1851 / 16 p. 2 (Preußischer Staats-Anzeiger) scan diff

dem jenseitig gemachten Zusaße, „jedo<h bei der hohen Staats =- Regierung die ae Abminderung der Stations- gendarmen beantragen“ seinen Beifall niht zu schenken ver- mochie. Unter Bezugnahme auf den Umstand, daß eine Aenderung in der Organisation der Gendarmerie, falls sie ihren Zwe> errei- chen soll, dringend nothwendig erscheine, brachte Amtshauptmann von Wel> einen Antrag des Juhalts ein, daß die Staatsregierung ersu<t werden solle, den Ständen bei Gelegenheit der Umgestaltung der Verwaltungs - Behörden au< einen Plan für Reorganisation der Gendarmerie-Anstalt vorzulegen. Diesen sehr zahlreih_untcr- stüßten Antrag zog der Antragsteller jedo zurü>, nachdem die Staats» regierung bemerkt hatte, daß sie im Wesentlichen mit demselben, cin

verstanden wäre und daß bei Umgestaltung der Verwaltungs-Behörden auch die Reorganisation der Gendarmerie - Anstalt betreffende Bor- \<läge an die Kammer gelangen würden. Der Antrag an si sei nicht unbedingt nothwendig, eyen i G oder anderen Richtung hin ein Prájudiz darin liegen könne. von Mebs{ spra alsdann no< den Wunsch aus, daß bei der erwähn- ten Reorganisation der Gendarmerie auch auf die Kopfbede>ung derselben Rükjicht genommen und dem Geschma>e des Publikums, dem jene gar niht zusagen wolle, etwas mehr Rechnung getragen werden möchte. Die nächstfolgenden Positionen, welche ein besonde- res allgemeines und neues Interesse faum gewähren dürsten, wurden bis mit Position 23e. ohne Debatte in dem von der zweiten Kammer beschlossenen Maße einstimmig genehmigt. Der Schluß der Sißung erfolgte £2 Uhrz die Fortseßung der Berathung des vorliegenden Berichts wurde für die Montagssibung anberaumt.

Dresden, 12. Jan. (Dr. J.) Die zweite Deputation der zweiten Kammer hat jeßt au<h über Position 7 des außerordent- lichen Ausgabe-Budgets, in welcher „zu außerordentlichen Anschaf- fungen für die Armee, in Folge der allgemeinen Kontingents- Erhöhung‘ die Summe von 946,932 Rthlrn. gefordert wird, 1hren Bericht erstattet. Referent ist der Vorstand der Finanz-Deputatiion, Abgeordneter von der Planiß, Wir entnehmen dem Berichte über diesen Gegenstand Folgendes: Wie schon aus früheren Verhand- lungen beïannt, ist die Regierung des Königreichs Sachsen im Monat Mai des Jahres 1849 dur< Verordnung des Reichs- Kriegs=Ministeriums wiederholt veranlaßt worden, die Streitmacht des Landes zu erhöhen und mindestens ein Armee-Corps von 25,000 Mann wohlgerüstet aufzustellen. Die traurigen Ereignisse im Innern des Landes, welche fremde Truppen zur Herstellung der Ordnung hereinführten, so wie der Kampf im südlichen und nördlichen Deutschland, bewogen die Regierung noch außerdem, diesen wiederholten und dringenden Anforderungen der Central- gewalt nachzukommen. Für ein Armee-Corps von dieser Stärke waren aber die vorhandenen Vorräthe an Bekleidungs - und Aus- rüstungsgegenständen nicht ausreichend, auch die Pferdezahl zu ge- ring. Das Kriegsministerium sah sih daher genöthigt, bedeutende Anschaffungen zu machen, zu deren De>ung die obige, allerdings sehr bedeutende Summe hier gefordert wird. Die zweite Deputa= tion, von der Kammer mit der näheren Prüfung dieses Postulats beauftragt, bemerkt zuvörderst, daß diese Gesammtsumme in die nach- stehenden Unterabtheilungen zerfällt: a) 80,000 Rthlr. zu Equipi- rung, exkl, Armatur von 2308 Rekruten, dur< welche der frü- here Bestand der Armee erhöht worden ist), b) 120,000 Rthlx. zur vollständigen Bekleidung, so wie zur Ergänzung der übrigen Equipirung, exkl. Armatur für 4630 Kriegs- reservisten. Die Bekleidung mußte für die gesammte Mannschaft angeschafft werden, da selbige in Folge der früher bestandenen Einrichtung nicht vorhanden war. Die übrige Equipirung war für 3228 Mann —- der frühere etatsmäßige Stand der Kriegs- reserve vorräthig und brauchte somit nur für 1402 Mann no< angeschafft zu werden. Man hat hierbei alle vorhandenen Vorräthe benußt und dadur< so weit thunli<h Ersparniß erzielt. c) 16,000 Rthlr, zur Equipirung, exkl, Armatur von 405 Re= fruten der Reiterei, der reitenden Artillerie und der Pionier= und Pontonter-Abtheilung, so aus der Dienstreserve ausgehoben worden sind. Es sind 256 Mann der Reiterei, 85 Mann der reitenden Artillerie und 64 Mann der Pionier- und Pontonier-Compagnie zu- getheilt worden. Die Equipirung dieser Rekruten ist bei den be- treffenden Parteien erfolgt. d) 180,000 Rthlr. desgleichen für 6059 dergleichen Rekruten der Dienstreserve von der Fußartillerie, dem Train und der Infanterie. Dieselben sind durch die Mili- tair-Vorraths=-Anstalten eingekleidet worden, und haben hierbei durch Benußung von Vorräthen Ersparnisse gemaht werden köunen, Die Militair Verwaltung glaubt daher, mit dieser Summe den Auf- wand bestreiten zu können. e) 216,000 Rthlr, zur Anschaffung von 1600 Stü> Kavallerie-Pferden, das Stü> mit allen Spesen zu 135 Rthlr. gerednet, Das Kriegs-Ministerium hat diesem An- saße die Erläuterung beigefügt, daß jedenfalls an der postulirten Summe erspart werden wird, da nah den bis jeßt gemachten Er= fahrungen die Pferde nur ungefähr 132 Rthlr. pro Stück zu se- hen fommen. f) 45,000 Rthlr, zur Kompletirung der Pferde- Equipage für die Reiterei. Um die für den Feldetat er- forderlichen Equipagen vollständig zu machen, waren 1600 Equipagen für Dienstpferde und außerdem no< 116 Klep- per - Equipagen für die Pferde der Nichtstreitenden anzuschaffen. Jede Equipage kostet exkl. Mantelsa> und Stiefelsa>, welche bei der Équipirung des Mannes in Ansaß gekommen, 26 Rihlr. 2 Ngr. 9 Pf. Es werden sih jedo durch Verwendung von Vorräthen einige Ersparnisse machen lassen. g¿) 3240 Rthlr. zum Ankauf von 24 Chargenpferden für die Fußartil- lerie und den Kommissariatstrain, die nicht unter den angenomme- nen Durchschnittspreisen von 155 Rthlra. zu erlangen sein werden. h) 14,340 Rthlr. zum Ankauf von 84 Reitpferden für die rei- tende Artillerie. Die Staatsregierung erklärt in den Unterlagen, daß sie hofft, bei diesem Einkauf vielleicht eine Ersparniß zu machen. ¡) 2352 Rthlr. zur Ausrüstung dieser Pferde und Klepperequipa- gen. k) 40,000 Rthlr. zu Kompletirung für die Artillerie- und Kom- míssariatstrainpferde. Die Staatsregierung erklärt in den der Deputation mitgetheilten Unterlagen, daß der Bedarf an Trainpfer- den von den Umständen abhänge. Für diese Pferde muß die Be= shirrung vorräthig sein. Nach Abzug der bereits vorräthigen Be- stände fehlen no< 41550 vollständige Geschirre und eine Anzahl einzelner Stücke, welche zur Ergänzung der vorhandenen Geschirre erforderli< werden. 1) 3000 Thaler zu Ergänzung der Ausrüstung der Pionier - und Pontonierparks, Jn Folge der Vermehrung der Armee haben die Fuhrwerke für den Pionierpark vermehrt werden

*) Die Equíipirungskosten betragen: 43 Rthlr, e Ngr. 8 Pf. für einen Reiter,

4d 1 für einen reitenden Artilleristen, 2320 - 2 - 6 - für einen Fußartilleristen,

36 - U - 2 -- für einen Trainsoldaten,

A s 9 - 6 - für einen Jyufanteristen,

2 28 e 5 » „Jul ee, SQUBEN,

36 à 2-9 » für eiten Zägkr.

Bei Aufstellung der obigen Summe hat man angenommen, daß die Rekruten allen Truppengattungen zugetheilt werden, daher der- Durchschnitts- say von 34: Rthlr. pro Kopf zu Grunde gelegt worden ift,

abgesehen davon, daß nach der einen |

68

fi aud hat man si{< genöthigt gesehen, für mehrere Fuhr- Es ‘für S zeither tine vierspännige Bespanuung angenommen wurde, eine se<sspännige einzurichten. Endlich bedurfte auch die übrige Ausrüstung des Parks in manchen Gegenständen einer Vervollständi- gung. m) 230,000Thaler zur Vermehrung der Waffen und Munition, so wie der sonstigen Artillerie-Ausrüstung, der Hospîtal-Einrichtungen, der Kommissariats-Fuhrwerke, der Lokalitäten zu Unterbringung der Truppen und Aufbewahrung der Vorräthe. Nach den Ausgaben der Staatsregierung wird si< diese Summe folgendermaßen verthei= len: 1) 170,000 Rthlr. zur Vermehrung der Waffen, 2) 32,000 Rthlr, zur Vermehrung der Munition und des Artillerie-Materials, 3) 18,000 Rthlr. zur Vermehrung der Hospital-Anstalten, 4) 10,000 Rthlr. zu ver- \chiedenen Einrichtungen und Bauten, wodur< die Kaserne erweitert, Räume zur Aufbewahrung des vermehrten Jnventariums gewonnen und einige Zeughaus-Etablissements in größerem Umfange hergestellt werden. Die Deputation bemerkt, daß die Armee um 10,004 Mann bei der Infanterie, 1302 Mann bei der Reiterei, 1937 Mann bei der Artil!‘erie und den Pionuiers und 378 Mann bei dem Kommissa- riatstrain vermehrt worden ist, Diese Vermehrung begründet dem- nach die Postulate unter a, b, c und d zur Genüge, und hält die Deputation deren Bewilligung für nothwendig und zur Besürwor- tung geeignet. Jn gleicher Weise hält sie die Ansäße unter f. i, und k, für eine Abminderung nicht geeignet. Anders gestalten sich jedo<h nah ihrer Ansicht die Verhältnisse in Beziehung auf die un- ter e. g. und h, für außerordentlihe Remontekäufe postulirte Summe. Da schon in der Regierungsvorlage auf zu verhoffende Ersparniß hingewiesen war, so erbat sich die Deputation vom Kriegsministerium einen näheren Nachweis über den erfolgten Ankauf. Aus demselben geht hervor, daß von der im außerordentlichen Budget angegebenen Pferdezahl an 1708 Stüd> im Jahre 1849 nur 1204 Pferde wirk- lih angefauft worden sind mit einem Aufwande von 158,138 Rthlrnu. (Die übrigen 504 Pferde sind erst vor kurzem angekauft worden.) In Folge dessen glaubt die Deputation, der Kammer empfehlen zu müssen, bei Verabschiedung der Position 7 dieselbe 7442 Rthlr. niedriger zu bewilligen, da in jedem Falle den nächsten Kammern ohnehin wieder die Bewilligung der für außerordentliche Rüstungen verwendeten Summen vorgelegt werden wird. Jun Beziehung der unter m postulirten Ansäße hat die Deputation no< weitere Nach- weisungen von dem Herrn Regierungs-Kommissar empfangen. Die zur Vermehrung der Waffen veranschlagte Summe wird besonders zu Anschaffung von einer Anzahl Spiykugel-Gewehren verwendet werden, da die Gleichjiellung mit der Bewaffnung anderer Armeen deren Einführung au<h bei unseren Truppen unerläßlich macht. Außerdem is no< die Anschaffung von 1600 Säbekn und gegen 6000 Stü> Artillerie« und Infanterie = Seitengewehren er- forderlih gewesen und mit einem Aufwande von mehr als 16,000 Rthlr. bereits erfolgt. Hinsichtli<h der für Ver- mehrung der Munition und des Artilleriematerials verlang- ten 32,000 Rthlr. erklärte die Regierung der Deputation, daß die Rechnungen darüber no< ni<ht geschlossen seien, daß aber die Vermehrung der Armee den Bedarf an Taschenmunition um 6500 Rthlr. gesteigert habe, während die Vorrathsmunition für 10,000 Mann Junfanterie 140 Schuß pro Mann gegen 10,000 Rthlr. koste. Die Absicht des Kriegsministeriuums geht übrigens auch noch dahin, von diesem Postulat die im Monat Mai 1849 in Dresden ver- \schossene und theilweis entwendete Munition zu erseßen. Desgleichen ist au< von dieser Summe das Kommissariatsfuhrwerk ergänzt wor- den. Zu Anschaffung von Hospitalgeräthschasten sind 18,000 Rthlr. postulirt worden, wofür die Militärvorrathsanstalt unter anderen 1516 Stü> wollene Lagerde>en a 4 Rthlr., 2932 Stück Bett- und Dectücher a 1 Rthlr. 7 Ngr. 9 Pf, 1466 Strohsä>e a 1 Rthlr. 2 Ngr., 2300 Hemden a 26 Ngr. 8 Pf., angeschafft hat, der Rest aber für die übrigen Lagergeräthshaften, Wäsche, Verbandstücke und andere Geräthschaften ausgegeben ward, auch sind die in den neu=- errihtet:n Hospitälern, in Borna und Chemniß, nothwendig ge- wordenen Ausgaben davon bestritten worden. Jn Betreff der für Baulichkeiten postulirten 10,000 Thaler hat das Ministerium der Deputation mitgetheilt, daß in Folge der eingetretenen Vermehrung der Armee mehrere in der Vorlage bezeichnete Baue zur Ausfüh-= rung zu bringen gewesen sind, deren Vollendung die oben angege bene Summe vollstäudig absorbirt habe, Die Deputation glaubt allerdings, die Vervollständigung der Bewaffnung der Jufanterie, die Anschaffung der erforderlichen Munition, die Anschaffung nöthi- ger Hospital = Bedürfnisse und die Herstcllung der erforderlichen Räume zu Unterbringung von Train - und Reitpferden und ande- ren Ausrüstungs-Gegenständen als eine nothwendige Folge der eingetretenen Vermehrung der Armee anerkeunen zu müssen, Sie glaubt daher die Bewilligung des Postulats nach Ab= zug der oben angeführten bei dem Ankauf der Remonte ersparten 7442 Rthlr. der Kammer zur Bewilligung empfehlen zu müssen und räth daher, Position 7 des außerordentlichen Budgets mit 939,490 Rthlr. zu bewilligen. Die Deputation bemerkt no< nachträglich, daß, sollte auch wirklich bei der einen oder der anderen Abtheilung der Position die veranshlagte Summe nicht vollständig verausgabt werden und si eine Ersparniß ergeben, der Ueberschuß dann jeden- falls mit zur De>ung der im Jahre 1850 für den Militair - Etat nöthig gewordenen außerordentlichen Ausgaben erforvert und ver= wendet wird. Sie räth jedo<h der Kammer zugleich an, bei Be- willigung der vorstehenden Position no<h den Antrag an die hohe Staats - Regierung zu richten, „daß dieselbe der nächsten Stände- Versammlung bei Vorlage des Militair-Budgets eine genaue Ueber- sicht sowohl der Rüstungskosten, so wie aller Ueverschrceitungen der Positionen des dermaligen Militair-Budgets, unter Zurechnung der bei dem gegenwärtigen außerordentlichen Budget erfolgten Bewil- tigung, zur nachträglichen Bewilligung vorlegen wolle.“

Dresden, 13. Jan. (Dresd. Journ.) Die erste Kom=- mission der Ministerial - Konferenz, so wie die zweite Kommission, deren Aufgaben, Berathung der obersten Bundesbehörde und Um- fang des Bundesgebiets, so wie des Wirkungskreises der obersten Bundesbehörde und der Beziehungen des Bundes und der Einzel- staaten zu einander, in nächster Wechselbeziehung stehen, haben gestern und heute kombinirte Sißungen gehalten. Fürst Schwarzenberg ist heute Morgen nah Wien abgereist. Wie wir vernehmen, haben die leßten Tage und zwar bei der jüngsten Anwesenheit des Fret- herrn von Manteuffel, die Arbeiten der Konferenz in wesentlichen Punkten begünstigt und vas Einverständniß darüber gefördert,

Dresden, 413, Jan. (D. A. Z.) Die Böhmish-Sächsische Bahn is vollendet und heute zum erstenmale und zwar von dem Zürsten Schwarzenberg befahren worden, der heute Morgen auf derselben mittelst Separat=Trains nah Wien zurü>kehrte,

Hannover. Hannover, 12. Jan. (W. Ztg.) Staats- Minister von Münchhausen, dessen Rückkunft von Dresden schon auf vorgestern Abend pr. Telegraph angemeldet war, is erst diesen Morgen 10 Uhr hier eingetroffen.

Hildesheim, 12, Jan. (H. Pr.) Heute Nachmittags 2 Uhr sind die öósterreihishen Executionstruppen hier eingerü>y, Nachdem sie auf dem Domhofe vor dem Stabe vorbeidefilirt waren, beseßten sie die Wache, den Bahnhof u. #. w.

Baden. Karlsruhe, 8, Jan. (S<w. M.) Jn der orten Kammer betraf heute die Berathung das außerordentliche

udget für die Jahre 1850 und 1851. In diesem forderte die Regierung unter spezieller Begründung der einzelnen Posten als ausre{<t zu haltende Kredite und neue Bewilligungen: 1) für das Staats-Ministerium 300,655 Fl. 30 Kr. 2) Für das Ministerium des Großherzoglichen Hauses und der auswärtigen Angelegenheiten 4200 Fl. 3) Für das Justiz - Ministerium 224,741 Fl. 39 Kr. 4) Für das Ministerium des Junnern 623,615 Fl. 5) Für das Finanz-Ministerium 101,422 Fl. 6) Für das Kriegs-Ministerium 3/04/,909 Fl 6. Ar. Zusammen 4/898, 943 l 15 Kr. die unter obigen Gesammtsummen enthalienen speziellen Anfor-

derungen ver Regierung möglichst niedergehalten waren, so wurden auch gegen die meisten derselben keine Enwendun-= gen vorgebra<ht und solhe ohne weitere Verhandlungen be- willigt, nur gaben folgende Posten zu längeren Erörte

rungen Veranlassung. Bei der Forderung von 141,255 Fl, 99 Kr. als Beitrag zur deutshen Marine glaubt der Abge- ordnete Schaaf} von Mosbach darauf hindeuten zu müsen, daß auch noch andere deutsche Staaten mit ihren diesfallsigen Zahlun= gen im Rückstande seien, deswegen Baden ebenfalls zuwarien sollte. Rettig stellt, hierdur< veranlaßt, den Antrag auf den einsweiligen Strich der ganzen Summe, Dieser Antrag wurde aber, nachdem Staatsrath Regenauer und S<mitt dagegen gesprochen, v:rworfen und jener der Kommission angenommen, welcher dahin geht: die geforderte Summe zwar zu bewilligen, dabei aber die Erwar= tung auszusprehen und in das Protokoll niederzulegen, daß die Regierung mit ihren Beiträgen gleichen Schritt mit anderen deut- schen Staaten zu halten nicht unterlassen möge. Unter Nr. 5 fordert die Regierung zur Entschädigung auswärtiger Waareneigen= thümer für die während der Revolution im Zollhofe und im Eisen- bahnhof zu Mannheim zu Grunde gegangene oder beschädigte Baum- wolle 8770 Fl., deren Strich die Kommission beantragte. Sie wur- den aber dessenungeachtet auf Weller?s Antrag, den Schmitt und von Soiron unterjstüßten, bewilligt.

Karlsrube, 14. Jan. (Fr. J.) Die zweite Kammer er- ledigte in ihrer heutigen Sißung das Geseß über die Abänderung des Conscriptionsgeseßes. Demgemäß tritt an die Stelle des Ge- seßes vom 12, Februar 1849, das die Stellvertretung beim Mis- litair aufhob, das Conscriptionsgeseß vom 14, Mai 1825 mit eini- gen wesentlichen Aenderungen wieder in Krast. Diese bestehen in der Einführung des preußischen Instituts der sogenannten Greiwilli- gen mit einjähriger Dienstzeit und der Berpflichtung, sich während derselben selbst zu equipiren und zu verköstigen; ferner in der Einräumung der Befugniß für jeden jungen Mann, nach vollende- tem 17teu Lebensjahre im Falle körperlicher Befähigung sih zum Kriegsdienste zu melden , wodurch er dann um so viel früher wie- der der betreffenden Verpflihtungen entledigt wird, Jn den nächsten zwei Jahren sollen übrigens nur sol<he Individuen als Einsteher zugelassen werden, welche das Kriegs - Ministerium als dazu geeignet erklärt. Die Diskussion des Lameyschen Berichts über die Interpellation des Abg. Weller, die Aushebung des Kriegs zustaudes betreffend, spann sich nit in die Länge. Der Kommis sions-Antrag lautete: die Kammer möge ihre Ansicht zu Protokoll dahin erklären, daß der Kriegszustand nah Verkündigung der Ge seße über die Presse, Vereine und Volksversammlungen und nach Einführung des Strafgeseßes alsbald aufzuheben sei. Soiron beantragte die Fassung in der Art, daß die gedachten Geseve so bald als möglich zu verkündigen und dann sofort der Kriegszustand aufzuheben sei. Außerdem sprachen nur der Abg. Welker, der Mi- nister des Junern und der Berichterstatter, worauf Soiron?s An- trag angenommen wurde.

DUrta N an. Gar a tér DoArnal.) Bet dem hiesigen Overamie hat die Großherzogliche Generalstaats- kasse in Karlsruhe gegen 61 flüchtige Beklagten als Sammtschuld- ner die Summe von 169,648 Fl. nebst 5 pCt. Zinsen vom Tage der Klagezustellung an, auf den Grund eingeklagt, daß die Beklag ten wegen Theilnahme an der Mai-Revolution durch rechtskräftige Erkeuntnisse unter Sammlüverbindlichkeit zum Schadenersaße verur= theilt worden seien, und daß die revolutionairen Machthaber seiner Zeit bis zu dem bezeichneten Betrage Gelder aus Großherzoglicher Amortisations- und Hauptkriegskasse sich angeeignet haben. Unter den Beklagten sind: Brentano, Damm, Junghans, Peter, Nerlin- ger, Stein. Da das Vermögen der sämmtlichen Beklagten bereits mit Beschlag belegt worden ist und im Ganzen sicherem Vernehmen nach die genannte Summe übersteigt, die Beklagten aber sammt- verbindlich sind, so wird die Generalstaatskasse ohne allen Zweifel mit ihrer ganzen Forderung vollständig befriedigt werden.

S O, On Œ V Ala) Gestern Nachmittag um 3 Uhr rüc>te das K. K. österreichishe Cheveaux legers-Regimeut Windischgräß mit einer Fußbatterie hier ein. Se. Königl. Hoheit der Kurfürst hatte sich zum Empfang desselben uach dem Friedrichsplaß begeben. Fürst vou Thurn und Taxis war mit einem zahlreichen Gefolge dem ankommenden Regimente entgegen=- geritten. Der Kurfürst ließ leßteres defiliren und fuhr sodann nach Schloß Wilhelmshöhe, woselbst mehrere höhere Offiziere zun Tafel gezogen wurden. Die angekommenen Truppen wurden in den Dörfern um Kassel einquartiert. Heute früh sind dieselben auf der Straße über Münden weiter marschirt, Der hiesige Magistrat, welcher no< bis vor wenigen Tagen in der Anerkennung der Sep- tember-Verordnungen zurückgehalten, hat sich nun in einer weiteren Erklärung den Anforderungen des Bundes - Kommissärs Grafen von Leiningen gefügt, Demnach haben seit gestern die Bequartie= rungen, welche den Mitgliedern des Magistrats zuerkanut waren, aufgehört. Auch is den Mitgliedern des Konsistoriums und des Obermedizinal - Kollegiums, welchen wegen fortdauernder Renitenz rüsichtli<h der Anerkennung gedachter Verordnungen Bequartierung zugetheilt war, solche abgenommen und der erbetene Abschied höheren Orts ertheilt worden.

2 Uhr Nachmittags. So eben rü>en weitere K. K. österreichische Truppen-Abtheilungen hier ein. An der Spiße derselben befand sich Se, Kaiserl. Hoheit Erzherzog Leopold, Der Kurfürst und Fürst von Thurn und Taxis waren schon frühzeitig mit einem zahlreichen Gefolge dem Erzherzog bis an das Chausscehaus vor dem leipzi- ger Thore entgegengeritten. Das Musikcorps des hier stehenden K. K, ósterreihishen Jäger-Bataillons, so wie das des kurhessischen Leib= garde-Regiments waren, den Ankommenden ebenfalls entgegengezo- gen. Lettere bestanden aus dem ersten Bataillon Kaiser-Jäger, ein musterhaftes Corps, welches allgemeine Bewunderung erregte, cinem Bataillon Erzherzog Albrecht, so wie zwei Schwadronen Cheveaux- legers vom Regiment Windischgräß, welche leßteren von Gudens- berg die frankfurter Straße herkamen. Nach einer Parade - Auf=« stellung defilirten diese Truppen. Se.* Kaiserl, Hoheit Erzherzog Leopold ist im Gasthof zum „Deutschen Hof“ abgestiegen, vor wel=- <em sofort eine Ehrenwache vom kurhessischen Leibgarde - Regiment aufgestellt wurde.

Hesseu und bei Rhein. Darmstadt, 13, Jan, (O. P. A, Ztg.) Das neueste Regierungsblatt enthält die Ernennungen

lichen Ministerialräthe von Bechtold und Maurer t I a iwwissäctn für die erste und die zweite Kammer der Stände, welche sih bekanntlih übermorgen hier versammeln, Veber die von Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog zu ernen- nenden Mitglieder zur ersten Kammer verlautete gestern no< nichts Bestimmtes.

Schleswig-Holstein. Altona, 14. Jan, Der Alto- naer Merkur enthält folgende Proclamation: „An die Armee! Die von den Großmächten Deutschlands Namens des deutschen Bundes gesandten Kommissäre haben es übernommen, den Friedens- Vertrag vom 2. Juli v. J. nunmehr zur Ausführung zu bringen und dabei die Rechte und Interessen des Landes Holstein und sei- ner althergebrachten Verbindung mit dem Herzogthum Séhleswig zu wahren, Die Statthalterschaft hat deshalb die Feindseligkeiten einstellen lassen. Die dänische Armee wird si< zurüczichen und nur die zur Aufrechthaltung der Ordnung erforderlichen Truppen- Abtheilungen in Schleswig zurü>lassen. Die shleswig - holsteinsche Armee behält die Festungen Rendsburg und Friedrihsort, so wie die zu diesen Festungen gehörenden Rayons best; Der Ubrige Theil der Armee wird über die Eider zurü>gehen und Cantonne- ments beziehen. Die Truppen werden, wenn sie in ihren Cantonne- ments augekommen sind, bis zu zwei Drittheilen ihrer Mannschaft beurlaubt. Die Cadres bleiben, und bei diesen werden die Waffen, Bekleidungen und alle Ausrüstungsgegenstände aufbewahrt. Die Statthaltershaft vertraut der Armee, daß sie, die so ruhmvolle Be- weise ihrer Tapferkeit und ehrenwerthen Ausdauer gegeben hat, auch ferner musterhafte Ordnung und Disziplin aufre<t erhalten und si< dadurch die Achtung und den Dank des Vaterlandes sichern werde, Kiel, den 11. Januar 1851. Die Statthalterschaft der Herzogthümer Schleswig-Holstein. Reventlou. Krohn.

Mecklenburg-Schwerin. Schw erin, 11, Jan. (H. C.) Auf die hier gestern eingegangene Nachricht von dem erfolgien Ab- leben des Herzogs Gustav begab si< der Großherzog sogleich nah Ludwigslust, von wo er bereits wieder zurückgekehrt ist. Der Groß- herzogliche Hof wird auf drei Monate Trauer anlegen. Das Hof- theater bleibt bis zum 419ten d, geschlossen.

Sachsen-Koburg-Gotha. Gotha, 11. Jan. (L. Z) Es is hier gegenwärtig ein Memorial vom Staats - Ministerium an die für die Vereinigung der beiden Herzogthümer Gotha und Kob urg gewählten Kommissarien gerihte. Dasselbe bezieht si< auf den schon früher in mehreren öfentlihen Blättern erwähnten Protest, welcher von den Agnaten des koburgischen Fürstenhauses, als vom Prinzen Albert in London, von Leopold, dem Könige der Belgier, und vou Herzoge Ferdinand in Wien, dem Vater des Gemahls der Königin von Portugal, sowohl gegen die ständischer-

seits dekretirte Jncorporation des Domainen - und Kam- mer - Vermögens in das Staatsgut, als auh gegen die Beschränkung der Landesherrlichkeit dur< das suspensive

Veto \chon im April 1849 qusgesprohen, jedo< von der damaligen hiesigen Abgeordneten - Versammlung ad® acta gelegt wurde. Das Staats - Ministerium hat diesen Protest bei der jeßt beabsichtigten Union wieder zur Sprache gebracht und seßt in jenem Memoriale mit juristisher Schärfe aus einander, auf welchen ge- rechten Besiytiteln (Kauf, Sekularisirung geistlicher Güter 2c.) der Anspruch der Agnaten an dem Domainen-Vermögen beruhe und zu welchen unseligen Konsequenzen für unser Land das Beharren auf jenem suspensiven Veto, welches den Regenten zu einer bloßen obersten Execkutiv -= Behörde mache, bei der jeßigen politishen Sach- lage in Deutschland führen werde und müsse. Man is hier sehr gespannt auf die Erklärung der Kommissarien, welche zum größten Theile der Linken des Landtags angehören.

eran tfurt, Trau M. 11 Zan Gr, D). In Namen der Senate der vier freien Städte ist an die Stelle des wegen vorgerückten Alters und seiner Gcsundheitsumstände pensio- nirten seitherigen ältesten Raths des Ober - Appellationsgerichts zu Lübe>, Dr, F. I. Hath, der bisherige Professor der Rechte und Ordinarius der Juristen - Fakultät zu Halle, Dr. G. W. F. A. Wunderlich, zum Rathe beim Dber-Appellationsgericht erwählt wor- den. Der scit ungefähr einem Jahre hier lebende und als fach=- wissenschafstliher Schriftsteller bekannie Geheime Rath Tiedemann, Vater des Gouverneurs von Rastatt, eröffnete diese Woche in un- serem gcographishen Verein einen Cyklus von Vorlesungen über die Geschichte des Tabaks, welche sich einer sehr zahlreihen Zu hörerschaft zu erfreuen haben. j

Sranfurt, 12 Dan. In der öbsterreichis<hen Armee dienen gegenwärtig ungesähr 40 Frankfurter, sagt idas Journal de Francfort. Unter denselben befinden sich die Feldmarschall=-Lieu- tenants Parrot, von Stregen, Baur von Eysene>, Jordis;z vie Generale Klehe, von Fichard, Mainoni, Jordis; mehrere Obe1 iten 2c.

NuslanmdD.

Hesterreich. Zara, 9. Jan. (Ll) Die Jnsurgenten Bosniens streifen no< in Glibusfi und anderwärts, um Mannschaft zum Kampfe zu pressen. Sie halten die Brüde hei Kognicza beseßt, um das Vor- dringen Omer Pascha’s nah der Herzegowina zu hindern. Ein türkis<es Corps, 3000 Mann stark, ist bereits auf dem Marsch da- hin, darunter viele Ungarn und Polen, die übrigens um jeden Preis nach der Heimat zurückzukehren wünschen.

Frankreich. Paris, 1. Jan, Die Remusatsche Kommission hat Broglie zum Präsidenten, Lanjuinais zum Secretair gewählt. Beide sind dem Elysee feindlich, Buffet, ehemaliger Handelsminister, dem Elysee freundlich, ist von der ten Abtheilung in die Kommission gewählt worden, Folgendes ist die Liste der gestern Abend in die von Remusat bean- tragten Kommission gewählten Mitglieder: 1ste Abtheilung Bixio, 2e Abtheilung Baze, 3te Abtheilung Cavaignac, 4te Abtheilung Busfferio, 5te Abtheilung Montebello, 6te Abtheilung Flandin, 7te Ab- theilung Passy, 8te Abtheilung G. von Beaumont, 9te Abtheilung Daru, 10te vertagt, 11te Nettement, 12te Lanjsuinais, 13te Morellet, 14te von Mornay , 15te von Lamartine. Wie in der Sipung, so hat au<h in den Abtheilungen die demokratische Partei vollkommenes Stillschweigen bewahrt. Jn der ersten Abtheilung haben die Mit gliedey des Berges gar nicht gestimmt. Jun der zweiten spricht Beugnot für einen Dank an General Changarnier, einen Tadel des Ministeriums , sieht aber in weiterem Vorgehen Revolution. Baze erklärt si für srifkte Ausführung des Remusatschen Antrages und wird gewählt. Jn der sechsten fragte Unterrichts-Minister Parieu L das Räthsel dieses engen Bundes zwischen Changarnier und der Majorität, Er exklärt mit Changarnier jeden Kriegsminister für unmöglih, Dér General habe um seine Absezung ge- wußt und am 3. Januar nur darum gesprochen, um den Schlag abzuwenden, Monet und Girardin verlangen Verbffentli- <hung der Protokolle der permanenten Kommission; Flandin spricht

69

für den Präsidenten und wird gewählt. Ju der dritten wird Ge- neral Cavaignac mit 22 Stimmen gegen 18 sür Remusat gewählt und erklärt, seiner Partei gebühre Zurü>haltung, seine Stellung müsse eine ruhige sein. Er sei entschlossen, die Würde der Versammlung zu vertheidigen, do< unter der wohlverstande- uen Bedingung, daß die Republik nicht gefährdet werde. In der fünften kam Montebello, regierungsfreundlih gesinnt, nur mit einer Stimme Majorität dur<. Jn der siebenten forderte Ducoux eine Erklärung Changarnier's. Passy sprach für Zurü>haltung und wurde gewählt, Die Forderung Ducoux's slüßt sich auf die Worte, welche Changarnier am Sthlusse der gest rigen Sibung zu einigen Freunden geäußert haben soll: „Haltet Euch gut. Die Gefahr ist ernsthafier, als Jhr glaubt. Mir hat man wenigstens den bestimmten Antrag gemacht, die Versammlung zur Thür hinauszuwerfen.“ In der achten sprehen Chamo lle und G. von Beaumont für energis<he Maßregeln. Leh- terer wird mit 22 Stimmen gegen 14 für den Bona- partisten Fremy gewählt. Ju der neunten spriht Tinguy für, Daru gegen Remusat’s Antrag. Lebterer wird gewählt. Jn der zehnten bietet Präsident Molé vergebli<h das Wort an, obwohl die entschiedensten Urheber des Remusatshen Auhanges, Thiers, Piscatory und Broglie, Mitglieder sind. Endlich spriht Piscatory für den Antrag und erklärt die Republik für die eiuzig mögliche Regierungsform, der er sogar Opfer zu bringen bereit sei. Thiers erflärt, er habe nur darum nicht zuerst gesprochen, weil er nit als Kandidat auftreten wolle. Ex habe die Republik niht gemacht, aber er nehme sie an und wolle weder diese, no< jene Monarchie, dagegen aber werde er die Republik vertheidigen. Die Versammlung sei {wer beleidigt und müsse eine bedeutsame Maßregel ergreifen. Er will eine mo- tivirte Tagesordnung und nach Befund Sicherheitsmaßregeln. Pas- cal Duprat ist erstaunt über den Jungrepublifaner ‘“’ Thiers und erklärt ihm, daß er weder Changarnier, dessen Ehrfurht vor der Verfassung sehr neu sei, no< der nah Wiesbaden und Claremont gepilgerten Majorität trauen könne. Thiers sucht nun seine ersten

hibigen Anklagen gegen das Elysee zu mildern und er- flärt, er sei erst na< erhaltener Bewilligung des Präsi

denten na< Claremont gereist, wolle aber später über diese Reise kategorische Aufschlüsse geben. Jn der 11ten fordert Nettement ein absolutes Mißtrauensvotum gegen das neue Ministerium, Sicher- heitsmaßregeln dur< Tzuppenausstellung und wird mit 26 Stimmen gegen 17 für den ministeriellen Kandidaten Bauchard gewählt. Jn der 12ten spricht Lanjuinais heftig gegen die Regierung und ihre fortwährende Angriffe und sicht mindestens die Würde und moralische Existenz der Versammlung gefährdet. Denjoy bekämpft ihn. Monta- lembert meint, ein für Changarnier votirter Dank wäre genug, will daher feine Drohungen. Minister Baroche entgegnet, das Kabinet bedürfe keiner Jndemnitätsbill. Die Exekutivgewalt habe ein constitutionel- les Recht geübt; ob gut, ob s{le<t, das sei die einzige Frage. Da man die von Changarnier innegehabten Kommando's getrennt habe, habe man ihn, ohne Gefährdung seines Ansehens, nicht be- lassen können. Die Presse werde weder von der Exekutivgewalt, no<h von dem Ministerium inspirirt. Das Ministerium bedauere die Uebergriffe der Presse, könne sie aber nicht hindern, habe außer dem jede direkte Mitwirkung {hon vou der Tribüne desavouirt. Was den Straßenverkauf betresfse, so genössen ihn legitimistishe und orleanistishe Journale ebenfalls. Jn der dreizehnten Abtheilung wird der Montagnard Morellct gewählt und erklärt, er wolle Er- klärungen über das Gerücht von der Anwesenheit orleanistischer Prinzen in Versailles fordern. Jn der vierzehnten spriht Mornay für energische Maßregeln und auf Charras Interpellation für Ver- óffentlihung der Protokolle der permanenten Kommission. Es ist ihm glei, wel<hem General die Vertheidigung der Versammlung übertragen werde. Er wird gewählt. Jn der funfzehnten spricht Lamartine gegen den Antrag, für die Regierung und meint, man müsse niht so empfindli<h sein, im Gegentheile in so {weren Zeiten sich etwas gefallen lassen. Saint-Priest will möglichste Mäßigung der Kommission und keinen Angriff auf die Regierung. General Be deau spricht lebhaft für Energie, unterliegt aber mit 46 Stimmen gegen Lamartine, der mit 25 gewählt wird.

Paris, 12, Jan. Der Präsident der Republik ritt gestern in Civilkleidern durch die Rue Montmartre und über die Boulevards.

Abends erschien der Präsident in der Vorstellung der großen Oper, |

begleitet von seinen Adjutaten, General Roguet, Kommandant Fleury unv dem Polizeipräfekten Carlier, Morny und Hee>keren er= schienen später in der Loge. Zu Mittags hatte der Präsftdent bei dem Vicepräsidenten Boulay de la Meurthe gespeist. Die Patrie erklärt, sie sci in Stand gesebt, in Nachstehendem einen Toast mit- theilen zu können, wel<hen Herr Boulay habe ausbringen wollen, den aber der Präsident, um übelgesinnten Auslegungen jeden Vorwand zu nehmen, si<h verbeten habe: „Herr Präsident, Sie haben meine bescheidéne Gastfreundschaft im Hause meines Vaters angenommen. Sein Schatten theile die Freude und den Stolz sei= nes Sohnes, den Erben des Namens Napoleon an seinem Heerde sih niederseßen zu sehen. Er zollt mir Beifall, daß ich dieser Ehr=- lihkeit, dieser Mäßigung, dieser Eidestreue, dieser Aufopferung fürs Vaterland huldige, deren Zeuge ih täglich bin, die mehr und mchr die Volksthümlichkeit und den Ruhm des yon Jhnen getragenen Namens rechtfertigen. Jhre Gegeuwart nöthigt mich, inne zu hal- ten. Ich begnüge mich, mit Jhrer lezten Botschaft zu sagen: Gott wird das Uebrige thun. i :

Jm Konsferenzsaale der Nationalversammlung waren gestern folgende Gerüchte in Umlauf: A. Fould soll erst nah einer langen Konferenz dem Präsidenten das Ministerium der öffentlichen Arbei ten für Magne abgenöthigt haben; Ducos habe seine Ernennung erst dur< den Moniteur erfahren; Lahitte soll den Gesandtschafts- posten in London erhalten ; der frühere Deputirte Behic Unterstaats- secretair im Finanzministerium geworden; Bineau, Schramm und Dumas sollten Changarnier?s Abseßung zuerst unterzeichnet, auf die Beibehaltung in ihren Portefeuilles gere<hnet und ihre Entlassung erst aus dem Moniteur erfahren haben z Persigny solle vierund- zwanzig Stunden lang Minister der auswärtigen Angelegenheiten gewesen sein, Abbatucci aber ihn gestürzt haben; Fortoul sei dur< Morny beseitigt worden, der seine Landsleute, die Auvergnaten Parieu und Rouher, zu halten gewußt habe. Das Bulletin de Paris glaubt, daß die Gerüchte von einer Auflösung des neuen Ministeriums grundlos seien, wenn auch die Majorität ein {hon ganz fertiges Ministerium Barrot hoffe und wünsche. Das Verschmelz - Organ, die Assemblee nationale, sagt heute: „Die Regierung irrt si, wenn sie glaubt, daß leere Worte genügen werden, um eine verleßende That auszugleichen, und daß man mit einer bedeutungslosen Tagesordnung der Ehre genug gethan zu haben erklären werde.““

Baraguay Dd'Hilliers ist 1795 geboren, dient seit 1806, war in der Schlacht bei Leipzig Adjutant des Marschalls Marmont und verlor daselbst die linkeHand. Er nahm Theil an der Expedition nach Algier und war Adjutant des Herzogs von Ragusa. Seit 1843 is er Divisions8general , Jeit 1815 Mitglied der Ehrenlegion. Sein Vater ist als Dragoner =General im russischen Feldzuge um- gekommen.

Es geht das Gerücht, dié Remusatshe Kommission wolle Ge- neral Cavaignac zum Berichterstatter ernennen. Die Komnission hat si< gestern bis in die Nacht mit den Protokollen ver Perma- nenz - Kommission beshäftigt. Die Mitglieder verselben haben si das strengste Stillschweigen versprochen. Man glaubt, die Proto- folle der Permanenz - Kommission, wenn au< ni<t von Stenogra- phen aufgenommen, dürften Aufschlüsse geben: 1) Ueber die Ge= sellschaft des zehnten Dezember und ihre Verbindungen, 2) über die Revüen von Satory und ihre Tendenz, 3) über die Absezung Neumayer?s und die damalige Versicherung Baroche?s, \o lange er Minister sei, werde Changarnier seines Kommando's nit entsetzt werden. Heute um 2 Uhr begab si< Baroche in die Sißung der Remusatschèn Kommission. Man will in gewissen Kreisen behaup- ten, das Ganze werde s< auf cinen Dank an Changarnier und einen Tadel des Ministeriums beschränken. Ja, man bezweifelt sogar den lehteren, gegen welhen aber die Regierung jedenfalls zu protestiren entschlossen ist.

Ein von der Jndependance belge gebra<htes Gerücht von einem Komplott zwischen Changarnier, der permanenten Kommission und Dupin, dem zufolge der Präsident der Republik wegen Hoh= verraths verhaftet, dagegen Changarnier mit der Diktatur bekleidet werden sollte, wird, wie es heißt, ni<t nur in der Remusatschen Kommission, sondern au< auf der Tribüne zur Sprache kommen, Die Assemblee nationale stellt unter anderen Fragen über die- sen Gegenstand folgende: „Js es wahr, daß dieses Dokument vergeblich einem pariser Journal angeboten und erst nah allseitiger Weigerung am Donnerstag Abend um 8 Uhr nach Brüssel geschickt wurde? Ist es wahr, daß es am Freitage dem französischen Ge- schäftsträger zu Brüssel, Quinetal, vorgelegt worden? Hofft man, General Changarnier, Präsident Dupin und die permanente Kom- mission würden diese Anklage auf sih haften lassen?“

Nach dem Bulletin de Paris ist der Brigade - General Reibell , dessen Tagesbefehle die Patrie mittheilte, abgeseßt und der neu beförderte General von Cotte an seine Stelle ernannt worden. General von Cotte is ein Verwandter Montalembert?s ; es wird bemerkt, daß er bei der großen Revue zu Satory sich dur< seinen bonapartistis<hen Eifer besonders hervorthat.

Der Moniteur enthält heute das Dekret, wel<hes den Contre- Admiral Romain Desfossés zum Kommandanten des Geschwaders in der Levante an die Stelle des Contre-Admirals Motagniès de la Roque ernennt.

Larochejacquelin hat in dex gestrigen Sibung einen Antrag auf Modification des Wahlgeseßes voin 30. Mai eingebracht.

Für Montalembert bei der Aufnahme in die Akademie der Wis= senschaften haben gestimmt: die früheren Pairs: Molé, Kanzler Pas- quier, Floureus, von St. Aulaire, von Ségur, von Noailles, von St. Priest und Lebrun; die früheren Deputirten: Thiers, Guizot, Salvandy, Vitet, von Rémusat und Dupin ; die Schriftsteller: MÉ- rimée, St. Beuve, Scribe, Dupaty, Tissot, Ancelot, Brifaut, Mignet, von Pougerville und St. Marc Girardin. Der Ami de la Re-= ligion erklärt diese Wahl für einen Triumph des Katholiziómus,

Die Gesellschaft des zehnten Dezember zeigt zu Straßburg durch Plakate an, daß sie sh wieder konstituire. Sie nennt si< philanthropis< und fordert unter Anderem dazu auf, Actien zu 25 Fr. für das bonapartistisc<he Journal Le Pays in Monats-Raten von einem halben Franken zu zahlen.

Das Ordre bemerft, Changarnier sei weder dur<h den Prá- sidenten der Republik, no< dur< die Rothen gefallen, sondern dur den Undank derjenigen, denen er die nüplichsten Dienste geleistet.

Der National háâlt es für wichtig, daß das Votum über den Remusatschen Antrag genau bestimmt werde. Nach demselben hätten 93 Repräsentanten der Linken si<h der Abstimmung enthal- ten, um der royalistischen Coalition keine Waffe in die Hand zu geben, 7 hétten aus demselben Grunde sogar gegen den Antrag gestimmi. Diese 100, welche alle dem Ministerium feindlich seien, zu den 333 gezählt, stelle si<h das thatsä<hli<he Verhältniß auf 433 gegen, 273 für das Kabinet. Das Ministerium fei also eigentlich einer Majorität von 160 erlegen.

Die Mitglieder der republikanischen Linken versammelten sich heute in den Salons von Lemardelay, Rue Richelieu. Man erwar= tete die Generale Cavaignac und Lamoricière unter den Gíästeo. Als si< die Repräsentanten der Linken in Lemardelays Salons ver- sammelten, stürzte das Volk über einen vor diesem Hause stehenden Mann her, in wel<hem man einen Agenten der geheimen Polizei entde>t haben wollte. Eine Patrouille brachte ihn zu seiner Ret- tung nach der Wachtstube im Palais national. Das Haus in der Rue Richelieu wurde nah Anlangen aller Repräsentanten verschlossen

Großbritanien und Jrlaund. London, 11, Jan. Die Minister beabsichtigen angeblich in der Thronrede der Noth des Ackerbaues eine Stelle zu widmen.

Die Königin und Prinz Albrecht haben der Gesellschaf! Unterstühung hülfsbedürstiger Ausländer die Summe von 200 Pfk zur Verwendung geschenkt.

Obgleich in leßter Zeit die irländische Unterrichtsfrag anderen religiósen Wirren mehr in den Hintergrund getreter der Plan der Gründung einer katholischen Universität seiten fatholischen Klerus ni<t aufgegeben. Subscriptionen dazu fl reihli< zusammen. Der Erzbischof von Dublin steht an des Unternehmens.

Der große Güterkomplex des Contre - Admirals so eben wegen Ueberschuldung zum Verkaufe ausgeschri

Jn Manchester ist der Plan vielfah angeregt word nach dem System der National-Schul-Affociation C waltung und Aufbringung der Mittel durch lokale Besteu zulegen. Dieses Projekt geht jeßt gerade von Personen au früher die größten Gegner einer Reform im Schulwese1

Fast die gesammte englische Presse giebt dem Präsiden französis<hen Republik in seinem Streite mit der gef Versammlung Recht. „Wenn“, meint die Times, „j publik werth ist, daß man sie vor Militair-Despotismus bewa wenn die aus der Volkswahl fließende Autorität des Präsiden geachtet werden soll, wenn eine unabhängige, berathende Versamn lung die Souverainetät des Landes theilen, und wenn das Lant vor einer anderen Revolution bewahrt werden soll, so i es Zeit daß General Changarnier entfernt werde.“ Der Herald nimmt eben so Partei für Louis Bonaparte, indem er bemerkt „Bonaparte sagt der Versammlung: ernennt Cavaignac oder wel<en General Jhr wollt, ih [bin zufrieden damit, wenn es nur nicht Changarnier ift. Schon die Erwähnung des Namens Ca- vaignac zeigt uns, daß die Absichten des Präsidenten gerade find, denn die Männer aller Parteien stimmen darin überein, daß in feinem Lande einen Mann giebt, der edlere Prinzipien und meh! Aufrichtigkeit besißt als er, keinen Maun, der der Versammlung E gebener wäre.“ Daily News meint, die sogenannte Burggrafen- Partei wäre sehr undankbar gegen den Prásidenlen, fl habe "her ganz in ihrem Sinne regiert, und jebt führe |e Nriea ‘gegen 1yR- weil er einem anderen General das Kommando übergebe,