1881 / 238 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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großen Prinzipien unserer auswärtigen Politik werden dur den Wesel im Ministerium keine Aenderung erfahren. Die „Presse“ sagt: Baron Haymerle wußte das Freundschafts- bündniß mit Deutschland so wohl zu pflegen, daß dasselbe heute als einzig unwandelbares, festes politisches Verhältniß innerhalb der shwankenden Haltung der anderen europäischen Mächte, als festeste Friedensbürgschaft gepriesen wird.

Pest, 9. Oktober. Die „Bud. Corr.“ meldet: „Den in Wien verbliebenen ungarishen Vertretern bei der öster- reihis<h-ungarischen Zollkonferenz wurden die neuen Instruktionen bereits zugesendet. Sobald die österreichische Regierung ebenfalls \<lüssig geworden, werden die Be- rathungen der Konferenz- wieder aufgenommen.“

Schweiz. Bern, 10. Oktober. (W. T. B.) Die inter- nationale Konferenz für Transportreht is geshlossen worden. Es wurde eine Einigung über einen Vertragsentwurf, betreffend die Ausführungsbestimmungen erzielt, sowie der Vorschlag ein internationales Bureau zu errihten, angenommen. Der Bundesrath wird die Beschlüsse den betheiligten Regierungen mittheilen und dieselben gleich- zeitig auffordern, si über dieselben zu äußern. Nach Ein- gang der Antworten wird das weitere Erforderliche, event. eine neue Konferenz angeordnet werden.

Frankreih. Paris, 9. Oktober. (Fr. Corr.) Eine Depesche aus Tunis, vom 8. Oktober, meldet: - Die Minister des Beys haben gestern unter seinem Vorsiß einen Conseil gehalten, Welche Mühe man sih au gab, die ge- faßten Beschlüsse geheim zu halten, verbreitete sh doch das Ge- rücht, daß der Bey in die Beseßung von Tunis gewilligt hat. Einst- weilen lagern unsere Truppen no< immer in der Nähe des Haupt- thors von Tunis. Die europäische Kolonie bereitet eine Pe- tition vor, in welcher sie auf die Beseßung der Stadt dringt. Die Nachricht von einem scharfen Gefecht, welches der Oberst Laro que vor einigen Tagen vor Kef zu bestehen gehabt bätte, wird bestätigt. Man meldet ferner, daß die Brigade Sabathier zwei Etappen in der Richtung auf Kheruan eee hätte, und daß diese Kolonne auf große Schwierigkeiten für ihre Versorgung mit Wasser gestoßen wäre. Aus Algier wird unter dem 7. Oktober telegraphirt: Der General Delebecque ist angekommen. Er schildert die Lage des Südens der Provinz Oran als eine befriedigende und glaubt, daß man keinen Grund habe, si< zu beunruhigen. Der General Saussier soll den Oberbefehl niht der Kolonne von Zaghuan, wie man gesagt hat, sondern der Kolonne von Susa übernehmen. Es ist ferner niht gewiß, ob die Kolonne von Tebessa au< wirkli<h Kheruan zu ihrem Objektiv hat. Wahrscheinlich wird sie sih vielmehr gegen Gefsa im E wenden, um den Insurgenten den Rückzug nah Süden abzuschneiden. A Der General Logerot telegraphirt dem Kriegs - Minister aus La Manuba, vom 9. Oktober: 4 : Gestern um 2 Uhr Nachmittags hat das Lager von Testur einen Angriff zu bestehen gehabt. Die Insurgenten wurden nachdrülich zurü>geworfen mit Verlusten, die man auf dreißig kampfunfähig ge- machte und auf eine no< größere Anzahl von Pferden schäßen kann. Auf unserer Seite wurden nur ein Mann und ein Pferd verwundet und ein Mann leicht verleßt. Die Truppen Ali Beys rü>ten aus und unterstüßten die von unseren Streitkräften ergriffene Offensive. (W. T. B.) Aus Tunis wird unter dem 10. Okto- ber gemeldet: Die französischen Truppen sind heute früh in Tunis eingerü>t und haben die Stadt, die Kasbah sowie zwei Forts besezt. Das Gerücht von der Plünderung Hammamets hat sih bis jet nicht bestätigt, do< wird dasselbe von den Fn surgenten blod>irt.

Jtalien. Rom, 10. Oktober. (W. T. B.) Die Nachr!ht von dem Ableben des Baron ei hat in Jtalien einen tiefshmerzlichen Eindru> hervorgerufen. Der König befahl dem Ministerium des Auswärtigen, der Trauer anläßlih des Todes dieses treuen Dieners des Kai- sers vou Oesterreih, dieses hervorragenden Staatsmannes und Freundes Jtaliens öffentli<h Ausdru> zu geven. Der Unter-Staatssekretär des Ministeriums des Auswärtigen sprach sofort nah dem Bekanntwerden der Trauernahhricht der öster- reichish:-ungarishen Botschaft das aufrichtige Beileid der italie- nischen Regierung aus.

11, Oktober. (W. T. B.) Die Pilger der argen- tinishen Republik überreichten am 9. Oktober dem Papst 25 000 pesos suertes,

Türkei. Konstantinopel, 6. Oktober. Der „Times“ wird von hier gemeldet : Die Pforte veröffentlicht heute eine amt- liche Mittheilung über die Spezialmission nach Egypten, dic etwas verschieden von dem in der gestrigen Spezialaus- pie dés „Vakit“ publizirten Communiqué abgefaßt ist. Sie autet wie folgt: „Se. Hoheit, der Khedive, hat die Hohe Pforte benachrichtigt, daß der Zwischenfall, welcher neulidh entstand, beendigt ist; allein in Anbetracht der großen Wichtig- keit, welhe die Kaiserlihe Regierung der Aufrecht- haltung der öffentlihen Ordnung in diesem Lande (nämliÞh in Egypten) beilegt, und“ um die Aufrecht- gs der Versügungen des Kaiserlihen Firmans fortzu- eßen, hat ein Jradé des Sultans die Entsendung ciner Spezialmission, bestehend aus Jhren Excellenzen Ali Nizam Pascha, Muschir der Kaiserlihen Armee, und Ali Fuad Pascha, Staatsrath, nah Egypten angeordnet, zu dem Zwe>, dem Khedive Sr. Majestät Befriedigung über die von den Lokal- behörden zur Aufrehthaltung der Ordnung getroffenen Maß- nahmen, sowie die Ansichten der Hohen Pforte mit Bezug auf die wichtige Frage der Sicherung fortgeseßten Friedens und der Ruhe in Egypten zum Ausdru> zu bringen.“ i

11. Oktober. (W. T. B.) Jn der gestrigen Sißung der Delegirten der Jnhaber türkischer Schuldtitel wurde die Zusammenseßung des Administrationsrathes für die Steuern festgeseßt. Derselbe besteht aus je einem Dele- girten eines jeden Staates, einschließli<h der Türkei, unab- hängig von dem Koinmissar der Pforte. Jeder Delegirte erhält jährli< 2000 Pfd. Sterling mit Ausnahme der beiden in Konstantinopel domizilirenden, welhe 1200 Psd. Sterl. er- halten. Der englische Delegirte wird von dem Rathe der auswärtigen Bondholders oder im Falle der Weigerung von der englishen Bank oder einer Versammlung türkischer ond-

olders gewählt. Der französis Delegirte wird von ori Etablissements oder einer BORAEREUs fran- ösisher Besißer türkisher Schuldtitel gewählt; in prechender

die des öôsterreihish- ungarischen

Pri der Bankiers von

europäischen Delegirten beanspruhte Erhebung der Abgaben

ent- ise findet die Wahl des deutshen und egirten statt. Der türkishe Delegirte wird von einer Versammlung tür- kisher Schuldtitelbesiger gewählt, der italienishe von der Handelskammer. Die Frage wegen der Wahl eines Dele- lata ist no< nit erledigt. Die räsidentschaft alternirt jährli zwishen dem englischen und dem französishen Delegirten. Die Pforte hat die von den

für Seide genehmigt, hinsihtlih der Fischereitaxe wurde no< Nichts beschlossen. Der russische Delegirte Thorner ist hier eingetroffen.

(Pest. L.)

Montenegro. Cettinje, 9. Oktober. s Die Moyamedaner von Du!lcigno haben sih bereit er- flärt, in den montenegrinishen Kriegsdienst zu treten. Ueber hundert derselben, welche hier weilten, leisteten bereits den Fahneneid.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 10. Of- tober. (W. T. B.) Der neuernannte englische Botschafter Thornton ist heute Abend hier eingetroffen.

Amerika. Washington, 10. Oktober. (W. T. B.) Jn der heute stattgehabten Sitzung des Senats stellte Pendleton den Antrag, daß Bayard (Demokrat) zum Prä- fidenten des Senats pro tempore ernannt werde. Edmunds (Republikaner) beantragte, die jüngst für die Staaten New- ork und Rhode-Jsland gewählten Senatoren vorläufig zum enate zuzulassen. Der Edmundssche Antrag wurde von der Repräsentantenkammer mit 34 gegen 33 Stimmen ab- gelehnt, der Pendletonsche Antrag aber mit 34 gegen 31 Stim- men angenommen. Bayard nahm in Folge dessen alsbald den Präsidentensiy im Scnate ein, der sih hierauf vertagte.

Afrika. Egypten. Die Londoner „Morningpost“ vom 11. d. M. erfähct, der französishe Minister des Aus- wärtigen, Barthélemy St. Hilaire, hätte eine Note an Lord Granville gerihtet und denselben darin ersucht, die

nitiative zu einem sofortigen gemeinsamen Vorgehen in

gypten zu ergreifen und die Bedingungen vorzuschlagen, unter welhen dasselbe mögli<h sei. Lord Granville habe si< dazu bereit erklärt und die Absendung einer identishen Note an die Pforte vorgeschlagen, welhe unter Betonung des zwishen Frankrei<h und England bestehenden vollkommenen Einvernehmens erklären sollte, daß beide Mächte, während sie die Suzeränetät der Pforte über Egypten anerkennen, eine Einmischung in die Finanzverwaltung Egyptens nicht dulden würden. Die Ver- treter Frankreihs und Englands in Kairo seien ersucht wor- den, bei dem Khedive und bei Sherif Pascha ihren Einfluß behufs Beschleunigung der Abreise der türkischen Kommissäre geltend zu machen. Für Nothfälle seien 2 Panzerschiffe nah Alexandrien gesendet worden.

Nr. 20 des Central-Blatts der Abgaben-, Gewerbes und Handels-Geseßgebunag und Verwaltung in den König- li Preußischen Staaten hat folgenden Inhalt: Anzeige der in der Gesetz-Sammlung und im Reichsgeseßblatte erschienenen Geseße und Verordnungen. I. Allgemeine Verwaltungsgegenstände: Zahlung des vollen Satzes der Umzugskosten an Beamte mit Familie. Ver- änderungen in dem Stande und in den Befugnissen der Zoll- und Steuerstellen. Buch- und re<hnungsmäßige Behandlung der Reich8- stempelabgaben. III. rette Steuern: Tarifirung von Käse in Umscließungen von Staniol. Tarifirung von eingesalzenen Fischen in luftdiht verschlossenen Töpfen. Ausführung des Reichs\tempel- geseßes. VI. Personalnachrichten.

Ä. dad

Statistische Nachrichten.

Gemäß den Veröffentlichungen des KaiserlihenGesundheits- amts sind in der 39. Jahreswoche von je 1000 Bewohnern auf den Fahresdurs\cnitt berechnet als gestorben gemeldet: in Berlin 23,4, în Breslau 26,2, in Königsberg 33,6, in Cöln 21,9, in Frankfurt a. M. 19,4, in Hannover 22,0, in Cassel 23,2, in Magdeburg 23,5, in Stettin 16,4, in Altona 14,8, in Straßburg 22,7, in Meß 20,7, in Müncen 27,1, in Nürnberg 25,4, in Augsburg 17,5, -in Dres- den 25,5, in Leipzig 16,8, in Stuttgart 15,1, in Braunschweig 27,9, in Karlsruhe 23,9, in Hamburg 18,2, in Wien 24,0, in Budapest 30,0, in Prag 23,5 in Triest 30,6, in Krakau 31,0, in Basel 15,1, in Brüssel 22,3, in Paris 20,7, in Amsterdam 19,9, in Kopen- hagen 20,3, in Sto>holm 18,5, in Christiania 13,4, in St. Peters- burg 40,9, in Warschau —, in Odessa 32,8, in Bukarest 17,9, in Rom 28,9, in Turin —, in Madrid 35,1, in London 13,6, in Glas- gow 18,2, in Liverpool 22,7, in Dublin 17,8, in Edinburg 17,1, in Alexandria (Egypten) 48,3. Ferner aus früheren Wodcben : in New-York 29,3, in Philadelphia 21,4, in Chicago 34,7, in St. Louis —, in Cincinnati 20,2, in San Franzisfko 15,3, in Kalkutta 24,1, in Bombay 28,8, in Madras 37 4.

Beim Beginn und in den ersten? Tagen der Berichtswoche waren an den deutsben Beobachtungéstationen östlibe und südöstlihe, nur in Konitz nordöstliche bald nah Südwest umlaufende Windrichtungen vorherrschend. Am 26. September ging der Wind an den meisten Stationen na Nord und Nordwest, in Bremen und Cöln nah vor- übergehendem Wesel mit Südwest, nur in Koniß blieben östliche Luftströmungen bis zum Schluß der Wocbe vorwiegend, wel<he Wind- rihtungen an den leßten Tagen der Wocbe au< an den anderen Stationen wieder die Oberhand erhielten. Bei meist heiterem Wetter war die Temperatur der Luft eine kühle und blieb allgemein bis zu mebreren Graden Celsius unter der normalen. Nachtfröste wurden vielfa gemeldet ; Niedersläge dagegen selten und nur in München in ergiebiger Weise. Der beim Wochenbeginn hohe Dru>k der Luft nahm in den ersten Tagen der Woche langsam ab. Am 28, stieg das Barometer an allen Stationen und erreihte an den meisten einen oe Standpunkt, den es aber bis zum Wochenschlusse niht behaup- ten Tonnte.

Aub in dieser Berichtêwoche blieben die Sterblichkeitsverhältnisse in den meisten Grof:städten Europas, namentli in den deutsche. Städten günstige. Die allgemeine Sterblichkeitsverbältnißzahl für die deutschen Städte sank auf 21,8 (pro Mille und Jahr) von 22,4, der Vorwoche und zeigte eine abermalige erheblide Abnahme der Sterblichkeit des Säuglingsalters. Von 10000 Lebenden starben aufs Iabr bere<net 74 Kinder unter 1 Jahr gegen 83 der Vorwoche (in Berlin 78 gegen 86). h

Unter den Todesursacben haben im Allgemcinen Darmkatarrhe und Brehdur(fälle der Kinder eine weitere Abnahme erfahren und übersteigt ihr Vorkommen in den meisten Städten das normale nur wenig. Auch Todesfälle an Ruhr waren seltener, nur in Posen, Granada und Alexandria ist eine Abnahme der durch sie hervor-

ebra<ten Todesfälle, no< nicht ersihtlib, Scharlachfieber und

iphtherie, namentli leßtere, hat in der Berihtswohe wieder größere Verbreitung gefunden und fordern bäufig mit einander auf- tretend zablreihe Opfer. Besonders heftig verlauft Scharlach in Kiel, ünster und Erfurt, aber aud in Côln, Barmen Dortmund, München, Nürnberg, Berlin, Pest ift die Zahl der Todesfälle cine größere. Diphtherie herrscht IRgnges in Königs- berg, Dresden, Berlin, Neustane Bagheburg, Hamburg, do< waren au< in Côln, Hannover, Düsseldorf, Gladba, München, Nürnberg, Pest, Magdeburg Todesfälle an Diphtherie nicht selten. PAIeNN eigten si in Hamburg, Braunschweig wieder häufiger. Typhöse Fieber haben ziemli< allgemein abgenommen, nur in Wien und Lon- don stieg die Zahl der Todesfälle ansehnlich. Sterbefälle an Fle>- tvpbus wurden aus London 4, aus St. Petersburg 11, aus Thorn, Krakau, Bukarest je 1 gemeldet, au< aus den größeren spanischen Städten Valencia, Malaga, Murcia, Granada werden einzelne Todes- fälle berichtet. Danzig zeigte sih das Rü>kfallsfieber wieder.

Die Poten verliefen meist milder, wie in Paris, London, St. Petersburg,

Saragossa. In Wien und Pest stieg die Zahl der Todesfälle ein wenig. Aus deutsben Städten wurden 3 Poentodesfälle (aus Dresden, Aachen, Essen je 1), ferner aus Granada gleichfalls ein Blatterntodesfall gemeldet. Die Nachrichten über dié Cholera aus Aden lauten günstig.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Der Musikdirektor und Professor Richard Wüerst (geboren am 22. Februar 1824) ist am 9. Oktober plößlich verstorben.

Wir maden auf folgende im Verlage der Königlicben Hof- buhandlung von E. S. Mittler & Sohn hierselbst erschienene Bücher aufmerksam: 1) Statistisher Sanitäts-Bericht über die Königlich preußische Armee und das XIIT. (Königlich württem- bergishe) Armee-Corps für das Rapportjahr vom 1. April 1878 bis 31. März 1879. Bearbeitet von der Militär-Medizinal-Abtheilung des Königlich preußischen Kriegs-Ministeriums. Preis 3,50 # Dieser Bericht zerfällt in zwei Theile: in den Haupttheil (Tert), der eine wissenschaftliche Darstellung der Gesundheitsverhältnisse der Armee, eine Uebersicht und Charakteristik aller zu Tage getretenen Krank- heiten bietet, und in die tabellarisben Anlagen, in denen als Ma- terial zu näheren Untersuchungen die Einzelbelege der vorangehenden Darstellung geliefert werden, Uebersihten, die, sow2hl na< Krank- heitsgruppen wie na< Garnisonen geordnet, die Gesundheitsverhält- nisse der einzelnen Waffen und Truppenverbände verzeihnen. 2) Die Münzen Bernhards Grafen von Anhalt, Herzogs von Sachsen von Dr. Theod. Elze. Zweites Hest: Die Bracteaten R als eiae von Sacbsen. 1180—1212. Mit 5 Kupfertafeln. reis 6 M. Schon in einem früheren Hefte (1870) hat der Verfasser begonnen, eine Ueber- siht sämmtlicher Münzen Bernhards von Sachsen zu geben. Jenes ist den aus seiner Herrschaft als „Graf von Anhalt“ stammenden, dieses denjenigen gewidmet, welche er als „Herzog von Sabsen“ prägen ließ, und zwar bringt es alle Arten der vorhandenen Münzen des Herzogs zur Darstellung. Der Verfasser hat diese Publikation abge- \<lossen im leßtvergangenen Jahre, in welchem dieses Ereigniß (1180) siebenhundertjährig wurde. Ein drittes Heft wird dies für die Münz- freunde und die Kenner niederdeutsher Geschihte wichtige Werk abs{ließen. 3) Registrande der geographisc- statistishen Abtheilung des Großen Generalstabes. Neues aus der Geographie, Kartographie und Statistik Europas und seiner Kolonien. Elfter Jahrgang. Quellennachweise, Auszüge und Besprebungen zur laufenden Orientirung, bearbeitet vom A Generalstabe, geographisch-statistis<e Abtheilung. 12,50 #. Gelegentli<h der Herausgabe des vorjährigen 10. Bandes dieses vom Königl. Großen Generalstab veröffentlichten Jahrbuches hat die Kritik bereits hervorgehoben, daß dieses Unternehmen von Jahr zu Jahr an Bedeutung gewonnen habe und für viele Interessen der Wissenschaft, der Volkswirthschaft und des Verkehrs eine reiche Quelle geworden sei. Das Werk enthält eine Uebersicht aller neuen Ergeb- nisse geographisher Forschung, aller kartographischen Veröffentlibun- gen und die neuesten Zahlenangaben über den Stand und die Ent- wicelung der verschiedenen Lebensgebiete europäischer Staaten.

Von dem Werke: „DieErde und ihr organisches Leben“, von Dr. Klein und Dr. Thomé (Verlag von W. Spemann, Stuttgart), liegen jeßt die Lieferungen 49—53 vor. Dieselben behandeln die Fauna und Flora der Vereinigten Staaten mit besonderer Be- rücsi{tigung der Bodenkultur und Ausnütßzung der Wälder. L {ließen sich an : die südlichen Prairien und das mexikanische Gebiet, Westindien, Südamerika diesseits des Aequators, die tropiscben Anden, Brasilien und Südamerika jenseits des Wendekreises. Wenn das Werk vollendet scin wird, dürfte dasselbe mit seinen vielen treff- lihen Illustrationen ni<ht nur jeder naturwissenschaftlihen und geographbiscben Bibliothek zur Zierde gereichen, sondern au< für den Handelsstand wegen seiner Fülle werthvoller Mittheilungeæz in Bezug auf Handelsgeographie und Handelspolitik von Werth sein.

Dr. Bernhard Christof Fausts Gesundheits-Ka- tebismus zum Gebrauche in den Schulen und beim häuslichen Unterrichte, herausgegeben von Dr. S. Wolffberg, Dozent der öffentlihen Gesundheitäpflege an der Universität Bonn, Verlag von Emil Strauß in Bonn, 1881. Zu Ende des vorigen Jahr- hunderts hatte eine deutsche Fürstin, Juliane von Schaumburg- Lippe, von dem Grundsaß ausgehend, daß eine gesunde Seele nur in einem gesunden Leibe wohnen könne und es der landeéväterliden Fürsorge obliege, für das Wohl des Leibes der Landesfinder in der Schule ‘den Grund zu legen, ihren Leibarzt Dr. Bernhard Christof Faust veranlaßt, zum Unterricht in der Gesund- beitspflege cinen Leitfaden in der knappen {arf ausgeprägten Form eines Katehismus mit Frage und Antwort herzustellen. Der Versu war von bestem Erfolge begleitet, und rasch fand das vortreffliche Büchlein seinen Weg über die Grenzen des kleinen Staates hinaus ; überall nacgedru>t und überseßt in mehrere fremde Sprachen, wurde es in bunderttausenden von Eremplaren über die ganze civilifirte Welt ver- breitet. In dem Kriegsjahre um die Wende des Jahrbunderts ge- rietben aber Dr. Faust nnd scin Katehismus so sehr in Vergessenheit, daß heute das Büchlein zu den Seltenbeiten der Bibliotheken gehört. Der Herausgeber hat es deshalb unternommen, diesen Katebismus der Gegenwart wieder zugängli< zu machen. Veraltetes hat er weggelassen und dem Vorschritte der WissensWaft durhweg Rechnung getragen, die fnappe Form aber ge\{hont. Der Preis des Büchleins beträgt nur 50 „4. Die Auéstattung ist hübsch und solide.

Von der bereits angekündigten, im Verlage von Greßner u. S{ramm in Leivzig erscheinenden Zeitschrift „Auf der Höhe“, Internationale Revue herausgegeben von Leopold v. Sacber-Masoch, ist soeben das 1. Heft (Oktober) ausgegeben worden. Das neue Unternehmen <arakterisirt si< am Besten dur die nacstehende Inhaltsangabe des ersten Hefsts. Dasselbe enthält folgende Beiträge : Ünser Programm und unsere Mitarbeiter. Hermann Lingg (Mün- cen), Die Genien der Menschheit. Sacher-Masoch (Leipzig), Der Judenraphael. Juliette Lamber (Mme. Adam, Paris), Portici. Ein verabschiedeter Staatêmann, Oesterreicb-ungarishe Zustände und Gefahren. Carl Vogt (Genf), Ueber den Ursprung des organischen Lebens. Bluntschli (Heidelberg), Prisenret und Prisenrehtspflege. Johann Fastenrath (Cöln), Die Madrider Calderonfeier. RibGard Oberländer (Leipzig), König Kalakaua und das Königreich Hawaii. Daniel Sanders (Alt-Strelitz), Spracbeigenthümlickeiten bei Lessing. Corvin (Leipzig), Auf dem Kricgspfad. Rabbiner L. Stein (Frankfurt a. M.), Das Beste im Hause (aus dem Talmud). Charlotte Arand (Berlin), Der Herr Assessor. Revue des geistigen Lebens: Belgrad (Bozidar Body). Berlin (Baronin Har- der). Cöln (A. Reiser). Leipzig (H. Roskoshny). Paris (Paul d'Abrest). Chronik der eleganten Welt : Paris (Mme. de Roche- tbullon). Wien (Frau von Kapff-Essenther). Die Zeitschrift er- scheint am 1. jeden Monats. Abonnement für 1 Quartal 6 #4, für

1 Semester 12 M, für 1 Jahrgang 24 A

Gewerbe und Handel.

Ueber die Geschäftsergebnisse des Bergish-Märk ischen Bergwerksvereins wird Folgendes berichtet: Im Geschäftsjahr 1880/81 betrug die De auf den Schächten Henriette und Hummelbank 1623 653 Scheffel gegen 1442 824 im Vorjahr bei einem dur<s{nittliden Verkaufspreis von 26,42 K gegen 25,06 M Es wurden dur<s{nittli< 357 Arbeiter gegen 339 beschäftigt, welcbe auf Förderung 90822 Schichten gegen 85778 und auf Aus- ridtung 19525 Sichten gegen 17515, insgesammt 110 344 Schichten geaen 103 294 verfuhren. Der durs<nittlihe Schichtlohn betrug 2,33 M gegen 2,35 M Die Selbstkosten stellten fic bei ge- werkicaftlicher Verrechnung auf 22,55 4 gegen 24,66 Æ, so daß si ein Gewinn von 62842 M gegen 5761 H im Vorjahre ergiebt. Die Bilanz sbließt ab mit cinem Gewinn von 2688 und nah den 45 ungen in Höhe von 64004 K mit cinem Verlust von

¿ A

Der Cours für die bier zahlbaren österreichischen

Silbercoupons ist auf 173 M für 100 Fl. herabgeseßt worden.

Nürnberg, 8. Oktober. (Hopfenmarktberiht von Leopold Held). Der biesige Hopfenma rft hat si heute mehr beruhigt, wenn au die Preise si< gut behauptet haben. Es trafen nur ca. 600 Ballen mittelfränkishe und 500 Ballen auswärtige Sorten ein, wo- von erstere nur theilweise und von leßteren, was nit zu ho gehal- ten wurde, abgeseßt werden konnte. Die Preise blieben die lettnotir- ten, und nur für Primawaare konnten ca. 5 mehr erzielt werden. Die Tendenz ist entsbieden ruhiger, Preise jedo fest.

London, 8. Oktober. (Allg. Corr.) Nach dem beute ver- öffentlichten Ausweis des britischen Handel8amts pro Sep- +tember a. c. beträgt der Werth der Einfuhr während des Monats 23 191 225 Pfd. Sterl. oder 1084 102 Pfd. Sterl. weniger als in demselben Monat des Vorjahres. Der Werth der Einfuhr für die abgelaufenen 9 Monate beziffert si auf 296 843 993 Pfd. Sterl. oder 13 063 769 Pfd. Sterl. weniger als in den ersten 9 Monaten von 1880. Der Ausfuhrwerth des Monats beläuft sib auf 90) 900 563 Pfd. Sterl., d. i. eine Zunahme von 873 216 Pfd. Sterl. im Vergleich mit September 1880, während der Ausfuhrwerth für die abgelaufenen 9 Monate 171 819 622 Pfd. Sterl. oder 4 773 645 Pfd. Sterl. mehr als in demselben Zeitraum von 1880 beträgt.

St. Petersburg, 11. Oktober. (W. T. B.) Die Reichs- bank madt im „Regierungsboten“ bekannt, daß vom 28. September (10. Oktober) ab der Verkauf neuer 95prozent. Bankbillete wegen gänzlicher De>ung des Betrages sistirt worden ift.

Washington, 10. Oktober. (W. T. B.) Der Swhaßt- fekretär Windom mat kbefannt, daß er am 17. Oktober und an den folgenden Tagen 5 Millionen zur Amortisation aufge- rufene Obligationen mit den Zinsen bis zum Tage der Ein- lösung amortisiren werde. Das Schaßamt verfüge über die erforder- liden Mittel und verfolge den Zwe>, Zinsen zu sparen. Die An- Faufe werden demna< allwöchentlich fortgeseßt werden. Heute hat das Schaßamt für weitere 2 Millionen Dollars Obligationen auf- gekauft.

Verkehrs-Anstalten.

Triest, 10. Oktober. (W. T. B.) Der Lloyddampfer „Ceres“ ist heute Vormittag mit der oftindischen UVeberlandpost aus Alexandrien hier eingetroffen.

Plymouth, 10. Oktober. (W. T. B.) Der Hamburger Postdampfer „Wieland“ ist hier angekommen.

New-York, 10. Oktober. (W. T. W.) Der Dampfer „Spain“ von der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Messingsche Linie) ist hier eingetroffen.

Verlíin, 11. Oktober 1881.

Berliner Rennbahn L N Ae 1881, Herb stt- Yeeting. Zweiter Tag, ontag, 10. Oktober. Der Besuch am ersten Tage war zahlreicher als der des zweiten Tages, obglei das Wetter an dem leßteren viel günstiger war; au die Konkurrenzen, welche am zweiten Tage gelaufen wurden, boten ein mannigfahes Interesse dar. Die Rennen begannen um 1 Uhr mit:

I. Ermunterungs-Rennen. Staatspreis 1700 A Für 2- und Zjähr. inländ. Hengste. 100 M Eins., halb Reug. Dift. 1000 m. Dem zweiten Pferde die Hälfte der Eins. und Reug. 7 Pferde liefen. Nach Gefallen siegte mit 3 Längen: K. Hpt. Gest. Graditzs F. O. „Nebenmann“, drei Längen zwischen dem weiten Hrn. Ulribs F. H. „Gottfried von Bouillon“, und Dritten Fürst Hohenlohe-ODehringens F. H. „Il Fratello“. Werth: 2390 # dem Sieger, 609 # dem

weiten. 2 IIL. Stuten-Biennial. Staatspreis 3000 A4 Für 1879 geb. inländ. Stut. 150 Æ Eins, 100 Æ Reug. Die Neug. von 50 M fallen der Siegerin von 1882 allein zu. Dist. 1000 m. 4 Pferde liefen. Es siegte: K. ppt. Gest. Gradit br. St. „Wetterwolke“ gegen Fürst Hohenlohe-Oehringens F. St. «Flami- nia“ Werth: 3725 M der Siegerin, 725 # der Zweiten.

III. Stuten-Biennial. Staatspreis 3000 #{ Für 1578 geb. inländ. Stut. 150 Æ Eins., 100 F _ Reug. Dist. 2000 m. 5 Pferde starteten. Es siegte mit drittehalb Längen: Hrn. D. Oehl- \{lägers br. St. „Siegespalme“ gegen K. Hpt.-Gest. Gradiy F. St. o - aagaczat Werth: 5100 F der Siegerin, 1300 F der

weiten.

1V. Staatspreis 111. Kl. 3000 A Für inländ. Hengste und Stuten. 180 A Eins., halb Reug. Dist. 2600 m. Dem zweiten Pferde die Hälfte der Eins. und Reug. 2 Pferde liefen: Es gewann leiht Pr. Fr. Haßfeldts S- P „Flatterer“ gegen Fürst Hohenlohe- Oehringens dbr. H. „Blue Monkey“. Werth: 3585 H dem Sieger, 585 dem Zweiten. | 5

V. Omnibus-Handicap. Klubpreis 1500 4 Pferde aller Länder. 100 4 Eins, 50 A Reug. Dist. 2400 m. Das dritte Pferd erhält den doppelten Eins.; der Rest der Einf. und Neug. zwischen dem ersten und zweiten Pferde getheilt. 9 Pferde erscbienen am Pfosten. Es siegte leiht mit zwei Längen Frhrn. Ed. v. Oppen- heims F. W. „Page“, anderthalb Längen zwischen dem Zweiten Kapt. Joë's br. H. „Cathedral“ und Dritten Bar. C. Biels F. H. „Thornham“.

VI. Handicap-Hürden-Rennen. Gradißer Gestütspreis 1000 M Herrenreiten. Für inländ. Pferde. 60 K Einf, 40 4 Reug. Dist. 3200 m. Dem zweiten Pferde die Einf. und Reug. bis 300 K 4 Pferde liefen: Kapt. Joë's br. H. „Humbug“ (Lt. von Heyden-Linden 11. 3. Husar.), Hrn. O. Oehlschlägers br. St. „Aus- abe“ 3j. (Lt. von der Marwiß, 12. Drag.), Frhrn. E. von Falken- ausens F. St. „Per Dampf“ (Lt. von Marschall). Nach s{önem Kampf ging Kapt. Joë's br. H. „Humbug“ als Sieger hervor. Werth: 1360 M dem Sieger. Das nächste Rennen findet Sonntag, 16. Ofk- tober, Nachmittags 4 Uhr statt.

Eine Versteigerung, die in erster Linie für die Freunde der Geschichte Berlins und der Mark Brandenburg von bôchstem Interesse ist, aber au< in weiteren Kreisen von Sammlern alter Dru>e und Abbildungen sowie kulturges{ichtlicher Curiosa Be- atung verdient, - findet in Lepke's Berliner Kunstauktionshause am Montag, den 24. Oktober, und den folgenden Tagen von 190—2 Uhr statt. Das Objekt der Auktion ist eine Sammlung von Ab- bildungen, Flugschriften und Büchern zur Geschichte Berlins und der Mark Brandenburg, sowie anderer Theile des preußischen Staates (den Provinzen Pommern, Ost- und Westpreußen, Sacbsen und Schle- sien), die im Ganzen 1507 Nummern umfaßt und in ihrer auf die Residenz bezüglichen Hauptabtheilung an Reicbhaltigkeit und Vielsei- tigkeit des Inhalts geradezu einzig dasteht Der sorgfältig gearbeitete, von dem Antiquar Albert Cohn verfaßte Katalog giebt die biblio- graphisce Pee oun sämmtlicher Stücke der Sammlung und macht zuglei auf die dur<Þ Seltenheit hervorragendsten Nummern und Gruppen besonders aufmerksam. Er zerfällt in zwei größere Abthei- lungen, von denen die der Abbildungen und Flugblätter, wie nit anders denkbar, die kostbarsten und au< für weitere Kreise bemer- kenswerthesten Stücke, diejenige der Dru>schriften aber ganze Grup- pen lokalgeschihtlid wichtiger und zum Theil bisher gänzlich uabekannter Gelegenheitsblätter enthält, wie sie, für das JIn- teresse des Tages berehnet, naturgemäß \<nell der Vernich- tung und Vergessenheit anheimfallen und in einem späteren Jahrhundert nur mit beharrlihstem Sammlerfleiß und unter beson- ders glüclihen Umständen wieder zusammengebrat werden können. Was die vorliegende Sammlung gerade na dieser Seite hin in einer Folge von fast 200 auf einzelne Personen und Berliner Fa- milien, auf Hochzeiten, Taufen, Jubiläen, Todesfälle 2c. bezüglicher Gelegenheitss{riften des 17. und 18, Jahrhunterts sowie in einer kleineren Kollektion auf die Geschichte der französishen Kolonie be- üglicer Publikationen vereinigt zeigt, läßt die wieder bevorstehende

erstreuung des Ganzen besonders le haft edauern. Bemerkenswerth nd aus der Abtheilung der Dru>=schriften sodann no< die Gruppe er Berliner Dru>e des 16. Jahrhunderts, unter denen das überbaupt älteste der in Berlin gedru>ten Bücher, die „Kirhen-Ordnung der

Maren zu Brandenburg“ vom äabre 1540 obenan ftebt, ein vor- züglih erhaltenes Exemplar der Sedelscen, zu Nürnberg 1493 ge- dru>ten Holzschnittchronik, des vielieicht erstcn Dru>kwerks, in weldbem der Name Berlins vorkommt, ein Ablaßbrief des Papstes Sirtus IV. zu Gunsten der Ballei Brandenburg vom Jahre 1481, der in seiner no< unbebolfenen Typographbie vielleicht das überhaupt älteste Druck- werk der Mark Brandenburg darstellt, und die an Seltenheiten reibe Reihe alter Kalender, Adreßkalender, Taschenbücher u. \. w. fowie \{ließli< die in der Rubrik „Mark Brandenburg“ verzeicneten seltenen Schriften, die das Haus Hohenzollern, die Mark in Allgemeinen und eine Reihe märkischer Ortschaften im Befonderen betreffen. Jn der Abtheilung der Abbildungen und Flugblätter ragen als âlteste, die Residenz betreffende Darstellungen das Prognostikon Thurneissers für die Jahre 1573—1575 mit einem großen figuren- reichen Holzschnitt, dec Kupferstih des „Pallast zu Collen ahn der Spree“ vom Jahre 1592 mit der Abbildung der Front des alten von Kaspar Theiß erbauten Schlosses und zwei auf die Anwesenheit des Königs Christian IV. von Dänemark im Jahre 1595 bezügliche Radirungen als höchst seltene Arbeiten des 16. Jabrhunderts hervor. An sie {ließt si< das prawtvolle Krönungswerk von 1701, „Der Königlich Preußischen Crönung How- feverlide Solemnitäten“, die von Leygebe ausgeführte Tuschzeichnung des Sarkophags König Friedrichs T. von A»dreas Slüter, das „Christ-Königliche Trauer- und Ehren-Gedächtnüs der Frauen Sophien Charlotten, Königin in Preußen 2c.“ von 1705, der „Prospekt der Palläste und Luistscblöfer S. K. M. in Preußen“ von J. B. Broebes von 1733, der älteste Pian Berlins in einer Kupferradirung von etwa 1640 und eine stattlibe Folae von Ansichten hervorragender Bau- werke und öffentlicher Denkmäler sowie von bildlihen Darstellungen der verschiedensten Ceremonien, Feste und sonstigen interessanten Er- eignisse des öffentlihen Lebens, von denen manche zugleih für die A Kunstgeschichte von mehr oder minder erheblichem Inter- esse sind.

Im Verein für die Gesbichte Berlins hielt am Sonn- abend der Geometer Vogt cinen Vortrag „Zur Geschichte des Feuerlöschwesens“, worin er nach arcivalischen und anderen Quellen ein anzichendes Bild gab von den primitiven Veranstaltungen, die man früher zur Bewältigung des Feuers traf. Nab im 14. Jahr- hundert, wo in Berlin dreimal, 1367, 1377 und 1386 große Brände wütheten, batte man hier äußerst mangelhafte Einrichtungen. Grst seit 1426 ward auf bessere Bebauung gedrungen, Stroh- und Rohrdächer verboten und für Brunnen und Wasser gesorgt; in besonderen Schuppen sollten sogar Haken und Eimer bereit gehalten werden. Auch legte man bequeme Zugänge zur Spree (Krögel 2c.) an, um bei Feuersgefahr nicht Mangel an Wasser zu haben. Allein die Ausführung aller guten Vorsäße blieb mangelhaft, und 1580, 1616 und 1618 folgen neue Anordnungen. Nach dem 30 jährigen Kriege ersien am 15. Juni 1672 eine neue fonfirmirte Feuerordnung, die {on ziemlich umfangreich war, auch Rathschläge zur Perbütung von Bränden enthält. Bis jeßt hatte man nur Hand- spriteen; die erste fahrbare Spribe wird zwar {on 1612 er- wähnt, jedo fommen erst 1672 die Schläuche in Amsterdam auf und 1674 scaffte der Rath von Berlin eine folhe Spriße an. Am 31. März 1727 erschien die Königlich Preußische Feuerordnung, die über 100 Jahre in Gültigkeit blieb,

Müncen, im Oktober 1881. In den Tagen vom 29. Sep- tember bis 1. Oktober fand die diesjährige Plenarversammlung der historishen Kommission statt. Gegenwärtig waren von den auswärtigen Mitgliedern der Präsident der K. K. Akademie zu Wien und Direktor des geheimen Haus-, Hof- und Staatsarcbhivs, Geheime Rath Ritter von Arneth, der Geheime Regierungs-Rath Waitz aus Berlin, der Klosterprobst Freiherr von Liliencron aus Schleswig, der Hofrath Professor Siel aus Wien, die Professoren Baumaarten aus Straßburg, Dümmler aus Halle, Hegel aus Erlan- gen, Wattenba< aus Berlin, von Wegele aus Würzburg und von Wyß aus Zürich; von den einheimischen Mitgliedern nahmen an den Sitzungen Antheil der Vorstand des K. allgemeinen Reich8archivs Geheime Nath Professor von Löher, Professor von Kluckhohn, der Geheime E und Staatsarchivar Professor Ro>kinger und der Geheime Rath Professor von Giesebre<t, der in Abwesenheit des Vorstandes Geheimen Regierungs-Rathes von Ranke den Vorsitz übernahm.

Aus den Verhandlungen ergab si, daß alle Arbeiten der Kom- mission in regelmäßigem Fortgang sind und es nur zufälligen Um- ständen zuzuschreiben ist, wenn mehrere Werke, deren Publikation im Laufe des Jahres zu erwarten stand, im Dru>ke nicht ganz vollendet wurden. Veröffentlicht sind: e

1) Jahrbücher der deutshen Geschichte. Jahrbücher des Deut- {en Reichs unter Heinrich 111. von Ernfl Steindorff, Bd. I.

2) Allgemeine deutsche Biographie. Lieferung LVII.—LXVI.

3) Forschungen zur deutshen Geschichte. Bd. XXI.

4) Sachregister zu Bd. I.— XX, der Forschungen zur deutschen Geschichte.

Außerdem wurde mit Unterstüßung der Kommission publizirt das Werk von Richard Braungart: „Die A>erbaugeräthe in ihren vraktis{en Beziehungen, wie na< ihrer urgeschichtlihen und ethno- graphischen Bedeutung.“ (Mit einem Atlas.)

Die außerordentliche Liberalität und Gefälligkeit, mit welcber die Arbeiten der Kommission von den Vorständen der Archive und Bibliotheken fortwährend unterstützt werden, verpflichtet immer aufs Neue zum lebhaftesten Danke.

Von der Geschichte der Wissenschaften in Deutschland ist im Laufe des leizten Jahres kein Band erschienen, do< teht jeßt nab den Erklärungen des Professors von Wegele dem Beginn des Dru>es seiner Geschichte der Historiographie kein Hinderniß mehr im Wege, und werden dann bald auc die anderen no< fehlenden Abtheilungen diescs großen Unternehmens folgen.

Die von Professor Hegel herausgegebene Sammlung der Deutschen Städtechroniken ift bis zum 17. Bande vorgescbritten, der bis auf die Vorrede im Drud> vollendet vorlag. Er bildet den ersten Band der Mainzer Chroniken und enthält eine bisher ungedru>te deutsche Chronik aus der Mitte des 15. Jabrhunderts, bearbeitet vom Herausgeber selbst unter Mithülfe von Dr. Rob. Pöhlmann und Dr. Albr. Wagner. Diese Gbronik bandelt von den inneren Pattciungen zwischen den Gescblechtern und Zünften in dem Zeitraume von 1332—1452 und erzählt am Schluß

_au< de - Streit zwischen dem Rath der Stadt und der Pfaffheit; in den

Beilagen sind gleicbzeitige Urkunden und Berichte zur Ergänzung und Er- läuterung der Chronik abgedru>t. Der zweite Band der Mainzer Chroniken, welcher im nächsten Jahre erscheinen soll, wird die Ver- fassungsgescbichte der Stadt Mainz vom Herausgeber enthalten, über- dies eine von demselben alü>li< wiecdergefundene lateinische Chronik von der Mitte des 14, bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts, von welcher biéher nur Fragmente bekannt waren. Die Bearbeitung der Lübecker Chroniken dur< Dr. Kovpmann ist so weit vorgeschritten, daß der Dru> des ersten Bandes, welcher die Detmar-Chronik in ibren versciedenen Recensionen bringen soll, voraussichtlih im näc- sten Jahre beginnen wird. E

Auch die Arbeiten für die deutsben Reichstagsakten sind erheb- li gefördert worden. Der vierte Band, der erste aus der Regie- rungêperiode König Rupre<ts, von Professor J. Weizsäcker, dem Leiter des Unternehmens, bearbeitet, ist im Druck bereits weit vor- gelQritten. Im Sommer des laufenden Jahres ist cs Profesor Kerler in Würzburg gelungen, au den abten Band, den zweiten aus der Zeit König Sigmunds (1421—1426), fertig zu stellen, so daß der Dru> demnächst anfangen kann. Zugleich find die Arbeiten au für mehrere andere Bände fortgeseßt und eine größere Anzahl von Archiven benußt worden. In (Göttingen unterstüßte Dr. E. Bern- beim als Mitarbeiter das Unternehmen. In Wien gewährte demsel- ben Dr. Zimerman dur< Abschriften aus den Reichsregistratur- büchern Beihülfe. In Basel hat Staatsarhivar Dr, Waernagel werthvolle Mittheilungen aus seinem Institute gemaht. Zur weite-

ren Förderung des Unternehmens wird Dr. Quidde aus Bremen als Mitarbeiter eintreten. 5

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Für die Sammlung der Hanserezesse hat der Herausgeber Dr. Koppmann auf Reisen nah Lüneburg, Elbing und Thorn eine An- zahl werthvoller Stü>e gewonnen. Der Dru> des se<sten Bandes, der bis 1420 vorauési<btli<h reihen wird, soll in wenigen Monaten pegoinen werden. Dieses Unternehmen geht seinem baldigen Abschluß entgegen.

Von den Jahrbüchern der Deutschen Geschichte lag die erste Hâlfte des die Regierung Konrads 111. betreffenden Bandes in der Bear- beitung des Professôrs W. Bernhardi dru>fertig vor und wird dieser Band im Laufe des nächsten Jahres veröffentliht werden können ; au< andere Abtheilungen der Jahrbücher nähern si< der Vollendung. __ Die Zeitschrift : „Fors<hungen zur Deutschen Geschichte“, die sich in verschiedenen Beziehungen als ein Bedürfniß erweist, wird in der bisberigen Weise au< ferner unter Redaktion des Geheimen Regie- rungs-Raths Wait und der Professoren von Wegele und Dümmler fortgeführt werden; mit dem Drucke des zweiundzwanzigsten Bandes ist bereits der Anfang gemacht.

F Die Allgemeine Deutsche Biographie, redigirt von Klosterpropst Freiherrn von Liliencron und Professor von Wegele, ist in regel- mäßigem, raschem Fortgang begriffen. Der zwölfte und dreizehnte DE ist vollendet und der vierzehnte {on zum größeren Theile ge- rut.

__ Das sehr umfassende Unternehmen der Wittelsbabschen Corre- spondenzen wird demnächst um mehrere neue Bände bereichert werden. Die ältere pfälzishe Abtheilung wird mit der wichtigen Correspondenz des Pfalzgrafen Johann Casimir, Beiträge zur Geschichte der euro- päischen Politik in den Jahren 1576—1592, bearbeitet von Dr. Fried- ri< von Bezold, zum Abschluß kommen. Der erste Band dieses Werkes, welcer sich auf die Zeit vom Tode Friedribs des Frommen (1576) bis zum Abschluß des Augsburger Reichstags (1582) bezieht, ist im Dru> nabezu vollendet; für denselben wurden im Laufe des Jahres no< werthvolle Ergänzungen theils in den hiesigen Archiven, theils in Speier, Stuttgart, Breslau, Bern, Basel, Genf und Zürich gewonnen. Auch für den zweiten Band, welcher die Zeit des kölnisben Stiftsstreits vomHerbst 1582 bis zum Tode Kurfürst LudwigsVI. umfassen soll, ist größtentheils das Material gesammelt. Für die unter:Leitung des Geheimen Raths von Löber stehende ältere bayerisce Abtheilung hat Dr. August von Druffel die Arbeiten fortgeseßt. Von den Briefen und Akten zur Geschichte des 16. Jahrhunderts hat der Dru der zweiten Abtheilung des dritten Bandes, welche die größeren Afkten- stü>e des Jahres 1552 aufnehmen foll, begonnen. Nachdem auch für den vierten Band die Sammlung des Materials im Wesentlichen abgeslossen ist, so daß nur no< eine Nacblese in Dresden und Marburg anzustellen bleibt, wird die Veröffentlibung desselben bald folgen. Die Arbeiten für die jüngere pfälzishe und bayerische Ab- theilung, geleitet von Professor Cornelius, waren besonders auf die Vollendung des fünften Bandes der Briefe und Akten zur Geschichte des dreißigjährigen Krieges gerichtet, in welbem Dr. Felix Stieve die im vierten Bande begonnene Darstellung der bayeriscben Politik in den Jahren 1591—1607 zum Abs{luß bringt. Der Dru> des fünften Bandes ist bereits weit vorgeschritten, und der Dru> der weiteren Bände wird dann ohne Unterbrechung unter- nommen werden fönnen.

Wie die {on eine Reihe von Bänden ausfüllenden Wittels- ba<schen Correspondenzen zeigen, hat die Kommission seit ihrer Be- gens es als eine Hauptaufgabe angesehen, das Material für die Geschichte des Hauses Wittelsbach allgemein zugänglich zu macen. Fn dieser Absicht hat sie si< au< auf Antrag des Geheimen Haus- und Staatsarchivars Nockinger {on seit längerer Zeit mit dem Plane einer vollständigen Neubearbeitung der Wittelsbacscben Regesten von Fr. Böhmer beschäftigt. In der diesjährigen Plenar- versammlung aab Geheime Rath von Löher die Anregung zur Heraus- gabe eines Wittelsba<hs<hen Urkundenbubs für die Zeit von 1180 bis 1347. Obwohl ein solhes Werk, wenn es würdig ausgeführt werden soll, einer langen Vorbereitung und viel größerer Mittel be- darf, als für die nädbste Zeit der Kommission zu Gebote stehen, glaubte sie do< niht zögern zu dürfen, mit der Sammlung der MWittelsbachschen Urkunden, namentli< aus der Zeit Kaiser Ludwigs des Bayern, den Anfang zu machen; sie bes{<loß deshalb, zu diefem Zwe>e im Laufe des nächsten Geschäftsjahres cine archivalishe Reife unternehmen zu lassen.

Leipzig, 10. Oktober. (W. T. B.) Vor dem Reisgerichte begann heute der Hochverraths8prozeß_ gegen den Schuhmacher Breuder, den Schneider Kristupeit, den Shuhmacher Baum, den Scbneider Christ, den Schneider Peshmann, sämmtlih aus Frank- furt a. M,, den Sclosser Jacobi aus Befsungen, den Gärtner Mahr, den Schuhmacher Boll, den Bä>ker Braun, sämmtlih aus Darmstadt, den Metallsbläger Lichtensleiger aus Lehhausen, den Arbeiter Dilli< aus Beéessungen, den Literaten Dave aus Alost, den Stenographen Waterstraat aus Luckenwalde, den Kommis Metzkow und die Schneiderin unverebel. Legel, beide aus Berlin, welde sämmtli<h aus der Untersucbungshaft vorgeführt wurden. Der Gerichtshof besteht aus den 14 Mitgliedern des 2. und 3. Strafsenats des Reich8gerichts, unter dem Vorsitz des Senats- Präsidenten Drenkmann; die Staatsanwaltschaft vertritt der Ober- Reichsanwalt v. Seckendorff. Als Vertheidiger fungiren die Rechts- anwälte am Reicbsgericht Paßtki, Erythrovel, Lewald und Dr. Fels. Vorgeladen sind im Ganzen 42 Zeugen. Die Anklage geht dahin, daß die Angeklagten in der zweiten Hälfte des Jahres 1880 in Frank- furt a. M. Darmstadt und Umgegend sowie in Ber- lin vorbereitende Handlungen u einem auf gewaltsame Aenderung der Verfassung des QDeutshen Reiches und der deutsdben VBundetstaaten gerichteten“ hochverrätherishen Unter- nehmen vorgenommen und an Verbindungen, deren Dasein, Verfassung oder Zwe> vor der Staatsregierung geheim gehalten werden sollte und zu deren Zwe>en oder Beschäftigungen gehörte, die Ausführung des Gesetzes vom 21. Oktober 1878 gegen die gemeingefährlichen Be- strebungen der Sozialdemokratie dur ungeseßlihe Mittel zu ver- bindern oder zu entfräften, Theil genommen haben. Im Besonderen werden die Angeklagten beschuldigt, revolutionäre Scþriften, nament- lid die von Most in London herausgegebene „Freiheit“, in Masse verbreitet und derartige Schriften u. A. auch in die Kasernen, vornehmlich in folde in Darmstadt, Mannheim und in die Kaserne des Kaiser Alerander-Grenadier-Regiments in Berlin hineinges{muggelt zu haben. Die Verhandlungen gelangten heute bis zu der Vernehmung der Angeklagten Breuder, Peshmann, Kristupeit, Baum, Christ und Jacobi. Die ersteren Drei räumten ein, an der Herstellung und Ver- breitung revolutionärer Schriften, insbesondere der „Freiheit“ und der Schrift „Die revolutionäre Sozialdemokratie“ Theil genommen zu haben, sie leugneten aber, daß geheime Gruppenverbindungen zum Zwe>e gewaltsamen Umsturzes begründet worden seien. Es seien die gebildeten Vereinigungen ledigli gebildet worden behufs Geld- sammlungen für ausgewiesene Sozialisten. Baum und Christ lehnten jede Schuld ab, Jacobi machte weitgehende Zugeständnisse.

Stockholm, 10. Oktober. (W. T. B.) Der Brand des Theaters ist gelö\{t; der Salon und die Bühne sind gerettet, do sind große Verluste an Reguisiten und Garderobe zu beklagen. Die Vorstellungen sind voraussihtli< für mehrere Monate unterbrochen. Im Victoria-Theater hat Hr. Ernst Possart gestern sein Gastspiel als „Advokat Berent“ in Björnsons „Fallissement“ erfolg- reichst fortgesetzt. Die Rolle gehört zu seinen glänzendsten und ist von dem Künstler bis in die kleinsten genrehaften Züge mit liebevollster Sorgfalt zu einem vollendeten, fast idealen Charakterbilde ausge- arbeitet, denn in Wirklichkeit dürfte die hier vorgeführte Spezies ebenso selten sein wie der idealisirte Shvlo>, den wir vorher ge- schen baben. Das Ensemble der anderen Mitwirkenden verdient alle Anerkennung, besonders Hr. Door, der den Großhändler Tjälde in den ernsten Momenten mit ershütternder Wahrheit <arakterisirte, aber au< Hr. E. Müller als biederer braver Braumeister Jacobson,

die w R Keßler und Witt (Töchter und Frau Tijäldes) und Hr. Bergmann (Sannäs), denen au< der Beifall des zahl- rei erschienenen Publikums nicht fehlte. Das Stück ist elegant