1882 / 130 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Jhre Majestät die Kaiserin und Königin empfing gestern in Baden den Besu< Jhrer Königlichen oheit der Erbprinzessin von Thurn und Taris sowi: Sr. Dobeit des Prinzen Hermann von Sachsen-Weimar.

Ueber das Befinden Sr. Königlichen Hoheit ade fa rinzen Carl ist heute folgendes “Bulletin ausgegeben worden :

Se. Königliche Hoheit der Prinz Carl von Preußen hat frei von Schmerzen mit Unterbrehungen geschlafen. Fieber ist nicht vorhanden. Kräftezustand befriedigend, einiger Appetit.

Cassel, 6. Juni früh.

von Langenbe>. Valentini. Ro>wiß. Krause.

In der heutigen (12.) Sißung des Reichstages, welcher die Staats-Minister Bitter und von Boetticher, mehrere Bevollmächtigte zum Bundesrath nebst Kommissarien desselben beiwohnten, machte der Präsident dem Hause zunähst die Mittheilung, daß der Freiherr von Dw (Landshut) sein Mandat niedergelegt habe. Von dem Reichskanzler sei ein Sceiben eingegangen, in welchem Aufklärung über die im Ja- nuar d. J. erfolgte Verhaftung des Abg. Dieß gegeben werde. Der Präsident gab sodann folgende Erklärung ab:

Bevorzwir in die Tagesordnung treten, verfehle ich nicht, dem hohen Hause davon Mittheilung zu machen, daß der Gesammt- vorstand des Reichstags den an ihn ergangenen inladungen des Bundesraths der Schweiz und der Munizipalität Mailands zur Feier der Eröffnung der Gotthardbahn in den Tagen vom 21.— 25. vorigen Monats fast vollzählig gefolgt ist. Jn äußerst zuvorkommender und freundlicher Weise ist derselbe begrüßt und aufgenommen worden, sowobl von dem Bundesrath und den Be- hörden der Schweiz, wie von der Stadt Mailand und deren Vertretung, von dem dort anwesenden Vertreter des Königlichen Hauses, dem Herzog von Aosta, von der Verwaltung der Gotthardbahn und von den an dem Feste betheiligten Mitgliedern der Volksvertretung der Schweiz und FJtaliens, endli<h von der Bevölke- rung auf beiden Seiten der Alpen. Der Gesammtvorstand des Reichstags hat Gelegenheit gehabt, ni<t nur Kenntniß zu nehmen von der Großartigkeit des ausgeführten Eisenbahnbaues und von seiner gelungenen Ausführung, sondern auch davon, daß die Be- theiligung des Deutschen Reichs an dem Eisenbahnbau in der Schweiz und Italien dankbar anerkannt wird und daß das Deutsche Reih, der deutsche Reichstag und der deutsche Name diesseits und jenseits der Alpen überall herzliche Sympathie findet. Als ein Zeichen dieser Sympathie werden die Herren Kollegen es betrachten, daß für eine Hin- und Her- fahrt auf der Gotthardbahn, gültig für das ganze Jahr, eine Fahr- karte ihnen zur Verfügung gestellt ist. Wir dürfen uns der Hoff- nung hingeben, daß der neue internationale Verkehrsweg unserem Vaterland zum Nutzen gereihen wird, und nit allein auf dem Gebiet der nationalen Interessen.

Bei Schluß des Blattes trat das Haus in die zweite Be- rathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die Ab- änderung des Zolltarifgeseßes vom 15. Juli 1879.

Der Kaufmann N. zu N, hatte an der linken Seite des Eingangs zu seinem Laden die Jnschrift : „Cigarren-, Taba>-, Weinhandlung, Rum- und Liqueurfabrik en detail“ und auf der rechten Seite die Jnschrift: „Kolonial-, Droguen-, Farben-, Parfümerien- und aaren en gros“ angebra<ht, und war durch ortspolizeiliche Verfügung vom 9. Juli 1881 angehalten worden, das Worl1 „Apothekerwaaren“ zu beseitigen, da die Jnschristen geeignet seien, bei dem Publikum die Annahme hervorzurufen, daß er Jnhaber einer Apothekenkonzession und berechtigt sei, mit Apothekerwaaren, gleih einem konzessionirten Apotheker, Handel zu treiben.

Im Beschwerdewege ist der 2c. N. mit dem Antrage auf Aufhebung dieser Verfügung dur die Bescheide des Land- raths des Kreises N. vom 26. September und des Regierungs- Präsidenten zu N. vom 23. November v. «F. abgewiesen worden.

,_ Auch das Ober-Verwaltungsgericht hat in seiner Sißung vom 19. April d. J. die Klage des 2c. N. zurü>- gewiesen und dies wie folgt motivirt :

Daß der Kläger berechtigt ist, gewisse Heilmittel gleih den konzessionirten Apothekern im Kleinhandel zu vertreiben, unterliegt nah der Verordnung, betreffend den Verkehr mit Arzneimitteln, vom 4. Januar 1875 keinem Zweifel, Allein hieraus folgt no< nicht die Gesetzwidrigkeit des ange- fohtenen Bescheides. Denn abgesehen davon , daß die Firmenschilder des Klägers dem erwähnten Rechtszustande insofern nicht entsprechen, als sie Apothekerwaaren en detail ohne Einschränkung anbieten , stellt der Beklagte weiter thatsählih fest, daß dieselben geeignet sind, das Publikum über den Unterschied, der zwishen der Gewerbe- befugniß des Klägers und der zum Apothekenbetriebe konzes- sionirten Apotheker besteht, zu täuschen und diejenige Gefährdung Des Publikums zu befördern, welcher die auf den Apotheken- betrieb bezügliche öffentliche Ordnung vorbeugen foll. Diese thatsächliche Feststellung unterliegt nicht der freien Beurtheilung des unterzeichneten Gerichtshofes im Verwaltungsstreitverfahren ; dieselbe kann au< nicht dur<h den Hinweis darauf widerlegt werden, daß „Apothekerwaaren“ die Ueberseßung des dem ge- wöhnlichen Publikum unverständlihen Wortes „Droguen“ fei. Denn nit hierauf kommt es an, sondern auf die Bedeutung, welche thatsächli<h vom Publikum mit den Worten verbunden wird, und in dieser Hinsicht ist es unzweifelhaft zutreffend, Laß vielfah der Unterschied zwischen Droguenhandlung und konzessionirten Apotheken in jene Worte hineingetragen wird.

Auf Grund jener thatsächlichen Feststellung erscheint aber die Polizeibehörde allerdings gemäß 8. 10, Titel 17, Theil 11, u Semen Landrechts berechtigt, wie geschehen einzu-

reiten.

Werden Mobilien aufeinemzurSubhastation gestellten Grundstüd>e, welche ihrer Natur nah Perti- nenzien des Grundstü>s bilden, thatsählih aber dem Sub- hastaten niht eigenthümlich gehören, mit diesem Grundstücke versteigert, unter ausdrüd>licher Bekanntgebung des von dem Eigenthümer der Mobilien angemeldeten Eigenthumsêrechts Seitens des Subhastationsrichters an die Bieter, so hat nah einem Erkenntniß des Reichsgerichts, 1, Civilsenats, vom 11. Februar d. J., der Eigenthümer der mitversteigerten Mo- bilien ein Recht auf Erfiattun des Werthes der Mobilien aus den Kaufgeldern des subhastirten Grundstü>es. Verab- säumt der Eigenthümer der Mobilien, im Kaufgelderbelegungs- termin zu erscheinen und seinen Anspruch an den Kaufgeldern geltend zu madhen, L kann er sodann gegen den resp. die Gläubiger, welche in Folge dessen Befriedigung aus den Kauf-

geldern erlangt haben, seinen Ersaßanspru< im Klagewege geltend machen.

Die Bevollmächtigten zum Bundesrath, Königlich

S. M. S. „Nymphe“, 9 Geshüße, Kommandant Korvettenkapitän Dietert, ist am 2. Juni cr. in Carlscrona eingetroffen und am 5. des. Mts. nah Neufahrwasser in See

egangen.

E S. M. Kbt. „Moeve“/, 5 Geshüßze, Kommandant Kor- vettenfapitän von Ky>busch, befand sih am 5. d. M. laut Tele- gramm in Sydney.

Oesterreih-Ungarn. Wien, 5. Juni. (W. T. W.) Dem „Fremdenblatt“ zufolge legte der bisherige Sektionschef von Kallay als Reihs-Finanz-Minister den Eid in die Hände des Kaisers ab. ,

6. Juni. (W. T. B.) Die „Wie er Zeitung“ ver- öffentlicht die Ernennung von Kallay's zum gemeinsamen Finanz-Minister, sowie ferner ein Handschreiben des Kaisers an den bisherigen Reichs-Finanz-Minister von Szlavy, in welchem derselbe seine volle Anerkennung für die von ihm geleisteten Dienste ausspriht und ihm das Großkreuz des St. Stefans-Ordens verleiht.

Pest, 5. Juni. (W. T. B.) Jm Unterhause be- antragte Helfy heute, dem Beileid des Hauses über den großen Verlust, welchen Jtalien und die Menschheit dur< den Tod Garibaldi's erlitten, protokollaris<h Ausdru> zu geben. Der Antrag wurde einstimmig angenommen,

Großbritannien und Jrland. London, 3. Zuni. (Allg. Corr.) Jn Jrland ist diese Woche ruhig vorübergegangen. Michael Davitt macht eine Rundreise in den westlihen Hoch- landsdistrikten, wo die meisten Exmissionen stattgefunden haben und wo großes Elend herrschen soll, denn zwischen Carrovon und Clifden soll das Land fast gänzli<h entvölkert sein. Agenten suchen die obdahlos gewordenen Leute zur Auswande- rung zu bewegen, zu der sih dieselben jedoh nur sehr ungern verstehen wollen, indem die meisten früher Ausgewanderten nach Städten in den westlihen Theilen der Union zogen, wo zu ihrer Aufnahme und Weiterbeförderuug nicht die geringsten Vor- kehrungen getroffen worden waren. Davitt, der ih binnen Kurzem nah Amerika begeben wird, da das Geld dort lang- samer zu fließen anfängt, hat Parnell einen kurzen Bericht über seine Reise erstattet, den er später zu ergänzen verspricht. Die Urheber des Dramas im Phönixpark sind no< immer nicht entde>t. Der neue Vizekönig drüte dieser Tage einer Deputation gegenüber die Hoffnung aus, daß die Nuhe im Lande bald soweit hergestellt sein werde, daß er die no<h die im Gefängniß befindlichen „Verdächtigen““ freilassen könne. Mittlerweile ist {hon Thomas Brennan, der frühere Sekretär der Landliga, am Freitag be- dingungslos in Freiheit geseßt worden. Ueber Limeri> ist am Mittwoh der Belagerungszustand ver- hängt worden. Baron Fißgerald, ein hervorragender irischer Richter, hat erklärt, er werde, sobald die neue Zwangsbill Ge- seßeskraft erhalten habe, sein Amt niederlegen, da er es nicht mit seinem Gewissen in Uebereinstimmung bringen könne, die Obliegenheiten zu erfüllen, welche dieses Zwangsgeseß den irischen Richtern auferlege, d. h. Verbrechen ohne Zuziehung von Geschworenen abzuurtheilen. Der irische Ober- ri<ter Baron Pallas beklagte anläßlih der am Freitag er- folgten Eröffnung det #äbliner Assisen, daß: die Zahl der unentbe>ten Verbrechen und Vergehen in Jrland über 70 pCt. betrage, ein Umstand, der zu ernstem Nachdenken zwinge.

5. Zuni. (W. T. B.) Jn der heutigen Unterhau s- sibung erklärte der Unter-Staatssekretär Dilke: die Nach- rit, daß Lord Dufferin telegraphish mitgetheilt habe, die Ver- tagung der Botshafterkonferenz in Konstantinopel sei wünschenswerth, entbehre jeder Begründung. Im wei- teren Verlaufe der Sißung theilte der Untex - Staatssekretär Dilke mit: die Antwort Frankreichs bezüglich der Frage wegen der Veröffentlihung weiterer Egypten betreffender Schriftstücke sei günstig, aber noch nicht endgültig. Frankreih mache Vorbehalte, welche erwogen werden müßten. Die dem Khedive seiner Zeit überreichte Er- klärung Englands und Frankreichs sei kein Ultimatum : solches sende nur ein Souverän dem anderen. Die Regierung trete von ihrer früheren Erklärung hinsichtlich ihrer Politik in Egypten nit Jura: Die Pforte habe die Konferenz nicht abgelehnt und überhaupt noch nit geantwortet, Uebrigens könne eventuell die Konferenz anderwärts als in Konstantinopel abgehal- ten werden. Was die Errichtung von Erdwerken in Alexandrien angehe, so habe die Negierung mit dem Generalfonsul Malet und dem Admiral Seymour event. Maßregeln vereinbart. Der Sultan habe außerdem auf das Strengste die Einstellung der Errichtung solher Erdwerke an- befohlen und Arabi Pascha angewiesen, die Armirung der Erd- werke und alle kriegerishen Vorbereitungen in Alexandrien zu unterlassen. Das Haus scdte hierauf die Einzelberathung der irischen Zwangsbill fort, nahm den Artikel 1 mit 227 gegen 39 Stimmen, den Artikel 2 ohne besondere Ab- stimmung _ an und vertagte si<h alsdann auf heute.

Zm Oberhause erklärte der Staatssekretär des Aeußern, Lord Granville, auf eine Anfrage des Marquis von Salisbury: obwohl der Sultan die Konferenz für unnöthig erachte, sei doch bis jeßt keine Ablehnung derselben Seitens der Pforte erfolgt.

Die „Times“ bringt einen Artikel, in welchem sie empfiehlt, England solle in den internationalen Unter- handlungen Gia Un Egyptens die Führung übernehmen, weil die dortigen Fnteressen Englands größer seien als die irgend eines anderen Staates.

_Frankreih. Paris, 3. Juni. (Fr. C.) Jm heutigen Ministerrath hat der Siege bewahrer Humbert einen Gesetentwurf vorgelegt, dur< welhen der Art. 1965 des Code civil, betreffend den Einwand des Spiels bei Börsen- geshäften, aufgehoben wird und die Börsenschlüsse auf Zeit für rehtsverbindli<h erklärt werden. Von dem Conseil genehmigt, wird dieser Geseßentwurf in der nächstea Sihung der Kammer eingebra<ht werden.

6, Juni, (W. T. B.) Jn der Deputirten- kammer gelangte heute der Geseßentwurf, betreffend die Be- willigung eines Kredits von 14 Mill. Frcs, zur Bestreitung der Kosten für die tunesishe Expedition im zweiten Halbjahre d. Y: zur Vertheilung.

Die katholischen Journale veröffentlihen die von den Erzbischöfen gegen die Anträge verschiedener Deputir- ten, betreffend die Modifikation der Beziehungen zwischen

bayerischer Ministerial-Rath Kastner und Ober-Regierungs- Rath Herrmann sind in Berlin wieder eingetroffen.

taat und Kirche gerichteten Ra Jn denselben

im Einvernehmen mit den Bischöfen oder, wenn nothwendig in Gemeinschaft mit dem Papste. E

Italien. Rom, 5. Juni. (W. T. B.) Der Tag der Feuerbestattung der Leihe Garibaldi's is noh niht offiziell festgeseßt. Die Vertreter der Regierung, des Senates, der Kammer und der Stadt Rom werden voraus- sichtli<h morgen nah Caprera abreisen. Der Maire von Rom hat um den Degen Garibaldi's gebeten, um denselben auf dem Kapitol aufzubewahren.

6. Juni. (W. T. B.) Die amtliche Zeitung meldet, daß Se. Königliche Hoheit der Prinz Wil: helm von Preußen Se. Majestät den König Hum- bert zur Uebernahme einer Pathenstelle bei seinem neu- geborenen Sohne eingeladen und daß der König die Ein- ladung zu der am 11. Juni stattfindenden Taufe ange- nommen hat.

Der Pap empfing gestern die Großfürstin Wla- dimir und deren Bruder.

Türkei. Konstantinopel, 5. Juni. (W. T. Y; Das Reutershe Bureau meldet: Die Pforte versandte gestern eine Cirkularnote, in welcher sie das Konferenz- projekt ablehnt.

6. Juni. (W. T. B.) Entgegen früheren Mitthei- lungen wird wiederholt konstatirt, daß Server Pascha nicht als Kommissar nah Egypten gehen werde.

_ Serbien. Belgrad, 5. Juni. (W.T. B.) Die Mit- glieder der radikalen Partei der Skupschhtina wurden heute Nachmittag in einer dreistündigen Audienz vom König fehr wohlwollend empfangen. Man hofft allgemein, daß die Radikalen, welchen einige kleine Konzessignen gemacht werden, nunmehr die Arbeiten der Skupschtina nicht mehr

hemmen werden. Morgen findet wahrscheinlih die erste Sizung statt. , l

Nußland und Polen. St. Petersburg, 6. Juni. (W. T. B.) Das „Journal de St. Pétersbourg“ schreibt: Die Nachricht, daß Lord Dufferin telegraphirt habe, die Dispositionen des Sultans ließen es nüßlich erscheinen, die Konferenz zu vertagen, sei wenig exakt. Man könne niht wohl von einer Vertagung sprechen, da noch kein Termin für den Zusammentritt der Konferenz fest- geseht gewesen sei. Die Frage bleibe voll und ganz bestehen. Aus gewichtigen Gründen der internationalen Politik sei es wünschenswerth, den status quo in Egypten aufrehtzuer- halten. Wenn die Anwesenheit der Kommissäre die Rebellen wieder zur Ruhe bringen werde, so bleibe noh übrig, über die Maßregeln zur Verhütung einer Wieder- kehr ähnlicher Vorgänge zu berathen. Auch müsse, wenn die internationale Stellung Ezyptens besser definirt werden solle, diese Definition dem europäishen Konzert vorbe- halten bleiben. Hinsihtlih des Projekts Barrère be- merkt dasselbe Blatt: das Projekt würde nur angenommen werden, wenn es einstimmig von den Delegirten bei der Donaukommission gebilligt werde, und nur unter der ausdrü>- lichen Becingung, daß die Verlängerung der Vollmachten der europäishen Kommission der Entscheidung der * Kabinete vor- behalten bliebe. Jm entgegengeseßten Falle hätten sich die Mächte über weitere Schritte zu verständigen.

“Russische Kaufleute in Moskau haben eine Petition an den Finanz-Minister gerichtet, in welcher sie um Erhöhung des Jmportzolls für Kammwollwaaren behufs Hebung der rusfishen Schafszucht ersuchen.

Dänemark. Kopenhagen, 2. Juni. (Hamb. C.) Admiral Krieger wird, begleitet von dem Kapitän der Marine Paulsen, si< übermorgen nach Stockholm begeben, um dem s{<wedis<h-norwegischen Königspaare die Glü>wünsche der dänishen Marine zu deren silberner Hochzeit zu überbringen. König Oscar ist bekanntlich Admiral in der dänischen Flotte.

Afrika. Egypten. Kairo, 5. Juni. (W. T. B.) Das RNeutersche Bureau meldet: Jn Folge Protestes der englischen Regierung gegen die militärishen Vorber eitungen in Egypten telegraphirte derS ul tan an den Khedive: er möge Arabi Pascha veranlassen, daß diese Vorbereitungen, insbesondere die Arbeiten an den Befestigungen von Alexandrien, einge- stellt werden. Arabi Pascha hat darauf erwidert : es seien nur nothwendige Vorbereitungen, die er ausführe, um die durch die drohende Haltung der Flotte ausgeregte eingeborene Bevölkerung zu beruhigen. Jn jedem Falle aber gehorche er den Befehlen des Sultans und werde die Arbeiten einstellen,

Wie demselben Bureau aus Alexandrien weiter gemeldet wird, ist dort die Ansicht verbreitet, daß die Befehle des Sultans, die Fortifikationsarbeiten einzustellen, zu spät eintreffen würden, da der Bau der Erdwerke und die Armi- rung des Hafens mit Batterien beendet erschienen.

Zeitungsftimmen.

„Das „Centralblatt für die Textilindustrie“ veröffentlicht einen Auszug aus dem Bericht der Handels- und Gewerbekammer in Stuttgart über die Lage der Textilindustrie t Bezirks im vorigen Jahre, dem wir Folgendes ent- nehmen : am Betriebsjahr 1881 haben vorherrshend die Baumwoll- spinnereien (die es zwar nicht zugeben wollen) einen eri Lees Auf- \{<wung genommen, wie dies aus den veröffentlichten e<nungen er- sichtlich ist. Spinner konnten nit nur flott verkaufen, sondern er- hielten au lohnende Preise. Die Erwartungen, welche ihrerseits an hohe Schußzölle geknüpft wurden, sind vollkommen zugetroffen und werden, wenn die Webereien au in bunten Artikeln wieder besseren Absatz haben, sfi< immer mehr realisiren Baumwollindustrie. Baumwollwaarenhandel. Das Berichts jahr hatte cinen normalen Geschäftsgang und {loß mit annähernd gleichen Preisen für Garne und Tücher, wie es begonnen hatte.

Na einer „Neihe von Jahren giebt das verflossene für die Baumwollindustrie endlih wieder ein erfreulicheres Bild: wenn au die Verdienste im Vergleich zu dem großen elan das auf derartigen industriellen Anlagen ruht, no< nit im Verhältniß stehen, so bietet do der erzielte kleine Erfolg eine no< zur re<ten Zeit eingetretene Ermuthigung für den Fabrikanten! Am Schluß des Jahres waren alle diéponiblen Webstühle im Betrieb und de>ten \sih Produktion und Konsum.

Baumwollspinnerei und Weberei, Die Besserung der Lage un- serer Industrie, sagt ein Bericht der württ. Baumwollspinnerei und Weberei in Eßlingen, hat im verflossenen Jahre weitere Fort- schritte gemat, und zwar sind die Verhältnisse besonders für die Weberei günstigere geworden, die unter dem Dru> der leßten Jahre am meisten gelitten hatte. Der Anstoß zu dieser Besserung ist haupt-

S eißt es: Wenn die Geseße unvollkommen sind, muß man der egierung die Sorge überlassen, sie zu wodifiziren, entweder

sälid von der Dru>kerei ausgegangen, deren vermehrte Nachfrage na< Tüchern die Preise im günstigen Sinne beeinflußt hat.

Die neuen Zollverhältnisse haben für unsere Industrie die gün- stigsten Rü>kwirkungen gezeigt, theils direkt dur< Beschränkung der übermäßigen ausländishen Konkurrenz, theils indirekt dur< Vermeh- rung der Arbeitsangelegenheit im Inland, und damit die Konsum- fähigkeit für unsere Artikel“ .. i : : :

Schafwollindustrie. Die Tuchfabrik Eßlingen theilt uns mit: Ein Aufs<wung der Geschäfte machte sih au in unserer Branche bemerfklid, welher hauptsächli<h als eine Wirkung der vor wenigen Fahren geschaffenen Zollgeseßgebung bezeichnet werden darf. Imvort englisher Waare hat in den meisten Tuchhandlungen bedeutend abge- nommen. Er beschränkt sih hauptsächlih nur noch auf die ganz hoch- feine, theure Waare, welche wegen ihres hohen Werthes, durch den verhältnißmäßig darauf fallenden niedrigen ZoUsaß weniger berührt us Leinenweberei. Der Umsay des Berichtsjahrs übertraf den von 1880. Manche Artikel crfuhren durch die Landesgewerbe- Ausstellung

einen lebhafteren Absaß. Eine weitere Hebung desselben wurde Ende

vorigen Jahres von dem Ernteergebniß erwartet, „wie überhaupt \i< diese Branche eine dauernde Besserung nur von einer Reihe ergiebiger

Ernten verspriht. Die Wäschekonfektion ging ret befriedigend.

Die Preise der Rohstoffe wurden einerseits dur<h gute Flahs- ernte, andererseits dur< Abnahme des Konsums, mehr no< durch die Konkurrenz der Baumwollengewebe herabgedrückt. Dazu kam no, daß die neuen Zölle die Cinfuhr fremder Leinenfabrikate bedeutend reduzirten und um soviel den Absaß der deutschen vermehrten; ohne den erhöhten Zoll würde die mächtige österreihishe und irische Kon- furrenz; den Absatz sehr beeinträchtigen

Die „Schlesische Zeitung“ dru>t den in Nr. 128 des „Reichs-Anz.“ mitgetheilten Artikel der „St. Pet. Zta.“ ab und leitet denselben, wie folgt, ein: :

Unsere innere Entwickelung ist offenbar in einer Krisis begriffen. :Die Auffassung vom Berufe des Staates ist in weiten Kreisen eine andere geworden, als sie der seit cinem Menschenalter [and- läufige Liberalismus bisher vertreten hat. Während dieser in seiner kosmopolitishen Tendenz die Wirksamkeit des Staates auf das denkbar geringste Maß zu reduziren suchte und alles von ciner möglichst s<rankenlosen Freiheit des Individuums erwartete, stellt die sh neuerdings siegreich durchdringende Idee vom nationalen Staate dem großen Gemeinwesen die höchsten sittlichen Aufgaben; sie fordert darum mit logisher Konsequenz die freiwillige Ünter- ordnung der individuellen Jntkeressen unter „die Interessen der Ge- \sammtheit. Das sind Gegensäße, wie fie nih<t schärfer gedacht wer- ‘den können. Daß die Vertreter der alten Schule, die Liberalen xar ¿Eoy/ÿv, den Kampf auf Leben und Tod führen, daß sie auch das Mittel niht _ vers<hmähen, alles als Reaktion, als Cáäsarismus, als Staatskommuni?mus zu brandmarken, was auf Verwirklichung einer neuen höheren Idee vom Staate hin- ausläuft, darf uns ni<t wundernehmen ; erbleiht do< mit jedem Schritte, der auf diesem Wege vorwärts gethan wird, ein neuer Stern in dem Sirahlenkranze, welcher in den Augen einer noch immer blind und gedankenlos auf Alles, was „liberal“ heißt, {wö- renden großen Menge ihre Häupter umgiebt. Wohl aber darf es be- fremden, daß der gesunde Kern unseres Volkes nah Allem, was sich in den beiden leßten Decennien in Deutschland und dur< Deutsch- land auf der Weltbühne vollzogen hat, gegen diesen Kultus, den das liberale Philisterthum no< immer mit den Trägern eines Üüberlebten Staats- und Freiheitsbegriffes treibt, ni<ht mächtiger reagirt. A

Es ist durchaus begreiflid, daß es bei den Agitationsmitteln, über welche die Opposition verfügt, mit Leichtigkeit gelingt, die Reform- pläne der Regierung durch eine Kritik, welche ftets nur untergeordnetes Detail erfaßt, den großen Zielen aber jede gere<hte Würdigung versagt, in breiten Schichten des Volkes zu diskreditiren ; hier handelt es sih um Bestrebungen, für welche si der großen Mehrheit ein volles Verständniß noch nicht ers<lossen hat und über welche nur der Eingeweihte sich ein Urtheil zu bilden vermag. Daß aber das wüste Geschrei über Reaktion sich heute no< immer in gleiher Weise wirksam erweist wie im großen Jahre 1848 und in den Zeiten des Konfliktes, ist doch ein sehr trauriges Zeugniß für die politishe Reife der großen Masse. Wir haben oft genug darauf hin- gewiesen, daß sich von all den düsteren Prophezeiungen einer gewaltsam hereinbre<henden Reaktion, mit der man seit dem Rücktritte des Staats- Ministers Falk die politischen Kinder zu s{re>en suchte, nit eine einzige erfüllt hat und daß wir, wie im Hinbli>ke auf unsere Stellung vor der Welt, so auc bezüglich unserer inneren politischen Verhält- nisse kein Volk der Erde zu beneiden haben; heute wollen wir die unbefangene Stimme eines Dritten, welhe in der deutschen „St. Petersburger Zeitung“ laut wird, zum Ohre unserer Leser dringen lassen. Es heißt dort:

Zum Schluß bemerkt die „Schles. Ztg. :“ 1

Wir stimmen dem von ganzem Herzen bei, aber Angesichts dessen, was wir zu durhleben gewürdigt worden sind, Angesichts unseres Aufsteigens aus tiefer Zerrissenheit und politisber Ohn- macht zu nationalpolitisher Einheit, zur Stellung der ersten Welt- macht, zum Friedenshort des Erdtheils genügt uns der Hinweis auf das Elend der leßten Jahrhunderte do< nicht, um die pessi- mistis<he Stimmung vollständig zu erklären, zu der si die öffent- lihe Meinung durch das Reaktionsgeschrei gewissenloser Agitatoren mehr und mehr fortreißen läßt. Jedes andere Volk würde nah so großen, au<h die kühnsten Hoffnungen weit _Üüberragenden _Wand- lungen, wie sie sih für Deutschland binnen einer kurzen Zeitspanne innerli<h und äußerlih vollzogen haben, einen selbstbewußten jugend- lichen Aufschwung genommen haben und alle Quengler und Schreier, die ihm die Freude am Vaterlande verderben wollten, unsanft in den Schmollwinkel verweisen. Um das Verständniß für die heute in Deutschland vorwaltende Stimmung zu gewinnen, müssen wir no< ein psycbologishes Moment zu Hülfe nehmen und uns des Goethe's{en Wortes erinnern:

Alles in der Welt läßt si ertragen, Nur nicht eine Reihe von guten Tagen. .

In der That, es geht uns Deutschen in politisher Beziehung zu wohl: mit der Aufrihtung von Kaiser und Reich is uns ge- worden, wona die Besten unseres Volkes Generationen hindur gerungen haben, dabei ist uns der Frieden gesichert und die bür- gerliche Freiheit gewährleistet. Der deutshe Alltagsmensh aber kann der Gewohnheit des Klagens nicht entrathen, die guten Tage werden ihm zur drü>kenden Last. Wer ihm Stoff zu Klagen bietet, wer die Absichten der Regierung verdächtigt, unsere inneren Verhältnisse in das denkbar s{wärzeste Licht stellt, wer ihm vorredet, daß er Niemandem Dank \<{ulde, daß unser Kaiser, daß Bismar> und Moltke nur ge- than, was das Programm der deutschen Fortscbrittspartei ihnen vor- gezeichnet, der findet bei ihm stets ein offenes Ohr und ein empfäng- lihes Herz, An den Agitatoren selbst wird nie eine Kritik geübt, ihre eigene politishe Vergangenheit nie in Betracht genom- men. Daß aber jenem falschen Liberolismus, der heute mit allen Mitteln den Volksgeist in Fesseln zu s<lagen subt, jedes Verständniß für weltgesbictliche Vinge fehlt, hat sein Verhalten in der Konfliktzeit, sein Protest gegen die Heeres- reform und gegen die ersten nationalen Kriege gezeigt und nicht minder das \chülerhafte Besserwissen, mit weldem er damals den politishen Meisterzügen unseres leitenden Staatsmannes entgegentrat ; daß er für die sozialen Gefahren nicht das geringste Verständniß hat, beweist die Thatsache, daß er dur sein in die Gesetzgebung hinein- getragenes Prinzip des laisser faire und dur< sein Verhalten in der Gründerära die Sozialdemokratie künstlich großgezogen hat; daß er in wirthscaftliden Dingen nur abstrakten Theorien folgt, die vor den orz erungen des realen Lebens nit Stand halten, zeigt seine starrsinnige Haltung in der Eisenzollfrage, in Folge deren unsere Handelspolitik unter Zustimmung der weit überwiegenden Mehrheit der Nation über seine Theorien einfa zur Tagesordnung überging. Alles, was die Apostel dieses Liberalismus bekämpften, hat glänzenden Erfolg gehabt. . ..

Archiv für Poft und Telegrapbie. Nr. 10. Inhalt: Aktenstü>ke und Aufsäße: Die heraldishe Ausstellung zu Berlin im April und Mai 1882. Das neue Post- und Telegraphengebäude in Trier. Das französische Gesetz, betreffend die Einführung ge- \stempelter Briefumschläge und gestempelter Streifbänder. E dänische Telegraphenwesen im Jahre 1889. Forschungsreise des Dr. Dsfar Lenz von Tanger na< Timbuktu und Senegambien. Kleine Mittheilungen: Weitere Entwickelung der Fernsprecheinri- tungen in den größeren Städten des Deutschen Reicbs-Telegraphen- gebietes. Aufzeihnungen über die geologischen Verhältnisse der Gotthardbahn. Post und Telegraphie im Feldzuge 1870/71. Künstliches Binnenmeer in der Sahara. Erweiterung der Rohr- postanlage in Paris. Zeitschriften-Ueberschau.

Neichstags- Angelegenheiten.

Dem Reichstage is folgender Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Reicbshaushalts-Etat für das Etatsjahr 1882/83, nebst erläuternder Denkschrift vor- gelegt worden? \ :

Vir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser,

König von Preußen 2c.

verordnen im Namen des Reichs, nah erfolgter Zustimmung des Bundesraths und des a a an folgt:

In den Reichshaushalts-Etat für das Etatsjahr 1882/83 ist unter Kapitel 2 der einmaligen Ausgaben als Titel 3 einzustellen : zur baulichen Herrichtung des in der Wilhelmstraße 75 belegenen chemals von De>erscben Grundstücks behufs Unterbringung von Geschäftslokalen des Auswärtigen Amts, sowie zur Bestreitung der dur<h den Umzug entstehenden weiteren Kosten 105 020 Æ

A

Die Mittel zur Bestreitung dieses Mehrbedarfs sind, soweit die- selben niht dur Mehrerträge bei den außer den Matrikularbeiträgen zur Reichskasse fließenden regelmäßigen Einnahmen ihre Deckung finden, dur< Beiträge der cinzelnen Bundesstaaten nach Maßgabe ihrer Be- völkerung aufzubringen.

Urkundlich 2c.

Gegeben 2c.

Dent Gui ft,

Bon den obersten Reichsbehörden sind das Auswärtige Amt, das Reich2amt des Innern und das Reichs\haßamt in ciner dem geschäft- lihen Bedürfnisse wenig entsprehenden Weise untergebracht.

Während die politische Abtheilung des Auswärtigen Amts sich in dem Gebäude Wilhelmstraße 76 befindet, sind von der zweiten Abtheilung die Häuser Wilhelmsplaß 1 (Wilhelmstraße 61) und Wiilhelmsplay 2 ein- genommen. Die Geschäftszimmer des Reich8amts des Innern liegen zum größten Theile in dem Gebäude Wfhelmstraße 74. theils aber auch (volkswirthschaftlihe Abtheilung) in der ersten Etage des vormals von De>kerschen Hauses, Wilhelmstraße 75. Das Schatzaut endlich vertheilt sich auf die zweite Etage des Dienstgebäudes des Reichsamts des Innern (Abtheilung für Etats- und Kassenwesen) und auf das CGrdgeschoß des ebengenannten Hauses Wilhelmstraße 75 (Abtheilung für Zoll- und Steuersachen). O

Daß für die genannten drei Aemter, namentlich aber für die am weitesten von einander entfernten Abtheilungen des Auswärtigen Amts, in Folge dieser räumlichen Zersplitterung (von den Unbequemlihkei- ten für die zahlreichen betheiligten Beamten abgesehen) Verzögerungen im Dienstbetriebe und andere geschäftlihe Nachtheile unvermeidlich sind, liegt auf der Hand. E

Eine zwe>mäßigere Unterbringung der Reichsämter dur< Ver- einigung der von einander getrennten Abtheilungen wurde bisher aus- geseßt im Hinbli>k auf das Gesetz, betreffend die Erwerbung von zwei in Berlin gelegenen Grundstücken für das Reich, vom 23. Mai 1877 (Reichs-Geseßbl. S. 500), welches die Bestimmung über den Zwed>, dem das în der Wilhelmstraße 75 ünd in der Königgräterstraße 136 gelegene von Deckershe Grundstü>k dauernd dienen soll, bis dahin vorbehielt, „daß über die Baustelle für das zu errichtende Reich8tag8gebäude die Entscheidung getroffen sei“. Nachdem diese Entscheidung inzwischen dur< den Beschluß des Reichstags vom 15 De, étibor 1881 (S. 348 des s\tenogr. Berichts), bezw. den Reichshaushaltë-Etat für 1882/83 ergangen und dadur< die Mög- lichkeit einer ungehinderten Verfügung über das vormals von De>kersche Grundstü> gegeben ist, empfiehlt es si<h aber dringend, mit der Be- seitigung der dargelegten Mißstände nicht länger zu zögern. A

Die letterere läßt sh im wesentlichen dur<h Tausch zwischen den betheiligten Aemtern bewerkstelligen. i

Zu dem Ende sollen die in dem Hause Wilhelmsplaß 1 unter- gebrachtell Bureaus des Auswärtigen Amts (mit vorläufiger Aus- nahme des Kassenlokals) na< dem vormals von Deckerschen Grund- stüd>ke verlegt werden, wogegen das Schatzamt mit seinen beiden Ab- theilungen in die eben bezeichneten, vom Auswärtigen Amt aufzugebenden Räume üÜbersiedeln, und das Reichsamt des Innern endlich auf dem Grundstü>ke Wilhelmstraße 74 konzentrirt würde.

Auf solche Weise wären das Reichsamt des Innern und das Netichs\haßamt, und niht minder das Auswärtige Amt (die nöthigen bauliwen Aenderungen auf dem vormals von De>ershen Grundstücke vorausgeseßt), sehr erheblih besser als bisher untergebracht.

Auch für die am Wilhelmsplaße zurü>bleibenden Bureaus des Auswärtigen Amts ließe sih auf dem von Deerschen Grundstü>ke Unterkunft beschaffen, wenn außer dem Vorder- hause an der Wilhelmstraße und den beiden breiteren Flügel- anbauten die beiden \i< daran anschließenden, z. B. un- benußten \{<malen Seitengebäude und die gleichfalls un- benußten, auf dem Hofe belegenen ehemaligen Fabrikgebäude zu dem fragliben Zwe>ke verwendet würden. Die bautechnischen Ermittelungen haben indessen ergeben, daß, wenn auch das Vorderhaus nebst beiden Flügelanbauten, fowie das linke Seiten- und das linke Hofgebäude mit einem nit allzu beträcbtlichen Kostenaufwande zur Unterbringung von Geschäftsräumen für das Auswärtige Amt s\i< in den Stand setzen lassen, do< die re<ts belegenen Seiten- und Hofgebäude fich in einem verwahrlosten, zur Reparatur und zur Aufnahme von Amts- lokalitäten ungeeigneten Zustande befinden. ;

Bei dieser Sachlage würde die Zusammenlegung des gesammten Amts nur dur{ einen Neubau zu ermöglichen sein, welcher erhebliche Mittel in Anspru nehmen und voraussihtli< mehrere Jahre dauern würde. Von einem solden Neubau wird aber mit Rücksicht darauf, daß das Vorderhaus nebst den keiden Flügel- anbauten no< auf cine Reihe von Jahren zu Geschäftsräumen be- nußtzbar sein wird, aub die links belegenen Seiten- und Hofgebäude reparaturfähig und verwendbar sind, für jeßt abzuschen sein.

Zunächst wird es vielmehr genügen, unter definitiver Ueber- weisung des vormals von Deckerschen Grundstü>k3 an das Auswärtige Amt und unter Benußung der verwendbaren Räume ein auf mehrere Jahre bere<netes Provisorium herzustellen. i

Auch solchergestalt wird die \kizzirte Aenderung in der UVnter- bringung der Aemter von allen Betheiligten als eine wesentliche, dem Geschäftsbetriebe förderlibe Verbesserung empfunden werden. i

In Vorbereitung derselben ist deshalb bei anderweit bereits ber- vorgetretenem Anlaß das in dem Garten des vormals von De>er- {en Grundstü>ks befindlibe Haus zur Dienstwohnung für den Staatssekretär des Auswärtigen Amts eingeri<tet und die dadurch frei gewordene Dienstwohnung am Wilhelmsplay 1 dem Staats- sekretär des Reibs-Schaßamts überwiesen worden.

Um das vormals von De>tkershe Grundstü> für die Aufnahme der dorthin zu verlegenden Bureaus des Auswärtigen Amts geeignet zu macben, bedarf es jedo, wie bereits angedeutet, no< einiger bau- lider Vorkehrungen im WVorderhause nebst den beiden breiteren

lügelanbauten, namentli aber erhebliherer Veränderungen in den rüher lediglih zum Dru>ereibetriebe benußten links belegenen Sciten- und Hofgebäuden. \ S :

Nah dem bautecnischen Kostenansblage werden \si< die Aus-

gaben dafür, einschließli einiger kleineren Aenderungen in dem Hause

Wilhelmsplaß 2, sowie der Umzugskosten für das Auswärtige Amt, auf 105 090 Æ belaufen. L

Die weiter entstehenden Umzugskosten für das Reichsamt des Innern und für das Reichsshaßamt werden auf die betreffenden Geschäftsbedürfnißfonds zu übernehmen sein.

Statistische Nachrichten.

Im Jahre 1881 sind auf den deuts<hen Münzstätten 440 056 Stück Doppelkronen und 672010 Kronen im Betrage von 15 521 220 M und im Gewichte von 12 362,732 Pfd. geprägt worden. Gegen das gefeßlihe Solloewiht von 12 362,581 Pfd. ergab das wirkliche Gewicht ein Mehr von 0,151 Pfd. oder 0,0122 Pfd. auf 1000 Pfd., und zwar in Berlin 440056 Doppelkronen = 7010,256 Pfd.; wirklibes Gewicht, + 0,204 Pfd. oder pro 1000 Pfd. 0,0291 Pfd. in München 156 693 Kronen = 1248,005 Pfd. 0,048 Pfd. oder 0,0385 Pfd. pro M.; in Dresden 240426 Kronen = 1914,992 Pfd, + 0,010 Pfd. oder 0,0052 Pfd. pro M. ; in Stuttgart 79 040 Kronen = 629,558 Pfd., + 0,008 Pfd. oder 0,0127 Pfd. pro M.; in Karlsruhe 195 851 Kronen = 1559,921 Pfd., —+ 0,023 Pfd. oder 0,0147 Pfd. pro M. Das Durcwschnittsfein- gehalt betrug in Berlin 899,93, München 900, Dresden 900,028, Sáuttgart 900,29, Karlsruhe 900,4.

Die Ausprägung in Silbermünzen betrug im Jahre 1881 12 314 416 \Æ. in 1 Markstü>en Das Gewicht derselben betrug 136 814,530 Pfd. oder 12,315 Pfd., d. h. 0,0900 Pfd. pro M. weniger als das geseßli<e Sollgewicht (136 826,845 Pfd.). Von den einzelnen Münzstätten hatten Berlin (6 386 441 e. = 70 948,569 Pfd.) 11,896 Pfd. oder 0,1676 Pfd. pro M. zu wenig (zur Ausgleichung des aus dem Jahr1878 herrührenden Stückelungsverlusts absihtlih herbeigeführt); München (2040101 = 22 666,115 Pfd.) 1,674 Pfd. (0,0738 pro M.) zu wenig; Dresden (1080974 Æ = 12010,946 Pfd.) 0,124 Pfd. oder 0,0103 pro M. zu viel; Stuttgart (1 203 000 4 = 13 368,910 Pfd.) 2,243 Pfd. zu viel (0,1678 pro M.); Karlsruhe (426 323 M. = 4736,499 Pfd.) 0,423 Pfd. (0,0893 pro M.) zu wenig; Darmstadt (386 600 é. = 4294,790 Pfd.) 0,766 Pfd. zu wenig (0.1783 pro M.); Hamburg (790 977 4 = 8788,710 Pfd.) 0,077 Pfd. (0,0088 pro M.) zu viel, Der Durschnitts-Feingehalt stellte si< in Berlin auf 900,22, München 900, Dresden 900,067, Stuttgart 909,25, Karls- ruhe 900,2, Darmstadt 899,4, Hamburg 900,2.

Das Aprilheft 1882 der Monatshefte zur Statistik des Deutschen Neichs enthält Uebersichten über 1) die unmittel- bare Durchfuhr fremder Waaren durch das Zollgebiet sowie die Durchfuhr deuts<her Waaren dur< angrenzende Staaten im Jahre 1881, 2) die Ein- und Ausfuhr der wichtigeren Waaren im Zollgebiet für den April und die vier ersten Monate 1882, 3) die im April d. J. versteuerten Mengen von Zu>errüben, 4) die Groß- handelspreise wichtiger Waaren an den dafür maßgebenden deutschen Pläßen im April d. J.

Die Bearbeitung der dur< die Berufszählung vom 5. Juni gewonnenen Ergebnisse zum Zwecke der Herstellung der vom Bundesrathe vorgeschriebenen Tabellen erfolgt in Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen, Mecklenburg-Schwerin, Braun- \<weig, Sachsen-Meiningen und Lübeck durch die statistischen Bureaus der betreffenden Staaten, für die übrigen 16 Staaten dur< das Kaiserliche Statistishe Amt in Berlin. Die bis jett festgestellten

Tabellenformulare beziehen s< nur erst auf die Berufsstatistik im engeren Sinne, no< nit auf die Land- wirthscha\ts- und Gewerbestatistik und führen die Ueber- \{riften: 1) Die Bevölkerung na< dem Beruf oder Erwerb (Berufsklassen und Stellung innerhalb jeder Berufsklasse, d. i. ob selbständig, Gehülfe, Angehöriger, Dienstbote), für männli< und weiblich getrennt, ferner Nebenberufsarten; 2) die Bevölkerung nah dem Hauptberuf, Geschlecht, Alter und Familienstand; 3) die wegen hohen Alters, in Folge von Verleßung oder Krankheit dauernd er- werbsunfähig gewordenen Personen nah ihrem vormaligen Beruf, so- wie die Wittwen nah dem Beruf des Ehemannes. Die Fertigstellung dieser Tabellen für die Staaten und beziehungsweise größeren Ver- waltungsbezirke ist betreffs der Uebersichten 1 und 2 bis zum 1. April, betreffs der Uebersicht 3 bis zum 1. Juni 1883 angeschrieben, so daß das Statistishe Amt von da ab mit der Zusammenstellung derselben für das Reich wird beginnen können.

Gemäß den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesund - heits8amts findin der 21. Jahreswoche von je 1000 Bewohnern auf den Jahresdur<scnitt berechnet als gestorben gemeldet: in Berlin 25,2, in Breslau 33,0, in Königsberg 29,8, in Cöln 25,2, in Frankfurt a. M. 22,6, in Hannover 22,1, in Caffel 22,2, in Magdeburg 27,5, in Stettin 23,8, in Altona 27,7, in Straßburg 28,8, in Meß 15,1, in München 34,2, in Nürnberg 26,2, in Augsburg 42,9, in Dres- den 22,4, in Leipzig 22,0, in Stuttgart 21,2, in Braunschweig 22,9, in Karlsruhe 20,0, in Hamburg 25,3, in Wien 36,9, in Budapest —, in Prag 37,8, in Triest 20,4, in Krakau 35,1, in Basel 26,9, in Brüssel 27,9, in Amsterdam 25,8, in Paris 26,9, in Kopen- hagen 28,0, in Stoc>holm 18,5, in Christiania 19,6, in St. Peters- burg 39,9, in Warschau 34,4, in Odessa 33,0, in Bukarest 23,7, in Rom —, in Turin 26,4, in Madrid 49,2, in London 19,2, in Glas- gow 27,6, in Liverpool 25,5, in Dublin 24,7, in Edinburg 18,6, in Alexandria (Egypten) 35,8. Ferner aus früheren Wochen: in New-York 33,4, in Philadelphia 240, in Chicago —, in St. Louis 18,3 in Cincinnalt 23,7, in San Franzisko 18,4, in Kalkutta 29,7, in Bombay 23,7, in Madras 28,6,

Beim Beginn und in den ersten Tagen der Berichtswoche herrschten an den meisten deuts<hen Beobachtungsstationen {wache östliche und nordösftlihe, in Cöln südöstlihe, nur in Breslau nord- westliche Luftströmungen, die aber an den meisten Stationen fon am 23. über Südost nah Süd und Südwest umgingen und “mit südöstlien Windrihtungen we{selnd bis zum Schluß der Woche herrschend blieben. Nur an den Oststationen wehte în den le ten Tagen der Woche wieder Nordwest, in München au Nordost. Mit dem Umgange des Windes nah Süd und Südost nahm die Luft- wärme allgemein zu und überstieg an den meisten Stationen, mit Ausnahme von München, wo das Durchschnittsmaß nit ganz er- reit wurde, die normale. Niederschläge und von Hagelscauern be- gleitete elektrisbe Entladungen waren nicht selten, aber meist nit er- giebig. Der beim Wocbenbeginn hohe Dru>k der Luft nahm in den ersten Tágen zu, fiel am 23. rapid, stieg dann wieder allgemein und nahm zu Ende der Woche einen höheren Standpunkt als beim Beginn derselben ein. : s L

Die Sterblichkeit hat in der Berichtswoche in den meisten größeren Städten Europas wieder zugenommen. Die allgemeine Sterblichkeits- verhältnißzzahl für die deutshen Städte stieg auf 26,7 von 25,7 der Vorwoche pro Mille und Jahr. Insbesondere war die Theilnahme des Säuglingsalters an der Sterblichkeit eine gesteigerte. Von 10,000 Lebenden starben pro Jahr 91 Säuglinge gegen $85 der Vorwoche (in Berlin 96 gegen 86). Auch die Sterblichkeit in den böberen Altersklassen (über 60 Jahr) war eine größere. /

Unter den Todesursachen bedingten von den Infektionskrankheiten Masern, Scharlachfieber, und in außerdeutshen Städten au< Po>en mehr Sterbefälle, während Diphtherie und typhöse Fieber vielfach einen Nachlaß zeigten. Masern herrs{<ten in Breslau, München, Darmstadt, Paris, Amsterdam, London, no< ohne ersichtliben Nach- laß. Das Scharlacbfieber gewann in Plauen, Barmen, Elberfeld, Frankfurt a. M., Wien, mehr an Ausdehnuna, in Berlin bat die Zahl der Todesfälle ein wenig abgenommen. Todesfälle an Diph- therie und Croup waren in Elbing, Cöslin, Breslau, Königshütte, München, Hamburg, Hannover, Berlin, Dresden, Halle, Elberfeld, Wien, Paris no< häufig Todesveranlassung, do< war in deu meisten der genannten Städte die Zahl der Opfer eine wesentlich geringere als in den Vorwocben. Typhöse Fieber zeigten si ziemli allge- mein nur in bes{ränkter Zahl. Sterbefälle an Fle>typhus wurden aus deutschen Städten 7 (aus Königsberg 3, aus Danzig 2, aus Beuthen und Hamburg je 1, leßterer cin von auswärts cein- ges{leppter) gemeldet. Erkrankungen daran wurden besonders inr

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