1881 / 222 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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FJhre Majestät die Kaiserin ist heute Na<- mittag 21/4 Uhr nah Baden-Baden zurü>gereist, wohin Sie der Erbgroßherzog von Baden begleitete. Jn den leßten Tagen haben Se. Kaiserliße und Königliche Hoheit der Kronprinz, Jhre Kaiserlihe und Königliche Hoheit die Kron- prinzessin, der Großherzog von Sachsen-Weimar und der Erbgroßherzog von Baden wiederholt die hiesige Kunst- gewerbe-Ausstellung besucht.

22. September. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz ist Nachts zu den Manövern nah Württem- berg abgereist.

Elsaß - Lothringen. Straßburg, 22. September. (W. T. B.) Bischof Korum ist Nachts in Begleitung der beiden ältesten Vikare der Münsterpfarrei über Mainz nach Coblenz abgereist, wo er heute früh in der Kastorkirche die Messe celebriren wird. Mittags erfolgt die Weiterreise nach Trier, wo Nachmittags der Einzug und Empfang im Paulinus-Pfarrhause stattfindet. Jm bischöflichen Palais sind eine Anzahl Zimmer von den bisherigen Einwohnern geräumt und zur Wohnung sür den Bischof hergerihtet worden.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 21. September. (W. T. B.) Die „Polit. Corresp.“ meldet: Der Kaiser ließ sofort nah dem Eintressfen der Nachricht von dem Ableben des P rä- sidenten Garfield sowohl der Unionsregierung als auch) der Wittwe des Präsidenten dur< den Geschäftsträger in Washington seine Theilnahme ausdrüen. :

Pest, 20. September. (Pest. L) Heute Nachmittags wurden unter Vorsiß des Ministers der auswärtigen Ange- legenheiten, Baron Haymerle, die Berathungen der gemein- samen Ministerkonferenz, an welcher die gemeinsamen Minister, die beiderseitigen Minister-Präsidenten und Finanz- Minister, sowie mehrere Fachreferenten theilnahmen, fort- geseßt. Gegenstand der Besprehungen bildeten aus\{ließli< die den Delegationen zu unterbreitenden Vorlagen. Die Frage, mit wel>em Texte die neuen Fünfgulden-Staatsnoten ge- drudt werden sollen, kam gar nicht zur Sprache, da diese Ange- legenheit bereits längst endgültig in der Weise erledigt ist, daß diese demnächst zur Ausgabe gelangenden Noten, ebenso wie die Banknoten, Aufschriften nur in deutscher und unga- riser Sprache haben werden. Die Ministerberathungen wer- den morgen sortgesezt. Wahrscheinlich findet morgen eine ge- meinsame Ministerkonserenz unter Vorsiß Sr. Majestät statt. Die erste Sißung des Abgeordnetenhauses soll am Montag, den“ 26. d. M, stattfinden und werden in derselben unter Vorsißy des Alterspräsidenten die Wahlprotokolle überreicht, sowie die Ausloosung der Abgeordneten in neun Sektionen vorgènommen werden, die sih dann gegenseitig verifiziren. Die feierliche Eröffnung des Neichstages erfolgt am Mittwoh den 28. in der Ofner Hofburg mit einer Thronrede durch den König selbst. Der fkroatishe Landtag tritt am Dienstag den 27. d. M. zusammen, wird zuvörderst die Adresse berathen, nimmt hierauf die Wahlen für den ungarischen Reichstag vor und wird si<h sodann vertagen. Bisher siegte die Regierungs- partei in 48 (eine Wahl steht no< aus) Bezirken, während die gesammte, bekanntlih in zwei oder sogar drei Lager ge- spaltene Opposition nur über 25 Stimmen verfügt und ein Abgeordneter außerhalb der Parteien steht. Da der Banus, sowie Zivkovië und Kraljevië in je zwei Bezirken gewählt wurden, sind no< drei Nahwahlen und in Warasdin eine engere Wahl erforderlich.

Großbritannien und Jrland. London, 20. Sep- temver. (Allg. Corr.) Auf eine Zuschrift der die Wahl- bezirke in Ulster repräsentirenden Parlamentsmitglieder Dicson und Givan, worin die Freilassung der Verdächtigen drin- gend befürwortet wurde, hat der irische Staatssekretär eine abschlägige Antwort ertheilt. Die Schußtakte, hebt Mr. Forster in seinem Schreiben hervor, sei niht zur Bestrafung, sondern zur Verhütung von Ausschreitungen angenommen worden. Die Freilassung der Gefangenen würde sofort an- geordnet werden, wenn dies ohne Gefährdung des öffentlichen Friedens geschehen könnte, aber in vielen Theilen Jrlands fämen Gewaltakte no< immer häufig vor ; den Geseßen werde Widerstand geleistet, und die organisirte Éinshüchterung laufe nicht selten auf eine Schre>ensherschast hinaus. „Jh freue mich, daß die Regierung in den Stand geseßt war, die Zahl der Gefangenen herabzumindern, allein die Zustände des Lan- des rechtfertigen keine allgemeine Besreiung.“

22. September. (W. T. B.) Anläßlih des Ablebens des Präsidenten Garfield i} eine einwöchige Ho f- trauer angeordnet worden. Diese Maßregel is, wie die „Times“ bemerkt, bisher ohne jeden Präzedenzfall.

Der hiesige Gesandte der Vereinigten Staaten, Lowel, empfing eine Depesche des Staatssekretärs Blaine, worin ihm aufgetragen wird, der britishen Regierung formell das Ableben Gar fields und den RNegierungsantritt des Präsidenten Arthur anzuzeigen, diese Depesche auch an die Vertreter der Union auf dem Festlande behufs der gleichen Mittheilung an die resp. Regierungen, bei denen sie beglau- bigt sind, zu telegraphiren.

Frankreih. Paris, 22. September. (W, T. B.) Nach einer Depesche des „Gaulois“ hat das Panzerschiff „La Galissonnière“ den Ort Kalakebira,in der Nähe von Suso, bombardirt.

Spanien. Madrid, 22. September. (W. T. B.) Po- sada Herrera ist zum Präsidenten der Deputirten- kammer gewählt worden.

Italien. Rom, 21. September. (W. T. B.) Die Regierung hat dem nordamerikanishen Kabinet in Wa- shington den Ausdru> aufrichtiger Theilnahme des Königs und der italienishen Nation an dem Tode des Präsidenten Garfield übermittelt, Der Kardinal-Staatssekretär Ja - cobini hat ebenfalls Namens des Papstes ein Beileids- schreiben an die Unionsregierung gerichtet.

22. September. (W. T. B.) Das Journal „P opolo Romano“ kommt nah einer Prüfung der Staatsvoranschlä e zu dem Schlusse, daß die finanzielle Stellung, welhe si<h Jtalien errungen, gegen alle Eventualitäten sichergestellt erscheine; denn selbst na<h Er- höhung der Ausgaben für das Heer und nach Liquidirung verschiedener, seit mehreren Jahren \{<webenden Rechnungen werde die Finanzgebahrung für 1881 am Schlusse des Jahres cinen siheren Uebershuß von 15 bis 20 Millionen ergeben.

Griechenland. Athen, 20. September. Der „Buda- pester Correspondenz“ meldet man: Ein vom 16. September datirter Königlicher Erlaß bestimmt den Umfang des Kanals von Korinth, sowie der zur Ausführung der detaillirten Pläne überlassenen Gebiete. Die Resultate der Studien der wissenschaftlihen Expedition wurden ebenfalls gutgeheißen, weshalb an Tracirungsarbeiten ungesäumt in Angriff genom- men werden.

Nußland und Polen. St. Petersburg, 21. Sep- tember. (W. T. B.) Das vom Kaiser bestätigte Reg le- ment für die behufs Sicherstellung der öffentlichen Ordnung zu ergreisenden Maßregeln wurde heute bereits in allen seinen Einzelheiten amtlih publizirt.

Dänemark. Kopenhagen, 19. September. (Hamb, Corr.) Am 28. August hat das isländishe Althing seine diesjährige Session geshlossen. Das Finanzgeseß ist mit einigen unbedeutenden Abänderungen des Regierungs- entwurfes angenommen worden, ebenso sind angenommen diz Nachtragsetats für 1878/79 und 1880/81. Von den 16 Re- gierungsvorlagen hat das Althing 11 genehmigt, 4 ver- worsen und 1 unerledigt gelassen. Leßteres, wel{hes bestimmt war, die isländishen Grundbesißverhältnisse zu regeln, war nächst dem Finanzgeseß jedenfalls die wichtigste und nothwen- digste Regierungsvorlage.

421. September. (W. T. B.) Der Reichstag ist auf den 3. Oktober einberufen und dürste sofort bis zum 29. November vertagt werden.

Amerika. New-York, 21. September. (W. T. B.) Die öffentliche Subskription für die Familie des ver- storbenen Präsidenten beläuft si< auf über 190 000 Doll. Die Ueberreste des Verblichenen werden morgen per Eisen- bahn von Long-Bran<h nah dem Kapitol in Washington gebracht, dort bis zum Freitag Nachmittag 5 Uhr ausgestellt und dann mittelst Leichenwagens nah Cleveland übergefübrt, wo nah einer weiteren Ausstellung am Sonntag und Mon- tag Vormittag, die Beerdigung Montag Nachmittag um 2 Uhr stattfinden wird.

21. September, Abends. Die Leiche Garfields ist um 4/4 Uhr Nachmittags in Washington angekommen.

Long-Branc, 21. September. (W. T. B.) Die gestern stattgehabte Autopsie der Leiche des Präsidenten Garfield ergab Folgendes:

Die Kugel ging, nachdem sie die elfte re<te Rippe zersplittert , dur< das Nügrat, zersplitterte den Körper des ersten Lendenwirbels, wobei eine Anzahl kleiner Knochenfragmente in die angrenzenden Weichtheile getrieben wurden und seßte si< unterhalb der Brust- drüse, ungefähr Zoll zur Linken des Rückgrats und hinter der Darmhaut fest, wo sie vollständig eingesa>t wurde. Die unmittel- bare Todesursahe war eine sekundâre Blutung aus einer der Gefrösslagadern, anstoßend an die Kugelbahn, indem das Blut die Darmhaut durcsprengte und si fast cin Liter davon in die Unter- leibéhöhle ergoß. Diese Blutung ist die muthmaßliche Ursache der heftigen Schmerzen im unteren Theile der Brust, worüber Garfield kurz vor seinem Verscheiden klagte. Eine sehs- bis vierzöllige Ge- \{<würhöhle wurde in der Nachbarschaft der Gallenblase gefunden. Eine Verbindung zwischen Leber und Wunde wurde nit gefunden. Gin langer eiternder Kanal erstre>te \si< von der äußeren Wunde zwischen den Lendenmuskeln und der rehten Niere fast bis zur reten Leiste. Dieser Kanal, der jeßt als dem Bohren des Wundeneiters zuzuschreiben erkannt wird, wurde bei Lebzeiten des Patienten als die KußFelbahn angesehen. Bei der Untersuchung der Brustorgane wurden Beweise einer ernsten Bronchitis auf beiden Seiten entde>{, zusammen * mit Brokachopneumonie ‘des unteren Theiles der 're<ten Lunge und, wiewohl geringeren Um- fanges, der linken Lunge. Die Lungen batten keine Ge- \{würe und das Herz keine Blutklumpen. Die Leber war erweitert und fett, aber frei von Ges{hwüren. Auch wurden feine Geschwüre in irgend einem anderen Organe außer der linken Niere gefunden, die in der Nähe der Oberfläche ein kleines Geschwür von Z} Zoll im Durchmesser enthielt. Wenn man die Ge- {ite des Falles im Zusammenhange mit der Autopsie revidirt, so ist ganz evident, daß die verschiedenen eiternden Oberflächen und be- sonders das zersplitterte s{wammige Wirbelgewebe hinreichende Er- klärung für die vorhandenen septischen Zustände liefern.

—— KIE Der S O aus Washington gemeldet wird, begannen am 19. d. M. die Truppen in Arizona eine gemcinschaftlihe Bewegung gegen die Apache-Jndia- ner, welche, wie man hofft, dée Erhebung unterdrü>en wird. Jm Kreise Marin, Kalifornien, sind östlih vom Berge Tama el Paris dur< Waldbrände über 60 000 Morgen ein- geäschert worden.

Aus dem Wolffschen Telegraphen-Bureau.

Karlsruhe, Donnerstag, 22. September. Heute Vor- mittag fand der Besuch der Kunst- und Kunstgewerbeausste.- lung Seitens der Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften statt. Dieselben wurden von dem Vorstande, P: ofessor Kachel, sowie dem Vorstande des Gewerbevereins, den Ministern und ande- ren Herren empfangen. Erschienen waren Se. Majestät der Kaiser, welcher die Großherzogin führte, der Königvon Schweden, der Großherzog, die Hohen Neuvermählten und die übrigen Fürstlichkeiten. Nach dem Vortrag einer Begrüßungshymne spra Professor Göß dem Großherzoglichen Paare den Dank der Aussteller für Jhr Erscheinen aus und bat Sie, die Aus- stellung als eine Huldigung des Landes, als einen glüd- lichen Erfolg der weisen Regierung des Fürsten und der wohlwollenden Pflege ansehen zu wollen, welche die Kunst und das Kunsthandwerk durch die Fürstin erfahren habe. Ein dreifahes Hoh auf die Herrschaften, in das au<h Se, Majestät der Kaiser und der König von Schweden Ian einstimmten, fand allgemeinen, be- geisterten Wiederhall. Der Großherzog richtete darauf Worte des Dankes an Se. Majestät den Kaiser und den König von Schweden für ‘die Ehre Jhrer Anwesenheit und versicherte, daß die badishe Jndustrie diese Ehre zu schäßen wisse und daraus neuen Antrieb s{höpfen werde. Der Großherzog {loß mit einem dreifachen Hoh auf Jhre Majestäten, den Deuts@en

Kaiser und den König von Schweden. Hiernächst erfolgte ein Rundgang durch die Ausstellung. Sodann besuchten Se. Majestät der Kaiser mit den übrigen Allerhöhsten Herrschaften die Alter- thümer-Ausstellung, der Kaiser führte die Frau Großherzogin,

der Großherzog führte den König von Schweden. Um 12 hr kehrte Se. Majestät der Kaiser mit den anderen Fürstlichkeiten nah dem Schlosse zurü>.

__ Die Königin von Schweden hat heute Vormittag 10 Uhr die Rückreise nah Schweden angetreten; die Herzogin von Sachsen - Coburg ist bereits in der vergangenen Nacht nah Coburg zurü>gereist.

Bei dem gestrigen Galadiner brachte der Großherzog einen Toast auf den König und die Königin von Schweden

und auf deren Familie, der König von Schweden einen

Toast auf Se. Majestät den Kaiscr und auf den Groß- herzog und die Großherzogin oon Baden und deren res aus. Se. Majestät der Kaiser t:anken mit lauter

äftiger Stimme auf das Wohl der s{hwedischen Königs- familie und der Familie des Großherzogs von Baden und auf beider Familien Vereinigung. Das Wetter is} heute regnerish geworden.

Statistische Nachrichten.

Nach dem kürzlich erschienenen, im Statistischen Bureau der Ge- neral-Direktion der Kön igl ih sächsishen Staatsbahnen bear- beiteten Statistischen Bericht über den Betrieb der unter sächsischer Staatsverwaltung stehenden Staats- und Privateisenbahnen hat das sächsische Staatsbahnneß nach vollzogener Konsolidirung gegenwärtig eine Gesammtlänge von 1972,98 km mit 36 Ansclußpunkten an fremde Bahnen. Die ersle Bahn war Leipzig-Althen, welche am 24. April 1837 eröffnet wurde und nur 14,10 km lang war. Heute erfordert die Durchführung des Betriebes niht weniger als 8361 Beamte und 15 607 Arbeiter, in Summa 23 968 Mann. Im Berichtsjahre 1880 sind neu eröffnet worden: die Elbkaibahn in Riesa, die Sekundär- bahn Pirna-Berggießhübel und die Theilstre>e der Riesa-Noffener Linie von Lommaßsh na< Nossen. Eigenthum der \äsis<en Staatsverwaltung sind 1944,033 km, wovon 143,641 km im Aus- lande liegen. 11,794 km sind verpa<tet, 40,742 km dazu gepachtet. Von den 1972,981 km sind 1201,288 km = 60,89 9% eingleisig, 771,693 km = 39,11 ‘/% zweigleisig. Die Baulänge der dem Per- sonenverkehre dienenden Staatsbahnen, eins<ließli< der Pacbtstreken, betrug 1943,346 km. Die Baulänge der unter Königlich sachsischer Staatsverwaltung stehenden Eisenbahnen umfaßte am Schluß des Jahres 1880 zusammen 2085,535 km, während die Gesammtlänge der im Königreih Sachsen betriebenen Bahnen 2071,304 km betrug. Die Betriebslänge belief ih gegenüber einer Baulänge von 2085,535 km, welche das von der Königlich \ächsishen Staats- verwaltung betriebene Bahnneß Ende 1880 repräsentirte, auf 2282,83 km. Bis Ende 1880 sind für den Bahnbau im Ganzen eins{ließli< eines Aufwandes von 91 853 137,82 Æ für Transportmittel 620 284 309,63 A. verwendet worden, Pro Kilometer betrugen die Baukosten 319 070,87 A, gegen 322 083,29 ( im Vorjahre. Da die sähsishe Staatsregierung eine Anzahl Privatbahnen theils über, theils unter ihrem Herstellungsaufwande erworben hat, so verändert sich dadurh die für den Bahnbau aufgewandte Summe in das von der Regierung aufgewandte Anlagekapital von 577 140 164,69 M, d. t. pro Kilometer Bahn 296 877,76 M, gegen 307 83647 Æ im Vorjahre. Das mittlere dur< den Betriebsübers<uß des Jahres 1880 zu verzinsende Anlagekapital aber beträgt na< Reduktion des Aufwandes für die im Laufe des Berichtsjahres neu eröffneten Linien auf die Betriebszeit derselben 974 735 075,08 A oder für den Kilometer Baulänge im mittleren Jahresdurschnitt von 1920,86 km 299 207,17 M4, gegen 306 829,48 4. im Vorjahre. Durch die in allen Verwaltungezweigen von Seiten der Königlichen Generaldirektion eingeführten Betriebsvereinfahungen ist es mögli geworden, auf das Betriebsjahr 1880 eine Rentabilität von 4,44 °/9 zu erzielen. Was die Anlage, den Bau und die Unter- haltung der Bahnen betrifft, so liegen des gebirgigen Terrains wegen nur 26 0/9 in der Horizontale, dagegen haben mehrere Linien ein Neigungêmarimum von 1 : 40, so Dresden-Werdau, Chemnitz-Adorf, Schneeberg-Niederschlema, Pirna-Berggießhübel und Riesaer Elbkai- Verbindung. 41 %/ der Bahnen liegen auf Dämmen bis zu 27 m Höhe, 30 % in Einschnitten bis zu 36 m Tiefe, 29 % in Terrain- gleiche. Unter den Kunstbauten sind 386 Viadukte und Brücken, bei denen die Spannweite der größten Oeffnung mehr als 10 m beträgt, vor- handen. Die bedeutendsten Anlagen sind: der Gölßsthal - Viadukt bei Neßshkau von 509 m Länge, 79 m Höhe und 31 m Spannweite der größten Oeffnung; der Elsterthal-Viadukt bei Joeta von 281 m Länge, 69 m Höhe und 32 m größter Spannweite; der Muldenthal- Viadukt bei Cofsen von 381 m Länge, 67 m Höbe und 26 m größter Spannweite, und die Elbbrücke bei Riesa von 388 m Länge, 15 m Höhe und 100 m remer Spannweite. Außer der Riesaer zählt man noch 48 andere Elbbrücken für die Staatsbahnen. Die Anzahl der Tunnels beträgt 31 von einer Gesammtlänge von 5419 km ; der längste Tunnel ist der von Niederau, welcher 513 m mißt. Die Gesammtlänge der Geleise beträgt 3846,77 km, die Länge der Telegraphenleitungédrähte der Staatsbahnen am Ende des Berichts- jahres 54,53 km. An Hochbauten besitzt die Staatsbahnverwaltung 112 Direktionsgebäude mit Bureaur, Beamtenwohnungen, Post 2c., 85 Wohnhäuser für Wärter, Arbeiter 2c., 304 (Empfangsstations- Gebäude, 629 Perrons (wovon 88 bede>t), 11 Wagenschuppen, 329 Güterschuppen, 96 Heizhäuser, 116 Wasserstationen, 54 Eishauser, 617 Weichenwärterhäuser und 1319 Bahnwärterbäuser auf freier Stre>ke. Die gesammte Güterbodenfläche beträgt 125 779 qm. Außer dem zum Betriebe gehörigen Grund und Boden besitt die Staatsba ns verwaltung no< an Ländereien 7 636 321 qw. Der Unterhaltungsauf- wand bezifferte si< im Jahre 1879 auf 4190715 #( Die Gehalte, Remunerationen und sonstigen Emolumente des bei der Bahnbeauf- sictigung und Bahnunterhaltung angestellten und beschäftigten Per- sonals betrugen 2961 878 f, Abgaben, Feuerversiberung 2c. 70382 K, Bureaubedürfnisse 2c. 27677 K, sonstige Ausgaben, hauptsächlib Beleuchtung der Bahnanlagen, Heizung 2c. 96 164 M: zusammen 3156101 { In Verbindung mit dem Unterhaltungs- aufwande an 4190715 # betrug der Gesammtaufwand für Zwecke der Bauunterhaltung bei den Königlich säbsishen Staatsbahnen cin- s{ließli< der erpachteten Stre>en im VJabre 1879 7 346816 Dies sind bei einer Gesammtlänge von 1926,733 km pro Kilometer Bauläânge 3813 Æ# Hierzu hat der Erneuerungsfond beige- tragen pro Kilometer Baulänge 52224 M oder 13,70 v%/. Was den Neubau im Berichtsjahre betrifft, so wurden die Arbeiten auf der Theilstre>e Lomatsh-Nossen vollendet, sodaß der Betrieb am 15, Oktober 1880 eröffnet werden konnte, ebenso wurde die Secundärbahn Pirna-Berggießhübel na< ihrer Vollendung am 19, Juli eröffnet. Ferner wurden Vorarbeiten für mehrere neue Eisen- babnanlagen, wie für die Normalspurbahn Schwarzenberg-Johann- georgenftadt, die Schmalspurbahnen Wilkau-Kirberg-Saupersdorf und Hainéberg-Dippoldiéwalde-Schmiedeberg, in Angriff genommen und theilweise vollendet, sodaß im Jahre 1881 der Bau beginnen konnte. Der Bestand an Lokomotiven bezifferte si< am Jabress{lusse auf 700 Stück nebst 555 Tendern. Die Anzahl der Personenwagen belief sih auf 2064 mit zusammen 79 375 Plätzen. Passagiergepä- wagen waren 336, bede>dte Güterwagen 6438, offene 12 583, zusammen Gepä>- und Güterwagen überhaupt 19357, mit einer Gesammt- ladefähigkeit von ¿usammen 159 452000 kg vorhanden. Auf den von der Staatêverwaltang betriebenen Bahnen wurden (obne Naus- züge) im Jahre 1880 zusammen 352830 Züge abgelassen (16 362 mehr als 1879), und zwar 9305 Courier- und Eilzüge, 75 931 Per- sonenzüge, 86 249 gemis{te Züge, 8516 Güterzüge mit Personen- beförderung, 172 829 Güterzüge, also dur<s{nittli< tägli 964,01 Züge, näâmli< 25,42 Courier- und Eilzüge, 207,46 Personenzüge, 235,65 ge- mischte Züge, 23,27 Güterzüge mit Personenbeförderung und 472,21 Güterzüge. Am meisten frequentirt war wiederum die Stre>e Neumark- Brunn, auf welcher im Berichtsjahre 32 444 Züge (gegen 32 304 im Vor- jahre) verkehrten; dann folgt die Stre>e zwischen Dreéden-Neustadt und Dreéden-Altstadt mit 26 775 Zügen. Als Knotenstationen be- tracbtet passirten “resden-Altstadt im Ausgang und Eingang im Gesammtjahre 58 209 Züge = 159,04 pro Tag, Chemniß 54 708 (149,48), Coëwig 52 704 (144 00), Plauen i. V. ob. Babnh. 46 075 (125,89), Dreéden-Neustadt Leipziger Bahnhof 43 337 (118,41), Pirna 38 585 (109,32), Riesa 39 120 (106,89), Werdau 38 577 (105,40), Glauchau 35 839 (97,92), Arnéêdorf 34 854 (95,23), Niederwiesa 34 164 (93,34), Altenburg 34 084 (93,13), Schandau 30 104 (82,25), Freiberg 631 (70,03), Bauten 25 064 (68,48), Dreéden-Neustabt \<les. Bahnhof 23 579 (64,42). Ueber den Personen- und Güterverkehr im Jahre 1880 meldet der Bericht Folgendes: Es wurden befördert in der 1. Wagenklasse 58 438 Personen, in der 2.

©2498 537 Personrn, în der 3. 12786 284 Givil- und 308 464 Militär- personen, in der 4. Wagenklasse 3058 489 Personen, zusammen 18 461 212 Personen, gegen 17 747 723 Personen im Jahre 1879, oder 4,02 9% Zunahme. Die frequenteste Stre>e is {on seit meh- reren Jahren die zwischen Dresden - Altstadt und Potschappel in der

Entfernung von 7 km mit einem wedFelseitigen Verkehr von 352 422 |

Personen (gegen 348 502 im Vorjahre). Für den Personenverkehr waren am Jahreës{lusse 201 Staatsbahnstationen, 151 Staatébahn- haltestellen, 7 mitverwaltete Privatbahnstationen und 8 mitverwaltete Privatbahnhaltestellen, in Summa also 367 Verkehréstellen eröffnet. Die stärkste Personenfrequenz fiel mit 1 927 580 Personen auf den Monat Mai, dagegen die ftärkste Billetgeldeinnabme mit 1 996 247,36 4 auf den Monat Juli, die niedrigste Personenfrequenz mit 1 153 598 Perfonen auf den Monat Januar und 908 520,77 M als niedrigste Billetgeldeinnahme auf den Monat Februar. Nach der Tageëfrequenz war der Januar der \{<wä<{ste Monat.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Reichskanzler Fürst Bismar>. Von Wilhelm Müller, Professor in Tübingen. Mit Portrait. Preis geh. 5 M, geb. 5 M. 50 4. Verlag von Carl Krabbe in Stuttgart. Der Verfasser dieses Buches, welcher erst vor wenigen Jabren die Biographie des Kaiser Wilhelm und die des General-Feldmarschalls Grafen Moltke veröffentlicht hat, reiht diesen Arbeiten nunmehr au< die Biographie des Fürsten Bismar> an. Wenn in den bisher erschienenen Biogra- phien des Fürsten die persönlichen Verhältnisse desselben, be- jonders die Jugendjahre, eine eingehende Darstellung gefunden haben odec seine politis&e Thätigkeit vor den darüber ange- stellten MReflerionen fast zurü>tritt, so hat der Verfasser einen andern Weg einges<hlagen. Die Entwi>lung der \taatës- männischen Bedeutung Bismarck's an der Hand der parlamentarischen und diplomatischen Aktenstücke dem Leser vor Augen zu führen, war die Aufgabe, die er sich gestellt hat. Was mit diesem Zwecke nicht zusammenhängt, hat in diesem Buche nur eine untergeordnete oder gar feine Beachtung gefunden. Dagegen sind die Reden des Ab- geordneten Biémark nah ihrem we]entlicen Inhalt mitgetheilt, seine Thätigkeit als Botschafter in Frankfurt, St. Petersburg und Paris geschildert, seine parlamentarishe und diplomatische Stellung als Minister-Präsident, Bundesfanzler und Reichskanzler, sowohl in großen Umrifsen als au< in dem Detail interessanter Familienbriefe, im Zusammenhang mit der Zeitgeschichte möglichst genau beleuchtet. Ob Bismar> gegen den Radikalismus der Kammern, ob er gegen Oesterreich und die Mittelstaaten, ob er gegen Frankreich, den Vatikan und den Parlamentariëmus ankämpft; überall finden wir die Tendenz, die Macht des Hohenzollernschen Königshauses, die Macht Preußens und Deutschlands nach innen und nach außen zu verstärken und zu ver- größern ; nur die Scenerie wechselt, und andere Gegner treten auf. Um dem in dem Buche entworfenen Bilde einen passenden Hinter- grund zu geben, hat der Verfasser am Schlusse desselben einen „Histo- rischen Nückblick“ beigefügt, in welchem die Zustände des „heiligen römischen Reiches deutscher Nation“ und die des neugeschaffenen Deut- sen Reiches in Parallele geseßt sind. Das Bub enthält ein weit- läufig angelegtes Inhaltsverzeichniß, welcbes den Leser rasch und sicher über das Gebotene orientirt. Ein vortrefflihes Bild des Fürsten \{<müd>t das sorgfältig ausgestattete Werk. j

Die am 24. Sept. erscbeinende Nr. 1995 der „Illustrirten Zeitung“ (Leipzig, I. J. Weber) enthält folgende Abbildungen: Bedipus und Antigone. Gemälde von Emil Teschendorff. Nach ciner Photographie von Gustav Schauer in Berlin. Am Golf von Biscaya. 5 Abbildungen, nah photographischen Aufnahmen ge- zeichnet von J. I. Kirner: 1) Biarrit, 2) Strand und Kasino in Biarrit,-3) Damm und Leuctthurm zu Biarritz, 4) San Sebastian, 5) Die baékische Küste. Berliner Bilder: Ueberrumpelurig einer Verbrecherspelunke dur< die Polizei. Originalzeichnung von C. Koch, In der Ramsau und am Hintersee bei Berchtesgaden. 19 Ab- bildungen, nach der Natur gezeichnet von I. F. Kirchner. Aus dem neuen Aquarium in München. 6 Abbildungen. Originalzeich- nungen von P. Burmeister. Aus Eduard Baldamus? „Illustrirten Handbuch der Federviehzubt“, 2. Aufl. (Dreéden, G. Schönfelds Verlagébuchhandlung). 10 Abbildungen. —— Fleischers Hvdromctor- i\<iff: Aeußere Ansicht und Längendurbschnitt. Kuriositäten aus den Gebieten der Heraldik, Sphragistik, Numismatik 2c.: Mittel- alterliche Siegeltvpen. 11]. Der Pelikfan als Wappenbild.

Land- und Forstwirthschaft.

Nach den leßten „Mittheilungen der Deutschen Viehzucht- und Herdbuch-Gefellschaft“ war der 15. Septemker d. V, als letzter Ter- min für die Anmeldungen zur Eintragung in das Deutsche Herd- buch festgeseßt. Dieser Termin ist jeßt bis zum 1, November d. I. hinausges<oben worden, zu welchem Termine die Anmeldungen sicher erwartet werden, Vom 1, Oktober ab sind alle Einsendungen für das Deutsche Herdbuch zu rihten an Hrn. B, Martiny, Ber- lin N,, Invalidenstr. 104.

Gewerbe und Handel. In der Gencral - Versammlung der Landschaft der Pro- vinz Sachsen erstattete der Verwaltungérath den Rechenschafts- beridt pro 1880, na< welchem bis zum Schlusse des Jahres 5 185 579 4M in Provinzial Pfandbriefen, 8774000 M in Central- Pfandbriefen, in Summa 13 959 575 ÆÆ als Darlehne gewährt wor- den sind. Für diese Darlehne sind 220 Güter der Provinz Sachsen mit einem Areale von 22 463 ha im Wertbe von 23714 377 M zur ersten Stelle verpfändet. Von den 13 959 575 X Darleben sind bis zum Schlusse des Jahres 1880 theils amortisirt, theils zurügezablt 1 879 350 M; es bifanden si< daber am Schlusse des Jahres no< im Umlaufe 12080225 A Der im Laufe des Jahres 1869 ger bildete Reservefonds am Sclusse des Jahres 18£0 betrug 127 857 M

Ueber den Verlauf und das Resultat der gestrigen außer- ordentliden Generalversammlung der Aktionäre der Bergisch - Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft geht uns folgendes Telegramm zu: Jn der Generalversammlung, in welcer 210051 Aktien vertreten waren, wurde mit 117 463 Stimmen, ver- treten dur< C5 Aktionäre, beschlossen, die Offerte der Königlichen Staatsregierung, betreffend die Uebernahme der Verwaltung und des Betriebes des Unternehmens gegen Gewährung einer Rente von 44/596 und einer Zuzahlung von 15 K pro Aktie, abzulebnen, während 91538 Stimmen, vertreten dur< 98 Aktionäre, dafür waren. Ein Amendement dahinlautend, Verwaltung und Betrieb des Unternehmens gegen Gewährung einer 5°%/%igen Rente und einer Zuzahlung von 15 M pro Aktie auf den Staat zu übertragen, wurde mit 194 493 Stimmen gegen 2290 Stimmen angenommen.

In der Generalversammlung der Aktionäre dcr Hannover- schen Ultramarinfabrif, vormals Aug. Egestorff, wurde der Rechnungsabschluß ohne Widerspruch genehmigt. Dem Ge- scäftéberihte der Gesellschaft entnehmen wir, daß ib der Verkauf im verflosscnen Betriebéjahre auf 909 100 kg gegen 832 500 kg im Vorjahre belief. Dementsprehend is ein Uebers{uß von 104 231 Æ zu verzeichnen, obgleih ni<t unbedeutende Repara- turen und eine gründlide Befestigung der am Wasser be- legenen Gebäude sowie nothwendige neue Einrichtungen resp. Vergrößerungen vorgenommen worden sind, welbe aus dem Betriebe gededt wurden. Der Reingewinn vertbeilt sib nah Beschluß des Aufsichtérathes folgendermaßen : Abschreibungs-Conto 34 231 M, Reservefont-Conto 16%/% vom bleibenden Gewinn 7000 M, Erneuerungéfond-Conto 5000 Æ, Tantièmen 8250 M, 69%, Divi- dende auf im Umlauf befindlicbe 750 090 A Aktien 45 000 M, Vor- trag pro 1881/82 4750 Æ Es fommt nur auf 750000 M Aktien eine Dividende zur Vertheilung, da na Beschluß der letiten Ge- neralversammlung 150 0009 Æ der Aktien mit 93 876 H zurüde- gekauft find. Der Gewinn von 56 124 #4 ist na< Ablauf des Sperr- jahres, also im Dezember a. e.,, dem Amortisations-Conto zu Gute zu bringen.

Von der Leipziger Messe meldet die „Leipz. Ztg.* unter dem 21, d. M. Folgendes: Vorläufiger Bericht über die Tuchbrancbe: Es ist ziemli< viel Waare zugeführt worden, Modestoffe, welce sib im Preise gut behaupten, werden in großen Posten aufgekauft, und es entwi>elt sih namentli< in Brandenburger, Forster und Cott-

bußer Erzeugnissen für süddeuts&e Recbnung umfangreihes Geschäft. Glatte Tuche blieben bisker vernaläfsigt und waren nur ¿u gedrüd- ten Preisen zu placiren. i

Die „New-Yorker Hdls.-Ztg.* äußert \si<{ in ihrem vom 9. September datirten Wochenbericht über die allgemeine G e- \<äftslage folgendermaßen: Was die geschäftlibe Situation be- trifft, so lassen si< derselben, den anhaltend günstigen Verlauf der Herbstsaifon und ein Verschwinden der Geldklemme abgerechnet, neue Lihtseiten ni<t abgewinnen. Mit der Besserung des Geldstandes madcbt das gute Herbstgeschäft in fremden Waaren feinen Einfluß auf den Wechselmarkt geltend; denn Importeurs halten mit der Remittirung nicht länger zurü>, und die Ankäufe von dieser Seite, in Gemeinschaft mit der Beschaffung des Rembourses für das eit Anfang dieser Woche aus Europa eingetroffene Gold waren bedeutend genug, um Course zu befestigen, troßdem der Markt reilidec als in voriger Woche mit Material versehen war. Das Geschäft am Waaren- und Produktenmarkt war diese Woche mäßig leb- haft. Die Spekulation in Brodstoffen hat sib etwas gelegt ; Preise, welche anfänglich ziemlich bedeutend fielen, waren in den leiten Tagen wieder fester; für Export wurde wenig gekauft und sind daber für volle Ladungen Getreide auch nur zwei Schiffe aecbartert worden. Die Nacfrage für Petroleum- Fahrzeuge war kaum so lebhaft wie in der Vorwoche. Baumwolle in effektivcr Waare fand Seitens einheimisher Spinner ziemlich viel Beachtung, während ein Terminge- {äft bei ganz bedeutenden Umsäten ein ni<tunwesentliherAvance etablirt wurde. In Rio Kaffees nahm das Geschäft einen {<lcppenden Verlauf ; reins{me>ende Sorten waren till aber fest. Der Markt für Roh- zucker war mäßig lebhaft. Preise verkehrten in steigender Tendenz. Schmalz hat bei anhaltend animirter Spekulation no< weiter ange- zogen, Scweinefleish und Spe> waren fest, während für Talg der Begehr anhielt, Rindfleis<h aber till war. Terpentinöl sowie Harz haben bei guter Frage eine Preisbesserung aufzuweisen. Nobes Petroleum fest und steigend. In fremden Manufaktur- waaren war das Geschäft in einzelnen Branchen befriedigend, in anderen dagegen sehr still. Der Import fremder Webstoffe be- trägt für die heute beendete Woche 2 645 560 Doll., geaen 3 184 775 Doll. in der Parallelwoche des Vorjahres.

Das kürzlich veröffentlihte 1. Heft des XXI[I. Bandes der „Nachrichten Über Industrie, Handel und Verkehr aus dem statistischen Departement im K. K. österreichisben Handels-Ministeriuum“ entbält den amtlihen Bericht über die Geschäftsthätigkeit des K. K. österreichischen Handels-Ministeriums während des ISahres 1880. s

Der Bericht zerfällt in drei Abschnitte: 1) Gewerbliche Industrie, 2) Handel und 3) Verkehrswesen. Der erste Abschnitt beschäftigt sich insbesondere mit der Gewerbeordnung, dem Marken- und Musterschutz und den Erfindungs-Privilegien. Im Laufe des Jabres 1880 wur- den 2529 Erfindungs-Privilegien ertheilt, 1552 verlängert, während 1378 außer Kraft getreten sind. Bei der Ausübung des Privilegien- Gesetes hat si im Laufe der Zeit insofern eine Verschiedenheit be- merkbar gemacht, als im Jahre 1877 damit begonnen wurde, von jedem im Auslande wohnenden Privilegiumsbewerber vorauszuseten, daß die Erfindung, um deren Privilegirung er ansuchte, im Aus- lande bereits in Ausübung bestehe, und somit erst aus dem Auslande nach Desterreich-Ungarn eingeführt werden wolle, was zur Folge hatte, daß ihm das inländische Patent ohne vorherige Vorlage des analogen ausländischen Patentes gar nicht ertheilt wurde. Von dieser Vor- ausfeßung nimmt das Handelé-Ministerium seit 1, März 1880 Um- gang, und wird der Ertheilung des Privilegiums die ausländisce Patenturkunde nur dann zu Grunde gelegt, wenn der im Auslande wohnende Privilegiumslewerber felbst erklärt, eine im Auslande be- reits privilegirte Erfindung in der Monarcbie einführen zu wollen. Das Handels-Ministerium hat si< auch bei dem in Paris \tattgefun- denen Kongresse vertreten lassen, welcher sih mit dem Schutze der Er- findungêpatente befaßte. Während aber der von dem Kongresse pro- jeftirte Entwurf des internationalen Vertrages in die spezielle Legis- lation der einzelnen Staaten über das Privilegienwesen nicht ein- areift, crahtete es das Hande!s-Ministerium für nothwendig, aub der Reform des österreichischen Privilegiengeseßes vom 15. August 1852 scine Aufmerksamkeit zuzuwenden und die einschlägigen Fragen zu studiren, um die Nevision des erwähnten Gesetzes, das bei dem großen Aufschwunge des Privilegienwesens in mancher Beziehung cine Ab- änderung als wünschenswerth erscheinen läßt, für den geeigneten Zeit- punkt vorzuberciten. Im zweiten Abschnitte behandelt der Bericht die Vertragsverhandlungen mit Deutschland, Spanien, Serbien und Italien. Die Thâtigkeit des Handels-Ministeriums auf dem Gebiete des Cisenbahnwesens ist dur< zwei große verkehrspolitishe Aufgaben carafkterisirt, für deren Lösung innerhalb des Jahres 1880 die ent- scbeidenden Grundlagen gescbaffen wurden. Es sind dies einerseits jene Bestrebungen, welche die Wiederaufnahme des Staatsbetriebes auf einem großen und aktionsfähigen, unter der Staatsverwaltung zusammenzulegenden Bahnnete zum Gegenstande haben, andererseits die Vorkehrungen, dur< welche mit Benutung der {hon im Vor- jahre lebhafter hervorgetretenen Privattbätigkeit das Zustandekommen von Lokalbahnen erleichtert und gefördert werden sollte. Auf die Einzelheiten des Konzessionéwesens üÜbergehend, konstatirt der Bericht des Handels - Ministeriums die gegen das Vor- jahr ungemein gesteigerte Lebbastigkeit, die <6 insbeson- dere auf dem Gebiet der Lokalbahnprojekle cutwi>elt hat. Unter den internationalen Eisenbahn-Angelcgenbeiten, welcbe während der Berichtéperiode die Mitwirkung des Handels-Ministe- riums in Anspruch genommen haken, steht obenan die Unterhandlung mit dem Fürstenthum Serbien. An diese Unterhandlung reibten sich sofort weitere einverständlide Schritte, um in gleichem Sinne die Berliner Stipulationen gegenüber den anderen betbeiligten Balkan- staaten zur Auëführung zu bringen. Anläßlich der legiélativen Sicber- stellung des Baucs der Arlbergbahn wurden Verhandlungen mit den betheiligten s<weizeris<wen Eisenbahnverwaltungen zur vorläufigen Regelung der aus dem Vaue der Arlbergbahn \i< ergebenden Verkelrê- fragen eingeleitet, welche cin befriedigendes Resultat ergeben baben. Der Bericht erwähnt der Unterhandlungen mit der deutsben Negie- rung, betreffend die Couponfrage und der Unterl'andlungen in Angelegenbeit der Entwürfe der Bernec Konferenz über ein inter- nationales Tranéportre<{t, welche im Jahre 1880 fortzesett wurden. Das Handels-Ministerium hat die prinzipielle Geneigtbeit aus- gesprochen, zur Erörterung der vorliegenden Anträge an der \cinerzeit nah Bern einzuberufenden Nachkonferenz dur< Entsendung von De- legirten theilzunehmen. Im Zusammenhange mit den auf die For- derung des internationalen Verkebrs gerichteten Bestrebungen steben die Maßnahmen, welche den Zweck verfolgten, die mehrfa<h wahrnebm- bare VBenacbtbeiligung Triests in Folge der für die Entwickelung des dortigen Verkehrs ungünstigen Eisenbahntarift-Verlältnisse thunlichst zu mildern. Auf dem Gebiete des Eisenbahn-Tarifwesens wurde der Durchführung der beiden Verordnungen vom 12, März 1879, be- treffend die Veröffentlibung von Tarifermäßigungen und der die- selbe eins{hränkenden Verordnung vom 31. Dezember 1879 besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Das Handel8-Ministerium bat auc im abgelaufenen Salre auf die Forderung von Kartelverträgen direkt Einfluß genommen, um cinerseits die Vortheile zwe>mäßiger Tarife in gleihmäßiger Weise zu verallgemeinern und do< gleichzeitig _un- nöthige Geldopfer zu vermeiden und um andererseits zu verhüten, daß nit höhere Staatsinteressen dem vorübergebenden Vortheile cin- zelner Bahnunternechmungen nacgesetßzt werden.

Dortmund, 19. September (Eff. Ztg.) Die Tendenz auf dem Eifsenmarkte ist andauernd eine fehr feste. Die Eisenwerke sind sämmtlich reichlich mit Aufträgen versehen, daher fortwährend angestrengt beschäftigt, aud laufen neue Bestellungen in erwünshtem Maße und mit Regelmäßigkeit cin, so daß wohl auf eine Andauer der cinge- tretenen Besserung mit ziemlicher Sicherheit zu re<nen ift, Die Preise sind zwar ni<t weiter erhöht worden, aber sie werden fest behauptet und von den Konsumenten au<h bewilligt. Verschiedene Anzeichen, besonders aber das bereits eingetretene Anzichen der Kobhlenpreise deuten darauf hin, daß eine weitere Preissteigerung erfolgen wird. Was die einzelnen Branchen betrifft, so sind sämmtliche Roheifensorten fortwährend

schr stark begebrt. Ilseder Robeisen ist um 5 A gestiegen und notirt 454 pro Tonne. Tie Walzwerkbranche bat nob immer eine Zu- nabme der Nacfrage zu verzeihnen und zwar sowohl in Stahl- als Eisenfabrikaten, namentlich zeigt si< eine stetige Steigerung des Ve- darfs in Stab-, Band- und Faconeisen. Auch in Bleeben, Fein- wie Grobble<en nimmt der Konsum zu und sind besonders die stark be- scäftigten Siffswerften an der Nord- und Ostsee gute Kunden der Ble<walzwerke in {weren Eisen- und Stahlplatten, wie sie au bedeutende Posten von Façoneisen beziehen. Die Belebung in Wal z- draht hat stetige Fortschritte gemacht, besonders ist das Ausland wie- der in stärkerem Maße als Käufer aufgetreten, gezogener Draht bleibt esu<ht. InStahlscienen liegen den bezüglichen Werken noc immer Ebeutenke Bestellungen zur Effektuirung vor, au haben die Stabl- werfe bedeutende Aufträge in Stablblöcken, sogen. Blooms, in Händen, die neuerdings stark von Amerika begehrt sind. An bevorstebenden Submissionen sind bemerkenswerth: Lieferung von 345 Stück Gußstah[-, Herz- und Kreuzungéstücte, sowie ca. 450 t Befestigungämaterial zu eisernen Querschwellen für die Bergis<-Märkishe Bahn, 8009 lfd. Meter Stahlscbienen nebs Laschen und Bolzen zur Anlage ciner Swleppbabn für die Zehe Victoria in Hausberge bei Porta, 320 000 kg Eisfenfonstruftionen für eine städtisdbe Brücke in Königs- berg, Provinz Preußen, ferner 100 Stück offene Güter- und Kofkes- waggons für die Retchseisenbahnen und endlich Lieferung eines eiser- nen Lokomotivs<uppens, veranschlagt zu 404065 holl. Gulden für Holland und endlich Lieferung einer Zwillings-Fördermaschine für die fiskalishe Steinkoblengrube Friedrihsthal bei Saarbrücen. Die Masc@inenfabriken sind meist befriedigend, manche lebhaft beschäftigt, und zwar in \{<weren Maschinen sowohl als UP in laGten. Die Brüenbau-Anstalten haben zwar etwas mehr zu thun, fönnten aber no< re<t wobl neue Aufträge gebrauden; meistens baben sie nur kleine Objekte zu effettuiren, die bald erledigt sind; größere Brükenkonstruktionen sind auch für die nâcste Zeit nicht zu erwarten, da große Brücken nirgends projektirt sind. Die Dampfkesselfabriken sind andauernd befriedigend beschäftigt, auch vermehren sich die Aufträge für dieselben no<h immer. Im Kohlengeschäft hat sih besonders der Absatz in Hausbrand-, Gas- und Industriekoblen vergrößert und verfolgen die Preise daher nun auc endli anzichende Tendenz, Die meisten Zechen haben die Preise um 1—2 pro 100 Ctr. erhöht. Auch in Koks ist der Ver- kehr reger und sind die Notirungen fest mit einer Neigung zur Hauffe.

Mainz, 22. September. (W. T. B.) Der Verwaltungêrath der hessischen Ludwigsbahn bat die Abschlags-Dividende für das laufende Betriebéjahr auf 2% gleih 8,57 M für 250 Gulden-, 12 é. für 350 Gulden-Akticn festgeseßt.

London, 21. September. (W. T. B.) In der gestrigen Woll - auktion waren Preise lei fester Tendenz unverändert.

Verkehrs-Anstalten.

Nach den Verträgen mit den Bauunternehmern der Gotthard- bahn müssen die Unterbauarbeiten und das Legen des Oberbaues auf den s{wierigsten Bergstre>ken der Stammlinie bis 31, Mai 1882 im Roben vollendet sein, und die Gotthardbahngesellshaft ist berectigt, die Bahn von diesem Zeitpunkte an für ibre Zwecke in Anspruch zu nehmen. Der Unterbau der Cenerelinie soll vertrag8gemäß {on am 31. März 1882 im Rohen fertig gestellt sein. Nah dem jeßigen Stand der Arbeiten ist, wie man der „Grenzpyost“ mittheilt, nicht daran zu zweifeln, daß diese Termine eingehalten wer- den fönuen. Auf den meisten Stre>en wird der Bau früber und auf den Stre>en Brunnen-Göschenen, Airolo-Fiesso, Polmengo-Lavorgo und Giornico-Bodio die Bahn voraussichtlih {on bis Ende laufen- den Jahres betriebsfähig scin. Die Direktion der Gotthardbaln sell daher beschlossen haben, die Eröffnung des Betriebes der durchgehenden Linie auf 1, Januar 1882 anzusetzen. Bei dem vorgerückten Stande der Bauten und dem Bestreben der Unternehmer, die Arbeiten {on vor den vertraglichen Endterminen zur Uebergabe zu bringen, {eint auc keine Schwierig- keit zu bestehen, die offizielle Kollaudation der Babn schon im Mai fünftigen Jahres vornehmen zu lassen.

New-York, 21, September, (W. T. W.) Der Damvfer „Denmark“ von der National-Dampfschiffs-Comvagnie (C. Messingsbe Linie) und der Hamburger Postdampfer „Wieland“ sind hier eingetroffen.

Verlin, 22. September 1881.

Ueber den Kunstpavillon in der Gewerbe- und Zte dustrie-Ausstellung zu Halle a./S. 1881 entnebmen wir einer zur Orientirung und Erinnerung verfaßten Broschüre (Separatabdru>k aus der „Saale-Ztg.“) Folgendes:

Vor feinen geistigen Augen sicht die gesammeltere Aufmerksam- keit des Beschauers hier den Strom der Zeiten vorüberwallen., Nicht gleibmäßig hat er die Stücke aus den verschiedenen Epochen auf- nehmen können" Was wir hier aus dem fernsten Osten seben, braucht niht nothwendig das äâlteste zu sein. Was von eten <inesiscen Elfenbeinschnitereien und Porzellanen ausliegt, verräth eine {on späte Kulturepode des Reiches der Mitte. Auch was uns von den JIapanern, diesem Volke großartigsten Nachahmungë- talentes (wie die Gegenwart zeigt), geboten wird, stebt weit ab von den erften experimentirenden Kulturstufen, auf denen der Laie insonderheit gern den Orient antreffen will. Auch die Zeug- nisse indischen Kunstgewerbefleißes gehören nit entfernt mehr einer Anfängerepoe an. Das relativ Aelteste der uns beschäftigeuden Sammlung sind die vierzehn Vasen, welche Hr. Professor Heydemann in Griechenland, Unteritalien und Etrurien erworben und bier aus- gestellt hat; wunderbare Kontraste zu den Krügen und Gläsern des 16, und 17. Jahrbunderts ! Jene stillvollen Vasen mögen dem 4. und 3, Jahrhundert v. Chr. angehören. In die beste Zeit der Bildnerei fübrt uns der antife Homeroékopf, von welchem Hr. Bankier Lehmann uns eine in seinem Besitz befindlibe Kopie zu bewundern gestattet. An- muthig führt zuglei in das altgrieis<be Seelen- und Kleinkunst- leben der aus einem Camceco, zwei Ringen, zwei Ohrringen und wet Knöpfen bestehende, vielleibt aus dem dritten vorristliben Izhr bundert herrührende Golds<hmu>, wel<en der unvergeßliche Ludwig Roß einst von den Cykladen heimgebract und seiner kunstverständigen Gattin binterlassen hat. Eigenthümlih tit davon ab, die Beson- derbeit des Materials immerhin in Rechnung getogen, ein auf 3000 gescbätter, sehr s{<öôn antifkisirend gehaltener, moderner Ko- rallens<hmu> (im Befiß der Frau Professor von Frits<{).

An dieser Stelle zeigt die Ausstellung unseres Kunstvavillons cine Lücke, wie sie au die Kunstgescbichte lange Zeit ähnlich gezeigt hat. Erst aus dem zehnten nacbcristlihen Jahrhundert begegnen wir wieder künstlerishen und kunstgewerbliden Denkmälern. Die Quedlinburger Scbloßkirbe bewahrt einen hier ausgestellten Reli- quienkasten, welcher überlieferungsmäßig auf Otto 1. zurü>gzeführt, aber von der Kritik ohne eigentlih bis jet zwingende Gründe in das elfte Jahrhundert binabgerü>t wird. Des Quedlinburger Evan- gelienbubs, des Erfurter MReliquienkastens aus Elfenbein und der Quedlinburger Möärtyrerblut - Flasde aus Bergkrvstall, welde alle drei dem zehnten Jahrhundert anzugehören scheinen, haben wir {on im Vorbeigeben gedaht. Nieht weit ab wird troß aller s{einbaren Sktilverscbiedenbeit von dem Ottonischen Reliquienkasten der des Merscburger Domes u seßen sein, den man s{werli< erst dem 12 Jahrhundert zuweisen darf; sier gehört diesem jedo die Ampel des Erfurter Domes, wogegen der Teppich daselbst wohl zwei Jahrhunderte früher anzu- seten ist, Ein ganz sicheres Datum trägt das Stü> Teppich, welcbes zweifellos der Quedlinburger Aebtissin Agnes (1184 1204) angehört; sie hat ihn wenigstens na< beglaubigten Zeugnissen anfertigen lassen und die in der „Zitter“ aufbewahrten Teppiche gehören überhaupt zu den bedeutendsten Denkmälern der Geschichte dieses Industrie- ¡weiges, Das vierzehnte Jahrhundert wird in feiner weniger fräftigen aber mehr funstvollen Richtung dur< die drei

Teppiche des Erfurter Urfulinerinnen-Klosters carafteristis< vertreten, deren einer den Zug der beiligen drei Könige darstellt. Eine andere