1903 / 158 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Nach Ueberreihung einer Adresse nahmen die hohen Gäste, unter ihnen der Prinz von Wales und andere Mitglieder des Königlichen Hauses, die meisten Minister und sonstige Würdenträger, das Frühstück ein. Der Lordmayor brachte in herzlihen Worten einen Trinkspru<h auf den Präsidenten aus. Loubet erwiderte:

„Ib {ließe mi< gern den Wünschen an, die Sie für das berzlide Einvernehmen zwischen den beiden Völkern zum Ausdru> brahten, von ‘denen jede einen notwendigen Plaß in der Geschichte der Zivilisation einnimmt. Das Gefühl ihrer gemeinsamen íInteressen muß ihnen den Geist der Versöhnlichkeit und des Einvernehmens Met der, wie Sie es richtig bezeichneten, der Sache der Menschheit dienen wird. Die Anwesenheit des Ministers des Auswärtigen der Republik an meiner Seite ist Ihnen ein Unterpfand für den Wert, den die ganze französishe Regierung darauf legt, zwischen unseren beiden Ländern diese glü>klichen Freund- \chaftsbeziehungen zur Gntfaltung zu bringen. Jch erhebe mein Glas zu Ehren des Lordmayors und des Gemeinderats.“

Später stattete der Präsident Loubet bei mehreren Mit- ge der gt s M Familie Besuche ab und kehrte so-

ann na<h York House zurü>, von wo er sich am Abend nah der französishen Botschaft begab, um dort an einem Festmahl teilzunehmen. Der König traf um 71/2 Uhr in der Botschaft ein, wo Allerhöchstderselbe vom Präsidenten Loubet empfangen wurde. Unter den Gästen be- fanden si< der Prinz von Wales, der Premierminister Balfour, der Staatssekretär für die Kolonien Chamberlain, Lord Rosebery, der Herzog von Devonshire, der Staatssekretär des Auswärtigen Amts Lord Lansdowne, der Erste Lord der Admiralität Earl of Selborne, der Staatssekretär des Kriegs- amts Brodri>, Campbell-Bannerman, der deutsche, der amerikanische und der russishe Botschafter. Reden wurden bei dem Festmahl nicht gehalten; der Präsident Loubet trank nur auf das Wohl des Königs und der Königlichen Familie. Man bemerkte, daß Chamberlain si<h* andauernd mit dem Minister Delcassé unterhielt. Der König verließ zuerst die Botschaft, um sh zu der Festvorstellung im Covent Garden-Theater u begeben. Der Präsident Loubet folgte alsbald © nach. [luf den Straßen brachte ihm eine sehr zahlreiche Volksmenge begeisterte Huldigungen dar. Das Theater bot bei der Festvorstellung ein prächtiges Bild. Der E erra war rei<h geshmü>t. Ueberall sah man a France - Rosen, von denen besonders die Logen- brüstungen gänzlih bede>t waren. Die gesamte Aristokratie Englands wohnte der Vorstellung bei. Um 9 Uhx betraten der König und die Königin, der Präsident Loubet und die Mitglieder der Königlichen Familie die Loge, worauf das Orchester die Marseillaise und die englis<he Nationalhymne spielte. Die Minister und Hofwürdenträger nahmen zwei besondere Logen rechts und links von der Königlichen Loge ein. Die Vorstellung endete gegen Mitternaht. Der König und die Königin sowie der E Loubet begaben sih sodann nah dem Bu>ingham-Palast bezw. York House zurü.

Dem Oberhause legte gestern der Sekretär für Schottland Lord Balfour of Burleigh einen Gesezentwurf vor, der die für die Automobile geltenden Bestimmungen abändert. Der Entwurf sieht vor, daß die Wagen eingetragen werden und ein Erkennungs8zeihen tragen müssen, und tellt rüsihtsloses Fahren unter Strafe. Die jetzige Geschwindigkeits renze von zwölf Meilen in der Stunde wird aufgehoben; die Lokalbehörden dürfen sie jedoch in ihrem Bezirk oder in Teilen desselben beibehalten oder ein niedrigeres Tempo festsezen. Die Verlegung der Vorschriften ist mit hohen Strafen bedroht.

Frankreich. Die Pariser Blätter weisen, wie „W. T. B.“ berichtet,

mit Befriedigung darauf hin, daß die Einnahmen aus den indirekten Steuern im Juni den Voranschlag um mehr als 12 Millionen überstiegen und die Gesamtmehr- einnahmen aus den indirekten Steuern in der ersten Hälfte des Jahres 1903 über 44 Millionen betrügen. Dies sei die beste Widerlegung der ungünstigen Gerüchte, welhe die Oppo- sition über die Finanzlage Frankreichs verbreitet habe.

Der Oberst Lajus, der vom kommandierenden General des X. Armeekorps mit 14 Tagen Arrest bestraft worden war, weil er einen Unteroffizier wegen Duldung antiklerikaler Kundgebungen zu Unrecht bestraft haben sollte, und der beim Kriegsminister eine Untersuhung der Angelegenheit beantragt hatte, ist pensioniert worden.

Jtalien. Der Ministerrat prüfte gestern, wie dem „W. T. B.“

zufolge die „Tribuna“ meldet, die Frage, ob die Reise des Königs nah Frankreich infolge der Erkrankung des Papstes aufzuschieben sei. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt, da man sih au<h mit der französishen Regierung würde ins Einvernehmen sehen müssen.

Ueber das Befinden des Papstes um 2 Uhr Nachmittags wurde gestern folgender Bericht veröffentlicht:

„Der an der Brust des Papstes ausgeführte Probestih ergab eine sero-bämatishe Flüssigkeit. Man s<ritt darauf zum rust\ftih (Thorakocentese), dur< welchen etwa 800 g Flüssigkeit entleert wurden. Gine rasche Untersuchung nah der Operation ergab einiges Schleim- rasseln in der zuerst ergriffenen Lungengegend. Der Papît ertrug die Operation gut; seine Stimmung is gehobener, und der allgemeine Zustand scheint etwas gekräftigt; gegenwärtig ruht der Papst

Lapponi. Mayoni.“

Nah dem Abends um 8!/z Uhr ausgegebenen Bulletin hielt das ziemli<h befriedigende Befinden des Papstes an. Mutumlauf und Atmung waren langsam, aber in fort- schreitendecr Besserung begriffen.

Heute vormittag um 9/2 Uhr wurde folgender Kranlkheits- beriht veröffentlicht:

Die Nacht verging ziemli rubig, obshon der Papst keinen er- auidenden Schlaf hatte. Der Puls ist ras<, aber regelmäßig; die Atmung ist nicht so frei wie gestern abend. Der Zustand des Papstes

estattet keine lange Untersuchung, do< kann man feststellen, daß der roze in der Lunge die Neigung hat, fih zu lôsen, und daß bis jeyt die Flüssigkeit im Brustfell sich nicht zu erneuern scheint. Der Zu- stand des erlauchten Greises kann uns indessen nicht beruhigen angesichts des Deprefsionszustandes, der sih von Zeit zu Zeit härter bemerkbar macht. Lapponi. Mayzoni.

Spanien.

Jn der Deputiertenkammer unterzog gestern Moret die auswärtige Politik des Kabinetts einer heftigen Kritik; er wies darauf hin, daß der Präsident der Französischen Republik Loubet nah Algier gegangen sei, ohne Spanien zu berühren, und daß der König von England die Küste der iberischen Halb- Dl ali noadéebung Frankreichs sei ein Scheinaugrisf auf

ng Frankreichs sei ein Scheinangriff au Cartagena gewesen,

Die internationale Zu>kerkommission trat gestern wieder usern und unterzog, wie „W. T. B.“ aus Brüsse berihtet, die Absicht Deutschlands einer Prüfung, Rußland eine Meran ena der Augsgleichs- ólle zu bewilligen, um den nachträglihen Anschluß

ußlands an die Konvention vorzubereiten. Verschiedene Abordnungen haben sih einmötig bereit gezeigt, die Möglich- keit, welche Artikel 4 der Konvention ‘i zu benußen, um die angs festgeseßten Ausgleihszölle eren nen. Die Höhe des Betrags, um den diese Hölle herabgeseßt werden jollen, wird heute beraten werden.

In der Deputiertenkammer wurde gestern die Regierung über den Bau der Eisenbahn von Löwen nah Aachen inter- pelliert. Der Etsenbahnminister erflärte in Beantwortung der

Snterpellation, daß die neue Linie den Weg um 24 Stunden ab- kürzen werde.

___ Türkei.

Die Pforte hat, na< einer Meldung des „Wiener K. K. Telegr.-Korresp.-Bureaus“ aus Konstantinopel, gestern an ihre Botschafter in Wien, St. Petersburg und Paris eine Zirkularnote gesandt, in der sie die Behaup- tungen der bulgarischen Zirkularnote widerlegt und erklärt, daß der Zweck aller bisherigen maßvollen militärishen Vor- kehrungen die Unterdrü>ung des fortdauernden Bandenunwesens sei und die Pforte keine kriegerischen Absichten hege.

Gegenüber neuerlihen Behauptungen der „Agence Télé- graphique Bulgare“, daß die Zusammenziehung türkischer ge- mischter Abteilungen an der bulgarishen Grenze fortdauere, kann, wie das eingangs enannte Bureau weiter berichtet, auf Grund authentisher Erkundigungen fest- gestellt werden, daß sowohl die Nachriht als auch die daran geknüpften Kommentare unzutreffend sind. Die Verstärkung der Grenzbewahung von seiten der Türkei erfolgte shon vor einigen Wochen und zwar in der Stärke von 12 Bataillonen. Schon seit längerer Zeit besteht ein Mißverhältnis bezüglih der Dichtigkeit und Stärke der beiderseitigen Grenzposten. Während türkischer- seits durhschnittlih auf je ?/ km ein Grenzposten kommt, sind solhe auf bulgarischer Seite stets nur in einer Ent- fernung von je 5 km aufgestellt. Da troßdem erwiesener- maßen der Durhbru<h von Banden durch die türkischen Grenzposten öfter erfolgt als dur<h bulgarische, sind neue Verstärkungen türkisher Grenzposten wohl berechtigt. Dies ist aber, wie gesagt, in leßter Zeit nicht erfolgt. Die Haupt- ursache dafür, daß das Passieren türkisher Grenzposten durch Banden leichter zu bewerkstelligen ist, scheint in der wiederholt festgestellten Tatkache zu liegen, daß die türkishen Grenz- truppen beinahe feinen Nachtdienst ausüben. Ferner wird bulgarischerseits behauptet, daß manche untergeordnete t .rkische Postenkommandanten infolge der unregelmäßigen Soldzahlungen, von den Komitatschis bestohen, die Grenzüberschreitung ge- statteten.

Infolge früherer wiederholter Vorstellungen des öster- reichish-ungarishen und des russishen Botschafters gegen die Verwendung von Jlave-Soldaten, die an einigen Orten bei den Hausdurhsuhungen nah Waffen und bei anderen Gelegenheiten Auss{reitungen verübten, hat die Pforte ver- \sprochen, diese zu solchen Zwe>ken nicht mehr zu verwenden, und läßt sie bataillonsweise zusammenziehen. Später erfolgt dann ihre Ersezung dur<h Truppen des Korps Omer Paschas, dessen Mannschaften na<h der Beendigung des Vorgehens gegen die Albanesen verfügbar sein werden.

Nach Mitteilungen der Pforte wurde der Mutessarif von Gorißa im Wilajet Monastir hierher berufen. Die Be- rufung soll mit der beendeten Untersuchung über die Ereignisse in Smerdesch, das im Sandschak Goriya liegt, zusammen- hängen.

Griechenland.

Der Ministerpräsident Theotokis hat dem König die Demission des Kabinetts angeboten. Wie dem „W. T. B.“ aus Athen berichtet wird, erklärte er bei dec Einreihung seiner Demission dem König, daß die Ordnung nur durch strenge Mittel wiederhergestellt werden könne.

Die gestrige Sitzung der Deputiertenkammer verlief sehr bewegt. Ein Deputierter aus Pyrgos teilte eine Depesche mit, welche die dortige Lage als äußerst ernst schildert. Danach sei eine neue Versammlung einberufen worden. Die Regierung erklärte, daß die amtlihen Nachrichten niht beunruhigend lauteten.

Depeschen aus Pyrgos vom gestrigen Tage melden, daß Bauern in die Stadt einziehen, um an einer Protest versammlung gegen die Aufhebung des Korinthen- monovpvols teilzunchmen. Die Gemüter sind sehr erregt. Bewaffnete Bauern und Städter durchziehen die Stadt, schießen in die Luft und veranstalten lärmend Kundgebungen.

Nach einer Meldung des „W. T. B.“ aus Athen vom heutigen Tage hielten bewaffnete Bauern mehrere Eisen- bahnzüge an und wollten auf ihnen nah Athen fahren, um dort Hundaedungen zu Gunsten des Korinthenmonopols zu veranstalten. Als sie an ihrem Vorhaben mit Gewalt ver per pa wurden, zerstörten sie den Eisenbahnkörper an mehreren Stellen.

Bulgarien.

Die Negierung hat, wie das „Wiener K. K. Telegr.- Korresp.-Burcau“ aus Konstantinopel berichtet, der öster- reihish-ungarishen und der russishen Regierun Namenslisien der aus dem türkishen Sandscha Kirkkilise na< Bulgarien Emigrierten überreicht. Danach betrüge * die Zahl über 3000, während sie nach türkischen Angaben höchstens 300 betragen soll.

Amerika.

Aus Evansville (Jundiana) wird dem „W. T. B.“ gemeldet, daß dort Unruhen g Tes sind, die sih gegen die Neger richten. Gestern versuhte der Pöbel, as Gefängnis zu stürmen, um dort befindlihe Neger zu lynhen. Die Angreifer wurden von der Miliz mit dem Gewehrkolben zurü>tgeschlagen, rü>ten aber wieder vor und warfen mit Steinen nah den Soldaten. Es fiel ein Schuß, der den Anlaß zu einem ollgemeinen Schießen gab. Der Pôbel wurde Pat e zurü>geworfen und liey 7 Tote und 14 Verwundete auf dem Playe.

Asien. Die japanische Regierung hat, einer Meldung des eutershen Bureaus“ aus Peking zufolge, offiziell die derung eines Ausgleihs für die am 1. Juli in Silber

gezahlte Rate der Entschädigungssumme unter Zugrunde der Goldbasis. erhoben. : Zug legung Auf die Vorstellungen des Vizekönigs von Liang- Kwang sind der Gouverneur und alle höheren Beamten von Kwangsi wegen Begünstigung des Aufstandes in der Provin von B Zoien enthoben worden. E ach Berichten aus Söul legen die Russen eine Tele. ie von An-tung nah Yangampho- dur dey Yahifluß. Aus Yokohama erfährt das genannte Bureau, für den Fal daß der Premierminister Vicomte Katsura auf seiner emission bestehe, werde der Marquis Jt o, der vorgestern vom Kaiser berufen worden sei, das Kabinett bilden. Die Presse bespreche in scharfen Worten die Verantwortlichkeit, die diejenigen übernommen hätten, die eine Krise gerade in dieser kritishen Zeit herbeigeführt haben.

Statistik und Volkswirtschaft.

Schlachtungen und tuberkulöse Schlachttiere in den ö ; lihen Schlahthöfen Bayerns 1902. ffent

Im neuesten Heft der „Zeitschrift des Königlich bayerischen

Statistischen Bureaus“ sind die Ergebnisse der Berichte der mit der Fleis<beshau in den öffentli<hen Schlachthöfen Bayerns betrauten Tierärzte über die Schlachtungen und über das Vorkommen und die sanitätépolizeilihe Behandlung tuberkulöser Schlachttiere während dez Jahres 1902 und im Durchschnitt der Jahre 1895—1901 veröffentlidht, Danach wurden im Jahre 1902 1576332 Tiere (Ochsen Bullen, Kühe, Jungrinder, Kälber, Schweine, Schafe und Ziegen) egen 1572 699 Stück im Durchschnitt der Jahre 1899—1901 ge- <la<tet. Hiervon waren 1902 91807 (im Durchschnitt d. J, 1895—1901 86 690) Ochsen, 32 674 (31 923) Bullen, 73 380 (64 367 Kühe, 59 722 (50653) Jungrinder, zusammcn 257 583 (233 633 Ninder, ferner 500268 (477 660) Kälber, 693 654 (736 829 Schweine und 134827 (124 577) Schafe und Ziegen.

Von der Gesamtzahl der geschlachteten Tiere waren 1902 92 623 Stü oder 1,4409/9 (im Durchschnitt d. J. 1895 bis 1901 16 207 Stü oder 1,03 9/6) tuberkulös, von denen 16 699 (10 942) bankmäßig freigegeben, 5458 (4811) zur Freibank oder zum Haus RUS bestimmt und 466 (454) als ungenießbar vernichtet wurden. Auf die einzelnen Tiergattungen verteilen sich die tuberkulös befundenen Sc<hlachttiere, wie folgt: Es waren von den geshlahteten Olsen 1902 4656 oder 5,19%/% (im Durchschnitt d. J. 1895 bis 1901 3594 oder 4,1 9/6) tuberfkulös, von den geshlahteten Bullen 1568 oder 4,8 9/ (1079 oder 3,4 9/0), von den geshla<hteten Kühen 9600 oder 13,1 9/% (7650 oder 11,9 9/9), von den geshlahteten Jungrindern 1600 oder 2,7 9% (914 oder 1,8 9/0), von den ges<lahteten Rindem überhaupt also 17 424 oder 6,8 9%/% (13 237 oder 5,7 9/0), von den ges{<lachteten Kälbern 594 oder 0,12 9/6 (278 oder 0,06 9/9), von den ge\{<lahteten Shweinen 4550 oder 0,66 9/6 (2657 oder 0,36 9/0) und E AK ges{<la<hteten Schafen und Ziegen 5% oder. 0,04 9/9 (35 oder

03 9/0).

Auch im Berichtsjahre bat das Verhältnis der tuberkulös befundenen Tiere zur Gesamtzahl der ges<la<hteten Tiere wieder eine Steigerung erfahren. Dieses Verhältnis betru im Durchschnitt der Jahre 1895/1901 1,03 9/6, im Vorjahre 1,27% und berechnet si< für 1902 auf 1,44%. Den größten Unterschied in den einzelnen Zeitabschnitten weisen die Zahlen für die tuberkulösen Ninder auf, bei ihnen hat si< das Verhältnis von 5,7 9/4 im Durd- \chnitt der Jahre 1895/1901 und von 6,3 9% im Vorjahre auf 6,8% im Berichtsjahre erhöht.

íFnnerhalb der Gruppe des Rindviehs weisen wie bisher den größten Prozentsay an tuberkulös befundenen Tieren die Kühe auf, dieser bere<hnet s< im Berichtsjahre auf 13,1% gegenüber 12,8% im Vorjahre und 11,9% im Durchschnitt der Jahre 1895/1901. Von ten Regierungsbezirken hat im Jahre 1902 Oberbayern den geringsten Prozentjay an tuberkulös befundenen Kühen mit 10,3% (im Vorjahre Oberfranken mit 8,29/6); în den übrigen Regierung bezirken beträgt das Verhältnis 10,9, 12,5, 13,6, 14,8, 16,3, 20 (Niederbayern) und 27,3 9/9 (Oberpfalz).

Die Kälber und Schweine zeigen im Berichtéjahre eine Cr böbung des Verhältnisses der tuberkulöjen zu den geschlachteten Tieren sowobl gegen das Vorjahr als auch gegen den Durchschnitt der Jahr 1895/1901; der Prozentsay beträgt nämli<h 1902 bei den Kälber 0,12 gegen 0,11 (1901) bezw. 0,06 (1895/1901) und bei den Schweinen 0,66 gegen 0,57 (1901) bezw. 0,36 (1895/1901).

Bezüglih der Verwendung der nah der S{hlachtung al tuberkulöôs befundenen Tiere weisen die Ergebnisse des Berichtt jabres eine Erhöhung der Verhbältniszahl der als bankmäßig r gegebenen Tiere auf; dieses Verhältnis beträgt im Berichtsjahr 73,8% geaen 71,49% im Vorjahre und 67,5 9/6 im Durchschnitt da Jahre 1895/1901. Das Verhältnis der als ungenießbar Gon der Ver wendung zur Nahrung ausgeschlossenen Tiere betrug im Durchschnill der Jahre 1895/1901 2,8 9/0; im Vorjahre belief es sih auf 2,7% und im Berichtsjahre beträgt es 2,1 9/6.

An Pferden, die oben nicht aufgeführt sind, wurden im Jahr 1902 in den öffentlihen Schlachthöfen 7185 geshlahtet und unt sucht. Hiervon wurden 6, und zwar 3 in Pirmasens, je 1 in Erlang Fürth und Augsburg, als tuberkulös befunden und davon wieder 3 0 in Pirmasens und 1 in Augsburg) als bankmäßig freigegeben, d übrigen als ungenießbar vernichtet. Im Vorjahre wurden von 630 zeschlahteten Pferden 3 als tuberkulös erkannt, wovon eines # banfkmäßig freigegeben wurde, die beiden anderen als ungeni>z von der Verwendung auszuschließen waren. In den Jahren 1595/18 wurden im ganzen 34 567 Pferde geshlachtet, hiervon 16 als tubertulÆ befunden und von diesen 5 als bankmäßig freizegeben, 11 als un# nießbar vernichtet. Die jährliche Durs@nittszahl der angegeben Periode berehnet si für die ges{la<teten Pferde auf 4938, für als tuberfulôs befundenen auf 2,29, für die freigegebenen auf 9 und für die als ungenießbar vernichteten auf 1,57.

Zur Arbeiterbewegung.

Die Arbeitersperre im Hafen von Genua ist beendi Die Lage des Agrarauéstandes in der Provinz Ferrara vershlimzt < dagegen, wie die „Voss. Ztg.“ meldet, zuschends. Die Gn itier verkaufen das von Siallknehten verlassene Vich und füß

Mähmaschinen cin. Die Aufregung wächst.

Literatur.

Die Lage der in der Sees<hlffahrt Arbeiter. 1. Band. Erste Abteiluna: Die wirtschaftli und te<hnishe Entwi>elung der Seeschiffahrt von p Mitte des 19. Jahrhunderts bis auf die Gegenws Von E. Fitger. Mit einer Vorbemerkung von Profesor i E. Fran>e. X1 und 141 S. Zweite Abteilung: Entwidel des Sechandels und seines Re<ts mit besonderer L ihtigung des Arbeitsvertrages (von Professor Dr. Pappenhein Kiel). Die Verhältnisse in den Ems fen (von Navigationtle® Spillmann), in der Secfischerei von Geestemünde (von Hafenm® Duge), in Rosto > und Wismar (von Dr. Aêmus), in Stet und Nachbarhäfen (von Dr. cister), in den west- s ostyreuytiYen Häfen (von Kapitän a. h dit owie in England (von Henry Macrostv) rankrei (von Lóon de Seilhac). 400 S. (Schriften des Bet x Sozialpolitik Band 103, 1. und 2. Abteilung.) Verlag ? n>er u. Humblot, Leipzig. Preis 3 und 8,80 M Die des

beshäftis

rt hat in den leßten Jahrzehnten eine Entwickelung von Secshiffabi ger Bedeutung dur<gemaht. Die Allg im Ver- und die Fortschritte im Schiffsbau haben dazu ebenso beigetragen fehr die Konzentration des Betriebes und die Anhäufung ven Kapitalien f Rhederei. Das Dampfschiff hat das Segelschiff zurü>gedrängt, in dee Stelle des Holzes als Baumaterials find Cisen und Stahl ge- aas die Zahl der Schiffe ist gesunken, aber ihre Größe, Tragfähigkeit h Schnelligkeit sind enorm gea E, demgemäß auch die Zahl der Reisen die Länge der durhmefsenen Stre>en, die Zahl der beförderten assagiere und die Massen der Frachtgüter. Von dem Binnenmeere p r Ostsee ist der Schwerpunkt nah der Nordsee, dem Zugang zum Meltverkehr, verlegt. Hier liegen Hamburg und Bremen, in denen war nur ein Drittel unserer Seeschiffe, aber vier Fünftel des ge- samten Tonnengehalts unserer Handelsflotte beheimatet sind, und jeder dieser beiden Hâfen hat durch große Aktiengesellschaften Flotten ge- schaffen, die in jeder Hinsicht den ersten Nang unter allen Handels- marinen der Welt einnehmen. p den Sozialpolitiker mußte sich angesichts dieser Entwickelung bei dem Mangel an wissenschaft- lien Arbeiten auf diesem Gebiete die Frage aufwerfen, wie diese Veränderungen auf die Zusammenseßung, die Lebens- bedingungen, die Arbeitsverhältnisse der Schiffsbesaßung gewirkt haben, wie ihre Rehtsverhältnisse geordnet find und wie ihre gesamte Lage egenwärtig ist. Der Antwort hierauf ist die wissenschaftliche Unter- u<ung gewidmet, die der Verein für Sozialpolitik in seiner Aus- shußsizung vom b. Januar 1901 zu Berlin beschlossen hat und deren erste Ergebnisse in dem oben genannten 103. Bande seiner Schriften en. / ¿t j vorl allgemeine Einleitung ist der Untersuchung über die Lage der in der Seeschiffahrt beschäftigten Arbeiter die Abhandlung von E, Fitger in Bremen über „die wirtshaftlihe und te<hnishe Ent- widelung der Seeschiffahrt von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart“ vorausgeshidt, welhe die Beränderung des Rahmens, in dem sich die materiellen Verhältnisse der ge- nannten Volksklasse abwi>eln, die wichtiasten Veränderungen } des Schiffes, des Verkehrs, der Betriebs- und Eigentumsverhältnifse, der Nekrutierung der Schiffsmannschaft, der Arbeitsverfassung und der für alle diese Dinge ma gebenden politishen und wirtschaftlichen Bor- bedingungen schildert. er Verfasser weist im ersten Kapitel auf die engherzige Secpolitik der früheren Jahrhunderte in Gngland und Spanien hin, die z- B. fremden Schiffen nur die Produkte des eigenen Undes nah England zu bringen gestattete; Spanien hatte gar den Nerkehr mit seinen Kolonien sih ganz allein vorbehalten. Erft die Losreißung der nortamerikanischen Union vom Mutterlande, des spanischen Amerikas von Spanien machte eine ‘ersprießliche . Gnts wi>elung bezw. ein Neuaufblühen der hanfeatischen Schiffahrt möglich; es vershlug weniger, wenn einzelne Staaten, wie Frankreich und Nußland, no< bis heute der fremden Schiffahrt Hindernisse entgegenstellen. Die Aufhebung der englishenNavigationsakte und der drü>endenZölle im Sund, an der Scheldemündung, bei Stade und Elsfleth, die Gründung des deutschen Zollvereins, die Sicherung des Privateigentums zur See dur den Pariser Kongreß, die allmählih immer rascher zunehmende Entwi>elung der überseeishen Länder und damit auch des Kolonial. handels, die Steigerung der Auétwanderung, die rapide Entwi>elung der Industrie und der Verkehrsmittel, der wachsende Neichtum fowie die Zunahme des Ansehens und der Mathtstellung des Deutschen Reichs trugen ebenfalls zur Entwi>klung der deutschen Seeschiffahrt viel bei; vor allem war dur< die moderne Völkerwanderung nah Amerika die Vorbedingung zu einem völlig ungeahnten Aufschwung des Seeverkebrs und damit der Seeschiffahrt gegeben. Wie winzig sind do< die Mengen der in früheren Jabrhunderten beförderten Güter! 1791 erntete die Union 2 Millionen Pfund Baum- wolle, 18% 4587 Millionen Pfund; der Getreideverkehr st um etwa das Dreißig- bis Vierzigfahe angewachsen. Interessant ist die Geschichte der deutshen Ostseeschiffahrt im 19. Jahr- dundert. Da hatte zunächst der Sieg des Freihandels in England einen enormen Aufs<wung der Segelschiffahrt bewirkt; man brachte deutshes und russishes Getreide und Holz aus den Oftseehäfen nach England. Aber der gesteigerte Eigenbedarf Deutshlands in Ver- bindung mit den Schutzzöllen legte diesen Handel lahm, zugleich er- wusen den hölzernen Segelschiffen in den Dampfern- Hamburgs und Bremens gefährliche Rivalen: die Zahl der Segelschiffe der deutschen Ostseestädte sank von 1873 bis 1900 von 2007 auf 397, ihr Tonnen- gehalt von 434270 auf 38 721. Hamburgs und Bremens Handels- flotte ist dagegen von ca. 550 Schiffen mit 180 000 Tons um das Jahr 1850 auf ca. 360000 Tons im Jahre 1872 und auf 1195 Sciffe mit 1530000 Tons im Jahre 1900 ge- kommen, der Gesamthandel von Hamburg und Bremen în der Einfuhr auf ca. 2L—3, in der Ausfuhr auf 2 Milliarden Mark. In den weiteren Kapiteln berichtet der Verfasser über die im leßten halben Jahrhundert hervorgetretene Umgestaltung des Schiffskörpers und seiner Typen, des Schiffsbauwesens, der Vafeneinrihtungen und der Wasserstraßen für Seeschiffe, über den äußeren Umfang des Schiffs- baues, der Handelsflotte und des Seeverkehrs, endlih über dle ver- shiedenen Kategorien und das gegenseitige Verbältnis der in der deutihen Seeschiffahrt tätigen Unternehmer und Lohnempfänger. Nah dem Rü>kgang der Frachtsätze, welchèr der Erhöhung der Leiftungs- fähigkeit der Seeschiffe und der Abkürzung der Seereisen folgle, ge- währen beute die meisten Staaten den größeren Dampferlinien, die regelmäßige Fahrtverbindungen aufreht erbalten, bedeutende Zuschüsse. Es ist der Stolz der deutichen Dawmpferlinien, daß wenigstens alle ibre amerikanischen Linien bis jet ohne Zuschüsse eine gewaltige Ent- widelung genommen haben, bezüglih des französischen Linien weit binter si< gelassen und mit den englischen um die Palme ringen bezw. sogar diefe zum Teil überwunden haben. erkenêwert ist, daß sih das Rekrutierungsgebiet der seemännischen Bevölkerung stark verschoben hat. No<h vor 30 Jahren erfolgte die Rekrutierung der Handelsmarine ganz überwiegend aus den bâäuer- lichen Kreisen der deutschen Küstenbevölkerung. Heute kommen die meisten Seeleute aus dem Binnenlande: in Bremen wurden i. J. 1900 25 847 Personen angemustert, von denen nur 3096 Bremer, 21961 sonstige Deutsche und 790 Ausländer waren. Die Ursache dieser baten Erscheinung sieht der Verfasser darin, daß in der neuesten Zeit die Industrie reichlicheren Verdienst gebe als die Schiff- fahrt. Tatsächlich ist die Lohnhöhe der Seeleute nah Berehnungen des Kaiserlichen Statistischen Amtes, die der Verfasser anführt, von 1874 bis 1900 nit gestiegen, in cinzelnen Jahren sogar gefallen.

Das leyte Kapitel über die in der deut]hen Seeschiffahrt tätigen |

Unternehmer und Lohnempfänger leitet unmittelbar in das eigentliche Forshungegebiet, die re<htlihen und wirtschaftlichen Verhältnisse der

eeleute, über, die in der zweiten Abteilung des ersten Bandes und in tinem demnächst folgenden weiteren Bande behandelt werden. S hr interessant ist hier zunächst der Beitrag von Professor Dr. Max Papvenbeim in Kiel über „die geschichtliche Entwickelung des Sec- dandels und seines Rechts mit besonderer Berü>ksichtigung des Arbeits- dertrages*. Der Verfasser beginnt mit einer fesselnden Darstellung der Geschichte der Seeschiffahrt im allgemeinen von den ältesten Zeiten an und widmet dann der Seeshiffahrt als Mittel des Erwerbes, der Be-

\hafung der Betriebsmittel, der Bekämpfung der Gefahren, dem | ung und in einem längeren Sc<hlußikapitel |

Rheder und der Sch ifföbesa

dem Heuervertrag geschichtliche Betrachtungen.

Der Heuervertrag unterscheidet sih nah

und dadu unter die der Ge

j P verzleichbare t des

Schiffers tritt. Hierdur

twi>delung des Heuervertrages aus dem ursprünglichen Genofsen- shaftêverbältnisse Se

auf die

wart (deutsche Seemannsordnung) eingehend erörtert,

ebenso die Pflichten und Rechte des Schiffsmanns. Bemerkenswert ift, ! daß neben Accord- und Zeitlobn berei, fh Vi und Zeitheuer) in '

einzelnen umal in der Fischerei, sih die Heueru winnbeteiligung no< bis in die Gegenwart erhalten hat. s Recht des Schifsömanns auf die sogenannte „Führung“, d. h. die Mitnahme don Waren zu Spekulationen für eigene Rechuung, ift in der Gegen- wart fast durchweg beseitigt. Dagegen kommt „noch vielfach cine be-

Schnelloerkehrs die |

] beit 10 enthaltenen Dresdener Künitler

ibm von dem s{li<ten Arbeitövertrage dadurch, | daß der Schiffsmann in die Stiffögemeiaswait aufgenommen wird |! t des

gewinnt dec Vertrag | Verlags-Anstalt. Von dem Sammelwerk

z ebnlichkeit mit dem Gesindevertrag. Es wird die geschichtliche | tf

r an dem Schiffahrtsunternchmen Beteiligten bis | und Bild

sondere Vergütung für die der Ladung gewidmete Tätigkeit (Wind- geld, Kühlgeld usw.) vor. Den Schluß der Abhandlung bilden Aus- ührungen über die Endigung des Heuervertrages und die É irsorge für Schiffsleute. Sie ließt mit den Worten: „In der Geschichte des Heuervertrages \piegeln. sich so die Wandlungen wider, welche im Laufe der Zeit die öffentliche, insonderheit die Staatsgewalt in der Stellungnahme gegenüber dem Arbeitsvertrage überhaupt dur<hgemacht bat. Nur is auf diefem Gebiete niemals das individualistische Prinzip der Vertragsfreiheit zu , der unbeschränkten Gel- tung gelangt, die es im Bereiche “des Vermögensre<ts unter der Mitwirkung entsprehender wirtschaftliher Anschauungen anderweitig zu erlangen vermochte. Um so leichter konnte der moderne Staat hier an die Lösung der Aufgaben herantreten, die ihm dur< E des Schutzes der wirtshaftliß Schwachen in unserer eit gestellt sind.“

ür die weitere Untersuchung der Lage der in der Seeschiffahrt be- s{häftigten Arbeiter ist das deutshe Gebiet in einzelne Abteilungen ge- schieden worden. In dem bisher erschienenen ersten Bande behandelt dev Navigationslehrer Spillmann-Papenburg die Lage der Schiffahrt und der Schifferbevölkerung im Emsbezirk, der Hafenmeister Duge- Geestemünde die Verhältnisse der in der Seefischerei tätigen Arbeiter, der Syndikus Dr. Asmus-Nosto> die Verhältnisse in den me>len- burgischen Häfen NRosto>k-Warnemünde und Wismar, der Syndikus Dr. Meister-Stettin diejenigen in Stettin und den Nachbarhäfea und der Kapitän a. D. Döbler-Danzig die Verhältnisse in den Häfen West- und Ostyreußens. Damit nan für die Beurteilung der Lage der deutschen Seeleute den richtigen Maßstab erhält, werden auch die Verhältnisse in den Hauptschisffahrtsstaaten des Auslands berücksichtigt. So bringt bereits in dem vorliegenden Bande Henry W. Macrosty (London) die Lage der im britischen Kauffahrteidienste beschäftigten Personen und Léon de Seilhac (Paris) die Lage der französischen Handelsflotte und der französischen Seeleute zur Darstellung. Alle diese Abhandlungen, auf die hon an anderer Stelle in Nr. 56 und 60 d. Bl. hingewiesen worden ist, bieten eine Menge von Material über die rehtli<hen und wirtschaftlichen Berhältnisse der Seeleute und werden daher au<h dem Sozialpolitiker großes Interesse abgewinnen.

Jahrbuch der Rhedereien und Schiffswerften. Der Verlag von Fr. Aschè u. Co. in Hamburg hat ein neues, vielseitiges Nachsclagebuch für alle mit der Schiffahrt in Berührung kommenden Kreise in dem „Jahrbuch der Nhedereien und Schiffswerften“ geschaffen, dessen erster Jahrgang 1903 soeben erschien. Der Redakteur des SFahrbuchs, Fab. Landau, hat auf etwa 650 Seiten ein reihhaltiges Material zusammengetragen. Im . ersten Abschnitt gibt er de Daten über Schiffsbestand und Seeverkehr, eine Vebersiht über alle deutshen Heimathäfen von Seeschiffen, das Flaggenrehtsgesez und die Prüfungsvorschriften, Verzeichnisse der PVermessungs- und Registerbehörden, der Seemannsämter und ihrer Vorsitzenden, Personalverzeichnisse der Seeberufsgenossenshaft, Ver- zeihnisse von Konsulaten und Konsuln, der Strandbehörden und der Beamten der großen MNegisterinstitute, Auszüge und Abdrücke von den die Schiffahrt eng berührenden Geseßen. Der zweite, umfang- reiste Teil bringt ein alphabetishes Verzeichnis aller în Deutschland beheimateten Seeschiffe der Handelsmarine, Dampfer und Segler getrennt, bei den Dampfern mit “Angaben über Unterscheidungssignal, die Namen des Schiffes und des Kapitäns, Schiffsgattung, Erbauungsjahr, Material, Chrono- meterzahl, Länge, Breite und Tiefe, Brutto- und Nettotonnage, Maschine und Pferdestärken, Zahl der Besaßung, Erbauer, Rheder und Heimat, bei den Seglern etwas kürzer mit Angaben über Namen des Schiffes und des Kapitäns, Gattung und Bauart, Erbauungsjahr, Material, Chronometerzahl, Zahl der Besaßung, Brutto- und Netto- Tonnage, Rheder und Korrespondenzrheder und Wohnort des Rbeders. Der dritte Teil bildet ein Adreßbuh der Schiffsrbeder (mit den Namen ihrer Schiffe) und der Schiffswerften, Schiff- bauer, Dos 2c. in Deutschland. Bei den Akiienrhedereien sind die Bilanz für 1901, Vorstand und Aufsichtsrat, Tonnage und Verzeichnis der befahrenen Linien und andere Einzelheiten mit aufgenommen. Im vierten Teil sind die Nhedereien und Werften no<mals na< den Orten (vorher na< ihren Namen) alphabetisch furz zusammengestellt. In einem Nachtrag sind noch einige neuere Zablen über Weltflotte und Schiffsverkehr tabellaris< mitgeteilt. Das Ganze ist also unzweifelhaft für weite Kreise ein brauhbares Nach- \{<lagebu<. Die späteren Jahrgänge werden vorauésihtlih zeitiger ersheinen und einzelne kleine Mängel der Redaktion (namentlich die Dru>febler in den Namen) vermeiden können, so daß die Berwendbarkeit des Buches noch erhöht wird.

Friedrih Hebbels Tagebücher Band 1. Herausgegeben von Richard Maria Werner. Berlin, L. Behrs Verlag. Die zweite Abteilung der von R. M. Werner besorgten historisch-kritischen Ausgabe von Hebbels sämtlichen Werken enthalt den ersten Teil der Tagebücher, der die Jahre 1835—1839 umfaßt. Es erübrigt, etwas über den großen Wert dieser Aufzeihnungen Hebbels zu sagen, find die Tagebücher doch anerkannt, niht nur als die vorzüglihste und tiefste Quelle für das Verständnis der sonderbaren und komplizierten Natur des Dichters und das seiner Werke, sondern auch als ein Kunstwerk von einzigem Reiz, kurz als cine selbstbiographishe Aufzeihnung, die vollen Anspruch darauf hat, in der ersten Linie der biographischen Literatur zu steben. Der Herausgeber hat zu sciner Ausgabe bereits die im Besiß des Goethe - Schiller - Archivs in Weimar befindlichen Papiere Hebbels benuyen können, die erst jeßt veröffentlicht werden. Er hat si dazu entschlossen, die Tagebücher unverkürzt ab- zudru>en, und wer die vorliegende Ausgabe mit der früheren vergleicht, wird ibm dafür Dank wissen. Selbst die Willküclichkeiten in Vrtbo- graphie und Schreibung sind beibehalten und nur die unzweifelhaften Ab- fürzungen aufgelöst und offenkundige kleine Textirrtümer beseitigt. Die ausfübrliche Einleitung des Herausgebers gidt ershöpfende Auskunft über die Grundsäye seiner Textbebandlung und die der Datierung. Möge seine dankenswerte Arbeit dazu beitragen, Friedri Hebbel einem etwas erweiterten Kreise näher zu führen, ihn, der „immer und überall derselbe, ein ganzer Mensch, weder Nahhdildner fremder Muster no< Vorbild für andere, auf der Bühne wie im Leben dasteht frei, cinsam, allein.“

—_ Hundert M eister der Gegenwart in farbiger Wieder- gabe. Verlag von E. A. Seemann in Leipzig. (20 Hefte zu 2 Von dieser ih dur< treue Wiedergabe der Vorbilder audzei nenden Sammlung liegen die Hefte 8—10 vor. Sie enthalten Bilder von Slevogt, Kallmorgen, Josef Blo>, O. H. Engel, W. Leistikow, Defregger, FranzStu>, F. von Uhde, A. von Keller K. Küstner, K Banger, Richard Müller, Emilie Mediz, Hermann Prell, G. Müller-Breslau. Die virtuosenhafte Pinselführung Slevozts, das fris Kolorit Leistikows, Stu>s Originalität sind aus den Reproduktionen ebenso gut erkennbar, wie Defreggers Eigentümlichkeit und Richard Müllers peinliche Sauberkeit der Durchführung. Den kurzen, die künstlerishe Per- sönlichkeit der cinzelnea Maler sfkizzierenden Text hat für die im aul Schumann, für die im >eft 9 vereinigten Münchener Friy von ni und für die Berliner Maler (Heft $8) Max Osdorn geschrieden.

Die Tiere der Erde von Dr. W. Marshall, Professor für Zoologie und vergleichende Anatomie an der Universität —- (50 Lieferungen zu je 60 <4.) Stuttgart und Leipzig, Deut

egen die Lieferungen 5 und 6 vor. Sie bringen die Schilderung der dden (Geparde und Hvänen) zum Abschluß, dann werden die de und Wölfe in Wort vorgeführt. Die Zllustrationen sind ausnahmelos nah photographischen Aufnahmen nah dem Leben ellt; die 6. Liefe» rung enthält u a. einen prachtvollen Fatbendru> mit der Darstellung eines afrikanischen Löwenpaares.

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in die Umgegend Berlins, ein ser allen landshaftlih D agenden Punkten. Mit einer großen Uedersichts- farte. 1 M Wer auf Tagesausflägen die Glanwunkte märkischer

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Das Verfahren der Zwangsversteigerung, nah dem Reichsgeseze über die Zwangsversteigerung und Zwangsverwaltung vom 94. März 1897 an einem Rechtsfalle dargestellt. Von Fi\cher. Kart. 1,60 A Berlin, Franz Vahlen.

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Land- und Forsftwirtschaft.

Saatenstand in Rußland.

Der Kaiserliche Konsul in Kiew berichtet unterm 29. y. M.: Fn den Gouvernements Kiew, Podolien und Volhynien hat sich der Saatenstand infolge der fast täglichen, teilweise mit Hagel verbundenen Gewitterregen sehr vers<le<tert. Namentlich die Wintersaaten, die schon schr in die Höhe geschossen waren, sind an vielen Stellen niedergelegt worden und dürften, wenn die regnerische Witterung fortdauert, verfaulen. Ganz besonders hat der Winter- weizen gelitten. Die niedrig gelegenen Gegenden find am \{hwersten betroffen worden. Auch auf die Rübenpflanzungen haben die Nieder- {läge insofern ungünstig eingewirkt, als die Pflanze zu schr in die Blätter \hießt. Die Heuernte ist s{le<t ausgefallen.

Fn den Gouvernements Poltawa, Charkow und Kursk hat ih der Stand der Saaten seit Ende Mai d. I. kaum verändert, Die Sommersaaten stehen gut, haben aber stellenweise dur starke Regengüsse etwas gelitten. Die Rübenfelder befinden ih in aus- gezeichnetem Zustande.

Im Gouvernement Orel baben si<_ die Ernteausfichten für Weizen, Roggen und Hafer infolge zu häufiger starker Niederschläge vers{le<tert. Der Roggen hat sih an vielen Stellen gelegt und wird voraus\ihtli< nur eine Ernte unter dem Mittel ergeben. Weizen stebt besser, aber stellenweise niht diht genug. Der Hafer entwi>elt sich gut, ift aber vielfa< stark mit Unkraut durchseßt.

Die Seidenzucht in Serbien.

Die serbische Seidenzuht weist durhau# befriedigende Resultate auf, wie aus der nachstehenden Uebersicht über die Grnteergebnisse seit dem Iahre 1896 ersichtlich:

Zahl der verteilten Menge der Eier (in Büchsen) von frischen Kokons je 10 g kg E a e e > «A S800 3516 E e H 1 G00 3 687 E e 4 “O 2 705 1899 «e R 9% 700 1200 . 4 L "4 12 733 108 $95 1901 . A ¿s 120 843 1902 E G «O 157 123.

Vom Jahre 1900 4b erfolgte die Verteilung der Eier, die bis dabin vom Staate dewirkt wurde, durch die Konzefsionsinhaber.

Im Iahre 1898 gab es in Serbien 772 885 Maulbeerbäum die gegenwärtig auf 1283456 an sen sind. Bei dieser Anza konnte cine Menge von 300 kg Sier zur iung t werden, also das Doppelte des Jahres 1901. Für 1903 haden die Konzessions- inhaber mehr als 200 kg Tier bereit gestellt,

Die Seidenzuht Serbiens dürfte sh no< weiter piuitia as wideln. Es beschäftigt d mit ihr cine große Anzahl von d- leuten, die niht viel mehr als cine Büchse pon 10 @ Gier zur Zucht übernehmen. Dadur® wird es erklärli, daß die im 1902 gelieferten 18 170 Bü@Shsen unter 15426 ter verteilt werden iten. Die Unze Eier hat dem 157123 kg frishe Kokons betragenden Ernteergednis des verflossenen Jahres 231 kg Kokons ebracht. Y Der Wert der geiamten Ernte beziffert si auf 378 353,35 was cinem De ebel von etwa 2,40 Franken für 1

Kokons entspricht.

Bulletin dos Soies et des Soieries, on.)

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