1882 / 82 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Rhedern, Nautikern, Konsuln und denjenigen Verwaltungsbeamten und Juristen, welche dur ihre Berufstbätigkeit oder durch Studium dem Seerechte näher stehen, ein Hülfsmittel zur asen Orientirung beim Nähschlagen oder bei der Anwendung der diese Materie be- treffenden Vorschriften bildet.

Land- und Forstwirthschaft.

Der „Leipz. Zta.“ {reibt man aus Thüringen unter dem 31, März: „Die mißlihe Lage der Landwirt hschaft in ganz Deutschland und speziell in Thüringen hat auch in Meiningen den Landwirtbschaftsrath bewogen, die Herzogliche Regierung zu er- suchen, eine Prüfung der Lage des Grundbesißes in den einzelnen Amtsbezirken und Kreisen zu veranstalten, und zwar unter besonderer Berücksichtigung des mittleren und kleinen bäuerlichen Grundbesitzes. Dabei follen Erhebungen angestellt werden 1) über den Umfang der Verschuldung, 2) über den Viehstand, 3) über die Gründe der Verschul- dung, 4) über die Belastung des Grundbesites mit Staats-, Kreis und Kommunallasten und sonstige Auflagen, 5) über das Kreditbedürfniß und feine Deckung, 6) über die Theilung des Grundbesißes und die Gefahr der Unwirihschaftlichkeit durch dieselbe. Wenn die Landwirth- schaft leidet, so leiden Handel und Wandel ebenfalls ; ein dauerndes

erabsinken der Landwirths{haft muß endlich zur Verarmung? des Landes und Volkes führen. Hoffentlich gelingt es, Steuerdruck und Konkurrenz, welhe dem Prosperiren der Landwirthschaft entgegen- arbeiten, zu mindern, dadurch das Allgemeinwohl unseres Volkes zu heben und die Krisis des Grundbesißes zu überwinden.“

Indienals Konkurrent auf dem Getreidemarkt. Der „Reichsbote“ \chreibt: Erst kürzlih haben wir die Aufmerksamkeit unserer Leser auf die eminente Produktionsfähigkeit Amerikas hin- gelenkt und an der Hand offizieller Zahlen nacgewiefen, wie die deutsche Landwirthschaft gegenüber der amerikanischen Konkurrenz auf dem Getreidemarkte ohnmächtig sei und an derselben {ließli zu Grunde gehen müsse, wenn nicht andere Umstände eintreten. Seit jener Zeit ift ein neues, höchst bedeutsames Moment in die Erschei- nung getreten, welches ganz dazu angethan ift, unsere Landwirthe ebenfalls mit der größten Besorgniß zu erfüllen und „gewiß ihr volles Interesse verdient. E war ‘in leuter Zeit in Kreisen von Interessenten aufgefallen, daß die Vereinigten Staateu von Nordamerika ¡ros der massenhaften neucn und alten Getreidevorräthe, der längst erfolgten Sprengung des Getreideringes, troß der stark gewichenen Preise und des si kundgebenden stärkeren Bedarfes in Europa, do verhältnißmäßig wenig nach Europa ver- schiffen. Dies findet jeßt seine Erklärung in dem rapiden Fortschritt, welen das indishe Reich in der Produktion und noh mehr im Export von Weizen gemacht hat. Die Statistik des Weizenexportes Indiens nach Europa für die am 31. Dezember vorigen Jahres be- endigte Periode von neun Monaten im Vergleibe zu den

, Torrespondirenden Perioden früherer Jahre giebt folgende über- __raschende Aufschlüsse: Während nämlich der Export innerhalb des gedachten Zeitraumes 1879 noch 1 625 194 Cwts. im Werthe von 819 335 £, 1880 5 554 294 Cwts. im Werthe von 2435 196 £ betrug, erreichte er 1881 15500950 Cwts. im Werthe von 6 719 034 L Vorauêgesett, daß die Abladungen der drei ersten Mo- nate des laufenden Jahres in diesem Verhältniß fortfuhren, und dies soll na den eingelaufenen Nachrichten der Fall sein, würden damit 20 677 9533 Cwts. oder 4800 000 Qurts im Werthe von rund 9 Mil- lionen Pfd. Sterl. erreibt worden sein. Von den bis zum 31. Dezem- ber pr. exportirten 15500950 Cwts. erhielten England 7 318830 Cwts., Frankreih 4078 695 Cwts., Belgien 2168 869 Cwts.; etwa zwei Millionen Cwts. Holland, Italien, Egypten und andere Länder. Die wichtigste Ursache dieses außergewöhnlichen Aufshwunges, der Indien in den ersten Rang nächst Amerika auf dem europäishen Getreide- markt gehoben hat, ist in dem fortschreitenden Ausbau der indischen Eisenbahnen zu suchen. Die projektirten großen Linien im Innern des Landes find indeß noch lange nit vollendet, und kann man sich deshalb noch auf eine weitere erheblihe und konstante Steige- rung der Weizen- und sonstigen Getreideerporte aus Indien nach Guropa gefaßt machen. Jeder weitere Fortschritt Indiens in dieser Beziehung aber birgt selbstverständlich für Deutschlands Landwirth- schaft, die mit ihren Getreidepreisen durch die amerikanishe und russische Konkurrenz, troß des Getreidezolles fast \{chon bis auf die

Produktionskosten herabgedrüdckt ift, neue Gefahren in sich. Die deutschen Landwirthe würden eut thun, \ih bei Zeiten gegen diesen neuen, gefährlichen Konkurrenten zu wappnen und gemeinsam zu be- rathen, wie demselben mit Erfolg zu begegnen. Swafstationen in Auftralien. (D. Wollengew.)

| Nat einem leßten Return befanden \sich in der Kolonie Victoria

1879 im Ganzen 701 von der Regierung verpahtete „Sheepruns“ oder Scbafstationen; im vorhergehenden Jahre betrug die Zahl 768. Das Gesammtareal dieser Ländereien betrug 17 184 000 Acres oder 2 347 000 Acres weniger als im Vorjahre, deren Inhaber dieselben wahrscheinlih von der Regierung frei ausgekauft hatten. Dies ergiebt per Schafstation ein dur{s{nittliches Areal von 25 000 Acres. Die Rente beträgt jährlich per Schaf 1 sh, und der Pacbbetrag per Acre bemißt sih danach, wie viel Schafe die Station präsumtiv ernähren kann. Die Gesammtrenten dieser Stationen betrugen 104803 £ gegen 122 142 £ inr Vorjahr. Jn 1879 waren also 2096 860 Schafe auf von der Regierung verpachteten Stationen, und die Pachtsumme per Acre betrug einen Bru(theil unter 1X 4.

Gewerbe und Handel.

Nach einer Mittheilung aus Belgrad soll von dem Königlich ferbischen Kriegs-Ministerium eine Lieferung von 5000 Stü Kuppeln für Seitengewehre im Submissionswege ver- geben werden. Offerten sind bis zum 11. April d. J. dem genannten Ministerium einzureichen, bei welbem au über die speziellen Bedin- gungen das Nähere zu erfahren ist. Am 27. April d. J. soll ferner in der Stabsfanzlei des 2, Artillerie-Regiments in Cuprija die Lie- ferung von 5000 Stück Sommerhufeisen und 130000 Stück Hufnägeln vergeben werden.

Der Aufsichtsrath der Berliner Land- und Wasser- Transport-Versiherungs-Gesellshaft hat nach Geneh- migung des Renungsabschlusses für das Jahr 1881 die Dividende auf 90 #4 pro Aktie oder 30% des cingezablten Kapitals festgeseßt.

In der Generalversammlung des „Nordstern“, Lebens- Versicherung8-Aktien-Gesellschaft zu Berlin, wurde nah Verlesung des Berichts der Rechnungsrevisoren Decharge ertheilt und die vorgeschlagene Dividende von 123% oder 76 M 50 4 pro Aktie an die Aktionäre ur.d von 18/9 an die am Gewinn betheiligten Versicherten genehmigt. Jn der sih daran anschließenden General- versammlung des „Nordstern“, Arbeiter - Versicherungs- Aktien-Gesell\chaft, wurde die vorgeschlagene Dividende von M 0E 12 4 pro Aktie an die Aktionäre genehmigt und Decharge ertheilt.

In der außerordentlichen und ordentlichen Generalversamm- lung der Preußischen Hypotheken-Versicherungs-Aktien- Ges ellschaft vom 4. d. M. wurden die Anträge der Verwaltung genehmigt; und ferner bes{lossen, eine auf 3%/ festgeseßte Dividende sofort zur Auszahlung zu bringen. Der Jahres-Bruttogewinn beträgt 273 645 4, wovon für Unkosten 2c. 67 833 4. und für Ver- stärkung der Schäden-Reserve 76 239 in Abzug zu bringen sind, während 129 573 M als Reingewinn verbleiben. Der Gewinn ist erzielt : dur Prämien mit 69236 Æ, durch Zinsen mit 165 437 4, durch Effekten, Wechsel und Provision mit 19 884 4, durch Haus- und Grundstückerträgniß mit 15 490 4, durch Prüfungs- und Um- \chreibungs8gebühren mit 3596 4 Die Gesammt-Reserven der Gesell- A O 2379 650 M, d. h. über 63 9/6 des eingezahlten Aktien- apitals.

Dem Bericht der Direktion der Frankfurter Rückver- sich erungs-Gesellschaft für 1881 entnehmen wir, daß die Prämieneinnahmen für geleistete Rückversicherungen in den Zweigen der Feuerversicherung und Lebensversicherung sich auf 735 347 M be- liefen, wogegen für Feuorshäden und Sterbefälle aus 1881 329 148 4 zu vergüten waren. Nach Bestreitung aller Ausgaben, welche dem Jahre 1881 zur Last fallen, ist ein Neingewinn von 134 546 M er- zielt worden, wovon nah Zuwendung von 10% in die Gewinnreserve die Summe von 119144 # als Dividende an die Aktionäre ver- theilt wird. Einschließlih der Jahreszinsen erhält demgemäß jede Aktie 12,50 M oder ca. 14,6%/a der Baareinlage.

Mainz, 4. April. (W. T. B.) Die Dividende der hes\si- schen Ludwigsbahn ist auf 38/10 %/0 festgeseßt worden.

Dresden, 4. April. (Dresd. Journ.) Nah der von dem

hiesigen Konsulat der Vereinigten Staaten von Nord- amerika zusammengestellten Uebersicht hat der Export aus dem Konsulardistrikt Dresden nah den Vereinigten Staaten im ersten Quartale 1882 gegenüber dem ersten Quartale des Vor- jahres cine Zunahme von 110681 Doll. = 70,3 % aufzuweisen, indem der Totalwerth des Exports 268 151 gegen 157 471 Doll. im ersten Quartal 1881 betrug. Hauptgegenstände der Ausfuhr waren: Metallwaaren (93571 Doll.), Leinen- und Halbleinenwaaren (58 937 Doll ), Glaë-, Porzellan- und Steingutwaaren (30 511 Doll.), Droguen (27 266 Doll.), photographishe Papiere (20584 Doll y Wollwaaren (6942: Doll.), Strohgeflehte (4986 Doll.).

Meiningen, 5. April. (W. T. B.) In der heutigen Generalversammlung der deutschen Hypothenbank wurden die Anträge des Verwaltungsraths einstimmig genehmigt.

In der heutigen Generalversammlung der Mitteldeutschen Kreditbank wurden die Anträge des Verwaltungsraths einstimmig

genehmigt.

Glasgow, 4. April. (W. T. B.) Die Verschiffungen von Roheisen während der leßten Woche betrugen 10 107 gegen 10 421 Tons in derselben Woche des vorigen Jahres.

Madrid, 4. April. (W. T. B.) Die Bank von Spanien hat ibren Diskont auf 449% herabgesetzt.

Washington, 4. April. (W. T. B) Vom Shhahßsekretär olger sind 15 Millionen prolongirte sechsprozentige Bonds zum 4. Juni d. J. zur Rückzahlung einberufen worden.

New-York, 3. April. (W. T. B) Weizenverschif- fungen der leßten Woche von den atlantishen Häfen der Ver- einigten Staaten nach Großbritannien 40 000, do. nach Frank- reich —, do. na . anderen Häfen des Kontinents 39 000, do. von Kalifornien und Oregon nach Großbritannien 75 000, do. do.

Mes 25 000, do. do. nah anderen Häfen des Kontinents Urtrs.

Verkehrs-Anstalten.

Rei chs8-Kursbu ch. Bearbeitet im Kursbureau des Reichs-Post- amts. 1882. Ausgabe Nr. Il. April-Mai. Berlin, Julius Springer. Preis 2 # Die vorliegende neueste, für die Monate April und Mai geltende Ausgabe des Reichs-Kursbuchs enthält neben allen seit dem 1. Februar eingetretenen Aenderungen im Eisenbahn-, Post- und Dampfschiffahrts - Verkehr wiederum eine Verbesserung. Dieselbe betrifft die unter Nr. 725 befindliche „Uebersicht der Brief post- und Reiseverbindungen zwischen Berlin und den bedeutendsten Orten Guropas", welhe um etwa das Dreifache vergrößert und mit allen wünschenswerthen Details in Bezug auf die Beförde- rungswege, Billetpreise, Netourbillets 2c., jedoch in durchaus über- sihtliher Weise, ausgestattet ist.

Ferner machen wir darauf aufmerksam, daß die nächste Ausgabe des Neichs-Kursbuchs nicht wie früher am 15. Mai erscheinen wird, sondern am 1. Juni, da nach Vereinbarung sämmtlicher Eisenbahn- Direktionen Deutschlands und Oesterreih-Ungarns die neuen Sommer- Fahrpläne erst am letztgenannten Termin in Kraft treten werden.

Southampton, 4. April. (W. T. B) Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Mosel * ist hier eingetroffen.

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Berlín, 5. April 1882.

Die Hauptversammlung des „Stolzes{chen Stenographen- Vereins“ findet am Donnerstag, den 6. April, Abends 8 Uhr, im Scloßrestaurant, Schloßfreiheit 8/9, statt. Auf der Tagesordnung stehen: 1) Vortrag des Hrn. stud, math. Rosenthal über Eickes Universalschrift ; 2) Vereinsangelegenheiten (Antrag auf Abhaltung einer Wanderversammlung in Hamburg 2c.).

Im National-Theater tritt morgen Hr. Adolf Klein vom Wiener Hofburg-Theater als La Roquette in dem „Urbild des Tartüffe“ von Gußkow und am Sonnabend (zweite und leßte Gast- rolle) als Cajus Cäsar im „Fehler von Ravenna“ von Halm auf.

Am Sonntag beginnt sodann das Gastspiel des Hrn. Ludwig Barnay mit dem „Hamlet“.

Inserate für den Deutschen Reichs- und Königl. Preuß. Staats-Anzeiger und das Central-Handels- register nimmt an: die Königliche Expedition des Deutschen Reihs-Anzeigers und ßöniglich Preußischen Sfaats-Anzeigers: Berlin Sw, Wilhelm-Straße Nr. 32.

. I

Deffentlicher

. Steckbriefe und Untersuchungs-Sachen. 5. Industrielle Etablissements, Fabriken . Subhastationen, Aufgebote, Vorladungen u, dergl. 3, Verkäufe, Verpachtungen, Submissionen ete. . Verloosung, Amortisation ,

u. s. w. von öffentlichen Papieren. 9. Familien-Nachrichten,

und Grosshandel,

7. Literarische Anzeigen. Zioszahlung

0 Anzeiger. f +* Inserate nehmen an: die Annoncen-Expeditionen des „Juvalidendauk“, Rudolf Mosse, Haasenstein & Vogler, G. L. Daube & Co., E. Séhlotte, Büttner & Winter, sowie alle übrigen größeren

Annoncen-Burcaux. beilage, 22 8

. Verschiedene Bekanntmachungen.

. Theater-Anzeigen, | In der Börsen-

Subhastationen, Aufgebote, Vor- ladungen u. dergl. [19423]

Das Bankhaus Ephraim Meyer u. Sohn zu Hannover hat das Aufgebot des von der Herzoglichen Leihhaus- Kasse hieselbst am 7. November 1879 über die zur Sicherstellung wegen eines der Firma aus- gezahlten Darlehns von 500000 A deponirten Werthpapiere ausgestellten, in das Ausgaberegister X1. unter Nr, 988 und in das Pfandscheinregister unter Nr. 5422 eingetragenen Pfandscheins beantragt.

Der Inhaber dieses Pfandscheins wird aufgefor- dert, spätestens in dem auf

den 29, September d. J., Morgens 11 Uhr, vor unterzeihnetem Gerichte angesetzten Aufgebots- termine sein Recht anzumelden und den Pfandschein vorzulegen, widrigenfalls diese Urkunde für kraftlos erklärt werden wird. Brauns@chweig, den 25. Februar 1882. Herzogliches Amtsgericht. 1X. L. Rabert. [15464] In der Strafsache gegen Haun Friederich Jehle, geboren am 24. August 1860 zu Freiburg î. B,, Sohn der Blandina Jeble, zuleßt in Mülhausen domizilirt.

Nach Einsicht des Antrages der Kaiserlichen Staatsanwaltschaft vom 9. März 1882.

I. E., die Formalitäten des §. 472 Str. A O. erfüllt find, aud nacgewiesen ist, daß der Angeschuldigte seinen leßten Wohnsit im Land-

eritsbezirk Mülhausen gehabt hat, daß derselbe

inreihend verdäcbtig erscheint, als Wehrpflichtiger der Altersklasse 1860 in der Absicht, sich dem Eintritte in den Dienst des stehenden Heeres oder der Flotte zu entziehen, ohne Erlaubniß das Bundes- gebiet verlassen oder nach erreidtem militär- pflichtigen Alter sih außerhalb' des Bundesgebietes aufgehalten zu haben resp. nochþ aufhalte. Ver- gehen nach §8. 140 Ziff. 1 St.-G.-B.

I. E., die beantragte Vermögensbeshlagnahme auf Grund der Bestimmungen des §8. 140 St. G. B. und 88. 325, 326 und 480 St. P. O, zu- lässig und die Beschlagnahme einzelner zum Ver-

mögen des Angeschuldigten gehörigen Gegenstände niht ausführbar f

A. d. G. wird 1) das Hauptverfahren gegen den Angeschul-

digten Johann Friederich SJehle vor dur Straf-

Fneroer des Kaiserlichen Landgerichts hierselbst er- öffnet ;

2) die Beschlagnahme des im Deutschen Reiche befindlihen Vermögens des Angeschul- digten bis zum Betrage der ihn möglicherweise treffenden höbsten Geldstrafe und der Kosten verfügt; und die einmalige Bekanntmachung dieser Beschlagnahme im Deutscben Reichs-Anzeiger sowie in der Neuen Mülhauser Zeitung verordnet.

Mülhausen, den 21. März 1882,

Strafkammer.

Hoppe. Goldenring.

Zur Beglaubigung: Der Landgerichts-Sekretär : Gielsdorf.

[15583] Bekanntmachung.

_ Der Gerichts-Assessor Franz Bernhard Beer ist vom 1. dies. Mts. ab zur Rechtäanwaltschaft bei dem hiesigen Landgericht zugelassen und hat seinen Wohnsitz hierselbst genommen.

f Ae Eintragung in die Rechtsanwaltliste ist er- olgt.

Torgau, den 1. April 1882. Königliches Land-Gericht.

[15563] Oberschlesische Eisenbahn.

Die Lieferung von 38 Stück Gepäckwagen und 40 Stück Plateauwagen mit radial verstellbaren Achsen soll im Wege der êffentlihen Submission vergeben werden. Die Offerten sind mit der Auf- \{rift: „Offerte auf Lieferung von Wagen“ bis ¿zum Submissionstermine am Mittwoch, den 26. April d. J., Vormittags 12 Uhr, versiegelt und porto- frei an das diesseitige mascbinentehnishe Bureau einzureichen. Die Lieferungsbedingungen nebst Zeich- Ginfes liegen in dem vorbezeihneten Bureau zur Einsicht aus, auch werden Kopien derselben gegen

Erstattung der Kopialien von 3 & unfrankirt abgegeben.

Breslan, den 1. April 1882, Königliche Direktion.

(15739) Thüringische Eisenbahn. Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntniß,

daß die Dividende für das Betriebsjahr 1881 a, für das Aktienkapital unserer Stammbahn

gez. Aret.

b. für die Stammaktien Litt. B. Ser. A.

(Gotha-Leinefelde) auf 4% oder 12 M pro Aktie

festgestellt worden ist.

Die Auszahlung erfolgt gegen Rückgabe des Divi- dendenscheines Nr. 34 der Stammaktien ad a. und Nr. 15 der Stammaktien ad b. vom 12, April cr. ab, und zwar:

: T. für beide Kategorien: 1) in Erfurt : bei unserer Hauptkasse in den ge- wöhnlichen Geschäftsstunden von 9 bis 10 Uhr

Vormittags,

2) durch unsere sämmtlihen Billet Expe- ditioneu (bei größeren Beträgen nah vor- hergesbehener Anmeldung); außerdem

„_ FL. für die Aftien der Stammbahn:

3) in Dessau: durch Herrn J. H. Cohn und für dessen Rechnung,

4) in Berlin: dur die Herren Breest & Gelpcke,

5) in Frankfurt a./M.: dur die Herren M. A. von Rothschild & Söhne,

6) in Leipyg: dur die Leipziger Bank;

TIT. für dic Stammaktien Litt. B. Ser. A.

1 (Gotha-Leinefelde):

7) in Berlin: durch die Direktion der Disconto- Gesellschaft,

8) in Leipzig: dur die Leipziger Bank,

9) in Franffurt a./M.: durch die Herren M. A. von Rothschild & Söhne,

10) in Cöln a./Rh.: durch die Herren Sal.

Oppenheim jun, & Co.

„Bei den Stellen ad 2—10 erfolgt die Ein- lösung nur in der Zeit vom 12. April bis 31, Mai cr.

Vom 1. Juni cr. ab findet dic Einlösung nur

noch durch unsere Hauptkasse hier statt.

Erfurt, den 1, April 1882,

Die Direktion der Thüringischen Eisenbahn-Gesellschaft.

Verschiedene Bekanntmachungen. (15533) Nach den in der diesjährigen General-Versamm- pel aitaebaben Wahlen besteht der Verwaltungs- rath gegenwärtig aus folgenden Mitgliedern :

1) Herrn Stadtrath a. D. und Stadtältester Ed, riedberg, Vorsitzender,

auf 979% oder 28 A 50 pro Alktie,

2) Perrn Rentier B. Friedhcim, Stellvertreter des Vorsitzenden,

Herrn Rentier M. Neumann, Herrn Fabrikdirigenten J. B. Eberhardt, Herrn Geh. Commerzienrath und Stadtrath Magnus, Herrn Stadtrath Löwe, Herrn Kaufmann Bernhard Lucac, aus folaenden Stellvertretern: 1) Herrn Admiralitäts-Rath Herter, 2) Herrn Professor Roeber, 3) Herrn (CTommissionsrath Hübner, 4) Herrn Stadtrath Gesenius, 5) Herrn Rentier Ad. Beer, 6) Herrn Kaufmann Hans Jürst, 7) Herrn Kaufmann Julius Philipp, sämmtlich hier in Berlin wohnhaft. Berlin, den 3. April 1882, Deutsche Feuer-Versicherungs-Actien- Gesellschaft. Der Director : B. Küster.

(961 Stettiner Dampfmühlen - Allien Gesellschaft.

Die Aktionäre der Gesellschaft werden hiermit gemäß §. 12 unserer Statuten und unter Hinweis auf deren 88. 12, 15, 16 und 17 zur ordentlichen Generalversammlung

Freitag, den 21. April a. c., : Vormittags 10 Uhr, im hiesigen Börsenhause eingeladen.

Stimmzettel werden am Eingange des Lokals ausgegeben.

Stettin, den 11, März 1882, Der Verwaltungsrath.

auf

Redacteur: Riedel,

Berlin: Verlag der Expedition (Kessel). Druck: W. Elsner.

Fünf Beilagen lem{hließlich Börsen-Beilage)

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußishen Slaats-Anzeiger.

M 2

Landtags- Angelegenheiten.

Dem Hause der Abgeordneten is folgender Entwurf eines Geseyes, betreffend den Bau eines Schiffahrtskanales vonDortmundüberHenrichenburg, Münster, Bevergern, Neudörpen nach der unteren Ems zur Verbindung des westfälischen Kohlengebietes mit den Gmshäfen, vor- gelegt worden: L

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen 2c. verordnen, unter Zustimmung beider Häuser des Landtages der ‘Monarchie, was folgt: s

Die Staatsregierung wird ermächtigt, zum Bau eines Sciff- fahrtsfanales von Dortmund über Henrichenburg, Münster, Bevergercn, Neudörpen nah der unteren Ems nach Maßgabe der von dem Mi- nister der öffentlichen Arbeiten feslzustelenden Projekte die Summe von 46 060 000 Á zu verwenden.

8 2. Mit der Erbauung des gedahten Scbiffahrtskanales ist erst vor- zugehen, wenn die im §. 3 V Ene Bedingung erfüllt ift.

Mi R

8, 3.

Der gesammte zur Erbauung des fraglichen Schiffahrtkanales, einschließlich aller Nebenanlagen, erforderlihe Grund und Boden ist der Staatsregierung unentgeltlich und lastenfrei zum Eigenthum zu überweisen, oder die Erstattung der sämmtlichen, staatsseitig für dessen Beschaffung im Wege der freien Vereinbarung oder der Enteignung aufzuwendenden Kosten, einschließli aller Nebenentshädigungen für MWirthschaftsershwernisse und sonstige Nachtheile, in rechtsgültiger Form zu übernehmen und ficher Os

Der Finanz-Minister wird ermächtigt, zur Deckung der im §. 1 erwähnten Kosten im Wege der Anleihe eine entsprechende Anzahl von Staatsschuldverschreibungen auszugeben. s

Wann, durch welche Stelle und in welen Beträgen, zu welchem Zinsfuße, zu welchen Bedingungen der Kündigung und zu welchem Course die Schuldverschreibungen verausgabt werden sollen, bestimmt ‘der Finanz-Minister. :

Im Uebrigen kommen wegen Verwaltung und Tilgung der An- seie, wegen Annahme derselben als pupillen- und depositalmäßige Sicherheit und weaen Verjährung der Zinsen die Vorschriften des Gesetzes vom 19. Dezember 1869 (Geseßz-Sammlung S. 1197) zur Anwendung.

8.5.

Die Ausführung dieses Gesehes wird, soweit folGße nah den Bestimmungen des §. 4 nicht dur den Finanz-Minister erfolgt, dem Minister der öffentlichen Arbeiten übertragen.

Urkundlich 2c.

Begründung.

Hierzu eine Uebersichtskarte und eine Zusammenstellung der Ergebnisse der Vorarbeiten für das Projekt eines Rhein-Weser-Elbe-Kanal3 Kanalstrecke Dortmund-Henricbenburg-Ems-Hafen.

I. Geschichtliches. i /

Der Gedanke, Westfalen, speziel das Münsterland, mit dem Meere in unmittelbare s{iffbare Verbindung zu bringen, ist nicht neu, deun er fand eine theilweise Verwirklichung schon in der, im Jahre 1724 durch den Fürst-Bischof von Münster, Clemens, August, begonnenen Anlage des Mar-Clemens- oder Münsterschen Kanals, welcher, von Münster ausgehend, die s{ifffbare Vechte bei Marhafen erreihen und damit den ükterseeishen Handel Hollands zum Innen- lande in unmittelbare Beziehungen seßen follte. Ausgesührt wurde jedo nur die etwa 30 km lange Strecke von Münster bis Clemens-

afen, welcher in den Jahren 1767 und 1768 die nicht voll 6 km lange Fortsezung bis Marxhafen hinzugefügt wurde. Im Uebrigen ist die, auh an erheblichen technishen Mängeln leidende Anlage nicht vollendet worden. ]

Den Max-Glemens-Kanal gedachte Friedrich der Große zur Her- stellung einer anderweitigen Schiffahrtsstraße von Westfalen nach dem Meere zu benußen, indem er in der Urkunde vom 10. April 1744, betreffend die Königliche Ratifikation: „der mit der Stadt Embden getroffenen Konvention wegen Agnition Königliche Majestät Suc- cessionsrechts in Ostfriesland und Sicherstellung der Embdischen

* Jurium 2c.“ wörtlich sagt:

„8. 16, Ingleichen wollen, vors Sechste, Se. Königliche Majestät zu gelegener Zeit in angelegene Obacht .nehmen lassen: Ob nicht die Grabung des im Münstershen angefangenen Kanals zur Emse nah Ostfrießland und in specie ah Embden mit be- greiflicden gutem Vortheil, vollführt werden Könne? Umb den Handel von Westphalen und in Sonderheit Sr. Königl. Majestät darin gelegenen Landen und Herrschaften und der Stadt Embden bestmöglichst zu facilitiren.“ ; : :

Dieses R Bare ist unerfüllt geblieben, nicht minder sind es die anderweitigen Pläne, welche unter französischer Fremdherrschaft im Sahre 1811 ausgearbeitet, ähnlihe und noch umfassendere Zwecke verfolgten. s S |

| at Jahre 1817 beabsichtigte die preußishe Regierung, den Marx-Clemens-Kanal von Clemenshafen aus an die nur 5 km entfernte Ems bei Mesum anzuschließen und damit die Fortsetzung zweier großer Kanäle nah dem Meere herzustellen, von denen der eine von ODlfen über Lüdinghausen, der andere von Lippstadt über Wiedenbrück und Rheda aus der Lippe nach Münster geführt werden sollte. Dur diese Wasserverbindung vom Rhein nah der Ems gedachte man die Industrie der westliben Provinzen Preußens von Holland unabhängig zu machen. Auch wurde {on damals in einer an das Ministerium erihteten Eingabe vom 21, März 1818 von Vertretern des westfäli- chen Kohlenbergbaues auf die Vortheile hingewiesen, welhe diesem Industriezweige aus einer Kanalverbindung zwischen dem westfälischen Kohlengebiete und der Nordsee «rwachsen würden. Die vollständig vorbereitete Bauausführung scheiterte indessen an der Nichterfüllung einer Vorbedingung, nämli der Schiffbarmachung der unteren Ems auf hannoverishem Gebiet, zu welcher die hannoverishe Regierung durch den Artikel 5 oes Pariser Friedens vom 1. Juni 1815 sich atte verpflichten müssen. | : Als iee in den Jahren 1820 bis 1835 in Folge der zwischen Preußen und Hannover abgeschlossenen Verträge d. d. Berlin, den 30, März und 26, April 1820 diese Schiffbarmabung unter Anlage des Seitenkanales der Ems von Hanekenfähr bis Meppen ausgeführt war, hatten sich die Verhältnisse, namentli auch in Folge der be- ginnenden Entwickelung des Eisenbahnwesens, erheblih geändert und das Projekt des Lippe-Ems-Kanales trat glei anderen in den Hinter- gtund. Die Absicht, den Max-Clemené-Kanal als Theil einer größe- ren Wasserstraße zu verwerthen, ist späterhin nit wieder aufge- nommen worden, weil e Len Ei angänglih “Kor ierny ent- »rehend den jetzigen Verkehrsbedürfnissen, umzuge E N Ee Aae der neueren Bestrebungen, dem rheinish-westfälischen Kohlengebiet dur Verbesserung vorhandener Wasserstraßen und Her- tellung von Schiffahrtskanälen neben den Eisenbahnen weitere Ab- aßwege zu eröffnen, ist auf die vom 24. April 1856 datirte, dem Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten überreichte Denkschrift cines in Dortmund zusammengetretenen Kanalcomités zurückzuführen. Diese Bestrebungen unterscbeiden \sich von den früheren, welche eine Verbindundung nah der Nordsee suchten, darin, daß sie bis in die jüngste Zeit ihren Schwerpunkt in der Herstellung

welcher Weise diese Linie einerseits sih dem ursprünglichen Projeït

Berlin, Mittwoch, den 5. April

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einer Kanalverbindung von den Kohlenrevieren einerseits nah dem Rhein, andererseits nach der Weser und der Elbe suchten. Die vorerwähnte Denkschrift enthielt zwar nur Erörterungen mehr theoretisher Natur, dagegen trat in den Jahren 1857 und 1858 ein in Essen gebildetes Comité mit positiven, auf örtliche Untersuchungen gestüßten Vorschlägen hervor, wel{he, unter dem Nachweis der Aus- führbarkeit, die Kanalisirung ‘der unteren Emscher zum Ziel hatten. Sie führten zu einer Prüfung der Sache dur die Staatsregierung, außerdem aber zu zahlreichen, von Privaten ausgehenden ander- weitigen Kanalprojekten. So bemächtigte sich die öffentliche Meinung mehr und mehr der Gesamnmtidee, auch petitionirte der- westfälishe Provinziallandîag im Sinne derselben bei Sr. Majestät dem Könige, in Folge dessen im Jahr 1865 die Ausführung der technishen Vorarbeiten für einen Rhein-Weser- Elbe-Kanal auf Staatskosten angeordnet wurde. Die projekticte Linie, welche, vom Rhein ausgehend, das Emscher Thal berühren und über Henrichenburg, Münster, Bevergern bei Minden zur Weser gelangen sollte, fand indessen lebhaften Widerspru in zahlreichen Lokal- comités, während ein Gesammtcomité, nabdem eine größere Zahl von Linien untersucht und technisch bearbeitet worden, sich in dem Wunsche vereinigte, den Kanal das Ruhrthal durchschneiden und über Dortmund, Soest, Paderborn und Bielefeld gehen zu lassen. Die Diskussion der einander ‘entgegenstehenden Ansichten fand ihren Ab- {luß in den politischen Ereignissen des Jahres 1864 und der darauf folgenden Jahre, durch welche das öffentlihe Interesse nah anderen Gebieten hin abgelenkt wurde. n i Der nach Beendigung des deutsch - französishen Krieges eintretende allgemeine Aufs{hwung der Industrie und des Verkehrs ließ das Projekt des Rhein-Weser-Elbe-Kanales wieder in den Vordergrund treten. Die bezüglichen Bestrebungen richteten si zu- nächst auf die Herstellung des Emscber Kanales, als einer Fort- seßung der großen Scbiffahrtsftraße des Rheins in die Kohlengebiete bis nah Dortmund bezw. bis zur Bee Courl, für welches Projekt die technischen Vorarbeiten im Jahre 1875 durch das Emscher Kanalcomité veröffentlicht wurden. Die gleichzeitig eintretende {were Krisis auf allen Gebieten der Volkswirthschaft hinderte indessen die Verwirklichung auch dieses Gedankens. Dagegen nahm im Verfolg der dem Landtage vorgelegten Denkschrift vom Jahre 1877, betreffend: „Die in Preußen vorhandenen Wasser- straßen, deren Verbesserung und Vermehrung“ die Staatsregierung das Gesammtprojekt des Rhein-Weser-Elbe-Kanals nah den in der genannten Denkschrift Seite 81 ff. näher beschriebenen Linien von Ruhrort über Henrichenburg nach Dortmund, ferner von Henrichen- burg über Münster nach Bevergern, von da nah der Weser bei Minden und \chließlich über Hannover nach der Elbe in der Gegend von Magdeburg wieder auf, indem sie im Jahre 1878 die zur Her- tellung dieses Kanals erforderlichen technishen und wirthschaftlien Untersuchungen anordnete. Daß und aus welchen Gründen dieses Projekt dahin erweitert worden, daß gegenwärtig zunächst eine s{if- bare Verbindung zwischen den rheinisch-westfälishen Kohlenrevieren und den Nordsechäfen nach einer thunlichst kurzen Linie angestrebt wird, und in

anfügt, andererseits mit diesem - zusammen eit unentbehrliches Glied da Tagen und künftigen Neyes der preußischen bezw. deutschen Wasserstraßen bildet, findet sich in der dem Landtage neuerdings vor- gelegten Denkscrift vom Januar 1882, betreffend „die geschäftliche Lage der preußiscen Kanalprojekte“ ausführlich entwickelt. Nach dieser Denkschrift wkrde das Gesammtprojekt des Nhein-Weser-Elbe- Kanals gegenwärtig die zusammen 420,7 km oder 56 Meilen langen, (inder hier beigefügten Uebersichtskarte dargestellten Linien) umfassen, deren Ausführung in der Reihenfolge, in welcher sie nacbstehend an- gegeben werden, soweit es die allgemeinen Staatsverhältnisse gestatten, in Aussicht zu nehmen sein wird: i i I, Die Verbindung des westfälishen Kohlengebietes mit den Eméhäfen durch einen Kanal von Dortmund über Henrichen- burg, Münster, Bevergern, Neudörpen nach der unteren Ems, 207,2 km; j ; ; E . die Weiterführung dieser Verbindung einerseits, unter Aufschluß der rheinländischen Kohlengebiete bis zum Rhein, andererseits bis zur unteren Weser durch folgende Linien: | ; a. den westlichen Arm des Emscher-Kanals von Henrichenburg bis Ruhrort, 44,3 km, b. einen Kanal von Neudörpen bis Oldenburg und den Aus- bau der \ciffbaren Hunte von da bis zur untcren Weser bei Elsfleth, 86,7 km; i ,

11], die S ocifetan von der unteren Weser bis zur unteren Glbe dur einen mit Benußung vorhandener Gewässer auszuführen- den Kanal von Vegesack über Bremervörde nach Stade, 82,5 km. . i E R

Wegen cines späteren Anschlusses der hiermit im Zusammen- bange stehenden Linien darf auf die vorbezeichnete Denkschrift Bezug

enommen werden. j; s i

ï Der vorliegende Geseßentwurf bezweckt in Ausführung des, wie oben erwähnt, von Friedrih dem Großen schon in den ersten Jahren seiner Regierung gehegten Planes, die Herstellung des ersten Kanal- abschnittes von Westfalen bis zur Emsmündung zu sichern.

11. Beschreibung der Kanalanlage.

Der projektirte Kanal nimmt seinen Anfang in der Nähe von Dortmund an der Zeche Hansa und verfolgt in nordwestlicher Rich- tung auf 11,1 km Länge das Thal der Emscber bis Henricvenburg, das vorhandene Gefälle von 10,86 m durch 4 Schleusen überwindend. Bei Henricenburg, woselbst \ich na 1]. a. der mit 13 Schleusen nab dem Rhein hin abfallende Kanal HenriWenburg-Ruhrort an- {ließen soll, beginnt eine, in der Hauptjacbe nordwärts gerichtete, 68,9 km lange hborizontale Strecke, welhe in der Nähe von Olfen zuerst das Thal der Lippe und bald darauf das Thal der Stever auf hohen Däâmmen und Brückenkanälen über- schreitet, westliþh an Lüdinghausen vorbeigeht und Münster an seiner Ostseite erreiht. Diese große Horizontale wird demnächst, wenn die Fortseßung nach Ruhrort erfolgt sein wird, die Scheitel- strede des Kanals bilden, Bei Münster soll cin kurzer, bis an dic Stadt geführter Stichkanal dic Möglichkeit der Anlage eines Hafens in der Nähe der Bahnhöfe und der industriereiheren Stadttheile ge- währen. Bald hinter Münster beginnt der Kanal weiter zu fallen, er überbrückt die obere Ems an der sogenannten Sciffahrt und er- reiht, während das in einer Länge von 27,9 km vorhandene Gefälle von 15,24 m auf 5 Stwleusen vertheilt wird, die Stadt Bevergern, bei welher \sich späterhin in er Mugung die Linie nah der

i Weser bei Minden abzweigen sol. Rie Bac ia fällt der Kanal auf 22,9 km Länge durch Ver- mittelung von 7 Schleusen um 19,53 m bis zur Ems bei Haneken, um hier in das Oberwasser des Wehres von Pn nee eiu treten. Die Herstellung des Kanales bis zu diesem Punkte auf im Ganzen 130,8 km Länge wird bereits cinen Schiffsverkehr von Dort- mund nach den Emshäfen insofern gestatten, als auf dem Flufse von hier nah dem Fluthgebiete hin kleinere und wenig tief gehende Fahrzeuge verkehren und bis zu den Häfen gelangen können, auch wird hier durch Bermittetung des Ems - Vechte - Kanals ein An- {luß an das System der linksemsishen Moorkanäle und dur diese nah Holland gewonnen. Von Haneken über Lingen bis

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Sleusen zu versehe=de Seitenkanal der Ems benußt, dessen bei Meppen bestehende Verbindung mit der Ems unverändert beibehalten wird. Dann wendet sich die Linie öftlich an Meppen vorbei, um die Hase mittel|# eines Brückenkanales zu überschreiten und meist am rechtsseitigen Thalrande des Flusses entlang, in weiteren 45,6 kn Länge nah Neudörpen geführt zu werden, auf welcher Strecke sich im Galle eintretenden Bedürfnisses durch Anlage einer Schleuse ei Haren ein unmittelbarer Anschluß an den Kanal Haren- Rütenbrock herstellen [äß . Bei Neudörpen foll sich demnächst in östlicher Nichtung die Linie nah Oldenburg und weiter nah der Weser abz¡weigen. Ja 6,8 km Entfernung von Neudörpen oberhalb Aschendorf erreiht der Kanal das für dié großen und tiefgehenden Kanalschiffe zwar {on jeßt befahrbare, für den Fall einer lebhaften Entwickelung der Schiffahrt, also in späterer Zeit, wahrscheinli noch der weiteren Ausbildung bedürfende Fluthgebiet der Ems und durch deren Vermittelung die Seehäfen von Papenburg, Leer und Emden. Der neuerdings gestellte Antrag, den Kanal von Neudörpen bis in den Hafen von Papenburg fortzuseßen, wird ciner weiteren Erwägung unterzogen werden. i 5

Das Gefälle von Haneken bis zur Ems bei Aschendorf beträgt 18,67 m und erfordert die Anlage von 10 St{hleusen, einschließlids derjenigen des vorhandenen Seitenkanales. é :

Die Gesammtlänge der neuen Kanallinie beträgt 207,2 km, ihr Gesammtgefälle 64,3 m und die Zahl der Schleusen im Ganzen 26,. so daß _sich deren dur@swaittlihe Entfernung auf nicht voll 8 km- stellt. Da diese verhältnißmäßig dichte Aufeinanderfolge der Scleusen der Scnelligkeit des Schiffahrtsbetriebes nit besonders günstig ift, so soll bei den speziellen Projektarbeiten noch die Vereinigung der St@leusengefälle innerhalb der einzelnen Treppen zu je einer geneigten Ebene in Erwägung kommen. i A

Das Querprofil der freien Kanalstrecken erhält, wie in der Denk- {rift vom Januar d. J. bereits bemerkt und näher motivirt worden ift, 16 m Sohlenbreite, 24 m Breite im Wafserspiegel und 2 m Wassertiefe. Z / |

Die S{hleusen werden mit 8,6 m lichter Weite zwischen den Thoren, 67 m Länge der Kammer und 2,5 m Drempeltiefe ausge- führt. Das leßtere Liefenmaß, welches auch bei den Brückenkanälen 2c. Anwendung findet, soll eine spätere Vertiefung des Kanals bis. auf 2,5 m Wasfertiefe für den Fall eintretenden Bedürfnisses ermög- lichen, durch welehe Anordnung den schon jeßt ausgesprochenen, jedoch. für verfrüht zu erahienden Wünschen der Interessenten nah einer größeren Fahrtiefe ausreichend Rechnung getragen wird.

Die gewählten Abmessungen werden den bequemen und s{nellen Verkehr von Lende bis zu allenfalls 10 000 Centnern, also bis zu einer sehr beträchtlichen Traafähigkeit von vornherein gestatten.

Bei der geringen durchs{nittlihen Entfernung der Schleusen er-

scheint die Einrichtung des Tauereibetriebes höchstens auf der langen horizontalen Streke von Henrichenburg bis Münster durchführbar, daher soll der Kanal mit beiderseitigen Leinfaden versehen werden, ohne damit die g E anderweitigen, geordneten Transport- ystems prinzipiell auszuschließen. ; é : N An Nénteniden Stellen, an wel{en die Entwickelung eines größeren oder geringeren Uebergangsverkehrs nach und von der Wasserstraße zu erwarten steht, ist überall die Anlage von Häfen in den erforder- lih scheinenden Abmessungen und thunlichst in rals an die vor- handenen Eisenbahnen vorgesehen und wird in diefer Beziehung den speziellen Wünschen der Interessenten nah Möglichkeit Rechnung ge- tragen werden. ; ? l

Mechanische Einrichtungen in den Seehäfen zur Erleichterung des Umladens der ankommenden Kohle aus den Flußschiffen in die Seeschiffe, behufs des Exports, sind in den Kostenans{lägen nicht vorgesehen, da, wenn {hon ihre Nüßlichkeit und Nothwendigkeit an- zuerkennen ist, dieselben von den betreffenden Hafenstädten auf eigene Kosten zu treffen sein werden.

Die Speisung des Kanales auf der kurzen Strecke von Dort- mund bis Henrichenburg wird bis zur Entwickelung eines lebhafteren Verkehrs durch das Wasser der Emscher, verstärkt durch die Gruben- wässer, soweit diese an und für sich klar oder durch Klärung zur Aufnahme in den Kanal geeignet gemacht sind, erfolgen können. Später, jedenfalls gleichzeitig mit der Eröffnung der Schleusentreppe im Emscherthal nach Ruhrort, wird Zuschußwasser aus der Lippe mittelst cines besonderen Zubringers, für dessen Ausgangspunkt das Oberwasser des Wehrs bei Beckinghausen oberhalb Lünen vorgesehen ift, herbeigeführt werden müssen. Vielleiht werden die noch aufzustellenden speziellen A die Mög- libkeit ergeben, mittelst dieses ubringers, welcher in diesem Falle \chon bei der ersten Anlage des Kanals zu erbauen wäre, auch den vorläufigen Wasserbedarf der horizontalen Strecke bis nördlich von Münster - und der hier anscließenden S(leusentreppe nah Bevergern zu deken, jedod ist der Sicherheit wegen die Anlage eines Pumpwerks in Anschlag gebraht worden, durch welcbes das noch fehlende Speisewasser entweder aus der Lippe an der Uebergangsstelle des Kanals bei Olfen oder am anderen Ende der Strecke aus der Werse bei Münster künstlih in den Kanal ge- hoben werden würde. Nach erfolgtem Ausbau der Linie Henrichenburg- Ruhrort und demnächstiger vollständiger O des Verkehrs werden wahrscheinlih an beiden Orten Pumpwerke ausgestellt werden müssen, die Entscheidung hierüber liegt aber noch in ziemlich ferner

ukunft. t :

P Für die tiefer gelegenen, nördlichen Theile des Kanals bis zum Eintritt in die Ems bei Haneken gewähren die von demselben durh- shnittcnen oder ihm nahe liegenden kleineren Flüsse und Bäche die erforderlichen Zuschüsse an Speisewasser, wie es überhaupt felbst- verständlih ist, daß auch für. die Verforgung dex hoch gelegenen Kanalhaltungen mit Wasser die vorhandenen natürlichen Zuflüsse soweit nußbar gemat werden sollen, wie sih solches irgend erreien läßt. Für die eee E von Haneken licsert die Ems un* mittelbar den erbedarf. j

Das von der Kanallinie durchs{nittene Terrain ift der Bau ausführung im Allgemeinen günstig, wie denn auch die Einschnitte,. mittelst deren die Wasserscheiden zwischen der Emscher und Lippe und zwischen der Lippe und Sttver durhbrocen werden müssen, eine e ret beträchtliche, jedoh nicht ungewöhnliche Tiefe erhalten. g Besorg=-ch nisse für die Standfähigkeit des Kanals und feiner werke wegen. der Bodenbewegungen, welche innerhalb des Grubenterrains Fo ge der Einwirkungen des Bergbaues auf die Tagesoberfläce e En könnten, sind bei der hier iu Betracht kommenden Streke _ Dortmund bis Henricenburg und deren Fortseßung nah Nor nicht vorhanden. :

Bemerkenswerdhere tecuifche

Séwterigkeiden N. pu n

ängen über die Flüsse Lippe, Stcver, Sms un e, vo

Us E vie pte ersteren ausgedehnte und verbältnißmäßig.

tief liegende Niederungen durstrômen, ferner in den Kreuzungen der;

vorbandenen zahlreichen Eisenbahnen, dur deren in den meisten ällen erforderlihe Höherlegung die Baukosten, namentli im mscerthal, einen erhebliden Zuwachs erbalten.

Von nicht zu untershäßender Wichtigkeit ist der Umstand, daß, durch den Kanal die Intercssen der Landeskultur unmittelbar un?z erheblich gefördert werden. In den oberen Theilen L E Eintr'á&t in die Ems werden zwar mit der Kanalanlage Bewässerungen gar nicht und Entwässerungen der Ländereien nur in soriugzenm Um/ange

egen Meppen wird in einer Länge von 24 km der vorhaudene, seinen vecletersen Zweck entsprehend umzugestaltende, auch mit neuen

den werden können, dagegen ermöglicht dieselbe in den “Mteren, Ver ‘Melioration vorzugtweise bedürftigen la aroße Ent- und