißmäßig, d. h. unter Berücksichtigung der geför- derten Achskilometer und der im Betriebe gewesenen Längen sind jedoch auf der Main-Ne>arbahn, der Oberschlesischen Eisen- bahn und den Bahnstre>en im Verwaltungsbezirke der König- lihen Eisenbahn-Direktion Cöln (re<tsrheinische), die meisten Verunglü>ungen vorgekommen.

B. Größere Privatbahnen mit je über 150 km Betriebslänge (bei zusammen 5856 km Betriebslänge und 96 372 096 geförderten Achskilometern) 13 Fälle, darunter die größte Anzabl auf die Breslau-Schweidnißz-Freiburger Eisenbahn (3), die Rechte-Oder-:Ufer-:Bahn (3) und die Braun- shweigische Eisenbahn (2); verhältnißmäßig sind jedo auf der Dels:Gnesencr, der Breslau-Schw:idniß-Freiburger und der Rechte:Oder-Ufer-Eisenbahn die meisten Verunglü>un- gen vorgekommen.

C. Kleinere Privatbahnen mit je unter 150 km Betriebslänge (bei zusammen 1118 km Betriebs!änge und 7 766 736 geförderten Achskilometern) 1 Fall und zwar auf der Unterelbeschen Eisenbahn.

Der unterm 26. v. M. in Nr. 199 des „N.- u. St.-A.“ bekannt gemachte Termin für die Anmeldungen zu der in South Kensington, London, vom 24. Oktober bis 26. November d. F. stattfindenden internationalen Aus- stellung von Rauch verhindernden Apparaten

und Vorrichtungen ist bis Ende September d. A verlängert worden.

Der zuständige Standesbeamte, welcher einen anderen Standesbeamten zur Eheschließung zwishen zwei Personen \chriftli< ermächtigt und dabei das Vorhandensein eines die Eheschließung, hindernden Umstandes übersehen hat, ist, na< einem Urtheil des Reichsgerichts, 11. Strafs., vom 14. Juni d. F, deshalb strafbar, nicht aber der ermäch- tigte Standesbeamte, welhem jenes Hinderniß bei der Voll- ziehung der Ehe unbekannt war.

S. M. S. „Victoria“, 10 Geschüße, Kommandant Korvettenkapitän Valois, ist am 16. August cr. in Rio de Janeiro eingetroffen und beabsichtiate am 3. September cr. nah Bahia in See zu gehen.

Kiel, 14, September. (W. T. B.) Jhre Majestät die Königin und Se. Königliche Hoheit der Kron- prinz von Shweden treffen morgen früh mit dem Extra- dampfer „Skirner“ von Korsör hier ein und reisen um 71/9 Uhr mit direktem Extrazuge nah Frankfurt a. M. weiter. Se. Majestat der König von Shweden kommt mit den Prinzen Eugen und Karl am 18. d. M, Morgens 4 Uhr auf der Korvette „Balden“ hier an, wird hier von dem Hofstaat des Kronprinzen und den s{hwedis<hen Offizieren er- wartet und geht dann mit einem Gefolge von 30 Personen gleihfalls nah Frankfurt a. M.

Hannover, 13. September. Die Allerhöchste Ordre, welhe Se. Majestät der Kaiser nah Beendigung der Mannöver an den kommandirenden General des X. Armee-

Personen verunglü>t,

| Corps, Prinzen Albrecht, Königliche Hoheit, gerichtet | haben, lautet nah dem „Hann. C.“ wie folgt:

„Es gerei<t Mir zur lebhaften Befriedigung und besonderen Freude, Ew. Königlichen Hoheit bei Beendigung der diesjährigen großen Herbstübungen des X. Armee-Corps Meine vollständige Zu- friedenheit sowohl init der Anlage und Leitung der Uebungen, wie mit dem Zustande der Truppen ausspre<hen zu können. Der sehr günstige Cindru>, den Mir das Corps an dem Paradetage machte, hat si bei den folgenden Manövertagen durchaus und in jeder Hin- sicht bestätigt, und Jh scheide heute von dem X. Armee-Corps mit

| der freudigen Ueberzeugung, daß sich dasselbe in einem sehr lobens-

D 1 | werthen, jeder Aufgabe geroachsenen Zustande befindet. Vas Geschwader pa-

Nachdem Ew. Königliche Hoheit das Armee-Corps jetzt fast 8 Jahre kommandiren, sprecen diese günstigen Resultate zunächst zu Meiner lebhaften Freude für Ew. Königliche Hoheit persönliche verdienstlihe Einwirkung und bestätigen Mir die Erfüllung der günstigen Erwartungen, mit denen Ich Ihnen dieses wichtige Kommando übertrug. I< sprebe Ew. Königlichen Hoheit Meinen warmen Dank hierfür aus und I< wünsche sowohl Meiner Anerkennung, wie insbesondere aub Meiner Befriedigung über Ew. Königlichen Hoheit angemessene Stellung zu den Truppen und zu der Provinz dadur< no< besonderen Auëdru> zu geben, daß Ih Sie hierdur< zum Chef des Hannover- {en Füsilier-Regiments Nr. 73 ernenne, Zugleih beauftrage Ich Ew. Königliche Hoheit, den sämmtlihen Generälen, Negiments- (Commandeuren und Offizieren Meinen herzlichen Dank für die Hin- gebung und die erfolgreihe Thätigkeit auszusprechen, mit welcer sie die Autbildung der Truppen geleitet haben, au< den Mannschaften Meine Zufriedenheit mit ihren Leistungen zu erkennen zu geben und die aus den Anlagen ersihtlihen Beförderungen und sonstigen Gnadenbeweise bekannt zu machen. Ueber die Ausführung der Feld- maänôver behalte J< Mir no< vor, Ihnen meine spezielle Beurthei- lung zugehen zu lassen, den 7,

Hannover, September 1881,

Wilhelm,

Württemberg. Schloß Friedrichshafen, 12. Sep- tember. Der Großfürst und die Großfürstin Michael von Rußland mit ihrem Sohne, dem Großfürsten Michael, sind heute Vormittag wieder von hier abgereist.

Baden. Baden-Baden, 14. September. (W. T. B.) hre Majestät die Kaiserin traf, von Coblenz kommend, mittelst Extrazuges heute Abend 10!/, Uhr glü>li<h in Oos ein und fuhr von dort, begleitet von einer Hofdame, in einer Equipage nah Baden-Baden, wo die Ankunft um 10/, Uhr erfolgte. Fhre Majestät stieg im Meßmerschen Hause ab.

Elsaß- Lothringen. Straßburg, 14. September. (W. T. B.) Die „Elsaß-Lothringische Zeitung“ is gegenüber der Mittheilung mehrerer Blätter, daß der Kaiser- lihe Statthalter angeordnet habe, als Lehrer der philo- logis<hen Fächer an den Lehranstalten Elsaß-Lothringens fortan nur Katholiken zuzulassen, zu der Erklärung ermächtigt, daß irgend eine derartige Verfügung Seitens des Statthalters niht ergangen sei.

Hesterreich -: Ungarn. Wien, 13. September. Der Herzog Karl Theodor in Bayern und Gemahlin sind heute von München in Wien eingetroffen. Der Fürst Milan und die Fürstin Natalie von Serbien sind heute Nachmittags von Wien no<h Belgrad abgereist. :

Aus Onod, den 11. d, M., wird der „Wien. Z.“ gemeldet : : :

„Während der beiden leßten Tage wurde die Auswaggonirung der zu den beiden Manövern bestimmten Infanterietruppen unter dem Schutze der beiderseits bis an den Sajó vordisponirten Kavallerie- Divisionen durchgeführt, und heute sind sämmtliche Truppen in engen Kantonirungen untergebracht. Die im Aufflärungsdienste verwendete Kavallerie hat große Stre>en durzogen und aufgeklärt, wobei sie an vielen Punkten den gegenwärtig einen besonders hohen Wasserstand aufweisenden Sajöfluß theils dur<furthen, theils dur<s{wimmen und mehrere mit dichtem Schilfe bewachsene, morastige Stre>en passiren mußte. Die Kavallerie hat bei dieser Gelegenheit vielfa die blanke Waffe zur Anwendung, oder, indem sie absaß, das Feuergefe<ht zur Darstellung gebracht und in einzelnen Episoden Beweise eter Reitertüchtigkeit geliefert. Wenn si< die Führung im Großen bei aller Energie in der Durchführung der gestellten Aufgaben dur< weises Maßhalten in Verwendung der zu Gebote stehenden Kräfte auszeihnete und die Corps-Kommandanten nach zweitägigem Eclairiren für die Momente der Entscheidung voll auf ihre Kavallerie re<nen können, so haben andererseits die Kommandanten auch kleiner Abtheilungen jenen Grad selbständiger Initiative an den Tag gelegt, welcher der Reiterei vollen Erfolg in dem für die Aktion wichtigen, ja oft entscheidenden Nach- rihten- und Sicherheitsdienste verbürgt. Mit den Trupven der gemein- samen Armee stehen seit gestern Abtheilungen der K. ungarischen Land- wehr in innigem taktishen Verbande. Der Organisation der ge- sammten Wehrkraft entsprechend, bilden die Landwehren beider Hälften der Monarchie gesezmäßig einen integrirenden Theil der operativen Armee. In dieser Eigenschaft sind zwei Infanterie-Divisionen und eine Kavallerie-Brigade der Landwehr bei den manövrirenden Armee- Corps eingetheilt. Die bewährtesten Generale der ungarischen Land- wehr, vor Allem deren Oberkommandant, der Erzherzog Joseph, fördern das Zusammenwirken der Landwehr mit dem stehen- den Heere - und die Pflege e<t fkameradschaftliber Be- ziehungen zwischen beiden Theilen der Armee. Diese Intentionen der leitenden Persönlichkeiten finden bei Offizieren und Truppen auf beiden Seiten lebhaften Widerhall. Dank der Vorsorge für die Verpflegung und die sanitären Verhältnisse der Truppen find bisher wenig Klagen zu verzeichnen, und wo sie auftauhten, waren sie meist durch das hierzulande no< immer nicht beseitigte Unwesen der Sub- unternehmer verschuldet, wel<he übrigens in den fonstatirten Fällen mit rücsihtsloser Energie zum Ersatze verhalten wurden. Die Gesund- beitsverhältnisse sind troß feuhtwarmer Witterung normal, und eine wesentlice Steigerung der Krankenprocente ist Dank der Sorgfalt, welche gerade diesem Zweige gewidmet wird, nicht zu befürchten.“

15, September. Die amtliche „Wiener Zeitung“ ver- öffentliht die Ernennung des Grafen Richard Velcredi zum Präsidenten des Verwaltungsgerichtshofes.

Agram, 13. September. (W. Z.) Die Wahlen aller drei Bezirke von Agram ergaben große Majoritäten für die Regierung. Jm ersten Bezirke war das Stimmenverhältniß 444 gegen 64, im zweiten 458 gegen 136, im dritten 290 gegen 35.

Schweiz. Bern, 14. September. (W. T. B.) Der Gemeinderath der Stadt Bern hat beschlossen, an den Regierungsrath des Kantons ein Gesu<h um Erlaß eines Verbots des internationalen Sozialistenkon- gresses zu richten.

GroßSbritannien und Jrlaud. temter. (W. T. B.) gen gestorben. ;

(Allo. Corr.) Ein amtliches Telegramm aus Simla meldete, daß Abdurrahman die Vorsch.äge Eju bs verworfen habe und auf seinem Vormarsche am 8. d. M. in Robat, 20 Meilen von Kandahar angelangt und möglicher- weise bereits mit Ejub zusamme ngestoßen sei. Der „Times“ zufolge proponirte Ejub dem Emir folgende Theilung Afghanistans: Kabul jollte Jakub Khan, Kandahar einem anderen Chef, Kuram einen dritten, Turkestan dem Emir gehören, und Ejub selber sollte Herat behalten. Nachdem diese Theilung bewerkstelligt worden, sollten sämmtliche Chefs sich vereinigen, um die Engländer aus Chaman und Pischin zu vertreiben. Abdurrahman scheint es gelungen zu sein, die Ghilzais zu bewegen, si< ihm anzuschließen und gegen die Duranis, welche für Ejub Partei genommen, aufzuwiegeln. Ejub verfügt über ein 4000 Mann starkes Heer, während der Emir wahrscheinlih niht weniger als 5000 Mann regulärer Truppen besißt. Jn Kandahar herrscht große Besorgniß, weil man den Fall der Stadt und ihre Plünderung durch die Truppen des Emirs erwartet. A

Das Jndische Amt hat vom Vizekönig folgende Depesche erhalten: Sir John berichtet aus Khojak vom 12, ds., daß der Emir Abdurrahman am 10. ds. im Bandi-i- Bakirah, aht Meilen osisüdwestli<h von Kandahar, kampirte. Schießen wurde in der Richtung von Kandahar gegen Mittag am 10, ds. und von Morgens bis 4 Uhr Nachmittags am 11, ds, gehört. Die na< Kandahar führende Straße ist gesperrt.

Frankreich. Toulon, 14. September. (W. T. B.) Zwei Bataillone Jnfanterie und 2Batterien haben ih heute nah Tunis eingeschifft. Fm Arsenal herrscht große Thätigkeit mit Nücksiht auf die großen, nahe bevorstehenden Truppentransporte. Das Geschwader im Golfe von San Aan erhielt Ordre, sih bereit zu halten, um auf das erste

ignal auszulaufen,

Griechenland. Athen, 13. September. (Pest. L.) Trikala, Punta und Larissa, also sämmtilihe Haupt-

London, 14. Sep: General Lord Airey ist heute Mor-

orte des zu zedirenden thessalis<hen und epirotishen Gebietes sind bereits von den Türken geräumt. Es hat nur no die Ucberaabe von Volo zu geschehen, die vertragsmäßig nah zwei Monaten stattfinden wird.

_ Türkei. Bagdad, im September. (Wien. Z.) Mansur Pascha, Falih Pasha und Fetih Pascha, die Führer dér meute- rishen Montefik-Stämme, haben ihre Unterwerfung er- klärt, so daß dieser Aufstand als völlig pazifizirt anzusehen ist. Auch andere Stämme des Schetre-Distriktes, die sih cleicfalls erhoben hatten, fündigten nah dem siegreihen Vordringen des Chef-Kommandanten Jzzet Pasha bis Kalat-ul-Sekre ihre Unterwerfung an. Die Pforte hat nun die Anwendung der allerstrengsten Maßnahmen, wie Landesverweisung, starke Geldkontributionen u. \. w., gegen die rebellishen Stämme angecrdnet.

Numänien. Bukarest, 12. September. (Wien. Z.) Die Pforte hat neuerdings in der Angelegenheit der 1864 in Rumänien kularisirten Kirhengüter eine Circular- note an die Mächte gerichtet, in welcher sie die guten Dienste der Letteren in Anspru<h nimmt. Die rumänische Regierung hat, gestüßt auf das Votum der Kammer vom 26. Januar d. 3., das neue Ansinnen der Türkei in entschiedener Weise abgelehnt.

Bulgarien. Sofia, 13. September. (Prag. Abltt.) An- läßlih der Namensfeier unterzeichnete der Fürst mehre De- krete. Das cine proklamirt vollständige Amnestie für die vor und na dem 9. Mai, dem Tage der Proklamation des Fürsten, begangenen politishen Vergehen und Verbrechen. Ein zweites hebt die außerordertlihen militärishen Kommissäre auf. Ein drittes mindert herab oder verwandelt die Strafen verschiede- ner wegen gemeiner Verbrechen und Vergehen Veruriheilten.

Amerika. Long-Branc<, 14. September, früh. (W. T. B.) Nach dem neuesten Bulletin über das Be- finden des Präsidenten ist die Wundheilung günstig fortshreitend, der allgemeine Zustand des Kranken befriedi- gend; Vuls 100, Temperatur 98,04, Respiration 20. Dr. Bliß erklärt die Befürchtung einer Eiterbildung in der Lunge für beseitigt; er ist überzeugt, daß die Kugel jeßt völlig ein- gesa>t sei. Gestern Abend 101/, Uhr {lief der Präsident ruhig. Keine Fiebersymptome.

14. September, Vormittags. (W. T. B.) Nach dem Bulletin von heute Morgen 81/5 Uhr verbrachte Präsident Garfield die Nacht gut und s{hlief genügend. Heute be- findet sih derselbe munter und heiter und ißt Früchte mit Appetit. Puls 100, Temperatur 98,04, Respiration 19.

New-York, 14. September. (W. T. B.) Der Gouver- neur von New-Orleans berief die Miliz zur Aufrecht- erhaltung der öffentlihen Ordnung, wel<he durh die strikenden Baumwollarbeiter gestört ist. —- Die Waldbrände im Norden und Nordwesten von Ontario dauern fort. Jm Distrikte Parry-Sound is Holz im Werthe von ca. 1 Million Dollars verbrannt. General Burnside ist gestorben.

Süd-Amerika. Rio de Janeiro, 24. August. (Allg. Corr.) Der Kaiser wird am 28. d. M. die Westminster- Eisenbahn eröffnen. Oberst Latorre, dessen sofortige Jn- ternirung am 15. d. angeordnet wurde, ist nah Uruguay ge- flüchtet. Zweihundert Mann Truppen kamen in zwei Ab- theilungen aus Argentinien an, und am 21. fand ein Schar- müyßel mit Latorre statt, welher Tacuarembo beseßt hält.

Buenos Ayres, 15. August. (Allg. Corr.) Der argentinische Grenzvertrag wurde am 11. d. dem Präsidenten von Chile übergeben, welcher denselben dem chilc- nishen Kongresse unterbreiten wird. Der Vertrag liegt gegenwärtig dem argentinishen Kongresse vor. Der Geseßz- entwurf, welcher den Zwangscours des Papiergeldes aufhebt, wurde gestern von der Abgeordnetenkammer ange- nommen und geht jet an den Senat.

Valparaiso, 17. August. (Allg. Corr.) Der pata- gonisheGrenzvertrag ist dem Kongresse überreicht worden. Die Stellung der Chilenen in Peru gestaltet si< zu einer schwierigen. Die Guerillas werden immer kühner und haben im Verein mit den Bolivianern die Chilenen mit Verlust aus Canete vertrieben.

Afrika. Egypten. Jm Reuters(en Bureau sind über die Krisis in Egypten folgende weitere Telegramme eingegangen :

Kairo, 12. September, 19 Uhr Morgens. Die Unterhandlun- gen zwischen Cherif Pascha und den mißvergnügten Offizieren nehmen ihren Fortgang. Man erwartet, das Ergebniß werde beute Abend oder morgen bekannt werden. Das 2. Regiment hat seinen Obersten, vier Bataillonschefs, den Adjutanten und den Major abgesetzt, weil sie die Bewegung mißbilligten. Man glaubt, diese Offiziere forder- ten die Mannschaften auf, mit ihnen gemeinscaftlih zu handeln, wenn sie wünschten, das Land vor einer fremden Ofkkupation zu bewahren.

4 Uhr Nachmittags. Die energisben Anstrengungen von Cherif Pascha und Mr. Calvin, eine befriedigende Lösung zu vereinbaren, welche dazu beitragen dürfte, das Vertrauen wieder herzustellen, macben, wie geglaubt wird, befriedigende Fortschritte. Falls die vers{iedenen Regimenter nicht einwilligen, sih unverzüglich von Kairo nach ent- fernten Punkten im Innern znrückßzuzieten, die er selber bezeibnen wird, wird Cherif Pascha die Leitung der Angelegenheiten in keiner Form übernehmen. Die meuterishen Offiziere sehen allmähli< den Ernst ihrer Lage ein und sind begierig, Mittel ausfindig zu macben, um sich der ernsten Gefahr, in welche sie hineingerathen sind, zu entziehen, und man glaubt, daß sie die Forderungen Cherifs annehmen werden. Cherif Pascha wird indeß ein Amt nicht annehmen, selbst wenn die Regimenter cinwilligen, sih zurü>zuziehen, ohne die förmlichen Ver- sicherungen des Vertrauens der englischen und französischen Regierung empfangen zu haben. Mangels an Information über das Verfahren, welches die beiden Mächte und die Pforte eins{lagen werden, zieht Gherif Pascha nur mit Wideritreben und auf das dringende Ansuchen der Vertreter Englands und Frankreihs im Interesse der Aufrecht- erhaltung der Ordnung den Vorschlag in Betracht, in dieser Krisis in irgend einer Form zu interveniren. _

8 Uhr 40 Min. Abends. Die Lage ift ernst geworden und der Zustand der Dinge hat innerhalb der leyten zwei Stunden eine voll- ständige Veränderung erfahren. Die Vffiziere haben si geweigert, irgend wel<he Bedingungen anzunehmen, Falls nicht zuerst die in ihren früheren Forderungen enthaltenen drei Punkte zugestanden werden. Cherif Ma hat \si< nunmehr bestimmt geweigert, die Bildung eines Ministeriums zu versuhen, und is von den Unterhandlungen mit den Offizieren zurückgetreten. Der eng- englische Generalcontroleur hat es cbenfalls abgelehnt, fernerhin den Vermittler zu spielen. Die Offiziere prahlen damit, daß sie von 80000 Beduinen unterstützt werden würden. Es heißt, daß die in Kairo eingetroffenen Notabeln die sofortige Einberufung der Nota- belnversammlung verlangen werden, Die Bemühungen des britischen Konsularverwesers Cookson sowie des französishen Generalkonsuls werden si< auf die Aufrechterhaltung der Vrdnung beschränken.

Ein Telegramm des „Standard“ aus Alerandrien vom 12. Abends meldet: Aus Kairo wird heute Abend gemeldet,

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daß die Obersien si< nah Europa begeben werden und morgen oder übermorgen die Bildung eines neuen Ministeriums angezeigt werden würde. Ein britisches Geschwader wird in Alexandrien erwartet.

Aus dem Wolffschen Telegraphen-Bureau.

Kiel, Donnerstag, 15. September. Die Königin, der Kronprinz und Prinz Karl von Schweden sind in der ver- gangenen Nacht mit dem Dampfer „Skirner“ von Korsör hier eingetroffen und um 7 Uhr 40 Minuten mittelst Extra- zuges nah Frankfurt a. M. weitergereist. Bei der Ankunft sowie bei der Abreise der Hohen Herrschaften waren die Spitzen der Civilbehörden anwesend. Die russishe Fregatte „Swetlana“ ist heute von hier nah Kronstadt in See gegangen.

Washington, Donnerstag, 15. September. Eine offi- zielle Depesche von gestern Abend meldet: Die Aerzte fkonsta- tiren eine leihte Besserung im Befinden des Präsidenten Gar- field. Das Wetter ist nicht sehr günstig.

Kunft, Wissenschaft und Literatur.

Von dem Pradtwerk „Indien in Wort und Bild“ von Emil v. S{blagintweit (Leipzig, Heinr. Schmidt und Carl Günther) sind die Lieferungen 31 bis 35 verausgabt worden. ie enthalten die Scwilderung des steppenreichen Landes Radschupatana, des wilden Gudscherat und des umfangreichen Pandschab. Der interessante von dem Verfasser meisterhaft verarbeitete Stoff, den diese Schilderungen enthalten, fesselt die Aufmerksamkeit des Lesers ebenso sehr wie die beigege- benen Abbildungen der phantastishen und großartigen indisben Bau- werke: so der Palast Mân Singh's in Gwalior, der Palast von Birsing Deo in Datiah, der beilige Hügel Sunagiri, der Thorweg in Santschi, sämmtlich in Centralindien, der Tempel zu Alwar (Nadshu- patana), das Thor von Siwai Dschai Singh in Amber und die <arak- teristiswen Kulturbilder: der Elephant als Henker, Anstand auf Tiger u. A.

In der vorliegenden 26. Lieferung des in demselben Verlage er- scheinenden Prachtwerkes „Ein Spaziergang um die Welt“, von Alerander Frhrn. von Hübner, verabschiedet der Verfasser sich von Japan, um sib na< Shanghai zu begeben, dessen Beschreibung in der 27. Lieferung fortgeseßt wird. Einzelne beigegebene Ansichten von Shanghai könnten europäisben Großstädten entnommen sein, andere dagegen zeigen den eigenthümlichen <inesis{en Typus.

Die am 17. Sept. ersceinende Nr. 1994 der „Illustrirten Zeitung“ (Leipzig, J. F. Weber) enthält folgende Abbildungen : Großherzog Friedrih von Baden und seine Gemahlin, Großherzogin Luise. Zur Feier ihrer silbernen Hochzeit. Aus dem neuen egyp- tishen Mumienfund. 3 Abbildungen, na< photographishen Auf- nahmen: 1) Sarg des Königs Ramses I1. 2) Die Koloffalstatue Ramses Il. im Museum zu Bulag. 3) Geöffneter Sarg und Mumie des Königs Amosis. Der Ort des neuen egyptisben Mumienfunds. Nach einer Zeichnung von Emil Brugs<. Dr. Michael Felir Ko- rum, der neue Bischof von Trier. Burg Wasicbenstein im Elsaß. Nach einer Zeichnung von E. Winkler. Der Leßte von der Burg Ramstein. Originalzeibnung von Carl Jauslin. Die Sedanfeier in Leipzig. Originalzeihnung von G. Broling. Die medizinischen Lehrinstitute der Universität zu Halle a. S. Nach einer Zeichnung des Architekten v. Tiedemann. Die Kaiserzusammenkunft in Danzig. 2 Abbildungen: 1) Sr. Maj. Jacht „Hohenzollern“. Originalzeibnung von H. Penner. 2) Der Empfangssalon auf Sr. Maj. Jacht „Hohenzollern“. Nach einer Federzeihnung von Th. Köfser. Kuriosi- täten aus den Gebieten der Heraldik, Sphragistik, Numismatik 2c.: Mittelalterlibe Siegeltypen. 11. Klostersiegel aus dem 14. Jahr- hundert. Polytecnische Mittheilungen: F. Soenne>ens vielfältiger Federbalter. Bleistifte von Dünkelsbühler u. Co. in Nürnberg. Maschine zur gesundheitsgemäßen Erzeugung von Gefrorenem. Eiserne Rebpfähle.

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Land- und Forstwirthschaft.

Aus Thüringen sc{reibt man der „Mgdb. Ztg.“ unter dtS 13 September: Die Ernte ist namentlih im nördlichen Thüringen durch die Ungunst des Wetters nicht unerhbeblih geschädigt worden. Namentlich ist no< viel Weizen und Hafer draußen auf dem Felde. Auch das in diesem Iabre besonders werthvolle Grummet leidet dur die Regengüsse. Im südlichen Thüringen sind die Verhältnisse besser.

Gewerbe und Handel.

Aufsichtsrath der Chemnißer Papierfabrik zu Einsiedel bei Chemnitz bat bes{lossen, für das Geschäftsjahr 1880/81 na< Vornahme der Abschreibungen die Vertheilung von 8 9% Dividende (gegen 10% im Vorjahre) bei der Generalversammlung zu beantragen.

Dortmund, 12. September. (Eff. Ztg.) Die Situation des Eisenmarktes ist in der verflossenen Woche unverändert geblieben. Die Nachfrage verstärkt si< no< immer und die Preise behaupten ihre feste Haltung, Man rechnet in industriellen Kreisen allgemein darauf, daß der Beschluß der schottischen Hochofenbesitzer, eine wesent- [ibe Verminderung der Produktion dur< Ausblasen einer Reibe von Hochöfen eintreten zu lassen, au< den heimischen Robeisenmarkt günstig beeinflussen werde, wie solches bereits in Glasgow und Middlesborough geschehen ift ; namentli< erwartet man von jener Maßnahme cine bessere Gestaltung des deutschen Gießereieisenges<äfts, das bekanntli, wenn au< völlig unmotivirt, von den Glasgower Warrants-Notirungen abhängig ist. Der Konsum aller Roheisen- sorten ist fortwährend sehr groß, inébesondere aber in Bessemereisen und Spiegelecisen, die daher au no<h steigende Tendenz ver- folgen. Die Walzeisenbranche is dur<weg sehr gut beschäftigt, namentliÞ< haben Blehe und Fagçoneisen an- dauernd guten Abzug. Grobblede sind no< immer zum Schiffsbau und zur Dampfkesselfabrikation gesubt, und ist daher au jüngst der Konventionspreis auf 200 Æ pro 1090 kg erhöht worden, einzelne Werke sind aber bereits über diesen Preis hinausgegangen, indem sie bis zu 210 M notiren. Façoneisfen wird ebenfalls fortwährend stark zum Schiffsbau und nicht minder rege zu Eisenkonstruktionen verwendet. Erwähnenswerth ift eine Submission auf Lieferung von 324 000 kg Eisenplatten 1. Qualität, 56 500 kg Eisenplatten 11, Qualität, 55 500 kg Fagoneisen, 81500 kg Stahlplatten, 150 000 kg Winkeleisen und 41500 kg Scbiffänieten, welche die Kaiserlihe Werft zum Neubau eines Schiffes ausge- schrieben hat, Für Brü>enbauanstalten, die {on seit längerer Zeit besser beschäftigt sind, stehen ebenfalls wieder belangreihe Be- stellungen dur< Submissionen in naher Ausficht, wie auch die Be- schäftigung der Dampfkesselfabriken wesentli zugenommen hat. Die Maschinenfabriken und Gießereien sind meist in befriedigen- der Weise mit Aufträgen versehen. Die Stablscienenwaliwerke erhalten no< immer belangreihe Bestellungen, namentli au aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Im Kohlenges<{äft wächst der Absatz in Industriekohlen entsprewend der Zunahme der Beschäftigung der Eisenindustrie, au< belebt sid die Nachfrage nah Hausbrand- und Gaskohlen, ohne daß indessen bis jeyt eine Preis- erhöhung eingetreten ist, Der Erport nah Hamburg und via Ham- burg hat im verflossenen Monat gegen den Monat August 1880 wie- der wesentliÞ zugenommen, indem derselbe diesmal 3862 Doppel- ladungen à 20 Ctr, oder 10 t gegen 2418 Doppelladungen im Monat August 1880 betrug, also diesmal 1414 Dopvpelladungen oder 14 140 t mehr.

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