1881 / 248 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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tragenen Falle der Werth der 500 Fl. Dux-Bodenba<h Stamm-

Prioritäten Litt. B., mehr als 300 M beträgt. Berlin, den 21. Oktober 1881. Der Finanz-Minister. Jm Austrage. Hassel ba <. An den vereideten Makler Herrn S. Baron Wohlgeboren hier.

Ministerium der geistlihen, Unterrihts- und Medizinal-Angelegenheiten.

Bei dem Gymnasium zu Emmerich is der ordentliche Lehrer Peter Manns zum Oberlehrer befördert.

Justiz-Ministerium.

Der Gerichtsassessor Dahmen zu Aachen ist vom 1. No- vember d. J. ab zum Notar für den Amtsgerichtsbezirk Geilenkirchen, im Landgerichtsbezirk Aachen, mit Anweisung seines Wohnsißes in Gangelt, ernannt worden.

Verseßt sind: der Amtsgerichts:Rath Proten in Stolp an das Amtsgericht in Muskau, der Amtsrichter Baumm in Jnowrazlaw an das Amtsgeriht in Wongrowiß und der N Mler Frenzel in Domnau an das Amtsgericht ‘in Ly>.

In die Liste der Rechtsanwälte sind eingetragen: der Gerichtsassessor Dr. Grelling bei dem Landgericht I. in Berlin, der Gerichtsassessor a. D., Landschastssyndikus Rießsch in Görliß bei dem Landgericht daselbst und der Ober-Appellationssekretär a. D., Dr. jur. Kirchner bei dem Amtsgericht in Peine.

Die Ernennung des Gerichtsassessors Dr. vom Grafen zum Notar in Merzig ist zurü>geno aimen.

Der Ober - Landesgerichts - Rath Na>en in Cöln, der Landgerichtsdirektor von Schrötter in Hannover, der Kreisgerichts-Rath z. D. Meyer in Höxter, der Amtsrichter Goernemann in Marklissa, der Rehtsanwalt und Notar, Justiz-Rath May in Hörde, der Notar Wildenrath in Neumagen und der Rechtsanwalt und Notar, Justiz-Rath Muthwill in Pleß sind gestorben.

Ministerium der öffentlihen Arbeiten.

Dem von der Königlichen Eisenbahn-Direktion zu Brom- berg ressortirenden Königlichen Eisenbahn-Betriebs- amte zu Schneidemühl ist die Verwaltung und Betriebs- leitung der Eisenbahn von Schneidemühl nach Deutsh-Crone nach ihrer demnäthstigen Betriebseröffnung innerhalb der den Königlichen Eisenbahn-Betrievsämtern dur die unter dem 24. November 1879 Allerhöhst genehmigte Organisation der Staats-Eisenbahnverwaltung zugewiesenen Ressortbefugnisse übertragen worden.

Evangelischer Ober-Kirchenrath.

Der in die Pfarrstelle zu Glaß berufene Superintendent der Diözese Lauban 1. Suin de Boutemard in Frieders- dorf a. Q., ist zum Superintendenten der Diözese Glaß, Re- gierungsbezirk Breslau, bestellt worden.

Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgeseßes vom 21. Oktober 1878,

Auf Grund des 8. 6 des Reichsgeseßes gegen die gemein- gefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das

„Sozialistishe Wahl-Comité“ zu Posen als eine unter den $8. 1 des gedachten Gesetzes

fallende Verbindung durch die unterzeichnete Landespolizei- behörde verboten worden ist.

Posen, den 21. Oktober 1881. Königliche Regierung, Abtheilung des Jnnern. Liman.

Die unterzeichnete Königliche Kreishauptmannschaft hat in Gemäßheit von $. 11 Abs. 1 und $. 12 des Gesetzes gegen die gemeingefährlihen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oftober 1878 das Flugblatt mit der Ueberschrift :

„An die Wähler im 17, sächsishen Reichs- tagswahlkreise“ und unterzeichnet : „Einige Wähler, die sich für die Wahl eines Volks- mannes im 17. Reichstagéwahlkreise interessiren“, Verlag von Max Preißer in Chemniß, Dru> von der Ver- einsdru>erei Hottingen-Zürich, verboten. Zwickau, den 20. Oktober 1881.

Königlich sächsishe Kreishauptmannschaft, Dr. Gübel,

Personalveränderungen.

Königlich Preußische Armee.

Ernennungen, Beförderungen und Versetzungen. Im aktiven Heere. Baden-Baden, 11. Oktober. v. Keu- dell, Rittm. à la suite des Hus. Regts. Nr. 2 und Lehrer bei dem Militär-Reitinstitut, unter Entbind. von dieser Stellung, dem ge- dachten Regt. aggregirt. Frhr. v. Senden-Bibran, Rittm. und Escadr. Chef vom Drag. Regt. Nr. 5, unter Stellung à la suits des Regts, als Lehrer zum Militär-Reitinstitut, v. Sanden, Rittm. à la suite des Ulan. Regts. Nr. 6 und Lehrer bei dem Militär-Reitinstitut, als Escadr. Chef in das Dragoner Regt. Nr. 5, v. Festenberg-Pakis<, Pr. Lt. à la auite des Drag. Regts. Nr. 8 und kommandirt als Adjut. bei dem Militär- Reitinstitut, unter Entbindung von letzterem Verhältniß und unter Beförderung zum Rittm., vorläufig ohne Patent, als Lehrer zum Militär-Reitinstitut verseßt. v. Falkenhayn, Pr. Lt. vom Kür. Regt. Nr. 2, unter Stellung à la suite des Regts., als Adjut. zum Militär-Reitinstitut kommandirt. Papvritz 1, Pr. Lt. à la suite des Drag. Regts. Nr. 15 und Lehrer bei dem ilitär-Reitinstitut, unter Entbindung von dieser Stellung, dem gedachten Regiment aggregirt. Dan gen. Edelmann, Sec. Lt. und Feld- jäger vom Reitenden Feldjäger-Corps, zunk Oberjäger ernannt. 13, Oktober. Perrinet v. Thauvenav, Major vom Generalstabe der Kav. Div. des XV. Armee-Corps, als aggreg. zum Drag. Regt. Nr. 15, v. Rabe, Rittm. vom 1. Garde-Drag. Regt., unter Entbind. von dem Verbältniß als Adjut. bei dem General-

Garde-Kav. Div,

zum Generalkommando Übergetreten.

Graf v. Hohenau I., Pr.

Sec. Lt. vom ugen TII.,

r. 3, Frhr. v. Pöllniß, Sec. Lt. vom 3. Garde-Regt. z. F., K und kommand. zur Dienstl.

üs. Regt. Nr. 36, zum Pr. Lt. befördert. v. Lin

Regt. Nr. 45, in da

z. D., zuleßt Compagnie- als Plaßmajor in Königsberg i.

P 16, Oktober. Prinz Friedri<h von Sachsen-

verseßt. Ebeling, Hauptm.

à la suite des gedachten n ;

kfommifsar in Bromberg ernannt. 18.

Corps verseßt. v. Stiehle, Gen. Lt. und C

vision, unter Belassung in seinem Verhältniß als Gen. Adjutant Sr Majestät des Kaisers und

V. Armee-Corps ernannt. Durch Verfügung des Kriegs - Ministeriums.

eestemünde verseßt.

Reit. Feldjägercorps, ausgeschieden und zu den beurlaubten Offizn der Garde-Landw. Jäger, Hempel, Sec. Lt. und

Reit. Feldjägercorps, ausgeshieden und zu den Offizieren der Landw. Jäger übergetreten.

16. Oktober.

vom Inf. Regt. Nr. 30, mit Pens. der Abschied bewilligt.

Generalstab der Armee, verseßt. Graf zu Eulenburg, Rittm. vom 2. Garde-Ulan. Regt., in seinem Kommando als Adjut. von der des Garde-Corps

Lt. vom 1. Garde- Drag. Regt., unter Stellung à la suite des Regiments, als

Adjut. zur Garde-Kav. Div, kommandirt. Bo v. Wülfingen II,, ec. Lt. vom 3. Garde-Regt. >, S in das Gren. Regt.

rahmer, Sec. Lt. vom Inf. Regt. Nr. 14 n ei dem Feld-Art. Regt. Nr. 2, als außer- etatsmäß. Sec. Lt. in dieses Regt. verseßt. Alken, Hauptmann vom Infanterie-Regiment Nr. 30, wiederangestellt. einingen Dur(laucht, Sec. Lt., unter Belassung à la suite des Inf. Regts. Nr. 95, als außeretatsmäß. Sec. Lt. in das Feld-Art. Regt. Nr. 15 à la suite des Füs. Regts. Nr. 35 und vom Nebenetat des Großen Generalstabes, unter Belassung zum Eisenbahn-Linien- Oktober. von Pape, General der Infanterie und kommandirender General des V. Armee-Corps, in gleiher Eigenschaft zum 111. Armee- ommandeur* der 7. Di-

nigs, zum kommandirenden General des

14. Oktober. Ra s mann, Zeug-Lt. vom Art. Depot in Danzig, zum Art. Depot in

Al red ah ew Een, Im aktiven Heere. Ba den- Baden, 11. Oktober, tesmann, Pr. Lt. und Oberjäger vom

Feldjäger vom beurlaubten

Zoellner, Pr. Lt. a. D., zuleßt Sec. Lt. à la suite des Gren. Regts. Nr. 9, die

Erlaubniß zum Tragen der Amee-Unif. ertheilt. 13. Oktober. Treutler, Sec. Lt. a. D., zuleßt in der damaligen Festungs-Art. Abtheil. Nr. 9, die Erlaubniß zum Tragen der Armee-Unif. ertheilt.

v. Wurmb, Oberst-Lt. à la suite des Inf. Regts. Nr. 51 und Eisenbahn-Linienkommissar in Sachsenhausen, als Oberst mit Pens. und seiner bisher. Unif., v. S eeba<, Sec, Lt.

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Nichtamtliches. Deutsches Nei.

_ Preußen. Berlin, 22. Oktober. Nah einem Cirfkularerlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten, vom 4. d. M., sollen die im Bereihe des Ministeriums der öffentlihen Arbeiten vorgeschriebenen Submissions- bedingungen für die öffentliche Vergebung von Arbeiten und Lieferungen bei den Hohbauten der Staats- verwaltung und die allgemeinen Bedingungen, betreffend die Ausführung von Arbeiten und Lieferungen bei den Hoch- bauten der Staatsverwaltung, mit einigen Ergänzungen au< für die Wasserbauten der Staatsverwaltung innerhalb des genannten Ressorts zu Grunde gelegt worden.

Damit in den Fällen, in denen Freiheitsstrafen gegen s{hulpflichtige Kinder zu vollstre>en sind, das Jn- teresse der Schule hinsihtlkh der Zeit der Vollstre>ung die erfor- derliche Berücksichtigung finde, hat der Justiz-Minister die mit der Strafvollstrekung betrauten Behörden und Beamten durch eine allgemeine Verfügung vom 17. d. M. angewiesen, sich in den gedahten Fällen mit den betreffenden Schulvorständen (Sculdeputationen 2c.) über die zur Vollstre>ung der Strafe geeignetste Zeit vorher zu verständigen und den hierauf be- züglichen Wünschen dieser Behörden 1hunlichst Rechnung zu tragen.

Nah 8. 4 der Grundbuchordnung dienen die Grund- und Gebäudesteuerbücher, von welhen dem Grundbuchamt Abschrist mitgetheilt werden soll, zur Ausmittelung der in die Grundbücher einzutragenden und bereits eingetragenen Grund- stüd>e, ihrer Lage und Größe. Es ist mit diesem Gesetze keine Rechtsvermuthung für das Eigenthum ausgestellt, sondern im Wesentlichen nur dem Grundbuchr:hter eine Anweisung er- theilt. Hat eine Zur ü>führung des Grundbuchs auf das Kataster stattgefunden, so ist a"”erdings Derjenige, welcher auf Grund einer si< auf das Grundbu stüßenden Auflassung als Eigenthümer in dieselbe eingetragen wird, sür den Eigenthümer aller derjenigen Realitäten zu achten, welche sih aus dem Grundbuche beziehungsweise aus dem Kataster ergeben. Weichen aber die Eintragungen im Grundbuch und Kataster von einander ab, so ist, nah einem Eckenntniß des Reichsgericht s, vom 18. November v. J., das Kataster für den von der Grundbuchordnung aufgestellten Zwe> untauglich.

_ Die „Provinzial-Correspondenz“ wird in der nächsten Woche am Montag, den 24. d. M,, ausgegeben.

Hessen. Darmstadt, 18, Oktober. Die Königin- Mutter von Bayern is gestern Abend von hier nah Hohenschwangau abgereist.

20. Oktober. (Darmst. Z.) Einen sehr bedeutenden Ein- nahmeausfall zeigt in dem der en Kammer heute officiel zugegangenen HauptvoranshlagderStaatseinnahmen und -Ausgaben für die Finanzperiode 1882/85 die Rubrik „Produkte der Forstwirthschaft“ aus den zum Familien- eigenthum des Großherzoglihen Hauses gehörigen Forst- Domänen. Als Einnahme aus Vau-, Nut- und Brennholz waren für ein YJahr der Finanzperiode 1879/82 vorgesehen 3226358 M gegen 2134 320 M, welhe der jeßige Voranschlag einstelt, was also eine Wenigereinnahme von 1092038 M reprä entirt. Der Grund des bedeutenden Zurü>bleibens der neuen Ver- anslagung dieser Geldeinnahme gegen das vorige Budget liegt darin, daß die Holzpreise nah Angabe der dem Haupt- voranschlag beigegebenen Erläuterungen derart gesunken sind, daß sih der Preis eines Festmeters im Dur@schnitt des jeyt abgeschlossenen Etatejahres 1879/80 auf 6 M 52 «4 (rund 6 A 50 P berehnet, während in das Budget für 1879 bis 1882 ein Preis von 8 # 70 F eingestellt werden konnte. Das Sinken der Holzpreise beträgt sona<h circa 25 pCt. Es ist allzu zweifelhast, ob sih die Holzpreise demnächst wieder insoweit heben werden, um einen anderen, als den obigen Dur@schnittspreis von 6 F 50 „5 dem gegenwärtigen Haupt- voranshlag zu Grund legen zu können. Der für die Periode 1882/85 vorgesehene jährlihe Fällungsetat beträgt, mit Einshluß von 3724 Festmetern, wofür die Einnahme

fommando des Garde-Corps und unter Belassung bei dem General- stabe der Kav. Div. des XV. Armee-Corps, als Hauptm. in dem

in das Budget der Landesdomänen übergegangen ist, 332 081 Feslmeter gegen 351 646 Festmeter des vorigen

Budgets. Ein erhebliher Theil des Einnahmeausfalls entfällt hierna<h auf die vorgesehene jährlihe Minderfällung von 19 565 Festmeter. Der Grund für diese Reduktion des ällungsetats ist eben wohl in dem niedrigen Stande der olzpreise zu suchen, denn an denjenigen Orten, an welchen die Nachfrage nah Holz si< minderte (was vielfa mit dem mport der Steinkohle zusammenhängt), bleibt augenbli&lih

ein anderer Ausweg, als weniger Holz auf den Markt zu bringen.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 21. Oktober. (W. T. B.) Dem angekündigten Besuche des Königs von Jtalien in Wien wird verläßlihen Jnformationen zufolge für den 27. Of- tober entgegengesehen. Graf Robilant hat die Geschäfte der italienischen Botschaft wieder übernommen.

_— Die „Wiener Abendpost“ sagt: die Befriedigung, wo- mit die Nachricht von dem bevorstehenden Zusammentreffen der Souveräne von Oesterreih-Ungarn und Jtalien aufgenommen wird, is eine allseitige und erklärlihe. Die Erkenntniß is eben allgemein, daß durch jede Verbreiterung, welche die Grundlage des intimen Verhältnisses der Monarchen von OVesterreih und Deutschland erfährt, dur< jede Erweite- rung des Kreises jener, die sih den Prinzipien anschließen, von welchen dieses fceundschaftlihe Verhältniß getragen ift, sich au die Friedensbürgschaften, welche dasselbe bietet, er- höhen und befestigen.

Pest, 20. Oktober. Wie der „W. Presse“ gemeldet wird, werde aus Anlaß des Besuches, den der König von Jtalien Ende Oktober in Wien abstatten wird, au<h die Kaiserin nah Wien kommen, um den erlauhten Gast zu begrüßen.

Die Delegationen werden, wie „Ellenör“ aus Abgeordnetenkreisen vernimmt, in diesem Jahre schon in Folge des Jnterregnums im Ministerium des Auswärtigen nur kurze Zeit tagen. Jhre Berathungen werden um Mitte November wahrscheinli schon beendigt sein, so daß die Budgetdebatte im Reichstage hoffentlih in den ersten Tagen des Monats Dezember beginnen dürfe. —. Wie der „Bud. Corr.“ aus Wien telegraphirt wird, sand heute im Auswärtigen Amte eine mehrstündige Verathung der österreichisch - ungarischen Handels- und Zollkonferenz statt. Die Berathungen werden, da no< immer mehrere wichtige Punkte unerledigt blieben, morgen fortgeseßt.

21. Oktober. (W. T. B.) Das Oberhaus hat heute die Wahl der Delegationsmitglieder vorgenommen.

Agram, 20. Oktober. Die „Ung. Post“ meldet: Die Konferenz über die endgültige Vershmelzung der Behörden des ehemaligen Grenzgebiectes mit den autonomen Be- hörden wurde unter persönlihem Vorsiße des Banus Grafen Pejacsevih und im Beisein sämmtlicher Sektions:Chefs beider Regierungen und des Ober-Staatsanwalts Kukulics abgehalten. Nachdem während der Debatte die Frage von verschiedenen Gesichtepunkten beleuhtet wurde, zeigte es sich, daß die Meinungsdifferenzen nicht so erheblich seien, als daß eine Einigung auf besondere Schwierigkeiten stoßen würde. Nach längerer, einge”ender Debatte wurde auc eine volle Uebereinstimmung der Ansichten erzielt, worauf der Banus seine Schlußfassung dahin enunziirte, daß die Agenden der drei Sektionen des eyemaligen Grenzgebiets mit 1. Januar 1882 an die betreffenden Sektionen der autonomen Regierung

und der Obergerichte übergehen, ebenso wurden sämmtliche Beamte übernoinmen, die aber bis zur Organisirung der Be- hörden in Kroatien einen eigenen Status bilden.

Großbritannien und Jrland. London, 2. Of- tober. (Allg. Corr.) Der Minijter des Jnnern, Sir William Harcourt, ist in Balmoral angekommen, um am König- lichen Hoflager als dienstthuender Minister zu fungiren.

Der Prinzund diePrinzessin von Wales eröffneten vorgestern in Swansea ein neues Do. Die Eröffnungs- ceremonien vollzog der Thronfolger in Gegenwart einer unge- heueren Volksmenge, und die Prinzessin gab dem Do> den Namen „Prince of Wales Dok“. Das neue Do> bede>t einen Flächenraum von 23 Acres, hat eine Tiefe von 28 Fuß, und ist im Stande, Sch fe von jeder Länge aufzunehmen. Man verspricht sih von dieser wesentlichen Verbesserung der Rhede eine große Entwi>elung des Handels von Swansea.

Aus Dublin wird berichtet: Die Aufregung unter dem Volke ist groß, und es wird, einige Zeit tauern, ehe es der Polizei gelingen wird, gänzlich die Oberhand zu gewinnen und die Aufruhrscenen sowie das Fenstereinwerfen zu unter- drü>en. Die Polizei hat während der beiden leßten Abende große Geduld und Nachsicht bei den gegen sie verübten Pro- vofationen gezeigt. Während die Autoritäten Alles auf- bieten, dem Aufruhrzustande ein Ende zu machen und den Verlust von Menschenleben zu verhindern, werden viele über- triebene Nachrichten in Umlauf gesetzt. Daß die Dinge allmählich einem ruhigeren Zustande entgegengehen, beweist der Umstand, daß während der vergangenen Nacht nur ein ¿all einer {weren Beschädigung in das Hospital gebracht

wurde. Einige Arretirungen nur fanden wegen Steinwerfens

| statt. Ein weitercs Telegramm meldet, daß die Aufrechter-

| haltung der Ordnung in den Straßen dem Militär über-

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tragen worden sei, weil die Polizei sih völlig unfähig erwiesen habe, die organisirten Ausschreitungen des Straßenpöbels zu bemeistern. Eine Menge von Peisonen wanderte ungehindert dur<h Saville-street, Dame- und Westmorelandstreet, um sich die während des vorhergehenden Abends verübten Zerstörungen anzusehen. Der Geheime Rath hielt im Laufe des Nach- mittags cine Sißung, und man erwartet wichtige Maßregeln gegen das Manijest der Landliga sowie bezüglich einer Wieder- holung der Aufruhrsausftritte des par Yergegangenen Abends. Die Hoffnungen auf eine p öjung der Trans- vaal-Frage scheinen in Natal an Boden zu gewinnen. Der Morißhburger Correspondent der „Daily News“ hat

| Grund zu der Annahme, daß den Bozren von ihren eigenen

Freunden der Rath ertheilt worden sei, die Konvention, wie sie geht und steht, zu ratifiziren. Der „Times“ wird aus Pietermarißburg unterm 19, ds, berichtet : Aus Transvaal wird hierher gemeldet, daß die Ant- wort des Volksraads an die britishe Regieruna gesandt worden sei. Bis jegt ist darüber nichts in die Oeffentlich: keit gedrungen, aber man hält sie für friedli<h, Jn ge- wissen Kreisen wird es für mögli erachtet, daß die Boern die Feindseligkeiten dur<h Angriffe gegen die Garnison und das Lager plößlih erneuern dürften, aber die allgemeine Meinung tritt dieser Anschauung nicht bei. Nichtsdestoweniger werden zwei Forts unweit Ladysmith aebaut, und das Ar- tillerielager bei Biggarsberz ist zwei Meilen weiter zurü> nah einer weniger unsiheren Position verlegt worden.

ie irische Landkommission tritt heute in Dublin um Sis Mal zum Beginn ihrer Geschäfte zusammen. Es nd bei derselben 120 Gesuche um Sicherung der Pachtrelhte na dem Artikel 60 dcr Landakte eingegangen und 250 Fälle zur Verhandlung in der Civilabtheilung eingetragen ; die größte Zahl derselben ift aus den nördlichen Grafschaften. Jm „Standard“ liest man: Die Militärbehörden im Kriegsamte treffen die nothwendigen Anstalten für die Landung eines vollständigen Armee-Corps in Frland, im Falle die dortigen Zustände sih ungeregelter gestalten foll- ten, als sie gegenwärtig sind. General Sir Thomas Sti-len, der Höchstkommankirende in Jrland, ist indeß der Meinung, daß die Jnfanterie-Brigade, welche gegenwärtig von England nach der grünen Jnsel geschi> wird, sih als hinreichend für olle bestehenden Erfordernisse erweisen dürfte. E 22. Oktober. (W. T. B.) Die „Times“ bespricht die du sammenkunft desKönigs von talien mit demKai]jer vonOesterreic und meint: es sei das Erlöschen der Agitation der Jrredenta, welche der Zusammenkunft eine besondere Be- deutung verleihe. Jtalien habe viele Gründe, eine engere Allianz mit den central-europäishen Viächten zu suchen, weil die Freund- schaft zwischen Jtalien und England kaum den Charakter einer förmlichen politishen Allianz habe, und weil die Be- ziehungen Jtaliens zu Frankreich durch die Entwi>elung der französischen Politik in Nordafr:ka gespannte ceworden seien. Die Annaherung zwischen Dest.rreih und Jtalien sei eine natürliche Folge der Beseßung von Tunis dur die Fran- zosen. Frankreich werde zu erwägen haben, wie dieselbe scine Interessen und seine Politik berühre.

Dublin, 21. Oktober. (W. T. B.) Die Centralliga hat ein Manifest an die Bevölkerung erlassen, in welchem sie dieselbe auffordert, den passiven Widerstand fort: zuseßen, indessen von Abhaltung öffentlicher Versammlungen vorläufig abzusehen. Die Liga hat heute ihr Bureau ge- {lossen und die Möbel, Effekten und Bücher fortgeschaffft. Das Hauptbureau wird wahrjcheinli<h na< London oder nah Frankreich verlegt werden.

Frankreich. Paris, 21. Oktober. (W. T. B.) Bei der heute stattgehabten Vertheilung der Preise an die Theilnehmer der elektrishen Ausstellung führte der Minister der Posten und Telegraphen, Cochery, den Vorsitz. Jn seiner Rede wies der Minister auf die gemach- ten großen Fortschritte hin, denen voraussi<tli< no<h größere folgen würden. Große Ehrendiplome sind zuerkannt den Ministerien für Posten und Telegraphen von Frankreich, Deutschland, Oesterreih und England; Ehrendiplome er- hielten mehrere französishe und ausländishe Eisenbahn- gesellschaften, ingleihen die Firmen Breguet, Christophle, die Telephongesellshaft und die Erfinder Baudot, Edisson, Gras, Plaute und Siemens. Von den Journalen wird ein Brief von einem Sohne Abdel Kaders, aus Damaskus vom 7. d. M. datirt, veröffentlicht, in welchem der- selbe die ihm in Zeitungsberichten zugeschriebenen feindlihen Absichten gegen Frankreih auf das Bestimmteste in Abrede stellt. Als Reserve für die Expedition nah Tunis, welche 8 Brigaden zählt, wird eine neunte Brigade gebildet. Aus Tunis, von heute, wird gemeldet: Oberst Laroque, der von Kef aus vorgegangen war, nahm gestern östtih von Nebeur dem Feinde ein Lager weg und brachte demselben große Verluste bei; Laroque lagert in der Nähe des Ouedtessa (?) und erwartete heute einen Angriff. General Aubigny, der sih in Testur befindet, erhielt Befehl, die Be- wegungen des Obersten Laroque zu unterstüßen. General Saussier hat eine Proklamation an alle Araber in Tunis erlassen, worin er erklärt, daß er die Religion, das Eigenthum und die Person aller friedlichen Einwohner respek- tiren, alle Theilnehmer an Unordnungen, Plünderungen und Raub aber auf das Strengste beitrafen werde.

(Cöln. Ztg.) Der Zug gegen Kahiruan soll von drei Puntten ua Forgemol hat von Tebesta den läng- sten Marsch, aber au nur an das Klima gewöhnte afrikanische Truppen; Etienne rü>t von Susa mit 7 Bataillonen, 4 Bat- terien von 90 und 95 und drei Geschüßen von 120 ab, wäh- rend die übrigen Brigaden nur Berggeshüße von 80 haben; Sabatier, der von Zaghuan ausrü>t, läßt das Gebirge von Zaghuan links liegen und geht direkt auf das Ziel los. abatier, der seine Kranken fortgeschafst hat, wobei sieben unterwegs starben, erhielt ein Bataillon Zuaven und die aus 4 Bataillonen bestehende Brigade Philli- bert als Verstärkung. Die Stärke dieser Ko!onnen ist laut dem „Télégraphe“: 1) Kolonne von Tebesta 15—16 Ba- taillone, 2) Kolonne von Susa 7 Bataillone, 3) Kolonne Zaghuan 14 Bataillone. Jm Ganzen rü>en also 36 Bataillone in einer Stärke von 18—20 000 Mann aus Leuten aller Waffengattungen auf Kahiruan, das bis zum 30. Oktober er- reit und genommen werden soll. ]

Die neue französisheExpedition, die heute von Bor- deaux mit dêm Packetboote „Gironde“ nah dem oberen Sene- gal abgeht, besteht aus 8 Offizieren, 3 Aerzten, 1 Ingenieur und 17 anderen Beamten. Den Oberbefehl übernimmt am Senegal Oberst Borgas-Desbordes. Ziel ist der französische Posten Kita im Sudan. Die Rü>kehr des Personals nah Frank- reih soll im Mai 1882 stattfinden. C E 22. Oktober. (W. T. B.) Nach hier eingegangenen Meldungen aus Tunis machte Oberst Larogque gestern einen Angriff in der Richtung auf Ouedtessa und schlug die feindliche Kavallerie zurü>, von der 200 Mann fielen, wäh- rend der größte Theil der übrigen Mannschaft gefangen ge- nommen wurde. Ein tunesishes Corps unter Ali Bey deckt die Wasserleitungen von Zaghuan. Die für Tebesja be- stimmte Kolonne unter dem General Forgemol seyt ihren Marsch fort, ohne auf Widerstand zu stoßen. : y

Bei der Vertheilung der Preise an die Theil- nehmer der elektrishen Ausstellung wurden ein großes Ehrendiplom, 4 Ehrendiplome, 16 andere Diplome, 6

oldene, 9 silberne und 10 bronzene Medaillen an deutsche Auesteller vertheilt.

Italien. Rom, 21. Oktober. (W. T. B.) Das Journal „Esercito“ begrüßt die Zusammenkunft des Königs von Jtalien mit dem Kaiser von Oester reich als ein glü>lihes, von der Bevölkerung beider Staaten herbeigewünsctes Ereigniß, das von der italienischen Armee mit lebhafter Befriedigung aufgenommen werde. Die italienishe Armee erbli>e in der Begegnung der beiden Souveräne eine Befestigung der militärishen Kameradschafts- bande mit der österreichishen Armee, die sie auf dem Schlacht- felde shähßen gelernt habe und welche sie stets an der Seite zu haben wünsche.

22. Oktober. (W. T. B.) Der „Diritto“ bespricht die Lam Mi des Königs Humbert mit dem Kaiser von Oesterreich und hebt die Einmüthigkeit hervor, mit welher nunmehr alle Parteien dieselbe wün)hen. Das Ministerium habe den allgem.inen Wunsch zu begünstigen ge- wußt. Dieses Bündniß, welhem Jtalien loyal treu bleiben werde, verbinde die Linke wie die Rechte der Kammer mit dem Ministerium; es sei daher niht angezeigt, eine Partei- frage aufzuwerfen. Alle, welhe einen würdevollen Frieden und eine geachtete Stellung des Landes wollten und der Monarchie ergeben find, erwidern die Gesinnungen, mit denen die Entrevve in Oesterreich aufgenommen wird, auf das

Herzlichste.

Türkei. Konstantinopel, 20. Oktober. (Pest. L.) Nach einer Meldung des Gouverneurs von Tripolis hat si ein großer Theil der längs der tripolitanishen Grenze echelonnirten französishen Truppen nordwärts zurücgezogen. Jn Folge dessen erhielt der Gouverneur Ordre, nur die zur Üeberwachung der Grenze und zur Verhütung von Grenz- überschreitungen nothwendige Streitmacht an der Grenze zu belassen und die übrigen Truppen behufs Ermöglichung einer besseren Verpflegung nah inneren Garnisonsorten zu dirigiren. Zwei Transportdampfer mit Truppen haben den Hafen von Tripolis verlassen.

Serbien. Belgrad, 21. Oktober. (W. T. B.) Die Kabinetskrisis ist nunmehr beendet. Der Minister- Präsident Pirotschanay übernimmt das Ministerium des Aus- wärtigen, Radovic das Justiz-Ministerium und Miatovic das Finanz-Ministerium, na<hdem der Fürst die Demission Miatovics als Finanz-Minister abgelehnt hatte.

Bulgarien. Sofia, 20. Oktober. (Wien. Z.) Die englischen Bondholders der Varna-Rustshuk-Bahn haben die bulgarishen Vorschläge abgelehnt; demnach ist die Lösung dieser Frage aufgeshoben und ist ein gütliher Ausgleich \hwieriger geworden. Der rumänische Gesandte in Griechen- land Esarco ist auf der Reise nah Athen hier eingetroffen. Man glaubt, daß derselbe beauftragt ist, mit der bulgariscten Negierung über die Donausfrage zu verhandeln. Mehrere S machen auf verschiedenen Punkten des

andes eifiige Studien über die projektirten Eisen- bahnen.

Dänemark. Kopenhagen, 21. Oktober. (W. T. B.) Der Marine-Minister Navn ist nunmehr definitiv auch zum Kriegs-Minister ernannt worden.

Amerika, Yorktown, 21. Oktober. (W. T. B.) Auf die Ansprache, welche der Präsident A rthuxr bei der E am Mittwoch hielt, erwiderte Oberst von

teuben: alle Gesellschastsklassen und alle Parteien in Deutsch- land seien dur< die Kuade von der enthusiastishen Aufnahme der deutschen Delegirten hoch erfreut worden. Diese Aufnahme sei ein neuer in die Augen fallender Beweis für die gegenseitige Sympathie der Bevölkerungen Deutschlands und der Unions: staaten. Die hundertjährige Jubelfeier endete gestern Abend bei Sonnenuntergang mit Begrüßung der auf dem amerikanischen Kriegsschiff „Trenton“ aufgehißten englischen Flagge. Alle anderen Schisfe zogen ebenfalls die englische Flagge auf und begrüßten dieselbe mit dem Salut der Geschüße, auf welchen die am Lande aufgeste!ten Batterien antworteten. G O R L P E ms Sp I C E E

—— BÉESF E L E I C O T L

Afrika. Egypten. Die „Agence Havas“ vom

21. meldet aus Alexandrien: -Die Panzerschiff e

„Alma“ und Jnvincible“ sind gestern Abend von hier wieder abgesegelt.

Die Nr. 42 des Centr al-Blatts für dasDeutsche Rei, berausgegeben im Reichsamt des Innern, hat folgenden Inhalt: Handels- und Gewerbewesen: Verlängerung des deutsh-merikanischen Handels- und Schiffahrtsvertrages. Finanzwesen: Bekanntmachung, betreffend die neuen Schuldverschreibungen der Prämien-Anleihe der Stadt Lüttich. Zoll- und Steuerwesen : Abänderungen im Ver- zcihnisse der zur Erhebung der Reichsstempelabgaben zuständigen Steuerstellen. Justizwesen: Aenderung im Verzeihniß der zur Einziehung von Gerichtskosten bestimmten Stellen. Konsulat- wesen: Srequaturertze lng, La Polizeiwesen : Ausweisung von Aus- ländern aus dem Reichsgebiete. ;

Nr. 52 des Amtsblatts des Ne Dam s _hat folgenden Inhalt: Verfügungen: Vom 12. Okto er 1881, Fest- stellung der Bestände an Reichsgoldmünzen, _Einthalerstücken und Reicbssilbermünzen. Vom 11. Oktober 1881. Eröffnung der Eisenbahn zwishen Wittenberge, Regierungsbezirk Potsdam und Perleberg. -— Vom 10. Oktober 1881. Eröffnung der Eisenbahn- stre>e Heldenbergen-Windeten—Friedberg, Hessen. Vom 11. Ofk- tober 1881. Post-Dampfschiffverbindung zwishen Bremerhaven und Havana.

Statistische Nachrichten. E ginù

Bei der Magdeburger Allgemeinen Versicherungs- Aktiengesells<aft Abtheilung für Unfallversicherung famen im Monat September 1881 zur Anzeige: 13 Unfälle, welche den Tod der Betroffenen zur Folge gehabt haben, 9 Unfälle, in Folge deren die Beschädigten no< in Lebensgefahr \{weben, 50 Unfälle, welche für die Verletten vorauésihtli< lebenélängliche, theils totale, theils partielle Jnvalidität zur Folge baben werden, 718 Unfälle mit voraus\si{tli< nur vorübergehender Erwerbsunfähigkeit; im Ganzen 790 Unfälle.

unst, Wissenschaft und Literatur. , Rariocit i Ta E (W. T. B.) Als Geheimrath Bluntsc{li, welcher heute die badische Generalsynode in vollstem Wohlsein mit einer Rete ges{lossen hatte, sich zu einer Audienz bei dem Großherzog begeben wollte, wurde er auf dem Schloßplatze vom Shlage getroffen und starb alsbald.!

Gewerbe und Handel. L New-York, 21. Oftober. T B oe Shapa mt ie Zahlung aller im Dezember fälligen Bonds a K L Rer Bree: 21, Oktober. (W. T. B.) Baumwollen- Wochenberi<t. Zufuhren in allen Unionshäfen 182 000 B., Aus- fuhr na Großbritannien 63000 B.,, Ausfuhr na< dem Kontinent 17 000 B., Vorrath 575 000 B.

Verkehrs-Anstalten. Southampton, 21. Oktober. (W. T. B.) Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Elbe“ ist hier eingetroffen.

Berlin, 22, Oktober 1881.

it einer ganzen Reihe von Werken monumentaler Bedeutung, wilde featiiftes und privaten Aufträgen ihre Entstehung verdanken,

erscheint die bildende Kunst auf der diesjährigen Ausftellujng.

In ersterer Beziehung war es die statuarishe Auëss{müd>ung der Herrscherhalle des bekanntli<h in einer vollständigen inneren Neuge- staltung begriffenen Zeughauses, des demnächst der Eröffnung ent- gegensehenden Neubaues des Kunstgewerbemuseums und der Kieler Universität, dann aber au< mehrere Denkmalsbestellunoen, welche viele Künstlerhände in Bewegung gesezt haben. Als Frucbt jener Aufträge erscheint auf der Ausstellung das Hülfêmodell der Statue König Friedrichs I. von Ludwig Brunow und das Modell für die Bronzethür des Kuppelraums der Ruhmeshalle, von Otto Lessing, ferner die Vorbilder für die bereits in Sandstein aus- geführten Standbilder Peter Vischers und Hans Holbeins, von Suß- mann-Heliborn, und die Modellstatuen des Plato und des Hippokrates für” den Neubau der Kieler Hochschule, von Gustav Gberlein. Daran reihen si die von Städten und Vereinen bestellten Denkmale, voran Ferdinand Harters lebensvoll arafkterisirtes Modell zu dem Standbilde Louis Spohrs in Cassel und die Modelle zu den Statuen des General-Feldmarshalls Grafen von Moltke für Cöln und Lessings für Hamburg: die leßtere nicht so glü>lih wie andere Werke des Künstlers, und zwar wegen der gewählten behäbig fißenden Hal- tung, die mit der rubelofen, einen finnlih markanteren Ausdru> for- dernden Streitlust, des Kritikers niht re<t vereinbar \<{eint: Ein in feiner Art sehr glü>lihes und gelungenes Werk ist die wohl für einen Brunnen oder eine andere monumentale Ausfstel- lung be stimmte Bronzefigur der „Lübecca“ von Josef Kaffsa, eine auf das Reicste gekleidete junge Patrizierin von e<htem deut- s<em Gesichtêtypus, die Mauerkrone auf dem in s{<önen Zöpfen herabhängenden Haare, welche die alte lebensfrohe Herrlichkeit deut- schen Städtethums in heiterer, festlicher Weise personifizirt. Die Sorgfalt, mit welcher die Einzelheiten der allegorishen Attri- bute, des Shmu>s, der Kleidung 2c. ausgeführt sind, gereibt dem Gießer in gleicher Weise wie dem Künstler zu Ehre. Der Leßtere bat aub no< einen Konkurrenzentwurf zu einem der Portale des Cölner Doms nebst dem Modell einer der reliefges{mü>ten Füllungen eingesandt, welche in treffliher Komposition die Anbetung der Hirten dar- stellt. Rudolf Siemering hat in seinen beiden Reliefs für das hier zu er- richtende Grâfe-Denkmal der pragmatisch-realistishen Darstellung vor der allegorishen den Vorzug gegeben und führt uns in zwei Gruppen von Heilung Suchenden und Geheilten die Thätigkeit des Arztes fo greifbar verständlih vor Augen, wie es der moderne Mensch liebt, der im Drange der Geschäfte weder Zeit no<h Sammlung genug hat, die sinnigen Gedanken des Künstlers aus einer Allegorie herauszu- tüfteln. Uebrigens sind die einzelnen Gruppen meisterhaft behandelt, und das Ganze erhält dur< die hier zum ersten Mal bei einem monumentalen Werk mit Glü> versuchte Ausführung in farbiger Terracotta noch ein besonderes technisches Interesse. Ein solches beanspru<t auch, wie hier glei< angeknüpft sein mag, das auf flahen Marmor grau in grau gemalte oder geäzte Bild- niß des verstorbenen Geheimen Raths Hitig, welches J. Franz ausftellte; derartige Zeichnungen follen na< der Versicherung des Erfinders jedem Witterungseinflusse Widerstand leisten, was, wenn zutreffend, der Gräberausshmüc>ung ganz neue Perspektiven eröffnen würde. Wenn dem Gedanken nah nicht neu, so doch \{wungvoll ausgeführt ift die Kriegerdenkmals-Gruppe für Bensberg von Friedri<h Reus<h, von pa>kendem Realismus die in Bronze für die Bahnhofshalle zu Tournai bestimmte Figur der „Arbeit“ von Wilhelm de Groot in Brüffel, verkörpert dur<h die kraftvolle Gestalt eines jungen Arbeiters. Akademischer und idealer behandelt sind die lebensgroßen Gruppen „Kain und Abel“ (Modell für Bronze) von Bernhard Römer und „Antilohos, dem Achill die Botschaft von dem Tode seines Freundes Patroklos bringend“ von Ludwig Brodwolf, fowie die Tolossale Komposition des die Andromeda von dem Meer- ungeheuer besfreienden Perseus, von Pfuhl, leßtere jedo, bei aller Kühnheit der Conception und vielen wohlgelungenen Cinzel- heiten, in den Umrissen des Aufbaues nicht glei glü>li<. Eine Reihe unter verschiedenen Bezeichnungen ausgestellter Einzelfiguren trägt den „sterbenden Achilles“ von Ernst Herter etwa ausgenommen, mehr den Charakter von Aftstudien als von s{<öpferischen Kunst- leistungen an si. Dazu gehören (der fleißigen Arbeit volle Aner- kennung) Josef Tüshaus' (Düsseldorf) „hl. Sebastian“, Mar Kruse's „Nevenxazev“, ferner aber auch die Bronzefigur eines Gladiators von Pius Welonski (Warschau), und zwar ungeachtet des sorgfältigst wiedergegebenen archäologischen Apparats, welcher die Figur als die eines Retiarius, eines Netzkämpfers, kennzeicbnet. Der lebensgroße Crucifirus von Theodor Litke erhebt si bei aller Feinheit der Marmorarbeit nicht über die hergebrahte Auffassung, während der Torso einer Judith von Gzekiel in Rom in der Behandlung des nakten Körpers sowohl wie in der Beseelung des Ausdru>s ein beahtenswerthes künstlerishes Vermögen bekundet. Groß ist natürlich auch in der Abtheilung der Bildwerke die Zahl der Genredarstellungen. Voran geht Reinhold Begas mit der in jeder Beziehung meister- haften Gruppe (Thonmodell) eines Centauren, welcher lächelnd eine reizende Nymphe auf seinen breiten Pferderücken lädt; nur steht mit dem hübschen, decent behandelten Vorwurf die gewählte Lebenégröße der Gestalten in einem gewissen Kontrast Eine sehr anmuthige, in allen Linien und Contouren s{wungvoll und s{ön sich dar- bietende Figur (Thonmodell) is die „grie<ise Flötenspielerin von Gustav Eberlein. Klassish in den Formen und edel in der Hal- tung stellt sich die „Erwartung“ von Albert Wolff dar, Moriz Schulz aber hat für das alte Thema „Amor und Psycbe“ (Marmor) eine neue, gra- ziöóse Variante ersunden. Andere hübsche Werke sind: „der gefährdete Amor“ (Marmor) von Rudolf Scbweinit, „die lebendig gewordene Satyrherme“ (Marmor) von Josef Kopf in Nom und (ein ähnlicher Bor- wurf) die Herme mit Bachantin (Bronze) von August Sommer in Nom, Rudolf Pohles „Kind mit Kaninchen“, August Weizenbergs (Rom) „Modestia“, an welber man namentlich die sonst nur bei den Stalienern zu findende bis zur Süßlichbkeit feine Marmorausführung dewundern muß, u. m. a. Von den vielen trefflihen Werken der Kleinkunst seien nur Peter Breuers „Landskne<t mit Hunden“ und „Jäger mit Hunden“ hervorgehoben. Sehr niedli< und bei aller Kleinheit in ihren vers<icdenen Rassen treffend <arakterisirt sind aub die 4 in Silber ausgeführten Jagdhunde von Mar Wiese. Außerordentlich zahlrei sind, wie immer, die Porträtbüsten. Auch hier steht Reinhold Begas mit einer außerordentli lebenswahren Büste Sr. Majestät des Kaisers und einer ebenso real nas e fältig behandelten weibliwen Porträt-Büste voran. Ferner seien ge- L. C. A. Bergmeier, Gi Borro (Venedig), Adolf Brütt, Otto Büchting, Alerander Calandrelli, Robert Cauer (Kreuznach), Gustav Eberlein, M. Ezekiel (Rom), Edmund Gomansky (von besonders energisher Charakteristik), O. Gradler, Ernst Herter, Heinz Hoff- meister, Benedict König (Darmstadt), Josef Kopf (besonders jorg- fältig behandelte Marmorbüsten), Otto Lessing, Friedrich Reusch (Kd- nigéberg), Bernhard Römer, Friy Schaper (eine lebenêtreue Büste des verstorbenen Staatssekretärs v. Bülow), Alexander Tondeur, Welly Stakelberg und Moriz Wolff. :

Zu den Aukéstellern, welce die leßte Sektion „Arcitektur“ beshi>t haben, gehört die Abtheilung für Bauwesen des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten. Die von dieser Behörde eingesandten Ent- würfe haben das in der Auéführung begriffene Dentgeens für die Verwaltung der direkten Steuern hinter dem Gießhause hierselbst, einen imposanten Sandsteinbau in italieniswer Renaissance, sowie drei Bauten in Hannover, den des Land- und Amtsgerichts- gebäudes (in Sandstein) des Seminars und des Gymnasiums (Ziegelrohbauten mit Terrakotten) zum Gegenstande. Prof. E. Ja- fobsthal hat scine im Auftrage der Königlichen Direktion der Ber- liner Stapteisenbahn angefertigten Entwürfe der Haltestelle Bellevue und des Bahnhofs Königébrücke ausgestellt. Die Baumeister Gustav Ebe und Julius Benda hierselbst haben ferner einen Entwurf zum Umbau der Sloßfreiheit eingeliefert, welcher si dem Style na dem Slütershen Scbloßbaue anpassen würde, und dessen Aus- führungsfkosten auf 6 Millionen Mark bere<net sind. Der niedrige langgestre>te, durÞh Säulen und Pilaster reih ge- aliederte Trakt, über weldem der jett leider durch die Gebäude der Scloßfreiheit verde>te prachtvolle Triumphvogen der Hauptfaçade

mit der Sc{loßkuppel weit hinausragend zu imposanter