1882 / 87 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Abends wohnte Se. Kaiserlihe Hoheit der Kronprinz mit Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog von Hessen der Vorstellung im Opernhause bei und geleitete Höchstdenselben sowie die Prinzessinnen Victoria uud Elisabeth von Hessen um 10 Uhr na< dem Potsdamer Bahnhofe.

Jn der am 12. April unter dem Vorsißze des Staats- Ministers von Boetticher abgehaltenen Plenarsizung des Bundesraths nahm die Versammlung zunähst Kenntniß von der Vorlage, betreffend die geschäftliche Behandlung der dem Bundesrath vorliegenden, wichtigeren Berathungsgegenstände. Die Geseßentwürfe über die Krankenversicherung der Arbeiter, über die Unfallversiherung der Arbeiter, über Abänderung der Gewerbeordnuna, über das Reichs-:Taba>kmonopol und über Abänderung des Zolltarifgesezes vom 15. Juli 1879, sowie der am 10. Januar d. Js. unterzeihnete Konsular- vertrag mit Brasilien wurden, soweit dieselben bereits vor- liegen, den zuständigen Ausschüssen zur Vorberathung über- wiesen; soweit die Entwürfe no< niht an den Bundesrath gelangt sind, wurde beschlossen, dieselben nah dem Eingange an die Ausschüsse zu überweisen. Mit den Ausshußanträgen in Betreff der Vorschläge wegen Beseßung dreier Rathsstellen bei dem Reichsgeriht war die Versammlung einverstanden. Schließlih wurden ein Antrag wegen Zulassung eines Steuer- manns zur Schifferprüfunz und eine Eingabe, betreffend die Aufhebung des Zolls für eingedi>te Milch, den zuständigen Ausschüssen überwiesen.

Jn einem Strafverfahren wegen Wuchers können zur Begründung der eine härtere Strafe bedingenden Gewerbs- mäßigkeit des Wuchers nah einem Urtheil des Reichs-

erihts, 11. Strafsenats, vom 24. Januar d. J., die vor dem Inkrafttreten des Wuchergeseßes von dem Angeschuldigten gemachten Wuchergeschäfte in Betracht gezogen werden ; dagegen können diese früheren, straflos yewesenen Geschäfte nicht zur Begründung des gewohnheitsmäßigen Wuchers Seitens des Angeschuldigten herangezogen werden.

Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Königlich Ge Ober-Regierungs-Rath Herrmann ist hier ange- ommen.

Der General-Lieutenant von Kleist, Commandeur der 1. Garde-Jnfanterie-Division, ist von Urlaub hierher zurüctgekehrt.

Kiel, 12. April. (Kl. Ztg.) Die Panzer - Korvette „S achsen“ ging zur Fortsezung ihrer Probefahrten nah der E>ernförder Buht. Die Fregatte „Niobe“ hat aus dem Werftbassin auf die hiesige Rhede geholt.

Sessen. Darmstadt, 12. April. (W. T. T.) Die Erste Kammer hat den von der Zweiten Kammer gefaßten Beschluß, wodurch die Regierung ersu<t wird, bei fortdauernd shwacher Frequenz der te<hnischen N deren Auf- hebung in Betracht zu ziehen, abgelehnt und, ebenfalls ab- weichend von dem Beschlusse der Zweiten Kammer, die Mittel für alle Vorshulen der Gymnasien bewilligt.

Sachsen-Altenburg. Altenburg, 8. April. (Weim. Ztg.) Am 16, d. findet die Vermählung der Prinzessin Anna, Tochter des Prinzen Moriy, mit dem Erbprinzen von Shaumburg-Lippe statt. Die Fesilihkeiten bei Hose beginnen bereits am 14. mit einem Hofball.

Oesterreih-Ungarn. Wien, 12. April. (W. T. B.) FML. Dahlen meldete am 7. d. M. Nahmittags, daß mehrere Nachrichten, sowie der Ueberfall bei Jgovci, der einer Abthei- theilung Freiwilliger von der Truppenabtheilung des Obersten Langer in der Nacht vom 1. zum 2. d. M. gelungen sei, darauf hindeuteten, daß größere Shwärme von Aufständischen und namentlih von den am 28. v. M. von Tientista vorwärts gedrängten in dem Raume zwischen Sadjici, Grandici und Curevo sih aufhalten könnten. FML. Dahlen wurde dadur, obwohl nah den jüngsten Erfolgen ein positives Resultat kaum zu erwarten war, bewogen, den General-Major Obadich nach dem Abschluß der Operationen gegen Celebic mit einer Strei- fung in dem gedahten Raum am linken Drinaufer zu beauf- tragen, hauptsählich um diese Gegend, welche das leßte Zufluchts- gebiet größerer Banden auf dem insurgirten Territorium ist und welche von den Truppen nur selten berührt wurde, gründlich durh- streifen zu lassen. Gleichzeitig meldete Es Dahlen, daß diese Operationen nah den vom General-Major Obadich ge- stellten detaillirten Anträgen eingeleitet seien. Nach diesen Anträgen sollten 5 Kolonnen die Gegend von Ljubini, Gran- dici, ZJgovci, Kozman und Ostra Glava beseßen, die Haupt- kolonne sollte am 9. d. Mts. von Jgovci aus über Sadjici, Curevo, Tientista, Urkali und Poposmost geaen Grandici hin streifen. Wie FML. Dahlen unterm 11. ds. Mts. Abends berichtet, ist diese Operation dem Entwurfe gemäß durgeführt und dabei die Ueberzeugung gewonnen worden, daß gréßere Insurgentenschaaren in jener Gegend ni<ht mehr vorhanden sind. Um ein Zurü>fluthen der Jnsurgenten zu ershweren, wurde die Beseßung einiger Orte angeordnet, FML. Fovanovic meldete unterm 8. d. M,, daß die Jn- surgenten Tags vorher einen Posten bei Goli Orb erfolglos angeriffen haben und daß an demselben Tage ein Soldat vom 43. Fnfanterie-Re iment beim Wasserholen erschossen, ein an- derer vom 14. Jnfanterie-Regiment dur einen Schuß leicht verwundet wurde.

13. April. (W. T. B.) Zur Berathung der den Delegationen zu machenden Vorlagen fand gestern ein vierstündiger Ministerrath statt; die Berathung wird heute fortgeseßt. i

Trag 13. April. (W. T. B) Dem „Prager Lloyd“ dufolge beshloß das Wahlcomité des verfassungstreuen

roßgrundbesizes, den Kompromißantrag der Konservativen niht ohne Weiteres abzuweisen und ver- {loß si< nicht der Thatsache, daß der Großgrundbesiß \i< nit zu weit in die Oppositionspolitik hineintreiben lassen könne, weil zwischen jeder Regierung in Oesterreih und dem Großgrundbesiße eine gewisse Solidarität der Jnteressen bestehe.

Lemberg, 13, April. (W. T. B.) Die Rathskammer des Strafgerichts beschloß gestern, die Untersuchung wegen Hochverraths gegen 5 Bauern aus Hniliczki und den ruthe- O Redacteur Szczerban einzustellen und dieselben

_— Aus Lemberg, 9. April, wird der „Pol. Corr.“ berichtet :

Der von der Regierung versendete Fragebogen betreffs der Zwec- mäßigkeit einer Reform der Erbfolge im landwirthschaft- lihen Besiße dur< Einführung des in Hannover und Westfalen be- reits bestehenden Anerbenre<htes hat vielleiht in keinem Kronlande so lebhaftes Interesse hervorgerufen als in Galizien, weil eben nirgends die vielen natheiligen Wirkungen der bestehenden Freitheilbarkeit der Grundstü>ke und der dadur< veranlaßten Zerstückelung des Klein- grunptesiges auf die Bodenkultur, die Steuerkraft und die volks- wirthschaftlihen Verhältnisse überhaupt in \o empfindlicher Weise wie hier zum Vorscheine gekommen sind.

Alle um Gutachten befragten Behörden, Körperschaften und Fach- männer beeilten si, in der von der Regierung ausgeseßzten sehê- wöchentlichen Frist die verlangte Aeußerung abzugeben. Der galizische Landesaus\chuß hat ein Rundschreiben an sämmtliche Obmänner der Bezirksvertretungen im Lande mit der Aufforderung gerichtet, über diese Hauptfragè und deren Prinzipien die Ansicht der hervorragen- deren Mitglieder der Gemeinde- und Bezirksvertretungen aus dem Bauernstande einzuholen und darüber Bericht zu erstatten. Die ein- laufenden Berichte werden hierauf als Basis des der Regierung ab- zugebenden Gutachtens benüßt werden. :

Von den bisher eingelaufenen Gutachten äußert si< die Mehr- zahl dahin, daß die geplante Reform allein ohne eine weitere Ein- \<ränkung der Theilbarkeit der Grundstü>e (für Galizien wenigstens) nicht ausreichen wird, daß daher, um der fortschreitenden Zerstüke- lung der Grundstü>ke wirksam vorzubeugen, weitergehende geseßliche Reformen als erwünscht, ja dringend geboten betrachtet werden müssen. Das Lemberger Landesgericht äußert f dahin, daß das projektirte Geseß die Dispositionsfreiheit des Grundbesiters sowohl unter Lebenden als für den Todesfall unberührt läßt, obglei<h zur Herbeiführung der gegenwärtigen bedauerlichen Lage des Kleingrundbesitzes eben die \<rankenlose Freihe:t in der Verfügung mit dem unbeweglihen Vermögen beigetragen hat. Es erscheine daher im Interesse des Staates geboten, den ungetheilten Uebergang des Kleingrundbesißes von einer Generation auf die andere obligatoris< einzuführen, und zwar füglih dur< Erlassung von Ver- äußerungs- und Belastungsverboten, beziehungsweise dur< Wieder- herstellung des Bestiftungszwanges in einer von der früher bestandenen Weise abweichenden, den gegenwärtigen Verhältnissen entsprechenden

eise.

Großbritannien und Jrland. London, 11. April, (Allg. Corr.) Die Königin wird am Dienstag Mentone ver- lassen und sih über Cherbourg nah Windsor zurückbegeben, um der am 27. d. M. stattfindenden Vermählung des Prinzen Leopold mit der Prinzessin Helene von Walde> beizuwohnen.

Die Et Gau am Ostermontag in Portsmouth ist höcst erfolgreih verlaufen. Etwa 25 000 Freiwillige und ca. 3000 Mann regulärer Truppen betheiligten si an dem Manöver, wel<hem der Prinz von Wales, der Herzog von Cambridge, Prinz Eduard von Sachsen-Weimar, zahlreihe Generale und die Militärbevollmächtigten Deutsch- lands, Frankreichs, Jtaliens und anderer fremden Mächte bei- wohnten. Den Feldoperationen {loß si< ein Vorbeimars<h an, der um 4 Uhr Nachmittags begann und erst gegen 6 Uhr vorüber war. Abends fand auf Southsea Common ein großer Zapfenstreich statt, dem der Prinz von Wales beiwohnte.

Liverpool, 12. April. (W. T. B.) Bei einem an- läßlih der Einweihung des neuen konservativen Klubs stattgehabten Banquet hielt der Marquis von Salis bury eine Rede, in welcher er si< gegen die Schwäche und den Wankelmuth der Negierung wandte, welche der Bewegung in Frland successive Konzessionen gemacht habe. Die Landbill werde niemals zu einer Pacifikation des Landes führen ; das einzige Mittel, den Frieden und die Zufriedenheitin Jrland wieder herzustellen, sei eine Erleichterung des Ankaufs der Farmen dur die Pächter, welche, wenn sie Eigenthümer würden, gleihzeitig Vertheidiger d-r Ordnung at der mit dem Besißthum verbundenen Rechte werden würden.

Frankreih. Paris, 11. April. (Fr. Corr.) Jn

dem heute abgehaltenen Ministerrathe beschäftigte man sih mit Kanalprojekten, welhe von den Ministern der öffentlichen Arbeiten und des Handels vorgelegt wurden. Es handelte sih zunächst um den Plan eines Bewässerungskanals des Rhonethals, welher unter dem Namen „Canal Dumont“ bekannt ist. Der Staat würde die keiden Haupt- linien der Wasserableitung aus beiden Ufern des Flusses ausführen, während die Nebenzweige an die Privatindustrie vergeben werden würden. Weiter sollte an der Rhonemündu!g in Bauc ein Seefort angelegt werden; endlih prüste man das Projekt eines Kanals, welcher, der Trace des hon bestchenden Canal du Midi folgend, ben Atlantischen Ocean mit dem Mittelmeere ver- binden soll. Dieser Plan würde eine Ausgabe von nicht weniger als einer Milliarde erfordern; man hielt es daher, ehe man einen Beschluß faßte, sür angezeigt, die Rückehr des Finanz-Ministers Leon Say abzuwarten, der eine Erholungs- reise nah dem Süden angetreten hat. Fast alle Abendblätter sprechen ihre Genugthuung über die friedlihe Wendung aus, welche, nach der definitiven Ernennung des Hrn. Giers zum Minister des Aeußeren zu urtheilen, in der auswärtigen Politik des St. Petersburger Kabinets eingetreten ist.

(Cöln. Ztg.) Dem Minister des Jnnern, Goblet, hat der Seinepräfekt Floquet am 8. d. M. seinen Vorentwurf über- reiht, welcher ni<ht allein die Ober-Bürgermeister ei von Paris herstellt, sondern auch den Gemeinderath der französishen Hauptstadt neu organisirt. Paris soll danach einen Ober-Bürgermeister mit zwei Beigeordneten er- halten, welche der Gemeinderath für die ganze Dauer seines Mandats wählt. Der Ober-Bürgermeister ist der Präsident, die Beigeordneten die Vize-Präsidenten des Gemeinderaths. Die Sekretäre werden vom Gemeinderath für die Dauer der Session gewählt. Der Ober-Bürgermeister von Paris wird die nämlihen Amtsbefugnisse haben, wie sein Kollege von Lyon. Die 20 Bezirksbürgermeister von Paris werden als Beamte des Civilstandes aufrecterhal- ten. Der Ober-Bürgermeister von Paris kann, wie alle reen Bürgermeister, dur< präsidentschaftlihes Dekret abgeseßt werden und ist dann während eines Jahres nicht wählbar. Der Gemeinderath wird in Zukunft niht mehr für Stadtviertel, sondern für Arrondissement (Bezirk), und zwar nah der Listenabstimmung gewählt. Der Gemeinderath von Paris kann aufgelöst, aber niht suspendirt werden. Der Ge- meinderath kann jedes Jahr eine Entschädigung für seine Mit- glieder sowie für den Ober-Bürgermeister und seine Bei- geordneten bewilligen, aber diese Zuwendung muß jedes Mal der Billigung des Präsidenten der Republik unterbreitet werden. So ungefähr der Entwurf, der natürlich zuerst von

sofort auf freien Fuß zu seßen. Die übrigen verhafteten Ruthenen verbleiben in Antersnduncabaîi.

der Regierung B aepeisan und dann vom Parlament ange- nommen werden muß.

Spanien. Madrid, 12. April. (W. T. B.) Dex Belagerungszustand ist nunmehr au< in ganz Cata- lonien aufgehoben.

i Italien. Rom, 12. April. (W. T. B.) Der Papst empfing heute den Besuh Sr. Königlichen Hoheit des Prin- zen Ats von Preußen, welcher von dem Gesandten von Schlözer und von seinem Gefolge begleitet war. Se,

Königliche Hoheit stattete darauf dem Kardinal-Staatssekretäx

Facobini einen Besuch ab.

Serbien. Belgrad, 12. April. (W. T. B.) Tex russishe Minister-Resident, Staatsrath von Pers iani, wird demnächst in Urlaub nach St. Petersburg reisen. Ob derselbe auf seinen Posten zurü>kehren wird, is fraglih. Der König tritt am Donnerstag seine Rundreise an; es ist noh ungewiß, welcher Minister ihn begleiten wird. Die Königin al der Thronfolger werden mit dem Könige bis Schabaß ahren.

Dänemark. Kopenhagen, 8. April. (Hamb. Corr.) Der heutige Geburtstag des Königs Christian wurde in gewohnter Weise gefeiert.

Die von der Regierung niedergeseßte Kommission zur Ausarbeitung eines neuen Schiffahrtsgeseßes hat ihre Arbeiten nunmehr zum Abschluß gebraht. Der betreffende Gescßentwurf enthält 370 Paraaraphen und is von sehr aus- führlihen Motiven begleitet. Die Kommission wurde 1871 niedergeseßt, verschiedene Umstände nawentli< der Tod der Professoren Gram und Aagesen bewirkten jedoch, daß die O NIOaVaGe Arbeit erst jeßt zum Abschluß gebra<ht wex-

en konnte.

Afrika. Egypten. Kairo, 12. April. (W. T. B) Die verhafteten tsherkessishen Offiziere hatten eine Versammlung abgehalten, um eine Petition aufzuseßen, in welcher der Kriegs-Minister um Zurü>nahme ihrer Verseßung nach dem Sudan exsuht werden sollte. Hierbei hatte einer der Offiziere, cinen Revolver in der Hand haltend, Drohungen gegen Arabi Bey ausgestoßen. Diese Thaisachen wurden denunzirt und alle Offiziere verhaftet.

Zeitungss\timmen.

Der „Nordd. Allg. Ztg.“ wird aus Baden von der s<weizer Grenze geschrieben :

Wenn die Tabalkfabrikanten und ihre Anhänger gegen das Taba>- monopol ihre Stimme erheben, so kann man dies noch begreifen, aber unbegreiflich bleibt es, wenn ein landwirthschaftliches Organ sich gegen das Monovol auszusprehen Veranlassung nimmt, da doch allgemein anerkannt werden muß, daß die Tabackbauern \ih dabei besser befin- den, als ohne dasselbe. Den Beweis hierfür lieferten erst wieder vor ganz kurzer Zeit die landwirthschaftlihen Vereine im Elsaß, welche in ihren Versammlungen einstimmig für das Monopol eintrate. So wenig man aber aus der Abstimmung unserer Zweiten Kammer die Meinung ableiten darf, daß das badische Volk ein Gegner des Monopols sei, ebensowenig darf man aus der kundgegebenen Abneigung der landwirthschaftlihen Centralstelle in Karlsruhe s{ließen, daß unsere landwirthschaftliche Bevölkerung gegen das Monopol eingenommen sei. _Bereits haben si<h auch drei, um die Hebung der Landwirthschaft sehr verdiente Vertreter im Central- aus\{uß am 21, März d. I. gegen die Ansicht ihres Präsidenten ausgesprochen, und dürften diesem Beispiele no< andere landwirth- schaftlihe Vereine na<folgen. Auch das Generalcomité des land- wirthschaftlichen Vereins für Bayern [riot sih in seiner Zeit- {rift sehr wohlwollend für das Taba>monopol aus, indem es unter anderen Vortheilen desselben die Unabhängigkeit von den Händlern, Hebung der Tabakkultur dur Unterweisung der Monopol- verwaltung, sofortige Verwandlung der ganzen Ernte in Geld und vermehrten Absatz infolge erhöhten Konsums billiger Sorten 2c. gegen nur drei uncrheblihe Nachtheile ins Feld führt. Aber auch außerhalb der deutschen Landwirthschaft nimmt man bereits da und dort von Seite des Handels und der Gewerbe einzelne Stimmen zu Gunsten des Monopols gewahr, und hat \si< namentlich au in letzter Zeit die Handels- und Gewerbebank in Rastenburg mit 5 gegen 4 Stim- men für Einführung des Monopols ausgesprochen.

. Unterdessen wird au bekannt, daß {on Staatsrath Mathy, unser ehemaliger Domänendirektor und Finanz-Minister, ih früher für das Taba>monopol sehr warm auzgesprochen hat, und muß es uns Badenern um so mehr auffallen, daß sich unsere oberste land- wirthschaftlibe Behörde im Widersprube zu der Ansicht dieses hber- vorragenden, im besten Andenken beim badischen Volke \tehenden Staatsmannes in dieser für das Deutsche Reich fo hohwichtigen An- gelegenheit befindet und auf Seite der Monopolgegner Stellung nimmt. Uebrigens möge si<h der Reichskanzler in seinen Bestrebungen um das Taba>kmonopol dur< das Auftreten der Gegner nicht irre machen lassen; mit der Zeit werden \i< die Monopol freunde mehren und mit Grfolg ihre Stimme zum Wohle des Deutschen Reichs mächtig erheben.

Das „Deutsche Handelsblatt, Wochenblatt für Handelspolitik und Volkswirthschast, Organ des Deutschen Handelstages“, schildert die neueste Entwickelung der deutschen Fischerei und deren slaatlicher Pflege in Gesez und Ver- waltung, indem es u. A, bcmerkt:

Die öffentlihe Fürsorge für die Hebung dieses Zweiges der Volksernährung seitens der Staatsregierung sowohl wie seitens zahl- reicher Vereine hat bei uns ein ebenso junges Datum wie umgekehrt die Eifolge schon heut sehr erfreuli< hervortreten, ja, z B. in An- betracht der furzen Zeit {on ret bedeutsam zu nennen sind. . .…. Son am 30. Mai 1874 erschien das Fischereigeset, das der bié- herigen Raubwirthschaft, die unsern Fiscbbestand allmählich bis auf eine nur no< wenig erheblice Ausbeute vernichtet hatte, hauptsächlich mit Regelung der Schonzeit entgegenzuwirken bestimmt war Preußen hat im Mai und November 1877 Verordnungen zur Ab- stellung der hervorgetretenen Mängel und Beschwerden der Fiscer erlassen ; cs lag aber von vornherein auf der Hand, daß der wichtige Zweck einer rationellen Bebauung der Flüsse und Seen nur errei werden könne dur< eine Vereinbarung der adjacirenden Staaten ju Be tpta Ligen Grundsäßen in Handhabung von Gefeß und Ueberwachungt- maßregeln. Auch dies ist bereits unter den partnariigaten erreicht Troy allem Widerstande und mancberlei Schwierigkeiten auf dem neuen Gebiet hat sih au hier der deutshe Geist zähen Fort- arbeitens treu und glänzend bewährt; das Interesse an der Ger reformfrage wu<s kräftig in die Breite, es entstanden allmählih zahlreihe Fischereigenossenshaften, es wurde ein deutscher Fischerel- verein gegründet, alljährli< reihli< Brut einer großen Reibe guter, z. Th. seltener Fischarten auégeseßt, die Aufsiht über die Schonreviere und Fisbpässe verschärft und die no< in unser Aller Andenken stehende Internationale Fischerci- Ausftellung in Berlin veranstaltet. Der Etatposten für Fischerei-Aufsichtsbeamte ist neuerdings im preußishen Budget von 68000 auf 141 720 M erhöht und die Zahl der Ober-Fischmeister wesentli verstärkt worden, Die Bildung von Fischereigenossensaften auf Grund der $$. 9 und 10 des Fisckereigesetes vom 30. Mai 1874 hat einen zwar langsamen, aber stetigen Fortgang genommen, cs be- stehen jeßt solhe mit genehmigten Statuten 14, freiwillige 10. Die Ursache des langsameren Fortschrittes der Sache liegt in der Scheu der Betbeiligten vor der Kontrole, ohne die do< eine rationelle Wasserwirthschaft nicht möglich ist. Die Ausdehnung der Laih-Schon-*

reviere geht ebenfalls vorwärts, besonders in der Provinz Posen, wo sie auf zahlreihen Seen mit einem Termin von 5—6 Jahren fest- geseßt ist; in anderen Fällen sind unbemittelten Fishern für Durcbführung der Schonzeit Entschädigungen gewährt worden. .. Die Auss\eßung der Fischbrut ist bereits sehr umfangreich, die Fisch- zutanstalten in Hüningen, in Gelzenhof bei Freiburg im Breisgau, Radolfzell am Bodensee und Kolzen bei Witten 2c. liefern die em- bryonirten und angebrüteten Eier regelmäßig an den Deutschen Fischereiverein ab, der sie dann unter die einzelnen Vereine und Private vertheilt. Es mögen jeßt etwa 10 Millionen Fisch- den des In- und Auslandes in deutshe Flüsse und Seen geseßt sein. Die in ihrem Zwe> wie ihrer Ein- ri<tuna so hochinteressanten Fischzuchtänstalten haben überall eine ungemein rege Theilnahme gefunden, ihre Zahl ift in Preußen bereits auf 125 gestiegen! Hier haben theils die landwirth- shaftlihen Vereine eine rühmli< an-rkennens8werthe Thätigkeit ent- widelt, theils Private für sih Anstalten errichtet, während das land- wirthschaftlibe Ministerium und die Provinzialregierungen dem ver- dienstlih-en Werke mit Subventionen zu Hülfe gekommen und neuer- dings aub in den Staatsforsten gleiche Anlagen geplant sind.

Nachdem dann no weiter ausgeführt if was der Staat und der Deutsche Central-Fischerei-Verein auf diesem Gebiete geleistet haben, {ließt der Artikel: /

Im Uebrigen geschieht Seitens der Regierung au< sonst das Möglichste zur Unterstüßung der Seefischerei. Die Admiralität hat seit mehreren Jahren ein Kanonenboot zur Leitung von Fischerci- versuchen an der Oderbank abgesendet, um die Lachsfischer, die leider nur ungede>te Böte haben, deshalb auf offener See leiht gefährdet sind, zu s<üßen; die Versuche sind indessen ohne Erfolg gewesen, da die Fischer keine für das hohe Meer geeig- neten Neße besißen. Außerdem hat die Admiralität periodische Revi- sionéfahrten machen lassen, um fremde Seefisher von den deutschen Küsten abzuhalten und die unseren zu {übten ; später soll ein Kanonenboot während der ganzen Dauer der Fischereisaison bleibend stationirt werden, besonders in der Nähe der deutshen Inseln der Nordsee. Endlich aber sind neuerdings Fischerzufluchtshäfen errichtet worden, zum Theil mit Staatsmitteln, und haben sih diese Cin- ri<tungen außerordentli wohlthätig erwiesen. E i

Nach allen Seiten also haben der Staat wie in ihrem Gebiete die Vereine und Genossenschaften seit dem letzten Jahrzehnt eine außergewöhnlih hoch anzuerkennende Thätigkeit entwickelt und können wir hoffen, daß die deutsche Fischerei und namentlich die Ausbeute der Flüsse und Seen sih in nächster Zeit {on wesentlih heben und Millionen Werthe alljährli<h den Märkten des Binnenlandes nach langer Versiegung dieses Urproduktionszweiges wiederum werden zu- geführt werden.

Statistische Nachrichten.

Dem von dem Württembergischen Justiz-Ministerium an den König von Württemberg erstatteten Berichte, betreffend die Verwaltung und den Zustand der geri{<tlihen Strafanstalten in Württemberg während des Zeitraums vom 1. April 1880 bis 31. März 1881, entnehmen wir folgende Angaben: Das Aufsichts- personal der Strafanstalten bestand am 31. März 1881 aus 178 Per- sonen. Gefangene haben sich am 31. März in den 7 Strafanstalten des Königreichs befunden 2022. Bis zum 31. März sind zugegangen : 3952, so daß die Zahl der Gefangenen während des Berichts- jahres si< im Ganzen belief auf gegen 5590 im Jahre 1879/80. Abgegangen sind: a. nah abgelaufener Strafzeit 3149, b. be- nadigt 189, ec. gestorben 28, d. entwihen 8, e, an Unter- sucbunggbehörden oder andere Strafanstalten abgegeben oder

eurlaubt 309; f. vorläufig entlassen 105, zusammen 3788, so daß hiernab am 31. März 1881 ein Bestand verblieb von 2186, d h. um 164 höher, als am 31. März 1880. Die täglicbe Dur(y- shnittszahl der Gefangenen betrug im Jahre 1880/81 2099,1, d. h. um 6,4 mchr als im Vorjahre, welches die höchste Ziffer seit 20 Jahren ergeben hatté. Der böchste Gefangenenstand belief sich auf 2408 gegen 2310 îm Jahre 1879/80, der niedrigste auf 1892 gegen 1901. Nach dem Geschlehte, den Strafarten und den persönlichen Verhältnissen der Gefangenen unterschieden, waren am 31, März 1881 in den Strafanstalten : a, männliche Gefangene 1862, weibliche 324; b. Gefangene, welche zur Zeit der Begehung der That alt waren : über 25 Jahre 1309, zwischen 18 und 25 Jahren 771, unter 18 Jahren 106; ec. Zuchthausgefangene 1139, darunter auf Lebenszeit: männ- lihe 32, weibliche 6; Gefängnißsträflinge 1045; in Festungshaft 2; d, unter den am 31. März 1881 in den Strafanstalten befindlihen Gefangenen waren: zum ersten Male gestrafte 894, zum ersten Male rü>fällige 441, wiederholt rückfällige 851; e. Nicht-Württemberger befanden sich unter diesen Gefangenen 393 (am 31. März 1879: 338, am 31, März 1880: 313), Unter den während der Zeit vom 1. April 1880 bis 31. März 1881 neu eingelicferten 36/0 Gefangenen waren rü>fällige (welche {on früher eine Landesgefängniß-, Festungs8- oder höhere Strafe erlitten haben) 1652 und zwar erstmals rü>fällige 566, mehrmals rüdfällige 1086, erstmals gestrafe 2018, Die Zahl der Rüfälligen betrug somit 45,01 "/ der Gesammtzahl der Neueingelieferten gegen 4369 % im Sahre 1879/80. Der Gesammtaufwand auf die Strafanstalten , einschließli< der Kosten des Strafanstalten- Kollegiums, dcs Beitrags von 1715 4 an den Verein zur Fürsorge für entlafsene Strafgefangene und des Beitrags von 430 46. zur Rettungsanstalt in Leonberg betrug im Jahre 1880/81 1493358 M gegen 1 352596 M im Jahre 1879/80, Hiervon wurden dur eigene Einnahmen der Strafanstalten gede>tt 897 869 M gegen 815 651 i, und blieb eine Mehrausgabe von 595 489 #4 durch die Staatékafse zu de>en. Der wirkliche Zuschuß der Staatskasse betrug aber 595 522 M (gegen 540 689 M), rot. 33 A4 mehr, da von den Einnahmen des vorauêgegangenen Jahres, 866 4, gede>t werden konnten, dagegen von der laufenden Verwaltung an die Restverwaltung 900 A zuzu!ießen waren. Im Etat war unter Annahme einer Mittel- zabl von 1850 Salaadinea der Zuscbuß der Staatskasse zu 985 185 veranschlagt worden; es wurden also in Wirklichkeit rot. 10337 mehr verausgabt. Der dur{\{nittlihe Betrag der Verpflegungskosten (Nahrung, Kleidung, Lagerstätte, körperlide Reinlickeit, Kranfen- pflege) für einen Gefangenen belief sih auf 198 # 86,7 A4, im Vor- jahre auf 184 Æ 11,3 , also um 14 M 754 H mehr auf den Kopf. Der Gesammtaufwand an Verpflegungékosten betrug mit einer Mittelzahl von 2099 Gefangenen rot. 417 423 #4, während im Vor- jahre mit einer Mittelzahl von 2093 Gefangenen dieser Aufwand 385 349 M betragen hatte, Was die Beschäftigung der Gefangenen betrifft, so waren dur<s{nittli< beschäftigt: für auswärtige Bestellung 831,6, für den eigenen Gewerbebetrieb 820,4, für die Negie der An- para 326,5, zusammen 1978,5, Unkeschäftigt blieben als: arbeits- rei im Dunkelarrest 44,1, alt und gebre<li< 5,5, krank 71,0, zusammen 120,6. Die meisten ( efangenen wurden in folgenden Arbeiten beschäftigt: Leinwandbereitung durchschnittlich 365,5 Gefangene; Nähen, Stricken, Sticken 182,6; Kartonagearbeit 164,4; ökonomische Verrichtungen 146,3; Schneiderei 137,5; Schachtel- fabrikation 127,8; Strob- und Seegrasarbeiten 125,5; Taglohns- Feldarbeit 106,5 u. \. w. Der reine Ertrag der Arbeiten der Gefan- genen in den Strafanstalten, welcher si ergiebt, wenn von den Ein-. nahmen aus dem eigenen Gewerbebetriebe mit Hinzuziehung des Arbeitsverdienstes der Gefangenen der Aufwand auf den Gewerbe- betrieb und auf die Beschäftigung der Gefangenen abgezogen wird, betrug im Jahre 1880/81 247 831 A gegen 248 813 A im Vor- bre; der dur{<s{nittlihe Arbeitéverdienst eines Gefangenen auf das ahr 103 M 84 „$ gegen 102 M 79 «\; auf den Tag (das Jahr zu 300 Arbeitstagen) 346 4 gegen 343 4 Werden nur die besäftigtén Gefangenen in Betracbt gezogen, so berechnet si< der Arbeitsverdienst des Gefangenen im Jahre auf 110 4 16 A gegen 112 A 77 A, tägli auf 36,7 4 gegen 37,6 „4. Der Neben- verdient der Gefangenen betrug im Ganzen 59 710 M 65 A gegen 59 217 #4, im Dur(schnitt auf einen Gefangenen 28 M 45 <\ gegen 28 M 30 „S. Für erlaubte Kostzulagen wurden von den Gefangenen

verwendet im Ganzen 24568 M gegen 27246 Æ, im Dur®bschnitt von einem Gefangenen 11 M 70 4 gegen 13 A 2 4. Die sämmt- lichen Privatgelder der Gefangenen haben am 31. März 1881 42057 M betragen. Bei einer Gesammtzahl von 5974 Gefangenen und einem täglichen Durcschnittsstande von 2099,1 hat die Zahl der in der Krankenabtheilung behan- delten Kranken 1249, der in der Ambulanz behandelten Kranken 1885 betragen. Die Zahl der Kranken ist bei den Männern dur{- gehends höher als bei den Weibern, während unter der freien Be- völkerung das umgekehrte Verhältniß stattfindet. Die Zabl der Geisteskranken betrug 14, d. i. 2,3 auf 1000 Gefangene. Gestorben sind im Jahre 1880/81 28 Gefangene gegen 63 im Vorjahre. Am 31. März 1881 nahmen an dem obligatorishen Schuklunterrichte 609 männlihe und 102 weibliche, zusammen 711 Gefangene Theil. An dem Zeichnenunterrite betheiligten si< in Heilbronn 29 und in Stuttgart 39 Gefangene. Die Zahl der erkannten Disziplinar- strafen betrug 889, auf 100 Gefangene 42,3 (im Vorjahre 39,1). Der Bericht bemerkt zum Schlusse, daß in den Landesgefängnissen insbesondere die Klasse der gewerbsmäßigen Vagabunden, welche meistens zu jeder gewerblichen Arbeit unfäbig, ein mißlihes Element sei.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Deutsche Tondichter von Sebastian Bach bis auf die Gegenwart, von Dr. Emil Naumann, Königl. Professor und Hoffirhen-Musikdirektor. Fünfte (Volks-) Ausgabe. 89, 254 Bogen. Preis geh. 3 #, fein geb. 4 A Berlin, Verlag von Robert Oppenheim. Von dieser Sammlung von Lebensbildern der bedeutendsten deutshen Meister der Tonkunst ist bereits die fünfte Auflage nöthig geworden, was mehr als alle sonstigen Empfehlungen für die Beliebtheit des Bucbes spriht. In der That hat es der Verfasser verstanden, den Stoff so interessant und fesselnd zu gestalten wie möglich, wenn man auch mit seinen Ansichten bezüglich der neu- deutschen musikalischen Richtung und dem eiwas gewaltsamen Versuch einer Parallelle zwischen zwei so heterogenen Erscheinungen wie Meyerbeer und Richard Wagner nicht einverstanden zu sein braucht. Des Leßteren großes epochemachendes Musikdrama „Der Ring des Nibelungen“ hat freilih keine Würdigung mehr finden können, weil die Vorträge, welche den hier gebotenen Charakterbildern zu Grunde liegen, geraume Zeit vor dem Bayreuther Ereignisse gehalten wor- den sind. Wagners Bild ist infolge dessen auch das unvollständigste, während die älteren Meister und ihre Schöpfungen in großen, geist- vollen Zügen treffend carakterisirt sind. | A :

In demselben Verlage erschienen: , Musikstudien in Deuts <h- land“, von Amy Fay, aus Briefen in die Heimath (autorisirte deutsche Ueberseßung. 8°, 135 Bogen. Preis geh. 2,50 M, fein geb, 3,90 4). Diese Briefe geben cin lebendiges Bild von den Beziehungen der amerikanischen Verfasserin, welche in Deutschland Musik studirte, zu den hervorragendsten musikalischen Persönlichkeiten der Gegenwart, wie Liszt, von Bülow, Tausig, Joachim u. \. w. Sie werden daher von den weiten Kreisen der Verehrer dieser Meister, sowie von der großen Anzahl derjenigen, welche gleih der Verfasserin eine der be- sprochenen Musikschulen besucht haben, {on um der vielfachen per- sönlichen Bemerkungen halber, mit Vergnügen gelesen werden. Ueber- dies wird das mitunter spöttishe, aber nie ungere<te Urtheil der Verfasserin über deutsche Zustände au<h außerhalb der musikalischen Kreise, zumal in der Frauenwelt, Interesse erwe>en.

In dem diesjährigen Osterprogramm des Gymna- siums und der Realschule 1. Ordnung zu Rosto> geht dem Jahresberichte, betreffend das Schuljahr 1881 bis Ostern 1882, die Schrift „Ludi Literarii av amplissimo Senatu Rosto- chiensi in ciuium suorum utilitatem nuper aperti Sciographia Nathanis Chytraei primi Rectoris. Rostochii 1580. Herausgegeben von Dr. Gustav Timm“ voran. Es ist dies eine von dem ersten Rektor des im Jahre 1580 zu Rostock errichteten Gymnasiums, M. Nathan Chyträus (f 1598) für dasselbe in lateinisher Sprache abgefaßte Schulordnung, die von Dr. Timm_in der Großherzogl. Regierungs-Bibliothek zu Schwerin in einem Sammwelbande gefunden und in dem vorstehenden Programm veröffentlicht worden ist. Dieser äußerst seltenen und für die Kenntniß der ersten Einrichtung des jeßt {on seit 300 Jahren in Rosto>k bestehenden Gymnasiums wichtigen und interessanten Schulordnung geht ein Verzekhniß der 70 von Chyträus verfaßten Schriften voran. Den Schulnachrichten, erstattet von dem Direktor Dr. K. E. H. Krause, entnehmen wir folgende Mittheilungen: Das Gymnasium besteht aus 14 Klassen, indem es 2 Primen, 3 Sekunden, 3 Terzien, 2 Quarten, 2 Quinten und 2 Sexten besitzt, von denen Ober- und Unter-Prima, sowie Ober- und Unter- Sekunda übereinander bestehende Abtheilungen Einer Klasse sind. Der zum Gymnasium gehörenden Elementarklassen sind 4, indem die beiden Klassen 1 Parallel-Côtus sind. Die Realschule 1. Ordnung ¿ählt 6 Klassen und 2 Parallel-Cötus. Die Gesammtzahl der am Gymnasium und an der Realschule gegebenen Wochenstunden beträgt im Sommer- wie im Wintersemester 791, Am Gymnasium unterrichten außer dem Direktor und dem Kondirektor, welbe beiden Anstalten, dem Gymnasium und der Realschule, gemeinsam sind, 18 ordentliche wissenschaftlibe und 5 te<nishe und Elementarlehrer ; an der Real- \hule 12 ordentliche wissenschaftlide und 3 technische Lehrer. Für beide Anstalten sind außerdem 1 Turnlehrer und 1 Schulgeld- bere<ner. Die Zahl der Sc(üler betrug beim Beginn des Sommerhalbjahrs 1881 bei dem Gymnasium 460, bei den Elemen- tarklassen 193, bei der Realschule 226, in Summa 879; darunter waren Auswärtige bei dem Gymnasium 92, bei den Elementarklafssen 9, bei der Realschule 40, in Summa 141, Beim Beginn des Winterhalbjahres belief \si< die Zahl der S(üler des Gymnas. auf 455, der Elementarkl. auf 214, der Real. auf 207, in Summa auf 876, zum Neujahr aber im Ganzen auf 864, Darunter waren Auswärtige in Summa 136, zur Zeit des Neujahrs 134. Mit dem Zeugniß der Reife ver- ließen das Gymnasium zu Michaelis 1881 9, zu Ostern 1882 7 Abiturienten; die. Realschule zu Michaelis 1881 3 Schüler. Außer den Abiturienten verließen die Schule zu Oftern 1881 im Ganzen 44 Schüler. Der Gesammtabgang im Winter 1880—81, inkl. des 1 Gestorb., betrug 101; von Ostern bis Michaelis im Ganzen 68, inkl. Abiturienten und 1 Gestorb., im Ganzen 81, Im Winter- semester 1881—82 gingen 74 ab, dazu 2 Todesfälle; der Gesammt- abgang, inkl. 6 Abiturienten, betrug 8

Die in Leipzig am 15. April erscheinende Nr. 2024 der -„Illustrirten Zeitung“ enthält folgende Abbildungen: Zum 169jährigen Geburtstag Friedr. Fröbels. Nach einer Lithographie von P. Rohrba<h (Verlag von E. H. Swroeder in Berlin). Die Grabstätte Friedri Fröbels zu Schweina bei Marienthal in Thü- ringen mit dcm erneuerten Denkmal. H. W. Longfellow, f am 24. März. Wiener Bilder: Die elektrishe Beleuchtung auf dem Graben. Originalzeihnung von W. Gause. Die beiden Fa- milien. Gemälde von Michael Munkacsy. Nach einer Photographie aus dem Verlag von Charles Sedelmcyer in Paris. (Zweiseitig.) Deutsche Vertreter der Heraldik, Sphragistik und Genealogie. 15 Porträts. Der Heringskönig (Regalec. Banksii) Ameri- kanische Skizzen: Aufhebung einer <inesischen Spielhölle in San Francisco. Merkwürdiges Kircbengefäß aus dem Mittelalter. Die altdeutshe Weinstube „Zum Prinzen von Arkadien“ in frant: furt a. M. Originalzeihnung von O. Lindheimer. Phineas Taylor Barnum. Kuriositäten aus den Gebieten der Heraldik, Numismatik und Sphragistik Ein Magdeburger Fund. 11 Abbil- dungen. Polytechnishe Mittheilungen: Taschenmesser mit verde>- tem Korkzieher. 3 Figuren. Schwarzwälder Uhr na< amerika- nishem System. 2 Figuren. Neue Gartenmöbel aus Naturholz, 3 Figuren. Instrument zur Detinfektion der Wände von Kranken- zimmern. Moden. Brillante Hoftoilette bei einer großen Gala- cour, Himmelserscheinungen. Stand des Planeten Uranus An- fang Mai 1882,

Land- und Forstwirthschaft.

Dem Rec aftóberihte des Präsidiums der badischen land- wird da G Ceatealstelleeatuimmt bie Ker Zita

einen Auszug, aus dem wir na der „Köln. Ztg.“ Folgendes wiedergeben: Es wird în dem Berichte angeführt, daß si das Jahr 1881 für die Landwirthe in mancer Beziehung erfreulicber gestaltet habe als seine Vorgänger. Insbesondere sei in den Erträgen des Weins- und Obstbaues eine namhafte Besserung zu verzeihnen gewesen ; dagegen habe die Getreideernte den Erwartungen nit in dem erwünsbten Maße entsprocben ; au die Futtererträge seien Hinter dem Durchschnitte zu- rüd>geblieben, LREY man sich theilweise zu einer Verminderung des Viebstandes habe ents{hließen müssen, was bei den nie- drigen Viehpreisen ni<t ohne Verluste habe geschehen können. Auch dur< Ungeziefer, insbesondere Mäuse, seien die Ernte-Erträgnisse vielfa< ges{mälert worden. Für Förderung der Viehzucht (Gau- unternehmen und Farrenmärkte) sind erheblidbe Beträge aufgewandt worden. Zur Förverung des Molkereiwesens waren im Vor- anshlag 1200 F vorgesehen, fanden aber niht volle Verwendung, da der Molkereikursus in Binningen wegen Erkrankung des betreffen- den Lehrers ausfallen mußte. Die Centralstelle hat eine Anzahl ble<erner Milchgefäße zur probeweisen Benutzung dur< die Bezirksvereine angeschafft, ebenso Thermometer, Lupen und Mef glä8hen für E Im Ganzen wird festgestellt, daß Seitens der Landwirthe dem Molkereiwesen größere Aufmerksamkeit als früher zugewandt wird. Die seit zwei Jahren ins Leben getretenen Bezirks-Weinausstellungen finden Anklang und wirken be- lehrend auf bessere Weinbehandlung; die Centralstelle betheiligte sich dabei dur< Bereitstellung von Krügen und Diplomen als Preise. Hinsichtlih der Einführung neuer Kulturpflanzen wird berichtet, daß die Centralstelle aus Schweden einige Centner Kartoffeln bezog, um sie den Schwarzwaldbezirken, die annäbßernd ans Klima haben (hauptsächli< kurze Vegetationszeit) zu An- auversuchen abzugeben; diese fielen aber im ersten Jahre nicht gerade günstig aus und ein Versuh im zweiten Jahre hatte im allgemeinen dasselbe Ergebniß. Mit aus Böhmen bezogenen Ge- treidearten wurden gleichfalls Versuche gemacht, und es hat sich hierbei eine Haferforte (Umeahafer) ganz vorzügli bewährt. Mit beson- derem Vergnügen verzeichnet der Bericht die Thatsache, daß die Zahl der ländlichen Kreditvereine si< vermehrt habe und daß mit der Gründung landwirthscbaftliher Verbrauchsvereine ernstliche und praktische Anfänge gema<ht wurden.

Von der Elbe, 10. April, shreibt man dem „Hamb. Corr.“ : In den Geestkirhspielen zwishen Elbe und Eider ist der Stand des Roggens zur Zeit an vielen Stellen wenig erfreulih, troßdem er noch in den leßten Wintermonaten zu den besten Hoffnungen bere<- tigte. Namentlich auf hohen, fsandigen Feldern wird der Roggen stark von cinem Wurm abgefressen, und es ist dadur< auf solchen Schlägen ni<t nur ein dünner Stand hervorgerufen, sondern es sind au< Blößen von beträchtlihem Umfange entstanden. Am s{limmsten hauft der Wurm in folhen Schlägen, wo Roggen na< Buchweizen gesäet ist, oder wo der Boden sonst sehr lo>er und poròs si erweist. Da es bereits zur Einsaat von Sommerroggen zu spät geworden ist, sieht man si< vieler Orten genöthigt, solche Schläge umzustürzen und eine Sommerfrucht einzubringen. Imrmer- hin ist der dadur< entstandene Schaden, abgesehen von der verloren gegangenen Saat, ein re<t beträchtliher, da die Fruchtfolge außerdem in Unordnung gebra<ht wird. Der Klee ist überall dit aufgekommen, und bedarf es nur einer Reihe von warmen Tagen, um ihn im Wachsthum so zu fördern, daß unter An- dauer des guten Wetters das Vieh zu Mai ausgetrieben werden kann. Die vielen Stauwiesen lassen gut an, sie zeigen ein üppigeres Grün als im Mai des vorigen Jahres. Die Kartoffeln sind an vielen Orten nicht nur in den Gärten, sondern au< {on auf den Feldern gepflanzt. Der landwirthschaftlihe Verein für Schenefeldt und Deren will unter Leitung des Dr. Emmerling-Kiel auf dem ofe Jarsdorf im Gute Hanerau eine landwirthschaftliche Versuchs- station errichten.

Neuerdings fkonstituirte si< ein „Me>lenburgisc<her Reiter-Verein zu Wittenburg.“ Derselbe bezwe>t, Rennen zu veranstalten sowie auf die Verbesserung der Pferdezucht hinzuwirken. In Betreff der Wettrennen gilt das rene Reglement für die Flachrennen und Rennen mit Hindernissen. An der Spitze des Ver- eins steht ein aus 9 Personen bestehender Vorstand, dessen Präses Graf von Bernstorff-Raguth ift.

Wien, 13. April. (W. T. B.) Nach den vorliegenden Nach- rihten haben die Witterungsverhältnisse der leßten Tage weniger geschadet, als vielfa< befürchtet wurde. Die Berichte aus Böhmen und Ungarn melden übereinstimmend, daß die Ge- treidesaaten bereits so gekräftigt sind, daß die niedrige Temperatur und die Scneefälle denselben keinen ernftliben Schaden zufügen fonnten. In Galizien haben nur die Obstbäume und der Raps theilweise gelitten, die Getreidesaaten sind ganz unversehrt.

Serajewo, 12. April. (W. T. B.) Durch Ministerial- erlaß wird die Ausfuhr von Pferden, Eseln und Tragthieren aus Bosnien und der Herzegowina na<h Serbien und Montenegro bis auf Weiteres verboten.

Gewerbe und Handel.

Die bisher in Langensalza unter Leitung des Direktors Jenten bestandene Baugewerk-, Maschinen- und Möühlenbanu- Schule ift nah Neustadt i, M. verlegt und wird dort am 2. Mai eröffnet roerden.

Die „New-Yorker Hdls.-Ztg.“ äußert ih in ihrem vom 31, März d. J. datirten Wochenbericht über die Ge\<<äfts- lage folgendermaßen: Bis auf kurze Unterbrebungen der seit Mitte dieses Monats herrschenden Hausse an der Aktienbörse und der Willigkeit des Geldmarktes, Veränderungen, denen nur geringe Trag- weite beizumessen ist, bleibt die allgemeine Geschäftslage genau so, wie wir sie zuleßt gescildert haben. Ohne \si< weiter zu erstre>en, hält für einzelne Zweige des Handels die Besserung an, und hätten die Symptome für eine endlihe Hebung der Erportsperre nit so oft getäuscht, so würden wir auf eine Ermattung der Weizen- und Baumwoll- preise neue Hoffnung auf verstärkte Ausfubr seten. Wenig be- friedigend, wie demna<h die gegenwärtigen Verhältnisse sind, sieht man do mit voller Berechtigung der Zukunft vertrauensvoll ent- gegen und dem entsprehend hebt \sih au< in fast allen Kreisen die Stimmung von Tag zu Tag mehr. Das Geschäft am Waaren- und Produktenmarkt muß diese Woche im Ganzen genommen als rubig bezeihnet werden. Das Exportgeschäft in Weizen war troß eines Rückganges der Preise von unbedeutendem Umfang. wäh- rend Mais nach dieser Richtung mäßige Beachtung fand. Fratraten sind niedriger und für volle Getreideladungen ist nur ein Schiff ge- <artert worden. In Baumwolle nahm das Geschäft in effek- tiver Waare sowie in Terminen einen ruhigen Verlauf. Brasil- Kaffees hatten ruhigen Verkehr, während von reins{me>enden Sorten Marakaibos fester, Laguayra und Central-Amerikanische eber flauer und ostindisde ganz leblos waren. Der Markt für Roh- zu>der war Anfangs ruhig und fest, am Sluß jedo lebhaft und steigend. S{malz hat bei lebhaftem Spekulationsgesbäft im Preise angezogen, fand aber für Erport nur wenig Beachtung; Schweine- fleisd, Spe> und Rindfleis< waren vernachlässigt und nominell, Terpentinöl sowie alle Sorten Harz haben im Werthe fdezogen und {ließen in sehr fester Haltung. Der H opfenmarkt ist unver- ändert ill Raff. Petroleum flau. Das Geschäft in fremden Manufakturwaaren war in einzelnen Branchen befriedigend, ließ dagegen in anderen zu wünschen übrig ; einheimishe Fabrikate begegneten re<t guter Frage. Der Import fremder Webstoffe für die heute beendete Woche beträgt 3452557 Doll. gegen 2 641 077 in der Parallelwoche des Vorjahres, j

Dortmund, 11. April. (Eff. Ztg.) Die Situation des Eisenmarkts hat \sih in den leyten acht Tagen nicht verändert, da weitere Preisrückgänge nit eingetreten sind. Gießereieisen und Luxemburger Roheisen haben die alten Preise behauptet und dadur wesentli dazu beigetragen, die Abwärtöbewegung aufzuhalten. Die

neuesten Meldungen vom Roheisenmarkt in England und Schott-