1882 / 217 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

E A L

Erwirbt Jemand seines Vortheils wegen einen von einem strafunmündigen Kinde gestohlenen Gegenstand, unter Kenntniß dieses Sacverhalts, so ift er nah einem Urtheil des Reihsgerichts, 11. Strafsenats, vom 6. Juni d. J., als Hehler zu bestrafen.

Der Königlih württembergishe Gesandte am Aller- höchsten Hofe von Baur-Breitenfeld is am 12. d. Mts. von Urlaub zurü>gekehrt und hat die Geschäfte der Ge- sandtschaft wieder übernommen.

Kiel, 14. September. (Kiel. Ztg.) Die Fregatte „Niobe“ vcrläßt morgen den hiesigen Hafen und geht nah Danzig in See. Die an Bord des Uebungsgeschwaders befindlichen Seekadetten sind von dem Zeitpunkt der Auf- lösung des Geschwaders bis 6. Oktober cr. beurlaubt.

Oesterreich - Ungarn. Görz, 13. September. Der Kaiser erwiderte italienis<h auf die gestrige Ansprache des Bürgermeisters: „Sehr gern bin Jh wieder nach Görz gekommen, eingedenk der loyalen Gefühle, welche die Bevölkerung Mir jederzeit bezeugt hat, Gefühle, welhe J< mit Vergnügen in Jhren Worten neuerlih bekräftigt finde. Jh danke Jhnen herzlich dafür, indem Jh Sie gleichzeitig der lebhaften Theilnahme versichere, welche Jh für Görz hege.“ Die Antwort erregte einen wahren JZubel- sturm. Morgens um 6 Uhr besuchte der Kaiser das Grab seines ehemaligen Erziehers, des Grafen Coronini. Um halb sieben Uhr nahm Se. Majestät die Garnisonsrevue vor und wurde ron der Menge überall jubelnd und begeistert begrüßt.

__ Laibach, 13. September. Der Landtag beschloß ein- stimmig, eine Deputation an das Hoflager na << Triest zu entsenden, um den Majestäten und dem Kronprinzenpaare die Huldigung und Versicherung der Treue der Krainer. dar-

Ubringen. Der Gemeinderath faßte gestern einen gleichen es<luß und ist morgen ein ebensol<er von der Handels- kammer zu gewärtigen.

_ Prag, 13. September. Das „Prager Abendblatt“ schreibt: Die Zeitungen wissen über einen Statthalterei-Präsidialerlaß zu berichten, wel<her mit Rücksicht auf den angeblich zu besor- genden Wiederausbruch eines Strike die Erhöhung der Löhne der Bergarbeiter in den Kohlendistrikten des Landes bezwe>e. Gewiß ist es Pflicht der Regierung, deshalb ent- sprechende Erhebungen einzuleiten; aber eben so gewiß ist es, daß es nicht Aufgabe der Regierungsorgane sein kann, auf die bestehenden Lohnverhältnisse irgendwelchen imperativen Einfluß zu üben. Es kann demnah nur auf einem Mißverständnisse beruhen, wenn in den betreffenden Zeitungen gesagt wird, daß durch den bezüglichen Erlaß bezwe>t werde, die Werks- besißer zu einer Lohnerhöhung zu vermögen. Nach unserer an konpetenter Stelle eingeholten Jnformation handelt es si um nichts Anderes, als um angeordnete geeignete Erhebun- gen über einen speziellen Fall. Nur für den Fall, daß sich hierbei herausstellen sollte, daß bei einzelnen Kohlengewerken oder Schähten Mißbräuche oder unbillige Verhältnisse bestehen, würden die Bezirkshauptmannschaften aufgefordert werden, \ih wegen Abstellung derselben sofort mit den betreffenden Ge- werken ins Einvernehmen zu seßen.

Triest. 14. September. (W. T. B.) Ein oxkan- artiger Sturm zerriß heute Vormittag das Dach des eisernen Pavillons der Ausstellung und beschädigte die im Mittelschiffe untergebrahten Gegenstände ziemlich erheblich. Die Restaurirungsarbeiten wurden sofort begonnen und dürften in wenigen Tagen beendet sein.

Pest, 13. September. Das Kronprinzenpaar trifft am 21. September in Maros-Vásárhely ein.

Schweiz. Bern, 12, September. (Wes. Z.) Amtlicher Mittheilung zufolge hat der \{weizerische Handels- und Jndustrieverein den Bundesrath ersucht, die nöthigen Schritte zu thun, damit die s{hweizerishen Staatsangehörigen für die in Egypten in Folge der dortigen jüngsten Ereignisse erlittenen Verluste eine angemessene Entschädigung erhalten, wobei er si< bereit erklärte, die Ausmittelung dieser Verluste auf si<h zu nehmen. Der Bundesrath beantwortete dieses Gesuh in seiner heutigen Sißung dahin, daß er seine Jntervention in dieser Angelezenheit darauf beschränken müsse, „die bezüglichen Begehren von Schweizern, welhe in Egypten Schaden erlitten haben, der Regierung derjenigen Macht amtlih zu übergeben, unter deren Schuß die Betreffenden in, Egypten standen, damit ihre Ansprüche in gleiher Weise behandelt werdzn wie diejenigen der Angehörigen dieses Staates oder anderer Schußgenossen.“ Im Uebrigen ist der Bundesrath zur Annahme des Anerbie- tens des s{weizerishen Handels- und Jndustrievereins bereit und ersucht denselben, die Entschädigungsbegehren \{wei- zerisher Angehöriger entgegenzunehmen und sie ihm wit den nöthigen und gehörig beglaubigten Ausweisen zu übersenden. Gambetta weilt mit seinem Vater seit gestern auf Schloß Des Crêtes bei Montreur.

Großbritannien undJrland. London, 13. September. (Allg. Corr.) Gladstone wird heute zur Abhaltung eines Ministerraths in der Hauptstadt erwartet. Diese Ankündi- gung ist in politischen Kreisen mit besonderer Befriedigung aufgenommen worden, obgleih keine besondere Veranlassung ju einer so frühzeitigen Versammlung der Minister vorzu- iegen scheint, da no<h ein Zeitraum von ses Wochen bis zum Wiederzusammentritt des Parlaments dazwischen liegt. E Jenn Kobinetsrathssizung hatte am 12. August statt- gefunden.

Der Vizekönig von Jrland verließ gesican Dublin um eine Rundreise im westlihen Zrland anzutreten. Lord Spencer wird etwa eine Woche abwesend sein und während dieser Zeit au<h den FGauplas des fünffahen agrarischen Mordes in Maamstrassna in Augenschein nehmen. Für die Sicherheit des Vizekönigs auf seiner Reise dur die erregte Provinz sind besondere Vorsichtsmaßregeln getroffen worden.

Die Ereignisse in Egypten hen in der indischen Re- gierung den Gedanken aufsteigen lassen, die Bef estigungs- werke von Aden zu dag dd A L Insbesondere soilen die Vertheidigungewerke der Jnsel Perim v:rstärkt werden. __— 16, September. (W. T. B.) Nah einer bei Lloyds e T Depesche aus Charlestown ist das englische Kriegsschiff „Phoenix“ bei den Prinz Edwards-Jnseln gestrandet und voll Wasser. Die Besaßung wurde gerettet ; man ist mit der Bergung des Materials beschäftigt.

(Allg. Corr.) Seit einem Vierteljahrhundert und länger haben si englische Kapitalisten und Staatsmänner

in den Schooß geleat und der Zukun des Unternehmens überlassen.

macht hat, dem abzulaufen und

Andrew, welcher seit länger als zwan Ausführung desselben das Wort geredet un

die Wichtigkeit dieses Unternehmens.

von einflußreichen

Personen, wie Henry Chavplin,

Edward Eastwi>, Lloyd Sampson, Earl Shastesbury und

Charles Werke: „Russian Advance towards India“ politishen Siandpunkte aus behandelt.

diebeste Revanche sür Sedan sei. Der „Telegr Judustrieen Deutschlands ihre Kräfte in hältnissen, und jeßt führt, wie Hr. den „Annales du commerce extérieur“) best land für mehr als zwei Milliarden

Deutschen haben billigere Arbeitslöhne und sie zahlen kaum halb so hohe Steuern als

in Jtalien, während die unseren fortwähr 720 m nicht übersliege, wird zunächst emp

906 km betrage. Hauptthema des Tages.

Der englische Botschaster Lord Dufferin war den, sic, Nachmittags zur Unterzeihnung

diejer Einladung keine Folge gegeben und zeihnung no<h die Abänderung zweier Ste Arabi gerichteten Proklamation verlangt.

ersuhte neuerdings wieder den Botschafter, Pforte einzufinden.

beigelegt. Griechenland ist dem Vernehmen n

außerordentlihen Session einberufen werden.

zu ihrer Arbeit zurü> und gegen die Befehle

je getroffen hat, Buenos Ayres, 16, August.

Staaten oder des Bundesgerichts in Bern z Dr. Avellaneda, der ehemalige Präsiden tinishen Republik, welher in Rio de

den. Die neuesten Nachrichten aus Chili l den Krieg mit

bringen. Berichten aus Montevideo zufolge he guay ruhige Zustände.

Afrika. Egypten. Alexandrien,

und hoffte au

der Garde nah Kairo marschiren. Es sind Verhandiungen wegen der

bereit zu halten. melden, daß in der Stadt Ruhe herrshe.

abgesandt und beauftragt, dem Khedive die Ve

mit dem Projekte einer Euphratthal-Eisenbahn

Treue und Ergebenheit auszusprechen.

beschäftigt, aber ts Praktishes in der Sache gethan. Sie haben si E gt Schäßung des Werthes und der Wichtigkeit, sowie der Nothwendigkeit des Projekts begnügt, aber vor den si<h darbietenden Schwierigkeiten die Hände

Aufgerüttelt aus ihrer Apathie dur die aufgetauhten Bemühungen deutscher Kapita- listen, die Konzession der Kleinafsiatischen Eisenbahn an sih zu bringen, ist au die Agitation zur Ausführung der Euphratthal- eisenbahn hier wieder von neuem erwacht, und es ist neuerdings der Plan aufgetaucht, einen ernsten Versuch zu machen, das von offiziellen Personen und Geschöftsmännern so lang Ver- säumte nachzuholen, seitdem au< Rußland den Anfang ge- erkantilen England im Orient den Rang essen Märkte in jenen Regionen zu be- drohen. Ein soeben erschienenes neues Werk über den Gegen- stand aus der Feder des Veteranen des Projekts, Sir William

Publikum dessen Vortheile gepredigt hat, richtet abermals die Aufmerksamkeit der Finanz- wie der politischen Kreise auf / Das ursprüngliche Staffordhouse-Comité, mit dem Herzog von Sutherland als Präsidenten an der Spite, ist von neuem zu energischer Thätigkeit ins Leben getreten, und a den Zuwachs

omas

Henry Algernon Boothwi>, Lord Kinnaird, Alderman McArthur,

bedeutend verstärkt worden, und maht nun Anstrengungen, die Unterstüßung der Regierung für die Ausführung des Unternehmens zu gewinnen. Dos Buch Andrews ist betitelt: „The Euphrates Valley Route to India, in connection with the

Centrál Asian and Aegyptian Questions“, mit einer Einleitung aus der Feder des bekannten Schriststellers über Centralasien, Marwin, der in seinem neuesten, jüngst erschienenen

Frankreich. Paris, 12, September. (Köln. Ztg.) Ein französisher Oekonomist hat dieser Tage die Franzosen ob der drohenden deutschen Konkurrenz damit getröstet, daß Bis- mards System Deutschland zu Grunde richte und für Frankreich

darauf: „Zum Unglü>k für uns entwi>eln die geshüßten

während wir nur für 1700 Millionen ausführen. Die

Transporte sind minder {wer als die unsern. Wir begegnen Jeßt den deutshen Fabrikanten in Konkurrenz auf fast allen Yiärkten der Welt und besonders in Jtalien. Seit der Durch- stehung des Gotthard verdoppeln ¡ic die deutschen Einfuhren

Wie dem begegnen? Die Durchstehung des Simplon, die

Entfernung von Paxis nah Mailand auf 835 km zu kürzen, die jeßt dur< den Mont Cenis 951 und dur den Gotthard Die „deutsche Konkurrenz“ ist jeßt das

Türkei. Konstantinopel, 14. September. (W. T. B)

fonvention auf der Aen Pforte einzufinden, hatte aber ?

Derwisch Pascha wird sofort nah der Unterzeihnung der Konvention nach Egypten abreisen. Der griechis<-türkishe Grenzkonflikt ist noch nicht

auf seinem bisherigen Standpunkte zu beharren.

Numänien. Bukarest, 14, September. (W. T. B.) Die Kammern werden für den Monat Oktober zu einer

_ Amerika. New-York, 12. September. (Allg. Corr.) Die große Arbeitseinstellung der Eisenwerkarbeiter ist zu Ende. Die Leute kehren unter den alten Vedingungen

Die Hüttenbesißer haben einen vollstänt igen Sieg erreicht und das Verbandwesen den \{wersten Schlag erlitten, der es

l es , (Allg. Corr.) Der argentinis<e Minister sür auswärtige Angelegenheiten hat der brasilianis<en Regierung den Vorschlag gemacht, die Frage betreffs der Grenze von Missiones dem Schiedespruche des obersten Gerichtshofes der Vereinigten

ist vom Kaiser von Brasilien gut aufgenommen wor-

gerish. Die chilenische Regierung scheint entschlossen zu sein, Peru zu einem s{leunigen Abschlusse zu

(W. T. B.) Nach einer Depesche des General Wolseley vom 13, d. sind in Telelkebir 50 bis 60 Kanonen erobert

worden. Arabi Pascha hat si< ne< Kairo begeben. Die englishe Kavallerie bat am 13. d. Belbeis beseßt. General

Wolseley gedenkt heute mit der Jnfanterie daselbst einzutreffen

enha heute zu beschen. Wenn alles gut geht, wollte Wolseley na Galiub vorrücen, andererseits mit

Kafrdowar angeknüpft ; die englischen Truppen haben Be- fehl erhalten, sich zur Beseßung der Stellung von Kasrdowar Dem Khedive aus Kairo zugegangene Nachrichten

ist auf der Reise nah Alexandrien in Kafrdowar eingetroffen, derselbe ist von den Einwohnern von Kairo als Delegirter

die Ausführung

zig Jahren der d dem englischen

Brassey, Bourke,

vielen Anderen

die Frage vom

aphe“ entgegnete enormen Ver- Marteau (in ätigt, Deutsch- ‘Fabrikate aus,

billigere Kohlen, wir, und ihre

end nachlassen.“

fohlen, um die

eingeladen wor- der Militär-

vor der Unter- llen der gegen Di?2 Pjiorte sich auf der

ah entschlossen,

des Verbandes.

u unterbreiten. t der argen- Janeiro weilt,

auten sehr krie-

rrschen in Uru-

14, September.

Uebergabe von

Butros Pascha

rsiherung ihrer

Butros Pascha, Reuf Pascha und Ali Rubi überreichten heute dem Khedive im Namen der Einwohner von Kairo eine Adresse, in welcher diese ihre Treue und Er- gebenheit aussprehen. Butros theilte mit, die erste Nach- riht, welhe über die Vorgänge bei Telelkebir nah Kairo gelangt sei, habe einen großen Sieg der egyptishen Truppen gemeldet. Gerüchtweise verlautete damals, Arabi würde nah Kairo kommen mit dem Haupte des Admirals Seymour, welchen die Bevölkerung als den Ober-Befehlshaber der englishen Truppen betrachtete. Als Arabi allein ein- traf, habe ihn die Bevölkerung insultirt und mit Steinen ge- worfen. Als die Delegirten Kairo verließen, habe dort Ruhe E Die Eisenbahn zwischen Kairo und Kafrdowar ist intakt.

Die „Daily News“ meldet in einem Telegramm aus Telelkebir, ein egyptisher Arzt, welcher gefangen genommen wurde, berichtete, daß, während Arabi auf der Eisenbahn nah Zagazig entfloh, von einem seiner eigenen Offiziere auf ihn geschossen worden sei; ein anderer Offizier, welcher zu- gegen war, sagte aus, daß Arabi verwundet worden ei.

Port Said, 14. September, Abends 6 Uhr 10 Minuten. (W. T. B.) Die Avantgarde der englischen Truppen ist mittelst der Eisenbahn in Kairo eingetroffen und dort mit großem Enthusiasmus aufgenommen worden. Alle her- vorragenden Persönlichkeiten, welche sih der Jnsurrektion an- geshlossen hatten, haben si unterworfen.

Aus London meldet „W. T. B“

unter dem 14. September :

_ Eine Depesche General Wolseley's vom 13. d. sagt: Die Kavallerie wird heute mit Gewaltmärshen und, indem sie den Weg durch die Wüste einshlägt, auf Kairo vorrü>en.

Der Kommandant von Alexandrien meldet unter dem heutigen Tage, ein Offizier aus Kafrdowar habe ein Schreiben überbracht, in welhem erklärt wird, die militäri- schen Führer der Jnsurgenten seien bereit, sih dem Khedive zu unterwerfen und hätten Befehl gegeben, den im Kanal aufgeführten Damm zu öffnen. Der Offizier habe General Wood ersucht, die telearaphische Verbindung wieder herzu- stellen und habe gleichzeitig bemerkt, daß die Insurgenten alle Feindseligkeiten eingestellt hätten.

Nach einer Depesche. des „Daily Telegraph“ sind die Engländer jezt im Besiy der Eisenbahn von Kairo.

unter dem 15. September:

Nachrichten aus Telelkebir vom 14. d. M. zu- folge betrug der Verlust der Engländer bei der Ein- nahme 54 Todte, darunter 9 Offiziere, und 342 Verwundete, darunter 22 Offiziere. Der Verlust des Feindes wird auf 1500 Todte und Verwundete veranschlagt. Der „Times“ wird aus Jsmailia vom 14. d. gemeldet, die Garnison von Damiette habe die Uebergabe angeboten.

Zeitungsfstimmen.

Zur Frage der Aufiösung der Stadtverordneten- Versammlung bemerkt die „Berliner Börsen-Zeitung“:

„Bei Weitem die wichtigste Frage, welche in erster Linie die Ein- wohner unserer Residenz, dann aber au weitere Kreise unseres Landes augenbli>li interessirt, ist die nunmehr zur Gewißheit gewordene bevorstehende Auflösung der Berliner Stadtverordneteaversammlung. Es ist dieselbe, wie {hon früher, so auch in allerjüngster Vergangen- heit zum Gegenstande widersprehendfter Behauptungen und Muth- maßungen gemacht worden; auch haben politische Pessimisten nicht gefehlt, welche in der Lringlichkeit, womit gewisse Blätter für die endliche Neugestaltung des Wahlmodus für die genannte Versamm- lung eintraten, eine gegen das dermalige Personal der leßteren ge- ricbtete politische Feindseligkeit erbli>kten. Ohne die Möglichkeit in Abrede zu stellen, daß mancher Orten ret innig der Wunsch em- pfunden wird, daß si eine spätere, auf Grund einer neuen Wahl- organisation fkonstituirte Stadtverordnetenversammlung aus wesentlich anderen Elementen, als bisher, zusammensetßzen möge, können wir do nit verstehen, warum sich die Gemüther über eine Nothwendigkeit so sehr erhißen, wele {hon längst allerseits als solche erkannt, nun endli zum entsprebenden Handeln geführt hat. So wie das Verhältniß bei den in Rede stehenden Wahlen war, konnte es nicht bleiben.“

—Fn der „Deutschen Rund\<au“ wird die preußische Eisenbahnpolitik besprochen und über die Verstaatlihung fol- gendes Urtheil gefällt :

„Daß Handel und Verkehr \i< unter dem neuen Eisenbahn- system von Jahr zu Jahr besser befinden werden, daß unsere Wehr- haftigkeit damit wesentlib gewinnt, wer wollte das nach den son jeßt vorliegenden Erfahrungen bezweifeln? Die innere Reorganisation der unter dem Privatbahnsystem in dezennienlanger Partikularwirt b- haft entstandenen Verhältnisse läßt si ja leider nit von heute auf morgen bewerkstelligen; aber aus dem, was bereits erreit ift, können wir die besten Hoffnungen für die zukünftige Wohlfahrt und das fortschreitende Gedeihen unseres Vaterlandes \<öpfen !“

Der „Düsseldor] er Anzeiger“ macht in ciner Correspondenz aus Bochum Mittheilungen aus dem Fahres- beriht der Handelskammer zu- Bohum. Es heißt daselbst über die allgemeine Lage: Die Besserung der wirthschaftli<hen Lage, deren Vorzeicben wir in unserem leßten Jahresberichte konstatirt haben, mate in der zweiten Hälfte des Berichtsjahres, namentlib im letzten Quartal desselben erfreuliche Fortschritte. Sie prägt si namentli in den nachfolgen- den Thatsachen aus. Die Einfuhr von Rohstoffen zu Fabrikationëzweden und ebenso von Konsumtibilien, speziell von Kolonialwaaren, hat ih bedeutend gesteigert. Es fand hierna< also gleichzeitig eine Erhöhung der Pro- duktion und au des Konsums innerhalb des deutschen Reichsgebietes statt. Die Ausfuhr von Jndustriefabrikaten hat \ih beträhtlih ge- hoben, deren Einfuhr dagegen abgenommen. Dies gilt ebensowohl von der Steinkohlen- und Eisen- als au von der Textilindustrie (mit Ausnahme der Leinenbrance), der Glas-, Papier- und Leder- industrie. Hunderte von Millionen, die wir sonst an das Ausland gezahlt haben, sind im Lande geblieben und der nationalen Produktion zugefallen. Der heimishe Markt wird somit in viel ausgedelznterem Maße aïs früher dur die vaterländishe Arbeit versorgt, während zugleich deren Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkte gewachsen ist. Die lebhafte Na<frage na Steinkohlen und Koks in den letzten Monaten des Berichtsjahres und in den, ersten des laufenden, troß des bei mildem Winter geringeren Bedarfs an Hausbrandkohle, läßt \{<on auf eine stärkere Gewerbthätigkeit im Allgemeinen \{ließen, und ihr thatsäblides Vorhardenscin wird dur die vermehrte Zahl der Arbeiter und die bessere Lescäftigung vieler Arbeitsstätten be- stätigt. Vor Allem trifft dies zu bei dem Steinkohlenbergbau und bei dem nach diesem in unserem Bezirk wichtigsten Produktionszweige, der Eisen- und Stahlindustrie. Die Roggen- und Kartoffelernte if reibliher als 1880 ausge- fallen und der Roggenpreis nahezu auf das normale Niveau zurü>- gekehrt. Die amerikanische Einfubr von Cerealien hat ih vermin- dert. Wenn im Herbste große Quantitäten russishen Roggens zu ermäßigten Preisen eingeführt wurden und wenn transfitirende

Cerealien fast eben so ho< bezahlt wurden, als die für den Gebrau des Landes importirten, so beweist dies die geringe Wirkung der Ge-

idezölle niht blos in Betreff des Preises für den Konsumenten, E au< für den Verkehr ee E und do< wurde denselben 18 Jahre 1880 der Rückgang der russishen Einfuhr irriger Weise von freihändlerisher Seite zugeschrieben. Auch die sonstigen Lebens- mittel sind e wenigen Ausnahmen nit theurer, sondern zum Theil

illiger geworden. i

Us Dex Eisenbahnverkehr bat si< namhaft ertragreicher gestaltet als 1880. In gleicher Weise steigerte si au< der Wassertransport und brachte höhere Frahten. Gerade diese Thatsacen stellen gleichfalls eine Belebung der wirths<aftlihen Thätigkeit außer allen Zweifel. . ._… Die Gründung von über 100 Aktiengesells{aften im Laufe des Jahres im deutschen Reichsgebiet beweist ein erfreuliches Wieder- erwachen des Unternehmungs8geistes und die Nürkkehr des Vertrauens Hei dem Privatkapital. . N

Auch die Lage der Arbeiterbevölkerung hat sih, wie wir an an- deren Stellen des Berichtes no< ausführlicher darlegen werden, un- verkenntar, wenn auch noch nit in dem gewünschten Maße gebessert,

Die Kaiserlihe Botschaft vom 17. November hat die Ueber- zeugung befestigt, daß die Reichsregierung nah wie vor den großen nationalen, wirthshaftlihen Aufgaben ernste Aufmerksamkeit zuwen- ‘den und speziell auf die positive Förderung des Wohles der Arbeiter, ohne welche wirkli< gesunde soziale Verhältnisse nicht zu erreichen sind, unverrü>t im Auge behalten wird. L

Der allgemeine Aufs{<wung is #o augenscheinli<h, daß er au< von der Freihandelspartei ni<t mehr geleugnet wer- den kann. Wenn dieselbe behauptet, dieser Umschwung stehe mit der neuen Wirthschaftspolitik ni<t in Verbindung, wie

-das seine Verbreitung über alle Industriestaaten beweise, so kann doh bei unbefangener Betrachtung nicht in Abrede gestellt werden, daß ohne {<üßende Zölle das deutshe Gebiet nah wie vor mit den Fa- brikaten des Auslandes übers<wemmt worden wäre, was eine wesent- liche Besserung verhindert haben würde. Es liegt sona hier offen- bar au< ein ursähliber Zusammenhang, nicht bloß eine zeitliche Aufeinanderfolge vor. Die Abnahme der Einfuhr und die gesteigerte ‘Ausfuhr beweisen unwiderleglid, daß der nationale Gewerbfleiß sich unter der jeßigen Wirthschaftspolitik stärker entwickeln und der aus- ländischen Konkurrenz erfolgreicher entgegentreten konnte.

Wir wollen niht behaupten, daß unsere wirthschaftlichen Bu, {tände wieder normal zu nennen sind. Aber die im leßten Jahrzehnt erlittenen Verluste sind größer gewesen, als selbst die Freunde der Industrie vermuthet haben. Und wenn eine s{were, langdauernde Erkrankung eine langsame Genesung bedingt, so kann auch eine fieben- jährige Erwerbsfrisis nur allmähli<h überwunden werden.

Wir glauben, hoffen zu dürfen, daß der jeßige niht wie vor zehn Jahren \{<windelhafte Aufs{<wung unserer wirthschaftlichen Thätigkeit, dem damals eine Reaktion naturgemäß folgen mußte, langsam und stetig fortshreiten wird, unbeschadet vorübergehender Schwierigkeiten, weil basirt auf gesunder wirthschaftliher Grundlage. a

Nachdem das Taba&monopol im Reichstag mit so großer Ma- jorität abgelehnt worden ift, enthalten wir uns, diese Frage zur Zeit no< einmal näher in Betracht zu ziehen. Wir bedauern aber, um so lebhafter, daß diese Selbstbesteuerung, der sih jeder Unbemittelte ohne Gntbehrung des Nothwendigen unterziehen kann, cinstweilen nicht zur Einführung gelangt, als darin ein besseres Mittel geboten war zuc Entlastung der überbürdeten Kommunen, wie es unseres Erachtens irgend eine Steuerreform oder neue Steuer bieten kann. Z

Der „Norddeutschen Allgeineinen Zeitung berihtet man aus Bauten, 13. September: E i

Der säcsis<e Gewerbevereinstag, auf welwem 76 Vereine ver- treten waren, hat mit 61 gegen 15 Stimmen den Beitritt zu den Beschlüssen des Magdeburger Handwerkertages abgelehnt, in dem er sich zugleich gegen Einführung von Zwangsinyungen erklärte. Die Einführung obligatorischer Arbeitsbücher wurde mit allen gegen zwei Stimmen gefordert. Die Zittauer Gewerbekammer hat dem sächsischen Minister des Innern die für die Bestrebungea zur Schaffung freier Innungen schr wichtige Frage vorgelegt: „Wird die höhere Verwal- tungsbehörde von den ihr durch $. 100e. der Gewerbeordnung er- theilten Befugnissen Gebrau<h machen und zwar einen Gebrauch, der die Ertheilung der im S. 10e. vorgesehenen Rechte der Innung niht als Ausnahme, sondern, Hei Vorhanden- fein der geseßlichen Vorausseßungen, als Negel erscheinen läßt?“ und ferner die Frage und den Wunsch: „0b und daß dens jenigen Innungen, welche {on unter Geltung des früheren Tit. VI. der Gewerbeordnung verstanden haben , Zucht im Lehrling5wesen zu halten, bei Umgestaltung der Statuten in Gemäßheit des Gesetzes vom 18. Juli 1881 auf Grund dieser ihrer bereits gezeigten Leistungen und bewährten Kraft die in 8. 100e. der Gewerbeordnung vor- gesehenen Rechte ertheilt werden.“ In der Eingabe is ausgeführt, daß die Bejahung beider Fragen eine ganz wesentlibe Unterstüßung der auf Förderung des Innungswesens gerichteten Bestrebungen der Kammer sei, und es sind die Gründe angegeben, aus welchen die Bejahung der gestellten Fragen und die Erfüllung der auêgesprochenen Wünsche gerechtfertigt erscheint. E z :

Die „Wiesbadener Zeitung“ shribt:

Ziemlich allgemein ist die Anerkennung, welche die Handels- kammern in ihren Berichten der Staatseisenbahnpolitil zu Theil werden lassen. Eine große Anzahl derselben hält niht mit dem Ein- gesiändniß zurü, daß die Verstaatlichung der Eisenbahnen von segens- reicher Wirkung auf alle in Betracht kommenden Verbältnisse fei. ¿Coo äußert die Handelskammer für den Stadtkreis Duisburg ihre An- erkennung über die Verstaatlibung der Bergisw-Märkishen Bahn. Es gereiche ihr zur großen Freude, diefen Schritt sobald und ohne Schwierigkeit vollzogen zu sehen, denn es liege auf der Hand, daß die Vortheile, welche das Staatsbahnsystem biete, in den westliden Pro- vinzen erst zur Geltung kommen könnten, na<dem die Bergisch- Märkische Eisenbahn der freien Verfügung des Staats anheim- gefallen sei.

Aus dem Wolffschen Telegraphen-Bureau.

London, Freitag, 15. September. Dem „Reuterschen Bureau“ wird aus Alexandrien gemeldet, Arabi und Tulba Pascha seien von dem Polizeipräfekten in Kairo festgenommen worden, als sie versuchten, die Bevölkerung zum Widerstande aufzureizen. :

Alexan drien, Freitag, 15. September. Die eng- [ische Kavallerie ist gestern in Kairo eingetroffen. Der Khedive und der Generalkonsul Malet werden si< nah Kairo be- geben, sobald der Weg dorthin offen ist. General Wolseley ist gestern mit der Gardebrigade auf dem Marsche nah Kairo in Zagazig eingetroffen.

Statistische Nachrichten.

ì Mittheilung des Statistischen Amtes der Stadt n sind bei den hiesigen Standesämtern in der Woche vom 3. September bis inkl, 9, September cr. zue Anmeldung ge- kommen: 168 Ebescbließungen, 871 Lebendgeborene, 27 Todt- geborene, 554 Sterbefälle.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Die in Nr. 214 des „Reichs - Anz.“ angekündigte Schrift Aegypten, auf Grund sünsehnjäheiger Erfahrungen mit Berü- fibüiguna der neuesten Ereignisse von Carl Stangen, ist im Ver- lage von Heinri Schmidt u, Carl Günther in Leipzig erschienen.

Die in Leipzia am 16. September d. J. erscbeinende Nr. 2046 der Jllustrirten Zeitung enthält folgende Abbildungen: Zur 250jährigen Erinnerung an die Schlact bei Lüben: 1) ie Heer- führer der Schlacht : fas Adolf, König von Schweden, gean Bernhard von Sachsen-Weimar, Albre<t von Wallenstein, Herzog

iccolomini. 2) Der Tod Gustav Adolfs, Originalzeichnung von W. Rareo (zweiseitig). 3) Das Gustav Adolf-Denkmal bei Lützen, Oris ginalzeibnung von B. Straßberger. Bilder aus Lützen. 4 Abbil- dungen. Originalzeihnungen von K. Smeter: 1) das Schloß, 2) die alten Pfeiler der Zugbrüce vor dem Swloß, 3) das Rathhaus, 4) Gasthaus zum Rothen Löwen mit Nebenhaus. Ansicht von Lüßen aus dem Jahre 1632. Alter Plan der S@laht bei Lüßen. Der Schwedenschimmel zu Ingolstadt. Denkmünze auf den Tod Gustav Adolfs in der Schlacht bei Lützen. Vorder- und Rü>seite. Das Koller Gustav Adolfs, welces er in der S<lacbt bei Lützen getragen hat. Protestantische Kirben in öfterreihishen Bädern und Kurorten. Nab photographischen Auf- nahmen gezeihnet von L. E. Petrovits. 13 Abbildungen (zweiseitig): 1) Johannisbad. 2) Naßwald. 3) Väslau. 4) Teplitz. 5) Ischl. 6) Innsbru> (Inneres). 7) Innsbru> (Aeußeres). 8) Gaiîtein. 9) Marienbad (englische Kirche) 10) Karlsbad (englishe Kirche). 11) Franzensbad. 12) Karlsbad. 13) Marienbad. Neue pilzliche Krankheiten des Weinsto>ks. 3 Figuren. Ein altes französisches Siegel. Frauenzeitung: Marie von Bülow. Polytechnische Mittheilungen : ae Longue aus Rohr. Tranéêportabler Waggon-

olftersiß (2 Figuren). i y Mer Die Zeit vom 13.—21. April d. J. war nah Ausweis der bei der deutschen Seewarte in Hamburg eingegangenen Schiffs- journale eine Epoche besonders häufiger und heller Nordlicht- erfheinungen auf dem atlantiswen Dcean. Mit Ausnahme der Nacht vom 17.—18. April wurden Nordlichter während des genannten Zeitraumes in jeder Nacht und sogar mehrmals gleichzeitig beobachtet auf - weit von cinander entfernten Positionen, nämli<h auf einem Striche, der ih längs des Weges von den Vereinigten Staaten na<h dem Kanal von etwa 40 Grad nördlicher Breite und 70 Grad westliher Länge (von Greenwich) nach 50 Grad nördliher Breite und 20 Grad westlicher Läuge erstre>te. Am tärksten ausgeprägt und in weitester Ausdehnung sihtbar war das Phänomen in der Nacht vom 16./17. April. Nach einer Mittheilung, die im Junihefte der „Zeitschrift der österreichishen Gesellschaft für Meteorologie“ veröffentliht worden ist, fanden um dieselbe Zeit, als die Nordlichter auf dem Ozean beobachtet wurden, in Wien und an anderen Orten ungewöhnlich große magnetische Stöcungen statt. Zu gleicher Zeit erschienen in Neuseeland auffallend helle Südlichter. Das 8. Heft der „Annalen der Hydrographie und maritimen „,Meteorologie“ begleitet die vorstehenden Notizen mit einer Uebersicht über das Wetter, welches zur Zeit der Nordlichterscheinungen auf dem nordatlantischen Ocean herrs<te und bringt die Namen von 23 Swiffen, auf denen bezüg- liche Beobachtungen gemacht wurden. Es ist diefen Mittheilungen noch die Notiz hinzuzufügen, daß auch auf dem Kew Observatory am 17. April ein \<werer magnetiswer Sturm beobachtet wurde, der von Mitternacht den 16., bis Mitternaht den 17. April anhielt. Gleichzeitig oder kurz vorher zeigten sh auf der Sonne große

Flede. KLand- und Forstwirthschaft.

London, 11. September. Der „Mark Lane Expreß“ schreibt : Seit lektem Dienstag ist das Wettcr für die Erntearb eiten im ganzen Königreiche mit nur wenigen Ausnahmen günstig gewesen und es ist wahrscheinlich ein großes Quantum Getreide eingebraht wor- den. In Schottland steht der größte Theil der Getreideernte in den niedrigen Distrikten in Garben. Wahrscheinlich ist, daß der Weizen- ernte bis jet kein großer Nachtheil erwu<hs, da das Wetter, obgleich den Arbeiten ungünstig, nur während einer kurzen Zeit derartig ge- wesen ist, daß das Getreide auswacbsen konnte. Hinsichtlich der Gerste stellt sib die Sache jedo<h anders und es darf als sicher angenommen werden, doß ein großer Theil dieses Getreides ent-

ärbt ist. ] Gewerbe und Handel.

Nürnberg, 13, September. (Hopfenbericht der „Allgemei- nen Brauer- und Hopfen-Zeitung“.) Der Marktverkehr hält mit dem Einkaufsgec{häft in den Produkkion8orten gleichen Sritt ; tro>ene Waare findet dort ras< Nehmer, wie auch die hier cinkommenden Abladungen zu unveränderten Preisen tägli Absatz finden. Noch nach Ausgabe der leßten Nummer unseres Blattes steigerte sich der Cinkauf in neuen Hopfen auf 200 Ballen, welche an jenem Tage an den Markt gekommen waren und bis 10 H höher bezahlt wurden; cine Parthie 1881 er Waare erzielte 200 4 Montags kamen weitere 250 Ballen, gestern sogar 700 Ballen neuer Hopfen zu Stadt, unter welchen Württemberger, Hallertauer und etliche Ballen Steiermärker 235 bis 250 4, Markthopfen 200-230 A. erzielen konnten. Alt- märker, nur in einzelnen Ballen vertr-ten, verkaufte si zu 215 Troßdem die Waare no< nicht gehörig getro>net is und daher keinen weiten Tranéport vertragen kann, so war doch gestern die erhöhte Zufuhr bald vergriffen. Der Einkauf ist {on ein vielseitiger geworden, und Mangel an Vorräthen scheint Händler und Konsumenten zu zwingen, auch halbtro>ene, frishe Waare mit in den Kauf zu nehmen. In altem Hopfen, der in den leßten Monaten zu sehr lebhaftem Verkehr Anlaß gab, haben sib Angebot und Nachfrage sehr vermindert. Heute blieb die Zufuhr kleiner. Bis Schluß dieses Blattes waren nur 150 Ballen neuer Hopfen zu Markte gekommen, die zu steigenden Preisen abgingen. Stimmung äußerst fest. Die heutigen Notirungen lauten: 1882r beste Markthovfen 220—230 M, do. secunda deêgl, 210—218 M, do. geringe desgl. 200 —208 M, do. Hallertauer 235—255 4, do. Württemberger 235— 260 6, do. Badische 235—255 H, 1881r Hovfen 180—200 M, 1880r Hopfen 80—105 M, 1879r Hopfen nominell 55—75 X, ältere Fahrgänge 30—59 M i:

A Tobias. 14, Meilen er. (D. Ti B.)

Wollauktion waren Preise unverändert. : = Bradford, 14, September. (W. T. B) Wollmarkt in besserer Stimmung auf die Nachrichten aus Egypten, ordinäre Wollen belebt, Fleecewollen ruhig, wollene Garne \{wä<er, wollene Stoffe in guter Frage für das Inland, in geringer Frage für das Ausland

Bukarest, 14. September. (W. T. B.) Das hiesige Handels- gericht hat die Verlegung des Sitzes der rumänischen Eisen- bahngesells<aft von Berlin nah Bukarest in das Handelsregister eingetragen.

Bei der gestrigen

Verkehrs-Anstalten.

Ueber die Erweiterung des griechischen Eisenbahnneßzes entnehmen wir dem 5. Hefte (September und Oktober) des laufenden Jahrganges des „Archiv für Eisenbahnwesen" folgende Angaben: Das Projekt Piräus-Patras soll in erweiterter Gestalt zur Aus- führung kommen, die desfallsigen Verträge mit Unternehmern find bereits abgesblossen“ und von der Volksvertretung genehmigt. Diese Linie soll si< in der Richtung von Osten na< Westen, demnächst entlang der Nordküste des Peloponnes erstre>den und fo gende

unkte berühren: Piräus, Eleusis, Megara, Kalamalki, Neu-Korinth, Zeugolati, Kiata, Sykia, Hylocastro, Aegium, Patras. Von Patras wird die Bahn na Pyrgos fortgeseßt, wo sie Anschluß an die bei- nahe vollendete Bahn Pyrgos-Katakolo findet. Von Korinth erftre>t si eine weitere Bahn in südlicher Ribtung über Argos na Nau- plion mit einer kleinen Zweigbahn von Argos nah Myli. Die Spur- weite der Bahn soll 1 m betragen, dieselbe muß in 4 Jahren fertig- gestellt sein. Die Regierung übereignet der Gesellschaft Grund und Boden unentgeltlid und gewährt eine Subvention von 20 000 Neu- drahmen (ungefähr = 15000 M) für das Kilometer. Die Bahn wird zunäcst eingleisig gebaut, die Gesellschaft ist zur Herstellung des weiten Gleises verpflictet, sobald ihre Bruttoeinnahmen 30000 Fr. ür das Kilometer überfeigen. Ganz getrennt hiervon werden dur< eine andere Geséllshaft in Thessalien zwei Linien gebaut, von Volo über Velestinna und Gereli nah Larissa und von Velestina über Aisali, Phersala, Karditza, Trikala nah Kalampaka. Erstere ist bereits im Bau und soll in 3 Jahren, leßtere in 5 Jahren fertig werden. Die Bedingungen für den Bau sind im wesentlichen Neven, wie bei den peloponnesishen Bahnen, au sie sind \{malspurig und eingleisig, Eine dritte Bahn soll von

von Friedland, Gottfried Heinri<h Graf von Pappenheim, Octavio

Kephissia abgebt, nah Athen führen. Diese Bahn wird von der

Besißerin der Laurion-Bergwerke ohne Subvention gebaut, muß in 3 Jahren fertig sein, und die Prozesse zwischen dem Fiskus und der Gesellscaft der Laurion-Bergwerke werden niedergeslagen.

Triest, 14. September. (W. T. B.) Der Lloyddampfer „Urano“ ift heute Mittag aus Konstantinopel hier eingetroffen.

Berlin, 15. September 1882.

Ueber die Auflösung der Berliner Stadtverordneten- versammlung theilt die „Prov. Corr.“ folgendes Thatsächliche mit : Die nach $. 13 der Städteordnung vom 309, Mai 1853 von den stimmfähigen Bürgern aab Maßgabe ihrer direkten Steuerleistungen in drei Abtheilungen zu bewirkende Wahl der Stadtverordneten kann nah $. 14 ibid., insoweit mehr als 591 Wähler vorhanden sind, in gesonderten Wahlvezirken geschehen, welche letzteren in solbem Falle nah Maßgabe der n dec stimmfähigen Bürger von der Gemeinde- behörde abzugrenzen sind. -

s In L Stadt Berlin find bald na< Erlaß der Städteordnung, unter Berücksichtigung der damaligen Vertheilung der Bevölkerung auf die einzelnen Stadttheile, 36 für die drei Wählerabtheilungen gleihmäßig geltende Wahlbezirke abgegrenzt worden, in denen von jeder Abtheilung 36 (in Summa 108) Stadtverordnete zu wählen waren. : : S Inzwischen aber hat sich die Zahl der Einwohner in diesen Wakhlbezirken dermaßen verschieden gestaltet, daß sie gegenwärtig zwischen 4055 bezw. 5068 Ginwohner im 1. bezw. 17. Wahlbezirk einerseits und 111 N E 2 369 Einwohner im 23. bezw. 25, Wahlbezirk andererseits \{wankt. E

Eine Milderung der sid hieraus bei Ausübung bes Wahlrechts ergebenden exorbitanten Mißverhältnisse hat inzwischen nur in der Weise stattgefunden, daß im Jahre 1880 mit Genehmigung der Auf- sichtsbehörde die Stadtverordneten von 108 auf 126 vermehrt und die so Hinzutretenden den Wahlbezirken mit höchster Bevölkerungs- zahl zugetheilt worden sind. Cine einigermaßen genügende Abhülfe hat si jedo hierdurch selbstverständlich nicht erzielen lassen und eine erhebliche weitere Erhöhung der Zahl der Stadtverordneten ist all- seitig als unthunlich erkannt. 1 E

Gin Mittel gründlicher Abhülfe if allein in der Abgrenzung anderweiter, den veränderten Bevölkerungsverhältnissen entsprechender Wahlbezirke zu finden, E Die Bel breituea dieses Weges bietet aber Schwierigkeiten inso- fern, als na $. 21 der Städteordnung die Wahlen zur regelmäßigen Ergän.ung der Stadtverordnetenversammlung jedesmal in denselben Wahlbezirken vorzunehmen sind, in welchen die Ausgeschiedenen ge- wählt waren. : : S

Der Magistrat der Stadt Berlin hat fi< daher in einer der Stadtverordnetenv:rsammlung unterm 14. März 1878 gemachten Vorlage dafür ausgesprochen, daß der Erlaß einer die Stadtver- ordnetenversammlung auf Grund des $8. 79 der Städteordnung auf- lösenden Königlichen Verordnung in Anregung gebra<ht werde und zur Begründung in überzeugender Weise ausgeführt, wie für die in solhem Falle nothwendig wertenden vollständigen Neuwahlen die allein für regelmäßige Wahlen festgeseßte Beschränkung des $. 21 der Städteordnung nicht Platz greife, vielmehr der vorgängigen Ab- grenzung neuer zweckentspre<hender Wahlbezirke Nichts entgegenstehen würde. : :

Mit dieser seiner Rehtsanshauung stand der Berliner Magistrat nichts weniger als isolirt da; es hatte vielmehr {hon vorher die gleiche Auffassung au< innerhalb der Berliner Stadtverordnetenver- sammlung selbst, fowie in der hauptstädtischen Presse die lebhafteste Vertretung gefunden und war beispielsweise in cinem in Nr. 17 der Berliner „Volks-Zeitung“ de 1875 unterm 18. Januar 1876 ver- öffentlihten Artikel des damaligen Stadtverordneten Eugen Richter völlig sahgemäß dargelegt worden, wie zur Ermöglichung einer ge- rechten Eintheilung der Kommunalwahlbezirke kein anderes Mittel als die allgemeine Neuwahl bleibe, eine sol<he aber nah der Städte- ordnung nur nah einer dur< Königliche Verordnung vollzogenen Auf- lôsung der Stadtverordnetenversammlung möglich fei.

Indessen hat ter Magistrat damals unterlassen, seinen Plan an maßgebender Stelle zu verfolgen, weil er hierzu die übrigens nah bestehendem Recht nicht erforderliche Zustimmung der Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung nit zu erlangen vermochte.

Die Verhandlungen darüber, ob und was zur Beseitigung der zu Tage liegenden \{hreienden Mißverhältnisse zu bewirken sein möchte, baben nun seitdem im Schoße der ftädtishen Behörden vier weitere Jahre lang geshwebt und sind s{ließlih dahin ausgelaufen, daß der Magistrat mit dem von ihm aufgestellten Entwurf eines Abänderungs- gesetzes zur Städteordnung hervortrat, nah welchem cs unter gewissen Modalitäten zulässig sein würde, die fragliche Vorschrift des S. 21 der Städteordnung für eine se<sjährige Wahlperiode außer Kraft zu setzen. f 3 M Dieser Entwurf hat aber bei näherer Erwägung als eine geeig- nete Grundlage für weitere Maßnahmen der Königlichen Staats- regierung niht anerkannt werden können. Es liegt dies einmal in den Einzelheiten desselben, nah welchen insbesondere die volle Durch- führung der so dringend nothwendigen Neuregelung vorerst wiederum auf eine Reihe von 6—8 Jahren hinausgeshoben werden würde. So- dann läßt sih unshwer voraussehen, daß eine die Regelung von Koul- munalwahlverhältnissen betreffende Vorlage im Landtage so erhebliche Meinungsverschiedenheiten über Art wie Umfang der vorzunehmenden Gesctetänderung hervorrufen würde, daß die Erreihung des Zwecks auf diesem Wege von vornherein re<t zweifelhaft wäre. Endlich aber muß es grundsäulih bedenkli<h erscheinen, behufs Hebung von Mißständen zu ¡tückweiser Aenderung eines organischen Landesgeseßzes zu greifen, während eine ras< und sicher zum Ziele führende Hülfe in der dur dasselbe Geseß an die Hand gegebenen Ausübung der landesberrlicben Autorität zu finden ist. “Cie

Die Königliche Staatsregierung hat es nunmehr als eine si aus ihrem Aufsichtsre<t ergebende Obliegenheit erachtet, einer end: liden angemessenen Regelung der Berliner Kommunalwahlverhält- nisse ibrerjeits nahe zu treten, und für diefe Regelung nur den vom Magistrate in sciner Vorlage vom 14. März 1878 Bn Rg Weg einer Allerhöchsten Orts zu beantragenden Auflösung der Stadtverordnetenversammlung in Aussicht nehmen zu können geglaubt.

Doch soll von den der Königlichen Staatsregierung für den Fall solcher Auflösung in $. 79 der Städteordnung gegebenen Befugnissen nur insoweit Gebrau gemacht werden, als cs zur Erreichung des Gndzweds direkt erforderli ist, und demgemäß namentli nit eine vorläufige Einseßung besonderer Kommissarien an Stelle der Stadt- verordneten stattfinden, soatern unmittelbar na< der Auflösung mit der Wahl und demnästigen Einführung der neuen Stadtverordneten vorgeaangen werden.

E Blut aber ist unerläßli<, daß bereits- vor der Auflösung zwe>- entsprechende neue Wahlbezirke feststehen, und es hat daher der Ma- gistrat bereits vor Monaten den Auftrag erhalten, zuvörderst ein Tableau solcher M irn us ap mt der Vorschristen des $. 14 der Städteordnung seinerseits zu entwerfen.

Der Magistrat hat in diefem Stadium der Sache si veranlaßt gefunden, gegen den ganz im Sinne seiner eigenen früheren Vorscbläge von der Königlichen Staatsregierung beshrittenen Weg überhaupt als cinen geseulid nit unbedenklihen Remonstration zu erheben, au< zuglei für den Fall der Nichtberücksichtigung dieser Remonstra- tion den Wunsch aud geren daß dieselbe des Kaisers und Königs Majestät unterbreitet werden möge

"Es ist letzterem Wunsche entsprochen, und na<bdem eine ein- gehende Prüfung der es geaen die projektirte Auslöimng vom Standpunkte des Rechts und der Opportunität erhobenen wendungen stattgefunden hatte, dur< Allerhöcbste Ordre der Minister des Innern ermächtigt, den Magistrat mit abweisendem Bescheide zu versehen.

d ion- werken über Therikos, Keratia, Markopulo, Koropi, A s Cl landri von wo eine Zweigbahn - nördlih nah

ine Würdi der einzelnen beim Magistrate seinen déi , Vorschlag inzwischen ovoibinia Bedenken wiede über