1882 / 122 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Ministerium der geistliHen, Unterri{hts- und Medizinal-Angelegenheiten.

Der Rechtsanwalt Richter iu Lübbenau ist zum Notar im Bezirk des Kammergerichts mit Anweisung seines Wohn- fißes in Lübbenau, und der Rechtsanwalt Herzog in Quedlinburg zum Notar im Bezirk des Ober-Landesgerichts zu Naumburg a. S. mit Anweisung seines Wohnsißes in Quedlinburg ernannt worden.

Ministerium für Landwirthschaft, Domänen. und Forsten.

Dem Thierarzt Dr. Adolf Ludwig Maria Shmidt zu Mülheim a. d. Ruhr ist die kommissarische Verwaltung der Kreisthierarztstelle des Kreises JZserlohn, unter Anweisung seines Amtswohnsißzes in Fserlohn, übertragen worden.

: Angekommen: Se. Excellenz der Staats-Minister und Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten Dr. Lu- cius aus der Provinz -Hannover.

Pu der heutigen Handelsregister-Beilage wird Nr. 21 der ZBeichenregister-Bekanntmahungen veröffentlicht.

Nichtamlliches. Deutsches Nei.

Preußen. Berlin, 26. Mai. Se. Majestät der Kaiser und König besichtigten gestern in Potsdam, wohin Sich Allerhölstdieselben in Begleitung Sr. Hoheit des Fürsten von Bulgarien begeben hatten, die 1. Garde-Jnfanterie-Brigade, nahmen demnächst auf Schloß Babelsberg die Vorträge des General-Lieutenants von Albedyll und des Oberst-Lieutenants von Brauchitsh entgegen und kehrten um 21/7 Uhr mittels Extrazuges nah Berlin zurück, wo Se. Majestät noch das Atelier des Bildhauers Begas besuchten.

Heute Morgen 10 Uhr hielten Se. Majestät die große exrühjahrs-Parade über die Berliner Garnison auf dem Exerzier- Playe östlih der Tempelhofer Chaussee ab.

Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz wohnte gestern Vormittag der Besichtigung der kombinirten Ersten Garde-JFnfanterie-Brigade auf dem Born- stedter Felde bei.

__ Nachmittags 2 Uhr fand bei Jhren Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten dem Kronprinzen und der Kronprin- zessin ein größeres Diner statt, zu welchem, unter Anderen, die zu den Uebungen des Garde-Corps kommandirten Königlich bayerischen Stabsoffiziere sowie das Offiziercorps des Lehr- Jnfanterie-Bataillons Einladungen erhalten hatteu.

Die diesjährige große Frühjahrsparade - fand heute Vormitiags 10 Uhr vor Sr. Male dena ae und Könige auf dem Jnfanterie-Exerzierplat, östlih der Tempelhofer Chaussee, statt. Außer der Berliner Garnison nahmen an derselben die in Spandau garnisonirenden Truppen- theile und das Kadetten-Corps aus Groß-Lichterfelde Theil. Die Truppen waren im Parade-Anzuge mit Gepäck, die FuUß- truppen in weißen Beinkleidern erschienen und waren so zeitig ausgerüdt, daß sie um 9/, Uhr in das ihnen vom Haupt- mann von Rosenberg-Gruszczynski vom Generalstabe des Garde:Corps bezeihnete Alignement einrücken konnten.

Die Parade befehligte, in Vertretung des erkrankten kommandirenden Generals, General-Obersten von der Kavallerie Prinzen August von Württemberg, Königliche Hoheit, der General der Kavallerie Graf von Brandenburg, General- Adjutant Sr. Majestät des Kaisers und Königs und Com- mandeur der Garde-Kavallerie-Division.

Die Paradeaufstellung zerfiel in 2 Treffen; im ersten die ZJnfanterie, im zweiten die Kavallerie, Artillerie und der Train.

Das erste Treffen kommandirte der General-Lieutenant von Kleist, Commandeur der 1. Garde-Jnfanterie-Division. Auf dem rechten Flügel desselben stand die 2. Garde-Jnfanterie- Brigade, kommandirt vom General-Major von Caprivi, be- stehend aus den Kadetten unter Oberst von Laue, dem 2. Garde-Regiment z. F. unter Oberst von Wißmann, dem Garde-Füsilier-Regiment unter Oberst von Stülpnagel, Flügel-Adjutant Sr. Majestät des Kaisers und Königs, und dem 4, Garde-Regiment z. F. unter Oberst Graf von Roon, Flankirt wurde der Flügel von der Leib-Gendarmerie und den Stäben. Die weitere Aufstellung des ersten Treffens war folgende : 3. Garde-Jnfanterie-Brigade, kom- mandirt vom General-Major von Grolman, bestehend aus dem Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1 unter Oberst von Kaltenborn-Stachau, dem 3. Garde-Grenadier-: Re- giment Königin Elisabeth unter Oberst von Stocken und dem Garde-Schüßen-Bataillon unter Oberst-Lieutenant von Nickisch- Rosenegk ; eine kombinirte Garde-Fnfanterie-Brigade, komman- dirt vom General-Major von Olszewski, bestehend aus dem Kaiser Franz-Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2 unter Oberst von Arnim und dem 3. Garde-Regiment z. F. unter Oberst von Kropff. Den linken Flügel bildete die kombinirte Brigade, kommandirt vom General-Major von Adler, bestehend aus dem 1. Bataillon Garde - Fuß - Artillerie - Regimente unter Major von Kettler, dem Garde- Pionier - Bataillon unter Major von Kleist, dem Eisenbahn-Regiment unter Oberst Golz und der Lehr-Compagnie der Artillerie-Schieß\chule.

Das zweite Treffen befehligte der Commandeur der 2. Garde: Fnfanterie-Division , General-Lieutenant Bronsart

von Sthellendorff.

Den redten Flügel desselben bildete die kombinirte Garde- Kavallerie-Brigade unter dem Kommando des Obersten Grafen von Alten, Y'Agel-Adsutanten Sr. Majestät des Kaisers und Königs, Dieselbe bestand aus dem Garde-Kürassier-Regi- ment unter Oberst von Ostau, dem 1. Garde-Dragoner-Regi- ment unter Oberst-Lieutenant von Brünneck, dem 2. Garde- Ulanen-Regiment unter Oberst-Lieutenant von Scholten und dem 2. Garde - Dragoner - Regiment unter Oberst Prinz Friedrih von Hohenzollern, Durchlaucht. Hieran {loß si die Artillerie und der Train unter dem Commandeur der Garde-Feld-Artillerie-Brigade, Oberst von Körber, bestehend aus dem 1, Garde-Feld-Artillerie-Regiment unter Oberst-

berger.

Allerhöchstwelcher

der Aufstellung mal ausgeführt Compagniefront,

Train in Zügen,

front-Kolonne.

Die Fahnen,

welches heute früh

Opernhause statt.

und K5“4=s soll

Die im

für den Monat

komplex betrachtet, getretene

lichen war.) Die Einnahme d, Die 8 beit

Definitivum

höher und bei

Ba

selben Zeitraume

Angaben: im höher und bei 15

Lieutenant Mauve, genannt von Schmidt, dem 2. Garde-Feld-

men 24 856,52 km

Die Bataillone d

dem Kronprinzen,

Se. Majestät eine Brigade passirt batten, begann die Forma- tion zum Vorbeimarsch. Der Parademarsch wurde zwei-

im Schritt, von der Artillerie in Batteriefront und von dem

beimarsh defilirten die Truppentheile des ersten Treffens in Regimentsko onne, nur das Garde-Schüßen-Bataillon und das 1, Bataillon Garde-Fuß-Artillerie-Regiments in Compagnie- j Hierbei bildeten das Garde-Pionier-Bataillon und das Eisenbahn-Regiment unter Oberst Golz eine Regiments- folonne; das Kadetten-Corps und die Lehr-Compagnie der Artillerie-Schießschule dagegen fielen aus. defilirte in Escadronsfront, die Artillerie in Abtheilungsfront, der Train in Compagniefront, sämmtlih im Trabe.

Regiments â. F, und die Standarten, welche durch eine Escadron des Garde Kürassier-:Regiments vorher aus dem Königlichen Palais abgeholt worden waren, wurden in gleicher Weise nach be- endeter Parade wieder dorthin zurückgebract. theile hatten sowohl beim An- wie au beim Abmarsh Wege östlih und westlich der Friedrichstraße zu benugen; nur die Fahnen-Kompagnie , Gensd’armerie, das Garde-Füsilier-:Regiment, Vataillon Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiments Nr. L die 7. und 8, Batterie des 1. und das 2. Garde-Feld-Artillerie- Regiment passirten die Friedrichstraße 2c.

_Naqh Beendigung der Parade formirten si die Truppen- theile zum Abmarsch und rückten demnächst unter klingendein Spiele in ihre Quartiere ab.

Das 1. Bataillon des Garde-Fuß-Artillerie-Regiments,

kehrte noch heute wieder nah Spandau zurück, während das 4, Garde-Regiment z. F. /

ment Königin Elisabeth erst morgen per Fußmarsch dorthin Sie

eute Nachmittag 3/4 Uhr ist im hiesigen Königlichen Schlosse Paradediner. Die Tafelmusik wird von der Kapelle des 3. Garde-Regiments d. 75. ausgeführt. Anschließend hieran findet Abends eine Militärvorstelung im Königlichen

Auf Allerhöhsten Befehl Sr. Majestät des Kaisers

Trupy,-«1cg9eilen niht wte ursprüngli Palais, sondern unmittelbar nach dem Marmorsaale des Stadtschlosscs zu Potsdam stattfinden.

in Nr. 121 des „Reichs-Anzeiger“ veröffentlichte Uebersicht der Betriebs-Ergebnisse T

welche au {hon im entsprehenden Monate des Vorjahres im Betriebe waren und zur Vergleichung gezogen werden konnten, nachstehende Daten:

: (Die preußischen Staatsbahnen und vom Staate für eigene Rechnung verwalteten Bahnen sind dabei als ein Bahn-

( veränderte den einzelnen Verwaltungsbezirken nicht durhweg zu ermög-

telten Ergebnisse des laufenden Jahres mit dem des Vorjahres: im 29 226,84 km Betriebslänge) bei 35 Bahnen mit zusammen 21958,12km höher und bei 26 Bahnen mit zusammen 7268,72 km niedriger als in demselben Monate das Kilometer BVetricbélänge bei 33 Bahnen mit zusammen 20 631,80km höher und bei 28 Bahnen mit zusammen 8595,04 km (darunter 4 Bahnen mit vermehrter Betriebslänge) niedriger, als in demselben Monate des Vorjahres ; b. beim Vergleiche der provisorisch laufenden Jahres mit den im Vorjahre ermittelten Prov Lori [Gen Angaben: im Ganzen (mit 29 226,84 km etriebslänge), bei 39 Bahnen mit zusammen 23 258,41 km dher i 22 Bahnen mit niedriger, als in demselben Monate des Vorjahres, und auf das Kilometer Betriebslänge bei 37 Bahnen mit zusammen 21 932,09 km höher und bei 24 Bahnen mit zusammen 7294,75 km (darunter 4 Bahnen mit vermehrter Betriebs- länge) geringer, als in demselben Monate des Vorjahres. Die Einnahme aus allen Verkehrëzweigen war vom l. Januar bis Ende April d. J. a, beim Vergleiche der provisoris\ch ermittelten Ergebnisse des lau- [ennen Jahres mit demDefinitivum des Vorjahres m Ganzen (mit 29 226,84 km Betriebslänge), Bahnen mit zusammen

nen mit zusammen 3427,39 km geringer, als in dem-

meter Betriebslänge bei

24 473,13 kw höher und bei 18 Bahnen mit 4753,71 km (darunter 2 Bahnen mit Per Betriebslänge) eringer, als in demselben Zeitraume des f n

ergleiche der provisorischermittelten Ergebnisse mit den im Vorjahre ermittelten provisorischen

triebslänge), bei 46 Bahnen mit anen 26 182,84 km

ringer als in demselben Zeitraume des Vorjahres, und auf das Kilometer Betriebslänge bei 44 Bahnen mit zusam-

Artillerie-Regiment unter Oberst-Lieutenant von Balluseck, der Lehr-Batterie der Artillerie-Schießshule unter Hauptmann von Haeseler, dem Garde-Train-Bataillon unter Ritt:neister von Eiswaldt (für den beurlaubten Commandeur) und dem Brandenburgischen Train-Bataillon Nr. 3 unter Major Steh-

von Sr. Kaiserlichen unt Königlichen Hoheit

n K: Jhren Königlichen Hoheiten dem Prinzen | Friedrih Carl und Albrecht und Sr. Hoheit dem Fürsten von Bul arien begleitet war,

gleichzeitig im Ganzen gemaht und während des Äbreitens

wurden zuerst die Hoaneurs

dann

brigadeweise präsentirt. Sobald

und zwar zuerst von der Jnfanterie in von der Kavallerie in halben Escadrons

gleihfalls im Schritt. Beim zweiten Vor-

Die Kavallerie

welche durch eine Compagnie des 2. Garde-

Die Truppen-

die Standarten-Eecadron, die Leib- das Füsilier-

per Bahn hierher besördert worden war,

und das 3. Garde: Grenadier-Negi-

die Nagelung der den neuforxrmirten ¿erliehénen Fahnen am 27. d. M.

bestimmt im Grottensaale des Neuen Paradedejeuner im

Reichs - Eisenbahn-Amte aufgestellte,

deutscher Eisenbahnen April d. Js. ergiebt für die 61 Bahnen,

weil durch die am 1. April v. Js. ein- Bezirkseintheilung ein Vergleich bei

aus allen Verkehrszweigen war im April Vergleiche der provisorish ermit-

Ganzen (mit

des Vorjahres, und auf

ermittelten Ergebnisse des

zusammen 5968,43 km

bei 45 25 799,45 km höher und bei 16 des Vorjahres, und auf das Kilo- 43 Bahnen mit zusammen

zusammen

orjahres; b, be

Ganzen (mit 2922684 km Be-

Bahnen mit zusammen 3044,00 km ge-

1 es 1. Treffens hatten in Compagniefront- Kolonne, die Lehr-Compagnie der Artillerie-Schießshule in Zugkolonne Ausstellung genommen ; bei der Kavallerie standen die Regimenter in Kolonnen in Escadrons, die Artillerie und der Train dagegen in Linie.

Bei dem Erscheinen Sr. Majestät des Kaisers,

4370,32 km (darunter 2 Bahnen mit vermehrter Betriebs- länge) geringer, als in demselben Zeitraum des Vorjahres. Bei den unter Staatsverwaltung stehenden Privatbahnen, ausscließlich der vom Staate für eigene Rechnung verwalteten Bahnen, betrug Ende April d. J. das gesammte konzessionirte Anlagekapital 1197261 200 M (393 957 900 6 Stammaktien, 44 595 000 4 Prioritäts-Stamm- aktien und 758708 300 M Prioritäts-Obligationen) und die Länge derjenigen Strecken, für welche das Kapital bestimmt ist, 4051,78 km, so daß auf je 1 km 295 490 M entfallen. Bei den unter Privatverwaltung stehenden Privatbahn en betrug Ende April d. J. das gesammte konzessionirte Anlagekapital 1426467 143 M: (576 697 150 / Stammaktien, 207 456 900 M Prioritäts- Stammaktien und 642 313093 6 Prioritäts-Obligationen) und die Länge derjenigen Strecken, für welche dieses Kapi-

tal bestimmt ist, 7260,54 km, fo daß auf je 1 km 196 468 M4 entfallen.

Wird bei ciner öffentlihen Gerihtsverhand- lung von dem an der Thür des Zuhörerraums postirten Unterbeamten einzelnen Personen ohne einen tristigen Grund der Zutritt zu dem Zubörerraum verweigert, fo erscheint nah einem Urtheil des Reihsgerict s, 11. Straf}, vom 21. März d. D dadurch die Oeffentlichkeit der Gerichtsverhandlung nicht beschränkt, es sei denn, daß diese ungerechtfertigte Zurück- weisung mit Vorwissen und Billigung des Kichterkollegiums resp. des Vorsizenden erfolgt ist.

Die Bestimmung des §. 107 des Strafgeseßbuchs, welcher zufolge die Verhinderung eines Deutschen, durch Gewalt oder durch Bedrohung mit einer strafbaren Handlung, in Aus- übung seiner staatsbürgerlihen Rechte zu wählen oder zu stimmen, mit Gefängniß niht unter sechs Monaten bestraft wird, findet nah einem Urtheil des RNeichs8gerichts, I. Strafsenats, vom 21. März d. J., auch auf den Fall An- wendung, in welhem Jemand einen Wähler zu bestimmen sucht, eine bestimmte Person n:cht zu wählen oder zu wählen.

S. M. Kbt. „Hyäne“, 4 Geschüße, Kommdt. Kpt. Lt. Geiseler, traf am 15. Mai cr. in Funchal (Madeira) ein und hat am 17. dess. Mts. die Reise fortgeseßt.

S. M. Kbt. „Albatr oß“, 4 Geshüße, Kommdt. Korv. Kpt. von Pawelsz, ist am 25. Mai cr. von Kie. nach Ply- mouth in See gegangen.

_ Württemberg. Stuttgart, 24. Mai. Der König ist, von Vevey kommend, heute Morgens glücklich wieder hier eingetroffen und hat im Königlichen NResidenzschlosse Wohnung genommen.

__ Vaden. Baden, 24. Mai. Von dem Ober-Bürgermeister Gönner wurde, wie die „Karlsr. Ztg.“ mittheilt, gestern das nachstehende Handschreiben des Großherzogs der Bürger- schaft und Einwohnerschaft der Stadt Baden bekannt gegeben :

Mein lieber Ober-Bürgermeister Gönner!

Ih stehe im Begriffe, die Stadt Baden na siebenmonatlicem Aufenthalte zu verlassen. Das Gefühl der Dankbarkeit führt Mich zu Ihnen, als dem Vertreter der Bürgerschaft und Einwohnerschaft dieser Mir so werthen Stadt.

Si der langen Leidenszeit, die Ich hier zugebracht babe, wurden Mir so viele Beweise treuer und liebevoller Theilnahme aus allen Kreisen der Einwohnerschaft gewidmet, daß es Mich drängt, Meine innigste Dankbarkeit dafür öffentli kundzugeben.

ch ersuce Sie, der Vermittler Meiner Dankgefühle den vielen Menschen „gegenüber sein zu wollen, die Mir in der langen Zeit Gee Prüfung ein so wohlthuendes, warmes Mitgefühl bethätigt aben.

Die Erinnerung an diese Zeit wird Mir durch die bewährte Theilnahme stets theuer bleiben.

__Ich hege die treuesten Wünsche sür das Wohlergehen und Auf- blüben der Stadt Baden, welche recht bald wieder aufzusucen Mir um fo willkommener lein wird, als diese herrlihe Gegend mit ihrer stärkenden Luft Meine Genesung wesentlih gefördert hat.

Ich ersuche Sie, lieber Herr Ober-Bürg rmeister, den Ein- wohnern der Stadt Baden in den wärmsten Ausdrücken kund zu geben, wie dankbar Ich für die wohlthuenden Beweise der Theil- nahme bin, welhe Mir in den hier verlebten Monaten fo reilich entgegengebraht worden sind.

S({loß Baden, den 23. Mai 1882.

Friedrich.

Badenweiler, 23. Mai. (Schwäb. M) Sor eben trafen, nah einem prachtvollen Vormittag, leider unter strömendem Gewitterregen, der Großherzog und die Großh erzogin hier ein und stiegen in dem bescheidenen, aber inmitten des Schloßgartens und im Angesichte der Burg- ruine reizend gelegenen Scchlößchen ab. Ein offizieller Empfang war von dem Fürsten, der in dem stillen, an- muthigen Schwarzwaldbade Erholung sucht, verbeten worden.

Meekleuburg- Schwerin, Schwerin, 25. - Mai. (Meckl. Anz.) Der Großherzog ist nach einem hier einge- gangenen Telegramm wohlbehalten in Palermo angelangt ; die Taufe des neugeborenen Sohnes des Erbgro ßherzogs wird am 26. d. M., Nahmittags um 4 Uhr, stattfinden.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 25, Mai. (O. T. BJ Das Abgeordnetenhaus nahm einstimmig das heute ein- gebrachte Geseh an, wodurch die österreichishe Gesellschaft des Rothen Kreuzes zur Aufnahme eines Lotterie-Anlehens von 6 Millionen Gulden ermächtigt wird. O Mah Die amtlihe „Wiener Zeitung“ veröffent- liht ein Handschreiben des Kaisers an den Grafen Beust, durch welches dessen Bitte um Enthebung von dem Botschasterposten in Paris und Verseßung in den Ruhestand genehmigt wird. Gleichzeitig wird dem Grafen in den \{hmeichelhaftesten Ausdrücken für die hervorragenden Dienste, welche er dem Kaiser, dem Kaiserlichen Hause und dem Staate geleistet, die vollste Anerkennung und der Dank des Kaisers ausgesprochen.

Pest, 256. Mai. (W. T. B.) Das Unterhaus beendete heute die Generaldebatte über die Bedeckung des Pazifikationskredits.

Großbritannien und Jrland. London, 25, Mai. (W. T. B.) Jm Unterhause richtete Burke heute an den Unter-Staatssekretär Dilke die Frage: ob dieser noch ver- sichern könne, daß die von England und Frank reich ver- einbarte Politik in Betreff Egyptens die Zustimmung der Großmächte und der Pforte haben werde, ob die Entsen- dung der Flottenabtheilung nah Alexandrien von den Groß-

. mächten und der Pforte gebilligt werde ; ob Frankreich die Ent-

sendung türkisher Truppen nah Egypten beanstandet habe und

höher und bei 17 Bahnen mit zusammen

aus welhen Gründen? Dilke erwiderte: er würde die An- frage Bourke's als Vertreter der auswärtigen Politik der

licher

Knaresborough mit 736 Wählern.

vorigen Regierung gern vollständig beantwortev, aber die Beantwortung der zweiten und dritten Frage sei mit dem Staatsinteresse unverträglich. Fn Betreff der ersten Frage er- fläre er, daß beide Regierungen fortfahren zu glauben, daß die von ihnen für zukünftige Eventualität vereinbarte Politik die Zustimmung der Großmächte und der Pforte erhalten werde. Auf eine Anfrage von Northcote ant- wortete Gladstone: das Haus werde sich morgen his Donnerstag vertagen. Zu der sodann fort- geseßten Debatte über die irishe Zwangsbill nahm Par- nell das Wort und erklärte, die gestrige Rede Dillons sei mißverstanden worden. Es sei niht die Absicht Dillons gewesen, die Anwendung illegaler Gewalt bis zur Regelung er Bodenfrage zu empfehlen. Parnell erklärte, ex hetrahte die Regelung der Pachtrücktstandsfrage als wichtig im Jnteresse des Friedens in Jrland und bedauere, daß die Regierung nicht dabei stehen geblieben sei, denn er fürhte die Zwangsbill werde den geheimen Gesellschasten in die Hände arbeiten. Parnell beschwor die Regierung, von der Zwangsbill noch abzustehen und die Thür der Ver- söhnung mit der großen Masse des irischen Volkes nicht zu \hließen. Das Haus lehnte im Verlaufe der Sißung den Antrag Cowens, welcher sich gegen die Beschränkung des freien Ausdrucks der öffentlihen Meinung in Jrland richtet, mit 344 gegen 47 Stimmen ab und begann sodann die Spezialdebatte über die Zwangsbill, welche schließlich auf morgen vertagt wurde. (Allg. Corr.) Dem Parlament ist ein Blau- buch vorgelegt worden, welhes den Nachweis sämmt- Wahlkreise des Vereinigten Königreichs enthält, nebst Angabe der Zahl der, als zur Aus- übung des Wahlrechtes bei Parlamentswahlen berechtigt, in die Wahllisten eingetragenen Steuerzahler. Daraus ergiebt sich, daß die Gesammtzahl der Grafschafts- oder länd- lichen Wähler in England 878 269, in Wales 69 989, in Schottland 98444 und in Jrland 166294 Stimnt- berechtigte beträgt, während die Gesammtzahl der Wähler in den städtischen Wahlbezirken (Boroughs) in England auf 1559447, in Wales auf 69926, in Stottland auf 204365 und in Jrland auf 57981 angegeben is. Die größte grafschaftlihe Wahlkörpershafst in England ist Middlesex mit 34 982 stimmberechtigten Wählern, welchem der südwestliche Bezirk von Lancashire mit 28 201 stimmberechtigten Wählern , der südwestliche Bezirk derselben Provinz mit 27 305 und der füdwestlihe Bezirk von York mit 26 932 stimm- berehtigten Wählern folgt. Der kleinste Wahlkreis ist Rutland mit nur 1778 Wählern. Der größte städtishe Wahlbezirk in England ist Birmingham mit 64 051 stimmberechtigten Wählern. Diesem folgen Liverpool mit 62 039, Manchester mit 53 042, Leeds mit 50 449 und Lambeth (südöstlih London) mit 50 292 Wählern. Der kleinste städtishe Wahlkreis is Marlborough mit nur 662 Wählern und der diesem zunächst kommende Im Ganzen giebt es in England 23 städtische Wahlkreise, welche ein jeder weniger als 1000 Wähler zählen. Fn Jrland ist tie größte Wahlkörperschast die Stadt mit dem Landkreise Cork, 14949 Wähler zählend, und der kleinste, South, mit 1982 Wählern. Der größte städtische Wahlkreis ift Belfast mit 21 805 Wählern und der kleinste, Portarlington, mit nur 141 Stimmberechtigten. Fn Schottland ist die größte grafschaftlihe Wahlkörperschaft Nord- Sanark mit 10 736 Wählern und die kleinste Sutherland mit blos 336 Wählern. Der größte städtishe Wahlkreis ist Glasgow mit 60313 Wählern und der kleinste Wigtown mit 1390. Die Gesammtzahl aller Wähler (städtisher und länd- licher) ist 2591 402 in England und Wales, 315121 in Schottland und 228 278 in Jrland, oder 3134801 für das ganze vereinigte Königreich.

Frankreich. (W. T. B.) Aus Oran, wird unter dem 25. Vai gemeldet: Die feindlichen Tribus haben sici in Folge Mangels an Lebensmitteln nach Südwesten zurück gezogen. Vou Amema soll 150 km westlich von Figuig lagern, Si Sliman sich nach Tafilalet zurückgezogen haben.

Türkei. Konstantinopel, 26. Mai. (W. T. B.) Die Botschafter Marquis de Noagilles und Lord Dufferin ließen der Pforte als Antwort auf deren Rund- \chreiben vom 17. d. eine identishe Mittheilung zugehen, in welcher es heißt, England und Frankreich hätten nicht die Absicht gehabt, die Rechte des Sultans durch cine mili- tärische Expedition nah Egypten zu mißachten. Wenn es nöthig werden sollte, an die souveräne Autorität zu rekurriren, so werde man sich an die Pforte wenden. Bisher seien jedo die Rechte des Sultans nicht in Frage gestellt und demnach auch eine Jntervention der Pforte nicht nöthig gewesen. Vorkommendenfalls werde die Pforte zur Mitwirkung aufgefordert werden. England und Frankreich hoffen damit das in dem Rundschreiben vom 17. d. angedeutete Mißverständniß zu beseitigen. Die Pforte hat dem Barrère’schen Antrage zugestimmt, unter der Be- dingung, daß die Vollmachten der Donaukommission verlängert werden und der Delegirte Bulgariens durch Vermittelung der Pforte ernannt wird. Die aus Egypten verbannten 42 t\herkessishen Offiziere sind hier eingetroffen. Die- selben werden in den Kafsernen internirt, wo sie ihrem Range gemäß behandelt werden.

Afrika. Egypten. Kairo, 25, Mai. (W. T. B.) Die diplomatischen Agenten Frankreihs und En g- lands haben dem Conseil-Präsidenten ein Ultimatum überreiht, in welchem 1) die zeitweilige Entfernung Arabi Beys unter Beibehaltung seines Ranges und seiner Einkünste, 2) die Entsendung Ali's und Abdallahs nach dem Jnnern ebenfalls unter Beibehal‘ung ihres Ranges und ihrer Ein- künfte, und 3) die Entlassung des gegenwärtigen Ministeriums verlangt werden. Jn der Note heißt es ferner, daß England und Frankreih die Erfüllung dieser Forderungen, wenn es nöthig werden sollte, durchseßen würden. Bei ihrer Jnter- vention hätten England und Frankreih als Zweck nur die Aufrechterhaltung des status quo und die Wiederherstellung der dem Khedive zustehenden Autorität im Auge, ohne welche der status quo bedroht sei. Die Jntervention habe in keiner Weise den Charakter einer Rahe. Die Mächte würden daher die Gewährung einer allgemeinen Amnestie zu erlangen suchen und über die firenge Ausführung derselben wachen.

Zeitungsstimmen.

Das „Kleine Journal“ schreibt über die Noth der Gemeinden: :

Seit Jahren ist es eine allgemeine Klage, daß bei dem jetzigen .Steuersy stem die L emeinden ihren Verpflichtungen nit mehr na-

kommen können. Die Erfordernisse an dieselben steigen von Jahr zu Jahr, immer größer werden die Ausgaben, aber in demselben Grade vermehren si die Einnabmen nit, denn da die Gemeinden fast auësch{ließlich auf direkte Steuern angewiesen sind, so ist die Steuer- \cchraube mcistentbeils {hon bis an die äußersten Grenzen angezogen und können die Steuern {werlich noch mehr erhöht werden.

Diese Nothlage is} allgemein anerkannt, sie is in vielen Ge- meinden tief empfunden und oft genug {on sind darüber Klagen erboben, daß sie nit in der Lage find, den gesteigerten Bedürfnissen gegenüber Abhülfe zu thun.

Noch im Jahre 1878 erkannte dies einer der Führer der National- liberalen, Miquel, an, er wollte die Hand zur Durchführung einer Steuerreform bieten, um die Gemeinden zu entlasten und ihre Finanz- verhältnisse zu verbessern. Im Winter 1878 bis 79 waren die Führer der Nationalliberalen gleichfalls bereit, die Hand zur Durchführung einer solchen Reform zu bieten. Selbst der fortschrittlibe Abgeordnete Hänel konnte sich der drängenden Nothlage nicht entziehen und bot daher ebenfalls seine Hand zu einer Steuerreform. . . . Auch Hr. von Stauffenbera, jeßt Remer der Sezessionisten, nahm keinen Anstand anzuerkennen, daß die

ommunen die stetig wacsenden Lasten niht mehr zu ertragen ver- möchten und daß eine Abhülfe nur durch die Zuweisung aus den Er- trägen der indirekten Steuern bewirkt werden fönne.

Um fo auffallender ist es, daß jeßt mit einem Male jede Reform bekämpft wird und die Majorität im Reichstag nihts mehr von einer Erhöhung der indirekten Steuern wissen will, weil sie {ih zu dem Grundsatze bekennt: Und siche da, es ist alles gut! Hat doch Hr. von Benda, ein Führer der Nationalliberalen, \ich in der Tabackmonopol-Kommission dahin geäußert, „er könne ebenso wenig wie der Vertreter der Fortschrittspartei einen finan- ziellen Nothstand anerkennen, trete ein solcer in Kriegszeiten ein, dann würde er allenfalls bereit sein, einen so tiefen Schnitt, wie ihn das Monopol bedinge, in unsere Erwerbsverhältnisse zu machen.“ :

Man weiß wirklich niht, was man zu einem solchen Urtheil sagen foll. Kriegêverhältnisse sind doch wahrlih am wenigsten dazu geeignet, um in denselben Steuerreformen in Scene zu seßen, namentlich wenn die Situation eine ungünstige ist. Es ist auch eine vollsländig verkehrte Auffassung, wenn man erst damit warten will, die Zustände zu bessern, wenn eine Kriegs- noth vorliegt. Nein, die gegenwärtige Situation fordert eine umfassende tiefgreifende Reform und eine energische Durh- führung des indirekten Steuersystems, denn das direkte Steuersystem ist bis an die äußerste Grenze angestrengt und kann nicht mehr erhöht werden. Es liegen uns darüber genaue statistische Daten vor, welche von dem früheren Regierungs-Präsidenten von Oppeln zusammen- gestellt worden sind. Es ist natürlich nicht möglich, an dieser Stelle das reiche Material dieser Schrift zu verarbeiten, aber wir wollen nur auf cinzelne Daten verweisen.

In der Stadt Flensburg betragen die Kommunallasten 400 °/6 der Einkommensteuer und sämmtliche Personalsteuern 15 °%/0 des Jahreseinkommens, in Crefeld 410 % und 15,3 °/9 der Einnahme, in Bochum findet dieselbe Höhe statt, in Viersen 420%, und 15,6 %/ der Einnahme, in Mülheim a. d. Ruhr 425 und 15,75 9%, in Gleiwiß 430 und 15,9, in Altona 450 und 16,5, in Barmen 460 und 16,8, in Iserlohn, Rheydt und Merscheid 470 und 17,1, in Duisburg 500 und 18,0, in Hagen 510 und 18,3, in Gladbach 520 und 18,6, in Stolberg bei Aachen 540 und 19,2, in Solingen 550 und 19,5, in Remscheid und Staßfurt 560 und 19,8, in Witten 589 und 20,4, in Hörde 590 und 20,7, in Oberhausen und Königshütte 600 und 21,0, in Ottensen 630 und 21,9 und Dorp 640 und 22,2, j

In vielen Gemeinden Oberschlesiens, welches doch wegen seiner sehr traurigen wirthschaftlichen Verhältnisse bekannt ist, steigen die direkten Personalsteuern bis zu 45%/9 des angegebenen Einkommens.

Wir sollten meinen, diese mitgetheilten Zahlen sollten allein

{on genügen, um die unerträglichen Zustände unseres Steuerwesens hinlänglich zu illustriren. Die Erhebung der. direkten Steuern nimmt nachgerade in vielen Gemeinden den Charakter der Konfiskation der Einnahme an. Dabei kann man doch gewiß nit sagen, daß unsere Gemeindeverwaltungen bereits auf der Höhe ihrer Pflichterfüllung tehen. ! Anderen Ländern “wie Frankreih gegenüber “sind - wir noch in vielen Beziehungen sehr weit zurück. Dort sind alle, auch die kleinsten Orte mit vorzüglichen chaussirten Vicinalwegen verbunden, dort find an allen Wegen eiserne Wegweiser aufgestellt, welche Nachts beleuchtet werden, dort hat jeder Ort, auch das kleinste Dorf ein großes massives Haus für die Bedürfnisse der Mairie, dort sind in allen Orten \{Göne geräumige Schulhäuser und stattlichhe Kirden, dort hat jeder Ort seine öffentlichen Wasch- häuser, alle Straßen in den Orten, selbs in den kleinsten Dörfern find chaussirt oder gepflastert, in vielen Städten sind öffentliche Markthallen und Schlachthäuser und dennoch trotz dieser glänzenden Leistungen werden in Frankreih lange nicht so hohe direkte Steuern wie in Deutschland erhoben. i

Blicken wir dagegen auf unsere Gemeinden, so müssen wir leider bekennen, daß wir noch in unendlich vielen Dingen weit zurück sind, daß es noch zahllose \{lechte und grundlose Wege giebt, daß das Straßenpflaster in vielen Städten sehr viel zu wünschen übrig läßt, daß die Schulhäuser in vielen Orten sehr unzweckmäßig, die Rath- häuser in vielen Städten \{lecht gebaut sind, und auf dem Lande solcbe noch gar nit existiren, daß wenige Städte in Deutschland Scthlacht- häuser und Markthallen haben und öffentlibe Waschhäuser sowie unentgeltlihe Badeanstalten beinahe noch gar nicht existiren, für Hospitäler und Krankenhäuser noch viel zu wenig geschehen ist... Schon dies allein bewegt uns dazu, für eine Erhöhung der indirekten Steuern uns auszusprehen. Andererseits aber zwingt die Nothlage der Gemeinden, die Ueberbürdung mit direïten Steuern zu der Ver- stärkung der indirekten Steuern. :

Alles was man dagegen einzuwenden hat, sind nur formelle, niemals aber materielle Gründe. Der Nothstand und das Bedürfniß besteht, dur Erhöhung der direkten Steuern kann es nit beseitigt werden, es bleibt also nichts anderes übrig, als jenen einzig möglichen Weg zu beschreiten. Auch ist der Einwand, daß dur Dotation der Ge- meinden aus der Staatskasse die Unabhängigkeit derselben gefährdet sei, durchaus unzutreffend. Haben doch auch jeßt die Provinzialverbände solde Dotationen erhalten, ohne daß ihr konstitutionelles Bestim- mungsrecht dadurch vermindert ift, vielmehr ist ihr Wirkungskreis erst dadurch gewachsen. Die Staatsregierung kann gewiß nicht daran denken, die Verwaltung aller Gemeinden und der Schulen zu über- nehmen, es würde der Staatsorganiêmus dadur zu {werfällig und zu umfangreich werden; also vor einer angemessenen Dotation der Gemeinden und Kreise aus Staatsmitteln, um ihre Lasten zu er- leihtern, s{recken wir durchaus nit zurück, ihre Selbständigkeit würde dadurch nicht gefährdet, wohl aber ihr Nothstand beseitigt.

Der „Deutschen Reihs-Post“ giebt die in dem jüngst ershienenen Hefte der „Statistik des Deutschen Reiches“ aufgestellte Uebersicht der Hauptergebnisse der Waaren-:Ein- und -Ausfuhr für das Jahr 1881 Anlaß zu folgender Be- trahtung: e

Taback und Tabackfabrikate erbraten an Zoll 19,4 Millionen Mark; legen wir dazu den Ertrag der Steuer auf im Inlande erzeugten Tabak pro 1881 mit ca. 7,6 Millionen, dann ergiebt a als Gesammteinnahme des Reiches aus dem ertragfähigsten Steuerobjekt die bescheidene Summe von 27 Millionen Mark, fomit eine steuerlibe Belastung von 60 H pro Kopf der Bevölkerung, welche im laufenden Jahre, nadem nunmehr der volle Betrag der durch das Tabadsteuergeseß vom Jahre 1879 festgestellten Steuer mit 45 \ pro 100 kg zur Geltung gelangt ist, sih auf etwa 68 «4 pro Kopf erhöhen wird. Es würde gewiß eine ebenso hübsche wie interessante Zusammenstellung abgeben, wenn man dieser staatlichen Besteuerung diejenige entgegenhalten könnte, welcer der Tabackonsument zu Gunsten des Händlers, des Fa- brikanten und des Zwischenhändlers freiwillig oder ge-

zwungen, wie man will s\ich unterwirft. Hier sollte nur gezeigt werden, wie weit die gewaltigen Summen, mit denen

man, um die jest {on genügenden Steuererträge des Reiches aus den Taback nachzuweisen, bei jeder Gelegenheit um \ich wirft, von der Wahrheit entfernt sind.

Dem „Schwäbischen Merkur“ wird aus Elsaß- Lothringen, 21. Mai, geschrieben :

Wenn noch Zweifel über die Gründe beständen, warum die reisländishen Reichétagsabgeordneten sich auf die Seite der Gegner des Monopols stellten, so wären dieselben endgültig durch die Aus- führungen beseitigt, welche der „Erpreß" dieser Tage veröffentlichte. Einer der Abgeordneten machte nämlich den Versuch, die elsaß - lothringishe Vertretung im Reichstage gegen den Vorwurf zu vertheidigen, daß sie sich in dieser Angelegenheit in Gegensaß zu der ausgesprochenen Ansicht ihrer Wähler geseßt habe. Die wirths{haftlihen und finanziellen Vortheile der Vorlage, heißt es in vem Artikel, müssen vollkommen anerkannt werden. Wenn gleihwohl die reihsländishen Abgeordneten das Wort zur Vertheidigung des Monopols nicht ergriffen haben, so seien sie im leßten Augenblicke durch politische Bedenken davon abgehalten worden. Als Vertreter eines annektirten Landes und außerhalb des allgemeinen Rechtes stehend, sci es ihnen niht möglich gewesen, cinen Geseßentwurf zu vertheidigen, welcher die persönliche und diskretionäre Gewalt zu befestigen geeignet sei. Damit liegt also klar zu Tage, daß nichts weniger als sachliche, sondern aus\{ließlich politische Gründe bei unseren Abgeordneten aus\{laggebend waren, mit an- deren Worten, daß sie gegen das Monopol stimmten, ledig- lid weil dieses eine Stärkung des Reiches bedeutet, wäh- rend ihnen daran liegt, leßterem möglihst viel Schwierig- keiten in den Weg zu legen und es dadur zu s{chwächen. Dieser grundsäßlihen Oppositicn haben die Abgeordneten des MReichs- landes die Interessen der zunächst betheiligten Tabackpflanzer nach- geseßt. Aus Vorstekendem geht wohl zur Genüge hervor, wie \{lecht berathen Diejenigen find, welbe auf die Haltung unserer Abgeordneten mit dem Hinweise Gewicht legen, daß dieselben in der Praxis die Mißstände des Monopols zu französischen Zeiten kennen zu lernen Gelegenheit hatten und daß hierin die Ursache ihrer Gegnerschaft zu suchen fei.

In der „Cölnischen Ztg.“ lesen wir:

- Laut den von Herrfurth und v. d. Brincken nach den besten amtlichen Quellen verfaßten Beiträgen zur Finanzstatistik der Ge- meinden beliefen sich während des Jahres 1880—81 im ganzen preußi- \{hen Staate die Korporationsabgaben (für Schul-, Kircben-, Armen-, Kreis- und Provinzialzwecke) dur{scnittlich pro Kopf der Bevölkerung auf 7,83 X, in 109 Städten auf mehr als 12, in 45 auf mehr als 15, in 8 sogar auf mehr als 20 auf den Kopf der Bevölkerung, und zwar: in Frankfurt a. M. auf 26,25, in Ruhrort 24,50, Cöln 23,10, Wattenscheid Reg.-B. Arnsberg 22,40, Itehoe 20,87, Berlin 20,46, Bonn 20,04, Wiesbaden 20,01 M.

Statistische Nachrichten.

Nach Mittheilung des Statistishen Bureaus der Stadt Berlin sind bei den hiesigen Standesämtern in der Woche vom 14, Mai bis inkl. 20. Mai cr. zur Anmeldung gekommen : 196 Cheschließyngen, 784 Lebendgeborene, 35 Todtgeborene, 522 Sterbefälle. h

Dem bereits erwähnten „Generalberiht über das Medizinal- und Sanitätswesen der Stadt Berlin in den Jahren 1879 und 1880“ entnehmen wir weiter noch folgende Mittheilungen über die sanität8polizeilihen Maßnahmen bezüglih des Ver- kehrs mit Nahrungs- und Genußmitteln. Vor Emanation des Gesetzes, betreffend den Verkehr mit Nahrungsmitteln, Genuß- mitteln und Gebrauch8gegenständen vom 14. Mai 1879 fand cine andauernde Ueberwachung dieses Verkehrs nur statt in Beziehung auf das Fleisch und die Milch, im Uebrigen beschränkte sich das Polizei- Präsidium auf eine \trenge Beaufsichtigung des Verkehrs auf den öffentlihen Märkten und auf genauere Feststellung aller Fälle, in denen über die angebliche Verfälshung oder gesundheitswidrige Be- shaffenheit von Nahrungs- und Genußmitteln Beschwerden angebracht wurden, Die Ueberwachung wurde durch besondere Markt-Polizei-Be- amte ausgeführt, wie es noch bis heute geschieht, als Sacverständige wurden für die animalishen Nahrungsmittel die Polizei-Thierärzte, für andere Nahrungsmittel event. die Bezirks-Physiker herangezogen. Nach dem Erlasse des Geseßes vom 14. Mai 1879 sind von dem Polizei-Präsidium die erforderlichen Maßnahmen zur Durchführung einer umfassenden Nahrungs3mittelkontrole in Berlin _getroffen worden. Der vereidigte Chemiker Dr. Bischoff, welcher schon seit einigen Jahren die chemischen Arbeiten für das Polizei-Präsidium ausgeführt hatte, erweiterte sein Laboratorium und richtete sich auf cine umfassende Thätigkeit ein. Dem Leiter der Marktpolizei wurde die Entnahme der Nahrungsmittelproben und deren Uebermittelung an Dr. Bischoff, sowie der ganze von der Erekutivpolizci sonst zu be- forgende Theil der Kontrole des Nahrungsmittelverkehrs übertragen. Unter seiner Leitung steht eine aus einem Wachtmeister und einem Schußmann bestehende Kommission, welche an zwei Tagen jeder Woche den ihnen jedeëmal zugewiesenen Stadttheil begehen und aus den daselbst belegenen Verkaufsgeschäften und auc auf Wochen- märkten Proben derjenigen Nahrungs- und Genußmittel entnehmen, welche ihnen jedesmal bezeichnet werden. Bei der Probeentnahme werden den Händlern Empfangsbescheinigungen ausgehändigt, welcbe nah günstigem Ausfall der chemischen Untersubung dur baare Be- zahlung ausgelöst werden, Sämmtliche entnommene Proben werden sodann in ein Journal eingetragen und mit Abschrift der Eintragung an Dr. Bischoff abgeliefert. Ergiebt die chemische Untersuchung, daf Lebensmittel verfälsht oder verdorben sind, so wird von Dr. Bischoff über jeden Fall Separatberiht an die I. Abtheilung des Polizei- Präsidiums erstattet. Hier wind geprüft, ob nah dem Ergebnisse der chbemischen Untersuhung eine Verleßung des Geseßes vom 14. Mai 1879 vorliegt, und die -Sahe unter Beifügung der An- kauf8anzeige und des corpus delicti, weldes bei der chemischen Untersuchung nie ganz verbraucbt, sondern mit dem Berichte zurückgereiht werden muß, der Könialiben Staatsanwaltschaft zur weiteren Veranlassung mit Beziehung auf den betreffenden Paragraphen des Geseßes vom 14. Mai 1879 zugestellt. Was die Art der zur Untersuchung gelangenden Gegenstände betrifft, so bat das Poslizei- Präsidium vorläufig geglaubt, eine gewisse Beschränkung obwalten lassen zu müssen. Es schien einstweilen nit zweckmäßig, sagt der Bericht, die Kontrole auf soldbe Gegenstände auszudehnen, betreffs deren zu befürchten stand, daß der Begriff der Verfälschung bei der gerichtlichen Verhandlung streitig werden könnte, weil es sonst leiht geschehen könnte, daß viele Arbeit und beträchtlibe Kosten ohne allen Erfolg aufgewendet würden. Im letzten Quartale 1879 sind untersucht worden: Mehl in 209 Fällen, Brod in 73, Butter 159, Zucker 94, Kaffee (gemahlen) 13, Zimmt 22, Pfeffer 21. Es erwuchsen aus den Untersubungen an Kosten 1) für Behälter 20,50 4; 2) für den Aukauf und Fuhrkosten der Beamten 45,66 4A; 3) für die chemische Untersuhung 1612,20 &, in Summa 1678,66 4 Die Art und Zabl der im Jahre 1880 untersuhten Lebenêmittelproben war: 1) Mehl 378, an die Staatsanwaltschaft wurden abgegeben 2 Fälle ; 2) Brod 306; 3) Gries 2; 4) Butter 698, an die Staatsanwalt- {haft abgegeben 6 Fälle; 5) Kaffee ?4, an die Staatsanwaltschaft abgegeben 2; 6) Cicorien und Kaffec-Surrogat 172; 7) Thee 150, an die Staatsanwaltschaft abgegeben 2; 8) Selterwasser 336; 9) Himbeersaft 367, davon an die Staatsanwaltschaft abgegeben 21 ; 10) Pflaumenmus 6; 11) Mostrich 138; 12) Pfeffer 196, davon an die Staatsanwaltschaft abgegeben 4; 13) Cassia 266, davon an die Staatsanwaltsbaft abgegeben 16; 14) Macisblütbhe 136, davon an die Staatsanwaltschaft abgegeben 12; 15) Piment 36, davon an die Staatsanwaltschaft 1; 16) Gewürznelken 1; 17) Citronenöl 3, davon an die Staatsanwalt- {aft abgegeben 1. Zusammen wurden darnaw im Jahre 1880 3285 Lebensmittelproben untersubt, von welchen 67 an die Staats-

anwaltscaft abgegeben wurden, Außerdem wurden bei der Staats- anwaltshaft in Folge von Privatdenunciationen noch 4 Anträge ge-

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