1882 / 131 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Nah der im Aprilhefte zur Statistik des Deutschen Reichs für das Jahr 1882 veröffentlihten Uebersiht der Einfuhr der wichtigeren Waarenartikel im deutschen Zollgebiet wurden im ‘Monat April d. J. im Vergleich zu dem Monat April des Vorjahres wehr eingeführt: von Weizen (alles in 100 kg) + 74738, von Roggen + 154327, von Hafer + 239783, von Hülsenfrüchten + 10189, von Gerste + 38259, von unbearbeiteten Tabablättern —+ 16815, von Wein in Fässern + 7329. Dagegen weniger von Mais 226 695, von Kaffee 13 258, von Petroleum 29 445, von Mühlenfabrikaten 36 390, von Fleis< 18318 und von S{malz 16738. Von Stearin 2c. wurden bis zum Ende April d. I. 13269 (100 kg), von Dacsciefer und Scieferplotten 46 308 (1C0 kg) mehr als im correspondirenden Zeitraum des Vor- jahres eingeführt. Die Steigerung dieser Einfuhren scheint dur die in Ausficht genommenen Zollerhöhungen veranlaßt zu sein.

Der Flächeninhalt des Großherzogthums Me >len- burg-S<werin beläuft sich na< den neuesten Feststellungen auf 13:303,89 km, der des Großherzogthums Me>lenburg-Strelitz auf 2929,5 qkm. In Me>klenburg-Schwerin gab es am 1. Dezember 1880 61 609 bewohnte Gebäude mit 127155 Haushaltungen, in O E 9549 bewohnte Gebäude mii 22028 Haus- haltungen. Jn Mecklenburg-Schwerin kamen auf 1 gkm 43,4, in Mecklenburg-Streliß 34,2 Einwohner. Auf ein bewohntes Gebäude entfielen in Mecklenburg-Schwerin 9,4 und in Med>lenburg-Strelitz 10,5 Einwohner. Auf cine Haushaltung waren in Me>lenburg- Schwerin 4,5, in Me>lenburg-Streliß 4,6 Menschen zu rechnen.

Kunst, Wissenschaft und Literatur. Bestimmungen über die Pensionirung und Ver- sorgung der Manns < asten vom Feldwebel 2c. abwärts (Ver'ag von E. S. Mittler und Sohn in Berlin) unter besonderer Berücksichtigung der Grundsäße für die Beseßung der Beamtenstellen vom 25. März 1882. Hülfsbuch bei dem Dienstunterricht der Mann- schaften aller Waffen und für das Selbststudium. Preis 0,80 M

Cin Beitrag zur Lohn- und Arbeiterfrage von Fried- ri< Karl Reichsfreiherrn von Fechenbac<h-Laudenba < ist soeben bei-Puttkammer u. Mühlbreht (Buchhandlung für Staats- und Rechts- wissenschaft) hierselbst erschienen. Der Verfasser suht ia eingehen- der Weise nachzuweisen, daß niht durch die Altersversorgungen der Arbeiter die Arbeiterfrage si< lösen lasse, sondern nur durch Rege- lung der Lohnfrage. Er bringt die {on vor Jahren auf- getauchte Idee von der Arbeiter-Tantième wieder vorz dieselbe soll von den durch die neue Wirthschaftspolitik des Reichskanzlers ge- stärkten Induftriellen aufgebraht werden, damit es den Arbeitern möglich werde, sih ein kleines Privateigenthum zu verschaffen.

Im Verlage von Alexius Kießling in Berlin 8, Bran- denburgstr. 64, erschien soeben in siebenter Auflage: Kießlings Berliner Baedeker, praktisher Führer dur< die Kaiserstadt Berlin nebst Potsdam und Umgebungen, 132 Seiten gr. Oktav, nebst Plan von Berlin in Farbendru>, eleg. karton. 1 M, eleg. gebunden 15 M Es ift der einzige Führer dur< Berlin, welcher alljährlich im Mai in neuer Bearbeitung erscheint. Das reichhaltige Material ist zwe>mäßig geordnet, die Darstellung kurz und bündig, und der übersichtlihe Dru ermöglicht eine {nelle Orientirung, Die aus- M gegebenen Verkehrsnotizen wie die Angaben über die Be- u<8zeiten aller Sehenswürdigkeiten sind zuverlässig. Beigefügt ist der Stadtplan von Berlin.

Land- und Forftwirth\chaft.

Ueber den Stand der Saaten in Ostpreußen \<hreibt die „Land- und Forstwirth\{<. Zeitung“ unterm 4. d. M.: Nach reichlich gefallenem Regen is das tro>ene und re<t warme Wetter der ver- flossenen Woche von außerordentli<h günstigem Einfluß für das Ge- deihen sämmtlicher Saaten gewesen, und ist demnach der Stand der Gre mit Ausnahme von Erbsen, welche vielfa dur< die Erd-

öhe stark beschädigt worden sind, ein derartiger, daß eine befrie- digende Ernte zu erwarten steht. Es gehört gewiß zu den Selten- heit:n, daß Ende Mai der Rübsen abgeblüht hat und der Roggen in voller Blüthe steht, während der Weizen sih so üppig entwi>elt hat, daß fast allerorten ein Schröpfen desselben erforderli geworden ift. Falls daher nicht außergewöhnliche Witterungsverhältnisse eintreten, dürfte die Ernte in diesem Jahre vierzehn Tage früher als gewöhn- li< stattfinden. Auch der Graëwuchs auf den Wiesen hat sich nach den leßten Negen fo gut entwi>elt, daß die Heuernte einen sehr reichen Ertrag verspricht,

,_ Gera, 3, Juni. (Th C.) Die Fluren bieten in ganz Thü- ringen, soweit niht das jüngste Unwetter sie geschädigt hat, einen wunderschônen Anbli>k, Nach übereinstimmenden Berichten ift eine auêgezeihnete Ernte zu erwarten, wenn nit ganz ungünstige Wetterverbältnifse einireten. Auch der Wildstand soll sih in Folge des milden Winters sehr gekräftigt haben.

Gewerbe und Handel.

Nach einer Mittheilung in der „Wiener Zeitung“ vom 2. d. Mts. hat die rumänische Regierung die Einfuhr aller Arten von Pflanzen, als Bäume, Gesträuche, Blumen, Zwiebeln,

flanzenwurzeln u. \. w., na< Rumänien unbedingt verboten. Ge- tattet ist nur die Einfuhr von Sämereien sowie von vollkommen enen Pflanzenwurzeln, welche zu medizinischen Zwe>en verwendet werden.

Dem dreizehnten Geschäftsbericht der Deutschen Lebens-, Men eage und Renten-Versicherungs-Gesellschaft auf

egenseitigkeit in Potsdam für das Verwaltungsjahr 1881 ent- nehmen wir folgende Daten: Aus den Geschäftsergebnissen des Jahres 1881 trat zunächst die erfreuliche Thatsache hervor, daß der finanzielle Zustand der Anstalt fortdauernd in günstiger Entwickelung begriffen ist. Das Aktivvermögen hat \si< um 625 339,12 M vermehrt und ift auf überhaupt 5 661 550,51 Æ angewa<sen. Die Prämieneinnahme hat 1694 910,10 betragen. An Zinsen sind 155953,81 4 und anderen Ein- nahmen 36 222,27 4 aufgekommen. Die Gesammteinnahme betrug 1 887 086,18 J Die zinsbar angelegten Kapitalien der Gesellschaft haben dur{shnittli< einen Ertrag von 4,45 % geliefert. Aus der Jahre8einnahme von 1 887 086,18 Æ( wurden verwendet zur Aus- zahlung der fällig gewordenen Kapitalien für Todesfall-Versicherungen 511 330,79 M, zur späteren Auszahlung reservirt, weil die nöthigen Legitimationspapiere no< nicht vollständig beigebracht waren, 27013 M, zusammen für Todesfall-Versicherungen 538 343,79 M4 Für Erlebensfall-Versicherungen sind Kapitalien fällig geworden und gezahlt in Höhe von 17 280,40 A Die Rentenzahlungen betrugen 3926,30 #& Für zurü>gekaufte Todesfall-Policen sind 141 349,32 M und für Erlebensfall-Policen vor Erlangung des die Auszahlung des Versicherungékapitals bedingenden Lebensalters 99 896,55 A aus- gezahlt. Demnach haben die Hinterbliebenen von Versicherten und die Versicherten bei Lebzeiten s\elbst im Ganzen $800 796,36 M. oder 47,25 % der Prämiceneinnahme ausgezahlt erhalten. Zur De>ung_ späterer Verbindlichkeiten wurden der Prämienreserve 599 874,79 A oder 32,7% der Prämieneinnahme überwiesen. Für in Rüc>kde>ung gegebene Versicherungen sind 15 842,27 M ges zahlt und zu Abschreibungen 18 667,53 #4 verwendet.

Die Ausgabe der Provisionen für Agenten und Vereine hat 143 806,47 #, an Arzthonorar 2455329 #( betragen. Die Verwaltungskosten bei der Centralverwaltung und bei den General- vertretern beliefen si< auf 236 791,06 . Na< Deckung aller bestimmungsmäßigen Ausgaben ist ein UVebers{uß von 9075441 M verblieben. Die Sterblicbieit bei in der Gesellshaft Ver- sicherten verlief im Jahre 1881 wieder insofern günstig, als der Wahrscheinlihkeitsrehnung gegenüber zwar in der Anzahl der Per- sonen eine Mehrfterblihkeit von 31,25 Personen eingetreten, dagegen bei dem Versicherungskapital eine Mindersterblickeit von 29 101,35 M stattgefunden hat, Neue Versicherungen wurden im Jahre 1881 abges{lossen: 4413 Policen mit $699 560 X Kapital und 1033,70 Æ Jahresrenten. er Bestand sämmtliher Policen (auf Todesfall, auf Erlebensfall, Sterbekasse, Renten) betrug Ende 1880 33408 Policen mit einer Kapitalsumme von 57 058 924 K und 6548 „J Rente; die Zugänge von 1881 betrugen 4413 Policen mit einer Kapitalsumme von 8699560 A und 1033 M Rente; macht

Rente ; davon gingen ab 1881 5200 Policen mit 9791 841 Æ& Ka- pital (3100 Policen auf Todesfall mit 7566 486 4. Kapital) und 28 M Rente, blieb Bestand Ende 1881 32 621 Policen mit einer Kapitalsumme von 55 966 643 4 und 7554 4 Rente. In der am 3. Juni in Lotbdam abgehaltenen Generalversammlung gelangte der Antrag der Verwaltung, die Decharge zu ertheilen, einstimmig zur Annahme.

Breslau, 6. Juni. (W. T. B) Wollmarkt. Vor- bericht. Die Zufubren an neuer Wolle sind seit gestern früh sehr bedeutend und gehen größtentheils auf die Lager hiesiger Händler. Die Wäschen, begünstigt dur \{önes Wetter während der Sur, sind durs<nittli< als re<t gelungen zu bezei<nen. Am Plate sind bereits Fabrikanten und Händler vom Rhein, der Lausitz und Berlin, do< wird die Entwicklung des Geschäftes erst morgen na< dem Schweidnitzer Markt erwartet.

6. Juni, Nachmittags. (W. T. B.) Wollmarkt. Bisher find Käufer nur vereinzelt eingetroffen ; gekauft sind im Ganzen etwa 500 Ctr. und zwar für den Rhein, für England und die Lausitz. Die Zufuhr dauert no< fort, ergiebt jedo< gegen das Vorjahr theils in Folge des geringen Schurgewichts, theils in Folge der Reduktion der Heerden eine Verminderung von wenigstens 10 %/6.

Breslau, 6. Juni. (W. T. B.) Die Einnahmen der Recte-Oder-Ufer- Eisenbahn betrugen nah vorläufiger Fest- stellung im Monat Mai d. I. 1) im Personen- und Gepä>verkehr 119 370 M, 2) im Güter- und Viehverkehr 621 840 M, 3) außerdem 61 000 , mithin in Summa 802210 #. gegen die Einnahmen nach definitiver Feststellung im Monat Mai vorigen Jahres ad 1) 98085 46, ad 2) 557594 Æ und ad 3) 60000 Æ, in Summa 715679 M. mithin im Monat Mai d. J. mehr als ad 1) 21285 M, ad 2) 64 246 M, ad 3) 1000 A, in Gumma 86 531 6 Die Gesammt- Cinnahmen vom 1. Januar bis ult. Mai d. J. betrugen 3 925 777 M4, ergaben mithin gegen den gleichen Zeitraum des vorigen Jahres eine Mehreinnahme von 7210

Sc{weidniß, 7. Juni. (W. T. B) Wollmarkt. Die Zufuhren betrugen circa 2000 Ctr. Das Geschäft ist \{leppend, Preise 3—9 M unter den vorjährigen Preisen. Zwei Drittel der Zufuhren sind verkauft.

Dortmund, 5. Juni, (Ess. Ztg.) Auf dem Eisenmarkte scheint si eine kleine Belebung anzubahnen, indem niht blos in Stabeisen, sondern au< in Siegener Feinblechen die Nachfrage sich ver- stärkt hat. Die Siegener Feinble<walzwerke haben daher eine Erhöhung von 10 M pro Tonne ihres Fabrikats vorgenommen und solches threr Kundschaft per Cirkular angezeigt. Jn Feinblechen tritt gewöhnlich erst im Juli ein größerer Bedarf ein und hat sich derselbe demnach in diesem Jahr ausnahmsweise früh eingestellt. Jm wesentlichen ist derselbe mit auf die größeren Ansprüche der Verzinkereien zurüczuführen, die längere Zeit s{<wac< beschäftigt, nunmehr wegen der im laufenden Jahre be- deutend größeren Bauthätigkeit au<h mehr Aufträge in verzinkten Blechen für Bedachungen erhalten haben. Im Zusammenhang damit steht „auch der rege Bedarf in Trägern und sonstigem Baueisen, wie überhaupt Fagçoneisen in lebhaftem Verkehr steht, so daß die. - Preise darin au< leiht behauptet werden können. Auch “in {weren Blechen erhält sich eine be- deutende Nachfrage, und. zwar hauptsächli< Seitens der Kesselschmieden und Schiffswerften. Jn Walzdraht sind zwar in der letzten Zeit die Aufträge etwas spärlicher ‘eingelaufen, aber es harren no< so viele und umfangreiche Ordres: der Ausführung, daß die betreffenden Werke no< für längere Zeit ‘dên ‘vollen Betrieb aufre<t erhalten können. In Stahl und Cisenbahnniaterial aus Stahl, wie Schienen, Lang- und Querschwellen, Achfen, Rädern, Bandagen 2c. sind ebenfalls in leßter Zeit wenig neue Bestellungen zu verbuchen gewesen, besonders aus dem Auslande, “do< liegen au<h darin bei den meisten Werken no< hinreichende Aufträge zur Effektuirung vor; bei einigen sind “au<h in den ‘leßten Tagen neue Ordres für den Export eingegangen. Die- Kleineisenzeugfabriken, Mascbinenbauanstalten, Kesselschmieden, Waggon- und Lokomotiv- fabriken sind meist lebhaft beschäftigt, während es in den Gießereien für Gußwaaren, sowie in den Konstruktionswerkstätten im allgemeinen [{<hwächer geht. In den rheinish-westfälishen Roheisenforten ist rüc>k- sichtlich der Preisstellung keine Veränderung eingetreten, Luxemburger Roheisen ist indessen auf 56 Fres. per Tonne ab Luxemburg zurü>- gegangen, zu wel<em Preise au bereits Abs{<lü}se erfolgt sind. Die größere Festigkeit, welche seit einigen Wochen auf dem english-\{otti- sen Roheisenmarkt herr\<t, läßt hoffen, daß damit die Preisrückgänge in Roheisen abges<lossen sind. In der Kohlenindustrie ist ein im Vergleich zu der entspre<enden Zeit der Vorjahre außerordentlich starker Absatz zu verzeihnen, der sib hauptsächlich auf den größeren Bedarf der Eisenindustrie gründet. Die Preise {sind daher auch in den leßten Wochen fest behauptet worden. Auch in Koks ist der Verkehr sehr rege geblieben und die Preise fest mit steigender Tendenz.

N ürnberg, 3, Juni. (Alg. Br. u. H. Ztg.) Das prachtvolle Wetter, wie es sih die Landwirthe nicht besser wünschen können, ist dem Wachsthum der Getreide- und Pflanzenfelder überaus förderlich. Die Saakenstandsberichte, sowie sämmtliche Mittheilungen aus den Hopfendistrikten des Kontinents und Englands lauten fast ohne Aus- nahme günstiger als in der Vorwoche. Allein während die vielver- sprecenden Aussichten auf die Getreideernten überall mit Freude begrüßt werden, geben die Berichte über den guten Stand der H opfenpflanze vielen Produzenten und sonstigen Geschäftsleuten der Brancbe zu ge: re<ten Befürchtungen aus dem Grunde Anlaß, weil eine reie

opfenernte eine Entwerthung des Produkts und einen Ruin vieler

flanzer im Gefolge hat. Das Geschäft ist in dieser Woche weniger animirt gewesen, und der Marktverkehr hat kaum den dritten Theil der vorwöcbentlichen Umsatzziffer erreicht, denn für Erport wurde nichts gethan, und für kontinentalen Braukonsum blieben Verkäufe nur auf den dringendsten Bedarf beschränkt, \so daß die leßtgemeldete Preisbesserung von 5—6 M wieder verloren ging. Die R nbeen betrugen seit 8 Tagen 250 Ballen; außerdem {einen au< die Loni Aussichten auf die nächste Ernte zur lustlosen Stimmung eizutragen und die Spekulation lahm gelegt zu haben; doch ist der Abschluß von 100 Ballen alter Hopfen zu 5—12 M zu erwähnen. Außerdem konnten seit unserem leßten Berichte nur 100 Ballen Kundschaftswaare zu 80—105 Æ, worunter etliche kleine Abschlüsse Siegelbopfen 115—125 M notiren, Nehmer finden. Pest, 6, Zuni. (W. T. B) Die Generalversammlung der Kas chau-Dderberger Bahn genehmigte den Geschäftsbericht, welcher eine erheblihe Besserung in allen Betriebszweigen konstatirt. Der Betriebsübershuß pro 1881 betrug 1 830 029 Fl. oder 211 286 Fl. mehr als 1880. Die Versammlung beschloß ferner, den Tert der neu auszugebenden Coupons der Prioritätsanleihe vom Jahre 1868 dahin abzuändern, daß derselbe auf 5 Fl. Silber lautet und die Worte „oder 1214 Frs," fortfallen.

London, 6. Juni, (W. T. B.) In der gestrigen Woll»

auktion waren Preise unverändert. NeweYork, d Imi (V. T. B) Weizenverscif- fungen der leßten Woche von den atlantischen Häfen der Ver- einigten Staaten na< Großbritannien 31 000, do. na< Frank- reih 23 000, do. na< anderen Häfen des Kontinents 7000, do. von Kalifornien und Oregon nah Großbritannien 45 000, do. na Frank- rei 7000, do. na< anderen Häfen des Kontinents Qrtrs.

Verkehrs-Anstalten.

New-York, 6, Juni. (W. T. B.) Die Dampfer „Eng- land” und „The Queen®* von der National-Dampf- \<iffs-Compagnie (C. Messingsche Linie) sind hier eingetroffen.

Berlin, 7. Juni 1882,

Den bisher vorhandenen Bildnissen Sr. Majestät des Kaisers hat soeben die Kunsthandlung von I. Aumüller in München ein vorzüglih gelungenes Portrait in einer stattlihen, von Wilhelm Hecht mit gewohnter Meisterschaft ausgeführten

Summa 37 821 Policen mit 65758484 M Kapital und 7582 M

München mit größter Sorgfalt gedru>te Blatt zeigt den greisen Monarchen in nahezu halber Figur, die si< in der bekannten Interimsuniform mit über die Schultcr geworfenem, beiderseits breit herabfallendem Mantel vor einem dunklen Hintergrund in voller Plastik abhebt, obschon nur Kopf und Hand aus dem gleihmäßig ruhigen und tiefen Ton kräftiger hervortreten. Jn \{li<ter Haltung, fe re<hte Hand zwischen die Knöpfe der Uniform geschoben, steht die

estalt dem Beschauer ruhig gegenüber, mit klarem Auge geradaus vor sich hinscauend, in der Bewegung ebenso glü>lih getroffen wie in dem carakteristischen Ausdru> des Kopfes. Ohne jede anspru<hs- volle Bravour ist „die Arbeit bei aller Frishe der Behandlung mit glei<mäßiger Gewissenhaftigkeit solid und sicher durbgeführt, so daß fie, auch abgesehen von dem Gegenstande der Darstellung, son als bloße Radirung der Beachtung und besten Empfehlung werth erscheinen würde.

In der Ausstellung des Vereins Berliner Künstler (Kommandantenstraße 77/79) ist gegenwärtig wieder eine Anzahl vor- züglicher Bilder zu sehen. Von den zuleßt eingesandten sind befon- ders zu erwähnen: ein überaus wirkungsvoller Sonnenuntergang bei Neapel von O. Achenbach, sodann ein höchst reizvolles Genrebild von Amberg, ein „Gletscherba<h“ von v. Kameke, A. v. Heydens „Mark- graf Gero“ und Ehrentrauts „Rapport“. Auch Engelhardt, Douzette,

Thiele, Sturm, Schnee, Grönland sind dur< ansprechende Werke vertreten.

Die Ausstellung von Fahmaschinen und Rohpro- dukten der Seifen-, Parfümerie-, Wachswaaren- und Kerzenbranche, welbe am Sonntag im Exerzirhause des 2 Garde-Regiments eröffnet worden ist, umfaßt 71 Aussteller in 5 Gruppen. Wie der Vorsißende in seiner kurzen Eröffnungsrede betonte, prätendirt sie keineswegs ein vollständiges Bild von der Entwickelung und dem jeßigen Zustande dieses Gewerbszweiges zu geben, sondern will nur den Fachgenossen die (Belegenheit dazu bieten, si< über das Neueste und Interessanteste zu orientiren und neue Bezugsquellen kennen zu lernen. Die erste Gruppe, links vom Eingange gelegen, umfaßt Oele und Fettwaaren (12 Ausfteller), die zweite Gruppe: <emishe Produkte und Farben (14 Aussteller), die dritte Gruppe: Verypackungs- und Ausstattungsgegenstände und Comptoirutensilien (23 Aussteller), die vierte Gruppe: Maschinen und Geräthschaften (20 Aussteller) und die fünfte Gruppe : Fadcbliteratur (2 Aussteller). Die Ausstellung bietet so viel Belehrendes, daß sie auch der Laie mit Interesse besuchen wird. Der Vorstand der Seifenfabrikanten hat sich für seine Mühe und Opferwilligkeit, welche er dur das Arrangement dieser in ihrer Art musterhaften Fachausftellung bewiesen, den lebhaftesten Dank der Fachgenossen verdient.

Stuttgart, 5. Juni. Preisaus\c<hreiben. Der Würt- tembergische Kunstgewerbeverein hierselbst \{reibt in Fort- seßung früherer Konkurrenzen und im Anschluß an seine fortdauernde Ausftellung 8 weitere Preise von 100, 80, 60 M 2c. aus für:

1) einen Metallspiegelrahmen im Werthe von 120 M.

2) einen Einband für die eine oder andere der im Handel fi< vorfindenden Größen evangelischer Gesangbücher,

3) eine Konsole von Eicenholz zum Aufstellen von ¿leinen Statuen, Vüsten 2c., Ausführungspreis 20 4,

4) einen Garderobenhalter zum Aufhängen an der Wand.

__ Als allgemeine Bedingung wird der Styl für sämmtliche obige Gegenstände in deutscher Renaissance verlangt. Der Einsendungs- termin- ist der 15, k, M. Weitere Auskunft ertheilt das Vereins- Sekretariat.

Mainz, 30. Mai. (Cöln. Ztg.) Jn der gestern hier abge- haltenen Generalversammlung der Deutschen Gesell- schaft zur Rettung Schiffbrüchiger wurde der Jahresbericht für 1881/82 vorgelegt: Es wurden 113 Personen dur< Rettungs- geräthe der Gesellschaft gerettet, womit die Gesammtzahl der bis zum 1. April d. J. vor dem Tode in den Wellen bewahrten Mers\chen- leben auf 1297 gestiegen ist. Von den Rettungen des letzten Jahres entfallen 19 mit 97 Menscenleben auf die Rettungsboote und 4 mit 18 Menschenleben auf Raketenapparate. Außerdem sind in vier Fällen Schiffe, welche si< in Seenoth befanden, sammt ihren Be- saßungen dur die Hülfe unserer Rettungsboote in Sicherheit gebracht worden, Am stärksten sind die Rettungsstationen im Oktober vorigen Jahres angespannt gewesen, Der furchtbare Nordweststurm, welcher Mitte Oktober besonders in der Nordsee wüthete, brachte fast sämmt- lihen Stationen der Nordsee {were Arbeit. Der Erfolg war aber au< ein glänzender, da allein am 15. Oktober 31 Personen auf 8 Rettungsfahrten dur< 8 verschiedene Rettungsboote und fernere 5 Personen mittelst des Naketenapparates gerettet wurden. Troß dieser anstrengenden Thätigkeit konnte leider nit allen Schiffbrüchigen Hülfe gebracht werden; allein auf Kraßz- und Medamsand vor der Elbe wurden um dieselbe Zeit drei große SeeschiffBrtrümmert, von deren Besaßung Niemand gerettet werden konnte. Derartige gewaltige Stürme zeigen aufs Neue, wie außerordentli< wich- tig es ist, daß das Neß der Rettungsstationen des Vereins die deutschen Küsten immer enger eins{ließt, Von dieser Erkenntniß ausgehend, haben die Bezirksverwaltungen für diese Generalversammlung eine große Anzahl Anträge auf Neuerrichtung und Vervollständigung der Stationen eingebract, deren Berücksichtigung der Vorstand dringend empfiehlt, obgleih die Ausführung der bezüglichen Beschlüsse die große Summe von zusammen 71 000 Æ erfordern wird. Der Vorstand legte seinerseits den Antrag vor, dur den neu gegründeten Samariterverein eine Anzahl Mitglieder der Rettungsmankischaften ausbilden zu lassen, um Verunglüten, insbesondere auch sheinbar Ertruukenen in Nothfällen die erste Hülfe bringen zu können. Auch die Verwirklichung dieser Idee wird erheblihe Geldopfer erfordern. Dazu kommen die naturgemäß mit Vermehrung der Stationen jährli< wacsenden regelmäßigen Ausgaben, sodaß das Ausgabenbudget des Jahres 1882/83 im Vor- anslage mit 168 392 K abschließt. Die Gesammteinnahmen beliefen \i< im verflossenen Jahre auf 214 991,42 4, darunter 122 578,88 A Zahresbeiträge der ordentli<hen Mitglieder, deren Zahl von 35 935 in 1880/81 gestiegen ist auf 38230 in 1881/82. Die außerordent- lien Cinnahmen beziffern si für das leßte Jahr auf 72 430,53 M gegen 32 577,99 im Jahre vorher.

Die Hauptversammlung des Stolze’ \<{en Stenographen- Vereins findet morgen, Donnerstag, Abends 8 Uhr, im Scbloß- Restaurant, Stloßfreiheit 8/9, statt. Auf der Tagesordnung stehen: 1) Vortra des Hrn. Reichstagsabgeordneten Lüders: Erfahrungen aus der Praxis der Stenographie. 2) Vereinsangelegenheiten. Gâste sind willkommen.

, Das am Freitag im Krolls<en Theater mit „Norma* be- ginnende Gastspiel der Königlih Württembergishen Kammersängerin zr. Marie Schroeder-Hanfstaengl verspriht eine Reihe interessanter pernabende, Die Künstlerin wird fernerhin auftreten als Rosine eBarbier von Sevilla“), Lucia („Lucia von Lammermoor“), Susanne „Figaro's Hochzeit“), Donna Anna (un Juan“), Margarethe von tavarra (, vugenotten“) und Gilda (,Rigoletto“).

__Im Victoria-Theater erfreut \si< die Operette „Die Königin von Golkonda“ von Seiten des stets gut besuchten Hauses allabendlich vielen Beifalls, G : n London wurden am Sonnabend von der Franke-Pollini- {en deutschen Operngesellschaft im Drury Lane h tre Riga Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ zum zweiten Male vor über- vollem Hause mit steigendem Erfolge aufgeführt.

Redacteur: Riedel.

Verlag der Expedition (Kessel). Dru>: W. Elsner. Vier Beilagen

Berlin:

Radirung hinzugesellt. Das in dem Atelier von Fr. Felsing in

(eins{ließli< Börsen-Beilage).

g 438,

Erste Beilage zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

182.

Berlin, Mittwoch, den 7. Juni

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Nichtamtliches.

Preußen. Berlin, 7. Juni. Jm weiteren Verlaufe der gestrigen (12.) Sißung trat der Reichstag in die zweite Verathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die Abänderung des Zolltarifgeseßes vom 15. Juli 1789, ein. 8. 1 der Vorlage lautet :

„An die Stelle des $. 7 Ziffer 3 des Geseßes vom 15. Juli 1879 tritt folgende Bestimmung :

Den Inhabern von Mühlen wird für die Ausfuhr der von ihnen hergestellten Mühlenfabrikfate eine Erleichterung dahin gewährt, daß ihnen der Eingangszoll für eine der Ausfuhr entsprechende Menge des zur Mühle gebrachten ausländischen Getreides nachge- lassen wird. Der Ausfuhr der Mühlenfabrikate steht die Niederlegung derselben in eine Zollniederlage unter amtlichem Verschluß gleich. Veber das hierbei in Rechnung zu stellende Ausbeuteverhältniß trifft der Bundesrath Bestimmung. Das zur Mühle zollamtlich abgefertigte ausländische, sowie auch sonstiges Getreides, welches in die der Steuerbehörde zur Lagerung des erstbezeichneten Getreides angemeldeten Räume eingebra<t is, darf in unverarbeitetem Zu- stande nur mit Genehmigung der Steuerbehörde veräußert werden. Zuwiderhandlungen hierzegen werden mit einer Geldstrafe bis zu eintausend Mark geahndet.“

Namens der Petitionskommission führte der Abg. Heyde- mann die zu diesem Theil der Vorlage eingegangenen Peti- tionen von Handelskammern und Mühleninteressenten inhalt- lich kurz vor und befürwortete den Antrag, dieselben dur die zu fassenden Beschlüsse als erledigt anzusehen. i

Der Abg. Dr. Frhr. von Heereman erklärte, es gereiche ihm naturgemäß zur ganz besonderen Freude, daß die ver- bündeten Regierungen si<h endli<h zur Erleichterung der Müßleninduslrie entschlossen hätten. Er sei 1879 Referent über die betr. Tarifpositionen und seitdem mit seinen Freun- den bemüht gewesen, die Regierung zur Beseitigung der Härten zu bewegen, die der Zolltarif für die Mühlenindustrie im Gefolge gehabt habe. Hoffentlih gelinge es jeßt diese geradezu an den Rand des Nuins gebrachte Jndustrie wieder zu neuem Leben zu erwe>en. Allerdings komme die Einsicht der Regierung etwas spät, und erst na<hdem schon viel Unheil angerihtet worden sei. Jm Westen habe der Export des Méehles vollständig aufgehört, zum Schaden nicht nur der Muüllerei und der in ihr beschäftigten Arbeiter, sondern auch der Landwirthschaft. Bedeutende Fallissements seien einge- treten, man habe erst kürzlich wieder von einem solchen in Posen gehört. Die Lahmlegung der deutschen Konkurrenz hätten sih Belgien, Holland und Schweden zu Nußten gemacht; sie hätten an den Grenzen große Mühlenetablissements er- richtet ; erst kürzlih sei ein Aktienunternehmen in Malmö ent- standen, welches stündliÞ 6000 kg Weizen, also stündlich 15 Doppelwaggons vermable. Es werde Deutschland hier- nach sehr {wer fallen, die verlorene Stellung wieder zu gewinnen, und die Regierung möge sich diese traurigen Er- fahrungen sehr zur Lehre nehmen. Der Reichstag habe, glaube er, ein Recht, der Regierung die Folgen ihres Zauderns vorzuhalten, roeil derselbe mit großer Majorität seit Jahren Anträge angenommen habe, die auf eine Erleichterung der Exportmüllerei hingezielt hätten. Fett de>e man den Brunnen zu, nachdem das Kind hineingefallen sei. Die Regierung müsse ferner niht nur rascher vorgehen in fsol<hen Fragen, fondern fih au<h hüten, die Theorien der Schußzölle mit denen der Finanzzölle zu verwechseln. Sie habe die An- gelegenheit von einem finanzzollmäßigen Standpunkt behan- delt, während ledigli<h Fragen des Schußzols und der inneren Produktion vorgelegen hätten. Daher die vielen Jrr- thümer und Nachtheile, Wolle man den Standpunkt der Schußzöllner vertreten, so müsse man die Bedürf- nisse und ‘Bewegungen des ganzen gewerblichen und politischen Lebens verfolgen; das habe die Regierung in diesem Falle nicht gethan. Zur inneren Nechtfertigung des $. 1 brauche er wohl nichts mehr anzuführen; was für denselben gesagt werden könne, sei hon früher gesagt worden, und es herrsche ja wohl auf allen Seiten des Hauses über die Nichtigkeit des- selben eine Auffassung. Der Abg. Bamberger habe bei der ersten Lesung angedeutet, die Vorlage sci ein Abfall von dem System des Schußzolls, und habe wieder einmal bestritten, daß das Ausland den Zoll bezahle. Er könne beides nicht zugeben. Wenn man überhaupt Schußzölle steststelle, so seien jol<he Ausnahmen ganz unausbleibli<h. Schon bei Festsezung des Zolltarifs seien eine Anzahl derartiger Ausnahmen berü>- sichtigt worden, au gerade in Bezug auf das Mehl; sie seien nur damals nicht in der Weise zur Ausführung gelangt, wie es wünschenswerth und nothwendig gewesen wäre. Ferner sei bezüglich dieses Punktes nicht gesagt worden, daß das Ausland den Zoll tragen würde. Gerade er, als Referent der Kommission im Jahre 1879, habe anerkannt, daß die Lage der Mehlindustrie durch den Eingangszoll auf Getreide erheblih alterirt werden würde. Er bedauere, daß der Abg. Bamberger bei seinem sonst so guten Gedächtniß sich dies niht gemerkt habe. Ein wichtiger Punkt sei die Festseßung des Ausbeuteverhältnisses zwischen Getreide und Mehl. Man wisse nicht, welhen Pro- zentsaß der Bundesrath, dem das überlassen bleibe, festseßzen werde. Man habe früher 70, auch 80 Proz. angenommen, was entschieden unrichtig sei, namentlich sür das feinere Mehl, das hauptsähli<h beim Export in Frage komme, und bei dem die Abfälle naturgemäß am größten seien. Das Ausbeute-

verhältniß variire je nah der Sorte des Mehls. Er hoffe, daß der Bundesrath in diesem Falle sehr vorsichtig sein werde, und entweder eine gewisse Skala für das Ausbeuteverhältniß festseßen, oder es sehr reihli< bemessen werde, damit der Vortheil, den man der Mühlenindustrie zuwenden wolle, au wirkli erreiht werde. Die Kontrole müsse niht nur so einfah wie möglich, sondern auch für die Jndustriellen so billig wie mögli sein, und er würde es Ie politis von Seiten der Regierung halten, wenn sie dabei das möglichste Entgegenkommen zeige. Er verstehe es nicht, wie die Negierung selbst der Schußpolitik Gegner schaffen könne dur eine Jnterpretation des Tarifs, wie man sie zuwcilen erlebt habe, und wie sie als Zollkuriosa eine traurige Berühmtheit erlangt hätten. Er glaube, daß im Allgemeinen für das durchschnittlih zum Export

Sache bei anderen Mühlenfabrikaten, bei Schrot und ähnlichen Produkten stelle, könne er aus der Vorlage nicht entnehmen ; darüber gebe vielleiht die Regierung no< Aufschluß, viel- leiht au darüber, wie die Getreideforten, aus denen man kein Mehl mache, behandelt werden sollten ; ob diese, 4. B. Hafer au< aus den Mühlen und Lagern der Betheiligten nit verkauft werden dürften. Er bitte {ließli< die Negie- rung, in diesen Erleichterungen ganz entschieden weiter vor- zugehen, und möchte sih, wenn das Geseß schnell zum Abschluß komme, in dritter Lesung den Antrag erlauben, es statt am 1, Juli hon am 15. Juni in Kraft treten zu lassen. Die allgemeinen Anweisungen könnten bis dahin ausgearbeitet sein.

Hierauf nahm der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Direktor im Reichs]<haßamt Burchard das Wort:

Meine Herren! Ich wkirde an si< keinen Anlaß gehabt Haben, auf die Ausführungen des Herrn Vorredners näher einzugehen, da er ja im Schlußresultate vollständig einverstanden is mit der Vorlage, wenn er nicht an seine Bemerkungen Ausstellungen geknüpft hätte bezüglich der allgemeinen Zollpolitik und der Handhabung des Tarifs durch die Regierung. Meine Herren, er is ja in dieser Beziehung ziemlich weitgegangen, er hat nicht blos das Verhalten der Regierung kritisirt bezüglih des Exports von Mühlenfabrikaten, sondern aub weiterhin die sogenannten Zollkuriosa herangezogen, alle diejenigen Beschwerden, welcbe mit Recht oder Unrecht laut geworden find im Haufe und in der öffentlichen Presse. Was diesen leßteren Punktanbetrifft, so will i< hier auf das Detail nit näher eingehen, es fehlt mir dazu auch jede Handhabe. Der Herr Vorredner hat au< nur ein ganz allgemeines Urtheil ausgesprochen, ohne die Fälle irgendwie näher zu bezeihnen. J will nur darauf hinweisen, daß diejenigen Ursachen, welche besonders zu den sogenannten Zollkuriosis Anlaß ge- geben haben, nicht aus der Zeit des jeßigen Tarifes ammen, sondern aus den früheren Zeiten, aus der Zeit der sogenannten Freihandels- Aera und daß nur die Anwendung dieser Bestimmungen, wie sie früher gelautet haben, zu jenen Eigenthümlichkeiten geführt haben, daß der Bundesrath nach eingehender Erwägung der Sachlage keinen Anstand genommen hat, in eine vollständige Aenderung dieser Bestimmungen einzutreten, in cine Aenderung, die es fortan unmögli<h machen wird, daß auch Seitens der unteren Organe derartige, wie ich gern anerkennen will, Mißgriffe vorkommen. Es sind also auch die Vor- würfe, die der Herr Vorredner gegen die Regierung in dieser Bezie- hung erboben hat, ni<t begründet. Was nun insbesondere den Rath des Herrn Vorredners betrifft, daß die Megie- rung sh das zur Lehre nehmen möge und in Zukunft \{neller auf derartige Wünsche des Reichstages eingehen möge, so glaube i< doc, daß der geehrte Herr Vorredner in dieser Be- ziehung stark aufgetragen hat. Er sagte, die Regierung sollte cine Lehre daraus nehmen, seit vier Jahren würden diese Wünsche hier ausgesproben und blieben unberüdtsihtigt. Nun, meine Herren, der Zolltarif ist im Jahre 1879 gemacht worden und die erste Resolu- tion, die der Reichstag ausgesprochen hat, datirt, wenn ih nicht irre, aus dem April 1880, es sind also nicht vier Jahre, sondern zwei Jahre verflossen. Außerdem möchte ih doch darauf hinweisen, daß, wenn nach so eingehender Berathung im Jahre 1879 diejenige Be- stimmung zw Stande gekommen ift, die jeßt im Tarif steht, es denn doch gewiß Pflicht der Regierung ist, an einem so mühsak zu Stande gekommenen Werke na< den eingehenden Berathungen, die gerade über diesen Punkt damals stattgefunden, nicht so {nell und leicht eine so wichtige einscneidende Aenderung eintreten zu lassen, sondern daß sie zunächst über diesen Gegenstand cine eingehende Prüfung veranlaßte. /

Ich glaube auc, daß der Herr Vorredner die Frage nicht richtig präzisirt, wenn er sagt, es handelt sich bei dieser Gelegenheit um die Frage, ob Finanzzoll oder Schußzoll, die Regierung verwechsle beide, sie wende die Prinzipien, die vielleiht beim Finanzzoll berechtigt wären, auf den Schußzzoll an. Meine Herren, fo liegt die Sache in der That nicht. Jch will hier abschen davon, zu erörtern, ob der Mehlzol Finanzzoll oder Schutzoll ist, aber die Bestimmung um de G. h hiex handell Nat - gans ablats von diesem Gebiete; es handelt si<“ darum, eine -Bestim- mung einzuführen, die davon absieht, daß man den Zoll nur für solche Sachen erlasse, die vom Auslande eingeführt worden, daß man also strengen Nachweis fordert, daß, wenn Zollerlaß beansprucht wird, auch die eingeführte Sace wirkli< wieder ausgeführt wird. Meine Herren, die Frage ist nit unwichtig, ih glaube, es kann Niemand darüber im Zweifel sein, der die Aeußerungen sowohl in diesem Hause als au< in der Presse verfolgt hat, die sich an die Vorlage geknüpft haben. Sie wiffsen, daß {on bei der ersten Lesung die Frage an die Regierung gerichtet ist, ob sie mit dem $. 1 ein allgemeines Prinzip aufheben wolle, und als erwidert wurde, das läge ihr fern, hat dies eine sehr verschiedene Aufnahme gefunden. Jch glaube, die Angelegenheit hat nicht die- jenige Bedeutung, die der Herr Vorredner ihr beilegt, ob Finanzzoll oder Schubzoll, sondern hier handelt es si<h um das Prinzip, welches jeder Zollerhebung zu Grunde liegt und auf das meines Erachtens strenge geabtet werden muß, wenn überhaupt _eine gleihmäßige und gerechte Durcbführung des Zolltarifs gesichert sein soll.

Dann möchte ih au no< das berühren, was der Herr Vor- redner in Bezug auf die Lage der Mebhlindustrie gesagt hat. Er meinte, die Industrie wäre an den Rand des Abgrundes gebrat, der Export hâtte aufgehört, wenigstens im Westen, und einige große Unternehmungen wären eingestellt. Meine Herren, die Statistik läßt uns vollständig genau keinen Vergleich anstellen, wie das Verhältniß des Exports vor Erlaß des Tarifs zu demjenigen na Erlaß des Tarifs sich stellt. Wenn man einfach gegenüberstellen wollte die Differenz zwischen Einfuhr und Autfuhr aus der Zeit vor Erlaß des Zolltarifs und na Erlaß desselben, so müßte man zu der Auffassung gelangen, daß die Ausfuhr überhaupt niht nacbgelassen hat; gleicwohl erkennt die Regierung aus den vielen Klagen, die laut geworden sind, daß der Export allerdings zurü>gegangen ist, an einzelnen Orten gewiß sehr wesentlich, namentli will id nit in Abrede stellen, daß er im Westen zurückgegangen ist; dagegen scheint im Osten der Export wenig- stens nicht so erheblich nachgelassen zu haben. Jh möchte jedo hinweisen auf diejenige Maßregel, wel<e im vorigen Jahre bes<lossen worden ist, nämlih auf die Erhöhung des Meblzolles. Es sollte dies ein Mittel sein, um die Mehlindustrie zu begünstigen, und diese Wirkung hat fie unzweifelhaft gehabt. Wenn Sie die statistishen Nahweisun- gen vom Monat April na<sehen, sie liegen mir gerade zur Hand \o finden Sie, daß, während dec Import in der Zeit vom 1. Ia- nuar bis Ende April 1882 an Graupe 2c. 5762 Doppelcentner be- trug, er im Jahre 1881 in derselben Zeit über 12 000 betragen hat ; das ist also cine Abnahme weit über die Hälfte. Noch größer ift die Abnahme hinsichtlid des Mehls. Während der Import von Mebl in der bezeicneten Zeit \sih auf 61503 Doppelcertner im Jahre 1881 stellte, bat er si< im Jahre 1882 nur auf eiwas über 25 (00 Doppel- centner belaufen, also hier nad bei weitem weniger. Erwägt man, daß diese Differenz unzweifelhaft der inländischen Industrie zu gute gekommen ist, weil dieje in den Stand geseßt wurde, dasjenige, was früher dur den Import gede>t wurde, nun aus ihrer Produktion zu liefern, so wird man in der Erhöhung des Meblzolles in der That ein wirlsames und erfolareibes Mittel erbli>en müssen, um der in-

Der Herr Vorredner hat denn au darauf hingewiesen, daß ver- schiedene Institute. große Mühlen, eingegangen sein follen, er hat namentli<h die Mühle in Posen genannt. Der Gegenstand hat natürlih au die Regierung beschäftigt, na< den eingezogenen Er- kundigungen ist aber wahrli< niht der Mangel der Bestimmung, die hier im $. 1 steht, Ursache gewesen, daß diese Etablissements zu Grunde gegangen sind, sondern es sind andere Ursachen, Schwierig- feit der Kapitalbeschaffung, zu große Engagements u. dergl.

Um nun auf das Sachliche der Ausführungen des Herrn Vorred- ners, auf seine Anfragen, einzugehen, \o ist dem hohen Haufe aus früheren Grörterungen bekannt, daß vor der Feststellung der ursprünglichen Rendementssäße für Mehl die betheiligten Regierungen gefragt wor- den sind, und daß sie si< übereinstimmend oder doch in ihrer großen Mehrzahl für diejenigen Säße ausgesprochen haben, welhe Anfangs angenommen wurden, nämli< für Weizen 80, für Roggen 70. Auf verschiedene Vorstellungen ist demnächst die Frage abermals einer an- derweitigen Prüfung unterzogen worden, und man hat dabei die Rendementsfäte herabgeseßt auf 75 und bezw. 65. Bei diesen Säßen hat, soweit die Regierung in der Lage war, dies zu beobachten, die Industrie im Allgemeinen sich sehr wohl befunden, wenigstens sind mir feine Wünsche bekannt, die an die Regierung gekommen wären und darauf abzielten, die Säße anderweitig zu ändern.

Sollten solhe Wünsche in motivirter Weise ausgesprochen wer- den, so wird die Regierung nicht verfehlen, die Frage einer erneuten Untersuchung zu unterwerfen und das Haus darf annehmen, daß die Regierung in dieser Richtung niht von kleinen Gesichtspunkten aus- geht; aber sie ist niht in der Lage, über dasjenige hinauszugehen, was von den Regierungen in der grefßen Mehrzahl als das richtige angesehen wird, sie würde fonst vollständig willkürlih irgend einen beliebigen Saß herausgreifen müssen.

Sodann hat der Herr Vorredner Zweifel geäußert, wie die Bestim- mung des $. 1 zu verstehen sei, ob sie fih auc auf Graupe und Hafer be- ziehe. Meine Herren, der Wortlaut der Bestimmung heißt, daß den Jn- habern von Mühlen für die Ausfuhr der von ihnen hergestellten Mükblenfabrikate eine Erleichterung gewährt wird; es bezieht sich also diese Bestimmung im weitesten Kreise auf alle Mühlenfabrikate, also au< auf Graupen und auf Gegenstände, welche aus Hafer her- gestellt werden.

Es ist daher die Annahme ni%t begründet, daß eine Ein- \{Gränkung auf Roggen oder Weizen irgendwie beabsichtigt gewesen ware.

Was s{ließli< den Wunsch des Herrn Vorredners betrifft, daß die Tarifnovelle {on zum 15. Juni in Kraft treten solle, wenigstens bezüglich dieser Bestimmung, so möchte ih do< annehmen, daß ein so früher Zeitraum wir schreiben heute den 6. Juni in der That ausges<clossen sei. J< glaube, es wird {on außerordentlich \{<wie- rig sein und cine allseitige Anstrengung der Arbeitskräfte erfordern, wenn diejenigen Bestimmungen, die absolut nothwendig sind, um den 8. 1 in die Wirklichkeit zu verseßen, no< mit einiger Vorbereitun gründlih erwogen und beschlossen werden sollen. Es wird hierna in der That unmöglich sein, einen früheren Zeitpunkt als den 1. Juli für das Inkrafttreten des Gesetzes zu bestimmen.

Der Abg. Kochhann (Landsberg) bemerkte, es scheine zweifelhaft, ob die Wunden, welche der Mühlenindustrie dur< den Zolltarif geschlagen worden seien, dur< diese Tarif- änderung oder überhaupt jemals wieder geheilt werden könn- ten; er glaube dies ni<ht. Während seit 1857 große Quan- titäten ausländishen Getreides in Deutschland eingeführt seien, die die deutshen Mühlen, zu Mehl verarbeitet, wieder exportirt hätten, habe sih dies Verhältniß mit dem neuen Zolltarif mit einem Schlage geändert. Die früher entstande- nen großartigen Mühlen-Etablissements, die um 50 Proz. mehr produzirt hätten, als für den heimishen Bedarf nöthig gewesen fei, seien auf den Export angewiesen, und um sie in Thätigkeit zu erhalten, müsse das richtige Verhältniß zwischen dem zum Export bestimmten Mehl und dem importirten hierzu zu verarbeitenden Getreide gefunden werden. Dies Prinzip i in der Vorlage in keiner Weise berücksichtigt; es könne nah den Bestimmungen der- selben vorkommen, daß die Regierung, namentli<h wenn aus dem importirten Getreide ein großer Mehlgewinn erzielt werde, für ganz unverhältnißmäßig große Quantitäten Mehl mehr an Zoll vergüten müsse, als sie felbst für das Getreide ver- einnahmt habe, ein Uebelstand, auf den besonders hingewiesen zu werden verdiene. Die Erfahrungen während der leßten drei Jahre hätten jedenfalls die oftmals gehörte Behauptung genügend widerlegt, das Ausland bezahle den Getreidezoll. Er behaupte kühn, daß seit dem Bestehen des Zolltarifs das Jnland den v-llen Zoll bezahlt habe, und man werde nicht in der Lage sein, ihn mit Zahlen zu widerlegen. 4

Der Abg. von Kardorff entgegnete, auf die ebenso kühne als unrichtige TEUNs des Borredners wolle er demselben nur bemerken, daß vor dem Zolltarif nicht selten die Getreide- preise in Polen höher gewesen seien, als in Schlesien, was der Posenshen Mühlenindustrie nie geschadet habe, und no< im leßten Jahre seien die Getreidepreise in den polnischen Be- zirken an der \{lesishen Grenze troß des Zolles höher als in Schlesien gewesen. Bezüglich der ferneren Behauptung, daß das Ausland den Zoll auf keinen Fall bezahle, verweise er auf eine Erfahrung aus dem praktischen Leben, die ciner seiner Freunde gemacht habe; derselbe müsse seit der von Frankreich beliebten Zollerhöhung auf Sprit den Zoll einfach bezahlen, wenn derselbe mit seinem Sprit nah Frankrei hinein wolle. Natürlich werde der Vorredner hier wieder sagen: „Ja, Bauer, das ist ganz was anderes.“ i

Darauf wurde $. 1 mit großer Majorität angenommen.

S. 2 der Vorlage zählt die einzelnen Abänderungen auf, welche an dem Zolltarif vorgenommen werden sollen. Unab- hängig hiervon haben die Abgg. Graf von Behr-Negendank und Gen. die Wiedereinführung des Zolles auf Shlemmkreide in Nummer 5 h. des Tarifs, und zwar in Höhe von 1 pro 100 kg vorgeschlagen. | i

Der Abg. Graf Behr- Negendank befürwortete scinen Antrag im Jnteresse der Kreidefelsenbesißer der Jnsel en. Schon 1879 hätten die Betreffenden eine entsprehende Bitte an die geseßgebenden Faktoren des Reiches gerichtet, doch sei damals die Sache zu spät angeregt worden. Auch 1880 habe sich der Reichstag einer entsprehenden Petition gegenüber wohlwollend geäußert. Ohne Zollshuß seien die großen Rügener Etablissements rettungslos verloren, da sie gegen die skandinavishe Konkurrenz schon jeßt kaum no< Stànd zu halten vermöhten; in den leßten Jahren sei die Ausfuhr und der Preis gleihmäßig zurü>gegangen, während die Förde- rungs- und Transportkosten gestiegen seien. Der Rüc>gang

fommende Weizenmehl ein höheres Ausbeuteverhältniß als 65 Prozent ni<t angenommen werden könne, Wie sich die

ländischen Industrie zu helfen.

in diesem Zweige der wirthschaftlihen Thätigkeit NRügens

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